{"numero_id": "bm-bmtnabb-1914-11-01", "volume": "bmtnabb_1914-11_01", "ocr_sha256": "7978b0587da6f2387e764fe79288a824540d2e63ad3fbbbf480ab8e7e2856ef3", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1914/11_01/bmtnabb_1914-11_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1914/11_01/bmtnabb_1914-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_01#c002", "volume": "bmtnabb_1914-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "27", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.2.2", "titre_corps": "Max: Scheler nennt in einem Aufsatz den Krieg ein", "titre_sommaire": "Max: Scheler nennt in einem Aufsatz den Krieg ein", "signature_source": "Franz Werfel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2020, "texte": "Max: Scheler nennt in einem Aufsatz den Krieg ein meta-\nphysisches Erwachem Wir selbst haben in vielen Augenblicken,\nda uns die sittliche Großmacht des deutschen Volkes, das wunder-\nbare Gesicht eines Soldaten, das schlagende Herz der Städte mit\ntausend Begeisterungen übersieh diesen Krieg gegen Niedertracht\nund Politik gutgeheißen.\nAber ist es Recht, daß wir den Rausch und die Liebe, die in\nuns doppelt erwacht sind, auf ein Ding tun, das schlecht ist, höllisch,\naus dem nichts Gutes kommt, dessen letztes Ziel die Macht ist, und\nnicht die Liebe? \" « i\nIn seinem symbolischen Volk hat Gott die Wahrheit dieses\nHerbstes sichtbar gemacht.\nIn den Kavalleriekåmpfen in Galizien ritt auf österreichischer\nSeite ein polnisch jüdischer Ulan eine Attacke mit. Als das Melee\nsich entwickelte, holte der Ulan mit einem Säbelhieb einen feind-\nlichen Reiter vom Pferde. El) dieser aber aus dem Sattel sank,\ngriff er hintenåber in die Luft und rief schauerlich, langsam, in\neinem ungeheueren Entsetzen die ersten Worte von seinem und\nseines Feindes Glaubensbekenntnis: »schema Jisroel«.\nDer österreichische Ulan wurde in demselben Kampf leicht\nverwundet. Als man ihn auf den Hilfsplatz brachte, war er wahn-\nsinnig. Jetzt sitzt er stumm, mit verwahrlostem Bart, blind, doch\nmit dem blinden Blick des Gdipus in einem Prager Lazarett.\nSeine Seele hat erkannt, als der Bruder von seiner Hand\nstürzte. Er ist metaphysisch erwacht, und wacht so sehr, daß es\nfür ihn niemals mehr den bequemen Schlaf des Lebens geben wird.\nUnd ich sage, dieser Wahnsinnigq der arme polnische Jude ist\nein vollendeterer Mensch als alle Krieger, die sich an die Schrecken\nder Schlacht gewöhnen. Er ist das Jdealbild einer späteren besseren\nMenschheit, die sich nicht mehr wird töten können, weil ihr Schlaf\nnicht mehr so tief sein wird. Der Krieg wird nicht mit der\ndurchgeführten Interessengemeinschaft aufhören, sondern mit dem\nleichteren Schlaf, dem heikleren Gewissen, und der Bereitschaft\nzum metaphysischen Erwachem Mit der Gefahr, daß jeder Soldat"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 280, "texte": "wahnsinnig wird, weil jeder erkennen muß. 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Wenn ich früher an den Sinn des\nStaates für mich dachte, —-— wie kam es, daß mir dann als Symbol\njedesmal nur die Straßenbeleuchtung zur Nachtzeit nebst ermüdet\numherschauenden Wachleuten einsiel und daß ich etwa glaubte, mit\neiner kleinen privaten Taschenlaterne könne dieser Sinn ebensogut\nerfüllt werden? Warum war das Gesicht des Staates, das mir\nzuweilen erschien, ein so wohlbekanntes und widriges Mischmasch,\ndessen einzelne Bestandteile ungefähr sich darboten: als Grimassen\nverdrießlich und trotz ihres Halbschlafes sehr streng prüfender\nProfessoren bei einem der zahlreichen Staatseramina, als Miene\njenes Ministerial-Hofrates, der sich vor lauter Wohlwollen und\nUnbefangenheit sogar auf die Ecke der Tischsiåche setzte, ganz wie\nein alter Ramerad, als er mir die heillos abschlågige Antwort gab?\nJa, der Staat hatte sich immer hochmütig und herrisch gegen uns\nverhalten, und so behandelte auch ich ihn wie etwas, an das man\nlieber nicht denkt. i\nNun aber kam die Zeit, in der man an nichts anderes denken\nkann und mag als an diesen kühlen, unfreundlichen Staat. Aber\nnein, welches Wunder! Der Staat war ja nicht mehr unfreundlich,\ner begann ja mich anzureden, zu bitten, zu ermahnen, in jeder\nZeitung, an jeder Straßeneckq er begann, mir sein neues schönes\nGesicht zu zeigen, er stellte seine Befehle ein, die man fremd be-\nfolgt hatte, und gab andere Befehle, aus denen es herausklang:\nDu, Mensch, und ich, Staat, wir sind ja beide dasselbe, ——- ge-\nhorche mir nicht widerwillig, sondern wisse, daß ich alles, was\nich tue, nur für dich und deine Ehre und deine Seele tue . . .\nDas war die große Verwandlung: Der Staat begann, seine Bürger\nzu lieben, oder vielmehr, er hatte sie immer geliebt und sein Dasein\nwar, richtig aufgefaßt, nie etwas anderes gewesen als diese Liebe,\naber jetzt erst zeigte und sagte er dies« auch, und die törichten\nBürger, die ihn bisher mißverstanden hatten, sie liebten nun auch"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1253, "texte": "ihn mit maßloser, redlicher Liebe. Der Staat demütigte sich vor\nuns und wir ließen dies nicht zu, sondern demütigten uns vor ihm.\nWir sahen einen großen Vater über uns, voll Fürsorge und viel\ngescheiter und vorausblickender als wir. Und so wurde das neue\nGesicht des Staates ein Bild erhabenster Iugendlichkeiy es verband\nKlugheit und Liebe in sich, wie wir das vorher noch nie an irgend\neinem Menschen erlebt hatten. Es war eben Übermenschlithes über\nuns gekommen; und damit spreche ich nicht von dem Gefühl der\nganz Glücklichen, für welche dieser Krieg ein nationaler deutscher\nKrieg ist, sondern von denen, die in ihm nur das Walten, Leiden,\nSiegen des bloßen Staatsorganismus fühlen können wie wir im\nvielsprachigen Gsterreich Ich habe Lemberg und Czernowitz nie\ngesehen und ich werde vielleicht hundert italienische Städte besuchen,\nehe es mir einfallen wird, nach Galizien zu reisen. Aber als man\nmir Lemberg und Czernowitz nehmen wollte, da fühlte ich an\nmeinem Körper, daß sie Rechtens zu mir gehören und daß ich sie\nauf keinen Fall vermissen kann. Ich verstand plötzlich alle Drang-\nsale und Sorgen des Staates von innen heraus; ja es fehlt nicht\nviel, so werde ich auch verstehen, warum er mich früher immer\nso bös anschauen mußte. i\n\nMax Brod"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_01#c007", "volume": "bmtnabb_1914-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.2.6", "titre_corps": "»Völker bunt im Feldgezelh «", "titre_sommaire": "»Völker bunt im Feldgezelh «", "signature_source": "Hugo von Hofmannsthal", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 668, "texte": "Hugo von Hofmannsthal\n»Völker bunt im Feldgezelh «\n,,Wird die Glut sie, löten?\n,,Oestreich, Erdreich vieler Art,\n»Trotzestdu den Nöten ?«\nAntwort gibt im Felde dort,\nFaust, die festgeballte,\nAntwort dir gibt nur e in Wort:\nJenes Gott erhalte!\nUnsern Kindern eint uns dies,\nWie’s uns eint den Vätern,\nEiner heut die Kåmpferschatz\nHier mit uns den Beterm\nBerge sind ein schwacher Wall,\nHaben Kluft und Spalte:\nBrust an Brust und Volk bei Volk\nSchallt es: Gott erhalte!\nHelden sind wie Kinder schlicht,\nKinder werden Helden,\nWorte nicht und kein Gedicht\nKönnen’s je vermelden.\nUngeheueres umfaßt\nHeut’ dies heilig Alte,\nUnd so dringt’s zum Himmel auf:\nUnser Gott erhalte!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_01#c009", "volume": "bmtnabb_1914-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "34", "page_fin": "34", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.2.8", "titre_corps": "Mit warmer Sonnenhut umgolden sich die Fichten.", "titre_sommaire": "Mit warmer Sonnenhut umgolden sich die Fichten.", "signature_source": "Theodor Dàubler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 806, "texte": "Theodor Dàubler\nMit warmer Sonnenhut umgolden sich die Fichten.\nMillionen Silbertropfen flimmern in die Tiefe.\nWie froh die Sprudel jeden Sprung zum Waldsee richten,\nEs ist, als ob die Schlucht von Lust und Iubel triefe.\nDas Mondgebirge kann den Silberschmuck verschenken:\nSo heißt es, weil dort oben große Büsselheerden\nAuf einmal Psiüge bis zum Abhang lenken,\nDaß sieben Hörner blank am Himmel sichtbar werden.\nIm Tau der Talnarzissenwiese singen Kinder:\nIhr Lied verklärt der Helden fernes Talentsteigenz\nIm Silberharnisch kamen sie als Riesenåberwindeq\nUnd unbekannte Bäume folgten ihrem Schweigem\nDie Hörner seltner Rinder trugen sie beim Wandern,\nDas Volk erspåhte sie des Nachts auf steilen Kämmen-z\nDa waren sie allein und sprachen doch mit Andern,\nVielleicht den Ahnen von verwandten Heldenstämmem"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_01#c011", "volume": "bmtnabb_1914-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.2.12", "titre_corps": "» Pescara, an einem Augustmorgem", "titre_sommaire": "» Pescara, an einem Augustmorgem", "signature_source": "Martin Buber", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2068, "texte": "» Pescara, an einem Augustmorgem\nScheinbar wird uns von den Ereignissen die Ohnmacht des\nGeistes demonstriert, aber in Wahrheit können sie alle zuletzt\nnicht anders als dem Geist zu dienen. Heute Nacht weckten mich\nRanonenschüsse vom Meer her, ich stand am Fenster über dem\nurweltlich stillen Strand und hörte das Rollen aus der ungewissen\nFerne herüber, ich wußte nicht »was« es war —-—— ein Gefecht zwischen\ndeutschen und englischen Schiffen? —- nur daß es Vernichtung war,\nweithin nach allen Seiten Vernichtung, und ———— Reinigung des\nGeistes. Es riß mich aus meinen Grenzen, trug mich mitten in\nden Kampf, ich lebte einen Augenblick zerschmettert und befreit.\nUnd jetzt fühle ich immerzu das eine, daß derGeist all dies nicht\nüber sich ergehen läßt: daß er all dies als seinen Weg zu sich meint\nund will. Er ist es, der in diese Taufe tritt. Und wir: als den\nsiüchtigen Menschen, die sterben sehen und mitsterben, ist uns alles\nGrauen und die Todespein tausendfåltig zugeteilt, aber als seine\nGlieder wissen wir uns von ihm geführt und durch und durch\nunsterblich.\nBerlin, nach der Zzeimkehn\nBerlin zeigt mir endlich sein Gesicht, ein menschliches und be-\ndeutendes. Endlich gibt es seine Größe kund, die bisher hinter\nseiner Häßlichkeit verschwand; auch diese lernt man nun lieben,\ndenn beide gehören zusammen. Wenn ich durch die Straßen gehe,\nerkenne ich, stårker wohl als ich es auf dem Schlachtfeld selber\nvermöchte, die dreifache gegenwärtige Wirklichkeit: die Pflugschar,\ndas aufgewühlte Erdreich und den kommenden Samen. Jch sehe,\ntief unter allen Absichten und Aktionen und unendlich wirklicher\nals sie, die Bereitung.\nKinesis, Bewegung: so nannten Griechen den Übergang von\nder ruhenden zur wirkenden Kraft, vom Seinkönnen zum Sein.\nDas Zeitalter der Kinesis, in das wir getreten sind, hat nicht mit\ndiesem Krieg begonnen, es wird in ihm nur manifest. Dies ist das\nZeitalter, in dem die Seele des Menschen nicht mehr stockt und\nstarrt, sondern sich ins Äußerste der Tat ausschwingtz in dem die\nTat des Menschen nicht mehr von einem Getriebe vieler kleinen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1918, "texte": "Zwecke eingepreßt ist, sondern ihre Freiheit und ihre Vollendung\ngewinnt im Opfer. Nicht wie der Wert benannt wird, dem das\nOpfer sich weiht, ist die innere Wahrheit des Ereignisses, sondern\ndaß die Menschen für ihn sterben wollen. Nicht in ihrem Be-\nkenntnis: in ihrer Hingabe gibt sich das Göttliche kund. Sie werfen\ndas vertraute, das Sichere, das Bedingte hin, um sich in den\nAbgrund des Unbedingten zu stürzen. Und eben dies, daß sie es\ntun, ist die Offenbarung des Unbedingten in einer Zeit, die von\nihm verlassen schien. Dessen haben wir uns in den Schrecken und\nbittern Schmerzen dieses Tages zu freuen. Es ist eine furchtbare\nGnade; es ist die Gnade der neuen Geburt.\nAuch wer den Krieg verdammt, darf sein Ohr dem Brausen\nder Kinesis nicht schließen. Unsere Sache ist, daß es über ihn hinaus\nanschwelle und die Gewalt des neuen Aeons werde -—-—- Verwirk-\nlichung. Die Menschen werden tiefer aufgerüttelt als sie selber\nmerken, und was sie in diesem Krieg wiedergewinnen, die Rück-\nhaltlosigkeit des tuenden Wesens, werden sie in ganz anderen Kriegen\nzu bewähren haben.\nMorgen —- morgen haben wir die Richtung zu weisen. Rich-\ntung ohne Kinesis war lahm, aber Kinesis ohne Richtung ist blind.\nAn uns wird es sein, sie sehend zu machen. Nach diesem Krieg\nbeginnt die große Aufgabe, beginnt die hohe Zeit des Geistes.\nBewegung ist, alle Grenzen überrennend; Richtung soll kommen.\nO ihr, denen sie kund ist ——— wenn ihr sie nicht kündetet! Noch\nwaltet die Pflugschar ihres Werks; aber dann harrt das Land, in\njeder Scholle erschüttert: Same soll fallen. O ihr Bewahrer des\nrechten Korns ——- wenn ihr nicht ausgingt es zu säenl Die Zeit\ndes Opferns ist angebrochenz aber morgen soll das oberste Opfer\ngeschehen, das entscheidet. O ihr vom Geist Berufenen ———— wenn\nihr es nicht darbrächtetl Euch mehr als allen, morgen aber mehr\nals heute gilt euch das Wort: Wer sein Leben liebt, wird es verlieren.\n\nMartin Buber"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_01#c015", "volume": "bmtnabb_1914-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.2.13", "titre_corps": "Inhalt des Heftes 1:", "titre_sommaire": "Inhalt des Heftes 1:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 369, "texte": "Inhalt des Heftes 1:\nAugust 1914 J Willy Nowak —— Orig.-Steindruck J Michael Georg\nConrad — Wöchterruf J Maria CafpawFilser —- Orig.-Steindruck J\nEduard Graf Keyserling ——— Das Wunder von heute J Adolf Schin-\nnerer ——- Orig.-Steindruck J Rainer Maria Rilke —-— Wir haben eine Er-\nscheinung J Werner Schmidt —— Orig.-Steindruck J Annette Kolb -—-—\nIch denke zurück . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_01#c016", "volume": "bmtnabb_1914-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.2.14", "titre_corps": "Inhalt des Hefres 2:", "titre_sommaire": "Inhalt des Hefres 2:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.16", "debut_caractere": 371, "fin_caractere_exclue": 774, "texte": "Inhalt des Hefres 2:\nMax: Unold —- Origxzpolzschnitt J Regina Ullmann -—- Eichenlaub J\nAlfred Mombert — Aus einem ungedruckten Werke J O. 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Stein s—\nOrig.-Steindruck J Edwin Scharff ——— OrigxSteindruckj Thomas\nMann «—- Gutc Fccdpost - Franz Blei —- Vorspiel - Reue Beet) —-\nOrig.-Steindruck J Wilhelm Worringer —- Geschlechterkampf J Max\nUnold —- Origkzgolzschnitt J Willy Ndwak —— Orig.-Steindruck"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.2", "texte": "Max: Scheler nennt in einem Aufsatz den Krieg ein meta-\nphysisches Erwachem Wir selbst haben in vielen Augenblicken,\nda uns die sittliche Großmacht des deutschen Volkes, das wunder-\nbare Gesicht eines Soldaten, das schlagende Herz der Städte mit\ntausend Begeisterungen übersieh diesen Krieg gegen Niedertracht\nund Politik gutgeheißen.\nAber ist es Recht, daß wir den Rausch und die Liebe, die in\nuns doppelt erwacht sind, auf ein Ding tun, das schlecht ist, höllisch,\naus dem nichts Gutes kommt, dessen letztes Ziel die Macht ist, und\nnicht die Liebe? \" « i\nIn seinem symbolischen Volk hat Gott die Wahrheit dieses\nHerbstes sichtbar gemacht.\nIn den Kavalleriekåmpfen in Galizien ritt auf österreichischer\nSeite ein polnisch jüdischer Ulan eine Attacke mit. Als das Melee\nsich entwickelte, holte der Ulan mit einem Säbelhieb einen feind-\nlichen Reiter vom Pferde. El) dieser aber aus dem Sattel sank,\ngriff er hintenåber in die Luft und rief schauerlich, langsam, in\neinem ungeheueren Entsetzen die ersten Worte von seinem und\nseines Feindes Glaubensbekenntnis: »schema Jisroel«.\nDer österreichische Ulan wurde in demselben Kampf leicht\nverwundet. Als man ihn auf den Hilfsplatz brachte, war er wahn-\nsinnig. Jetzt sitzt er stumm, mit verwahrlostem Bart, blind, doch\nmit dem blinden Blick des Gdipus in einem Prager Lazarett.\nSeine Seele hat erkannt, als der Bruder von seiner Hand\nstürzte. Er ist metaphysisch erwacht, und wacht so sehr, daß es\nfür ihn niemals mehr den bequemen Schlaf des Lebens geben wird.\nUnd ich sage, dieser Wahnsinnigq der arme polnische Jude ist\nein vollendeterer Mensch als alle Krieger, die sich an die Schrecken\nder Schlacht gewöhnen. Er ist das Jdealbild einer späteren besseren\nMenschheit, die sich nicht mehr wird töten können, weil ihr Schlaf\nnicht mehr so tief sein wird. Der Krieg wird nicht mit der\ndurchgeführten Interessengemeinschaft aufhören, sondern mit dem\nleichteren Schlaf, dem heikleren Gewissen, und der Bereitschaft\nzum metaphysischen Erwachem Mit der Gefahr, daß jeder Soldat"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.3", "texte": "wahnsinnig wird, weil jeder erkennen muß. Und zum Teufel\nmit allen, die das ,,Reich Gottes auf Erden« nicht für die einzige\nGewißheit halten.\nFür die Erkennenden aber bleibt eins zu tun, sich nicht nach«\ndem Wind zu drehn, sondern zu erwecken, zu lehren, zu bessern!\n\nFranz Werfel"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.4", "texte": "Rudolf Leonhard\nAlle sterben in diesen Tagen --——\nwas sollen wir um den einen\nwortreich klagen,\nwir bleiben steinern und werden kaum weinen.\nWir weinten gestern ———\nda waren wir fassungslose Bräute und Schwestern;\nheut sind wir Frauen.\nWir überdauern den Krieg, und das große Grauen:\nWir wissen in unsern Schößen Leben,\njeden Verbluteten wiederzugeben."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.6", "texte": "Es ist mir,\"als habe der Staat zwei Gesichter, vielmehr, als\nhabe er seit dem Beginn dieser Ereignisse ein neues bekommen,\nwährend er bis dahin mit dem anderen sinsteren und, um es gleich\nzu sagen, unrichtigen Gesicht uns immer mehr geårgert als ges chreckt,\nkeinesfalls aber erfreut hat. Wenn ich früher an den Sinn des\nStaates für mich dachte, —-— wie kam es, daß mir dann als Symbol\njedesmal nur die Straßenbeleuchtung zur Nachtzeit nebst ermüdet\numherschauenden Wachleuten einsiel und daß ich etwa glaubte, mit\neiner kleinen privaten Taschenlaterne könne dieser Sinn ebensogut\nerfüllt werden? Warum war das Gesicht des Staates, das mir\nzuweilen erschien, ein so wohlbekanntes und widriges Mischmasch,\ndessen einzelne Bestandteile ungefähr sich darboten: als Grimassen\nverdrießlich und trotz ihres Halbschlafes sehr streng prüfender\nProfessoren bei einem der zahlreichen Staatseramina, als Miene\njenes Ministerial-Hofrates, der sich vor lauter Wohlwollen und\nUnbefangenheit sogar auf die Ecke der Tischsiåche setzte, ganz wie\nein alter Ramerad, als er mir die heillos abschlågige Antwort gab?\nJa, der Staat hatte sich immer hochmütig und herrisch gegen uns\nverhalten, und so behandelte auch ich ihn wie etwas, an das man\nlieber nicht denkt. i\nNun aber kam die Zeit, in der man an nichts anderes denken\nkann und mag als an diesen kühlen, unfreundlichen Staat. Aber\nnein, welches Wunder! Der Staat war ja nicht mehr unfreundlich,\ner begann ja mich anzureden, zu bitten, zu ermahnen, in jeder\nZeitung, an jeder Straßeneckq er begann, mir sein neues schönes\nGesicht zu zeigen, er stellte seine Befehle ein, die man fremd be-\nfolgt hatte, und gab andere Befehle, aus denen es herausklang:\nDu, Mensch, und ich, Staat, wir sind ja beide dasselbe, ——- ge-\nhorche mir nicht widerwillig, sondern wisse, daß ich alles, was\nich tue, nur für dich und deine Ehre und deine Seele tue . . .\nDas war die große Verwandlung: Der Staat begann, seine Bürger\nzu lieben, oder vielmehr, er hatte sie immer geliebt und sein Dasein\nwar, richtig aufgefaßt, nie etwas anderes gewesen als diese Liebe,\naber jetzt erst zeigte und sagte er dies« auch, und die törichten\nBürger, die ihn bisher mißverstanden hatten, sie liebten nun auch"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.7", "texte": "ihn mit maßloser, redlicher Liebe. Der Staat demütigte sich vor\nuns und wir ließen dies nicht zu, sondern demütigten uns vor ihm.\nWir sahen einen großen Vater über uns, voll Fürsorge und viel\ngescheiter und vorausblickender als wir. Und so wurde das neue\nGesicht des Staates ein Bild erhabenster Iugendlichkeiy es verband\nKlugheit und Liebe in sich, wie wir das vorher noch nie an irgend\neinem Menschen erlebt hatten. Es war eben Übermenschlithes über\nuns gekommen; und damit spreche ich nicht von dem Gefühl der\nganz Glücklichen, für welche dieser Krieg ein nationaler deutscher\nKrieg ist, sondern von denen, die in ihm nur das Walten, Leiden,\nSiegen des bloßen Staatsorganismus fühlen können wie wir im\nvielsprachigen Gsterreich Ich habe Lemberg und Czernowitz nie\ngesehen und ich werde vielleicht hundert italienische Städte besuchen,\nehe es mir einfallen wird, nach Galizien zu reisen. Aber als man\nmir Lemberg und Czernowitz nehmen wollte, da fühlte ich an\nmeinem Körper, daß sie Rechtens zu mir gehören und daß ich sie\nauf keinen Fall vermissen kann. Ich verstand plötzlich alle Drang-\nsale und Sorgen des Staates von innen heraus; ja es fehlt nicht\nviel, so werde ich auch verstehen, warum er mich früher immer\nso bös anschauen mußte. i\n\nMax Brod"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.8", "texte": "Hugo von Hofmannsthal\n»Völker bunt im Feldgezelh «\n,,Wird die Glut sie, löten?\n,,Oestreich, Erdreich vieler Art,\n»Trotzestdu den Nöten ?«\nAntwort gibt im Felde dort,\nFaust, die festgeballte,\nAntwort dir gibt nur e in Wort:\nJenes Gott erhalte!\nUnsern Kindern eint uns dies,\nWie’s uns eint den Vätern,\nEiner heut die Kåmpferschatz\nHier mit uns den Beterm\nBerge sind ein schwacher Wall,\nHaben Kluft und Spalte:\nBrust an Brust und Volk bei Volk\nSchallt es: Gott erhalte!\nHelden sind wie Kinder schlicht,\nKinder werden Helden,\nWorte nicht und kein Gedicht\nKönnen’s je vermelden.\nUngeheueres umfaßt\nHeut’ dies heilig Alte,\nUnd so dringt’s zum Himmel auf:\nUnser Gott erhalte!"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.10", "texte": "Theodor Dàubler\nMit warmer Sonnenhut umgolden sich die Fichten.\nMillionen Silbertropfen flimmern in die Tiefe.\nWie froh die Sprudel jeden Sprung zum Waldsee richten,\nEs ist, als ob die Schlucht von Lust und Iubel triefe.\nDas Mondgebirge kann den Silberschmuck verschenken:\nSo heißt es, weil dort oben große Büsselheerden\nAuf einmal Psiüge bis zum Abhang lenken,\nDaß sieben Hörner blank am Himmel sichtbar werden.\nIm Tau der Talnarzissenwiese singen Kinder:\nIhr Lied verklärt der Helden fernes Talentsteigenz\nIm Silberharnisch kamen sie als Riesenåberwindeq\nUnd unbekannte Bäume folgten ihrem Schweigem\nDie Hörner seltner Rinder trugen sie beim Wandern,\nDas Volk erspåhte sie des Nachts auf steilen Kämmen-z\nDa waren sie allein und sprachen doch mit Andern,\nVielleicht den Ahnen von verwandten Heldenstämmem"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.12", "texte": "Erwin Megner\nHeiß pocht mein Herz, hinein\nIn aufgelöste Zeit:\nAus tiefer Einsamkeit\nRiß mich des Krieges Pein!\nVon Schlacht zu Schlacht zerspringt\nMein heimlich Panzerhemdr\nIch spüre neu, fast fremd,\nWie mich mein Volk bezwingt!"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.14", "texte": "» Pescara, an einem Augustmorgem\nScheinbar wird uns von den Ereignissen die Ohnmacht des\nGeistes demonstriert, aber in Wahrheit können sie alle zuletzt\nnicht anders als dem Geist zu dienen. Heute Nacht weckten mich\nRanonenschüsse vom Meer her, ich stand am Fenster über dem\nurweltlich stillen Strand und hörte das Rollen aus der ungewissen\nFerne herüber, ich wußte nicht »was« es war —-—— ein Gefecht zwischen\ndeutschen und englischen Schiffen? —- nur daß es Vernichtung war,\nweithin nach allen Seiten Vernichtung, und ———— Reinigung des\nGeistes. Es riß mich aus meinen Grenzen, trug mich mitten in\nden Kampf, ich lebte einen Augenblick zerschmettert und befreit.\nUnd jetzt fühle ich immerzu das eine, daß derGeist all dies nicht\nüber sich ergehen läßt: daß er all dies als seinen Weg zu sich meint\nund will. Er ist es, der in diese Taufe tritt. Und wir: als den\nsiüchtigen Menschen, die sterben sehen und mitsterben, ist uns alles\nGrauen und die Todespein tausendfåltig zugeteilt, aber als seine\nGlieder wissen wir uns von ihm geführt und durch und durch\nunsterblich.\nBerlin, nach der Zzeimkehn\nBerlin zeigt mir endlich sein Gesicht, ein menschliches und be-\ndeutendes. Endlich gibt es seine Größe kund, die bisher hinter\nseiner Häßlichkeit verschwand; auch diese lernt man nun lieben,\ndenn beide gehören zusammen. Wenn ich durch die Straßen gehe,\nerkenne ich, stårker wohl als ich es auf dem Schlachtfeld selber\nvermöchte, die dreifache gegenwärtige Wirklichkeit: die Pflugschar,\ndas aufgewühlte Erdreich und den kommenden Samen. Jch sehe,\ntief unter allen Absichten und Aktionen und unendlich wirklicher\nals sie, die Bereitung.\nKinesis, Bewegung: so nannten Griechen den Übergang von\nder ruhenden zur wirkenden Kraft, vom Seinkönnen zum Sein.\nDas Zeitalter der Kinesis, in das wir getreten sind, hat nicht mit\ndiesem Krieg begonnen, es wird in ihm nur manifest. Dies ist das\nZeitalter, in dem die Seele des Menschen nicht mehr stockt und\nstarrt, sondern sich ins Äußerste der Tat ausschwingtz in dem die\nTat des Menschen nicht mehr von einem Getriebe vieler kleinen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.15", "texte": "Zwecke eingepreßt ist, sondern ihre Freiheit und ihre Vollendung\ngewinnt im Opfer. Nicht wie der Wert benannt wird, dem das\nOpfer sich weiht, ist die innere Wahrheit des Ereignisses, sondern\ndaß die Menschen für ihn sterben wollen. Nicht in ihrem Be-\nkenntnis: in ihrer Hingabe gibt sich das Göttliche kund. Sie werfen\ndas vertraute, das Sichere, das Bedingte hin, um sich in den\nAbgrund des Unbedingten zu stürzen. Und eben dies, daß sie es\ntun, ist die Offenbarung des Unbedingten in einer Zeit, die von\nihm verlassen schien. Dessen haben wir uns in den Schrecken und\nbittern Schmerzen dieses Tages zu freuen. Es ist eine furchtbare\nGnade; es ist die Gnade der neuen Geburt.\nAuch wer den Krieg verdammt, darf sein Ohr dem Brausen\nder Kinesis nicht schließen. Unsere Sache ist, daß es über ihn hinaus\nanschwelle und die Gewalt des neuen Aeons werde -—-—- Verwirk-\nlichung. Die Menschen werden tiefer aufgerüttelt als sie selber\nmerken, und was sie in diesem Krieg wiedergewinnen, die Rück-\nhaltlosigkeit des tuenden Wesens, werden sie in ganz anderen Kriegen\nzu bewähren haben.\nMorgen —- morgen haben wir die Richtung zu weisen. Rich-\ntung ohne Kinesis war lahm, aber Kinesis ohne Richtung ist blind.\nAn uns wird es sein, sie sehend zu machen. Nach diesem Krieg\nbeginnt die große Aufgabe, beginnt die hohe Zeit des Geistes.\nBewegung ist, alle Grenzen überrennend; Richtung soll kommen.\nO ihr, denen sie kund ist ——— wenn ihr sie nicht kündetet! Noch\nwaltet die Pflugschar ihres Werks; aber dann harrt das Land, in\njeder Scholle erschüttert: Same soll fallen. O ihr Bewahrer des\nrechten Korns ——- wenn ihr nicht ausgingt es zu säenl Die Zeit\ndes Opferns ist angebrochenz aber morgen soll das oberste Opfer\ngeschehen, das entscheidet. O ihr vom Geist Berufenen ———— wenn\nihr es nicht darbrächtetl Euch mehr als allen, morgen aber mehr\nals heute gilt euch das Wort: Wer sein Leben liebt, wird es verlieren.\n\nMartin Buber"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-01.1.16", "texte": "Inhalt des Heftes 1:\nAugust 1914 J Willy Nowak —— Orig.-Steindruck J Michael Georg\nConrad — Wöchterruf J Maria CafpawFilser —- Orig.-Steindruck J\nEduard Graf Keyserling ——— Das Wunder von heute J Adolf Schin-\nnerer ——- Orig.-Steindruck J Rainer Maria Rilke —-— Wir haben eine Er-\nscheinung J Werner Schmidt —— Orig.-Steindruck J Annette Kolb -—-—\nIch denke zurück . . .\n\nInhalt des Hefres 2:\nMax: Unold —- Origxzpolzschnitt J Regina Ullmann -—- Eichenlaub J\nAlfred Mombert — Aus einem ungedruckten Werke J O. Th. W. Stein s—\nOrig.-Steindruck J Edwin Scharff ——— OrigxSteindruckj Thomas\nMann «—- Gutc Fccdpost - Franz Blei —- Vorspiel - Reue Beet) —-\nOrig.-Steindruck J Wilhelm Worringer —- Geschlechterkampf J Max\nUnold —- Origkzgolzschnitt J Willy Ndwak —— Orig.-Steindruck\n\nHerausgegeben von Otto Haasozeye\nBerlin J Unter den Linden 68\nverantwortlich für die Schriftleitung «\nFriedrich M. Huebner\nMünchen J Franzi-Iosephstr. 11\nVeranwortlich für die künstlerische Leitung\nO. Tl). W. Stein i\nMünchen J Ainmillerstu 17 s\nDie Veröffentlichung der literarischen und graphifchen Beiträge erfolgt nur\nauf Grund-persönlicher Einladung der Redaktiom"}]}