{"numero_id": "bm-bmtnabb-1914-11-02", "volume": "bmtnabb_1914-11_02", "ocr_sha256": "20ea9294182607a75c3e6f40540094e1afb46754861ab34d676227f4ac0d43a7", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1914/11_02/bmtnabb_1914-11_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1914/11_02/bmtnabb_1914-11_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_02#c001", "volume": "bmtnabb_1914-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "42", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.2.1", "titre_corps": "Willigkeic", "titre_sommaire": "Willigkeic", "signature_source": "Alfred Kerr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1606, "texte": "Willigkeic\nDie Willigkeit zu sterben ist etwas Schweres.\nDer Bohrwurm fragt: »Ist sie auch eine positive Kultur-\nleistung?«\nSie ist manchmal eine Leistung für die Kultur. (Kein Mens then-\nwork, nur die Träne gibt allen für uns im Feld Sterbenden ein\nversagendes Abbild letzten Dankes.) , »\n.. . Wärejedoch die Willigkeit zu sterben kleiner: so stürbe\nder Krieg.\nWäre der Widerstand zu sterben größer: so würde die damit aus-\ngedrückte Leistung für die Kultur auch nicht zu unterschätzen sein.\n» Es kommt draufan...\n1. Es kommt drauf an: ob einer aus Dumpfheit stirbt. Oder\ndes Standrechts gewärtig. Oder gewissermaßen voll Überzeugung.\n2. Es kommt bei der Überzeugung drauf an: ob ihr Grund\nOpfersinn ist . . . oder Angst vor dem Urteil der Gefährten.\nEin hoher Heilandszweck . . . oder Kastenfurclyc\nMitgefühl . . . oder Forschheic :\nKurz: Mangel an Selbstsucht . . . oder Mangel an Ubersichr\nDer Leuchtturm.\nGewiß, jedes Unglück hat seine guten Seiten.\nWenn ich von einem Leuchtturm falle, halb auf Sand, halb\nauf drunterliegendes Betom so wird mir durch meinen Schädel-\nbruch und einen halb eingeschlagenen Unterkiefer der Vorteil ge-\nwährt, daß man die Welt auch mal von andrer Seite betrachten\nkann; eben vom Standpunkt eines Hirnschalenlochs und einer ver-\nlorenen halben Kinnbacke.\nDas ist lehrreich. Aber darin ein Glück zu sehn, scheint über-\ntrieben.\nDer folgsame Philosoph.\nDer Philosoph entdeckt folgsam dies aktuelle Glück. Fritz\nMauthner schreibt ohne Versäumnis: .\n»Da kam der große Krieg, und der Sinn des Lebens\nhatte auf einmal einenneuen Inhalt, weil der Tod einen\nSinn bekommen hatte« s"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1553, "texte": "Statt zu sagen: Das ohnehin leidige Übel des Todes ist hier durch\ndie Unfähigkeitz Dinge bess er zu ordnen, verstärkt und vervorzeitigt . . .\nDer Tod bekommt ,,einen Sinn-«. Er meint: einen Zweck\nAls ob ihn jeder Selbstmord nicht längst gehabt hätte.\nEr will sagen: »Man weiß nun, wofür die Leute sterben«\nMan weiß es nicht immer! (Man hat jedoch immer gewußt: für\ndas Nachrücken der andren.)\nDer folgsame Denker spricht hierauf scharfsinnig:\n»Der Krieg kann von der Philosophie nichts lernen,\naber Psychologie und Moral haben vom Kriege mancherlei\nzu lernen.«\nGenau so geistreich wäre: ,,Ein Lift-Einsturz kann von der Philo-\nsophie nichts lernen —-—— aber die Philosophie von einem Lift-Einsturz.«\nKinder, Kinder.\nStandhaltem\nIch bekomme jetzt aus dem Heer, vor ihrem Tod, Briefe von\nfremden Leuten. Fast jeden Tag.\nNicht bloß von sinnend jungen Menschen, —-——- ich wußte, daß\nich ihnen etwas war.\nSondern von der geborenen Widerpartei. Mit steingrau andren\nVäteridealen. Früher bei zufälligem Lesen haben sie einen Haß\ngespürt . . . jetzt wissen sie, daß an solchen Schmiedungen »etwas\nRechtes war. Man ist im innersten bewegt, möchte zum Abschied\njedem die Hände drücken: dennoch hält ihnen die Wahrheit stand.\nSolche Briefe zu bekommen ist herrlich ———- darum der Anlaß noch\nlange nicht. « i\n. . . Es war billiger zu machen.\nK Erdbeben.\nBeim Erdbeben kullert ein verlorenes Zwanzigmarkstück unter\nder Truhe vor. i\n,,Hosiannah!« schreit Philosoph und Literat —- ,,sei gegrüßt,\nErdbeben, es ist vorgekullert!«\nLo sung.\nBleibt unverwirrt.\n\nAlfred Kerr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-02-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_02#c003", "volume": "bmtnabb_1914-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "44", "page_fin": "46", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.2.3", "titre_corps": "CL-", "titre_sommaire": "CL-", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2506, "texte": "CL-\nJn einem Privatzirkel lernte ich Herrn Professor Grobleben kennen. Ich\nstenographierte ziemlich wortgetreu, was er vortrug.\n»Meine Damen und Herrenl« sing er ziemlich laut an, ,,Da muß ich zunächst\ngegen die Bezeichnung ,Weltkrieg« recht energisch protestieren. Wenn man sich\nals Astronom an kosmische Verhältnisse gewöhnt hat, so sind die Dimensionen\nauf der Erdobersiäche ziemlich minimal. Was ist ein Schuß aus einem 42 Centi-\nmetergeschütz gegenüber einer einzigen Sonnenprotuberanz, die in ein paar\nMinuten gegen 10000 Meilen emporgeschleudert wird! Lassen wir also das\nWort ,Welt« aus dem Spiele. Jndessen — auch unser kleiner irdischer Kanonen-\ndonner hat Beziehungen zu dem Sonnensystem, in dem wir leben —- hat Be-\nziehungen zu den größeren Planeten«\nHier machte der Herr professor eine kleine Pause, in der er eifrig in seinen\nRocktaschen nach einem Manuskriptsuchm Er fand es endlich und las daraus\neine kleine Serie von Aphorismen vor. Hier sind sie: s\nDer Wetterprophet kann heute das Wetter für die nächsten 24 Stunden\nziemlich genau vorhersagenz wir können heute auch das politische Wetter für\ndie nächsten Jahre vorhersagem\nAllerdings: wir können nur im allgemeinen prophezeien; so war längst so\nziemlich allgemein bekannt, daß das politische. Wetter um 1915 herum sehr\nstürmisch sein würde.\nDie ungefähr elfjährige Sonnenfleckenperiode ist seit dem Ende des acht·\nzehnten Jahrhunderts genau beobachtet worden. Da hat man ein Maximum\nder Sonnensiecke um 1789 konstatiert. Danach waren die Marima bis zum\nEnde der dreißiger Jahre nicht sehr erheblich. Dann aber wurden sie erheb-\nlicher; Ende der dreißiger Jahre begann das Zeitalter der Dampfmaschinen.\nJmiJahre 1848 war wiederum das Maximum sehr erheblich; 1870X71 war\nes sehr hoch. h\nAuch im Jahre 1904X5 überragte das Maximum die früheren um ein Be«\nträchtliches ,\n1915 mußten wir abermals mit einer großen Steigerung rechnen.\nDie Polarlichter häuften sich. Und die magnetischen Stürme auf der Sonne\nsetzten auch auf der Erde die Magnetnadeln in stürmische Bewegung.\nSchon Herschel behauptete, daß er die Höhe der Kornpreise vorhersagen\nkönnte ——- nach den Sonnenfleckem\nHeute ist der Zusammenhang zwischen den Ereignissen auf der Sonne und\nden Ereignissen auf dem Stern Erde nicht mehr zu leugnen.\nWas die Sonnensiecken bedeuten, wissen wir auch heute noch nicht.\nAber wir wissen, daß der Jupiter in ungefähr elf bis zwölf Jahren die\nSonne umkreist.\nHier muß ein Zusammenhang bestehen ——- mit der elfjährigen Sonnensieckens\nPeriode."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2490, "texte": "Der Jupiter dreht sich in zehn Stunden um sich selbst. Das ist eine ganz\naußerordentliche Leistung.\nWir müssen den Jupiter für ein sehr temperamentvolles Lebewesen halten.\nVielleicht kam der Jupiter erst vor ca. 100000 Jahren in unser Planetensystem\n«— damals, als die alten Mammuts schwerfållig auf der Erde herumstapftem\nUnd vielleicht ist dem Jupiter unser kleines Planetensystem mit den vielen\nAstero·iden, Mars, Erde, Venus, Merkur. ein wenig zu ruhig vorgekommen.\nVielleicht hat der Jupiter ein rascheres Lebens-Tempo einführen wollen «— und\ndadurch die Sonnensieckenperiode mit den Protuberanzen er. hervorgebracht,\ndie auf dem Stern Erde die erwähnten Begleiterscheinungen hervorrief.\nNun sprach der Herr Professor wieder, ohne seine Aphorismen zur Hand\nzu nehmen: «\n»Meine Damen und Herren! Sie dürfen aber nicht glauben, daß die\nHeftigkeit des Lebens auf dem Jupiter und auf der Sonne kriegerischer Natur\nsein müßte. Zu einer solchen Annahme fehlt uns jeder Anhalt.\nDaß sich diese Fleckenperioden auf der Erde zumeist in kriegerischen Taten\näußern, zeigt nur, daß wir auf der Erde noch nicht sehr hoch in Kultur\nangelegenheiten zu bewerten sind. i e\nEs kann auch in Kürze anders kommen; es kann sich auch ’mal eine neue\nFriedensepoche anmelden. , l\nBemerken muß ich nur, daß ich die Kant-La Place’sthe Nebulartl)eorie\neinfach für dummes Zeug halte; daß Kant solch ein dummes Zeug in die Welt\nsetzen konnte, beweist uns nur, daß sich auch große Leute ’mal recht lebhaft\nirren können. Sprechen wir nicht mehr davon. l\nVergessen wir dagegen nicht, daß sich die Dampfeisenbahn durch ein Sonnen-\nstecken-Maximum ankündigte. Das soll uns trösten. Das soll uns die Hoffnung\neinsiößem daß auch andre Kulturgroßtaten ’mal durch Maxima auf der Sonne\nhervorgehoben werden könnten« ,\nDer Herr Professor zog ein anderes Manuskript hervor und las daraus\ndas Folgende:\n»Sie fragen nach dem Aussehen dieser Kulturgroßtat?\nIch will nicht damit hinterm Berge halten.\nEs muß auch ’mal etwas Aufbauendes und nicht blos immer wieder Zer-\nstörendes kommen.\nVielleicht deuten die großen Mapima der Sonnensiecke schon jetzt auf etwas\nAufbauendes hin; es klingt ja sehr kühn, aber so ganz grundlos ist die An-\nnahme doch nicht.\nWenn der Krieg sehr viel zerstört, s o zwingt er doch gleichzeitig, das Zerstörte\nwieder auszubauen.\nDaß man nun nicht wieder beim Aufbau so langsam bauen wird, — wie\neinst zur Gotenzeit, als man nur mit Backsteinen bauen konnte —— das dürfte\nsich ja wohl von selbst verstehen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2222, "texte": "Bedenken Sie nur, meine Damen und Herren, daß ein gotischer Dom oft\nmehrere Jahrhunderte zu seiner Entstehung brauchte.\nHeute können wir mit Eisen und Eisenbeton in einigen Monaten so weit\nsein — wie damals in Jahrzehnten.\nDem Eisen und Eisenbeton wird sich sehr viel farbig ornamentiertes Glas\nzugesellen, das auch sehr rasch in einigen Tagen eingesetzt werden kann»\nMan wird das Glas immer in Doppelscheiben anbringen —- der Wärme\nund der Geräusthe wegen. ,\nMan wird sehr viel Drahtglas verwenden, das man mit Steinen nicht so\nrasch durchschlagen kann, so daß man nicht mehr sagen dürfte ——— etwas sei so\nzerbrechlich —- wie Glas.\nAlso: gleich nach der Zerstörung neue erhöhte Bautätigkeit mit anderen\npraktischen Materialien. «\nUnd die neuen Stadtanlagen werden viel weitläufiger sein als die alten.\nDie elektrischen Verbindungen erlauben das. Es werden große planmäßig ge-\nbaute Kolonien entstehen, in denen die» grade Linie nicht vorherrschend sein dürfte.\nDas sind nicht nur müßige Zukunftsgedanken. Diese Bautätigkeit muß sich\nmit Energie in der angedeuteten Weise ausbreiten! es geht gar nicht anders.\nSo sieht die Lichtseite der diesmaligen Sonnensieckenmayimumperiode aus.\nEntschuldigen Sie das schreckliche Wortmonstrum «— aber ich wollte doch mit\neinem Monstrum meine sehr aphoristischen Andeutungen schließen-\nDenken.Sie sich das Zentrum der neuen Städte mit bunt ornamentierten\nFliesen belegt — und sehr groß -—— viele Male größer als der Markusplatz\nzu Venedig« -\nJetzt applaudierte das Publikum ganz stürmisch Und der Herr Professor\nsagte nur noch:\n,,Hossentlicl) habe ich jetzt genug angedeutet —- so viel, daß wir für einige\nTage wieder etwas heiterer in die Zukunft blicken können«\nDer Gastgeber ließ Bier bringen, und man trank in großen Zügen auf\ndas Wohl des Herrn Professors und auf eine glänzende Zukunft in neuen\ngrößeren Stadtanlagen. « « sz\nIch verließ, ohne bemerkt zu werden, hastig die Gegend, in der ein so\ngroßer Optimismus herrschte. ;\nAber merkwürdig wars, daß mich auf der Straße der Optimisinus nicht\nverließ. Ich war bei so guter Laune, daß ich in einem größeren Bierlokal noch\nein paar Schoppen auf das Wohl des Herrn Grobleben — und auf eine\nglänzende Zukunft trank.\n\nPaul Scheerbart"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_02#c005", "volume": "bmtnabb_1914-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "50", "image_debut": 8, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.2.5", "titre_corps": "Die Erde dröhnt,", "titre_sommaire": "Die Erde dröhnt,", "signature_source": "Urno bolg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1405, "texte": "Die Erde dröhnt,\nauf schåumendem wiehernden, preschenden Zzengstem\nklirrend,« blitzend, eisenumschieny\ndie ganze, weite, unabsehbare Ebne rings, r\n. donnernd,\nin eine einzige, riesige, die Sonne versinsternde Staubwolke Wirbelnd,\nhunderttausend wie ahndende, leuchtende, rächende Erzengel heranbrausende Reiter!\n»Sie g! l l« ,\nIn auseinanderstiebende Hoplitenregimentey\nmåhend, i\ns sausen meine Sichelwagem «\nüber verröchelndem blutdampfendem zerstampften Leibern,\n\" brüllend,\ntrompeten meine Elephantenl\nMeiner wilden, rasenden, wutschnaubenden Ianitscharenorta\nhoc)\nvorauf,\nsuche ich dich!\n. Zzundll\ni Kanaillell Bestiell «\nWo. bist du?? . Wo??\nAls ich in Lumpen, bettelnd, unerkannt, «\n« unter meinem hungernden,darbenden, bübisch betrognen Volk ,\nelend durch die Gassen irrte, ,\nals ich verhöhnt,\nbeschimpft und angespien, i\ns harfend von meiner Herrlichkeit,\nMorgen um Morgen, Tag um Tag, Abend für Abend,\n- singend in deinem glitzernden, bunten,\nfåulenumwundnem springbrunnenplåtfcherndem palmenüberwehten Palasthof stand,\nl . als ich verraten, i .\nverfolgt, gehegt,\nwie ein umstelltes, gejagtes Tier,\nmich totwund vor deinen Schergen barg,\nspreiztest du dich marktschreierisclY « i »\nruhmredig-dünkelfrech, trunken von deinem ,,Glück«,\nmitten unter deinen feilen, scherwenzelnden, speichelleckerischen Schranzem\nvon deinem sklavisch augendienerischen Pack kriechend schmeichelzüngig umweihräuchertz"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1861, "texte": "hossärtigsselbstgefällig dummstolz-geckenhaft,\nauf Meinem Thron! \"\nr Während ich mit meinem ersten Getreuen,\n» , der mich hilflos ohnmächtig Siechen, ,\nheimrixiz nächtig, «\nauf wirren, tollkühn halsbrecherischen Schleichwegem\nzwischen drohenden, wolkenumbrandeten Gipfeln und schwarzen himmelhoch ragenden Steilwänden,\n, unter prasselnd polternden Steinstürzen weg,\ndurch tobende, tosende Wasser,\n« an jähen, schwindelnden Schlünden vorbei,\nin fegend eisgraupelnd heulenden, atemberaubenden Schneestürmem\nfreudig, heldenmütig, opferwillig, unverzagt, «\nSchritt um Schritt,\nniemals stolpernd, niemals strauchelnd, prüfend vorsichtig, sorgfältig tastend,\nkletternd keuchend,\nmit starken, kraftvoll nie ermüdenden Freundesarmen klimmend über die Gebirge trug,\nwährend ich mit meinem ersten, geduldigen,\n« s furchtlos tapfern, c\nmannhaft feurig herzergebnen Kämpen und Blutsbruder\neinsam durch die Wüsten strich, Jahre, Jahre, Jahre lang,\nwährend ich Wurzeln und Heuschrecken fraß, «\nwährend faulende, fieberdurchpestete, tückisch morastige Sumpfsteppen und bittre Salzseen\nmich lethzend verschmachtend dürsten ließen, «\nwährend ich um mein bißchen armes, nacktes, jämmerliches Leben,\numheult von 6yänen, umklässt von Schakalen,\nüberkreischt von Aasgeiern,\nfast stündlich,\nmit schleichendem giftigen Schlangen,\nLöwen und Tigern rang, s\nprahltest du, dich selbst vergötternd, »\nbombastisch ausgeblasen großtuerisch,\nmit Meinem Szepterl\nAls das Reich,\nvon deiner eklen, satten, eitel hochfahrend übermütigen Sippe\nbarbarisch niedergehalten,\n. vandalisch verwüstet und frevlerisch zertreten, -\nkein Kult mehr als deiner, kein Gott mehr als dich, ,\ni die besudelten Tempel verödet, die alten, heiligen Liederrollen zerrissen, die Seelen leer,\n— allerorten,\nschon zu murren und, zu meutern begann,\nals die Kunde von meinem unerhörtem grausig harten, fernen Märtyrertum ,"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1356, "texte": "- schon von Land zu Land, von Stamm zu Stamm, von Mund zu Mund flog,\nals schon die ersten, begeisterten Scharen,\nkaum daß mein Fuß bereits die Grenze überschritten,\naus allen Tälern, von allen Bergen,\nmit jeder Stunde, mit jeder Sekunde, je weiter ich vordrang, lawinenartig wachsend,\njubelnd mir zuströmtem\nals schon die unterjochten Vafallenkönige\n, jauchzend\nmich als ihren von Gott gefandtem einzig rechtmäßigen Herrn und Befreier grüßten -\nobwohl du gewußt hattest, \"\nschåbig gewußt hattest, von allem Anfang an gewußt hattest,\ndaß mein das Reich, \"\ndaß mein die Kraft und mein die Herrlichkeit war:\nwindbeutlerisch siunkernd,\nanmaßend ruchlos, vermessen ehrenråuberisch, \"\numbalzt von deiner Brut,\numjohlt von deinem Abl)ub, umbelfert von deiner Meute,\nprunktest du noch\nmit Meiner Krone!\nDich fassen, dich packen, dich finden, dich kriegen!\nW o,\nwo bist du, wo?? l\n, Hähahahahll\nIm letzten Zelt, ,\nverkrochen hinter deinen Weibern!\nDie Lippen blutleer,\ndie Augen sich drehend, die Kehle» rasselnd,\nl e » beide Fåuste rücklings, ,\nmit behenden, brechenden, fchlotternden Knieen,\n« c in den zerkrampften,\ngestol)lnen, ,\nhinterrücks fchurkifch usurpierten Purpur verkralltl\nUnd\n...mitdir...mitdir...\nmit dir\nrang ich noch gestern . . . um die »Welt« als Preis? g\nc Pfui!\nMein Hammer «\n» sinkt,\ndein faules Hirn . . . bleibt unzerfchmettert ,\n\nUrno bolg"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_02#c007", "volume": "bmtnabb_1914-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "52", "page_fin": "52", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.2.7", "titre_corps": "Der Kreis der Stadt . . wie ist er grades Wogen,", "titre_sommaire": "Der Kreis der Stadt . . wie ist er grades Wogen,", "signature_source": "Uifred wolfenfiein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 723, "texte": "Uifred wolfenfiein\nDer Kreis der Stadt . . wie ist er grades Wogen,\nWie sind die glatten Straßen reich geworden . . .\nDie trägen Kopfe kommen frei geflogen, i\nDie kühlen, von einander angezogen . . .\nEs ist so heiß und hell wie nie im Norden.\nSoldaten gehn hinaus, auf hohen Knieen,\nSie trommeln bis zum Tod mit gleichem Schlage.\nDie langsam in Gew6hnlichem gediehen,\nSie, greifend nie begriffne Melodieeiy\nErstürmen Sieg und Lösung jeder Frage. , .\nWarum bewegtet ihr euch nicht imiFrieden\nSo seltfam,so vom Geist her undfo gerne -——-i\nGekommen wåreniemals mehr ein Krieg. «\nDoch im» dies Fest« fix» de-: neue-: Friede»!\nStürmt dann wie jetzt und ruft statt Hurra: Sterne!\nUnd führt den ganzen , iGeist hinauf zum Sieg. sz"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-02-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_02#c009", "volume": "bmtnabb_1914-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "54", "page_fin": "55", "image_debut": 14, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.2.9", "titre_corps": "Dies ist von je und je empfunden worden: daß unser empirisches", "titre_sommaire": "Dies ist von je und je empfunden worden: daß unser empirisches", "signature_source": "Georg Simmel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2263, "texte": "Dies ist von je und je empfunden worden: daß unser empirisches\nIch, wie es aus den Stücken der Stunden seine Tage zusammen-\nsetzt, vielspältig, zufällig, dem Schicksal preisgegeben, bloß wirk-\nlich —- daß dies nicht unser ganzes Sein ausmachen kann. Irgend\netwas muß da fein, gleichviel welchen Wesens, das für uns als\nIdee, Forderung, metaphysische Mächtigkeit lebt und jenem Zer-\nspaltnen, Fragmentarischen Einheit gäbe, Notwendigkeit und Sinn.\nDiesesEtwas ist nun aber doch unser eigenes eigentliches Ich- im\nGegensatz zwar gegen jenes empirische Sein, ist unser tiefstes Sein\nselbst, und grade weil es in solchen Grundtiefen unter jenem liegt,\nbefähigt, über ihm zu stehn, als sein Gesolltes, sein Wert und Ideal.\nDas »reine« Ich nennt es Fichte, d. h. dasjenige, was wirklich nur\nIch ist, dem nichts Fremdes, Schicksalsmäßigeq bloß Partielles\neinwohnt; und dem es Aufgabe ist, das äußerliche, tägliche, so und\nso aussehende Ich zu vernichten, indem es durch dieses gleichsam\nhindurchwächstz so daß Sittlichkeit ihm nichts anderes ist, als daß\n»das empirische Ich vermöge einer unendlichen Annäherung in das\nreine Ich zurückgeht«.\nDas Abstruse verschwindet aus diesem Ausdruck einer ewigen\nWahrheit, indem wirihre Verwirklichung erleben: in dem Soldaten,\nder sich in Freiheit opfert, ist das empirische Ich überwunden und\nvernichtet von dem reinen, alles Zufalls und alles äußerlich Be-\nstimmenden entledigten Ich. Und dieses ist, wie es Fichte verlangte,\nnicht eine einseitig charakterisierte, zufällig so und so gefärbte In-\ndividualität, sondern, obgleich und weil der tiefste Grund der\nPersönlichkeit, ein Übereinzelnes, in der gleichen Wurzelschicht eines\nIeden Lebender« Denn wie sollte es kein Allgemeines sein, wie\nsollte es die bloße Individualität nicht übergreifen, da es sich mit\nseinem Opfer doch in das Allgemeine grade einschmilzt und auflöst?\nWas man von den Kämpfern unzähligemal hört und was auch\nunausgesprochen als ihre seelische Verfassung hervorleuchten ein\nvölliges Sich-selbst-Vergessen und zugleich ein unerhört gesteigertes\nGefühl seiner selbst —- ist die Verwirklichung jenesFichteschen Bildes\nder ,,Sittlichkeit«. Im ,,reinen Ich« vollzieht sich das Wunder, daß\nder tiefste Kern der Pers önlichkeit Eines ist mit einem Allgemeinen,"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1195, "texte": "einer lebendigen Idee, einem Gemeinsamen vereinheitlichter Mil-\nlionen ——-— und dieses hat das ,,empirische Ich« so über-griffen und\nin sich hineingenommen, daß dessen seelische Vergleichgültigung sich\nin die selbstverständlich hingenommene physische Vernichtung fortsetzc\nFreilich, Fichte spricht nur von einer ,,unendlichen Annäherung«;\ndenn das Allgemeine, dem das Ich metaphysisch geeint ist, ist für\nihn nicht Vaterland und Nation, sondern das Allgemein-Menschliche,\nAllgemein-Geistige, das jenseits jeder Seele, auch der Seele eines\nVolkes steht. In jener Richtung aber liegt vielleicht die Aufgabe derer,\ndie den Krieg überleben —- eine nun allerdings unendliche. Für\nden Krieger, der den Opfertod gestorben ist, ist das Unendliche ein-\ngegangen in die Form: Deutschland, er hat wirklich ,,vollendet«.\nWir aber müssen, daß wir leben dürfen, mit der Unabschließbarkeit\nunsrer Aufgabe bezahlen, unser relatives Ich in das Absolute auf-\ngehn zu lassen. Nur die Gnade ward uns, daß die uns mögliche\nHingebung und Opferung für die Menschheit in der Gestalt unsres\nDeutschlands uns sicher macht, daß unser Weg jetzt wirklich eine\nendliche Strecke jener unendlichen Annåherung ist.\n\nGeorg Simmel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-11-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-11_02#c011", "volume": "bmtnabb_1914-11_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.2.10", "titre_corps": "Inbalt des seftes 3:", "titre_sommaire": "Inbalt des seftes 3:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 553, "texte": "Inbalt des seftes 3:\nWilli Geiger -—-— Orig.-Steindruck J Franz Werfel -— Ein ulan J Werner\nSchmidt -— Orig.- Steindruck J Rudolf Leonhard —- Kricgslied der FrauenJ\nEdwin Scharff —- Origisteindruck J Max: Brod —-— Gefühl von einer\nVerwandlung des Staates J Hugo von Hofmannsthal —- Gsterreichs Ant-\nwort J Werner Schmidt -«- Origssteindruck J Theodor Dåubler ——- Die\nFührer J Renö Beeh -——— Origxsteindeuck J Max Unold —- Origsloolzs\nschnitt J Erwin Metzner ——— Heiß pocht mein Herz . . . J Richard Seewald\n-— Orig.-Steindruck J Martin-Zuber ——- Pescara"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.1", "texte": "Willigkeic\nDie Willigkeit zu sterben ist etwas Schweres.\nDer Bohrwurm fragt: »Ist sie auch eine positive Kultur-\nleistung?«\nSie ist manchmal eine Leistung für die Kultur. (Kein Mens then-\nwork, nur die Träne gibt allen für uns im Feld Sterbenden ein\nversagendes Abbild letzten Dankes.) , »\n.. . Wärejedoch die Willigkeit zu sterben kleiner: so stürbe\nder Krieg.\nWäre der Widerstand zu sterben größer: so würde die damit aus-\ngedrückte Leistung für die Kultur auch nicht zu unterschätzen sein.\n» Es kommt draufan...\n1. Es kommt drauf an: ob einer aus Dumpfheit stirbt. Oder\ndes Standrechts gewärtig. Oder gewissermaßen voll Überzeugung.\n2. Es kommt bei der Überzeugung drauf an: ob ihr Grund\nOpfersinn ist . . . oder Angst vor dem Urteil der Gefährten.\nEin hoher Heilandszweck . . . oder Kastenfurclyc\nMitgefühl . . . oder Forschheic :\nKurz: Mangel an Selbstsucht . . . oder Mangel an Ubersichr\nDer Leuchtturm.\nGewiß, jedes Unglück hat seine guten Seiten.\nWenn ich von einem Leuchtturm falle, halb auf Sand, halb\nauf drunterliegendes Betom so wird mir durch meinen Schädel-\nbruch und einen halb eingeschlagenen Unterkiefer der Vorteil ge-\nwährt, daß man die Welt auch mal von andrer Seite betrachten\nkann; eben vom Standpunkt eines Hirnschalenlochs und einer ver-\nlorenen halben Kinnbacke.\nDas ist lehrreich. Aber darin ein Glück zu sehn, scheint über-\ntrieben.\nDer folgsame Philosoph.\nDer Philosoph entdeckt folgsam dies aktuelle Glück. Fritz\nMauthner schreibt ohne Versäumnis: .\n»Da kam der große Krieg, und der Sinn des Lebens\nhatte auf einmal einenneuen Inhalt, weil der Tod einen\nSinn bekommen hatte« s"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.2", "texte": "Statt zu sagen: Das ohnehin leidige Übel des Todes ist hier durch\ndie Unfähigkeitz Dinge bess er zu ordnen, verstärkt und vervorzeitigt . . .\nDer Tod bekommt ,,einen Sinn-«. Er meint: einen Zweck\nAls ob ihn jeder Selbstmord nicht längst gehabt hätte.\nEr will sagen: »Man weiß nun, wofür die Leute sterben«\nMan weiß es nicht immer! (Man hat jedoch immer gewußt: für\ndas Nachrücken der andren.)\nDer folgsame Denker spricht hierauf scharfsinnig:\n»Der Krieg kann von der Philosophie nichts lernen,\naber Psychologie und Moral haben vom Kriege mancherlei\nzu lernen.«\nGenau so geistreich wäre: ,,Ein Lift-Einsturz kann von der Philo-\nsophie nichts lernen —-—— aber die Philosophie von einem Lift-Einsturz.«\nKinder, Kinder.\nStandhaltem\nIch bekomme jetzt aus dem Heer, vor ihrem Tod, Briefe von\nfremden Leuten. Fast jeden Tag.\nNicht bloß von sinnend jungen Menschen, —-——- ich wußte, daß\nich ihnen etwas war.\nSondern von der geborenen Widerpartei. Mit steingrau andren\nVäteridealen. Früher bei zufälligem Lesen haben sie einen Haß\ngespürt . . . jetzt wissen sie, daß an solchen Schmiedungen »etwas\nRechtes war. Man ist im innersten bewegt, möchte zum Abschied\njedem die Hände drücken: dennoch hält ihnen die Wahrheit stand.\nSolche Briefe zu bekommen ist herrlich ———- darum der Anlaß noch\nlange nicht. « i\n. . . Es war billiger zu machen.\nK Erdbeben.\nBeim Erdbeben kullert ein verlorenes Zwanzigmarkstück unter\nder Truhe vor. i\n,,Hosiannah!« schreit Philosoph und Literat —- ,,sei gegrüßt,\nErdbeben, es ist vorgekullert!«\nLo sung.\nBleibt unverwirrt.\n\nAlfred Kerr"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.4", "texte": "CL-\nJn einem Privatzirkel lernte ich Herrn Professor Grobleben kennen. Ich\nstenographierte ziemlich wortgetreu, was er vortrug.\n»Meine Damen und Herrenl« sing er ziemlich laut an, ,,Da muß ich zunächst\ngegen die Bezeichnung ,Weltkrieg« recht energisch protestieren. Wenn man sich\nals Astronom an kosmische Verhältnisse gewöhnt hat, so sind die Dimensionen\nauf der Erdobersiäche ziemlich minimal. Was ist ein Schuß aus einem 42 Centi-\nmetergeschütz gegenüber einer einzigen Sonnenprotuberanz, die in ein paar\nMinuten gegen 10000 Meilen emporgeschleudert wird! Lassen wir also das\nWort ,Welt« aus dem Spiele. Jndessen — auch unser kleiner irdischer Kanonen-\ndonner hat Beziehungen zu dem Sonnensystem, in dem wir leben —- hat Be-\nziehungen zu den größeren Planeten«\nHier machte der Herr professor eine kleine Pause, in der er eifrig in seinen\nRocktaschen nach einem Manuskriptsuchm Er fand es endlich und las daraus\neine kleine Serie von Aphorismen vor. Hier sind sie: s\nDer Wetterprophet kann heute das Wetter für die nächsten 24 Stunden\nziemlich genau vorhersagenz wir können heute auch das politische Wetter für\ndie nächsten Jahre vorhersagem\nAllerdings: wir können nur im allgemeinen prophezeien; so war längst so\nziemlich allgemein bekannt, daß das politische. Wetter um 1915 herum sehr\nstürmisch sein würde.\nDie ungefähr elfjährige Sonnenfleckenperiode ist seit dem Ende des acht·\nzehnten Jahrhunderts genau beobachtet worden. Da hat man ein Maximum\nder Sonnensiecke um 1789 konstatiert. Danach waren die Marima bis zum\nEnde der dreißiger Jahre nicht sehr erheblich. Dann aber wurden sie erheb-\nlicher; Ende der dreißiger Jahre begann das Zeitalter der Dampfmaschinen.\nJmiJahre 1848 war wiederum das Maximum sehr erheblich; 1870X71 war\nes sehr hoch. h\nAuch im Jahre 1904X5 überragte das Maximum die früheren um ein Be«\nträchtliches ,\n1915 mußten wir abermals mit einer großen Steigerung rechnen.\nDie Polarlichter häuften sich. Und die magnetischen Stürme auf der Sonne\nsetzten auch auf der Erde die Magnetnadeln in stürmische Bewegung.\nSchon Herschel behauptete, daß er die Höhe der Kornpreise vorhersagen\nkönnte ——- nach den Sonnenfleckem\nHeute ist der Zusammenhang zwischen den Ereignissen auf der Sonne und\nden Ereignissen auf dem Stern Erde nicht mehr zu leugnen.\nWas die Sonnensiecken bedeuten, wissen wir auch heute noch nicht.\nAber wir wissen, daß der Jupiter in ungefähr elf bis zwölf Jahren die\nSonne umkreist.\nHier muß ein Zusammenhang bestehen ——- mit der elfjährigen Sonnensieckens\nPeriode."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.5", "texte": "Der Jupiter dreht sich in zehn Stunden um sich selbst. Das ist eine ganz\naußerordentliche Leistung.\nWir müssen den Jupiter für ein sehr temperamentvolles Lebewesen halten.\nVielleicht kam der Jupiter erst vor ca. 100000 Jahren in unser Planetensystem\n«— damals, als die alten Mammuts schwerfållig auf der Erde herumstapftem\nUnd vielleicht ist dem Jupiter unser kleines Planetensystem mit den vielen\nAstero·iden, Mars, Erde, Venus, Merkur. ein wenig zu ruhig vorgekommen.\nVielleicht hat der Jupiter ein rascheres Lebens-Tempo einführen wollen «— und\ndadurch die Sonnensieckenperiode mit den Protuberanzen er. hervorgebracht,\ndie auf dem Stern Erde die erwähnten Begleiterscheinungen hervorrief.\nNun sprach der Herr Professor wieder, ohne seine Aphorismen zur Hand\nzu nehmen: «\n»Meine Damen und Herren! Sie dürfen aber nicht glauben, daß die\nHeftigkeit des Lebens auf dem Jupiter und auf der Sonne kriegerischer Natur\nsein müßte. Zu einer solchen Annahme fehlt uns jeder Anhalt.\nDaß sich diese Fleckenperioden auf der Erde zumeist in kriegerischen Taten\näußern, zeigt nur, daß wir auf der Erde noch nicht sehr hoch in Kultur\nangelegenheiten zu bewerten sind. i e\nEs kann auch in Kürze anders kommen; es kann sich auch ’mal eine neue\nFriedensepoche anmelden. , l\nBemerken muß ich nur, daß ich die Kant-La Place’sthe Nebulartl)eorie\neinfach für dummes Zeug halte; daß Kant solch ein dummes Zeug in die Welt\nsetzen konnte, beweist uns nur, daß sich auch große Leute ’mal recht lebhaft\nirren können. Sprechen wir nicht mehr davon. l\nVergessen wir dagegen nicht, daß sich die Dampfeisenbahn durch ein Sonnen-\nstecken-Maximum ankündigte. Das soll uns trösten. Das soll uns die Hoffnung\neinsiößem daß auch andre Kulturgroßtaten ’mal durch Maxima auf der Sonne\nhervorgehoben werden könnten« ,\nDer Herr Professor zog ein anderes Manuskript hervor und las daraus\ndas Folgende:\n»Sie fragen nach dem Aussehen dieser Kulturgroßtat?\nIch will nicht damit hinterm Berge halten.\nEs muß auch ’mal etwas Aufbauendes und nicht blos immer wieder Zer-\nstörendes kommen.\nVielleicht deuten die großen Mapima der Sonnensiecke schon jetzt auf etwas\nAufbauendes hin; es klingt ja sehr kühn, aber so ganz grundlos ist die An-\nnahme doch nicht.\nWenn der Krieg sehr viel zerstört, s o zwingt er doch gleichzeitig, das Zerstörte\nwieder auszubauen.\nDaß man nun nicht wieder beim Aufbau so langsam bauen wird, — wie\neinst zur Gotenzeit, als man nur mit Backsteinen bauen konnte —— das dürfte\nsich ja wohl von selbst verstehen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.6", "texte": "Bedenken Sie nur, meine Damen und Herren, daß ein gotischer Dom oft\nmehrere Jahrhunderte zu seiner Entstehung brauchte.\nHeute können wir mit Eisen und Eisenbeton in einigen Monaten so weit\nsein — wie damals in Jahrzehnten.\nDem Eisen und Eisenbeton wird sich sehr viel farbig ornamentiertes Glas\nzugesellen, das auch sehr rasch in einigen Tagen eingesetzt werden kann»\nMan wird das Glas immer in Doppelscheiben anbringen —- der Wärme\nund der Geräusthe wegen. ,\nMan wird sehr viel Drahtglas verwenden, das man mit Steinen nicht so\nrasch durchschlagen kann, so daß man nicht mehr sagen dürfte ——— etwas sei so\nzerbrechlich —- wie Glas.\nAlso: gleich nach der Zerstörung neue erhöhte Bautätigkeit mit anderen\npraktischen Materialien. «\nUnd die neuen Stadtanlagen werden viel weitläufiger sein als die alten.\nDie elektrischen Verbindungen erlauben das. Es werden große planmäßig ge-\nbaute Kolonien entstehen, in denen die» grade Linie nicht vorherrschend sein dürfte.\nDas sind nicht nur müßige Zukunftsgedanken. Diese Bautätigkeit muß sich\nmit Energie in der angedeuteten Weise ausbreiten! es geht gar nicht anders.\nSo sieht die Lichtseite der diesmaligen Sonnensieckenmayimumperiode aus.\nEntschuldigen Sie das schreckliche Wortmonstrum «— aber ich wollte doch mit\neinem Monstrum meine sehr aphoristischen Andeutungen schließen-\nDenken.Sie sich das Zentrum der neuen Städte mit bunt ornamentierten\nFliesen belegt — und sehr groß -—— viele Male größer als der Markusplatz\nzu Venedig« -\nJetzt applaudierte das Publikum ganz stürmisch Und der Herr Professor\nsagte nur noch:\n,,Hossentlicl) habe ich jetzt genug angedeutet —- so viel, daß wir für einige\nTage wieder etwas heiterer in die Zukunft blicken können«\nDer Gastgeber ließ Bier bringen, und man trank in großen Zügen auf\ndas Wohl des Herrn Professors und auf eine glänzende Zukunft in neuen\ngrößeren Stadtanlagen. « « sz\nIch verließ, ohne bemerkt zu werden, hastig die Gegend, in der ein so\ngroßer Optimismus herrschte. ;\nAber merkwürdig wars, daß mich auf der Straße der Optimisinus nicht\nverließ. Ich war bei so guter Laune, daß ich in einem größeren Bierlokal noch\nein paar Schoppen auf das Wohl des Herrn Grobleben — und auf eine\nglänzende Zukunft trank.\n\nPaul Scheerbart"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.8", "texte": "Die Erde dröhnt,\nauf schåumendem wiehernden, preschenden Zzengstem\nklirrend,« blitzend, eisenumschieny\ndie ganze, weite, unabsehbare Ebne rings, r\n. donnernd,\nin eine einzige, riesige, die Sonne versinsternde Staubwolke Wirbelnd,\nhunderttausend wie ahndende, leuchtende, rächende Erzengel heranbrausende Reiter!\n»Sie g! l l« ,\nIn auseinanderstiebende Hoplitenregimentey\nmåhend, i\ns sausen meine Sichelwagem «\nüber verröchelndem blutdampfendem zerstampften Leibern,\n\" brüllend,\ntrompeten meine Elephantenl\nMeiner wilden, rasenden, wutschnaubenden Ianitscharenorta\nhoc)\nvorauf,\nsuche ich dich!\n. Zzundll\ni Kanaillell Bestiell «\nWo. bist du?? . Wo??\nAls ich in Lumpen, bettelnd, unerkannt, «\n« unter meinem hungernden,darbenden, bübisch betrognen Volk ,\nelend durch die Gassen irrte, ,\nals ich verhöhnt,\nbeschimpft und angespien, i\ns harfend von meiner Herrlichkeit,\nMorgen um Morgen, Tag um Tag, Abend für Abend,\n- singend in deinem glitzernden, bunten,\nfåulenumwundnem springbrunnenplåtfcherndem palmenüberwehten Palasthof stand,\nl . als ich verraten, i .\nverfolgt, gehegt,\nwie ein umstelltes, gejagtes Tier,\nmich totwund vor deinen Schergen barg,\nspreiztest du dich marktschreierisclY « i »\nruhmredig-dünkelfrech, trunken von deinem ,,Glück«,\nmitten unter deinen feilen, scherwenzelnden, speichelleckerischen Schranzem\nvon deinem sklavisch augendienerischen Pack kriechend schmeichelzüngig umweihräuchertz"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.9", "texte": "hossärtigsselbstgefällig dummstolz-geckenhaft,\nauf Meinem Thron! \"\nr Während ich mit meinem ersten Getreuen,\n» , der mich hilflos ohnmächtig Siechen, ,\nheimrixiz nächtig, «\nauf wirren, tollkühn halsbrecherischen Schleichwegem\nzwischen drohenden, wolkenumbrandeten Gipfeln und schwarzen himmelhoch ragenden Steilwänden,\n, unter prasselnd polternden Steinstürzen weg,\ndurch tobende, tosende Wasser,\n« an jähen, schwindelnden Schlünden vorbei,\nin fegend eisgraupelnd heulenden, atemberaubenden Schneestürmem\nfreudig, heldenmütig, opferwillig, unverzagt, «\nSchritt um Schritt,\nniemals stolpernd, niemals strauchelnd, prüfend vorsichtig, sorgfältig tastend,\nkletternd keuchend,\nmit starken, kraftvoll nie ermüdenden Freundesarmen klimmend über die Gebirge trug,\nwährend ich mit meinem ersten, geduldigen,\n« s furchtlos tapfern, c\nmannhaft feurig herzergebnen Kämpen und Blutsbruder\neinsam durch die Wüsten strich, Jahre, Jahre, Jahre lang,\nwährend ich Wurzeln und Heuschrecken fraß, «\nwährend faulende, fieberdurchpestete, tückisch morastige Sumpfsteppen und bittre Salzseen\nmich lethzend verschmachtend dürsten ließen, «\nwährend ich um mein bißchen armes, nacktes, jämmerliches Leben,\numheult von 6yänen, umklässt von Schakalen,\nüberkreischt von Aasgeiern,\nfast stündlich,\nmit schleichendem giftigen Schlangen,\nLöwen und Tigern rang, s\nprahltest du, dich selbst vergötternd, »\nbombastisch ausgeblasen großtuerisch,\nmit Meinem Szepterl\nAls das Reich,\nvon deiner eklen, satten, eitel hochfahrend übermütigen Sippe\nbarbarisch niedergehalten,\n. vandalisch verwüstet und frevlerisch zertreten, -\nkein Kult mehr als deiner, kein Gott mehr als dich, ,\ni die besudelten Tempel verödet, die alten, heiligen Liederrollen zerrissen, die Seelen leer,\n— allerorten,\nschon zu murren und, zu meutern begann,\nals die Kunde von meinem unerhörtem grausig harten, fernen Märtyrertum ,"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.10", "texte": "- schon von Land zu Land, von Stamm zu Stamm, von Mund zu Mund flog,\nals schon die ersten, begeisterten Scharen,\nkaum daß mein Fuß bereits die Grenze überschritten,\naus allen Tälern, von allen Bergen,\nmit jeder Stunde, mit jeder Sekunde, je weiter ich vordrang, lawinenartig wachsend,\njubelnd mir zuströmtem\nals schon die unterjochten Vafallenkönige\n, jauchzend\nmich als ihren von Gott gefandtem einzig rechtmäßigen Herrn und Befreier grüßten -\nobwohl du gewußt hattest, \"\nschåbig gewußt hattest, von allem Anfang an gewußt hattest,\ndaß mein das Reich, \"\ndaß mein die Kraft und mein die Herrlichkeit war:\nwindbeutlerisch siunkernd,\nanmaßend ruchlos, vermessen ehrenråuberisch, \"\numbalzt von deiner Brut,\numjohlt von deinem Abl)ub, umbelfert von deiner Meute,\nprunktest du noch\nmit Meiner Krone!\nDich fassen, dich packen, dich finden, dich kriegen!\nW o,\nwo bist du, wo?? l\n, Hähahahahll\nIm letzten Zelt, ,\nverkrochen hinter deinen Weibern!\nDie Lippen blutleer,\ndie Augen sich drehend, die Kehle» rasselnd,\nl e » beide Fåuste rücklings, ,\nmit behenden, brechenden, fchlotternden Knieen,\n« c in den zerkrampften,\ngestol)lnen, ,\nhinterrücks fchurkifch usurpierten Purpur verkralltl\nUnd\n...mitdir...mitdir...\nmit dir\nrang ich noch gestern . . . um die »Welt« als Preis? g\nc Pfui!\nMein Hammer «\n» sinkt,\ndein faules Hirn . . . bleibt unzerfchmettert ,\n\nUrno bolg"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.12", "texte": "Uifred wolfenfiein\nDer Kreis der Stadt . . wie ist er grades Wogen,\nWie sind die glatten Straßen reich geworden . . .\nDie trägen Kopfe kommen frei geflogen, i\nDie kühlen, von einander angezogen . . .\nEs ist so heiß und hell wie nie im Norden.\nSoldaten gehn hinaus, auf hohen Knieen,\nSie trommeln bis zum Tod mit gleichem Schlage.\nDie langsam in Gew6hnlichem gediehen,\nSie, greifend nie begriffne Melodieeiy\nErstürmen Sieg und Lösung jeder Frage. , .\nWarum bewegtet ihr euch nicht imiFrieden\nSo seltfam,so vom Geist her undfo gerne -——-i\nGekommen wåreniemals mehr ein Krieg. «\nDoch im» dies Fest« fix» de-: neue-: Friede»!\nStürmt dann wie jetzt und ruft statt Hurra: Sterne!\nUnd führt den ganzen , iGeist hinauf zum Sieg. sz"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.14", "texte": "Dies ist von je und je empfunden worden: daß unser empirisches\nIch, wie es aus den Stücken der Stunden seine Tage zusammen-\nsetzt, vielspältig, zufällig, dem Schicksal preisgegeben, bloß wirk-\nlich —- daß dies nicht unser ganzes Sein ausmachen kann. Irgend\netwas muß da fein, gleichviel welchen Wesens, das für uns als\nIdee, Forderung, metaphysische Mächtigkeit lebt und jenem Zer-\nspaltnen, Fragmentarischen Einheit gäbe, Notwendigkeit und Sinn.\nDiesesEtwas ist nun aber doch unser eigenes eigentliches Ich- im\nGegensatz zwar gegen jenes empirische Sein, ist unser tiefstes Sein\nselbst, und grade weil es in solchen Grundtiefen unter jenem liegt,\nbefähigt, über ihm zu stehn, als sein Gesolltes, sein Wert und Ideal.\nDas »reine« Ich nennt es Fichte, d. h. dasjenige, was wirklich nur\nIch ist, dem nichts Fremdes, Schicksalsmäßigeq bloß Partielles\neinwohnt; und dem es Aufgabe ist, das äußerliche, tägliche, so und\nso aussehende Ich zu vernichten, indem es durch dieses gleichsam\nhindurchwächstz so daß Sittlichkeit ihm nichts anderes ist, als daß\n»das empirische Ich vermöge einer unendlichen Annäherung in das\nreine Ich zurückgeht«.\nDas Abstruse verschwindet aus diesem Ausdruck einer ewigen\nWahrheit, indem wirihre Verwirklichung erleben: in dem Soldaten,\nder sich in Freiheit opfert, ist das empirische Ich überwunden und\nvernichtet von dem reinen, alles Zufalls und alles äußerlich Be-\nstimmenden entledigten Ich. Und dieses ist, wie es Fichte verlangte,\nnicht eine einseitig charakterisierte, zufällig so und so gefärbte In-\ndividualität, sondern, obgleich und weil der tiefste Grund der\nPersönlichkeit, ein Übereinzelnes, in der gleichen Wurzelschicht eines\nIeden Lebender« Denn wie sollte es kein Allgemeines sein, wie\nsollte es die bloße Individualität nicht übergreifen, da es sich mit\nseinem Opfer doch in das Allgemeine grade einschmilzt und auflöst?\nWas man von den Kämpfern unzähligemal hört und was auch\nunausgesprochen als ihre seelische Verfassung hervorleuchten ein\nvölliges Sich-selbst-Vergessen und zugleich ein unerhört gesteigertes\nGefühl seiner selbst —- ist die Verwirklichung jenesFichteschen Bildes\nder ,,Sittlichkeit«. Im ,,reinen Ich« vollzieht sich das Wunder, daß\nder tiefste Kern der Pers önlichkeit Eines ist mit einem Allgemeinen,"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.15", "texte": "einer lebendigen Idee, einem Gemeinsamen vereinheitlichter Mil-\nlionen ——-— und dieses hat das ,,empirische Ich« so über-griffen und\nin sich hineingenommen, daß dessen seelische Vergleichgültigung sich\nin die selbstverständlich hingenommene physische Vernichtung fortsetzc\nFreilich, Fichte spricht nur von einer ,,unendlichen Annäherung«;\ndenn das Allgemeine, dem das Ich metaphysisch geeint ist, ist für\nihn nicht Vaterland und Nation, sondern das Allgemein-Menschliche,\nAllgemein-Geistige, das jenseits jeder Seele, auch der Seele eines\nVolkes steht. In jener Richtung aber liegt vielleicht die Aufgabe derer,\ndie den Krieg überleben —- eine nun allerdings unendliche. Für\nden Krieger, der den Opfertod gestorben ist, ist das Unendliche ein-\ngegangen in die Form: Deutschland, er hat wirklich ,,vollendet«.\nWir aber müssen, daß wir leben dürfen, mit der Unabschließbarkeit\nunsrer Aufgabe bezahlen, unser relatives Ich in das Absolute auf-\ngehn zu lassen. Nur die Gnade ward uns, daß die uns mögliche\nHingebung und Opferung für die Menschheit in der Gestalt unsres\nDeutschlands uns sicher macht, daß unser Weg jetzt wirklich eine\nendliche Strecke jener unendlichen Annåherung ist.\n\nGeorg Simmel"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191411-02.1.16", "texte": "Inbalt des seftes 3:\nWilli Geiger -—-— Orig.-Steindruck J Franz Werfel -— Ein ulan J Werner\nSchmidt -— Orig.- Steindruck J Rudolf Leonhard —- Kricgslied der FrauenJ\nEdwin Scharff —- Origisteindruck J Max: Brod —-— Gefühl von einer\nVerwandlung des Staates J Hugo von Hofmannsthal —- Gsterreichs Ant-\nwort J Werner Schmidt -«- Origssteindruck J Theodor Dåubler ——- Die\nFührer J Renö Beeh -——— Origxsteindeuck J Max Unold —- Origsloolzs\nschnitt J Erwin Metzner ——— Heiß pocht mein Herz . . . J Richard Seewald\n-— Orig.-Steindruck J Martin-Zuber ——- Pescara\n\nHerausgegeben von Otto HaassHeye\nBerlin ! Pariser Platz 74\nverantwortlich für die Schriftleitung\nFriedrich M. Huebner\ne München J Franz-Iofephstr. 11\nVeranwortlich für die künstlerifche Leitung\nO. Th. W. Stein\nMünchen J Ainmillerstu 17\nFür unverlangte Einsendungen keine Gewähr.\nIn Gsterreich für die Redaktion verantwortlich Hugo Zzeller, Wien, I,\nBauernmarkt 3"}]}