{"numero_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_sha256": "0ddfd24528136c6aca382aaf865c7ebef0376cc344730ba55d4b3dab44d3f360", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1914/12_01/bmtnabb_1914-12_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1914/12_01/bmtnabb_1914-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-12_01#c001", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.2.1", "titre_corps": "Mit langem Nebelschweif der Kriegskomet", "titre_sommaire": "Mit langem Nebelschweif der Kriegskomet", "signature_source": "friedrich Curt Benndorf", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 897, "texte": "friedrich Curt Benndorf\nMit langem Nebelschweif der Kriegskomet\nam Abendhimmel schauerlich durch Sternenheere geht:\nGeheimnisstill durchbraust die Furia das Weltenall,\ndieweil auf Erden rundum tönt der Kriegstrompete Schall!\nDa wogen Kampfe hin und her von Horizont zu Horizont;\ngoldmutig schwärmen Schützenlinien aus in breiter Frontz\nHaubitzen brüllen Donnerrufe furchtbar durch die Nacht: —-—-\nDie Streiter Deutschlands halten aus, ——— es steht die Schlacht!\nDie Schlacht vertobt, und der Komet verblaßt im Nkorgengraum\ndas viele jugendhelle Augen nicht mehr wiederschaun. »\nDoch ob auch Blut und Leben viel im Erdreich da verrann,\nist eisern ungebeugt der große deutsche Heeresbanm c\nWie wenn ein Herbststurm wettert über lånderweiten Wald\nund Regenböen niederschmettert voll Gewalt\nund Bäume stürzt, an Ast- und Blattwerk reißt,\nund darnach aller Wald doch herrlich aufrecht steht und gleißt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-12_01#c003", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "58", "page_fin": "59", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.2.2", "titre_corps": ". . . Daß wir reden dürfen, daß wir, vielmehr, es unverblümt", "titre_sommaire": ". . . Daß wir reden dürfen, daß wir, vielmehr, es unverblümt", "signature_source": "Otto Schneider", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1763, "texte": ". . . Daß wir reden dürfen, daß wir, vielmehr, es unverblümt\nbeanspruchen, wo der Krieg das übertönende Wort hat, ist das\nErgebnis unsrer eignen Kraft, unsrer männlich unerschrocknen\nReife. Und wie hoch wir uns bemerken, darüber sind wir nicht\nerst durch den Krieg orientiert worden. Das, was uns aber inner-\nlich jetzt näher liegt, ist, kann dieser Krieg künstlerisch in uns zum\nErlebnis heranwachsen?\nWir sind menschlich auf eine einfache Formel gebracht und\nhaben dabei unendlich viele, unendlich feine aber jetzt unverträgliche\nWerte abgegeben. Können wir uns an den neuen Erscheinungen,\nwie der ungeheuren ethischen Schlagkraft unsres Volkes, unsrem\nerstarktem kulturellen Gewissen, aber auch an den wenn auch kurz-\nlebigen Kehrseiten des Krieges, können wir durch diese unüber-\nsehbare Aufrüttelung innerlich eine künstlerisch neue Färbung\nannehmen? Können wir uns so neuartig rerdichten, daß unser\nEmpflnden, unser Intellekt sich anders wie bisher kristallisiert?\nUnd kann dann unsre Äußerung hierüber uns. inhaltlich so um-\nrahmen, so erschöpfen, hiedurch unsre zeitgenössische Potenz zu\ndokumentieren?\nIch sage, nein. Insoweit wir menschlich über ihn nicht hinweg\nsehen, ihn nicht übersehen können, werden wir, der eine mehr, der\nandere weniger, der eine mit handgreiflicherem Geschick, der andere\nmit dem eindringlicherem Bekenntnis des Erlebens auf ihn reagieren.\nAber zu tiefst in unsrer künstlerischen Seele erreicht er uns nicht\nmit derselben umbildenden Kraft, mit demselben umstürzlerischen\nSinn wie es politisch geschieht. Er kann unsrer Arbeit nicht zu\nsolch grundgreifender Bedeutung heranwachsen wie dem sozialen\nBewußtsein unsres ganzen Volkes oder dem sachlichen Blick des\nPolitikers.\nEs ist eine Aufrüttelung aus menschlichen Rückhaltem aus"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1666, "texte": "politischer sJndolenz, aber kein Antrieb aus künstlerischem Brach-\nliegen zu äußerster Kraft.\nDer Krieg bedingt uns ebensowenig wie er uns gefährdet.\nEr ist politisch eine Notwehr, kulturell ein Notstand, künstlerisch\naber nicht die Gelegenheit, deren Anbruch wir, inigterlich vor-\nbereitet, durch Jahre erwartet haben.\nWir waren nicht morsch, nicht morbid, nicht versteinert. Wir\nbedurften keiner Belebung, keiner Berichtigung, keiner Vereinigung.\nKam der Krieg aber doch, ungelegen, da er mitten in unsre Arbeit\nstieß, so bedenken wir nicht verängstey er könne uns irgendwie\nbeirren. Ob er uns in der eingeschlagenen Richtung festigt, wissen\nwir nicht. Daß wir uns aber gegen seine zeitliche Behinderung\ndurch die Tat aussprechen sollen, dürfen wir nicht übersehen, nicht\nvergessen.\nDer starke sittliche Einschlag dieser maßvollen Zeitlåufte bleibe\nuns. Das wünschen und fordern wir alle, welche nicht so satt\nsind, die Kunst zu verkennen. Die starke Wirklichkeit halte uns in\nihrem Rahmen, werde rege in unserm Ausdruck. Seien wir auch\nnational, aber keine windige Standarte, kein durchsichtiges Schlag-\nwort des Tages.\nVor allem, ersticken wir das Nurvirtuose, das Mimosenhafte,\ndas Entgleiste und all die Ziererei und den Bluff der hinkenden\nAußenseiter der Kunst. Jnsofern kann der Krieg künstlerisch eine\nNuance sein, uns eine gesündere, robustere Physiognomie zu geben,\nwenn wir auch eigenwillig nur neben ihm unsre Wege gehen, ver-\nlegen, das politische Ereignis zum künstlerischen Erlebnis umzu-\ngestalten. Denn uns kommt es nicht darauf an, was geschieht,\nsondern daß es geschieht, das Unglaubliche dieser ungeheuren welt-\nlichen Wandlung.\n\nOtto Schneider"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-12_01#c004", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "60", "page_fin": "60", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.2.3", "titre_corps": "Ich bin die älteste Speicher-Katze von Przemysi. Ich bin schnell,", "titre_sommaire": "Ich bin die älteste Speicher-Katze von Przemysi. Ich bin schnell,", "signature_source": "Uifred Aichard meyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 957, "texte": "Uifred Aichard meyer\nIch bin die älteste Speicher-Katze von Przemysi. Ich bin schnell,\nich bin schnell.\nWenn ich nachts durch die Mehl-Magazine schleiche, ist es wie in\neiner Schneelandschaft hell.\nO, ich weiß, es ist Krieg: ich kenne meine Psiicht und Verant-\nwortlichkeit.\nNceine Söhne, Töchter, Enkel und Enkelkinder sind nicht weniger\neifrig bereit,\njeden Tag vom Boden, aus Kellern ihre Ration Mäuse —- huschl ———\nwegzuputzen,\ndie mit ganz kleinen Visitenkarten die sauberen Proviantkammern\nbeschmutzen.\nIch höre durch hundert Wände in der ZwiebackStube Rnuspern\nund Knackem\nfür mich das Signal, die Feinde lautlos durch Flankenangriff zu\ni packen. »\nMeine Pfoten haben die Wucht von mittelalterlichen Morgen-\nsternen.\nWer sie einmal geschmeckt, kann sie nicht zum zweitenmal kennen\nlernen. .\nWie mit giftigen Lanzen gespickt, starrt knisternd mein schwarz-\nweißes Fell.\nIch bin die älteste Speicher-Katze von PrzemysL Ich bin schnell,\nich bin schnell."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-12_01#c006", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "63", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.2.5", "titre_corps": "Bekenntnis -——·- nicht ,,Aeußerung« soll während einer Zeit allzuvieler Aeußerung", "titre_sommaire": "Bekenntnis -——·- nicht ,,Aeußerung« soll während einer Zeit allzuvieler Aeußerung", "signature_source": "Erich Gutfind", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3106, "texte": "Bekenntnis -——·- nicht ,,Aeußerung« soll während einer Zeit allzuvieler Aeußerung\nin diesen Blättern ein Archiv finden, wie in den heimlich kostbaren Truhen der\nchinesischen Geschichtsschreibey die dann von späterer Generation aufgetan\nwerden. So könnte es Mißverständnis scheinen, wiederum von objektivem\nGeschehen statt von innerem Erleben zu sprechen, wenn es nicht ein höheres\nBekenntnis gäbe als das seelische —— das kosmische Bekenntnis, darin das Fernste\nin heiße Nähe gewandelt und das Selbst für einen unendlichen Augenblick, jeder\nBürgerlichkeit ledig, sich von der eisekältesten Objektivität nicht zu scheiden vermag.\nSo ist kein Wort hier ,,politisch« gemeint.\nDer Nüchterne -—— also der vom vordersten Vordergrund in Wahrheit\nvöllig Betrunkene — sieht diesen Krieg: eine Störung von sieben Monaten,\nnach der ,,Handel und Wandel wieder blüht«, durch Ethik veredelte Störung.\nAber das tausendjährige Reich des Krieges schaut, wem der Vordergrunds\nLärm so klein ward, daß er sich da vorn freilich wie ein Narr gebaren mag.\nDer «,,Nüchterne« fragt nur: wer hat Schuld? wer fing an? was nehmen wir\nuns? wie lange dauert es? Das sind dieselben Leute, die vor dem Werk des\nKünstlers fragen: wie hat er das gemacht? Ja das ist ja gleich, wie der Krieg\ngemacht ist, ob vom Herrgott selbst oder von den Großbanken — wer aber\nrecht närrisch lebt im Kausalen, fest und recht aber steht in den ewigen Realitäten,\nder betet jeden Morgen in der Frühe: Ungeheuer ist der Krieg auf Erden.\nUnd zerreißt so das Kausalfädchen. Wie wenig ,,Ursache und Wirkung« ———-\nwieviel Knochenmark ist in diesem Krieg! Ein anderes wäre die tief occulte\nUrsache. So wie man berichtet, daß die Titanic zuwenigst vom Eisberg in die\nTiefe gezogen ist, aber von einem verruchten Diamanten an Bord in des reichen\nAmerikaners Besitz, ein Stein aus Marie Antoinettes Geschmeide, der seit Jahr-\nhunderten jedem Besitzer den Tod brachte. Das ist causa höherer Ordnung,\ndie geheime Zauberzeremonie über dem Krieg.\nAlso ist der Krieg nicht ein noch so starkes Etwas, das unter uns trat,\nalles greifbare Etwas ——- daß Männer sich töten, Häuser brennen —- das ist\nnoch nicht Herr Krieg selbst. Auch das ist noch brüllender Vordergrund, ja,\nes ist ein ganz anderes noch, es ist das apokalyptische Zeichen, durch das\nsich das tausendjährige Reich des Krieges ankündigt. Es ist der erste Posaunen-\nstoß, der die Mauern in Schutt gelegt hat, die wir zum Schutz um uns und\nDinge gestellt haben, so daß wir nun schutzlos stehen. Was selbstverständlich\nwar, steht nun in Frage, mein Bett ist nicht mehr selbstverständlich, nicht\nmeine Bekenntnisse, meine Tasse, die ich zum Trinken brauche, und meine Taten,\nalles muß Rede stehen. Alle Kreaturen zwingt es vor den letzten Thron, wo\nzwischen Tod und Leben ewig entschieden wird — und das ist der Krieg\nselbst. Nicht sieben Monate Leiden und Pflicht und dann: Fett, prutzle um\nso besser, sondern ewige Unsicherheit, Schöpfernot, der edle Urstand. In\nseinem deutschesten, tief faustischeiit Werk, in dem Blatt: ,,Ritter, Tod und\nTeufel«, hat Dürer dies gestaltet. Den, der den Weg macht, —- durch die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3039, "texte": "Welt hin, und der Tod und Teufel zu gewohnten Gefährten hat. Der Kriegs-\nmann, der keineSache auf Behagen gestellt hat, und einzig in unendlicher\newiger Gefahr unendlich stille feststeht Zzier ist die Substanz des Krieges.\nHitze vor der am ehesten zerbrennt was am entzündlichsten -——— die Welt von\nStroh. Weil es so viel Stroh gibt, einzig darum dies Sengen; die granitne\nWelt verlodert nicht, die erglüht nur. So wie in den lichtlosen verborgenen\nKatodenstrahlen gemeine fal)le Schlackenstücke in zauberisch eigenem unerborgtem\nLicht aufschimmern ,,Quidquid latet apparebitfL »Was verborgen ——- muß\nerscheinen« Hier wieder ist die Substanz des Krieges. »\nVor diesem tausendjåhrigen Kriegsreich erscheint der Staaten Kampf dieser\nWochen fast gering. Und doch wird auch diese Flut nicht allzu bald ebben.\nDenn dies alles ist nicht Spannung, die zwischen fester MåchtvKonstellation\nsich entladet, und dann vorbei. Es ist gerade Lösung aller festen Konstellation.\nSo ist es nicht der Ausbruch der Feindschaft zwischen Deutschland und Frank-\nreich, es ist das letzte Ende uralter Fehde. Es ist so nicht europåischer Krieg,\nes ist Krieg um Asien, Krieg auch um jenes zentrale Asien, das stets der Quell\nder Völker-Erneuerung war. Osten und Westen werden die Plåtze tauschen.\nDer kontemplierende ferne Osten wird in Tat fortgerissen, und abendlåndisches\nTun in neues Schauen. Und Revolutionen werden rasen, und es wird Ent-\nscheidung fallen über den großen Prüfstein der Menschenkultur, das Kapital.\nDas Ende jenes Menschen hat begonnen, der rechnet, weil er in seiner Arm-\nseligkeit rechnen muß. Der die tönende heilige Zahl des Pythagoras in Pfen-\nnige ausgemünzt hat. Der Quantitative, der »im Raum gekreuzigte Mensch«\n(gnostisch gesprochen). Davon der englische Mensch die reinste Ausprågung ist.\nUnd so ist es Krieg gegen das englische, das neu-römische Impirium, das ewig\nzu zerschmettern ewig gerntanische Sendung ist.\nDurch solche Wirrnis für Jahrhunderte dringt aber zu uns ein Gesicht.\nUnsichtbar für die ,,Intelligenz«, für die Gelehrten, die Sublimen, und die\nUeberraschten wenig gefaßt und unvorbereitet, da sie ja stets ohne Tod und\nTeufel ihren Weg machten, und nach wortlosem erstem Schreck allzu schnell,\nund wieder ohne Tod und Teufel, altgewohntes Gerede machen. Aber in den\nLazarettzügen mit den Zzeimgekehrtem da überschattet gewaltig dies Gesicht\ndie Gesichter und überall dringt der gleiche Ausdruck aus den riesenweiten\nAugen, die gesehen haben und noch sehen, bis sie in den albernen Straßen\nder Stadt wieder klein und eng werden. Das ist das Gesicht des Krieges\nselbst, die nackte Substanz des Krieges, die mehr hervortritt als in Kriegen\nvon früher, welche ganz Zweck-umdunkelt waren, während der Zweck heute\nbeinahe hinter dem Krieg zurücksteht So wie aber die Urvölker Wetter und\nWild beherrschten, indem sie dass Bild davon in ihre geheimen Zgöhlen walten,\nso wird die Macht des Krieges gebrochen sein, wenn wir sein Gesicht abge-\nbildet haben. An diesem Tage werden wir zu Gebietern über den Krieg.\n\nErich Gutfind"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-12_01#c007", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.2.6", "titre_corps": "Wie Klötze Eisen füllen sie die Enge.", "titre_sommaire": "Wie Klötze Eisen füllen sie die Enge.", "signature_source": "Johannes R. Becher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1247, "texte": "Johannes R. Becher.\nWie Klötze Eisen füllen sie die Enge.\nDer Sonne Rund, das strahlende, verdüstert\nDer Pfeile und Geschosse wirre Menge,\nDie Grauses aus einst heiteren Lüften flüstert.\nIetzt aber stürzen näher die Geschreie,\nFratzen von Tieren, klassende Grimassem\nAuf nackte Håute lange peitschen rasseln.\nDer Völker Asiens Sturme» in greller Reihe.\nWie Klötze Eisen füllen sie die Enge:\nHellas die Söhne, mit den weißen Schilden\nUnd purpurbüscheln —- auf - den - Helmen - Flattern.\nDer Perser fällt. Zerstampfte Birut von Nattern,\nDie Heimat-Mond mit eisigem Strahle senget. i\nDas krümmt sich auf im glänzenden Gefilde.\nSie weichen nicht: Hellas die Söhne. Massen\nVon Fleisch und Fleisch, der tollen Hunde Meute. .\nDie Sichelwagen zwischen Reitern prasseln,\nSteinblöcke aus den Katapulten schleudern.\nSie weichen nicht: das rostige Schwert voll Schatten,\nIn Fetzen-Fäusten ein zerfranzter Speer.\nDer Küste Felsen donnern. Dort im zarten\nGeblümten Horizonte schweigt ein Meer . . .\nSie weichen nicht. Da rattern tausend Pauken,\nLeuchtfeuer blitzen fahl im Hintergrunde.\nLeonidas .! ——— Es belfern die Hyånen\nAuf den Gebirgen, wo im steilen Schlunde\nZerschmetterten Himmels schlaflos Gletscher gåhnem\nZerschmetterter Himmel, der die Toten såugeu"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-12_01#c009", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "67", "image_debut": 10, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.2.8", "titre_corps": "Dreifach ist, nach der Weisheit des ältesten Ostens, das Verhalten", "titre_sommaire": "Dreifach ist, nach der Weisheit des ältesten Ostens, das Verhalten", "signature_source": "bermann beffe", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1969, "texte": "Dreifach ist, nach der Weisheit des ältesten Ostens, das Verhalten\nder Menschen, dreifach ihr Verstand, dreifach ihr Tun, dreifach ihr\nOpfer. Die einen sind ,,sat«, das ist ,,seiend«, zugleich »gut« bedeutend.\nDie zweiten sind die Leidens chaftlichen, die dritten die Dämonischen,\ndie Kinder der Finsternis.\nWer ,,sat« ist, der ist auf dem rechten Wege, dem ist Erlösung\nmöglich, auch wenn er lang noch irrt. s«\nWer leidenschaftlich ist, der ist auf keinem Wege, nicht auf dem\nguten noch auf dem bösen, er irrt und mag das Gute ahnen, doch\nist er weit von der Erkenntnis des Wahren, und weit, weit von\nder Möglichkeit der Erlösung.\nWer zu den Dämonischen, den Schwarzen zählt, der ist auf\ndem bösen Wege, der wählt stets das Böse, das Mindere, das\nschädliche, und treibt auf s chiefer Ebene tiefer und tiefer zu immer\ndunkleren Gestaltungew von Mutterschoß zu Mutterschoß im Fluch\ngetrieben.\nGut sein, ,,sat« sein, ist noch nicht Erlösung. Aber wer möchte\nnicht gut sein, nicht zu den Seienden gehören?\nDer Gute, der Seiende braucht nicht sich des Tuns zu enthalten.\nEr tut. Er handelt. Doch frei ist er von des Handelns Frucht.\nEr tut die Pfiicht, die ihm Geburt und Herkommen befiehlt. Er\nopfert. Er führt Krieg. Aber frei ist seine Seele vom Schielen\nnach Erfolg des Opfers. Frei vom Blut des Krieges, denn längst\nhat er auf Krieges Frucht verzichtet.\nDen Krieg unterlassen aber, aus Furcht vor Leibesleid und\nTod, oder Krieg. führen aus tiefem Wunsch nach Tatenfruchtz nach\nKrieges Erfolg, das ist die Art der Leidenschaftlichen ;\nKrieg führen aus blinder Habsucht, aus Freude am Mord,\naus Freude am Schaden, am Verderben, am zerstören, das ist der\nDämonischen Art. Keine Erlösung für sie, die Kinder der Finsternis.\nFort und fort aus dämonis them Mutterschoß werden sie neu geboren.\nWer möchte nicht gut sein, nicht zu den Seienden gehören?\nKrieg führen, weil es Psiicht ist, in der Seele unbewegt von Krieges\nAusgang und Krieges Frucht? Wer möchte nicht gut sein!"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 934, "texte": "Ich pråfe mich. Freude am Krieg? Nein, nie einen Augen-\nblick! Vermeiden des Krieges aus Feigheit, aus Bequemlichkeit,\naus Egoismus des mit anderen Zielen Beschåftigten? Ia, ja, ich\nbekenne.\nHaß gegen die Feinde? Freude am zerstören? Nein. Aber\nFreude beim Bericht von einem in die Luft geflogenen Kreuzer des\nFeindes? Ia, ein wenig Freude, eine Welle von« Freude, ach — von\nwarmer Freude, von großer Freude. ———— Nein, nein, ich bin nicht gut,\nich bin kein Seiender, nie werde ich ,,sat« heißen. Ich bin auch\nkein Dämonischey kein Kind der Finsternis. Ich bin ein Kind der\nLeidenschaft, ich bin von denen Einer, die mit harter Mühe ihre\nTaten tun, in Ichbewußtsein ganz gehüllt, bald stolz, bald klein,\nabhängig vom Bild der Geschehnissk »\nIch will ein Guter werden, ein Seiender, morgen, später, auf\ndem langen langsamen Wege. Aber heute nicht, heut’ noch nicht.\nDa laßt mich einen von den Leidenschaftlichen bleiben!\n\nbermann beffe"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-12_01#c011", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "68", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.2.9", "titre_corps": "ir haben mit dem Tode gespielt —", "titre_sommaire": "ir haben mit dem Tode gespielt —", "signature_source": "Reinhard Roefter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 530, "texte": "Reinhard Roefter\nir haben mit dem Tode gespielt —\nNun ist das Spielzeug in unseren Händen\ngewachsen und so schwer geworden,\ndaß wir es nicht mehr halten können:\nwir lassen es los. «\nDa steht es vor uns, gewaltig und groß,\nfremdartig und kaum noch von uns gefühlt.\nAuf ehernen Wänden\nseh’n wir den liebsten Namen\ntief eingegraben\nwie Vorwurf brennen. s\nUnd wenn wir uns zweifelnd zu unserem Leben wenden,\nfühlen wir Mitleid mir unseren Händen,\ndie nun kein Spielzeug mehr haben ————-\nund auch die rauhe Arbeit nicht leisten können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-12_01#c013", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "71", "image_debut": 14, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.2.11", "titre_corps": "sQ- .", "titre_sommaire": "sQ- .", "signature_source": "Lucia Dora froft", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3137, "texte": "sQ- .\n«! e länger der Krieg schläft, desto wilder erwacht er. Und diesmal hatte er\nlange geschlafen, tief, fast wie ein Toter; beinahe hätte man ihn begraben —- und\nals er sich kurz, ruckweise erhob, schnell wach, mit grellem Blick, ein Land nach\ndem andern in Flammen setzte, da strahlte sein Angesicht in so ungeheurer\nRaserei, daß wir aufatmeten, als feine Mienen ins Unübersehbare wuchsen.\nDas haben niemals Menschen vor uns so jäh erlebt. Sein Dasein löschte\nnicht nur den Frieden aus, auch alles was im Frieden über ihn bestimmt und\ngebilligt war. Keines MenschenWappen mehr trug er im Schild, wie sonst,\nwo man ihn Bismarck nennen konnte oder Napoleon oder Helena; er war\nkeine Tat: er geschah. Vergebens schrie man jetzt Namen in den blutroten\nHorizont; er war in seinem tiefen Schlaf sich selber ähnlich geworden und kam\nin seinen eigenen Farben. Die menschlichen Kriegsgesetze hatte er vergessen. Nicht\nder Friede hörte auf, sondern die Gesetzlichkeit. Kriegsehre, Verträge, Gesetze\nder Menschlichkeit wankten und fielen. Es gab bald Tage, wo jedes Vertrauen\nverblich, weil niemand mehr stark genug schien, seinen entfesselten Willen in\nmenschlichen Wegen zu halten.\nUnd nun geschah das merkwürdige. Wir empfanden das völlige Aufhören\nvon Recht und Gesetz nicht als ein Chaos; eine tiefe Genugtuung leuchtete durch\nunser Staunen hindurch. Ein leises fernes Frol)locken durchdrang unsere Seele;\nwie erwachend mit einem frischen Atemzug begrüßte sie die neue Wahrheit: es\ngibt nichts Festes; was von Menschenhänden gesetzt ist, es sei recht oder\nunrecht, kann durch Menschenhände fallen; die Menschheit achtet die Gesetze,\ndie sie großmächtig sich auferlegt hat, selbst für nichts; der Horizont ist un-\nverstellt und ringsum sind VOege möglich. Der Friede gerade wurde als Chaos\nerkannt unter der pochenden Aufforderung, sich zu erheben, die Flügel mächtig\nzu regen, unter der Ahnung, daß wir in einem so freien Zustand uns leichter\nund herrlicher würden bewegen lernen, weltmütig, leichtgemut. Es zog uns\nempor, wie wenn im Orchester die braven Instrumente, zum Schweigen gebracht\nwerden, Fagott und Cello, Bässe und Flöten ihre allzu irdischen, innigen, gemüt-\nvoll - sicheren Töne verdrossen aufgeben, und nur die l)ellen scharfen und durch-\nsichtigen bleiben, allein verwegen aufsteigen, schweben, und gellend das Becken\nnach dem Unisono ruft. Der Wille ist aufgerufen, was brauchen wir weiter?\nGewalt hat einen schöneren Schritt als Recht; weil sie frei ist.\nWir wehren uns heftig dagegen, daß dieser gründliche Zweifel am Lebens-\nwert von Recht, Gesetz und Sicherheit aus einer niederen Ebene kam, ein Rück-\nschlag ist in triebhaft ungebärdige Zustände. Wir sind nicht mehr so hilflos\nwie unsere Väter gegen den Fluch solcher Verdächtigungen. Wir wissen, daß\ndas Schicksal den Menschen noch niemals durch eine Zeit der freien Gewalt\ngeführt hat, daß weder Wilde noch Tiere imstande sind aus dem Willen zu\nleben. Gerade Friede und Recht haben unzählbare Ahnen in der Natur, ein\newiges Echo in der Vergangenheit. Das neue Gefühl dagegen, dessen Haß\nFeindschaft gegen Gesetz und Recht heißt und dessen Liebe die freie Tat ist,"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1762, "texte": "schallte nicht als ein verspätetes Echo in uns auf, es fiel aus der Höhe in\nunsere Seele. Und war uns nicht, als ob aus großer Ferne die unendliche Kraft\nuns zunickte, daß diese Empsindung richtig sei? ·\nWarum verstanden wir plötzlich die religiöse These: Recht und Gesetz seien\nzweiten Ranges, und das einzig Wertvolle der Anschluß an einen großen Willen\naußer uns, die protestantische Immediatstellung zu Gott, die keine moralistische\nZwischenrechnung zwischen dem Schöpfer und seinem Geschöpf duldet? Ietzt\nwo der Krieg nach unserem Herzen griss und es für sich nahm, und wir, wie\ngeblendet von dem inneren Licht s eines Willens, uns zu ihm bekannten, erfuhren\nwir erst, was Wille ist: etwas Übermenschliches, dessen Quelle nicht im Menschen\nliegt, dessen Gefäß wir werden können, ein Teil dann der ewigen Kraft, des\nfreien, weil nicht bedingten Willens. Was wir Eigenwillen nannten, ist nur\nNot; wer ihn preist, ein geborener und verlorener Knecht. Die aber, denen sich\nder Einklang von Krieg, Religion und Musik vollzog, in ihren Taten, und die\nden singendcn Ton von Freiheit und Willen, niebesiegt durch die gemeine Wirk-\nlichkeit des Krieges, aushielten, sind denen gleich, die unsere Väter Helden nannten.\nWie bald wird das kluge geordnete Chaos des Friedens wieder in seine\nRechte eingesetzt sein! Aber umsonst wird die Erfahrung, daß das Adelsrecht\nder Gewalt dem großen Willen näher kommt als die kleine seelenverderbende\nRechtlichkeit und Gesetzmäßigkeit des Friedens, nicht gewesen sein. Zuviele haben\nim tiefsten Herzen für immer vom Frieden und seiner Rangordnung Abschied\ngenommen; wir werden uns höher anbauen als bisher, nicht in der Sicher-\nheit, wo der Hamster das Wappentier wird, der Adler soll es bleiben auch\nim Frieden.\n\nLucia Dora froft"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1914-12-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabb_1914-12_01#c014", "volume": "bmtnabb_1914-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.2.12", "titre_corps": "Inbalt der Heftes 4:", "titre_sommaire": "Inbalt der Heftes 4:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 404, "texte": "Inbalt der Heftes 4:\nAlfred Kerr s—- Bleibt unverwirrt ! Friedrich Feigl ———- Origssteindruckl\nPaul Scheerbart«— Professor Grobleben über den Weltkrieg\" ! Renö Beeh\n— Orig.-Steindruck / Arno Holz ———— Phantasus J Alfred Rubin —- Orig-\nSteindruck J Alfred Wolfenstein —— An die Entbürgerten ! Willi Geiger\n—— Orig.-Steindruck X Georg Simmel ———— Vollendung und Aufgabe\nA. H. Pellegrini —- Orig.-Steindruck"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.1", "texte": "friedrich Curt Benndorf\nMit langem Nebelschweif der Kriegskomet\nam Abendhimmel schauerlich durch Sternenheere geht:\nGeheimnisstill durchbraust die Furia das Weltenall,\ndieweil auf Erden rundum tönt der Kriegstrompete Schall!\nDa wogen Kampfe hin und her von Horizont zu Horizont;\ngoldmutig schwärmen Schützenlinien aus in breiter Frontz\nHaubitzen brüllen Donnerrufe furchtbar durch die Nacht: —-—-\nDie Streiter Deutschlands halten aus, ——— es steht die Schlacht!\nDie Schlacht vertobt, und der Komet verblaßt im Nkorgengraum\ndas viele jugendhelle Augen nicht mehr wiederschaun. »\nDoch ob auch Blut und Leben viel im Erdreich da verrann,\nist eisern ungebeugt der große deutsche Heeresbanm c\nWie wenn ein Herbststurm wettert über lånderweiten Wald\nund Regenböen niederschmettert voll Gewalt\nund Bäume stürzt, an Ast- und Blattwerk reißt,\nund darnach aller Wald doch herrlich aufrecht steht und gleißt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.2", "texte": ". . . Daß wir reden dürfen, daß wir, vielmehr, es unverblümt\nbeanspruchen, wo der Krieg das übertönende Wort hat, ist das\nErgebnis unsrer eignen Kraft, unsrer männlich unerschrocknen\nReife. Und wie hoch wir uns bemerken, darüber sind wir nicht\nerst durch den Krieg orientiert worden. Das, was uns aber inner-\nlich jetzt näher liegt, ist, kann dieser Krieg künstlerisch in uns zum\nErlebnis heranwachsen?\nWir sind menschlich auf eine einfache Formel gebracht und\nhaben dabei unendlich viele, unendlich feine aber jetzt unverträgliche\nWerte abgegeben. Können wir uns an den neuen Erscheinungen,\nwie der ungeheuren ethischen Schlagkraft unsres Volkes, unsrem\nerstarktem kulturellen Gewissen, aber auch an den wenn auch kurz-\nlebigen Kehrseiten des Krieges, können wir durch diese unüber-\nsehbare Aufrüttelung innerlich eine künstlerisch neue Färbung\nannehmen? Können wir uns so neuartig rerdichten, daß unser\nEmpflnden, unser Intellekt sich anders wie bisher kristallisiert?\nUnd kann dann unsre Äußerung hierüber uns. inhaltlich so um-\nrahmen, so erschöpfen, hiedurch unsre zeitgenössische Potenz zu\ndokumentieren?\nIch sage, nein. Insoweit wir menschlich über ihn nicht hinweg\nsehen, ihn nicht übersehen können, werden wir, der eine mehr, der\nandere weniger, der eine mit handgreiflicherem Geschick, der andere\nmit dem eindringlicherem Bekenntnis des Erlebens auf ihn reagieren.\nAber zu tiefst in unsrer künstlerischen Seele erreicht er uns nicht\nmit derselben umbildenden Kraft, mit demselben umstürzlerischen\nSinn wie es politisch geschieht. Er kann unsrer Arbeit nicht zu\nsolch grundgreifender Bedeutung heranwachsen wie dem sozialen\nBewußtsein unsres ganzen Volkes oder dem sachlichen Blick des\nPolitikers.\nEs ist eine Aufrüttelung aus menschlichen Rückhaltem aus"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.3", "texte": "politischer sJndolenz, aber kein Antrieb aus künstlerischem Brach-\nliegen zu äußerster Kraft.\nDer Krieg bedingt uns ebensowenig wie er uns gefährdet.\nEr ist politisch eine Notwehr, kulturell ein Notstand, künstlerisch\naber nicht die Gelegenheit, deren Anbruch wir, inigterlich vor-\nbereitet, durch Jahre erwartet haben.\nWir waren nicht morsch, nicht morbid, nicht versteinert. Wir\nbedurften keiner Belebung, keiner Berichtigung, keiner Vereinigung.\nKam der Krieg aber doch, ungelegen, da er mitten in unsre Arbeit\nstieß, so bedenken wir nicht verängstey er könne uns irgendwie\nbeirren. Ob er uns in der eingeschlagenen Richtung festigt, wissen\nwir nicht. Daß wir uns aber gegen seine zeitliche Behinderung\ndurch die Tat aussprechen sollen, dürfen wir nicht übersehen, nicht\nvergessen.\nDer starke sittliche Einschlag dieser maßvollen Zeitlåufte bleibe\nuns. Das wünschen und fordern wir alle, welche nicht so satt\nsind, die Kunst zu verkennen. Die starke Wirklichkeit halte uns in\nihrem Rahmen, werde rege in unserm Ausdruck. Seien wir auch\nnational, aber keine windige Standarte, kein durchsichtiges Schlag-\nwort des Tages.\nVor allem, ersticken wir das Nurvirtuose, das Mimosenhafte,\ndas Entgleiste und all die Ziererei und den Bluff der hinkenden\nAußenseiter der Kunst. Jnsofern kann der Krieg künstlerisch eine\nNuance sein, uns eine gesündere, robustere Physiognomie zu geben,\nwenn wir auch eigenwillig nur neben ihm unsre Wege gehen, ver-\nlegen, das politische Ereignis zum künstlerischen Erlebnis umzu-\ngestalten. Denn uns kommt es nicht darauf an, was geschieht,\nsondern daß es geschieht, das Unglaubliche dieser ungeheuren welt-\nlichen Wandlung.\n\nOtto Schneider"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.4", "texte": "Uifred Aichard meyer\nIch bin die älteste Speicher-Katze von Przemysi. Ich bin schnell,\nich bin schnell.\nWenn ich nachts durch die Mehl-Magazine schleiche, ist es wie in\neiner Schneelandschaft hell.\nO, ich weiß, es ist Krieg: ich kenne meine Psiicht und Verant-\nwortlichkeit.\nNceine Söhne, Töchter, Enkel und Enkelkinder sind nicht weniger\neifrig bereit,\njeden Tag vom Boden, aus Kellern ihre Ration Mäuse —- huschl ———\nwegzuputzen,\ndie mit ganz kleinen Visitenkarten die sauberen Proviantkammern\nbeschmutzen.\nIch höre durch hundert Wände in der ZwiebackStube Rnuspern\nund Knackem\nfür mich das Signal, die Feinde lautlos durch Flankenangriff zu\ni packen. »\nMeine Pfoten haben die Wucht von mittelalterlichen Morgen-\nsternen.\nWer sie einmal geschmeckt, kann sie nicht zum zweitenmal kennen\nlernen. .\nWie mit giftigen Lanzen gespickt, starrt knisternd mein schwarz-\nweißes Fell.\nIch bin die älteste Speicher-Katze von PrzemysL Ich bin schnell,\nich bin schnell."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.6", "texte": "Bekenntnis -——·- nicht ,,Aeußerung« soll während einer Zeit allzuvieler Aeußerung\nin diesen Blättern ein Archiv finden, wie in den heimlich kostbaren Truhen der\nchinesischen Geschichtsschreibey die dann von späterer Generation aufgetan\nwerden. So könnte es Mißverständnis scheinen, wiederum von objektivem\nGeschehen statt von innerem Erleben zu sprechen, wenn es nicht ein höheres\nBekenntnis gäbe als das seelische —— das kosmische Bekenntnis, darin das Fernste\nin heiße Nähe gewandelt und das Selbst für einen unendlichen Augenblick, jeder\nBürgerlichkeit ledig, sich von der eisekältesten Objektivität nicht zu scheiden vermag.\nSo ist kein Wort hier ,,politisch« gemeint.\nDer Nüchterne -—— also der vom vordersten Vordergrund in Wahrheit\nvöllig Betrunkene — sieht diesen Krieg: eine Störung von sieben Monaten,\nnach der ,,Handel und Wandel wieder blüht«, durch Ethik veredelte Störung.\nAber das tausendjährige Reich des Krieges schaut, wem der Vordergrunds\nLärm so klein ward, daß er sich da vorn freilich wie ein Narr gebaren mag.\nDer «,,Nüchterne« fragt nur: wer hat Schuld? wer fing an? was nehmen wir\nuns? wie lange dauert es? Das sind dieselben Leute, die vor dem Werk des\nKünstlers fragen: wie hat er das gemacht? Ja das ist ja gleich, wie der Krieg\ngemacht ist, ob vom Herrgott selbst oder von den Großbanken — wer aber\nrecht närrisch lebt im Kausalen, fest und recht aber steht in den ewigen Realitäten,\nder betet jeden Morgen in der Frühe: Ungeheuer ist der Krieg auf Erden.\nUnd zerreißt so das Kausalfädchen. Wie wenig ,,Ursache und Wirkung« ———-\nwieviel Knochenmark ist in diesem Krieg! Ein anderes wäre die tief occulte\nUrsache. So wie man berichtet, daß die Titanic zuwenigst vom Eisberg in die\nTiefe gezogen ist, aber von einem verruchten Diamanten an Bord in des reichen\nAmerikaners Besitz, ein Stein aus Marie Antoinettes Geschmeide, der seit Jahr-\nhunderten jedem Besitzer den Tod brachte. Das ist causa höherer Ordnung,\ndie geheime Zauberzeremonie über dem Krieg.\nAlso ist der Krieg nicht ein noch so starkes Etwas, das unter uns trat,\nalles greifbare Etwas ——- daß Männer sich töten, Häuser brennen —- das ist\nnoch nicht Herr Krieg selbst. Auch das ist noch brüllender Vordergrund, ja,\nes ist ein ganz anderes noch, es ist das apokalyptische Zeichen, durch das\nsich das tausendjährige Reich des Krieges ankündigt. Es ist der erste Posaunen-\nstoß, der die Mauern in Schutt gelegt hat, die wir zum Schutz um uns und\nDinge gestellt haben, so daß wir nun schutzlos stehen. Was selbstverständlich\nwar, steht nun in Frage, mein Bett ist nicht mehr selbstverständlich, nicht\nmeine Bekenntnisse, meine Tasse, die ich zum Trinken brauche, und meine Taten,\nalles muß Rede stehen. Alle Kreaturen zwingt es vor den letzten Thron, wo\nzwischen Tod und Leben ewig entschieden wird — und das ist der Krieg\nselbst. Nicht sieben Monate Leiden und Pflicht und dann: Fett, prutzle um\nso besser, sondern ewige Unsicherheit, Schöpfernot, der edle Urstand. In\nseinem deutschesten, tief faustischeiit Werk, in dem Blatt: ,,Ritter, Tod und\nTeufel«, hat Dürer dies gestaltet. Den, der den Weg macht, —- durch die"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.7", "texte": "Welt hin, und der Tod und Teufel zu gewohnten Gefährten hat. Der Kriegs-\nmann, der keineSache auf Behagen gestellt hat, und einzig in unendlicher\newiger Gefahr unendlich stille feststeht Zzier ist die Substanz des Krieges.\nHitze vor der am ehesten zerbrennt was am entzündlichsten -——— die Welt von\nStroh. Weil es so viel Stroh gibt, einzig darum dies Sengen; die granitne\nWelt verlodert nicht, die erglüht nur. So wie in den lichtlosen verborgenen\nKatodenstrahlen gemeine fal)le Schlackenstücke in zauberisch eigenem unerborgtem\nLicht aufschimmern ,,Quidquid latet apparebitfL »Was verborgen ——- muß\nerscheinen« Hier wieder ist die Substanz des Krieges. »\nVor diesem tausendjåhrigen Kriegsreich erscheint der Staaten Kampf dieser\nWochen fast gering. Und doch wird auch diese Flut nicht allzu bald ebben.\nDenn dies alles ist nicht Spannung, die zwischen fester MåchtvKonstellation\nsich entladet, und dann vorbei. Es ist gerade Lösung aller festen Konstellation.\nSo ist es nicht der Ausbruch der Feindschaft zwischen Deutschland und Frank-\nreich, es ist das letzte Ende uralter Fehde. Es ist so nicht europåischer Krieg,\nes ist Krieg um Asien, Krieg auch um jenes zentrale Asien, das stets der Quell\nder Völker-Erneuerung war. Osten und Westen werden die Plåtze tauschen.\nDer kontemplierende ferne Osten wird in Tat fortgerissen, und abendlåndisches\nTun in neues Schauen. Und Revolutionen werden rasen, und es wird Ent-\nscheidung fallen über den großen Prüfstein der Menschenkultur, das Kapital.\nDas Ende jenes Menschen hat begonnen, der rechnet, weil er in seiner Arm-\nseligkeit rechnen muß. Der die tönende heilige Zahl des Pythagoras in Pfen-\nnige ausgemünzt hat. Der Quantitative, der »im Raum gekreuzigte Mensch«\n(gnostisch gesprochen). Davon der englische Mensch die reinste Ausprågung ist.\nUnd so ist es Krieg gegen das englische, das neu-römische Impirium, das ewig\nzu zerschmettern ewig gerntanische Sendung ist.\nDurch solche Wirrnis für Jahrhunderte dringt aber zu uns ein Gesicht.\nUnsichtbar für die ,,Intelligenz«, für die Gelehrten, die Sublimen, und die\nUeberraschten wenig gefaßt und unvorbereitet, da sie ja stets ohne Tod und\nTeufel ihren Weg machten, und nach wortlosem erstem Schreck allzu schnell,\nund wieder ohne Tod und Teufel, altgewohntes Gerede machen. Aber in den\nLazarettzügen mit den Zzeimgekehrtem da überschattet gewaltig dies Gesicht\ndie Gesichter und überall dringt der gleiche Ausdruck aus den riesenweiten\nAugen, die gesehen haben und noch sehen, bis sie in den albernen Straßen\nder Stadt wieder klein und eng werden. Das ist das Gesicht des Krieges\nselbst, die nackte Substanz des Krieges, die mehr hervortritt als in Kriegen\nvon früher, welche ganz Zweck-umdunkelt waren, während der Zweck heute\nbeinahe hinter dem Krieg zurücksteht So wie aber die Urvölker Wetter und\nWild beherrschten, indem sie dass Bild davon in ihre geheimen Zgöhlen walten,\nso wird die Macht des Krieges gebrochen sein, wenn wir sein Gesicht abge-\nbildet haben. An diesem Tage werden wir zu Gebietern über den Krieg.\n\nErich Gutfind"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.8", "texte": "Johannes R. Becher.\nWie Klötze Eisen füllen sie die Enge.\nDer Sonne Rund, das strahlende, verdüstert\nDer Pfeile und Geschosse wirre Menge,\nDie Grauses aus einst heiteren Lüften flüstert.\nIetzt aber stürzen näher die Geschreie,\nFratzen von Tieren, klassende Grimassem\nAuf nackte Håute lange peitschen rasseln.\nDer Völker Asiens Sturme» in greller Reihe.\nWie Klötze Eisen füllen sie die Enge:\nHellas die Söhne, mit den weißen Schilden\nUnd purpurbüscheln —- auf - den - Helmen - Flattern.\nDer Perser fällt. Zerstampfte Birut von Nattern,\nDie Heimat-Mond mit eisigem Strahle senget. i\nDas krümmt sich auf im glänzenden Gefilde.\nSie weichen nicht: Hellas die Söhne. Massen\nVon Fleisch und Fleisch, der tollen Hunde Meute. .\nDie Sichelwagen zwischen Reitern prasseln,\nSteinblöcke aus den Katapulten schleudern.\nSie weichen nicht: das rostige Schwert voll Schatten,\nIn Fetzen-Fäusten ein zerfranzter Speer.\nDer Küste Felsen donnern. Dort im zarten\nGeblümten Horizonte schweigt ein Meer . . .\nSie weichen nicht. Da rattern tausend Pauken,\nLeuchtfeuer blitzen fahl im Hintergrunde.\nLeonidas .! ——— Es belfern die Hyånen\nAuf den Gebirgen, wo im steilen Schlunde\nZerschmetterten Himmels schlaflos Gletscher gåhnem\nZerschmetterter Himmel, der die Toten såugeu"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.10", "texte": "Dreifach ist, nach der Weisheit des ältesten Ostens, das Verhalten\nder Menschen, dreifach ihr Verstand, dreifach ihr Tun, dreifach ihr\nOpfer. Die einen sind ,,sat«, das ist ,,seiend«, zugleich »gut« bedeutend.\nDie zweiten sind die Leidens chaftlichen, die dritten die Dämonischen,\ndie Kinder der Finsternis.\nWer ,,sat« ist, der ist auf dem rechten Wege, dem ist Erlösung\nmöglich, auch wenn er lang noch irrt. s«\nWer leidenschaftlich ist, der ist auf keinem Wege, nicht auf dem\nguten noch auf dem bösen, er irrt und mag das Gute ahnen, doch\nist er weit von der Erkenntnis des Wahren, und weit, weit von\nder Möglichkeit der Erlösung.\nWer zu den Dämonischen, den Schwarzen zählt, der ist auf\ndem bösen Wege, der wählt stets das Böse, das Mindere, das\nschädliche, und treibt auf s chiefer Ebene tiefer und tiefer zu immer\ndunkleren Gestaltungew von Mutterschoß zu Mutterschoß im Fluch\ngetrieben.\nGut sein, ,,sat« sein, ist noch nicht Erlösung. Aber wer möchte\nnicht gut sein, nicht zu den Seienden gehören?\nDer Gute, der Seiende braucht nicht sich des Tuns zu enthalten.\nEr tut. Er handelt. Doch frei ist er von des Handelns Frucht.\nEr tut die Pfiicht, die ihm Geburt und Herkommen befiehlt. Er\nopfert. Er führt Krieg. Aber frei ist seine Seele vom Schielen\nnach Erfolg des Opfers. Frei vom Blut des Krieges, denn längst\nhat er auf Krieges Frucht verzichtet.\nDen Krieg unterlassen aber, aus Furcht vor Leibesleid und\nTod, oder Krieg. führen aus tiefem Wunsch nach Tatenfruchtz nach\nKrieges Erfolg, das ist die Art der Leidenschaftlichen ;\nKrieg führen aus blinder Habsucht, aus Freude am Mord,\naus Freude am Schaden, am Verderben, am zerstören, das ist der\nDämonischen Art. Keine Erlösung für sie, die Kinder der Finsternis.\nFort und fort aus dämonis them Mutterschoß werden sie neu geboren.\nWer möchte nicht gut sein, nicht zu den Seienden gehören?\nKrieg führen, weil es Psiicht ist, in der Seele unbewegt von Krieges\nAusgang und Krieges Frucht? Wer möchte nicht gut sein!"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.11", "texte": "Ich pråfe mich. Freude am Krieg? Nein, nie einen Augen-\nblick! Vermeiden des Krieges aus Feigheit, aus Bequemlichkeit,\naus Egoismus des mit anderen Zielen Beschåftigten? Ia, ja, ich\nbekenne.\nHaß gegen die Feinde? Freude am zerstören? Nein. Aber\nFreude beim Bericht von einem in die Luft geflogenen Kreuzer des\nFeindes? Ia, ein wenig Freude, eine Welle von« Freude, ach — von\nwarmer Freude, von großer Freude. ———— Nein, nein, ich bin nicht gut,\nich bin kein Seiender, nie werde ich ,,sat« heißen. Ich bin auch\nkein Dämonischey kein Kind der Finsternis. Ich bin ein Kind der\nLeidenschaft, ich bin von denen Einer, die mit harter Mühe ihre\nTaten tun, in Ichbewußtsein ganz gehüllt, bald stolz, bald klein,\nabhängig vom Bild der Geschehnissk »\nIch will ein Guter werden, ein Seiender, morgen, später, auf\ndem langen langsamen Wege. Aber heute nicht, heut’ noch nicht.\nDa laßt mich einen von den Leidenschaftlichen bleiben!\n\nbermann beffe"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.12", "texte": "Reinhard Roefter\nir haben mit dem Tode gespielt —\nNun ist das Spielzeug in unseren Händen\ngewachsen und so schwer geworden,\ndaß wir es nicht mehr halten können:\nwir lassen es los. «\nDa steht es vor uns, gewaltig und groß,\nfremdartig und kaum noch von uns gefühlt.\nAuf ehernen Wänden\nseh’n wir den liebsten Namen\ntief eingegraben\nwie Vorwurf brennen. s\nUnd wenn wir uns zweifelnd zu unserem Leben wenden,\nfühlen wir Mitleid mir unseren Händen,\ndie nun kein Spielzeug mehr haben ————-\nund auch die rauhe Arbeit nicht leisten können."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.14", "texte": "sQ- .\n«! e länger der Krieg schläft, desto wilder erwacht er. Und diesmal hatte er\nlange geschlafen, tief, fast wie ein Toter; beinahe hätte man ihn begraben —- und\nals er sich kurz, ruckweise erhob, schnell wach, mit grellem Blick, ein Land nach\ndem andern in Flammen setzte, da strahlte sein Angesicht in so ungeheurer\nRaserei, daß wir aufatmeten, als feine Mienen ins Unübersehbare wuchsen.\nDas haben niemals Menschen vor uns so jäh erlebt. Sein Dasein löschte\nnicht nur den Frieden aus, auch alles was im Frieden über ihn bestimmt und\ngebilligt war. Keines MenschenWappen mehr trug er im Schild, wie sonst,\nwo man ihn Bismarck nennen konnte oder Napoleon oder Helena; er war\nkeine Tat: er geschah. Vergebens schrie man jetzt Namen in den blutroten\nHorizont; er war in seinem tiefen Schlaf sich selber ähnlich geworden und kam\nin seinen eigenen Farben. Die menschlichen Kriegsgesetze hatte er vergessen. Nicht\nder Friede hörte auf, sondern die Gesetzlichkeit. Kriegsehre, Verträge, Gesetze\nder Menschlichkeit wankten und fielen. Es gab bald Tage, wo jedes Vertrauen\nverblich, weil niemand mehr stark genug schien, seinen entfesselten Willen in\nmenschlichen Wegen zu halten.\nUnd nun geschah das merkwürdige. Wir empfanden das völlige Aufhören\nvon Recht und Gesetz nicht als ein Chaos; eine tiefe Genugtuung leuchtete durch\nunser Staunen hindurch. Ein leises fernes Frol)locken durchdrang unsere Seele;\nwie erwachend mit einem frischen Atemzug begrüßte sie die neue Wahrheit: es\ngibt nichts Festes; was von Menschenhänden gesetzt ist, es sei recht oder\nunrecht, kann durch Menschenhände fallen; die Menschheit achtet die Gesetze,\ndie sie großmächtig sich auferlegt hat, selbst für nichts; der Horizont ist un-\nverstellt und ringsum sind VOege möglich. Der Friede gerade wurde als Chaos\nerkannt unter der pochenden Aufforderung, sich zu erheben, die Flügel mächtig\nzu regen, unter der Ahnung, daß wir in einem so freien Zustand uns leichter\nund herrlicher würden bewegen lernen, weltmütig, leichtgemut. Es zog uns\nempor, wie wenn im Orchester die braven Instrumente, zum Schweigen gebracht\nwerden, Fagott und Cello, Bässe und Flöten ihre allzu irdischen, innigen, gemüt-\nvoll - sicheren Töne verdrossen aufgeben, und nur die l)ellen scharfen und durch-\nsichtigen bleiben, allein verwegen aufsteigen, schweben, und gellend das Becken\nnach dem Unisono ruft. Der Wille ist aufgerufen, was brauchen wir weiter?\nGewalt hat einen schöneren Schritt als Recht; weil sie frei ist.\nWir wehren uns heftig dagegen, daß dieser gründliche Zweifel am Lebens-\nwert von Recht, Gesetz und Sicherheit aus einer niederen Ebene kam, ein Rück-\nschlag ist in triebhaft ungebärdige Zustände. Wir sind nicht mehr so hilflos\nwie unsere Väter gegen den Fluch solcher Verdächtigungen. Wir wissen, daß\ndas Schicksal den Menschen noch niemals durch eine Zeit der freien Gewalt\ngeführt hat, daß weder Wilde noch Tiere imstande sind aus dem Willen zu\nleben. Gerade Friede und Recht haben unzählbare Ahnen in der Natur, ein\newiges Echo in der Vergangenheit. Das neue Gefühl dagegen, dessen Haß\nFeindschaft gegen Gesetz und Recht heißt und dessen Liebe die freie Tat ist,"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.15", "texte": "schallte nicht als ein verspätetes Echo in uns auf, es fiel aus der Höhe in\nunsere Seele. Und war uns nicht, als ob aus großer Ferne die unendliche Kraft\nuns zunickte, daß diese Empsindung richtig sei? ·\nWarum verstanden wir plötzlich die religiöse These: Recht und Gesetz seien\nzweiten Ranges, und das einzig Wertvolle der Anschluß an einen großen Willen\naußer uns, die protestantische Immediatstellung zu Gott, die keine moralistische\nZwischenrechnung zwischen dem Schöpfer und seinem Geschöpf duldet? Ietzt\nwo der Krieg nach unserem Herzen griss und es für sich nahm, und wir, wie\ngeblendet von dem inneren Licht s eines Willens, uns zu ihm bekannten, erfuhren\nwir erst, was Wille ist: etwas Übermenschliches, dessen Quelle nicht im Menschen\nliegt, dessen Gefäß wir werden können, ein Teil dann der ewigen Kraft, des\nfreien, weil nicht bedingten Willens. Was wir Eigenwillen nannten, ist nur\nNot; wer ihn preist, ein geborener und verlorener Knecht. Die aber, denen sich\nder Einklang von Krieg, Religion und Musik vollzog, in ihren Taten, und die\nden singendcn Ton von Freiheit und Willen, niebesiegt durch die gemeine Wirk-\nlichkeit des Krieges, aushielten, sind denen gleich, die unsere Väter Helden nannten.\nWie bald wird das kluge geordnete Chaos des Friedens wieder in seine\nRechte eingesetzt sein! Aber umsonst wird die Erfahrung, daß das Adelsrecht\nder Gewalt dem großen Willen näher kommt als die kleine seelenverderbende\nRechtlichkeit und Gesetzmäßigkeit des Friedens, nicht gewesen sein. Zuviele haben\nim tiefsten Herzen für immer vom Frieden und seiner Rangordnung Abschied\ngenommen; wir werden uns höher anbauen als bisher, nicht in der Sicher-\nheit, wo der Hamster das Wappentier wird, der Adler soll es bleiben auch\nim Frieden.\n\nLucia Dora froft"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191412-01.1.16", "texte": "Inbalt der Heftes 4:\nAlfred Kerr s—- Bleibt unverwirrt ! Friedrich Feigl ———- Origssteindruckl\nPaul Scheerbart«— Professor Grobleben über den Weltkrieg\" ! Renö Beeh\n— Orig.-Steindruck / Arno Holz ———— Phantasus J Alfred Rubin —- Orig-\nSteindruck J Alfred Wolfenstein —— An die Entbürgerten ! Willi Geiger\n—— Orig.-Steindruck X Georg Simmel ———— Vollendung und Aufgabe\nA. H. Pellegrini —- Orig.-Steindruck\n\nHerausgegeben von Otto Haas-Heye\nBerlin J Pariser Platz 7\nverantwortlich für die Schriftleitung\nFriedrich M. Huebner\nMünchen ! Franz-Josephstr. 11\nVeranwortlich für die künstlerifche Leitung\nO. Tl). W. Stein\ni München ! Ainmillerstrz 17\nFür unverlangte Einfendungen keine Gewähr.\nIn Gsterreich für die Redaktion verantwortlich Hugo Lzeller, Wien, I,\nBauernmarkt 3"}]}