{"numero_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_sha256": "c3ece04bd81215e9cc4c4e26415a958a5ca4002a0e91f53a9b08d07288a4e7f0", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1915/02_01/bmtnabb_1915-02_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1915/02_01/bmtnabb_1915-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_01#c002", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "123", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.2.2", "titre_corps": "wir reden immer noch von Belgien und der Verletzung feiner Neutralität,", "titre_sommaire": "wir reden immer noch von Belgien und der Verletzung feiner Neutralität,", "signature_source": "Walther Arug", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3098, "texte": "wir reden immer noch von Belgien und der Verletzung feiner Neutralität,\nimmer noch von den Greueln, die wir nicht begangen haben, von den Ein«\nwohnern, die wir nicht erfchossen, Gefangenen, die wir nicht mißhandelt, Weibern,\ndie wir nicht gefchändet haben. Wir deklamieren, daß wir nur befestigte oder\nim Bereich der Aktionen, liegende Plåtze aus Kanonen, Flugzeugen oder Luft-\nfchissen bewerfen und Kathedraleniund Rathåuser nur dann zum Ziele nehmen,\nwenn die feindlichen Operationen uns dazu zwingen. Wir halten Reden darüber,\ndaß wir den Krieg nicht gewollt und nicht begonnen haben, daß wir in der\nAbwehr stehen gegen die Angrisse der Feinde, eine Abwehr, die nur militårisch\nein Angriss wurde. , » e g\nDies alles und vieles andere noch tun wir nicht nur an Biertischen und\nin Kasseehåufern kund, nicht nur auf vaterlåndischen Veranstaltungen und in\nZeitungen, Zeitschriften, Lsroschüren und Büchern, wir haben auch besondere\nEinrichtungen getroffen, vermöge deren wir dem Ausland unfer Denken un-\nmittelbar mitzuteilen hossen. i\nWarum eigentlich diese große Rechtfertigung? Denn nichts anderes ist\nes, als daß wir uns immer wieder zu rechtfertigen suchen. Warum diese Rechts\nfertigung? Einige meinen, vor dem Forum der Menschlichkeit schlage uns das\nGewissen. Könnten wir uns aber nichtsdamit beruhigen, daß wir das Recht\nhaben, unseren Feinden vorzuwerfen, daß, falls wir das alles getan haben\nsollten (was wir bestreiten müssen), sie selbst das Gleiche getan haben, da sie\nalle vielerlei Barbarei begangen, die Engländer dazu noch lügnerischer Heuche-\nleien, die Franzosen schamlosester Hetzereien sich schuldig gemacht haben? Warum\nalso unsere Rechtfertigung? Vor. wem wollen wir uns moralisch verteidigen?\nWenn nicht vor unseren Feinden, so vielleicht vor den Neutralen, deren\nBehuf die Wahrung derMenschlichkeit sein soll, wie etliche sagen. Zweifellos\nkann sie das sein. Es ist der Fallidenkbar, daß ein neutraler Staat-»die Auto-\nrität hat, im Namen der Menschlichkeit, soweit wir diesen Begriss in einer\nZeit des Eisens noch kennen, Recht zu sprechen über die Art, wie dieser Krieg\ngeführt wird. Welchem neutralen Staat aber möchten wir heute dies Recht\nzuerkennen, wo doch keiner dieses Rechtes wert ist, wo sie doch alle ihre Würde\ndal)ingegeben haben aus Furcht, auch ihnen könne, politisch oder wirtschaftlich,\nirgend etwas geschehen. iDa sie alle es vorgezogen haben, «\"mit den Verhält-\nnissen sich irgendwie abzufinden, und keiner ein offenes Wort, ein Wort nach\ndem Zzerzen wagt und alle sich hinter einem blutleeren Begriss von Neutralität\nverschanzen, der in Wahrheit alles andere ist, nämlich ein Lavieren von Tag\nzu Tag und im besten Fall ein Kompendium offizieller und ofsiziöser Berichte\naller Kriegfül)renden: wie kann da einer von ihnen noch das Ansehen haben,\ndas derjenige haben muß, der Recht sprechen will? Da man sich abgefunden hat,\nhat man auf Meinung verzichtet. Man ist mitten durchgebrochen und, heillos\nkrank, verbeugt man sich dorthin, wo man, wenn man ehrlich wäre, sich schämen\nwürde, Reverenz zu machen. Dieser Gesellschaft Ohren wollen wir uns erbitten?"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 914, "texte": "Solange wir von dieser Suggestion nicht ablassen, wird auch die Meinung\nüber uns keine andere sein. Solange wir uns noch rechtfertigen, werden wir\nauch ,,gerechtfertigt« werden. Solange wir noch nach dem Urteil der anderen\nfragen, werden die anderen das Urteil bereit haben. Wo Nachfrage, da ist\nAngebot. Schweigen wir still und auch die anderen werden still schweigen.\nSchon haben diese ersten Kriegsmonate deutlich gemacht, daß wir die Kraft,\nsomit das Rechthaben, uns von der Welt, dieser Welt, die durch die Lüge\nsich ihrer alten Herrenrechte begeben hat, zu emanzipierem Ziehen wir den\nmoralischen Schluß. Rechtfertigen wir uns vor uns selber und vor niemand\nsonst. Fragen wir nicht, was das Ausland über uns denkt. Fragen wir, was\nwir über uns denken. Was wir über das Ausland denken. Erst wenn wir\nganz auf eigenen Füßen stehen, werden »wir gerechtfertigt den anderen uns\nwieder nähern können.\n\nWalther Arug"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_01#c004", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "124", "page_fin": "124", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.2.3", "titre_corps": "»Schweige nicht länger, mein Freund, ich spreche vom anderen", "titre_sommaire": "»Schweige nicht länger, mein Freund, ich spreche vom anderen", "signature_source": "bans Ayfer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1246, "texte": "bans Ayfer\n»Schweige nicht länger, mein Freund, ich spreche vom anderen\nUfer,\nIch, dein anderes Ich, leise und warnend zu dir.\nImmer gabst du mir Worte der Sehnsucht und trostreichen Liebe,\nImmer gab ich dir Trost, Sehnsucht und Liebe zurück.\nDennoch trennt uns die Flut, wir werden uns nimmer begegnen,\nWenn du mich jemals gewinnst, schlingt sie uns beide hinab.\nDieses wissen wir träumend, wir sind es schmerzlich zufrieden,\nUnerreichbar uns nah, nah uns geschieden zu sein.\nDenn «wir stehn nicht verlassen am endlosen Strande, dich stärkte\nZuruf von mir und ich sah, was nur den Genien vergönnt,\nManchmal den Himmel, den trübe verschlossenen, leise sich heben,\nUnd mich grüßte der Strahl, deines verzückten Gesichts\nSchwerer nun lastet das Licht, es bedrängen mich jammernde\n, i Schatten,\nSchmerz umschlingt meinen Schmerz, Klage vergißt mich nicht\nmehr, «\nUnd es erdonnert die Flut, von sinsterer Wollust gesättigt,\nDeine Stimme nur schweigt, schweigt mich am dunkelsten an.\nGieb nicht Raum deiner Schwermut! Zerbriclynicht die glühende\nSchranke, »\nDie dich barmherzig genug trennt von der Schwermut der Welt.\nFühltest du dreifachen Schmerz . . .«\n»Ich fühlte dreifaches Leben,\nDreifach stürb’ ich den Tod, stürb’ ihn heut dreifach beglückt!«"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_01#c006", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "127", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.2.5", "titre_corps": "ch frage mich, sehr geehrter Herr, ob ich Ihnen in Papier", "titre_sommaire": "ch frage mich, sehr geehrter Herr, ob ich Ihnen in Papier", "signature_source": "m. L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2934, "texte": "ch frage mich, sehr geehrter Herr, ob ich Ihnen in Papier ein-\ngebügelte Augenblicksempfindungen überlassen soll, jetzt, wo wir\ngewissermaßen in der Kirche sind, aber nicht über Religion\nsprechen, nicht dem Organisten Beifall spenden, nicht die Tele-\nbrierenden beobachten und erleben dürfen, und sind doch mitten\nin der Kirche, voll Andacht, voll Andacht, und, Gott verzeihe mir,\nnoch erfüllter von heiligster, profasner Zerstreutheit . . . Soll ich Ihnen nicht lieber\nvon Mozart ein Lied nennen? Xvollen wir nicht schweigen und uns jubelnd\nder Siebenten hingeben? Soll ich Ihnen ins Blaue telegraphierem »Gefahr einer\nUeberschätzung Richards von Bayreuth meinerseits niemals geringer als heute.\nBrief folgt.«? Ich fühle kein Bedürfnis in zwei Worten eines Dinges habhaft\nzu werden, das, in gleichen Abständen, mich mit »Ja« anbrüllt und mit ,,Nein«,\ndas mich, ja, mich ganz verlangt, einmal als Abenteurer, einmal als Künstler,\neinmal als Mann, einmal als Weib, und das ich zuerst wiederum fremd ansehe\nund mit innerster Gleichgültigkeit Und dann . . . . Liebe zum Handwerk an sich\n—- Werkmeister fein irgendwo —- ——— Der Krieg ist ein Handwerk. Man weiß\nviel über das Handwerk, auch daß es in Kunst, in Musik ausgehen kann; bis\nwohin es vom Handwerker gemeistert wird und wo« es beginnt, grausam den\nWerkmeister anzugreifen und zu zermalmen, wissen wenige.\nAber auch von diesem Handwerk braucht, die Welt nicht zu erwarten, daß\nes den andern, die der Krieg nur obersiächliclz fastkollegial berührt, den Garaus\nmache. Denn, noch singen die Blaumeisen auf schwarzen Winterzweigen, noch\npflegen sich s chnurrende Dachkater, noch vsollenden die Wolken auf Himmelsmeeren\nwillkürliche Landkartem die sie gelassen wieder auflösen.\nEs krachen wohl Banken und Tausende werden an Tüchern, ehedem Mäntel\nder christlichen Nächstenliebe genannt, unter. welchen es sich angenehm herab-\nsehen ließ, hungernd nagen. (Wird wirklich viel mehr gehungert, werden,\nwerden nicht auch einmal andere hungern und andere satt werden?) Ia, und\nTauseitde sterben heute den Tod, den Jäger dem Wild verschaffen. (Tausende\nentgehen dem bürgerlichen Zerfall unter Singsang und Iammern und mufsigs\ntrüben Glückwünschen von Küstern und ApothekernJ\nAlle Schafe der Erde haben für Europa Tuche geliefert.\nAlle Mäuse der Erde fühlen sich nach der Mode gekleidet. z\nAllen Schmarotzern in Tarnkappen dünkt die Welt etwas ossener, so daß\nsie den Kreislauf wagen.\nWie mit Erpressen rücken aus Nebeln zu Eisen verhärtete Träume der\nJndustriepriester aneinander und gelangen lebensfähig ins Freie.\nStatt Roggen wächst aus dem Boden dieWolle. Schon zu Platten und Rädern\nverarbeitete Metalle s chwitzt die Erde aus den Werken. Rohre schießen sich selbst\nans Tageslicht. Tiere halten ihr Leder den neu erzauberten Maschinen hin.\nIn solcher Zeit der fahrenden Blitze kennt unser Planet die Grenzen auf\nseiner Rinde nicht mehr. Im Mond, glaube ich, teilt man jenen, in kostbaren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1794, "texte": "Halbinseln zerfransten Erdteil Europa kurzerhand in zwei ungleiche Teile: den\nkleinen und den großenBalkam «\nDort dampft die Erde in Fieberhitzk Und dasist allefs. Denn, wie gesagt,\ndie Meisen sind noch nicht verstummt. s\nDie Schmerzen der Menschen sind im Weltschoß durcheinander gerüttelt:\nwelcher zu unterst als seltener Ausnahmeschmerz lag, kommt in die Höhe; was\nvordem ein vielgetragenes Leid se— die Blindheit der Nachbarn, Erstickungs-\nanfälle der Seele, unausrottbarer tödlicher Neid, lagern träge, unverwendbar.\nEs blüht der Schmerz des jähen Verlustes, der zudröhnenden Türen, die in\nschlüssellosg verriegelte Schlösser fallen, der große, haarscharf geschnittene\nSchmerz ohne Schattierung, der Blitzschlag. Ein schöner, ganzer Schmerz, der\nhölleheiß brennt, und neben sich Kraft und Tücke, Hoffen, Freude, Hunger, kurz\nMenschsein auf gleicher Stätte blühen läßt. .\nDen Krieg mitmachen . . . . Kann ein Mensch den Krieg mitmachen? Macht\nman Kathedralen mit? Gewiß, viele können es so, wie sie das Leben mitmachen\nund in wunderbar grotesker Bewegung den Tod miteinheimsem\nIst der Krieg furchtbarer als das Leben? Aber auch nicht schöner. Eine\nHand in das Chaos der« Erdanfänge getaucht, die andere schützend vor den\ngeschlossenen Augen und in dieser dunkelroten Sammtnacht der Dreiklang: Ich —-\ndie Andern -— der Tod. Alle phantasieren sie auf diesem Akkord, die draußen,\nhalb Bison, « halb Griechen dem Völkerhandwerk leben »und sterben, und die\nzurückgeblieben sind um vorwärts zu schauen. . « H\nUnd was ist es mit— dem Tod?\nEr ist öffentlicher geworden —--. «\nSie sehen, sehr geehrter Herr, wie spröde ich mich verhalte. —- Immerhin\nsende ich Ihnen ein Gedicht, das, wenn es Vorhergesagtes auch nicht ergänzt,\ndoch auf gleichem Boden gewachsen ist. s »\nEs grüßt Sie bestens »\n\nm. L."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_01#c008", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.2.6", "titre_corps": "Aus Pferderücken fließt (wie von Tannen", "titre_sommaire": "Aus Pferderücken fließt (wie von Tannen", "signature_source": "mechtild Richnowsty", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1378, "texte": "mechtild Richnowsty\nAus Pferderücken fließt (wie von Tannen\nDer Frühlingsschweiß), halb sickernd, halb starr\nEin Wundensaft über Felle von dannen,\nUnd Eitermasse verklebt das Haar.\nIm Bogen schießt aus Flanken und Lungen\nDer Rosse Mutwill ——-— fruchtrotes Blut.\nWas ging hier vor . . .? Tierglaube, zersprungen,\nVersank wie Scherben in dunkler Flut.\nDes Reiters Sporen und eiserne Zåumung, «\nStatt ihnen Lehre und Warnung zu sein,\nVerhießen keinem todletzte Båumung,\nErmattungssieber und Hungers Pein.\nVerwirrten Ohren klang früh von Signalen i\nDie Melodie des Angriffs . . . Trotz Schwellung s\nDer Sprunggelenke, trotz Satteldrucksqualen .\nVersammelten sich die Guten zur Stellung. »\nSie lockerten das Gebiß mit der Zunge g\nUnd hoben auf tausend Fesseln sich steil,\nSie össneten groß die Lungen zum Sprunge, n )\nAls. ging’szur Paarung frühjährlichgeii.\nNoch schmeckt das Zaumzeug wie sonst. . . Und ein Brothauch\nAus Pferdemündern süßwarm entwich.\nDann spießte sich Eisen kalt in den Rotbauch\nUnd ————- —- trostlos —- Tierleins Seele entschlich . . .\nDen Mageren, Kranken, mit überstreckten\nGliedern, üppig allein bleibt der Schweif . . .\nDie Augen sehen, wie bei Erschrecktew\nAus Faltenlidern bekümmert und steif.\nWie Menschen sind sie ins Leben gestellt,\nWo sie, erstaunt auf zerlaufenen Füßen,\nDaß man ums Paradies sie geprellt\nWie Menschen (nur schweigend) erkennen müssen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_01#c010", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.2.8", "titre_corps": "Die siammenden Gärten des Sommers, Winde, tief und voll Samen,", "titre_sommaire": "Die siammenden Gärten des Sommers, Winde, tief und voll Samen,", "signature_source": "Ernft Wilhelm Rog† gefallen an der Aisne am 26. September 1914", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1391, "texte": "Ernft Wilhelm Rog†\ngefallen an der Aisne am 26. September 1914\nDie siammenden Gärten des Sommers, Winde, tief und voll Samen,\nWolken, dunkel gebogen, und Häuser, zerschnitten von Licht. —-\nMüdigkeitem die aus verwüsteten Nächten über uns kamen,\nKostlich gepflegt» verwelkten wie Blumen, die man sich bricht.\nAlso zu neuen Tagen erstarkt, wir spannen die Arme,\nUnbegreiflichen Lachens erschüttert, wie Kraft, die sich staut,\nWie Truppenkolonnen, unruhig nach Ruf der Alarme,\nWenn hoch und erwartet der Tag überm Osten blank.\nGrell wehen die Fahnen, wir haben uns heftig entschlossen,\nEin Stoß ging durch uns, Not schrie, wir rollen geschwellt,\nWie Sturmflut haben wir uns in die Straßen der Städte ergossen\nUnd spülen vorüber die Trümmer zerborstener Welt.\nWir fegen die Macht und stürzen die Throne der Alten,\nVermoderte Kronen bieten wir lachend zu Kauf,\nWir haben die Türen zu wimmernden Kasematten zerspalten\nUnd stoßen die Tore verruchter Gefängnisse auf.\nNun kommen die Scharen Verbannter, sie strammen die Rücken,\nWir pflanzen Waffen in ihre Hand, die sich fürchterlich krampft,\nVon roten Tribünen lodert erzürntes Entzücken\nUnd türmt Barrikaden, von glühenden Rufen umdampft. —-\nBeglänzt von Morgen, wir sind die verheißnen Erhellten,\nVon jungen Messiaskronen das Haupthaar umzackt,\nAus unsern Stirnen springen leuchtende neue Welten:\nErfüllung und Künftiges, Tage, Sturmckiberflaggtl"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_01#c012", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "134", "image_debut": 12, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.2.10", "titre_corps": "er produktive Schöngeist von gestern, sofern er nicht im Felde", "titre_sommaire": "er produktive Schöngeist von gestern, sofern er nicht im Felde", "signature_source": "Rurt Biller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2991, "texte": "er produktive Schöngeist von gestern, sofern er nicht im Felde\nstel)t, fühlt sich heute sehr übersiüssig — und zwar mit Recht.\nNur hätte er anstandshalber schon gestern sich übersiüssig fühlen\nund, schon gestern·, aus diesem Gefühl die Konsequenz ziehn\nsollem ,,lntcr arme. silcnt musacW Masse, die es ad arma\nkommen ließen, hatten bereits bei Friedenszeiten die Befugnis\nverwirktz den Mund aufzutun. Jedem Benervtem der mir die\nFrage zusammen, wie solcher Greuel im zwanzigsten Jahrhundert noch möglich\nsei, antworte ich ,,durch Ihre Schuldl«; vor allem den Weibern. Würde näm-\nlich nicht die delikategozentrische Kultur, sondern eine politische geherrscht haben,\nnicht der Schöngeist, aber der Geist, statt des musischen Elends verbessernde\nAktivität ——: der Krieg wäre nie zwischen den Völkern ausgebrochen, vielmehr\nzwischen Geist und Ungeist; und der Geist hätte gesiegt, und der Krieg wäre\nbeseitigt.\nLitteraten, die Litteratur denkt gar nicht daran, in ,,gestaltende« und\n,,redende« zu zerfallen oder in die beliebten Ismen. Ich will euch das Ge-\nheimnis eines tieferen, heftigeren Schnitts durch alles Schrifttum verkünden —\nzugleich das Geheimnis aller echten Bewertung. Hört, zweierlei gibts: Zu den\nEreignissen Worte machen, und: durch Worte Ereignisse machen.\nReportage und Prophetie; nichts Drittes. Was aber tatet ihr? O, Ereig-\nnisse, zu denen sichs gut Worte machen läßt, müssen keineswegs Ereignisse\ndes Außen sein; über das Innenleben Bericht zu erstatten, ist avancierten\nKöpfen ja viel vergnüglicher. Was tatet ihr? Ihr stelltet fest -——— statt\nzu fordern. Ihr stelltet fest, was in euerm Herzen, was in euren Nerven,\nwas in eurem Hirn geschah; auf eine höchst entwickelte Weise stelltet ihrs fest;\naber über das Feststellen hinaus tatet ihr nichts; für das Wirken eurer Er-\nkenntnisse, eurer Erlebnisse in die Menschheit rührtet ihr keinen Finger.\nWie? Daß stets alles beim alten blieb, war euch niemals ein Stachel? Nein,\neher ein Stolz; denn ihr hieltet auf Ausschließlichkeiu Zu dünkelhaft, um\nichlos-redlich den Reporter, zu müde, um den Propheten zu spielen, fristetet\nihr ein Schattendasein neben der Wirklichkeit ——- das (sehr erklärbarl) sich nun\numso schattenhafter ausnehmen muß, je exorbitanter, toller, gleichsam wirk-\nlicher die Wirklichkeit sich gebärdet. Dem Rohling, der aufstünde und gift-\ngeschwollen schriee, durch Eisen und Blei sei der Geist endlich widerlegt, ——-\nkönntet ihr ihm mit gutem Gewissen entgegentreten? Ihr Ontologischen,\ndenen Geist immer nur Projektion von Realem auf eine imaginäre Ebene war . .\nund Form, dieser agitatorische Kniss der Idee, immer selbst Zweck?\nLitteraten im Lande! Menschen wie ihr hungern jetzt, frieren, verlaufen,\nwerden in Gefangnenlagern unaussprechlich gequält, ertrinken, ersticken, werden\nzertrümmert, Krüppel, augenlos, auf trüben Feldern Kadaver -— ———-, während\nihr das Gewohnte weiterlebt, täglich Fleisch, Zucker, Butter, Früchte freßt,\nnachts in einem Bette schlafn besinnt euch auf eure Pflicht! « -"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2906, "texte": "Keine Minderwertigkeitsgefühle vorschützenl Ihr seid nicht überflüssig;\nund seids in diesen Läuften des Triumphs der Körper am wenigsten. Euch\nruft Deutschland, unsre geliebte Heimat; und die Menschheit, unsre geliebtere.\nBrüllt nicht die Welt nach Umsturz und neuen Errichtungen? Der Bau der\nZukunft —- wem sollte er obliegen, wenn nicht euch? Ihr seid der Geist, ihr\nseid, die Führung, ihr seid die Macht. .\nDa wird in den Engländernszjetzt der frivole Merkantilismus bekämpft,\nin den Russen die brutale Idiotie; wundervoll! herrlich! Deutschland kämpft\nfür den Geist! Sobald aber Friede auf Erden ist, wollen wir es sein, die den\nKampf für den Geist so rtsetzen, und .; den Kriegsschauplatz nach dem In-\nland verlegen. Gegen Krämer und Dunkelmänner! Welch würdige Parole!\nFahne der neuen Schar! Ruf derer, die durch Worte Ereignisse machen! Der\nLitterat: Kein Ausgeschloßner mehr, kein ironisch Danebenstehender und bloß\nformulierender Gasser, sondern ein Eingreifender; nicht länger Statist,\nsondern Held.\nDas psychologische Zeitalter ist vorüber, und das politische begann. Wir\nwerden nicht musisch sein, wir werden moralisch sein; nicht betrachten, sondern\nbewirken; Redner, Lehrer, Aufklärer, Tlufwiegley Bündegründey Gesetzgeber,\nPriester, Religionsstifter werden wir sein; wir werden Propheten sein, wir\nwerden Litteraten sein. Untätiger Tiefsinn sank im Kursez er sinke weiter;\nGeist ist Ziel. Man schimpfe uns fortan nicht mehr ,,Intellektuelle«; Will ent-\nliche wollen wir heißen.\nDas klingt nun vielleicht wie eine abstrakte Fanfare; aber, bei allen\nheiligen Un1)eiligen, wir meinen es sehr konkret. Die Armut, die Straf-\nordnung, die Sexualordnung, das Recht des Schaffenden, die Zuteilung der\nMacht, die Struktur des Staates, die Vereinigung der Nationen, besonders\naber jene Grundlage und Vorbedingung allen Fortschreitens: die Er-\nziehung (durch Schule, Hochschule, Presse): die Erziehung zum Geist\ndurch den Geist —-—: der anpackbaren Dinge gibt es genug! Was uns vor-\nschwebt, ist nicht öder Reformismus, christlich-soziale Dürftigkeit, volksmännische\nEnge — (Fortschritt, das wissen wir ja, bedeutet keine bloße Verneinung der\nälteren Lage durch eine neue, vielmehr Rettung der älteren in die neue; so:\nRettung aller Errungenschaften der ästhetisclykontemplativen Aera in die neu-\nethische!); aber wir wissen freilich auch, daß jene formale Revolutionarität,\nin der sich gestern mancher Genieling gefiel, eine taube Nuß war. Tumult\nallein ist sinnlosz schlechthin kämpfen bleibt ohne Wert; man muß wofür\nkämpfen. Das paßt auf den Krieg mit Waffen; auf den Krieg des Geistes\npaßt es erst recht.\nEines aber kann der Krieg des Geistes vom Kriege der Krieger lernen,\nund muß es lernen: Organisation. Warum haben wir bisher nichts erreicht?\nJeder stand in seinem privaten Laboratorium und analysiertez jeder kniete\nvor seinem privaten Altärchen und ekstasiertez jeder saß auf seinem privaten"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2658, "texte": "Töpfchen und produzierte. »Der Starke ist am mächtigsten allein« —-: du\ndummer, du höchst bezweifelbarer Sinnspruch! Was ist ein Starker gegen\nMillionen Schwache? Aber auch nur zwanzig Starke, in Glut verbunden,\nwären gegen eine Milliarde Schwache, die bloß die gemeinsame Schwäche eint,\nallerdings etwas. .\nGeistige, schließen wir einen Bund! Diese Leuchtkugel (noch tobt der\nKrieg).. diese Leuchtkugel will ich in eure Himmel werfen. Schließen wir\neinen Bund; durch Worte Ereignisse! Unter Verarbeitungiisämtlicher\nGestuftheiten der letzten Jahrfünfte: für den Geist! gegen Krämer und\nDunkelmännerl —- Seid nicht stolz und lächelt nicht; mag der Gedanke\nalt sein, er bleibt solange jung, als er nicht Tat ward; ihr müßt euch ab-\ngewöhnen, den Prickel des Niedagewesenen zum rWertmaß zu machen. Bezwingt\neuren Reizhunger, eure Eitelkeit, euern partikulären Ehrgeiz; wer sich unter-\nscheiden will, unterscheidet sich nie. Was taugt es, ,,originell« zu sein; jeder\nNarr ist originellzerst erreicht! dann trachtet nach Neuem. So tretet denn jetzt\nin den Dienst der Idee ein; weiht euch Gott; dem heiligen Geist, dem tätigen\nGeist; schließt euch zusammen! Unser aller Einigkeit in den Grundpunktenist\nmächtiger als ihr ahntz unser Wille zur Verwirklichung durch dieser Monate\nfeuriges Entsetzen gehärtet. Seid nicht stolz und lächelt nicht; welch ernstere\nund dringendere Aufgabe stünde denn heute dem Geist bevor als die, seine\nTräger zu sammeln?\nWas aber der Geist f ei —- dieses ungeheuerste aller Probleme darf man\nruhig zurückstellem Die ihn besitzen, haben einen unfehlbaren Instinkt für ihn;\nund, ohne Theorie, riechen sie ihn, wo immer sich welcher befindet. Eines steht\nvon ihm fest: daß er sich selbst gebiert und sein Ursprung nicht »die Verhältnisse«\nsind. Sollte jene Art von Zukunft, die hier gefordert wird, über ihre Erf orde r-\nlichkeit hinaus sogar wahrscheinlich sein, dann müßten wirbereits heute\nmit Nachdruck bestreiten, daß »der Krieg« es war, der sie schuf. Nicht der\nKrieg —- der Geist wird das zweite Reformationszeitalter heraufgeführt haben.\nUnser junger Politizisinus, die Propaganda der Tat ging von bestimmten Köpfen\nauszüder Krieg wird bloß die Rolle des Zzelfers spielen; seine Funktion wird\nes gewesen sein, eine bewußt von Individuen geschassene Entwicklung unerhört\nbeschleunigt, eine Bewegung aus der Abseitigkeit alles Neu-Starken ins Ofsizielle\nund Reale gehoben zu haben. Aber wofür A. K., 6.M., G.L., L.R., K. H.\nschon gestern stritten, dasnun zu Wirkungen »soziologischer« Ursachen um-\nzufälschen, soll dem siachchämischen Leugner der ideegebärenden Persönlichkeit\nmorgen nicht gestattet sein. . \" \" ! «· —\n\nRurt Biller"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_01#c015", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.2.12", "titre_corps": "Inhalt des beftes 8:", "titre_sommaire": "Inhalt des beftes 8:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 313, "texte": "Inhalt des beftes 8:\nFranz Dülberg -—- Deutsche-z Neujahr 1915. Meiner Schwester Zzelene Zzorst-\nmann J Otto Flake —- Barmherzigkeit (Novelle) J Max: Feldbauer -——-\"Orig.-\nLithographie J R. Bocqueh Dresden —- An einen gefallenen Freund J Rudolf\npannwitz — Aus der Werkstatt - Franz Heckendorf —- Orignkikhographic"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_01#c016", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.2.13", "titre_corps": "Inhalt dersbeftes 7:", "titre_sommaire": "Inhalt dersbeftes 7:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.16", "debut_caractere": 315, "fin_caractere_exclue": 671, "texte": "Inhalt dersbeftes 7:\nWilly Geiger —— Orig.-Steindruck l Martin Buber -—— Das Gleichzeitige l\nGeorg Trakl —- Die Nacht l Paul Klee —- Orig.-Steindruck l Max:\nScheler —- Krieg und Tod l FritzFeigl —- Orig.-Stcindruck l Gottfried\nKölwel —- Seit jener Nacht gefpenstert es . . . sl Annette Kolb --— Briefe\nan einen Toten l Richard nSeewald -———0rig.-Steindruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_01#c017", "volume": "bmtnabb_1915-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.2.14", "titre_corps": "Inhalt der seftes 6:", "titre_sommaire": "Inhalt der seftes 6:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.16", "debut_caractere": 673, "fin_caractere_exclue": 960, "texte": "Inhalt der seftes 6:\nWilhelnfvonscholz —- Longwood ! Alfred Rubin —- Orig.-Steindruck J\nJakob Wassermaftn —- An Doktor Frederik van Eeden in Bussuny Hol-\nland - Isolde Kurz ——— Vaterland J Edwin Scharff —- 0kig.-Stei»dkuck -\nPaul Ernst —- Der deutsche Gott J Renö Beeh -— Origxsteindruck"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.2", "texte": "wir reden immer noch von Belgien und der Verletzung feiner Neutralität,\nimmer noch von den Greueln, die wir nicht begangen haben, von den Ein«\nwohnern, die wir nicht erfchossen, Gefangenen, die wir nicht mißhandelt, Weibern,\ndie wir nicht gefchändet haben. Wir deklamieren, daß wir nur befestigte oder\nim Bereich der Aktionen, liegende Plåtze aus Kanonen, Flugzeugen oder Luft-\nfchissen bewerfen und Kathedraleniund Rathåuser nur dann zum Ziele nehmen,\nwenn die feindlichen Operationen uns dazu zwingen. Wir halten Reden darüber,\ndaß wir den Krieg nicht gewollt und nicht begonnen haben, daß wir in der\nAbwehr stehen gegen die Angrisse der Feinde, eine Abwehr, die nur militårisch\nein Angriss wurde. , » e g\nDies alles und vieles andere noch tun wir nicht nur an Biertischen und\nin Kasseehåufern kund, nicht nur auf vaterlåndischen Veranstaltungen und in\nZeitungen, Zeitschriften, Lsroschüren und Büchern, wir haben auch besondere\nEinrichtungen getroffen, vermöge deren wir dem Ausland unfer Denken un-\nmittelbar mitzuteilen hossen. i\nWarum eigentlich diese große Rechtfertigung? Denn nichts anderes ist\nes, als daß wir uns immer wieder zu rechtfertigen suchen. Warum diese Rechts\nfertigung? Einige meinen, vor dem Forum der Menschlichkeit schlage uns das\nGewissen. Könnten wir uns aber nichtsdamit beruhigen, daß wir das Recht\nhaben, unseren Feinden vorzuwerfen, daß, falls wir das alles getan haben\nsollten (was wir bestreiten müssen), sie selbst das Gleiche getan haben, da sie\nalle vielerlei Barbarei begangen, die Engländer dazu noch lügnerischer Heuche-\nleien, die Franzosen schamlosester Hetzereien sich schuldig gemacht haben? Warum\nalso unsere Rechtfertigung? Vor. wem wollen wir uns moralisch verteidigen?\nWenn nicht vor unseren Feinden, so vielleicht vor den Neutralen, deren\nBehuf die Wahrung derMenschlichkeit sein soll, wie etliche sagen. Zweifellos\nkann sie das sein. Es ist der Fallidenkbar, daß ein neutraler Staat-»die Auto-\nrität hat, im Namen der Menschlichkeit, soweit wir diesen Begriss in einer\nZeit des Eisens noch kennen, Recht zu sprechen über die Art, wie dieser Krieg\ngeführt wird. Welchem neutralen Staat aber möchten wir heute dies Recht\nzuerkennen, wo doch keiner dieses Rechtes wert ist, wo sie doch alle ihre Würde\ndal)ingegeben haben aus Furcht, auch ihnen könne, politisch oder wirtschaftlich,\nirgend etwas geschehen. iDa sie alle es vorgezogen haben, «\"mit den Verhält-\nnissen sich irgendwie abzufinden, und keiner ein offenes Wort, ein Wort nach\ndem Zzerzen wagt und alle sich hinter einem blutleeren Begriss von Neutralität\nverschanzen, der in Wahrheit alles andere ist, nämlich ein Lavieren von Tag\nzu Tag und im besten Fall ein Kompendium offizieller und ofsiziöser Berichte\naller Kriegfül)renden: wie kann da einer von ihnen noch das Ansehen haben,\ndas derjenige haben muß, der Recht sprechen will? Da man sich abgefunden hat,\nhat man auf Meinung verzichtet. Man ist mitten durchgebrochen und, heillos\nkrank, verbeugt man sich dorthin, wo man, wenn man ehrlich wäre, sich schämen\nwürde, Reverenz zu machen. Dieser Gesellschaft Ohren wollen wir uns erbitten?"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.3", "texte": "Solange wir von dieser Suggestion nicht ablassen, wird auch die Meinung\nüber uns keine andere sein. Solange wir uns noch rechtfertigen, werden wir\nauch ,,gerechtfertigt« werden. Solange wir noch nach dem Urteil der anderen\nfragen, werden die anderen das Urteil bereit haben. Wo Nachfrage, da ist\nAngebot. Schweigen wir still und auch die anderen werden still schweigen.\nSchon haben diese ersten Kriegsmonate deutlich gemacht, daß wir die Kraft,\nsomit das Rechthaben, uns von der Welt, dieser Welt, die durch die Lüge\nsich ihrer alten Herrenrechte begeben hat, zu emanzipierem Ziehen wir den\nmoralischen Schluß. Rechtfertigen wir uns vor uns selber und vor niemand\nsonst. Fragen wir nicht, was das Ausland über uns denkt. Fragen wir, was\nwir über uns denken. Was wir über das Ausland denken. Erst wenn wir\nganz auf eigenen Füßen stehen, werden »wir gerechtfertigt den anderen uns\nwieder nähern können.\n\nWalther Arug"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.4", "texte": "bans Ayfer\n»Schweige nicht länger, mein Freund, ich spreche vom anderen\nUfer,\nIch, dein anderes Ich, leise und warnend zu dir.\nImmer gabst du mir Worte der Sehnsucht und trostreichen Liebe,\nImmer gab ich dir Trost, Sehnsucht und Liebe zurück.\nDennoch trennt uns die Flut, wir werden uns nimmer begegnen,\nWenn du mich jemals gewinnst, schlingt sie uns beide hinab.\nDieses wissen wir träumend, wir sind es schmerzlich zufrieden,\nUnerreichbar uns nah, nah uns geschieden zu sein.\nDenn «wir stehn nicht verlassen am endlosen Strande, dich stärkte\nZuruf von mir und ich sah, was nur den Genien vergönnt,\nManchmal den Himmel, den trübe verschlossenen, leise sich heben,\nUnd mich grüßte der Strahl, deines verzückten Gesichts\nSchwerer nun lastet das Licht, es bedrängen mich jammernde\n, i Schatten,\nSchmerz umschlingt meinen Schmerz, Klage vergißt mich nicht\nmehr, «\nUnd es erdonnert die Flut, von sinsterer Wollust gesättigt,\nDeine Stimme nur schweigt, schweigt mich am dunkelsten an.\nGieb nicht Raum deiner Schwermut! Zerbriclynicht die glühende\nSchranke, »\nDie dich barmherzig genug trennt von der Schwermut der Welt.\nFühltest du dreifachen Schmerz . . .«\n»Ich fühlte dreifaches Leben,\nDreifach stürb’ ich den Tod, stürb’ ihn heut dreifach beglückt!«"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.6", "texte": "ch frage mich, sehr geehrter Herr, ob ich Ihnen in Papier ein-\ngebügelte Augenblicksempfindungen überlassen soll, jetzt, wo wir\ngewissermaßen in der Kirche sind, aber nicht über Religion\nsprechen, nicht dem Organisten Beifall spenden, nicht die Tele-\nbrierenden beobachten und erleben dürfen, und sind doch mitten\nin der Kirche, voll Andacht, voll Andacht, und, Gott verzeihe mir,\nnoch erfüllter von heiligster, profasner Zerstreutheit . . . Soll ich Ihnen nicht lieber\nvon Mozart ein Lied nennen? Xvollen wir nicht schweigen und uns jubelnd\nder Siebenten hingeben? Soll ich Ihnen ins Blaue telegraphierem »Gefahr einer\nUeberschätzung Richards von Bayreuth meinerseits niemals geringer als heute.\nBrief folgt.«? Ich fühle kein Bedürfnis in zwei Worten eines Dinges habhaft\nzu werden, das, in gleichen Abständen, mich mit »Ja« anbrüllt und mit ,,Nein«,\ndas mich, ja, mich ganz verlangt, einmal als Abenteurer, einmal als Künstler,\neinmal als Mann, einmal als Weib, und das ich zuerst wiederum fremd ansehe\nund mit innerster Gleichgültigkeit Und dann . . . . Liebe zum Handwerk an sich\n—- Werkmeister fein irgendwo —- ——— Der Krieg ist ein Handwerk. Man weiß\nviel über das Handwerk, auch daß es in Kunst, in Musik ausgehen kann; bis\nwohin es vom Handwerker gemeistert wird und wo« es beginnt, grausam den\nWerkmeister anzugreifen und zu zermalmen, wissen wenige.\nAber auch von diesem Handwerk braucht, die Welt nicht zu erwarten, daß\nes den andern, die der Krieg nur obersiächliclz fastkollegial berührt, den Garaus\nmache. Denn, noch singen die Blaumeisen auf schwarzen Winterzweigen, noch\npflegen sich s chnurrende Dachkater, noch vsollenden die Wolken auf Himmelsmeeren\nwillkürliche Landkartem die sie gelassen wieder auflösen.\nEs krachen wohl Banken und Tausende werden an Tüchern, ehedem Mäntel\nder christlichen Nächstenliebe genannt, unter. welchen es sich angenehm herab-\nsehen ließ, hungernd nagen. (Wird wirklich viel mehr gehungert, werden,\nwerden nicht auch einmal andere hungern und andere satt werden?) Ia, und\nTauseitde sterben heute den Tod, den Jäger dem Wild verschaffen. (Tausende\nentgehen dem bürgerlichen Zerfall unter Singsang und Iammern und mufsigs\ntrüben Glückwünschen von Küstern und ApothekernJ\nAlle Schafe der Erde haben für Europa Tuche geliefert.\nAlle Mäuse der Erde fühlen sich nach der Mode gekleidet. z\nAllen Schmarotzern in Tarnkappen dünkt die Welt etwas ossener, so daß\nsie den Kreislauf wagen.\nWie mit Erpressen rücken aus Nebeln zu Eisen verhärtete Träume der\nJndustriepriester aneinander und gelangen lebensfähig ins Freie.\nStatt Roggen wächst aus dem Boden dieWolle. Schon zu Platten und Rädern\nverarbeitete Metalle s chwitzt die Erde aus den Werken. Rohre schießen sich selbst\nans Tageslicht. Tiere halten ihr Leder den neu erzauberten Maschinen hin.\nIn solcher Zeit der fahrenden Blitze kennt unser Planet die Grenzen auf\nseiner Rinde nicht mehr. Im Mond, glaube ich, teilt man jenen, in kostbaren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.7", "texte": "Halbinseln zerfransten Erdteil Europa kurzerhand in zwei ungleiche Teile: den\nkleinen und den großenBalkam «\nDort dampft die Erde in Fieberhitzk Und dasist allefs. Denn, wie gesagt,\ndie Meisen sind noch nicht verstummt. s\nDie Schmerzen der Menschen sind im Weltschoß durcheinander gerüttelt:\nwelcher zu unterst als seltener Ausnahmeschmerz lag, kommt in die Höhe; was\nvordem ein vielgetragenes Leid se— die Blindheit der Nachbarn, Erstickungs-\nanfälle der Seele, unausrottbarer tödlicher Neid, lagern träge, unverwendbar.\nEs blüht der Schmerz des jähen Verlustes, der zudröhnenden Türen, die in\nschlüssellosg verriegelte Schlösser fallen, der große, haarscharf geschnittene\nSchmerz ohne Schattierung, der Blitzschlag. Ein schöner, ganzer Schmerz, der\nhölleheiß brennt, und neben sich Kraft und Tücke, Hoffen, Freude, Hunger, kurz\nMenschsein auf gleicher Stätte blühen läßt. .\nDen Krieg mitmachen . . . . Kann ein Mensch den Krieg mitmachen? Macht\nman Kathedralen mit? Gewiß, viele können es so, wie sie das Leben mitmachen\nund in wunderbar grotesker Bewegung den Tod miteinheimsem\nIst der Krieg furchtbarer als das Leben? Aber auch nicht schöner. Eine\nHand in das Chaos der« Erdanfänge getaucht, die andere schützend vor den\ngeschlossenen Augen und in dieser dunkelroten Sammtnacht der Dreiklang: Ich —-\ndie Andern -— der Tod. Alle phantasieren sie auf diesem Akkord, die draußen,\nhalb Bison, « halb Griechen dem Völkerhandwerk leben »und sterben, und die\nzurückgeblieben sind um vorwärts zu schauen. . « H\nUnd was ist es mit— dem Tod?\nEr ist öffentlicher geworden —--. «\nSie sehen, sehr geehrter Herr, wie spröde ich mich verhalte. —- Immerhin\nsende ich Ihnen ein Gedicht, das, wenn es Vorhergesagtes auch nicht ergänzt,\ndoch auf gleichem Boden gewachsen ist. s »\nEs grüßt Sie bestens »\n\nm. L."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.8", "texte": "mechtild Richnowsty\nAus Pferderücken fließt (wie von Tannen\nDer Frühlingsschweiß), halb sickernd, halb starr\nEin Wundensaft über Felle von dannen,\nUnd Eitermasse verklebt das Haar.\nIm Bogen schießt aus Flanken und Lungen\nDer Rosse Mutwill ——-— fruchtrotes Blut.\nWas ging hier vor . . .? Tierglaube, zersprungen,\nVersank wie Scherben in dunkler Flut.\nDes Reiters Sporen und eiserne Zåumung, «\nStatt ihnen Lehre und Warnung zu sein,\nVerhießen keinem todletzte Båumung,\nErmattungssieber und Hungers Pein.\nVerwirrten Ohren klang früh von Signalen i\nDie Melodie des Angriffs . . . Trotz Schwellung s\nDer Sprunggelenke, trotz Satteldrucksqualen .\nVersammelten sich die Guten zur Stellung. »\nSie lockerten das Gebiß mit der Zunge g\nUnd hoben auf tausend Fesseln sich steil,\nSie össneten groß die Lungen zum Sprunge, n )\nAls. ging’szur Paarung frühjährlichgeii.\nNoch schmeckt das Zaumzeug wie sonst. . . Und ein Brothauch\nAus Pferdemündern süßwarm entwich.\nDann spießte sich Eisen kalt in den Rotbauch\nUnd ————- —- trostlos —- Tierleins Seele entschlich . . .\nDen Mageren, Kranken, mit überstreckten\nGliedern, üppig allein bleibt der Schweif . . .\nDie Augen sehen, wie bei Erschrecktew\nAus Faltenlidern bekümmert und steif.\nWie Menschen sind sie ins Leben gestellt,\nWo sie, erstaunt auf zerlaufenen Füßen,\nDaß man ums Paradies sie geprellt\nWie Menschen (nur schweigend) erkennen müssen."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.10", "texte": "Ernft Wilhelm Rog†\ngefallen an der Aisne am 26. September 1914\nDie siammenden Gärten des Sommers, Winde, tief und voll Samen,\nWolken, dunkel gebogen, und Häuser, zerschnitten von Licht. —-\nMüdigkeitem die aus verwüsteten Nächten über uns kamen,\nKostlich gepflegt» verwelkten wie Blumen, die man sich bricht.\nAlso zu neuen Tagen erstarkt, wir spannen die Arme,\nUnbegreiflichen Lachens erschüttert, wie Kraft, die sich staut,\nWie Truppenkolonnen, unruhig nach Ruf der Alarme,\nWenn hoch und erwartet der Tag überm Osten blank.\nGrell wehen die Fahnen, wir haben uns heftig entschlossen,\nEin Stoß ging durch uns, Not schrie, wir rollen geschwellt,\nWie Sturmflut haben wir uns in die Straßen der Städte ergossen\nUnd spülen vorüber die Trümmer zerborstener Welt.\nWir fegen die Macht und stürzen die Throne der Alten,\nVermoderte Kronen bieten wir lachend zu Kauf,\nWir haben die Türen zu wimmernden Kasematten zerspalten\nUnd stoßen die Tore verruchter Gefängnisse auf.\nNun kommen die Scharen Verbannter, sie strammen die Rücken,\nWir pflanzen Waffen in ihre Hand, die sich fürchterlich krampft,\nVon roten Tribünen lodert erzürntes Entzücken\nUnd türmt Barrikaden, von glühenden Rufen umdampft. —-\nBeglänzt von Morgen, wir sind die verheißnen Erhellten,\nVon jungen Messiaskronen das Haupthaar umzackt,\nAus unsern Stirnen springen leuchtende neue Welten:\nErfüllung und Künftiges, Tage, Sturmckiberflaggtl"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.12", "texte": "er produktive Schöngeist von gestern, sofern er nicht im Felde\nstel)t, fühlt sich heute sehr übersiüssig — und zwar mit Recht.\nNur hätte er anstandshalber schon gestern sich übersiüssig fühlen\nund, schon gestern·, aus diesem Gefühl die Konsequenz ziehn\nsollem ,,lntcr arme. silcnt musacW Masse, die es ad arma\nkommen ließen, hatten bereits bei Friedenszeiten die Befugnis\nverwirktz den Mund aufzutun. Jedem Benervtem der mir die\nFrage zusammen, wie solcher Greuel im zwanzigsten Jahrhundert noch möglich\nsei, antworte ich ,,durch Ihre Schuldl«; vor allem den Weibern. Würde näm-\nlich nicht die delikategozentrische Kultur, sondern eine politische geherrscht haben,\nnicht der Schöngeist, aber der Geist, statt des musischen Elends verbessernde\nAktivität ——: der Krieg wäre nie zwischen den Völkern ausgebrochen, vielmehr\nzwischen Geist und Ungeist; und der Geist hätte gesiegt, und der Krieg wäre\nbeseitigt.\nLitteraten, die Litteratur denkt gar nicht daran, in ,,gestaltende« und\n,,redende« zu zerfallen oder in die beliebten Ismen. Ich will euch das Ge-\nheimnis eines tieferen, heftigeren Schnitts durch alles Schrifttum verkünden —\nzugleich das Geheimnis aller echten Bewertung. Hört, zweierlei gibts: Zu den\nEreignissen Worte machen, und: durch Worte Ereignisse machen.\nReportage und Prophetie; nichts Drittes. Was aber tatet ihr? O, Ereig-\nnisse, zu denen sichs gut Worte machen läßt, müssen keineswegs Ereignisse\ndes Außen sein; über das Innenleben Bericht zu erstatten, ist avancierten\nKöpfen ja viel vergnüglicher. Was tatet ihr? Ihr stelltet fest -——— statt\nzu fordern. Ihr stelltet fest, was in euerm Herzen, was in euren Nerven,\nwas in eurem Hirn geschah; auf eine höchst entwickelte Weise stelltet ihrs fest;\naber über das Feststellen hinaus tatet ihr nichts; für das Wirken eurer Er-\nkenntnisse, eurer Erlebnisse in die Menschheit rührtet ihr keinen Finger.\nWie? Daß stets alles beim alten blieb, war euch niemals ein Stachel? Nein,\neher ein Stolz; denn ihr hieltet auf Ausschließlichkeiu Zu dünkelhaft, um\nichlos-redlich den Reporter, zu müde, um den Propheten zu spielen, fristetet\nihr ein Schattendasein neben der Wirklichkeit ——- das (sehr erklärbarl) sich nun\numso schattenhafter ausnehmen muß, je exorbitanter, toller, gleichsam wirk-\nlicher die Wirklichkeit sich gebärdet. Dem Rohling, der aufstünde und gift-\ngeschwollen schriee, durch Eisen und Blei sei der Geist endlich widerlegt, ——-\nkönntet ihr ihm mit gutem Gewissen entgegentreten? Ihr Ontologischen,\ndenen Geist immer nur Projektion von Realem auf eine imaginäre Ebene war . .\nund Form, dieser agitatorische Kniss der Idee, immer selbst Zweck?\nLitteraten im Lande! Menschen wie ihr hungern jetzt, frieren, verlaufen,\nwerden in Gefangnenlagern unaussprechlich gequält, ertrinken, ersticken, werden\nzertrümmert, Krüppel, augenlos, auf trüben Feldern Kadaver -— ———-, während\nihr das Gewohnte weiterlebt, täglich Fleisch, Zucker, Butter, Früchte freßt,\nnachts in einem Bette schlafn besinnt euch auf eure Pflicht! « -"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.13", "texte": "Keine Minderwertigkeitsgefühle vorschützenl Ihr seid nicht überflüssig;\nund seids in diesen Läuften des Triumphs der Körper am wenigsten. Euch\nruft Deutschland, unsre geliebte Heimat; und die Menschheit, unsre geliebtere.\nBrüllt nicht die Welt nach Umsturz und neuen Errichtungen? Der Bau der\nZukunft —- wem sollte er obliegen, wenn nicht euch? Ihr seid der Geist, ihr\nseid, die Führung, ihr seid die Macht. .\nDa wird in den Engländernszjetzt der frivole Merkantilismus bekämpft,\nin den Russen die brutale Idiotie; wundervoll! herrlich! Deutschland kämpft\nfür den Geist! Sobald aber Friede auf Erden ist, wollen wir es sein, die den\nKampf für den Geist so rtsetzen, und .; den Kriegsschauplatz nach dem In-\nland verlegen. Gegen Krämer und Dunkelmänner! Welch würdige Parole!\nFahne der neuen Schar! Ruf derer, die durch Worte Ereignisse machen! Der\nLitterat: Kein Ausgeschloßner mehr, kein ironisch Danebenstehender und bloß\nformulierender Gasser, sondern ein Eingreifender; nicht länger Statist,\nsondern Held.\nDas psychologische Zeitalter ist vorüber, und das politische begann. Wir\nwerden nicht musisch sein, wir werden moralisch sein; nicht betrachten, sondern\nbewirken; Redner, Lehrer, Aufklärer, Tlufwiegley Bündegründey Gesetzgeber,\nPriester, Religionsstifter werden wir sein; wir werden Propheten sein, wir\nwerden Litteraten sein. Untätiger Tiefsinn sank im Kursez er sinke weiter;\nGeist ist Ziel. Man schimpfe uns fortan nicht mehr ,,Intellektuelle«; Will ent-\nliche wollen wir heißen.\nDas klingt nun vielleicht wie eine abstrakte Fanfare; aber, bei allen\nheiligen Un1)eiligen, wir meinen es sehr konkret. Die Armut, die Straf-\nordnung, die Sexualordnung, das Recht des Schaffenden, die Zuteilung der\nMacht, die Struktur des Staates, die Vereinigung der Nationen, besonders\naber jene Grundlage und Vorbedingung allen Fortschreitens: die Er-\nziehung (durch Schule, Hochschule, Presse): die Erziehung zum Geist\ndurch den Geist —-—: der anpackbaren Dinge gibt es genug! Was uns vor-\nschwebt, ist nicht öder Reformismus, christlich-soziale Dürftigkeit, volksmännische\nEnge — (Fortschritt, das wissen wir ja, bedeutet keine bloße Verneinung der\nälteren Lage durch eine neue, vielmehr Rettung der älteren in die neue; so:\nRettung aller Errungenschaften der ästhetisclykontemplativen Aera in die neu-\nethische!); aber wir wissen freilich auch, daß jene formale Revolutionarität,\nin der sich gestern mancher Genieling gefiel, eine taube Nuß war. Tumult\nallein ist sinnlosz schlechthin kämpfen bleibt ohne Wert; man muß wofür\nkämpfen. Das paßt auf den Krieg mit Waffen; auf den Krieg des Geistes\npaßt es erst recht.\nEines aber kann der Krieg des Geistes vom Kriege der Krieger lernen,\nund muß es lernen: Organisation. Warum haben wir bisher nichts erreicht?\nJeder stand in seinem privaten Laboratorium und analysiertez jeder kniete\nvor seinem privaten Altärchen und ekstasiertez jeder saß auf seinem privaten"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.14", "texte": "Töpfchen und produzierte. »Der Starke ist am mächtigsten allein« —-: du\ndummer, du höchst bezweifelbarer Sinnspruch! Was ist ein Starker gegen\nMillionen Schwache? Aber auch nur zwanzig Starke, in Glut verbunden,\nwären gegen eine Milliarde Schwache, die bloß die gemeinsame Schwäche eint,\nallerdings etwas. .\nGeistige, schließen wir einen Bund! Diese Leuchtkugel (noch tobt der\nKrieg).. diese Leuchtkugel will ich in eure Himmel werfen. Schließen wir\neinen Bund; durch Worte Ereignisse! Unter Verarbeitungiisämtlicher\nGestuftheiten der letzten Jahrfünfte: für den Geist! gegen Krämer und\nDunkelmännerl —- Seid nicht stolz und lächelt nicht; mag der Gedanke\nalt sein, er bleibt solange jung, als er nicht Tat ward; ihr müßt euch ab-\ngewöhnen, den Prickel des Niedagewesenen zum rWertmaß zu machen. Bezwingt\neuren Reizhunger, eure Eitelkeit, euern partikulären Ehrgeiz; wer sich unter-\nscheiden will, unterscheidet sich nie. Was taugt es, ,,originell« zu sein; jeder\nNarr ist originellzerst erreicht! dann trachtet nach Neuem. So tretet denn jetzt\nin den Dienst der Idee ein; weiht euch Gott; dem heiligen Geist, dem tätigen\nGeist; schließt euch zusammen! Unser aller Einigkeit in den Grundpunktenist\nmächtiger als ihr ahntz unser Wille zur Verwirklichung durch dieser Monate\nfeuriges Entsetzen gehärtet. Seid nicht stolz und lächelt nicht; welch ernstere\nund dringendere Aufgabe stünde denn heute dem Geist bevor als die, seine\nTräger zu sammeln?\nWas aber der Geist f ei —- dieses ungeheuerste aller Probleme darf man\nruhig zurückstellem Die ihn besitzen, haben einen unfehlbaren Instinkt für ihn;\nund, ohne Theorie, riechen sie ihn, wo immer sich welcher befindet. Eines steht\nvon ihm fest: daß er sich selbst gebiert und sein Ursprung nicht »die Verhältnisse«\nsind. Sollte jene Art von Zukunft, die hier gefordert wird, über ihre Erf orde r-\nlichkeit hinaus sogar wahrscheinlich sein, dann müßten wirbereits heute\nmit Nachdruck bestreiten, daß »der Krieg« es war, der sie schuf. Nicht der\nKrieg —- der Geist wird das zweite Reformationszeitalter heraufgeführt haben.\nUnser junger Politizisinus, die Propaganda der Tat ging von bestimmten Köpfen\nauszüder Krieg wird bloß die Rolle des Zzelfers spielen; seine Funktion wird\nes gewesen sein, eine bewußt von Individuen geschassene Entwicklung unerhört\nbeschleunigt, eine Bewegung aus der Abseitigkeit alles Neu-Starken ins Ofsizielle\nund Reale gehoben zu haben. Aber wofür A. K., 6.M., G.L., L.R., K. H.\nschon gestern stritten, dasnun zu Wirkungen »soziologischer« Ursachen um-\nzufälschen, soll dem siachchämischen Leugner der ideegebärenden Persönlichkeit\nmorgen nicht gestattet sein. . \" \" ! «· —\n\nRurt Biller"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-01.1.16", "texte": "Inhalt des beftes 8:\nFranz Dülberg -—- Deutsche-z Neujahr 1915. Meiner Schwester Zzelene Zzorst-\nmann J Otto Flake —- Barmherzigkeit (Novelle) J Max: Feldbauer -——-\"Orig.-\nLithographie J R. Bocqueh Dresden —- An einen gefallenen Freund J Rudolf\npannwitz — Aus der Werkstatt - Franz Heckendorf —- Orignkikhographic\n\nInhalt dersbeftes 7:\nWilly Geiger —— Orig.-Steindruck l Martin Buber -—— Das Gleichzeitige l\nGeorg Trakl —- Die Nacht l Paul Klee —- Orig.-Steindruck l Max:\nScheler —- Krieg und Tod l FritzFeigl —- Orig.-Stcindruck l Gottfried\nKölwel —- Seit jener Nacht gefpenstert es . . . sl Annette Kolb --— Briefe\nan einen Toten l Richard nSeewald -———0rig.-Steindruck\n\nInhalt der seftes 6:\nWilhelnfvonscholz —- Longwood ! Alfred Rubin —- Orig.-Steindruck J\nJakob Wassermaftn —- An Doktor Frederik van Eeden in Bussuny Hol-\nland - Isolde Kurz ——— Vaterland J Edwin Scharff —- 0kig.-Stei»dkuck -\nPaul Ernst —- Der deutsche Gott J Renö Beeh -— Origxsteindruck\n\nHerausgegeben von Otto HaaOHeye\nBerlin J Pariser Platz 7\nverantwortlich für die Schriftleitung\nFriedrich M. Huebner\nKraftfahwRekrutemDepot\n11I. Kompagnie J München\nVeranwortlich für die künstlerifche Leitung\nO. Tl). W. Stein\nMünchen J Ainmillerstu 17 v\nFür unverlangte Einsendungen keine Gewähr.\nIn Gsterreich für die Redaktion verantwortlich Hugo Zzelley Wien, l,\nBauernmarkt 3"}]}