{"numero_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_sha256": "aada30997a465e4dad63f0df5f7809e6e8c0d5c171e2dc0f06a5934f05e3f181", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1915/02_02/bmtnabb_1915-02_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1915/02_02/bmtnabb_1915-02_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_02#c001", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.2.1", "titre_corps": "m» stillen bangen Strom der Traurigkeiten", "titre_sommaire": "m» stillen bangen Strom der Traurigkeiten", "signature_source": "Oskar Loerke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 828, "texte": "Oskar Loerke\nm» stillen bangen Strom der Traurigkeiten\nTreibt mir ins Totenreich der Seelen weiße Frucht.\nUnd meine Seele kann den Strom nicht weit geleiten,\nWeil sie die Quelle ist in ungeftillter Nacht.\nMuß sie die wache sein, die unstillbare Quelle,\nSo weiß sie, wie sich auch der Unterlauf nicht stillt\nUnd ihre fernsten Weiten kehrt in fein Gefållq\nSelbst in den Frieden ihres Gartens Eden schwillt»\nSelbst draußen hat er schon die Aecker åberschwollen,\nEr scheint schon wie der tiefe Wind so tief zu sein;\nDas Eis der Wolken treibt auf ihm schon große Schollen\nDie schlafen endlich auf den Traurigkeiten ein.\nZu Schlafe ist im Leidstrom alles eingegangen,\nBeschwert. -——-— Doch ist ein Halm nur wie ein Halm beschwert,\nEin Tier wie Tiere, Menschen, wie sie ur-einst angefangen.\nDer bange Strom ist in die Quelle umgekehrt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_02#c003", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "138", "page_fin": "138", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.2.2", "titre_corps": "Die Welt möcht’ ich zerreißen,", "titre_sommaire": "Die Welt möcht’ ich zerreißen,", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 343, "texte": "Albert Ehrenstein\nDie Welt möcht’ ich zerreißen,\nsie Stück für Stück zerglüh’n\nan meinem lebensheißen\nund todesstarken Sinn.\nIch habe Land getötet, »\nund Meer dazu, wieviel!\nIch habe Menschen getötet,\nund weiß kein Ziel. a\nUnd neue Sehnen wachsen,\nund neue Kraft ertost.\nvorwärts! Mit tausend Achsen,\n-——-- eh’ mir die Pest raubt West und Ost."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_02#c005", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "140", "page_fin": "143", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.2.4", "titre_corps": "Durch drei Tage sprach der Mann von der Schlacht. Verlangte abwechselnd", "titre_sommaire": "Durch drei Tage sprach der Mann von der Schlacht. Verlangte abwechselnd", "signature_source": "Friedrich Karinthy (Einzig berechtigte Uebertragung aus dem Magyarischeii von Stefan I. Klein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2805, "texte": "Durch drei Tage sprach der Mann von der Schlacht. Verlangte abwechselnd\nWasser und feinen Säbel, kommandierte zum Sturm und redete viel von einem\nWald, in dem sich der Feind verborgen hält. Dann forderte er weinend, man\nmöge dem Major eine wichtige Meldung überbringen. Am vierten Tag beruhigte\ner sich, da wurde ihm zu Mute, als läge er auf der Spitze eines felsigen Berges,\nauf kaltem Schnee, unermeßlich hoch und seit langer, langer Zeit, im Gespräche\nmit dem steinernen Menschen, als habe es« nie etwas anderes gegeben, nur diese\nvers chneite Bergs pitze, auf der sie schon seit Jahren sitzen und miteinander streiten.\nSpöttelnd und mit bedauernder Ueberlegenheit brachte der Steinmensch\nseine Beweise vor, der Mann aber debattierte mit Leidenschaft. Der endlose\nStreit drehte sich darum, daß er sein Herz erklärte und dem Steinmenschen\nvoll Leidenschaft bewies, s ein Herz sei aus Fleisch, müsse sich bewegen und pochen,\nweil in ihm Leben. Der Steinmensch wehrte mit geringschätzigen Handbewe-\ngungen ab, lächelte spöttisch und nahm dann mit einem Griss das Herz des\nMannes aus der Brust.\n»Nun schauen Sie selbst, Sie Unglücksmensch, der Sie um jeden Preis mit\nmir streiten wollen. . . BetrachtenSie Ihr Herz genau -—— es ist aus Stein«\nQualerfüllt rasste sich der Mann auf und betrachtete sein Herz —- dort lag\nes in der Hand des Steinmenschen und bewegte sich tatsächlich nicht.\n,,Zeigen Sie es mir, geben Sie es näher zu mir,« keuchte er in hartnäckigem\nBeharren.\n,,Nach Belieben . . . es steht Ihnen auch ein Mikroskop zur Verfügung«\nerwiderte der Steinmensch achselzuckend.\n,,Sehr wohl,« setzt der Mann den Streit fort, »ein Mikroskop ist unbedingt\nnotwendig, wenn man etwas sehen will. . . . Haben Sie denn nicht von den\nroten und weißen Blutkörperchen gehört? Diese sind es, die im Herzen zirku-\nlieren, und um sie zu sehen, benötigt man ein Vergrößerungsglas. Geben Sie’s\nher und ich beweise Ihnen sofort, daß sie sich bewegen«\nWieder zuckte der Steinmensch und richtete ihm das Mikroskop zurecht.\n»Natürlich . . . unter dem Vergrößerungsglas ist es rund,« sagte der Mann\nverständnisvoll, ,,und auch nicht mehr rot von Farbe«\nDas Herz war unter dem Objektiv des Mikroskops auch wirklich kugel-\nförmig, und als sich seine Augen an die Beleuchtung des Instrumentes gewöhnt\nhatten, tauchten auf der Oberstäche der Kugel launenhafte Zeichnungen und\nFarbenflecke auf. Die Linien schienen ihm bekannt und er unterschied mit\nErstaunen zuerst die Umrisse von Spanien, dann die s kandinavische Halbinsel\nund das Mittelländische Meer, die er so oft auf der Landkarte gesehen.\n»Ich verstehe, ich verstehe,« stammelte er verwirrt, denn der Steinmensch\nlächelte wieder triumphierend, ,,natürlich, nun natürlich, die Materie, die Erd«\nkugel selbst, ist aus Stein.«\n,,Verzeihung, wir reden von Ihrem Herzen«"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3011, "texte": "»Nun gut, sagen wir also mein Herz . . . doch das ist wohl einerlei . . .\nbetrachte« ich es durch das Mikroskop, wird es zur Erdkugel, zur E rd e. Sagen\nwir also, mein Herz ist aus Stein . . . aber das Blut, das zirkulierende Blut . . .\ndie roten Blutkörperchen . . . und die weißen . . . leben und bewegen sich . . .\ndringen ins» Herz und aus ihm hinaus, zerströmen in den Adern, fließen frei\ndahin und übersluten alles. Das Blut . . . das Blut ist nicht aus Stein und\nmuß selbst den Stein erbeben lassen, wenn es in ihm aufwühlend erpocht ...«\nDer Steinmensch zuckte die Achseln:\n,,Wohlan, schauen wir nach, wo das Blut ist und wo es hervorsprudelt.«\nWieder neigte sich der Mann über das Mikroskop und mühte krampfhaft\ndie Augen, ob er nicht zwischen den toten versteinerten Linien etwas Leben\nfände. Oben, im Norden, über der Halbinsel, lag im weißen Todesfrieden Schnee,\naber tiefer, gegen Helgoland und die Niederlande zerflossen sanftere grüne\nFlecke —-— und dort . . . dort . . . um die spitz und kapriziös geschwungenen\nBuchten des Mittelmeeres war es, als ob . . . ja, nun sah er ganz klar, dort\nwar beginnende Bewegung.\n,,Schärser einstellen . . . schärfer einstellenl« -——- rief er in sieberhafter Er·\nregung, ,,damit es stärker vergrößerel«\nMit leisem Knirschen drehte sich die Mikrometerschraube und liefen die\nunscharfen Umrißlinien zu ausgedehnten Wiesen zusammen. Bergketten hoben\nsich ab, Flüsse tauchten auf, lang streckte sich die Halbinsel, voll Glück jauchzte\nder Mann auf, Bewegung herrschte in dem grünen Flachland. Tausend und\nabertausend winzige lebendige Staubkörner schlichen auf derWiese vorwärts\nund mitunter blitzte zwischen ihnen Leuchten auf. ,\n»Dorthinschauen Siel« sagte triumphierend der Mann, ,,dort bewegt sich\ndas Blut, das aus dem steinernen Erdherz hervordringt, um inden Adern zu\nverlaufen. . . . Ich kenne es . . . das köstliche, herrliche Blut . . . ich kenne diese\nStaubkörneu Klein sind sie von Ansehen und dem Anschein nach ohnmächtig\ndemungeheuren toten Gestein gegenüber —- doch warten Sie und haben Sie\nacht, was geschehen wird, wenn sie in Bewegung geraten. Drehen Sie die\nSchraube,damit das Mikroskop stärker vergrößere —-— nun sinddie kleinen\nBlutkörperchen auch schon einzeln zusehen, besitzen Kopf, Hände und Füße. . .\nSehen Sie, was in ihren Händen ist? . . . Spitzhauen, starkes Eisen, das sie\nmit ihrenweichen Händen vom harten Körper Ader Erde .rissen.OWiisen Sie,\nwozu diecHauen dienen? Damit wird das» harte steinerne Erdherz zerbrochen,\nzerrissen werden, auf daß alles Blut shervorstürze, das darin verborgen —- die\nErdezu beben beginne und alles Leben aus sich hergebe, in alle Adern, in den\nendlosen: Raum hinaus, wo alles leben undiisich freuen c will.« u l\nT c Der Steinmensch zuckte wieder die Achseln und argumentierte kühl: s\ni »Wenn wir. uns schon aufidas Gebiet der Biologie begeben,wollen wir\nuns damit« auchsinstreng wissenschaftlicher Weise beschäftigen. Die weißen\nBlutkörperchen schwimmen nicht deshalb umher, um das Herz-zum Bersten zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2880, "texte": "bringen, sondern um die roten« zu vernichten. So habe ich es in der Schule\ngelernt. Mir sind übrigens die Hauen in ihren Händen sehr verdächtig. Bevor\nSie endgültig Ihre Ansicht für richtig erklären, wollen wir uns ihre Bewegungen\ndoch etwas genauer betrachten. Mich dünkt, ich sehe auch dort, auf den Höhen,\nBewegung«\nTatsächlich stürzte auch von oben, vonden Berggipfeln, eine zweite Flut\nhinab, immer näher kamen einander die beiden Heere, wichen für Augenblicke\nzurück, blieben stehen und gerieten schließlich aneinander, durcheinander. Ein\nDrängen hub an, heftige Bewegung zeigte sich unter dem Vergrößerungsglas\ndie eine Weile anhielt, dann begann sich das strudelnde Gewühl langsam zu\nlegen, die Bewegung setzte aus, nur zuweilen zuckte noch hier und dort ein\nStaubkorn -— dann wurde es plötzlich ganz still und ohne Regung lagen die\nFelder da. Mit hervortretenden Augen schaute der, Mann noch lange hin, doch\nnichts rührte sich mehr. Nur die eisige Stimme des Steinmenschen klang ihm\nin den Ohren:\n. »Nun denn, die Hauen hieben wirklich nicht in das steinerne Erdherz, um\ndas Leben hervorzulockem Die Kleinen fielen über einander her und brachten\neinander gegenseitig zum Schweigen. Verstummt sind sie und liegen still auf\nder Erde, still wie die Erde selbst. Nur Sie streiten mit mir weiter, hart-\nnäckig und unvernünftig, die Tatsachen aber geben mir alle recht. Auch Ihre\nKleinen. Sie entstammten dem Stein und mußten wieder zu Stein werden.\nWas Sie jedoch Leben nennen wollen, Leben genannt.haben, das die Erde\nüberdauert, sie zerbricht und aus ihr hervordringt, war bloß einevorübew\ngehende Krankheit Ihres Herzen, dieser steinernen Kugel. Krankheitswürmer\neiner vorübergehenden Krankheit sind diese Staubkörper — wir wollen sie\nBazillen nennen, denn Sie sind ein Freund solcher wissenschaftlicher Vergleiche —\ndie Krankheitswürmer der reinen, ruhigen, starken Steiner, die einander ver-\nheeren, sich gegenseitig vor ihren Ausdünstungen eckeln, unklar fühlen, daß sie\nbloß die Krankenkrätze des Steines sind und vergehen müssen, damit die Erde\nwieder rein und ruhig werde« . «\nAlso sprach der Steinmensch, der Mann aber wandte, erstarrt und betäubt\ndie Augenab. , f , , . , ,\n»Nein, nein,« estammelte er dann, ,,dies geschah nur durch einen verhängnis-\nvollen Irrtum. . Irgend ein böser Geist hat dieUnglücklichen irregeführt s—-\nvielleicht waren es sogar Sie i— ja, Sie. haben etwas ins Mikroskope gegossen,\nwas die Unglückseligen verwirrte. Nein, und abermals nein . Nicht kranke\nKrankheitswürmer sind sie . das Blut sind sie, das in den Adern fließt . . .\nDoch sie waren noch unentwickelte, zu schwach, besaßen nicht die Kraft, sich von\nder Oberfläche der Erde, über mein Herz hinaus zu erheben. . . Deshalb ver-\nnichteten sie einander gegenseitig, um Besserem Stärkeren, Echteren Platz zu\nmachen, die sich einporschwingen, davonfliegen werden! -Wir müssen warten,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2737, "texte": "auf jene warten, die nach ihnen kommen werden, die die Guten und Wahren\nsind . . . Wir müssen warten . . . bis alles ruhig wird . . .«\nEr schloß die Augen und wartete, wie es ihm schien, an die tausend Jahre.\nDann neigte er sich wieder zögernd und besorgt über das Instrument.\n»Nun schauen Sie hin!« rief er vor Aufregung bebend dem Steinmenschen\nzu. »Sie leben wieder und bewegen sich . . . \" Mit Bohrern und Meißeln bohren\nund zermeißeln sie die Erde. Jetzt haben« sie den Blitz eingefangen und reiten\nauf ihm . . . Sie erklimmen die Berge und schauen uns kühn. ins Angesicht . ..\nund jetztl . . . Oh . . . sie haben Flügel . . . wollen diese entfalten . . . Es gelang\nnicht . . . doch . . . doch . . . einer erhob sichbereits in die Lüfte .t . . ein zweiter\nfolgt ihm . Triumph! . . . Triumph! . . . Ein ganzes-Heer erhebt sich . . . gen\nHimmel . . . sie fliegen! Verlassen die Erde! Dort! Dort, über den Gipfeln der\nAlpen schweben sie . . . Gebrochen sind die Fesseln des Steinesl . . . Es lebt . . .\nes bewegt . . . es siiegt das Leben . . . trotzdem . . . trotz all dem . «. .«\nDie emporquellenden Worte wollten ihn ersticken, dafühlte er, wie sich\nihm die eiskalte Hand des Steinmenschen auf die Stirne legte. «\n,,Nur Ruhe,« sagte der Steinmenfch, ,,warten Sie doch wenige Minuten\nab. Vielleicht werden sie doch nicht gen Himmel fliegen. Ich kenne sie besser . . .«\nDer Mann wollte antworten, vermochte es aber nicht, denn s eine Kehle war\nzusammengeschnürt . . . noch immer schraubte er krampfhaft am Mikroskop . . .\nBlauer Himmel tauchte vor ihm auf, tief unten die Gipfelider Berge.\nDazwischen hoben sich in regelmäßigenReihen die Luftschisse und strebten in\nsicherem Flug nach Norden . . . Er ließ. seine Blicke den Dahinsliegenden folgen . . .\nund sah, wie sich vom fernen Horizont ein zweites Luftgeschwader abhob . . .\nDie Flieger kamen einander näher, kaum fünf bis sechs Kilometer trennen sie . . .\nschon sieht man die bemützten Köpfe der Piloten . da dröhnt jählings Donner\nauf . . . Ein Flugzeug der feindlichen Flotte stürzt nieder, schmettert, sich über-\nschlagend, in die Tiefe. Die Flugzeuge geraten immer stärker aneinander und\nringsum dröhnt zum Irrsinn treibendes Getöse. Der Reihe nach stürzen die\nFlugzeuge ab . . . nach Minuten kämpfeit ihrer nur noch zwanzig . . . zehn . . .\nfünf. . . nur ein einziges noch erhält sich in der Luft . . . dann ist es aus . . .\nStill und ruhig leuchtetdas blaue Himmelszelt.l. .\n»Sehen Sie nun ein, daß der Stein die Steine zu sich nieder zieht?«\nDer Verwundete wollte nach Hilfe schreien. »Wasser!« sorief er. Doch\nbevor noch der Wärter herbeieilte, war. sein Herzstarr geworden.\n\nFriedrich Karinthy\n(Einzig berechtigte Uebertragung aus dem Magyarischeii von Stefan I. Klein)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_02#c006", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.2.5", "titre_corps": "Du hebst dein gramgedunkeltes Gesicht,", "titre_sommaire": "Du hebst dein gramgedunkeltes Gesicht,", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1023, "texte": "Paul Zech\nDu hebst dein gramgedunkeltes Gesicht,\nhebst deine Zitterhand und klagst mich an;\nich fühle wie mir jedes Wort zerbricht,\ndas ich mir, dich zu trösten, vorersann.\nEs klafft ein Riß jetzt zwischen dir und mir,\nden keine Trostung wölbend überbrückc\nEs weht kein Hauch durch diese Råume hier,\naus dem nichts Drohendes zu mir sich zückt.\nIch fühle mich mit allem schuldig, ja!\nWeiß, daß es meine spitze Kugel war,\ndurch die dies Ungeheuere geschah ——:\nschlaflose Nachtsund Reif in deinem Haar,\nein liebewarm Umhegtes plötzlich kalt\nund irgendwo verscharrt im fremden Sand . . .\nzWas weinst du? Warum brauchst du nicht Gewalt?\nDurchbohre meine Seite, meine Hand:\nschlag mich an alle Lkreuze dieser Welt! l\nLösch meinen, Namen aus der Menschheit Buch\nund streu mich,schon gerichtet und zerschelly\nstreusmeineÅAschüe noch in jeden Fluch . . . , n\nDir aber wachs aus Christi Wunder die Passion\nzu, der Geburt, um diesich Sterne drehn, »\nder Sohn, durch den» wie brausenderposaunenton\ndie Götterhimmel aller Erdengehn- i «"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02-c008", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_02#c008", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "146", "page_fin": "148", "image_debut": 10, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.2.7", "titre_corps": "ir sahen uns bei Ausbruch des Kriegs in einen außergewöhm", "titre_sommaire": "ir sahen uns bei Ausbruch des Kriegs in einen außergewöhm", "signature_source": "Hetta Mayr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2689, "texte": "ir sahen uns bei Ausbruch des Kriegs in einen außergewöhm\nlichen Zustand versetzt und die Frage tauchte auf, ob wohl\nwir Deutfche außergewöhnlich darauf reagiert hätten und ob,\ndies zugegeben, Dauer der Wefensumwandlung Recht geben\nwürde.\nBeim Eintreten ungewohnter Lebensbedingungen ebben alle Spitzen in die\nGrundmasse zurück; die Spielarten beziehen sich auf die Art, und in der ver-\nänderten Luft richtet sich der Organismus auf nichts als aufs Atmen ein-\nsodaß ein jeder dem andern ähnlich funktioniert. Das nationale Bewußtsein\nverbrüderte Bürger und Virtuosen, Zzändler und Abenteurer und nicht bloß\nin Wünschen, die sich bei getrennten Wegen auf ein gleiches Ziel richteten,\nsondern die Gangart aller wurde geregelt, die des Ueberbildeten veredelte, des\nUnwissenden belebte sich. Doch kaum waren die Schwierigkeiten des Anpassens\nüberwunden, drängten die persönlichen Verschiedenheiten in die alten Rechte\nund jeder richtete sich im ungewöhnlichen gewöhnlich ein.\nWir kommen zu der Vermutung, daß das Ungeheure nichts ist als Nicht-\nbeziehung zu uns, da es seine Schrecken verliert, sobald es mit uns selbst in\nVerbindung tritt. Wir erfahren im Kleinen und im Großen, daß alles sein\nGesicht wechselt, je nachdem es außer uns steht, uns anblickt und sich anblicken\nläßt, oder im Verschmolzensein mit uns des Blickens nicht mehr fähig ist. Bin\nich in eine drohende Larve hineingeschlüpft, gibt sie sich zu erkennen als Fleisch\nvon meinem Fleisch. Das Mordwerkzeug, das ich mir vorstelle, übersteigt das\nGefühl der Erträglichkeiy weil es mir wesensfremd ist; die Kugel, die mich\ngetroffen hat, wird ein Vorgang in meinem Körper, ähnlich anderen Vorgängen,\nihnen nur durch den Grad Unähnlich, meiner Natur sich einordnend, von allen\nSeiten her auf mich bezogen. Sogar der Gefolterte findet die Folter in sich\nselbst und, hat er Zeit, ordnet er die Qual in sich hinein, und auch de.r Tod,\nder nach den Gesetzen der Natur in exakter Reihenfolge verläuft, ohne beim\nAbrollen zu unserm mitrollenden Gefühl in Gegensatz zu treten, istuns an-\ngepaßt, und das verlassene Leben würde uns unnatürlich sein, wäre dem Toten\neine solche Vorstellung zugänglich. Kampf herrscht nur, wo der vergehende\nmit dem eintretenden Zustand um das Uebergewicht streitet.\nJst nun der Sprung von dem sogenannt natürlichen zu dem sogenannt\nunnatürlichen Zustand schwer zu nehmen, so geht es auch zurück nicht ohne\nGewalt. Die ins Gewohnte gerissene Lücke wächst zu und kehrt das Entrissene\nzurück, sindet es seinen Platz nicht mehr und soll es eingezwängt werden, muß\nman die Hecke neu aufreißen. So wird der Frieden nach dem dreißigjährigen\nKriege, der als Richtungspunkt den Lebenden verloren gegangen war, eine"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2668, "texte": "Erschütterung aller gewohnten und berechenbaren Verhältnisses mit sich gebracht\nhaben. Wir verhüten nur dann das Verwachsen der verstörten Beziehungen\nzu neuer Ordnung, wenn wir die Lücke als Durchfahrt für den Störer ossens\nhalten; so marschiert uns Ietzigen der Krieg als Passant durch das aufgebrochene\nGehege; es bleibt Frieden zu beiden Seiten und hält der erhossten Rückkehr\nder Friedensgegenwart die Mitte offen.\nNun fragt es sich, ob die Erfahrung des Kriegs das menschliche Wesen\nverändern konnte. Nach dem Ausgeführten ist dies im Wesentlichen nicht an-\nzunehmen, denn in jede Erfahrung wird der Mensch sich selbst hineinrichten.\nJene, denen die Fähigkeit sich selbst zu wandeln als Wesensbestandteil bereits\nin die Wiege gelegt ist, kann eine verlorene Schlacht nicht anders umgestalten,\nals ein verlorenes Blatt im Wind, dem das Gefühl zufällig gefolgt war; sie\nsind nicht durch die Erfahrung, sondern von vornherein verwandelt, die Um-\nstände sind nur die Schnur, daran sie sich entlang tasten, und nicht von ihnen\nist die Rede. Diejenigen aber, denen die Erfahrung nur eine quantitative\nVermehrung des bisherigen Bestandes ist, ändern mit der Situation die darauf\neingestellte Wesensrichtung\nWas wir vom menschlichen Wesen im allgemeinen annehmen, ist bei deut-\nsther Art besonders zutreffend.. Sicher werden temperamentvollere Völker\nschneller in ihren weniger zähen Wurzeln gelockert: der Deutsche ist eine\nschwere Masse, die, aufgepeitscht, sich für einen Augenblick furchtbar bäumt,\ndann aber in die nach außen träg scheinende Ruhe zurückdrängt.\n1870 gibt uns Recht. ,Wir kennen alte Veteranen, welche die auch jetzt sich\nereignenden Wesensveränderungen durchgemacht haben; sie sind heute ihren\nMitbürgern gleich. Ihre Bräute von damals sind heute ihren niemals aus\nder kleinen Sicherheit gerissenen Mitbürgerinnen gleich.\nDie Unfähigkeit der Umstände den Menschen dauernd über sein ihm ge-\nstecktes Maß hinauszutreiben, ist die Gewähr langen nationalen Lebens. Ein\nlanges Bestehen ist die erste Bedingung ausgedehnter Möglichkeiten, es ist das\ngroße Feld, auf dem eine Generation nach der anderen ihre Scholle langsam\nergreift, festhält, verteidigt, immer nur dieselbe durchackert und der folgenden\nfeindlich ist. Dadurch wird langsam das ganze Feld gründlich fein durch«\ngebildet, und kein in die Grenzen der Bearbeitung endlich hereingerungenes\nZzäusiein neuen Bodens ist auf Sand gebaut. Wo jeder einzelne sein geringes\nErbteil festhält, ist der Weltenhaushalt behindert Luftsprünge zu machen und\nnur das nötig Gewordene setzt sich durch; der Ueberschuß neugestaltender\nKräfte jedoch wird zu keinem nutzlosen Spiel ins Hierhin und Dorthin: scharf"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1148, "texte": "abrändernd bewegt sich die Spirale der aufsteigenden und immer mehr befreien-\nden Ausdrucksform um die knappe Notwendigkeit hinauf zur nackten Geistigkeit\nDiese haushälterische Eigenschaft ist es, um die unser deutsches Wesen den\nSpott der Völker erleidet und die zugleich den Ruhm seiner Ueberlegenheiy\nden die Völker in ihren Angriffen bekennen, zusammenhält. Michel, dem die\neigne Familie nichts recht machen kann, zieht bewundernd die Mütze vor den\nreichen Reden der anderen, bestaunt ihre glänzenden Erzeugnisse und empsindet\npeinlich, daß er der Michel ist; er geht an seines Tages Lohnwerk, weil ihm\nnichts anderes übrig bleibt und weiß gar nicht, daß er tätig ist, zu selbst-\nverständlich ist das seine:\nwenn aber sein mühsames Gefüge plötzlich über die dienenden Hände hin·\nweg wie aus sich selbst heraus aufzusteigen, sich zu bauen und zu runden beginnt,\ndie Werkzeuge spielend hin und her bewegend und dennoch der ersten Absicht\nuntertan, dann sieht der Michel sich verblüsst nach den überirdischen Helfern\num und merkt, daß ganz Walhall sich um ihn her bewegt und ihm die Speicher-\nkammer des nationalen Genius aufgetan hat.\n\nHetta Mayr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_02#c011", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "150", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.2.9", "titre_corps": "Die schlüpften aus Stroh-Säcken, als sie rief", "titre_sommaire": "Die schlüpften aus Stroh-Säcken, als sie rief", "signature_source": "Johannes R. 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Wie Föhn das Hurra knurrt.\nEin Bienenstock der Wald, der sinstere, schnurrt.\nDer Säbel spritzt. Ein Halleluja kotzt -—-: Engländer!\nDa reißen Pferde in die Himmel brüllend.\nDie Bäuche Höhlen zackig aufgeschlitzn\nAuf ScharlaclyRücken eine Puppe sitzt.\nSie schwenktden Helm. Sich vor Gelächter schüttelnd.\nDurch leeren Raum das schwarze Dröhnen tackt.\nPlötzlich ein Knali. Es springen jäh die Böden.\nDampf wischt und Staub. Ein langes Röcheln hackt.\nSich auf den Fluß des Herbstes Nebel löten.\nDraus quillen Scheine manchmal. Ducken Schatten quer.\nEs stampft. Und packt und töst der Ruf der Wachen.\nRegen schleicht. In triefender Nächte Rachen\nWälzt ein Klotz, vom Firmament bestickt, das Heer."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02-c013", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_02#c013", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.2.11", "titre_corps": "Inhalt des Heftes 7:", "titre_sommaire": "Inhalt des Heftes 7:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 353, "texte": "Inhalt des Heftes 7:\nWilly Geiger - Orig.-Steindruck J Martin Buber —— Das Gleichzeitige J\nGeorg Trakl — Die Nacht J Paul Klee -—— Orig.-Steindruck J Max:\nScheler —— Krieg und Tod J Fritz Feigl «— Orig.-Steindruck J Gottfried\nKölwel -——— Seit jener Nacht gefpenstert es . . . J Annette Kolb -— Briefe\nan einen Toten J Richard Seewald —— Orig.-Steindruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02-c014", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_02#c014", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.2.12", "titre_corps": "Inhalt des Heftes 8:", "titre_sommaire": "Inhalt des Heftes 8:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.16", "debut_caractere": 355, "fin_caractere_exclue": 672, "texte": "Inhalt des Heftes 8:\nFranz Dålberg -— Deutfches Neujahr 1915. Meiner Schwester Zzelene zszzorst-\nmann J Otto Flake ——— Barmherzigkeit (Novelle) J Max Feldbauer ——-— Orig-\nLithographie J R. Bocquey Dresden -——— An einen gefallenen Freund J Rudolf\nPaimwitz —- Aus der Werkstatt J Franz Heckendorf ——- Origkxxithographie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-02-02-c015", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-02_02#c015", "volume": "bmtnabb_1915-02_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.2.13", "titre_corps": "Inhalt des Heftes 9:", "titre_sommaire": "Inhalt des Heftes 9:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.16", "debut_caractere": 674, "fin_caractere_exclue": 1065, "texte": "Inhalt des Heftes 9:\nRenå Beet) —- Orig.-Steindruck J Walther Krug — Rechtfertigung J Edwin\nScharss —- Orig.-Steindruck J Hans Ryser —- Stimme der Schwermut J\nMax: Unold —- OrigØzolzfchnitt J Mechtild Lichnowsky —- Ein Brief J\nWilli Geiger —- Orig.-Steindruck J Ernst Wilhelm Lotz —Aufbruch der\nJugend J Richard Seewald ——- Orig.-Steindruck J Kurt Hiller —- Wir J\nOtto Kopp —— Origsteindruck"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.1", "texte": "Oskar Loerke\nm» stillen bangen Strom der Traurigkeiten\nTreibt mir ins Totenreich der Seelen weiße Frucht.\nUnd meine Seele kann den Strom nicht weit geleiten,\nWeil sie die Quelle ist in ungeftillter Nacht.\nMuß sie die wache sein, die unstillbare Quelle,\nSo weiß sie, wie sich auch der Unterlauf nicht stillt\nUnd ihre fernsten Weiten kehrt in fein Gefållq\nSelbst in den Frieden ihres Gartens Eden schwillt»\nSelbst draußen hat er schon die Aecker åberschwollen,\nEr scheint schon wie der tiefe Wind so tief zu sein;\nDas Eis der Wolken treibt auf ihm schon große Schollen\nDie schlafen endlich auf den Traurigkeiten ein.\nZu Schlafe ist im Leidstrom alles eingegangen,\nBeschwert. -——-— Doch ist ein Halm nur wie ein Halm beschwert,\nEin Tier wie Tiere, Menschen, wie sie ur-einst angefangen.\nDer bange Strom ist in die Quelle umgekehrt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.2", "texte": "Albert Ehrenstein\nDie Welt möcht’ ich zerreißen,\nsie Stück für Stück zerglüh’n\nan meinem lebensheißen\nund todesstarken Sinn.\nIch habe Land getötet, »\nund Meer dazu, wieviel!\nIch habe Menschen getötet,\nund weiß kein Ziel. a\nUnd neue Sehnen wachsen,\nund neue Kraft ertost.\nvorwärts! Mit tausend Achsen,\n-——-- eh’ mir die Pest raubt West und Ost."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.4", "texte": "Durch drei Tage sprach der Mann von der Schlacht. Verlangte abwechselnd\nWasser und feinen Säbel, kommandierte zum Sturm und redete viel von einem\nWald, in dem sich der Feind verborgen hält. Dann forderte er weinend, man\nmöge dem Major eine wichtige Meldung überbringen. Am vierten Tag beruhigte\ner sich, da wurde ihm zu Mute, als läge er auf der Spitze eines felsigen Berges,\nauf kaltem Schnee, unermeßlich hoch und seit langer, langer Zeit, im Gespräche\nmit dem steinernen Menschen, als habe es« nie etwas anderes gegeben, nur diese\nvers chneite Bergs pitze, auf der sie schon seit Jahren sitzen und miteinander streiten.\nSpöttelnd und mit bedauernder Ueberlegenheit brachte der Steinmensch\nseine Beweise vor, der Mann aber debattierte mit Leidenschaft. Der endlose\nStreit drehte sich darum, daß er sein Herz erklärte und dem Steinmenschen\nvoll Leidenschaft bewies, s ein Herz sei aus Fleisch, müsse sich bewegen und pochen,\nweil in ihm Leben. Der Steinmensch wehrte mit geringschätzigen Handbewe-\ngungen ab, lächelte spöttisch und nahm dann mit einem Griss das Herz des\nMannes aus der Brust.\n»Nun schauen Sie selbst, Sie Unglücksmensch, der Sie um jeden Preis mit\nmir streiten wollen. . . BetrachtenSie Ihr Herz genau -—— es ist aus Stein«\nQualerfüllt rasste sich der Mann auf und betrachtete sein Herz —- dort lag\nes in der Hand des Steinmenschen und bewegte sich tatsächlich nicht.\n,,Zeigen Sie es mir, geben Sie es näher zu mir,« keuchte er in hartnäckigem\nBeharren.\n,,Nach Belieben . . . es steht Ihnen auch ein Mikroskop zur Verfügung«\nerwiderte der Steinmensch achselzuckend.\n,,Sehr wohl,« setzt der Mann den Streit fort, »ein Mikroskop ist unbedingt\nnotwendig, wenn man etwas sehen will. . . . Haben Sie denn nicht von den\nroten und weißen Blutkörperchen gehört? Diese sind es, die im Herzen zirku-\nlieren, und um sie zu sehen, benötigt man ein Vergrößerungsglas. Geben Sie’s\nher und ich beweise Ihnen sofort, daß sie sich bewegen«\nWieder zuckte der Steinmensch und richtete ihm das Mikroskop zurecht.\n»Natürlich . . . unter dem Vergrößerungsglas ist es rund,« sagte der Mann\nverständnisvoll, ,,und auch nicht mehr rot von Farbe«\nDas Herz war unter dem Objektiv des Mikroskops auch wirklich kugel-\nförmig, und als sich seine Augen an die Beleuchtung des Instrumentes gewöhnt\nhatten, tauchten auf der Oberstäche der Kugel launenhafte Zeichnungen und\nFarbenflecke auf. Die Linien schienen ihm bekannt und er unterschied mit\nErstaunen zuerst die Umrisse von Spanien, dann die s kandinavische Halbinsel\nund das Mittelländische Meer, die er so oft auf der Landkarte gesehen.\n»Ich verstehe, ich verstehe,« stammelte er verwirrt, denn der Steinmensch\nlächelte wieder triumphierend, ,,natürlich, nun natürlich, die Materie, die Erd«\nkugel selbst, ist aus Stein.«\n,,Verzeihung, wir reden von Ihrem Herzen«"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.5", "texte": "»Nun gut, sagen wir also mein Herz . . . doch das ist wohl einerlei . . .\nbetrachte« ich es durch das Mikroskop, wird es zur Erdkugel, zur E rd e. Sagen\nwir also, mein Herz ist aus Stein . . . aber das Blut, das zirkulierende Blut . . .\ndie roten Blutkörperchen . . . und die weißen . . . leben und bewegen sich . . .\ndringen ins» Herz und aus ihm hinaus, zerströmen in den Adern, fließen frei\ndahin und übersluten alles. Das Blut . . . das Blut ist nicht aus Stein und\nmuß selbst den Stein erbeben lassen, wenn es in ihm aufwühlend erpocht ...«\nDer Steinmensch zuckte die Achseln:\n,,Wohlan, schauen wir nach, wo das Blut ist und wo es hervorsprudelt.«\nWieder neigte sich der Mann über das Mikroskop und mühte krampfhaft\ndie Augen, ob er nicht zwischen den toten versteinerten Linien etwas Leben\nfände. Oben, im Norden, über der Halbinsel, lag im weißen Todesfrieden Schnee,\naber tiefer, gegen Helgoland und die Niederlande zerflossen sanftere grüne\nFlecke —-— und dort . . . dort . . . um die spitz und kapriziös geschwungenen\nBuchten des Mittelmeeres war es, als ob . . . ja, nun sah er ganz klar, dort\nwar beginnende Bewegung.\n,,Schärser einstellen . . . schärfer einstellenl« -——- rief er in sieberhafter Er·\nregung, ,,damit es stärker vergrößerel«\nMit leisem Knirschen drehte sich die Mikrometerschraube und liefen die\nunscharfen Umrißlinien zu ausgedehnten Wiesen zusammen. Bergketten hoben\nsich ab, Flüsse tauchten auf, lang streckte sich die Halbinsel, voll Glück jauchzte\nder Mann auf, Bewegung herrschte in dem grünen Flachland. Tausend und\nabertausend winzige lebendige Staubkörner schlichen auf derWiese vorwärts\nund mitunter blitzte zwischen ihnen Leuchten auf. ,\n»Dorthinschauen Siel« sagte triumphierend der Mann, ,,dort bewegt sich\ndas Blut, das aus dem steinernen Erdherz hervordringt, um inden Adern zu\nverlaufen. . . . Ich kenne es . . . das köstliche, herrliche Blut . . . ich kenne diese\nStaubkörneu Klein sind sie von Ansehen und dem Anschein nach ohnmächtig\ndemungeheuren toten Gestein gegenüber —- doch warten Sie und haben Sie\nacht, was geschehen wird, wenn sie in Bewegung geraten. Drehen Sie die\nSchraube,damit das Mikroskop stärker vergrößere —-— nun sinddie kleinen\nBlutkörperchen auch schon einzeln zusehen, besitzen Kopf, Hände und Füße. . .\nSehen Sie, was in ihren Händen ist? . . . Spitzhauen, starkes Eisen, das sie\nmit ihrenweichen Händen vom harten Körper Ader Erde .rissen.OWiisen Sie,\nwozu diecHauen dienen? Damit wird das» harte steinerne Erdherz zerbrochen,\nzerrissen werden, auf daß alles Blut shervorstürze, das darin verborgen —- die\nErdezu beben beginne und alles Leben aus sich hergebe, in alle Adern, in den\nendlosen: Raum hinaus, wo alles leben undiisich freuen c will.« u l\nT c Der Steinmensch zuckte wieder die Achseln und argumentierte kühl: s\ni »Wenn wir. uns schon aufidas Gebiet der Biologie begeben,wollen wir\nuns damit« auchsinstreng wissenschaftlicher Weise beschäftigen. Die weißen\nBlutkörperchen schwimmen nicht deshalb umher, um das Herz-zum Bersten zu"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.6", "texte": "bringen, sondern um die roten« zu vernichten. So habe ich es in der Schule\ngelernt. Mir sind übrigens die Hauen in ihren Händen sehr verdächtig. Bevor\nSie endgültig Ihre Ansicht für richtig erklären, wollen wir uns ihre Bewegungen\ndoch etwas genauer betrachten. Mich dünkt, ich sehe auch dort, auf den Höhen,\nBewegung«\nTatsächlich stürzte auch von oben, vonden Berggipfeln, eine zweite Flut\nhinab, immer näher kamen einander die beiden Heere, wichen für Augenblicke\nzurück, blieben stehen und gerieten schließlich aneinander, durcheinander. Ein\nDrängen hub an, heftige Bewegung zeigte sich unter dem Vergrößerungsglas\ndie eine Weile anhielt, dann begann sich das strudelnde Gewühl langsam zu\nlegen, die Bewegung setzte aus, nur zuweilen zuckte noch hier und dort ein\nStaubkorn -— dann wurde es plötzlich ganz still und ohne Regung lagen die\nFelder da. Mit hervortretenden Augen schaute der, Mann noch lange hin, doch\nnichts rührte sich mehr. Nur die eisige Stimme des Steinmenschen klang ihm\nin den Ohren:\n. »Nun denn, die Hauen hieben wirklich nicht in das steinerne Erdherz, um\ndas Leben hervorzulockem Die Kleinen fielen über einander her und brachten\neinander gegenseitig zum Schweigen. Verstummt sind sie und liegen still auf\nder Erde, still wie die Erde selbst. Nur Sie streiten mit mir weiter, hart-\nnäckig und unvernünftig, die Tatsachen aber geben mir alle recht. Auch Ihre\nKleinen. Sie entstammten dem Stein und mußten wieder zu Stein werden.\nWas Sie jedoch Leben nennen wollen, Leben genannt.haben, das die Erde\nüberdauert, sie zerbricht und aus ihr hervordringt, war bloß einevorübew\ngehende Krankheit Ihres Herzen, dieser steinernen Kugel. Krankheitswürmer\neiner vorübergehenden Krankheit sind diese Staubkörper — wir wollen sie\nBazillen nennen, denn Sie sind ein Freund solcher wissenschaftlicher Vergleiche —\ndie Krankheitswürmer der reinen, ruhigen, starken Steiner, die einander ver-\nheeren, sich gegenseitig vor ihren Ausdünstungen eckeln, unklar fühlen, daß sie\nbloß die Krankenkrätze des Steines sind und vergehen müssen, damit die Erde\nwieder rein und ruhig werde« . «\nAlso sprach der Steinmensch, der Mann aber wandte, erstarrt und betäubt\ndie Augenab. , f , , . , ,\n»Nein, nein,« estammelte er dann, ,,dies geschah nur durch einen verhängnis-\nvollen Irrtum. . Irgend ein böser Geist hat dieUnglücklichen irregeführt s—-\nvielleicht waren es sogar Sie i— ja, Sie. haben etwas ins Mikroskope gegossen,\nwas die Unglückseligen verwirrte. Nein, und abermals nein . Nicht kranke\nKrankheitswürmer sind sie . das Blut sind sie, das in den Adern fließt . . .\nDoch sie waren noch unentwickelte, zu schwach, besaßen nicht die Kraft, sich von\nder Oberfläche der Erde, über mein Herz hinaus zu erheben. . . Deshalb ver-\nnichteten sie einander gegenseitig, um Besserem Stärkeren, Echteren Platz zu\nmachen, die sich einporschwingen, davonfliegen werden! -Wir müssen warten,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.7", "texte": "auf jene warten, die nach ihnen kommen werden, die die Guten und Wahren\nsind . . . Wir müssen warten . . . bis alles ruhig wird . . .«\nEr schloß die Augen und wartete, wie es ihm schien, an die tausend Jahre.\nDann neigte er sich wieder zögernd und besorgt über das Instrument.\n»Nun schauen Sie hin!« rief er vor Aufregung bebend dem Steinmenschen\nzu. »Sie leben wieder und bewegen sich . . . \" Mit Bohrern und Meißeln bohren\nund zermeißeln sie die Erde. Jetzt haben« sie den Blitz eingefangen und reiten\nauf ihm . . . Sie erklimmen die Berge und schauen uns kühn. ins Angesicht . ..\nund jetztl . . . Oh . . . sie haben Flügel . . . wollen diese entfalten . . . Es gelang\nnicht . . . doch . . . doch . . . einer erhob sichbereits in die Lüfte .t . . ein zweiter\nfolgt ihm . Triumph! . . . Triumph! . . . Ein ganzes-Heer erhebt sich . . . gen\nHimmel . . . sie fliegen! Verlassen die Erde! Dort! Dort, über den Gipfeln der\nAlpen schweben sie . . . Gebrochen sind die Fesseln des Steinesl . . . Es lebt . . .\nes bewegt . . . es siiegt das Leben . . . trotzdem . . . trotz all dem . «. .«\nDie emporquellenden Worte wollten ihn ersticken, dafühlte er, wie sich\nihm die eiskalte Hand des Steinmenschen auf die Stirne legte. «\n,,Nur Ruhe,« sagte der Steinmenfch, ,,warten Sie doch wenige Minuten\nab. Vielleicht werden sie doch nicht gen Himmel fliegen. Ich kenne sie besser . . .«\nDer Mann wollte antworten, vermochte es aber nicht, denn s eine Kehle war\nzusammengeschnürt . . . noch immer schraubte er krampfhaft am Mikroskop . . .\nBlauer Himmel tauchte vor ihm auf, tief unten die Gipfelider Berge.\nDazwischen hoben sich in regelmäßigenReihen die Luftschisse und strebten in\nsicherem Flug nach Norden . . . Er ließ. seine Blicke den Dahinsliegenden folgen . . .\nund sah, wie sich vom fernen Horizont ein zweites Luftgeschwader abhob . . .\nDie Flieger kamen einander näher, kaum fünf bis sechs Kilometer trennen sie . . .\nschon sieht man die bemützten Köpfe der Piloten . da dröhnt jählings Donner\nauf . . . Ein Flugzeug der feindlichen Flotte stürzt nieder, schmettert, sich über-\nschlagend, in die Tiefe. Die Flugzeuge geraten immer stärker aneinander und\nringsum dröhnt zum Irrsinn treibendes Getöse. Der Reihe nach stürzen die\nFlugzeuge ab . . . nach Minuten kämpfeit ihrer nur noch zwanzig . . . zehn . . .\nfünf. . . nur ein einziges noch erhält sich in der Luft . . . dann ist es aus . . .\nStill und ruhig leuchtetdas blaue Himmelszelt.l. .\n»Sehen Sie nun ein, daß der Stein die Steine zu sich nieder zieht?«\nDer Verwundete wollte nach Hilfe schreien. »Wasser!« sorief er. Doch\nbevor noch der Wärter herbeieilte, war. sein Herzstarr geworden.\n\nFriedrich Karinthy\n(Einzig berechtigte Uebertragung aus dem Magyarischeii von Stefan I. Klein)"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.8", "texte": "Paul Zech\nDu hebst dein gramgedunkeltes Gesicht,\nhebst deine Zitterhand und klagst mich an;\nich fühle wie mir jedes Wort zerbricht,\ndas ich mir, dich zu trösten, vorersann.\nEs klafft ein Riß jetzt zwischen dir und mir,\nden keine Trostung wölbend überbrückc\nEs weht kein Hauch durch diese Råume hier,\naus dem nichts Drohendes zu mir sich zückt.\nIch fühle mich mit allem schuldig, ja!\nWeiß, daß es meine spitze Kugel war,\ndurch die dies Ungeheuere geschah ——:\nschlaflose Nachtsund Reif in deinem Haar,\nein liebewarm Umhegtes plötzlich kalt\nund irgendwo verscharrt im fremden Sand . . .\nzWas weinst du? Warum brauchst du nicht Gewalt?\nDurchbohre meine Seite, meine Hand:\nschlag mich an alle Lkreuze dieser Welt! l\nLösch meinen, Namen aus der Menschheit Buch\nund streu mich,schon gerichtet und zerschelly\nstreusmeineÅAschüe noch in jeden Fluch . . . , n\nDir aber wachs aus Christi Wunder die Passion\nzu, der Geburt, um diesich Sterne drehn, »\nder Sohn, durch den» wie brausenderposaunenton\ndie Götterhimmel aller Erdengehn- i «"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.10", "texte": "ir sahen uns bei Ausbruch des Kriegs in einen außergewöhm\nlichen Zustand versetzt und die Frage tauchte auf, ob wohl\nwir Deutfche außergewöhnlich darauf reagiert hätten und ob,\ndies zugegeben, Dauer der Wefensumwandlung Recht geben\nwürde.\nBeim Eintreten ungewohnter Lebensbedingungen ebben alle Spitzen in die\nGrundmasse zurück; die Spielarten beziehen sich auf die Art, und in der ver-\nänderten Luft richtet sich der Organismus auf nichts als aufs Atmen ein-\nsodaß ein jeder dem andern ähnlich funktioniert. Das nationale Bewußtsein\nverbrüderte Bürger und Virtuosen, Zzändler und Abenteurer und nicht bloß\nin Wünschen, die sich bei getrennten Wegen auf ein gleiches Ziel richteten,\nsondern die Gangart aller wurde geregelt, die des Ueberbildeten veredelte, des\nUnwissenden belebte sich. Doch kaum waren die Schwierigkeiten des Anpassens\nüberwunden, drängten die persönlichen Verschiedenheiten in die alten Rechte\nund jeder richtete sich im ungewöhnlichen gewöhnlich ein.\nWir kommen zu der Vermutung, daß das Ungeheure nichts ist als Nicht-\nbeziehung zu uns, da es seine Schrecken verliert, sobald es mit uns selbst in\nVerbindung tritt. Wir erfahren im Kleinen und im Großen, daß alles sein\nGesicht wechselt, je nachdem es außer uns steht, uns anblickt und sich anblicken\nläßt, oder im Verschmolzensein mit uns des Blickens nicht mehr fähig ist. Bin\nich in eine drohende Larve hineingeschlüpft, gibt sie sich zu erkennen als Fleisch\nvon meinem Fleisch. Das Mordwerkzeug, das ich mir vorstelle, übersteigt das\nGefühl der Erträglichkeiy weil es mir wesensfremd ist; die Kugel, die mich\ngetroffen hat, wird ein Vorgang in meinem Körper, ähnlich anderen Vorgängen,\nihnen nur durch den Grad Unähnlich, meiner Natur sich einordnend, von allen\nSeiten her auf mich bezogen. Sogar der Gefolterte findet die Folter in sich\nselbst und, hat er Zeit, ordnet er die Qual in sich hinein, und auch de.r Tod,\nder nach den Gesetzen der Natur in exakter Reihenfolge verläuft, ohne beim\nAbrollen zu unserm mitrollenden Gefühl in Gegensatz zu treten, istuns an-\ngepaßt, und das verlassene Leben würde uns unnatürlich sein, wäre dem Toten\neine solche Vorstellung zugänglich. Kampf herrscht nur, wo der vergehende\nmit dem eintretenden Zustand um das Uebergewicht streitet.\nJst nun der Sprung von dem sogenannt natürlichen zu dem sogenannt\nunnatürlichen Zustand schwer zu nehmen, so geht es auch zurück nicht ohne\nGewalt. Die ins Gewohnte gerissene Lücke wächst zu und kehrt das Entrissene\nzurück, sindet es seinen Platz nicht mehr und soll es eingezwängt werden, muß\nman die Hecke neu aufreißen. So wird der Frieden nach dem dreißigjährigen\nKriege, der als Richtungspunkt den Lebenden verloren gegangen war, eine"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.11", "texte": "Erschütterung aller gewohnten und berechenbaren Verhältnisses mit sich gebracht\nhaben. Wir verhüten nur dann das Verwachsen der verstörten Beziehungen\nzu neuer Ordnung, wenn wir die Lücke als Durchfahrt für den Störer ossens\nhalten; so marschiert uns Ietzigen der Krieg als Passant durch das aufgebrochene\nGehege; es bleibt Frieden zu beiden Seiten und hält der erhossten Rückkehr\nder Friedensgegenwart die Mitte offen.\nNun fragt es sich, ob die Erfahrung des Kriegs das menschliche Wesen\nverändern konnte. Nach dem Ausgeführten ist dies im Wesentlichen nicht an-\nzunehmen, denn in jede Erfahrung wird der Mensch sich selbst hineinrichten.\nJene, denen die Fähigkeit sich selbst zu wandeln als Wesensbestandteil bereits\nin die Wiege gelegt ist, kann eine verlorene Schlacht nicht anders umgestalten,\nals ein verlorenes Blatt im Wind, dem das Gefühl zufällig gefolgt war; sie\nsind nicht durch die Erfahrung, sondern von vornherein verwandelt, die Um-\nstände sind nur die Schnur, daran sie sich entlang tasten, und nicht von ihnen\nist die Rede. Diejenigen aber, denen die Erfahrung nur eine quantitative\nVermehrung des bisherigen Bestandes ist, ändern mit der Situation die darauf\neingestellte Wesensrichtung\nWas wir vom menschlichen Wesen im allgemeinen annehmen, ist bei deut-\nsther Art besonders zutreffend.. Sicher werden temperamentvollere Völker\nschneller in ihren weniger zähen Wurzeln gelockert: der Deutsche ist eine\nschwere Masse, die, aufgepeitscht, sich für einen Augenblick furchtbar bäumt,\ndann aber in die nach außen träg scheinende Ruhe zurückdrängt.\n1870 gibt uns Recht. ,Wir kennen alte Veteranen, welche die auch jetzt sich\nereignenden Wesensveränderungen durchgemacht haben; sie sind heute ihren\nMitbürgern gleich. Ihre Bräute von damals sind heute ihren niemals aus\nder kleinen Sicherheit gerissenen Mitbürgerinnen gleich.\nDie Unfähigkeit der Umstände den Menschen dauernd über sein ihm ge-\nstecktes Maß hinauszutreiben, ist die Gewähr langen nationalen Lebens. Ein\nlanges Bestehen ist die erste Bedingung ausgedehnter Möglichkeiten, es ist das\ngroße Feld, auf dem eine Generation nach der anderen ihre Scholle langsam\nergreift, festhält, verteidigt, immer nur dieselbe durchackert und der folgenden\nfeindlich ist. Dadurch wird langsam das ganze Feld gründlich fein durch«\ngebildet, und kein in die Grenzen der Bearbeitung endlich hereingerungenes\nZzäusiein neuen Bodens ist auf Sand gebaut. Wo jeder einzelne sein geringes\nErbteil festhält, ist der Weltenhaushalt behindert Luftsprünge zu machen und\nnur das nötig Gewordene setzt sich durch; der Ueberschuß neugestaltender\nKräfte jedoch wird zu keinem nutzlosen Spiel ins Hierhin und Dorthin: scharf"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.12", "texte": "abrändernd bewegt sich die Spirale der aufsteigenden und immer mehr befreien-\nden Ausdrucksform um die knappe Notwendigkeit hinauf zur nackten Geistigkeit\nDiese haushälterische Eigenschaft ist es, um die unser deutsches Wesen den\nSpott der Völker erleidet und die zugleich den Ruhm seiner Ueberlegenheiy\nden die Völker in ihren Angriffen bekennen, zusammenhält. Michel, dem die\neigne Familie nichts recht machen kann, zieht bewundernd die Mütze vor den\nreichen Reden der anderen, bestaunt ihre glänzenden Erzeugnisse und empsindet\npeinlich, daß er der Michel ist; er geht an seines Tages Lohnwerk, weil ihm\nnichts anderes übrig bleibt und weiß gar nicht, daß er tätig ist, zu selbst-\nverständlich ist das seine:\nwenn aber sein mühsames Gefüge plötzlich über die dienenden Hände hin·\nweg wie aus sich selbst heraus aufzusteigen, sich zu bauen und zu runden beginnt,\ndie Werkzeuge spielend hin und her bewegend und dennoch der ersten Absicht\nuntertan, dann sieht der Michel sich verblüsst nach den überirdischen Helfern\num und merkt, daß ganz Walhall sich um ihn her bewegt und ihm die Speicher-\nkammer des nationalen Genius aufgetan hat.\n\nHetta Mayr"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.14", "texte": "Johannes R. Becher\nDie schlüpften aus Stroh-Säcken, als sie rief\nTrompeten Schrei vor sturmzerkratzte Wüste.\nKanonen setzten, stolpernde Gerüstq .\nSchon schwirrend in der Straßen Kurve schief.\nSie stießen gen ein Dorf in blendend Helles.\nAnschoben Häuser bellende Fassadem\nOb kleiner Hügel links rauchender Welle\nAufgeglänzt durch Sonne Kürassiere waren.\nMählich schwellen breit der Salven Chöre.\nEine Hecke windet brennend. Schrumpft.\nLinien hüpfen. Rinnen. Hockt.\nEs stechen Knäuel um des Grabens Röhre.\nDort wimmeln fah! die neuen Regimenter.\nEin Säbel spritzt. Wie Föhn das Hurra knurrt.\nEin Bienenstock der Wald, der sinstere, schnurrt.\nDer Säbel spritzt. Ein Halleluja kotzt -—-: Engländer!\nDa reißen Pferde in die Himmel brüllend.\nDie Bäuche Höhlen zackig aufgeschlitzn\nAuf ScharlaclyRücken eine Puppe sitzt.\nSie schwenktden Helm. Sich vor Gelächter schüttelnd.\nDurch leeren Raum das schwarze Dröhnen tackt.\nPlötzlich ein Knali. Es springen jäh die Böden.\nDampf wischt und Staub. Ein langes Röcheln hackt.\nSich auf den Fluß des Herbstes Nebel löten.\nDraus quillen Scheine manchmal. Ducken Schatten quer.\nEs stampft. Und packt und töst der Ruf der Wachen.\nRegen schleicht. In triefender Nächte Rachen\nWälzt ein Klotz, vom Firmament bestickt, das Heer."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191502-02.1.16", "texte": "Inhalt des Heftes 7:\nWilly Geiger - Orig.-Steindruck J Martin Buber —— Das Gleichzeitige J\nGeorg Trakl — Die Nacht J Paul Klee -—— Orig.-Steindruck J Max:\nScheler —— Krieg und Tod J Fritz Feigl «— Orig.-Steindruck J Gottfried\nKölwel -——— Seit jener Nacht gefpenstert es . . . J Annette Kolb -— Briefe\nan einen Toten J Richard Seewald —— Orig.-Steindruck\n\nInhalt des Heftes 8:\nFranz Dålberg -— Deutfches Neujahr 1915. Meiner Schwester Zzelene zszzorst-\nmann J Otto Flake ——— Barmherzigkeit (Novelle) J Max Feldbauer ——-— Orig-\nLithographie J R. Bocquey Dresden -——— An einen gefallenen Freund J Rudolf\nPaimwitz —- Aus der Werkstatt J Franz Heckendorf ——- Origkxxithographie\n\nInhalt des Heftes 9:\nRenå Beet) —- Orig.-Steindruck J Walther Krug — Rechtfertigung J Edwin\nScharss —- Orig.-Steindruck J Hans Ryser —- Stimme der Schwermut J\nMax: Unold —- OrigØzolzfchnitt J Mechtild Lichnowsky —- Ein Brief J\nWilli Geiger —- Orig.-Steindruck J Ernst Wilhelm Lotz —Aufbruch der\nJugend J Richard Seewald ——- Orig.-Steindruck J Kurt Hiller —- Wir J\nOtto Kopp —— Origsteindruck\n\nHerausgegeben von Otto HaaespHeye\nBerlin ! Pariser Platz 7\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nFriedrich M. Huebner\nKraftfahrsRekrutewDepot\n1Il. Kompagnie J München\nVeranwortlich für die künstlerische Leitung\nO. Tl). W. Stein\nMünchen J Ainmillerstn 17\nFür unverlangte Einsendungen keine Gewähr.\nIn Gsterreich für die Redaktion verantwortlich Hugo Zzelley Wien, l,\nBauernmarkt 3"}]}