{"numero_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_sha256": "6f38f8144f97e5ba74bd3ef5733cfb12e6370e9238a9bd60a709752d9912f323", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1915/05_02/bmtnabb_1915-05_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1915/05_02/bmtnabb_1915-05_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-05_02#c002", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "234", "page_fin": "236", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.2.2", "titre_corps": "an ist geneigt, Englands Mitwirkung bei dem großen", "titre_sommaire": "an ist geneigt, Englands Mitwirkung bei dem großen", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2948, "texte": "an ist geneigt, Englands Mitwirkung bei dem großen\nKriege einfach auf Böswilligkeit —- besonders auf Neid ———\nzurückzuführen. Das scheint mir vollkommen falsch zu\nsein; ein guter Geschåftsmann läßt sich nicht von Ge-\nfühlen bestiimnenz das wäre zu menschlich. England ift\nseit mindestens zehn Jahren von der Bedeutung der Unter-\nseebote überzeugt. Und diese Ueberzeugung brachte die\nenglischen Staatslenker dazu, Gegenmittel zu ergreifen.\nUnd diese wurden nach und nach zum großen Krieg gegen Deutschland, der meines\nErachtens nichts andres ist als ein Schritt der rabiat gewordenen Verzweiflung.\nDie Englånder —- d. h. die lenkenden englischen Staatsleute ——- haben\nlångst die ungeheure Bedeutung der unsichtbaren Feinde (eben der Untersee-\nboote) eingesehen. Und die weitblickenden Staatslenker haben die einzig richtigen\nFolgerungen gezogen. Und diese Folgerungen sind eben ganz besonders die\nErkenntnis, daß die Herrlichkeit der Seemåchte eben zu Ende ist.\nAuf ihrer Insel oder auf ihren beiden Inseln sind die Bewohner, wenn\ndie Zufuhr wegfålltz nicht mehr zu ernähren. Das wissen die englischen Staats-\nlenker ganz genau; sie wissen auch, daß ihnen ihre ganze große Flotte den\nunsichtbaren Feinden (dcn Unterseebooten) gegenüber nicht fest bleiben kann.\nDeshalb haben die Englånder ihre riesengroßen Schiffe gebaut —— nicht\nzum Kampfe, sondern nur als eine Bedrohung Und —- die andern Staaten\nsollten sich dazu verführen lassen, auch diese übersiüssigen Riesenschisse zu bauen.\nDeutschland hat das nicht in dem Maße getan, in dem es gewünscht wurde.\ns England wollte, wenn es möglich wäre, was vom europåischen Festlande\nhaben —- Teile vom Kontinent schienen ihnen bald als Epistenzbedingung Solange\ndie heute waltenden Staatslenker an der Regierung bleiben, werden die Kon-\ntinentalziele wirksam bleiben. Es ist garnicht anders möglich; England ist eben\nviel zu klein für seine Bewohner; zwangsweise lassen sich die garnicht behandeln;\nam allerwenigsten sind die Bewohner in die Kolonien zu senden.\nSo entstand also der rabiate Verzweisiungsschritt zum großen Kriege.\nUnd da hat man sich denn doch verrechnet. \"\nJapan und die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind in einer ähn-\nlichen Lage wie England. Aber Nordamerika ist ein sehr großes Land und\nlaßt sich sehr wohl anbauen. Die Vereinigten Staaten würden bei Verlust\nihrer ganzen Flotte garnicht viel verlieren; die Amerikaner können jederzeit\nein Volk werden, das seinen Acker bestellt und seine Viehherden vergrößert.\nJapan ist dagegen schon schwieriger geftelltz in« China und Indien wird man\njapanischen Volksmassen nicht so leicht Zutritt gestatten; die Soldaten allein\nsind nicht zu ernähren; die Volksmassen müssen in erster Linie ernährt werden.\nDeutschland hat auch vergeblich viele Milliarden in seine Flotte gesteckt.\nAber —- das hat doch wenigstens dazu geführt, der Unterseebootsiotte eine\nvorzügliche Führung zu geben, so daß wir uns schließlich nicht zu beklagen haben."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2795, "texte": "Allerdings «—- mit der Kolonialpolitik darf man nicht wieder anfangen.\nDie hat eben an allen Punkten ihre Wirksamkeit verloren. Eine größere Kolonie\nentgleitet den Händen der Begründer. Das zeigt besonders deutlich Nord-\namerika und England. r\nHeute kann sich Amerika noch retten. Aber Japan und England werden\ndas sehr bald nicht mehr können. Der Untergang ist ihr Schicksal. Und viele\nwerden sagen: nicht ein unverdientes Schicksal! Denn nur von den Erzeugnissen\nanderer Länder leben und sich dabei übermäßig vermehren ———- das kann grade\nnicht als eine ideale Lebensweise hingestellt werden.\nWie lange sich nun in Europa der Kampf zwischen Deutschland und\nEngland hinziehen wird, läßt sich nicht sagen. Aehnliche Fälle hat die Welt-\ngeschichte noch nicht aufzuweisem Schließlich wird England durch die Technik\nüberwältigt; dieser werden wir auch die Ueberwältigung aller Kriegssachen\nmal zu danken haben. · .\nDer Krieg mit seinen beklagenswerten Opfern ist sehr bedauerlich. Aber\nwenn so ein Abschluß aller Kriegssachen herbeigeführt wird, so ist doch etwas\nGroßes erreicht. Und es wäre nicht nötig, nur über diese furchtbare Entwicklung\nzu klagen; sie bringt doch auch viel Erfreuliches mit sich.\nDas Schicksal der Seemächte ist nun bald eine Tatsache. Wir denken\nallefamt noch garnicht stärker darüber nach. Aber es ist so, wie ich sagte. Die\nunsichtbaren Feinde (die Unterseeboote) machen auf dem Meere alle anderen\nFeinde unmöglich; eine solche unsichtbare Waffe ist fürwahr etwas Gewaltiges\nDie Beschießung der Dardanellen ist auch ohne Unterseeboote einfach Selbst-\nmord der Flotten. Es ist vollkokmmen unverständlich, weswegen derartiges\ngeschieht; es soll wahrscheinlich nur den Russen zum Gefallen getan werden.\nDie Russen werden für diesen Liebesdienst wenig Verständnis haben, wenn sie\nsehen, wie die französischen und englischen Flotten zu Grunde gehen.\nEs ist mir auch bekannt, daß sich Spanien eine große Flotte für über\n200 Millionen ans chassen willx Da empfehle ich, nur Unterseeboote zu erbauen.\nAber — ja kein Kreuzer! Kein Schlachtschissl Deren Wirksamkeit eyistiert nicht\nmehr. Wir können wohl sagen: Gott sei Dank! Die sind wir los!\nUnd die plötzlich überflüssig gewordenen Matroscn sind wir auch plötzlich\nlos geworden. Hoffentlich wird diese Loslösung nicht allzu viele Schwierigkeiten\nbringen. Wir wollen hossen, daß sich die Beteiligten alle ins Unvermeidliche\nfügen.\nUeber die Verwertung der überflüssig gewordenen Kriegsschiffe habe ich\nöfters nachgedachr Die meisten Kriegsschisse könnten ja wohl für die Handels-\nmarine verwertet werden. Doch das wird viele Umstände kosten. Sicherlich\nwären die Kriegsschisse zu Museumszwecken verwertbar, wenn in diesem Plane\nnicht ein bitterer Hohn stecken könnte. Ich würde jedenfalls an keiner Stelle\ndiesem Plane zustimmen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1628, "texte": "Nach dem Gesagten wird man wohl zugeben, daß sich die Zukunft auf\ndem Wass er ganz anders abspielen dürfte —- als viele Europäer geglaubt haben.\nAber bestreiten läßt sich das Gesagte nicht.\nEs wird viel Geschrei entstehen. Und das wird zuweilen bedenkliche Formen\nannehmen. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß sich die lebhafte Matrosen-\nbevölkerung heftig gegen die Auflösung der sichtbaren Kriegssiotten auflehnen\nwird. Indessen -——- das alles können wir ja ruhig abwarten.\nIch fürchte nur, daß die Umwälzung tatsächlich zu schnell kommt. Vielleicht\nmacht man künstlich Uebergangsperiodem Aber ich weiß eigentlich nicht, wie\nman das anfangen soll. Die entscheidenden Erklärungen werden doch nicht\nlange zurückgehalten werden können. Man erspart durch die Auflösung der\nsichtbaren Flotten viele viele Milliarden. Ein ungeheurer Reichtum ist damit\nzu Grabe getragen. Und es weint Keiner diesem Verluste nach. Man sagt\nnur: Gott sei Dank! Die sind wir los!\n, Daß man nicht verabsäumen wird, gegen diese bevorstehende Auflösung\nder sichtbaren Flotte Front zu machen, versteht sich von selbst. Ich habe schon\nim August 1914 gelesen, daß die Unterseeboote zur »Repräsentation« nicht\ngenügen; dazu wäre die große »sichtbare« Flotte immer noch nötig. Was will\nman denn eigentlich ,,repräsentieren?« Die Macht der großen Seemächte? Es\nnützt nichts mehr. Diese Macht ist eben garnicht mehr auf der Erde zu finden.\nDie ,,unsichtbaren« Kriegsschisfe haben das Schicksal der Seemächtc festgelegt.\nMit Unsichtbaren kämpft kein vernünftiger Mensch. Demnach: Fort mit der\nVerteidigung dessen, was nicht mehr zu halten istl .\n\nPaul Scheerbart"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-05_02#c005", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "238", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.2.4", "titre_corps": "ls die Tage heiter", "titre_sommaire": "ls die Tage heiter", "signature_source": "Ina Seidsel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 729, "texte": "Ina Seidsel\nls die Tage heiter\nglänzten,\nHat kein Gott uns\noffenbart,\n! Daß ihr die geheim\nBekrånzten\nUnd die Todgeweihten wart.\nDenn des Schicksals Pfeile schwirrten\nUeber unsre Häupter weit,\nEure blanken Waffen klirrten\nWie ein Schmuck im Tanz der Zeit.\nDarum liebte: ihr das Leben\nSo verzåckt und ohne Ruh,\nDarum war es euch ergeben,\nFiel euch reif und schåumend zu.\nUm den Becher schnell zu neigen,\nJede Stunde war Gewinn,\nWar Musik und rascher Reigen\nUnd ihr risset uns mit hin.\nWarum laßt ihr unsre Hände,\nDa die Lust am höchsten loht,\nStürmt den Pfad allein zu Ende,\nSchlürft allein den selgen Tod?\nUns soll man zu Grabe läuten,\nWenn ihr bliebet in der Schlachtz\nDie ihr uns zu Todesbräuten,\nNicht zu Müttern habt gemacht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-05_02#c007", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "239", "page_fin": "240", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.2.5", "titre_corps": "s kann sein, daß ein geistiger Wanderer, an einem Tag", "titre_sommaire": "s kann sein, daß ein geistiger Wanderer, an einem Tag", "signature_source": "Kasimir Edfchmid", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3027, "texte": "s kann sein, daß ein geistiger Wanderer, an einem Tag\nvon unentrinnbarem Drang nach Worms verschlagen, die\nerste Straße dort entsetzlich findet, unruhigen und zu im\nvoraus begeisterten Blutes den Dom nicht recht zu fassen\nvermag, ihn dick und zu gebunden durch Häuser und ohne\nDistanz schließlich überhaupt empfindet, daß er mißmutig\ndie Stadt verläßt und ungern an das Abenteuer dieses\nmit Extase angetretenen Tages zurückdenkt Es kann sein,\ndaß diesen Wanderer der folgende Tag nach Berlin verschlägt und daß er,\nder strahlend und gesund von Frankfurt ausbrach, grundlos, (weil wie der\nBürger glaubt, dennoch keineswegs wechselnde Empfindung sich aus Empfind-\nsamkeit folgert), grundlos nachts in Berlin seelifch aufs letzte erschöpft ankommt.\nSein Arbeitszimmen das ihm ein Freund empfahl, ist ein riesiger Raum, in\nexotischster Weise ausgenutzt und ausgestattet. Da hängen von afrikanischen\nTieren wütende Hörner, Büffel, zärtliche Antilopen, dazwischen strecken sich\nPfeile, Bogen, gesiochtene K6cher, auch Speere. Die Blumenvasen sind breit-\nbauchige, sehr schmal zugespitzte Früchte. Und die Decken und Vorhänge sind\ngewebt aus Bast mit harten primitiven Farben. In der Luft hängt der Atem\nschrankenlosester Abenteuer. All das erregt ihn unendlich und verstimmt ihn\nund seine Nervosität steigert sich, als er das Schlafzimmer betritt und seine\ngalante Zzerrichtung einsaugt, die sorgsame gleitende Boudoirregsamkeit der\nPensionbesitzerin beobachtet, den Marmor sieht in den Wandeinlässem den aus-\nholenden Divan mit dem hohen Fell des weißen Wildschweins, das aufschwellende\nBett und den Fries pompejanischer Frauengestalten in leicht schwebenden Bildern.\nWährend einer schlaflosen halben Stunde aber in der Nacht erscheint ihm\nplötzlich, wie durch die Transparenz seines Mißbehagens und quälenden Denkens,\ndie schwimmende Silhouette des Wormser Doms vor dem abendlichen Horizont,\nmit einer wal)nsinnigen Gebärde von Kraft vor ihn hingeschleudery mächtig,\nstolz und ungeheuer. Die Gewalt der Erscheinung wirft sich über ihn, ver-\ngewaltigt sein Denken, er findet einen unbegreiflichen Rausch darin, in der Wucht\ndes Bildes aufzugehen, sich zu finden und zu verkörpern —— und er glaubt mit\neinem Mal, daß dieser ganze Tag in dieser Stadt, der ihn damals verstörte,\nein großer Genuß und fabelhaftes Erlebnis gewesen sei. Langsam mit dem\nVerklingen der Erscheinung findet er sich erst wieder in sein Leben. Die nächsten\nTage reißen ihn durch die Fieber grenzenlosester Diskussionen, seelischer Trans-\nformationen, geistige Erregungszustände und Tumulte. physisch jagt er von\nAuto zu Auto. Dazwischen Pausen penetrantester Abenteuerlichkeit Er sieht\ndazu in einer ruhigen Vormittagsstunde den Tiergarten, von fast realer roter\nSonne überschwemmt, in der unsäglichen Mildheit märzlichen Schnees, erlebt\ndie süße Dämmerung des Kurfürstendamms und erblickt von der Stadtbahn\naus handschlagkurz über der verklärten von innen herausstrahlenden Mittags-\nform der Frühlingsstadt in einem schmächtigen Silber das lange Glänzen eines"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3061, "texte": "über dem Leipziger Platz hängenden Zeppelinkreuzers. Der folgende Tag wirft\nihn nach Leipzig in schwärmender Geschäftigkeitz der kommende nach Weimar.\nIn der Eisenbahn dann überstreicht er mit einem nachdenklichen Blick den über-\nmäßigen Anprall in so kurze Frist gespannter Erinnerungen. Während sich\nunter seinem Willen die Erlebnisse mählich zu ordnen beginnen und langsam\nanfangen wie beladene Äcker vor ihm herzuschwankem wirft sich über all den\nFrieden wie ein Faustschlag riesige Masse, und stemmt sich gegen den Knäuel\nzersplitternder Erlebnisse und Dinge die brutale Brust des Wormser Doms.\nEr fühlt wie das Bild ihn ergreift, in sich zieht und wie s eine ganze Empfindungs-\nmöglichkeit sich über die verdrängten Reste der Erlebnisse der letzten Tage nach\ndiesem aufgetauchten Phantom hin stürmisch und fieberhaft bewegt. Als der\nWanderer aber auf der alten Mainbrücke in Frankfurt stand, mit noch nicht\nwieder völlig geglättetem Seelenspiegel, aber doch im Begriff dahin zu kommen,\nund dort lange stehend die Süßigkeit des Mövenabends genoß, wußte er kaum\nmehr etwas von diesem brutalen Ereignis, suchte nur wieder Gleichgewicht\nzu erhalten und genoß unbekümmert reine Gegenwart und ahnte dunkel allein,\ndaß ihn vielleicht heute, viclleicht in einer Woche das wie ein Amokläufer er-\nscheinende Bild des Wormser Domes wohl wieder aus Leben, Traum, Beginn\nund Rausch herauszerren werde.\nSo, Freunde, ist uns der Krieg mit den Monaten geworden,denen es\nbestimmt ist, im Lande zu sein. So ist uns der Krieg ein fabelhaftes Erlebnis\ngeworden, das irgendwo ungeheuer an den Grenzen des Reiches brennt, uns\naber schwingt das gleichbleibende Leben wie jeden Organismus in seinen weiter-\nlaufenden Rhythmus hinein. Wir werden zwischen Erleben und Lebenmüssen\nwie von rasenden Pferden auseinandergeriisem Kaum haben wir uns dem\nanonymen Leben in Arbeit und Geist hingegeben, schnellt sich der schneidende\nTubaton des Geschehens draußen grell gegen uns, wir strecken alle Nerven nach\nihm, bäumen uns im wütendstcn Erleben, dann verklingt er, wir bleiben restlos\nallein und beginnen von neuem den Kreuzgang des allgemeinen Tuns. Aber eh\nwir wieder Wurzel faßten, hebt uns ein rasendes Ereignis wieder über und\naus uns selbst heraus. Dies alles liegt sehr entfernt von den furchtbaren Fragen\ndieses Krieges und gerade soweit vom Enthusiastischen wie vom Pazifistischem\nes soll keine Meinung sein und bedeutet weder Schilderung noch Erledigung.\nEs weist über oder mehr noch unter allen Problemen auf einen Zustand und\neine Erscheinung, die zwischen ihnen allen hinschwankt Ia, so schwanken wir\nalle, zwiespältig und ohne Beendigung hin und hergerissen im Uferlosen, denen\nder Geist täglich geteilt ist. Es ist wahr, es mag ein geringer Schmerz sein\nund eine kleine Grausamkeit, zieht man das Unendliche jener vermiedenen Fragen\nheran zum Maßstab. Es mag ein geringer Schmerz sein, aber er reißt uns\nan allen Zzöllen «—- und sei es nur an ihren Peripherien --— gnadenlos vorbei.\nDoch es heißt mutig zu sein und ein unerschütterliches Herz zu haben.\n\nKasimir Edfchmid"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-05_02#c010", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "242", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.2.7", "titre_corps": "chön wird das sein, dereinst beim", "titre_sommaire": "chön wird das sein, dereinst beim", "signature_source": "Karl von Eifensteim Prag", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 925, "texte": "Karl von Eifensteim Prag.\nchön wird das sein, dereinst beim Lampen-\nglanz\nim Kreis der Lieben, wenn wir stolz\n- berichten\nvon Sturm und Schlacht und wildem\niwaffentanz\ndie abenteuerlichsten Kriegsgefchichten\nAuf allen Wangen werden Flämmchen glühen,\nhell vor Begeisterung aller Augen leuihten\nund köstlich wird nach des Erzåhlens Mühe\nein Fühler Trunk die heißen Lippen feuchten.\nHerr Gott im Himmel, wird das herrlich sein!\nDa ——— leise, feierlich breitet das Schweigen\ndie Schwingen aus. Und plötzlich hältst du ein\nund mußtbeschåmt das Haupt zur Erde neigen:\nEin bleicher Zug wankt still an uns vorbei.\nIhr Nsund ist stumm. Doch ihre Wunden sprechen:\n,,Vergeßt uns nicht! Wir waren auch dabei!\nWir halfen euch die Bahn zum Siege brechenl«\nDann füllen wir das Glas bis an den Rand:\n,,Euch sei ’s gebracht von eueres Blutes Erbe-il«\nUnd wenn der letzte aus dem Zuge schwand,\ndann leeren wirs. Und klirrend gehts in Scherben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02-c012", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-05_02#c012", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "243", "page_fin": "246", "image_debut": 11, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.2.8", "titre_corps": "ch lese jetzt regelmäßig französ is ehe Zeitungen. Vom", "titre_sommaire": "ch lese jetzt regelmäßig französ is ehe Zeitungen. Vom", "signature_source": "Otto Flake", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2636, "texte": "ch lese jetzt regelmäßig französ is ehe Zeitungen. Vom\nMatin, den ich schon vor dem Kriege verachtet habe, will\nich nicht reden, sondern nur von Figaro und Temps, deren\nWeltmacht wir nichts an die Seite zu setzen haben.\nSie sprechen von den Deutschen nicht in den Schimpf-\nWorten wie die Boulevardpressm sie sagen nicht einmal\nles B0ches, sondern ganz korrekt les Allemands Aber trotz-\ndem ist jede Zeile vergiftet von dem gequälten Verlangen,\nden Namen des Feindes mit einem Grauen zu umgeben, mit einem Entfetzery\nwie es bisweilen in Kindern erzeugt wird, wenn sie durch heimlich gelesene\nBücher oder durch belauschte Gespråche zu erfahren glauben, daß es auf dem\nGrund der Seele Unaussprechliche Ungeheuerlichkeiten gibt.\nAls Novelle deutsche Greuel im Bericht einer Augenzeugim die dabei naiv\ngenug ist, zu erklären: »Es war in einem Dorf, dessen Namen ich nicht mehr weiß,\naber dort unten wird Ihnen jeder sagen, wo es geschah, daß die Deutschen . . .«\nHeute ein Dank- und Zzuldigungsschreiben eines elfåssiischen Knaben aus\ndem Thanner Tal an den Präsidenten der Republik nebst dem Antwortschreiben\ndes Präsidenten der Republik an den Knaben im Thanner Tal —- das Entzücken\naller Salons der Welt, denen bewiesen wird, daß die alte französische Eleganz\nnoch nicht gestorben istz morgen ein neuer Brief des Herrn Saint-Saens, der,\nEnde Dezember, noch immer ruhig behauptet, der französische Pavillon in\nLeipzig sei zerstört worden.\nMeine deutsche Zeitung setzte mir an drei Abenden hintereinander fol-\ngende Aufsätze vor.\nMontag: Zzzerr X» Geheimrat und Exzellenz, hält es für unerträglich, daß\nnach dem Kriege die alten internationalen Beziehungen wieder angeknüpft werden.\nWeder sollen auf Kongressen die staatlichen Kommissare miteinander verkehren,\nnoch auf Ausstellungen Franzosen hängen, noch wissenschaftliche Tagungen statt-\nfinden. Warum? Unsre Würde und unser Zzaß verbieten es uns ——— keine\nGemeinsamkeit mehr, wir sind uns selbst gut genug.\nDienstag: Pfarrer N. stellt im ersten Teil seines Artikels die Frage: darf\nder Christ seine Feinde hassen? Nein, der Christ darf seine Feinde nicht hassen.\nAndererseits aber, Teil zwei: darf der deutsche Cl)rist die Engländer hassen?\nIa, England darf er hassen. Diese Ausnahme erlaubt uns der liebe Gott, weil\nwir es sind.\nMittwoch: Ein Oberlehrer spricht ———— ja, wovon doch? Ich weiß es nicht\nmehr, ich weiß es nur, daß er am Anfang Fichte und Iahn beschwor.\nGlauben Sie, es sei mir nach der Lektüre der französischen Blätter eine\nErholung, nach den deutschen zu greifen? Wenn Professor D. in S. den Vor-\nschlag macht, statt Vandalismus künftig Gallizismus zu sagen — wiegt das"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2698, "texte": "SainvSaens und Ohnet nicht zusammen auf? Man stelle sich das doch vor:\neinem Kunsthistorikey einem Mann von mindestens fünfzig Jahren, siiegt ein\nsolcher Gedanke durch den Kopf und erscheint ihm so glänzend, daß er fich sofort\nan den Schreibtifch f etzt und einen Artikel verfaßt. So trägt man fein Scherflein\nzum großen Kriege bei.\nNun lese ich noch gewisse deutsche Witzblåtter, deren Witze diefeindlichen\nSoldaten verhöhnen und den Spießbürgern fchmeichelm und bin geneigt, keinen\nUnterschied mehr zwischen der Presse hüben und drüben zu sehen. Und doch\nist ein Unterschied da, wenn ich im großen und ganzen abwågm\nSelbst wenn ich das Säbelrasseln von Blättern wie der ,,.. . Zeitung« mit«\nverrechne und zu ungunsten der deutschen Spalte buche, kommt für die Franzosen\nein Minus heraus —- der seltsam gehetzte, unfreie, kleinliche Ton —— die S ch w åch e.\nJemand, der in Paris war, zeigte mir ein Bündel von Anfichtspostkartem\ndie er dort an allen Straßenecken zusammengekauft hatte. Fünfzig Karten:\nfünfzigmal die niedere und trostlose Phantasie der Lateine, des Epkrements\nund derschmierigen Sepualitåt —-— es ist wie der Biß des elendesten und ohn-\nmåchtigsten Tieres, der Zzyåna\nIch hatte mich schon aufgeregt, als ich neulich an einem Berliner Zigarren-\ngeschåft eine Karte sah, auf der unsere sieben Feinde mit der Umschrift um-\ngeben waren: hier gibt’s Tobak. Das ist wohl plump, aber es ist nicht unsiåtig\nBei uns verkauft Wertheim einen Gummistempeh »Gott strafe England« Das\nist kindlich, aber es ist nicht gemein.\nAls der Krieg ausbrach, traf ich in Straßburg eine elsåssische Dame mit\nihren Kindern. In ihr siammte noch einmal die alte Abneigung auf: ,,Arme\nKinder,« sagte sie, ,,man wird euch verbieten, euch mit mir gebildet zu unter-\nhalten,«und hysterisch befahl sie der Kleinen, ihren letzten Satz, den sie deutsch\ngesprochen hatte, auf französisch noch einmal zu wiederholen.\nIch konnte nur die Achseln zucken, und unsre alte Freundschaft erkaltete\nin einer Minute, weil ich das, was sie Tragik genannt wissen wollte, nur als\nein winziges Unglück in der Provinz empfinden konnte. Außerdem wird sie\nnach wie vor französisch reden können, nur würde ich an ihrer Stelle meinen\nKindern den ewigen und so unerquicklichen Zwiespalt der Zzeimatlosigkeit er-\nsparen und ihnen zwar französische Kultur in vollem Umfange vermitteln,\naber die heimliche Koketterie und die Unaufrichtigkeit fortlassen.\n, Am gleichen Abend ging ich mit einem Elsåsser durch die Blauwolkengaisa\nArtillerie rückte aus den Vogesen ein, bestaubt, erhitzt, aber laubgeschmückt\nund von einer fröhlichemetwas schweren und derben Kraft, die ihr voll-\nkommenes Symbol in der grauen, soliden Felduniform gefunden hat."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2452, "texte": "»Diese Soldaten besiegt man nicht,« sagte der Elsåssey und wie er heim-\nging, um sich auf sein Bürgerohr zu legen, hatte er begriffen, daß einmal der\nAugenblick kommt, wo man sich entscheiden und mit den krankhaft empfind-\nlichen Gefühlen ein Ende machen muß.\nIch besuchte neulich das Gefangenenlager in Zossen. Diesmal war mein\nBegleiter ein Berliner, dem ein kritisches Verhältnis zu feinem Deutschtum\neinfach unverständlich wäre. Aber es war nun interessant, zusehen, wie nach-\ndenklich er wurde, als er die Franzosen sah:\n»Ihre Köpfe sind schmäler als die unserer Soldaten, ihre Züge geistiger\nund spöttischetz die Figuren hager, die Dicken fehlen.«'\nIch sagte ihm, man müsse es eigentlich begreifen, daß der Antimilitarismus\nin Frankreich so große Fortschritte gemacht hatte. Denn von einem gewissen,\nintellektuellen Standpunkt aus ist der Antimilitarist der, der kritischer, indivi-\ndueller, selbstbewußter ist. Aber daraus den Schluß ziehen, wie es im Ausland\ngeschieht, daß der deutsche Soldat nur ein Zzammel sei, den seine Führer in\ndie Schlacht treiben, das ist die falsche Rechnung, die sich bitter gerächt hat.\nDenn das militärischsDeutsche in geistigen Wert umgesetzt: im deutschen\nWesen ist ein Maximum von Månnlichkeit gezüchtet worden, das keine Parallele\nauf der Welt hat.\nDie Pathetik der Franzosen ist alt, aber die Månnlichkeit der Deutschen\nwird sie ablös en. In Männern wie dem Kapitån von Müller und dem Leutnant\nvon Mücke, beide auf der ,,Emden«, ist dieselbe straffe Sachlichkeit, kühne und\nvöllig disziplinierte Verwegenheit, die einmal unsere geistigen Menschen befåhigen\nwird, die Dinge mit einem Degenstoß ins Herz zu treffen.\nDer gute Europåer von morgen, das ist die Fortsetzung des normalen\ntüchtigen Deutschen von heute. Wenn sich in meinem Kopf die ganze, aber auch\ndie ganze Welt spiegelt, wenn nichts mir fremd ist, wenn ich mich nicht wieein\nEngländer borniert zeige den tiefen und verwickelten Dingen des Geistes, der\nKunst, des Erlebens gegenüber, dann bin ich das alles, weil ich ein Deutscher bin.\nDas hat nichts mit Rassenphilosophie im Stile Wagners, Chamberlains\nund unsrer Professoren gemein. Ich triumphiere deswegen nicht über die\nFranzosen, aber ich glaube, dieses Selbstgefühl macht nicht anmaßend, sondern\ngütig und gerecht. Denn in dem Zukunftsbild des deutschen Menschen fehlt\ndie große und deutscheste Tugend nicht, die ,,Objektivitåt«, der ungemessene\nAnstand, die restlose Ehrlichkeit des Mannes."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1662, "texte": "Andrä- Suarez’ ,,Italienische Reise«, ist jetzt deutsch herausgekommen. Es\ngibt in Deutschland vielleicht fünf Leute, die diesen Instsinkt der lateinischen\nVölker für das sichtbar Schöne, die Rasse, den sicheren Geschmack, den Takt\nhaben. Also ist es eine nützliche Lektüra\nAber ich denke, diese fünf Köpfe und die, die nach ihnen kommen werden,\nsind Geister anderen Kalibers. Der Franzose spricht im Namen seines Volkes\nund dessen, was es der Welt gegeben hat: wir alten, tausendfach bewährten\nLateiner. Was ist das im Grunde? Verteidigungsstellungz der Reiz der Patina\nliegt über diesen Büchern und diesen Menschen. Das Ideal der Rassigkeit und\ndes sichern Geschmacks —- es war zur Zeit der Marquisen, daß es Europa zu\nerobern begann.\nDie Sinnlichkeit ist da, aber wo ist pas, was früher Wikinger,Normannen\nund Flibustier hinaustrieb? Es ist auf der deutschen Seite, in den Seeoffizierem\nvielen Kämpfer-n der Schützengrabem den Fliegern, in allen denen, deren\nGestalt ohne Fett und deren Seele strass und voll einer heiterm, mühelosen\nEnergie ist.\nDie lateinische Schönheit, das ist ein erhabener Dilettantismus geworden.\nIch ahne deutsche Menschen, die seine Feinnervigkeit und sinnliche Prågnanz\nmit der eigenen Männlichkeit verbinden. Bei Englåndern und Amerikanern\nwird die große Leidenschaftlichkeitz die ich meine und die immer ståhlerne Klar-\nheit ist, nie gefunden werden, bei Russen auch nicht, obwohl ich vor diesen und\nihrer musikalischen Weiblichkeit fast Angst habe. Es ist höchstens der italienische\nFuturismus, der mir zu denken gibt, denn seine sadistische Brutalität ist ein\nAufstand des Månnlichen gegen das Uebermaß der Gefühle.\n\nOtto Flake."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02-c015", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-05_02#c015", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "248", "page_fin": "248", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 135, "texte": ") kesskaz\nA H · St«-»«’;-«-- »MPO MPO s\n· . ji«-spi- - ·\n« E« Co Lnssc H Mir? I\nMPO E. LETTRE\nl 4 MPO - UNTEE DEN UNDEN 71 H\nBrut-I N «"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02-c016", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-05_02#c016", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "248", "page_fin": "248", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.16", "debut_caractere": 137, "fin_caractere_exclue": 327, "texte": "Richard L. F. Schulzs\nBeleuchkunggkörper und\n» rKunstgerät l\nschönster Formenund bester Augführungaus r\nalletlskändern und eigenen s\ns Werkstätten\n. Augstellungz Berlin W, Bellevuestrasze 14"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02-c017", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-05_02#c017", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "249", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 943, "texte": "h Über den Inhalt der neuen, von K a r l 8 a nf e lo w\nherausgegebenem a u ff eh e n e r r e g e n d e n Monatsfchrifts\nDas neue etch\ngibt es nur das einmütig e Urteil uneingefchränkter\nZustimmung und Bewunderung. r r s «\nJon den höchsten führenden Kreisen bis zum einfachften Mann im Volke findetszszsz\njeder in den hervorragenden Aufsätzem fpannenden Erzählungen, begeifterndens «\n-s Gedichtem prächtigen Bildern u. gefchmackvoll ausgewählten Musikbeilagen den\nschönsten und beglückendsten Ausdruck für Stimmung und Streben unsere-r Zeit. e\nZ . Wer das »Neue Reich« noch nicht kennt, beftelle durch seine Buchhandlung oder\ns den Verlag, Berlin SOLO Bernburgerftr.14, die Lieferung der Zeitschrift zur Probe; \"\nGalbjährlich M. 4.50, EinzelheftspM. 0.80) oder gegen 20 Pf. in Briefmarken g\nden Beginn des zeitgemäfzen Nomans \",,Di·eGefchichte der neuen Schönheit«\nl und die reichilluftrierten Prospekte und Drucksachen der Neudeutfchen8ereine."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-05-02-c018", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-05_02#c018", "volume": "bmtnabb_1915-05_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "249", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.17", "debut_caractere": 945, "fin_caractere_exclue": 1440, "texte": "Ein neuesfchönes Blatt ans dem\nGebiete der modernen Graphik\n- « a «\nKrtesmadonna\nOrtinaLHolzschnitt von «\nWalter Teutsch -\n« özanddruck Nr. I bis 20 auf echr Japan z( e\nvom Künstler gezeichnet je Lssark 20-.——— e\nTeutfch hat hier ein überaus stiinmungsvdlleskBlatt ) « e\ngeschaffen, das sich kein Sammler entgehen lassen sollte. ; MPO\nZu beziehen durch jede Buch- und KunsthandlungA L\noder direkt durch den « - «\nGraphikOerlag Munchen G. m. b. 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O - v » « s « ; sz · « « s« ; ««»« « « » . «« .\nJ, . l« .«· « , « . «· . v b\n1 , « , s « · s «\nx - »«\nv « « « - «\n, J l' .- · «\ns« « . \" .\n« s.\n« » . . G. M. B. H H » , «\n«. «» . . v - « v ' -\n«« : BERLHN WILHELMSIR 69 T\n» «« , s s s\n,. ; - ' v , «\n»«’ l —’ I l ( . v.\n- «-\" , X . « - .\n; « l I\n' s «.\n;\nJ« X\n» · I\nH ;\n· ’.\n. ! , , «\n."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.2", "texte": "an ist geneigt, Englands Mitwirkung bei dem großen\nKriege einfach auf Böswilligkeit —- besonders auf Neid ———\nzurückzuführen. Das scheint mir vollkommen falsch zu\nsein; ein guter Geschåftsmann läßt sich nicht von Ge-\nfühlen bestiimnenz das wäre zu menschlich. England ift\nseit mindestens zehn Jahren von der Bedeutung der Unter-\nseebote überzeugt. Und diese Ueberzeugung brachte die\nenglischen Staatslenker dazu, Gegenmittel zu ergreifen.\nUnd diese wurden nach und nach zum großen Krieg gegen Deutschland, der meines\nErachtens nichts andres ist als ein Schritt der rabiat gewordenen Verzweiflung.\nDie Englånder —- d. h. die lenkenden englischen Staatsleute ——- haben\nlångst die ungeheure Bedeutung der unsichtbaren Feinde (eben der Untersee-\nboote) eingesehen. Und die weitblickenden Staatslenker haben die einzig richtigen\nFolgerungen gezogen. Und diese Folgerungen sind eben ganz besonders die\nErkenntnis, daß die Herrlichkeit der Seemåchte eben zu Ende ist.\nAuf ihrer Insel oder auf ihren beiden Inseln sind die Bewohner, wenn\ndie Zufuhr wegfålltz nicht mehr zu ernähren. Das wissen die englischen Staats-\nlenker ganz genau; sie wissen auch, daß ihnen ihre ganze große Flotte den\nunsichtbaren Feinden (dcn Unterseebooten) gegenüber nicht fest bleiben kann.\nDeshalb haben die Englånder ihre riesengroßen Schiffe gebaut —— nicht\nzum Kampfe, sondern nur als eine Bedrohung Und —- die andern Staaten\nsollten sich dazu verführen lassen, auch diese übersiüssigen Riesenschisse zu bauen.\nDeutschland hat das nicht in dem Maße getan, in dem es gewünscht wurde.\ns England wollte, wenn es möglich wäre, was vom europåischen Festlande\nhaben —- Teile vom Kontinent schienen ihnen bald als Epistenzbedingung Solange\ndie heute waltenden Staatslenker an der Regierung bleiben, werden die Kon-\ntinentalziele wirksam bleiben. Es ist garnicht anders möglich; England ist eben\nviel zu klein für seine Bewohner; zwangsweise lassen sich die garnicht behandeln;\nam allerwenigsten sind die Bewohner in die Kolonien zu senden.\nSo entstand also der rabiate Verzweisiungsschritt zum großen Kriege.\nUnd da hat man sich denn doch verrechnet. \"\nJapan und die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind in einer ähn-\nlichen Lage wie England. Aber Nordamerika ist ein sehr großes Land und\nlaßt sich sehr wohl anbauen. Die Vereinigten Staaten würden bei Verlust\nihrer ganzen Flotte garnicht viel verlieren; die Amerikaner können jederzeit\nein Volk werden, das seinen Acker bestellt und seine Viehherden vergrößert.\nJapan ist dagegen schon schwieriger geftelltz in« China und Indien wird man\njapanischen Volksmassen nicht so leicht Zutritt gestatten; die Soldaten allein\nsind nicht zu ernähren; die Volksmassen müssen in erster Linie ernährt werden.\nDeutschland hat auch vergeblich viele Milliarden in seine Flotte gesteckt.\nAber —- das hat doch wenigstens dazu geführt, der Unterseebootsiotte eine\nvorzügliche Führung zu geben, so daß wir uns schließlich nicht zu beklagen haben."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.3", "texte": "Allerdings «—- mit der Kolonialpolitik darf man nicht wieder anfangen.\nDie hat eben an allen Punkten ihre Wirksamkeit verloren. Eine größere Kolonie\nentgleitet den Händen der Begründer. Das zeigt besonders deutlich Nord-\namerika und England. r\nHeute kann sich Amerika noch retten. Aber Japan und England werden\ndas sehr bald nicht mehr können. Der Untergang ist ihr Schicksal. Und viele\nwerden sagen: nicht ein unverdientes Schicksal! Denn nur von den Erzeugnissen\nanderer Länder leben und sich dabei übermäßig vermehren ———- das kann grade\nnicht als eine ideale Lebensweise hingestellt werden.\nWie lange sich nun in Europa der Kampf zwischen Deutschland und\nEngland hinziehen wird, läßt sich nicht sagen. Aehnliche Fälle hat die Welt-\ngeschichte noch nicht aufzuweisem Schließlich wird England durch die Technik\nüberwältigt; dieser werden wir auch die Ueberwältigung aller Kriegssachen\nmal zu danken haben. · .\nDer Krieg mit seinen beklagenswerten Opfern ist sehr bedauerlich. Aber\nwenn so ein Abschluß aller Kriegssachen herbeigeführt wird, so ist doch etwas\nGroßes erreicht. Und es wäre nicht nötig, nur über diese furchtbare Entwicklung\nzu klagen; sie bringt doch auch viel Erfreuliches mit sich.\nDas Schicksal der Seemächte ist nun bald eine Tatsache. Wir denken\nallefamt noch garnicht stärker darüber nach. Aber es ist so, wie ich sagte. Die\nunsichtbaren Feinde (die Unterseeboote) machen auf dem Meere alle anderen\nFeinde unmöglich; eine solche unsichtbare Waffe ist fürwahr etwas Gewaltiges\nDie Beschießung der Dardanellen ist auch ohne Unterseeboote einfach Selbst-\nmord der Flotten. Es ist vollkokmmen unverständlich, weswegen derartiges\ngeschieht; es soll wahrscheinlich nur den Russen zum Gefallen getan werden.\nDie Russen werden für diesen Liebesdienst wenig Verständnis haben, wenn sie\nsehen, wie die französischen und englischen Flotten zu Grunde gehen.\nEs ist mir auch bekannt, daß sich Spanien eine große Flotte für über\n200 Millionen ans chassen willx Da empfehle ich, nur Unterseeboote zu erbauen.\nAber — ja kein Kreuzer! Kein Schlachtschissl Deren Wirksamkeit eyistiert nicht\nmehr. Wir können wohl sagen: Gott sei Dank! Die sind wir los!\nUnd die plötzlich überflüssig gewordenen Matroscn sind wir auch plötzlich\nlos geworden. Hoffentlich wird diese Loslösung nicht allzu viele Schwierigkeiten\nbringen. Wir wollen hossen, daß sich die Beteiligten alle ins Unvermeidliche\nfügen.\nUeber die Verwertung der überflüssig gewordenen Kriegsschiffe habe ich\nöfters nachgedachr Die meisten Kriegsschisse könnten ja wohl für die Handels-\nmarine verwertet werden. Doch das wird viele Umstände kosten. Sicherlich\nwären die Kriegsschisse zu Museumszwecken verwertbar, wenn in diesem Plane\nnicht ein bitterer Hohn stecken könnte. Ich würde jedenfalls an keiner Stelle\ndiesem Plane zustimmen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.4", "texte": "Nach dem Gesagten wird man wohl zugeben, daß sich die Zukunft auf\ndem Wass er ganz anders abspielen dürfte —- als viele Europäer geglaubt haben.\nAber bestreiten läßt sich das Gesagte nicht.\nEs wird viel Geschrei entstehen. Und das wird zuweilen bedenkliche Formen\nannehmen. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß sich die lebhafte Matrosen-\nbevölkerung heftig gegen die Auflösung der sichtbaren Kriegssiotten auflehnen\nwird. Indessen -——- das alles können wir ja ruhig abwarten.\nIch fürchte nur, daß die Umwälzung tatsächlich zu schnell kommt. Vielleicht\nmacht man künstlich Uebergangsperiodem Aber ich weiß eigentlich nicht, wie\nman das anfangen soll. Die entscheidenden Erklärungen werden doch nicht\nlange zurückgehalten werden können. Man erspart durch die Auflösung der\nsichtbaren Flotten viele viele Milliarden. Ein ungeheurer Reichtum ist damit\nzu Grabe getragen. Und es weint Keiner diesem Verluste nach. Man sagt\nnur: Gott sei Dank! Die sind wir los!\n, Daß man nicht verabsäumen wird, gegen diese bevorstehende Auflösung\nder sichtbaren Flotte Front zu machen, versteht sich von selbst. Ich habe schon\nim August 1914 gelesen, daß die Unterseeboote zur »Repräsentation« nicht\ngenügen; dazu wäre die große »sichtbare« Flotte immer noch nötig. Was will\nman denn eigentlich ,,repräsentieren?« Die Macht der großen Seemächte? Es\nnützt nichts mehr. Diese Macht ist eben garnicht mehr auf der Erde zu finden.\nDie ,,unsichtbaren« Kriegsschisfe haben das Schicksal der Seemächtc festgelegt.\nMit Unsichtbaren kämpft kein vernünftiger Mensch. Demnach: Fort mit der\nVerteidigung dessen, was nicht mehr zu halten istl .\n\nPaul Scheerbart"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.6", "texte": "Ina Seidsel\nls die Tage heiter\nglänzten,\nHat kein Gott uns\noffenbart,\n! Daß ihr die geheim\nBekrånzten\nUnd die Todgeweihten wart.\nDenn des Schicksals Pfeile schwirrten\nUeber unsre Häupter weit,\nEure blanken Waffen klirrten\nWie ein Schmuck im Tanz der Zeit.\nDarum liebte: ihr das Leben\nSo verzåckt und ohne Ruh,\nDarum war es euch ergeben,\nFiel euch reif und schåumend zu.\nUm den Becher schnell zu neigen,\nJede Stunde war Gewinn,\nWar Musik und rascher Reigen\nUnd ihr risset uns mit hin.\nWarum laßt ihr unsre Hände,\nDa die Lust am höchsten loht,\nStürmt den Pfad allein zu Ende,\nSchlürft allein den selgen Tod?\nUns soll man zu Grabe läuten,\nWenn ihr bliebet in der Schlachtz\nDie ihr uns zu Todesbräuten,\nNicht zu Müttern habt gemacht."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.7", "texte": "s kann sein, daß ein geistiger Wanderer, an einem Tag\nvon unentrinnbarem Drang nach Worms verschlagen, die\nerste Straße dort entsetzlich findet, unruhigen und zu im\nvoraus begeisterten Blutes den Dom nicht recht zu fassen\nvermag, ihn dick und zu gebunden durch Häuser und ohne\nDistanz schließlich überhaupt empfindet, daß er mißmutig\ndie Stadt verläßt und ungern an das Abenteuer dieses\nmit Extase angetretenen Tages zurückdenkt Es kann sein,\ndaß diesen Wanderer der folgende Tag nach Berlin verschlägt und daß er,\nder strahlend und gesund von Frankfurt ausbrach, grundlos, (weil wie der\nBürger glaubt, dennoch keineswegs wechselnde Empfindung sich aus Empfind-\nsamkeit folgert), grundlos nachts in Berlin seelifch aufs letzte erschöpft ankommt.\nSein Arbeitszimmen das ihm ein Freund empfahl, ist ein riesiger Raum, in\nexotischster Weise ausgenutzt und ausgestattet. Da hängen von afrikanischen\nTieren wütende Hörner, Büffel, zärtliche Antilopen, dazwischen strecken sich\nPfeile, Bogen, gesiochtene K6cher, auch Speere. Die Blumenvasen sind breit-\nbauchige, sehr schmal zugespitzte Früchte. Und die Decken und Vorhänge sind\ngewebt aus Bast mit harten primitiven Farben. In der Luft hängt der Atem\nschrankenlosester Abenteuer. All das erregt ihn unendlich und verstimmt ihn\nund seine Nervosität steigert sich, als er das Schlafzimmer betritt und seine\ngalante Zzerrichtung einsaugt, die sorgsame gleitende Boudoirregsamkeit der\nPensionbesitzerin beobachtet, den Marmor sieht in den Wandeinlässem den aus-\nholenden Divan mit dem hohen Fell des weißen Wildschweins, das aufschwellende\nBett und den Fries pompejanischer Frauengestalten in leicht schwebenden Bildern.\nWährend einer schlaflosen halben Stunde aber in der Nacht erscheint ihm\nplötzlich, wie durch die Transparenz seines Mißbehagens und quälenden Denkens,\ndie schwimmende Silhouette des Wormser Doms vor dem abendlichen Horizont,\nmit einer wal)nsinnigen Gebärde von Kraft vor ihn hingeschleudery mächtig,\nstolz und ungeheuer. Die Gewalt der Erscheinung wirft sich über ihn, ver-\ngewaltigt sein Denken, er findet einen unbegreiflichen Rausch darin, in der Wucht\ndes Bildes aufzugehen, sich zu finden und zu verkörpern —— und er glaubt mit\neinem Mal, daß dieser ganze Tag in dieser Stadt, der ihn damals verstörte,\nein großer Genuß und fabelhaftes Erlebnis gewesen sei. Langsam mit dem\nVerklingen der Erscheinung findet er sich erst wieder in sein Leben. Die nächsten\nTage reißen ihn durch die Fieber grenzenlosester Diskussionen, seelischer Trans-\nformationen, geistige Erregungszustände und Tumulte. physisch jagt er von\nAuto zu Auto. Dazwischen Pausen penetrantester Abenteuerlichkeit Er sieht\ndazu in einer ruhigen Vormittagsstunde den Tiergarten, von fast realer roter\nSonne überschwemmt, in der unsäglichen Mildheit märzlichen Schnees, erlebt\ndie süße Dämmerung des Kurfürstendamms und erblickt von der Stadtbahn\naus handschlagkurz über der verklärten von innen herausstrahlenden Mittags-\nform der Frühlingsstadt in einem schmächtigen Silber das lange Glänzen eines"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.8", "texte": "über dem Leipziger Platz hängenden Zeppelinkreuzers. Der folgende Tag wirft\nihn nach Leipzig in schwärmender Geschäftigkeitz der kommende nach Weimar.\nIn der Eisenbahn dann überstreicht er mit einem nachdenklichen Blick den über-\nmäßigen Anprall in so kurze Frist gespannter Erinnerungen. Während sich\nunter seinem Willen die Erlebnisse mählich zu ordnen beginnen und langsam\nanfangen wie beladene Äcker vor ihm herzuschwankem wirft sich über all den\nFrieden wie ein Faustschlag riesige Masse, und stemmt sich gegen den Knäuel\nzersplitternder Erlebnisse und Dinge die brutale Brust des Wormser Doms.\nEr fühlt wie das Bild ihn ergreift, in sich zieht und wie s eine ganze Empfindungs-\nmöglichkeit sich über die verdrängten Reste der Erlebnisse der letzten Tage nach\ndiesem aufgetauchten Phantom hin stürmisch und fieberhaft bewegt. Als der\nWanderer aber auf der alten Mainbrücke in Frankfurt stand, mit noch nicht\nwieder völlig geglättetem Seelenspiegel, aber doch im Begriff dahin zu kommen,\nund dort lange stehend die Süßigkeit des Mövenabends genoß, wußte er kaum\nmehr etwas von diesem brutalen Ereignis, suchte nur wieder Gleichgewicht\nzu erhalten und genoß unbekümmert reine Gegenwart und ahnte dunkel allein,\ndaß ihn vielleicht heute, viclleicht in einer Woche das wie ein Amokläufer er-\nscheinende Bild des Wormser Domes wohl wieder aus Leben, Traum, Beginn\nund Rausch herauszerren werde.\nSo, Freunde, ist uns der Krieg mit den Monaten geworden,denen es\nbestimmt ist, im Lande zu sein. So ist uns der Krieg ein fabelhaftes Erlebnis\ngeworden, das irgendwo ungeheuer an den Grenzen des Reiches brennt, uns\naber schwingt das gleichbleibende Leben wie jeden Organismus in seinen weiter-\nlaufenden Rhythmus hinein. Wir werden zwischen Erleben und Lebenmüssen\nwie von rasenden Pferden auseinandergeriisem Kaum haben wir uns dem\nanonymen Leben in Arbeit und Geist hingegeben, schnellt sich der schneidende\nTubaton des Geschehens draußen grell gegen uns, wir strecken alle Nerven nach\nihm, bäumen uns im wütendstcn Erleben, dann verklingt er, wir bleiben restlos\nallein und beginnen von neuem den Kreuzgang des allgemeinen Tuns. Aber eh\nwir wieder Wurzel faßten, hebt uns ein rasendes Ereignis wieder über und\naus uns selbst heraus. Dies alles liegt sehr entfernt von den furchtbaren Fragen\ndieses Krieges und gerade soweit vom Enthusiastischen wie vom Pazifistischem\nes soll keine Meinung sein und bedeutet weder Schilderung noch Erledigung.\nEs weist über oder mehr noch unter allen Problemen auf einen Zustand und\neine Erscheinung, die zwischen ihnen allen hinschwankt Ia, so schwanken wir\nalle, zwiespältig und ohne Beendigung hin und hergerissen im Uferlosen, denen\nder Geist täglich geteilt ist. Es ist wahr, es mag ein geringer Schmerz sein\nund eine kleine Grausamkeit, zieht man das Unendliche jener vermiedenen Fragen\nheran zum Maßstab. Es mag ein geringer Schmerz sein, aber er reißt uns\nan allen Zzöllen «—- und sei es nur an ihren Peripherien --— gnadenlos vorbei.\nDoch es heißt mutig zu sein und ein unerschütterliches Herz zu haben.\n\nKasimir Edfchmid"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.10", "texte": "Karl von Eifensteim Prag.\nchön wird das sein, dereinst beim Lampen-\nglanz\nim Kreis der Lieben, wenn wir stolz\n- berichten\nvon Sturm und Schlacht und wildem\niwaffentanz\ndie abenteuerlichsten Kriegsgefchichten\nAuf allen Wangen werden Flämmchen glühen,\nhell vor Begeisterung aller Augen leuihten\nund köstlich wird nach des Erzåhlens Mühe\nein Fühler Trunk die heißen Lippen feuchten.\nHerr Gott im Himmel, wird das herrlich sein!\nDa ——— leise, feierlich breitet das Schweigen\ndie Schwingen aus. Und plötzlich hältst du ein\nund mußtbeschåmt das Haupt zur Erde neigen:\nEin bleicher Zug wankt still an uns vorbei.\nIhr Nsund ist stumm. Doch ihre Wunden sprechen:\n,,Vergeßt uns nicht! Wir waren auch dabei!\nWir halfen euch die Bahn zum Siege brechenl«\nDann füllen wir das Glas bis an den Rand:\n,,Euch sei ’s gebracht von eueres Blutes Erbe-il«\nUnd wenn der letzte aus dem Zuge schwand,\ndann leeren wirs. Und klirrend gehts in Scherben."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.11", "texte": "ch lese jetzt regelmäßig französ is ehe Zeitungen. Vom\nMatin, den ich schon vor dem Kriege verachtet habe, will\nich nicht reden, sondern nur von Figaro und Temps, deren\nWeltmacht wir nichts an die Seite zu setzen haben.\nSie sprechen von den Deutschen nicht in den Schimpf-\nWorten wie die Boulevardpressm sie sagen nicht einmal\nles B0ches, sondern ganz korrekt les Allemands Aber trotz-\ndem ist jede Zeile vergiftet von dem gequälten Verlangen,\nden Namen des Feindes mit einem Grauen zu umgeben, mit einem Entfetzery\nwie es bisweilen in Kindern erzeugt wird, wenn sie durch heimlich gelesene\nBücher oder durch belauschte Gespråche zu erfahren glauben, daß es auf dem\nGrund der Seele Unaussprechliche Ungeheuerlichkeiten gibt.\nAls Novelle deutsche Greuel im Bericht einer Augenzeugim die dabei naiv\ngenug ist, zu erklären: »Es war in einem Dorf, dessen Namen ich nicht mehr weiß,\naber dort unten wird Ihnen jeder sagen, wo es geschah, daß die Deutschen . . .«\nHeute ein Dank- und Zzuldigungsschreiben eines elfåssiischen Knaben aus\ndem Thanner Tal an den Präsidenten der Republik nebst dem Antwortschreiben\ndes Präsidenten der Republik an den Knaben im Thanner Tal —- das Entzücken\naller Salons der Welt, denen bewiesen wird, daß die alte französische Eleganz\nnoch nicht gestorben istz morgen ein neuer Brief des Herrn Saint-Saens, der,\nEnde Dezember, noch immer ruhig behauptet, der französische Pavillon in\nLeipzig sei zerstört worden.\nMeine deutsche Zeitung setzte mir an drei Abenden hintereinander fol-\ngende Aufsätze vor.\nMontag: Zzzerr X» Geheimrat und Exzellenz, hält es für unerträglich, daß\nnach dem Kriege die alten internationalen Beziehungen wieder angeknüpft werden.\nWeder sollen auf Kongressen die staatlichen Kommissare miteinander verkehren,\nnoch auf Ausstellungen Franzosen hängen, noch wissenschaftliche Tagungen statt-\nfinden. Warum? Unsre Würde und unser Zzaß verbieten es uns ——— keine\nGemeinsamkeit mehr, wir sind uns selbst gut genug.\nDienstag: Pfarrer N. stellt im ersten Teil seines Artikels die Frage: darf\nder Christ seine Feinde hassen? Nein, der Christ darf seine Feinde nicht hassen.\nAndererseits aber, Teil zwei: darf der deutsche Cl)rist die Engländer hassen?\nIa, England darf er hassen. Diese Ausnahme erlaubt uns der liebe Gott, weil\nwir es sind.\nMittwoch: Ein Oberlehrer spricht ———— ja, wovon doch? Ich weiß es nicht\nmehr, ich weiß es nur, daß er am Anfang Fichte und Iahn beschwor.\nGlauben Sie, es sei mir nach der Lektüre der französischen Blätter eine\nErholung, nach den deutschen zu greifen? Wenn Professor D. in S. den Vor-\nschlag macht, statt Vandalismus künftig Gallizismus zu sagen — wiegt das"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.12", "texte": "SainvSaens und Ohnet nicht zusammen auf? Man stelle sich das doch vor:\neinem Kunsthistorikey einem Mann von mindestens fünfzig Jahren, siiegt ein\nsolcher Gedanke durch den Kopf und erscheint ihm so glänzend, daß er fich sofort\nan den Schreibtifch f etzt und einen Artikel verfaßt. So trägt man fein Scherflein\nzum großen Kriege bei.\nNun lese ich noch gewisse deutsche Witzblåtter, deren Witze diefeindlichen\nSoldaten verhöhnen und den Spießbürgern fchmeichelm und bin geneigt, keinen\nUnterschied mehr zwischen der Presse hüben und drüben zu sehen. Und doch\nist ein Unterschied da, wenn ich im großen und ganzen abwågm\nSelbst wenn ich das Säbelrasseln von Blättern wie der ,,.. . Zeitung« mit«\nverrechne und zu ungunsten der deutschen Spalte buche, kommt für die Franzosen\nein Minus heraus —- der seltsam gehetzte, unfreie, kleinliche Ton —— die S ch w åch e.\nJemand, der in Paris war, zeigte mir ein Bündel von Anfichtspostkartem\ndie er dort an allen Straßenecken zusammengekauft hatte. Fünfzig Karten:\nfünfzigmal die niedere und trostlose Phantasie der Lateine, des Epkrements\nund derschmierigen Sepualitåt —-— es ist wie der Biß des elendesten und ohn-\nmåchtigsten Tieres, der Zzyåna\nIch hatte mich schon aufgeregt, als ich neulich an einem Berliner Zigarren-\ngeschåft eine Karte sah, auf der unsere sieben Feinde mit der Umschrift um-\ngeben waren: hier gibt’s Tobak. Das ist wohl plump, aber es ist nicht unsiåtig\nBei uns verkauft Wertheim einen Gummistempeh »Gott strafe England« Das\nist kindlich, aber es ist nicht gemein.\nAls der Krieg ausbrach, traf ich in Straßburg eine elsåssische Dame mit\nihren Kindern. In ihr siammte noch einmal die alte Abneigung auf: ,,Arme\nKinder,« sagte sie, ,,man wird euch verbieten, euch mit mir gebildet zu unter-\nhalten,«und hysterisch befahl sie der Kleinen, ihren letzten Satz, den sie deutsch\ngesprochen hatte, auf französisch noch einmal zu wiederholen.\nIch konnte nur die Achseln zucken, und unsre alte Freundschaft erkaltete\nin einer Minute, weil ich das, was sie Tragik genannt wissen wollte, nur als\nein winziges Unglück in der Provinz empfinden konnte. Außerdem wird sie\nnach wie vor französisch reden können, nur würde ich an ihrer Stelle meinen\nKindern den ewigen und so unerquicklichen Zwiespalt der Zzeimatlosigkeit er-\nsparen und ihnen zwar französische Kultur in vollem Umfange vermitteln,\naber die heimliche Koketterie und die Unaufrichtigkeit fortlassen.\n, Am gleichen Abend ging ich mit einem Elsåsser durch die Blauwolkengaisa\nArtillerie rückte aus den Vogesen ein, bestaubt, erhitzt, aber laubgeschmückt\nund von einer fröhlichemetwas schweren und derben Kraft, die ihr voll-\nkommenes Symbol in der grauen, soliden Felduniform gefunden hat."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.13", "texte": "»Diese Soldaten besiegt man nicht,« sagte der Elsåssey und wie er heim-\nging, um sich auf sein Bürgerohr zu legen, hatte er begriffen, daß einmal der\nAugenblick kommt, wo man sich entscheiden und mit den krankhaft empfind-\nlichen Gefühlen ein Ende machen muß.\nIch besuchte neulich das Gefangenenlager in Zossen. Diesmal war mein\nBegleiter ein Berliner, dem ein kritisches Verhältnis zu feinem Deutschtum\neinfach unverständlich wäre. Aber es war nun interessant, zusehen, wie nach-\ndenklich er wurde, als er die Franzosen sah:\n»Ihre Köpfe sind schmäler als die unserer Soldaten, ihre Züge geistiger\nund spöttischetz die Figuren hager, die Dicken fehlen.«'\nIch sagte ihm, man müsse es eigentlich begreifen, daß der Antimilitarismus\nin Frankreich so große Fortschritte gemacht hatte. Denn von einem gewissen,\nintellektuellen Standpunkt aus ist der Antimilitarist der, der kritischer, indivi-\ndueller, selbstbewußter ist. Aber daraus den Schluß ziehen, wie es im Ausland\ngeschieht, daß der deutsche Soldat nur ein Zzammel sei, den seine Führer in\ndie Schlacht treiben, das ist die falsche Rechnung, die sich bitter gerächt hat.\nDenn das militärischsDeutsche in geistigen Wert umgesetzt: im deutschen\nWesen ist ein Maximum von Månnlichkeit gezüchtet worden, das keine Parallele\nauf der Welt hat.\nDie Pathetik der Franzosen ist alt, aber die Månnlichkeit der Deutschen\nwird sie ablös en. In Männern wie dem Kapitån von Müller und dem Leutnant\nvon Mücke, beide auf der ,,Emden«, ist dieselbe straffe Sachlichkeit, kühne und\nvöllig disziplinierte Verwegenheit, die einmal unsere geistigen Menschen befåhigen\nwird, die Dinge mit einem Degenstoß ins Herz zu treffen.\nDer gute Europåer von morgen, das ist die Fortsetzung des normalen\ntüchtigen Deutschen von heute. Wenn sich in meinem Kopf die ganze, aber auch\ndie ganze Welt spiegelt, wenn nichts mir fremd ist, wenn ich mich nicht wieein\nEngländer borniert zeige den tiefen und verwickelten Dingen des Geistes, der\nKunst, des Erlebens gegenüber, dann bin ich das alles, weil ich ein Deutscher bin.\nDas hat nichts mit Rassenphilosophie im Stile Wagners, Chamberlains\nund unsrer Professoren gemein. Ich triumphiere deswegen nicht über die\nFranzosen, aber ich glaube, dieses Selbstgefühl macht nicht anmaßend, sondern\ngütig und gerecht. Denn in dem Zukunftsbild des deutschen Menschen fehlt\ndie große und deutscheste Tugend nicht, die ,,Objektivitåt«, der ungemessene\nAnstand, die restlose Ehrlichkeit des Mannes."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.14", "texte": "Andrä- Suarez’ ,,Italienische Reise«, ist jetzt deutsch herausgekommen. Es\ngibt in Deutschland vielleicht fünf Leute, die diesen Instsinkt der lateinischen\nVölker für das sichtbar Schöne, die Rasse, den sicheren Geschmack, den Takt\nhaben. Also ist es eine nützliche Lektüra\nAber ich denke, diese fünf Köpfe und die, die nach ihnen kommen werden,\nsind Geister anderen Kalibers. Der Franzose spricht im Namen seines Volkes\nund dessen, was es der Welt gegeben hat: wir alten, tausendfach bewährten\nLateiner. Was ist das im Grunde? Verteidigungsstellungz der Reiz der Patina\nliegt über diesen Büchern und diesen Menschen. Das Ideal der Rassigkeit und\ndes sichern Geschmacks —- es war zur Zeit der Marquisen, daß es Europa zu\nerobern begann.\nDie Sinnlichkeit ist da, aber wo ist pas, was früher Wikinger,Normannen\nund Flibustier hinaustrieb? Es ist auf der deutschen Seite, in den Seeoffizierem\nvielen Kämpfer-n der Schützengrabem den Fliegern, in allen denen, deren\nGestalt ohne Fett und deren Seele strass und voll einer heiterm, mühelosen\nEnergie ist.\nDie lateinische Schönheit, das ist ein erhabener Dilettantismus geworden.\nIch ahne deutsche Menschen, die seine Feinnervigkeit und sinnliche Prågnanz\nmit der eigenen Männlichkeit verbinden. Bei Englåndern und Amerikanern\nwird die große Leidenschaftlichkeitz die ich meine und die immer ståhlerne Klar-\nheit ist, nie gefunden werden, bei Russen auch nicht, obwohl ich vor diesen und\nihrer musikalischen Weiblichkeit fast Angst habe. Es ist höchstens der italienische\nFuturismus, der mir zu denken gibt, denn seine sadistische Brutalität ist ein\nAufstand des Månnlichen gegen das Uebermaß der Gefühle.\n\nOtto Flake."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.16", "texte": ") kesskaz\nA H · St«-»«’;-«-- »MPO MPO s\n· . ji«-spi- - ·\n« E« Co Lnssc H Mir? I\nMPO E. LETTRE\nl 4 MPO - UNTEE DEN UNDEN 71 H\nBrut-I N «\n\nRichard L. F. Schulzs\nBeleuchkunggkörper und\n» rKunstgerät l\nschönster Formenund bester Augführungaus r\nalletlskändern und eigenen s\ns Werkstätten\n. Augstellungz Berlin W, Bellevuestrasze 14"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.17", "texte": "h Über den Inhalt der neuen, von K a r l 8 a nf e lo w\nherausgegebenem a u ff eh e n e r r e g e n d e n Monatsfchrifts\nDas neue etch\ngibt es nur das einmütig e Urteil uneingefchränkter\nZustimmung und Bewunderung. r r s «\nJon den höchsten führenden Kreisen bis zum einfachften Mann im Volke findetszszsz\njeder in den hervorragenden Aufsätzem fpannenden Erzählungen, begeifterndens «\n-s Gedichtem prächtigen Bildern u. gefchmackvoll ausgewählten Musikbeilagen den\nschönsten und beglückendsten Ausdruck für Stimmung und Streben unsere-r Zeit. e\nZ . Wer das »Neue Reich« noch nicht kennt, beftelle durch seine Buchhandlung oder\ns den Verlag, Berlin SOLO Bernburgerftr.14, die Lieferung der Zeitschrift zur Probe; \"\nGalbjährlich M. 4.50, EinzelheftspM. 0.80) oder gegen 20 Pf. in Briefmarken g\nden Beginn des zeitgemäfzen Nomans \",,Di·eGefchichte der neuen Schönheit«\nl und die reichilluftrierten Prospekte und Drucksachen der Neudeutfchen8ereine.\n\nEin neuesfchönes Blatt ans dem\nGebiete der modernen Graphik\n- « a «\nKrtesmadonna\nOrtinaLHolzschnitt von «\nWalter Teutsch -\n« özanddruck Nr. I bis 20 auf echr Japan z( e\nvom Künstler gezeichnet je Lssark 20-.——— e\nTeutfch hat hier ein überaus stiinmungsvdlleskBlatt ) « e\ngeschaffen, das sich kein Sammler entgehen lassen sollte. ; MPO\nZu beziehen durch jede Buch- und KunsthandlungA L\noder direkt durch den « - «\nGraphikOerlag Munchen G. m. b. H.\nMPO München, Glückstraße 5 Berlin, Pariferplatz7"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191505-02.1.18", "texte": "Dr. C.Wolf öc Sohn, München.\n\n« »« F ·— s »« ,-,: · ' «- .«, -« . «« . «, — . s «— , . «:\nz» »» s« i «s - s ’ - « - — s— - —\n, s’« A .\" x . . » « » ·, z» - « ·- , , ’-.’ »« . \" i« « , ». « · i· « sp «- . « l.\n, »! .««,\" .-- z« »: » « » - · » - «\" - v «\n, »! O - v » « s « ; sz · « « s« ; ««»« « « » . «« .\nJ, . l« .«· « , « . «· . v b\n1 , « , s « · s «\nx - »«\nv « « « - «\n, J l' .- · «\ns« « . \" .\n« s.\n« » . . G. M. B. H H » , «\n«. «» . . v - « v ' -\n«« : BERLHN WILHELMSIR 69 T\n» «« , s s s\n,. ; - ' v , «\n»«’ l —’ I l ( . v.\n- «-\" , X . « - .\n; « l I\n' s «.\n;\nJ« X\n» · I\nH ;\n· ’.\n. ! , , «\n."}]}