{"numero_id": "bm-bmtnabb-1915-06-01", "volume": "bmtnabb_1915-06_01", "ocr_sha256": "c8ecf4c73148ae0f80fe4d2f441b6ef56b6c94217154350b139fa58def2999a1", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1915/06_01/bmtnabb_1915-06_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1915/06_01/bmtnabb_1915-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_01#c001", "volume": "bmtnabb_1915-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "249", "page_fin": "249", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.2.1", "titre_corps": "ir starben jeden Tag in jedem Land,", "titre_sommaire": "ir starben jeden Tag in jedem Land,", "signature_source": "Rudolf Leonhard", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 362, "texte": "Rudolf Leonhard\nir starben jeden Tag in jedem Land,\nWir lebten, erregt szund furchtlos,\nund unverwandt\nHaben wir initlionenmal die Millionen\nTode erkannt.\nNun stehn wir in der großen Not\nUnd zittern nicht: doch vor uns droht\nGesicht des Todes, schliinmer als der Tod.\nUnd wir wissen voll Grauen: unser Leben\nIst uns als fürchterliches Wunder täglich neu gegeben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_01#c004", "volume": "bmtnabb_1915-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "251", "page_fin": "254", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.2.3", "titre_corps": "as Vertrauen auf die irgendwie göttliche Kompetenz", "titre_sommaire": "as Vertrauen auf die irgendwie göttliche Kompetenz", "signature_source": "Alfred Lemm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2830, "texte": "as Vertrauen auf die irgendwie göttliche Kompetenz\nhistorischen Geschehens sindet ihren bösen Versucher immer\nwieder in dem Fehlen des Beweises, daß das Lebensfåh i ge\nauch das Lebens w e r t e fein muß. Das in seinen Beziehungen\nzur Welt schwächere kann das Höhere sein. Unter-\ngegangenes wäre werter des Siegens gewesen. Die, welche\nauf den ges chichtlichen Sinn der Welt schwören, s etzen von\nvornherein die Unbekannte ,,Realitåt« als positiv. W i r\nkönnen diese nicht als Basis für unser Lebensgebåude annehmen. Nicht die\nWelt wie sie ist, sondern wie unser Geist will, daß sie« sei, ist der Winkel,\nunter dem wir zurück und umblickem Das Leiden am Geschehen trieb uns\nzum Rückzug auf uns. Gothiker, trotz aller Anbetung dieses herrlichen und\nverfluchten Lebens, fanden wir, daß der Geist in uns höhere Wege bezeichnete,\nals die Wirklichkeit lief. Nåhme man die Richtungen gar als einander feindlich\nan, es wäre bei der heutigen Weltlagenicht zu verwundern; und vielleicht\neinzige Beruhigung. Daß dies oder jenes nur so in der Realität möglich ist,\nist uns höchstens trauervolle Erkenntnis. Nicht aber verführt es uns zu der\nBequemlichkeit, es uns als das Gute und als das vielgepriesene Endziel von\nder Wirklichkeit aufdrängen zu lassen. XVir geben es nicht zu, daß diese unsere\nKöpfe modelt, mag sie, die stårkere, uns noch so oft Clownsköpfe aufsetzenx\nDer Geist in uns bleibt alleiniger Maßstab und Ausgangspunkt.\nEs scheint, als ob der Kulturaufstieg des Menschengeschlechts darin besteht,\ndaß das Außen zum Innen wird. Das Tier kann den Baum nicht in sich ein-\nbeziehen, so daß es aus ihm etwas zu machen vermöchte. Von den mythischen\nGötzen, die noch ganz abgetrennte Mächte sind, meist auch im Aufenthaltsort\nvon der Erde geschieden, bis zum Nietzscheschen Menschen, der selbst Gott ist,\nhat die Menschheit den Glauben etappenweise aus der Außenwelt zurückgeholt\nund in den eigenen Umkreis ver-legt. Der Entwicklungsgedanke gab die Zuver-\nsicht auf das selbständige Vermögen und ungeheuere Schwungkraft auf der\nBahn zur Entanzipation der Natur gegenüber. Nun wissen wir es: Die Welt\nist mit den letzten Menschen zu Ende. Um uns regt sich nichts mehr. Unser\ngutes Hirn hat· Maschinengewehrarbeit verrichtet. Nur in uns Menschheit ist\nHimmel und Hölle. Kein Pantheist kann, setzt er sich selbst nicht als Haupt-\nmotiv in die Natur, lange die Augen zukneifen, wenn er aus seinem Wald in\ndie Städte kommt. Die Menschen sind unser endgültiger Glaubensbezirk\nIhn überspringend mag der mystische Orientale sich unmittelbar an das All\ngeben können. Wir Jndividualen gelangen nur überuns selbst zur Unend-\nlichkeit. Denn als unsere Hoffnung sich auf die Menschen warf, wurden sie\nEwigkeit. Sie, die Träger des Geistes, dessen Herrschaft wir in fernen Zeiten\nund Reichen ersehnen, sind Abgesandte aus Jahrtausenden voraus in die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2913, "texte": "Gegenwart. Im Selbst und im Mitmenschen liegt der Ansatz zu dem Herrlichen,\ndas sich als ungeahnteste Möglichkeit durch unsere Träume zieht. \"Der« Geist\nist inkarniert im heutigen Fleische. Ihm dort zu dienen, heißt unserer\nSehnsucht naehgehen und nahekommen schon auf dieser Welt. Die:\nGeistigem Hostiem in die der Leib des Herrn fuhr, sind die einpfangenden\nMittler des neuen Opferdienstes Nach der langen Zeit toter und beseelter\nUmweltgötter muß der Kult der Lebendigen erstehen. Wenn die Welt dem\ngeistigen Menschen Dienst tut, dient sie dem Geist. Deshalb mache sie seine\nSachverwalter, sich selbst erniedrigend, zu Ulächtigen auch der Realität\nDer Geist erhält mit den Geistigen Macht auf Erden. Den Weg zur\nMacht gehen diese mit dem Zusammenschluß. Nachdem wir den Blick von\ndem einmal erkannten fernen Ziel zurückgeholt haben, entsteht die rein politisches\nund unsentimentaleForderungx Festgefügte Organisation aller Geistigen\nzum Zweck der Machtentwicklung Das eigene Kainpfmittel des Geistes,\ndas überzeugen, reichte nicht aus, sahen wir. Wir werden es natürlich weiter\nbrauchen, aber das Zzauptgewicht liegt nun auf dem Sich-Beu gen, dem Sieg-\nmittel der Realität. Es bilde sich ein Geheimbund Die Mitglieder erkennen\nsich an den Köpfen -- aber auch an den Augen. Unzerreißbares Zusammen-\nhalten, Einanderhelfem die Front in geistigen und körperlichen Eristenzkaiiipf\ngegen jede Art Antigeist gerichtet. Alle kennen sie sich, seit ihrer Geburt, ohne\nFormalitätenx kennen sie doch den, mit dem der andere umgeht, den Geist.\nDie sich mit aller ihrer Inbrunst weit hinaus über sich auf ihre Sache\nwerfen; die reinen Herzens ihre Mission, uns dem fernen Ziel näher zu\nführen, abschätzen und die Berufeneren willig vorlassenz die ungetrossen von\nBeleidigungen und ungerührt von Eitelkeiten lachend rufen: es gibt keine Per-\nsönlichkeiten, es gibt nur Sprachrohrq Sachwalterz die sagen: was kommt es«\ndarauf an, wer den Hebel abgibt! die reinen Gläubigen an Mensch und\nGeist; sie werden in dieser Bruderschaft sein.\nEiner wird durch den anderen nicht in Frage gestellt. Er freut sich über\ndessen Besserköniiem Stolz? fragen sie verwundert. Aber du bist unverant-\nwortlich. Sollst blinder Aufhorcher und Gehorcher des Geistes sein. Sie sind\nkeine Besserdünker oder scheiden sich gar durch einen Strich von den weniger\nEntwickelten ab. (Nur verlangen sie, was sie zu ihrem höheren Dienst brauchen)\nDer Mensch als Keimträger der göttlichen Zukunft ist ja ihre Religion, deren:\nKultus auf Verbundenheit mit den Ummenschen gestimmt sein muß. Ohne das»\nwarme und beseligende G! der Ummenschheit fängt ein noch so gut funk-\ntionierendcr Zzirnsiugapparat an zu klappern und springt nach nicht langer\nZeit aus innerer Vertrocknung und Erkaltung Uns ehns üchti g s ein ist der«\ndemütigendste Vorwurf für die wahren Geistigem Ihre Sehnsucht\naber wendet sich, gleichsam vorläufig, an die Lebenden. So schließen sie den»"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3129, "texte": "fürchtenswertesten Spalt der neuen Zeit, denzwischen geistiger und ethischer\nForderung. Wem Menschen beginnende, wenn auch noch so winzige Symbole\ndes köstlichen Geistes sind, ist unreligiös, wenn er unethisch ist. Wie die\nKunst zum Stoff, so steht der Geist zur Ethik, dem ,,Dasein der anderen«.\nEs muß überwunden werden, nicht aber durch Auslassung sondern durch Ein-\nbeziehung. Not soll zur Tugend werden. Denn wohl rechnen wir diese ewige,\n,,ideelle« Realität mit, wie wir jene momentane und vergängliche ausschieden.\nIst doch das ferne Abbild, vor dem wir knieen, nicht der reine, abgetrennte,\neisige, sondern der menschliche Geist. i\nIn hartem Bohren verästelt sich der Bund durch das Volk. Kamorrha-\ngleich tauchen sie allein, zu zweien, in dieser Stadt, in jener Stadt auf. Jeder\nfindet beim ersten Klopfen Hilfe nach Kräften in jeder Not. Weltfremd in ihren\nhöchsten Zielen, aber ungemein weltnah im Durchsetzen wird die Bruders chaft sein,\nein mächtiger Ritterorden, geistlich und kämpfend, wie in alter Zeit. Auf ihre\nRechte süchtig, die Rache auf dem Fuß folgen lassend, den Vorteil der Lage\nerspähend, Philosophen im Großindustriellenrock Geschlossen treten sie den\nKultus- und Iustizministerm den Kunsthändlern und den Schulbehördem den\nKonsistorialräten und Theaterdirektoren, den Parlamenten und Zeitungsverlegern\ngegenüber: Wir diktieren euch unsere Forderungen -- sonst Streik, Boykott\nSie werden die Aussperrung auf sich zu nehmen wissen. Sie können leiden für\nihr 1Verk. Die Bruderschaft wirkt zuerst auf die, die ihr am nächsten stehen.\nVon ihnen pflanzt sich der Schall fort auf die Entfernterem Hie und da wird\naufgehorchy die Richtung geändert. Arbeitend, unterwühlend, sich einkeilend\nschasst der Bund, eins bis auf den Hungertod. Die Gesellschaft, stets unter-\ntänig, wo sie reale Macht spürt, beginnt schon vor den Verwaltern des Geistes\nden Hut, den sie vormals aufbehielt, ebenso tief zu ziehen, wie vor ihren Göttern\ndes Geldschrankes und der 500jährigen Ahnenreihe Die Bruderschaft erweitert\nsich zur Partei. Sie sendet einige Männer in die Parlamente. Es ist nicht\nwahr, daß nur der Geldsack einen Haufen Menschen zur Partei umschließen\nkann. Hinter den Klerikalen stehen Wähler, die auch durch ein Überweltliches\nverbunden sind. Jene primitiven Gefühle, können allerdings eine größere An-\nhängerschaft nach sich ziehen. Aber auch für den organisierten Geist ist Gelände\nda. Was nicht durch innere Macht einzunehmen geht, wird durch äußere über\nden Haufen geworfen. Schon hat sich der Bund als maßgebend für die\nGesellschaft eingedrängt -— etwa wie die Prostituierten für die Frauenmodr.\nWas die Bruderschaft in Schutz nimmt, davor hat man Achtung. Wogegen\nsie protestiertz das gerät in Mißkrcdit Die Achtung der Gesellschaft muß vom\nVolk nachgebetet werden. Was vom Volk auf den Schild gehoben wurde,\nmuß der Staat einmal anerkennen. Aus der Macht im Volk, im Parlament\nwird Macht in den offiziellen Kreisen. Die wirkt wieder zurück auf die Gesell-\nschaft. Die Wertungen der Geistigen werden angenommen. Ihre Lebensart\nwird immer mehr Vorbild. Sie sitzen bereits in wichtigen Ämtern und Kollegien"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2961, "texte": "Denn derStaat kann sich auf die Dauer nicht vor seinen Angehörigen lächerlich\nmachen. Ein Teil des Volkes hat sich um die Bruderschaft gruppiertz ein neuer\nStaat im«Staat. Ruhelos wird an der Umwertung gearbeitet. Der Nur-\ngeldmann und der Nurgebttrtsadelige müssen die Hintertreppe hinaufgehen.\nDer Ritterorden des Geistes hat den Stand des Geldes auf den Notwendig-\nkeitskurs, den unechter Vergangenheitswerte auf Null herabgedrückt. Immer\nmehr Volk tritt hinter den neuen Staat. Vom alten existieren nur noch einige\nKalkulatoren in einem Büro mit Kaiferbildnis, Wafchtoilette und dem ein·\ngerahmten Reglentent ,,über das Recht der Unterbeamten auf angemessene Titu-\nlierung«. Auch sie genieren sich und laufen in einem unbeobachtetenAugenblick über.\nDas Auge versiießt in Weiten . . . . Eine jahrhundertalte Kaste herrscht\nim Lande. Alle Kasten haben sich in ihr aufgelöst. Jst sie doch zugleich die\nKlasse des größten Reichtums, des wahren Adels und der Priester, deren Gott\nniemals gestürzt werden kann. Keine Grenze ist festgelegt zwischen ihnen und\ndem Volk; niemand vermag zu sagen, wo der Kreis der Herrschenden beginnt.\nDenn das Volk hat sich långst der Bruderschaft des Geistes angegliedert,\ngleich ihr gestuft nach dem Gesetz der Erdenschwere und der Leichtigkeit des\nGeistessiuges. Die Menschen haben gelernt, wozu das 19. und 20. Jahrhundert\nnoch zu ungereift und zu altklug war: Stufe zu s ein. Nicht in die Natur\nhaben sie sich eingeordney sondern in die Ummenschheiu Sie halten willig die\nHand, zum Steigbügel geformt, dem Aufstiegstverteren hin, jeglicher in seinem\nUmkreis. Jeder hat seine Aufgabe, deren Höhe ihm seine Natur bestimmt —\nunsagbar rein zeigen die Barometer ihrer Herzen an. So erkennen sie wie\nweit sie Steiger, wie weittSprosse sind; erhöhen oder bescheiden sich. Keine\nKraft geht verloren. Alles sammelt sich nach oben. Notwendig und wertvoll\nsind die kleinen Sparer des Geistes wie die Großkapitalistem So werden durch\nden Druck der Ergebenheit die stosslichen und idealen Encrgien hoch gepreßt\nbis zu den Sprossen der Geistige-i, die selbst nur tief demütige Diener der\nSache und ihrer höher stehenden Vertreter sind, und von diesen wieder hinauf\nin den klaren Himmel. Jeder steht auf s einer Sprosse auf der Leiter, die\naus Menschen nur gebildet, doch in die Ewigkeit ragt.\n?Der Äriegssuftanb, ein Urjujlanb, hat alle VerhcUtnific auf größere, gröbere\nttmriffe 5urfi<fgcffii)ct — &\\>nliä) ben früherer 4)$hlettbcwol)ner.\nWo# nie war fo grauenhaft Flar, baß ber <5cifl Feine tttad)t l)at auf l£rben.\nVleä) nie würbe bie Vereinfamung ber ©einigen fo jum tief empfunben,\ntute heute, tüo alle £albnal>en mit fortfdbwantmen. £>ie Erfüllung beiber -öe«\nbürfnijfc, bie fdjon lange als beflehcnb beutli<$ gefehlt würben, wirb heute\njutn {türmen Verlangen über alle 4>tnberni|fe fort. 3n biefer ©tunbe f#on\nmuf bas Werben für bie 23ruberf<#aft bes (Beides beginnen, bie ICinfamFeit\nals btplomattfcbe <?>ilfe benutjenb.\n\nAlfred Lemm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_01#c007", "volume": "bmtnabb_1915-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "256", "page_fin": "257", "image_debut": 8, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.2.5", "titre_corps": "ie Geistigen haben am Anfange dieses Krieges ihn bejaht,", "titre_sommaire": "ie Geistigen haben am Anfange dieses Krieges ihn bejaht,", "signature_source": "Rudolf Leonhard", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2883, "texte": "ie Geistigen haben am Anfange dieses Krieges ihn bejaht,\nihn bejahen müssen; wenn sie auch ihre Stellung gegen\nden Krieg, fchon in der Erkenntnis, daß jeder geistige\nVorgang Krieg sei, nicht aufgaben, erkannten sie, von den\nwenigen abgesehen, die aus falicher Metaphysik den Krieg\nüberhaupt gutheißem daß das vorhandne Europa der\nbleibende, bleiben müssende Grund ihrer ach so nebelloscn\nPlane sei. Ob sich dies geändert hat ·—- zumal man nicht\nmehr weiß, ob es gegen Osten, nach Westen, oder um was es überhaupt geht —-\nbraucht nicht beachtet zu werden. Auf jeden Fall sind (außer den Frauen) die\nGeistigen die am meisten Leidtragenden dieses Krieges; nicht nur weil ihre\nKulturidcale zusammenstürztenz nicht nur weil in ihren Reihen zahllose Opfer\nden geistigen Seuchen dieser Zeit fielen — sondern weil dieser Krieg, sein Beginn,\nsein Verlauf, seine Führung, eine ungeheure Bestätigung des Bürgerlichen\nbedeutet. In der Tat hat der Bürger in diesem Kriege, in diesem internationalen\nKriege, diesem Kriege der politischen Trusts, dieser Kulmination des politisierten\nKapitalismus, außerordentliches geleistetz er hat sich, nicht nur in seiner kom-\nplementären Erscheinung dem Militär, sondern ganz für sich rund und fest\nausgearbeitet, ist gewachsen« und in der Wirklichkeit verwachsen.\nWir werden es schwer haben. Lernen wir darum von ihm sein bestes\nMittel ——\" Organisation, lernen wir von dem untergegangnen Proletariat sein\neinziges Mittel: Zusammenschluß lVir wissen, wie schwer es uns wird —-—- aber\nman wird uns so zusammendrängen, daß wir einander endlich fühlen können.\nBefestigen wir unsre gemeinsame Vereinzelung! Erkennen wir, formen wir\ndas Bejahende der Negationl umkreisen, bewachen, belauern wir die Wirk-\nlichkeit —- da uns die Realität so hart auf die Haut gerückt- ist! Leiten wir\nsie in einen Strom, unsre Leidenschaften aller Sterne! Verkaufen wir, um den\nPreis der Welt, unsre Skepsisz bleiben wir dennoch Skeptiker -- und beginnen\nwir die skeptische Politik! Nie wird die ungeheure Verwirrung schaff-In, und\naus der wird der Geist aufstrahlem\ns Es wird schwer sein wie alles, was sein muß, und nicht wie alle Ueber-\nzeugung und Willkür. Ergeben wir uns der neuen, erhabenen Willkür der\nBündnisstz der Politik; uns sei nicht, wie dem Bürger, die Politik das Mittel\nzum Leben, uns sei die Politik das Leben, der Zweck!\nRealisieren wir die Idee; greifen wir an das Nächstez politisieren wir\nuns, zu allen Spielen der Nähe, des Tages, des Kompromisses -— glauben\nwir, daß es uns Zweck sei, und es wird gehn. Und wenn es nicht genügt —-\nmilitarisieren wir uns, die wir von je disziplinierter als alle waren -—-— und\nnur in der Bindung des Heute uns zu verlieren drohen. Sein wir des Heute\nso gewiß wie des Morgen!\nUnd vergessen wir darüber nicht, daß, wie die Verfassung die Gefahr der\nRevolution, die Hierarchie die Gefahr des organisierten Geistes ist. Behalten"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 811, "texte": "wir vor uns, daß die Macht nicht das Ziel ist, sondern der Weg; daß der\nZufammenfchluß der Geistigen nur eine Waffe ist,die nach dem Siege ein-\ngeschmolzen werde, daß, wo als Mittel gegen Macht und Ulasse die Macht\ndes Geistes verlangen —-— daß es uns aber nicht auf die Macht des Gcistes,\nwenn sie auch von allen Notwendigkeiten die zarteste Vergewaltigung bedeutet,\nsondern darauf ankommt, den Geist zu realisierenl Und ihn ganz befreit, auch\nvom Zwange feiner eignen Gewalt, zu konstituieren.\nHeute ist es so, daß Realisierung durch Zusammenballung dargestellt wird.\nWir haben schwer die Härte des Geistes erfahren —- gönnen wir uns, zunachst\nuntereinander, daß wir sie danach allen zuwenden können, von je allzu genügsam\nertråumte Güte. Wir ahnen erst, wie fehr wir schon heute Brüder sind.\n\nRudolf Leonhard"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_01#c009", "volume": "bmtnabb_1915-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "258", "page_fin": "260", "image_debut": 10, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.2.6", "titre_corps": "sis zu den Knien »", "titre_sommaire": "sis zu den Knien »", "signature_source": "Friedrich Schult", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 625, "texte": "sis zu den Knien »\n; steckten sie im\nSchlamm;\ndie einen hatten sich\nwie Wild\nein Nest gemacht\nund lagen so\nwie hingestürzte Såckez\nzwei siüftertew\nund einer rief im Traum.\nAus grauen Feldern\nreckte niedrig sich der Tag\nin träge Wolken hin,\nda riß,\nkaum hundert Schritte vorn,\ndie heulende Granate\nkrachend die Erde auf,\nvermählte sich,\nverzuckte wie ein Tier.\nDer, Schlaf zerbarst\nin ganz versteinte Stille.\nBefehle schnarrten\nwie ein Uhrwerk « i\nrasselnd fort.\nEin Lachen irgendwo\nlosch fchon den Schrecken aus,\nlief wie ’ne Katze,\ndie gejagt wird, ,\ndurch die Reihen hin.\nDampf dröhnte\nDurch Dampf und Nebel\nalle Ferne auf;"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 707, "texte": "sie hatte in der Nacht\nden Bauch gefüllt,\nnun spie sie rasend aus;\nsie bissen sich, die Eisen,\nmit verbrannter Brust,\nin Fleisch und Erde fest\nund schlugen rauschend\nErdsäulen in den Himmel auf,\nzersplitterten\nund loschen erst im Blut.\nSie harrten stumm.\nDas Eisen frißt wie Wölfe!\nEiner lächelte\nund schlenkerte den Arm.\nDas Lachen fror ihm\nnoch vor den Augen fest.\nSie harrten stumm.\nDie Städte, Bauernhäuser\nstürzten ein,\nGeråche und Gesichte\nverstackerten\nwie ein verwehtes Licht,\nHeimat war einst,\nBlut rieselte,\nzerfetzte Leiber\nstreckten sich im Krampf,\nder Himmel floß wie Erz,\ndie Erde schrie\nund stieg in Sprudeln auf,\nund graue Pfähle wurden »\nzu Geschwisterm\nSie harrten stumm.\nEinst wurden sie,"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 454, "texte": "wie Bäume wachsen,\ngroß\nund tranken sich\nan ihren Müttern satt.\nDas lang Vergessne\ndröhnte tief herauf, s\nin atemlose Einsamkeit\nbrach jede Brust,\ndes Gottes Faust\nhing über jedem Nackenk\nEiner hob an:\nUnd wenn die Welt ——- —-\nda stahl ein Sprengståck ihm\ndie Stimme aus der Kehle.\nSie nehmen ihm das Wort\nvon toten Lippen fort;\nanschwellend stieg der Sang:\nUnd wenn die Welt\nvoll Teufel wär!\nDampf Roß das Blut\nund summte nie so schön.\n\nFriedrich Schult"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_01#c011", "volume": "bmtnabb_1915-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "261", "page_fin": "264", "image_debut": 13, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.2.7", "titre_corps": "ls der Krieg ausbrach, trat alle Kunst gegenüber dem, was", "titre_sommaire": "ls der Krieg ausbrach, trat alle Kunst gegenüber dem, was", "signature_source": "Paul Fechter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2998, "texte": "ls der Krieg ausbrach, trat alle Kunst gegenüber dem, was\ndie Wirklichkeit brachte, zunachst vollkommen in den Hinter-\ngrund. Dann begannen dies Proklamationen des betont\nnationalen Schassenz die Proteste gegen die Ausländerei -——·\nund schließlich die offenen und versteckten Rufe gegen die\nneuen Versuche und Bestrebungen der letzten Jahre.\nKriegsbilder waren das Einzigq was man gelten lassen\nwollte: das Gegenständliche triumphierte und die viel\nbefehdete Darstellung schien einen Sieg auf der ganzen Linie davonzutragem\nSieht man näher zu, so wandelt sich das Bild ein wenig. Gewiß: alles\ngreift zuerst nach Bildern vom Kriege und geht an allem andern vorüber:\nwas aber gesucht wird, sind nicht Gemälde und Zeichnungem mögen sie hundert«\nmal draußen vor dem Feinde entstanden fein, — das sind vielmehr Photo-\ngraphien. Der oft erhobene Einwand gegen den Jmpressionisinuz daß das,\nwas er leistet, von Kamera und Kino viel besser erledigt wird, wird von dem\ngesicndenInstinkt des Volkes hier ohne Worte durch die Tat bestätigt: man\ntraut der mechanisch unpersönlichen Reproduktion mehr als dem Menschen,\nhält sich an die photograpische Platte und geht an den referierenden Zeich-\nnungen vorüber. Nicht ganz mit Unrecht. Die Versuche, der ungeheuren Er-\nscheinung dieses Krieges mit Eindruckswiedergaben beizukommen mußten ver-\nsagen: der Jinpressionismus ist in der Tat als einer der erstenvöllig Toten\ndieses Krieges auf dem Schlachtfeld geblieben. Der Geist, aus dem er geboren\nwar, triumphierte noch einmal in der wundervollen Sachlichkeitz mit der draußen\ndieses Ringen organisiert war, mit der es von der Mehrzahl derer, die Init-\nkämpfem betrachtet wurde. In der technischen Präzision der Kampfmethoden\nwie des Aufmarschs stieg noch einmal der naturwissenschaftliche Geist des ver-\nflossenen Jahrhunderts auf— weil er zugleich damit die ihm gebührende Stelle\nerhalten, aus einein Zweck wieder ein Mittel für ein Höherm, lgöchstes geworden\nwar. Wie wenig aber dieser Geist, der hier an seinem Platz Ungeheures leistete,\nzur Gestaltung dieses ungeheuren Geschehens hinreichte, wie unmöglich es war,\nmit seinen Mitteln dem Wesentlichen unseres Erlebens Ausdruck zu schassem\ndas beweisen die Kriegszeichnungem die den Charakter der Cassirerschen ,,Kriegs-\nzeit« bestimmen, die Blätter von Liebermanm von Gaul und anderen Führern\nder impressionistischen Bewegung. Ihre Qualitäten haben nichts mit dem Geistigen\nihres Gegenstands gemeinsam als etwa die Unterschrift: man mache einmal\nden Versuch einer Titeländerung ins Unkriegerische Unpasserische und man wird\nerstaunt sein, wie mühelos das geht. Der ,,Eindruck« mag schon stimmen; den\n,,Ausdruck« bleiben sie ohne Hilfe des Worts vollkommen schuldig.\nIn eben dieser ,,Kriegszeit« aber finden sich auch ein paar Blätter Otto\n.Zettners, vor denen man etwas wesentlich anderes erlebt. Er gibt weder\nKriegsi noch Volksszenen, weder zerstörte Städte noch feuernde Truppenz und\ndoch spürt man vor seinen Zeichnungen den Krieg, das, was wir durchlebt"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3179, "texte": "haben, mit einer Intensität, wie bei keinem der anderen. Indem Zzettner auf\ndie Wiedergabe des nur Äußeren verzichtet, gelangt er zu einem kraftvoll geballten\nAusdruck des Gefühls, das die ganze Zeit erfüllt. Diesen Künstler, der zwischen\nInstinkt und Erkenntnis seinen XVeg suchte, riß die große Woge des Zeitgefühls\nmit, gab ihm Visionen von allgemeiner Gültigkeit und bestätigte damit zugleich\nihn und uns alle. Man erkennt vor seinen und ein paar verwandten Blättern\nauf einmal die Notwendigkeit, den vertieften Sinn dessen, was ein Schlag-\nwort Erpressionismus genannt hat und sieht halb mit Staunen, halb mit\nFreude, wie dieser Krieg und das, was er in unsmit sich gebracht hat, nicht\nein Auslöschen und Negieren, sondern eine gkoße Bejahung des besten Wollens\nist, das in der neuen Generation lebte und nach Gestaltung rang.\nWas war doch das Merkmal dieser glühendenSommertage, die für uns,\ndie wir zum Zuschauen verurteilt sind, das Stärksie brachten, was der Krieg\nuns bisher gegegeben hat? Es war die elementare Gefühlswoge, das Eingehen\ndes Einzelnen in das Ganze, indem ein jeder sich auf die allen gemeinsamen,\nd. h. auf die Gefühlsschichten seiner Seele besann, Teil eines auflodernden\nVolkseinpfindens wurde. Dieses Sichbesinnen auf das Gefühl: war das aber\nnicht auch der eigentliche Kern dessen, was man vor dem Krieg Erpressionismus\nnannte — wenigstens soweit es lebendig und lebensfähig war? Die ganzen\nantiimpressionistischen Versuche hatten künstlerisch ja überhaupt erst einen Sinn\nbekommen, als dem Rufe ,,Los von der N\"aturl« das »Zurück«« zum Gefühll«\nan die Seite trat. So lange es hieß: \",,Zurück zum Bild1« war das Ergebnis\nDekoration; erst als das Schmückende, Artistische Nebensache, das gesteigert\nMenschliche und Seelische das-eigentliche Ziel wurde, begann wirklich Neues,\nStarkes und Gutes fühlbar zu werden. Nach langen Irrfahrten hatte. die\njunge Generation sich wiederauf sich besonnen: der Krieg brachte nur die\nEinsicht» schneller und sicherer noch zur Reife und Kräftigung. Er verdichtete die\nlangsame Entwicklung zur Plötzlichkeit einer Erplosiom das so lange aus-\ngeschaltete Gefühl loderte in nie geal)nter Glut auf: jeder Einzelne verlernte\ndas Sichschämen——- und fühlte sich und sein bestes Wollen von der riesenhaften\nLebenswoge der Zeit im tiefsten gestärkt und bestätigt Die adaequate Form\nfür dieses Erlebnis wird vielleicht erst nach Jahren sich ergeben, wenn alles,\nwas wir in diesen Monaten dann noch weiter erfahren haben, produktiv geworden\nist: in Blättern wie die von Zzettner klären sich schon die ersten Niederschläge.\nDie Bestätigung des Krieges aber geht weiter. XVas die Bewußten und\nStarken unter den Jüngeren schon seit langem betont hatten, daß die Führung\nim Geistigen, in Kunst wie in Dichtung, seit Jahren an die Deutschen über-\ngegangen war, daß Probleme, die der Betrachtung wert waren, nur in Deutsch-\nland, aus unserm Weltgefühl behandelt und erledigt werden konnten: diese\nEinsicht dämmert jetzt angesichts der Ereignisse auch den anderen auf. Sie ist\nnicht das Ergebnis eines kriegerisch übersteigerten Nationalgefühlm der Krieg\nhat nur bestätigt, was man im Frieden schon seit Jahren wußte. Die neue Liebe"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3211, "texte": "für Berlin hat die alte literarisch: Neigung der imprefsionistischen Generation\nfür Paris abgelöst und wenn das Scherzworu ,,Er kann nicht mitreden, er\nkommt aus der Provinz -—— aus Paris« auch ursprünglich ein Scherzwort ist:\nin seinem Kern steckt eine sehr gefühlte Wahrheit. Die Jungen, die mit offenen\nAugen in den letzten Jahren in Paris waren, hatten den Abstieg gesehen und\nerkannt: der Krieg jetzt bestätigt sie. Man hat ihn nicht mit Unrecht den\n,,deutschen« Krieg genannt; sein inetapljysifcher Sinn jenseits aller wirtschaft-\nlichen Kämpfe, und der eigentliche Grund des unerhörten Hasses, mit dem er\ngeführt wird, ist in der Tat der, daß es um den ,,deutschen Geist« geht, der\nin den letzten Jahren so stark gewachsen und gestiegen ist, daß die alten Völker,\nwie die jungen gemeinsam den Vernichtungskampf unternehmen. Das Sieges-\nbewußtsein der Deutschen wächst in seinem letzten Grunde auf dem Instinkt für\nihr absolutes inetaphysisches Recht, jenseits alles irdischen.\nFür diese zwiefache Bestätigung, die der Verlauf der Geschichte dem neuen\nKunstwollen gegeben hat, stattet dieses seinen Dank ab an der Stelle, wo sich\ndie praktische und die geistige Existenz des Menschen am engsten durchdringen:\nim Religiösen. Jeder Krieg noch hat eine Woge von Kirchlichkeit gebracht:\ndie Not der Zeit drängt immer irgendwie nach Erleichterung. Daß die Welle\nneuer Religiosität, die seit den Augusttagen die deutschen Kirchen füllt wie nie\nzuvor, mehr bedeutet als nur dieses; daß sie einer tieferen Wurzel entspringt\nals nur dem äußeren und inneren Druck: das beweisen die starken Triebe zum\nAusdruck eines neuen religiös bestimmten Weltgefühls, die sich in der Kunst der\nJungen bereits lange vor Ausbruch des Krieges regten. Allerorten regte sich\ndie Einsicht, daß es nicht so sehr darauf ankam, Kunst zu machen, was am\nEnde wirklich ein Luxus ist, sondern daß es galt, im Werk gewissermaßen unser\nWeltgefühl zu verwirklichen, zu schaffen. Wir hatten den großen, religiösen Sinn\ndes Mittelalters nichtmehr, der die Kirche zugleich als geistiges und als vor allem\nzu s chmückendes und damit zu gestaltendes Zentrum in den Mittelpunkt des Lebens\nstellte: dafür empfanden wir sehr deutlich die Aufgabe, die neue werdende Re-\nligiosität auch mit den Mitteln der Kunst bauen zu helfen. Unsere Kirche war\nnoch nicht da, wir mußten sie im Suchen in uns erst erschaffen. Daran arbeiteten\nvor dem Kriegedie Besten, wenn auch vielleicht nur instinktiv: gerade das\naber beweist, daß die neue deutsche Frömmigkeit, die wir seitdem erleben, mehr\nist als nur ein Zeitgebilde der Not. An dieser Stelle gibt die Kunst dem Kriege\ndie Bestätigung zurück, die sie an anderer Stelle durch ihn empfängt, indem sie\ndie allgemeine, in der gesamten Zeitentwicklung schon vorbereitete Richtigkeit\nund Notwendigkeit einer ihn stützenden und tragenden Gefühlswelle beweist, die\nohne diese Stützung in die Rolle eines Accidenz, einer bloßen Begleiterscheinung\nzurücktreten müßte. Aus diesem Ineinander der wechselseitigen Bejahung aber\nwächst trotz allen Greueln und allem Blut vertiefter und vertiefter die Er-\nkenntnis, daß zuletzt auch dieses alles in der Gkonomie des Absoluten einen\ngroßen, starken Sinn haben muß.\n\nPaul Fechter"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.1", "texte": "Rudolf Leonhard\nir starben jeden Tag in jedem Land,\nWir lebten, erregt szund furchtlos,\nund unverwandt\nHaben wir initlionenmal die Millionen\nTode erkannt.\nNun stehn wir in der großen Not\nUnd zittern nicht: doch vor uns droht\nGesicht des Todes, schliinmer als der Tod.\nUnd wir wissen voll Grauen: unser Leben\nIst uns als fürchterliches Wunder täglich neu gegeben."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.3", "texte": "as Vertrauen auf die irgendwie göttliche Kompetenz\nhistorischen Geschehens sindet ihren bösen Versucher immer\nwieder in dem Fehlen des Beweises, daß das Lebensfåh i ge\nauch das Lebens w e r t e fein muß. Das in seinen Beziehungen\nzur Welt schwächere kann das Höhere sein. Unter-\ngegangenes wäre werter des Siegens gewesen. Die, welche\nauf den ges chichtlichen Sinn der Welt schwören, s etzen von\nvornherein die Unbekannte ,,Realitåt« als positiv. W i r\nkönnen diese nicht als Basis für unser Lebensgebåude annehmen. Nicht die\nWelt wie sie ist, sondern wie unser Geist will, daß sie« sei, ist der Winkel,\nunter dem wir zurück und umblickem Das Leiden am Geschehen trieb uns\nzum Rückzug auf uns. Gothiker, trotz aller Anbetung dieses herrlichen und\nverfluchten Lebens, fanden wir, daß der Geist in uns höhere Wege bezeichnete,\nals die Wirklichkeit lief. Nåhme man die Richtungen gar als einander feindlich\nan, es wäre bei der heutigen Weltlagenicht zu verwundern; und vielleicht\neinzige Beruhigung. Daß dies oder jenes nur so in der Realität möglich ist,\nist uns höchstens trauervolle Erkenntnis. Nicht aber verführt es uns zu der\nBequemlichkeit, es uns als das Gute und als das vielgepriesene Endziel von\nder Wirklichkeit aufdrängen zu lassen. XVir geben es nicht zu, daß diese unsere\nKöpfe modelt, mag sie, die stårkere, uns noch so oft Clownsköpfe aufsetzenx\nDer Geist in uns bleibt alleiniger Maßstab und Ausgangspunkt.\nEs scheint, als ob der Kulturaufstieg des Menschengeschlechts darin besteht,\ndaß das Außen zum Innen wird. Das Tier kann den Baum nicht in sich ein-\nbeziehen, so daß es aus ihm etwas zu machen vermöchte. Von den mythischen\nGötzen, die noch ganz abgetrennte Mächte sind, meist auch im Aufenthaltsort\nvon der Erde geschieden, bis zum Nietzscheschen Menschen, der selbst Gott ist,\nhat die Menschheit den Glauben etappenweise aus der Außenwelt zurückgeholt\nund in den eigenen Umkreis ver-legt. Der Entwicklungsgedanke gab die Zuver-\nsicht auf das selbständige Vermögen und ungeheuere Schwungkraft auf der\nBahn zur Entanzipation der Natur gegenüber. Nun wissen wir es: Die Welt\nist mit den letzten Menschen zu Ende. Um uns regt sich nichts mehr. Unser\ngutes Hirn hat· Maschinengewehrarbeit verrichtet. Nur in uns Menschheit ist\nHimmel und Hölle. Kein Pantheist kann, setzt er sich selbst nicht als Haupt-\nmotiv in die Natur, lange die Augen zukneifen, wenn er aus seinem Wald in\ndie Städte kommt. Die Menschen sind unser endgültiger Glaubensbezirk\nIhn überspringend mag der mystische Orientale sich unmittelbar an das All\ngeben können. Wir Jndividualen gelangen nur überuns selbst zur Unend-\nlichkeit. Denn als unsere Hoffnung sich auf die Menschen warf, wurden sie\nEwigkeit. Sie, die Träger des Geistes, dessen Herrschaft wir in fernen Zeiten\nund Reichen ersehnen, sind Abgesandte aus Jahrtausenden voraus in die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.4", "texte": "Gegenwart. Im Selbst und im Mitmenschen liegt der Ansatz zu dem Herrlichen,\ndas sich als ungeahnteste Möglichkeit durch unsere Träume zieht. \"Der« Geist\nist inkarniert im heutigen Fleische. Ihm dort zu dienen, heißt unserer\nSehnsucht naehgehen und nahekommen schon auf dieser Welt. Die:\nGeistigem Hostiem in die der Leib des Herrn fuhr, sind die einpfangenden\nMittler des neuen Opferdienstes Nach der langen Zeit toter und beseelter\nUmweltgötter muß der Kult der Lebendigen erstehen. Wenn die Welt dem\ngeistigen Menschen Dienst tut, dient sie dem Geist. Deshalb mache sie seine\nSachverwalter, sich selbst erniedrigend, zu Ulächtigen auch der Realität\nDer Geist erhält mit den Geistigen Macht auf Erden. Den Weg zur\nMacht gehen diese mit dem Zusammenschluß. Nachdem wir den Blick von\ndem einmal erkannten fernen Ziel zurückgeholt haben, entsteht die rein politisches\nund unsentimentaleForderungx Festgefügte Organisation aller Geistigen\nzum Zweck der Machtentwicklung Das eigene Kainpfmittel des Geistes,\ndas überzeugen, reichte nicht aus, sahen wir. Wir werden es natürlich weiter\nbrauchen, aber das Zzauptgewicht liegt nun auf dem Sich-Beu gen, dem Sieg-\nmittel der Realität. Es bilde sich ein Geheimbund Die Mitglieder erkennen\nsich an den Köpfen -- aber auch an den Augen. Unzerreißbares Zusammen-\nhalten, Einanderhelfem die Front in geistigen und körperlichen Eristenzkaiiipf\ngegen jede Art Antigeist gerichtet. Alle kennen sie sich, seit ihrer Geburt, ohne\nFormalitätenx kennen sie doch den, mit dem der andere umgeht, den Geist.\nDie sich mit aller ihrer Inbrunst weit hinaus über sich auf ihre Sache\nwerfen; die reinen Herzens ihre Mission, uns dem fernen Ziel näher zu\nführen, abschätzen und die Berufeneren willig vorlassenz die ungetrossen von\nBeleidigungen und ungerührt von Eitelkeiten lachend rufen: es gibt keine Per-\nsönlichkeiten, es gibt nur Sprachrohrq Sachwalterz die sagen: was kommt es«\ndarauf an, wer den Hebel abgibt! die reinen Gläubigen an Mensch und\nGeist; sie werden in dieser Bruderschaft sein.\nEiner wird durch den anderen nicht in Frage gestellt. Er freut sich über\ndessen Besserköniiem Stolz? fragen sie verwundert. Aber du bist unverant-\nwortlich. Sollst blinder Aufhorcher und Gehorcher des Geistes sein. Sie sind\nkeine Besserdünker oder scheiden sich gar durch einen Strich von den weniger\nEntwickelten ab. (Nur verlangen sie, was sie zu ihrem höheren Dienst brauchen)\nDer Mensch als Keimträger der göttlichen Zukunft ist ja ihre Religion, deren:\nKultus auf Verbundenheit mit den Ummenschen gestimmt sein muß. Ohne das»\nwarme und beseligende G! der Ummenschheit fängt ein noch so gut funk-\ntionierendcr Zzirnsiugapparat an zu klappern und springt nach nicht langer\nZeit aus innerer Vertrocknung und Erkaltung Uns ehns üchti g s ein ist der«\ndemütigendste Vorwurf für die wahren Geistigem Ihre Sehnsucht\naber wendet sich, gleichsam vorläufig, an die Lebenden. So schließen sie den»"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.5", "texte": "fürchtenswertesten Spalt der neuen Zeit, denzwischen geistiger und ethischer\nForderung. Wem Menschen beginnende, wenn auch noch so winzige Symbole\ndes köstlichen Geistes sind, ist unreligiös, wenn er unethisch ist. Wie die\nKunst zum Stoff, so steht der Geist zur Ethik, dem ,,Dasein der anderen«.\nEs muß überwunden werden, nicht aber durch Auslassung sondern durch Ein-\nbeziehung. Not soll zur Tugend werden. Denn wohl rechnen wir diese ewige,\n,,ideelle« Realität mit, wie wir jene momentane und vergängliche ausschieden.\nIst doch das ferne Abbild, vor dem wir knieen, nicht der reine, abgetrennte,\neisige, sondern der menschliche Geist. i\nIn hartem Bohren verästelt sich der Bund durch das Volk. Kamorrha-\ngleich tauchen sie allein, zu zweien, in dieser Stadt, in jener Stadt auf. Jeder\nfindet beim ersten Klopfen Hilfe nach Kräften in jeder Not. Weltfremd in ihren\nhöchsten Zielen, aber ungemein weltnah im Durchsetzen wird die Bruders chaft sein,\nein mächtiger Ritterorden, geistlich und kämpfend, wie in alter Zeit. Auf ihre\nRechte süchtig, die Rache auf dem Fuß folgen lassend, den Vorteil der Lage\nerspähend, Philosophen im Großindustriellenrock Geschlossen treten sie den\nKultus- und Iustizministerm den Kunsthändlern und den Schulbehördem den\nKonsistorialräten und Theaterdirektoren, den Parlamenten und Zeitungsverlegern\ngegenüber: Wir diktieren euch unsere Forderungen -- sonst Streik, Boykott\nSie werden die Aussperrung auf sich zu nehmen wissen. Sie können leiden für\nihr 1Verk. Die Bruderschaft wirkt zuerst auf die, die ihr am nächsten stehen.\nVon ihnen pflanzt sich der Schall fort auf die Entfernterem Hie und da wird\naufgehorchy die Richtung geändert. Arbeitend, unterwühlend, sich einkeilend\nschasst der Bund, eins bis auf den Hungertod. Die Gesellschaft, stets unter-\ntänig, wo sie reale Macht spürt, beginnt schon vor den Verwaltern des Geistes\nden Hut, den sie vormals aufbehielt, ebenso tief zu ziehen, wie vor ihren Göttern\ndes Geldschrankes und der 500jährigen Ahnenreihe Die Bruderschaft erweitert\nsich zur Partei. Sie sendet einige Männer in die Parlamente. Es ist nicht\nwahr, daß nur der Geldsack einen Haufen Menschen zur Partei umschließen\nkann. Hinter den Klerikalen stehen Wähler, die auch durch ein Überweltliches\nverbunden sind. Jene primitiven Gefühle, können allerdings eine größere An-\nhängerschaft nach sich ziehen. Aber auch für den organisierten Geist ist Gelände\nda. Was nicht durch innere Macht einzunehmen geht, wird durch äußere über\nden Haufen geworfen. Schon hat sich der Bund als maßgebend für die\nGesellschaft eingedrängt -— etwa wie die Prostituierten für die Frauenmodr.\nWas die Bruderschaft in Schutz nimmt, davor hat man Achtung. Wogegen\nsie protestiertz das gerät in Mißkrcdit Die Achtung der Gesellschaft muß vom\nVolk nachgebetet werden. Was vom Volk auf den Schild gehoben wurde,\nmuß der Staat einmal anerkennen. Aus der Macht im Volk, im Parlament\nwird Macht in den offiziellen Kreisen. Die wirkt wieder zurück auf die Gesell-\nschaft. Die Wertungen der Geistigen werden angenommen. Ihre Lebensart\nwird immer mehr Vorbild. Sie sitzen bereits in wichtigen Ämtern und Kollegien"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.6", "texte": "Denn derStaat kann sich auf die Dauer nicht vor seinen Angehörigen lächerlich\nmachen. Ein Teil des Volkes hat sich um die Bruderschaft gruppiertz ein neuer\nStaat im«Staat. Ruhelos wird an der Umwertung gearbeitet. Der Nur-\ngeldmann und der Nurgebttrtsadelige müssen die Hintertreppe hinaufgehen.\nDer Ritterorden des Geistes hat den Stand des Geldes auf den Notwendig-\nkeitskurs, den unechter Vergangenheitswerte auf Null herabgedrückt. Immer\nmehr Volk tritt hinter den neuen Staat. Vom alten existieren nur noch einige\nKalkulatoren in einem Büro mit Kaiferbildnis, Wafchtoilette und dem ein·\ngerahmten Reglentent ,,über das Recht der Unterbeamten auf angemessene Titu-\nlierung«. Auch sie genieren sich und laufen in einem unbeobachtetenAugenblick über.\nDas Auge versiießt in Weiten . . . . Eine jahrhundertalte Kaste herrscht\nim Lande. Alle Kasten haben sich in ihr aufgelöst. Jst sie doch zugleich die\nKlasse des größten Reichtums, des wahren Adels und der Priester, deren Gott\nniemals gestürzt werden kann. Keine Grenze ist festgelegt zwischen ihnen und\ndem Volk; niemand vermag zu sagen, wo der Kreis der Herrschenden beginnt.\nDenn das Volk hat sich långst der Bruderschaft des Geistes angegliedert,\ngleich ihr gestuft nach dem Gesetz der Erdenschwere und der Leichtigkeit des\nGeistessiuges. Die Menschen haben gelernt, wozu das 19. und 20. Jahrhundert\nnoch zu ungereift und zu altklug war: Stufe zu s ein. Nicht in die Natur\nhaben sie sich eingeordney sondern in die Ummenschheiu Sie halten willig die\nHand, zum Steigbügel geformt, dem Aufstiegstverteren hin, jeglicher in seinem\nUmkreis. Jeder hat seine Aufgabe, deren Höhe ihm seine Natur bestimmt —\nunsagbar rein zeigen die Barometer ihrer Herzen an. So erkennen sie wie\nweit sie Steiger, wie weittSprosse sind; erhöhen oder bescheiden sich. Keine\nKraft geht verloren. Alles sammelt sich nach oben. Notwendig und wertvoll\nsind die kleinen Sparer des Geistes wie die Großkapitalistem So werden durch\nden Druck der Ergebenheit die stosslichen und idealen Encrgien hoch gepreßt\nbis zu den Sprossen der Geistige-i, die selbst nur tief demütige Diener der\nSache und ihrer höher stehenden Vertreter sind, und von diesen wieder hinauf\nin den klaren Himmel. Jeder steht auf s einer Sprosse auf der Leiter, die\naus Menschen nur gebildet, doch in die Ewigkeit ragt.\n?Der Äriegssuftanb, ein Urjujlanb, hat alle VerhcUtnific auf größere, gröbere\nttmriffe 5urfi<fgcffii)ct — &\\>nliä) ben früherer 4)$hlettbcwol)ner.\nWo# nie war fo grauenhaft Flar, baß ber <5cifl Feine tttad)t l)at auf l£rben.\nVleä) nie würbe bie Vereinfamung ber ©einigen fo jum tief empfunben,\ntute heute, tüo alle £albnal>en mit fortfdbwantmen. £>ie Erfüllung beiber -öe«\nbürfnijfc, bie fdjon lange als beflehcnb beutli<$ gefehlt würben, wirb heute\njutn {türmen Verlangen über alle 4>tnberni|fe fort. 3n biefer ©tunbe f#on\nmuf bas Werben für bie 23ruberf<#aft bes (Beides beginnen, bie ICinfamFeit\nals btplomattfcbe <?>ilfe benutjenb.\n\nAlfred Lemm"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.8", "texte": "ie Geistigen haben am Anfange dieses Krieges ihn bejaht,\nihn bejahen müssen; wenn sie auch ihre Stellung gegen\nden Krieg, fchon in der Erkenntnis, daß jeder geistige\nVorgang Krieg sei, nicht aufgaben, erkannten sie, von den\nwenigen abgesehen, die aus falicher Metaphysik den Krieg\nüberhaupt gutheißem daß das vorhandne Europa der\nbleibende, bleiben müssende Grund ihrer ach so nebelloscn\nPlane sei. Ob sich dies geändert hat ·—- zumal man nicht\nmehr weiß, ob es gegen Osten, nach Westen, oder um was es überhaupt geht —-\nbraucht nicht beachtet zu werden. Auf jeden Fall sind (außer den Frauen) die\nGeistigen die am meisten Leidtragenden dieses Krieges; nicht nur weil ihre\nKulturidcale zusammenstürztenz nicht nur weil in ihren Reihen zahllose Opfer\nden geistigen Seuchen dieser Zeit fielen — sondern weil dieser Krieg, sein Beginn,\nsein Verlauf, seine Führung, eine ungeheure Bestätigung des Bürgerlichen\nbedeutet. In der Tat hat der Bürger in diesem Kriege, in diesem internationalen\nKriege, diesem Kriege der politischen Trusts, dieser Kulmination des politisierten\nKapitalismus, außerordentliches geleistetz er hat sich, nicht nur in seiner kom-\nplementären Erscheinung dem Militär, sondern ganz für sich rund und fest\nausgearbeitet, ist gewachsen« und in der Wirklichkeit verwachsen.\nWir werden es schwer haben. Lernen wir darum von ihm sein bestes\nMittel ——\" Organisation, lernen wir von dem untergegangnen Proletariat sein\neinziges Mittel: Zusammenschluß lVir wissen, wie schwer es uns wird —-—- aber\nman wird uns so zusammendrängen, daß wir einander endlich fühlen können.\nBefestigen wir unsre gemeinsame Vereinzelung! Erkennen wir, formen wir\ndas Bejahende der Negationl umkreisen, bewachen, belauern wir die Wirk-\nlichkeit —- da uns die Realität so hart auf die Haut gerückt- ist! Leiten wir\nsie in einen Strom, unsre Leidenschaften aller Sterne! Verkaufen wir, um den\nPreis der Welt, unsre Skepsisz bleiben wir dennoch Skeptiker -- und beginnen\nwir die skeptische Politik! Nie wird die ungeheure Verwirrung schaff-In, und\naus der wird der Geist aufstrahlem\ns Es wird schwer sein wie alles, was sein muß, und nicht wie alle Ueber-\nzeugung und Willkür. Ergeben wir uns der neuen, erhabenen Willkür der\nBündnisstz der Politik; uns sei nicht, wie dem Bürger, die Politik das Mittel\nzum Leben, uns sei die Politik das Leben, der Zweck!\nRealisieren wir die Idee; greifen wir an das Nächstez politisieren wir\nuns, zu allen Spielen der Nähe, des Tages, des Kompromisses -— glauben\nwir, daß es uns Zweck sei, und es wird gehn. Und wenn es nicht genügt —-\nmilitarisieren wir uns, die wir von je disziplinierter als alle waren -—-— und\nnur in der Bindung des Heute uns zu verlieren drohen. Sein wir des Heute\nso gewiß wie des Morgen!\nUnd vergessen wir darüber nicht, daß, wie die Verfassung die Gefahr der\nRevolution, die Hierarchie die Gefahr des organisierten Geistes ist. Behalten"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.9", "texte": "wir vor uns, daß die Macht nicht das Ziel ist, sondern der Weg; daß der\nZufammenfchluß der Geistigen nur eine Waffe ist,die nach dem Siege ein-\ngeschmolzen werde, daß, wo als Mittel gegen Macht und Ulasse die Macht\ndes Geistes verlangen —-— daß es uns aber nicht auf die Macht des Gcistes,\nwenn sie auch von allen Notwendigkeiten die zarteste Vergewaltigung bedeutet,\nsondern darauf ankommt, den Geist zu realisierenl Und ihn ganz befreit, auch\nvom Zwange feiner eignen Gewalt, zu konstituieren.\nHeute ist es so, daß Realisierung durch Zusammenballung dargestellt wird.\nWir haben schwer die Härte des Geistes erfahren —- gönnen wir uns, zunachst\nuntereinander, daß wir sie danach allen zuwenden können, von je allzu genügsam\nertråumte Güte. Wir ahnen erst, wie fehr wir schon heute Brüder sind.\n\nRudolf Leonhard"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.10", "texte": "sis zu den Knien »\n; steckten sie im\nSchlamm;\ndie einen hatten sich\nwie Wild\nein Nest gemacht\nund lagen so\nwie hingestürzte Såckez\nzwei siüftertew\nund einer rief im Traum.\nAus grauen Feldern\nreckte niedrig sich der Tag\nin träge Wolken hin,\nda riß,\nkaum hundert Schritte vorn,\ndie heulende Granate\nkrachend die Erde auf,\nvermählte sich,\nverzuckte wie ein Tier.\nDer, Schlaf zerbarst\nin ganz versteinte Stille.\nBefehle schnarrten\nwie ein Uhrwerk « i\nrasselnd fort.\nEin Lachen irgendwo\nlosch fchon den Schrecken aus,\nlief wie ’ne Katze,\ndie gejagt wird, ,\ndurch die Reihen hin.\nDampf dröhnte\nDurch Dampf und Nebel\nalle Ferne auf;"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.11", "texte": "sie hatte in der Nacht\nden Bauch gefüllt,\nnun spie sie rasend aus;\nsie bissen sich, die Eisen,\nmit verbrannter Brust,\nin Fleisch und Erde fest\nund schlugen rauschend\nErdsäulen in den Himmel auf,\nzersplitterten\nund loschen erst im Blut.\nSie harrten stumm.\nDas Eisen frißt wie Wölfe!\nEiner lächelte\nund schlenkerte den Arm.\nDas Lachen fror ihm\nnoch vor den Augen fest.\nSie harrten stumm.\nDie Städte, Bauernhäuser\nstürzten ein,\nGeråche und Gesichte\nverstackerten\nwie ein verwehtes Licht,\nHeimat war einst,\nBlut rieselte,\nzerfetzte Leiber\nstreckten sich im Krampf,\nder Himmel floß wie Erz,\ndie Erde schrie\nund stieg in Sprudeln auf,\nund graue Pfähle wurden »\nzu Geschwisterm\nSie harrten stumm.\nEinst wurden sie,"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.12", "texte": "wie Bäume wachsen,\ngroß\nund tranken sich\nan ihren Müttern satt.\nDas lang Vergessne\ndröhnte tief herauf, s\nin atemlose Einsamkeit\nbrach jede Brust,\ndes Gottes Faust\nhing über jedem Nackenk\nEiner hob an:\nUnd wenn die Welt ——- —-\nda stahl ein Sprengståck ihm\ndie Stimme aus der Kehle.\nSie nehmen ihm das Wort\nvon toten Lippen fort;\nanschwellend stieg der Sang:\nUnd wenn die Welt\nvoll Teufel wär!\nDampf Roß das Blut\nund summte nie so schön.\n\nFriedrich Schult"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.13", "texte": "ls der Krieg ausbrach, trat alle Kunst gegenüber dem, was\ndie Wirklichkeit brachte, zunachst vollkommen in den Hinter-\ngrund. Dann begannen dies Proklamationen des betont\nnationalen Schassenz die Proteste gegen die Ausländerei -——·\nund schließlich die offenen und versteckten Rufe gegen die\nneuen Versuche und Bestrebungen der letzten Jahre.\nKriegsbilder waren das Einzigq was man gelten lassen\nwollte: das Gegenständliche triumphierte und die viel\nbefehdete Darstellung schien einen Sieg auf der ganzen Linie davonzutragem\nSieht man näher zu, so wandelt sich das Bild ein wenig. Gewiß: alles\ngreift zuerst nach Bildern vom Kriege und geht an allem andern vorüber:\nwas aber gesucht wird, sind nicht Gemälde und Zeichnungem mögen sie hundert«\nmal draußen vor dem Feinde entstanden fein, — das sind vielmehr Photo-\ngraphien. Der oft erhobene Einwand gegen den Jmpressionisinuz daß das,\nwas er leistet, von Kamera und Kino viel besser erledigt wird, wird von dem\ngesicndenInstinkt des Volkes hier ohne Worte durch die Tat bestätigt: man\ntraut der mechanisch unpersönlichen Reproduktion mehr als dem Menschen,\nhält sich an die photograpische Platte und geht an den referierenden Zeich-\nnungen vorüber. Nicht ganz mit Unrecht. Die Versuche, der ungeheuren Er-\nscheinung dieses Krieges mit Eindruckswiedergaben beizukommen mußten ver-\nsagen: der Jinpressionismus ist in der Tat als einer der erstenvöllig Toten\ndieses Krieges auf dem Schlachtfeld geblieben. Der Geist, aus dem er geboren\nwar, triumphierte noch einmal in der wundervollen Sachlichkeitz mit der draußen\ndieses Ringen organisiert war, mit der es von der Mehrzahl derer, die Init-\nkämpfem betrachtet wurde. In der technischen Präzision der Kampfmethoden\nwie des Aufmarschs stieg noch einmal der naturwissenschaftliche Geist des ver-\nflossenen Jahrhunderts auf— weil er zugleich damit die ihm gebührende Stelle\nerhalten, aus einein Zweck wieder ein Mittel für ein Höherm, lgöchstes geworden\nwar. Wie wenig aber dieser Geist, der hier an seinem Platz Ungeheures leistete,\nzur Gestaltung dieses ungeheuren Geschehens hinreichte, wie unmöglich es war,\nmit seinen Mitteln dem Wesentlichen unseres Erlebens Ausdruck zu schassem\ndas beweisen die Kriegszeichnungem die den Charakter der Cassirerschen ,,Kriegs-\nzeit« bestimmen, die Blätter von Liebermanm von Gaul und anderen Führern\nder impressionistischen Bewegung. Ihre Qualitäten haben nichts mit dem Geistigen\nihres Gegenstands gemeinsam als etwa die Unterschrift: man mache einmal\nden Versuch einer Titeländerung ins Unkriegerische Unpasserische und man wird\nerstaunt sein, wie mühelos das geht. Der ,,Eindruck« mag schon stimmen; den\n,,Ausdruck« bleiben sie ohne Hilfe des Worts vollkommen schuldig.\nIn eben dieser ,,Kriegszeit« aber finden sich auch ein paar Blätter Otto\n.Zettners, vor denen man etwas wesentlich anderes erlebt. Er gibt weder\nKriegsi noch Volksszenen, weder zerstörte Städte noch feuernde Truppenz und\ndoch spürt man vor seinen Zeichnungen den Krieg, das, was wir durchlebt"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "263", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.15", "texte": "haben, mit einer Intensität, wie bei keinem der anderen. Indem Zzettner auf\ndie Wiedergabe des nur Äußeren verzichtet, gelangt er zu einem kraftvoll geballten\nAusdruck des Gefühls, das die ganze Zeit erfüllt. Diesen Künstler, der zwischen\nInstinkt und Erkenntnis seinen XVeg suchte, riß die große Woge des Zeitgefühls\nmit, gab ihm Visionen von allgemeiner Gültigkeit und bestätigte damit zugleich\nihn und uns alle. Man erkennt vor seinen und ein paar verwandten Blättern\nauf einmal die Notwendigkeit, den vertieften Sinn dessen, was ein Schlag-\nwort Erpressionismus genannt hat und sieht halb mit Staunen, halb mit\nFreude, wie dieser Krieg und das, was er in unsmit sich gebracht hat, nicht\nein Auslöschen und Negieren, sondern eine gkoße Bejahung des besten Wollens\nist, das in der neuen Generation lebte und nach Gestaltung rang.\nWas war doch das Merkmal dieser glühendenSommertage, die für uns,\ndie wir zum Zuschauen verurteilt sind, das Stärksie brachten, was der Krieg\nuns bisher gegegeben hat? Es war die elementare Gefühlswoge, das Eingehen\ndes Einzelnen in das Ganze, indem ein jeder sich auf die allen gemeinsamen,\nd. h. auf die Gefühlsschichten seiner Seele besann, Teil eines auflodernden\nVolkseinpfindens wurde. Dieses Sichbesinnen auf das Gefühl: war das aber\nnicht auch der eigentliche Kern dessen, was man vor dem Krieg Erpressionismus\nnannte — wenigstens soweit es lebendig und lebensfähig war? Die ganzen\nantiimpressionistischen Versuche hatten künstlerisch ja überhaupt erst einen Sinn\nbekommen, als dem Rufe ,,Los von der N\"aturl« das »Zurück«« zum Gefühll«\nan die Seite trat. So lange es hieß: \",,Zurück zum Bild1« war das Ergebnis\nDekoration; erst als das Schmückende, Artistische Nebensache, das gesteigert\nMenschliche und Seelische das-eigentliche Ziel wurde, begann wirklich Neues,\nStarkes und Gutes fühlbar zu werden. Nach langen Irrfahrten hatte. die\njunge Generation sich wiederauf sich besonnen: der Krieg brachte nur die\nEinsicht» schneller und sicherer noch zur Reife und Kräftigung. Er verdichtete die\nlangsame Entwicklung zur Plötzlichkeit einer Erplosiom das so lange aus-\ngeschaltete Gefühl loderte in nie geal)nter Glut auf: jeder Einzelne verlernte\ndas Sichschämen——- und fühlte sich und sein bestes Wollen von der riesenhaften\nLebenswoge der Zeit im tiefsten gestärkt und bestätigt Die adaequate Form\nfür dieses Erlebnis wird vielleicht erst nach Jahren sich ergeben, wenn alles,\nwas wir in diesen Monaten dann noch weiter erfahren haben, produktiv geworden\nist: in Blättern wie die von Zzettner klären sich schon die ersten Niederschläge.\nDie Bestätigung des Krieges aber geht weiter. XVas die Bewußten und\nStarken unter den Jüngeren schon seit langem betont hatten, daß die Führung\nim Geistigen, in Kunst wie in Dichtung, seit Jahren an die Deutschen über-\ngegangen war, daß Probleme, die der Betrachtung wert waren, nur in Deutsch-\nland, aus unserm Weltgefühl behandelt und erledigt werden konnten: diese\nEinsicht dämmert jetzt angesichts der Ereignisse auch den anderen auf. Sie ist\nnicht das Ergebnis eines kriegerisch übersteigerten Nationalgefühlm der Krieg\nhat nur bestätigt, was man im Frieden schon seit Jahren wußte. Die neue Liebe"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-01.1.16", "texte": "für Berlin hat die alte literarisch: Neigung der imprefsionistischen Generation\nfür Paris abgelöst und wenn das Scherzworu ,,Er kann nicht mitreden, er\nkommt aus der Provinz -—— aus Paris« auch ursprünglich ein Scherzwort ist:\nin seinem Kern steckt eine sehr gefühlte Wahrheit. Die Jungen, die mit offenen\nAugen in den letzten Jahren in Paris waren, hatten den Abstieg gesehen und\nerkannt: der Krieg jetzt bestätigt sie. Man hat ihn nicht mit Unrecht den\n,,deutschen« Krieg genannt; sein inetapljysifcher Sinn jenseits aller wirtschaft-\nlichen Kämpfe, und der eigentliche Grund des unerhörten Hasses, mit dem er\ngeführt wird, ist in der Tat der, daß es um den ,,deutschen Geist« geht, der\nin den letzten Jahren so stark gewachsen und gestiegen ist, daß die alten Völker,\nwie die jungen gemeinsam den Vernichtungskampf unternehmen. Das Sieges-\nbewußtsein der Deutschen wächst in seinem letzten Grunde auf dem Instinkt für\nihr absolutes inetaphysisches Recht, jenseits alles irdischen.\nFür diese zwiefache Bestätigung, die der Verlauf der Geschichte dem neuen\nKunstwollen gegeben hat, stattet dieses seinen Dank ab an der Stelle, wo sich\ndie praktische und die geistige Existenz des Menschen am engsten durchdringen:\nim Religiösen. Jeder Krieg noch hat eine Woge von Kirchlichkeit gebracht:\ndie Not der Zeit drängt immer irgendwie nach Erleichterung. Daß die Welle\nneuer Religiosität, die seit den Augusttagen die deutschen Kirchen füllt wie nie\nzuvor, mehr bedeutet als nur dieses; daß sie einer tieferen Wurzel entspringt\nals nur dem äußeren und inneren Druck: das beweisen die starken Triebe zum\nAusdruck eines neuen religiös bestimmten Weltgefühls, die sich in der Kunst der\nJungen bereits lange vor Ausbruch des Krieges regten. Allerorten regte sich\ndie Einsicht, daß es nicht so sehr darauf ankam, Kunst zu machen, was am\nEnde wirklich ein Luxus ist, sondern daß es galt, im Werk gewissermaßen unser\nWeltgefühl zu verwirklichen, zu schaffen. Wir hatten den großen, religiösen Sinn\ndes Mittelalters nichtmehr, der die Kirche zugleich als geistiges und als vor allem\nzu s chmückendes und damit zu gestaltendes Zentrum in den Mittelpunkt des Lebens\nstellte: dafür empfanden wir sehr deutlich die Aufgabe, die neue werdende Re-\nligiosität auch mit den Mitteln der Kunst bauen zu helfen. Unsere Kirche war\nnoch nicht da, wir mußten sie im Suchen in uns erst erschaffen. Daran arbeiteten\nvor dem Kriegedie Besten, wenn auch vielleicht nur instinktiv: gerade das\naber beweist, daß die neue deutsche Frömmigkeit, die wir seitdem erleben, mehr\nist als nur ein Zeitgebilde der Not. An dieser Stelle gibt die Kunst dem Kriege\ndie Bestätigung zurück, die sie an anderer Stelle durch ihn empfängt, indem sie\ndie allgemeine, in der gesamten Zeitentwicklung schon vorbereitete Richtigkeit\nund Notwendigkeit einer ihn stützenden und tragenden Gefühlswelle beweist, die\nohne diese Stützung in die Rolle eines Accidenz, einer bloßen Begleiterscheinung\nzurücktreten müßte. Aus diesem Ineinander der wechselseitigen Bejahung aber\nwächst trotz allen Greueln und allem Blut vertiefter und vertiefter die Er-\nkenntnis, daß zuletzt auch dieses alles in der Gkonomie des Absoluten einen\ngroßen, starken Sinn haben muß.\n\nPaul Fechter\n\nHerausgeber und verantwortlich für die Redaktion\nOtto Haassseye\nBerlin l Pariser Platz 7\nFür unt-erlangte Einfendungen keine Gewähr.\nIn Gstcrreich für die Redaktion verantwortlich Hugo 6cller, Wien, l,\nBauernmarkt 3"}]}