{"numero_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_sha256": "2718510d59020ea28e21cefca90c337fc9ee28c32322dc3be899a5109cbbdac2", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1915/06_02/bmtnabb_1915-06_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1915/06_02/bmtnabb_1915-06_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c002", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "266", "page_fin": "266", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.2", "titre_corps": "ie Völker alle des Voraus durchkreisen", "titre_sommaire": "ie Völker alle des Voraus durchkreisen", "signature_source": "Julius Schultz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 617, "texte": "Julius Schultz\nie Völker alle des Voraus durchkreisen\nDie gleichen Säfte aus dem Einen Stamme:\nSo fchweißt ein grauser Schmied in jäher\nFiamme\nMitlionene heut in Einen Gott von Eisen.\nIhr Selbst, das wunde, lernen sie verschwenden\nUnd dienen stolz als Glieder einem Ganzen:\nZu Schwingen werden die, und die zu Lanzen,\nZu Nerven die, und die zu Arbeitshåndem\nHeiß schäumt das Leben aus des Todes Kelter.\nNur meiner Seele Stahl darf nie zertauen\nIn dieses roten Iugendbades Wellen. i\nBNich macht das große Sterben alt und älter;\nUnd fremd, wie Dante in der Hölle Grauen,\nBlick ich aufs Meer, wo Welten dumpf zerschellem"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c004", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "267", "page_fin": "270", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.3", "titre_corps": "enn als Ziel der Menschheit die Gesamthochentwicklung", "titre_sommaire": "enn als Ziel der Menschheit die Gesamthochentwicklung", "signature_source": "Alfred Lemm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2836, "texte": "enn als Ziel der Menschheit die Gesamthochentwicklung\n-—- will sagen Eingeistigung — dessen, was als »meiifchlich«\nerkannt wurde, zugestanden wird, so kann das Ausschlag-\ngebende für ein himmlisches Preisrichterkollegiutty welches\ndas Stadium des Rcnnens bewerten s oll, nur sein: welche\nHöhe dieses ,,Menschliche« erreicht hat. Sein Zustand ist\ndas Entscheidende. Die Haltung der jeweils Lebenden ist\nHandhabe und Beweis für das Gerettet oder Gerichtet\neines Gottes. Der Menschen Sein bestimmt das Urteil; zu Zeugen werden ihre\nTaten aufgerufen.\nDas Sein, ein Zusammengesetztes aus Reizempsindsamkeit und Erkenntnis,\nist das immanente Verhältnis der Seele zum Außen. Die Ausbalanzierung und\nder Erweis des Seelenbestandes findet erst an der Umwelt statt. Durch die\nBerührung mit ihr erhält das Sein die Abstufungen und Markierungspunktq\nderen es zu feiner relativen Stabilisierung bedarf. Es liegt hier das Eigen-\ntümliche jeder »Form« vor, die das Fließendq unnennbare durch Einteilung\naussprechbar macht. Sie hat stetsdie doppelte Aufgabe, die Möglichkeit und\ndie Sichtbarkeit zu gewäl)rleisten. So findet das Sein an dem Außen nicht nur\ndie innere Festlegung, sondern auch die äußere Erfüllung Das Handeln ist\ndie Form des Seins.\nAllerdings, es ist tiefe Befriedigungim Nichthandelm Weichen wir doch so dem\nunentfernbaren Widerspruch aus, daß der Geist Gestalt annimmt. Aber haben\nwir einmal, dadurch, daß wir am Tage unserer Geburt nicht Selbstmord ver-\nübten, uns einverstanden erklärt, jenes Paradoron hinzunehmen, haben wir die\nBerechtigung, es als Ruhekissen zu benutzen, verloren. Durch das Bestehen beider\nElemente, Individuum und Außenwelt, werden wir von der Schöpfung kate-\ngorisch aufgefordert, die Parallelen in uns zu vervollständigem die Tat dem\nSein folgen zu lassen. Sein allein ist Halbheit. Das Handeln ist sein Kom-\nplement. Wie der Marmor zum schöpferischen Einfall des Bildners, ist das\nHandeln die andere Hälfte zum Sein. Die Beseelung erfolgt vom Subjekt.\nDaß die beiden Hälften kongruent seien, ist Forderung. Die Reaktion der\nSeele auf die Berührung der Welt ist also bestimmend für das Weltniveau.\nDie Tat ist das Endgültigq was die Menschen erreichen wollen. Nur was\nin ihr auf irgend großen Umwegen mündet, ist int Gesamtsinn kulturwertvoll.\nHier Angewandtheit und Zweckmäßigkeit ist Weltzweckmäßigkeit.\nDie Technik (in weiteftem Sinne) war von ihren eigenen Erfolgen in diesem\nund dem vergangenen Jahrhundert so entzückt, daß sie nur noch sich selbst sah\nund von sich sprach. Sie wies, indem sie allen Maßstab für ihr Verhältnis zu\nihrer Umgebung verlor, deutliche Zeichen beginnenden Größenwahns auf. Nach-\ndem der Krieg nun die Abteilung des männlichen Hirnes, welche für technische\nAngelegenheiten zuständig ist, zur Leiterin des Erdgefchehens machte, wird ihre\nUeberschätzung kaum mehr heilbar sein."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3239, "texte": "Die (bewundernswerten) Leistungen derStrategem Ingenieure, Chemikety\nGroßunternehmer, Bankiers, Nationalökonomen entstehen im wesentlichen aus\neinem hochentwickelten Kombinationsvermögen —— welches das geschmeidige\nFunktionieren der Assoziationen voraussetzt ——-, dem Umfassenkönnen einer An-\nhäufung von Begriffen oder Vorstellungen, die im Zzirnraum schweben, durch\neine scharfe Macht, dem zwangsmäßig harten Folgern. Wie der Brückenbauer\nauf Grund seiner Mathematik die Eisenteile, der Stratege nach feiner Kenntnis\nder psychischen und Machtverhältnisse sein Heer, kombiniert der Groß-\nindustrielle die lebenden Kräfte, die um das vorliegende Geschäft spielen, zur\nTat. Das Arbeitsgebiet jener Energien ist entweder die Natur oder sind vom\nMenschen gebildete Umstände. In beiden Fällen wird ein Bezirk systematisierr\nDer Mensch als Lufttechniker vernichtet die Bedingungen, unter welchen man\nihn auf die» Erde setzte. Als wissenschaftlicher Sozialist durchbricht er die von\nder Gesellschaft aufgestellte Konjunktur nach seinem Sinn. Zur Durchführung\nbedarf es natürlich des Eins chlags aller möglichen geistigen und sittlichen Kräfte,\nvon der Persönlichkeit her, wie es etwa: Fähigkeit, sich zurückzustellem Mut des\nschnellen Zuschlagens im Kampf, psychologischer Sinn sind. Doch sandte bei allen\njenen Schöpfungen der Geist zum Zeugungsakt nur einen Teil von sich, den\nVerstand als Beauftragten vor. Von seiten der Intuition kann hiergegen kein\nEinspruch erhoben werden. Wenn etliche Stationen der sachlich folgernden Logik\nübersprungen werden durch ein plötzlich offenbarendes, vom gesamten Körper\nausgehendes Gefühl, welches während der ganzen Denkarbeit in der Nähe des\nZieles lag und sich nun bemerkbar macht, kann das Intuitive nicht als Motor,\nsondern nur als stellenweiser Ersatz für die (Verstandes-) Leitung gelten.\nDie Dinge nun, die sich eine besonders rührige Spezies des menschlichen Geistes\nso konstruierte, mögen sie Nahrungsersatz oder Luftschiss, Funkentelegraphie\noder Reichsbank, Eifelturm oder Radiumstrahlen heißen, sind herrliche Leistungen,\ndie man nicht wieder verlieren möchte, stolze Manifestationen eines menschlichen\nGeistesabschnitts Ihr Wert liegt vorerst jedoch lediglich in der Aufgabe, die\nsie sich zur Erfüllung gesetzt haben. In ihrem abgetrennten Bestehen sind sie\nnoch keine Kulturmehrer, und hier für nicht höher einzuschätzen als die Leistungen\nder Gedächtnis- oder Rechenkünstler im Varietee. Erst als Basis für gesamt-\nmenschliche Werte würden sie wahrhaft geistige Bedeutung gewinnen.\nDaß der ,,deutsche Geist« siegt, wenn wir den Krieg gewinnen, ist eine vom\nVerkennen jener Leistungen herrührende Fälschung, die den Teil für das Ganze\nausgibt. Fähigkeit zu organisieren, artilleristische Erfindungen sind noch nicht\n»der Geist«. Und die Selbstaufopferung, die darunter rechnet, kann es allein\nnicht schaffen. Deutschlands unsagbarer Wert liegt in Eigenschaften, durch die\nes nicht siegen kann. Auch die tölpell)aften, nur durch die Seelennot entschuld-\nbaren Beweisversuche, daß der Krieg eine geistige Angelegenheit sei, gehören\nin die Kategorie dieser Zielverschiebung Selbst wenn die Mittel des Kampfes\nschlechthin geistige oder aber hauptsächlich sittliche wären, selbst wenn als Ursache"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3094, "texte": "dieses Krieges die Betonung des« deutschen Menschen also auch-seines Geistes\ngälte, mithin der Anlaß gleichfalls ein ideeller wäre, ssowürde die Form, in der\nein geistiger Wille mit geistigen Mitteln schließlich »in diesErscheinung träte-\ndoch die typische des Krieges, die ungeistige G ew alt sein. Das Erreichte dringt\nnicht in die Umwelt. Es wird ihr aufgedrungen. . n « s . ,\nDie technischen Errungenschaften bedeuten gleichfalls nur äußerets Herr-\nwerden. Die kaufmännischen oder praktischen Mittel, wie z. B. das Studium der\nStaatswissenschaft werden zum Zweck der tatsächlichen Macht des Einzelnen\ninnerhalb der menschlichen Gemeinschaft aufgewendet. Die physikalischen For-\nschungen haben dem Menschen syndikat dadurch, daß sieRaum und Zeit auf\ndie Kniee zwangen, Macht über die materielle Natur verschafft. Aeußere Gewalt\naber ist für den Geist unverständlich und kommt überhaupt für ihn nicht in\nBetracht. Die Lust an Kampf und Kombination, die Freude des Herrschbewußv\nseins, sind in beiden Fällen psychologische Begleiterscheinungem aber keine Werte.\nDie internen Erfolge können nur zu kulturellen werden: wenn der Einzelne\ndurch sein materiell Erreichtes ungehindert Arbeiter am Gesamtaufstieg wird,\ndie epternen, wenn die Erfindungen Grundlage für ideelle Dinge werden. Das\nist der praktisch-direkte Weg. Oder aber die Errungenschaften werden in das\nBewußtsein der Menschen aufgenommen und beeinflussen stimmungshaft die\ngesamte Höhenlage So kann etwa das Gefühl des Herrseins über der Welt,\nvon einem kleinen Teil des Geistes real-äußerlich erreicht, erhöhend auf die innere\nHaltung des Gesamtgeistes der Außenwelt gegenüber einwirken. Das ist der\nWeg der Verarbeitung. Erst der innere Besitz kann eine überfachwissenschaft-\nliche und überpraktische Bereicherung verbürgen. Die ins Freie losgelassenen\nHirnprodukte schließen sich erst zum Ringe —- dem Symbol des Ewigen «—-\nmit der Wirkung auf die Seelen der Menschen. Wenn das, was die Welt\nobjektiv erreicht, nicht auf die Welt zurücksiießy bleibt es eine Luxusangelegew\nheit. In dieser Beziehung sind die Amerikaner das typische primitive Urvolk\nder Neuzeit.\nDie Kunst- und Philosophieschöpfungen beanspruchen hier durchaus eine\nSonderstellung, da sie sich nicht auf einen Gehirnbezirk, sondern über der Breit-\nseite aller Menschlichkeit überhaupt erheben. Sie sind selbst Extrakte des\nLebens. Sie haben alle an sich unlebendigen, ,,technischen« Gebilde in sich auf-\ngenommen. Höhenanzeiger des jeweiligen Verhältnisses von Mensch und Welt.\nDa sie bereits auf dem Wege des Zustandekommens mit der Kultur verbunden\nsind, haben sie schon an sich Kulturwert —- nämlich den, den sie anzeichnen ———\nauch ohne die rückwärtige Verbindung der Wirkung (die eine so vorwärts-\nbringende ist, weil Fernhörige die Apparate bauen). Das ,,technische« Werk hin-\ngegen bedarf zum Anschluß an den Gesamtgeist der Wirkung vom Produkt\nzurück auf den Menschen. Die hohen Objektivationen des Geistes bleiben in der\nLuft hängen, wenn sie nicht zur Erkenntnis werden. Die Haltung der\nSeelen ist Kultur. Die Schöpferischen sind mittler. Die Handelnden"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 672, "texte": "sind Endpunkte der Schöpfung. Subjektivität ist letzte Produktivität Daß\ndie Seele in hoher Weise auf die Welt reagiere, ist der letzte Sinn\ndavon, daß es Menschen und Dinge gibt. »\nSo greifen wir nach Männern und Frauen, welche keine objektiven Werke\nvon sich wegzustellen vermögen, um sie wieder in den Weltaufstieg, von dem\nein männlich-technischer Objektivationshochmut sie abschneiden wollte, einzu-\ngliedern, nicht mit den klobigen Tatzen ortsüblicher Demokratie, sondern mit\nden weichen Händen unserer Menschenverbundenheit Dennoch des unbeugfamen\nSinnes, der weiß, daß uns ein Christus nur noch mit dem fordernden Schwert\ndes Geistes aufleuchten kann.\n\nAlfred Lemm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c007", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "272", "page_fin": "272", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.5", "titre_corps": "enschen nur find wir und hangen am Leben,", "titre_sommaire": "enschen nur find wir und hangen am Leben,", "signature_source": "Karl von Eisensteiwprag", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 951, "texte": "Karl von Eisensteiwprag\nenschen nur find wir und hangen am Leben,\nMenschen nur, alle, hüben wie drüben.\nHüben wie drüben taufende Hände erheben,\ntausende Herzen zu Gott sich: er möge den\nFrieden geben\nhüben wie drüben!\nAber trotzig verbeißend Heimweh und Schmerz\nstehn wir uns grimmig genüber Erz wider Erz,\nhüben wie drüben.\nSagt, wer wird den Kampf denn endlich siegreich enden?\nWir hüben? Ihr drüben?\nWir! Denn wenn euren matten, entnervten Händen\nTodesfurcht und Verzweiflung längst die Waffen entrissen,\nwenn eure Herzen längst zermürbt und zerwelkt sind von all den\nBitternissem\nhört es, ihr drüben:\nDann werden langsam die ersten Tränen beginnen\nübern zerbeulten, blutigen Harnisch zu rinnen\nuns hüben. ,\nWenn eure Witwen und Töchter längst sich getröstet haben,\neure Bräute sich längst nicht mehr kränken, c\nmerkt euchs, ihr drüben: »\nDann werden wir erst unserer Toten denken,\ndie wir ernst, doch schweigend einst begraben\nhüben und drüben. «"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c009", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "273", "page_fin": "273", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.6", "titre_corps": "er Vorwurf, den man gegen unsere neueren Künstler ebenso", "titre_sommaire": "er Vorwurf, den man gegen unsere neueren Künstler ebenso", "signature_source": "Adolf Behne", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3054, "texte": "Adolf Behne\ner Vorwurf, den man gegen unsere neueren Künstler ebenso\noft wie gedankenlos erhebt, sie seien nicht ,,national«,\nweil sie in Paris« studierten, ist dumm! Aber nicht viel\ngescheiter ist es, wenn man diesen dummen Vorwurf\npariert durch die Behauptung, die Künstler hätten ein\nRecht zum Studium der fremden Kunst, denn die ,,Kunst\nsei internationalC In Wahrheit handelt es sich gar nicht\num einen Gegensatz von ,,national« und ,,international«,\nsondern um etwas ganz anderes. Der Künstler ist weder ,,national«, noch\n,,international«, sondern egoistischl Er kennt zu der Zeit, da ein Werk in ihm\nentsteht nur das reine Interesse dieses Werkes, so wie eine Mutter in jeder\nNot nur an das Interesse des Kindes denkt. Ist die deutsche Mutter, die ein\ngefährdetes Kind nach Davos führt, ,,national« --;und ist sie »!«Itternational«\noder ,,antinational«, wenn sie mit ihm nach Aegypten reist, weil die ägyptische\nLuft für seine —- deutschel — Lunge die Rettung ist?\nWenn man doch die Kunst nicht immer und ewig so engsmaterialistisch\nbetrachtete! Dem Banausen ist die Kunst ein ,,Inhalt«, das Entstehen eines\nKunstwerkes ist ihm das Aufnehmen eines Inhaltes. Geht also ein deutscher\nKünstler nach Paris, so wird er einen französischen Inhalt aufnehmen -— wozu\nginge er sonst nach Paris? —- und sein Bild wird französisch werden.\nOb es einmal möglich sein wird, soviel Blindheit sehend zu machen?\nIn einem Künstler entsteht ein Werk, nehmen wir an, es sei ein Werk,\ndas in seinem Wesen ganz typisch deutsch ist, nehmen wir sogar an, es sei\ntypisch deutsch selbst im Sinne des Banausen. Das Wachstum dieses Werkes\nbraucht Licht und Luft, und die Schaffenslust des Künstlers benötigt Wärme,\neine beschwingte Atmosphäre, den Wechsel der umgebenden Menschen und das\nGlück der Befreiung vom Gewohntem Wenn der Künstler nach Paris fährt,\nso ist ihm dabei höchst gleichgültig, daß dieses Paris die Zzauptstadt Frankreichs\nist, für ihn ist es nur wichtig, daß, aus welchen klimatischen, geographischen\nund atmosphärischen Ursachen immer, dieser Punkt der fchnell erreichbaren\nErde die Luft besitzt, in der sein Werk am besten »werden« kann. (Dabei kann\ner der geborene Franzosenfresser sein.)\nGewöhnen wir uns doch endlich, diese Dinge mehr physiologisch zu betrachten.\nDas ist das einzig ,,Natürliche«.\nEin Beispiel sei angeführt:\nWarum gingen die ——- gewiß sehr deutschen! —- Spitzweg, Krüger, Wald-\nmüller, Rayski in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Paris? Weil\ndurch Delacroip dort schon ein Loch geschlagen war in die Mauern des starren\nAkademizismus die zur gleichen Zeit in Deutschland noch immer dumpf und\nunerschüttert standen. Die freie Luft im Westen zog jene Revolutionäre aus\nDeutschland an. Waren sie deshalb antis oder auch nur international? Sollten\nsie in Deutschland bleiben auf die Gefahr hin, daß ihr ——- doch deutschesl -—\nSchaffen hier verdorrte? Sie gingen aus egoistischen Gründen, um ihr Schaffen\nzu retten, nach Paris und haben damit der deutschen Kunst besser gedient, als\nwenn sie in der Heimat geblieben wären. « » » »"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c011", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "274", "page_fin": "274", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.7", "titre_corps": "ir sind so langsam eingeschneiy", "titre_sommaire": "ir sind so langsam eingeschneiy", "signature_source": "Rudolf Leonhard", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 396, "texte": "Rudolf Leonhard\nir sind so langsam eingeschneiy\nNun ist der Weg noch immer weit.\nEndelos ist dieser Wald.\nFlogen Kugeln, die uns trafen;\nEinmal blasen sie doch Halt,\nEinmal kommen wir zum Schlafen\nEntschwand uns Vaterland, entsiel uns Ruhm, blieb Pflicht.\nWir und die Feinde hielten brav!\nEs fallen Tränen über mein Gesicht. h\nIch bin nur schwer von Müdigkeit\nUnd Wunsch nach einem harten Schlaf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c014", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c014", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "276", "page_fin": "278", "image_debut": 12, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.9", "titre_corps": "eit zehn Jahren bcunruhigte eine prophetifche", "titre_sommaire": "eit zehn Jahren bcunruhigte eine prophetifche", "signature_source": "Felix Stöfsinger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2995, "texte": "eit zehn Jahren bcunruhigte eine prophetifche Katastrophen-\nliteratur die Nerven der europäifchen Völker? Die Fantasie\ninaktiver Offiziere und gerissener Romanfchriftsteller malte\ndie Schrecken, die wir heute erleben, mit annahernder\nRichtigkeit aus. Trotzdem sinden sich jetzt, wo sich die poli-\ntischen Gesichte Dostojewskis mit erstaunlicher Präzision\nverwirklichen, Diplomaten, die diese naturnotwendige\nKatastrophe als den Willkürakt einiger Deutschen hinstellem\nSo dunkel die Umstände sind, die den Einbruch des Krieges begünstigtem\nso klar sind die entfernten, allein maßgebenden Ursachen. Der Dreibund war\neinFriedensbund. »Er benutzte nie seine militärische Uebermacht, ein anderes\nLand zu schädigen. Unter seiner Patronanz bereicherten sich RußIand, Frankreich\nund England in unerhörtester Weise. Erst als aber drei von verschiedenen Haß-\nmotiven geleitete Staaten gegen den Dreibund einen Verband gründeten, der\nweit mächtiger, erdrückend übermächtiger zu sein schien, als der alte Dreibund,\nwurde Europa in die Krisen gcstürzt, die sich bis zu diesem Kriege steigertem\nDer neue Verband wollte leben, aber er ließ nicht leben. Er benutzte den Schein\nseiner Uebermacht auf das\"Unverschämteste, Deutschland allmählich zu fesseln.\nEr machte aus jedem deutschen Eypansionszug einen Kriegsgrund. Deutsch-\nland wurde durch die Summe der unterdrückten Einzelerfolge immer mehr ge-\ns chädigt. So zeigte sich, daß diese beiden Kraftgruppen keinen Ausgleich finden\nkönnen und daß der Friede in Europa nur möglich ist, wennDeutschland sein\nniilitärisches Uebergewicht bewiesen hat. Endlich fügte es sich, daß ein Provo-\nkationsagent des Dreiverbands, nämlich Serbien, zu früh losschoß, wie das bei\njungen, nervösen Freiwilligen öfters vorkommt. Oesterreich und Deutschland\nkonnten von ihrem Recht und ihrer Pflicht, diesen jungen Lausbuben zu züchtigen,\nnicht abstehen, ohne sich dadurch dauernd als unterlegen und ohnmächtig zu\nbekennen. So kam es zum Kriege, den der Dreiverband, wenn auch nicht schon\njetzt, so doch überhaupt gewollt hatte, zu der Kraftprobe zwischen den euro-\npäischen Rand- und den europäischen Kernmächtcm Das alles ist sonnenklatn\nWeil aber das, was dem Kriege unmittelbar vorausging, unentwirrbar ist,\nkonnte es gelingen, Deutschland die Schuld am Kriege zuzuschiebem Was später\nan militaristischen und antimilitaristischen Phrasen in die Welt gesetzt wurde,\nan dem übelriechendsten Geschwätz von der Befreiung der Völker, ist nichts als\ndie grauenhafte Verlogenheit der europäischen Gesellschaft und ihr Bedürfnis,\nbelogen zu werden.\nDeutschland hatte sofort die XVeIt gegen sich. Erstens weil der Anständige\niinmer die Welt gegen sich hat, zweitens, weil die Welt ja wirklich nicht wissen\nkonnte, was geschehen war, und der Schein gegen Deutschland sprach.\nWie zwischen den Juden und der ganzen Welt geht auch zwischen den\nDeutschen und der ganzen Welt ein unüberwindlicher Riß, und dieser Riß\nist so tief und notwendig, daß, so wie die elendsten und schwächsten Juden"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3146, "texte": "aus Verzweiflung Antisemiten sind, die schwächsten und elendsten Deutschen\naus Ratlosigkeit eine meist nur halb verhohlene deutschfeindliche Gesinnung\nhaben, also alle Edelanarchistem das geistige Proletariat und die Literatur-\nAnalphabetem deren Lyrik und Prosa von der Niederlage Deutschlands ab-\nhängig ist. So wie es aber eine Aufgabe des Iudentums ist, sich allen Zeiten\nzur Wut zu behaupten, kann auch Deutschland nur den Gottesplan erfüllen,\nwenn es keine Konzessionen an den Gegensatz macht und schließlich den Gegensatz\nzur Anerkennung zwingt. unabhängig davon ist die Tatsache, daß das. jüdische\nund das deutsche Wesen am meisten national ist, wenn es international wirkt.\nDamit aber Münzen internationalen Wert haben, muß die Nationalprägung\ngut sein. .\nWie das deutsche Wesen unterscheidet sich auch der deutsche Staat durch wich-\ntige Züge von allen andern. Die Ursache davon ist die abgrundtiefe Anständigkeit\nund Konsequenz, sagen wir ruhig: die Tugend Deutschlands. Diese Tugend\nDeutschlands ist so groß, daß jede einzelne Untugend den andern sofort als\nein furchtbares Laster erscheint. Deutschland ist wirklich »das Land der Tugend«,\nwie es die Chinesen nennen, dieselben Chinesen, die mit den Deutschen, Juden,\nIndern und Griechen zusammen die einzigen— weisen, metaphysischen Völker\ndieses Sternes sind. Ein Attribut der deutschen Anständigkeit ist die gemäßigte,\nvöllig exzeßlose, evolutionistische Richtung der deutschen Entwicklung. Deutschland\nhat die revolutionärsten Geister hervorgebracht, aber keine Märtyrer. Einen\nreligiösen Krieg führen, ist für das Leben der Staaten normal; Märtyrer sind\nschon etwas Ercessives Was ist aber das Normale in einem Staat? Das\nNormale ist die materielle Wohlfahrt des Ganzen; die sorgfältige Ausarbeitung\nder Gesetze, weil die Menschen zusdumm sind, ohne Gesetze zu leben: die Förderung\nalles dessen, was einmal als geistig anerkannt ist; die Ablehnung revolutionäsrer\nNeuerungen; die Verkleinerung des allgemeinen Leidens; die möglichste Gleich-\nheit in der Lebensführung aller Stände; das langsame, zähe Loslösen von\nmittelalterlichen Ueberrestem Wer kann nun leugnen, daß der deutsche Staat\nalles das beinahe vollkommen verkörpert? Preußen hat einen ganz erstaunlichen\nInstinkt für die ganz unbedingten materiellen Verpflichtungen gegen das Volk.\nDaher ist Preußen auf der XVelt in folgenden Dingen führend: Abschaffung\nder Tortur, Einführung der allgeineinen Schulpstichtz der allgemeinen Wehr-\npslicht ohne Vorrechte für die Reichen, und in der sozialen Gesetzgebung Für\nmich steht außer Zweifel, daß, wenn einmal gewisse Reste, die den Gebildeten\nam Staate grauenhaft vorkommen, zum Unnormalen in der Welt geworden\nsein werden, Deutschland unter den Großmächten auch hierin voran gehen wird.\nVergessen wir nicht, daß jeder Krieg, den Deutschland geführt hat, ein Mittel\nwar, für den es keinen Ersatz gab, und daß der Krieg noch heute das Espei\nranto der Staaten untereinander ist. Wie wollen sich denn auch Staaten unter-\neinander, verständigen, die sich noch im Innern der Todesstrafe, des Pfahlan-\nbindens, der Prügelftrafe (Englandll), des Progroms und ähnlicher Rechtsmittel"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3017, "texte": "bedienen. Nur weil der Krieg noch heute etwas menschengemäßes ist, gibt es in\ndiesem deutschen Normalstaat Dinge, die der Zukunft nicht mehr menschengemäß\nerscheinen werden. s « «\nDer Hauptunterschied zwischen Deutschland und fast allen Ländern ist\nferner der, daß Deutschland keinen Anschluß an die Kulturkreis e der fran-\nzösischen Revolution gefunden hat. Aus diesem Grunde haben ja die Libe-\nralen, für die der Krieg einen jämmerlichen Bankerott bedeutet, vor dem Kriege\nbehauptet, daß Preußen hinter allerlei wilden Völkern, etwa Serben, Portu-\ngiesen, Meyikaiiern zurückgeblieben ist. In allen Staaten war die Revolution\neine Tat der Verzweiflung gegen den Druck der Mächtigen. In Deutschland\nwar dieser Druck nie annähernd so groß wie in Westeuropa, auch hatten die\nFürsten der Kleinstaaten keine so große Macht, wie die englischen, französischen\nund jetzt noch die russischen Herrscher. In Preußen aber war dieser Druck ernstlich\nnie vorhanden. Während in Frankreich Arrestbefehle käusiich waren und ganze\nDörfcr buchstäblich vor Hunger starben, wußte der preußische Bauer, daß es\nRichter in Berlin gibt und während die Bourbonen und Stuarts das Land\nruinierten, sorgte König Friedrich bis zu seiner Auszehrung an der Verbesserung\nund Bereicherung seiner Völker. Vielleicht tat das die Regierung« aus Utilitaris-\nmus, für sie war es das Rechte und das Normale. In dieser Richtung ging\nDeutschland den Weg des Sinnes und der Einsicht, und schließlich konnte es,\nda es die Zeit der Revolutionen versäumt hatte, auf die Revolution verzichten.\nDie Lage ist nun die, daß Deutschland seinem Sonderwege seine triumpl)ierende\nUnerschütterlichkeit verdankt, und das beispiellos ausgeglichene, allgemeine Wohl,\ndaß ihm aber gleichzeitig einiges unendlich Hohes noch fehlt. Durch den Krieg\nhat der Staat so gewonnen, daß der Allgemeinheit eine Revolution unsinnig\nerscheint, und sie ist es auch, weil das Volk als Ganzes evolutionistisch gesinnt\nist. Es ist im Grunde patriarchalisch geblieben, wie der Staat, und wie Preußen,\ndas wie eine Neugeburt des mosaischen Staatsbegrisses dasteht. Daher haben\nalle preußischen Verordnungen immer etwas kantischqorotestantisches und etwas\nalttestamentarisches. Immer: du sollst; und immer; 1., 2., 3. Gebot. Ietzt aber,\nund sei es auch erst in 75 Jahren, tritt Deutschland in eine neue Epoche. Das\nganze Volk hat gezeigt, daß es alle Fähigkeiten hat, die der Staat bisher nur\neiner Kaste zutraute. Es wird keine Vorrechte mehr geben, weil alle das Vor-\nrecht haben werden, Deutsche oder deutschen Sinnes zu sein. Wird in den\nnächsten Jahrhunderten das deutsche Volk zum Staat und der deutsche Staat\nzum Volk, dann wird Deutschland am Ziele seiner Mission stehen. Es wird\nohne Revolution den Segen aller Revolutionen genießen. Es wird die äußerste\nDemokratie vervollkommnen, weil eine Koruption in diesem Lande undenkbar\nist. Es wird ungeahnte Träume der Gleichheit zur Wirklichkeit erheben, und\ndas alles wird: geschehen können, weil es das Land der Tugend ist.\n\nFelix Stöfsinger"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c017", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c017", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "280", "page_fin": "280", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.11", "titre_corps": "Mit diesem Heft schließt das dritte Vierteljahr unserer Zeitschrift. In", "titre_sommaire": "Mit diesem Heft schließt das dritte Vierteljahr unserer Zeitschrift. 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Zzeft19 wird ein Alfred Kubimszeft fein,\nworauf wir Interessenten schon jetzt hinweisen wollen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c018", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c018", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "280", "page_fin": "280", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.12", "titre_corps": "Inhalt des Heftes15:", "titre_sommaire": "Inhalt des Heftes15:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.16", "debut_caractere": 387, "fin_caractere_exclue": 748, "texte": "Inhalt des Heftes15:\nWilhelm Hausenstein —— Albert Weisgerber J Edwin Scharff -- Orig-\nSteindruck J Hans .Reisiger «—- Schatten J Franz Blei —- Unsere Revolution J\nMax Unold s—- Origxzzolzschnitt J Wolfgang Schumann —— Vor Gott 1914J\nHugo Sonnenschein —- Wohin? J Willi Geiger —- Origssteindruck J\nHermann Bzahr —- Weltdeutsch J Edwin Scharff -— Origisteindruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c019", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c019", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "280", "page_fin": "280", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.13", "titre_corps": "Inhalt des Heftes 16:", "titre_sommaire": "Inhalt des Heftes 16:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.16", "debut_caractere": 750, "fin_caractere_exclue": 1181, "texte": "Inhalt des Heftes 16:\nEdwin Scharss —- ,,»Schwerer Reiter« Orig.-Steindruck J Paul Scheerbart\n—- Unterscebootsiotte J Adolf Schinnerer —- OrigxSteindruck J Ina Seide!\n—- Klage des Mädchens J Kasimir Edschmid — Die kleine Grausamkeit J\nWilhelm Oesterle —- Orig.-Steindruck - Karl vonEisenstein ——- Dereinst J\nOtto Flake — Tagebuch J G. A. 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Die Zeitschrift, die sich von der\nHochsiut dcr Kriegspublikationcn durch ihre vornehme und unabhängige Art\nwohltuend abhebt-».\nZeitschrift für Bücherfreundm\n, « ...Ich möchte nicht hier eine beliebige Publikatiom die der Krieg hervor-\nbrachte, unkritisch anzeigen, sondern es ist laut zu bekennen, daß diese Hefte\ndurch Gesinnung und künstlerifche Qualität das Beste darstellen, was der Krieg\nunter den ärmlichen und schwachen Kunsigaben der harten und furchtbaren\nUionate bisher erzeugte. Meist sprechen hier Menschen des Geistes und der\nKunst, die bislang schwiegen, und die Knappheit der Ausdrucksform erhöht\ndie Wucht ihrer 1Vorte. — Unter den Lithographien findet sich manch schönes,\nkein gleichgültiges Blatt; neben Geiger und Kubin treten meist jüngste Künstler\nauf wie Werner Schmidt, R. Beeh, Scharssj Unold, Seewald. — Man wird\n——-— und darin unterscheiden sich diese Hefte von fast allen anderen Druckwerken\ndieser Zeit —- niemals nur die Beteuerung patriotischer Meinungen oder die\nDarstellung des Tatsächlichen finden, sondern tiefste Gesinnungen und Erkennt-\nnisse ossenbaren sich. .. l P——s.\nFremden-Blatt:\n. . . ,,Zeit-E cho«, ein Kriegstagebuch der Künstler, an dem unsere deutschen\nDichter und Zeichner, gerade der unpolitischsten Richtungen, die Alfred\nKerr, Thomas Mann, Scherbaert, Holz, May: Brod, Alfred Mombert,\nFranz Blei Stellung und Ausdruck nehmen. Unold, Kubin, Nowak,\nGeiger, Graphiker von originellstem und knappstem Strich, haben hier aus\ndem Rund des Kriegsgeschehens episodische Menschlichkeitem perspektivische und\nplastische Feinheiten zu schöpfen gesucht. Oft hat man hier den Aeußerungen\nder Literaten gegenüber den Eindruck, als sei dieses Krieges titanisches Bei-\nspiel hier schon zu sehr Stoff und Thema geworden, denn Aphorysmus und\nDebatte stehen schon sprungbereit da. Doch ist der Wert groß, auch der prin-\nzipiell anderen, friedlich wirkendem Element zugeneigten Denker Stimme im-\ngeschminkt sich äußern zu hören und an allem, was gesagt und oft mit voll-\nendeter Beherrschung des Stils und der psychischen Disposition gesagt wird,\nist auch hier des deutschen Geistes Vielfalt und kosmopolitische Rechtlichkeih\nseine Ueberlegenheit über dem Neid und Haß der Gegenseite gerade durch diese\nFähigkeit zu Selbstbetrachtung und Selbstkritik durch seine noble Größe, die\nleidvollstes und empörendstes Erleben noch in eine Formel geistiger Behandlung,\nruhigen, sachlich kühlen und wahren Urteils zu bringen weiß, klar erwiesen.\nl Ludwig Ullmanm\nDie Aehre:\nWas als künstlerische Kundgebungen bisher an fiammender Kriegs-\nbegeisterung in deutschen Zeitschriften zutage trat, hatte den Charakter des\nchaotischen, unabgeklärten, spontanen Gefühlsausbruches. Von Tiefe und Reife\nwar wenig zu spüren, da Wut und Haß die meisten Augen verblendet hatten.\nMit um so größerer Freude zeigen wir heute eine kleine, hochkultivierte, rein\nkünstlerische, auch in ihrer Aufmachung wundervoll der Zeit angepaßte ge-\nschmacksreife Zeitschrift vor, betitelt »Zeit-Echo«, ein Kriegstagebuch der\nKünstler. ,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-06-02-c022", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-06_02#c022", "volume": "bmtnabb_1915-06_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "281", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 83, "texte": "-x »»\nMPO H coLDscHMIEP wi 4\nE. 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Sein Zustand ist\ndas Entscheidende. Die Haltung der jeweils Lebenden ist\nHandhabe und Beweis für das Gerettet oder Gerichtet\neines Gottes. Der Menschen Sein bestimmt das Urteil; zu Zeugen werden ihre\nTaten aufgerufen.\nDas Sein, ein Zusammengesetztes aus Reizempsindsamkeit und Erkenntnis,\nist das immanente Verhältnis der Seele zum Außen. Die Ausbalanzierung und\nder Erweis des Seelenbestandes findet erst an der Umwelt statt. Durch die\nBerührung mit ihr erhält das Sein die Abstufungen und Markierungspunktq\nderen es zu feiner relativen Stabilisierung bedarf. Es liegt hier das Eigen-\ntümliche jeder »Form« vor, die das Fließendq unnennbare durch Einteilung\naussprechbar macht. Sie hat stetsdie doppelte Aufgabe, die Möglichkeit und\ndie Sichtbarkeit zu gewäl)rleisten. So findet das Sein an dem Außen nicht nur\ndie innere Festlegung, sondern auch die äußere Erfüllung Das Handeln ist\ndie Form des Seins.\nAllerdings, es ist tiefe Befriedigungim Nichthandelm Weichen wir doch so dem\nunentfernbaren Widerspruch aus, daß der Geist Gestalt annimmt. Aber haben\nwir einmal, dadurch, daß wir am Tage unserer Geburt nicht Selbstmord ver-\nübten, uns einverstanden erklärt, jenes Paradoron hinzunehmen, haben wir die\nBerechtigung, es als Ruhekissen zu benutzen, verloren. Durch das Bestehen beider\nElemente, Individuum und Außenwelt, werden wir von der Schöpfung kate-\ngorisch aufgefordert, die Parallelen in uns zu vervollständigem die Tat dem\nSein folgen zu lassen. Sein allein ist Halbheit. Das Handeln ist sein Kom-\nplement. Wie der Marmor zum schöpferischen Einfall des Bildners, ist das\nHandeln die andere Hälfte zum Sein. Die Beseelung erfolgt vom Subjekt.\nDaß die beiden Hälften kongruent seien, ist Forderung. Die Reaktion der\nSeele auf die Berührung der Welt ist also bestimmend für das Weltniveau.\nDie Tat ist das Endgültigq was die Menschen erreichen wollen. Nur was\nin ihr auf irgend großen Umwegen mündet, ist int Gesamtsinn kulturwertvoll.\nHier Angewandtheit und Zweckmäßigkeit ist Weltzweckmäßigkeit.\nDie Technik (in weiteftem Sinne) war von ihren eigenen Erfolgen in diesem\nund dem vergangenen Jahrhundert so entzückt, daß sie nur noch sich selbst sah\nund von sich sprach. Sie wies, indem sie allen Maßstab für ihr Verhältnis zu\nihrer Umgebung verlor, deutliche Zeichen beginnenden Größenwahns auf. Nach-\ndem der Krieg nun die Abteilung des männlichen Hirnes, welche für technische\nAngelegenheiten zuständig ist, zur Leiterin des Erdgefchehens machte, wird ihre\nUeberschätzung kaum mehr heilbar sein."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.4", "texte": "Die (bewundernswerten) Leistungen derStrategem Ingenieure, Chemikety\nGroßunternehmer, Bankiers, Nationalökonomen entstehen im wesentlichen aus\neinem hochentwickelten Kombinationsvermögen —— welches das geschmeidige\nFunktionieren der Assoziationen voraussetzt ——-, dem Umfassenkönnen einer An-\nhäufung von Begriffen oder Vorstellungen, die im Zzirnraum schweben, durch\neine scharfe Macht, dem zwangsmäßig harten Folgern. Wie der Brückenbauer\nauf Grund seiner Mathematik die Eisenteile, der Stratege nach feiner Kenntnis\nder psychischen und Machtverhältnisse sein Heer, kombiniert der Groß-\nindustrielle die lebenden Kräfte, die um das vorliegende Geschäft spielen, zur\nTat. Das Arbeitsgebiet jener Energien ist entweder die Natur oder sind vom\nMenschen gebildete Umstände. In beiden Fällen wird ein Bezirk systematisierr\nDer Mensch als Lufttechniker vernichtet die Bedingungen, unter welchen man\nihn auf die» Erde setzte. Als wissenschaftlicher Sozialist durchbricht er die von\nder Gesellschaft aufgestellte Konjunktur nach seinem Sinn. Zur Durchführung\nbedarf es natürlich des Eins chlags aller möglichen geistigen und sittlichen Kräfte,\nvon der Persönlichkeit her, wie es etwa: Fähigkeit, sich zurückzustellem Mut des\nschnellen Zuschlagens im Kampf, psychologischer Sinn sind. Doch sandte bei allen\njenen Schöpfungen der Geist zum Zeugungsakt nur einen Teil von sich, den\nVerstand als Beauftragten vor. Von seiten der Intuition kann hiergegen kein\nEinspruch erhoben werden. Wenn etliche Stationen der sachlich folgernden Logik\nübersprungen werden durch ein plötzlich offenbarendes, vom gesamten Körper\nausgehendes Gefühl, welches während der ganzen Denkarbeit in der Nähe des\nZieles lag und sich nun bemerkbar macht, kann das Intuitive nicht als Motor,\nsondern nur als stellenweiser Ersatz für die (Verstandes-) Leitung gelten.\nDie Dinge nun, die sich eine besonders rührige Spezies des menschlichen Geistes\nso konstruierte, mögen sie Nahrungsersatz oder Luftschiss, Funkentelegraphie\noder Reichsbank, Eifelturm oder Radiumstrahlen heißen, sind herrliche Leistungen,\ndie man nicht wieder verlieren möchte, stolze Manifestationen eines menschlichen\nGeistesabschnitts Ihr Wert liegt vorerst jedoch lediglich in der Aufgabe, die\nsie sich zur Erfüllung gesetzt haben. In ihrem abgetrennten Bestehen sind sie\nnoch keine Kulturmehrer, und hier für nicht höher einzuschätzen als die Leistungen\nder Gedächtnis- oder Rechenkünstler im Varietee. Erst als Basis für gesamt-\nmenschliche Werte würden sie wahrhaft geistige Bedeutung gewinnen.\nDaß der ,,deutsche Geist« siegt, wenn wir den Krieg gewinnen, ist eine vom\nVerkennen jener Leistungen herrührende Fälschung, die den Teil für das Ganze\nausgibt. Fähigkeit zu organisieren, artilleristische Erfindungen sind noch nicht\n»der Geist«. Und die Selbstaufopferung, die darunter rechnet, kann es allein\nnicht schaffen. Deutschlands unsagbarer Wert liegt in Eigenschaften, durch die\nes nicht siegen kann. Auch die tölpell)aften, nur durch die Seelennot entschuld-\nbaren Beweisversuche, daß der Krieg eine geistige Angelegenheit sei, gehören\nin die Kategorie dieser Zielverschiebung Selbst wenn die Mittel des Kampfes\nschlechthin geistige oder aber hauptsächlich sittliche wären, selbst wenn als Ursache"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.5", "texte": "dieses Krieges die Betonung des« deutschen Menschen also auch-seines Geistes\ngälte, mithin der Anlaß gleichfalls ein ideeller wäre, ssowürde die Form, in der\nein geistiger Wille mit geistigen Mitteln schließlich »in diesErscheinung träte-\ndoch die typische des Krieges, die ungeistige G ew alt sein. Das Erreichte dringt\nnicht in die Umwelt. Es wird ihr aufgedrungen. . n « s . ,\nDie technischen Errungenschaften bedeuten gleichfalls nur äußerets Herr-\nwerden. Die kaufmännischen oder praktischen Mittel, wie z. B. das Studium der\nStaatswissenschaft werden zum Zweck der tatsächlichen Macht des Einzelnen\ninnerhalb der menschlichen Gemeinschaft aufgewendet. Die physikalischen For-\nschungen haben dem Menschen syndikat dadurch, daß sieRaum und Zeit auf\ndie Kniee zwangen, Macht über die materielle Natur verschafft. Aeußere Gewalt\naber ist für den Geist unverständlich und kommt überhaupt für ihn nicht in\nBetracht. Die Lust an Kampf und Kombination, die Freude des Herrschbewußv\nseins, sind in beiden Fällen psychologische Begleiterscheinungem aber keine Werte.\nDie internen Erfolge können nur zu kulturellen werden: wenn der Einzelne\ndurch sein materiell Erreichtes ungehindert Arbeiter am Gesamtaufstieg wird,\ndie epternen, wenn die Erfindungen Grundlage für ideelle Dinge werden. Das\nist der praktisch-direkte Weg. Oder aber die Errungenschaften werden in das\nBewußtsein der Menschen aufgenommen und beeinflussen stimmungshaft die\ngesamte Höhenlage So kann etwa das Gefühl des Herrseins über der Welt,\nvon einem kleinen Teil des Geistes real-äußerlich erreicht, erhöhend auf die innere\nHaltung des Gesamtgeistes der Außenwelt gegenüber einwirken. Das ist der\nWeg der Verarbeitung. Erst der innere Besitz kann eine überfachwissenschaft-\nliche und überpraktische Bereicherung verbürgen. Die ins Freie losgelassenen\nHirnprodukte schließen sich erst zum Ringe —- dem Symbol des Ewigen «—-\nmit der Wirkung auf die Seelen der Menschen. Wenn das, was die Welt\nobjektiv erreicht, nicht auf die Welt zurücksiießy bleibt es eine Luxusangelegew\nheit. In dieser Beziehung sind die Amerikaner das typische primitive Urvolk\nder Neuzeit.\nDie Kunst- und Philosophieschöpfungen beanspruchen hier durchaus eine\nSonderstellung, da sie sich nicht auf einen Gehirnbezirk, sondern über der Breit-\nseite aller Menschlichkeit überhaupt erheben. Sie sind selbst Extrakte des\nLebens. Sie haben alle an sich unlebendigen, ,,technischen« Gebilde in sich auf-\ngenommen. Höhenanzeiger des jeweiligen Verhältnisses von Mensch und Welt.\nDa sie bereits auf dem Wege des Zustandekommens mit der Kultur verbunden\nsind, haben sie schon an sich Kulturwert —- nämlich den, den sie anzeichnen ———\nauch ohne die rückwärtige Verbindung der Wirkung (die eine so vorwärts-\nbringende ist, weil Fernhörige die Apparate bauen). Das ,,technische« Werk hin-\ngegen bedarf zum Anschluß an den Gesamtgeist der Wirkung vom Produkt\nzurück auf den Menschen. Die hohen Objektivationen des Geistes bleiben in der\nLuft hängen, wenn sie nicht zur Erkenntnis werden. Die Haltung der\nSeelen ist Kultur. Die Schöpferischen sind mittler. Die Handelnden"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.6", "texte": "sind Endpunkte der Schöpfung. Subjektivität ist letzte Produktivität Daß\ndie Seele in hoher Weise auf die Welt reagiere, ist der letzte Sinn\ndavon, daß es Menschen und Dinge gibt. »\nSo greifen wir nach Männern und Frauen, welche keine objektiven Werke\nvon sich wegzustellen vermögen, um sie wieder in den Weltaufstieg, von dem\nein männlich-technischer Objektivationshochmut sie abschneiden wollte, einzu-\ngliedern, nicht mit den klobigen Tatzen ortsüblicher Demokratie, sondern mit\nden weichen Händen unserer Menschenverbundenheit Dennoch des unbeugfamen\nSinnes, der weiß, daß uns ein Christus nur noch mit dem fordernden Schwert\ndes Geistes aufleuchten kann.\n\nAlfred Lemm"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.8", "texte": "Karl von Eisensteiwprag\nenschen nur find wir und hangen am Leben,\nMenschen nur, alle, hüben wie drüben.\nHüben wie drüben taufende Hände erheben,\ntausende Herzen zu Gott sich: er möge den\nFrieden geben\nhüben wie drüben!\nAber trotzig verbeißend Heimweh und Schmerz\nstehn wir uns grimmig genüber Erz wider Erz,\nhüben wie drüben.\nSagt, wer wird den Kampf denn endlich siegreich enden?\nWir hüben? Ihr drüben?\nWir! Denn wenn euren matten, entnervten Händen\nTodesfurcht und Verzweiflung längst die Waffen entrissen,\nwenn eure Herzen längst zermürbt und zerwelkt sind von all den\nBitternissem\nhört es, ihr drüben:\nDann werden langsam die ersten Tränen beginnen\nübern zerbeulten, blutigen Harnisch zu rinnen\nuns hüben. ,\nWenn eure Witwen und Töchter längst sich getröstet haben,\neure Bräute sich längst nicht mehr kränken, c\nmerkt euchs, ihr drüben: »\nDann werden wir erst unserer Toten denken,\ndie wir ernst, doch schweigend einst begraben\nhüben und drüben. «"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.9", "texte": "Adolf Behne\ner Vorwurf, den man gegen unsere neueren Künstler ebenso\noft wie gedankenlos erhebt, sie seien nicht ,,national«,\nweil sie in Paris« studierten, ist dumm! Aber nicht viel\ngescheiter ist es, wenn man diesen dummen Vorwurf\npariert durch die Behauptung, die Künstler hätten ein\nRecht zum Studium der fremden Kunst, denn die ,,Kunst\nsei internationalC In Wahrheit handelt es sich gar nicht\num einen Gegensatz von ,,national« und ,,international«,\nsondern um etwas ganz anderes. Der Künstler ist weder ,,national«, noch\n,,international«, sondern egoistischl Er kennt zu der Zeit, da ein Werk in ihm\nentsteht nur das reine Interesse dieses Werkes, so wie eine Mutter in jeder\nNot nur an das Interesse des Kindes denkt. Ist die deutsche Mutter, die ein\ngefährdetes Kind nach Davos führt, ,,national« --;und ist sie »!«Itternational«\noder ,,antinational«, wenn sie mit ihm nach Aegypten reist, weil die ägyptische\nLuft für seine —- deutschel — Lunge die Rettung ist?\nWenn man doch die Kunst nicht immer und ewig so engsmaterialistisch\nbetrachtete! Dem Banausen ist die Kunst ein ,,Inhalt«, das Entstehen eines\nKunstwerkes ist ihm das Aufnehmen eines Inhaltes. Geht also ein deutscher\nKünstler nach Paris, so wird er einen französischen Inhalt aufnehmen -— wozu\nginge er sonst nach Paris? —- und sein Bild wird französisch werden.\nOb es einmal möglich sein wird, soviel Blindheit sehend zu machen?\nIn einem Künstler entsteht ein Werk, nehmen wir an, es sei ein Werk,\ndas in seinem Wesen ganz typisch deutsch ist, nehmen wir sogar an, es sei\ntypisch deutsch selbst im Sinne des Banausen. Das Wachstum dieses Werkes\nbraucht Licht und Luft, und die Schaffenslust des Künstlers benötigt Wärme,\neine beschwingte Atmosphäre, den Wechsel der umgebenden Menschen und das\nGlück der Befreiung vom Gewohntem Wenn der Künstler nach Paris fährt,\nso ist ihm dabei höchst gleichgültig, daß dieses Paris die Zzauptstadt Frankreichs\nist, für ihn ist es nur wichtig, daß, aus welchen klimatischen, geographischen\nund atmosphärischen Ursachen immer, dieser Punkt der fchnell erreichbaren\nErde die Luft besitzt, in der sein Werk am besten »werden« kann. (Dabei kann\ner der geborene Franzosenfresser sein.)\nGewöhnen wir uns doch endlich, diese Dinge mehr physiologisch zu betrachten.\nDas ist das einzig ,,Natürliche«.\nEin Beispiel sei angeführt:\nWarum gingen die ——- gewiß sehr deutschen! —- Spitzweg, Krüger, Wald-\nmüller, Rayski in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Paris? Weil\ndurch Delacroip dort schon ein Loch geschlagen war in die Mauern des starren\nAkademizismus die zur gleichen Zeit in Deutschland noch immer dumpf und\nunerschüttert standen. Die freie Luft im Westen zog jene Revolutionäre aus\nDeutschland an. Waren sie deshalb antis oder auch nur international? Sollten\nsie in Deutschland bleiben auf die Gefahr hin, daß ihr ——- doch deutschesl -—\nSchaffen hier verdorrte? Sie gingen aus egoistischen Gründen, um ihr Schaffen\nzu retten, nach Paris und haben damit der deutschen Kunst besser gedient, als\nwenn sie in der Heimat geblieben wären. « » » »"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.10", "texte": "Rudolf Leonhard\nir sind so langsam eingeschneiy\nNun ist der Weg noch immer weit.\nEndelos ist dieser Wald.\nFlogen Kugeln, die uns trafen;\nEinmal blasen sie doch Halt,\nEinmal kommen wir zum Schlafen\nEntschwand uns Vaterland, entsiel uns Ruhm, blieb Pflicht.\nWir und die Feinde hielten brav!\nEs fallen Tränen über mein Gesicht. h\nIch bin nur schwer von Müdigkeit\nUnd Wunsch nach einem harten Schlaf."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.12", "texte": "eit zehn Jahren bcunruhigte eine prophetifche Katastrophen-\nliteratur die Nerven der europäifchen Völker? Die Fantasie\ninaktiver Offiziere und gerissener Romanfchriftsteller malte\ndie Schrecken, die wir heute erleben, mit annahernder\nRichtigkeit aus. Trotzdem sinden sich jetzt, wo sich die poli-\ntischen Gesichte Dostojewskis mit erstaunlicher Präzision\nverwirklichen, Diplomaten, die diese naturnotwendige\nKatastrophe als den Willkürakt einiger Deutschen hinstellem\nSo dunkel die Umstände sind, die den Einbruch des Krieges begünstigtem\nso klar sind die entfernten, allein maßgebenden Ursachen. Der Dreibund war\neinFriedensbund. »Er benutzte nie seine militärische Uebermacht, ein anderes\nLand zu schädigen. Unter seiner Patronanz bereicherten sich RußIand, Frankreich\nund England in unerhörtester Weise. Erst als aber drei von verschiedenen Haß-\nmotiven geleitete Staaten gegen den Dreibund einen Verband gründeten, der\nweit mächtiger, erdrückend übermächtiger zu sein schien, als der alte Dreibund,\nwurde Europa in die Krisen gcstürzt, die sich bis zu diesem Kriege steigertem\nDer neue Verband wollte leben, aber er ließ nicht leben. Er benutzte den Schein\nseiner Uebermacht auf das\"Unverschämteste, Deutschland allmählich zu fesseln.\nEr machte aus jedem deutschen Eypansionszug einen Kriegsgrund. Deutsch-\nland wurde durch die Summe der unterdrückten Einzelerfolge immer mehr ge-\ns chädigt. So zeigte sich, daß diese beiden Kraftgruppen keinen Ausgleich finden\nkönnen und daß der Friede in Europa nur möglich ist, wennDeutschland sein\nniilitärisches Uebergewicht bewiesen hat. Endlich fügte es sich, daß ein Provo-\nkationsagent des Dreiverbands, nämlich Serbien, zu früh losschoß, wie das bei\njungen, nervösen Freiwilligen öfters vorkommt. Oesterreich und Deutschland\nkonnten von ihrem Recht und ihrer Pflicht, diesen jungen Lausbuben zu züchtigen,\nnicht abstehen, ohne sich dadurch dauernd als unterlegen und ohnmächtig zu\nbekennen. So kam es zum Kriege, den der Dreiverband, wenn auch nicht schon\njetzt, so doch überhaupt gewollt hatte, zu der Kraftprobe zwischen den euro-\npäischen Rand- und den europäischen Kernmächtcm Das alles ist sonnenklatn\nWeil aber das, was dem Kriege unmittelbar vorausging, unentwirrbar ist,\nkonnte es gelingen, Deutschland die Schuld am Kriege zuzuschiebem Was später\nan militaristischen und antimilitaristischen Phrasen in die Welt gesetzt wurde,\nan dem übelriechendsten Geschwätz von der Befreiung der Völker, ist nichts als\ndie grauenhafte Verlogenheit der europäischen Gesellschaft und ihr Bedürfnis,\nbelogen zu werden.\nDeutschland hatte sofort die XVeIt gegen sich. Erstens weil der Anständige\niinmer die Welt gegen sich hat, zweitens, weil die Welt ja wirklich nicht wissen\nkonnte, was geschehen war, und der Schein gegen Deutschland sprach.\nWie zwischen den Juden und der ganzen Welt geht auch zwischen den\nDeutschen und der ganzen Welt ein unüberwindlicher Riß, und dieser Riß\nist so tief und notwendig, daß, so wie die elendsten und schwächsten Juden"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.13", "texte": "aus Verzweiflung Antisemiten sind, die schwächsten und elendsten Deutschen\naus Ratlosigkeit eine meist nur halb verhohlene deutschfeindliche Gesinnung\nhaben, also alle Edelanarchistem das geistige Proletariat und die Literatur-\nAnalphabetem deren Lyrik und Prosa von der Niederlage Deutschlands ab-\nhängig ist. So wie es aber eine Aufgabe des Iudentums ist, sich allen Zeiten\nzur Wut zu behaupten, kann auch Deutschland nur den Gottesplan erfüllen,\nwenn es keine Konzessionen an den Gegensatz macht und schließlich den Gegensatz\nzur Anerkennung zwingt. unabhängig davon ist die Tatsache, daß das. jüdische\nund das deutsche Wesen am meisten national ist, wenn es international wirkt.\nDamit aber Münzen internationalen Wert haben, muß die Nationalprägung\ngut sein. .\nWie das deutsche Wesen unterscheidet sich auch der deutsche Staat durch wich-\ntige Züge von allen andern. Die Ursache davon ist die abgrundtiefe Anständigkeit\nund Konsequenz, sagen wir ruhig: die Tugend Deutschlands. Diese Tugend\nDeutschlands ist so groß, daß jede einzelne Untugend den andern sofort als\nein furchtbares Laster erscheint. Deutschland ist wirklich »das Land der Tugend«,\nwie es die Chinesen nennen, dieselben Chinesen, die mit den Deutschen, Juden,\nIndern und Griechen zusammen die einzigen— weisen, metaphysischen Völker\ndieses Sternes sind. Ein Attribut der deutschen Anständigkeit ist die gemäßigte,\nvöllig exzeßlose, evolutionistische Richtung der deutschen Entwicklung. Deutschland\nhat die revolutionärsten Geister hervorgebracht, aber keine Märtyrer. Einen\nreligiösen Krieg führen, ist für das Leben der Staaten normal; Märtyrer sind\nschon etwas Ercessives Was ist aber das Normale in einem Staat? Das\nNormale ist die materielle Wohlfahrt des Ganzen; die sorgfältige Ausarbeitung\nder Gesetze, weil die Menschen zusdumm sind, ohne Gesetze zu leben: die Förderung\nalles dessen, was einmal als geistig anerkannt ist; die Ablehnung revolutionäsrer\nNeuerungen; die Verkleinerung des allgemeinen Leidens; die möglichste Gleich-\nheit in der Lebensführung aller Stände; das langsame, zähe Loslösen von\nmittelalterlichen Ueberrestem Wer kann nun leugnen, daß der deutsche Staat\nalles das beinahe vollkommen verkörpert? Preußen hat einen ganz erstaunlichen\nInstinkt für die ganz unbedingten materiellen Verpflichtungen gegen das Volk.\nDaher ist Preußen auf der XVelt in folgenden Dingen führend: Abschaffung\nder Tortur, Einführung der allgeineinen Schulpstichtz der allgemeinen Wehr-\npslicht ohne Vorrechte für die Reichen, und in der sozialen Gesetzgebung Für\nmich steht außer Zweifel, daß, wenn einmal gewisse Reste, die den Gebildeten\nam Staate grauenhaft vorkommen, zum Unnormalen in der Welt geworden\nsein werden, Deutschland unter den Großmächten auch hierin voran gehen wird.\nVergessen wir nicht, daß jeder Krieg, den Deutschland geführt hat, ein Mittel\nwar, für den es keinen Ersatz gab, und daß der Krieg noch heute das Espei\nranto der Staaten untereinander ist. Wie wollen sich denn auch Staaten unter-\neinander, verständigen, die sich noch im Innern der Todesstrafe, des Pfahlan-\nbindens, der Prügelftrafe (Englandll), des Progroms und ähnlicher Rechtsmittel"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.14", "texte": "bedienen. Nur weil der Krieg noch heute etwas menschengemäßes ist, gibt es in\ndiesem deutschen Normalstaat Dinge, die der Zukunft nicht mehr menschengemäß\nerscheinen werden. s « «\nDer Hauptunterschied zwischen Deutschland und fast allen Ländern ist\nferner der, daß Deutschland keinen Anschluß an die Kulturkreis e der fran-\nzösischen Revolution gefunden hat. Aus diesem Grunde haben ja die Libe-\nralen, für die der Krieg einen jämmerlichen Bankerott bedeutet, vor dem Kriege\nbehauptet, daß Preußen hinter allerlei wilden Völkern, etwa Serben, Portu-\ngiesen, Meyikaiiern zurückgeblieben ist. In allen Staaten war die Revolution\neine Tat der Verzweiflung gegen den Druck der Mächtigen. In Deutschland\nwar dieser Druck nie annähernd so groß wie in Westeuropa, auch hatten die\nFürsten der Kleinstaaten keine so große Macht, wie die englischen, französischen\nund jetzt noch die russischen Herrscher. In Preußen aber war dieser Druck ernstlich\nnie vorhanden. Während in Frankreich Arrestbefehle käusiich waren und ganze\nDörfcr buchstäblich vor Hunger starben, wußte der preußische Bauer, daß es\nRichter in Berlin gibt und während die Bourbonen und Stuarts das Land\nruinierten, sorgte König Friedrich bis zu seiner Auszehrung an der Verbesserung\nund Bereicherung seiner Völker. Vielleicht tat das die Regierung« aus Utilitaris-\nmus, für sie war es das Rechte und das Normale. In dieser Richtung ging\nDeutschland den Weg des Sinnes und der Einsicht, und schließlich konnte es,\nda es die Zeit der Revolutionen versäumt hatte, auf die Revolution verzichten.\nDie Lage ist nun die, daß Deutschland seinem Sonderwege seine triumpl)ierende\nUnerschütterlichkeit verdankt, und das beispiellos ausgeglichene, allgemeine Wohl,\ndaß ihm aber gleichzeitig einiges unendlich Hohes noch fehlt. Durch den Krieg\nhat der Staat so gewonnen, daß der Allgemeinheit eine Revolution unsinnig\nerscheint, und sie ist es auch, weil das Volk als Ganzes evolutionistisch gesinnt\nist. Es ist im Grunde patriarchalisch geblieben, wie der Staat, und wie Preußen,\ndas wie eine Neugeburt des mosaischen Staatsbegrisses dasteht. Daher haben\nalle preußischen Verordnungen immer etwas kantischqorotestantisches und etwas\nalttestamentarisches. Immer: du sollst; und immer; 1., 2., 3. Gebot. Ietzt aber,\nund sei es auch erst in 75 Jahren, tritt Deutschland in eine neue Epoche. Das\nganze Volk hat gezeigt, daß es alle Fähigkeiten hat, die der Staat bisher nur\neiner Kaste zutraute. Es wird keine Vorrechte mehr geben, weil alle das Vor-\nrecht haben werden, Deutsche oder deutschen Sinnes zu sein. Wird in den\nnächsten Jahrhunderten das deutsche Volk zum Staat und der deutsche Staat\nzum Volk, dann wird Deutschland am Ziele seiner Mission stehen. Es wird\nohne Revolution den Segen aller Revolutionen genießen. Es wird die äußerste\nDemokratie vervollkommnen, weil eine Koruption in diesem Lande undenkbar\nist. Es wird ungeahnte Träume der Gleichheit zur Wirklichkeit erheben, und\ndas alles wird: geschehen können, weil es das Land der Tugend ist.\n\nFelix Stöfsinger"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.16", "texte": "Die Schriftleirung des zeitsEchosk\nMit diesem Heft schließt das dritte Vierteljahr unserer Zeitschrift. In\ndem Bestreben, unsere Leser mit dem vielseitigen Schaffen einzelner Künstler\nvertraut zu machen, werden wir hin und wieder Hefte nur mit Blättern eines\neinzelnen Künstlers schmücken. Zzeft19 wird ein Alfred Kubimszeft fein,\nworauf wir Interessenten schon jetzt hinweisen wollen.\n\nInhalt des Heftes15:\nWilhelm Hausenstein —— Albert Weisgerber J Edwin Scharff -- Orig-\nSteindruck J Hans .Reisiger «—- Schatten J Franz Blei —- Unsere Revolution J\nMax Unold s—- Origxzzolzschnitt J Wolfgang Schumann —— Vor Gott 1914J\nHugo Sonnenschein —- Wohin? J Willi Geiger —- Origssteindruck J\nHermann Bzahr —- Weltdeutsch J Edwin Scharff -— Origisteindruck\n\nInhalt des Heftes 16:\nEdwin Scharss —- ,,»Schwerer Reiter« Orig.-Steindruck J Paul Scheerbart\n—- Unterscebootsiotte J Adolf Schinnerer —- OrigxSteindruck J Ina Seide!\n—- Klage des Mädchens J Kasimir Edschmid — Die kleine Grausamkeit J\nWilhelm Oesterle —- Orig.-Steindruck - Karl vonEisenstein ——- Dereinst J\nOtto Flake — Tagebuch J G. A. Mathöy -— Nach einem Original-Holz-\nschnitt J waltet« Foitzick —- Zit einer neuen Kriegsmappe\n\nInhalt des Heftes17:\nRudolf Leonhard —- Psalm des großenTodes (Ludwig Steidney dem großen\nMaler der großen Seele) J « Willi Geiger — Origxilithographie J Alfred\nLemm —- Dic Bruders-haft des Gcistcs - Agzpetlegrini —- Orig.-Licho-\ngraphie J Rudolf Leonhard -——— Aufruf zur Wirklichkeit J Friedrich Schult\n—- Der Choral J Paul Zfechter s—- Beståtigung des Krieges J Edwin Scharff\nOriginaLLithographie\n\nHerausgeber und verantwortlich für die Redaktion\nOtto Haasozeye\nBerlin l Pariser Platz 7\nFür unverlangte Einfendungen keine Gewähr.\nIn Gsterrcich für die Redaktion verantwortlich Hugo Hellcy Wien, I,\nBauernmarkt 3"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.17", "texte": "-x »»\nMPO H coLDscHMIEP wi 4\nE. LETTRIL I\nUNTEE DEN UNDEN 71 . \"\nJ; B I: n I. 1 N »\n\nEs « T\ni - - T\n; , ·\nz « «« »·\n.\nis? . MPO k\n»« ; « « · » . « »\nT? · .- - «« «· «»\n«; -\nMPO I . wi s;\nE» « . :. v\n« L :\n» Es,\nv. -·«y - v - ’ ’ « .s - « . - «. s« ."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.18", "texte": "kLinneues fchönesBIatt ans dem\n» , , Gebiete der modernen« Grapbik e\nKriegsm adonna\nh V OrtginaLHolzschnitt von , l\n» i Walter Teutsch\nözanddruck Nr. 1 bis 20 auf echt Japan\n« vom Künstler gezeichnet je NIark 20.——— »\ni Ah \" , Teutfch hat hier ein überaus stiininungsvolles Blatt f\n, « » , geschaffen, das sich kein Sammler entgehen lassen follte\nAcPAZU beziehen durch jede Buch- und Kunsthandlung\n, » « oder direkt durch den , F\ne Graphik -Verlag Munchen G. m. b. H.\n« München, Glückstraße 5 Berlin, Pariserplatz7 » h\n\nRichard L. IF S chulz\nyBeleuchkunggkörp er und\nrrunskgeriik\nzkf « schönster Formen und bester Ausführung aus A\n« » allen Ländern und eigenen sz\nr Werkstätten\nAussiellungx Berlin W, Bellevueskraszsze 14"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.19", "texte": "V\nif« s? « JiE « ««««k- «« -«s!7\"’·«hs« »« «. « » « x«-«.««\"»j-«i-\"«»—:\"7\" z T« -«-\"-EXUO-f--«-»«E.: «-\"?LP;-j«2\",» U« » - «! :.- .- I] · ·Ts\"« J« i—\n.» » »»,»»» . »» . » . . » »» - » . » »« »» . » » », »« »: »« ,» »» »», «. »» ». » »« »» ·-,,» »» »» » » », » » » » » »« .»»» » »» z» » » » ». »» »\n» —- »»» » » - » T» ».»» »« » » » »» »» »» » « » » »»» ;» »« »- » » L» »·» - , ». »» »» »». «» »»».«»»» ». «» »\n4 H. «— A\nEntwurf des Hauses s\nH« G s m s b s I I s » - « » f: l\n; - » « »\nBERLI N J W ilhelmstraBe 69"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191506-02.1.20", "texte": "Presse Urt eile\núber das Zeit-Echo:\nDr. C.Wolf & Sohn, Muchen\nPrager Tagblatn . l s\n,,Zeit-Echo«.«. Unter diesem Titel erscheint eine Zeitschrift, die es sich zur\nAufgabe gestellt hat, die-Kriegsstimmung, und zwar gerade in ihrer Verschieden-\nheit, zu sammeln und sich spiegeln zu lassen. Die Zeitschrift, die sich von der\nHochsiut dcr Kriegspublikationcn durch ihre vornehme und unabhängige Art\nwohltuend abhebt-».\nZeitschrift für Bücherfreundm\n, « ...Ich möchte nicht hier eine beliebige Publikatiom die der Krieg hervor-\nbrachte, unkritisch anzeigen, sondern es ist laut zu bekennen, daß diese Hefte\ndurch Gesinnung und künstlerifche Qualität das Beste darstellen, was der Krieg\nunter den ärmlichen und schwachen Kunsigaben der harten und furchtbaren\nUionate bisher erzeugte. Meist sprechen hier Menschen des Geistes und der\nKunst, die bislang schwiegen, und die Knappheit der Ausdrucksform erhöht\ndie Wucht ihrer 1Vorte. — Unter den Lithographien findet sich manch schönes,\nkein gleichgültiges Blatt; neben Geiger und Kubin treten meist jüngste Künstler\nauf wie Werner Schmidt, R. Beeh, Scharssj Unold, Seewald. — Man wird\n——-— und darin unterscheiden sich diese Hefte von fast allen anderen Druckwerken\ndieser Zeit —- niemals nur die Beteuerung patriotischer Meinungen oder die\nDarstellung des Tatsächlichen finden, sondern tiefste Gesinnungen und Erkennt-\nnisse ossenbaren sich. .. l P——s.\nFremden-Blatt:\n. . . ,,Zeit-E cho«, ein Kriegstagebuch der Künstler, an dem unsere deutschen\nDichter und Zeichner, gerade der unpolitischsten Richtungen, die Alfred\nKerr, Thomas Mann, Scherbaert, Holz, May: Brod, Alfred Mombert,\nFranz Blei Stellung und Ausdruck nehmen. Unold, Kubin, Nowak,\nGeiger, Graphiker von originellstem und knappstem Strich, haben hier aus\ndem Rund des Kriegsgeschehens episodische Menschlichkeitem perspektivische und\nplastische Feinheiten zu schöpfen gesucht. Oft hat man hier den Aeußerungen\nder Literaten gegenüber den Eindruck, als sei dieses Krieges titanisches Bei-\nspiel hier schon zu sehr Stoff und Thema geworden, denn Aphorysmus und\nDebatte stehen schon sprungbereit da. Doch ist der Wert groß, auch der prin-\nzipiell anderen, friedlich wirkendem Element zugeneigten Denker Stimme im-\ngeschminkt sich äußern zu hören und an allem, was gesagt und oft mit voll-\nendeter Beherrschung des Stils und der psychischen Disposition gesagt wird,\nist auch hier des deutschen Geistes Vielfalt und kosmopolitische Rechtlichkeih\nseine Ueberlegenheit über dem Neid und Haß der Gegenseite gerade durch diese\nFähigkeit zu Selbstbetrachtung und Selbstkritik durch seine noble Größe, die\nleidvollstes und empörendstes Erleben noch in eine Formel geistiger Behandlung,\nruhigen, sachlich kühlen und wahren Urteils zu bringen weiß, klar erwiesen.\nl Ludwig Ullmanm\nDie Aehre:\nWas als künstlerische Kundgebungen bisher an fiammender Kriegs-\nbegeisterung in deutschen Zeitschriften zutage trat, hatte den Charakter des\nchaotischen, unabgeklärten, spontanen Gefühlsausbruches. Von Tiefe und Reife\nwar wenig zu spüren, da Wut und Haß die meisten Augen verblendet hatten.\nMit um so größerer Freude zeigen wir heute eine kleine, hochkultivierte, rein\nkünstlerische, auch in ihrer Aufmachung wundervoll der Zeit angepaßte ge-\nschmacksreife Zeitschrift vor, betitelt »Zeit-Echo«, ein Kriegstagebuch der\nKünstler. ,"}]}