{"numero_id": "bm-bmtnabb-1915-08-02", "volume": "bmtnabb_1915-08_02", "ocr_sha256": "77999b0ed1d95f99493424875159d56ad437955d9691e4f8d28b0688eb69ce05", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1915/08_02/bmtnabb_1915-08_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1915/08_02/bmtnabb_1915-08_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1915-08-02-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-08_02#c002", "volume": "bmtnabb_1915-08_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "330", "page_fin": "330", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.2.2", "titre_corps": "ie das ertösy daß ich die Stadt verlor,", "titre_sommaire": "ie das ertösy daß ich die Stadt verlor,", "signature_source": "Gottfried Kólwel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 816, "texte": "Gottfried Kólwel\nie das ertösy daß ich die Stadt verlor,\nwo jeder Mund nach toten Schiffen\nschreit,\nwie kommst du, weißes Haus im Wald,\ni mir vor\nin dieser sonntagsblanken Einsamkeit!\nAuf deiner Wiese, wie auf grüner See,\ndie unberührt vom Sturm des Kriegs sich wiegt,\nerscheinst du wie ein Wunderschiss aus Schnee,\ndas im geweihten Tag verankert liegt.\nNoch stehen deine Uferbuchen schwer\nvon Glanz beladen wie im fernen Jahr,\nals jedes tote Blatt im Åstemeer\nschon leiser Schmerz in unsrer Liebe war.\nWie blüht die süße, brüderliche Zeit\num deine Wände noch, aus deinem Schoß,\nwie dehnst du plötzlich, kleines Haus, dich weit,\nwie wächst du auf so ungeheuer groß!\nDu weißes Wunderschiss in meinem Traum,\nlaß Liebe hell von deinen Masten wehn,\nund wachse, wachse endlos in den Raum,\ndaß alle deine weiße Fahne sehn!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-08-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-08_02#c005", "volume": "bmtnabb_1915-08_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "332", "page_fin": "334", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.2.4", "titre_corps": "Totengespkåch", "titre_sommaire": "Totengespkåch", "signature_source": "Alexander von GlcichensRukwurm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2559, "texte": "Totengespkåch\n\nV\nFreiherr von Kniggm Die Habsucht ist eine der unedelsten, schänd-\nlichsten Leidenschaften. Man kann sich keine Niederträchtigkeit denken, deren\nein Lzabsüchtiger nicht fähig wäre, wenn seine Begierde nach Reichtümern ins\nSpiel kommt. Das hat sich in meiner Zeit auf Individuen bezogen, heute\nkönnte ich es noch besser auf Völker anwenden. Ich habe über den Umgang\nmit Menschen geschrieben. Wenn ich jetzt lebte, würde ich über den Umgang\nmit Völkern schreiben müssen.\nHugo GrotiuN Das dürfte unnötig sein, euer Gnaden. In meinem\nBuch de jure belli ac pacis habe ich längst alles Nötige festgelegt, ehe vom\nUmgang mit Menschen die Rede ging. Man liest es auch und ich kann mit\nStolz vermerken, daß mein Name nicht allzu selten in den Zeitungen vorkommt.\nWissen, euer Gnaden, was das bedeutet in den Zeitungen! Ich wüßte es auch\nnicht, hätte mich nicht ein jüngst verstorbener Zeitungsschreiber darauf auf-\nmerksam gemacht und mir gesagt: Die Zeitungen sind das Gewissen der Welt.\nFreiherr von Kniggm DieZeitungssehreiberhaben sich einKapellchen\nerbaut, das sie den Tempel des Ruhms nennen, worin sie den ganzen Tag\nPortraits anschlagen und abnehmen und ein Gehämmer machen, daß man sein\neigenes Wort nicht hört. Das Portrait des Herrn Geheimbderats scheint jüngst\nauch darunter gewesen zu sein. Der Augenschein lehrt aber, daß man es bald\nwieder herunter genommen hat.\nHugo GrotiUN So oft die Völker Krieg führen, das hsißt die\nFormen revidieren, mit denen sie beflissen sind, untereinander zu verkehren,\nsprechen sie von mir und, was gleichbedeutend ist, von der Dame Iustitia, der\nGerechtigkeit.\nFreiherr von Kniggw Wenn ich Sie recht verstehe, so meinen\nSie, daß Gerechtigkeit im Verkehr der Staaten ungefähr dasselbe bedeutet,\ndas ich beim Umgang der Menschen mit Höflichkeit bezeichnet habe. Aber Sie\nwerden nicht leugnen können, daß man auf beiden Seiten höflich, aber nicht auf\nbeiden Seiten gerecht sein kann. Wenigstens in Bezug auf den Anfang des ent-\nschieden schlagfertigen Verkehrs, den Sie unter dem Namen Krieg im Auge haben.\nHugo GrotiUN Klar läßt sich die von vielen behandelte Frage\nbeantworten, ob ein Krieg in Beziehung auf die vornehmsten Urheber desselben,\nvon beiden Seiten gerecht sein könne. Das XVort gerecht hat verschiedene Be-\ndeutungen, bald nach der Ursache, bald nach der Wirkung. Nach der Ursache\nin dem engeren Sinn von Recht oder in dem allgemeinen des überhaupt ange-\nmessenen Im engeren Sinn unterscheidet es sich wieder nach dem Werk und\nnach dem Zzandelndem Denn von dem Handelnden sagt man mitunter, daß"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2716, "texte": "er recht handelt, obwohl das, was er tut nicht recht ist. Schon Aristoteles\nunterscheidet unrecht handeln und etwas tun, was unrecht ist.\nFreiherr von Knigges Hören Sie mir mit Aristoteles aufl Er\nwar ein Doktrinär und kein Menschenkenner. Schwierige Rechtsfragen lassen\nsich allein durch Menschenkenntnis entscheiden. Wie es mit den Stänkern, den\nQuerelleurs in der Gesellschaft gehalten werden muß, hat man auch mit den\nQuerelleurs unter den Regierungen zu verfahren. Jst es unmöglich, sie sich\nvom Leibe zu halten oder ihren Grobheiten auszuweichem so rate ich ein vor\nallemal ihnen so kräftig zu begegnen, daß ihnen die Lust vergeht sich ein zweites\nMal an uns zu reiben.\nHugo Grotiuw Dann haben wir aber allzuleicht den Fall, daß\nunser jus pacjs dem jus gbelli weicht. Was Euripides von den griechischen\nStaaten sagte, als sie sich leichtsinnig in ihr Unheil hinein redeten, scheint mir\nauch für die gegenwärtigen Ereignisse zu gelten.\nFreiherr von Kniggm Ich habe nie einen Tragiker zu meinen\nArgumenten gebraucht. Was meinte der Mann? c\nHugo Grotium Sobald über den Krieg verhandelt wird, denkt\nkeiner, daß auch ihn der Tod bedroht. Sondern nur den Gegnern wird das\nUnheil zugedacht, so meint Euripides. Wären die Leichen der Gefallenen schon\nzugegen gewesen, als der Krieg beschlossen wurde, das wütende Griechenland\nhätte sich gefaßt. Aber man hat bei mir nicht genügend gelernt, man will\nseine eigene Erfahrung machen. Ich beobachte das nun seit beinahe drei Jahr-\nhunderten. .\nFreiherr von Kniggw Und ich die Menschen seit mehr als einem\nJahrhundert. Herr Geheimbderat, unsere Erfahrungen sind nicht gerade er-\nmutigend. Man schreibt Bücher für viele und die wenigsten richten sich danach.\nZu meiner Zeit gingen die ganzen Bestrebungen auf individuelle Freiheit hinaus\nund dem obersiächlichen Auge konnte sich ein Bild grenzenloser Erfüllung bieten\nund nun könnte ich in ganz Europa, wohin ich mich auch wenden möchte, nicht\nfür einen Dukaten persönliche Freiheit kaufen. Es geht mit der Freiheit wie\nmit der Gerechtigkeit, wenn man sie am notwendigsten braucht, mußten sie sich\ngerade aus Staatsrücksichten absentierem ,\nHugo Grotiuw Es ist billig, daß im Kampf diejenigen ihre Freiheit\nverlieren, wenn sie besiegt sind, die bewassnet waren und sich mehrten, aber\ndie unschuldigen sind nicht zu verlegen. Das steht in meinem Buch so deutlich,\ndaß es keinen Kommentars bedarf. Nun es hat viele Kommentare, aber\nkeine praktische Ersüllung gefunden. Hugo Grotius, wozu hast du geschrieben\nund gelebt!\nFreiherr von Kniggm Vielleicht um Kommentatoren zu finden.\nDas ergibt immer einen bleibenden Wert. Meine einzige Hoffnung ist, daß\naus diesem ossensichtlichen Umsturz aller bisherigen Formen, die der Umgang"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1410, "texte": "mit Menschen und. das nachbarliche Verhältnis, unter den Staaten gezeitigt\nhat, etwas hervorgehen wird, das unsere Arbeit nicht als eine vergebliche\nerscheinen läßt. Jeder Streit hat einmal ein Ende gefunden. r Und der gebildete\nMensch löst ein Mißverständnis leichter auf als der ungebildete, denn er hat\nStarrsinn und Eitelkeit überwunden. Die verhältnismäßig gleiche Stärke der\nGegner dürfte meines Erachtens kein Hindernis bilden.\nHugo GrotiuN Wenn sich beide einander für gleich stark halten,\nsoist dies nach Cäsars Ausspruch die beste Zeit, den Frieden zu verhandeln,\nwo jederauf sich vertraut. -\nFreiherr Von Kniggm Wenn die Großen-von Takt und Weisheit\nbeseelt sind, läßt sich wohl manches erreichen. Ich möchte ihnen raten, mein\ndrittes Kapitel über den Umgang mit Leuten von verschiedenen Gemütsarteiy\nTemperamenten und Stimmungen des Geistes und Herzens zu lesen. Denn die\nVölker sind nicht anders zu nehmen als die Individuen, aus denen sie haupt-\nsächlich zzusaminengesetzt sind. c ; e\nHugo GrotiUN GvatztsichUvtCvdE1«Pe1·rüci-e.) Gott, der dies allein ver-\nmag, möge dies in die Herzen derer einschreiben, in deren Hände und Macht\nEuropa gegeben ist. Ihr Geist sei mit der Kenntnis des göttlichen und mensch-\nlichen Rechtes ausgestattetz damit sie sich bewußt werden, daß sie Diener und\nnicht Herren des Ganzensi.nd.\n« l e (\"Sie entschwebeii szin fernere RegionenJ\n\nAlexander von GlcichensRukwurm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-08-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-08_02#c007", "volume": "bmtnabb_1915-08_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "336", "page_fin": "336", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.2.6", "titre_corps": "amerad — man war dieses Wort bisher mit dem", "titre_sommaire": "amerad — man war dieses Wort bisher mit dem", "signature_source": "Alfred Richard Meyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 547, "texte": "Alfred Richard Meyer.\namerad — man war dieses Wort bisher mit dem\nTon auf der dritten Silbe gewohnt.\nHier heißt es: Kaminerad «—- und wird auf\nder ersten Silbe betont.\nMan hosst auf etwas Neues und Schönes.\nMan glaubt an ein starkes Verbundenfeim\nMan glaubt und hoff: und\nfühlt sich am letzten Ende allein.\nWohl blickt dich der eine an in der Not, wohl reich: dir der\nandre die Hand,\naber —- Deutschland ist vielleicht noch zu jung, erst unsere\nSöhne schaffen das Vaterland.\nErst unsere Söhne werden fich Kameraden sein ·—-\nwir sind noch zu klein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-08-02-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-08_02#c009", "volume": "bmtnabb_1915-08_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "337", "page_fin": "337", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.2.7", "titre_corps": "einer ist gestorben von allen, die damals tragisch lebten.", "titre_sommaire": "einer ist gestorben von allen, die damals tragisch lebten.", "signature_source": "Rudolf Leonhard", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2745, "texte": "Rudolf Leonhard\neiner ist gestorben von allen, die damals tragisch lebten.\nDer Mefsias nicht, der zum Zzincmel fuhr, Maria nicht,\nder er den Sessel bereitete, nicht Satan und nicht der\nErzengel. Nicht allcin ist Ahasverus in die Ewigkeit zu\nwandern bestimmt, auch Pontius Pilatus findet keine\nRuhe. Es ist ungerecht, daß er, der zufållige Prokonsuh\nbetrossen wurde, doch niemals kannten die bestimmten\nGeschicke etwas wie Gerechtigkeit — und büßt nicht jeder,\nder büßt, einen Zufall, eine Begegnung?\nPontius Pilatus, der ewige Römer, trägt feine erstarrte römische Maske\ndurch die Geschichte und die Welt —- eine Maske, die Züge des Republikanismus,\nder Staatenlenkung, der lügnerisch gewordnen Bürgertugend und der weltlichen\nSkepsis erhärtet.\nEr war, wie einstens mit Eugen, dem Bücherfreunde und Soldaten, in\nBelgrad. Er fah ein Volk, in chaotischer Wildl)eit und der naiven Verderbts\nheit einer starken Jugend, sich in den letzten Nöten des Überlebens winden.\nSie hatten gemordet, nicht zum ersten Male. Sie schwuren überzeugt und vor-\neilig, sie glaubten ihren Schwüren. Pontius dachte, unter seiner zermürbten Hirn-\nl)aut, den schon versiachten Gedanken seiner Jahrtausende: was ist Wahrheit?\nPilatus sah in Wien ein nicht mehr kindliches, einmütiges, entschlossenes\nVolk, das kaum erschüttert lebte von der Größe seiner Bedrohung Wo zwei-\nfelte einer an Kraft und Wert? Sie glaubten an ihr Recht und ihre Heiligkeit\n—- und daß alle Wahrheit nur bei ihnen sei. \"\nRom aber, seine alte Heimat, fand er im Taumel. Berauscht vom Gefühl\nder bodenlosen großen Worte lärmte das Volk. Erregungen ohne Anlaß;\nBeziehungen, die nicht bestanden, auf Lügen erbaute Entschlüisez unwahr, fast\nunwirklich alles und dennoch machtvoll. Pilatus erfaßte von altersher die\nunrömische Geste, mit der sich König und Dichter verbanden; er fühlte nicht\ndie Erlösung derer, die seltsam aufrichtig Iubeltränen entströmen ließen, aber\ner verstand sie und die gläubig wehenden Fahnen über dem bezuglosen Fana-\ntismus der Straßen. Hier gab es nur lautere Unwahrheit —- und dennoch Bestand.\nEr dachte, als er weiterfuhr — angestrengt, nicht mehr leidenschaftlich —-\nwieder darüber, was Wahrheit sei. Und er erkannte: »Nichts ist Wahrheit,\nweil alles Wahrheit ist. Sie ist als metaphysische Frage Privatangelegenheit\ndes Individuums Aufrichtigkeih nicht Wahrheit stellt die Pfosten der Ver-\nbinduiigeit einzelner Menschen. Der Tatbestand wird von den nach dem Rechte\nFragenden allzu wichtig genommen. Nichts ist Wahrheit und Gründe sind\ngleichgültig. Auf ganz andere Dinge kommt es unter den Menschen und in\nihren Verbänden anl« «\nDer Staatsmann hatte erkannt, daß seine tausendjährige Frage falsch\ngestellt seizsund er fuhr fort, die Namen dieser andern Dinge zu suchen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-08-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-08_02#c011", "volume": "bmtnabb_1915-08_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "338", "page_fin": "338", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.2.8", "titre_corps": "orgen früh ziehen die Ersten fort zu Kampf", "titre_sommaire": "orgen früh ziehen die Ersten fort zu Kampf", "signature_source": "Berta Lask", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1521, "texte": "Berta Lask\norgen früh ziehen die Ersten fort zu Kampf\ni undTod. n\"\nHeute schwärmen sie aus im Abendrot;\nStaunend und trunken stehen die Menschen\n« um sie her,\nFühlen sich arm und gabenleetn\nDie Mädchen aufgelöst und ticfinnerst »\n. » erschlossen\nSehen die Krieger von Licht umflossen.\nEine sehr junge, schlanke, mit schimmernden, feuchten · :\nAugen, die seltsam ins Weite leuchten, .\nSpricht: ,,Soldaten, Ihr gebt euer junges Leben. .\nSoldaten, sagt, was soll ich euch geben? .\nSchenken will ich euch alles, was ich habe.\nNun fordere jeder eine Gabe« . ; »\nDer. Erste flüsterte zagend: ,,Du Reine, .\nVon den blauen Blumen in deiner» Hand gib mir eine.« i .\nSie gab dem Knaben eine blaue Blume in die Hand.\nDer hat sich mit strahlendem Auge fortgewandt. s e .\nDer Zweite sprach: »Wenn ich. liege unter Frankreichs Bäumen, ,\nMöcht’ ich einen süßen Traum gern träumen. .\nDrum bitt’ ich; du mögest mit deinen Lippen meine Stirn berühren.\nIch werde den Hauch« noch lange verspüren« :\nIhre Lippen wehten leicht über ihn her. .\nEr seufzte leise und sprach nicht mehr. i\nDer Letzte sprach: ,,Eine Blume und ein Kuß sind süße Gaben.\nAber ich will mehr von dir haben. i\nEine Kugel hat wohl bald mich hingerafft. « .\nWen umbraust dann meine jung-heiße Kraft ?« e\nSie sprach: ,,Soldat, du gibst dein. junges Blut.\nUnd gäbe ich wen’ger, das wäre nicht gut. .\nIetzt ist nicht die Zeit zum Besinnen und Denken, ; »\nIetzt ist die Zeit, zum Verschenken« «\nAls der Morgen kam, waren ihre Hände leer.\nZum Schenken hatte sie nichts mehr. , -"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-08-02-c014", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-08_02#c014", "volume": "bmtnabb_1915-08_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "340", "page_fin": "344", "image_debut": 12, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.2.10", "titre_corps": "dolf Schinnerer, dem der illustrative Teil dieses Zzeftes", "titre_sommaire": "dolf Schinnerer, dem der illustrative Teil dieses Zzeftes", "signature_source": "Ludwig Gorm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3234, "texte": "dolf Schinnerer, dem der illustrative Teil dieses Zzeftes\ngewidmet ist, ist 1876 im Frankenland geboren. Nach-\ndem er in München einige Semester Philosophie studiert\nhatte, war er mehrere Jahre zum Studium an der Aka-\ndemie in Karlsruhe, wo er Schmid-Reutte und W. Conz\nzu Lehrern hatte. Nach wechfelndem Aufenthalt in Er-\nlangen, München und Tennenlohe bei Nürnberg siedelte\ner 1911 dauernd nach München über. In den starken\nund tiefempfundenen Lithographien dieses Zzeftes gibt\nhderjzünstler die Eindrücke wieder, die der Krieg in ihm\nhervorgerufen hat. Die Blätter zeigen ihn als vollendeten Meister der gra-\nphifchen Kunst, auf welchem Gebiete Schinnerer schon fo viel Vortrefsiiches\ngeleistet hat, was der soeben erfchienene Katalog’««) seines graphifchen Werkes\nbeweist, den Dr. Ludwig Gorm herausgegeben hat.\nWas Dr. Gorm über das zyklische Werk Adolf Schinnerers darin sagt,\nmöge hier, folgen:\nDeutsch sein heißt frei sein. Frei fein aber heißt nichts anderes als die\nmannigfachen Gebilde der XVelt durchdringend zu einein einheitlichen und hohen\nSinn gestalten, welcher sich als der unserer eigenen seelischen Schicksale erweist.\nEs heißt weder gelöst sein noch haften an dem wirklichen, sondern es bilden szu\nder Wahrheit, die hinter dem Traumschleier dieser Welt um Entstehung ringt.\nIn diesem Sinne ist Adolf Schinnerer sehr deutsch und sehr frei, und\nim Laufe seiner Entwicklung immer freier geworden. Wenn seine Einzelblätter\ndies in der Art der Arbeit, in der Technik zeigen, so läßt es sich an den Zyklen\nnicht bloß darin, sondern auch dem laienhaften Genießer verständlichey an den\nMotiven und ihrem menschlichen Gehalt darlegen.\nSein zyklisches Werk beginnt mit den ,,3eichnungen eines Verliebtem«\nHier ist alles eingebettet in den wesenhaften Gehalt junger Liebe, ineine\nwartende und staunende Sehnsucht, die scheu, verlangend, in sich gebannt nach\neiner äußeren Erfüllung sich ausstrecky welche von der Geliebten und von der\nWelt, die beide eins sind, wie ein segenvoller Regen herabströmen sollen. Und\ndieser Sehnsucht ist eine Angst vermählt, die keine Furcht ist, sondern die noch\nunerprobte Kraft, die ihren eigenen Herrn bedrängt. Ein Abend ist über die\nHügel gesunken, Goldlicht und Schatten verschränken sich über der Erde zu\neinem urheiinatlichen Gewande und strömen in den Hausgang, in dem der\nVerliebte an der Wand steht, in sich geduckt, trunken vom Leid der Ent-\nfernung und von der Gewißheit eines vereinten Seins, die ihm zitternd vom\nBoden und aus den Lüften ins Herz dringt. Traumschwer jagt ein Heer von\nUnholden über die schlafenden Zwei, Buben und Rosse sind aus feindlichen\nDünsten geballt, ergeben schmiegen sich die Bedrohten darunter hin, harrend,\ndaß das brausende Ungewitter über ihnen Verzicht, und sicher sich verlustreich\nhinter ihm neu zu erheben. Der Mann ist über seine Arbeit hingesunkem über-\nvoll von Gedanken, unfähig weiterzuschassem weil er zu fähig dazu ist in\nzurückgestautem Drang: und leise tritt die ferne Geliebte zur Türe ein, nackt,\n\n«) Adolf Schinnerer, Sein graphisches Werk. Von Dr. Ludwig Gorm.\nMit einer Einleitung von Dr. Hans M. Sauermanm Grapl)ik-Verlag, München,\nG. m. b. H. 1915. (Berlin, Pariser Platz 7), Preis M. 1.-, die bei Einkåufen\ngutgefchrieben wird."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3881, "texte": "nur in die Keuschheit unvergänglicher erbarmender Liebe gekleidet, einen dichten\nStrauß blühender Rosen im Arm.\nIn der ,,Reise des jungen Tobias« folgt dann der wartenden Sehnsucht\ndie Bewährung. Wie die Odyssee der ewige Mannestraum ist von der Heim-\nkehr als zerfetzter Bettler, der dennoch die Macht und die Herrschaft und\ndie cchteste Leidenschaft in feinem Eigen erstreitet, so ist die apokryphe Geschichte\ndes Tobias der ewige Iünglingstraum vom selbsterworbenem ahnengelösten\nDasein, und so hat er sich hier in diesem Zyklus mit Recht in fränkischen\nBauernkleidern verwirklicht. Zweifelnd und in Sorgen setzen die Eltern alles\nin alles und entlassen den einzigen Sohn, den knabenhaften, der schon so lange\nvom Baum über die Höhen hinausgesucht hat in die Unendlichkeit der Weite,\nin die Welt, nicht ungeleitet, denn den ersten Teil der Fahrt ist ihm ein älterer\nGenosse gesellt. Aber sobald er, von den Mühen und Eindrücken der Wan-\nderung gereift, das Ziel erreicht und das Haus betritt, in welchem es sich mit\nihm wendet, verschwindet der Begleiter, und nun gewinnt er sich aus eigener\nKraft Frau und Habe und beginnt, während das Hochzeitsfest in das Land\nhinausleuchtey in Liebesumschlingung eine neue Welt. Frau und Habe führt\ner dann als sicherer Gebieter in unendlichem Zuge der Heimat zu, aufrecht\nund fest auf dem Wege, den er noch unsiügge hergemessen hat. Und die Mutter,\ndie erst in sorgenden Gedanken und dann in dunklem Kummer um den Ab-\nwesenden gebangt hat, und der alte Vater empfangen den Reichen, Glücklichen\nmit Ityoeh und alle Nachbarn schöpfen zuschauend einen neuen Wert aus dem\nstämmg gewordenen Reis. —- Erschütternd einfach sind die Gegenüberstellungem\nwelche den Fortschritt dieses inneren Geschehens bezeichnen. Hinzu: Tobias unge-\nwandt auf die Rede des erfahrenen Fahrtgenossen lauschend. Zurück: Tobias\nmit der geliebten Frau auf dem Hügel; den Zu der Wagen leitend und das\nLand erklärend. Zweimal die Mutter allein aus, den heimatlichen Höhen, nur\ndas Licht um sie und die verschieden gebeugte Haltung sagen die steigende Be-\ndrängnis aus. Beim Abschied der Vater hinter dem Ofen in den Lehnstuhl\nverkrochen, unkräftig und voller Zweifel, wie der Hof unter dem unbewährten\nSohne gedeihen soll; bei der Heimkehr preisend mit ausgestreckten Armen,\nfröhlich gewiß, daß er nun in Ruhe den dunklen Pfad hinabsteigen darf.\nDer Bewährte steht auf einer neuen Stufe, eine neue Frage ist um ihn\nerhoben, die des inneren und des äußeren Besitzes. Der dritte Zyklus ,,Simson«\nerzählt von ihr und von der Antwort. Ueber seinen Philistersiegen hat sich\nder Held sein Haus gebaut. Genügt es, daß er ihnen seine Kraft bewiesen hat?\nMüssen sie nicht immer von neuem das Geheimnis dieser Kraft an sich erfahren?\nSeinen äußeren Besitz sichert ihm das Geheimnis, aber es gefährdet seinen\ninnersten, die Einheit mit der geliebten Frau, welche ihm rettungslos unter-\nworfen es zu erkennen begehrt. Und in drei dunklen Angriffen der Leidenschaft\nentreißt sie es ihm; wie er es ihr preisgegeben, sich völlig ergeben hat, ist es\nvon ihm gewichen und mit ihm die herrschende Stärke. Die Philister sind über\nihm und verhöhnen grinsend den kahl in eine Brunnentiefe Versenkten. Aber\nlangsam wächst die heilige Kraft, die unzerstörbare, wieder auf; erfüllt von\nihr, schreitet er gesammelt zu der letzten Tat und sühnt den selbstverschuldeten\nVerlust, sich und die Feinde opfernd. Der Mann, der seinem eigensten Werke\ngehört, verliert es an sein innerlichstes Eigentum und gewinnt es in der Sühne,\nzum Trotz der glaubenslosen und leer höhnenden Welt, zurück. —- Delila ist\nkeine babylonisehe Frau hier, an die Simson nur ein körperliches Geheimnis\nverlieren könnte. Viel tiefer deutend ist sie die Frau, um die der Mann mit\nseinem ganzen Sein zu ringen gezwungen ist und die gerade in der geheimsten\nseelischen Preisgabe die Kampfkraft nach außen bedroht. Wenn der Tobias"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3761, "texte": "eine epische Entwicklung xdarstellte, so ist der Simsonder auf. der Lebxenshöhe\nentstehende und nur» mit dem Einsatz des ganzen Lebens gelöste tragische Konsiikt\ndes Mannes, esich selhst in den inneren Quellen und in den äußeren Strudeln\ndes Daseins zu behaupten. Die ersten Siege über die Philister sind Morgen-\nspiele, der letzte ist das wissend dargebrachte Opfer eines Geprüften, dem nichts\nmehr an sich selbst und alles an feinem Werke liegt. Wissend und opferbereit\naber ist er daran geworden, daß er sein»Rätsel,, in Leidenschaft sich lösend,\ngestand, s einen Besitz verlor,.um ihn auf. einer höheren Stufe wieder zu erhalten.\ne Die törichte Feindschaft und der eitle Hohn der Welt bleiben in ihm\nNichtigkeit unter der Aufgabe und dem heiligenden Tun des Mannes zurück\nund von der erstiegenen Höhe neigt sich das Mitleid in ihre Abgründe hinab,\num sie daraus erlösend in einen heilenden Tempel zu führen. Der nächste Zyklus,\nder ,,Teich Bethesda«, zeigt die Mühseligen, die Beladenen und Kranken, wie\nsie sich aus ihren qualumstandenen Betten aufrichten und ausziehen, einsam\noder in Gruppen, getragen oder gestützt und über die Erde pilgern, nach einem\nSegen, der ihnen angekündet ist und an den sie in aller Verzweiflung und\nallemSchmerz fest glauben. In Scharen umdrängen sie den Rundbau, welchen\nihnen das Mitleid über der Quelle nahe einem leuchtenden Gebirge errichtet\nhat und endlich liegen, knien, stehen und stürzen sie in diesen reinen Spiegel\nselbst, dessen Duft sie zum Gebet gestärkt, wie blind von gläubiger Zuversicht\nverehren. Sie vertrauen sich nackt der Glut, dem Wasser und den Lüften\nund der Sonne, und die Kraft ihres Vertrauens wird eins mit der Kraft der\nvom Erbarmen um sie gekreisten Natur, sie werden ganz, heil und erlöst und\npreisend ziehen sie wieder in die Welt hinaus, eine vom Glück zum Daseins-\ntaumel erhobene. Schar unter dem weiten Himmel.\nDas Mitleid durchbricht die Ordnung der Welt, wer sein Ich in dem\nDu gefunden hat mit allen Mängeln, Sünden und Entzückungem der ist von\nden scheinbaren starren Gesetzen der rollenden Leidenschaften befreit und schafft\neinen höheren Zusammenhang, in welchen die äußerlichen Schicksale nicht mehr»\nwesenha t eingehen, weil sie zum Traumspiels geworden sind. So steigt das\n,,getraumte Paar« aus der Walderde auf, wird ermordet, in den Fluß ge-\nworfen, hingerichtet und gleitet wieder in die Welterde hinab und dies alles\nzieht an den Vereinten vorüber und vorbei, ohne sie zu treffen, denn aus jedem\nDunkel erheben sie sich unversehrt als die Alten und eilen der ewigen Heimat\nzu, aus der sie gekommen sind und die sich um sie hüllt in den großen Natur-\nsymbolen, in der inselhaften Baumgruppe, in den Bergen, im Fluß, in den\nLüften über der Eisenbahn . ..\nDie Leichen der Ermordeten schwimmen den Fluß hinab, dunkel eingehüllt\nvon der Flut, eingewickelt und getragen, unbestimmt und doch nach einem\nsicheren Ziel, wie im Traumgang des Lebens, mit der gleichen schlafwandelnden\nSicherheit, mit der reißenden, gefahrvollen und doch mütterlichen Sorgfalt der\newigen Gebärerin Welt. Die nackten Gestalten fahren triumphierend auf dem\nschwarzen Eisenbahnzug in die Welt hinein, sie laufen, gerichtet und zum\nzweiten Male getötet, in Eile hoch auf der Brücke über der Masse nach ihrem\nZiel, in der siegreichen Allgewalt fröhlicher Selbstbehauptung Aber zuletzt\nendet die Fahrt, freien Willens, einig mit Bestimmung und Schicksal, im Erden«\nschoß, aus dem sie aufstieg und die inselhafte Landschaft, das ewige Sein\nhinter Welt und Mensch, taucht wieder auf und hat ungeändert beharrt,\nwährend sie ihm entrinnend wieder zu ihm zurückgekehrt sind.\nNichts und niemand kann ihnen etwas anhaben, in ihnen ist eine\ngeheimste Ordnung verborgen, welche Messer und Beile überlebt, und sie sicher"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2168, "texte": "ihrem Ziele zuleitet, einem Ziele, dessen unsichtbarc Ewigkeit sieh in ihreiScheins\nkörper gekleidet hat, wie es sich in die Scheinkörper des Felsens und der«\nGewässer faltet. Von außen gesehen scheinen es Kämpfe, wie die des Simson,\nund weniger siegreiche sogar, aber von innen betrachtet rührten die Taten«\nSimsons an fein eigenstes Wesen, sie waren ihm Not, damit er sich selbst er-\nreiche, während die Leiden und Verfolgungen der beiden Geträumten nichts\nsind als gaukelnder Schein, kurzer, vergänglicher, über einem unantastbarens\nurgefühlten, urlebendigen Wesen. Darum ist dieser Zyklus ein geschlossener, in\nsich zurückkehrender Kreis, wie Geburt und Tod, und darum hebt er die Be-\ndingungen der Wirklichkeit auf mit dem Rechte und der nackten Kühnheit des»\nTraumes.\nSo steigert sich die Freiheit der inhaltlichen Motive von Zyklus zu Zyklus.\nSie steigert sich, weil sich ihr Schöpfer von Werk zu Werk als Mensch befreit,\nund deshalb läuft der inl)altlichen Entwicklung auch die der künstlerischens\nArbeit parallel. Ein Blatt wie das der Bootfahrt im ,,Verliebten«-Zyklus\nleiht seine Kraft noch zum Teil vom Gegenstand, von dem Kinde vorn und dem\nKnochenmanne hinten, doch eines wie das vom Fluße vers chwemmte ,,geträumte\nPaar« hat seine Stärke ganz in der Darstellung, in der Art, wie diese beiden\nKörper schlafgebannt in die Wogen gebunden sind. Ein Haus im ,,Tobias«\nist mit allen seinen zufälligen Merkmalen gegeben; die 6alle, die sich über den.\n,,Teich Bethesda« Wölbt, ist ein Raum, der Luft und Licht umschließt, damit«\nsie begrenzt segnender um die nackten Leiber spielen können. Von Zyklus zu\nZyklus werden die Einzelheiten und die Mittel beschränkt und vereinfacht, damit\nsie immer mehr bloß das für die körperliche Gestalt der innerlich bedeutsamen:\nEinpsindung Wesentliche aussagen. Der technische Fortschritt fällt mit dem«\nmenschlichen in eins zusammen.\nDarin sind diese Zyklen echte Vertreter ihrer Kunstweise. Denn die:\nRadierung ist ihrem Ursprunge nach bestimmt, die menschlichen Gehalte einer\nZeit in linearen Visionen auszudrücken. Der höchste Gehalt jeder Zeit aber ist.\ndie Befreiung, die der Mensch an sich felbst vollzieht\n\nLudwig Gorm"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "330", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.2", "texte": "Gottfried Kólwel\nie das ertösy daß ich die Stadt verlor,\nwo jeder Mund nach toten Schiffen\nschreit,\nwie kommst du, weißes Haus im Wald,\ni mir vor\nin dieser sonntagsblanken Einsamkeit!\nAuf deiner Wiese, wie auf grüner See,\ndie unberührt vom Sturm des Kriegs sich wiegt,\nerscheinst du wie ein Wunderschiss aus Schnee,\ndas im geweihten Tag verankert liegt.\nNoch stehen deine Uferbuchen schwer\nvon Glanz beladen wie im fernen Jahr,\nals jedes tote Blatt im Åstemeer\nschon leiser Schmerz in unsrer Liebe war.\nWie blüht die süße, brüderliche Zeit\num deine Wände noch, aus deinem Schoß,\nwie dehnst du plötzlich, kleines Haus, dich weit,\nwie wächst du auf so ungeheuer groß!\nDu weißes Wunderschiss in meinem Traum,\nlaß Liebe hell von deinen Masten wehn,\nund wachse, wachse endlos in den Raum,\ndaß alle deine weiße Fahne sehn!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "332", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.4", "texte": "Totengespkåch\n\nV\nFreiherr von Kniggm Die Habsucht ist eine der unedelsten, schänd-\nlichsten Leidenschaften. Man kann sich keine Niederträchtigkeit denken, deren\nein Lzabsüchtiger nicht fähig wäre, wenn seine Begierde nach Reichtümern ins\nSpiel kommt. Das hat sich in meiner Zeit auf Individuen bezogen, heute\nkönnte ich es noch besser auf Völker anwenden. Ich habe über den Umgang\nmit Menschen geschrieben. Wenn ich jetzt lebte, würde ich über den Umgang\nmit Völkern schreiben müssen.\nHugo GrotiuN Das dürfte unnötig sein, euer Gnaden. In meinem\nBuch de jure belli ac pacis habe ich längst alles Nötige festgelegt, ehe vom\nUmgang mit Menschen die Rede ging. Man liest es auch und ich kann mit\nStolz vermerken, daß mein Name nicht allzu selten in den Zeitungen vorkommt.\nWissen, euer Gnaden, was das bedeutet in den Zeitungen! Ich wüßte es auch\nnicht, hätte mich nicht ein jüngst verstorbener Zeitungsschreiber darauf auf-\nmerksam gemacht und mir gesagt: Die Zeitungen sind das Gewissen der Welt.\nFreiherr von Kniggm DieZeitungssehreiberhaben sich einKapellchen\nerbaut, das sie den Tempel des Ruhms nennen, worin sie den ganzen Tag\nPortraits anschlagen und abnehmen und ein Gehämmer machen, daß man sein\neigenes Wort nicht hört. Das Portrait des Herrn Geheimbderats scheint jüngst\nauch darunter gewesen zu sein. Der Augenschein lehrt aber, daß man es bald\nwieder herunter genommen hat.\nHugo GrotiUN So oft die Völker Krieg führen, das hsißt die\nFormen revidieren, mit denen sie beflissen sind, untereinander zu verkehren,\nsprechen sie von mir und, was gleichbedeutend ist, von der Dame Iustitia, der\nGerechtigkeit.\nFreiherr von Kniggw Wenn ich Sie recht verstehe, so meinen\nSie, daß Gerechtigkeit im Verkehr der Staaten ungefähr dasselbe bedeutet,\ndas ich beim Umgang der Menschen mit Höflichkeit bezeichnet habe. Aber Sie\nwerden nicht leugnen können, daß man auf beiden Seiten höflich, aber nicht auf\nbeiden Seiten gerecht sein kann. Wenigstens in Bezug auf den Anfang des ent-\nschieden schlagfertigen Verkehrs, den Sie unter dem Namen Krieg im Auge haben.\nHugo GrotiUN Klar läßt sich die von vielen behandelte Frage\nbeantworten, ob ein Krieg in Beziehung auf die vornehmsten Urheber desselben,\nvon beiden Seiten gerecht sein könne. Das XVort gerecht hat verschiedene Be-\ndeutungen, bald nach der Ursache, bald nach der Wirkung. Nach der Ursache\nin dem engeren Sinn von Recht oder in dem allgemeinen des überhaupt ange-\nmessenen Im engeren Sinn unterscheidet es sich wieder nach dem Werk und\nnach dem Zzandelndem Denn von dem Handelnden sagt man mitunter, daß"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "333", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.5", "texte": "er recht handelt, obwohl das, was er tut nicht recht ist. Schon Aristoteles\nunterscheidet unrecht handeln und etwas tun, was unrecht ist.\nFreiherr von Knigges Hören Sie mir mit Aristoteles aufl Er\nwar ein Doktrinär und kein Menschenkenner. Schwierige Rechtsfragen lassen\nsich allein durch Menschenkenntnis entscheiden. Wie es mit den Stänkern, den\nQuerelleurs in der Gesellschaft gehalten werden muß, hat man auch mit den\nQuerelleurs unter den Regierungen zu verfahren. Jst es unmöglich, sie sich\nvom Leibe zu halten oder ihren Grobheiten auszuweichem so rate ich ein vor\nallemal ihnen so kräftig zu begegnen, daß ihnen die Lust vergeht sich ein zweites\nMal an uns zu reiben.\nHugo Grotiuw Dann haben wir aber allzuleicht den Fall, daß\nunser jus pacjs dem jus gbelli weicht. Was Euripides von den griechischen\nStaaten sagte, als sie sich leichtsinnig in ihr Unheil hinein redeten, scheint mir\nauch für die gegenwärtigen Ereignisse zu gelten.\nFreiherr von Kniggm Ich habe nie einen Tragiker zu meinen\nArgumenten gebraucht. Was meinte der Mann? c\nHugo Grotium Sobald über den Krieg verhandelt wird, denkt\nkeiner, daß auch ihn der Tod bedroht. Sondern nur den Gegnern wird das\nUnheil zugedacht, so meint Euripides. Wären die Leichen der Gefallenen schon\nzugegen gewesen, als der Krieg beschlossen wurde, das wütende Griechenland\nhätte sich gefaßt. Aber man hat bei mir nicht genügend gelernt, man will\nseine eigene Erfahrung machen. Ich beobachte das nun seit beinahe drei Jahr-\nhunderten. .\nFreiherr von Kniggw Und ich die Menschen seit mehr als einem\nJahrhundert. Herr Geheimbderat, unsere Erfahrungen sind nicht gerade er-\nmutigend. Man schreibt Bücher für viele und die wenigsten richten sich danach.\nZu meiner Zeit gingen die ganzen Bestrebungen auf individuelle Freiheit hinaus\nund dem obersiächlichen Auge konnte sich ein Bild grenzenloser Erfüllung bieten\nund nun könnte ich in ganz Europa, wohin ich mich auch wenden möchte, nicht\nfür einen Dukaten persönliche Freiheit kaufen. Es geht mit der Freiheit wie\nmit der Gerechtigkeit, wenn man sie am notwendigsten braucht, mußten sie sich\ngerade aus Staatsrücksichten absentierem ,\nHugo Grotiuw Es ist billig, daß im Kampf diejenigen ihre Freiheit\nverlieren, wenn sie besiegt sind, die bewassnet waren und sich mehrten, aber\ndie unschuldigen sind nicht zu verlegen. Das steht in meinem Buch so deutlich,\ndaß es keinen Kommentars bedarf. Nun es hat viele Kommentare, aber\nkeine praktische Ersüllung gefunden. Hugo Grotius, wozu hast du geschrieben\nund gelebt!\nFreiherr von Kniggm Vielleicht um Kommentatoren zu finden.\nDas ergibt immer einen bleibenden Wert. Meine einzige Hoffnung ist, daß\naus diesem ossensichtlichen Umsturz aller bisherigen Formen, die der Umgang"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "334", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.6", "texte": "mit Menschen und. das nachbarliche Verhältnis, unter den Staaten gezeitigt\nhat, etwas hervorgehen wird, das unsere Arbeit nicht als eine vergebliche\nerscheinen läßt. Jeder Streit hat einmal ein Ende gefunden. r Und der gebildete\nMensch löst ein Mißverständnis leichter auf als der ungebildete, denn er hat\nStarrsinn und Eitelkeit überwunden. Die verhältnismäßig gleiche Stärke der\nGegner dürfte meines Erachtens kein Hindernis bilden.\nHugo GrotiuN Wenn sich beide einander für gleich stark halten,\nsoist dies nach Cäsars Ausspruch die beste Zeit, den Frieden zu verhandeln,\nwo jederauf sich vertraut. -\nFreiherr Von Kniggm Wenn die Großen-von Takt und Weisheit\nbeseelt sind, läßt sich wohl manches erreichen. Ich möchte ihnen raten, mein\ndrittes Kapitel über den Umgang mit Leuten von verschiedenen Gemütsarteiy\nTemperamenten und Stimmungen des Geistes und Herzens zu lesen. Denn die\nVölker sind nicht anders zu nehmen als die Individuen, aus denen sie haupt-\nsächlich zzusaminengesetzt sind. c ; e\nHugo GrotiUN GvatztsichUvtCvdE1«Pe1·rüci-e.) Gott, der dies allein ver-\nmag, möge dies in die Herzen derer einschreiben, in deren Hände und Macht\nEuropa gegeben ist. Ihr Geist sei mit der Kenntnis des göttlichen und mensch-\nlichen Rechtes ausgestattetz damit sie sich bewußt werden, daß sie Diener und\nnicht Herren des Ganzensi.nd.\n« l e (\"Sie entschwebeii szin fernere RegionenJ\n\nAlexander von GlcichensRukwurm"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "336", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.8", "texte": "Alfred Richard Meyer.\namerad — man war dieses Wort bisher mit dem\nTon auf der dritten Silbe gewohnt.\nHier heißt es: Kaminerad «—- und wird auf\nder ersten Silbe betont.\nMan hosst auf etwas Neues und Schönes.\nMan glaubt an ein starkes Verbundenfeim\nMan glaubt und hoff: und\nfühlt sich am letzten Ende allein.\nWohl blickt dich der eine an in der Not, wohl reich: dir der\nandre die Hand,\naber —- Deutschland ist vielleicht noch zu jung, erst unsere\nSöhne schaffen das Vaterland.\nErst unsere Söhne werden fich Kameraden sein ·—-\nwir sind noch zu klein."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.9", "texte": "Rudolf Leonhard\neiner ist gestorben von allen, die damals tragisch lebten.\nDer Mefsias nicht, der zum Zzincmel fuhr, Maria nicht,\nder er den Sessel bereitete, nicht Satan und nicht der\nErzengel. Nicht allcin ist Ahasverus in die Ewigkeit zu\nwandern bestimmt, auch Pontius Pilatus findet keine\nRuhe. Es ist ungerecht, daß er, der zufållige Prokonsuh\nbetrossen wurde, doch niemals kannten die bestimmten\nGeschicke etwas wie Gerechtigkeit — und büßt nicht jeder,\nder büßt, einen Zufall, eine Begegnung?\nPontius Pilatus, der ewige Römer, trägt feine erstarrte römische Maske\ndurch die Geschichte und die Welt —- eine Maske, die Züge des Republikanismus,\nder Staatenlenkung, der lügnerisch gewordnen Bürgertugend und der weltlichen\nSkepsis erhärtet.\nEr war, wie einstens mit Eugen, dem Bücherfreunde und Soldaten, in\nBelgrad. Er fah ein Volk, in chaotischer Wildl)eit und der naiven Verderbts\nheit einer starken Jugend, sich in den letzten Nöten des Überlebens winden.\nSie hatten gemordet, nicht zum ersten Male. Sie schwuren überzeugt und vor-\neilig, sie glaubten ihren Schwüren. Pontius dachte, unter seiner zermürbten Hirn-\nl)aut, den schon versiachten Gedanken seiner Jahrtausende: was ist Wahrheit?\nPilatus sah in Wien ein nicht mehr kindliches, einmütiges, entschlossenes\nVolk, das kaum erschüttert lebte von der Größe seiner Bedrohung Wo zwei-\nfelte einer an Kraft und Wert? Sie glaubten an ihr Recht und ihre Heiligkeit\n—- und daß alle Wahrheit nur bei ihnen sei. \"\nRom aber, seine alte Heimat, fand er im Taumel. Berauscht vom Gefühl\nder bodenlosen großen Worte lärmte das Volk. Erregungen ohne Anlaß;\nBeziehungen, die nicht bestanden, auf Lügen erbaute Entschlüisez unwahr, fast\nunwirklich alles und dennoch machtvoll. Pilatus erfaßte von altersher die\nunrömische Geste, mit der sich König und Dichter verbanden; er fühlte nicht\ndie Erlösung derer, die seltsam aufrichtig Iubeltränen entströmen ließen, aber\ner verstand sie und die gläubig wehenden Fahnen über dem bezuglosen Fana-\ntismus der Straßen. Hier gab es nur lautere Unwahrheit —- und dennoch Bestand.\nEr dachte, als er weiterfuhr — angestrengt, nicht mehr leidenschaftlich —-\nwieder darüber, was Wahrheit sei. Und er erkannte: »Nichts ist Wahrheit,\nweil alles Wahrheit ist. Sie ist als metaphysische Frage Privatangelegenheit\ndes Individuums Aufrichtigkeih nicht Wahrheit stellt die Pfosten der Ver-\nbinduiigeit einzelner Menschen. Der Tatbestand wird von den nach dem Rechte\nFragenden allzu wichtig genommen. Nichts ist Wahrheit und Gründe sind\ngleichgültig. Auf ganz andere Dinge kommt es unter den Menschen und in\nihren Verbänden anl« «\nDer Staatsmann hatte erkannt, daß seine tausendjährige Frage falsch\ngestellt seizsund er fuhr fort, die Namen dieser andern Dinge zu suchen."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.10", "texte": "Berta Lask\norgen früh ziehen die Ersten fort zu Kampf\ni undTod. n\"\nHeute schwärmen sie aus im Abendrot;\nStaunend und trunken stehen die Menschen\n« um sie her,\nFühlen sich arm und gabenleetn\nDie Mädchen aufgelöst und ticfinnerst »\n. » erschlossen\nSehen die Krieger von Licht umflossen.\nEine sehr junge, schlanke, mit schimmernden, feuchten · :\nAugen, die seltsam ins Weite leuchten, .\nSpricht: ,,Soldaten, Ihr gebt euer junges Leben. .\nSoldaten, sagt, was soll ich euch geben? .\nSchenken will ich euch alles, was ich habe.\nNun fordere jeder eine Gabe« . ; »\nDer. Erste flüsterte zagend: ,,Du Reine, .\nVon den blauen Blumen in deiner» Hand gib mir eine.« i .\nSie gab dem Knaben eine blaue Blume in die Hand.\nDer hat sich mit strahlendem Auge fortgewandt. s e .\nDer Zweite sprach: »Wenn ich. liege unter Frankreichs Bäumen, ,\nMöcht’ ich einen süßen Traum gern träumen. .\nDrum bitt’ ich; du mögest mit deinen Lippen meine Stirn berühren.\nIch werde den Hauch« noch lange verspüren« :\nIhre Lippen wehten leicht über ihn her. .\nEr seufzte leise und sprach nicht mehr. i\nDer Letzte sprach: ,,Eine Blume und ein Kuß sind süße Gaben.\nAber ich will mehr von dir haben. i\nEine Kugel hat wohl bald mich hingerafft. « .\nWen umbraust dann meine jung-heiße Kraft ?« e\nSie sprach: ,,Soldat, du gibst dein. junges Blut.\nUnd gäbe ich wen’ger, das wäre nicht gut. .\nIetzt ist nicht die Zeit zum Besinnen und Denken, ; »\nIetzt ist die Zeit, zum Verschenken« «\nAls der Morgen kam, waren ihre Hände leer.\nZum Schenken hatte sie nichts mehr. , -"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.12", "texte": "dolf Schinnerer, dem der illustrative Teil dieses Zzeftes\ngewidmet ist, ist 1876 im Frankenland geboren. Nach-\ndem er in München einige Semester Philosophie studiert\nhatte, war er mehrere Jahre zum Studium an der Aka-\ndemie in Karlsruhe, wo er Schmid-Reutte und W. Conz\nzu Lehrern hatte. Nach wechfelndem Aufenthalt in Er-\nlangen, München und Tennenlohe bei Nürnberg siedelte\ner 1911 dauernd nach München über. In den starken\nund tiefempfundenen Lithographien dieses Zzeftes gibt\nhderjzünstler die Eindrücke wieder, die der Krieg in ihm\nhervorgerufen hat. Die Blätter zeigen ihn als vollendeten Meister der gra-\nphifchen Kunst, auf welchem Gebiete Schinnerer schon fo viel Vortrefsiiches\ngeleistet hat, was der soeben erfchienene Katalog’««) seines graphifchen Werkes\nbeweist, den Dr. Ludwig Gorm herausgegeben hat.\nWas Dr. Gorm über das zyklische Werk Adolf Schinnerers darin sagt,\nmöge hier, folgen:\nDeutsch sein heißt frei sein. Frei fein aber heißt nichts anderes als die\nmannigfachen Gebilde der XVelt durchdringend zu einein einheitlichen und hohen\nSinn gestalten, welcher sich als der unserer eigenen seelischen Schicksale erweist.\nEs heißt weder gelöst sein noch haften an dem wirklichen, sondern es bilden szu\nder Wahrheit, die hinter dem Traumschleier dieser Welt um Entstehung ringt.\nIn diesem Sinne ist Adolf Schinnerer sehr deutsch und sehr frei, und\nim Laufe seiner Entwicklung immer freier geworden. Wenn seine Einzelblätter\ndies in der Art der Arbeit, in der Technik zeigen, so läßt es sich an den Zyklen\nnicht bloß darin, sondern auch dem laienhaften Genießer verständlichey an den\nMotiven und ihrem menschlichen Gehalt darlegen.\nSein zyklisches Werk beginnt mit den ,,3eichnungen eines Verliebtem«\nHier ist alles eingebettet in den wesenhaften Gehalt junger Liebe, ineine\nwartende und staunende Sehnsucht, die scheu, verlangend, in sich gebannt nach\neiner äußeren Erfüllung sich ausstrecky welche von der Geliebten und von der\nWelt, die beide eins sind, wie ein segenvoller Regen herabströmen sollen. Und\ndieser Sehnsucht ist eine Angst vermählt, die keine Furcht ist, sondern die noch\nunerprobte Kraft, die ihren eigenen Herrn bedrängt. Ein Abend ist über die\nHügel gesunken, Goldlicht und Schatten verschränken sich über der Erde zu\neinem urheiinatlichen Gewande und strömen in den Hausgang, in dem der\nVerliebte an der Wand steht, in sich geduckt, trunken vom Leid der Ent-\nfernung und von der Gewißheit eines vereinten Seins, die ihm zitternd vom\nBoden und aus den Lüften ins Herz dringt. Traumschwer jagt ein Heer von\nUnholden über die schlafenden Zwei, Buben und Rosse sind aus feindlichen\nDünsten geballt, ergeben schmiegen sich die Bedrohten darunter hin, harrend,\ndaß das brausende Ungewitter über ihnen Verzicht, und sicher sich verlustreich\nhinter ihm neu zu erheben. Der Mann ist über seine Arbeit hingesunkem über-\nvoll von Gedanken, unfähig weiterzuschassem weil er zu fähig dazu ist in\nzurückgestautem Drang: und leise tritt die ferne Geliebte zur Türe ein, nackt,\n\n«) Adolf Schinnerer, Sein graphisches Werk. Von Dr. Ludwig Gorm.\nMit einer Einleitung von Dr. Hans M. Sauermanm Grapl)ik-Verlag, München,\nG. m. b. H. 1915. (Berlin, Pariser Platz 7), Preis M. 1.-, die bei Einkåufen\ngutgefchrieben wird."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.14", "texte": "nur in die Keuschheit unvergänglicher erbarmender Liebe gekleidet, einen dichten\nStrauß blühender Rosen im Arm.\nIn der ,,Reise des jungen Tobias« folgt dann der wartenden Sehnsucht\ndie Bewährung. Wie die Odyssee der ewige Mannestraum ist von der Heim-\nkehr als zerfetzter Bettler, der dennoch die Macht und die Herrschaft und\ndie cchteste Leidenschaft in feinem Eigen erstreitet, so ist die apokryphe Geschichte\ndes Tobias der ewige Iünglingstraum vom selbsterworbenem ahnengelösten\nDasein, und so hat er sich hier in diesem Zyklus mit Recht in fränkischen\nBauernkleidern verwirklicht. Zweifelnd und in Sorgen setzen die Eltern alles\nin alles und entlassen den einzigen Sohn, den knabenhaften, der schon so lange\nvom Baum über die Höhen hinausgesucht hat in die Unendlichkeit der Weite,\nin die Welt, nicht ungeleitet, denn den ersten Teil der Fahrt ist ihm ein älterer\nGenosse gesellt. Aber sobald er, von den Mühen und Eindrücken der Wan-\nderung gereift, das Ziel erreicht und das Haus betritt, in welchem es sich mit\nihm wendet, verschwindet der Begleiter, und nun gewinnt er sich aus eigener\nKraft Frau und Habe und beginnt, während das Hochzeitsfest in das Land\nhinausleuchtey in Liebesumschlingung eine neue Welt. Frau und Habe führt\ner dann als sicherer Gebieter in unendlichem Zuge der Heimat zu, aufrecht\nund fest auf dem Wege, den er noch unsiügge hergemessen hat. Und die Mutter,\ndie erst in sorgenden Gedanken und dann in dunklem Kummer um den Ab-\nwesenden gebangt hat, und der alte Vater empfangen den Reichen, Glücklichen\nmit Ityoeh und alle Nachbarn schöpfen zuschauend einen neuen Wert aus dem\nstämmg gewordenen Reis. —- Erschütternd einfach sind die Gegenüberstellungem\nwelche den Fortschritt dieses inneren Geschehens bezeichnen. Hinzu: Tobias unge-\nwandt auf die Rede des erfahrenen Fahrtgenossen lauschend. Zurück: Tobias\nmit der geliebten Frau auf dem Hügel; den Zu der Wagen leitend und das\nLand erklärend. Zweimal die Mutter allein aus, den heimatlichen Höhen, nur\ndas Licht um sie und die verschieden gebeugte Haltung sagen die steigende Be-\ndrängnis aus. Beim Abschied der Vater hinter dem Ofen in den Lehnstuhl\nverkrochen, unkräftig und voller Zweifel, wie der Hof unter dem unbewährten\nSohne gedeihen soll; bei der Heimkehr preisend mit ausgestreckten Armen,\nfröhlich gewiß, daß er nun in Ruhe den dunklen Pfad hinabsteigen darf.\nDer Bewährte steht auf einer neuen Stufe, eine neue Frage ist um ihn\nerhoben, die des inneren und des äußeren Besitzes. Der dritte Zyklus ,,Simson«\nerzählt von ihr und von der Antwort. Ueber seinen Philistersiegen hat sich\nder Held sein Haus gebaut. Genügt es, daß er ihnen seine Kraft bewiesen hat?\nMüssen sie nicht immer von neuem das Geheimnis dieser Kraft an sich erfahren?\nSeinen äußeren Besitz sichert ihm das Geheimnis, aber es gefährdet seinen\ninnersten, die Einheit mit der geliebten Frau, welche ihm rettungslos unter-\nworfen es zu erkennen begehrt. Und in drei dunklen Angriffen der Leidenschaft\nentreißt sie es ihm; wie er es ihr preisgegeben, sich völlig ergeben hat, ist es\nvon ihm gewichen und mit ihm die herrschende Stärke. Die Philister sind über\nihm und verhöhnen grinsend den kahl in eine Brunnentiefe Versenkten. Aber\nlangsam wächst die heilige Kraft, die unzerstörbare, wieder auf; erfüllt von\nihr, schreitet er gesammelt zu der letzten Tat und sühnt den selbstverschuldeten\nVerlust, sich und die Feinde opfernd. Der Mann, der seinem eigensten Werke\ngehört, verliert es an sein innerlichstes Eigentum und gewinnt es in der Sühne,\nzum Trotz der glaubenslosen und leer höhnenden Welt, zurück. —- Delila ist\nkeine babylonisehe Frau hier, an die Simson nur ein körperliches Geheimnis\nverlieren könnte. Viel tiefer deutend ist sie die Frau, um die der Mann mit\nseinem ganzen Sein zu ringen gezwungen ist und die gerade in der geheimsten\nseelischen Preisgabe die Kampfkraft nach außen bedroht. Wenn der Tobias"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.15", "texte": "eine epische Entwicklung xdarstellte, so ist der Simsonder auf. der Lebxenshöhe\nentstehende und nur» mit dem Einsatz des ganzen Lebens gelöste tragische Konsiikt\ndes Mannes, esich selhst in den inneren Quellen und in den äußeren Strudeln\ndes Daseins zu behaupten. Die ersten Siege über die Philister sind Morgen-\nspiele, der letzte ist das wissend dargebrachte Opfer eines Geprüften, dem nichts\nmehr an sich selbst und alles an feinem Werke liegt. Wissend und opferbereit\naber ist er daran geworden, daß er sein»Rätsel,, in Leidenschaft sich lösend,\ngestand, s einen Besitz verlor,.um ihn auf. einer höheren Stufe wieder zu erhalten.\ne Die törichte Feindschaft und der eitle Hohn der Welt bleiben in ihm\nNichtigkeit unter der Aufgabe und dem heiligenden Tun des Mannes zurück\nund von der erstiegenen Höhe neigt sich das Mitleid in ihre Abgründe hinab,\num sie daraus erlösend in einen heilenden Tempel zu führen. Der nächste Zyklus,\nder ,,Teich Bethesda«, zeigt die Mühseligen, die Beladenen und Kranken, wie\nsie sich aus ihren qualumstandenen Betten aufrichten und ausziehen, einsam\noder in Gruppen, getragen oder gestützt und über die Erde pilgern, nach einem\nSegen, der ihnen angekündet ist und an den sie in aller Verzweiflung und\nallemSchmerz fest glauben. In Scharen umdrängen sie den Rundbau, welchen\nihnen das Mitleid über der Quelle nahe einem leuchtenden Gebirge errichtet\nhat und endlich liegen, knien, stehen und stürzen sie in diesen reinen Spiegel\nselbst, dessen Duft sie zum Gebet gestärkt, wie blind von gläubiger Zuversicht\nverehren. Sie vertrauen sich nackt der Glut, dem Wasser und den Lüften\nund der Sonne, und die Kraft ihres Vertrauens wird eins mit der Kraft der\nvom Erbarmen um sie gekreisten Natur, sie werden ganz, heil und erlöst und\npreisend ziehen sie wieder in die Welt hinaus, eine vom Glück zum Daseins-\ntaumel erhobene. Schar unter dem weiten Himmel.\nDas Mitleid durchbricht die Ordnung der Welt, wer sein Ich in dem\nDu gefunden hat mit allen Mängeln, Sünden und Entzückungem der ist von\nden scheinbaren starren Gesetzen der rollenden Leidenschaften befreit und schafft\neinen höheren Zusammenhang, in welchen die äußerlichen Schicksale nicht mehr»\nwesenha t eingehen, weil sie zum Traumspiels geworden sind. So steigt das\n,,getraumte Paar« aus der Walderde auf, wird ermordet, in den Fluß ge-\nworfen, hingerichtet und gleitet wieder in die Welterde hinab und dies alles\nzieht an den Vereinten vorüber und vorbei, ohne sie zu treffen, denn aus jedem\nDunkel erheben sie sich unversehrt als die Alten und eilen der ewigen Heimat\nzu, aus der sie gekommen sind und die sich um sie hüllt in den großen Natur-\nsymbolen, in der inselhaften Baumgruppe, in den Bergen, im Fluß, in den\nLüften über der Eisenbahn . ..\nDie Leichen der Ermordeten schwimmen den Fluß hinab, dunkel eingehüllt\nvon der Flut, eingewickelt und getragen, unbestimmt und doch nach einem\nsicheren Ziel, wie im Traumgang des Lebens, mit der gleichen schlafwandelnden\nSicherheit, mit der reißenden, gefahrvollen und doch mütterlichen Sorgfalt der\newigen Gebärerin Welt. Die nackten Gestalten fahren triumphierend auf dem\nschwarzen Eisenbahnzug in die Welt hinein, sie laufen, gerichtet und zum\nzweiten Male getötet, in Eile hoch auf der Brücke über der Masse nach ihrem\nZiel, in der siegreichen Allgewalt fröhlicher Selbstbehauptung Aber zuletzt\nendet die Fahrt, freien Willens, einig mit Bestimmung und Schicksal, im Erden«\nschoß, aus dem sie aufstieg und die inselhafte Landschaft, das ewige Sein\nhinter Welt und Mensch, taucht wieder auf und hat ungeändert beharrt,\nwährend sie ihm entrinnend wieder zu ihm zurückgekehrt sind.\nNichts und niemand kann ihnen etwas anhaben, in ihnen ist eine\ngeheimste Ordnung verborgen, welche Messer und Beile überlebt, und sie sicher"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191508-02.1.16", "texte": "ihrem Ziele zuleitet, einem Ziele, dessen unsichtbarc Ewigkeit sieh in ihreiScheins\nkörper gekleidet hat, wie es sich in die Scheinkörper des Felsens und der«\nGewässer faltet. Von außen gesehen scheinen es Kämpfe, wie die des Simson,\nund weniger siegreiche sogar, aber von innen betrachtet rührten die Taten«\nSimsons an fein eigenstes Wesen, sie waren ihm Not, damit er sich selbst er-\nreiche, während die Leiden und Verfolgungen der beiden Geträumten nichts\nsind als gaukelnder Schein, kurzer, vergänglicher, über einem unantastbarens\nurgefühlten, urlebendigen Wesen. Darum ist dieser Zyklus ein geschlossener, in\nsich zurückkehrender Kreis, wie Geburt und Tod, und darum hebt er die Be-\ndingungen der Wirklichkeit auf mit dem Rechte und der nackten Kühnheit des»\nTraumes.\nSo steigert sich die Freiheit der inhaltlichen Motive von Zyklus zu Zyklus.\nSie steigert sich, weil sich ihr Schöpfer von Werk zu Werk als Mensch befreit,\nund deshalb läuft der inl)altlichen Entwicklung auch die der künstlerischens\nArbeit parallel. Ein Blatt wie das der Bootfahrt im ,,Verliebten«-Zyklus\nleiht seine Kraft noch zum Teil vom Gegenstand, von dem Kinde vorn und dem\nKnochenmanne hinten, doch eines wie das vom Fluße vers chwemmte ,,geträumte\nPaar« hat seine Stärke ganz in der Darstellung, in der Art, wie diese beiden\nKörper schlafgebannt in die Wogen gebunden sind. Ein Haus im ,,Tobias«\nist mit allen seinen zufälligen Merkmalen gegeben; die 6alle, die sich über den.\n,,Teich Bethesda« Wölbt, ist ein Raum, der Luft und Licht umschließt, damit«\nsie begrenzt segnender um die nackten Leiber spielen können. Von Zyklus zu\nZyklus werden die Einzelheiten und die Mittel beschränkt und vereinfacht, damit\nsie immer mehr bloß das für die körperliche Gestalt der innerlich bedeutsamen:\nEinpsindung Wesentliche aussagen. Der technische Fortschritt fällt mit dem«\nmenschlichen in eins zusammen.\nDarin sind diese Zyklen echte Vertreter ihrer Kunstweise. Denn die:\nRadierung ist ihrem Ursprunge nach bestimmt, die menschlichen Gehalte einer\nZeit in linearen Visionen auszudrücken. Der höchste Gehalt jeder Zeit aber ist.\ndie Befreiung, die der Mensch an sich felbst vollzieht\n\nLudwig Gorm"}]}