{"numero_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_sha256": "ee878ac3eb9d989247acd9e7209b82c7780e99b33aa9372111137a190adb2740", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1915/12_01/bmtnabb_1915-12_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1915/12_01/bmtnabb_1915-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c002", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.2", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.2", "debut_caractere": 21, "fin_caractere_exclue": 533, "texte": "Inhalt:\nEise Laslcer-Schiiler X Georg Tkatcc s—\nC. s. savary X okigiuatssteiudrukk\nHans Siemjett X über Kunst und Kunstschriststellerei\nRudolf GWIZUIUUU X Originalissteindruklc sz\nMax HerrmaumReisje - De: ich ist, ins uukechi via veciikikcsi -—-\nJohannes Schlaf X Der Heerwurut\nFriedrich Mart( X Leu-es iutimes H\nWetuek Schmkdk X Originalssteiudcuclc\nZwei Liebeslieder\nAUUIL Offketdktlger X Modebild II X Original-Steinbocks(\nGlossen und Kritilcen -\nSinzelheft Alle. 1.———— Vierteljährlich [6 Seite] Wie. 6.—-—-—"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c003", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "33", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.3", "titre_corps": "Georg Trakl", "titre_sommaire": "Georg Trakl", "signature_source": "Elle Versteckt-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 579, "texte": "Georg Trakl\nElle Versteckt-Schüler\nSeine Augen standen ganz fern —-\nSr war als Knabe einmal schon im Himmel.\nDarum kamen seine Worte hervor\nAus blauen und weißen Wolken.\nWir stritten iiber Religion;\nAber immer wie zwei Spielgefiihrtez\nUnd bereiteten Gott von Mund zu Mund;\nIm Anfang war das Wort!\nDes Dichters Herz, eine feste Burg.\nSeine Gedichte, singende Thesen.\nEr war wohl Martin Luther.\nSeine dreifaltige Seele trug er in der Hand,\nAls er in den ,,heiligen Krieg« zog.\nDann wuszte ich, er war gestorben —-\nSein Schatten weilte unbegreiflich\nAuf dem Abend meines Zimmers z g"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c005", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "37", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.5", "titre_corps": "Über Kunst und Runstschriftstellerei", "titre_sommaire": "Über Kunst und Runstschriftstellerei", "signature_source": "Hans Siemsen", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1636, "texte": "Über Kunst und Runstschriftstellerei\n\nI\nEs hat keinen Zweit( iiber Kunst zu jchreibem\nII\nEs gibt zwei Arten, es zu tun. Kunslhistorie und Kunstkritik\nAuszerdem können (bildende) Kiinstler sich schriftlich äuszem\nJnveutur wiirde das sein. Ob sie wollen oder nicht. Ob schlecht, ob\ngut. selbstbekenntnisz Demaskierung Auch eine Kunstwissews\nsrhaft wäre denkbar. Sie miiszte erklären, weshalb zwei Striche oder\ndie Einteilung einer Fläche in eine gröszere und eine kleinere unseren\nGeist in Betrieb setzt, unsere Seele in (vorbestimmte) Wallung Wiirde\nsie Kuttstapotheken einrichten können? Kunstbiicher schreiben wie\nKochbiicher mit Rezepten? Es wäre jedenfalls die einzig denkbare\nArt von Kunst-W i s s e u s ch ask. Aber sie existiert noch nicht. Es\ngibt einstweilen nur zwei Arten, iiber Kunst zu schreiben:\nKnnsthistorie und Kunstkritik\nIII\nWas bezweckt die Kunsthistorie?\nsie stellt Daten und Aamen richtig. sie weist Zusammen-\nhänge und Sntwicklungen nach.\nsiir wen also ist die Historie von Wert?\nsiir Hiindler und 5ammler, sobald es sich um die Echt-\nheit eines Kunstwerks handelt. siir Leute, die sich siir Entwicklun-\ngen und Zusammenhänge iuteressierem und sie nicht selbst sehen und\njiihlen können. siir die Kunst also und die, die sie empfinden, scheint\ndie Historie ziemlich wertlos.\nDenn erstens sinkt und steigt mit der Skhtheit eines Kunstwerks\nUkkr sein Kaufwert, nicht sein Wert; und zweitens sind Zusammen»\nhange nur siir den wichtig und wertvoll, der sie fühlt, nicht fiir den,\nder sie weiss.\nIV\nWas bezweckt die Kunltlcritilä\n» sie iucht festzustellen: was von Wert ist. Wenn iie es könnte,\nfUr wen wäre es von Wert?"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2339, "texte": "Aber sie kann es nicht. Sie kann es nur behaupten. Sie\nkann von einem Bilde sagen: es ist schön. Aber sie kann nicht sagen,\nweshalb es schön ist. Es läszt sich nicht einmal beweisen, das; ein\nKunstwerk keines ist. Aoch viel weniger, dasz ein Kunstwerk —- und\nweshalb es -— auf uns wirkt. Wir wissen nicht, was uns ergreift.\nWir wissen nicht, weshalb wir ein Bild schön finden.\nEtwa weil es gut gemalt ist? Bayrisclze Botivtafeln ergreifen\nuns eher, als die brillant gemalten Porträts der Sezessionen. Was\nhaben Technik, Stil und Können mit dem Eindruck zu tun, den wir\nvom Kunstwerk empfangen? Aiit ihnen läszt sich nichts erklären.\nSie sind (wie Leinwand und Zarbenfirmas undiskutable Borbesss\ndingung, Privatsache des Künstlers.\nBon dem Stoff, von der Anekdote des Kunstwerks sind unsere\nEmpfindungen nicht so unabhängig. Stoffliche Eindriikke mischen\nsich mit denen, die wir rein aus der Kunst empfangen, und wir haben\nkeinen Grund, sie zu absorbieren. Aber mit Kunst und dem Wert\ndes Kunstwerks haben sie nichts zu tun.\nWenn wir die Anekdote eines Kunstwerkes nicht verstehen, so\nkönnen wir trotzdem das Kunstwerk sehr wohl verstehen.\nAlso nicht der Stoff des Werkes und nicht das Können des\nWust-ers ist es, was uns ergreift, und was uns sagen lässt: Wie\non.\nWas ist es denn? «— Wir wissen es nicht. Die Seele des\nKunstwerks. Gewiss: die Seele. Aber wo ist sie? Wie ist sie?\nWas ist sie? Was beseelt die Bilder Picassos und macht sie zum\nKunstwerk vor Aialereien und Borsatzpapieren des Zufalls?\n· Der künstlerische Wille. -- Eewisk Aber wie äusZert sich der?\nc·est le Rliythme qui kait ca, sagte mal Zawlenski Gewiss.\nc estle Rhyth»i»ne. Aber wasist das: Rythmus? Ein schönes Wort\nund ein sehr schoner Begriff. Aber· worin äussert er sich? Z. B. bei\nPicasso? » »\n» Es hilft nichts: wir wissen nicht, was das ist ,,le RhythmeE\nwir wissen nicht, was das ist ,,Die Seele des Bildes«; wir wissen\nnicht, weshalb ein Kunstwerk ,,schön« ist.\nDer Kunstler selber weis; es nicht. Er weis; oft nicht, weshalb\ner den Strich dahin, weshalb er den steck dahin setzt. Er hat es iiii\nEefnhk das»gehort dahin, es muss so sein. Wir haben nachher\ndasselbe»Eefuhl. Wir sind befriedigt und glücklich, weil es so ge-\nggzdten Teisbatltli eg sodwerdeiinmusztz weähtalb F uns gliirlkclich\n, o ur e, as wi en wir ni . as wei ein\nMensch. Auch kein Kritiker. B"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1820, "texte": "Aljo lcaun die Kritik nur behaupten: Das und das ilt wertvoih\ndas und das ijt schön. Zejtitellen, beweijen lcann jie nichts. If! auch\nnicht nötig. Denn der, der Berjtiindnis hat, braucht lceine Beweise.\nUnd der, der Beweiie braucht, hat lcein Verständnis; kommt alio\nfiir die Kunst nicht in Betracht, weder als Schöpfer noch als Freund.\nV\nWann hätte es Zweck, iiber Kunst zu schreiben? Wenn man den\nWert eines Kunstwerks dadurch vergröskern könnte. (Vergröszerung\ndes Kanswertes rechtfertigt nur den handelspolitischen Teil der\nKunstskhriftstellerei.s\nEs niitzt nichts, wenn andere Leute erfahren, das; ich das und\ndas fiir ein Kunstwerk halte. Dadurch wird höchstens der Respekt\nvor dem Wert, nicht der Wert vermehrt. Mit diesem proselgten-\nmarherischen Ziel begniigen sich die meisten Kritiker. Und viele mit\nnoch weniger.\nZiir mich gilt die Frage: Kann man den Wert eines Kunst-«—-\nwerks vergröszern?\nWo liegt sein Wert? In den Empfindungen, die es erregt.\nWie das geschieht? wodurch? warum? das wissen wir\nnicht. Also können wir auch nicht dazu helfen, das? es geschehn\nWie wir nicht dazu helfen können, das? jemand liebt oder das; jemand\nglaubt. Man kann die Bibel weitergeben — nicht den Glauben. Man\nkann den Katechismns lehren — nicht die Liebe. Man kann jeman-\ndem sagen: ich habe dich lieb. Aber man kann nicht sagen: warum.\nDas Göttliche, das Menschliche im Kunstwerk bestimmt seinen\nWert. Vor ihm verneigen wir uns und nur vor ihm. Was ift es?\nWie erscheint es? Wir wissen es nicht.\n» Denn nur das Unbegreiflikhe ist göttlich. Anr das Uuerkliirlikhe\nist» wunderbar. Es hilft uns nichts, um die Erkenntnis zu ringen.\nDie Gottheit segnet Kinder nnd Toren. Vor dem Gefiihl verstnmmen\ndie Erklärungen nnd Worte.\nVI\nEs hat lceineu Zweck, iiber Kunst zu schreiben.\nVII\nWenn man nicht ein Dichter ist.\n\nHans Siemsen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c007", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "39", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.7", "titre_corps": "Derich jäh ins Unrecht bin verstrickt", "titre_sommaire": "Derich jäh ins Unrecht bin verstrickt", "signature_source": "Max Herrmann, Aeisse", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 591, "texte": "Derich jäh ins Unrecht bin verstrickt\nMax Herrmann, Aeisse\nSo verfiel ich Gottes ichwerfter Ziiguug,\nDass ich plötzlich ftets im Unrecht rang:\nRiichtern trieb aus jeglicher Vergniignng,\nSchwiichlicher in sejtes llberjchwang\nUnd ob Trauer mich, ob Sinnestriibnng\nAls Verzweifelten zu Boden zwang:\nAlles wurde klein, das; selbjtbeliigung,\nRache oder Drohung in mich drang.\nDas; mich blas; aus lcleinlichjten Behältern\nIrgend eine siiulnis überwand,\nDas; ich lceinem Ziihzorn widerstand,\nSondern der Geliebten und den Eltern\nUnd dem heimlich heiligen Kamerad\nunbewußt Verrat und Schlimmres tat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c008", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.8", "titre_corps": "Der Heerwurm", "titre_sommaire": "Der Heerwurm", "signature_source": "Johannes Schlaf", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1197, "texte": "Der Heerwurm\nJohannes Schlaf\nD ie Ultimata waren geftellt. Trotzdem erfolgten ernftlich ge-\nmeinte Bemühungen, im letzten Augenblick den Frieden zu erhalten.\nunzweifelhaft: Hinter den Treigniffen ftanden Menfchen (einige\nwenige nur), die zum Teil gutwillig, zum Teil biiswillig waren, die\ndennoch aber eine Verantwortung fiir die vor ihrem Ausbruch\nstehenden ungeheuren Treignifje einander zufchoben.\nAber da war ein paar Monate vor alldem der Heerwurm\nerfchienem Aus einem deutfchen Gebirgswald war er, nachdem man\nihn feit vielen Jahrzehnten nicht mehr gefehen hatte, eines Tages\nhervorgebrochen, ein acht Meter langer, hiindebreiter und daumen-—-\ndictcer Zug langfam aneinanderhinss nnd iibereinanderweg kriechen-«—-\nder, glajig glänzender Larven eines Infelctes, dafz die Tntomologen\nsciaka militakis nennen, und das gemeinhin die Bezeichnung Trauer-«—-\nmiiclce fährt.\nUnter dem Moder vorjiihrigem faulen Laubes hervor war das\nfeltfame Gebilde auf die durch den Wald fiihrende Landftratze her-\nvorgelcrochen und hatte sich langfam auf diefer weiterbewegt. Man\nhatte es gefehen, und nun war lcein Zweifel mehr: ein grofzey\nfchreclcliclzer Krieg ftand vor feinem Ausbruch.\nSo -- glaubt das Volk."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c009", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.9", "titre_corps": "Lettres Intimes", "titre_sommaire": "Lettres Intimes", "signature_source": "Friedrich Mark", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3108, "texte": "Lettres Intimes\nFriedrich Mark\nVon Stendhal. Wirklich intime Briefe, unmaslcierte, in denen er, der selbst noch\nganz junge- sitt) der jüngere« Schwester vertraut. Dnau liest sie, wie jetzt. so leicht\nqups ,,8eindliche«, auf das Typischg auf das Zranzösische hin.\nEins geht durch sie durch. Zwischen leideuschaftlichem Genieszen nnd leiden-\nfchaftlichem schwarze, zwischen der Leidenschaft des Erlcennens und der Weltvers\nqchtqug bleibt immer das eine Ziel: sich eine Position zu sichern, sich und seiner\nSchwester. Und da fiir eine Frau nur eine Möglichkeit ist, will er ihr eine Heirat\nverschaffen, eine reiche Heirat. Er liebt sie sehr, weint iiber ihren Briefeu,\nverzweifelt, wenn sie nicht schreibt. Und setzt ihr immer wieder zu: Aur sich nicht\nverliehen, nur sich nicht wegwerfen, nur das Ziel im Auge behalten, sich zusammen-\nnehmen, hencheln, Komödie spielen, bis man festen Grund unter den siiszen hat.\nUnd dann dem —- notwendig nngeliebten —- Eatteu gegenüber dasselbe Spiel:\nman mnsz seine Schwäche studieren, Bewunderung vortäuschen, herrschen durch\nscheinbares Aachgebem um so — endlich, endlich -—-— Herrin seiner selbst zu werden.\nHerrin auch in der Gesellschaft Der so tät, ist nicht nur jung nnd sehr leiden-«—-\nschaftlich, er nennt auch die Jahre seine gliiclclichstem in denen er in Paris lcein\nGeld hatte, seine Schuhe zu besohlen, und er verachtet die Aienschem Aber diesem\nselben ist ein Tag der schönste seines Lebens, weil er in Gesellschaft dreieinhalb\nStunden lang glänzte —- tme conäuite an tlessus de Phumuin ———, so glänzte,\ndas; Frauen, die er beleidigt hatte, ihn, den Häszlichem schön nennen uiuszten\nSie lcommeu anders auf die Welt als wir. Sehender, klüger, wissender.\nSie lcommeu älter ans die Welt als wir. Als ob sie Abgriinde und Gefahren des\nLebens vorher sähen, Aienschen vorher durchschantew Und da sie, die Klagen und\nseinen, nnn doch nicht leben lcönuen ohne Menschen, ohne die Gesellschafh da ihr\nEhrgeiz die Bewunderung braucht, das Sichzeigen, das Einflnszansöbew so erwächst aus\nihnen der sranzösischg der Stendhalsche oder der Balzacsche Held, der das Leben zum\nKampfe stellt, wer der stärkere ist: ,,ä nous deux maintenantcks oder es wächst\ndaraus die Zlaubertsche Entsagnng, die nur noch beobachtet und prüft, nnd dann\nim Nachbilden und im Spott den Elcel iiber diese jämmerliche Welt iiberwiudet\nAber immer lauch bei den Kleinerens ist das Erkennen da und sein bitterer Auch«\ngeschiuacla\nWie sehr jung sind wir durchgängig noch dagegen. Wie leicht getäuscht\nund nnbewuszt der Gefahr. Wie ein Kind, das sich vom Tisch wirft, weil es noch\nnie gefallen ist, und das Laufen versucht, weil’s sich noch nicht gestoßen hat. Wir\nwerden uns ost noch stoßen, was schadet es, wenn wir nur laufen lernen, und daran\nUtss halten, dasz alle steilsten Wege schlafwandelnd iiberwuuden werden. Setzen\nW« Ullo ruhig die Bitte des alten Raube in unser Vaterunser: »Unsere tägliche\nSkkbkkkksttichung gib uns heute«\nEins freilich gibt i es, was noch dariiber gebt: Erkennen u n d lieben, das.\nBittre austrinlcen nnd doch im Aiitleid überwinden. Aber das ist der Wen der\nHeiligen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c011", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.11", "titre_corps": "Zwei Liebeslieder", "titre_sommaire": "Zwei Liebeslieder", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 388, "texte": "Zwei Liebeslieder\nI\nAu clair de la laue,\nMut: ami Pier-rot,\nPtätessmoi ta Planke, «\nPoak öcrike un met.\nMa ebaudelle est marte-\nJe n’ai plus de Leu.\nOuvkessmoi ta parte.\nPouk kamour de Dieul\nII\nAll mein Gedanken, die ich hab,\nDie lind bei Dir.\nDu ausertviihlley einziger Troit\nBleib jtet bei mir!\nDu Iollt an mich gedenken!\nHist? ich aller Wiiniche Gewalt,\nVon Dir wollt ich nicht wenlcen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c013", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "48", "image_debut": 15, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.13", "titre_corps": "Glossen und Kritiken", "titre_sommaire": "Glossen und Kritiken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3123, "texte": "Glossen und Kritiken\n\nFranz Wieviel, Die Troe-\nrinnen des Euripides. (Kurt\nWolff, Leipzig) Jahrtausende altes\nLeid wird wieder erweckt, schreit seinen\nSchmerz heraus, redet ihn in unserer\nSprache.\nIn: Grunde isi das ganze Drama eine\nlang ausgesponnene Folter. Als sollte\ngezeigt werden: soviel löszt sich aus einem\nAiedergeworfenem Bernichtetem Halb-\ntoten noch herausholen an Geschrei,\nGeheul und Geiammer. In ,,einer\ngleichsam ewigen Dämmerung« vor\ndem zerstörten Troja die iiberlebenden\nFrauen. Und nun sehen wir die Wehr-··\nlosen beschimpfh verhöhnt, auseinander-\ngezerrt in die Sklavenarbeit oder ins\nBett der mörderischen Sieger, sehen\ndas Kind Hektors, das unschuldige,\num das die Hoffnung nnd die siiszesten\nLaute der Liebe stammeln, erbarmuugs-\nlos zerschmettert im Schilde des Vaters\ngebettet, nnd die ihn, ihr Letztes,\ndort hinlegen raubte, die Jammer-\nvollste, die alte Hekuba, geht von\nder brennenden Heimatstadt den Weg\nin die Sklaverei. Ist das erträglich?\nBesonders wenn so im Schmerz ge-\nschwelgt wird, wie diese Frauen es tun?\nSie schiitten ihn aus vor uns, wiihlen\ndarin, holen sich aus der Tiefe der\nErinnerung Siiszes und Herrliches, an\nIhm die bittere Gegenwart sich noch\nMehr zu verbittern. Aber indem sie gegen\ndie erbarmuugslosen Feinde nnd die\nUltgerechten Götter ihren Hasz und\nZlvch anstiirmem schaffen sie sich ihre\nkkgene Welt. Aus nichts als ihrem\neigenen Schmerz.\nUtjd gerade daraus kommt —- über«\nWCMAOUD -——— die Erkenntnis, welch ein\nRkkkhtnm noch in solchem Leiden steckt.\nVII« gefoltert werden nnd die solle:\nerleben (und die Qual heransschreien)\nals dahiudiimmern ohne Schmerz. Es\nist herrlich, nackter Mensch zu sein\nin aller Erbiirmlirhkeih Kleinlichkeih\nEehässigkeih Ohnmacht. .\nHier ist das gleiche Eefiihl wie beim\ngeblendeten Eloster in König Leut,\nwenn er von den fliegentötenden\nGöttern spricht. Der zertretene\nMensch, der die Ungerechtigkeit feines\nSchicksals nicht anerkennt, wächst in\ndemselben Augenblick iiber dies Schick«\nsal hinaus, wird sein Richter nnd\nnimmt seine Kraft ans einer senseitigen\nWelt, diese Kraft, mit der die alte\nHekuba ,,ihr Leben an die Brust\nnimmt und zu Ende triigt«. Das ist\nder einzige Weg zur Srhirlcsalsiibers\nwindnng. Nicht die stumpfe Ergeben-\nheit, die es gerecht nennt, sondern die\nKraft, die ihr Rekht in sich selbst sucht\nund behauptet. Hier heißt sie noch\nStolz und Trotz. Dariiber hinaus, stärker\nals beide, wächst nur die Liebe.\nWerfel, der uns diesen alten stolzen Hei-«-\nden, den lebeudigsten und wahrhaftig-\nsteu der griechischen Eragiker, wieder\nerweckt hat, hat eine schöne und tiefe\nEinleitung dazu geschrieben und, ihn\naller Zremdheit und Rhetorik entklei-\ndend, ihm seine eigenen Worte gegeben,\ndie hold oder furchtbar zu unserem\nHerzen sprechen nnd alle seine Qnelleu\nspringen machen. Dafiir danken wir\nihm. Und dafiir, das; er es in dieser\nZeit getan hat, nnd uns so einen Spie-\ngel gibt, die Unertneszlichkeif unseres\nheutigen Erlebens von uns losgelösh\neinmal zu sehen.\nWobei dann die Erkenntnis recht ein-\nleuchtend wird, das? das. Erofze unserer\nwie aller Zeiten doch nur im Erleben\ndes einzelnen liegt, nicht in der Zahl"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3213, "texte": "der marjchierenden Massen, uicht in der\nMenge der veransgabten Milliarden.\n\nZ. Mark\n\nArthnr Schuitzler, Komödie\nder Vzorte (S. Fischer Ver-\nlag). 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Gar so weit liegt auch\nBahrs ,,Kouzert« nicht mehr. Ein\nSchristsleller stellt fest: ,,Statt das Ra-\ntiirliche natiirlich zu erleben, triiben sie\nes durch ihre gottoerdammte Psycho-\nlogie«. Rasch knicken die Aiarionetteu\nzusammen und die Köpfe, die ueuumal\nklugen, sitzen locker. Doch ans Re-\nsiguiertheit, die iiber alle Suttiiuschung\nerhaben nnd in Schmerzen hellsichtig\nward und den Schwindel stellte, noch\nehe er endgültig zum Klappen kam, löst\nsich hie und da ein innig lenchteudes\nWeiseseim leis hinschwebend wie\nLeuchtkugelu an Sommerabeudeu. . . .\nZiir eine Sekuude mit klarem, ruhigem\nSilberlicht segnend bliiheuden Busch\noder ruhenden See. . . . Zusammen-\ngewachsensein der Sheleute noch in\nAiisztrauen und Qual, fester und un-\nabwendbarer als in Hingebnug und\nZärtlichkeit früher, oder sacht aus-«—-\ndiimmernde Erkenntnis von der Schuld\neines Weibes, das mit dem Schwe-\nbeuden nicht schweben kann, und von\nder Sünde, die durch ,,Anständigkeit«\nUngeheutmten aufgebürdet ist, oder die\nRettung, die heut so ein Dialog ver-\nheiszt:\n,,Guido: Ja, das Leben ist sehr ge-\nheimnisvoll . . .\nFelix: Das Leben ———— nein. Nicht be-\nsonders. Aber die Kunst«\nDas Beste endlich bleibt: wer die\nWelt so sieht, kann sie auch jetzt ukchk\niiberwiiltigend ernst nehmen. 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Aber\nseitdem lief schon viel Wasser ab,\nsiebet beruhigte sich nnd das liirmende\nBlech verlor an Kurswert Im Herbst\n1915 ist dennoch immer noch Georg\nHerwegh (gelinde gesagt) aktuell.\n»Seid umschlungen, Williardenl hör\nich mit Begeisternng singen unsere\nEinheitsbardem Welche Federn! wel-\ncher Schwung« Und Franz Theodor\nCsokor lässt ietzt noch drucken, was\nes ihm im Herbst 1914 vormachte.\n»Nicht kalt besonnen war dies\nWerk. Es soll in solcher Zeit\nnichts kalt besonnen sein. . . . Rein\nwie es ausspraug, uugefiig und toll, so\nsoll es schauen, schreiten, schrein« (Ich\ndachte ganz leis an die Abeude von\nWedam an slanbertx ,,Doch das\nLeben kiihlt uns ab . .« und mir\nUhren, als ob gerade ,,in solcher Zeit«\nunter Millionen Besessenen ,,kalt be-\nIonueu« zu bleiben, höchste Pflicht vor\nallem der Kiiustler sAieuschen seit)\nCsokor also macht acht lebende Bilder\nmit Deklamation, fiir Bereiusbiihueu,\nKkuo mit Wechselrezitatiom Kurbelu\nwir die serie rasch herunter: I. che-\nUIIV Satan-Egoist, Pakt nach be—-\nriihmteu Austern: er fiihre sieben\nSeelen in Versuchung, sie werden . .\nsie werden standhaft fingen: »Und mit\nHerz nnd mit Hand fiirs Ida-tot—-\nlaudl« Werden sie! 2. Groskstadk\nsommerabend, feister (feisterl) Börseuss\nonkel, dem der Krieg das Geschäft\nvermasselt, murlcst sich ab, wohingegen\nein Arbeiter die rettende Selbstver-\nftiimmlung, sein schwangeres Weib\nden rettendeu Gebiirstreik mit holder\nSntriistuug von sich weist. 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Her-\nwegh: ,,Sine Million Soldaten stehen\nda, wenn Cäsar spricht...« 7. Winen\nlegender Dampfettz Heizer lieber tot\nals Sklav’, Bfehl is Bfehl, sixtl\nHerwegh: »Mit patriotiskhem Sr-\ngötzen habt ihr Viktoria geknallt .. .·«\ns. Krankenbaraclcez verwnndeter seind\nsalbungsvoll nicht tot zu kriegen; der"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2276, "texte": "Teufel kriecht zu Kreuze, Paar. vo-\nbisoiuttz sriedensichluk Herwegh:\n»Dort) was lciimmern uns die Wunden,\ndie der Ruhm der Freiheit schlug. ««\n—— Und da ging ich davon und las\nichuell noch, zur eignen Relcreatiom\nHerweghs »Die Ureigeutiimeriu« und\n,,Spilog zum Kriege«, laut, Iehr laut,\nund da war Cjolcors Alyiterieuipiel\nzerplaizt . . . eiufakhs zerplaizts Amen!\n\nMax herrmann=Aeisze\n\nH. S.\nGnstav Kander, Aufschwung.\nEin Roman vom Tage. VII.\nCGeorg Riiiller.) In einen:\nsehr sympathischen Vorwort sagt\nder Verfasser: ,,Dieser Kriegsroman\nwurde, in drei Monaten entworfen,\nniedergeschrieben nnd oollendet, faft\ngleichzeitig in einer Tageszeitnng\ngedruckt. Der Verfasser will sich\nnicht gegen den Vorwurf wehren,\nKoninnlctnrfabrilcarbeit geliefert zu\nhaben. Die einzige Priitention, die er\nerhebt, ift: einen ionrnalistischen\nRoman geschrieben zn haben, einen\nRoman, dessen verantwortendes Ge-\nwissen lcein lciinftlerifches sondern ein\nionrnalistisches ist«\nDamit ist jeder Einwand vorweg-\ngenommen nnd es bleibt nnr zn icon-\nstatieren, dafz dieser Anker, der lcein\nDichter sein will, ein sehr anständiger,\nlclnger nnd tiikhtiger Riensch nnd Jour-\nnaliit zu fein icheint Im September\n1914 ichrieb er Dinge, die manchem\n,,Dichter« noch ietzt nicht lclar zu fein\nscheinen.\nWäre doch dieier (iniere11ante,\nspannende, nnterhaltende) Tages-Ross-\nman der Roman des Tages! Um wie«\nviel beiier wäre das Leihhanspnblis\nkam, das jetzt hinter Bloem nnd Herzog\nberläuft\n\nH. S.\nR. Klein-Diepold. Das\ndeutlche Kuultproblem der\nGegenwart. Was dies Büchlein\nbemerkenswert macht, ilt die nicht all-\ntiigliche Uuwilleuheit des Verlallers.\nMan wundert lich, dalk er lchou etwas\nvon Cåzauue nnd Grero gehört hat.\nViel ilt es auch nicht geweleu. Aber\ner hat doch davon gehört und ltellt\nlich nun ganz wunderbare Dinge unter\ndielen Namen vor. Er llolpert hinter\nihnen her wie ein Bulle hinter dem\nroten Tuch. Am: hat ein Bulle\nimmerhin noch etwas uatiirliche Grazia\nDie fehlt ihm viillig. so bleibt nur\ndas Bild von dem Truthahm der vor\ndem roten Tuche lcollert und vor Auglt\nund Ärger violett wird. Truthähue lind\nlehr lcomilkhe Tiere. Am: gibt es\nleider doch noch immer Leute, die ihr\nGelcoller erult und audächtig mit an-\nhören. Und das ilt das Traurige an\nder lloult lehr heiteren) Gelrhichta"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c014", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "46", "image_debut": 15, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.13.1", "titre_corps": "Franz Wieviel, Die", "titre_sommaire": "Franz Wieviel, Die", "signature_source": "Z. 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Und nun sehen wir die Wehr-··\nlosen beschimpfh verhöhnt, auseinander-\ngezerrt in die Sklavenarbeit oder ins\nBett der mörderischen Sieger, sehen\ndas Kind Hektors, das unschuldige,\num das die Hoffnung nnd die siiszesten\nLaute der Liebe stammeln, erbarmuugs-\nlos zerschmettert im Schilde des Vaters\ngebettet, nnd die ihn, ihr Letztes,\ndort hinlegen raubte, die Jammer-\nvollste, die alte Hekuba, geht von\nder brennenden Heimatstadt den Weg\nin die Sklaverei. Ist das erträglich?\nBesonders wenn so im Schmerz ge-\nschwelgt wird, wie diese Frauen es tun?\nSie schiitten ihn aus vor uns, wiihlen\ndarin, holen sich aus der Tiefe der\nErinnerung Siiszes und Herrliches, an\nIhm die bittere Gegenwart sich noch\nMehr zu verbittern. Aber indem sie gegen\ndie erbarmuugslosen Feinde nnd die\nUltgerechten Götter ihren Hasz und\nZlvch anstiirmem schaffen sie sich ihre\nkkgene Welt. 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Rein\nwie es ausspraug, uugefiig und toll, so\nsoll es schauen, schreiten, schrein« (Ich\ndachte ganz leis an die Abeude von\nWedam an slanbertx ,,Doch das\nLeben kiihlt uns ab . .« und mir\nUhren, als ob gerade ,,in solcher Zeit«\nunter Millionen Besessenen ,,kalt be-\nIonueu« zu bleiben, höchste Pflicht vor\nallem der Kiiustler sAieuschen seit)\nCsokor also macht acht lebende Bilder\nmit Deklamation, fiir Bereiusbiihueu,\nKkuo mit Wechselrezitatiom Kurbelu\nwir die serie rasch herunter: I. che-\nUIIV Satan-Egoist, Pakt nach be—-\nriihmteu Austern: er fiihre sieben\nSeelen in Versuchung, sie werden . .\nsie werden standhaft fingen: »Und mit\nHerz nnd mit Hand fiirs Ida-tot—-\nlaudl« Werden sie! 2. Groskstadk\nsommerabend, feister (feisterl) Börseuss\nonkel, dem der Krieg das Geschäft\nvermasselt, murlcst sich ab, wohingegen\nein Arbeiter die rettende Selbstver-\nftiimmlung, sein schwangeres Weib\nden rettendeu Gebiirstreik mit holder\nSntriistuug von sich weist. Der Lackl\nredt so daher: »Und so wie sie dich das\nerste Mal gepackt haben, meine guten,\nalten Händ’, beim Heimweg von der\nAarhtschicht das weiszt sa auch noch,\ngelt? Und die sollt ich mir ietzt schän-\nden auf Lug und Trug?« z. Chemi-\nker, Srfindungsgeheimnissg Spioniu-\nLiebste, die alte Lilith höchstselber be-\nmiiht sich, Erfolg: die alte Talbot-\nWeisheit vom aussichtslosesteu Kampfe\nder Götter. 4. Familie, Sohn, noch\nbei einigem Verstande, wird langsam\ndrum gebracht; alter Schwindel: ,,llus\nist ein Kind geboren . . K« Herwegh:\n,,Gottesfnrcht und fromme Sitte, Blut\nund Eisen wirkten gnt...«« S. Land-\nschiiuke, Banernvolk durch Profit-\nbedenken heftig erschüttert, Kelluerin\nals sozusagen Jungfrau von 0rleaus\nim Garnisondienst Herwegh: ,,Wir\ngaben Rot? und Reiter hinweg von\nunserm Pflug . . K« s. Lentuant aus\nverlorenem Posten, Braut nur durch\n,,Pflichtverletiuug« zu retten. »Was\nschert mich Weib...« und so. Her-\nwegh: ,,Sine Million Soldaten stehen\nda, wenn Cäsar spricht...« 7. Winen\nlegender Dampfettz Heizer lieber tot\nals Sklav’, Bfehl is Bfehl, sixtl\nHerwegh: »Mit patriotiskhem Sr-\ngötzen habt ihr Viktoria geknallt .. .·«\ns. Krankenbaraclcez verwnndeter seind\nsalbungsvoll nicht tot zu kriegen; der"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 386, "texte": "Teufel kriecht zu Kreuze, Paar. vo-\nbisoiuttz sriedensichluk Herwegh:\n»Dort) was lciimmern uns die Wunden,\ndie der Ruhm der Freiheit schlug. ««\n—— Und da ging ich davon und las\nichuell noch, zur eignen Relcreatiom\nHerweghs »Die Ureigeutiimeriu« und\n,,Spilog zum Kriege«, laut, Iehr laut,\nund da war Cjolcors Alyiterieuipiel\nzerplaizt . . . eiufakhs zerplaizts Amen!\n\nMax herrmann=Aeisze"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c017", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.13.4", "titre_corps": "Gnstav Kander, Aufschwung.", "titre_sommaire": "Gnstav Kander, Aufschwung.", "signature_source": "H. 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Die einzige Priitention, die er\nerhebt, ift: einen ionrnalistischen\nRoman geschrieben zn haben, einen\nRoman, dessen verantwortendes Ge-\nwissen lcein lciinftlerifches sondern ein\nionrnalistisches ist«\nDamit ist jeder Einwand vorweg-\ngenommen nnd es bleibt nnr zn icon-\nstatieren, dafz dieser Anker, der lcein\nDichter sein will, ein sehr anständiger,\nlclnger nnd tiikhtiger Riensch nnd Jour-\nnaliit zu fein icheint Im September\n1914 ichrieb er Dinge, die manchem\n,,Dichter« noch ietzt nicht lclar zu fein\nscheinen.\nWäre doch dieier (iniere11ante,\nspannende, nnterhaltende) Tages-Ross-\nman der Roman des Tages! Um wie«\nviel beiier wäre das Leihhanspnblis\nkam, das jetzt hinter Bloem nnd Herzog\nberläuft"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1915-12-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabb_1915-12_01#c018", "volume": "bmtnabb_1915-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.2.13.5", "titre_corps": "R. Klein-Diepold. Das", "titre_sommaire": "R. Klein-Diepold. Das", "signature_source": "H. 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Am: gibt es\nleider doch noch immer Leute, die ihr\nGelcoller erult und audächtig mit an-\nhören. Und das ilt das Traurige an\nder lloult lehr heiteren) Gelrhichta"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.1", "texte": "Zeit-Echo\n3\n« ; MPO - -\nr c: i -e r la\nj"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.2", "texte": "3\nSonderausgabe Nr.\n\nInhalt:\nEise Laslcer-Schiiler X Georg Tkatcc s—\nC. s. savary X okigiuatssteiudrukk\nHans Siemjett X über Kunst und Kunstschriststellerei\nRudolf GWIZUIUUU X Originalissteindruklc sz\nMax HerrmaumReisje - De: ich ist, ins uukechi via veciikikcsi -—-\nJohannes Schlaf X Der Heerwurut\nFriedrich Mart( X Leu-es iutimes H\nWetuek Schmkdk X Originalssteiudcuclc\nZwei Liebeslieder\nAUUIL Offketdktlger X Modebild II X Original-Steinbocks(\nGlossen und Kritilcen -\nSinzelheft Alle. 1.———— Vierteljährlich [6 Seite] Wie. 6.—-—-—"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.3", "texte": "Georg Trakl\nElle Versteckt-Schüler\nSeine Augen standen ganz fern —-\nSr war als Knabe einmal schon im Himmel.\nDarum kamen seine Worte hervor\nAus blauen und weißen Wolken.\nWir stritten iiber Religion;\nAber immer wie zwei Spielgefiihrtez\nUnd bereiteten Gott von Mund zu Mund;\nIm Anfang war das Wort!\nDes Dichters Herz, eine feste Burg.\nSeine Gedichte, singende Thesen.\nEr war wohl Martin Luther.\nSeine dreifaltige Seele trug er in der Hand,\nAls er in den ,,heiligen Krieg« zog.\nDann wuszte ich, er war gestorben —-\nSein Schatten weilte unbegreiflich\nAuf dem Abend meines Zimmers z g"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.5", "texte": "Über Kunst und Runstschriftstellerei\n\nI\nEs hat keinen Zweit( iiber Kunst zu jchreibem\nII\nEs gibt zwei Arten, es zu tun. Kunslhistorie und Kunstkritik\nAuszerdem können (bildende) Kiinstler sich schriftlich äuszem\nJnveutur wiirde das sein. Ob sie wollen oder nicht. Ob schlecht, ob\ngut. selbstbekenntnisz Demaskierung Auch eine Kunstwissews\nsrhaft wäre denkbar. Sie miiszte erklären, weshalb zwei Striche oder\ndie Einteilung einer Fläche in eine gröszere und eine kleinere unseren\nGeist in Betrieb setzt, unsere Seele in (vorbestimmte) Wallung Wiirde\nsie Kuttstapotheken einrichten können? Kunstbiicher schreiben wie\nKochbiicher mit Rezepten? Es wäre jedenfalls die einzig denkbare\nArt von Kunst-W i s s e u s ch ask. Aber sie existiert noch nicht. Es\ngibt einstweilen nur zwei Arten, iiber Kunst zu schreiben:\nKnnsthistorie und Kunstkritik\nIII\nWas bezweckt die Kunsthistorie?\nsie stellt Daten und Aamen richtig. sie weist Zusammen-\nhänge und Sntwicklungen nach.\nsiir wen also ist die Historie von Wert?\nsiir Hiindler und 5ammler, sobald es sich um die Echt-\nheit eines Kunstwerks handelt. siir Leute, die sich siir Entwicklun-\ngen und Zusammenhänge iuteressierem und sie nicht selbst sehen und\njiihlen können. siir die Kunst also und die, die sie empfinden, scheint\ndie Historie ziemlich wertlos.\nDenn erstens sinkt und steigt mit der Skhtheit eines Kunstwerks\nUkkr sein Kaufwert, nicht sein Wert; und zweitens sind Zusammen»\nhange nur siir den wichtig und wertvoll, der sie fühlt, nicht fiir den,\nder sie weiss.\nIV\nWas bezweckt die Kunltlcritilä\n» sie iucht festzustellen: was von Wert ist. Wenn iie es könnte,\nfUr wen wäre es von Wert?"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.6", "texte": "Aber sie kann es nicht. Sie kann es nur behaupten. Sie\nkann von einem Bilde sagen: es ist schön. Aber sie kann nicht sagen,\nweshalb es schön ist. Es läszt sich nicht einmal beweisen, das; ein\nKunstwerk keines ist. Aoch viel weniger, dasz ein Kunstwerk —- und\nweshalb es -— auf uns wirkt. Wir wissen nicht, was uns ergreift.\nWir wissen nicht, weshalb wir ein Bild schön finden.\nEtwa weil es gut gemalt ist? Bayrisclze Botivtafeln ergreifen\nuns eher, als die brillant gemalten Porträts der Sezessionen. Was\nhaben Technik, Stil und Können mit dem Eindruck zu tun, den wir\nvom Kunstwerk empfangen? Aiit ihnen läszt sich nichts erklären.\nSie sind (wie Leinwand und Zarbenfirmas undiskutable Borbesss\ndingung, Privatsache des Künstlers.\nBon dem Stoff, von der Anekdote des Kunstwerks sind unsere\nEmpfindungen nicht so unabhängig. Stoffliche Eindriikke mischen\nsich mit denen, die wir rein aus der Kunst empfangen, und wir haben\nkeinen Grund, sie zu absorbieren. Aber mit Kunst und dem Wert\ndes Kunstwerks haben sie nichts zu tun.\nWenn wir die Anekdote eines Kunstwerkes nicht verstehen, so\nkönnen wir trotzdem das Kunstwerk sehr wohl verstehen.\nAlso nicht der Stoff des Werkes und nicht das Können des\nWust-ers ist es, was uns ergreift, und was uns sagen lässt: Wie\non.\nWas ist es denn? «— Wir wissen es nicht. Die Seele des\nKunstwerks. Gewiss: die Seele. Aber wo ist sie? Wie ist sie?\nWas ist sie? Was beseelt die Bilder Picassos und macht sie zum\nKunstwerk vor Aialereien und Borsatzpapieren des Zufalls?\n· Der künstlerische Wille. -- Eewisk Aber wie äusZert sich der?\nc·est le Rliythme qui kait ca, sagte mal Zawlenski Gewiss.\nc estle Rhyth»i»ne. Aber wasist das: Rythmus? Ein schönes Wort\nund ein sehr schoner Begriff. Aber· worin äussert er sich? Z. B. bei\nPicasso? » »\n» Es hilft nichts: wir wissen nicht, was das ist ,,le RhythmeE\nwir wissen nicht, was das ist ,,Die Seele des Bildes«; wir wissen\nnicht, weshalb ein Kunstwerk ,,schön« ist.\nDer Kunstler selber weis; es nicht. Er weis; oft nicht, weshalb\ner den Strich dahin, weshalb er den steck dahin setzt. Er hat es iiii\nEefnhk das»gehort dahin, es muss so sein. Wir haben nachher\ndasselbe»Eefuhl. Wir sind befriedigt und glücklich, weil es so ge-\nggzdten Teisbatltli eg sodwerdeiinmusztz weähtalb F uns gliirlkclich\n, o ur e, as wi en wir ni . as wei ein\nMensch. Auch kein Kritiker. B"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.7", "texte": "Aljo lcaun die Kritik nur behaupten: Das und das ilt wertvoih\ndas und das ijt schön. Zejtitellen, beweijen lcann jie nichts. If! auch\nnicht nötig. Denn der, der Berjtiindnis hat, braucht lceine Beweise.\nUnd der, der Beweiie braucht, hat lcein Verständnis; kommt alio\nfiir die Kunst nicht in Betracht, weder als Schöpfer noch als Freund.\nV\nWann hätte es Zweck, iiber Kunst zu schreiben? Wenn man den\nWert eines Kunstwerks dadurch vergröskern könnte. (Vergröszerung\ndes Kanswertes rechtfertigt nur den handelspolitischen Teil der\nKunstskhriftstellerei.s\nEs niitzt nichts, wenn andere Leute erfahren, das; ich das und\ndas fiir ein Kunstwerk halte. Dadurch wird höchstens der Respekt\nvor dem Wert, nicht der Wert vermehrt. Mit diesem proselgten-\nmarherischen Ziel begniigen sich die meisten Kritiker. Und viele mit\nnoch weniger.\nZiir mich gilt die Frage: Kann man den Wert eines Kunst-«—-\nwerks vergröszern?\nWo liegt sein Wert? In den Empfindungen, die es erregt.\nWie das geschieht? wodurch? warum? das wissen wir\nnicht. Also können wir auch nicht dazu helfen, das? es geschehn\nWie wir nicht dazu helfen können, das? jemand liebt oder das; jemand\nglaubt. Man kann die Bibel weitergeben — nicht den Glauben. Man\nkann den Katechismns lehren — nicht die Liebe. Man kann jeman-\ndem sagen: ich habe dich lieb. Aber man kann nicht sagen: warum.\nDas Göttliche, das Menschliche im Kunstwerk bestimmt seinen\nWert. Vor ihm verneigen wir uns und nur vor ihm. Was ift es?\nWie erscheint es? Wir wissen es nicht.\n» Denn nur das Unbegreiflikhe ist göttlich. Anr das Uuerkliirlikhe\nist» wunderbar. Es hilft uns nichts, um die Erkenntnis zu ringen.\nDie Gottheit segnet Kinder nnd Toren. Vor dem Gefiihl verstnmmen\ndie Erklärungen nnd Worte.\nVI\nEs hat lceineu Zweck, iiber Kunst zu schreiben.\nVII\nWenn man nicht ein Dichter ist.\n\nHans Siemsen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.9", "texte": "Derich jäh ins Unrecht bin verstrickt\nMax Herrmann, Aeisse\nSo verfiel ich Gottes ichwerfter Ziiguug,\nDass ich plötzlich ftets im Unrecht rang:\nRiichtern trieb aus jeglicher Vergniignng,\nSchwiichlicher in sejtes llberjchwang\nUnd ob Trauer mich, ob Sinnestriibnng\nAls Verzweifelten zu Boden zwang:\nAlles wurde klein, das; selbjtbeliigung,\nRache oder Drohung in mich drang.\nDas; mich blas; aus lcleinlichjten Behältern\nIrgend eine siiulnis überwand,\nDas; ich lceinem Ziihzorn widerstand,\nSondern der Geliebten und den Eltern\nUnd dem heimlich heiligen Kamerad\nunbewußt Verrat und Schlimmres tat."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.10", "texte": "Der Heerwurm\nJohannes Schlaf\nD ie Ultimata waren geftellt. Trotzdem erfolgten ernftlich ge-\nmeinte Bemühungen, im letzten Augenblick den Frieden zu erhalten.\nunzweifelhaft: Hinter den Treigniffen ftanden Menfchen (einige\nwenige nur), die zum Teil gutwillig, zum Teil biiswillig waren, die\ndennoch aber eine Verantwortung fiir die vor ihrem Ausbruch\nstehenden ungeheuren Treignifje einander zufchoben.\nAber da war ein paar Monate vor alldem der Heerwurm\nerfchienem Aus einem deutfchen Gebirgswald war er, nachdem man\nihn feit vielen Jahrzehnten nicht mehr gefehen hatte, eines Tages\nhervorgebrochen, ein acht Meter langer, hiindebreiter und daumen-—-\ndictcer Zug langfam aneinanderhinss nnd iibereinanderweg kriechen-«—-\nder, glajig glänzender Larven eines Infelctes, dafz die Tntomologen\nsciaka militakis nennen, und das gemeinhin die Bezeichnung Trauer-«—-\nmiiclce fährt.\nUnter dem Moder vorjiihrigem faulen Laubes hervor war das\nfeltfame Gebilde auf die durch den Wald fiihrende Landftratze her-\nvorgelcrochen und hatte sich langfam auf diefer weiterbewegt. Man\nhatte es gefehen, und nun war lcein Zweifel mehr: ein grofzey\nfchreclcliclzer Krieg ftand vor feinem Ausbruch.\nSo -- glaubt das Volk."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.11", "texte": "Lettres Intimes\nFriedrich Mark\nVon Stendhal. Wirklich intime Briefe, unmaslcierte, in denen er, der selbst noch\nganz junge- sitt) der jüngere« Schwester vertraut. Dnau liest sie, wie jetzt. so leicht\nqups ,,8eindliche«, auf das Typischg auf das Zranzösische hin.\nEins geht durch sie durch. Zwischen leideuschaftlichem Genieszen nnd leiden-\nfchaftlichem schwarze, zwischen der Leidenschaft des Erlcennens und der Weltvers\nqchtqug bleibt immer das eine Ziel: sich eine Position zu sichern, sich und seiner\nSchwester. Und da fiir eine Frau nur eine Möglichkeit ist, will er ihr eine Heirat\nverschaffen, eine reiche Heirat. Er liebt sie sehr, weint iiber ihren Briefeu,\nverzweifelt, wenn sie nicht schreibt. Und setzt ihr immer wieder zu: Aur sich nicht\nverliehen, nur sich nicht wegwerfen, nur das Ziel im Auge behalten, sich zusammen-\nnehmen, hencheln, Komödie spielen, bis man festen Grund unter den siiszen hat.\nUnd dann dem —- notwendig nngeliebten —- Eatteu gegenüber dasselbe Spiel:\nman mnsz seine Schwäche studieren, Bewunderung vortäuschen, herrschen durch\nscheinbares Aachgebem um so — endlich, endlich -—-— Herrin seiner selbst zu werden.\nHerrin auch in der Gesellschaft Der so tät, ist nicht nur jung nnd sehr leiden-«—-\nschaftlich, er nennt auch die Jahre seine gliiclclichstem in denen er in Paris lcein\nGeld hatte, seine Schuhe zu besohlen, und er verachtet die Aienschem Aber diesem\nselben ist ein Tag der schönste seines Lebens, weil er in Gesellschaft dreieinhalb\nStunden lang glänzte —- tme conäuite an tlessus de Phumuin ———, so glänzte,\ndas; Frauen, die er beleidigt hatte, ihn, den Häszlichem schön nennen uiuszten\nSie lcommeu anders auf die Welt als wir. Sehender, klüger, wissender.\nSie lcommeu älter ans die Welt als wir. Als ob sie Abgriinde und Gefahren des\nLebens vorher sähen, Aienschen vorher durchschantew Und da sie, die Klagen und\nseinen, nnn doch nicht leben lcönuen ohne Menschen, ohne die Gesellschafh da ihr\nEhrgeiz die Bewunderung braucht, das Sichzeigen, das Einflnszansöbew so erwächst aus\nihnen der sranzösischg der Stendhalsche oder der Balzacsche Held, der das Leben zum\nKampfe stellt, wer der stärkere ist: ,,ä nous deux maintenantcks oder es wächst\ndaraus die Zlaubertsche Entsagnng, die nur noch beobachtet und prüft, nnd dann\nim Nachbilden und im Spott den Elcel iiber diese jämmerliche Welt iiberwiudet\nAber immer lauch bei den Kleinerens ist das Erkennen da und sein bitterer Auch«\ngeschiuacla\nWie sehr jung sind wir durchgängig noch dagegen. Wie leicht getäuscht\nund nnbewuszt der Gefahr. Wie ein Kind, das sich vom Tisch wirft, weil es noch\nnie gefallen ist, und das Laufen versucht, weil’s sich noch nicht gestoßen hat. Wir\nwerden uns ost noch stoßen, was schadet es, wenn wir nur laufen lernen, und daran\nUtss halten, dasz alle steilsten Wege schlafwandelnd iiberwuuden werden. Setzen\nW« Ullo ruhig die Bitte des alten Raube in unser Vaterunser: »Unsere tägliche\nSkkbkkkksttichung gib uns heute«\nEins freilich gibt i es, was noch dariiber gebt: Erkennen u n d lieben, das.\nBittre austrinlcen nnd doch im Aiitleid überwinden. Aber das ist der Wen der\nHeiligen."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.13", "texte": "Zwei Liebeslieder\nI\nAu clair de la laue,\nMut: ami Pier-rot,\nPtätessmoi ta Planke, «\nPoak öcrike un met.\nMa ebaudelle est marte-\nJe n’ai plus de Leu.\nOuvkessmoi ta parte.\nPouk kamour de Dieul\nII\nAll mein Gedanken, die ich hab,\nDie lind bei Dir.\nDu ausertviihlley einziger Troit\nBleib jtet bei mir!\nDu Iollt an mich gedenken!\nHist? ich aller Wiiniche Gewalt,\nVon Dir wollt ich nicht wenlcen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.15", "texte": "Glossen und Kritiken\n\nFranz Wieviel, Die Troe-\nrinnen des Euripides. (Kurt\nWolff, Leipzig) Jahrtausende altes\nLeid wird wieder erweckt, schreit seinen\nSchmerz heraus, redet ihn in unserer\nSprache.\nIn: Grunde isi das ganze Drama eine\nlang ausgesponnene Folter. Als sollte\ngezeigt werden: soviel löszt sich aus einem\nAiedergeworfenem Bernichtetem Halb-\ntoten noch herausholen an Geschrei,\nGeheul und Geiammer. In ,,einer\ngleichsam ewigen Dämmerung« vor\ndem zerstörten Troja die iiberlebenden\nFrauen. Und nun sehen wir die Wehr-··\nlosen beschimpfh verhöhnt, auseinander-\ngezerrt in die Sklavenarbeit oder ins\nBett der mörderischen Sieger, sehen\ndas Kind Hektors, das unschuldige,\num das die Hoffnung nnd die siiszesten\nLaute der Liebe stammeln, erbarmuugs-\nlos zerschmettert im Schilde des Vaters\ngebettet, nnd die ihn, ihr Letztes,\ndort hinlegen raubte, die Jammer-\nvollste, die alte Hekuba, geht von\nder brennenden Heimatstadt den Weg\nin die Sklaverei. Ist das erträglich?\nBesonders wenn so im Schmerz ge-\nschwelgt wird, wie diese Frauen es tun?\nSie schiitten ihn aus vor uns, wiihlen\ndarin, holen sich aus der Tiefe der\nErinnerung Siiszes und Herrliches, an\nIhm die bittere Gegenwart sich noch\nMehr zu verbittern. Aber indem sie gegen\ndie erbarmuugslosen Feinde nnd die\nUltgerechten Götter ihren Hasz und\nZlvch anstiirmem schaffen sie sich ihre\nkkgene Welt. Aus nichts als ihrem\neigenen Schmerz.\nUtjd gerade daraus kommt —- über«\nWCMAOUD -——— die Erkenntnis, welch ein\nRkkkhtnm noch in solchem Leiden steckt.\nVII« gefoltert werden nnd die solle:\nerleben (und die Qual heransschreien)\nals dahiudiimmern ohne Schmerz. Es\nist herrlich, nackter Mensch zu sein\nin aller Erbiirmlirhkeih Kleinlichkeih\nEehässigkeih Ohnmacht. .\nHier ist das gleiche Eefiihl wie beim\ngeblendeten Eloster in König Leut,\nwenn er von den fliegentötenden\nGöttern spricht. Der zertretene\nMensch, der die Ungerechtigkeit feines\nSchicksals nicht anerkennt, wächst in\ndemselben Augenblick iiber dies Schick«\nsal hinaus, wird sein Richter nnd\nnimmt seine Kraft ans einer senseitigen\nWelt, diese Kraft, mit der die alte\nHekuba ,,ihr Leben an die Brust\nnimmt und zu Ende triigt«. Das ist\nder einzige Weg zur Srhirlcsalsiibers\nwindnng. Nicht die stumpfe Ergeben-\nheit, die es gerecht nennt, sondern die\nKraft, die ihr Rekht in sich selbst sucht\nund behauptet. Hier heißt sie noch\nStolz und Trotz. Dariiber hinaus, stärker\nals beide, wächst nur die Liebe.\nWerfel, der uns diesen alten stolzen Hei-«-\nden, den lebeudigsten und wahrhaftig-\nsteu der griechischen Eragiker, wieder\nerweckt hat, hat eine schöne und tiefe\nEinleitung dazu geschrieben und, ihn\naller Zremdheit und Rhetorik entklei-\ndend, ihm seine eigenen Worte gegeben,\ndie hold oder furchtbar zu unserem\nHerzen sprechen nnd alle seine Qnelleu\nspringen machen. Dafiir danken wir\nihm. Und dafiir, das; er es in dieser\nZeit getan hat, nnd uns so einen Spie-\ngel gibt, die Unertneszlichkeif unseres\nheutigen Erlebens von uns losgelösh\neinmal zu sehen.\nWobei dann die Erkenntnis recht ein-\nleuchtend wird, das? das. Erofze unserer\nwie aller Zeiten doch nur im Erleben\ndes einzelnen liegt, nicht in der Zahl"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.16", "texte": "der marjchierenden Massen, uicht in der\nMenge der veransgabten Milliarden.\n\nZ. Mark\n\nArthnr Schuitzler, Komödie\nder Vzorte (S. Fischer Ver-\nlag). Schnitzley meinem Herzen seit\nAnatol nahe und liebenswerter noch,\nweil er in dieser ,,gros«zen« Vsiudfahnenss\nzeit herzhast sichselbstgetreuer Vernunft\ndie Ehre gab, reicht drei Einalcter von\nmehr technischer, als menschlicher 3iille.\nAllerlei Lehrsiitze vom ehelichen Drei-\neck, das ein Viereclc ist, von einem\nvirtuosen Mathematiker der Eo-\nsrhlechter aualysiert und abgewandelt.\nHäufig —-— siir mein Eesiihl ——— mit dem\nBewußtsein, ein illustres Auditorium\nverbliiffen zu dürfen. Schnitzler zeich-\nnete zuvor Menschen, die manchmal\nallzu hauptberuslich Perlenwirlcey\nAphorismeuschliirfetz spiegelsetischisten\nwaren, aber auch dann noch, in diesem\nschlimmsten Zalle, Momente hatten, in\ndenen sie sich nnbeobachtet glaubten\nund ein Wort ans dem Eeheimsteu\nihrer Vrust holten. Er fabriziert nun,\nfast durchweg sautome, die sich jede\nÄußerung vorher schön sauber zurecht-\nlegten und iiber sich Bescheid wissen.\nDer Eesamttitel umkleidet das Ganze\nironisch, nnd im Aiittelstiiklc sagt ein\nCauch sonst sgmpathischey Theater-\ndirelctor: ,,Weisheit ans der Viihne\nhält nur unniitz aus«. Immerhin er-\nlebte ich lbei der Lelctiire) lceine er-\nschiitternde Euthiillung seelischer\nGlitschriglceit und uneutriunbarer\nErosflunlcerei, sondern die alclcnrat\narrangierte Vorführung wirksamer\nKulissenszenen iiber »Das Ehema«.\nIm ,,3wischenspiel« war es einmalig\nergreifend. Ein Paradigma, nicht\ndran zu riittelnl Heuer verzettelt sich\nalles, Zougleurlcunststäclcm siir Richt-\nkönner immer noch sehr bewunderungsis\nwürdig, mischen sich drein, setzen der\nalten Schuitzlerschen Schicksalstragödie\nvom Wechselspiel zwischen Sein und\nSchein, bisweilen Sehusöchte wie nach\nWedekinds »Kammersöuger« oder\nKnifslichkeiteu und uumotiviert aparte\nBedürfnisse. Gar so weit liegt auch\nBahrs ,,Kouzert« nicht mehr. Ein\nSchristsleller stellt fest: ,,Statt das Ra-\ntiirliche natiirlich zu erleben, triiben sie\nes durch ihre gottoerdammte Psycho-\nlogie«. Rasch knicken die Aiarionetteu\nzusammen und die Köpfe, die ueuumal\nklugen, sitzen locker. Doch ans Re-\nsiguiertheit, die iiber alle Suttiiuschung\nerhaben nnd in Schmerzen hellsichtig\nward und den Schwindel stellte, noch\nehe er endgültig zum Klappen kam, löst\nsich hie und da ein innig lenchteudes\nWeiseseim leis hinschwebend wie\nLeuchtkugelu an Sommerabeudeu. . . .\nZiir eine Sekuude mit klarem, ruhigem\nSilberlicht segnend bliiheuden Busch\noder ruhenden See. . . . Zusammen-\ngewachsensein der Sheleute noch in\nAiisztrauen und Qual, fester und un-\nabwendbarer als in Hingebnug und\nZärtlichkeit früher, oder sacht aus-«—-\ndiimmernde Erkenntnis von der Schuld\neines Weibes, das mit dem Schwe-\nbeuden nicht schweben kann, und von\nder Sünde, die durch ,,Anständigkeit«\nUngeheutmten aufgebürdet ist, oder die\nRettung, die heut so ein Dialog ver-\nheiszt:\n,,Guido: Ja, das Leben ist sehr ge-\nheimnisvoll . . .\nFelix: Das Leben ———— nein. Nicht be-\nsonders. Aber die Kunst«\nDas Beste endlich bleibt: wer die\nWelt so sieht, kann sie auch jetzt ukchk\niiberwiiltigend ernst nehmen. Viel-\nmehr, dask utau hernach, wie jener\nKomödiant Konrad Herbot an sich"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.17", "texte": "selber irre wird und mit lcuapper\nSicherheit dies allein weiss, das? das\nTheater aus ist! »Das war gerade das\nKöjtlichg wie es durcheinander ge-\nmeugt war, das Wahre und das sat-\niche. Dadurch wurde es je absolut\nwahrscheinlich. Au, Gott jei Dante,\nietzt lcauu man wieder ruhig atmeu.«\n\nMax Herrmann, Reize\n\nZ. Eh. Csokor, Der große\nKampf. Ein Wgsterienspiel\nin acht Bildern. (S. Fischer,\nBerliu.) —- Sm Herbst 1914\nschwankte mancherlei Rohr im\nWinde, Rittersporu siihlte sich be-\nstätigt und geilte iippiger empor. Aber\nseitdem lief schon viel Wasser ab,\nsiebet beruhigte sich nnd das liirmende\nBlech verlor an Kurswert Im Herbst\n1915 ist dennoch immer noch Georg\nHerwegh (gelinde gesagt) aktuell.\n»Seid umschlungen, Williardenl hör\nich mit Begeisternng singen unsere\nEinheitsbardem Welche Federn! wel-\ncher Schwung« Und Franz Theodor\nCsokor lässt ietzt noch drucken, was\nes ihm im Herbst 1914 vormachte.\n»Nicht kalt besonnen war dies\nWerk. Es soll in solcher Zeit\nnichts kalt besonnen sein. . . . Rein\nwie es ausspraug, uugefiig und toll, so\nsoll es schauen, schreiten, schrein« (Ich\ndachte ganz leis an die Abeude von\nWedam an slanbertx ,,Doch das\nLeben kiihlt uns ab . .« und mir\nUhren, als ob gerade ,,in solcher Zeit«\nunter Millionen Besessenen ,,kalt be-\nIonueu« zu bleiben, höchste Pflicht vor\nallem der Kiiustler sAieuschen seit)\nCsokor also macht acht lebende Bilder\nmit Deklamation, fiir Bereiusbiihueu,\nKkuo mit Wechselrezitatiom Kurbelu\nwir die serie rasch herunter: I. che-\nUIIV Satan-Egoist, Pakt nach be—-\nriihmteu Austern: er fiihre sieben\nSeelen in Versuchung, sie werden . .\nsie werden standhaft fingen: »Und mit\nHerz nnd mit Hand fiirs Ida-tot—-\nlaudl« Werden sie! 2. Groskstadk\nsommerabend, feister (feisterl) Börseuss\nonkel, dem der Krieg das Geschäft\nvermasselt, murlcst sich ab, wohingegen\nein Arbeiter die rettende Selbstver-\nftiimmlung, sein schwangeres Weib\nden rettendeu Gebiirstreik mit holder\nSntriistuug von sich weist. Der Lackl\nredt so daher: »Und so wie sie dich das\nerste Mal gepackt haben, meine guten,\nalten Händ’, beim Heimweg von der\nAarhtschicht das weiszt sa auch noch,\ngelt? Und die sollt ich mir ietzt schän-\nden auf Lug und Trug?« z. Chemi-\nker, Srfindungsgeheimnissg Spioniu-\nLiebste, die alte Lilith höchstselber be-\nmiiht sich, Erfolg: die alte Talbot-\nWeisheit vom aussichtslosesteu Kampfe\nder Götter. 4. Familie, Sohn, noch\nbei einigem Verstande, wird langsam\ndrum gebracht; alter Schwindel: ,,llus\nist ein Kind geboren . . K« Herwegh:\n,,Gottesfnrcht und fromme Sitte, Blut\nund Eisen wirkten gnt...«« S. Land-\nschiiuke, Banernvolk durch Profit-\nbedenken heftig erschüttert, Kelluerin\nals sozusagen Jungfrau von 0rleaus\nim Garnisondienst Herwegh: ,,Wir\ngaben Rot? und Reiter hinweg von\nunserm Pflug . . K« s. Lentuant aus\nverlorenem Posten, Braut nur durch\n,,Pflichtverletiuug« zu retten. »Was\nschert mich Weib...« und so. Her-\nwegh: ,,Sine Million Soldaten stehen\nda, wenn Cäsar spricht...« 7. Winen\nlegender Dampfettz Heizer lieber tot\nals Sklav’, Bfehl is Bfehl, sixtl\nHerwegh: »Mit patriotiskhem Sr-\ngötzen habt ihr Viktoria geknallt .. .·«\ns. Krankenbaraclcez verwnndeter seind\nsalbungsvoll nicht tot zu kriegen; der"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191512-01.1.18", "texte": "Teufel kriecht zu Kreuze, Paar. vo-\nbisoiuttz sriedensichluk Herwegh:\n»Dort) was lciimmern uns die Wunden,\ndie der Ruhm der Freiheit schlug. ««\n—— Und da ging ich davon und las\nichuell noch, zur eignen Relcreatiom\nHerweghs »Die Ureigeutiimeriu« und\n,,Spilog zum Kriege«, laut, Iehr laut,\nund da war Cjolcors Alyiterieuipiel\nzerplaizt . . . eiufakhs zerplaizts Amen!\n\nMax herrmann=Aeisze\n\nH. S.\nGnstav Kander, Aufschwung.\nEin Roman vom Tage. VII.\nCGeorg Riiiller.) In einen:\nsehr sympathischen Vorwort sagt\nder Verfasser: ,,Dieser Kriegsroman\nwurde, in drei Monaten entworfen,\nniedergeschrieben nnd oollendet, faft\ngleichzeitig in einer Tageszeitnng\ngedruckt. Der Verfasser will sich\nnicht gegen den Vorwurf wehren,\nKoninnlctnrfabrilcarbeit geliefert zu\nhaben. Die einzige Priitention, die er\nerhebt, ift: einen ionrnalistischen\nRoman geschrieben zn haben, einen\nRoman, dessen verantwortendes Ge-\nwissen lcein lciinftlerifches sondern ein\nionrnalistisches ist«\nDamit ist jeder Einwand vorweg-\ngenommen nnd es bleibt nnr zn icon-\nstatieren, dafz dieser Anker, der lcein\nDichter sein will, ein sehr anständiger,\nlclnger nnd tiikhtiger Riensch nnd Jour-\nnaliit zu fein icheint Im September\n1914 ichrieb er Dinge, die manchem\n,,Dichter« noch ietzt nicht lclar zu fein\nscheinen.\nWäre doch dieier (iniere11ante,\nspannende, nnterhaltende) Tages-Ross-\nman der Roman des Tages! Um wie«\nviel beiier wäre das Leihhanspnblis\nkam, das jetzt hinter Bloem nnd Herzog\nberläuft\n\nH. S.\nR. Klein-Diepold. Das\ndeutlche Kuultproblem der\nGegenwart. Was dies Büchlein\nbemerkenswert macht, ilt die nicht all-\ntiigliche Uuwilleuheit des Verlallers.\nMan wundert lich, dalk er lchou etwas\nvon Cåzauue nnd Grero gehört hat.\nViel ilt es auch nicht geweleu. Aber\ner hat doch davon gehört und ltellt\nlich nun ganz wunderbare Dinge unter\ndielen Namen vor. Er llolpert hinter\nihnen her wie ein Bulle hinter dem\nroten Tuch. Am: hat ein Bulle\nimmerhin noch etwas uatiirliche Grazia\nDie fehlt ihm viillig. so bleibt nur\ndas Bild von dem Truthahm der vor\ndem roten Tuche lcollert und vor Auglt\nund Ärger violett wird. Truthähue lind\nlehr lcomilkhe Tiere. Am: gibt es\nleider doch noch immer Leute, die ihr\nGelcoller erult und audächtig mit an-\nhören. Und das ilt das Traurige an\nder lloult lehr heiteren) Gelrhichta\n\nHerausgeber: Otto Haus-Zeug Berlin, Parijer Platz 7\nVerantwortlicher 5chriftleiter:\nHaus Blenden, Lichterfelde, Sternltrakze 25\nFür unverlangte Sinlendungen keine Gewähr:\nIn dlterreich fiir die Reduktion verantwortlich Hugo Heller, Wien, l, Bauernmarkt Z\nDruck von H. S. Hermaniå in Berlin"}]}