{"numero_id": "bm-bmtnabb-1916-01-01", "volume": "bmtnabb_1916-01_01", "ocr_sha256": "64e47bf211fb7dcdd1177cf7d487f27352c63b5689c26897a28d6a1704b3114b", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1916/01_01/bmtnabb_1916-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1916/01_01/bmtnabb_1916-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1916-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-01_01#c002", "volume": "bmtnabb_1916-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.2.2", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.2", "debut_caractere": 21, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "Inhalt:\nWilhelm Hauienitein J Kadix:\nAlfred Knbin J okigiuatssteiadkack .\nKlabtmd J Mein Bruder\nFamil! Hoffmann J Das gute Aleek\nJ Alfked Kubsn J Original-steinhart«\nWasser· Rheine: J De preis-odi-\nAnguji Briicher J Au die Gesang-m-\nAlftpd Kllbku J Originaissteindruktc\nFriedrich Mart( J Apocogie\nAnuie Offterdinger J sznodevicd m J okigiaacssteiavkacik\nGloiien und Kriiilcen\nSiuzelheft Mk. 1.---« Vierteljährlich 16 Heftel Mk. as—"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-01_01#c003", "volume": "bmtnabb_1916-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "50", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.2.3", "titre_corps": "Knbin", "titre_sommaire": "Knbin", "signature_source": "Wilhelm Hauieucksks", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2464, "texte": "Knbin\n\nDie Kunst Knbius kommt ans den Nerven. Das Bzort ,,Nerven« steht hier\nlceineswegs blos; in jenen: ein wenig nnverbindlichen Sinn von Berfeineruug, in\ndem es als auszeichneude Parole beim Künstler zutneist gebraucht wird. Es\nbedeutet nicht nur ein übereutpfindliches Sensorium. Es steht hier auch geradezu\n· in jenem extremen Sinn, den es im Niund des Arztes hat.\nEs steht also gewissermaszen in einem höchst unglüclclichen Sinn. Aber\nnun geschieht das Wunder, zu dessen Erklärung lcein Dolctorberufen ist. Was\nin der Niedizin pathologisch genannt ist, wird in der Kunst Kubins zur Leidenschaft.\nEin Zustand, der wissenschaftlich als Neurasthenie bezeichnet ist, wird zur Grund-\nlage einer Produktion, die durch Bzert nnd Umfang in Erstaunen setzt. Er wird\neine Qnelle positiver Leistung, positiver Kraft.\nSo ist dieser Mensch, das; ihn die Eragilcomödie seiner Nerven in den\nVerhältnissen des gewöhnlichen Lebens beirrt und ihn gegenüber den Anforde-\nrungen des herzlos technischen Betriebs, den unser Jahrhundert Dasein nennt,\nnnzuläuglich macht. Schon das Kind Kubin ist durch Nerven desorientiert.\nVerwirrt und böse versagt es gegenüber den Begriffen von Artiglceit nnd\nSthiclclichlceih die von der santilie gehegt werden, und gegenüber der Schule,\ndie er als dnrchgefallener Lateinschüler verlässt. Desorientiert steht der Bzachseude\nund der Aiaun dem andern Geschlecht gegenüber, das ihm die Lieblingslcreatnr des\nTeufels wird und Eenfelslcreatur um so viel mehr, se begehrenswerter es ihm\nerscheint. Als Soldat erlebt er einen fürchterlichen Eollapsus des Geistes und\ndes Körpers. Gepeinigt flüchtet er aus dem Leben der Stadt in die idyllische\nSchönheit des oberösterreichischen Donaulandes. Ihn beirrt durch Iahre die\nBernfssrage, die er nach hundert Seiten zu lösen sucht» »— in einem besonders\ndesperateu Angenbliclc gar als Photograph ·\nEndlich beirrt ihn die Kunst selbst, der er von allen Seiten naheznlcotnmen\nversucht; denn er liebt die Geige, ans der er spielt, so sehr wie den Noman,\nden er schreibt —- seneu irrsinnigeu, gualvollsslcnrrilen Limbns, den er ,,die andere\nSeite« nennt; und so sehr als Geige und Buch liebt er die Zeichnung.\nDoch selbst seine Zeichnung peinigt ihn. Ihn peinigt ihr übersinnlicher\nGsgenstaud und ihre magische sormanfgabn Er lcann sich den Forderungen der\nZekchnuug lcanm anpassen. Im sreihandzel Zuen ist der Schüler ungenügend.\nIChte hindurch zeichnet der Künstler Blätter, deren lcuabenhaft linlcische Linie"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1550, "texte": "verblüfft nnd, an Aiafzftäben gemeffen, die « nicht nnberechtigt find, nahezu talent-\nlos erfcheint.\nWiderfprnchsvolle Wahrheit: dies Untalent verbirgt Eenialität —— das\nUntalent des finnlichen Aiachens verheimlicht ein Genie metaphgfifcher Anfchauung.\nLähmuugem Stockungen, Beängftignugen in der Hand hindern ihn nicht,\nein Jahr ums andere ein Zeichuer fein zu wollen nnd wahrlich zu fein. Sein\nReich ift nicht von diefer Welt: ihre finnliche Eefälligkeit ift ihm fremd. So\nnnbeirrbar ift diefer tanfendfältig Beirrte, dafz er den Wut zu feinem unwahr-\nfcheinlichen Dafein aufrecht erhält —- in einer Welt, die fo fehr den runden\nSchönheiten der finnlichen Oberfläche zugetan ift. Er hafzt diefe Schönheit, zer-\nfchlägt fie in Stöcke, fährt mit eckigen Strichen iiber fie hin nnd in fie hinein.\nEines Tages aber gefclpieht etwas wie eine Kataftrophm in den Zunftw-\ntionen zu Doftofewfkis »Doppelgänger« gewinnt feine Hand eine meifterliche\nLeichtigkeit nnd Eleganz, die ihn den fouveräuften Könnern gleichflellt Freilich:\ndies Können ift von innen her gewonnen, von der andern Seite ans. Aicht\ndas Sinnliche, fondern das Dämonifche ift hier zur Erazie, zur höchflen Erazie\ngeworden.\nDoch er verweilt nicht. Diefer Aieufch mit den immer blntenden Nerven\nzerfetzt fich nnd fein Werk mit furchtbarer Produktivität aufs neue. Es\nkommen Momente des Berfagens nnd wieder des Anffchwnngs Wauches ift\nunter dem Wert des ganzen Kiinfllers Aber wer weiss, ob diefer Leidende nicht\nnoch zehnmal iiber Hunderte nnd iiber fich felbft steigt?\n\nWilhelm Hauieucksks"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-01_01#c004", "volume": "bmtnabb_1916-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "54", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.2.4", "titre_corps": "Das gute Meer", "titre_sommaire": "Das gute Meer", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2039, "texte": "Das gute Meer\nIn der Sreschlacht war etwas mit ihm vorgegangen, das er um-\nsonst in seinem Gedächtnis suchte. Stunden lang sasz er auf den\nKirchenstufen in der Sonne, mit fremden und feindseligen Augen,\nso dasz die Leute ihm nur scheu zunickten. Die Seele ist ihm in der\nSee erkranken, sagten sie.\nDa geschah es, dasz er im Murmeln einer Nacht, aus traum-\nlosem Schlaf wie emporgerufeu, plötzlich das Meer vernahm. Zernes\nBrausen rann ihm gliihend ins Blut. Sein Herz begann zu häm-\nmern, als sollte sikh ihm ein frohes Geheimnis offenbaren. Die\nMutter lag in der unteren Stube, und ihr regelmäßiger Atem er—-\nfiillte den Raum mit unendlichem Frieden. Ihr Sohn aber schlich\nbarfusz von der Bodenkammer, immer das magische Rauschen im\nOhr, das Antlitz aus dem Innersten iiberblitzt von wirrem Feuer,\nund klinkte die Tiir auf, die auf die Strasze führte. Die Aachtluft\nerschreckte ihn tief; mit ihrem Wehen schien der oieltausendstimmige\nSang des Meeres himmelhoch zu steigen.\nDas Singende sehen! Ihn durchfuhr der Wunsch wie ein\nSchmerz. Ginen Augenblick wuszte er nicht, wohin sich wenden.\nDann jagte er an den beiden gleich Riesenschwertern zum zerfetzten\nHimmel drohenden Pappeln, an Teich, Schmiede und Schenke vor-«—-\nlåei zum Kirchturnn Kein Mensch sonst, kein Hundebellem kein\ntern.\nz Der Irre lief; aber zugleich lauschte er weit hinaus, dorthin,\nwo das Meer lag, iiber Dorf, Wiesen, Wald, Diine. Gr kannte die\nSteinplatte, wo der Kiister den Turmschliissel zu verbergen pflegte.\nSchon keuchte er die schmalen Holzftufen hinauf, in schwiirzesletg\nnach sledermiiusen riechender Finsternis, zum GlockenstuhL Wie\nein Mondsiiclztiger tappte er sicher empor. Die Treppe ächzte, die\nGlocke schien zu seufzen. Sie hing da, ein Lebendiges, ewig Wach-\nIames, und die Winde, die aus allen Himmelsrichtungen kamen,\nkonnten sie durch die fenftergleichen Bogen berühren. Doch kiimss\nmerke ihn die Glocke nicht. Gr blickte hinaus in die Ferne, in das\nLeut» qui dem di« Aacht vceich vekdzimmekw s: knickte hinab»\nbis an den ungewissen Himmelsrand."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2157, "texte": "Dort war gross nnd breit das Meer. Er sah sein gleiszendes\nRollen und Fluten. Wie eine ungeheure, endlose Herde von Pfer-\nden, wimmelnd, hiipfend, springend, sich tummelnd, bäumend, von\nweissen und falben Pferden, so näherte es sich. Die Diine war\nversunken, und schon versank der Wald. schon taumelten die\nEichen, der Schaum sprilzte zu den Wolken hoch, nnd der Ehoral\nwuchs, als sängen die tausend Baumkronen mit von ihrem Unter«\ngnug. Er fiihlte nicht, wie seine Pulse dröhntem Er sah nur das\nMeer. Er sah nur das schrittweise, doch schneller und gieriger\nheranspiilende Meer. Es hatte den Wald verschlungen und stürzte\nsich auf die Wiesen. Es donnerte und briillte. Und dennoch war\nes kein wildes, erziirntes Meer. Erkannte er nicht seinen starken\nGesang, der nicht anders war, als das gewaltige Halleluja der\nOrgel in der Weihnachtsmettq die Brust aufackernd wie mit gött-\nlicher Pslugschan Eine befreiende Raserei, ein innigst begliickender\nSturm durchsieberte ihn. Er sah und sah . . . Immer näher\nwälzten sich die Wasser, immer grösser und leuchtender. Die Welt\nwar nichts als ein einziger Ozean, das schlafende Dorf, eine winzige\nInsel darin. Es hatte die Hiitten ertastet. Es leckte in die Straße\nhinein. schimmerndes Spiel, neckender Tanz war es, Anlauf und\nZuriiclcebbem Wiegen und Eändeln, obwohl die Zlut iibermächtig\nskhwoll nnd bald die Fenster der Banernhäuser erreichte. Ruckweise\nstiesz sie vorwärts.\nDa durchzuckte ihn ein Blitz, von den aufgerissenen Augen\ndurchs Hirn bis in die Herzenskammern, das; es sie fast zersprengte.\nAuf den Eischtkämmen schwammen Leichen! Dort eine, hier eine,\nin blauen Hosen und blauen Binsen, die Gesichter zum Himmel ge-\nrichtet. Und er konnte in dem fahlen Dämmerlicht seltsam klar\nunterscheidemdasz ihre Augenslerne unbedeckt waren, dasz sie hinein-\nstarrten ins Unendliche. Das; sie iiberznquellen schienen in dem\nBestreben, durch ein unermeszliches Erauen hindurch das Unsicht-\nbare zu gewahren, das Ewig-Unsagbare zu erkennen.\nDie Leichen schankelten und verrenkten Arme und Beine in\nmerkwürdigen, hampelnden Bewegungen. Sie trieben mit dem\nschänmenden, anriiklcenden Wasser ans den Kirchturm zu. Der"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-01_01#c005", "volume": "bmtnabb_1916-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.2.5", "titre_corps": "Des Himmels Kontinente iiberjchwärmt von dunklen Fliijjem", "titre_sommaire": "Des Himmels Kontinente iiberjchwärmt von dunklen Fliijjem", "signature_source": "Walter Rheiner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1129, "texte": "Walter Rheiner\nDes Himmels Kontinente iiberjchwärmt von dunklen Fliijjem\nIn denen briillend die Eranaten iegeln.\nKanonen jchleudern neue Sterne in die Firmamente.\nDie Aacht jtiirzt rujjig auf die Zeltbaraclcem\nDie Kameraden wälzen faulend jich in Fliegenjchwärmem\nAuf den gewundenen Bahnen ziehn jie in Millionen;\nIn langem Tanz umlcreijen jie das aufgejchäumte Fort.\nBlutige Karten ächzen durch die Felder.\nZu den zerfrejjnen Ziigen tragen wir die Leichenreite\nBerlcharrter Feinde, atmen Dunjt verbrannter Därfen\nTrompeten zuclcen feurig durch die Wälder.\nIn dem erhobnen Antlitz lcocht die Landichaft heiß. i\nEuropa bricht, von ichwerem Aussatz angefallen,\nEntzwei und jtiirzt mit Schreien in das Meer.\nDie Erde zitternd lauft aus ihrer Bahn;\nSie nähert jich der Sonnen-Heimat ichnell.\n0 neuer Stern mit Miejen, Eeich und Frauen!\n0 neuer Mond! Eebogne Nächte Riß!\nO Heimat! Flusz! 0 Mensch-s und Bruder-Hand!\nMir ichrein um dich durch die Äonen bang. .\nMir Eier mit Hänge-Augen, Geifer-Zähnen,\nMir Mörder brachen ein mit Blut-Geruch. ,\nMir fallen heillos durch der Zeiten Feuer: «\nGib Kühlung, neuer Stern, und Heimat Menschen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-01_01#c006", "volume": "bmtnabb_1916-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "58", "page_fin": "58", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.2.6", "titre_corps": "An die Gefallenen", "titre_sommaire": "An die Gefallenen", "signature_source": "August Brüchet", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1216, "texte": "An die Gefallenen\nAugust Brüchet\nGefpenfter kommen iiber Nacht, gehen hin mit leifen Tritten\ndurch die Hiiufer und jchwinden iiber die langen Korridore. Ach,\nwo find die windftilleu Gesichter, da wir Kinder waren? Und unfer\nIiifzes Lachen ift zerbrochen.\nWir fehen dich, wir feheu alle wiederkommen mit dem frem-\nden sleolcen des Todes irgendwo.\nGin wenig Land liegt zwifchen uns, bleifchwere Wintertage\nfind verftrirhen, allein du wohnft noch allhier, tief aufgefpart in der\nErinnerung, gehft wie der Saft durch das Geäft der Seele.\nDenke ich nur, wie mag dein Schrei gewefen fein, klagend\nalfo ins Hohle, Undurrhdringlikhe fallend, und doch io klar zu uns,\nnnd die Zuriirkflucht der Gedanken doch zu uns, gleich zu noch\nwarmen, helfenden Händen —- fo ftiirzen Berge auf das Herz, grund-\nlos verderbend finkt man ein, und alles Hinuudher der Spuren wird\noerfchiittet\nGefpenfter kommen iiber Nacht, beugen firh in unferen Schlaf\nund legen ihre durchfrheinenden Finger uns erinnerungsvoll ins\nAuge-· Sie wehen durch die Häufer, durch die großen Städte und\nfrhwinden fchimmernd iiber lange Korridore. «\nAch, wo sind die windftillen Gesichter, da wir Kinder waren?\nUnd unfer fiiijes Lachen ift iiber Aacht zerbrochen. ,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-01_01#c007", "volume": "bmtnabb_1916-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "61", "page_fin": "61", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.2.7", "titre_corps": "Kampfanfage freilich fehr wenig einverftanden, aber ich halte das Schwert fiir", "titre_sommaire": "Kampfanfage freilich fehr wenig einverftanden, aber ich halte das Schwert fiir", "signature_source": "Friedrich Mark", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3260, "texte": "Friedrich Mark\nKampfanfage freilich fehr wenig einverftanden, aber ich halte das Schwert fiir\nkein papierenes und hege keinerlei Zweifel an Pntsriks fehr ernstlichem Willen\nzum Losfchlagem Erlebnis gegen Erlebnis! Was Lebensanfrhauungen er-\nfkhiittert und Lebenswillen zum Kampfe weckt, das ift keine Literatenangelegeuheit.\nUnd es hat fehr wenig Zweck vom Teufel zu behaupten, er fei nur an die Wand\ngemalt.\nL. ,,Zwei Seiten Earlyle oder Rufkin fkhlagen 2000 Seiten Ehesterton tot.«\nVariante: Zwei Roggenbrötchen find 2000 Sngwerfpilzen vorznziehen. sehr richtig\n—- wenn uns unfere Diät auf eins von beiden ausfrhließlirh anweift, oder wenn\nes fich um Leute mit etwas fkhwakhem Aiagen handelt. Aber im iibrigen bin\nich fiir beides, da ich nun einmal in Zngwerfpitzen Eigenschaften finde, die\nden Roggenbrötchen fehlen. Daß die Eiche fchön ist, beweist nichts gegen den\nIasmim Aur werde ich mir ans Sasminbiifchen keine Skhränke zimmern und»\naus Eichen keine Sträuße binden.\nz. Zum Schluß wird Ehesterton gegen Shaw gestellt. Ehesterton driiben\njenseits der Kluft, aber Shaw gehört zu uns ,,ob wir gleich fein Witzeln, sprühen,\nsunkeln, Leuchten nicht fiir die volle Erleuchtung und die ganze Einsicht halten«.\nWoraus wohl zu fchließen ist, daß Ehesterton Erleuchtung und Einfirht gänzlich\nfehlt? Um bei Shaw zu bleiben: Saenger felbft kann nicht meinen, daß irgend\nein Sterblicher ,,volle Erleuchtung nnd ganze Einsicht« habe. Auch wenn ich\nauf dem Eaurifankar stehe, fehe ich nicht alles, was die Sonne bestrahlt, nnd\nwenn ich mehr als Adleraugen habe. Ann bin ich gern dabei, Shaw den\nAiontblanr einzuräumen und Ehesterton nur einen Alpenvorberg. Und es\nkommt dazu, daß Ehesterton die Landfkhaft gern durch die Beine anfieht,\nwobei sie auf den Kopf zu stehen kommt. Aber auch Saenger weiß, daß Vor-\ngebirge fehr hiibfkhe und feltene Ansfikhten haben, und daß Landfrhaften durch-\ndie Beine gesehen ganz iiberrafchend reizvoll find. Aian muß nur keine topo-\ngraphifchen Karten in diefer Stellung aufnehmen wollen. Im librigen ists nicht\nnur hiibfch und lustig, fonderu kann fogar fehr niitzlirh fein, wenn man die Welt\nmal auf den Kopf geftellt aufieht. Das Schlimme bei Saengers Schlußbemerkung\nift, daß fie mein Vertrauen in feine Unbefangenheit wankend macht. ,,Shaw\nauf unfrer Seite« — gewiß er meints in einem härhften menfrhlichen Sinn. Aber\ndennoch -— ist das Grund zur Anerkennung oder Ablehnung? Darf ich, wenn\nith in einem andern meinen ——- meinetwegen tätlikhen —- Eegner erkenne, ihn darum\nzum ,,Ealeutmanne« stempeln? Sollte es Saenger machen wie die Jungens, die,\nwenn fce geknufft werden, nicht wieder knuffen, fonderu fchreiem ,,s5ä, du\nhäft ’n Loch in de DIE«\n4. Wir faffen znfammen: Ein Wann, der wie Ehesterton ganz Tendenz-\nund Angriffsfrhriftfteller ist, ist keine Literaten-, fonderu eine fehr ernfthufte\nLebeusangelegnheit. Ein Wann, der fo wunderlich verzerrt, so märkhenhaft\nverklärt, fo wirklich die Dinge fieht nnd hinfiellt, ift kein Ealentmanu, fonderu\nZu innerft vom Leben erfaßt. Wie follt er auch fonft mich erfaffen? Ein\nWann, der gegen uns fieht, kann gerade darum, wenn er nicht eine gänzliche\nAull ift, uns viele neue Erlenkhtnngen nnd Erkenntniffe geben. Denn es ift\nknmter gut, den Platz nnd Auichanuugswinlcel zu ändern."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-01_01#c009", "volume": "bmtnabb_1916-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "64", "image_debut": 11, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.2.9", "titre_corps": "Glojjen und Kritiken", "titre_sommaire": "Glojjen und Kritiken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3318, "texte": "Glojjen und Kritiken\n\nH. S.\nönlins Pflüger, Die Form-\nschönheit einfacher geo-\nmetrischer Gebilde. Bau-\nsteine zu einer wissenschaftlichen\nÄsthetik. G. B. Metzlersche\nBuchhandlung, Stuttgart.)\nAicht das Resultat macht diese kleine\nSchrift wichtig, sondern die Tatsache,\ndass sie eine neue Methode wissen-\nschaftlicher Ästhetik sucht.\nUnsere Ästhetik ist ein nngehenerliches\nDurcheiuauder von Philosophie, Ge-\nschichte, Kritik und Psychologie, nur\nnicht das, was sie sein sollte, nämlich\neine rein formale normative Wissen-\nschaft. Die Methode fiir eine solche\n—-— noch nicht vorhandene —-—— Wissen-\nschaft zu finden, sucht der Verfasser,\nnnd nimmt die Mathematik als Grund-\nlage fiir seinen Versuch. Das ist ein-·\nleuchtend. Beide Wissenschaften be-\nfassen sich mit der Zorm der mensch-\nlichen Anschauung in Raum nnd Zeit.\nDie Mathematik bestimmt ihre Ge-\nsetze, die Ästhetik den Wert der An«\nschauungsformeu fiir unser Gefiihl.\nZemehr sie sich dabei von jeder Gm-\npirie, von jedem Eingehen auf den\nInhalt des kiinstlerischeu Gebildes frei-\nhiilt, desto reiner erfiillt sie ihre Auf«-\ngabe. Bisher war all unsere Ästhetik\nbiitoriicln pbiloiophiicln piuchologiich\ninfiziert, oder hat sogar mit der Kritik\nsich vergangen, die überhaupt keine\nWissenschaft, sondern eine scsxvip ein\nKönnen ist, nnd von der Ästhetik höch-\nstens einige formale Grundsätze brau-\nchen kann. Die Zolge davon ist, das; in\nder Ästhetik eine vollkommene Anat-\nchie herrscht, nnd sogar in einer solch\nreinen Zormkunst wie der Architektur,\neigentlich jeder auf seinen Instinkt au-\ngewiejen ist, was dann ebensowohl zu\nhZchster Schönheit wie zu den unge-\nheuersteu Schensklichkeiten fiihren kann.\nDaher ist eine wissenschaftliche Ästhetik\nanch praktisch brennendstes Bedürfnis.\nDen ersten Ansatz zn einer solchen\nstellt Pfliigers Schrift dar. Welche:\nArt sein Versuch ist, liest man am\nbesten bei ihm selbst nach. Wie immer\nman sich dann zn ihm nnd zn seinem\nErgebnis stellen mag, wünschenswert\nist jedenfalls, das; er Zortsetzer findet.\nJ. Becard\nHier scheint ein Anfang jener ,,einzig\nmöglichen Knnslwijsenschaft« vorzu-\nliegen, von der ich im vorigen Heft\noralcelte. llberraschend schnelle Er-\nffillungs\n\nDerdentlchestndentimselss\nde. Furche-Verlag, GalleU\nWalter Hegmaun, Kriegs-\ngedichte nnd Zeldpoltbrieim\n(Bei Georg Aiiiller.) Aian\nliillt jetzt auf alles, was ans dem\nZelde zu uns kommt. Und nun gar\nnnlere lieben Zungen, was machen lie,\nwie ill ihnen zu Sinn? Aian lchliigt das\nBuch auf: erlte Gnttiinlchnng Gs lind\ngar lceine Briefe. Kleine heransgerillene\nsetzen, zuweilen nur zwei Zeilen. Gin\nwuuderliches Gefühl, als ginge man\ndurch eine Portriitgalerim wo nur\nAugen gemalt lind. Und wenn es noch\nAugen wären! Lauter Aalenlpilzenl\nAian gerät in die nnbehagliche stim-\nmnng, die man vor jeder Aphorismen-\nlammlnng hat: ein Kuchen ans laute-r\nGewiirzen, durch den man lich durch-·-\nellen loll. Allo wollen wir die Heraus«\ngeber bitten, lciinftig lieber ans ihren\nvielen, vielen Briefeu Ganzes abzu-\ndrnclceu, damit wir wirlcliche Aienlchen\nlehen, nicht abgetrenute Glieder?\nAch lieber nicht. Denn nun lcomcnt\ndie zweite Guttäulchnng: es lind lauter\nhochoffizielle Danlclkhreiben anl eine\nhochoffizielle theologilchsphilolophilche\n,,Liebesgabe« unter Protelction des\nKnltusmiuillers den Studenten hin-\nausgelchiclct Auf lolch amtlich appro-"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2948, "texte": "bierten Jdealismns kann man natiirlich\nnur im gleichen Ton antworten, nnd\nso haben wir das wunderliche Schau-\nspiel lanter jugendlicher Biiffchen-\ngesichter und hören einen wett-\neifernden Chorgesang von lanter Tu-\ngend, Gottesfurkht und Wissensdurst:\n,,Helft uns leben und sterben, uns dem\nver sum-um«, ,,85aben wir alle doch\nerst auf dem Schlachtfeld unsern Gott\nrecht kennen gelernt« und: »Ich brauche\nwohl nicht zu sagen, dasz jeder sich\neinige klassische Werke mitgebracht\nhat, die er einst auf der Schule stu-\ndiert« Alle sind sie anscheinend nicht\nimmer so gewesen, aber ,,dieses Buch\nhat sie wieder neu geboren«. Zu ver-\nwundern ist dabei nur, wie iuhaltlos\nalle diese Tugend ist. Das; es siisz ist\nfiirs Vaterland zu sterben, dass sie sich\nopfern, ja das wird oft gesagt, das\nEiserne Kreuz wird gern erwähnt, auch\nvon der Zukunft ist die Rede: »das;\naus diesem heiligen Krieg ein neues\nGeschlecht heranwachsen werde«, aber\nes bleibt alles so im unbestimmt Nebel-\nhaften, es sind so hnndertfach abge-\nnntzte Worte, von allen Wirklich-\nkeiten dieses Krieges klingt gar nichts\nmit.\nWarum retonchieren sie so sehr ihr\neignes Bild bis kein Zug mehr da\nist, der haften kann, keiner, der uns\nmenschlich bewegt? Sind sie so häß-\nlich? Das ist unmöglich, denn die\ngrösste Hiiszlichkeit wäre schön gegen\ndies leere Nichts! Haben sie so ver-\nlernt, was Wahrhaftigkeit ist? Wagen\nsie’s nicht vor den hochmögenden und\nweisen Herrn Liebesgabenseuderm sie\nsebst zu sein? Es wird wohl alles zu-\niammeukommem Aian verzeihts, man\nlacht vielleicht, und unerträglich wird es\nnur, wenn fie nun auf die andern ein-\nhauen: »Meine ,,evaugelifcheu« Kame-\nraden fchiitteln leider mit dem Kopf,\neine Liifternng wagen fie ja nicht. . .«\nAch nein, wir liifteru nicht. Aber\neine Angft iiberkommt uns. Wenn\ndiefer Krieg nicht einmal zur Wirk-\nlichkeit aufweckt, was foll es dann\ntun? Wenn man auch hiervor fich\nmir wieder in eine neue Phraje rettet\n»ich habe meinen Gott gefunden«, wo\nijt dann Heilung?\nUnd das ift dann wieder die Ichlieszliche\nErkenntnis: wir werden nicht anders,\nauch durch diefeu Krieg nicht. Richts\nwas von aufzen kommt, kann das be-\nwirken. Aur in uns Ielber liegt alles\nHeil nnd Unheil befchlofiem Das jagen\nuns auch folch meufchliche und wahr-\nhaftige Briefe, wie fie Heymanu an\nfeine Frau fchreibt. Er bleibt wie er\nift von Anfang bis zu Ende: fein und\nbeobachtend, fkeptifch und Ichmiegiam,\nmit der Freude und Sehnsucht zum\nLeben und der Hingabe, die auch. den\nTod bejaht. Und vor diefem uubeabs\nfichtigten und treuen Bilde aufge-\nzeichnet mit allen Aervenfchwiichen\nund Verdrieszlichkeitem Enttiiufchnniss\ngen und kleinen Sitelkeitem wächst\ndann in uns immer ftiirker das Gefühl-\nwie wnndervoll ein Aienfch doch if!-\nwie einzig zu lieben nnd welche Reich»\ntiimer auch ein nubemerkter nnd un-\nberiihmter Tag umfchliefzt\nWenn man nur fich und ihm vertraut\nnnd nicht verfucht, feine redliche Ar-\nmut mit erlogeuem Aufpulz zu ver-\ndecken.\n\nZ. 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S.\nönlins Pflüger, Die Form-\nschönheit einfacher geo-\nmetrischer Gebilde. Bau-\nsteine zu einer wissenschaftlichen\nÄsthetik. G. B. Metzlersche\nBuchhandlung, Stuttgart.)\nAicht das Resultat macht diese kleine\nSchrift wichtig, sondern die Tatsache,\ndass sie eine neue Methode wissen-\nschaftlicher Ästhetik sucht.\nUnsere Ästhetik ist ein nngehenerliches\nDurcheiuauder von Philosophie, Ge-\nschichte, Kritik und Psychologie, nur\nnicht das, was sie sein sollte, nämlich\neine rein formale normative Wissen-\nschaft. Die Methode fiir eine solche\n—-— noch nicht vorhandene —-—— Wissen-\nschaft zu finden, sucht der Verfasser,\nnnd nimmt die Mathematik als Grund-\nlage fiir seinen Versuch. Das ist ein-·\nleuchtend. Beide Wissenschaften be-\nfassen sich mit der Zorm der mensch-\nlichen Anschauung in Raum nnd Zeit.\nDie Mathematik bestimmt ihre Ge-\nsetze, die Ästhetik den Wert der An«\nschauungsformeu fiir unser Gefiihl.\nZemehr sie sich dabei von jeder Gm-\npirie, von jedem Eingehen auf den\nInhalt des kiinstlerischeu Gebildes frei-\nhiilt, desto reiner erfiillt sie ihre Auf«-\ngabe. Bisher war all unsere Ästhetik\nbiitoriicln pbiloiophiicln piuchologiich\ninfiziert, oder hat sogar mit der Kritik\nsich vergangen, die überhaupt keine\nWissenschaft, sondern eine scsxvip ein\nKönnen ist, nnd von der Ästhetik höch-\nstens einige formale Grundsätze brau-\nchen kann. Die Zolge davon ist, das; in\nder Ästhetik eine vollkommene Anat-\nchie herrscht, nnd sogar in einer solch\nreinen Zormkunst wie der Architektur,\neigentlich jeder auf seinen Instinkt au-\ngewiejen ist, was dann ebensowohl zu\nhZchster Schönheit wie zu den unge-\nheuersteu Schensklichkeiten fiihren kann.\nDaher ist eine wissenschaftliche Ästhetik\nanch praktisch brennendstes Bedürfnis.\nDen ersten Ansatz zn einer solchen\nstellt Pfliigers Schrift dar. Welche:\nArt sein Versuch ist, liest man am\nbesten bei ihm selbst nach. Wie immer\nman sich dann zn ihm nnd zn seinem\nErgebnis stellen mag, wünschenswert\nist jedenfalls, das; er Zortsetzer findet.\nJ. 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Lauter Aalenlpilzenl\nAian gerät in die nnbehagliche stim-\nmnng, die man vor jeder Aphorismen-\nlammlnng hat: ein Kuchen ans laute-r\nGewiirzen, durch den man lich durch-·-\nellen loll. Allo wollen wir die Heraus«\ngeber bitten, lciinftig lieber ans ihren\nvielen, vielen Briefeu Ganzes abzu-\ndrnclceu, damit wir wirlcliche Aienlchen\nlehen, nicht abgetrenute Glieder?\nAch lieber nicht. 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Zu ver-\nwundern ist dabei nur, wie iuhaltlos\nalle diese Tugend ist. Das; es siisz ist\nfiirs Vaterland zu sterben, dass sie sich\nopfern, ja das wird oft gesagt, das\nEiserne Kreuz wird gern erwähnt, auch\nvon der Zukunft ist die Rede: »das;\naus diesem heiligen Krieg ein neues\nGeschlecht heranwachsen werde«, aber\nes bleibt alles so im unbestimmt Nebel-\nhaften, es sind so hnndertfach abge-\nnntzte Worte, von allen Wirklich-\nkeiten dieses Krieges klingt gar nichts\nmit.\nWarum retonchieren sie so sehr ihr\neignes Bild bis kein Zug mehr da\nist, der haften kann, keiner, der uns\nmenschlich bewegt? Sind sie so häß-\nlich? Das ist unmöglich, denn die\ngrösste Hiiszlichkeit wäre schön gegen\ndies leere Nichts! Haben sie so ver-\nlernt, was Wahrhaftigkeit ist? Wagen\nsie’s nicht vor den hochmögenden und\nweisen Herrn Liebesgabenseuderm sie\nsebst zu sein? Es wird wohl alles zu-\niammeukommem Aian verzeihts, man\nlacht vielleicht, und unerträglich wird es\nnur, wenn fie nun auf die andern ein-\nhauen: »Meine ,,evaugelifcheu« Kame-\nraden fchiitteln leider mit dem Kopf,\neine Liifternng wagen fie ja nicht. . .«\nAch nein, wir liifteru nicht. Aber\neine Angft iiberkommt uns. Wenn\ndiefer Krieg nicht einmal zur Wirk-\nlichkeit aufweckt, was foll es dann\ntun? Wenn man auch hiervor fich\nmir wieder in eine neue Phraje rettet\n»ich habe meinen Gott gefunden«, wo\nijt dann Heilung?\nUnd das ift dann wieder die Ichlieszliche\nErkenntnis: wir werden nicht anders,\nauch durch diefeu Krieg nicht. Richts\nwas von aufzen kommt, kann das be-\nwirken. Aur in uns Ielber liegt alles\nHeil nnd Unheil befchlofiem Das jagen\nuns auch folch meufchliche und wahr-\nhaftige Briefe, wie fie Heymanu an\nfeine Frau fchreibt. Er bleibt wie er\nift von Anfang bis zu Ende: fein und\nbeobachtend, fkeptifch und Ichmiegiam,\nmit der Freude und Sehnsucht zum\nLeben und der Hingabe, die auch. den\nTod bejaht. Und vor diefem uubeabs\nfichtigten und treuen Bilde aufge-\nzeichnet mit allen Aervenfchwiichen\nund Verdrieszlichkeitem Enttiiufchnniss\ngen und kleinen Sitelkeitem wächst\ndann in uns immer ftiirker das Gefühl-\nwie wnndervoll ein Aienfch doch if!-\nwie einzig zu lieben nnd welche Reich»\ntiimer auch ein nubemerkter nnd un-\nberiihmter Tag umfchliefzt\nWenn man nur fich und ihm vertraut\nnnd nicht verfucht, feine redliche Ar-\nmut mit erlogeuem Aufpulz zu ver-\ndecken.\n\nZ. Mark"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.1", "texte": "Zeit-Echo\n«· 1915—19l6 ·\n4\nGraphikkverlagMünchengsxgx —\nMünchen! 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Es\nbedeutet nicht nur ein übereutpfindliches Sensorium. Es steht hier auch geradezu\n· in jenem extremen Sinn, den es im Niund des Arztes hat.\nEs steht also gewissermaszen in einem höchst unglüclclichen Sinn. Aber\nnun geschieht das Wunder, zu dessen Erklärung lcein Dolctorberufen ist. Was\nin der Niedizin pathologisch genannt ist, wird in der Kunst Kubins zur Leidenschaft.\nEin Zustand, der wissenschaftlich als Neurasthenie bezeichnet ist, wird zur Grund-\nlage einer Produktion, die durch Bzert nnd Umfang in Erstaunen setzt. Er wird\neine Qnelle positiver Leistung, positiver Kraft.\nSo ist dieser Mensch, das; ihn die Eragilcomödie seiner Nerven in den\nVerhältnissen des gewöhnlichen Lebens beirrt und ihn gegenüber den Anforde-\nrungen des herzlos technischen Betriebs, den unser Jahrhundert Dasein nennt,\nnnzuläuglich macht. Schon das Kind Kubin ist durch Nerven desorientiert.\nVerwirrt und böse versagt es gegenüber den Begriffen von Artiglceit nnd\nSthiclclichlceih die von der santilie gehegt werden, und gegenüber der Schule,\ndie er als dnrchgefallener Lateinschüler verlässt. Desorientiert steht der Bzachseude\nund der Aiaun dem andern Geschlecht gegenüber, das ihm die Lieblingslcreatnr des\nTeufels wird und Eenfelslcreatur um so viel mehr, se begehrenswerter es ihm\nerscheint. Als Soldat erlebt er einen fürchterlichen Eollapsus des Geistes und\ndes Körpers. Gepeinigt flüchtet er aus dem Leben der Stadt in die idyllische\nSchönheit des oberösterreichischen Donaulandes. Ihn beirrt durch Iahre die\nBernfssrage, die er nach hundert Seiten zu lösen sucht» »— in einem besonders\ndesperateu Angenbliclc gar als Photograph ·\nEndlich beirrt ihn die Kunst selbst, der er von allen Seiten naheznlcotnmen\nversucht; denn er liebt die Geige, ans der er spielt, so sehr wie den Noman,\nden er schreibt —- seneu irrsinnigeu, gualvollsslcnrrilen Limbns, den er ,,die andere\nSeite« nennt; und so sehr als Geige und Buch liebt er die Zeichnung.\nDoch selbst seine Zeichnung peinigt ihn. Ihn peinigt ihr übersinnlicher\nGsgenstaud und ihre magische sormanfgabn Er lcann sich den Forderungen der\nZekchnuug lcanm anpassen. Im sreihandzel Zuen ist der Schüler ungenügend.\nIChte hindurch zeichnet der Künstler Blätter, deren lcuabenhaft linlcische Linie"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.4", "texte": "verblüfft nnd, an Aiafzftäben gemeffen, die « nicht nnberechtigt find, nahezu talent-\nlos erfcheint.\nWiderfprnchsvolle Wahrheit: dies Untalent verbirgt Eenialität —— das\nUntalent des finnlichen Aiachens verheimlicht ein Genie metaphgfifcher Anfchauung.\nLähmuugem Stockungen, Beängftignugen in der Hand hindern ihn nicht,\nein Jahr ums andere ein Zeichuer fein zu wollen nnd wahrlich zu fein. Sein\nReich ift nicht von diefer Welt: ihre finnliche Eefälligkeit ift ihm fremd. So\nnnbeirrbar ift diefer tanfendfältig Beirrte, dafz er den Wut zu feinem unwahr-\nfcheinlichen Dafein aufrecht erhält —- in einer Welt, die fo fehr den runden\nSchönheiten der finnlichen Oberfläche zugetan ift. Er hafzt diefe Schönheit, zer-\nfchlägt fie in Stöcke, fährt mit eckigen Strichen iiber fie hin nnd in fie hinein.\nEines Tages aber gefclpieht etwas wie eine Kataftrophm in den Zunftw-\ntionen zu Doftofewfkis »Doppelgänger« gewinnt feine Hand eine meifterliche\nLeichtigkeit nnd Eleganz, die ihn den fouveräuften Könnern gleichflellt Freilich:\ndies Können ift von innen her gewonnen, von der andern Seite ans. Aicht\ndas Sinnliche, fondern das Dämonifche ift hier zur Erazie, zur höchflen Erazie\ngeworden.\nDoch er verweilt nicht. Diefer Aieufch mit den immer blntenden Nerven\nzerfetzt fich nnd fein Werk mit furchtbarer Produktivität aufs neue. Es\nkommen Momente des Berfagens nnd wieder des Anffchwnngs Wauches ift\nunter dem Wert des ganzen Kiinfllers Aber wer weiss, ob diefer Leidende nicht\nnoch zehnmal iiber Hunderte nnd iiber fich felbft steigt?\n\nWilhelm Hauieucksks"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.5", "texte": "Das gute Meer\nIn der Sreschlacht war etwas mit ihm vorgegangen, das er um-\nsonst in seinem Gedächtnis suchte. Stunden lang sasz er auf den\nKirchenstufen in der Sonne, mit fremden und feindseligen Augen,\nso dasz die Leute ihm nur scheu zunickten. Die Seele ist ihm in der\nSee erkranken, sagten sie.\nDa geschah es, dasz er im Murmeln einer Nacht, aus traum-\nlosem Schlaf wie emporgerufeu, plötzlich das Meer vernahm. Zernes\nBrausen rann ihm gliihend ins Blut. Sein Herz begann zu häm-\nmern, als sollte sikh ihm ein frohes Geheimnis offenbaren. Die\nMutter lag in der unteren Stube, und ihr regelmäßiger Atem er—-\nfiillte den Raum mit unendlichem Frieden. Ihr Sohn aber schlich\nbarfusz von der Bodenkammer, immer das magische Rauschen im\nOhr, das Antlitz aus dem Innersten iiberblitzt von wirrem Feuer,\nund klinkte die Tiir auf, die auf die Strasze führte. Die Aachtluft\nerschreckte ihn tief; mit ihrem Wehen schien der oieltausendstimmige\nSang des Meeres himmelhoch zu steigen.\nDas Singende sehen! Ihn durchfuhr der Wunsch wie ein\nSchmerz. Ginen Augenblick wuszte er nicht, wohin sich wenden.\nDann jagte er an den beiden gleich Riesenschwertern zum zerfetzten\nHimmel drohenden Pappeln, an Teich, Schmiede und Schenke vor-«—-\nlåei zum Kirchturnn Kein Mensch sonst, kein Hundebellem kein\ntern.\nz Der Irre lief; aber zugleich lauschte er weit hinaus, dorthin,\nwo das Meer lag, iiber Dorf, Wiesen, Wald, Diine. Gr kannte die\nSteinplatte, wo der Kiister den Turmschliissel zu verbergen pflegte.\nSchon keuchte er die schmalen Holzftufen hinauf, in schwiirzesletg\nnach sledermiiusen riechender Finsternis, zum GlockenstuhL Wie\nein Mondsiiclztiger tappte er sicher empor. Die Treppe ächzte, die\nGlocke schien zu seufzen. Sie hing da, ein Lebendiges, ewig Wach-\nIames, und die Winde, die aus allen Himmelsrichtungen kamen,\nkonnten sie durch die fenftergleichen Bogen berühren. Doch kiimss\nmerke ihn die Glocke nicht. Gr blickte hinaus in die Ferne, in das\nLeut» qui dem di« Aacht vceich vekdzimmekw s: knickte hinab»\nbis an den ungewissen Himmelsrand."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.6", "texte": "Dort war gross nnd breit das Meer. Er sah sein gleiszendes\nRollen und Fluten. Wie eine ungeheure, endlose Herde von Pfer-\nden, wimmelnd, hiipfend, springend, sich tummelnd, bäumend, von\nweissen und falben Pferden, so näherte es sich. Die Diine war\nversunken, und schon versank der Wald. schon taumelten die\nEichen, der Schaum sprilzte zu den Wolken hoch, nnd der Ehoral\nwuchs, als sängen die tausend Baumkronen mit von ihrem Unter«\ngnug. Er fiihlte nicht, wie seine Pulse dröhntem Er sah nur das\nMeer. Er sah nur das schrittweise, doch schneller und gieriger\nheranspiilende Meer. Es hatte den Wald verschlungen und stürzte\nsich auf die Wiesen. Es donnerte und briillte. Und dennoch war\nes kein wildes, erziirntes Meer. Erkannte er nicht seinen starken\nGesang, der nicht anders war, als das gewaltige Halleluja der\nOrgel in der Weihnachtsmettq die Brust aufackernd wie mit gött-\nlicher Pslugschan Eine befreiende Raserei, ein innigst begliickender\nSturm durchsieberte ihn. Er sah und sah . . . Immer näher\nwälzten sich die Wasser, immer grösser und leuchtender. Die Welt\nwar nichts als ein einziger Ozean, das schlafende Dorf, eine winzige\nInsel darin. Es hatte die Hiitten ertastet. Es leckte in die Straße\nhinein. schimmerndes Spiel, neckender Tanz war es, Anlauf und\nZuriiclcebbem Wiegen und Eändeln, obwohl die Zlut iibermächtig\nskhwoll nnd bald die Fenster der Banernhäuser erreichte. Ruckweise\nstiesz sie vorwärts.\nDa durchzuckte ihn ein Blitz, von den aufgerissenen Augen\ndurchs Hirn bis in die Herzenskammern, das; es sie fast zersprengte.\nAuf den Eischtkämmen schwammen Leichen! Dort eine, hier eine,\nin blauen Hosen und blauen Binsen, die Gesichter zum Himmel ge-\nrichtet. Und er konnte in dem fahlen Dämmerlicht seltsam klar\nunterscheidemdasz ihre Augenslerne unbedeckt waren, dasz sie hinein-\nstarrten ins Unendliche. Das; sie iiberznquellen schienen in dem\nBestreben, durch ein unermeszliches Erauen hindurch das Unsicht-\nbare zu gewahren, das Ewig-Unsagbare zu erkennen.\nDie Leichen schankelten und verrenkten Arme und Beine in\nmerkwürdigen, hampelnden Bewegungen. Sie trieben mit dem\nschänmenden, anriiklcenden Wasser ans den Kirchturm zu. Der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.7", "texte": "Walter Rheiner\nDes Himmels Kontinente iiberjchwärmt von dunklen Fliijjem\nIn denen briillend die Eranaten iegeln.\nKanonen jchleudern neue Sterne in die Firmamente.\nDie Aacht jtiirzt rujjig auf die Zeltbaraclcem\nDie Kameraden wälzen faulend jich in Fliegenjchwärmem\nAuf den gewundenen Bahnen ziehn jie in Millionen;\nIn langem Tanz umlcreijen jie das aufgejchäumte Fort.\nBlutige Karten ächzen durch die Felder.\nZu den zerfrejjnen Ziigen tragen wir die Leichenreite\nBerlcharrter Feinde, atmen Dunjt verbrannter Därfen\nTrompeten zuclcen feurig durch die Wälder.\nIn dem erhobnen Antlitz lcocht die Landichaft heiß. i\nEuropa bricht, von ichwerem Aussatz angefallen,\nEntzwei und jtiirzt mit Schreien in das Meer.\nDie Erde zitternd lauft aus ihrer Bahn;\nSie nähert jich der Sonnen-Heimat ichnell.\n0 neuer Stern mit Miejen, Eeich und Frauen!\n0 neuer Mond! Eebogne Nächte Riß!\nO Heimat! Flusz! 0 Mensch-s und Bruder-Hand!\nMir ichrein um dich durch die Äonen bang. .\nMir Eier mit Hänge-Augen, Geifer-Zähnen,\nMir Mörder brachen ein mit Blut-Geruch. ,\nMir fallen heillos durch der Zeiten Feuer: «\nGib Kühlung, neuer Stern, und Heimat Menschen!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.8", "texte": "An die Gefallenen\nAugust Brüchet\nGefpenfter kommen iiber Nacht, gehen hin mit leifen Tritten\ndurch die Hiiufer und jchwinden iiber die langen Korridore. Ach,\nwo find die windftilleu Gesichter, da wir Kinder waren? Und unfer\nIiifzes Lachen ift zerbrochen.\nWir fehen dich, wir feheu alle wiederkommen mit dem frem-\nden sleolcen des Todes irgendwo.\nGin wenig Land liegt zwifchen uns, bleifchwere Wintertage\nfind verftrirhen, allein du wohnft noch allhier, tief aufgefpart in der\nErinnerung, gehft wie der Saft durch das Geäft der Seele.\nDenke ich nur, wie mag dein Schrei gewefen fein, klagend\nalfo ins Hohle, Undurrhdringlikhe fallend, und doch io klar zu uns,\nnnd die Zuriirkflucht der Gedanken doch zu uns, gleich zu noch\nwarmen, helfenden Händen —- fo ftiirzen Berge auf das Herz, grund-\nlos verderbend finkt man ein, und alles Hinuudher der Spuren wird\noerfchiittet\nGefpenfter kommen iiber Nacht, beugen firh in unferen Schlaf\nund legen ihre durchfrheinenden Finger uns erinnerungsvoll ins\nAuge-· Sie wehen durch die Häufer, durch die großen Städte und\nfrhwinden fchimmernd iiber lange Korridore. «\nAch, wo sind die windftillen Gesichter, da wir Kinder waren?\nUnd unfer fiiijes Lachen ift iiber Aacht zerbrochen. ,"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.9", "texte": "Friedrich Mark\nKampfanfage freilich fehr wenig einverftanden, aber ich halte das Schwert fiir\nkein papierenes und hege keinerlei Zweifel an Pntsriks fehr ernstlichem Willen\nzum Losfchlagem Erlebnis gegen Erlebnis! Was Lebensanfrhauungen er-\nfkhiittert und Lebenswillen zum Kampfe weckt, das ift keine Literatenangelegeuheit.\nUnd es hat fehr wenig Zweck vom Teufel zu behaupten, er fei nur an die Wand\ngemalt.\nL. ,,Zwei Seiten Earlyle oder Rufkin fkhlagen 2000 Seiten Ehesterton tot.«\nVariante: Zwei Roggenbrötchen find 2000 Sngwerfpilzen vorznziehen. sehr richtig\n—- wenn uns unfere Diät auf eins von beiden ausfrhließlirh anweift, oder wenn\nes fich um Leute mit etwas fkhwakhem Aiagen handelt. Aber im iibrigen bin\nich fiir beides, da ich nun einmal in Zngwerfpitzen Eigenschaften finde, die\nden Roggenbrötchen fehlen. Daß die Eiche fchön ist, beweist nichts gegen den\nIasmim Aur werde ich mir ans Sasminbiifchen keine Skhränke zimmern und»\naus Eichen keine Sträuße binden.\nz. Zum Schluß wird Ehesterton gegen Shaw gestellt. Ehesterton driiben\njenseits der Kluft, aber Shaw gehört zu uns ,,ob wir gleich fein Witzeln, sprühen,\nsunkeln, Leuchten nicht fiir die volle Erleuchtung und die ganze Einsicht halten«.\nWoraus wohl zu fchließen ist, daß Ehesterton Erleuchtung und Einfirht gänzlich\nfehlt? Um bei Shaw zu bleiben: Saenger felbft kann nicht meinen, daß irgend\nein Sterblicher ,,volle Erleuchtung nnd ganze Einsicht« habe. Auch wenn ich\nauf dem Eaurifankar stehe, fehe ich nicht alles, was die Sonne bestrahlt, nnd\nwenn ich mehr als Adleraugen habe. Ann bin ich gern dabei, Shaw den\nAiontblanr einzuräumen und Ehesterton nur einen Alpenvorberg. Und es\nkommt dazu, daß Ehesterton die Landfkhaft gern durch die Beine anfieht,\nwobei sie auf den Kopf zu stehen kommt. Aber auch Saenger weiß, daß Vor-\ngebirge fehr hiibfkhe und feltene Ansfikhten haben, und daß Landfrhaften durch-\ndie Beine gesehen ganz iiberrafchend reizvoll find. Aian muß nur keine topo-\ngraphifchen Karten in diefer Stellung aufnehmen wollen. Im librigen ists nicht\nnur hiibfch und lustig, fonderu kann fogar fehr niitzlirh fein, wenn man die Welt\nmal auf den Kopf geftellt aufieht. Das Schlimme bei Saengers Schlußbemerkung\nift, daß fie mein Vertrauen in feine Unbefangenheit wankend macht. ,,Shaw\nauf unfrer Seite« — gewiß er meints in einem härhften menfrhlichen Sinn. Aber\ndennoch -— ist das Grund zur Anerkennung oder Ablehnung? Darf ich, wenn\nith in einem andern meinen ——- meinetwegen tätlikhen —- Eegner erkenne, ihn darum\nzum ,,Ealeutmanne« stempeln? Sollte es Saenger machen wie die Jungens, die,\nwenn fce geknufft werden, nicht wieder knuffen, fonderu fchreiem ,,s5ä, du\nhäft ’n Loch in de DIE«\n4. Wir faffen znfammen: Ein Wann, der wie Ehesterton ganz Tendenz-\nund Angriffsfrhriftfteller ist, ist keine Literaten-, fonderu eine fehr ernfthufte\nLebeusangelegnheit. Ein Wann, der fo wunderlich verzerrt, so märkhenhaft\nverklärt, fo wirklich die Dinge fieht nnd hinfiellt, ift kein Ealentmanu, fonderu\nZu innerft vom Leben erfaßt. Wie follt er auch fonft mich erfaffen? Ein\nWann, der gegen uns fieht, kann gerade darum, wenn er nicht eine gänzliche\nAull ift, uns viele neue Erlenkhtnngen nnd Erkenntniffe geben. Denn es ift\nknmter gut, den Platz nnd Auichanuugswinlcel zu ändern."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.11", "texte": "Glojjen und Kritiken\n\nH. S.\nönlins Pflüger, Die Form-\nschönheit einfacher geo-\nmetrischer Gebilde. Bau-\nsteine zu einer wissenschaftlichen\nÄsthetik. G. B. Metzlersche\nBuchhandlung, Stuttgart.)\nAicht das Resultat macht diese kleine\nSchrift wichtig, sondern die Tatsache,\ndass sie eine neue Methode wissen-\nschaftlicher Ästhetik sucht.\nUnsere Ästhetik ist ein nngehenerliches\nDurcheiuauder von Philosophie, Ge-\nschichte, Kritik und Psychologie, nur\nnicht das, was sie sein sollte, nämlich\neine rein formale normative Wissen-\nschaft. Die Methode fiir eine solche\n—-— noch nicht vorhandene —-—— Wissen-\nschaft zu finden, sucht der Verfasser,\nnnd nimmt die Mathematik als Grund-\nlage fiir seinen Versuch. Das ist ein-·\nleuchtend. Beide Wissenschaften be-\nfassen sich mit der Zorm der mensch-\nlichen Anschauung in Raum nnd Zeit.\nDie Mathematik bestimmt ihre Ge-\nsetze, die Ästhetik den Wert der An«\nschauungsformeu fiir unser Gefiihl.\nZemehr sie sich dabei von jeder Gm-\npirie, von jedem Eingehen auf den\nInhalt des kiinstlerischeu Gebildes frei-\nhiilt, desto reiner erfiillt sie ihre Auf«-\ngabe. Bisher war all unsere Ästhetik\nbiitoriicln pbiloiophiicln piuchologiich\ninfiziert, oder hat sogar mit der Kritik\nsich vergangen, die überhaupt keine\nWissenschaft, sondern eine scsxvip ein\nKönnen ist, nnd von der Ästhetik höch-\nstens einige formale Grundsätze brau-\nchen kann. Die Zolge davon ist, das; in\nder Ästhetik eine vollkommene Anat-\nchie herrscht, nnd sogar in einer solch\nreinen Zormkunst wie der Architektur,\neigentlich jeder auf seinen Instinkt au-\ngewiejen ist, was dann ebensowohl zu\nhZchster Schönheit wie zu den unge-\nheuersteu Schensklichkeiten fiihren kann.\nDaher ist eine wissenschaftliche Ästhetik\nanch praktisch brennendstes Bedürfnis.\nDen ersten Ansatz zn einer solchen\nstellt Pfliigers Schrift dar. Welche:\nArt sein Versuch ist, liest man am\nbesten bei ihm selbst nach. Wie immer\nman sich dann zn ihm nnd zn seinem\nErgebnis stellen mag, wünschenswert\nist jedenfalls, das; er Zortsetzer findet.\nJ. Becard\nHier scheint ein Anfang jener ,,einzig\nmöglichen Knnslwijsenschaft« vorzu-\nliegen, von der ich im vorigen Heft\noralcelte. llberraschend schnelle Er-\nffillungs\n\nDerdentlchestndentimselss\nde. Furche-Verlag, GalleU\nWalter Hegmaun, Kriegs-\ngedichte nnd Zeldpoltbrieim\n(Bei Georg Aiiiller.) Aian\nliillt jetzt auf alles, was ans dem\nZelde zu uns kommt. Und nun gar\nnnlere lieben Zungen, was machen lie,\nwie ill ihnen zu Sinn? Aian lchliigt das\nBuch auf: erlte Gnttiinlchnng Gs lind\ngar lceine Briefe. Kleine heransgerillene\nsetzen, zuweilen nur zwei Zeilen. Gin\nwuuderliches Gefühl, als ginge man\ndurch eine Portriitgalerim wo nur\nAugen gemalt lind. Und wenn es noch\nAugen wären! Lauter Aalenlpilzenl\nAian gerät in die nnbehagliche stim-\nmnng, die man vor jeder Aphorismen-\nlammlnng hat: ein Kuchen ans laute-r\nGewiirzen, durch den man lich durch-·-\nellen loll. Allo wollen wir die Heraus«\ngeber bitten, lciinftig lieber ans ihren\nvielen, vielen Briefeu Ganzes abzu-\ndrnclceu, damit wir wirlcliche Aienlchen\nlehen, nicht abgetrenute Glieder?\nAch lieber nicht. Denn nun lcomcnt\ndie zweite Guttäulchnng: es lind lauter\nhochoffizielle Danlclkhreiben anl eine\nhochoffizielle theologilchsphilolophilche\n,,Liebesgabe« unter Protelction des\nKnltusmiuillers den Studenten hin-\nausgelchiclct Auf lolch amtlich appro-"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191601-01.1.12", "texte": "bierten Jdealismns kann man natiirlich\nnur im gleichen Ton antworten, nnd\nso haben wir das wunderliche Schau-\nspiel lanter jugendlicher Biiffchen-\ngesichter und hören einen wett-\neifernden Chorgesang von lanter Tu-\ngend, Gottesfurkht und Wissensdurst:\n,,Helft uns leben und sterben, uns dem\nver sum-um«, ,,85aben wir alle doch\nerst auf dem Schlachtfeld unsern Gott\nrecht kennen gelernt« und: »Ich brauche\nwohl nicht zu sagen, dasz jeder sich\neinige klassische Werke mitgebracht\nhat, die er einst auf der Schule stu-\ndiert« Alle sind sie anscheinend nicht\nimmer so gewesen, aber ,,dieses Buch\nhat sie wieder neu geboren«. Zu ver-\nwundern ist dabei nur, wie iuhaltlos\nalle diese Tugend ist. Das; es siisz ist\nfiirs Vaterland zu sterben, dass sie sich\nopfern, ja das wird oft gesagt, das\nEiserne Kreuz wird gern erwähnt, auch\nvon der Zukunft ist die Rede: »das;\naus diesem heiligen Krieg ein neues\nGeschlecht heranwachsen werde«, aber\nes bleibt alles so im unbestimmt Nebel-\nhaften, es sind so hnndertfach abge-\nnntzte Worte, von allen Wirklich-\nkeiten dieses Krieges klingt gar nichts\nmit.\nWarum retonchieren sie so sehr ihr\neignes Bild bis kein Zug mehr da\nist, der haften kann, keiner, der uns\nmenschlich bewegt? Sind sie so häß-\nlich? Das ist unmöglich, denn die\ngrösste Hiiszlichkeit wäre schön gegen\ndies leere Nichts! Haben sie so ver-\nlernt, was Wahrhaftigkeit ist? Wagen\nsie’s nicht vor den hochmögenden und\nweisen Herrn Liebesgabenseuderm sie\nsebst zu sein? Es wird wohl alles zu-\niammeukommem Aian verzeihts, man\nlacht vielleicht, und unerträglich wird es\nnur, wenn fie nun auf die andern ein-\nhauen: »Meine ,,evaugelifcheu« Kame-\nraden fchiitteln leider mit dem Kopf,\neine Liifternng wagen fie ja nicht. . .«\nAch nein, wir liifteru nicht. Aber\neine Angft iiberkommt uns. Wenn\ndiefer Krieg nicht einmal zur Wirk-\nlichkeit aufweckt, was foll es dann\ntun? Wenn man auch hiervor fich\nmir wieder in eine neue Phraje rettet\n»ich habe meinen Gott gefunden«, wo\nijt dann Heilung?\nUnd das ift dann wieder die Ichlieszliche\nErkenntnis: wir werden nicht anders,\nauch durch diefeu Krieg nicht. Richts\nwas von aufzen kommt, kann das be-\nwirken. Aur in uns Ielber liegt alles\nHeil nnd Unheil befchlofiem Das jagen\nuns auch folch meufchliche und wahr-\nhaftige Briefe, wie fie Heymanu an\nfeine Frau fchreibt. Er bleibt wie er\nift von Anfang bis zu Ende: fein und\nbeobachtend, fkeptifch und Ichmiegiam,\nmit der Freude und Sehnsucht zum\nLeben und der Hingabe, die auch. den\nTod bejaht. Und vor diefem uubeabs\nfichtigten und treuen Bilde aufge-\nzeichnet mit allen Aervenfchwiichen\nund Verdrieszlichkeitem Enttiiufchnniss\ngen und kleinen Sitelkeitem wächst\ndann in uns immer ftiirker das Gefühl-\nwie wnndervoll ein Aienfch doch if!-\nwie einzig zu lieben nnd welche Reich»\ntiimer auch ein nubemerkter nnd un-\nberiihmter Tag umfchliefzt\nWenn man nur fich und ihm vertraut\nnnd nicht verfucht, feine redliche Ar-\nmut mit erlogeuem Aufpulz zu ver-\ndecken.\n\nZ. Mark\n\nHerausgeber: Otto Getos-Lege, Berlin, Parijer Platz 7\nVerantwortlicher Skhriftleitein\nHqys Siemiety Lichterfelde, 5t·ernItrafze»25\nsur unverlangte Cinjendungen keine, Gewahr\nIn Olterreich fiir die Reduktion verantwortlich Hugo Heller, Wien,l, Bauernmarlct Z\nDruck von H. S. Hermann in Berlin"}]}