{"numero_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_sha256": "f9088390a7f953eac2ec59fd5ef81c3bda50b5c591767bc1d395a1f2e9d12f4f", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1916/03_01/bmtnabb_1916-03_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1916/03_01/bmtnabb_1916-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-03_01#c002", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.2.2", "titre_corps": "Znhalt:", "titre_sommaire": "Znhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.2", "debut_caractere": 21, "fin_caractere_exclue": 435, "texte": "Znhalt:\nTheodor Tsolfstcg - Aiichiciche Vahafahki\nHettky Rvejsillgh X Originakskeiudrnclc\nFranz Blei ! Philoiophie und Gemeiujkhaft\nMax Brod «! Vilion der Menschheit\nEDWIU Schakff IX Origiuaksieindruclc\nJåkvb Pkcakd X Die lange Schlacht\nStuf! Waldtttmm z« B»elteuerter Kuuftbejitz\nC. Z. Savaky - Tnodevitd v - okigiuapsskeiudkukic\nGloljen und Kritilcen «\nSiuzelheft Alle. 1.—-— Bierteljährlich [6 Beste] Mk. 6.———-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-03_01#c003", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.2.3", "titre_corps": "Cis- eicht Si« Haus.", "titre_sommaire": "Cis- eicht Si« Haus.", "signature_source": "Cheodor Wolfsky", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 181, "texte": "Cheodor Wolfsky\nCis- eicht Si« Haus.\nEin Schallenlien\nDer Wald wird hell,\nEin Weg wird hell. d\nDie helle Fahrt .\nVergeht io jchnell\nWo ifl der Wald?\nWo if! der Weg?\nUnd wo lind wir?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-03_01#c005", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "83", "page_fin": "83", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.2.5", "titre_corps": "Philosophie und Gemeinschaft", "titre_sommaire": "Philosophie und Gemeinschaft", "signature_source": "—diesen Satz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2723, "texte": "Philosophie und Gemeinschaft\n—diesen Satz\nUnjexz qus der Gemeinschaft ins Gesellschaftliche verfallene Wenschheit lebt\nuicht nur wirtschaftlich, sondern auch geistig in einem anarchischen Gegeneinandey\nm, J» sind« ihr unsere Ginsichten bestenfalls immer nur ,,Ansichten«, in welchem\nWort Anerkennung nnd Verachtung des Zndividnums gleichzeitig liegt, sehr charak-\nteristisch fiir die Gesellschaft, dieses Zlntende der Individuen, die sich nur finden,\n«» jich abzustoßen. Die Gesellschaft hat das Denken der Welt, das ,,Philo-\nIvphksketkß zu einem Beruf gemacht, den sie, ihn,,wissenschaftlich« nennend, ans-\nzuzeichueu tneint in ihrer Idolatrie des Wissenschaftlichem ———— einem Beruf, den\njeder Einzelne nach Fähigkeit und Laune ausiiben mag, wenn’s ihn freut, —\ngenau wie sie es in des Einzelnen Belieben stellt, ob er als Ghemiker oder\nschqkkgk sein Leben gewinnen und hinbringen will. Das Gemeinsame sieht sie\nnur im substantiellen Objekt: hier die Welt der Stiefel, dort die Welt der Gr-\nkeuntnisse Und wie die Schuhfabrikanten zwar alle- Schuhe machen nnd doch\njeder von ihnen Wert darauf legt, ganz besondere Schuhe herzustellen, da sie ja\nalle gegeueinander nnd nicht miteinander produzieren, —- geuan so die Philosopheu\nder Gesellschaft: sie denken nicht sokratisch mit-«, sondern gegeueinander, und A\nlebt davon, das? er B ,,widertegt«. Das Philosophiereu ist eine Disziplin gei-\nHworden ganz gegen ihr Wesen, das gar nicht. ,,wissenschastlich« im gesellschaft-\ntichen Sinne ist nnd gar nicht ,,historisch« in: exakkroissenschastlichen Sinne, wie\netwa ein Lehrbuch der Chemie von 1915 ,,wahrer« ist als eines aus dem Jahre\nwho, weil das erste brauchbar-er ist. Das Philosophieren ist Anschanen der Welt\n—- nm mit dem falsch gebrauchten Wort ,,«B3eltanschauung« nicht miszverstandeu\nzu werden ————, das sein einziges ,,Kriterium« in der Gemeinsamkeit des Mitein-\nuuderseins hat, in einem Drinnen also, nicht in einem einzeldenkerischen Draußen,\ndas sa seinerseits wieder ein solches Kriterinm brauchte, nnd dieses wieder eines,\nnnd so fort en! just-main. Der Schulstreit um die ,,Richtigkeit« einer Philo-\nlvphie ist ein Gesellschaftsspiel mit wissenschaftlicher Alläre, in dem der Philo-\nIvph W) lelber einsetkt und selbstverständlich mindestens sich selber wieder ge-\nUvinnen will. Daher der. fiir das gesellschaftliche Philosophiereu nubestreitbar\nVWEAD Satz, das; keine Philosophie mehr wert ist als der Philosoph, der sie\nW« Ssch nirgends zu widersprechen, hält A um so mehr fiir den wichtigsten\nBeweis seiner Wahrheit, als er mit nichts sonst beschäftigt ist wie dem B dessen\nWkdskiptkkche ausznweisen nnd daraus dessen ,,Wahrheit« zur »Nicht-Wahrheit«\nT« MCchm »Das Leben sit eine Tendenz zur IndividnationC"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-03_01#c006", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "84", "page_fin": "85", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.2.6", "titre_corps": "srlzellings haben die einer Gemeinschaft nicht mehr: teilhaftem iiber ein» »·", "titre_sommaire": "srlzellings haben die einer Gemeinschaft nicht mehr: teilhaftem iiber ein» »·", "signature_source": "franz Blei", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2686, "texte": "srlzellings haben die einer Gemeinschaft nicht mehr: teilhaftem iiber ein» »·\nzueinander nnd voneinander fliikhtenden Individuen gebildeten Gesellschaft M»\nziehenden, ja, wie Wolken hiuziehenden Philosophen des philosophischeu Standes«\nzur Devise ihres Philosophierens machen müssen: das Philosophieren ist\nTendenz zur Individuation. Das Denken der Welt wurde Wiihlen nnd Zixizkg\nnnd Behanpten des Standpunktes, der im Nicht-Vorhandensein einer tragend»\nnnd nmskhließenden Gemeinschaft, wohl aber im Vorhandensein einer wogende«\nnnslabilen Gesellschast von größter Wichtigkeit werden mußte. i \"\nIn Bergsou scheint mir nun das auf die Gesellschaft gestellte Philosophietn\nznr höchsten nnd wahrscheinlich letzten Leistung sich gesteigert zn haben, als lsin\ndem Individuum und seiner alleinigen Initiative einzige Gvideuz gegeben ums\ndas sittliche Verhalten von einem zum andern als eine nur äußerer Zweik-\ndekcigcceit dienende Vetaugtdngkeii des eueuicheu angesehen wird: iidek die ne-\nivegtheit der Individuen wölbt sich allsosort der Himmel. ,,Wirkliche Dann\nbezeichnet gleichzeitig nngeteilte Kontinuität nnd Schöpfung« (Evolut· Orden.\nlau-ad. VII) ——-i es driickt sich in diesem sahe auch die ganze Turbnlenz des\nIndividuums in der Gesellschaft ans. Es erlag die alte Gemeinschaft dem In«\ndividnum, das sich nach wechselnden Bedürfnissen nnd Interessen grnppiert und·\nwieder trennt und aufs neue grnppiert, gewiß nach dem nicht verlorenen formale-\nSrhema der alten Gemeinschaft, aber danach nur sich in dem znsammenfasseniz\nwasman Gesellsrhaft nennt. Die Gesellschaft hat ihren Erzeuger, das Individuum,\nauf sein hökhslerreichbares Maß gebracht, denn es gab sich in der Gesellschaftdir\ngrößte Freiheit: es fand sich in die Gesellschaft zur Garantie dieser werdende«\nFreiheit. Dieser Prozeß icheint nun erschöpft zu sein: die Individuen können\nnicht mehr ihre Bedingungen, nämlich gesellsrhaftlikh zu leben, erfiillensund\ndrohen in eine Ginzelhaftigkeit zu fallen, welche alles Leben nnd damit auch dss\ndes Individuums anfhebt Diese Krise driikkt Bergson ans: er erleichtertdets\nIndividuum das Leben, indem er es ans der Haft seiner Intellektnalitiit entliiik\nnnd an die Intuition abgibt (,,I11tniti0u et Intelljgenee representent dein(\ndireetions opposees du Travail conseientfi Essai. are-Dir. 289; nnd ,,MPOIJIITJI\ntnition marehe dans le sens meine de la» vie, Plntelligenee vn eng-SOLO\ninverse«). Und der vitale Akt ist ein Gan, eine iwvkevjsibilitix eine neu—\nkennte; ferner jndeterminatiom libekte, jneommensurabjlitie avee Pidöpk\naeerojssementz exigeanee de Perioden, progresz eontinnite de jajllis«sement-f«\nmit allen diesen Worten immer nur gesagt, daß der Akt · ein Akt nnd W"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2632, "texte": "gkgesstand ist «—- init allen diesen Znhaltsanfzählungen der Idee Akt jene Zu-\npgiip betonend und heranshebend, die das Individuum» in dem Habitns seiner\ngzjiihse tdas Wort nicht im iiblichen Sinne) besitzt, die es dem andern nicht\nverpflichten. « «\nZ« Bergsou driiclit sich die Krise ans, aber auch die Wegzeichen ihrer\ntwerwindnug ergeben sich: das durch die Gesellschaft gewordene ksudividunm sucht\nkzch i« einer Gemeinschaft höherer Gattung als die. vorgesellschastliche Gemein-\nschust war, die das Individuum iiberhaupt noch nicht kannte, zu retten. Diese\nTendenz wird in jenen Denkern vorgedacht, welche man nach Hnsserl die Phä-\nuvntenologeu nennt. Wirklich —- im sprichwiirtlicheu sprarhsinn — wird das\nphänomenologische Denlcen erst werden, wenn es seine Hypothese des phänomena-\ntpgisch reagierendem philosophiegsphilosophisch nubescholtenen Jngenn nicht mehr\nbraucht, —- uud es braucht ihn, solange noch Gesellschaft ist, und braucht ihn nicht\nmehr, wenn mit nnd in der Gemeinschaft »das Philosophieren nicht mehr ein\nlehr-«- nud lernbarer Beruf wissenschaftlicher Art ist, sondern das in ein geselliges\nVerhalten der Menschen miteingeschlossene Miteinander-Denken. Aue heute, wo\ndiese Philosophie einer voransgeselzteu Gemeinschaft noch neben der Philosophie\nder Gesellschaft steht nnd daraus insofern eine Täuschung iiber ihre fnudamentale\nAndersheit aufkommen traun, als sie, Borläufer einer a u d e r e n Zeit, in diese r\nZeit lebt, nur darum lcann es, weil sie bgpothetisch annehmen muss, was nicht\nwirklich ist, oft den Tindrnclc machen, als wollten die Phäuomenologen dem\nPhiinouien beibringen, wie es wirlclich ist, eine Täuschung ans ihrer doppelten\nParadm gegen die philosophisclkhistorische Belastung des Phänomens mit Ans-\nlegen iiber es, die mit ihm nichts zu tun haben; nnd gegen das mihbranchte\nMittel der nichts als anfzeigen fallenden, noch nicht bedeuten sotlenden Sprache»\ndie in philosophischer önzncht verlcriippelt ist, welche Verlcriippelung nicht das\nPhönoinem wohl aber unser Verhalten zu ihm geschädigt hat.\nDas Vordenlcen einer Zeit zwingt diese noch nicht, Erscheinung zu werden.\nAndere uns nnbelcannte Kräfte, die das eine hinab ins Dunkel, das andere\nUkisslldtiiugen ans Licht, wirlcen hier. Aber diese gebärenden Kräfte ziehen uns\nT« U» Kreisen nnd fliistern in unser inneres Ohr, was wird. llud wir sprechen\nEs nur aus: Gemeinschaft. sprachen es ans schon vor, dieser Tage Ereignis,\nVII pWMth eiubrechende grosze Rot ein Voll: Gesellfchaftliclzes beiseite werfen\nNOT» we) uichx Gemeinschaft schuf, ehe: ihre Heekcichkeik ehe-den. usw\nbekam« nimmt: den Weg dahin aufgeben: wird.\n\nfranz Blei"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-03_01#c007", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "86", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.2.7", "titre_corps": "Ich ieh dich, armes Lanfmiideh itehu", "titre_sommaire": "Ich ieh dich, armes Lanfmiideh itehu", "signature_source": "Max Brod", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1355, "texte": "Max Brod\nIch ieh dich, armes Lanfmiideh itehu\nIn der Paiiaga Du ruhft und Faust. k\nWie biit du erichiitternd anzniehn\nUnd das Stiiclc Scholcolad’ in der Kinderfaujt\nMit deiner altlclugen l Schneclcenfriiur\nBarhauph blond, du zarte Zigur\nZwijcheu Wagenradichachteln —- was fiihlte ich nur?\nRennft du nicht Stiegen auf und ab,\nJungfrau, und ichiichtern vor Klingelziigen\nVornehmer Portale — zu neuem Trab\nWut; dir ein Wörtchen, ein Wink genügen.\nUnd abends, abends wo fleht dein Bette, ·\nWenn die Seide lcnijtert, die Jeder bebt\nDer Hüte, die miide dein Arm hier hebt,\nVerjanlc dann alle die Pracht und Stätte\nIn blinder Kammer, in einer Gruft\nAus Stroh nnd veratiueter AienjchenlnfW\nOder umflammt dich irhvn gleißend hell\nZum erstenmal das verruchte Heim? \"\nUnd dennoch «— unter dem Aiittagsdaclx\nWie itehjt du lebendig und ohne Ach,\nUnd so, als ob die Leute nicht stießen, ,\nNeugierig nnr vor den Photographien\nVon abgefeimten Kino—--Alctricen, ,\nUnd nichts als Bewunderung ijt dein Sinn . . .\nJugend du, immer noch friich verjüngt, ««\nEs gibt tceine Hölle, die dich bezwingtt\nDu Aienjclx von Wilibrauch unberührt,\nRie abgeschreckt, wie oft verfährt, »\nVon tollemi Krieg nie ganz eutrafft\nUnd uiedertriichtiger Slclavenichafh i\nRein, arglos mild ans grosser Kraft,\nStets hoffjt du noch, das; Erlösung werde. —\nszneujchhein i» gkiisz ich dich auf ver Erde!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-03_01#c009", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "88", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.2.9", "titre_corps": "Du hasts getan, o Herr, wir sind daran nicht sich-nnd", "titre_sommaire": "Du hasts getan, o Herr, wir sind daran nicht sich-nnd", "signature_source": "Jakob Picard", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1042, "texte": "Jakob Picard\nDu hasts getan, o Herr, wir sind daran nicht sich-nnd\nDu gabst uns diesen tollen Augenblick\nUnd liekest uns urit ihm allein znriirlc\nUnd schautest zu tnit schrecklicher Geduld.\nWir standen auf wie trunken, zu vernichten,\nWir hoben uns entgegen der Gefahr\nUnd fiihlten nicht, das«- es die Menschheit war,\nDie wir in ihrer schwersten Rot besiegten . .\nSie liegen arg gehäuft vor den Verhanetg\nDie Sonne lcocht seit manchen Tagen sie.\nUnd in ihr zitternd Herz, ihr starkes Knie\nTreibt die Verwesung nuerbittlich ihre Klauen.\n0 grauenhaster Stiel unsrer Seele!\nWie von des unbegrabnen Tieres Aas,\nDeH schwarzes Blut stocltt itn zerioiihlten Gen-s,\nKlennnt der Gestank: den Atem in die Kehle . .\nAue abends manchmal schickst Du eine Röte\nVon: Himmel aufs erbartnungslose Held:\nDann liegt »ein jeder herrlich, jeder schon ein, Held\nZu seiner Heimat ewigem Gebete,\nEntschwebt verklärt, von Strahlen »iiberzweig«t,\nEin ieder wieder Vater, Bruder, Sohn,\nUnd durch die Liiste singt ein milder icon,\nDer unser eigen Haupt vor Heimweh neigt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-03_01#c010", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "92", "image_debut": 11, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.2.10", "titre_corps": "Besteuerter Kunstbesitz", "titre_sommaire": "Besteuerter Kunstbesitz", "signature_source": "Saat Wawmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2503, "texte": "Besteuerter Kunstbesitz\n\nIn: Reichstag ist das Wort gefallen. Dr. David, Mitglied der sozialdemokratischen\nPartei, hat diese lockende Blume in das« Steuerbukett eingeflochten. Da er die\nSteuer ans Kunstwerke zusammen mit der Steuer auf Juwelen in zBors\nschlag bringhdenkt er sie« sich offenbar als Luxussleuen Der volkswirtschaftliche\nGesichtspunkt wird insofern beobachtet, als es sich ausdriiclclich um alte n\nKunstbesitz handeln, das schaffen nnd die Existenz der lebenden Kiiustler also nicht\ngetroffen werden soll. l - » »\n»« Wird der Borschlag in der Stenerkommission dereinst erörtert werden,\nhat man sich vorher manches recht griindlich nnd genau zu überlegen. Das\nist gar nicht leicht, jedenfalls schwieriger als die Zrage der Jnwelensteney die\nman wohl unbedenklich als reine Luxnsstener ausprechen kann. s\n« Alter Knnstbesitk Was ist alt? Um erst einmal von Bildern zu rede«\nund die Erzeugnisse des Knnstgewerbes aus dem Spiel zu lassen —- wo liegt\ndie Grenze zwischen alt und neu? Einfach bestimmen: Aeue Kunst ist die Kunst,\ndie von Lebenden gemacht wird, alte Kunst dagegen ist alles, dessen Aieister\nschon tot ist? Eine so einfache sormel diirfte doch sehr schwere Be»-\ndenkeu gegen sich haben. Jst eine Landschaft von Waldmiiller ein altes Bild, auch\nwenn sie ans den vierziger Jahren des is. Jahrhunderts stammt? Jch glaube\nnicht, ich halte sie fiir ein modernes Bild, nnd ebenso einen friiheu Aieuzek\noder einen Eorot oder einen Gerirault Was wir moderne Kunst im Kultur-«—-\nsiune nennen, ist nicht von gestern oder von vorgestern, das ist ein grober Strom,\ndessen Anfänge im Beginn des IS. Jahrhunderts liegen. Die Förderung und\nPflege dieser modernen Kunst aber, die doch den Sozialdemokraten besonders\nam Herzen liegt, wiirde man durch ein engherziges, nur nach Leben oder Eotseiu\nrechuendes Gesetz sehr erschweren; viele Sammler, denen daran liegt, Werke\naus der ganzen Aioderne zu besitzen lund das sind unsere besten, wenn auch nicht\nunsere reichsten Sammlers wiirden die Lust nnd die Freude verlieren, diese Kultur-\nausgabe auch weiterhin auf sich zu nehmen. Es wiire also zu wünschen, dass« die\nGrenze möglichst weit zuriick gelegt wiirde. Die Bereinigten Staaten von Anord-\namerika haben vor einer Reihe von Jahren einen Einsnhrzoll fiir alte Kunst«-\nwerlce erhoben. Alt war sedes Bild, dessen Entstehung iiber Ioo Jahre znriictcss\nTÆ Dieser Standpunkt erscheint verniinstig, wenn auch hier gewisse Schwierig-\nkeiten nnterlausem «Ein\" Bild von dem Hamburger Philipp Otto Aunge"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2601, "texte": "(vorausgesetzt, die Amerikauer interessierte dass, welches 1820 datiert ist, war\nsteuerfrei, stammte es aber von 181o, so musjte die sehr hohe Steuer bezahlt\nwerden. « Auch steht» bei den in Frage kommenden Werken das Sntstehnngssahr\ndurchans nicht immer genau fest. Bei Coustable ist man schon bedenklich aufs\nAaten oder Wetten angewiesen. Gerecht schiene mir folgende Lösung: Alt Jud\nBilder, deren Meister iiber so Jahre tot sind. Mit dieser Formel könnte man\nam verhältnismäßig gerechtesteu arbeiten.\nAun haben- wir also die alten Bilder. Wie sind die Stenersälze fest-\nznlegen? Aatiirlich in einem bestimmten Prozentsatz vom Wert. Aber, was\nist der Wert? Der Preis, der fiir das Bild gezahlt ist? Sehr selten, denn oft sind\nBilder lgnte nämlich) in der Schätzung des Marktes sehr gestiegen, und zwar\ngerade in den letzten Zo Jahren, in der Zeit also, in der eine Reihe unserer\nwertvollsten Sammlungen geschaffen sind. Roch öfter aber ist der Wert alter\nBilder (der mittelmäsiigen nämlich, und das sind, Gott sei’s geklagt, die meisten)\nerheblich gesunken, nnd da wäre die Besteuerung nach dem Sinkaufspreis ein-e\nseht· dttteke Piue sit: des: Besitzer, de: um: eure: keines: Vekitimmtheii use: die\nWertminderung auch noch eine Summe ans dem Beutel nehmen soll, die\nauch ihn selber diel zu hoch im Berhältuis zu dem Wertobsekt dünkt. Ich\nglaube, mancher wird sein Tun verwünschen nnd uun kein Bild wieder kaufen,\nwenigstens kein trltes, sondern nur noch neue, was fa ganz schön wäre, alt-\ngemein genommen, ihn aber zunächlk nicht tröstet.\nMan könnte als Ausgangspunkt fiir die Steuerveranlagung ja die Ber-\nsichernngswerte annehmen. Aber selbst wenn man bedenkt, das; alte Bilder\nmeistens 20 Prozent zu hoch versichert werden (denn die Bersicherungsgesellschasten\nbezahlen, wenn überhaupt, so doch fast nie die ganze versicherte Summe) —- selbst\ndann wäre auch dieser Standpunkt recht anfechtbar. Mancher Sanunler ver-\nsichert nach dem Einkaufspreis ohne den Wertzuwachs zu beriiclcsichtigem als\nallzu wandelbares Moment; die meisten Sarnmler dagegen diirsten den Wert-\nzuwachs berechnen, nnd zwar meistens zu hoch. Der einzig gangbare Weg is!\nwohl der, all-e alten Bilder neu schätzen zu lassen. Abgesehen von der geradezu\nriesigen Arbeit, die das verursachen würde, wären sofort eine Reihe neuer\nSchwierigkeiten da. Wer ist imstande, alte Bilder zu schätzen? Ferner, wo\nist die Grenze zwischen Anschaffungswerh Liebhaberwert und AIarktwertL Gibt\nes Taxatorem die imstande sind, den wenn auch nur wahrscheinlichen Marktwert\neines Basses-o, eines Zurbaran und eines Aembrandt einigermaßen gerecht zu"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2565, "texte": "Wägen? Marktwert läßt sieh doch immer »nur durch Erfahrungs- resv. Analogie-\nsrhlnß bestimmen. Was aber ist ein Laudsrhastsaauarell vou Diirer wert? Wenn\nein solches Stiitk seit Zo Jahren nicht am Markt war, uudwenn vor So Jahren\neinmal 300 Gulden dasiir bezahlt wurden? schreibt man da 600 Mark oder\n20 000 Mark? Und wenn von einem Belliui nun der eine Sachverständige sagt:\ner ist echt, und der andere behauptet: er stammt ansder Mitte des t 9. Jahr-\nhunderts, ist das dann ein altes Bild oder ein neues Bild? Und wenn der\nRoms-raubt, der, wenn er einer ist, 500000 Mark wert ist, nun. doch von\nSalomou Konikk gemalt ist, muß man dann eine halbe Million Mark rechnen\noder nur 12 000 Mark?\nSelbst einmal angenommen, es gäbe so viele auf dem Bildermarkt be—-\nwauderte Knuslhistorikeitz daß sie mit dem Taxiereu sämtlicher in deutsrhem Privat-\nbesitz besiudlicher alter Bilder in: Laufe einiger Jahre fertig würden, ———— ins\nUserlose käme man, sobald man mit den Erzeugnissen alten Kuustgewerbes be-\nginnen wollte. Wieviele alte Srhränktz altes Silberzeug, altes Porzellan usw.\ngibt es in Deutschland, nnd wie wenige Leute, die, sagen können, ob an dem\nSchrank wirklich« mehr alt ist, als das Schlässellorlx Wenn schon bei den\nBildern das Streiten der« Sachverständigen nicht aufhören würde, wieviel weniger\nhier, wo in fast jedem alten Hause« anch irgendwelcher alter Knuslbesilz in diesem\nSinne zu finden ist. Kupfer und Messing kann man wiegen oder nach Gewicht,\ntaxierenz sobald aber Kunstwerke in Frage kommen, versagt jeder gerichtlich\nbeeidigte Taxator unfehlbar. «\nUnd dann - wieviel soll die Steuer bringen? Wenn wir ietzt wieder\neinen Augenblick vom Knnstgewerbe absehen, weil die Taxieruug terhuisch nu-\ndnrrhfiihrbar erscheint, und uns nur wieder mit Bildern und Statuen nnd Biisten\nbeschästigern so diirfen wir uns keine allzn iippige Borstellnug von dem Reichtum\ndes deutschen Privatbejilzes an alten Bildern machen. Deutschland ist kein\nSammlerland mehr mit uusrhälkbarem alten Besitz wie England, und anderseits\nsängt es erst eben wieder an, ein Sammlerland zu werden. Die Zahl der\ngroßen Sammler, die wirklich teure alte Bilder haben, ist nicht so groß, daß\nman sie nicht kennte und ihren Besitz nicht überschlagen könnte. Hunderttausend-\nnsarkbilder sind in Deutschland gar nicht so sehr häufig, nnd nimmt man ein-\nmal, ansprnrhsvoll gemacht durch das Wirtschaften mit großen Zahlen, wie es\nin diesem Kriege iiblikh wurde, an, die alten Bilder in Deutschland repräsen-\ntierten einen Wert von 200 Millionen, nnd bei kiihner Besteuerung von S Prozent"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1736, "texte": "brächte die Steuer alfo·- einen Ertrag von to Millionen Mark jährlich, wovon\ndie licher fehr großen Ketten« ihrs« Taxierens nnd der nen einznfetzenden Steuer-\nbehörden noch abzuziehen wären T— wiirde das wirklich eine fo\" grobe Rotte\nfpielen,\" das man die llnznfriedenheit der Bilderfammler wegen der Bevor-\nzugung der Knuftgewerbefammler auf fich nehmen wollte? s «\nIch glaube, die ganze Idee ift undurchführbar, fobald man nicht auch den\nTllufeunisbefitz hinznnimmh was fich ja aber von felbft verbietet. ilnd der Staat\nmöge lich bernhigen und nicht darauf hinweifem dass, wenn man den Kunftbefitk\nnicht befteuere, möglirheufalls von klugen Leuten ihr Kriegsgewiun in alten\nBildern angelegt- werde. Diefe Gefahr ift nicht fehr groß. Was« kann\nnicht von heute auf morgen Bilder kaufen. rWer lod ooo Aiark verdient hat\nnnd kanft nun fkhnell einen Rnisdaeh der kauft, weil er eilig Dinge traust, von\ndenen er nichts versteht, uatiirlich viel zu teuer, nnd fobald er das merkt, Ost\ner feine Hände von dem Gefkhäft Als die Wehrfteuer nahte, find dergleicheu\nAianöver tatfäkhlich vorgekommen. Aber die Summen, die da zu faffen ge»-\nwefen wären, waren noch fehr gering. Denn folrhe unficheren Kautoniften\narbeiten ja nicht im grossen Stil. Anftatt kiihl die ganze Million dranznfehen\nnnd zwei Rembraudts und einen Franz« Hals zu kaufen, kriegen fie vor sden\nObjekten Angfi nnd begnügen fich mit einem Gabriel Aietfn nnd einem casvar\nAetfchey weil man dort) nicht wiffen könne . . . .\" .\nEs frheint einftweilen noch nicht dringlich fiir Befitzer alter Bilder, ihre\nBerfiiherungspoliren dnrchznfludierem Gerade eine Steuer, bei der es\nnm imaginäre Werte handelt, wird in der Praxis un der Schwierigkeit oder\nDurchführung weitern.\n\nSaat Wawmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-03_01#c012", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "96", "image_debut": 16, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.2.12", "titre_corps": "Glossen und Kritiken", "titre_sommaire": "Glossen und Kritiken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2091, "texte": "Glossen und Kritiken\n\nH. S.\nMal-und, Dnmpfe Trom-\nmel« nnd berauschtes Gong.\nRachdichtnngen chinesischer\nKriegslgriln Insel-Ber-\nlag. Ich lcann nicht chiuesisch. Des-\nhalb lsann ich nicht beurteilen, ob diese\nRachdichtnngeu einigermaßen chinesisch\ngeblieben sind. —- Zch fürchte: nein.\nIch fürchte: sie sind ziemlich europäisch\ngeworden.\nCschaugan, o mein Heimatlandl\nHinter allen Wollcen lenchtest du!\nBon Chussu ist das. Bei mir er-\nweclct es die Vorstellung eines in gel-\nber Seide e-inherwandelnden Gottfried\nKeller. Richt so komisch, wie man-»·\ncher vielleicht glaubt. Aber auch nicht\nsehr chiuesisch. Und das ist schade.\nIch möchte gerne mal China sehen,\nChina hören, China riechen. Statt\ndessen lcriegt man immer ein angeneh-\nmes Chinesenland zu sehen, das sich\nungeheuer europäische Curopäer an\ndie Wände ihrer ach so europäischen\nWohnungen hängen. Das ist ganz\nhiibitlh nnd in diesem besonderen\nsatte ist der Ciudruclc sogar ausser-\ngewöhnlich echt. Aian hört zuweilen\neinen Assen tsrähem Cin Männchen\nsitzt aus einem Baum. zwischendurch\naber lclimpert immer wieder ein höchst\neuropäisches Klavier moderner Bau-\nart. Auch ganz hiibsch. Aber nicht\nlehr chiuesisch.\nöm iibrigeu scheint anrh bei den Chi-\nuejeu die Kriegslyrilc nicht io gut zu\nfein; wie die andere. Denn das\nichiinfle Lied des Buches iit nicht\nlcriegeriich unt; wird blos; im Auch-\nwort zitiert. Es icheint mir dazu de·-\nionders gut nnd wirklich iiberielit zu\niein nnd ifl von Li-tai-pe, von dem\nauch die befteu Kriegslieder find:\nWollte Kleid\nUnd Blume ihr Gesicht,\nWohlgeriikhe wehu,\nBerliebter Frühling.\nWird iie auf dem Berge stehn,\nWage ich den Aufjtieg nicht.\nWenn Iie sikh dem Blonde weiht,\nBin ich weit -———\nBerliebter Frühling.\n\nK. Sdichmid, Das raieude\nLeben. Zwei Aovellem Kurt\nWolfh Verlag. i916. Die\nerste dieser beiden Aovelleu lciiuute\nauch iu dem früheren Buche Sdichtuids\nkleben. Es ijt über sie uichts Restes\nzu jagen. 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Auf die Dauer\naber (es kommt in seder Geschichteh\nwirkt es dort) etwas komisch. Man\nmerkt die Technik: Der boxende Chi-\nnese in Westsalem der am Tripper\nleidende westsäliskhe Geistliche im Blu-\nuienboot unterm Zndsi. seltene Si-\ntuationen in einfacher Gegend, ein«-\nsache Situationen in seltener Gegend.\nNachfolger Gdschmids werden diesen\nZweig der Literatur mit Hilfe von\nBaedeker nnd Konversationslexikon zu\nungeahnter Bliite bringen.\nDieses und mehreres durchschaut man\nlächelnd nnd freut sich im übrigen, dass\nalle Schwächen gerade in dieser besten\nQlchichte am sirhtbarsten werden. Sie\nwerden nämlich deshalb sichtbar, weil\nhier endlich das Können nicht mehr\nCUsWkcht, weit es sich hier um Dinge\nhandelt, bei denen ,,Kännen« nnd Tech-\nnik nichts mehr helfen. Um Erkennt-\nnis, Bauge--sein, Liebe, Demut. 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Knrt Wolf Verlag.\nSchon lange wußte man von diesem\nRoman. Hier nndda waren Bruch«-\nstiiclce zu lesen und es wurde mehr iider\nihn geredet als iiber manches fertige\nBuch. Ietzt ist— er da, ein sertiges\nBuch. Aber man mag nicht glauben,\ndas; es ,,fertig« ist nnd erledigt wie\nandere Bücher, wenn sie gedrnclct\nsind. Man wiirde sich vielmehr gar\nnicht wundern, wenn es beim zweiten\nund dritten Lesen recht anders wäre,\nals beim ersten, recht verwandelt. Aian\nerwartet alles mögliche, nein, im Ge-\ngenteil, alles Unmögliche fiir dieses\nanszerordentliche Buch.\nWie soll ich es nun lcritisieren? 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Am unver-\ngeszlichsten aber bleibt eine Szene, die\nweder toll noch lconiisch und iiberhaupt\nlceiue Szene ist. Eine fremde, feine\nDame biktet einen einsamen älteren\nKnaben (brieslich), ihr in schreckliche:\nRot zu helfen. Und der alle Herr. lder\nkeine: ist) vergißt einen Moment fast,\ndaf- iie, der er helfen solt und will, in\nRot nnd Angst ist, so unbeschreiblich\nfreut er sich, das; er was tun und helfen\nkann. Er weis; nicht wie, er weiß nicht\nwas, er weis; blos, das; jemand ihn nötig\nhat. Das ist die schönste, die ergrei-\nfendste stelle dieses Buches, das sv\nviel Aienschliches und Uumeuskhliches\nerzählt, das so grausam uud so gütig,\nso unglaublich und so wahrscheinlich,\nso schrecklich und so riihrend ist, nnd\nvon dessen hundert Menschen die\njympathiskhsle Figur: und vielleicht gar\ndie menschlichste ein Lusttuiisrder ist.\nDiese Stelle und diese Figur allein\nmachen Megrinlc und sein Buch fiic\nlange, lange Zeit nnfterblikix\n\nH. 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Ich\nmöchte ia gar nicht, das; es an irgend\neiner stelle anders wäre, als es ist.\nIch möchte nicht einmal, das; der (von\nlceiner schwer-Figur an märchenhak\ntem Edelmut äbertrosseny iiidische\nStndilcer charouselc wahrscheinlicher\noder iiberhanpt nur anders wäre."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1370, "texte": "Edeipniitixy edeiwiitixh nntnenichlich\nmenjchlich ikk diejer Menjklx Dafür:\naber iind viele andere auf mn io\nmenjchlichere Weise unmenschlich.\nWie ein Theater ist dieses Buch, ans\ndessen Biihne Menschen, Gespenster,\nMarionekten und (schlechte) Schauspiel»\nfungieren. Die Marionetten sind\nmenschlich, die Menschen unmenschlich\nnnd die Gespenster lebendiger als beide.\nTolle, lcomische, schreckliche Szenen\nquälen diese armen Leute. Am unver-\ngeszlichsten aber bleibt eine Szene, die\nweder toll noch lconiisch und iiberhaupt\nlceiue Szene ist. Eine fremde, feine\nDame biktet einen einsamen älteren\nKnaben (brieslich), ihr in schreckliche:\nRot zu helfen. Und der alle Herr. lder\nkeine: ist) vergißt einen Moment fast,\ndaf- iie, der er helfen solt und will, in\nRot nnd Angst ist, so unbeschreiblich\nfreut er sich, das; er was tun und helfen\nkann. Er weis; nicht wie, er weiß nicht\nwas, er weis; blos, das; jemand ihn nötig\nhat. Das ist die schönste, die ergrei-\nfendste stelle dieses Buches, das sv\nviel Aienschliches und Uumeuskhliches\nerzählt, das so grausam uud so gütig,\nso unglaublich und so wahrscheinlich,\nso schrecklich und so riihrend ist, nnd\nvon dessen hundert Menschen die\njympathiskhsle Figur: und vielleicht gar\ndie menschlichste ein Lusttuiisrder ist.\nDiese Stelle und diese Figur allein\nmachen Megrinlc und sein Buch fiic\nlange, lange Zeit nnfterblikix\n\nH. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-03-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-03_01#c016", "volume": "bmtnabb_1916-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.2.13", "titre_corps": "Redaktionelle notiz", "titre_sommaire": "Redaktionelle notiz", "signature_source": "Hans siemsen", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.18", "debut_caractere": 1372, "fin_caractere_exclue": 1755, "texte": "Redaktionelle notiz\nHans siemsen\nZu früheren Hefien find bereits, in künftigen\nSeiten werden noch einzelne Cgraphijche jowohl wie literariikhe) Beiträge ers«\nscheinen, die ich weder was ihre Ziele, noch was ihren Wert angeht, verteidigen\nnnd verantworten kann. 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Fxssz ;.-—-«—(-:z-«-;-.»-»-4, --k-» », .-·-·«z»- »» ». ·.·.·,»« «» »» «»\n- ·, » «» »« z» «»- «-:—,«»».·k·-s·a» »« ». »» .—»sz»»;.«· «» H«»«»»»«.sz».«««,»·:···.k,,-4F«»T«x «»-;F.z»«- », -»:..s»-»,, ;-»;-«F»IIFEZ-,.- » .««»«:--;- «. -,-.d»«-\"-.--:;— Kksxågkiixxjxzszgz —;;,kx.s;ei«.·»-J--;;-s;—- ;- k Fktis\n·-. »— » -»- «--·»——. . — » :.-—.- ««- -. s« :- »- »« s« «,»»-«.-·.«\" «! « — .— «« . »»x»—«» ·. H« «» · »Es -, Cz« -«;—»-..—. «» -·.--.«. «; · :-.— »« - «« V» » ·.- . »: , .- »»\n». - »· — -:: »» «. Hi» »« ,--,- .« . .» » .- As—- « », «-«-«-,.»·»— .,;,». « »,»-» »» We« »» ,-«s»», It· . «, ,--»« ,- , s .,«-,». . «. »« »«- ». J,-P. »» z» ,-.7.»— ,. « s· »» . »\n. . ...— . II« ».»».- -—.-.--x-. «; -» - w« .. -»-, .»..«- ». s» » »« f,....,-, s »·- —» · :.-. - 5·-—»»--- «« »Es« s« ..\n—- w - .-s-»Zs.-—»I:H.i-c.-.H:« - »: »O- - « «»;«—:- ». » siiksss ·—sz- s; « . «« Hi» »F; s «·\"-«-.»s «» -\n« »O, VI» »« -\" »— \" »Es; ·«\"-\"«« II« ’—«.· — « I« \"·»»«« EIN. » T— - -- .««\".«'-.-s« . »? «,.’--\" III. -«I-».\"»»Zk« ZU. .\"«\".—««: »Es- « « -««- .\"\n,-; «« -s «» » -. : . s . — , ;- Z« : c» F« . « Ei: s «« »— J, «s., «? «.- 9 Erz» kUsnsbxstxix »» O , « «! » THE»\n»· « IF— - ·» f( F - » » s ex; »· -c--. -, · s ». , , :«»--—«» --»-«»-—S»—».»—::- f\nOst-K« — - «: -» ;- - . »» ·« — . : - . - L; --«:« «·E-.—\" s—- - J— -—»- - s— - zds « . sts . «\nT: » . III ». .; »« «» ·-(,»-; « z«- , w; - -«:-; J? » «. — «— T; -.- r. :«.;:--;ji»«g-.H· \" -s\n» —«.;·· «. -» z,-·«—»— « Hkskzk s— » zzzzs »« »F· s zkssx »— — J» -» » - · «; «. »- «; \"-,·3-«-2.« « f( —-.'-\nHsz »F »' ; « f» « s«,, z4-Y»«» », »-.-«-«;»-»Q-»» szzspsr »? » «; xekaä,.:f«exspx.vfåfsz L; z: » III; YLL III-»» xc H. ».»»«f»\n» - Jsgtxj :- » ««'—«·s-.-,; « »;-,;,T3»;k2,ssk-’2«-«;HL:-·-H\" »» F« f« ’ .:--\"«;«Z-.«s.-,z«VI)IS;Z,:;JH-;sz-4»:J;.-«s-FY«7Z«T:;:ZJ.»·IZHTZLFHT«» ».»«-.«H«s-,75«73·;;z;.:«—»: -YF;»—.»-z«j »,v.-.-·-«kzk.7;.:-- ;»-.».»k xzxscw »F: »F;\n-.-\"«»\"«2—--\"««·1\"« «.--;. s\"’i;-- JST«T·\"·-JT\"L- II? L «« «· · « C« H« \" — «— »Es» -·—’«-,-’ -s.5-;«’»—-.t «’ i«sp::izi«-·I-—TLEI««EV;M·EY.. åÅZ\"·««ks.;kszii\"dsxs-is THE— «; ssssxis X: -«-?««—·«»-Z»s-««-\" TPHkYVIJ\nXI » F» :«-.,.«« ·.; .«;«-k;-s.;. ; «»-« «·»,»—-.—»s— »F» .—. «« , »» - «» .» . « spzf »Es» «--,--»k . . -«..sz«H;Z-««»-—,--IH,«,·-. -» T: .»-;:--» —» H» . -—.-,-«—s-—-sz«:·s-f-jy’zks.·—x«j»szz-· .· z z» »»\n»- « »« HEFT. ’.»-·.«-;·«,2;·;r·»;;—»3«kz,zz«;k.Y«·—»-«: H· ..s»,sp«»z:ssk-» «. , « IF» - « »» jIfjkjxssjxJHHHYZZHJHF »— ..k;Z,:·\"-·-;»»-,I-\"—H..«IZ;- s:\n— - «« . » » s -- r» - .» »« »— » -\n«· « « - - « us«- .«.ss«..s«s.·s\"s—-s«-«s«-»sisp«xsc·.».; «. ;\"\"-»:-’«:«.s:- HEFT: —.-«-,·——«»-»-;,»« ’-J«c».s.;.A:szz-1T» .-.,Y,·«--«»«·---«-.,:sxy»-» »-,k,,»—»-«».«»».«». » « » z« «— « »F; «, ..-- c» ·\n- .-«· . «« s» ». », »« «« , »» .,.-- H« .·»;.. c« »-.« — ,-,-..». «» — ». s— . .,-«.5-.- .. »» » . .\" .-. ««-»·«,- .- -- — -·\n« ««-’-«- s« «» -s«s«2-s-E:—s-Z«-is«-»-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.2", "texte": "Sonderausgabe Nr. H\n\nZnhalt:\nTheodor Tsolfstcg - Aiichiciche Vahafahki\nHettky Rvejsillgh X Originakskeiudrnclc\nFranz Blei ! Philoiophie und Gemeiujkhaft\nMax Brod «! Vilion der Menschheit\nEDWIU Schakff IX Origiuaksieindruclc\nJåkvb Pkcakd X Die lange Schlacht\nStuf! Waldtttmm z« B»elteuerter Kuuftbejitz\nC. Z. Savaky - Tnodevitd v - okigiuapsskeiudkukic\nGloljen und Kritilcen «\nSiuzelheft Alle. 1.—-— Bierteljährlich [6 Beste] Mk. 6.———-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.3", "texte": "Cheodor Wolfsky\nCis- eicht Si« Haus.\nEin Schallenlien\nDer Wald wird hell,\nEin Weg wird hell. d\nDie helle Fahrt .\nVergeht io jchnell\nWo ifl der Wald?\nWo if! der Weg?\nUnd wo lind wir?"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.5", "texte": "Philosophie und Gemeinschaft\n—diesen Satz\nUnjexz qus der Gemeinschaft ins Gesellschaftliche verfallene Wenschheit lebt\nuicht nur wirtschaftlich, sondern auch geistig in einem anarchischen Gegeneinandey\nm, J» sind« ihr unsere Ginsichten bestenfalls immer nur ,,Ansichten«, in welchem\nWort Anerkennung nnd Verachtung des Zndividnums gleichzeitig liegt, sehr charak-\nteristisch fiir die Gesellschaft, dieses Zlntende der Individuen, die sich nur finden,\n«» jich abzustoßen. Die Gesellschaft hat das Denken der Welt, das ,,Philo-\nIvphksketkß zu einem Beruf gemacht, den sie, ihn,,wissenschaftlich« nennend, ans-\nzuzeichueu tneint in ihrer Idolatrie des Wissenschaftlichem ———— einem Beruf, den\njeder Einzelne nach Fähigkeit und Laune ausiiben mag, wenn’s ihn freut, —\ngenau wie sie es in des Einzelnen Belieben stellt, ob er als Ghemiker oder\nschqkkgk sein Leben gewinnen und hinbringen will. Das Gemeinsame sieht sie\nnur im substantiellen Objekt: hier die Welt der Stiefel, dort die Welt der Gr-\nkeuntnisse Und wie die Schuhfabrikanten zwar alle- Schuhe machen nnd doch\njeder von ihnen Wert darauf legt, ganz besondere Schuhe herzustellen, da sie ja\nalle gegeueinander nnd nicht miteinander produzieren, —- geuan so die Philosopheu\nder Gesellschaft: sie denken nicht sokratisch mit-«, sondern gegeueinander, und A\nlebt davon, das? er B ,,widertegt«. Das Philosophiereu ist eine Disziplin gei-\nHworden ganz gegen ihr Wesen, das gar nicht. ,,wissenschastlich« im gesellschaft-\ntichen Sinne ist nnd gar nicht ,,historisch« in: exakkroissenschastlichen Sinne, wie\netwa ein Lehrbuch der Chemie von 1915 ,,wahrer« ist als eines aus dem Jahre\nwho, weil das erste brauchbar-er ist. Das Philosophieren ist Anschanen der Welt\n—- nm mit dem falsch gebrauchten Wort ,,«B3eltanschauung« nicht miszverstandeu\nzu werden ————, das sein einziges ,,Kriterium« in der Gemeinsamkeit des Mitein-\nuuderseins hat, in einem Drinnen also, nicht in einem einzeldenkerischen Draußen,\ndas sa seinerseits wieder ein solches Kriterinm brauchte, nnd dieses wieder eines,\nnnd so fort en! just-main. Der Schulstreit um die ,,Richtigkeit« einer Philo-\nlvphie ist ein Gesellschaftsspiel mit wissenschaftlicher Alläre, in dem der Philo-\nIvph W) lelber einsetkt und selbstverständlich mindestens sich selber wieder ge-\nUvinnen will. Daher der. fiir das gesellschaftliche Philosophiereu nubestreitbar\nVWEAD Satz, das; keine Philosophie mehr wert ist als der Philosoph, der sie\nW« Ssch nirgends zu widersprechen, hält A um so mehr fiir den wichtigsten\nBeweis seiner Wahrheit, als er mit nichts sonst beschäftigt ist wie dem B dessen\nWkdskiptkkche ausznweisen nnd daraus dessen ,,Wahrheit« zur »Nicht-Wahrheit«\nT« MCchm »Das Leben sit eine Tendenz zur IndividnationC"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.6", "texte": "srlzellings haben die einer Gemeinschaft nicht mehr: teilhaftem iiber ein» »·\nzueinander nnd voneinander fliikhtenden Individuen gebildeten Gesellschaft M»\nziehenden, ja, wie Wolken hiuziehenden Philosophen des philosophischeu Standes«\nzur Devise ihres Philosophierens machen müssen: das Philosophieren ist\nTendenz zur Individuation. Das Denken der Welt wurde Wiihlen nnd Zixizkg\nnnd Behanpten des Standpunktes, der im Nicht-Vorhandensein einer tragend»\nnnd nmskhließenden Gemeinschaft, wohl aber im Vorhandensein einer wogende«\nnnslabilen Gesellschast von größter Wichtigkeit werden mußte. i \"\nIn Bergsou scheint mir nun das auf die Gesellschaft gestellte Philosophietn\nznr höchsten nnd wahrscheinlich letzten Leistung sich gesteigert zn haben, als lsin\ndem Individuum und seiner alleinigen Initiative einzige Gvideuz gegeben ums\ndas sittliche Verhalten von einem zum andern als eine nur äußerer Zweik-\ndekcigcceit dienende Vetaugtdngkeii des eueuicheu angesehen wird: iidek die ne-\nivegtheit der Individuen wölbt sich allsosort der Himmel. ,,Wirkliche Dann\nbezeichnet gleichzeitig nngeteilte Kontinuität nnd Schöpfung« (Evolut· Orden.\nlau-ad. VII) ——-i es driickt sich in diesem sahe auch die ganze Turbnlenz des\nIndividuums in der Gesellschaft ans. Es erlag die alte Gemeinschaft dem In«\ndividnum, das sich nach wechselnden Bedürfnissen nnd Interessen grnppiert und·\nwieder trennt und aufs neue grnppiert, gewiß nach dem nicht verlorenen formale-\nSrhema der alten Gemeinschaft, aber danach nur sich in dem znsammenfasseniz\nwasman Gesellsrhaft nennt. Die Gesellschaft hat ihren Erzeuger, das Individuum,\nauf sein hökhslerreichbares Maß gebracht, denn es gab sich in der Gesellschaftdir\ngrößte Freiheit: es fand sich in die Gesellschaft zur Garantie dieser werdende«\nFreiheit. Dieser Prozeß icheint nun erschöpft zu sein: die Individuen können\nnicht mehr ihre Bedingungen, nämlich gesellsrhaftlikh zu leben, erfiillensund\ndrohen in eine Ginzelhaftigkeit zu fallen, welche alles Leben nnd damit auch dss\ndes Individuums anfhebt Diese Krise driikkt Bergson ans: er erleichtertdets\nIndividuum das Leben, indem er es ans der Haft seiner Intellektnalitiit entliiik\nnnd an die Intuition abgibt (,,I11tniti0u et Intelljgenee representent dein(\ndireetions opposees du Travail conseientfi Essai. are-Dir. 289; nnd ,,MPOIJIITJI\ntnition marehe dans le sens meine de la» vie, Plntelligenee vn eng-SOLO\ninverse«). Und der vitale Akt ist ein Gan, eine iwvkevjsibilitix eine neu—\nkennte; ferner jndeterminatiom libekte, jneommensurabjlitie avee Pidöpk\naeerojssementz exigeanee de Perioden, progresz eontinnite de jajllis«sement-f«\nmit allen diesen Worten immer nur gesagt, daß der Akt · ein Akt nnd W"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.7", "texte": "gkgesstand ist «—- init allen diesen Znhaltsanfzählungen der Idee Akt jene Zu-\npgiip betonend und heranshebend, die das Individuum» in dem Habitns seiner\ngzjiihse tdas Wort nicht im iiblichen Sinne) besitzt, die es dem andern nicht\nverpflichten. « «\nZ« Bergsou driiclit sich die Krise ans, aber auch die Wegzeichen ihrer\ntwerwindnug ergeben sich: das durch die Gesellschaft gewordene ksudividunm sucht\nkzch i« einer Gemeinschaft höherer Gattung als die. vorgesellschastliche Gemein-\nschust war, die das Individuum iiberhaupt noch nicht kannte, zu retten. Diese\nTendenz wird in jenen Denkern vorgedacht, welche man nach Hnsserl die Phä-\nuvntenologeu nennt. Wirklich —- im sprichwiirtlicheu sprarhsinn — wird das\nphänomenologische Denlcen erst werden, wenn es seine Hypothese des phänomena-\ntpgisch reagierendem philosophiegsphilosophisch nubescholtenen Jngenn nicht mehr\nbraucht, —- uud es braucht ihn, solange noch Gesellschaft ist, und braucht ihn nicht\nmehr, wenn mit nnd in der Gemeinschaft »das Philosophieren nicht mehr ein\nlehr-«- nud lernbarer Beruf wissenschaftlicher Art ist, sondern das in ein geselliges\nVerhalten der Menschen miteingeschlossene Miteinander-Denken. Aue heute, wo\ndiese Philosophie einer voransgeselzteu Gemeinschaft noch neben der Philosophie\nder Gesellschaft steht nnd daraus insofern eine Täuschung iiber ihre fnudamentale\nAndersheit aufkommen traun, als sie, Borläufer einer a u d e r e n Zeit, in diese r\nZeit lebt, nur darum lcann es, weil sie bgpothetisch annehmen muss, was nicht\nwirklich ist, oft den Tindrnclc machen, als wollten die Phäuomenologen dem\nPhiinouien beibringen, wie es wirlclich ist, eine Täuschung ans ihrer doppelten\nParadm gegen die philosophisclkhistorische Belastung des Phänomens mit Ans-\nlegen iiber es, die mit ihm nichts zu tun haben; nnd gegen das mihbranchte\nMittel der nichts als anfzeigen fallenden, noch nicht bedeuten sotlenden Sprache»\ndie in philosophischer önzncht verlcriippelt ist, welche Verlcriippelung nicht das\nPhönoinem wohl aber unser Verhalten zu ihm geschädigt hat.\nDas Vordenlcen einer Zeit zwingt diese noch nicht, Erscheinung zu werden.\nAndere uns nnbelcannte Kräfte, die das eine hinab ins Dunkel, das andere\nUkisslldtiiugen ans Licht, wirlcen hier. Aber diese gebärenden Kräfte ziehen uns\nT« U» Kreisen nnd fliistern in unser inneres Ohr, was wird. llud wir sprechen\nEs nur aus: Gemeinschaft. sprachen es ans schon vor, dieser Tage Ereignis,\nVII pWMth eiubrechende grosze Rot ein Voll: Gesellfchaftliclzes beiseite werfen\nNOT» we) uichx Gemeinschaft schuf, ehe: ihre Heekcichkeik ehe-den. usw\nbekam« nimmt: den Weg dahin aufgeben: wird.\n\nfranz Blei"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.8", "texte": "Max Brod\nIch ieh dich, armes Lanfmiideh itehu\nIn der Paiiaga Du ruhft und Faust. k\nWie biit du erichiitternd anzniehn\nUnd das Stiiclc Scholcolad’ in der Kinderfaujt\nMit deiner altlclugen l Schneclcenfriiur\nBarhauph blond, du zarte Zigur\nZwijcheu Wagenradichachteln —- was fiihlte ich nur?\nRennft du nicht Stiegen auf und ab,\nJungfrau, und ichiichtern vor Klingelziigen\nVornehmer Portale — zu neuem Trab\nWut; dir ein Wörtchen, ein Wink genügen.\nUnd abends, abends wo fleht dein Bette, ·\nWenn die Seide lcnijtert, die Jeder bebt\nDer Hüte, die miide dein Arm hier hebt,\nVerjanlc dann alle die Pracht und Stätte\nIn blinder Kammer, in einer Gruft\nAus Stroh nnd veratiueter AienjchenlnfW\nOder umflammt dich irhvn gleißend hell\nZum erstenmal das verruchte Heim? \"\nUnd dennoch «— unter dem Aiittagsdaclx\nWie itehjt du lebendig und ohne Ach,\nUnd so, als ob die Leute nicht stießen, ,\nNeugierig nnr vor den Photographien\nVon abgefeimten Kino—--Alctricen, ,\nUnd nichts als Bewunderung ijt dein Sinn . . .\nJugend du, immer noch friich verjüngt, ««\nEs gibt tceine Hölle, die dich bezwingtt\nDu Aienjclx von Wilibrauch unberührt,\nRie abgeschreckt, wie oft verfährt, »\nVon tollemi Krieg nie ganz eutrafft\nUnd uiedertriichtiger Slclavenichafh i\nRein, arglos mild ans grosser Kraft,\nStets hoffjt du noch, das; Erlösung werde. —\nszneujchhein i» gkiisz ich dich auf ver Erde!"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.10", "texte": "Jakob Picard\nDu hasts getan, o Herr, wir sind daran nicht sich-nnd\nDu gabst uns diesen tollen Augenblick\nUnd liekest uns urit ihm allein znriirlc\nUnd schautest zu tnit schrecklicher Geduld.\nWir standen auf wie trunken, zu vernichten,\nWir hoben uns entgegen der Gefahr\nUnd fiihlten nicht, das«- es die Menschheit war,\nDie wir in ihrer schwersten Rot besiegten . .\nSie liegen arg gehäuft vor den Verhanetg\nDie Sonne lcocht seit manchen Tagen sie.\nUnd in ihr zitternd Herz, ihr starkes Knie\nTreibt die Verwesung nuerbittlich ihre Klauen.\n0 grauenhaster Stiel unsrer Seele!\nWie von des unbegrabnen Tieres Aas,\nDeH schwarzes Blut stocltt itn zerioiihlten Gen-s,\nKlennnt der Gestank: den Atem in die Kehle . .\nAue abends manchmal schickst Du eine Röte\nVon: Himmel aufs erbartnungslose Held:\nDann liegt »ein jeder herrlich, jeder schon ein, Held\nZu seiner Heimat ewigem Gebete,\nEntschwebt verklärt, von Strahlen »iiberzweig«t,\nEin ieder wieder Vater, Bruder, Sohn,\nUnd durch die Liiste singt ein milder icon,\nDer unser eigen Haupt vor Heimweh neigt."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.11", "texte": "Besteuerter Kunstbesitz\n\nIn: Reichstag ist das Wort gefallen. Dr. David, Mitglied der sozialdemokratischen\nPartei, hat diese lockende Blume in das« Steuerbukett eingeflochten. Da er die\nSteuer ans Kunstwerke zusammen mit der Steuer auf Juwelen in zBors\nschlag bringhdenkt er sie« sich offenbar als Luxussleuen Der volkswirtschaftliche\nGesichtspunkt wird insofern beobachtet, als es sich ausdriiclclich um alte n\nKunstbesitz handeln, das schaffen nnd die Existenz der lebenden Kiiustler also nicht\ngetroffen werden soll. l - » »\n»« Wird der Borschlag in der Stenerkommission dereinst erörtert werden,\nhat man sich vorher manches recht griindlich nnd genau zu überlegen. Das\nist gar nicht leicht, jedenfalls schwieriger als die Zrage der Jnwelensteney die\nman wohl unbedenklich als reine Luxnsstener ausprechen kann. s\n« Alter Knnstbesitk Was ist alt? Um erst einmal von Bildern zu rede«\nund die Erzeugnisse des Knnstgewerbes aus dem Spiel zu lassen —- wo liegt\ndie Grenze zwischen alt und neu? Einfach bestimmen: Aeue Kunst ist die Kunst,\ndie von Lebenden gemacht wird, alte Kunst dagegen ist alles, dessen Aieister\nschon tot ist? Eine so einfache sormel diirfte doch sehr schwere Be»-\ndenkeu gegen sich haben. Jst eine Landschaft von Waldmiiller ein altes Bild, auch\nwenn sie ans den vierziger Jahren des is. Jahrhunderts stammt? Jch glaube\nnicht, ich halte sie fiir ein modernes Bild, nnd ebenso einen friiheu Aieuzek\noder einen Eorot oder einen Gerirault Was wir moderne Kunst im Kultur-«—-\nsiune nennen, ist nicht von gestern oder von vorgestern, das ist ein grober Strom,\ndessen Anfänge im Beginn des IS. Jahrhunderts liegen. Die Förderung und\nPflege dieser modernen Kunst aber, die doch den Sozialdemokraten besonders\nam Herzen liegt, wiirde man durch ein engherziges, nur nach Leben oder Eotseiu\nrechuendes Gesetz sehr erschweren; viele Sammler, denen daran liegt, Werke\naus der ganzen Aioderne zu besitzen lund das sind unsere besten, wenn auch nicht\nunsere reichsten Sammlers wiirden die Lust nnd die Freude verlieren, diese Kultur-\nausgabe auch weiterhin auf sich zu nehmen. Es wiire also zu wünschen, dass« die\nGrenze möglichst weit zuriick gelegt wiirde. Die Bereinigten Staaten von Anord-\namerika haben vor einer Reihe von Jahren einen Einsnhrzoll fiir alte Kunst«-\nwerlce erhoben. Alt war sedes Bild, dessen Entstehung iiber Ioo Jahre znriictcss\nTÆ Dieser Standpunkt erscheint verniinstig, wenn auch hier gewisse Schwierig-\nkeiten nnterlausem «Ein\" Bild von dem Hamburger Philipp Otto Aunge"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.12", "texte": "(vorausgesetzt, die Amerikauer interessierte dass, welches 1820 datiert ist, war\nsteuerfrei, stammte es aber von 181o, so musjte die sehr hohe Steuer bezahlt\nwerden. « Auch steht» bei den in Frage kommenden Werken das Sntstehnngssahr\ndurchans nicht immer genau fest. Bei Coustable ist man schon bedenklich aufs\nAaten oder Wetten angewiesen. Gerecht schiene mir folgende Lösung: Alt Jud\nBilder, deren Meister iiber so Jahre tot sind. Mit dieser Formel könnte man\nam verhältnismäßig gerechtesteu arbeiten.\nAun haben- wir also die alten Bilder. Wie sind die Stenersälze fest-\nznlegen? Aatiirlich in einem bestimmten Prozentsatz vom Wert. Aber, was\nist der Wert? Der Preis, der fiir das Bild gezahlt ist? Sehr selten, denn oft sind\nBilder lgnte nämlich) in der Schätzung des Marktes sehr gestiegen, und zwar\ngerade in den letzten Zo Jahren, in der Zeit also, in der eine Reihe unserer\nwertvollsten Sammlungen geschaffen sind. Roch öfter aber ist der Wert alter\nBilder (der mittelmäsiigen nämlich, und das sind, Gott sei’s geklagt, die meisten)\nerheblich gesunken, nnd da wäre die Besteuerung nach dem Sinkaufspreis ein-e\nseht· dttteke Piue sit: des: Besitzer, de: um: eure: keines: Vekitimmtheii use: die\nWertminderung auch noch eine Summe ans dem Beutel nehmen soll, die\nauch ihn selber diel zu hoch im Berhältuis zu dem Wertobsekt dünkt. Ich\nglaube, mancher wird sein Tun verwünschen nnd uun kein Bild wieder kaufen,\nwenigstens kein trltes, sondern nur noch neue, was fa ganz schön wäre, alt-\ngemein genommen, ihn aber zunächlk nicht tröstet.\nMan könnte als Ausgangspunkt fiir die Steuerveranlagung ja die Ber-\nsichernngswerte annehmen. Aber selbst wenn man bedenkt, das; alte Bilder\nmeistens 20 Prozent zu hoch versichert werden (denn die Bersicherungsgesellschasten\nbezahlen, wenn überhaupt, so doch fast nie die ganze versicherte Summe) —- selbst\ndann wäre auch dieser Standpunkt recht anfechtbar. Mancher Sanunler ver-\nsichert nach dem Einkaufspreis ohne den Wertzuwachs zu beriiclcsichtigem als\nallzu wandelbares Moment; die meisten Sarnmler dagegen diirsten den Wert-\nzuwachs berechnen, nnd zwar meistens zu hoch. Der einzig gangbare Weg is!\nwohl der, all-e alten Bilder neu schätzen zu lassen. Abgesehen von der geradezu\nriesigen Arbeit, die das verursachen würde, wären sofort eine Reihe neuer\nSchwierigkeiten da. Wer ist imstande, alte Bilder zu schätzen? Ferner, wo\nist die Grenze zwischen Anschaffungswerh Liebhaberwert und AIarktwertL Gibt\nes Taxatorem die imstande sind, den wenn auch nur wahrscheinlichen Marktwert\neines Basses-o, eines Zurbaran und eines Aembrandt einigermaßen gerecht zu"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.13", "texte": "Wägen? Marktwert läßt sieh doch immer »nur durch Erfahrungs- resv. Analogie-\nsrhlnß bestimmen. Was aber ist ein Laudsrhastsaauarell vou Diirer wert? Wenn\nein solches Stiitk seit Zo Jahren nicht am Markt war, uudwenn vor So Jahren\neinmal 300 Gulden dasiir bezahlt wurden? schreibt man da 600 Mark oder\n20 000 Mark? Und wenn von einem Belliui nun der eine Sachverständige sagt:\ner ist echt, und der andere behauptet: er stammt ansder Mitte des t 9. Jahr-\nhunderts, ist das dann ein altes Bild oder ein neues Bild? Und wenn der\nRoms-raubt, der, wenn er einer ist, 500000 Mark wert ist, nun. doch von\nSalomou Konikk gemalt ist, muß man dann eine halbe Million Mark rechnen\noder nur 12 000 Mark?\nSelbst einmal angenommen, es gäbe so viele auf dem Bildermarkt be—-\nwauderte Knuslhistorikeitz daß sie mit dem Taxiereu sämtlicher in deutsrhem Privat-\nbesitz besiudlicher alter Bilder in: Laufe einiger Jahre fertig würden, ———— ins\nUserlose käme man, sobald man mit den Erzeugnissen alten Kuustgewerbes be-\nginnen wollte. Wieviele alte Srhränktz altes Silberzeug, altes Porzellan usw.\ngibt es in Deutschland, nnd wie wenige Leute, die, sagen können, ob an dem\nSchrank wirklich« mehr alt ist, als das Schlässellorlx Wenn schon bei den\nBildern das Streiten der« Sachverständigen nicht aufhören würde, wieviel weniger\nhier, wo in fast jedem alten Hause« anch irgendwelcher alter Knuslbesilz in diesem\nSinne zu finden ist. Kupfer und Messing kann man wiegen oder nach Gewicht,\ntaxierenz sobald aber Kunstwerke in Frage kommen, versagt jeder gerichtlich\nbeeidigte Taxator unfehlbar. «\nUnd dann - wieviel soll die Steuer bringen? Wenn wir ietzt wieder\neinen Augenblick vom Knnstgewerbe absehen, weil die Taxieruug terhuisch nu-\ndnrrhfiihrbar erscheint, und uns nur wieder mit Bildern und Statuen nnd Biisten\nbeschästigern so diirfen wir uns keine allzn iippige Borstellnug von dem Reichtum\ndes deutschen Privatbejilzes an alten Bildern machen. Deutschland ist kein\nSammlerland mehr mit uusrhälkbarem alten Besitz wie England, und anderseits\nsängt es erst eben wieder an, ein Sammlerland zu werden. Die Zahl der\ngroßen Sammler, die wirklich teure alte Bilder haben, ist nicht so groß, daß\nman sie nicht kennte und ihren Besitz nicht überschlagen könnte. Hunderttausend-\nnsarkbilder sind in Deutschland gar nicht so sehr häufig, nnd nimmt man ein-\nmal, ansprnrhsvoll gemacht durch das Wirtschaften mit großen Zahlen, wie es\nin diesem Kriege iiblikh wurde, an, die alten Bilder in Deutschland repräsen-\ntierten einen Wert von 200 Millionen, nnd bei kiihner Besteuerung von S Prozent"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.14", "texte": "brächte die Steuer alfo·- einen Ertrag von to Millionen Mark jährlich, wovon\ndie licher fehr großen Ketten« ihrs« Taxierens nnd der nen einznfetzenden Steuer-\nbehörden noch abzuziehen wären T— wiirde das wirklich eine fo\" grobe Rotte\nfpielen,\" das man die llnznfriedenheit der Bilderfammler wegen der Bevor-\nzugung der Knuftgewerbefammler auf fich nehmen wollte? s «\nIch glaube, die ganze Idee ift undurchführbar, fobald man nicht auch den\nTllufeunisbefitz hinznnimmh was fich ja aber von felbft verbietet. ilnd der Staat\nmöge lich bernhigen und nicht darauf hinweifem dass, wenn man den Kunftbefitk\nnicht befteuere, möglirheufalls von klugen Leuten ihr Kriegsgewiun in alten\nBildern angelegt- werde. Diefe Gefahr ift nicht fehr groß. Was« kann\nnicht von heute auf morgen Bilder kaufen. rWer lod ooo Aiark verdient hat\nnnd kanft nun fkhnell einen Rnisdaeh der kauft, weil er eilig Dinge traust, von\ndenen er nichts versteht, uatiirlich viel zu teuer, nnd fobald er das merkt, Ost\ner feine Hände von dem Gefkhäft Als die Wehrfteuer nahte, find dergleicheu\nAianöver tatfäkhlich vorgekommen. Aber die Summen, die da zu faffen ge»-\nwefen wären, waren noch fehr gering. Denn folrhe unficheren Kautoniften\narbeiten ja nicht im grossen Stil. Anftatt kiihl die ganze Million dranznfehen\nnnd zwei Rembraudts und einen Franz« Hals zu kaufen, kriegen fie vor sden\nObjekten Angfi nnd begnügen fich mit einem Gabriel Aietfn nnd einem casvar\nAetfchey weil man dort) nicht wiffen könne . . . .\" .\nEs frheint einftweilen noch nicht dringlich fiir Befitzer alter Bilder, ihre\nBerfiiherungspoliren dnrchznfludierem Gerade eine Steuer, bei der es\nnm imaginäre Werte handelt, wird in der Praxis un der Schwierigkeit oder\nDurchführung weitern.\n\nSaat Wawmann"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.16", "texte": "Glossen und Kritiken\n\nH. S.\nMal-und, Dnmpfe Trom-\nmel« nnd berauschtes Gong.\nRachdichtnngen chinesischer\nKriegslgriln Insel-Ber-\nlag. Ich lcann nicht chiuesisch. Des-\nhalb lsann ich nicht beurteilen, ob diese\nRachdichtnngeu einigermaßen chinesisch\ngeblieben sind. —- Zch fürchte: nein.\nIch fürchte: sie sind ziemlich europäisch\ngeworden.\nCschaugan, o mein Heimatlandl\nHinter allen Wollcen lenchtest du!\nBon Chussu ist das. Bei mir er-\nweclct es die Vorstellung eines in gel-\nber Seide e-inherwandelnden Gottfried\nKeller. Richt so komisch, wie man-»·\ncher vielleicht glaubt. Aber auch nicht\nsehr chiuesisch. Und das ist schade.\nIch möchte gerne mal China sehen,\nChina hören, China riechen. Statt\ndessen lcriegt man immer ein angeneh-\nmes Chinesenland zu sehen, das sich\nungeheuer europäische Curopäer an\ndie Wände ihrer ach so europäischen\nWohnungen hängen. Das ist ganz\nhiibitlh nnd in diesem besonderen\nsatte ist der Ciudruclc sogar ausser-\ngewöhnlich echt. Aian hört zuweilen\neinen Assen tsrähem Cin Männchen\nsitzt aus einem Baum. zwischendurch\naber lclimpert immer wieder ein höchst\neuropäisches Klavier moderner Bau-\nart. Auch ganz hiibsch. Aber nicht\nlehr chiuesisch.\nöm iibrigeu scheint anrh bei den Chi-\nuejeu die Kriegslyrilc nicht io gut zu\nfein; wie die andere. Denn das\nichiinfle Lied des Buches iit nicht\nlcriegeriich unt; wird blos; im Auch-\nwort zitiert. Es icheint mir dazu de·-\nionders gut nnd wirklich iiberielit zu\niein nnd ifl von Li-tai-pe, von dem\nauch die befteu Kriegslieder find:\nWollte Kleid\nUnd Blume ihr Gesicht,\nWohlgeriikhe wehu,\nBerliebter Frühling.\nWird iie auf dem Berge stehn,\nWage ich den Aufjtieg nicht.\nWenn Iie sikh dem Blonde weiht,\nBin ich weit -———\nBerliebter Frühling.\n\nK. Sdichmid, Das raieude\nLeben. Zwei Aovellem Kurt\nWolfh Verlag. i916. Die\nerste dieser beiden Aovelleu lciiuute\nauch iu dem früheren Buche Sdichtuids\nkleben. Es ijt über sie uichts Restes\nzu jagen. Die zweite aber bringt\nNeues weuu auch nicht Uuerwartetea\nAicht das; iie etwa hielte, was das\nerfte Bart) veriprachz aber jie verbeifzt\nalles Schöue deutlicher, erregte: und»\nnäher."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.17", "texte": "Sie ist, was das Können angeht, wohl\nsicher die schlechteste unter den bisher\nbekannt gewordenen s Aovellen Go-\nschmids Rirgends dnrkhschant - man\ndie vielbewnnderte Technik so leicht\nwie hier. Der mordende Perser in\nder Pariser Spelnnke, dcss kenternde\nBoot im Starnberger See, der heutige\nKopf im Dirnenhaus des gennesisrhen\nHasenviertels (!), der erhängte Konstr-\nmand im Park, der Brasiliauer im\nDsiuudschneestnrmhinterKownckDurch\nsolch eine Aufzählung vieler kleiner\nBilder wird einem schnell nnd ange-\nnehm das Bewnsztsein des ,,rasenden\nLebens« vermittelt. Auf die Dauer\naber (es kommt in seder Geschichteh\nwirkt es dort) etwas komisch. Man\nmerkt die Technik: Der boxende Chi-\nnese in Westsalem der am Tripper\nleidende westsäliskhe Geistliche im Blu-\nuienboot unterm Zndsi. seltene Si-\ntuationen in einfacher Gegend, ein«-\nsache Situationen in seltener Gegend.\nNachfolger Gdschmids werden diesen\nZweig der Literatur mit Hilfe von\nBaedeker nnd Konversationslexikon zu\nungeahnter Bliite bringen.\nDieses und mehreres durchschaut man\nlächelnd nnd freut sich im übrigen, dass\nalle Schwächen gerade in dieser besten\nQlchichte am sirhtbarsten werden. Sie\nwerden nämlich deshalb sichtbar, weil\nhier endlich das Können nicht mehr\nCUsWkcht, weit es sich hier um Dinge\nhandelt, bei denen ,,Kännen« nnd Tech-\nnik nichts mehr helfen. Um Erkennt-\nnis, Bauge--sein, Liebe, Demut. Auch\nhier verbirgt sich die Grschiitternng\nhinter der gross-pathetischen Geste.\nAber man dnrchschant sie leicht und\nfkeht den Menschen, der sie macht,\nswie hinter einem schlechten Aktenr),\nden armen, teideuden, riihreudeu\nMenschen.\nWas tut es, das; dieser Ossizier von\nseiner Todesangst, die nichts anderes»\nist als Lebensfreude, die bange ge-\nworden ist nnd nicht zu jubeln wagt,\nwas tut es, das; er in gequälten\nund nicht eben einfachen Worten von\nihr spricht? Die Hauptsache ist, das?\nhier erlebt wird nnd das; das Er«-\nlebte lebendig wird. Ein s unendlich\nwehes und siisjes Gefiihl von tiefster\nInbrunst erlebt nnd von der gleichen\nInbrunst wieder gerufen. schmerz-\nlich und beseligend. Srschiitternd —-\nihn und uns. Was tut es, das; das\nalles nicht ,,gelconnt« ist, das? es\nlcrampfhaft erzählt wird und Krampf-\nhaft endigt, was tut das? Da alles\nso schön ist, so mehr als schön, so\nmenschlich.\n\nH. s.\n\nGustav Aieyrinlc, Der Go-\nlem. Knrt Wolf Verlag.\nSchon lange wußte man von diesem\nRoman. Hier nndda waren Bruch«-\nstiiclce zu lesen und es wurde mehr iider\nihn geredet als iiber manches fertige\nBuch. Ietzt ist— er da, ein sertiges\nBuch. Aber man mag nicht glauben,\ndas; es ,,fertig« ist nnd erledigt wie\nandere Bücher, wenn sie gedrnclct\nsind. Man wiirde sich vielmehr gar\nnicht wundern, wenn es beim zweiten\nund dritten Lesen recht anders wäre,\nals beim ersten, recht verwandelt. Aian\nerwartet alles mögliche, nein, im Ge-\ngenteil, alles Unmögliche fiir dieses\nanszerordentliche Buch.\nWie soll ich es nun lcritisieren? Ich\nmöchte ia gar nicht, das; es an irgend\neiner stelle anders wäre, als es ist.\nIch möchte nicht einmal, das; der (von\nlceiner schwer-Figur an märchenhak\ntem Edelmut äbertrosseny iiidische\nStndilcer charouselc wahrscheinlicher\noder iiberhanpt nur anders wäre."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191603-01.1.18", "texte": "Edeipniitixy edeiwiitixh nntnenichlich\nmenjchlich ikk diejer Menjklx Dafür:\naber iind viele andere auf mn io\nmenjchlichere Weise unmenschlich.\nWie ein Theater ist dieses Buch, ans\ndessen Biihne Menschen, Gespenster,\nMarionekten und (schlechte) Schauspiel»\nfungieren. Die Marionetten sind\nmenschlich, die Menschen unmenschlich\nnnd die Gespenster lebendiger als beide.\nTolle, lcomische, schreckliche Szenen\nquälen diese armen Leute. Am unver-\ngeszlichsten aber bleibt eine Szene, die\nweder toll noch lconiisch und iiberhaupt\nlceiue Szene ist. Eine fremde, feine\nDame biktet einen einsamen älteren\nKnaben (brieslich), ihr in schreckliche:\nRot zu helfen. Und der alle Herr. lder\nkeine: ist) vergißt einen Moment fast,\ndaf- iie, der er helfen solt und will, in\nRot nnd Angst ist, so unbeschreiblich\nfreut er sich, das; er was tun und helfen\nkann. Er weis; nicht wie, er weiß nicht\nwas, er weis; blos, das; jemand ihn nötig\nhat. Das ist die schönste, die ergrei-\nfendste stelle dieses Buches, das sv\nviel Aienschliches und Uumeuskhliches\nerzählt, das so grausam uud so gütig,\nso unglaublich und so wahrscheinlich,\nso schrecklich und so riihrend ist, nnd\nvon dessen hundert Menschen die\njympathiskhsle Figur: und vielleicht gar\ndie menschlichste ein Lusttuiisrder ist.\nDiese Stelle und diese Figur allein\nmachen Megrinlc und sein Buch fiic\nlange, lange Zeit nnfterblikix\n\nH. S.\n\nRedaktionelle notiz\nHans siemsen\nZu früheren Hefien find bereits, in künftigen\nSeiten werden noch einzelne Cgraphijche jowohl wie literariikhe) Beiträge ers«\nscheinen, die ich weder was ihre Ziele, noch was ihren Wert angeht, verteidigen\nnnd verantworten kann. Es lind das Arbeiten, die noch von meinen Vorgängers;\nangenommen wurden, nnd die zn bringen ich (leider) verpflichtet bin.\n\nHerausgeber: Otto Haasssjexw Berlin, Pariser Platz ?\nVerantwortlicher Schriftleiter:\nHaus Sie-Ufern, Lichterfelde, Sternjtrasze 25\nsiir unverlangte Capinlendungen keine Gewähr\nIn öfter-reich für die Reduktion verentwortlich Hugo Heller, Wien, I, Bauernmatlct Z\nDruck von H. S. Her-man« in Berlin"}]}