{"numero_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_sha256": "aca1a15e1b5a713ea1ad8bae4cfaa845ac5abd75ed69bd794391cc8227b73412", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1916/04_01/bmtnabb_1916-04_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1916/04_01/bmtnabb_1916-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-04_01#c002", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.2.2", "titre_corps": "Snhatt:", "titre_sommaire": "Snhatt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.2", "debut_caractere": 19, "fin_caractere_exclue": 421, "texte": "Snhatt:\nElle Laslsersschäler J Au zwei Freund«\nErnejto de Ziori - origtuatåsteiudruktc\nKurt Hillet - Mörser-Buch\nRudolf Groszmann - Original-Steinhauer:\nZtiedkkch Mars( X Kommentar\nWalker Bangetkek X Origiuabsieiudrtwi\nTheodor Wolfsky X Das Präiens veu Berlcholleuieiu\nC. s. Savaty - Modebild Vll - Orkginalsssteindtnclc «\nGlossen und Kräftigen. e\nEinzelheft Mk. I.—-—- Vierteljährlich [6 HefteJ Atlas."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-04_01#c003", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.2.3", "titre_corps": "An zwei Freunde", "titre_sommaire": "An zwei Freunde", "signature_source": "Slie Tasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 416, "texte": "An zwei Freunde\nSlie Tasker-Schüler\nIch bliclce nachts in Euren slillen Stern.\nEs schwimmen Tränen braun um meinen Aiandellcern\nUnd meine schelten spielen siisz am Kleiderrand.\nJch trage einen wilden Kerl( im 0hrlapp,\nUnd Aionde tätowieri aus meiner Hand.\nVersteiule Käfer fallen von der Schnur ab.\nIch liebe Euer glilzernd 3aclcenland,\nUnd sehne mich nach goldnem Edelpunsche,\nAusglimme unsichtbar in Eurem Wunsche."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-04_01#c005", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "103", "image_debut": 5, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.2.5", "titre_corps": "Auszug aus einem Mörser-Buch", "titre_sommaire": "Auszug aus einem Mörser-Buch", "signature_source": "Kurt Hiller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2643, "texte": "Auszug aus einem Mörser-Buch\n\nA n a r rhie. I. Die Gesellschaft hat es noch nicht verstanden, ohne Ver-\nbrechen ansznkommem Aber wie viele ,,Verbre\"cher« wären bereit, ohne die Se-\nsellskhast anszulcommenl Man gebe ihnen die Möglichkeit: man mache, den An-\narchismus zu widerlegen, endlich irgendwo ein auarkhisrhes Experiment.\nL. Zum Anarrhismus kann man giinsligstensalts so stehn: Um die Freiheit\nvom Staate zu verwirklichen, miisseu wir uns des Staates als Mittels bedienen.\nE h a u v i n i s m n s lmit nmgekehrtem Vorzeichen) Es soll in Paris Leute\ngeben, die dentsrhtiimlicher sind als Romain Rollaud, dieser dentsrheste aller stau-\nzosen. Sie srhimpfen auf ihr Vaterland, was das Zeug hält. Es werden die liber-\nklngen sein, die wahrhaft 0riginellen nnd Vielznwenigen, die Köche der letzten\nintellektischen Hautgoüts, die Geliebten des Ernmpfs der Auslese. Ich möchte aber\nbemerken: Ehauvin bleibt Ehauvin, in Frankreich, ob er sich die Scheulclappe blan-\nweiszsrot anstreicht oder schwarzsweiszsrot Auch bei uns gibt es, neben dem pro-\ndeutschen ldas ist bekannt), autidentschen Ehauviuismns Aiemand sei dennnziertz\naber mancher Eallos nnd Rnssophile im Eafe d. VI. wirkt wie der bezahlte Agent\neines Konsortiums rheinischer Srhweriudustrieller . . «. mit dem Auftrag, die paar\nSympathiegefiihlm die bei veruiinstigen Deutschen siir geguerisrhe Völker noch be-\nstehen, nach Kräften auszurotten. De meine« Ljebkneehtz bonhomme sang contes,\ntravaille Sinon pour le roi rle Frasse —- ilu moins pour le: äauphith\nZ a ch m a n u. Als der Konstrnktor der ersten Lokomotive sein Modell dem\nMinister von England verführte, sagte dieser: ,,Ansgezeirhnet, Sir; Ihre Er-\nfindungsgabe, Ihre Ansdaner, Ihr ziiher Eharakter in Ehren; aber Sie find ein\nDilettant. Die elementarsteu Regeln des Wagenbans beherrschen Sie nicht: Sie\nhaben die Deichsel vergessen« »,\nZ o r m. Zorm ist der agitatorisrhe Knifs der Idee. Als solcher wichtig,\nnicht wesentlich. Zormalismns ist die Albernheit, ein Mittel ernstznnehmen. lVeis\nspiele: Die Expression — ein Mittel, hervorzuheben; was denn?; die Erkenntnis«\ntheorie —- eiu Mittel, zu denken; was denu?; die Ekstase s— ein Mittel, zu handeln;\nwas denn?) Es bleibt asfig, die Vierte »Stil«, ,,Scharfsinn«, »Ranskh« zu verab-\nsolutiereu —— wie die Pfaffen der sängstverflossenen Kultur: der Ästheh der Lehr-\nstuhlphilosoph, der Przybgszewskianey es taten.\nEeistigkeit Airht weil wir sie besitzen, lieben wir sie; sondern weil\nwir sie liebten, suchten wir sie zu erringen. lAnrh gibt» es Eigenschaften, die wir\nsticht hassen, weil sie uns fehlen, sondern die wir in uns zu entwickeln vermiedem\nweil wir sie haötems"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2796, "texte": "Genie. I. Die Grenze zwischen Dilettautisinns nnd Genie ist kauin fest-\nlegbarz der Geniale ist allemal ein ins Heroische gesteigerter Dilettant. Aber\nGenie und Talent grenzen iiberhanpt nicht aneinander. «\n2. Z. St. T. sagte: ,,Gs gibt kein Genie; es gibt nur stets. Was ich mit,\nkann ich auch.« Ich erwiderte: »Ja, aber ich will nur, was ich kaum«\nGott. Zum Geiste Gott zn sagen, wäre Lästerung der Ratur; zur Ratnr\nGott zn sagen, Lästerung des Geistes. Geseht nun, alleAntinomien lieszen sich auf«\nlösen, so wiirde im Gesamtbereich des Denkens doch e i n Gegeusatzpaar bleiben, das\nnicht unter höhere Ginheit zu bringen Nu: die Antithesis von Seiendem nnd Sein-\nsollendem, Gros nnd Logos, Ratnr nnd Geist. Ihre Giuheit wäre das schlechthin\nUnbegreifliche. Rennen wir sie Gott, so entkleiden wir wenigstens den Satz »Gott\nist das Unbegreisliche« seiner Gemeinplälzigkeit und Verschwommenheit. Anch\nlohnt es sich wohl, edle Begriffe zu retten, abgetatzten den alten Glanz, kompro-\nmittierten ihre Wiirde wiederzugeben.\nH a n p t m a n n (Gerhart). Dieser Dichter schrieb ,,Die Weber« nnd bezog\ndann, mit dem Einkommen eines Grosznnternehmers eine Villa der Göte d’Azur.\nKurz vor dem Kriege sah man Photos von ihm, wie er, in der Kleidung eines nach-\nlässigen Glåganh an den Vitrinen seiner archäologischen Sammlung lehnt. Ich habe\ngar nichts gegen den Luxus lnicht die Reichen sollen arm, sondern die Armen reich\nwerdend; aber wer wie ein Kommerzienrat vegetiert, dem mäszte es wenigstens\nverboten sein, friiher »Die Weber« geschrieben zu haben.\nSegel. Sein Fehler: Dass er den Logos ans dem Deuter ins Gedeutete\nverlegt nnd dem Gthos damit allen Raum raubt. ,,Was wirklich ist, ist verniinftigE\nheifzt lwofern ,,wirklich« nicht zuvor insgeheim als Bezeichnung fiir das Verniinftige\nintroduziert ward —— was jenen Satz-Götzen als einen höchst tönernen enthüllen\nwürde, nämlich als Cautologiey Jeder Versuch einer Rationalisiernng des Empf-\nrischeu ist gegenstandslos; denn Ratio ist dem Gmpirifchen schon immanent, wohnt\nihm inne. Vernunft in die Wirklichkeit . . . hiesze Gulen nach Athen tragen; die\nWirklichkeit in nichts ais die iceiichciche Hiiae des Weit-Seines, de: »meine-««-\nsionalen objektiven Vernunft —- welche vom Snbselcte, dieser verächtlichen Riikrobe,\nans in die Wirklichkeit eingeleiteu zu wollen, vermessen nnd lachhaft wäre. Das\nHegelsche Axiom bedeutet demnach: Heiligung alles Vorhaudnen; Befreiung des\ngeschichtlich Gewordenen von der Pflicht, sich als gesollt zn rechtfertigen; Rus-\nlchAlkUUg von södeologie, Gthos, Geist, Utopik; Ansschaltung iiberhaupt\ndes Ri ens a) en, als des eingesetzten Verschwörers gegen die\nRatnr; Ratnralismnsz Apotheose der lunr durch automatische ,,Gntwiclclung«\ngemilderten) Veharrnngz krasseste nnd konsegueuteste soriuel des Kouservatismum"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2580, "texte": "Ouietismns, Passivismns Aber diese Bedeutung des berühmten Satzes tiiulchen\nauch die metaphgsizierlichsten Skhmoclcereieu nicht hinweg.\nHegel ist an der Historischeu Schule, Hegel ist fiir sein Teil an diesem ganzen\nelenden l9. Jahrhundert, dem siecle ooutre la Reaktion, schuld; Hegel lautet\nder Rame fiir alles, was suit Mitteln des Geistes gegen den Geist ist; der Name\nalles Betrachten; und seine Verteidiger, mehr noch seine KrgptmGrueuesrer (die\nheutin der Philosophie die letzte Mode bilden) sind so verdächtig wie er. Wider-\nlegt fiel Zegt sie hinwegl\nHe n ch e le i. Wer imstande ist, eine Psgchologie des »oui«« zu schreiben,\nund zwar eine sehr gute, der sollte sich nicht hinsetzen nnd eine schreiben. Denn\nalle Psgchologie wenigstens die sehr gute) lebt davon, das man von sich auf andere\nichciekzk «\nK e r r. Bzundervolter Spiitling des achtzehnten Jahrhunderts . . . und\nsriihliug des zwauzigstenl\nA! ii s? i g l( e i i. ,,Poktiter in re, snavjter in ktoiloE ein völlig nnlctiuskis\nlerisches Prinzip; denn der stoclas ist verpflichtet, in so iuniger Harmonie mit\nder Res zu sein, wie der Leib mit der Seele. Aber auch ein uns-sittliches. Be-\nnimmt sich nämlich der Indus suavjtottz so wird die Ros gewiß nicht kortis seit!\n—- oder jedenfalls is qui rem get-it nicht.\nO r g a n i s ation. Organisation dars natürlich niemals Selbslzweclc wer-\nden; ihr Zweclc ist: einen Zustand herbeizuführen, der Organisation iiberfliissig\nmacht. — Rath dem Paradies lcam die Hölle; ans der Hölle muss der Staat\n(die Organisation) uns zum Paradiese zuriictcgeleitem Der Staat ist noch längst nicht\nbeendet; dieser Krieg, beispielsweise, erbringt den surchtbarsten Beweis fiir dte\nTatsachg das der Planet noch nicht geniigend durchstaatlicht war. —- Staat, der\nIdee nach, = verwirlclirhte Sittlichlceitz Staat, in der Gmpirie, keineswegs das\nGegenteil: verwirlcliehte Unsittlichlceit Cwie der Auarchismus behauptet), viel-\nmehr: unvollkommen verwirlclichte Sittlichlceit —- deren Physiognomie freilich\nabsoluter Teufelei oft zun- Berwechseln ähnelt.\nP hilist e r. Der Bierphilister ist ein ordentlichen Dummlcopfz der Ab-\nsguthphilisten ein nnordentlicheu Wenn· aber schon Dnintnlcoph dann lieber den\nmit der Ordnung!\nR e i n er T o r. Nicht Tor sein nnd doch rein: wer das fertig bringt» der\nwird unerbittlich beschmissem verrisseu, zerbissen. «\nR i l lc e. Villers Bedeutung sweuu wir duldsam genug sind, überhaupt\n--Bedeutung« dort Zuzugeben, wo Gegensätzlichlceit stiert) ruht im tiisthetischen nnd\nTechnischen: er hat eine unerhört reiche und nuerhiirt empfindliche Sinnlichkeit"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2133, "texte": "tøezanbernd verwortet Dieses Rerveutnrn war vorher ans deutscher Erde nicht da;\nzurnindest in Verbindung niit diesen: Könuertnin nicht. Aber das Ethos Rillces ist\nabzulehnen: iiberall verherrlicht er den beschanlichen Typus —- ans Kosten des\ntätigen. Seine Kunst stinmliert nicht, sie gnietisiertz bestensalls ist sie rettender\nPort siir edle Gescheitertez nicht Stern, der Borwärtssehnenden nene Kiisten weist;\ndoch nur solche Kunst lassm wir sortab gelten.\nDer Satirilcer.\nUns bessern möchte er? Geschichteul\nRicht helfen will er, sondern . . . dichten.\nSt will von nnser aller Knochen\nDie Snppe seines Riihtnchens kochen.\nUnd wären wir, wie er es postnliert,\nUnd wäre Gottes Reich hienieden eingeführt\nlDas selbst die ,,Rene sreie Presse«\nBeschämt ihr Tor ans ewig schlässe)\n-—-: In einer solchen\nWelt wärd’ er sich erbolchent\nSchwarzrotgold Bis vor 45 Jahren: Ziel der deutschen Pa-\ntrioteu — die Sinignng Deutschlands. Warnzn nicht von nnn an: Ziel der enros\npäischeu Patrioteu -—-· die Einignug Europas?\nTote r a n z. l. Der Mann von Idee hat einen srhtnächtigen Feind: den\nMann tnit der Gegeaidee Und er hat einen nkächtigem den ödeelosen.\nS. Jeden Dreclc toleriereu die Tolerantein aber die heilige öntolerauz\ntolerieren sie nicht!\nJ. Mein Zrennd W. H. betuäugelh das ich ,,an Stelle« unsrer umsischen\nKultur die politische sehen will; er schlägt vor: »m- die Seite«. —-— Lieber! Wollte\nMoses ,,au die Seite« der äggptischeu Zleischtöpse Milch nnd Honig des· Geloblen\nLandes setzen? Wollte Sokrates ,,an die Seite« des Sophiste-status die Philosophie\nsehen? Wollte Luther ,,an die Seite« der Papsteslcirche eine protestantische setzen?\nVerstehst du nicht, das: Politizität der P rotest gegen Mnsischlceit ist; das; eine\nPolitik, die ,,neben« Mnsils möglich wäre, ja wieder blosj einen soll von Musilc\nbedeuten wiirdez ein neues Gericht siir den Stranhenncagen des Modernen, eine\nneue Attitäde des gelangweilten Snob? —-- Ist das Mnsische Fläche nnd das Poli-\ntische Raum, so gliche eine Politik-Haltung, wdche Mnsivität noch neben sich ge«\nstatten wiirde . . ., gewaltet Architektur. Dn bist Canaletto nnd bleibst in der\nM« s"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1088, "texte": "U to p i e. Utopie im Wortsinn besagt: Zustand, der noch nirgends herrscht.\nMiithin ist jedes Denken, das nicht letzten Sndes ntopisch wäre, unanständig F—\nweil hinnehniend. Utopie als S i n w a n d iwiirde ich desinieren . . . nicht als etwas\nVzänschenswertes das nnersiillbar scheint, sondern als etwas Ersiillbares das nicht\nwert ist, gewiinscht zn werden. (Ich widerspräche also z. B. dem Pariser nicht,\nder seine Landslente belehren würde: Retabliernng der Erbnronarchie ist ntopisch.\nDerselbe Pariser könnte ein vorziiglicher Prognosliker sein nnd die Riickkehr der\nKönige siir ganz wahrscheinlich halten.)\nV e r g a n g e n h e i t. Die Vergangenheit ist nninteressantz nnr iiber die\n»Znknnft lohnt es sich nachzudenken. Das; man »aus« der Vergangenheit ,,lerne« —-\nsdieser immer noch nnbewiesene Gemeint-lat- positivistiskher Oberlehrer hätte allenss\nfalls etwas fiir sich, wenn es daraus ankäme, ,,die Gegenwart zn verstehe-E.\nUns kiimmert aber die Gegenwart einen Quark. Wir wollen nicht die Gegen«\nwart, sondern die Zukunft; nnd nicht verstehen, sondern verändern.\n\nKurt Hiller"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-04_01#c006", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "106", "image_debut": 9, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.2.6", "titre_corps": "Sin kleiner Kommentar zu vorstehendem Wörterbnch.", "titre_sommaire": "Sin kleiner Kommentar zu vorstehendem Wörterbnch.", "signature_source": "Friedrich Mark", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.9", "debut_caractere": 1090, "fin_caractere_exclue": 2275, "texte": "Sin kleiner Kommentar zu vorstehendem Wörterbnch.\n\nso rm. Beispiele? Der Optiker, der seine Gläser schleift, ohne sich um\nAstronomie zn kümmern; der Srhifssbaneg der lcein fremdes Land gesehen hat.\nEs ist nicht wünschenswert, dass wir alle Optilcer nnd Schifssbaner sind. Aber\nsohne sie, was wüßten wir von den Sternen nnd wie weit wären wir gekommen\nbeim Grdnmsegeln? —- Kants ganze Arbeit war der Versuch, eine rein formale\nFrage zu beantworten: Wie if Erfahrung möglich? Aber er war weder ein\nAffe noch ein Pfaffe.\nGeistiglceit Siehe Plato. Wessen Sohn ist Srosf Des Mangels.\nWoher sollte dem Besitze i auch die Kraft zur Liebe kommen, die die Sehnsucht\nhat? «\nGenie. Jeder Skhütz zielt über sein Ziel hinans. -- Gs hat nur Zweck,\nzu wollen, was nrau nicht lcann lund nicht hat). Denn was man lsann lnnd hats,\nbraucht man nicht erst zu wetten.\nGott. Gdle Begriffe pflegen gemeinplützig zn sein, und das erhöht nur\nihre Würde. Gott ist deshalb lebendig, weil er in« tausend philosophischen nnd\nunphilosophisrhen Köpfen nnd Aiüulern abgenützt nnd abgebrancht wird. -—\nAlte Statuen, die das Wetter zerfressen hat, sind schöner als mnsenmsbehütetg\nSie sind edel, die andern nnr nornehnn"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2620, "texte": "Hauptmann. Da nicht franziskanifche Armut, foudern Reichtum das\nIdeal bleibt, fteht zur Frage, ob Vitriuen mit arrhiiologifchen Sammlungen und\nein guter Schneider Hinderuiffe fozialiftifcher Agitation find. Wie ftaud es mit\nLaffalle? Und der Dichter des ,,Germiual« war, foviel ich weiß, Gourmand. —\nHauptmann könnte meinethalben 1000 Vitrineu mit arkhiiologifchen Kostbarkeiten\nbefitsen. Bedeuklirh wird es erft, wenn er die Welt durch diefe Vitrinen fieht.\nDas follte dem Dichter der ,,Weber« nicht erlaubt fein.\nHegel aber heißt auch der Ausgangspunkt von allen nur möglichen\nRadikalismen des l9. Jahrhunderts. Airht die Waffe tut’s, foudern der Geift,\nin dem fie geführt wird. Hegel gegen Hegel, warum nicht? Heute wie geftern.\nHeuchelei. Gr follte fich freilich hinfelzem nnd zwar darum, weil\nniemand Befferes tun kann als sikh felber beichteu.\nKer r. Wobei das zwanzigfte Jahrhundert zu tun haben wird, wenn\nfeine Zriichte den Zrühlingsbliiten eutfprekhen folleu.\nAi iiß i gkeit. Wozu zu bemerken ift, daß ucerhitas nicht mit korri-\ntuäsp identifch ift. Ungarwein ift fiiß und köpft doch gewaltig. Aicht der briilss\nlende Ares, foudern Apollo war der Befieger des Drachen Pythom\n0rganifation. l. ,,Dat is’n 0vergaug,« fä de Roß, ,,do trekkeu fe\nem dat Zell över de 0hren.« 2. Alfo der Staat als Schule. Da wir nun noch\nauf der Schulbank filzeux wollen wir die großen oder die kleinen Anftalten?\nDezentralifation oder ·-—-? Wikhtigfte Grziehuugsfragel\nReine r Tor. Dur. H, 22: ,,Selig feid ihr, fo euch die Tiienfchen haffeu\nnnd euch abfondern und fchelteu, nnd verwerfen euren Ranken als einen boshaftigein\nsreuet euch alsdann und hiipfetl« r\nR i l k e. Schadel Da Gegenfiitzlichkeit fo fehr die Kräfte fteigert nnd darum\nan fich bedeutuugsvoll ift. Grft wenn das Wißtraneu in nnfere Kraft uns an\ndiefer Freude hindert, werden wir eine Partei-Kann proklamieren, die fortab\nalleine gilt. -— Und auch dann darf man vielleicht Rilke Pardon geben als\nPort der Gefcheitertem Sei es auch nur aus dem Gedanken, daß wir alle mal\nzu irgend einer Zeit uuferes Lebens Gefeheiterte fein können, ehe wir eine neue\nFahrt unternehmen.\nS ch w a r z r o t g o l d. Der Zahne Sthwarzrotgold gingen voran Goethe nnd\nSchiller und allerlei Röte, die, wenn nicht von alleu, doch von den beften als\ngemeinfam gefiihlt wurden. Haben wir Ähnliches fiir Europa? Dann wird\ndie europäifkhe Zahne nicht lange auf fich warten laffen.\nUtopie. Wo ift die Grenze zwifkhen Utopie als Notwendigkeit nnd\nUtopie als Luxus und Kraftvergeudung? —- Gs ift nicht nötig, daß alles Gute\nverwirklicht werde; aber daß alles Wirkliche gut werde, das ift nötig."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 608, "texte": "Be r g a n g e n h e i t. Der Arzt will auch den Kranken »verändern«, nicht\nverstehen nnd itndiert doch Anatomie nnd Pathologia —- Der Gärtner, der. beim\nPfropfen nichts von feinen: Bann( verftäudtz wiirde verwnnderlikhe Rejnltate\nerzielen. —- Jkt es mit Gegenwart nnd Vergangenheit io anders?\nAls Ergänzung vorzujrhtagem\nObertehren Skhimpfwort Etwa: pedantiicher Anchises-i. — Emp-\niehlenswert aus erzieherijkhen Gründen. Der Stand ijt ja nicht unwichtig fiir\nnniere Zukunft, nnd lockt) ein Stigma mnfk doch begeifternd nnd bejfernd auf ihn\n(den Stand) und verloclcend auf die Jugend wirken.\n\nFriedrich Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-04_01#c008", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "107", "image_debut": 12, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.2.8", "titre_corps": "Geehrte: Kommentaiort", "titre_sommaire": "Geehrte: Kommentaiort", "signature_source": "Ihnen ergeben K. 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Aus Hegel hätten sich Radilcalismen ent-\nwickelt? Sie meinen doch nicht gar das urlconservative Theorem des War-c,\nwonach die Umwälzung von alleene kommt, lcraft ewiger eherner Prodnlctionsgesetzez\nsene Hemmschuh-Lehre, die den Geist zur Hebamme erniedrigt?? (Was an Aiarx\nwirklich revolutionär war nnd also revolutionierte, stammte nicht von Segel; lv\nwenig wie das, was an den lungdeutskhen revolutionär war.)\nIkh lcö nnte erwidern: Der Partei der Weltänderung vogelperspetctivisch\n»Damit« zurufen, ist, als wollte ncan von oben herab zur Partei der anst ä n -\ndigeu Leute ~Pasrtei« sagen und die Schweinehunde als gleichberekhtigt in\nSchutz nehmen.\nIch lc ä n n t e erwidern: Anatomie nnd Pathologie einer Gesellschaft, die man\nkurieren will, muss man freilich studiert habenzaber nicht ihre Geschichte. Was\nwiirden Sie, blinddarmlcrantg von einem Arzte halten, dessen erste srage an Ihrem\nLager lauten würde: ~Wann vermählte sich Ihre UrgrosZmutterV\nAll dies nnd noch manches andre, das nahe läge, erwidere ich aber nicht.\nSondern ich antworte: Sie haben ja sooo recht! CRäMlikh von sich aus.)\nGlauben Sie, dasz zwischen im Kern Verschiedendeulcenden Iber Giuzelnes Dialektik"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 732, "texte": "nnöglith ist? s r n kh t b a r e Dialektik? —- Berantwortnngstoses Ge-\nwilzel hat doch hoffentlich das Schicksal, von nns beiden verachtet zn werden; ich\nsordere, gerad wo ich Heiterkeit sordere, Hintergrnnd. sogenannte Aphorismen\nbeschreiben lcein System des Denkens, aber sie folgern ans einem; greifen Sie\nmein System an, nicht etliche Spitzen, ans die ichs getrieben habe. Sxplizieren Sie\nöhr Prinzip -— wie ich das meine (an andrer Stelle) wütend-sorgfältig explizierte;\ndann wird sich erweisen, dafz Sie ein lclnger Apologet der Beharrnng sind; das\nnicht Wahrheit gegen Irrtum hier nnd nicht eininal »Weltanschannng gegen\nWeltanschanung« steht, sondern Cviet polarerl) Welt-Anschannng gegen\n«Welt-Wollnug.\n\nIhnen ergeben\nK. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-04_01#c009", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.2.9", "titre_corps": "Sehr geehrter Herr Dictionuiriusl", "titre_sommaire": "Sehr geehrter Herr Dictionuiriusl", "signature_source": "Ihnen ergeben Z. 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Ein Aphorisncns kann nicht cnehr leisten als ein Ding in\nein neues Licht stellen. Und nnn riickt der Kommentar es ein wenig herum:\n»So. —- Ia. Aber auch so.« Soll ich nun, wenn Sie eine dritte Seite herum-\ndrehen, auch noch den Buckel beleuchten? Als z. B» das ein Arzt freilich nicht\nnach der nrgrofznriitterlichen Hochzeit fragt, aber atlerdings nach dein ersten\nAuftreten der Blinddarncschmerzen nnd nach den vorausgegangenen Krankheiten?\nDafz Hegels konservative Theoreuce als Aiarxsche Waffe Ihnen vielleicht un«\nsympathisch find, aber suft uin des inerkwiirdigen Gegensatzes willen andre\nerheiteru? Dafz die Partei der Wettiindernng noch nicht ,,Partei« ist, aber\nin Gefahr gerät, es zu werden, wenn sie allzn bnllentniikig iiberatt anf Gegen«\nätzlichkeit stöszt ? Ich könnte das lnnd vieles) sagen. Aber wozu? Wenn ich auch\nnicht glaube, das die Sprache die Gedanken nnt seden Preis verhiitlen soll, -———\nCUZUsehr ein Aiisverstehen fürchten, ist anch ein Fehler. Karamboliereu wiirden\nwir eben kaum in einein satt, sondern wieder ,,iibereinander hinflitzenC Das\nwäre erfreulich fii r mich als »Welt-Anschaner« und ärgerlich fiir Sie. Und\nszkch kann es nicht wünschen. da bisher schon das Vergnügen an unserer Bekannt-\nIchafi ansjchließlich auf m e i u e r Seite war."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-04_01#c011", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.2.11", "titre_corps": "Das Präiens von Bericholleuiein", "titre_sommaire": "Das Präiens von Bericholleuiein", "signature_source": "Theodor Wolfskg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 233, "texte": "Das Präiens von Bericholleuiein\nTheodor Wolfskg\nHilf mir! Ich vergehe-\nOhne Kind.\nWenn wir sterben, Vater.\nWo iit meine 5telle?\nHat die Welt ein Loch,\nWenn ich oergehe?\nIch verwehe wie in: Wind.\nHilf mir doch,\nBaterl Ich verichelle —"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-04_01#c013", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 17, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.2.13", "titre_corps": "Glojjen und Kritilcen", "titre_sommaire": "Glojjen und Kritilcen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2493, "texte": "Glojjen und Kritilcen\n\nLllfred Wylieufteim (~Die fett-\niame Anomalie in meinem Dasein ließ\nmeine Gefiihle niemals dem Herzen, ließ\nmeine Leidenfchaft jtets dem Gedanken\nentfpriugen.« G. A. Poe)\nDer Begriff ~Gedankenl»nrik« behielt\nlange etwas Berdiichtiges von der pro-\nphylaktiicheu Art nnd Weile, mit der\ner auf der Schule in feinen vergnolleus\nften Gxemplareu gegen uns angewandt\nwurde. Dort gab es nämlich in den\ndurch-i nnd dnrchsgehechelten Beifpiess\nlen weder Gedanken noch Lyrik. Zu\nein paar Glitefiillen nur Gedanken\n(aber jeit Jahrzehnten tote Gedauken).\nspäter kam aus dem Grleben heraus\nder Begriff als ein ganz Neues, das\nFleisch nnd Blut bejasz. Da bliihte die\nErkenntnis, dasz ~Gedankenlyrik« nicht\nimmer blos? ertiiftelte und erjchwitkte\nBofjelei zu fein braucht, foudern in\nHerz nnd Hirn erlittene, im Gefühl wie\nin einem Fegefeuer reingegliihte nnd in\npraffelndeu Gruptioueu ans der Seele\ngerifjene seniation leibhaftig wandeln\nlaffen kann. s\nNämlich immer manifeftieren lich die\nzwei Grnndtypen in jeder Gruppe\nDichtung: Gefiihl nnd Gedanke, Herz\nnnd Hirn (oft gleichbedeutend mit dem,\nwas Geroinns als mnjikalifche nnd pla-\nstklche Gattungen der Dichtung nu-\nkkkichiedx Biirger und Klopftocltz\nSchickele nnd Werfei. (Bzir fagen\nheut vielleicht: Aeoßßielodilcer und\nAeo-Pathetilcer.)« Und schon indem\nich die letzten beiden Aamen hin-\nschreibe, wird klar, wie nahe ietzt die\nzwei Wege einander laufen: das Her:\nsingt, was das Hirn erfüllt, und die\nGedanken entladen in Blitzen der In-\nbrunst die Spannung, die die znclceuden\nGefühle znsammenballtem Das Ideal\ndes Hermaphroditen (mau deute das\nWort so wesentlich-platouisch, wie es\ngemeint sitt) nimmt Gestalt an. In\nAlfred Wolfeusteius Gedichtburh ~Die\ngottloseu lahre« (bei S. Fischer, Ber-\nlin) scheint mir der Pfad Lyrila der\nmehr durch die Stirn als durch die\nBrust steigt, am lcousequentesten weiter-\ngebahnt. Zwei Sätze hat dieser Dich-\nter, die wie Bergmanuslampen vor ihm\nher brennen: ~Kein Schicksal soll mir\nmeine Stirn entführen« und ~lm Gise\nblanlcsten Denlcens singt des Mannes\nMelodie . .« Dem Kompromisz mit\ntüudelnden Herrichteru glüttet sich lceiu\nGntgegenlcommem noch weniger mit\nden Alcrobaten restlos gelconnter Tech-\nnik. Gier liegt eine sußangelJ In\nder Prosa wäre Giustein oder Frau:\nluug eine nngefiihre Parallele, in\nRilke-Stücken wie ~Der Ball«, ~Der\nHund» entsprang vielleicht ein erster\nNachbar dafür. Straff dreht ein\nRhythmus, der sieh jeden Augenblick in\nder Gewalt hat, sein Seil, und der die"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2020, "texte": "ikhmerzhafte Geiftiglceit feiner Reiz-in-\ngeu unmittelbar erichöpfeud enthält und\nbehält. ZielbewuHt, ichwiudelfrey stetig\nlclimmt es von ~llulieherheit« zu\n~Sicherheit«. »Wenn es Götter gäbe,\nwie hielte ich’s aus, lcein Gott zu fein!\nAlio gibt es lceiue Götter! Wohl zog\nich den schlnsx nun aber zieht er mich.\nAlles Unvergänglikhe - das iit nur\nein Gleichnisl Und die Dichter lägen\nzuviel. -——— Aber von Zeit und Werden\nfolleu die besten Gleichuijje reden: ein\nLob lolleu jie fein nnd eine Rechtferti-\ngung aller Vergänglichkeit« heißt es\nbei Aietzjche lm Grunde ist auch\nAielancholei nnd Leid ein iolches Lob\nund eine Rechtfertigung . . Welten-·—-\nfteiniich: »Der die reißend jchöne\nSpannung nicht ansichwiegl Vom Le-\nben auch den Tod mitliebt nnd ihn lehr\nvertragen lcanu ———-l« Trauer if! hier\ndie ipezifijch iutellelctuelle Trauer der\nseinsAervigeu unserer Tage, eine\nschwermnh die nicht in io haudfekteu\nnnd greifbaren Dingen wie Liebeslcums\nmer nnd VouLziienichemßetrogenieiu\nwurzelt, iondern in der apartereu Gin-\nlamkeih mit der uns von nächtlichen\nSommerlrilchem von Stuben im Zin-\nltern, von vorhangloswflenen Zenlterm\nvon Zimmerdeckem von Gliedern des\neigenen Körpers, von einem »Nichts«\nWunden gelchlagen werden. Auch\nTrauer, drunterhin, dass man lo haar-\ndiinne Nerven hat, die Sachen nnd lich\nlelbft in lo lplitterwinzigen Nnancen zn\nempfinden, nnd dalz man von keinem\nGott willen darf, der dielen Kelch von\neinem nimmt. Die hellleherilche nnd\nhellhörige Snbrnnlt eines maskenlolen,\nbis zu den ,,«2Uiittern« getanchten\n,,Palmltröm« ltachelt lich nnd Gelpews\nlter am hellichten Tage werden lo ge-\npackt, das? nichts zn tun iibrig bleibt.\nDichten wird Nöntgenbeltrahlung des\nWorts, ein Heilmittel liir den Dichter\nnnd liir uns. »Ich bin ein Geländer\nam Strom: lalle mich wer mich fallen\nkann! Ente Kräcke aber bin ich nicht«,\nlchrieb Nietzlche . . Wolfenlteinilch:\n»Mit dem Atmen der Nacht mich ent-\nlchlackend, Nieinen Kopf lkhneeig weit\nnnd kalt, So entlchwand ich mir in die\nFerne.\"\n\nMax Herrmann Reifze"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-04-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-04_01#c014", "volume": "bmtnabb_1916-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 17, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.2.13.1", "titre_corps": "Lllfred Wylieufteim (~Die", "titre_sommaire": "Lllfred Wylieufteim (~Die", "signature_source": "Max Herrmann Reifze", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.17", "debut_caractere": 23, "fin_caractere_exclue": 2493, "texte": "Lllfred Wylieufteim (~Die fett-\niame Anomalie in meinem Dasein ließ\nmeine Gefiihle niemals dem Herzen, ließ\nmeine Leidenfchaft jtets dem Gedanken\nentfpriugen.« G. 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E§ linddas Arbeiten, die noch von meinen Vorgängeri-\nangenommen wurden.\nCAUf das vorliegende Heft nicht anznweudeny"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.1", "texte": "Zeit-Echo\n7\nSi: aphi »Der! a g Ntünch»e n T«;«.«"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.2", "texte": "Sonderausgabe Nr.\n\nSnhatt:\nElle Laslsersschäler J Au zwei Freund«\nErnejto de Ziori - origtuatåsteiudruktc\nKurt Hillet - Mörser-Buch\nRudolf Groszmann - Original-Steinhauer:\nZtiedkkch Mars( X Kommentar\nWalker Bangetkek X Origiuabsieiudrtwi\nTheodor Wolfsky X Das Präiens veu Berlcholleuieiu\nC. s. Savaty - Modebild Vll - Orkginalsssteindtnclc «\nGlossen und Kräftigen. e\nEinzelheft Mk. I.—-—- Vierteljährlich [6 HefteJ Atlas."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.3", "texte": "An zwei Freunde\nSlie Tasker-Schüler\nIch bliclce nachts in Euren slillen Stern.\nEs schwimmen Tränen braun um meinen Aiandellcern\nUnd meine schelten spielen siisz am Kleiderrand.\nJch trage einen wilden Kerl( im 0hrlapp,\nUnd Aionde tätowieri aus meiner Hand.\nVersteiule Käfer fallen von der Schnur ab.\nIch liebe Euer glilzernd 3aclcenland,\nUnd sehne mich nach goldnem Edelpunsche,\nAusglimme unsichtbar in Eurem Wunsche."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.5", "texte": "Auszug aus einem Mörser-Buch\n\nA n a r rhie. I. Die Gesellschaft hat es noch nicht verstanden, ohne Ver-\nbrechen ansznkommem Aber wie viele ,,Verbre\"cher« wären bereit, ohne die Se-\nsellskhast anszulcommenl Man gebe ihnen die Möglichkeit: man mache, den An-\narchismus zu widerlegen, endlich irgendwo ein auarkhisrhes Experiment.\nL. Zum Anarrhismus kann man giinsligstensalts so stehn: Um die Freiheit\nvom Staate zu verwirklichen, miisseu wir uns des Staates als Mittels bedienen.\nE h a u v i n i s m n s lmit nmgekehrtem Vorzeichen) Es soll in Paris Leute\ngeben, die dentsrhtiimlicher sind als Romain Rollaud, dieser dentsrheste aller stau-\nzosen. Sie srhimpfen auf ihr Vaterland, was das Zeug hält. Es werden die liber-\nklngen sein, die wahrhaft 0riginellen nnd Vielznwenigen, die Köche der letzten\nintellektischen Hautgoüts, die Geliebten des Ernmpfs der Auslese. Ich möchte aber\nbemerken: Ehauvin bleibt Ehauvin, in Frankreich, ob er sich die Scheulclappe blan-\nweiszsrot anstreicht oder schwarzsweiszsrot Auch bei uns gibt es, neben dem pro-\ndeutschen ldas ist bekannt), autidentschen Ehauviuismns Aiemand sei dennnziertz\naber mancher Eallos nnd Rnssophile im Eafe d. VI. wirkt wie der bezahlte Agent\neines Konsortiums rheinischer Srhweriudustrieller . . «. mit dem Auftrag, die paar\nSympathiegefiihlm die bei veruiinstigen Deutschen siir geguerisrhe Völker noch be-\nstehen, nach Kräften auszurotten. De meine« Ljebkneehtz bonhomme sang contes,\ntravaille Sinon pour le roi rle Frasse —- ilu moins pour le: äauphith\nZ a ch m a n u. Als der Konstrnktor der ersten Lokomotive sein Modell dem\nMinister von England verführte, sagte dieser: ,,Ansgezeirhnet, Sir; Ihre Er-\nfindungsgabe, Ihre Ansdaner, Ihr ziiher Eharakter in Ehren; aber Sie find ein\nDilettant. Die elementarsteu Regeln des Wagenbans beherrschen Sie nicht: Sie\nhaben die Deichsel vergessen« »,\nZ o r m. Zorm ist der agitatorisrhe Knifs der Idee. Als solcher wichtig,\nnicht wesentlich. Zormalismns ist die Albernheit, ein Mittel ernstznnehmen. lVeis\nspiele: Die Expression — ein Mittel, hervorzuheben; was denn?; die Erkenntnis«\ntheorie —- eiu Mittel, zu denken; was denu?; die Ekstase s— ein Mittel, zu handeln;\nwas denn?) Es bleibt asfig, die Vierte »Stil«, ,,Scharfsinn«, »Ranskh« zu verab-\nsolutiereu —— wie die Pfaffen der sängstverflossenen Kultur: der Ästheh der Lehr-\nstuhlphilosoph, der Przybgszewskianey es taten.\nEeistigkeit Airht weil wir sie besitzen, lieben wir sie; sondern weil\nwir sie liebten, suchten wir sie zu erringen. lAnrh gibt» es Eigenschaften, die wir\nsticht hassen, weil sie uns fehlen, sondern die wir in uns zu entwickeln vermiedem\nweil wir sie haötems"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.6", "texte": "Genie. I. Die Grenze zwischen Dilettautisinns nnd Genie ist kauin fest-\nlegbarz der Geniale ist allemal ein ins Heroische gesteigerter Dilettant. Aber\nGenie und Talent grenzen iiberhanpt nicht aneinander. «\n2. Z. St. T. sagte: ,,Gs gibt kein Genie; es gibt nur stets. Was ich mit,\nkann ich auch.« Ich erwiderte: »Ja, aber ich will nur, was ich kaum«\nGott. Zum Geiste Gott zn sagen, wäre Lästerung der Ratur; zur Ratnr\nGott zn sagen, Lästerung des Geistes. Geseht nun, alleAntinomien lieszen sich auf«\nlösen, so wiirde im Gesamtbereich des Denkens doch e i n Gegeusatzpaar bleiben, das\nnicht unter höhere Ginheit zu bringen Nu: die Antithesis von Seiendem nnd Sein-\nsollendem, Gros nnd Logos, Ratnr nnd Geist. Ihre Giuheit wäre das schlechthin\nUnbegreifliche. Rennen wir sie Gott, so entkleiden wir wenigstens den Satz »Gott\nist das Unbegreisliche« seiner Gemeinplälzigkeit und Verschwommenheit. Anch\nlohnt es sich wohl, edle Begriffe zu retten, abgetatzten den alten Glanz, kompro-\nmittierten ihre Wiirde wiederzugeben.\nH a n p t m a n n (Gerhart). Dieser Dichter schrieb ,,Die Weber« nnd bezog\ndann, mit dem Einkommen eines Grosznnternehmers eine Villa der Göte d’Azur.\nKurz vor dem Kriege sah man Photos von ihm, wie er, in der Kleidung eines nach-\nlässigen Glåganh an den Vitrinen seiner archäologischen Sammlung lehnt. Ich habe\ngar nichts gegen den Luxus lnicht die Reichen sollen arm, sondern die Armen reich\nwerdend; aber wer wie ein Kommerzienrat vegetiert, dem mäszte es wenigstens\nverboten sein, friiher »Die Weber« geschrieben zu haben.\nSegel. Sein Fehler: Dass er den Logos ans dem Deuter ins Gedeutete\nverlegt nnd dem Gthos damit allen Raum raubt. ,,Was wirklich ist, ist verniinftigE\nheifzt lwofern ,,wirklich« nicht zuvor insgeheim als Bezeichnung fiir das Verniinftige\nintroduziert ward —— was jenen Satz-Götzen als einen höchst tönernen enthüllen\nwürde, nämlich als Cautologiey Jeder Versuch einer Rationalisiernng des Empf-\nrischeu ist gegenstandslos; denn Ratio ist dem Gmpirifchen schon immanent, wohnt\nihm inne. Vernunft in die Wirklichkeit . . . hiesze Gulen nach Athen tragen; die\nWirklichkeit in nichts ais die iceiichciche Hiiae des Weit-Seines, de: »meine-««-\nsionalen objektiven Vernunft —- welche vom Snbselcte, dieser verächtlichen Riikrobe,\nans in die Wirklichkeit eingeleiteu zu wollen, vermessen nnd lachhaft wäre. Das\nHegelsche Axiom bedeutet demnach: Heiligung alles Vorhaudnen; Befreiung des\ngeschichtlich Gewordenen von der Pflicht, sich als gesollt zn rechtfertigen; Rus-\nlchAlkUUg von södeologie, Gthos, Geist, Utopik; Ansschaltung iiberhaupt\ndes Ri ens a) en, als des eingesetzten Verschwörers gegen die\nRatnr; Ratnralismnsz Apotheose der lunr durch automatische ,,Gntwiclclung«\ngemilderten) Veharrnngz krasseste nnd konsegueuteste soriuel des Kouservatismum"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.7", "texte": "Ouietismns, Passivismns Aber diese Bedeutung des berühmten Satzes tiiulchen\nauch die metaphgsizierlichsten Skhmoclcereieu nicht hinweg.\nHegel ist an der Historischeu Schule, Hegel ist fiir sein Teil an diesem ganzen\nelenden l9. Jahrhundert, dem siecle ooutre la Reaktion, schuld; Hegel lautet\nder Rame fiir alles, was suit Mitteln des Geistes gegen den Geist ist; der Name\nalles Betrachten; und seine Verteidiger, mehr noch seine KrgptmGrueuesrer (die\nheutin der Philosophie die letzte Mode bilden) sind so verdächtig wie er. Wider-\nlegt fiel Zegt sie hinwegl\nHe n ch e le i. Wer imstande ist, eine Psgchologie des »oui«« zu schreiben,\nund zwar eine sehr gute, der sollte sich nicht hinsetzen nnd eine schreiben. Denn\nalle Psgchologie wenigstens die sehr gute) lebt davon, das man von sich auf andere\nichciekzk «\nK e r r. Bzundervolter Spiitling des achtzehnten Jahrhunderts . . . und\nsriihliug des zwauzigstenl\nA! ii s? i g l( e i i. ,,Poktiter in re, snavjter in ktoiloE ein völlig nnlctiuskis\nlerisches Prinzip; denn der stoclas ist verpflichtet, in so iuniger Harmonie mit\nder Res zu sein, wie der Leib mit der Seele. Aber auch ein uns-sittliches. Be-\nnimmt sich nämlich der Indus suavjtottz so wird die Ros gewiß nicht kortis seit!\n—- oder jedenfalls is qui rem get-it nicht.\nO r g a n i s ation. Organisation dars natürlich niemals Selbslzweclc wer-\nden; ihr Zweclc ist: einen Zustand herbeizuführen, der Organisation iiberfliissig\nmacht. — Rath dem Paradies lcam die Hölle; ans der Hölle muss der Staat\n(die Organisation) uns zum Paradiese zuriictcgeleitem Der Staat ist noch längst nicht\nbeendet; dieser Krieg, beispielsweise, erbringt den surchtbarsten Beweis fiir dte\nTatsachg das der Planet noch nicht geniigend durchstaatlicht war. —- Staat, der\nIdee nach, = verwirlclirhte Sittlichlceitz Staat, in der Gmpirie, keineswegs das\nGegenteil: verwirlcliehte Unsittlichlceit Cwie der Auarchismus behauptet), viel-\nmehr: unvollkommen verwirlclichte Sittlichlceit —- deren Physiognomie freilich\nabsoluter Teufelei oft zun- Berwechseln ähnelt.\nP hilist e r. Der Bierphilister ist ein ordentlichen Dummlcopfz der Ab-\nsguthphilisten ein nnordentlicheu Wenn· aber schon Dnintnlcoph dann lieber den\nmit der Ordnung!\nR e i n er T o r. Nicht Tor sein nnd doch rein: wer das fertig bringt» der\nwird unerbittlich beschmissem verrisseu, zerbissen. «\nR i l lc e. Villers Bedeutung sweuu wir duldsam genug sind, überhaupt\n--Bedeutung« dort Zuzugeben, wo Gegensätzlichlceit stiert) ruht im tiisthetischen nnd\nTechnischen: er hat eine unerhört reiche und nuerhiirt empfindliche Sinnlichkeit"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.8", "texte": "tøezanbernd verwortet Dieses Rerveutnrn war vorher ans deutscher Erde nicht da;\nzurnindest in Verbindung niit diesen: Könuertnin nicht. Aber das Ethos Rillces ist\nabzulehnen: iiberall verherrlicht er den beschanlichen Typus —- ans Kosten des\ntätigen. Seine Kunst stinmliert nicht, sie gnietisiertz bestensalls ist sie rettender\nPort siir edle Gescheitertez nicht Stern, der Borwärtssehnenden nene Kiisten weist;\ndoch nur solche Kunst lassm wir sortab gelten.\nDer Satirilcer.\nUns bessern möchte er? Geschichteul\nRicht helfen will er, sondern . . . dichten.\nSt will von nnser aller Knochen\nDie Snppe seines Riihtnchens kochen.\nUnd wären wir, wie er es postnliert,\nUnd wäre Gottes Reich hienieden eingeführt\nlDas selbst die ,,Rene sreie Presse«\nBeschämt ihr Tor ans ewig schlässe)\n-—-: In einer solchen\nWelt wärd’ er sich erbolchent\nSchwarzrotgold Bis vor 45 Jahren: Ziel der deutschen Pa-\ntrioteu — die Sinignng Deutschlands. Warnzn nicht von nnn an: Ziel der enros\npäischeu Patrioteu -—-· die Einignug Europas?\nTote r a n z. l. Der Mann von Idee hat einen srhtnächtigen Feind: den\nMann tnit der Gegeaidee Und er hat einen nkächtigem den ödeelosen.\nS. Jeden Dreclc toleriereu die Tolerantein aber die heilige öntolerauz\ntolerieren sie nicht!\nJ. Mein Zrennd W. H. betuäugelh das ich ,,an Stelle« unsrer umsischen\nKultur die politische sehen will; er schlägt vor: »m- die Seite«. —-— Lieber! Wollte\nMoses ,,au die Seite« der äggptischeu Zleischtöpse Milch nnd Honig des· Geloblen\nLandes setzen? Wollte Sokrates ,,an die Seite« des Sophiste-status die Philosophie\nsehen? Wollte Luther ,,an die Seite« der Papsteslcirche eine protestantische setzen?\nVerstehst du nicht, das: Politizität der P rotest gegen Mnsischlceit ist; das; eine\nPolitik, die ,,neben« Mnsils möglich wäre, ja wieder blosj einen soll von Musilc\nbedeuten wiirdez ein neues Gericht siir den Stranhenncagen des Modernen, eine\nneue Attitäde des gelangweilten Snob? —-- Ist das Mnsische Fläche nnd das Poli-\ntische Raum, so gliche eine Politik-Haltung, wdche Mnsivität noch neben sich ge«\nstatten wiirde . . ., gewaltet Architektur. Dn bist Canaletto nnd bleibst in der\nM« s"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.9", "texte": "U to p i e. Utopie im Wortsinn besagt: Zustand, der noch nirgends herrscht.\nMiithin ist jedes Denken, das nicht letzten Sndes ntopisch wäre, unanständig F—\nweil hinnehniend. Utopie als S i n w a n d iwiirde ich desinieren . . . nicht als etwas\nVzänschenswertes das nnersiillbar scheint, sondern als etwas Ersiillbares das nicht\nwert ist, gewiinscht zn werden. (Ich widerspräche also z. B. dem Pariser nicht,\nder seine Landslente belehren würde: Retabliernng der Erbnronarchie ist ntopisch.\nDerselbe Pariser könnte ein vorziiglicher Prognosliker sein nnd die Riickkehr der\nKönige siir ganz wahrscheinlich halten.)\nV e r g a n g e n h e i t. Die Vergangenheit ist nninteressantz nnr iiber die\n»Znknnft lohnt es sich nachzudenken. Das; man »aus« der Vergangenheit ,,lerne« —-\nsdieser immer noch nnbewiesene Gemeint-lat- positivistiskher Oberlehrer hätte allenss\nfalls etwas fiir sich, wenn es daraus ankäme, ,,die Gegenwart zn verstehe-E.\nUns kiimmert aber die Gegenwart einen Quark. Wir wollen nicht die Gegen«\nwart, sondern die Zukunft; nnd nicht verstehen, sondern verändern.\n\nKurt Hiller\n\nSin kleiner Kommentar zu vorstehendem Wörterbnch.\n\nso rm. Beispiele? Der Optiker, der seine Gläser schleift, ohne sich um\nAstronomie zn kümmern; der Srhifssbaneg der lcein fremdes Land gesehen hat.\nEs ist nicht wünschenswert, dass wir alle Optilcer nnd Schifssbaner sind. Aber\nsohne sie, was wüßten wir von den Sternen nnd wie weit wären wir gekommen\nbeim Grdnmsegeln? —- Kants ganze Arbeit war der Versuch, eine rein formale\nFrage zu beantworten: Wie if Erfahrung möglich? Aber er war weder ein\nAffe noch ein Pfaffe.\nGeistiglceit Siehe Plato. Wessen Sohn ist Srosf Des Mangels.\nWoher sollte dem Besitze i auch die Kraft zur Liebe kommen, die die Sehnsucht\nhat? «\nGenie. Jeder Skhütz zielt über sein Ziel hinans. -- Gs hat nur Zweck,\nzu wollen, was nrau nicht lcann lund nicht hat). Denn was man lsann lnnd hats,\nbraucht man nicht erst zu wetten.\nGott. Gdle Begriffe pflegen gemeinplützig zn sein, und das erhöht nur\nihre Würde. Gott ist deshalb lebendig, weil er in« tausend philosophischen nnd\nunphilosophisrhen Köpfen nnd Aiüulern abgenützt nnd abgebrancht wird. -—\nAlte Statuen, die das Wetter zerfressen hat, sind schöner als mnsenmsbehütetg\nSie sind edel, die andern nnr nornehnn"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.11", "texte": "Hauptmann. Da nicht franziskanifche Armut, foudern Reichtum das\nIdeal bleibt, fteht zur Frage, ob Vitriuen mit arrhiiologifchen Sammlungen und\nein guter Schneider Hinderuiffe fozialiftifcher Agitation find. Wie ftaud es mit\nLaffalle? Und der Dichter des ,,Germiual« war, foviel ich weiß, Gourmand. —\nHauptmann könnte meinethalben 1000 Vitrineu mit arkhiiologifchen Kostbarkeiten\nbefitsen. Bedeuklirh wird es erft, wenn er die Welt durch diefe Vitrinen fieht.\nDas follte dem Dichter der ,,Weber« nicht erlaubt fein.\nHegel aber heißt auch der Ausgangspunkt von allen nur möglichen\nRadikalismen des l9. Jahrhunderts. Airht die Waffe tut’s, foudern der Geift,\nin dem fie geführt wird. Hegel gegen Hegel, warum nicht? Heute wie geftern.\nHeuchelei. Gr follte fich freilich hinfelzem nnd zwar darum, weil\nniemand Befferes tun kann als sikh felber beichteu.\nKer r. Wobei das zwanzigfte Jahrhundert zu tun haben wird, wenn\nfeine Zriichte den Zrühlingsbliiten eutfprekhen folleu.\nAi iiß i gkeit. Wozu zu bemerken ift, daß ucerhitas nicht mit korri-\ntuäsp identifch ift. Ungarwein ift fiiß und köpft doch gewaltig. Aicht der briilss\nlende Ares, foudern Apollo war der Befieger des Drachen Pythom\n0rganifation. l. ,,Dat is’n 0vergaug,« fä de Roß, ,,do trekkeu fe\nem dat Zell över de 0hren.« 2. Alfo der Staat als Schule. Da wir nun noch\nauf der Schulbank filzeux wollen wir die großen oder die kleinen Anftalten?\nDezentralifation oder ·-—-? Wikhtigfte Grziehuugsfragel\nReine r Tor. Dur. H, 22: ,,Selig feid ihr, fo euch die Tiienfchen haffeu\nnnd euch abfondern und fchelteu, nnd verwerfen euren Ranken als einen boshaftigein\nsreuet euch alsdann und hiipfetl« r\nR i l k e. Schadel Da Gegenfiitzlichkeit fo fehr die Kräfte fteigert nnd darum\nan fich bedeutuugsvoll ift. Grft wenn das Wißtraneu in nnfere Kraft uns an\ndiefer Freude hindert, werden wir eine Partei-Kann proklamieren, die fortab\nalleine gilt. -— Und auch dann darf man vielleicht Rilke Pardon geben als\nPort der Gefcheitertem Sei es auch nur aus dem Gedanken, daß wir alle mal\nzu irgend einer Zeit uuferes Lebens Gefeheiterte fein können, ehe wir eine neue\nFahrt unternehmen.\nS ch w a r z r o t g o l d. Der Zahne Sthwarzrotgold gingen voran Goethe nnd\nSchiller und allerlei Röte, die, wenn nicht von alleu, doch von den beften als\ngemeinfam gefiihlt wurden. Haben wir Ähnliches fiir Europa? Dann wird\ndie europäifkhe Zahne nicht lange auf fich warten laffen.\nUtopie. Wo ift die Grenze zwifkhen Utopie als Notwendigkeit nnd\nUtopie als Luxus und Kraftvergeudung? —- Gs ift nicht nötig, daß alles Gute\nverwirklicht werde; aber daß alles Wirkliche gut werde, das ift nötig."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.12", "texte": "Be r g a n g e n h e i t. Der Arzt will auch den Kranken »verändern«, nicht\nverstehen nnd itndiert doch Anatomie nnd Pathologia —- Der Gärtner, der. beim\nPfropfen nichts von feinen: Bann( verftäudtz wiirde verwnnderlikhe Rejnltate\nerzielen. —- Jkt es mit Gegenwart nnd Vergangenheit io anders?\nAls Ergänzung vorzujrhtagem\nObertehren Skhimpfwort Etwa: pedantiicher Anchises-i. — Emp-\niehlenswert aus erzieherijkhen Gründen. Der Stand ijt ja nicht unwichtig fiir\nnniere Zukunft, nnd lockt) ein Stigma mnfk doch begeifternd nnd bejfernd auf ihn\n(den Stand) und verloclcend auf die Jugend wirken.\n\nFriedrich Mark\n\nGeehrte: Kommentaiort\n\nIch l: ä n nte erwidern: Mein ~ich will nur, was ich kann« ist eine psych o-\nlogiiche These, aufgestellt gegen Börseauey die genieslceptisch behaupten, sie\nseien imstande, den Doryphoros zu weißem, die Aeunte zu setzen, den sanft zu\ndichten, falls sie nnr w o llte n; während Ihr ~es hat nur Zweck, zu wollen,\nwas man nicht kann« eine mo ralis che These ist: so das: beide nicht lcarambos\nliereu, vielmehr schief übereinander herflitzem\nIch te ä n nte erwidern: Hauptmann sieht die Welt durch die Vitrinez sonst\nwiirde er sich nicht, gelehnt an die Vitrine, der Gamera darbieten.\nIch tcä n nte erwidern: Wie? Aus Hegel hätten sich Radilcalismen ent-\nwickelt? Sie meinen doch nicht gar das urlconservative Theorem des War-c,\nwonach die Umwälzung von alleene kommt, lcraft ewiger eherner Prodnlctionsgesetzez\nsene Hemmschuh-Lehre, die den Geist zur Hebamme erniedrigt?? (Was an Aiarx\nwirklich revolutionär war nnd also revolutionierte, stammte nicht von Segel; lv\nwenig wie das, was an den lungdeutskhen revolutionär war.)\nIkh lcö nnte erwidern: Der Partei der Weltänderung vogelperspetctivisch\n»Damit« zurufen, ist, als wollte ncan von oben herab zur Partei der anst ä n -\ndigeu Leute ~Pasrtei« sagen und die Schweinehunde als gleichberekhtigt in\nSchutz nehmen.\nIch lc ä n n t e erwidern: Anatomie nnd Pathologie einer Gesellschaft, die man\nkurieren will, muss man freilich studiert habenzaber nicht ihre Geschichte. Was\nwiirden Sie, blinddarmlcrantg von einem Arzte halten, dessen erste srage an Ihrem\nLager lauten würde: ~Wann vermählte sich Ihre UrgrosZmutterV\nAll dies nnd noch manches andre, das nahe läge, erwidere ich aber nicht.\nSondern ich antworte: Sie haben ja sooo recht! CRäMlikh von sich aus.)\nGlauben Sie, dasz zwischen im Kern Verschiedendeulcenden Iber Giuzelnes Dialektik"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.13", "texte": "nnöglith ist? s r n kh t b a r e Dialektik? —- Berantwortnngstoses Ge-\nwilzel hat doch hoffentlich das Schicksal, von nns beiden verachtet zn werden; ich\nsordere, gerad wo ich Heiterkeit sordere, Hintergrnnd. sogenannte Aphorismen\nbeschreiben lcein System des Denkens, aber sie folgern ans einem; greifen Sie\nmein System an, nicht etliche Spitzen, ans die ichs getrieben habe. Sxplizieren Sie\nöhr Prinzip -— wie ich das meine (an andrer Stelle) wütend-sorgfältig explizierte;\ndann wird sich erweisen, dafz Sie ein lclnger Apologet der Beharrnng sind; das\nnicht Wahrheit gegen Irrtum hier nnd nicht eininal »Weltanschannng gegen\nWeltanschanung« steht, sondern Cviet polarerl) Welt-Anschannng gegen\n«Welt-Wollnug.\n\nIhnen ergeben\nK. H.\n\nSehr geehrter Herr Dictionuiriusl\nIhnen ergeben\nZ. W.\nUnd wenn ich nun attererst durch Ihr Wsrterbnch Lust bekeinnten habe, Ihr\nSystem kennen zu lernen ? So sollte ich keinen Kommentar znni Wiirterbnch schreiben?\nIch meine doch. Denn ein Kommentar if kein Angriff Sondern eine Stimme nnd\nAntwort. Ersehen Sie ans dieser Antwort, das Sie niihoerftaudeu werden, so kann\ndas Aianko natiirlich anc Antworter liegen, aber auch daran, das ein Wörterbnch\nam besten feinen Zweck erfüllt, wenn es nd Isra- clelphjsi geschrieben ist und ein\nAphorisiuns, wenn er nicht als Schleppe die Ancnerkung braucht: »vgl. mein\nOpus Il., pag. s27«. Ein Aphorisncns kann nicht cnehr leisten als ein Ding in\nein neues Licht stellen. Und nnn riickt der Kommentar es ein wenig herum:\n»So. —- Ia. Aber auch so.« Soll ich nun, wenn Sie eine dritte Seite herum-\ndrehen, auch noch den Buckel beleuchten? Als z. B» das ein Arzt freilich nicht\nnach der nrgrofznriitterlichen Hochzeit fragt, aber atlerdings nach dein ersten\nAuftreten der Blinddarncschmerzen nnd nach den vorausgegangenen Krankheiten?\nDafz Hegels konservative Theoreuce als Aiarxsche Waffe Ihnen vielleicht un«\nsympathisch find, aber suft uin des inerkwiirdigen Gegensatzes willen andre\nerheiteru? Dafz die Partei der Wettiindernng noch nicht ,,Partei« ist, aber\nin Gefahr gerät, es zu werden, wenn sie allzn bnllentniikig iiberatt anf Gegen«\nätzlichkeit stöszt ? Ich könnte das lnnd vieles) sagen. Aber wozu? Wenn ich auch\nnicht glaube, das die Sprache die Gedanken nnt seden Preis verhiitlen soll, -———\nCUZUsehr ein Aiisverstehen fürchten, ist anch ein Fehler. Karamboliereu wiirden\nwir eben kaum in einein satt, sondern wieder ,,iibereinander hinflitzenC Das\nwäre erfreulich fii r mich als »Welt-Anschaner« und ärgerlich fiir Sie. Und\nszkch kann es nicht wünschen. da bisher schon das Vergnügen an unserer Bekannt-\nIchafi ansjchließlich auf m e i u e r Seite war."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.15", "texte": "Das Präiens von Bericholleuiein\nTheodor Wolfskg\nHilf mir! Ich vergehe-\nOhne Kind.\nWenn wir sterben, Vater.\nWo iit meine 5telle?\nHat die Welt ein Loch,\nWenn ich oergehe?\nIch verwehe wie in: Wind.\nHilf mir doch,\nBaterl Ich verichelle —"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.17", "texte": "Glojjen und Kritilcen\n\nLllfred Wylieufteim (~Die fett-\niame Anomalie in meinem Dasein ließ\nmeine Gefiihle niemals dem Herzen, ließ\nmeine Leidenfchaft jtets dem Gedanken\nentfpriugen.« G. A. Poe)\nDer Begriff ~Gedankenl»nrik« behielt\nlange etwas Berdiichtiges von der pro-\nphylaktiicheu Art nnd Weile, mit der\ner auf der Schule in feinen vergnolleus\nften Gxemplareu gegen uns angewandt\nwurde. Dort gab es nämlich in den\ndurch-i nnd dnrchsgehechelten Beifpiess\nlen weder Gedanken noch Lyrik. Zu\nein paar Glitefiillen nur Gedanken\n(aber jeit Jahrzehnten tote Gedauken).\nspäter kam aus dem Grleben heraus\nder Begriff als ein ganz Neues, das\nFleisch nnd Blut bejasz. Da bliihte die\nErkenntnis, dasz ~Gedankenlyrik« nicht\nimmer blos? ertiiftelte und erjchwitkte\nBofjelei zu fein braucht, foudern in\nHerz nnd Hirn erlittene, im Gefühl wie\nin einem Fegefeuer reingegliihte nnd in\npraffelndeu Gruptioueu ans der Seele\ngerifjene seniation leibhaftig wandeln\nlaffen kann. s\nNämlich immer manifeftieren lich die\nzwei Grnndtypen in jeder Gruppe\nDichtung: Gefiihl nnd Gedanke, Herz\nnnd Hirn (oft gleichbedeutend mit dem,\nwas Geroinns als mnjikalifche nnd pla-\nstklche Gattungen der Dichtung nu-\nkkkichiedx Biirger und Klopftocltz\nSchickele nnd Werfei. (Bzir fagen\nheut vielleicht: Aeoßßielodilcer und\nAeo-Pathetilcer.)« Und schon indem\nich die letzten beiden Aamen hin-\nschreibe, wird klar, wie nahe ietzt die\nzwei Wege einander laufen: das Her:\nsingt, was das Hirn erfüllt, und die\nGedanken entladen in Blitzen der In-\nbrunst die Spannung, die die znclceuden\nGefühle znsammenballtem Das Ideal\ndes Hermaphroditen (mau deute das\nWort so wesentlich-platouisch, wie es\ngemeint sitt) nimmt Gestalt an. In\nAlfred Wolfeusteius Gedichtburh ~Die\ngottloseu lahre« (bei S. Fischer, Ber-\nlin) scheint mir der Pfad Lyrila der\nmehr durch die Stirn als durch die\nBrust steigt, am lcousequentesten weiter-\ngebahnt. Zwei Sätze hat dieser Dich-\nter, die wie Bergmanuslampen vor ihm\nher brennen: ~Kein Schicksal soll mir\nmeine Stirn entführen« und ~lm Gise\nblanlcsten Denlcens singt des Mannes\nMelodie . .« Dem Kompromisz mit\ntüudelnden Herrichteru glüttet sich lceiu\nGntgegenlcommem noch weniger mit\nden Alcrobaten restlos gelconnter Tech-\nnik. Gier liegt eine sußangelJ In\nder Prosa wäre Giustein oder Frau:\nluug eine nngefiihre Parallele, in\nRilke-Stücken wie ~Der Ball«, ~Der\nHund» entsprang vielleicht ein erster\nNachbar dafür. Straff dreht ein\nRhythmus, der sieh jeden Augenblick in\nder Gewalt hat, sein Seil, und der die"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191604-01.1.18", "texte": "ikhmerzhafte Geiftiglceit feiner Reiz-in-\ngeu unmittelbar erichöpfeud enthält und\nbehält. ZielbewuHt, ichwiudelfrey stetig\nlclimmt es von ~llulieherheit« zu\n~Sicherheit«. »Wenn es Götter gäbe,\nwie hielte ich’s aus, lcein Gott zu fein!\nAlio gibt es lceiue Götter! Wohl zog\nich den schlnsx nun aber zieht er mich.\nAlles Unvergänglikhe - das iit nur\nein Gleichnisl Und die Dichter lägen\nzuviel. -——— Aber von Zeit und Werden\nfolleu die besten Gleichuijje reden: ein\nLob lolleu jie fein nnd eine Rechtferti-\ngung aller Vergänglichkeit« heißt es\nbei Aietzjche lm Grunde ist auch\nAielancholei nnd Leid ein iolches Lob\nund eine Rechtfertigung . . Welten-·—-\nfteiniich: »Der die reißend jchöne\nSpannung nicht ansichwiegl Vom Le-\nben auch den Tod mitliebt nnd ihn lehr\nvertragen lcanu ———-l« Trauer if! hier\ndie ipezifijch iutellelctuelle Trauer der\nseinsAervigeu unserer Tage, eine\nschwermnh die nicht in io haudfekteu\nnnd greifbaren Dingen wie Liebeslcums\nmer nnd VouLziienichemßetrogenieiu\nwurzelt, iondern in der apartereu Gin-\nlamkeih mit der uns von nächtlichen\nSommerlrilchem von Stuben im Zin-\nltern, von vorhangloswflenen Zenlterm\nvon Zimmerdeckem von Gliedern des\neigenen Körpers, von einem »Nichts«\nWunden gelchlagen werden. Auch\nTrauer, drunterhin, dass man lo haar-\ndiinne Nerven hat, die Sachen nnd lich\nlelbft in lo lplitterwinzigen Nnancen zn\nempfinden, nnd dalz man von keinem\nGott willen darf, der dielen Kelch von\neinem nimmt. Die hellleherilche nnd\nhellhörige Snbrnnlt eines maskenlolen,\nbis zu den ,,«2Uiittern« getanchten\n,,Palmltröm« ltachelt lich nnd Gelpews\nlter am hellichten Tage werden lo ge-\npackt, das? nichts zn tun iibrig bleibt.\nDichten wird Nöntgenbeltrahlung des\nWorts, ein Heilmittel liir den Dichter\nnnd liir uns. »Ich bin ein Geländer\nam Strom: lalle mich wer mich fallen\nkann! Ente Kräcke aber bin ich nicht«,\nlchrieb Nietzlche . . Wolfenlteinilch:\n»Mit dem Atmen der Nacht mich ent-\nlchlackend, Nieinen Kopf lkhneeig weit\nnnd kalt, So entlchwand ich mir in die\nFerne.\"\n\nMax Herrmann Reifze\n\nRedalciiouelle Mofoz.\nHans siemsen\nIn früheren Zeiten lind bereits. in lcäuftiaen\nHeften werden noch einzelne (graphi1che Iowohl vwie liszterarilche) YBeitriigeiierY\nscheinen, die ich weder was ihre Ziele, noch was ihren Wert angeht, verteidigen\nnnd verantworten kann. E§ linddas Arbeiten, die noch von meinen Vorgängeri-\nangenommen wurden.\nCAUf das vorliegende Heft nicht anznweudeny\n\nHerausgeber: Otto Haus-Dem, z. Z. im Felde\nBerantwortlikher 5chriftleiter:\nHans Sternlein, Lichterfeldg sternltrafze 25\nsiir unverlangte Cinlendungen keine Gewähr\n,\nön Olterreich fiir die Reduktion verantwortlich Hugo Heller, Wien, l, Bauetnmarltt J\nDruck von H. S. Hermann in Berlin"}]}