{"numero_id": "bm-bmtnabb-1916-05-01", "volume": "bmtnabb_1916-05_01", "ocr_sha256": "666e3bbc3e5315c9e3c28df2a47d05af63bb16161680a22c5b8ae9de95a6e103", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1916/05_01/bmtnabb_1916-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1916/05_01/bmtnabb_1916-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1916-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-05_01#c002", "volume": "bmtnabb_1916-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.2.2", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.2", "debut_caractere": 19, "fin_caractere_exclue": 386, "texte": "Inhalt:\nArm) Rade! X Der Ton\nWkfhelm Wagner X Originalssteindrucic\nAlfred Lemm X Galizijches Tagebuch\nWalther Ceutjch X okigiuqksieiudkukcc\nHaus Rkchkek X Origiualssieindrnclc\nGruft Blasi X Was ruft die längst entlchwnndenen Gefühle .\nAtmke Offketdknget X Modebild VII X Originabsteindruclc\nGlojjen und Kritilcem\nEinzelhefk Mk. 1.———. Vierkeljährlich [6 Hefkej Mk. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-05_01#c003", "volume": "bmtnabb_1916-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "114", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.2.3", "titre_corps": "Der Ton", "titre_sommaire": "Der Ton", "signature_source": "Arno Radel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 686, "texte": "Der Ton\n\n(Auszugs)\nAlle wifjen,\nWohin fie gehen,\nDer Vogel fliegt ins Rest.\nIch aber weis; nicht, was ich. foll.\nDu haft mich träumen lafjen,\nWeil ich zu viel in deine Werlce fah.\nEiner foll wach fein,\nUnd nicht entrinnen. »\nAuch das gehört zu dir.\nDies stumme der Natur!\nWir find im Leib gefeftet,\nUnd dort ift alles wahllos. ohne Wahl.\nDann fallen wir wie Hölzer um.\nDas ift der Sinn. Das Diimmfke ift die Frage.\nDie Leute wachen vor,\nAls lcäme letzter Gott gewandelt.\nWas ift gefchehen? Gar nichts.\nEs regte fich die Luft.\nDie hunderttaufend Jahre alt ift.\nAch immer mufk ein Trauern\nIn unfrer Seele fein.\nDer Baum vor mir weint eine Melodie,\nDie mich ergreift, als weinte er in mir."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 972, "texte": "Und aller Tod weint in der Leere, \"\nIn die ich einjam fchaue.\nGinfam ift jedes Her; und voller Trauer,\n0hn’ Ubermafz und ohne Klage.\nDenn niemand weiß, wie fehr er traurig ifl.\nIn; keiske auf das Licht\nUnd fiihle mit der Hand bis in die 5chwärze,\nDie Gott bewohnt —- da fitzt er.\nWas darf ich, Alenfch, was darf ich nicht!\nAus Liiften dringt lcein Wort hervor.\nsei giitig, wiffe, lerne nicht, und fürchte.\nGott will zuweist,\nDas; Leben ohne ihn fei.\nDie in ihn drängen, liebt er im Geheimen.\nGr hiitet ihre Aähe vor Gefahr\nUnd läfzt die Andern freundlich fegnen.\nAuch fiillt er fie mit Lächeln und Bewufztfeim\nUnd einmal, hart am scheiden, bliclct er ihnen\nIns lofe Auge.\nNicht auszudenlcen ifl das Licht,\nNicht auszudenlcen diefe Zlut der Seelen,\nDie seufzend, liebend durch den Odem raufcht\nWas foll mir: das ift gut to!\nIch bin noch jung, mein Leben ift gefährlich.\nVielleicht wär’s beffer -— ja, was wäre beffer?\nSo wie ich bin und foll, fo bin ich beffer.\n\nArno Radel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-05_01#c005", "volume": "bmtnabb_1916-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "121", "image_debut": 6, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.2.5", "titre_corps": "Galizisches Tagebuch", "titre_sommaire": "Galizisches Tagebuch", "signature_source": "Alfred Lemm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2882, "texte": "Galizisches Tagebuch\n\nIn Krakau, dem Tingang zu Galizien, sah ich zwei Häuser zur Anbetnng Gottes.\nDie Riesenkirche prangte in Gold und Bildern. Turmhohe bunte Scheiben\nreckten sich leuchtend bis an die Wölbung eines blaugoldenen Sterneuhimmels\nDie Wände waren so reich behangeu, das hohe Gestiihl so dick geschnilzt nnd die\nPriester vorn an den Altären schritten so königlich geschmiiclch als ob es auszer\njedem kleinsten Zweifel läge, das; hier der richtige Gott verehrtjwurde. Die\ngroszen Heiligen, die ganz aus Gold den Gang zum Heiligsten zu beiden Seiten\nvollstanden, dachten nicht im entferntesten daran, dasz sie einmal überflüssig\nwerden könnten, und sahen mit einer angefangenen nnd plötzlich abgebrochenen\nstilleu Gebärde aus die knieenden österreichischen Soldaten, die sich ihnen im vollen\nBewusstsein ihrer Armut, die Miitzen zerknickt in einer Hand, ergaben.\nDie uralte Synagoge ist schon halb versunken auf dem viereckigen, grob-\nsteiuigen Platz im niedrigsten Teil der Stadt. Der Steinban im strengen Dunkel-\nrot des Mittelalters, mehrere Male iibereinandergesetzt, hat sich ineinauderge-\nschoben und nach vorn geneigt: eine unförmige Steinauftiirmung ähnlich einem\ngroszeu Grabmal. Durch einen Kellergang und eiserne Tiiren mit mächtigen\nSchlössern kroch ich in den Tempel, der tiefer als die Trde lag. Tine graue\nWölbung. Spät ansetzend diinne blinde Fenster. Bon der Mitte der Decke hing\nbis auf den suszboden umgeben von hölzernen Bänken ein Käfig ans eiseruem Ge-\nstänge. An einer Seite waren die Mauern in Kopfhöhe durchbrechen und vor\nden läuglichen Offnungen schwebten Schleier wie alte Riesenspiungewebm Die\nstauen sind abgeschlossen vom Heiligtum. Der Bau war voll von Gebräuchen\nund Gebetsrestem schmutzigen hebräischen Seiten, die auf den Pulten lagen. Die\nschwarze Kautorsfrau, deren braunleuchtende Augen weich waren, zeigte Zkkkkckch\n-——- ihre siugende Altweiberslimme erinnerte an Gebete -—— die alten Rollen und\nsonderbaren Instrumente, mit denen hier Gott verehrt wurde, immer noch der-\nselbe sahrtausendealte, unversöhnliche Gott, zu dem sie von brennenden Scheiter-\nhaufen gerufen hatten. Borne fiihrten steinerne, niedergetretene, zerfressene Stufen\nzu einem Altar. Der war nackt aus Stein gehauen.\nAuf dem Platz vor der Synagoge war ein knsrzes Stiick hoch und nu-\ndurchdringlich ummanert. Keine Tiire unterbrach das steinerne Viereck. Me-\nmand wollte mir sagen, was sich in ihm befand.\n« Die Kirche mit ihrer Pracht goldener, toter Heiliger und der alte Tempel\nans Holz und Stein waren die beiden Borhöfe, durch die ich in Galizien eintrat.\nAnf dem flachen Platz einer Stadt, an die die Anfänge des Gebirges reicheth\nif! Markt. Vor den geikhwnngenen Berglinien, die jikh im jtiindigen\nAuf nnd Aieder verlieren und hinten schwach in mächtiger Höhe wiedererikheinew\nschreien die Stände von der derben Bnntheit der Tücher. Die tragen die Bauern-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3037, "texte": "»in-you, wenn sie des sonntags brennende Lichter in den Händen rot nnd sinnlich\nin lustiger und sanberer Reihe hinter den griineu Schultern des Geistlichen knien.\nDie Bauern ans dem Gebirge haben lange weisse, formvoll geschnittene und bunt\nbestickte Röcke. Jn der Mitte des Gewiihls sitzt auf einem Brunnen ein Haufen\nblinder geigender Bettler.\nUnd unter dem Chromgelb der galizischen Bergsonne stehen gebeugt die\nschwarzen, getragenen Gestalten der langen Juden nnd bieten der polnischen\nLandbevölkernug ihre Waren an. Dentlich riugelu sich jedes Einzelnen Schläfeus\ntockeu in der Mittagshelle. Sandig braun glänzen die Periicken der ver-«-\nbraunten Judenfranen, die auf Kisten hinter kleinen dummen Siiszigkeiten sitzen.\nJhre Gesichter sind scharfkantig von vielen Kindern nnd vielem Arbeiten. Die\nBanern stehen misztranisch und schwerfällig lange vor den bepinselten Zuckersachem\nbevor sie kaufen. Die Juden bedienen inzwischen drei andere Kunden, sprechen mit\nGlaubeusgeuossen und achten auf ihre Kinder.\nDie staubheisze Landstrasze jenseits des Mairktes ist zwischen hiigligen Wiesen\nnnd Bnnernhänseru eingetrocknet. Die alten polnischen Bettler mit langsträhnis\ngem Haar und unkeuntlikhem Gesicht, denen ich Brot schenke, reiszen meine Hand\nan den Mund nnd kiissen sie quetschend abwechselnd mit dem Brot. Wenn\ndie Leute auf dem Wege Durst fühlen, laufen sie nach dem nächsten Ziehbruunen\nund werfen sich lechzend sofort iiber den Holzeimer, der noch halbvoll von einem\nanderen Gebrauch steht. Dann gehen sie ohne Zwischenstufe wieder vom Trinken\nins Laufen über. Die Bauern entbläszeu den Kopf tief zum Grnsz und lassen ihre\nWagen, neben denen sie hergehen, halten. Sie ziehen noch ganz den Hut.\nKeine Gewerkschaft hat ihnen noch bewiesen, sie wären keine Knechte. Die\ndunklen Berge in der serne ringsum schwingen hoch nnd nieder, laugschrittig wie\nder Gang der blonden jungen Polenfranem die ihr Kind mit grossen Tiicheru\nnmschlagen an sich gefesselt tragen. Die weichen Bergziige halten mich in der\nschwebe.\nAber die Juden auf dem Markt wissen nichts von Galizieus steilen oder\nfarbigen Rhythmen. Wie uns Jahrtausenden vorher in das Heute hineingesetzt\nstcheu sie, in ihren langen Tranerräcken auf den Märkten Galizieus, und greifen\nmit einer ererbten Bewegung mit zwei Fingern in die nach vorn gebogenen Bärte.\nMit den schwarzen Umrissen ihrer gebogenen Rasen und den seltsam fremd vom\nKopf abstehenden Korkeuziehern, die schon die Kleinsten tragen, sind sie stilisierte\nZeichnnngen auf alten persischeu Busen, 0rnamente ans einer heiszeren Zone.\nG aliziens grössere Städte glimtnen noch vom verloichenen Glanz früherer\nHerrlichkeit. Weit iehen Schläiiey nngefiige steinerne Rieienviereclce von An-\nhshen iiber das Land. Jaroslan ikk eine Anianimlnng kleiner Häuser, zwilchen\ndknen lich unvermittelt bnrgartige Gebäude erheben. Die rntheniiche Kirche iit\nDu! ganz neuer, blendend weisser Knppelban —— viel zu rnnd nnd flach fiir den\nNamen Kirche. Werbend, iich ipreizend ift ihr Glanz zwilchen das alte Gran der\nPolen geletzt."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3164, "texte": "Auf dem Markt steht eine uralte kolonnadenartige Handelshalle. Unter\nden Vögen in den Höhlen sitzen Juden, deren Väter und Großväter schon dort\nsaßen und Rotwendigkeiten des Hauses an die Ruthenen, verkuiffenen religiösen\nGesichtern mit wilden Hiiten, verkanfteu.\nJch sah einen der Vet- nnd Lernräume, den die frommsten Juden zu be-\nnutzen pflegen. Ein kleiner, dunkler Saal, an den seiten Regale mit alten\nBüchern, darunter Tische. Daran stehen alte und junge Juden und hämmern\ndie Körper auf und nieder. Das Murmeln des einen mit seidenen: Kaftau nnd\nseltsam flachem pelznmkränzteu Hut wird iibertönt vom Anrufen seines weiß-\nbärtigen Aebenmannes, das wiederum abgelöst wird von dem Singen eines\nanderen vorn zwischen zwei Lichtern vor einer heiligen Decke. Jeder hält nn-\nbekümmert und ohne Scheu vor dem anderen Zwiegespräch mit Gott. Die\nRiicken arbeiten, als ob sie sich in Jhn einwiihlen wollteu. Am Eingang ist\nein reges Gehen nnd Größen. Sie sprechen von Geschäften und vom Krieg.\nKinder laufen zwischen ihnen durch. Man ist hier bei sich zu Hause. Sie\nstehen vertraut mit Gott. Sie tun nichts Besonderes, seiertägliches, wenn sie\nin sein Hans gehen. Auch auf ihrem täglichen Leben lastet die Schwere Gottes.\nAndere Völker gehen einmal in der Woche, um Gott nahe zu sein, ·in die\nKirche. Die wird hinter ihnen abgeschlossen nnd erst nach einer Woche wieder\ngeöffnet zwecks neuer Erbauung. Die Juden haben die westländische Trennung:\n,,Hier Gott und sein Haus, hier das Leben« nicht mitgemacht. Die Synagoge\nist ihnen nur Anlaß zur Gemeinsamkeit. Leben nnd Gott sind ihnen eins, nnd\nweil die Vorfahren se i n e Mittler sind, verguicken jich die Lebeusbräuche der\nAhnen mit den Geboten Gottes zur nnverletzlichen Heiligkeit.\nAber der Zrisenr in der Hauptstraße, der in Wien in die Schule ge-\ngangen ist, zieht die Augen iiberlegen hoch iiber die Kaftane und Paijes seiner\nVolksgenossen. Er hat den Laden seines Vaters ansbanen lassen mit glitzernden\nSchaufeustern nnd einem Schild: Eoiffenr nnd Ehamponeur. Sein Geschäft ge-\nuiigt den neuesten hygienischen Anforderungen, nnd in der Unterhaltung mit\njedem Fremden ist er bestrebt, den Anschein zu verhüten, daß er vielleicht geringer\ndastehe als jener. Wo die Hygiene ins Land kommt, wäscht sie auch die überzeugt-\nheit mit ab. Sie macht den Glauben an ein ,,liber der Welt« unnötig. Die Hygiene\nentfernt von den Juden mit dem Schmutz auch ihre Unbedingtheik Die aber,\ngleichgültig, welches Objekt zu ihr gehört, ist hundertfach wertvoller als die Viegs\nsamkeit und Gelenkigkeit, die fiir nichts in der Welt zu sterben weiß. Die\nJuden des Westens aber suchten als Ersatz fiir das verloreugegaugene liber-\nweltliche die äußere Macht, das ,,Ansehen« auf dieser Welt. Die Juden des\nOstens sind irgendwie echter. «\nzuweilen hielt mich auf der Straße ein vielleicht dreizehusähriger Knabe\nmit ruhelosen Augen und schuell geknifftem Hiitchen an. Ob ich Hindeuburg\nkennte. Dann sollte ich ihn schön griißen von Joseph von Jaroslan, nnd Hindenss\nburg brauchte nur das Geld zu schicken, dann wiirde er sofort die bestellten zehn-\nTausend Zeitungen geliefert erhalten. Der Junge war im Ort als schwachsinnig be-\nanu ."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2897, "texte": "Jch muszte auf einem kleinen Bretterwagen über Land fahren. Der\nWagen fuhr um einen Berg herum langsam aufwärts, bis schliesslich die Land-\nstrafze hinter einer Biegung sehr plötzlich in ein breites Hanptstraszenstüclc eines\nOrtes mündete, der sich den schmalen Kamm entlang über den Wiesen der\nEbene hinzog. Die Gegend war blau nnd schwarz, von der Farbe der Häuser\nund der Kaftane und Bärte. Die Häuser waren schief. Keins hatte Fenster.\nDie Rahmen waren mit heransgebrochem Die Türen fehlten fast überall. Die\nherabgelassenen Wellblechrouleans vor den Läden waren zerhackt und hokhgebogem\nDer Rachmittag machte alles unverschämt deutlich wie auf dem Theater. Der\nganze Ort war im Onerschnitt geöffnet, wie in einem Anatomieatlas. Das\narme Leben der Häuser lag durch das Fehlen der Fenster ausgebreitet auf der\nStraße. Die Juden waren gerade zurückgekehrt nnd machten die Läden auf.\nEinige Familien begannen ergeben wieder einzuziehen. Die jungen Söhne mit\nhellen, tranrigen Gesichtern schleppten Hausrat. Jn den Häuserlöchern, die sich\nnach innen viereckig verbreiterten, saszen kleine Kinder nebeneinander provi-\nsorisch auf dem Boden, die Füszchen gespreizt. Es hatte den Anschein, als ob\nsie im Freien sahen. Die Treppen hinauf steigen schwer die Familienväter.\nLangsam herauf und herunter. Aian kann sie überall hin genau verfolgen.\nBot den Geschäften standen die zerranften nnd geflickteu Juden in eifrigem\nGespräch, doch mit der Ruhe, die sich an vieles gewöhnt hat. Der Abend kam kalt.\nin die Offnnngen ihrer Häuser.\nDas Ganze sah ans, als handele es sich um einen fener groben Biernlke über\nRacht, wie sie sich eine frühere rohe Zeit mit den hilflosen Juden erlaubte, um\nsie lächerlich zu machen. »\nAm Ende des Hügelkammes schosz die Dorfstrafze wieder als Ehaufsee\nhinab zwischen die Felder. Ein polnischer langhaariger Wallfahrer im Rassen-·\nhemd hatte sich auf meinen Wagen gesetzt Aus dem bnckligen grotesken Ort\nlief mir lange Zeit einer nach, der auch noch mitfuhren wollte. Jch lief; auf\ndie Pferde eiuhauen. .\nDas sPolnische steht zum Deutsche-n «wie der Türhiiter zum Portier. Die\npolnischen Aiädchen sind schneller bei der Hand, Wünsche zu erfüllen. Kinder\nspielen dort mit Beilen, und wenn Jungens sich prügeln, müssen Arzte die\nKopfwuuden verbinden. Die Landweiber heben die Röcke und waten durch die\nFlüsse, statt eine anständige Brücke« bauen zu lassen, nnd an den Klosetts fehlen\ndie Türen. ,\nDie Juden bedürfen ihrer Frömmigkeit. Je unhaltbarer ihr Erdenlos\nwurde, desto notgetriebener griffen sie nach dem festen Gesträuge ihrer Dogmen.\nDie ewige Drangsalierung, ihr ungesichertes Leben: diese ständigen Aufrühre nnd\nUntergrabnngen zwangen sie, ihr Sein so fest zu umrahmen, es metatlen s—\nwie Blei das Fensterglas ———— zu umgieszem auf das? sie Ruhe nnd Halt fänden.\nRnr hier, wo nicht so viel warum nnd warum nicht gefragt wird, konnten\ndie Juden ihren Stil bewahren."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2936, "texte": "I n der fchmnßigem unmöblierten Eaftftube eines einftöckigen Hotels in\nIaslo traf ich einen Kaufmann aus Krakauz der trug feine Warentafche\nbewußt wie ein Arzt feine Inftrumentenmappe Sein dunkler Bart war edel.\nEr wußte viel von feinen Vorfahren, nnd Ruhe ging von ihm ans. Er er-\nzählte mir auch die Gefchichte jenes rätjelhaften eingemauerten Stiickes vor dem\nalten Tempel in Krakam Ein großer Rabbi, der vor Hunderten von Iahren\nlebte, verbot die Hochzeiten am Freitag, weil fie meift bis in den Schabbes hin-\nein danerten. Eine Familie aber feierte ihm zum Trotz ihre Hochzeit vor ihrem\nHaufe am Freitag. Doch die Säfte nnd das Paar ftarben während der Feier\nnnd wurden, wo fie geftorbeu waren, begraben. Der kleine Kirchhof blieb als\nWarnung flehen.\nDes Abends gehe ich oft mit einer jungen Iiidin die Gafjen um den\nTempel herum entlang. Salomea ift nicht groß, hat helle, gräne Augen, die\neinen rötlichen und tranrigen Schimmer haben. sonderbar klingt das breite,\nklownartige und verbogene IiidifchsDentfch mit feinen Ganmenlanten in ihrer\nfanften Sprache. Sie will ftets wiffen, wie ,,es richtig dentjch-« heißt, aber ich\nfage es ihr nicht. Ich machte einige nnangebrachte anfgeklärte Bemerkungen\nnnd wurde, trotz meines guten Sewiffens, befchämt von dem Blick ihrer nn-\nerfchiitterlichen Gläubigkeit\nGroß und hoch iiber die armfeligften Häufer erhob fich am Ende des\nOrts die reiche Synagoge. Auf dem Platean davor iiber der Landfchaft wan-\nsdeln die fcharfen Uurriffe der Iuden. Sie gehen zerriffen, obwohl fie Geld im\nKafteu haben. Sie haben fich von jeher nicht um Kleider kiimmern können,\nweil fie fiir die vielen unvorhergefeheuen Fälle immer viel Bar haben mußten.\nDahinter wiegen fich die Höhen im fchwermiitigen Eriin Galiziens Ich\nfteige hinunter und gehe iiber die weichen Wiefem Kuhmädcheu ftehen darauf,\nbraun von der Abendfoune nnd fingen mit harter Knabenftimme immer das\ngleiche Lied, unendlich viele Strophen. Die Formen ihrer Briifte nnd Schenkel\nwiederholen fikh vergrößert vielfach im Lande hinter ihnen. Ein ftarker Iunge\nmit fchwarzen, freffenden Augen fpsricht mich an. Ich foll ihm helfen, ein\nkleines, in der Aähe fchwer Holz tragendes Aiädchen zu vergewaltigem Er\nDsbut fich und jauchzt, wenn er das gierige Wort ansfpricht\nA nme r k n n g. Ich glaube, dass diese Schilderung die vorteilhafte nnd die\nnachteilige Eigenschaft der ,,Zmpression« hat: die nahe Sichtbarkeit, aber auch die\neventuelle Einseitigkeit. Dem schnell Vorübergehenden schält sich der Kerupunkt\ndes äussert-ich sichtbaren heraus. Jst Ubereinstimmung zwischen ihm und dem\ninneren Wesen des Gesehenem so erhäbe die Jmpression Anspruch aus iiber-\nkiinstlerische historische Gültigkeit. Es scheint jedoch, als wenn das Leben der Ost-\nfnden sich in bestimmten Teilen unverhältnismäßig vorentwickelt hat, auseinander-\nfiillt, so das; das äußerlich Sichtbare keinen genauen Räckschlusz auf die Ganzheit\njener Menschen erlaubt.\n\nAlfred Lemm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-05_01#c008", "volume": "bmtnabb_1916-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "123", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.2.8", "titre_corps": "Was ruft die längst entschwundenen Gefiihle,", "titre_sommaire": "Was ruft die längst entschwundenen Gefiihle,", "signature_source": "Ernst Blasz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 597, "texte": "Ernst Blasz\nWas ruft die längst entschwundenen Gefiihle,\nAoch immer fordernd, das; ich Rede steh?\nWard nicht ein Aeues durch des Todes Kiihle,\nWie sich das Land verändert durch den Schnee?\nRennt ein Gespenst mir noch die tanmelnd-schwiile,\nDoch lang verschneite Stunde auf dem See,\nDie Blnmensprache und den Tanz am Buhle?\nWard nicht zur Lösung uns das weite Weh?\nWit weisser Decke feierlich bekleidet\nDer Leichnam ruht, die Grde harrend fleht\nUnd namenloser als ein Mensch der leidet . .\nWas hindert das beginnende Gebet?\nJst es der grimmen Wolken wilde Reife?\nOder das dunkle Brauen unterm Eise?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-05-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-05_01#c010", "volume": "bmtnabb_1916-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "128", "image_debut": 15, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.2.10", "titre_corps": "Glossen und Kritiken", "titre_sommaire": "Glossen und Kritiken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2088, "texte": "Glossen und Kritiken\n\nTycho Brahes Bzeg zu Gott.\nRoman von Aiax Brod (Knrt\nBöolff Leipzigy Aienlcheu wan-\ndeln ihren schiclclalsweg, llolpern,\nlliirzeu, ltehen wieder auf, u ducken\nlich, reckeu lich hoch, unterliegen\nnnd feiern Triumphe, heucheln oder\nlind wahr, lind wahr, wenn lie\nheucheln, oder heuchelu, wenn lie\nwahr lind — und die Einen erleben\ndies alles auf eine leltlame Weile noch\neinmal, indem lie es willen, und die\nAndern lchattenlpielen dies alles auf\neine noch leltlamere Weile blindtaps\npeud -— nnd was ilt Glück? Dem\nIcheiut es lchou im Scholz zu liegen,\ndas Glück, Dem mit der Binde vor\nden Augen, dem Aachtwandler ohne\nAiiih’ und Makel, geglättetsholdem\nBräutigam der Fortuna, der leiueu\nGott wie einen Talismau im Tälchchen\ntriigt —- uud hielzelt Du vor mir nicht\nFelix einlt? — doch jener Andere mit\ndem Bann im Blut, entbliitternd jeden\nAugenblick, Tag-Seher mit viel Dorn\nund Demut, uuholdwerkrampfter Rin-\nger um die Lauuilkhe, nach Zebaoth\nauf raltlos-weher Jagd und immer wie\nauf hohem Aieere treibend —- lteigt\nDem vielleicht ans Stachel, Sturm und\nunftiikbittrer Pilgerfkhaft der große\nStern der weifen Ewigkeit? 0 Lö-\nfung unferes Schreis ans bängfter\nSeele: ,,0b ich nur nicht vergebens ge-\nlebt habe! Ob ich nur nicht ver-\ngebens gelebt habet« Auf Gipfel fiihrt\ndas Roden um den einen Preis, dnsrrh\nHöhlen, Hindernis und Diclcicht —-\ndenn: »Es iit nicht vollbrarht, Io foll\nes heißen« ——, Mitleid legt Gruben\nnnd die Wahrheit, wie die Lüge, hat\ngliihende Ofen, und an allem Biifen\nbikt Du frhnld und mitverflochten jedem\nZlurh und ewig Gins mit aller Krea-\ntur, Zrennd oder Feind, bis Du mit\nDeinem hellen Hirn in diefer Apo-\ntheoie fpriihkt der Hymnen, die den\nGeikt anrh heilig fprechem »Ich lob-\njinge meinem Gotte. 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Der ,,8reund-\nichastEiKnechtschaft Zrrweg bis ins\nKleinste, jedweder Henkersstriclc auss\nletzte Zaserchen entblösst, Besleckung\naller Riünnerlcameradschash die Geist\nbegründete, durch der samilie Mate-\nrialitüt, die Tragik dieses Pfad-an-\nPsad und Recht des Ginen wider Recht\ndes Andern und ihrer Duldnng schwe-\nres Golgatha, nnd iene Krümmung, wo\nsich unbewußt Selbstsucht und Hinge-\ngebenheit in Gins verwebt. Abschied\nmit aller Wystik briiderlirh der klein-\nsten Geste. Freundschaft wie »Jetz-\nschlag und Atem«, mehr: wie Peit-\nschenhieb aus Peitschenhieb hinan —-\nuud darum köstlich! Riit aller Qual,\ndie von dem ,,Grben« kommt: Ich siege\n—- aber Du wirst weitertebenl Und\nob für mich, für meinen ,,Geist«? Ant-\nwort: ,,Zrei, unklug, blind, bewusztlos,\nnur für seine Kunst, nnd für nichts\nanderes in der Welt« Des groszen\nBildners ganze Litanei, Sehnsucht nach\nSelbstbestimmung und Ginsiedeltum, doch\nKleinliches zerstückt, das Schicksal ist\nund Zrau nnd Kind heißt, wenn es\nschlimmer wird, Wären und Kaiser; nnd\nVerlorenheit des Gottes am Galgen-\nhügel und des Kriegsknecbts nach der\nWörderorgiq und seinste Wage des\nGewissens, die Dich selber stets zuerst\nins Unrecht setzt. Zm Sterben das\ngelobte Land geschaut und in der\nSterne, der geliebten, Sphiireumusik\njirh beugend zu des Vaters Antlitz . . .\nIn Brods Epos wird, hinter Sym-\nbolen nnd Trachten, die genial auf den\nLeib pajiend Symbol und Tracht find,\nder Aienich unierer Tage erlöst. Wenn\ner lich erlöien lajjen mag. Dieie Dich-\ntung itrahlt in einem Ernste, der Gan«\nlcelei der singerfertiglceit zu Asche nnd\nProtzentum des Zntellelcts zur Salz-\nIäule werden lässt «—- und »Der Ernst\niit niemals nötiger geweien als eben\nitzunder, da alle Wagen umgeftosien\nund in grober Verwirrung iind.«\nGalcob Böhmed\n\nMax Herrmann, Reisze\n\nHelene Stärker gehört zn den\nganz wenigen ,,sranenrechtlerinnen««,\ndie der Zran wirklich sranenrecht zn\nerringen suchen, nicht Aiannsrechta\nBraucht man sie gegen Antiseminismen\nder Alnclcer nnd lcnltnrlconservativen\nWeltlente zn verteidigen? Klnger\nAntifeminismns etwa eines H. Blähey\ntrifft sie nicht. Vor allem fehlt ihr\ndas Keifende, Partilcnlarische der mei-\nsten sranenrechtsssDamenz sie lcämpft\n(im Kern) nicht fiir eine Hälfte der\nMenschheit, sondern fiir die Mensch-\nheit. Zch lcenne Schriftstellerinnen mit\ngesleigerterer Disziplin der Sprache;\nLitteratae, die bohrender, zusammen-\ngesetzter, dichter, die nervöier,\nbiittenpapierener, schwerer verständlich\nnnd ,,schmäler« fchreibenz aber es sind\nKontemplatricem . . während durch alles,\nwas diese (etwas weitläufige) Akti-\nvistin schreibt nnd treibt, Zener weht\n—- sener vom Jener des Religions-\nslifters, des hellenischen Kopfes nm\n400 arme, der Encycl0p6die, des Uto-\npilcers, des dentlchen Ernenerers zwi-\nschen sichte nnd Nietzsche. 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Statt\nschiefer Exzerpte ein paar Zitate:\n,,Wer nicht ,daran glaubts das; der\nKrieg jemals aufhören k a n n , der be-\nkennt damit, daß er in der letzten Tiefe\nseines Wesens im Unbewnfzten eine\nsolche Änderung auch noch gar nicht\nwünscht, sie gar nicht versteht«\n,,Man spricht an gewissen Stellen von\nden ,3ielen des Kriegesß die die\n0 pse r des Krieges ,lohnen« sollen.\nJst das nicht letzten Endes eine ent-\nsetzliche Blasphemie? Kann jemals . .\ndie Erlangung besserer Handelsvers\nträge . . mit Menschenblnt, mit M e n-\ns eh e n l e b e n erkanft werdens«\n»Hu dem Buche . . . erinnert Olive\nSchreiner mit Recht daran, ,das’i auch\neinmal vor nndenkbareu Zeiten der\nMensch sich vom Fleisch. seiner\nMitmenschen nährte . . . Die\nersten, die dieser Sitte w i d e r st r e b-\nteu , weil sie dem Mitmenschen sich\nähnlich nnd verwandt fiihlten, wurden\nZwar von ihren Genossen getötet. AU-\nMählich aber schlug dieser Gedanke in\nden Köpfen anderer Männer nnd Wei-\nber Wnr3el, und nach nnd nach wei-\ngerte sich die Hälfte des Stammes, bis\nam Ende keiner mehr mochte« . . .\nSt! dem Augenblick, wo es gelungen\nsein wird, den Abscheu vor der Eötnng\nvon Menschen — im Interessenkampf\nder Staaten —- ebenso stark zu machen,\nwie bei den normalen Menschen der\nAblcheu vor der Eötung des Einzelnen\nim Privatleben schon selbstverständlich\nist, wird dieser Abscheu sich auch in\nden Berfassuugen der Staaten zum\nAusdruck bringen. In dem Augenblick\nist die Meuschentötung ,z u r B e r te i-\ndigung des Vaterlnndek so\nsicher abgeschafft und unmöglich gewor-\nden, wie fiir uns heute die Menschen-\nfresserei.«\n———— Kunst, lest und verbreitet diese\nSchrift; sie ist bei 0esterheld F: Co»\nBerlin W. II, erschienen und lcostet\ndreißig Pfennige—\n\nKurt Hiller\n\nKerr im Pan 1910 (nnd neuerdings\nim ,,Ziel«): (Anf den Trab durch Tritte\nsollte man einer sonst innerlich hoch-\nsteheudeu Art helfen) ,,niimlicl) allen\ndiesen freiheitlichen nnd vernünftigen\nMenschen, die sagen: ,Das tut man\ndoch nicht«, ,Dazn ist man zu anstän-\ndig§ ,Aian kann doch eigentlich kaum·.\nDas sind die Schlimmsten. Alle diese\nmit wirklicher Gesittnug durchsetzten\nLeute von innerem Wert; denen aber\ndie Urspriinglichkeit abhandeu gekom-\nmen islz die Gabe des Riidigfeinsz\ndie Macht des Aiittunsz die Lust des\nLdslegensz die Sutschlosseuheit zur\nSchlacht . . . . statt dessen haben sie\ndie Furcht, sich bloszzuslellenz den\nHorror des Hesraustretensz das\nLächeln des nakhgebenden Kliigeren«\n(man sollte diese Gattung) ,,hanen, bis\nsie nicht mehr sitzen kanu«.\nDanach schrieb ich an eine Frau: ,,Hat\ner nicht recht? Tauseudmaks Aber\nindem ikh’s einsehe, stelle ich fest, das;\nich dem fraglichen Ideal am nächsten\nwar mit zwölf Jahren. Wer gibt mir\ndiese Gabe des Riidigseius zurück, die\nFreude am Treten, Spnckeu nnd\nMassen? Ob das Hauen es tnt?«\nUnd sie antwortete darauf: »Du zer-\nbrichst dir wirklich sehr überflüssiger-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2129, "texte": "weise den Kopf und hast ganz nnd gar\nunrecht mit Deinem Zitat. Srinnere\nDich an Sofia «P-erowslcoja, die\nAlexander U. ermordete! Ich bin\neigentlich gar nicht fiir Zarenmordem\naber ich liebe sofim Sie war ein vor-\nnehmes nnd verwöhutes Mädchen nnd\nging zu den Bauern, um sie zu unter-\nrichten, nnd zu— den Arbeitern von\nPetersbnrg. Dann sperrte man sie\nein. Und dann hat sie jahrelang mit\nihren Zrennden immer aufs neue ver-\nsucht, den Zaren in die Luft zu spren-\ngen. Als es endlich gliiclcte (sie hat\n»die Hauptsache gemacht nnd das Zei-\nchen gegeben mit einem Tuch), hat\nman sie hingerichtet nnd wahrschein-\nlich vorher gefoltert. Beinahe aber\nhatte sie den Zarismns zum Einlenlceu\ngebracht. Beinahe nur — denn ihre\nMethode war wohl verkehrt. Aber\nihr Wille war gut. Run also: Diese\nsofia hatte gewiss nicht die Gabe des\nRüdigseins, denn sie war eine Dame,\nund sie ist wahrscheinlich ziemlich bange\ngewesen. Wir sranen sind von Aatnr\nans Hasenfüsza Das ist Aerveusachm\nSie hat das alles aber vergessen, weil\nsie eine grosze Liebe hatte zu den armen\nAinschlcis, die der Zar Befreier\nlmechtete. Und wenn Dir Sofja zu fern\nliegt, io dentce an Mutter, die jedem\nPolizisten angitooll ans dem Wege\ngeht, nnd die einen grossen Krawall\nmachte anf dem Bahnhoj nnd Iich\n,,höchjt nnpaiiend« benahm, als man ihr\nihren Zungen ins Lazarett entfiihren\nwollte. Alio was Kerrs ,,Wertvolte«\nIo iiberlegen maizvoll macht, das ijt\nkein Znviel an Weisheit, iondern ein\nZnwenig an Liebe nnd injofern allers\ndings ein Zeichen von Schwäche. Aber\nob man dieien Wange! an Liebe nun\ngerade dnrch Hauen nnd Treten be-\njeitigkV\n\nSriedrich Mark\n\nS. M.\nDas Ziel. Aufrufe zu täti-\ngem Geist, hrg. v. Dr. Kurt\nHiller. Aiiinchen und Ber-\nlin 1916. Dieies Buch ikt lcein\nBuch, iondern wie es Ielbkt jagt, eine\nReihe von ,,Aufrufen«. Einen Auf-\nruf lcaun man weder beurteilen, noch\nheb-rochen, man lcaun nur Antwort\ngeben. Und dieje Antwort braucht\nmehr Zeit und Raum als ich heute\nhabe. Heut iei aljo nur nachdriiclcs\nlicht! darauf hingewie1en. Es iit eine\nganze anfbliihende Zulcunft in dieieu\nAusrufen, zu der wir alle, io oder to,\nstellnng nehmen m ü i i e n."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-05_01#c011", "volume": "bmtnabb_1916-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "126", "image_debut": 15, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.2.10.1", "titre_corps": "Tycho Brahes Bzeg zu Gott.", "titre_sommaire": "Tycho Brahes Bzeg zu Gott.", "signature_source": "Max Herrmann, Reisze", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.15", "debut_caractere": 22, "fin_caractere_exclue": 2088, "texte": "Tycho Brahes Bzeg zu Gott.\nRoman von Aiax Brod (Knrt\nBöolff Leipzigy Aienlcheu wan-\ndeln ihren schiclclalsweg, llolpern,\nlliirzeu, ltehen wieder auf, u ducken\nlich, reckeu lich hoch, unterliegen\nnnd feiern Triumphe, heucheln oder\nlind wahr, lind wahr, wenn lie\nheucheln, oder heuchelu, wenn lie\nwahr lind — und die Einen erleben\ndies alles auf eine leltlame Weile noch\neinmal, indem lie es willen, und die\nAndern lchattenlpielen dies alles auf\neine noch leltlamere Weile blindtaps\npeud -— nnd was ilt Glück? 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(8iir mich\nlcommen,von deutschen Damen der Jeder,\nanfier H. stärker« iiberhanpt nnr Hedwig"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2093, "texte": "Gehn: und Annette Kolb in Betracht\n...-\" wobei ich freilich bemerken will: Ich\nkenne nicht die berähmten Erzählungen\nder Ricarda Such; ich hatte an ihren\nberühmten Versen vollauf gennch.)\nAnmmer Z der ,,Kriegshefte des Bun-\ndes fiir Mntterschntf enthält einen\nSssqg ,,Eeschlechtspsychologie nnd\nKrieg« von Dr. Heleue Stöcker, auf den\nich besonders hinweisen möchte. Statt\nschiefer Exzerpte ein paar Zitate:\n,,Wer nicht ,daran glaubts das; der\nKrieg jemals aufhören k a n n , der be-\nkennt damit, daß er in der letzten Tiefe\nseines Wesens im Unbewnfzten eine\nsolche Änderung auch noch gar nicht\nwünscht, sie gar nicht versteht«\n,,Man spricht an gewissen Stellen von\nden ,3ielen des Kriegesß die die\n0 pse r des Krieges ,lohnen« sollen.\nJst das nicht letzten Endes eine ent-\nsetzliche Blasphemie? Kann jemals . .\ndie Erlangung besserer Handelsvers\nträge . . mit Menschenblnt, mit M e n-\ns eh e n l e b e n erkanft werdens«\n»Hu dem Buche . . . erinnert Olive\nSchreiner mit Recht daran, ,das’i auch\neinmal vor nndenkbareu Zeiten der\nMensch sich vom Fleisch. seiner\nMitmenschen nährte . . . Die\nersten, die dieser Sitte w i d e r st r e b-\nteu , weil sie dem Mitmenschen sich\nähnlich nnd verwandt fiihlten, wurden\nZwar von ihren Genossen getötet. AU-\nMählich aber schlug dieser Gedanke in\nden Köpfen anderer Männer nnd Wei-\nber Wnr3el, und nach nnd nach wei-\ngerte sich die Hälfte des Stammes, bis\nam Ende keiner mehr mochte« . . .\nSt! dem Augenblick, wo es gelungen\nsein wird, den Abscheu vor der Eötnng\nvon Menschen — im Interessenkampf\nder Staaten —- ebenso stark zu machen,\nwie bei den normalen Menschen der\nAblcheu vor der Eötung des Einzelnen\nim Privatleben schon selbstverständlich\nist, wird dieser Abscheu sich auch in\nden Berfassuugen der Staaten zum\nAusdruck bringen. In dem Augenblick\nist die Meuschentötung ,z u r B e r te i-\ndigung des Vaterlnndek so\nsicher abgeschafft und unmöglich gewor-\nden, wie fiir uns heute die Menschen-\nfresserei.«\n———— Kunst, lest und verbreitet diese\nSchrift; sie ist bei 0esterheld F: Co»\nBerlin W. II, erschienen und lcostet\ndreißig Pfennige—\n\nKurt Hiller"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-05-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-05_01#c013", "volume": "bmtnabb_1916-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "128", "image_debut": 17, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.2.10.3", "titre_corps": "Kerr im Pan 1910 (nnd neuerdings", "titre_sommaire": "Kerr im Pan 1910 (nnd neuerdings", "signature_source": "Sriedrich Mark", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.17", "debut_caractere": 2095, "fin_caractere_exclue": 3228, "texte": "Kerr im Pan 1910 (nnd neuerdings\nim ,,Ziel«): (Anf den Trab durch Tritte\nsollte man einer sonst innerlich hoch-\nsteheudeu Art helfen) ,,niimlicl) allen\ndiesen freiheitlichen nnd vernünftigen\nMenschen, die sagen: ,Das tut man\ndoch nicht«, ,Dazn ist man zu anstän-\ndig§ ,Aian kann doch eigentlich kaum·.\nDas sind die Schlimmsten. Alle diese\nmit wirklicher Gesittnug durchsetzten\nLeute von innerem Wert; denen aber\ndie Urspriinglichkeit abhandeu gekom-\nmen islz die Gabe des Riidigfeinsz\ndie Macht des Aiittunsz die Lust des\nLdslegensz die Sutschlosseuheit zur\nSchlacht . . . . statt dessen haben sie\ndie Furcht, sich bloszzuslellenz den\nHorror des Hesraustretensz das\nLächeln des nakhgebenden Kliigeren«\n(man sollte diese Gattung) ,,hanen, bis\nsie nicht mehr sitzen kanu«.\nDanach schrieb ich an eine Frau: ,,Hat\ner nicht recht? Tauseudmaks Aber\nindem ikh’s einsehe, stelle ich fest, das;\nich dem fraglichen Ideal am nächsten\nwar mit zwölf Jahren. Wer gibt mir\ndiese Gabe des Riidigseius zurück, die\nFreude am Treten, Spnckeu nnd\nMassen? Ob das Hauen es tnt?«\nUnd sie antwortete darauf: »Du zer-\nbrichst dir wirklich sehr überflüssiger-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1616, "texte": "weise den Kopf und hast ganz nnd gar\nunrecht mit Deinem Zitat. Srinnere\nDich an Sofia «P-erowslcoja, die\nAlexander U. ermordete! Ich bin\neigentlich gar nicht fiir Zarenmordem\naber ich liebe sofim Sie war ein vor-\nnehmes nnd verwöhutes Mädchen nnd\nging zu den Bauern, um sie zu unter-\nrichten, nnd zu— den Arbeitern von\nPetersbnrg. Dann sperrte man sie\nein. Und dann hat sie jahrelang mit\nihren Zrennden immer aufs neue ver-\nsucht, den Zaren in die Luft zu spren-\ngen. Als es endlich gliiclcte (sie hat\n»die Hauptsache gemacht nnd das Zei-\nchen gegeben mit einem Tuch), hat\nman sie hingerichtet nnd wahrschein-\nlich vorher gefoltert. Beinahe aber\nhatte sie den Zarismns zum Einlenlceu\ngebracht. Beinahe nur — denn ihre\nMethode war wohl verkehrt. Aber\nihr Wille war gut. Run also: Diese\nsofia hatte gewiss nicht die Gabe des\nRüdigseins, denn sie war eine Dame,\nund sie ist wahrscheinlich ziemlich bange\ngewesen. Wir sranen sind von Aatnr\nans Hasenfüsza Das ist Aerveusachm\nSie hat das alles aber vergessen, weil\nsie eine grosze Liebe hatte zu den armen\nAinschlcis, die der Zar Befreier\nlmechtete. Und wenn Dir Sofja zu fern\nliegt, io dentce an Mutter, die jedem\nPolizisten angitooll ans dem Wege\ngeht, nnd die einen grossen Krawall\nmachte anf dem Bahnhoj nnd Iich\n,,höchjt nnpaiiend« benahm, als man ihr\nihren Zungen ins Lazarett entfiihren\nwollte. Alio was Kerrs ,,Wertvolte«\nIo iiberlegen maizvoll macht, das ijt\nkein Znviel an Weisheit, iondern ein\nZnwenig an Liebe nnd injofern allers\ndings ein Zeichen von Schwäche. Aber\nob man dieien Wange! an Liebe nun\ngerade dnrch Hauen nnd Treten be-\njeitigkV\n\nSriedrich Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-05-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-05_01#c014", "volume": "bmtnabb_1916-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.2.10.4", "titre_corps": "Das Ziel. Aufrufe zu", "titre_sommaire": "Das Ziel. Aufrufe zu", "signature_source": "S. M", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.18", "debut_caractere": 1618, "fin_caractere_exclue": 2129, "texte": "S. M.\nDas Ziel. Aufrufe zu täti-\ngem Geist, hrg. v. Dr. Kurt\nHiller. Aiiinchen und Ber-\nlin 1916. Dieies Buch ikt lcein\nBuch, iondern wie es Ielbkt jagt, eine\nReihe von ,,Aufrufen«. Einen Auf-\nruf lcaun man weder beurteilen, noch\nheb-rochen, man lcaun nur Antwort\ngeben. Und dieje Antwort braucht\nmehr Zeit und Raum als ich heute\nhabe. Heut iei aljo nur nachdriiclcs\nlicht! darauf hingewie1en. Es iit eine\nganze anfbliihende Zulcunft in dieieu\nAusrufen, zu der wir alle, io oder to,\nstellnng nehmen m ü i i e n."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.1", "texte": "Zeit-Echo\n— »— T ;-\n( — « O F -« - I;\n»» » . . . . - - «. - . . «« - -«-.-.- «— ; s« -:.·- — »» - · «, — » d»\n: » . « «» \"·:-. — »Es« - «« «? ».-»««- ;.--—,-,-« «:s-:.s. »Es» «— « : »F»-\n— . · - » « »— . » « — «· » »« . — ,«. « .j «« —.»:»s«-· «— «« » » » .. s« « «»«XT·:»,»:«.x«;»;-» »· J Jsjkg · sp .. K, ·»\n- s. · « «« · . · » ·« — : .’ z· «« .-— ·. . .· .«·, ..- .»»«»«.»·.»-..s.k·-z.f «» ,s.«·,· - « - ·.- « » · »· ,s»-«-·-,««.···.\n« . ·» - · . «. -»s . · » -- · «« : · «.s««·.-««p. - ·— ·, »« «· « «« «»·.::·.k. — «— s ·. » :-..-—. s »- .\"»-·« ..-'»k-·-T·--«—XxT·-\n. s — · «» ». » - · . . .· »- »« »« « ·-»· -« · F» F«- Y i. .. » ·, . -·zk·ks«z,-. Hjzgs · IF«- — jsssz .»·,-«»- »»—« ·· .-·»—- FYZYF\n' - - - - »· - \" - s · - — · «— · . «« · - ’--·’ -.«« — - · ·—-:. - -T ,-\" -«-., ««—-·\"-7.’· \" I» .:- «-;’«»,-«—-·-\",\"«· T— . »« .\" Its-Hex« VII— ——·:—J·.—;\n.- · « \"·s- - » . · · ·« .·· « .« s— s is. :. »« « «. «— · «· - »··»\"-·L « « ;.---·-·· -·-»- - · — L« «« O s\"-««···T»:·».-\"\n· . » · · ·· · · ·« · ·· · · · -: · U· -; .- ««s···-««««.·-· -·:-» ·» , -«- ·· ·· — - « ·. »·.· ,\"···»· · ·»-»·\" s« · · . ··»«.·« ···-’·«·—.«·-«· \"·- (Y«·««·-· —«\n. · , — » . » · - »· «· · « · ». ..» »— »: », . » sz Iszszf «· ·'. « ·« «« »» «· f« - «· «- sp s· szz . »« «» . »«Gz. lzzsz Tysz\n· ·· · ·· · — «« — ·— ·· -.·s·’· · · · . ·» « «. «· III— »-«·- It— . -»· ’ · »F· A · · · « «» « » IN' · -····—«:-s\"j;·».\n. - · » · · , «« ·. «· » I— . j . - · ; - ··-»-·.- — z; « mxsk . ··- .\"\" «« T«·\n· ·, ·« . ·· - «. --»- s . - · · «» » ·»».«»-» -·«·.\n· « · H X « ·; . . , ·· E« \".«»··-··-.-·T ·. · . - «« --—««·—-·«—\";k\"\n« « . «, .H »» « »· » » » ». · « . »« . sz sz sz »? » J» J, sz »« H:\n. ·— . .- · . · . » ; . · · ·· .. - «· CI? ·« ·— · · -\" ··«—·.-.Se—.· · ··.’ « »— ·. « -- · · « P· ·· - »· .\" «. ·«- ·c\"\"«’k·:. -.--—«—·--,.?\":--,\n- - » - . »..»«·s· — - · « »« -· · — — . «;--t » « »- · »» · , . ·—- ·z.·,s,.--,,».·».s«—.s-·- « . T«\n· · · ·· · · · · · ·· · H« ·· · ·· «· · «« · Z« T «·- «— «« · ·\n· , »· - . , « » . . »· ·· «» « »« » · ·» —.·-.««,»kzsz.,.» »F»- f» «· » .·s«»-»·· » »· «»·ssz«- F» «· » » »«\n, · · «··-\"« - s . « « \" s ·· . « V« · · I ·« -\" --».·. E· ·. .’-·«·T»’«-Z «. . »· - «»- -·· 7 ·. E« . -.»«,-·«i« -»--·» «« X· ·· . ·· « I—- -—.· ·\" · .-\n— - . · «« »— « -»\" «: -s-— · » --·- »« ·« -« s-..;.-—-;x-·..·7-·-»-sp --—-- · »— , » :, »» -,-.· - .- · - ·.\n« «— · . · .·- ». -· ·-,«· - .. · - --s—. «·- -- — -: »-».-,-— , s· «.«».-·-- · - -.,,.4« ». m· «. -\n«» . · -- · · — » .» - - «» « ·· - · »» «? z· »· — « .» »« · » - — so. ·« . · ,«··»··»»» Ysz « -s . «» »F · »« O, « «»\n- » . s - « . » « ·— . . ·\" - » ». - . «· — »« « -.-—. ——-\"· «.«-T s «»s-·;-»\".- - ; » X· ·. — - : . » :\n- — - ·· · « s· .» ·. - »— L« . - J.- «» ·:. » «» »« T;- »«:’. .« «-..· I. . «· « · -·-« · .. . » «« s— z« -\ns · · . « » v N— ( . J. ««-- «; « ,,· ----——e .« «. ·; « zxsci · «.,»·- «« —3«« ·\n« · »- . J ·· .· « ·( « - ,. — » «» »« »« Es· «· «. . . IV» - - », —..7-— « . .·» s«- .«- «— -—»- ..- «— « ». — » -— . —"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.2", "texte": "Sonderausgabe Nr.\n\nInhalt:\nArm) Rade! X Der Ton\nWkfhelm Wagner X Originalssteindrucic\nAlfred Lemm X Galizijches Tagebuch\nWalther Ceutjch X okigiuqksieiudkukcc\nHaus Rkchkek X Origiualssieindrnclc\nGruft Blasi X Was ruft die längst entlchwnndenen Gefühle .\nAtmke Offketdknget X Modebild VII X Originabsteindruclc\nGlojjen und Kritilcem\nEinzelhefk Mk. 1.———. Vierkeljährlich [6 Hefkej Mk. S."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.3", "texte": "Der Ton\n\n(Auszugs)\nAlle wifjen,\nWohin fie gehen,\nDer Vogel fliegt ins Rest.\nIch aber weis; nicht, was ich. foll.\nDu haft mich träumen lafjen,\nWeil ich zu viel in deine Werlce fah.\nEiner foll wach fein,\nUnd nicht entrinnen. »\nAuch das gehört zu dir.\nDies stumme der Natur!\nWir find im Leib gefeftet,\nUnd dort ift alles wahllos. ohne Wahl.\nDann fallen wir wie Hölzer um.\nDas ift der Sinn. Das Diimmfke ift die Frage.\nDie Leute wachen vor,\nAls lcäme letzter Gott gewandelt.\nWas ift gefchehen? Gar nichts.\nEs regte fich die Luft.\nDie hunderttaufend Jahre alt ift.\nAch immer mufk ein Trauern\nIn unfrer Seele fein.\nDer Baum vor mir weint eine Melodie,\nDie mich ergreift, als weinte er in mir."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.4", "texte": "Und aller Tod weint in der Leere, \"\nIn die ich einjam fchaue.\nGinfam ift jedes Her; und voller Trauer,\n0hn’ Ubermafz und ohne Klage.\nDenn niemand weiß, wie fehr er traurig ifl.\nIn; keiske auf das Licht\nUnd fiihle mit der Hand bis in die 5chwärze,\nDie Gott bewohnt —- da fitzt er.\nWas darf ich, Alenfch, was darf ich nicht!\nAus Liiften dringt lcein Wort hervor.\nsei giitig, wiffe, lerne nicht, und fürchte.\nGott will zuweist,\nDas; Leben ohne ihn fei.\nDie in ihn drängen, liebt er im Geheimen.\nGr hiitet ihre Aähe vor Gefahr\nUnd läfzt die Andern freundlich fegnen.\nAuch fiillt er fie mit Lächeln und Bewufztfeim\nUnd einmal, hart am scheiden, bliclct er ihnen\nIns lofe Auge.\nNicht auszudenlcen ifl das Licht,\nNicht auszudenlcen diefe Zlut der Seelen,\nDie seufzend, liebend durch den Odem raufcht\nWas foll mir: das ift gut to!\nIch bin noch jung, mein Leben ift gefährlich.\nVielleicht wär’s beffer -— ja, was wäre beffer?\nSo wie ich bin und foll, fo bin ich beffer.\n\nArno Radel"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.6", "texte": "Galizisches Tagebuch\n\nIn Krakau, dem Tingang zu Galizien, sah ich zwei Häuser zur Anbetnng Gottes.\nDie Riesenkirche prangte in Gold und Bildern. Turmhohe bunte Scheiben\nreckten sich leuchtend bis an die Wölbung eines blaugoldenen Sterneuhimmels\nDie Wände waren so reich behangeu, das hohe Gestiihl so dick geschnilzt nnd die\nPriester vorn an den Altären schritten so königlich geschmiiclch als ob es auszer\njedem kleinsten Zweifel läge, das; hier der richtige Gott verehrtjwurde. Die\ngroszen Heiligen, die ganz aus Gold den Gang zum Heiligsten zu beiden Seiten\nvollstanden, dachten nicht im entferntesten daran, dasz sie einmal überflüssig\nwerden könnten, und sahen mit einer angefangenen nnd plötzlich abgebrochenen\nstilleu Gebärde aus die knieenden österreichischen Soldaten, die sich ihnen im vollen\nBewusstsein ihrer Armut, die Miitzen zerknickt in einer Hand, ergaben.\nDie uralte Synagoge ist schon halb versunken auf dem viereckigen, grob-\nsteiuigen Platz im niedrigsten Teil der Stadt. Der Steinban im strengen Dunkel-\nrot des Mittelalters, mehrere Male iibereinandergesetzt, hat sich ineinauderge-\nschoben und nach vorn geneigt: eine unförmige Steinauftiirmung ähnlich einem\ngroszeu Grabmal. Durch einen Kellergang und eiserne Tiiren mit mächtigen\nSchlössern kroch ich in den Tempel, der tiefer als die Trde lag. Tine graue\nWölbung. Spät ansetzend diinne blinde Fenster. Bon der Mitte der Decke hing\nbis auf den suszboden umgeben von hölzernen Bänken ein Käfig ans eiseruem Ge-\nstänge. An einer Seite waren die Mauern in Kopfhöhe durchbrechen und vor\nden läuglichen Offnungen schwebten Schleier wie alte Riesenspiungewebm Die\nstauen sind abgeschlossen vom Heiligtum. Der Bau war voll von Gebräuchen\nund Gebetsrestem schmutzigen hebräischen Seiten, die auf den Pulten lagen. Die\nschwarze Kautorsfrau, deren braunleuchtende Augen weich waren, zeigte Zkkkkckch\n-——- ihre siugende Altweiberslimme erinnerte an Gebete -—— die alten Rollen und\nsonderbaren Instrumente, mit denen hier Gott verehrt wurde, immer noch der-\nselbe sahrtausendealte, unversöhnliche Gott, zu dem sie von brennenden Scheiter-\nhaufen gerufen hatten. Borne fiihrten steinerne, niedergetretene, zerfressene Stufen\nzu einem Altar. Der war nackt aus Stein gehauen.\nAuf dem Platz vor der Synagoge war ein knsrzes Stiick hoch und nu-\ndurchdringlich ummanert. Keine Tiire unterbrach das steinerne Viereck. Me-\nmand wollte mir sagen, was sich in ihm befand.\n« Die Kirche mit ihrer Pracht goldener, toter Heiliger und der alte Tempel\nans Holz und Stein waren die beiden Borhöfe, durch die ich in Galizien eintrat.\nAnf dem flachen Platz einer Stadt, an die die Anfänge des Gebirges reicheth\nif! Markt. Vor den geikhwnngenen Berglinien, die jikh im jtiindigen\nAuf nnd Aieder verlieren und hinten schwach in mächtiger Höhe wiedererikheinew\nschreien die Stände von der derben Bnntheit der Tücher. Die tragen die Bauern-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.7", "texte": "»in-you, wenn sie des sonntags brennende Lichter in den Händen rot nnd sinnlich\nin lustiger und sanberer Reihe hinter den griineu Schultern des Geistlichen knien.\nDie Bauern ans dem Gebirge haben lange weisse, formvoll geschnittene und bunt\nbestickte Röcke. Jn der Mitte des Gewiihls sitzt auf einem Brunnen ein Haufen\nblinder geigender Bettler.\nUnd unter dem Chromgelb der galizischen Bergsonne stehen gebeugt die\nschwarzen, getragenen Gestalten der langen Juden nnd bieten der polnischen\nLandbevölkernug ihre Waren an. Dentlich riugelu sich jedes Einzelnen Schläfeus\ntockeu in der Mittagshelle. Sandig braun glänzen die Periicken der ver-«-\nbraunten Judenfranen, die auf Kisten hinter kleinen dummen Siiszigkeiten sitzen.\nJhre Gesichter sind scharfkantig von vielen Kindern nnd vielem Arbeiten. Die\nBanern stehen misztranisch und schwerfällig lange vor den bepinselten Zuckersachem\nbevor sie kaufen. Die Juden bedienen inzwischen drei andere Kunden, sprechen mit\nGlaubeusgeuossen und achten auf ihre Kinder.\nDie staubheisze Landstrasze jenseits des Mairktes ist zwischen hiigligen Wiesen\nnnd Bnnernhänseru eingetrocknet. Die alten polnischen Bettler mit langsträhnis\ngem Haar und unkeuntlikhem Gesicht, denen ich Brot schenke, reiszen meine Hand\nan den Mund nnd kiissen sie quetschend abwechselnd mit dem Brot. Wenn\ndie Leute auf dem Wege Durst fühlen, laufen sie nach dem nächsten Ziehbruunen\nund werfen sich lechzend sofort iiber den Holzeimer, der noch halbvoll von einem\nanderen Gebrauch steht. Dann gehen sie ohne Zwischenstufe wieder vom Trinken\nins Laufen über. Die Bauern entbläszeu den Kopf tief zum Grnsz und lassen ihre\nWagen, neben denen sie hergehen, halten. Sie ziehen noch ganz den Hut.\nKeine Gewerkschaft hat ihnen noch bewiesen, sie wären keine Knechte. Die\ndunklen Berge in der serne ringsum schwingen hoch nnd nieder, laugschrittig wie\nder Gang der blonden jungen Polenfranem die ihr Kind mit grossen Tiicheru\nnmschlagen an sich gefesselt tragen. Die weichen Bergziige halten mich in der\nschwebe.\nAber die Juden auf dem Markt wissen nichts von Galizieus steilen oder\nfarbigen Rhythmen. Wie uns Jahrtausenden vorher in das Heute hineingesetzt\nstcheu sie, in ihren langen Tranerräcken auf den Märkten Galizieus, und greifen\nmit einer ererbten Bewegung mit zwei Fingern in die nach vorn gebogenen Bärte.\nMit den schwarzen Umrissen ihrer gebogenen Rasen und den seltsam fremd vom\nKopf abstehenden Korkeuziehern, die schon die Kleinsten tragen, sind sie stilisierte\nZeichnnngen auf alten persischeu Busen, 0rnamente ans einer heiszeren Zone.\nG aliziens grössere Städte glimtnen noch vom verloichenen Glanz früherer\nHerrlichkeit. Weit iehen Schläiiey nngefiige steinerne Rieienviereclce von An-\nhshen iiber das Land. Jaroslan ikk eine Anianimlnng kleiner Häuser, zwilchen\ndknen lich unvermittelt bnrgartige Gebäude erheben. Die rntheniiche Kirche iit\nDu! ganz neuer, blendend weisser Knppelban —— viel zu rnnd nnd flach fiir den\nNamen Kirche. Werbend, iich ipreizend ift ihr Glanz zwilchen das alte Gran der\nPolen geletzt."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.9", "texte": "Auf dem Markt steht eine uralte kolonnadenartige Handelshalle. Unter\nden Vögen in den Höhlen sitzen Juden, deren Väter und Großväter schon dort\nsaßen und Rotwendigkeiten des Hauses an die Ruthenen, verkuiffenen religiösen\nGesichtern mit wilden Hiiten, verkanfteu.\nJch sah einen der Vet- nnd Lernräume, den die frommsten Juden zu be-\nnutzen pflegen. Ein kleiner, dunkler Saal, an den seiten Regale mit alten\nBüchern, darunter Tische. Daran stehen alte und junge Juden und hämmern\ndie Körper auf und nieder. Das Murmeln des einen mit seidenen: Kaftau nnd\nseltsam flachem pelznmkränzteu Hut wird iibertönt vom Anrufen seines weiß-\nbärtigen Aebenmannes, das wiederum abgelöst wird von dem Singen eines\nanderen vorn zwischen zwei Lichtern vor einer heiligen Decke. Jeder hält nn-\nbekümmert und ohne Scheu vor dem anderen Zwiegespräch mit Gott. Die\nRiicken arbeiten, als ob sie sich in Jhn einwiihlen wollteu. Am Eingang ist\nein reges Gehen nnd Größen. Sie sprechen von Geschäften und vom Krieg.\nKinder laufen zwischen ihnen durch. Man ist hier bei sich zu Hause. Sie\nstehen vertraut mit Gott. Sie tun nichts Besonderes, seiertägliches, wenn sie\nin sein Hans gehen. Auch auf ihrem täglichen Leben lastet die Schwere Gottes.\nAndere Völker gehen einmal in der Woche, um Gott nahe zu sein, ·in die\nKirche. Die wird hinter ihnen abgeschlossen nnd erst nach einer Woche wieder\ngeöffnet zwecks neuer Erbauung. Die Juden haben die westländische Trennung:\n,,Hier Gott und sein Haus, hier das Leben« nicht mitgemacht. Die Synagoge\nist ihnen nur Anlaß zur Gemeinsamkeit. Leben nnd Gott sind ihnen eins, nnd\nweil die Vorfahren se i n e Mittler sind, verguicken jich die Lebeusbräuche der\nAhnen mit den Geboten Gottes zur nnverletzlichen Heiligkeit.\nAber der Zrisenr in der Hauptstraße, der in Wien in die Schule ge-\ngangen ist, zieht die Augen iiberlegen hoch iiber die Kaftane und Paijes seiner\nVolksgenossen. Er hat den Laden seines Vaters ansbanen lassen mit glitzernden\nSchaufeustern nnd einem Schild: Eoiffenr nnd Ehamponeur. Sein Geschäft ge-\nuiigt den neuesten hygienischen Anforderungen, nnd in der Unterhaltung mit\njedem Fremden ist er bestrebt, den Anschein zu verhüten, daß er vielleicht geringer\ndastehe als jener. Wo die Hygiene ins Land kommt, wäscht sie auch die überzeugt-\nheit mit ab. Sie macht den Glauben an ein ,,liber der Welt« unnötig. Die Hygiene\nentfernt von den Juden mit dem Schmutz auch ihre Unbedingtheik Die aber,\ngleichgültig, welches Objekt zu ihr gehört, ist hundertfach wertvoller als die Viegs\nsamkeit und Gelenkigkeit, die fiir nichts in der Welt zu sterben weiß. Die\nJuden des Westens aber suchten als Ersatz fiir das verloreugegaugene liber-\nweltliche die äußere Macht, das ,,Ansehen« auf dieser Welt. Die Juden des\nOstens sind irgendwie echter. «\nzuweilen hielt mich auf der Straße ein vielleicht dreizehusähriger Knabe\nmit ruhelosen Augen und schuell geknifftem Hiitchen an. Ob ich Hindeuburg\nkennte. Dann sollte ich ihn schön griißen von Joseph von Jaroslan, nnd Hindenss\nburg brauchte nur das Geld zu schicken, dann wiirde er sofort die bestellten zehn-\nTausend Zeitungen geliefert erhalten. Der Junge war im Ort als schwachsinnig be-\nanu ."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.10", "texte": "Jch muszte auf einem kleinen Bretterwagen über Land fahren. Der\nWagen fuhr um einen Berg herum langsam aufwärts, bis schliesslich die Land-\nstrafze hinter einer Biegung sehr plötzlich in ein breites Hanptstraszenstüclc eines\nOrtes mündete, der sich den schmalen Kamm entlang über den Wiesen der\nEbene hinzog. Die Gegend war blau nnd schwarz, von der Farbe der Häuser\nund der Kaftane und Bärte. Die Häuser waren schief. Keins hatte Fenster.\nDie Rahmen waren mit heransgebrochem Die Türen fehlten fast überall. Die\nherabgelassenen Wellblechrouleans vor den Läden waren zerhackt und hokhgebogem\nDer Rachmittag machte alles unverschämt deutlich wie auf dem Theater. Der\nganze Ort war im Onerschnitt geöffnet, wie in einem Anatomieatlas. Das\narme Leben der Häuser lag durch das Fehlen der Fenster ausgebreitet auf der\nStraße. Die Juden waren gerade zurückgekehrt nnd machten die Läden auf.\nEinige Familien begannen ergeben wieder einzuziehen. Die jungen Söhne mit\nhellen, tranrigen Gesichtern schleppten Hausrat. Jn den Häuserlöchern, die sich\nnach innen viereckig verbreiterten, saszen kleine Kinder nebeneinander provi-\nsorisch auf dem Boden, die Füszchen gespreizt. Es hatte den Anschein, als ob\nsie im Freien sahen. Die Treppen hinauf steigen schwer die Familienväter.\nLangsam herauf und herunter. Aian kann sie überall hin genau verfolgen.\nBot den Geschäften standen die zerranften nnd geflickteu Juden in eifrigem\nGespräch, doch mit der Ruhe, die sich an vieles gewöhnt hat. Der Abend kam kalt.\nin die Offnnngen ihrer Häuser.\nDas Ganze sah ans, als handele es sich um einen fener groben Biernlke über\nRacht, wie sie sich eine frühere rohe Zeit mit den hilflosen Juden erlaubte, um\nsie lächerlich zu machen. »\nAm Ende des Hügelkammes schosz die Dorfstrafze wieder als Ehaufsee\nhinab zwischen die Felder. Ein polnischer langhaariger Wallfahrer im Rassen-·\nhemd hatte sich auf meinen Wagen gesetzt Aus dem bnckligen grotesken Ort\nlief mir lange Zeit einer nach, der auch noch mitfuhren wollte. Jch lief; auf\ndie Pferde eiuhauen. .\nDas sPolnische steht zum Deutsche-n «wie der Türhiiter zum Portier. Die\npolnischen Aiädchen sind schneller bei der Hand, Wünsche zu erfüllen. Kinder\nspielen dort mit Beilen, und wenn Jungens sich prügeln, müssen Arzte die\nKopfwuuden verbinden. Die Landweiber heben die Röcke und waten durch die\nFlüsse, statt eine anständige Brücke« bauen zu lassen, nnd an den Klosetts fehlen\ndie Türen. ,\nDie Juden bedürfen ihrer Frömmigkeit. Je unhaltbarer ihr Erdenlos\nwurde, desto notgetriebener griffen sie nach dem festen Gesträuge ihrer Dogmen.\nDie ewige Drangsalierung, ihr ungesichertes Leben: diese ständigen Aufrühre nnd\nUntergrabnngen zwangen sie, ihr Sein so fest zu umrahmen, es metatlen s—\nwie Blei das Fensterglas ———— zu umgieszem auf das? sie Ruhe nnd Halt fänden.\nRnr hier, wo nicht so viel warum nnd warum nicht gefragt wird, konnten\ndie Juden ihren Stil bewahren."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.11", "texte": "I n der fchmnßigem unmöblierten Eaftftube eines einftöckigen Hotels in\nIaslo traf ich einen Kaufmann aus Krakauz der trug feine Warentafche\nbewußt wie ein Arzt feine Inftrumentenmappe Sein dunkler Bart war edel.\nEr wußte viel von feinen Vorfahren, nnd Ruhe ging von ihm ans. Er er-\nzählte mir auch die Gefchichte jenes rätjelhaften eingemauerten Stiickes vor dem\nalten Tempel in Krakam Ein großer Rabbi, der vor Hunderten von Iahren\nlebte, verbot die Hochzeiten am Freitag, weil fie meift bis in den Schabbes hin-\nein danerten. Eine Familie aber feierte ihm zum Trotz ihre Hochzeit vor ihrem\nHaufe am Freitag. Doch die Säfte nnd das Paar ftarben während der Feier\nnnd wurden, wo fie geftorbeu waren, begraben. Der kleine Kirchhof blieb als\nWarnung flehen.\nDes Abends gehe ich oft mit einer jungen Iiidin die Gafjen um den\nTempel herum entlang. Salomea ift nicht groß, hat helle, gräne Augen, die\neinen rötlichen und tranrigen Schimmer haben. sonderbar klingt das breite,\nklownartige und verbogene IiidifchsDentfch mit feinen Ganmenlanten in ihrer\nfanften Sprache. Sie will ftets wiffen, wie ,,es richtig dentjch-« heißt, aber ich\nfage es ihr nicht. Ich machte einige nnangebrachte anfgeklärte Bemerkungen\nnnd wurde, trotz meines guten Sewiffens, befchämt von dem Blick ihrer nn-\nerfchiitterlichen Gläubigkeit\nGroß und hoch iiber die armfeligften Häufer erhob fich am Ende des\nOrts die reiche Synagoge. Auf dem Platean davor iiber der Landfchaft wan-\nsdeln die fcharfen Uurriffe der Iuden. Sie gehen zerriffen, obwohl fie Geld im\nKafteu haben. Sie haben fich von jeher nicht um Kleider kiimmern können,\nweil fie fiir die vielen unvorhergefeheuen Fälle immer viel Bar haben mußten.\nDahinter wiegen fich die Höhen im fchwermiitigen Eriin Galiziens Ich\nfteige hinunter und gehe iiber die weichen Wiefem Kuhmädcheu ftehen darauf,\nbraun von der Abendfoune nnd fingen mit harter Knabenftimme immer das\ngleiche Lied, unendlich viele Strophen. Die Formen ihrer Briifte nnd Schenkel\nwiederholen fikh vergrößert vielfach im Lande hinter ihnen. Ein ftarker Iunge\nmit fchwarzen, freffenden Augen fpsricht mich an. Ich foll ihm helfen, ein\nkleines, in der Aähe fchwer Holz tragendes Aiädchen zu vergewaltigem Er\nDsbut fich und jauchzt, wenn er das gierige Wort ansfpricht\nA nme r k n n g. Ich glaube, dass diese Schilderung die vorteilhafte nnd die\nnachteilige Eigenschaft der ,,Zmpression« hat: die nahe Sichtbarkeit, aber auch die\neventuelle Einseitigkeit. Dem schnell Vorübergehenden schält sich der Kerupunkt\ndes äussert-ich sichtbaren heraus. Jst Ubereinstimmung zwischen ihm und dem\ninneren Wesen des Gesehenem so erhäbe die Jmpression Anspruch aus iiber-\nkiinstlerische historische Gültigkeit. Es scheint jedoch, als wenn das Leben der Ost-\nfnden sich in bestimmten Teilen unverhältnismäßig vorentwickelt hat, auseinander-\nfiillt, so das; das äußerlich Sichtbare keinen genauen Räckschlusz auf die Ganzheit\njener Menschen erlaubt.\n\nAlfred Lemm"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.13", "texte": "Ernst Blasz\nWas ruft die längst entschwundenen Gefiihle,\nAoch immer fordernd, das; ich Rede steh?\nWard nicht ein Aeues durch des Todes Kiihle,\nWie sich das Land verändert durch den Schnee?\nRennt ein Gespenst mir noch die tanmelnd-schwiile,\nDoch lang verschneite Stunde auf dem See,\nDie Blnmensprache und den Tanz am Buhle?\nWard nicht zur Lösung uns das weite Weh?\nWit weisser Decke feierlich bekleidet\nDer Leichnam ruht, die Grde harrend fleht\nUnd namenloser als ein Mensch der leidet . .\nWas hindert das beginnende Gebet?\nJst es der grimmen Wolken wilde Reife?\nOder das dunkle Brauen unterm Eise?"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.15", "texte": "Glossen und Kritiken\n\nTycho Brahes Bzeg zu Gott.\nRoman von Aiax Brod (Knrt\nBöolff Leipzigy Aienlcheu wan-\ndeln ihren schiclclalsweg, llolpern,\nlliirzeu, ltehen wieder auf, u ducken\nlich, reckeu lich hoch, unterliegen\nnnd feiern Triumphe, heucheln oder\nlind wahr, lind wahr, wenn lie\nheucheln, oder heuchelu, wenn lie\nwahr lind — und die Einen erleben\ndies alles auf eine leltlame Weile noch\neinmal, indem lie es willen, und die\nAndern lchattenlpielen dies alles auf\neine noch leltlamere Weile blindtaps\npeud -— nnd was ilt Glück? Dem\nIcheiut es lchou im Scholz zu liegen,\ndas Glück, Dem mit der Binde vor\nden Augen, dem Aachtwandler ohne\nAiiih’ und Makel, geglättetsholdem\nBräutigam der Fortuna, der leiueu\nGott wie einen Talismau im Tälchchen\ntriigt —- uud hielzelt Du vor mir nicht\nFelix einlt? — doch jener Andere mit\ndem Bann im Blut, entbliitternd jeden\nAugenblick, Tag-Seher mit viel Dorn\nund Demut, uuholdwerkrampfter Rin-\nger um die Lauuilkhe, nach Zebaoth\nauf raltlos-weher Jagd und immer wie\nauf hohem Aieere treibend —- lteigt\nDem vielleicht ans Stachel, Sturm und\nunftiikbittrer Pilgerfkhaft der große\nStern der weifen Ewigkeit? 0 Lö-\nfung unferes Schreis ans bängfter\nSeele: ,,0b ich nur nicht vergebens ge-\nlebt habe! Ob ich nur nicht ver-\ngebens gelebt habet« Auf Gipfel fiihrt\ndas Roden um den einen Preis, dnsrrh\nHöhlen, Hindernis und Diclcicht —-\ndenn: »Es iit nicht vollbrarht, Io foll\nes heißen« ——, Mitleid legt Gruben\nnnd die Wahrheit, wie die Lüge, hat\ngliihende Ofen, und an allem Biifen\nbikt Du frhnld und mitverflochten jedem\nZlurh und ewig Gins mit aller Krea-\ntur, Zrennd oder Feind, bis Du mit\nDeinem hellen Hirn in diefer Apo-\ntheoie fpriihkt der Hymnen, die den\nGeikt anrh heilig fprechem »Ich lob-\njinge meinem Gotte. Gr liebt die Be—-\njinuungslofem aber mehr noch die,\nwelche beides in lich haben, Stiirmen\nund Nachdenken, die auf lceins von\nbeiden verzichten wollen, nnd die mit\ndoppelter Last lceucheud vor feinem\nThron anlangen.« Seit Zlaubert hat\nlceiner unter Masken bliihenderes\nMenjcheuangeficht gefchenlct Hier ift\nder KänktleswKreatnren Kelch und"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.16", "texte": "Kot, Ajyh Verwilderung, schlüpfriges\nKreisen ans bedriingter Scheibe. (Ach,\nund die Hüften einer slackernden Toch-\nter umwellt von Zürtlichkeith Die\nSchwäche des Brntaleu und des Rat-\nren rührender Gottesdienstl Letztes\nBerschlungensein von Zwerg nnd Riese\nin eine Schlinge, Hinschmelzen in der\nLiebe Gold, Tochter und Vater, Weib\nund Vergewaltigey Hingegebene und\nRüchtern-Stierer. Der ,,8reund-\nichastEiKnechtschaft Zrrweg bis ins\nKleinste, jedweder Henkersstriclc auss\nletzte Zaserchen entblösst, Besleckung\naller Riünnerlcameradschash die Geist\nbegründete, durch der samilie Mate-\nrialitüt, die Tragik dieses Pfad-an-\nPsad und Recht des Ginen wider Recht\ndes Andern und ihrer Duldnng schwe-\nres Golgatha, nnd iene Krümmung, wo\nsich unbewußt Selbstsucht und Hinge-\ngebenheit in Gins verwebt. Abschied\nmit aller Wystik briiderlirh der klein-\nsten Geste. Freundschaft wie »Jetz-\nschlag und Atem«, mehr: wie Peit-\nschenhieb aus Peitschenhieb hinan —-\nuud darum köstlich! Riit aller Qual,\ndie von dem ,,Grben« kommt: Ich siege\n—- aber Du wirst weitertebenl Und\nob für mich, für meinen ,,Geist«? Ant-\nwort: ,,Zrei, unklug, blind, bewusztlos,\nnur für seine Kunst, nnd für nichts\nanderes in der Welt« Des groszen\nBildners ganze Litanei, Sehnsucht nach\nSelbstbestimmung und Ginsiedeltum, doch\nKleinliches zerstückt, das Schicksal ist\nund Zrau nnd Kind heißt, wenn es\nschlimmer wird, Wären und Kaiser; nnd\nVerlorenheit des Gottes am Galgen-\nhügel und des Kriegsknecbts nach der\nWörderorgiq und seinste Wage des\nGewissens, die Dich selber stets zuerst\nins Unrecht setzt. Zm Sterben das\ngelobte Land geschaut und in der\nSterne, der geliebten, Sphiireumusik\njirh beugend zu des Vaters Antlitz . . .\nIn Brods Epos wird, hinter Sym-\nbolen nnd Trachten, die genial auf den\nLeib pajiend Symbol und Tracht find,\nder Aienich unierer Tage erlöst. Wenn\ner lich erlöien lajjen mag. Dieie Dich-\ntung itrahlt in einem Ernste, der Gan«\nlcelei der singerfertiglceit zu Asche nnd\nProtzentum des Zntellelcts zur Salz-\nIäule werden lässt «—- und »Der Ernst\niit niemals nötiger geweien als eben\nitzunder, da alle Wagen umgeftosien\nund in grober Verwirrung iind.«\nGalcob Böhmed\n\nMax Herrmann, Reisze\n\nHelene Stärker gehört zn den\nganz wenigen ,,sranenrechtlerinnen««,\ndie der Zran wirklich sranenrecht zn\nerringen suchen, nicht Aiannsrechta\nBraucht man sie gegen Antiseminismen\nder Alnclcer nnd lcnltnrlconservativen\nWeltlente zn verteidigen? Klnger\nAntifeminismns etwa eines H. Blähey\ntrifft sie nicht. Vor allem fehlt ihr\ndas Keifende, Partilcnlarische der mei-\nsten sranenrechtsssDamenz sie lcämpft\n(im Kern) nicht fiir eine Hälfte der\nMenschheit, sondern fiir die Mensch-\nheit. Zch lcenne Schriftstellerinnen mit\ngesleigerterer Disziplin der Sprache;\nLitteratae, die bohrender, zusammen-\ngesetzter, dichter, die nervöier,\nbiittenpapierener, schwerer verständlich\nnnd ,,schmäler« fchreibenz aber es sind\nKontemplatricem . . während durch alles,\nwas diese (etwas weitläufige) Akti-\nvistin schreibt nnd treibt, Zener weht\n—- sener vom Jener des Religions-\nslifters, des hellenischen Kopfes nm\n400 arme, der Encycl0p6die, des Uto-\npilcers, des dentlchen Ernenerers zwi-\nschen sichte nnd Nietzsche. (8iir mich\nlcommen,von deutschen Damen der Jeder,\nanfier H. stärker« iiberhanpt nnr Hedwig"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.17", "texte": "Gehn: und Annette Kolb in Betracht\n...-\" wobei ich freilich bemerken will: Ich\nkenne nicht die berähmten Erzählungen\nder Ricarda Such; ich hatte an ihren\nberühmten Versen vollauf gennch.)\nAnmmer Z der ,,Kriegshefte des Bun-\ndes fiir Mntterschntf enthält einen\nSssqg ,,Eeschlechtspsychologie nnd\nKrieg« von Dr. Heleue Stöcker, auf den\nich besonders hinweisen möchte. Statt\nschiefer Exzerpte ein paar Zitate:\n,,Wer nicht ,daran glaubts das; der\nKrieg jemals aufhören k a n n , der be-\nkennt damit, daß er in der letzten Tiefe\nseines Wesens im Unbewnfzten eine\nsolche Änderung auch noch gar nicht\nwünscht, sie gar nicht versteht«\n,,Man spricht an gewissen Stellen von\nden ,3ielen des Kriegesß die die\n0 pse r des Krieges ,lohnen« sollen.\nJst das nicht letzten Endes eine ent-\nsetzliche Blasphemie? Kann jemals . .\ndie Erlangung besserer Handelsvers\nträge . . mit Menschenblnt, mit M e n-\ns eh e n l e b e n erkanft werdens«\n»Hu dem Buche . . . erinnert Olive\nSchreiner mit Recht daran, ,das’i auch\neinmal vor nndenkbareu Zeiten der\nMensch sich vom Fleisch. seiner\nMitmenschen nährte . . . Die\nersten, die dieser Sitte w i d e r st r e b-\nteu , weil sie dem Mitmenschen sich\nähnlich nnd verwandt fiihlten, wurden\nZwar von ihren Genossen getötet. AU-\nMählich aber schlug dieser Gedanke in\nden Köpfen anderer Männer nnd Wei-\nber Wnr3el, und nach nnd nach wei-\ngerte sich die Hälfte des Stammes, bis\nam Ende keiner mehr mochte« . . .\nSt! dem Augenblick, wo es gelungen\nsein wird, den Abscheu vor der Eötnng\nvon Menschen — im Interessenkampf\nder Staaten —- ebenso stark zu machen,\nwie bei den normalen Menschen der\nAblcheu vor der Eötung des Einzelnen\nim Privatleben schon selbstverständlich\nist, wird dieser Abscheu sich auch in\nden Berfassuugen der Staaten zum\nAusdruck bringen. In dem Augenblick\nist die Meuschentötung ,z u r B e r te i-\ndigung des Vaterlnndek so\nsicher abgeschafft und unmöglich gewor-\nden, wie fiir uns heute die Menschen-\nfresserei.«\n———— Kunst, lest und verbreitet diese\nSchrift; sie ist bei 0esterheld F: Co»\nBerlin W. II, erschienen und lcostet\ndreißig Pfennige—\n\nKurt Hiller\n\nKerr im Pan 1910 (nnd neuerdings\nim ,,Ziel«): (Anf den Trab durch Tritte\nsollte man einer sonst innerlich hoch-\nsteheudeu Art helfen) ,,niimlicl) allen\ndiesen freiheitlichen nnd vernünftigen\nMenschen, die sagen: ,Das tut man\ndoch nicht«, ,Dazn ist man zu anstän-\ndig§ ,Aian kann doch eigentlich kaum·.\nDas sind die Schlimmsten. Alle diese\nmit wirklicher Gesittnug durchsetzten\nLeute von innerem Wert; denen aber\ndie Urspriinglichkeit abhandeu gekom-\nmen islz die Gabe des Riidigfeinsz\ndie Macht des Aiittunsz die Lust des\nLdslegensz die Sutschlosseuheit zur\nSchlacht . . . . statt dessen haben sie\ndie Furcht, sich bloszzuslellenz den\nHorror des Hesraustretensz das\nLächeln des nakhgebenden Kliigeren«\n(man sollte diese Gattung) ,,hanen, bis\nsie nicht mehr sitzen kanu«.\nDanach schrieb ich an eine Frau: ,,Hat\ner nicht recht? Tauseudmaks Aber\nindem ikh’s einsehe, stelle ich fest, das;\nich dem fraglichen Ideal am nächsten\nwar mit zwölf Jahren. Wer gibt mir\ndiese Gabe des Riidigseius zurück, die\nFreude am Treten, Spnckeu nnd\nMassen? Ob das Hauen es tnt?«\nUnd sie antwortete darauf: »Du zer-\nbrichst dir wirklich sehr überflüssiger-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191605-01.1.18", "texte": "weise den Kopf und hast ganz nnd gar\nunrecht mit Deinem Zitat. Srinnere\nDich an Sofia «P-erowslcoja, die\nAlexander U. ermordete! Ich bin\neigentlich gar nicht fiir Zarenmordem\naber ich liebe sofim Sie war ein vor-\nnehmes nnd verwöhutes Mädchen nnd\nging zu den Bauern, um sie zu unter-\nrichten, nnd zu— den Arbeitern von\nPetersbnrg. Dann sperrte man sie\nein. Und dann hat sie jahrelang mit\nihren Zrennden immer aufs neue ver-\nsucht, den Zaren in die Luft zu spren-\ngen. Als es endlich gliiclcte (sie hat\n»die Hauptsache gemacht nnd das Zei-\nchen gegeben mit einem Tuch), hat\nman sie hingerichtet nnd wahrschein-\nlich vorher gefoltert. Beinahe aber\nhatte sie den Zarismns zum Einlenlceu\ngebracht. Beinahe nur — denn ihre\nMethode war wohl verkehrt. Aber\nihr Wille war gut. Run also: Diese\nsofia hatte gewiss nicht die Gabe des\nRüdigseins, denn sie war eine Dame,\nund sie ist wahrscheinlich ziemlich bange\ngewesen. Wir sranen sind von Aatnr\nans Hasenfüsza Das ist Aerveusachm\nSie hat das alles aber vergessen, weil\nsie eine grosze Liebe hatte zu den armen\nAinschlcis, die der Zar Befreier\nlmechtete. Und wenn Dir Sofja zu fern\nliegt, io dentce an Mutter, die jedem\nPolizisten angitooll ans dem Wege\ngeht, nnd die einen grossen Krawall\nmachte anf dem Bahnhoj nnd Iich\n,,höchjt nnpaiiend« benahm, als man ihr\nihren Zungen ins Lazarett entfiihren\nwollte. Alio was Kerrs ,,Wertvolte«\nIo iiberlegen maizvoll macht, das ijt\nkein Znviel an Weisheit, iondern ein\nZnwenig an Liebe nnd injofern allers\ndings ein Zeichen von Schwäche. Aber\nob man dieien Wange! an Liebe nun\ngerade dnrch Hauen nnd Treten be-\njeitigkV\n\nSriedrich Mark\n\nS. M.\nDas Ziel. Aufrufe zu täti-\ngem Geist, hrg. v. Dr. Kurt\nHiller. Aiiinchen und Ber-\nlin 1916. Dieies Buch ikt lcein\nBuch, iondern wie es Ielbkt jagt, eine\nReihe von ,,Aufrufen«. Einen Auf-\nruf lcaun man weder beurteilen, noch\nheb-rochen, man lcaun nur Antwort\ngeben. Und dieje Antwort braucht\nmehr Zeit und Raum als ich heute\nhabe. Heut iei aljo nur nachdriiclcs\nlicht! darauf hingewie1en. Es iit eine\nganze anfbliihende Zulcunft in dieieu\nAusrufen, zu der wir alle, io oder to,\nstellnng nehmen m ü i i e n.\n\nDiesem Heile liegt ein Prolpelct der Z. B. Melklerlchen Buchhandlung-\nStuttgart, bei iiber ,,J.Pflüger, Die Zortnikhönheit einfacher geometrischer GebildeN\nSiehe die Bejprechnng in Heft 4.\nHerausgeber: Otto Haas-Heye, z. Z. im Felde\nVerantwortlikher Srhriftleiten\nHans 5iemlen, Lirhterfelde, Sternltrafze 25\n. siir unoerlangte Einjendungen keine Gewähr\nön Ojterreirh fiir die Redaktison verantwortlich Hugo Heller, Wien, l, Bauernmarlct Z\nDruck? von H. S. Hermann in Berlin"}]}