{"numero_id": "bm-bmtnabb-1916-06-01", "volume": "bmtnabb_1916-06_01", "ocr_sha256": "98b75ec579b9c177797b1a75c80d5571830ebd3a0116ce78574d57acc00c51fc", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1916/06_01/bmtnabb_1916-06_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1916/06_01/bmtnabb_1916-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1916-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-06_01#c002", "volume": "bmtnabb_1916-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.2.2", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.2", "debut_caractere": 19, "fin_caractere_exclue": 393, "texte": "Inhalt:\nReue Schiklcele X Leiie\nLeo Zeininger X origiuaksteiudrukic\nRudolf Schmied X Das Briidercheu\nMax Unold X Origiuaksieindruklc\nCarl Maria Weber X Deuiiche Distichon\nFjenry Roejjingh X okigiuaksteiudrucis\nHans Siemien X Fremde Verie\nC. 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Savary X Modebild VIII X Originalssieindrncic\nGloljen und Kritilcen\nEinzelheft Mk. 1.———— Bierieljährlich (6 Heft-e) Mk. 6.—-——— 4"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-06_01#c003", "volume": "bmtnabb_1916-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "133", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.2.3", "titre_corps": "Das Brüderchen", "titre_sommaire": "Das Brüderchen", "signature_source": "Rudolf Johannes Schmied", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2196, "texte": "Das Brüderchen\n\nAm Alorgen waren Carlos und Ricolås mit ihren Cltern aus\nBuenos-Aires zurückgekehrt, es war Nachmittag, jie ritten in der\nPampa jpazieren. Carlos hielt im Arm einen kleinen weissen\nSeidenpintjchem den er vor vierzehn Cagen gejchenkt bekommen\nhatte. sie kamen bis vor die einjame Hiitte des Puejteros Cujebio\nund jahen jein sechsjähriges Söhnchen Aiiguelito, das nahe bei der\nSchwelle jtand und eine niedrige Holzwiege wiegte, in der ein säug-\nling lag. Cr lag fejteingewickelt, konnte weder Arme noch Beine\nbewegen und jchrie. Der Pintjcher jpitzte die Ohren nach der\nWiege und bellte feindjelig.\n»Ijt das dein Briiderchen?« fragte Carlos ganz erstaunt.\n»Ia!« jagte Aiiguetito und jah mit leuchtenden Augen uach\ndem Pintjcher. —- »Seit wann hajt du diejes Briiderchen?« fragten\nCarlos und Ricolås zugleich.\n,,Weijz nichts« antwortete Aiiguelito. ,,«Bor einigen Wochen\nbrachte mich abends der Vater zu Don Zgnacio, und als ich am\nAiorgen wieder hier war, war das Briiderchen das«\nRicolås ritt ganz nahe an die Wiege heran, um jich das\nKind genau zu betrachten. Aliguelito blickte unverwandt den\nPintjcher an und fragte: »Seit wann habt ihr diejes Hiindchen?«\n»Ich habe es von Papa gejchenkt bekommen,« antwortete\nCarlos. —- ,,Wie heijzt dein Briiderchen S« fragte er nach einer Weile.\n——— »Pepito.« -——- Was ijt das fiir ein jchönes Briiderchenl jagte\njich Carlos, und es entjtand fein Gedanke in ihm, den er aber kaum\nanszudenken wagte. Doch er lief; ihm keine Ruhe und zaghaft\nfragte er: »Gejällt dir mein Hündchens« \"\n»Ja« jagte Aliguelito und war ganz verklärt. , i\n»Cr heißt Blanco,« antwortete Carlos, ,,und wenn du jeine\nWolle beriihrjt, ijt jie wie Seide. Da, fiihle dochl« Und er beugte\njich herab und hielt ihm das Hiindchen hin: »Ijtdas nicht jchäu?«\n»sehr jchön!« erwiderte Aiiguelitw\nCarlos jtieg behend vom Pferd und jagte: »Jetzt werde ich\ndir was zeigeu.«s Cr biickte jich, jtreclcteliden Arm aus und rief:\n,,Hopsl« Blanco jprang iiber jeinen Arm. ,,Hopsl« rief Carlos\nund Blanco jprang zurück. Aiiguelito klatjchte jelig in die Hände.\n»Und jetzt, Blanco, aufwartenl« befahl Carlos. Blanco jetzte\njich auf die Hinterbeine, bewegte die Pfoten und Aiiguelito jubelte."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2247, "texte": "~Wenn du mir dein Briiderchen gibft, gebe ich dir mein\nHündchen« fagte Carlos. «\nAiiguelito war einige Sekunden unfchliiffig, dann aber fiegte\ndie Berfuchung, er ging nach der Wiege und bat Carlos, ihm zu\nhelfen, das Kind herauszuheben. Darauf beftieg Carlos fein Ponng,\nund Aiiguelito und Aicolås reichten ihm Pepito hinauf. Carlos\nund Aicoläs aber machten, dafz fie fchnell fortkamen, denn fie fürch-\nteten, den andern wiirde der Caufch bald renen. Carlos hielt das\nKind vor sich auf dem Sattel wie ein Biindel, fie ritten im Crab,\nmufzten aber gleich halten, denn er wäre beinahe heruntergefallen.\nsie ritten im schritt weiter, und nach einiger Zeit wollte Aicolås\nes tragen. Wieder hielten fie an und Carlos reichte es ihm hin-\nüber, was nicht ohne Lebensgefahr war fiir den kleinen Pepito.\nAach zehn Aiinuten befchloffen fie abzufteigen, denn er war\nnicht leicht zu tragen, aufzerdem fchrie er immerfort aus Leibes-\nkröften. Carlos jprang vom Pferd, nahm feinem Bruder das\nKind ab und legte es facht auf die Erde. Darauf pfliickten fie\nzufammen Griifey machten daraus ein weiches Bett und legten es\nhinein. So wiirde es fich bernhigen. Und wirklich, es dauerte.\nnicht lange und das Kind war eingefchlafen. Aicolås kniete neben\nihm nnd betrachtete es voller Andacht, er beugte sich ganz nahe\nherab, um feinen Atem zu hören.\n~Kann man wohl die Stelle fehen, wo ihn der Storch gehalten\nhats« fragte er Carlos.\n~Aiemalsl« antwortete Carlos, ~denn da miifzte er ihm ja\nwehe getan haben! Aufkerdem ift es gar nicht gefagt, dafZ ihn der\nstorch gebracht hat. Zenobia hat ihr Babg in einem Cimer\ngefunden, als fie aus der Zifterne Waffer fchöpfte.«\n~Aber da hat doch alles gelacht in der Küche, wie fie das\nerzählte,« erwiderte Aicolås i\n~Bielleicht hat fie gelogen,« meinte nachdenklich Carlos.\n~Aber das weifz ich, man findet ganz ficher die Kinder in den\nLagunen, und die bringen dann gewöhnlich die störche. Auch find\nfie manchmal in straufkeneierm nnd man muß die Cier dann\nzerfchlagen.«\nDie Knaben fchwiegem Aicoläs kaute an einem Grashalm;\nfchliefZlich fragte er: ~sag mal, Carlos, glaubft du, das; wir viel-\nleicht auch ein Briiderchen finden könnten, wenn wir in der Lagune\nfuchten, oder wir zerfchliigen Straufzeneieiy denn weist du, Carlos,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2257, "texte": "ich habe vorhin nachgedachh so ganz ist doch nicht Pepito unser\nBrüderchen, wie ich dein Bruder bin, und du mein Bruder bist,\nMiguelito hat ihn doch für den Blauco vertauscht«\nCarlos hatte darüber nicht uachgedacht, aber was ihm sein\nBruder eben jagte, leuchtete ihm ein. ,,Weisit du was,« sagte er,\n,,reiten wir nach der Lagune und suchen wir —- wenn wir nichts\nfinden, suchen wir Strauszeneier!«\nAicoläs war einverstanden, sie stiegen auf ihre Ponngs nnd\nliessen den schlasenden Pepito solange allein.\nDie Lagune war nicht weit; als sie angesprengt kamen, entstand\neine Bewegung. Die Kibitze schrieen, die Cnten erhoben sich\nfchnatternd, ein paar Stürche schlugen mit den slügeln und\nklapperten zu den Knaben hinüber. Cin einsamer Reiher nur suchte\nunbekümmert weiter nach Zrüschem Carlos sagte zu seinem Bruder:\n»Höre mal, Ricolås, ich werde in der Lagune suchen und du wirst\nStranszeneier suchen, so stürt keiner den andern l« Sie stiegen ab,\nCarlos zog Schuhe und Strümpfe aus und watete im Wasser.\nBach einer Weile rief Aicolås hinüber: »Hast du was\ngefunden, Carlos ?« Carlos antwortete nicht, er starrte krampfs\nhaft nach dem Grunde, er glaubte, ein kleines Kind zu sehen.\nLange suchten sie, aber sie fanden kein Brüderchen.\nRicoläs stand vor zwei zerschlageneu Strauszeneierm von\nplötzlicher Welancholie befallen.\n,,Wir haben kein Glück« sagte Carlos sehr uiedergeschlagem\nund sie kehrten zu Pepito zurück. Cr schlief nicht mehr, er lag\nda mit großen offenen Augen, den Blick ernst staunend zum Himmel\ngerichtet, und um ihn herum weideten Strausje, Hirsche, Rinder\nund Pferde. Carlos und Ricoläs hoben ihn auf und ritten zum\nPnestero zurück. Sie hatten beschlossen, es , Wiguelito wieder\nzurückzubringen, weil es doch sein Brüderchen war.\nAiiguelito kauerte vor der Hütte, der Causch hatte begonnen,\nihn zu reuen, auch hatte ihn Blauco in den singer gebissen. Cr\nnahm Pepito in Empfang, Carlos hielt wieder seinen Hund im\nArm . . . Kurz nachher kehrten der Bater und die Mutter zurück . . .\nDie Sonne ging unter, die Herden trieben heim nach ihren\nHürden, unter dem Ombü vor der Hütte fass der Gaucho Gonzales\nund sang laut ein melancholisches Steppenlied.\nCarlos und Aicolås schauten der Mutter zu. wie sie ihr\nKind Magie.\n\nRudolf Johannes Schmied"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-06_01#c005", "volume": "bmtnabb_1916-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "136", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.2.5", "titre_corps": "Deutsche Diflikhen", "titre_sommaire": "Deutsche Diflikhen", "signature_source": "Carl Maria Weher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1384, "texte": "Deutsche Diflikhen\n\nI.\nIm Gleiien des cages\nsilbernen: Schnveben der Wolken und Aiäwen verfiet schon die Stunde;\nAm: braust das steigende Licht: Tag, dein Verhängnis, hebt an.\nWas, da du’s morgen noch nauutest, die giitige Zeit dir verwahrte,\nHeischt jetzt erfiilleudes Tun, stiirzt dich in Zweifel und Rot. «\nHöhnisrhe Zungen, bereit, uurlcrächzen den Zirst deines Hauses:\nWandle du, lrnirsche, sei gnt —- immer wirst Opfer du sein.\nStrömst du dich aus, zu begliirlcem es rollt sich zusammen und schwindet,\nWas deine Hand auch berührt; Einsamkeit, skhmerzlichstes Los!\nIetzt aber naht sich dir Zeier und Lust; o tu auf deine Sinne! «\nBebende Freuden der Haut, skheulcet Vergessen nnd Traum! \"\nDoch du verbrennst nur zu rasch in der prasselnden Glut des Getrennt-Seins\nDeines Gottes von dir, endlicher Weltensohnl\nAch, nur ein gualmend Geriist ist geblieben, ein Spielzeug den Winden —-\nTroclcener Gaumen, er lechzt Wasser des Trostesszherah\nQuillt denn der Reid nnd das bittere Wort, das man zu dir gesprochen,\nAnderer Grde hervor, Gitter, als Lächeln und Rausch? —\nMkshil du um Klarheit, um Ordnung und Sinn dich, bist, endlos ermatten-d,\nBald du gescheitert; wirst blind ewigälnfaszbarem sein.\nStil diesem Bliclc des geschnndenen Lasthundes fliesit deine Träne;\nDienerin, die sich est-schoß, ist nun der Zeitung entrückt.\nAnlcerlos treiben wir alle hinein in die Bai unsres Abends."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1378, "texte": "II.\nDer veriöhnliche Abend\nGaslichh das heimelnd gefiflelt, ifl ans; auch die Kerze verflnmmte —-\nAachh auf die Giebel geprebh fchliigt in die Decken mich ein.\nAlle Gefpriiche des Tags find begraben, in dröhuender Stille\nWiilzt nur der Uhren Schlag fich durch deu ehernen Raum. ,\nEh» alles Ding lkch erweicht und ich dämmernden Hauptes verfiulce,\nAbfchiednehmend am Bett fleht eiu verfloffener Tag. «\nTaffengelclirr in der Früh» und die Briefe und wartenden Atem,\nKleiderabftreifen zuletzt, Seufzer uud läffige Hand.\nJedes, das dumpf mich umfing, war gebläht von dem Brodem der Nähe —\nHeller nun, da es fchwand, tobt es von Gliiclc nnd von Luft.\nKutfcheu beliefen das fpriihende Pflaften verfunlceue Polfter ,\nTun fich jetzt auf in der Nacht, weit und mit lieblicher Tracht.\nStrafze, wie warft du fo driiclcend uud miid lhingeu fchlaff deine Zahnenfl\nBranfeud, in wehender Fahrt, ziehft du nun froh in mich ein.\nAch, diefes sluffes aufdouuerude Ufer, find neu fie erflandenik\nLeidlos driiclc ich fie hold an die geläuterte Bruft\nKommt, ihr Gefichtey die oft mich gequält, kommt, ihr Treffen uud Brut-est!\nSchaut eures Opfers gemach-heiter gebreitetes Sein! —\nBleibt, ihe Gehe-unten des Tags; ich-m wehe« hie steeue heeuievee —-\nTaucht nur hinab, uud vermifcht wild euch und wilder im Traum.\nFreunde, seine« ikc mis hold! Gute Recht! Au: eiu fröhliches Ase-geh!\n\nCarl Maria Weher"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-06-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-06_01#c007", "volume": "bmtnabb_1916-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "138", "page_fin": "139", "image_debut": 10, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.2.7", "titre_corps": "Fremde Berse", "titre_sommaire": "Fremde Berse", "signature_source": "Haus siemsen", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1700, "texte": "Fremde Berse\n\nIm Sommer Ist-l, einige Wochen vor Ausbrnch des Krieges, fuhr ich in\neinem kleinen l)--Zng, der zwischen Berlin nnd Bremeu lief. s\nIm Speisewageu dieses Zuges bekam man (nnd bekommt man auch noch\nheute) einen guten französischen Rotweim Ich sah ans dem Fenster nnd blätterte\nin der Karte, die mir der Kellner ausmunterud znschob.\n: D-raußen drehte sich das Land vorbei, in dem ich ausgewachsen bin.\nHaide, Felder, Kartosselseldey ein kleiner Wald und wieder ein kleiner Wald\nund hinter einem Hügel, den wir Kinder Berg nannten, obwohl er kleiner als ein\nHügel war, nnd hinter einem größeren Wald ein Kirchtnrm. Und vorn ein Bauern«-\nhans. Und dann die gleiche Landschaft noch einmal und noch einmal und immer\nwieder, bis man nicht mehr weiß, wo man ist, und mit dem müdberuhigenden Ge-\nfühl, eigentlich schon zu Hause zu sein, immer noch weiter nach Hause führt.\n« Paris, das Paris des heiligen Henri Bonsseam und diese norddentschen\nKartosselfelder vor den Toren grauer sabriken — gibt es Landschaften, die schöner,\nmenschlicher und heimatlikher sind?\nIndessen hatte ich bemerkt, daß die Speisekarte beschrieben war: zwischen\nden Anzeigem kaum zu lesen, vom Rütteln des Wagen dnrkheinaudergeworfetu\neine gekritzelte Bleististschrisü\nGegenüber sitzt mir die Bekanntschaft,\nDie ich sicher nachher machen werde.\nGiib’ es hier im Speisewagen Pferde,\nBitt ich setzt in diese Abeudlaudschast\nTief hinein. Soweit das Pferd noch liese,\nDurch den Wald und über einen Fluß,\nUnd den Zluß entlang,\nBis zu einem Dorf, nnd fliege ab und schliese.\nTiber der Tür des Restanrants stand in frecher, lateinischer Schrift: ,,Rankheu\nverbotenC Aus der Karte in einer Ecke fanden die Berse ein rasches Ende:"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1620, "texte": "Und ftatt desfeu fitz ich hier im Speisewageu\nI)-Zng 110 Berlin nach Vremen,\nDarf nicht tauchen, nicht mal s· s· f fagen.\nGott, man sollte fich das Leben nehmen!\nWer mochte das geschrieben haben? Ich fragte den Kelluey Tr wiißte es\nnicht. Da ging ich, ihn suchen, den Zug entlang. Ich sah in alle Tonpös hinein,\nvon Wagen zu Wagen, von Tiir zu Tiir. Da faßen lauter fremde Gefichter. Fremd\nnnd verschlossen, wiisrdevoll und häßlich. Ich getraute mich lceiues zu fragen.\nGing lieber znriiclc in meinen Wagen zu einer zweiten Flafche Rotweim\nDie Karte mit den gefundenen Versen legte ich vor mich auf den Tifch. Und\nwährend draußen die geliebte Gegend sich langsam in den Abend drehte — Hiiufer\nmit ersten Lichtern kamen, Arbeiter lcameu vom Feld nach Haufe —- suchte ich mir von\nallen Seiten der zerlcuitterten Speifelcarte die verlorenen Verse zusammen, fand\nauch noch einen anderen Schluß, und nun hieß das Ganze anders:\nGegeniiber fitzt mir die Velcauntfchafh\nDie ich ficher nachher machen werde.\nGiib’ es hier im Speisewagen Pferde,\nRitt ich jetzt in diefe Abendlandfchaft\nTief hinein. Soweit das Pferd noch« tiefe.\nDurch den Wald und iiber einen Fluß,\nUnd den Fluß entlang —-\nVis zu einem Dorf\nUnd fliege ab .\nUnd fchliefe.\nFriih am Morgen dienert der Wirt mich wach.\nllber die Felder wieder und durch den Wald.\nMittags einmal mit dem Gaul in die Schwemme.\nTinem ——- und einem andren Wege nach.\ni Vis ich nach Hamburg lciime —\nOder nach Wien? Oder London?\nWo mag der fein, der diefe Verse fchrieb? Damals waren wir uns so\nEND. Allein im Dszug wie auf einer Insel.\nHeute? Wo bift Du? Wenn Du noch lebst.\n\nHaus siemsen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-06-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-06_01#c009", "volume": "bmtnabb_1916-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "142", "image_debut": 13, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.2.9", "titre_corps": "Glossen und Kritiken", "titre_sommaire": "Glossen und Kritiken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2964, "texte": "Glossen und Kritiken\n\nRenö Schirkele, Hans im\nschnakenloch Schauspiel\nin vier Ansziigem In Hest I\nder weißen Blätter.\nI. Ans dem Brief einer Frau: ,,Das ist\nschon etwas ganz Entziickendest Und tut\nmir wohl wie Aioselwein oder ein\nheller sriihlingstag Bis dahin, muß\nich sagen, war mir das Elsaß ziemlich\ngleich: Ein schönes Land gewiß, aber\nich wußte nichts von den Leuten.\nLienhard? Das konnte nicht sehr ver-\nlocken. Also tag’s mir nicht am Herzen.\nAber hier krieg’ ich eine richtige Zärt-\nlichkeit nnd sage: Gott sei Dank, daß\nwir sie unter uns haben als einen neuen\nTropfen im Blut. Hoffentlich, daß sie\nmit ihren hellen Herzen nnd ihrem\nSichgehenlassen uns etwas in Gärung\nnnd Wandlung bringen. Alle werden\nsie ja doch wohl nicht wie der Hans\nzn den Franzosen sterben gehen. Jeden-\nsalls hat Schirkele es nicht getan. Das\nist schon viel. Denn wenn mir se ein\nMensch sympathisch war, ist er’s.\nAuch alles, was er am Schlusse der\n,,weißen Blätter« sagt, tut meinem\nHerzen wohl nnd wohlest: von seiner\nseinen und gerechten Abfertignng des\nZlake-Anssahes an bis zu dem zuver-\nikchtlichen Schluß. Er erinnert mich ein\nbißchen an Schnitzler, was den Geist\nnnd die Anmnt angeht, aber er ist\nreiner nnd tätiger nnd srämmen\nAnr iiber eins bin ich ihm böse. Daß\ndie Klär den armen Hans zum Schlusse\nfahren läßt. Entweder ist das nicht\nrichtig, oder ich bin keine rechte Frau.\nW« Ihm so hnndsmiserabel geht, da\nlvll sie daran denken, daß er sie verrät\nund verläßt? Ansgeschlossenl Viel-\nMchk ist’s nnr Parteilichtceit bei\nschüttete, sust weil ihm der Hans so\nam Herzen liegt, daß er’s ihm\nnoch schlimmer macht als eigentlich\nnötig w«a’r.«\nL. Was mir danach noch zu sagen\nbleibt: Aicht viel. Nur: Daß dies\n,,numoralische« nnd ,,nnpatriotische«\nStück, in dem der Held am Ende des\nzweiten Aktes seiner Zrau durch-s und\nam Ende des vierten Aktes zu den\nFranzosen übergeht, dasz dieses tra-\ngische Spiel, das mit Mord nnd Tot-\nschlag endet, zwischen Kanonen und\nbrennenden Hünserm dasz dieses\nStück trotzdem von einer fast kindlichen\nReinheit ist, die wirklich wie ein\n,,Zrühliugstag« erregt, bewegt nnd\nheiter macht.\nAm Schlusse geht alles in die Vrüchm\ndas Haus, die Ehe, die Zrenndskhastem\ndie Brüder trennen sich —- und ans\nden Trümmern dieses Lebens steigt,\nstärker als aller Schmerz, eine Hoff-«—-\nnung und mehr als Hoffnung Zuver-\nsieht.\nMehr als ein Schau« und Trauer-\nSpiel, das die Vergangenheit beklagt\nnnd , schildert, ist dieses Stück die\n0nvertüre einer verlockeuden, einer\nhöchst erstrebenswerteu Zukunft, einer\nZukunft, um die wir kämpfen müssen\nnnd wollen.\nSo erreicht dieses Stück, ohne sicht-\nbare Tendenz, ohne Ironie und Spott,\nohne Berbitternng nnd ohne liber-\ntreibnug aller Schatten sdenn alle\nhandelnden Personen, sa beinahe die\nhandelnden Nationen, sind von sich aus\nso sehr im Recht, dasz auch der Zu-\nschauer jeder einzelnen recht gibt) so\nerreicht dieses Stück doch sene Wir«\nknug, die das wichtigste Ziel aller\nKunst —- sein sollte lsoweit immer"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3113, "texte": "Kunst ein Ziel haben lcauu): es löst den\nWunsch aus: besser zu machen und besser\nzu werden. Eine llberredung zum\nBesserwerden oder (dasselbe) eine\nllberredung zur Liebe.\nMan weis; nur nicht genau, was oder\nwen man lieben will: Das Buch, den\nDichter, der es schrieb, das Elsas, das\nbeide hervorgebracht hat, oder die\nZukunft, die wir uns und diefem Lande\nerlciimpfeu wolleu? Srlciimpfen müssen!\nDies Stiiclc tut mehr zur Lösung der\nelsiisiischen Frage, als Dutzende von\ngut gemeinten, wissenschaftlichen Bro-\nfkhiiren und Büchern. Es ist nicht\nwissen-· sondern leiden-schaftlich und\nliiszt uns das Elsas; nicht verstehen\nsondern lieben. Wenn es geniigend\ngelesen, verstanden und geliebt wird,\nso bedeutet das eine gewonnene\nSchlacht —- fiir Deutschland und ein\ngewonnenes Gefecht —- fiir die Mensch-«·-\nheit. Zu diesen beiden Siegen lcanu\njeder beitragen, der Lust dazu hat.\nDenn das Heft der weissen Blätter\nkostet nur zwei Mark.\n\nH. siemien\n\nHellerauer Bücher. Theo-\ndor Diiublen Wir wollen nicht\nverweilen. Dresdemsjelleran 1915.\nTheodorDiinblen Aiitlilberner\nsiehet. 19I6. Paul Adler: Slohinn\nDresdensselleran 1914. Paul\nAdler: Nämlich. 1915.\nHelleran ill mehr als ein Programm,\nes ilt eine Gemeinde. Darf man\nleine Bächen: belprechem wenn man\nHimmel nnd Luft nnd Gemein-\nlchalt, aus der lie geworden find,\nnicht kennt? Man diirfte es nicht,\nwenn es hier nm eine ,,Wiirdignng«\nginge. Dazu lind wir noch nicht be-\nrufen. Wir wollen lie nnlern Kindern\niiberlaljetn Voller, wir nehmen dsiele\nBiicher fiir lich als lebendige Wirkung,\nohne Familie und Stammbaum anzu-\nsehen. Was sagen sie uns? Zunächst,\ndasz sie von einsamen Menschen\nkommen, die seitab der Welt ihre\nWege gesucht haben- So klingen sie\naus einer serue oft über uns hin, statt\nzu uns her. l\nAm meisten so bei D ä u ble r. Wie ist\ner einsam. Richt einmal mit seiner\nMutter kann er leben, sondern musz in\nseine Träume flüchten, um sie zu finden.\nAuf seinen Wandernngen von Italien\nbis zur Ostsee — während er nur von\nsich und seinem Trleben spricht ——,\nmit wem lebt er? Mit Mond und\nSonne, mit Meer und Bäumen. Schon\nvor den Tieren schreckt er zurück.\nVogelflug im fernen Himmel: näher\ndürfen sie ihm nicht kommen.\nUnd die Menschen gehen wie Schatten\nvorüber. Mitten im meuschenvollsten\nParis: nur Schatten. Tr kann nur\nmit sich selber reden ——, oder mit\ngrosjen Toten. Rein, über die grossen\nToten mit sich selber. Lieber aber,\nmeistens aber versenkt er sich : inbrünstig\nin feine Einsamkeit. Versenkt sich,\nsteigert sich, wirft sich hinaus über\nalles Sein, so»dasz die ganze —- glühend\ngeliebte — Ratur nur wandelndes\nGleichnis ist, geboren von der Sehn-·\nsucht seines Geistes. Wunderschün —-\nwenn er mich nun mituähme auf seinen\nZlügem Dasz er das nicht tut, gewisz\nliegt-s an meiner Trdenschwerg aber\nnicht auch an den Flügeln? Tine\nStrecke geht-s. Dann aber beginnt\nein Reden in Allegorien, Rätseln nnd\nAbstraktionem ein Alliterieren und\nSpielen mit Worten, eine verwachsene\nWildnis spitzfindiger Scholastik, über\nder man müde wird, vielmehr müde\nwürde, wenn nicht andere Stelleu\nwären, wo die Sprache anfängt ZU\nklingen, wo Bilder kommen, leuch-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-06-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-06_01#c010", "volume": "bmtnabb_1916-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "142", "image_debut": 13, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.2.9.1", "titre_corps": "Renö Schirkele, Hans im", "titre_sommaire": "Renö Schirkele, Hans im", "signature_source": "H. siemien", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.13", "debut_caractere": 22, "fin_caractere_exclue": 2964, "texte": "Renö Schirkele, Hans im\nschnakenloch Schauspiel\nin vier Ansziigem In Hest I\nder weißen Blätter.\nI. Ans dem Brief einer Frau: ,,Das ist\nschon etwas ganz Entziickendest Und tut\nmir wohl wie Aioselwein oder ein\nheller sriihlingstag Bis dahin, muß\nich sagen, war mir das Elsaß ziemlich\ngleich: Ein schönes Land gewiß, aber\nich wußte nichts von den Leuten.\nLienhard? Das konnte nicht sehr ver-\nlocken. Also tag’s mir nicht am Herzen.\nAber hier krieg’ ich eine richtige Zärt-\nlichkeit nnd sage: Gott sei Dank, daß\nwir sie unter uns haben als einen neuen\nTropfen im Blut. Hoffentlich, daß sie\nmit ihren hellen Herzen nnd ihrem\nSichgehenlassen uns etwas in Gärung\nnnd Wandlung bringen. Alle werden\nsie ja doch wohl nicht wie der Hans\nzn den Franzosen sterben gehen. Jeden-\nsalls hat Schirkele es nicht getan. Das\nist schon viel. Denn wenn mir se ein\nMensch sympathisch war, ist er’s.\nAuch alles, was er am Schlusse der\n,,weißen Blätter« sagt, tut meinem\nHerzen wohl nnd wohlest: von seiner\nseinen und gerechten Abfertignng des\nZlake-Anssahes an bis zu dem zuver-\nikchtlichen Schluß. Er erinnert mich ein\nbißchen an Schnitzler, was den Geist\nnnd die Anmnt angeht, aber er ist\nreiner nnd tätiger nnd srämmen\nAnr iiber eins bin ich ihm böse. Daß\ndie Klär den armen Hans zum Schlusse\nfahren läßt. Entweder ist das nicht\nrichtig, oder ich bin keine rechte Frau.\nW« Ihm so hnndsmiserabel geht, da\nlvll sie daran denken, daß er sie verrät\nund verläßt? Ansgeschlossenl Viel-\nMchk ist’s nnr Parteilichtceit bei\nschüttete, sust weil ihm der Hans so\nam Herzen liegt, daß er’s ihm\nnoch schlimmer macht als eigentlich\nnötig w«a’r.«\nL. Was mir danach noch zu sagen\nbleibt: Aicht viel. Nur: Daß dies\n,,numoralische« nnd ,,nnpatriotische«\nStück, in dem der Held am Ende des\nzweiten Aktes seiner Zrau durch-s und\nam Ende des vierten Aktes zu den\nFranzosen übergeht, dasz dieses tra-\ngische Spiel, das mit Mord nnd Tot-\nschlag endet, zwischen Kanonen und\nbrennenden Hünserm dasz dieses\nStück trotzdem von einer fast kindlichen\nReinheit ist, die wirklich wie ein\n,,Zrühliugstag« erregt, bewegt nnd\nheiter macht.\nAm Schlusse geht alles in die Vrüchm\ndas Haus, die Ehe, die Zrenndskhastem\ndie Brüder trennen sich —- und ans\nden Trümmern dieses Lebens steigt,\nstärker als aller Schmerz, eine Hoff-«—-\nnung und mehr als Hoffnung Zuver-\nsieht.\nMehr als ein Schau« und Trauer-\nSpiel, das die Vergangenheit beklagt\nnnd , schildert, ist dieses Stück die\n0nvertüre einer verlockeuden, einer\nhöchst erstrebenswerteu Zukunft, einer\nZukunft, um die wir kämpfen müssen\nnnd wollen.\nSo erreicht dieses Stück, ohne sicht-\nbare Tendenz, ohne Ironie und Spott,\nohne Berbitternng nnd ohne liber-\ntreibnug aller Schatten sdenn alle\nhandelnden Personen, sa beinahe die\nhandelnden Nationen, sind von sich aus\nso sehr im Recht, dasz auch der Zu-\nschauer jeder einzelnen recht gibt) so\nerreicht dieses Stück doch sene Wir«\nknug, die das wichtigste Ziel aller\nKunst —- sein sollte lsoweit immer"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 941, "texte": "Kunst ein Ziel haben lcauu): es löst den\nWunsch aus: besser zu machen und besser\nzu werden. 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Es· · ;·--\".·F..·- «.-»,;-»J- «? — « NO? · ··-’· -«,« -s·.·-·. —...; -·;- . ». , -· . . ., . « .\n·· · · · . · ·· . · .· »» T. · «« ,··-—--. » » ·.·.· ·,.- ·» . .·-·. ·; ····.·-— ·,··,:»»·«»·.» ,«·.·.·;;··»·T».-»· »— .«.·»·,·«..···;:«»—»··,:» »F ·;»·.· ·· ». · «»·-·· «·-,kj··tz:.····-··zi· EEHY ·« - .»·».·. ·—·»·»: . »· »· ·····»·-··\n» « » .- s» s - - - -.s.;:x·.- .«..; · - » » ·· . - »» ·»«»-s-·\"J—-·-«-·--·-TT. . —,-«.:- »—--:-·:\"i-«:T·I..«·,-:T»-—k: -::·’·.« «« «« - · · - :.\n.- - »» .- · — «» . »« . — — ·-. », « :-,- : . z: - « ·· · · » « .-.· »« .·.z-..,»·» .c»s··..··»·:·»»» — »- — ;«···—-·»\n«. ; : «« :. . « J «« »» .- -: ;;-.- : · ·s Z ;s·-..- ist—\n-- -.- — · «- - «. · : « - « - . »· z» .— » · . --.\" s · .· » c « s« IX· · ··.:,».-\" .-—.,-·- · : — »« , ·..-k »:\n. « — « .. » «, · , « - «, »» - . - g ·. : » S» « J— Cz. m, .- «» — s·»—».-,ib. «, -.-. ««- -\"·.«,—«k\ns« - .- - « .— -·. -«.- »« . — . «— sz « « . «. . «» -- «. -. : ·--; -- .. — ., « - - .—»·s-—.-«.----.-«--»\n. . .- - ; - s— . «— T· - - — · -, ·:.«, »-»—.»»··,»« «7:«;k--:, «« »»-,-s , .«,«.;»· ·. »- ., «» · «; « «· » «« »F· s» »Es« -\n\" . - . «» « « - «: «· «. F — « » J« ·.-,··«..·\"s- s· « — - -..-· -·«JI«-7Z·Y.,I«-. Es? « f «— · Z g! «« «· ·:- \"..-'«-\"——«T-s« «· - « · - III; - .·\"J··\"r—·-’\"l\";—· THE« ·« s« IF« «—\n···· · «» « · « , · J · — · . - «) .· . ·, ·. ···.-1—«· «; ·«·.«.»·· spszgsp »» ·· « ···· ·— · ··· »·«·»·«··.·· .·» :···-»,.·«7,z·-.·x , -·- ·- ·— . H« z . -;--·— «.··»«»·- · »» . — ·.\n» « . .- . .« ·· ·- - . · «. : · «- g» » -- - «— » » »««- ««.·:.»·.Y »8-.-«.--\"«. »«- - - «« » --«»s« ss .·—- g; ..—«- »— »» », . Ist«\n. . «» - « - . «· » — —. . », I . . -.»·.k,. - .«... «» .« » .- « » «. ,. s, · « —\n- , ·» . ., · · - - P. · . «, · : ·· — . .- ,—.«' I· ·— · ·» - ·— » »-—-»· «.«d;·»- s« .\"«-.«-«««— z-)—---:-·.- J« , ·· · VII-»· »· -—·»«-. ; s« «« As·-\n·- · i; · · - .- . «» ·-..-.«.- — «· - · .- C I· . - i « «: -. - ? - ««-«·-Ts.· ;«-«..T «- »» i « xkfcsk I. «-i.«tss-:. »« ·\n-- »— — . · «. · «« « ·— - s;- » . . · » .- — , «» T« · - — - » d«..---«. — -·-«-—.. «»«»:- - sz,»·--.-.- .— -.-,.-. — . ..7.-.«-:\"«’·k«r-.» ««\n« ’· ·«- -. « «J-- . · ·. - \"- · . c . - «· «- Y-s«k·9å«--·· ·««·. « -· «. -«»?«\"«\". - ·, —·—«T\"-\"«·-—·J·.·I; T·.· s. Y .—«sz··«3.-·:j- ’«««x..k.«.\" Es: T. »»- —- ; ’ IT.««I«:3.T-««:ss-\"» «. ««T::\"\nIX .. ·» D · «: ·-«» s . · » « «« «- «·-:;·;. : —- L» · —· « - - w: - -· sz »—’—J !,-«»T.s·»3’;«« ·------..·«.- f - : .» s· » XII-J» . » — --««·s·- . IF« . ;-,I\n\" « «« ’ \" « « — « . -«’·?)-«··- NO« «« \" . · TJYH ’ ·· I-«-,·.i»«-«JZYF«W««\" «· · VI· OF« ··.\"— « ·»-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.2", "texte": "Sonderausgabe Nr.\n\nInhalt:\nReue Schiklcele X Leiie\nLeo Zeininger X origiuaksteiudrukic\nRudolf Schmied X Das Briidercheu\nMax Unold X Origiuaksieindruklc\nCarl Maria Weber X Deuiiche Distichon\nFjenry Roejjingh X okigiuaksteiudrucis\nHans Siemien X Fremde Verie\nC. Z. Savary X Modebild VIII X Originalssieindrncic\nGloljen und Kritilcen\nEinzelheft Mk. 1.———— Bierieljährlich (6 Heft-e) Mk. 6.—-——— 4"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.3", "texte": "Das Brüderchen\n\nAm Alorgen waren Carlos und Ricolås mit ihren Cltern aus\nBuenos-Aires zurückgekehrt, es war Nachmittag, jie ritten in der\nPampa jpazieren. Carlos hielt im Arm einen kleinen weissen\nSeidenpintjchem den er vor vierzehn Cagen gejchenkt bekommen\nhatte. sie kamen bis vor die einjame Hiitte des Puejteros Cujebio\nund jahen jein sechsjähriges Söhnchen Aiiguelito, das nahe bei der\nSchwelle jtand und eine niedrige Holzwiege wiegte, in der ein säug-\nling lag. Cr lag fejteingewickelt, konnte weder Arme noch Beine\nbewegen und jchrie. Der Pintjcher jpitzte die Ohren nach der\nWiege und bellte feindjelig.\n»Ijt das dein Briiderchen?« fragte Carlos ganz erstaunt.\n»Ia!« jagte Aiiguetito und jah mit leuchtenden Augen uach\ndem Pintjcher. —- »Seit wann hajt du diejes Briiderchen?« fragten\nCarlos und Ricolås zugleich.\n,,Weijz nichts« antwortete Aiiguelito. ,,«Bor einigen Wochen\nbrachte mich abends der Vater zu Don Zgnacio, und als ich am\nAiorgen wieder hier war, war das Briiderchen das«\nRicolås ritt ganz nahe an die Wiege heran, um jich das\nKind genau zu betrachten. Aliguelito blickte unverwandt den\nPintjcher an und fragte: »Seit wann habt ihr diejes Hiindchen?«\n»Ich habe es von Papa gejchenkt bekommen,« antwortete\nCarlos. —- ,,Wie heijzt dein Briiderchen S« fragte er nach einer Weile.\n——— »Pepito.« -——- Was ijt das fiir ein jchönes Briiderchenl jagte\njich Carlos, und es entjtand fein Gedanke in ihm, den er aber kaum\nanszudenken wagte. Doch er lief; ihm keine Ruhe und zaghaft\nfragte er: »Gejällt dir mein Hündchens« \"\n»Ja« jagte Aliguelito und war ganz verklärt. , i\n»Cr heißt Blanco,« antwortete Carlos, ,,und wenn du jeine\nWolle beriihrjt, ijt jie wie Seide. Da, fiihle dochl« Und er beugte\njich herab und hielt ihm das Hiindchen hin: »Ijtdas nicht jchäu?«\n»sehr jchön!« erwiderte Aiiguelitw\nCarlos jtieg behend vom Pferd und jagte: »Jetzt werde ich\ndir was zeigeu.«s Cr biickte jich, jtreclcteliden Arm aus und rief:\n,,Hopsl« Blanco jprang iiber jeinen Arm. ,,Hopsl« rief Carlos\nund Blanco jprang zurück. Aiiguelito klatjchte jelig in die Hände.\n»Und jetzt, Blanco, aufwartenl« befahl Carlos. Blanco jetzte\njich auf die Hinterbeine, bewegte die Pfoten und Aiiguelito jubelte."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.4", "texte": "~Wenn du mir dein Briiderchen gibft, gebe ich dir mein\nHündchen« fagte Carlos. «\nAiiguelito war einige Sekunden unfchliiffig, dann aber fiegte\ndie Berfuchung, er ging nach der Wiege und bat Carlos, ihm zu\nhelfen, das Kind herauszuheben. Darauf beftieg Carlos fein Ponng,\nund Aiiguelito und Aicolås reichten ihm Pepito hinauf. Carlos\nund Aicoläs aber machten, dafz fie fchnell fortkamen, denn fie fürch-\nteten, den andern wiirde der Caufch bald renen. Carlos hielt das\nKind vor sich auf dem Sattel wie ein Biindel, fie ritten im Crab,\nmufzten aber gleich halten, denn er wäre beinahe heruntergefallen.\nsie ritten im schritt weiter, und nach einiger Zeit wollte Aicolås\nes tragen. Wieder hielten fie an und Carlos reichte es ihm hin-\nüber, was nicht ohne Lebensgefahr war fiir den kleinen Pepito.\nAach zehn Aiinuten befchloffen fie abzufteigen, denn er war\nnicht leicht zu tragen, aufzerdem fchrie er immerfort aus Leibes-\nkröften. Carlos jprang vom Pferd, nahm feinem Bruder das\nKind ab und legte es facht auf die Erde. Darauf pfliickten fie\nzufammen Griifey machten daraus ein weiches Bett und legten es\nhinein. So wiirde es fich bernhigen. Und wirklich, es dauerte.\nnicht lange und das Kind war eingefchlafen. Aicolås kniete neben\nihm nnd betrachtete es voller Andacht, er beugte sich ganz nahe\nherab, um feinen Atem zu hören.\n~Kann man wohl die Stelle fehen, wo ihn der Storch gehalten\nhats« fragte er Carlos.\n~Aiemalsl« antwortete Carlos, ~denn da miifzte er ihm ja\nwehe getan haben! Aufkerdem ift es gar nicht gefagt, dafZ ihn der\nstorch gebracht hat. Zenobia hat ihr Babg in einem Cimer\ngefunden, als fie aus der Zifterne Waffer fchöpfte.«\n~Aber da hat doch alles gelacht in der Küche, wie fie das\nerzählte,« erwiderte Aicolås i\n~Bielleicht hat fie gelogen,« meinte nachdenklich Carlos.\n~Aber das weifz ich, man findet ganz ficher die Kinder in den\nLagunen, und die bringen dann gewöhnlich die störche. Auch find\nfie manchmal in straufkeneierm nnd man muß die Cier dann\nzerfchlagen.«\nDie Knaben fchwiegem Aicoläs kaute an einem Grashalm;\nfchliefZlich fragte er: ~sag mal, Carlos, glaubft du, das; wir viel-\nleicht auch ein Briiderchen finden könnten, wenn wir in der Lagune\nfuchten, oder wir zerfchliigen Straufzeneieiy denn weist du, Carlos,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.5", "texte": "ich habe vorhin nachgedachh so ganz ist doch nicht Pepito unser\nBrüderchen, wie ich dein Bruder bin, und du mein Bruder bist,\nMiguelito hat ihn doch für den Blauco vertauscht«\nCarlos hatte darüber nicht uachgedacht, aber was ihm sein\nBruder eben jagte, leuchtete ihm ein. ,,Weisit du was,« sagte er,\n,,reiten wir nach der Lagune und suchen wir —- wenn wir nichts\nfinden, suchen wir Strauszeneier!«\nAicoläs war einverstanden, sie stiegen auf ihre Ponngs nnd\nliessen den schlasenden Pepito solange allein.\nDie Lagune war nicht weit; als sie angesprengt kamen, entstand\neine Bewegung. Die Kibitze schrieen, die Cnten erhoben sich\nfchnatternd, ein paar Stürche schlugen mit den slügeln und\nklapperten zu den Knaben hinüber. Cin einsamer Reiher nur suchte\nunbekümmert weiter nach Zrüschem Carlos sagte zu seinem Bruder:\n»Höre mal, Ricolås, ich werde in der Lagune suchen und du wirst\nStranszeneier suchen, so stürt keiner den andern l« Sie stiegen ab,\nCarlos zog Schuhe und Strümpfe aus und watete im Wasser.\nBach einer Weile rief Aicolås hinüber: »Hast du was\ngefunden, Carlos ?« Carlos antwortete nicht, er starrte krampfs\nhaft nach dem Grunde, er glaubte, ein kleines Kind zu sehen.\nLange suchten sie, aber sie fanden kein Brüderchen.\nRicoläs stand vor zwei zerschlageneu Strauszeneierm von\nplötzlicher Welancholie befallen.\n,,Wir haben kein Glück« sagte Carlos sehr uiedergeschlagem\nund sie kehrten zu Pepito zurück. Cr schlief nicht mehr, er lag\nda mit großen offenen Augen, den Blick ernst staunend zum Himmel\ngerichtet, und um ihn herum weideten Strausje, Hirsche, Rinder\nund Pferde. Carlos und Ricoläs hoben ihn auf und ritten zum\nPnestero zurück. Sie hatten beschlossen, es , Wiguelito wieder\nzurückzubringen, weil es doch sein Brüderchen war.\nAiiguelito kauerte vor der Hütte, der Causch hatte begonnen,\nihn zu reuen, auch hatte ihn Blauco in den singer gebissen. Cr\nnahm Pepito in Empfang, Carlos hielt wieder seinen Hund im\nArm . . . Kurz nachher kehrten der Bater und die Mutter zurück . . .\nDie Sonne ging unter, die Herden trieben heim nach ihren\nHürden, unter dem Ombü vor der Hütte fass der Gaucho Gonzales\nund sang laut ein melancholisches Steppenlied.\nCarlos und Aicolås schauten der Mutter zu. wie sie ihr\nKind Magie.\n\nRudolf Johannes Schmied"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.7", "texte": "Deutsche Diflikhen\n\nI.\nIm Gleiien des cages\nsilbernen: Schnveben der Wolken und Aiäwen verfiet schon die Stunde;\nAm: braust das steigende Licht: Tag, dein Verhängnis, hebt an.\nWas, da du’s morgen noch nauutest, die giitige Zeit dir verwahrte,\nHeischt jetzt erfiilleudes Tun, stiirzt dich in Zweifel und Rot. «\nHöhnisrhe Zungen, bereit, uurlcrächzen den Zirst deines Hauses:\nWandle du, lrnirsche, sei gnt —- immer wirst Opfer du sein.\nStrömst du dich aus, zu begliirlcem es rollt sich zusammen und schwindet,\nWas deine Hand auch berührt; Einsamkeit, skhmerzlichstes Los!\nIetzt aber naht sich dir Zeier und Lust; o tu auf deine Sinne! «\nBebende Freuden der Haut, skheulcet Vergessen nnd Traum! \"\nDoch du verbrennst nur zu rasch in der prasselnden Glut des Getrennt-Seins\nDeines Gottes von dir, endlicher Weltensohnl\nAch, nur ein gualmend Geriist ist geblieben, ein Spielzeug den Winden —-\nTroclcener Gaumen, er lechzt Wasser des Trostesszherah\nQuillt denn der Reid nnd das bittere Wort, das man zu dir gesprochen,\nAnderer Grde hervor, Gitter, als Lächeln und Rausch? —\nMkshil du um Klarheit, um Ordnung und Sinn dich, bist, endlos ermatten-d,\nBald du gescheitert; wirst blind ewigälnfaszbarem sein.\nStil diesem Bliclc des geschnndenen Lasthundes fliesit deine Träne;\nDienerin, die sich est-schoß, ist nun der Zeitung entrückt.\nAnlcerlos treiben wir alle hinein in die Bai unsres Abends."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.8", "texte": "II.\nDer veriöhnliche Abend\nGaslichh das heimelnd gefiflelt, ifl ans; auch die Kerze verflnmmte —-\nAachh auf die Giebel geprebh fchliigt in die Decken mich ein.\nAlle Gefpriiche des Tags find begraben, in dröhuender Stille\nWiilzt nur der Uhren Schlag fich durch deu ehernen Raum. ,\nEh» alles Ding lkch erweicht und ich dämmernden Hauptes verfiulce,\nAbfchiednehmend am Bett fleht eiu verfloffener Tag. «\nTaffengelclirr in der Früh» und die Briefe und wartenden Atem,\nKleiderabftreifen zuletzt, Seufzer uud läffige Hand.\nJedes, das dumpf mich umfing, war gebläht von dem Brodem der Nähe —\nHeller nun, da es fchwand, tobt es von Gliiclc nnd von Luft.\nKutfcheu beliefen das fpriihende Pflaften verfunlceue Polfter ,\nTun fich jetzt auf in der Nacht, weit und mit lieblicher Tracht.\nStrafze, wie warft du fo driiclcend uud miid lhingeu fchlaff deine Zahnenfl\nBranfeud, in wehender Fahrt, ziehft du nun froh in mich ein.\nAch, diefes sluffes aufdouuerude Ufer, find neu fie erflandenik\nLeidlos driiclc ich fie hold an die geläuterte Bruft\nKommt, ihr Gefichtey die oft mich gequält, kommt, ihr Treffen uud Brut-est!\nSchaut eures Opfers gemach-heiter gebreitetes Sein! —\nBleibt, ihe Gehe-unten des Tags; ich-m wehe« hie steeue heeuievee —-\nTaucht nur hinab, uud vermifcht wild euch und wilder im Traum.\nFreunde, seine« ikc mis hold! Gute Recht! Au: eiu fröhliches Ase-geh!\n\nCarl Maria Weher"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.10", "texte": "Fremde Berse\n\nIm Sommer Ist-l, einige Wochen vor Ausbrnch des Krieges, fuhr ich in\neinem kleinen l)--Zng, der zwischen Berlin nnd Bremeu lief. s\nIm Speisewageu dieses Zuges bekam man (nnd bekommt man auch noch\nheute) einen guten französischen Rotweim Ich sah ans dem Fenster nnd blätterte\nin der Karte, die mir der Kellner ausmunterud znschob.\n: D-raußen drehte sich das Land vorbei, in dem ich ausgewachsen bin.\nHaide, Felder, Kartosselseldey ein kleiner Wald und wieder ein kleiner Wald\nund hinter einem Hügel, den wir Kinder Berg nannten, obwohl er kleiner als ein\nHügel war, nnd hinter einem größeren Wald ein Kirchtnrm. Und vorn ein Bauern«-\nhans. Und dann die gleiche Landschaft noch einmal und noch einmal und immer\nwieder, bis man nicht mehr weiß, wo man ist, und mit dem müdberuhigenden Ge-\nfühl, eigentlich schon zu Hause zu sein, immer noch weiter nach Hause führt.\n« Paris, das Paris des heiligen Henri Bonsseam und diese norddentschen\nKartosselfelder vor den Toren grauer sabriken — gibt es Landschaften, die schöner,\nmenschlicher und heimatlikher sind?\nIndessen hatte ich bemerkt, daß die Speisekarte beschrieben war: zwischen\nden Anzeigem kaum zu lesen, vom Rütteln des Wagen dnrkheinaudergeworfetu\neine gekritzelte Bleististschrisü\nGegenüber sitzt mir die Bekanntschaft,\nDie ich sicher nachher machen werde.\nGiib’ es hier im Speisewagen Pferde,\nBitt ich setzt in diese Abeudlaudschast\nTief hinein. Soweit das Pferd noch liese,\nDurch den Wald und über einen Fluß,\nUnd den Zluß entlang,\nBis zu einem Dorf, nnd fliege ab und schliese.\nTiber der Tür des Restanrants stand in frecher, lateinischer Schrift: ,,Rankheu\nverbotenC Aus der Karte in einer Ecke fanden die Berse ein rasches Ende:"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.11", "texte": "Und ftatt desfeu fitz ich hier im Speisewageu\nI)-Zng 110 Berlin nach Vremen,\nDarf nicht tauchen, nicht mal s· s· f fagen.\nGott, man sollte fich das Leben nehmen!\nWer mochte das geschrieben haben? Ich fragte den Kelluey Tr wiißte es\nnicht. Da ging ich, ihn suchen, den Zug entlang. Ich sah in alle Tonpös hinein,\nvon Wagen zu Wagen, von Tiir zu Tiir. Da faßen lauter fremde Gefichter. Fremd\nnnd verschlossen, wiisrdevoll und häßlich. Ich getraute mich lceiues zu fragen.\nGing lieber znriiclc in meinen Wagen zu einer zweiten Flafche Rotweim\nDie Karte mit den gefundenen Versen legte ich vor mich auf den Tifch. Und\nwährend draußen die geliebte Gegend sich langsam in den Abend drehte — Hiiufer\nmit ersten Lichtern kamen, Arbeiter lcameu vom Feld nach Haufe —- suchte ich mir von\nallen Seiten der zerlcuitterten Speifelcarte die verlorenen Verse zusammen, fand\nauch noch einen anderen Schluß, und nun hieß das Ganze anders:\nGegeniiber fitzt mir die Velcauntfchafh\nDie ich ficher nachher machen werde.\nGiib’ es hier im Speisewagen Pferde,\nRitt ich jetzt in diefe Abendlandfchaft\nTief hinein. Soweit das Pferd noch« tiefe.\nDurch den Wald und iiber einen Fluß,\nUnd den Fluß entlang —-\nVis zu einem Dorf\nUnd fliege ab .\nUnd fchliefe.\nFriih am Morgen dienert der Wirt mich wach.\nllber die Felder wieder und durch den Wald.\nMittags einmal mit dem Gaul in die Schwemme.\nTinem ——- und einem andren Wege nach.\ni Vis ich nach Hamburg lciime —\nOder nach Wien? Oder London?\nWo mag der fein, der diefe Verse fchrieb? Damals waren wir uns so\nEND. Allein im Dszug wie auf einer Insel.\nHeute? Wo bift Du? Wenn Du noch lebst.\n\nHaus siemsen"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.13", "texte": "Glossen und Kritiken\n\nRenö Schirkele, Hans im\nschnakenloch Schauspiel\nin vier Ansziigem In Hest I\nder weißen Blätter.\nI. Ans dem Brief einer Frau: ,,Das ist\nschon etwas ganz Entziickendest Und tut\nmir wohl wie Aioselwein oder ein\nheller sriihlingstag Bis dahin, muß\nich sagen, war mir das Elsaß ziemlich\ngleich: Ein schönes Land gewiß, aber\nich wußte nichts von den Leuten.\nLienhard? Das konnte nicht sehr ver-\nlocken. Also tag’s mir nicht am Herzen.\nAber hier krieg’ ich eine richtige Zärt-\nlichkeit nnd sage: Gott sei Dank, daß\nwir sie unter uns haben als einen neuen\nTropfen im Blut. Hoffentlich, daß sie\nmit ihren hellen Herzen nnd ihrem\nSichgehenlassen uns etwas in Gärung\nnnd Wandlung bringen. Alle werden\nsie ja doch wohl nicht wie der Hans\nzn den Franzosen sterben gehen. Jeden-\nsalls hat Schirkele es nicht getan. Das\nist schon viel. Denn wenn mir se ein\nMensch sympathisch war, ist er’s.\nAuch alles, was er am Schlusse der\n,,weißen Blätter« sagt, tut meinem\nHerzen wohl nnd wohlest: von seiner\nseinen und gerechten Abfertignng des\nZlake-Anssahes an bis zu dem zuver-\nikchtlichen Schluß. Er erinnert mich ein\nbißchen an Schnitzler, was den Geist\nnnd die Anmnt angeht, aber er ist\nreiner nnd tätiger nnd srämmen\nAnr iiber eins bin ich ihm böse. Daß\ndie Klär den armen Hans zum Schlusse\nfahren läßt. Entweder ist das nicht\nrichtig, oder ich bin keine rechte Frau.\nW« Ihm so hnndsmiserabel geht, da\nlvll sie daran denken, daß er sie verrät\nund verläßt? Ansgeschlossenl Viel-\nMchk ist’s nnr Parteilichtceit bei\nschüttete, sust weil ihm der Hans so\nam Herzen liegt, daß er’s ihm\nnoch schlimmer macht als eigentlich\nnötig w«a’r.«\nL. Was mir danach noch zu sagen\nbleibt: Aicht viel. Nur: Daß dies\n,,numoralische« nnd ,,nnpatriotische«\nStück, in dem der Held am Ende des\nzweiten Aktes seiner Zrau durch-s und\nam Ende des vierten Aktes zu den\nFranzosen übergeht, dasz dieses tra-\ngische Spiel, das mit Mord nnd Tot-\nschlag endet, zwischen Kanonen und\nbrennenden Hünserm dasz dieses\nStück trotzdem von einer fast kindlichen\nReinheit ist, die wirklich wie ein\n,,Zrühliugstag« erregt, bewegt nnd\nheiter macht.\nAm Schlusse geht alles in die Vrüchm\ndas Haus, die Ehe, die Zrenndskhastem\ndie Brüder trennen sich —- und ans\nden Trümmern dieses Lebens steigt,\nstärker als aller Schmerz, eine Hoff-«—-\nnung und mehr als Hoffnung Zuver-\nsieht.\nMehr als ein Schau« und Trauer-\nSpiel, das die Vergangenheit beklagt\nnnd , schildert, ist dieses Stück die\n0nvertüre einer verlockeuden, einer\nhöchst erstrebenswerteu Zukunft, einer\nZukunft, um die wir kämpfen müssen\nnnd wollen.\nSo erreicht dieses Stück, ohne sicht-\nbare Tendenz, ohne Ironie und Spott,\nohne Berbitternng nnd ohne liber-\ntreibnug aller Schatten sdenn alle\nhandelnden Personen, sa beinahe die\nhandelnden Nationen, sind von sich aus\nso sehr im Recht, dasz auch der Zu-\nschauer jeder einzelnen recht gibt) so\nerreicht dieses Stück doch sene Wir«\nknug, die das wichtigste Ziel aller\nKunst —- sein sollte lsoweit immer"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191606-01.1.14", "texte": "Kunst ein Ziel haben lcauu): es löst den\nWunsch aus: besser zu machen und besser\nzu werden. Eine llberredung zum\nBesserwerden oder (dasselbe) eine\nllberredung zur Liebe.\nMan weis; nur nicht genau, was oder\nwen man lieben will: Das Buch, den\nDichter, der es schrieb, das Elsas, das\nbeide hervorgebracht hat, oder die\nZukunft, die wir uns und diefem Lande\nerlciimpfeu wolleu? Srlciimpfen müssen!\nDies Stiiclc tut mehr zur Lösung der\nelsiisiischen Frage, als Dutzende von\ngut gemeinten, wissenschaftlichen Bro-\nfkhiiren und Büchern. Es ist nicht\nwissen-· sondern leiden-schaftlich und\nliiszt uns das Elsas; nicht verstehen\nsondern lieben. Wenn es geniigend\ngelesen, verstanden und geliebt wird,\nso bedeutet das eine gewonnene\nSchlacht —- fiir Deutschland und ein\ngewonnenes Gefecht —- fiir die Mensch-«·-\nheit. Zu diesen beiden Siegen lcanu\njeder beitragen, der Lust dazu hat.\nDenn das Heft der weissen Blätter\nkostet nur zwei Mark.\n\nH. siemien\n\nHellerauer Bücher. Theo-\ndor Diiublen Wir wollen nicht\nverweilen. Dresdemsjelleran 1915.\nTheodorDiinblen Aiitlilberner\nsiehet. 19I6. Paul Adler: Slohinn\nDresdensselleran 1914. Paul\nAdler: Nämlich. 1915.\nHelleran ill mehr als ein Programm,\nes ilt eine Gemeinde. Darf man\nleine Bächen: belprechem wenn man\nHimmel nnd Luft nnd Gemein-\nlchalt, aus der lie geworden find,\nnicht kennt? Man diirfte es nicht,\nwenn es hier nm eine ,,Wiirdignng«\nginge. Dazu lind wir noch nicht be-\nrufen. Wir wollen lie nnlern Kindern\niiberlaljetn Voller, wir nehmen dsiele\nBiicher fiir lich als lebendige Wirkung,\nohne Familie und Stammbaum anzu-\nsehen. Was sagen sie uns? Zunächst,\ndasz sie von einsamen Menschen\nkommen, die seitab der Welt ihre\nWege gesucht haben- So klingen sie\naus einer serue oft über uns hin, statt\nzu uns her. l\nAm meisten so bei D ä u ble r. Wie ist\ner einsam. Richt einmal mit seiner\nMutter kann er leben, sondern musz in\nseine Träume flüchten, um sie zu finden.\nAuf seinen Wandernngen von Italien\nbis zur Ostsee — während er nur von\nsich und seinem Trleben spricht ——,\nmit wem lebt er? Mit Mond und\nSonne, mit Meer und Bäumen. Schon\nvor den Tieren schreckt er zurück.\nVogelflug im fernen Himmel: näher\ndürfen sie ihm nicht kommen.\nUnd die Menschen gehen wie Schatten\nvorüber. Mitten im meuschenvollsten\nParis: nur Schatten. Tr kann nur\nmit sich selber reden ——, oder mit\ngrosjen Toten. Rein, über die grossen\nToten mit sich selber. Lieber aber,\nmeistens aber versenkt er sich : inbrünstig\nin feine Einsamkeit. Versenkt sich,\nsteigert sich, wirft sich hinaus über\nalles Sein, so»dasz die ganze —- glühend\ngeliebte — Ratur nur wandelndes\nGleichnis ist, geboren von der Sehn-·\nsucht seines Geistes. Wunderschün —-\nwenn er mich nun mituähme auf seinen\nZlügem Dasz er das nicht tut, gewisz\nliegt-s an meiner Trdenschwerg aber\nnicht auch an den Flügeln? Tine\nStrecke geht-s. Dann aber beginnt\nein Reden in Allegorien, Rätseln nnd\nAbstraktionem ein Alliterieren und\nSpielen mit Worten, eine verwachsene\nWildnis spitzfindiger Scholastik, über\nder man müde wird, vielmehr müde\nwürde, wenn nicht andere Stelleu\nwären, wo die Sprache anfängt ZU\nklingen, wo Bilder kommen, leuch-"}]}