{"numero_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_sha256": "e2cf29646b20b5026ba63744b1ebfb60286add5ddb219465e33bc7a46c3d1f93", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1916/08_01/bmtnabb_1916-08_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1916/08_01/bmtnabb_1916-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-08_01#c002", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.2.2", "titre_corps": "Znhalt:", "titre_sommaire": "Znhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.2", "debut_caractere": 22, "fin_caractere_exclue": 462, "texte": "Znhalt:\nThevdvk Däublet X Die Musik( des Heiligen\nFritz Huf X Originalssstejndrnclc «\nElle Laslcewschiiler X Laureueis\nElje Laslcewschiiler X Abschied\nEin ZuhrmannsHeldpojkBrief\nRudolf Gkvskmmm X Originalssieindruklc\nMax Mvhk X Soneti aus dem Aillywald\nRudolf Leonhutd X Juugdeutichlaud\nZtkedksch Mark X Das Ziel\nC. Z. Savarg - Aiodkvicd x - okigiuatssteiadkukic\nGlojjen und Kritikem «\nSinzelheft Mk. 1.———— Vierteliährlich (6 Seite) Mk. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-08_01#c003", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "162", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.2.3", "titre_corps": "Die Mujik des Heiligen", "titre_sommaire": "Die Mujik des Heiligen", "signature_source": "Theodor Dänbler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2135, "texte": "Die Mujik des Heiligen\n\nAls der heilige Franz von Asfisi fein eigenes Leben wie ein herrliches Gedicht\nder Freude durch das Leid lcompouierte, sagte von ihm Dante: Tine Sonne wurde\nder Welt geboren. « -\nEin nnerhärter Seeleuausbrukh bereitete sich in den Völkern der Christenheit\nvor. Ts war abermals das Wort des Razareners, das da sprach. Aber der\nGregorianische Gesang konnte es nicht mehr ans seinen Herzenswurzeln zum Lungen-\ngeblätter, zu den Bliitenlippen emportrageu. Die menfchlichen Kehlen stimmten\nauf einmal ganz neu an, und zwar geskhahs im Griineu Umbr»ien, in der Nähe der\nHeiligen Krippe, die alle Hinterwäldler herbeiloclcte, wenn Mysterien begangen und\ngesungen wurden. Aus ihnen ging dann das italienische Theater hervor.\n\" Der Dichter-Paralclet war blasz und fiihlte bereits sein Dahinsterben.\nDurch alle Länder war er gezogen und zu Tausenden von Menschen hatte er\ngesprochen: jasogar zu Tieren nnd Pflanzen. Aiau erzählte sich aber auch, er habe\nzu Steinen, Kaifern und Päpsteu geredet. Ann siihlte er den Tod und sprach mit\nihm. Unter seinen geliebten Tlarissinneu, in holder Klosterabgefchiedenheih fiel er\ndem Tod in die Arme. Und da entstand noch sein Seufzer:\nAltissimo Omnipotente Bon Signor-e\ntue s0’ le lausdi e la gloria e l’ onore\net ogni beneäitione . . . ·\n,War König Davids Tempel Israels, inmitten des Stimmsensturms und\nInstrnmentalgewispers der Leviten jemals feierlicher gewesen? Niemals. Der\nHeilige sranz erhob seine Stimme iiber einem unsichtbaren Orchester gotterhobener,\nfeierlich schweigsamer Seelen. Er segnete das Leidertragen und das Sterben. Er\nnannte sie Geschwister. Die Sonne war seine Schwester, die Quelle seine lcensche\nSchwester, der Tod sein Bruder. Der pantheistische Schrei, der grosse Freuden-\nschrei, den er inmitten seiner Schmerzen hervorstiesz lcam iiber feine Zlammenseele\nans den Eingeweiden der Erde. Eine lcostnijkhe Eeschwisterschafh ein Sternen-\nparadies, eine Blnmenbeslernung war ans seinem Taumund hervorgebrochen. Er\nwar der grosze Heidenchrist In der Elcsiase hatte er den Sang der Katalcomben\nverjüngt, fiir die Westlichlceit den Tempel im Geist aufgerichtet."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1972, "texte": "Den größten mnlikalilchen Eingriff ins Leben brachte durch den Heiligen Dante.\nDenn Musik ilt eine Belinnnug leiner Steruenabknnft im Aienlchem ilt die Sehn-\nlurht nach einem Sterne im Geilte, der durch nnd iiber uns hinaustönend das All\nerleurhten loll. Der Menleh nennt diele Zuflucht ins zukünftige Ich lein Paradies.\nUnd die höchfte Lichtgeburt im Menlchem von der wir willen, war der Dichter der\nGöttlichen Komödie. Propheten lind llmgeburtem Retigionsltifter Rengeborena\nGroße Kiinltler hingegen erlölen, beleuchten die vorhandenen Sinnlichkeitem die gege-\nbenen Triebe, ohne lie ansznmerzen nnd lchaffen dadurch den eigentlichen Kernmenlrhem\nDarum verbleiben auch ihre Seelen leicht im Heidnilchenz auch dann, wenn lie innerlich\nLunge, Herz nnd Leber zu rhriltdienlichen Organen machen. Sie bewahren lich aber\nauch den geiltigen Aufltieg, diie nngehenerliche Lotrechte, weil lie warhlen, nicht aber\numgebogen, ans lich herausgeboreu werden.\nDiante war der größte Gotiker: zugleich ein lehr klarer Symphoniken Sein\nWerk baut lich ans drei Stockwerken, wie die Kathedrale von Rotte Dame, auf.\nDreiltöclcig ilt auch noch die Borderanlicht des Straßburger Aiiinlters Gndlich\naber wollte die Gotik die dreifache Tinteilung überwinden: im Bziener Stephansss\ntnrm ltseht dieSymphonie in Stein vor nnleru Augen. Sie ilt von unten bis oben\nein Wurf. Alle Motive lind lofort gegeben, lteigen vom Boden empor nnd ver-\nwurzeln lich im Gran oder Blan des Himmels. Der lchönlte Turm der« Welt ilt\nein Viele: friihere Türme, zumal in Frankreich, lind oft drei Zwerge iibereinnnden\nBei Dante ilt die Ubereinknnft der Dreiteilung dadurch aufgehoben, daß\nein Stockwerk Kellerranm, unterirdilcher Zelsban mit Kntakomben nnd Ailrhen\nwurde. Die beiden andern Stockwerke, die iiber die Grde emporragen, fließen\nineinander iiber. Die Zweiteilnng wurde aber bewußt erhalten, damit wir uns\nltiindig des llnterbaues bewußt bleiben. .\nllber Dante hinaus fternt die Symphonie.\n\nTheodor Dänbler"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-08_01#c005", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "164", "page_fin": "164", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.2.5", "titre_corps": "Laurencis", "titre_sommaire": "Laurencis", "signature_source": "Elle Lasker=schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 493, "texte": "Laurencis\nElle Lasker=schüler\nIch gab Dir einen Namen\nWie eine fromme Guirlande\nDarum will ich ihn\nNun immer liebend rufen.\nDu jiehft mich golden\nDurch mein Abendherz\nUnd nicht jo triibe wie der Nebel\nEs ftaubfällig fiirbt\nNleine Seele jpielte auferjtehem\nWenn Augen wie ichslafende Täler lagen.\nUnd ich lcenne alle Engel,\nDenen habe ich viel von Dir erzählt.\n0 meines Niundes After bliiht\nNiit Deinen Lippen Nitterjporm\nUnd ich wache vor unjerer Liebe\nDenn ihre Kiilje jollen Knoipen bleiben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-08_01#c006", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "165", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.2.6", "titre_corps": "Abjchied", "titre_sommaire": "Abjchied", "signature_source": "Elle Lasker=schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 470, "texte": "Abjchied\nElle Lasker=schüler\nAber du lcamjt nie mit dem Abend ———-\nIch jaij im Sternenmanteh h\n. . . . Wenn es an mein Haus pochte,\nWar es mein eigenes Herz.\nDas hängt nun an jedem Tiirpfoftem\nAuch an deiner Tür;\nZwischen Farren verlöjchende seuerrole\nIm Braun der Guirlanda\nIch färbte dir den dHimmel brombeer h\nMit meinem Herzblut\nAber du lcamjt nie mit dem Abend -—-—-\n. . . . Ich itand in goldenen Schuhen.\nBin ja aus einem Aiiirchenbuch e\nUnd muss nun immer weinen-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-08_01#c007", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "166", "page_fin": "166", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.2.7", "titre_corps": "Ein suhrmannsbrief", "titre_sommaire": "Ein suhrmannsbrief", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3200, "texte": "Ein suhrmannsbrief\nBeim, to. September wie.\nWir liegen hier in einer großen Stadt, es ist eine Festung von Frankreich, die sich\naber schon ergeben hat. Ts ist eine Stadt wie Bremen. Aikht so groß nnd nicht\nso sauber. Das Leben ist nicht so; viel Wein, wenig Bier, Kaffee in Gläsern,\nMilch kennen sie nicht. soeben hatte ich mich rasiert, auf einmal kommt ein\nBremer Iunge, ein Kamerad, rein nnd sagt, eben sind sämtliche Bremer Wagen\ndnrrhgefahrem Was ich laufen konntet Alles ließ ich liegen. Ann miißt Ihr\nTuch denken, Ihr seid am Doventor, da bin ich der Bagage nachgelaufen bis znin\n0stertor, auch so durch die Hanptstraßenz ich war so schlapp, ich konnte nicht\nmehr, da hatte ich die Spitze erreicht, am Hnlsberg da bin ich stehen geblieben.\nIch konnte nicht sprechen vor Aufregung. Ich knatkte so zusammen, als ich alle\ndie bekannten Wagen nnd Pferde sah. Anr was ich sehen wollte, war nicht dabei:\nHeini sein Wagen. Ich hatte die Wagen nie gesehen, aber ich bin\nam Schluß der ganzen Armee; setzt kommt die ganze Bagage. Diese\nganzen Wagen holen Munition ran, jeden Tag 50 km hin und 50 km\nzurärln Tag nnd Nacht. Haben schwere Tage. Die Berge! Aber\nHeini, mein Herz wollte brechen, weinen durfte ich nicht, als ich Deinen »Man«\nsah, geht ans der rechten Hand, links geht ein schwerer Fuchs, Belgier. Die\nBagage hielt an, ich habe ihn gestreichelh so mager wie er ist, ist er noch nie\ngewesen, soll aber gut fressen, sieht gut und munter ans. Denselben Gang hat\ner noth mit dem Schwanz und die Füße; ich denke gerade an die Anssahrt mit\nHindernisse im vorletzten Sommer nach Grambke Ach Heini, hättest Du die\nPferde gesehen, Herm. Schmidt seine Schimmel mußten es sein, Behnken ihre\nFuchse, Kenter sein Brauuer, Liissen sein Schimmel, Rosewski, Thlers, Hildebraud\nsein Brauuer, der immer so stolz ging, hnndemager, Meyer VII sein Skhläger mit\ndem kurzen Schweif. Die Leute sagten gleich, das ist ein Schläger, ich wußte sa\nBescheid. Köstermann seine Rotschimmel Ach Heini, ich kann sie nicht alle\nhinbriugen. Erzähle den Bekannten es mal. Dnrchschuittlich sehen die Pferde\ngut ans, im Berhältnis zu diesen Strapazen, denn die ·kommen nicht eine Aacht\nunter Dach; die bekommt Ihr alle wieder, wenn es gut geht. Aber wie\nlange wird es noch dauern, Weihnachten, Februar, März, vielleicht auf\nWiedersehent Ob Dein Wagen znsammengebroehen ist? oder er mag bei einer\nanderen Bagage sein. Denn bricht ein Wagen, mag das Anto noch so schön sein,\noder mag es ein andrer Wagen sein, so wird er in den Thausseegraben geworfen,\nda beibt er liegen. Auf dem anderen Hof wird sich ein neuer rnntergeholt, ohne\nzn fragen. Ich darf es Tuch nicht schreiben wie es ist. Hoffentlich kann ich es\nmiindlich erzählen. Aun frage doch mal Srhnakenbergs, ob der Fuchs mit ist.\nDem haben sie den Schwanz abgeschnitten, wenn er mit ist.\nAnn meine Lieben, es wird in diesen Tagen eine große Schlacht wieder\nsein, die Blut kostet. Wir waren erst vier Tage im Gefecht.\nAch, es war mir eine Freude, alle die bekannten Wagen nnd Pferde, das\nwerd-r ich nie vergessen. Hinter den Wagen sind banmdirke Bäume als Bremse,\nhinten quer mit Tauen nnd stricken. Heini, habe ich nicht gleich gesagt: znr\nMnnitiont nnd Reuter ging dagegen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-08_01#c009", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.2.9", "titre_corps": "Sonett aus dem Aillgwald", "titre_sommaire": "Sonett aus dem Aillgwald", "signature_source": "Max Mohr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 583, "texte": "Sonett aus dem Aillgwald\nMax Mohr\nDieser langen Tage Sinn ist schwer.\nTief veranlcert im Getrieb der Menge,\nMitten in Gemeinschaft und Gedränge\nUnd in Schweif; ——— sind sie von grosser Währ?\nMein Gewehr ist allen Bollcs Gewehr,\nMein Gesang wie allen Bollcs Gesänge,\nUnd die Toten längs der Gräben, Gänge\nscheidet Knecht-s und Herrentum nicht mehr.\nIch sing nicht, das; alle Helden sind,\nDenn ich lcenne ihre Schritte gut.\nSeltsam gleich entsteigen sie dem Grab,\nUnd ihr Sinn bleibt ewig, wie der Wind,\nWie die Wolke, wie ihr armes Blut,\nDas nicht aufwärts strömt -——- nur ans und ab."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-08_01#c010", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.2.10", "titre_corps": "Zungdeutichland", "titre_sommaire": "Zungdeutichland", "signature_source": "Rudolf Leouhard", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2896, "texte": "Zungdeutichland\nRudolf Leouhard\nWie könnten wir, Aufgefchreclctquns den Jmpreffionen derStrafze eutziehu, die\nwir wild durchliefen, um uns doch zu feftigen? Wenn an den Strafzenfeitem die\nfich im Abend baden, die langen Fahnen heruiederfchwankem riefig iiber uns zu\neinem nicht mehr fichtbaren Himmel aufgefleilte Falten dicken Enches, faft kleinern\ngeftemmt, da die Luft ruht!\nJm ftrahlenden Aiittag bot ein andres Bild die gewundene Strafze: da\nriickte, Reihe an Reihe, gegiirtet und unter Mützen, in langem Zuge ,,Jung-\ndeutfchland« ans, kleine: Einzelne, gefchloffseu die Strafze fiillend. Anders als die\nSoldaten gehn, die ruhig undfaft miirrifch find; heller, heftiger, bewegten\n,,Jungdentfchland« — was könnte kliugender heifien als mit diefem ver-\npflichteuden Namen, was mehr Hoffnung, Stolz, Eefafztheih Bereitfchaft verheifkenl\nVielleicht klänge »das junge Deutfchlaud« ichöner noch als das kindlich romanti-\nfierende Wort —- aber uärgeln wir nicht; da es das junge Deutfchsland ift.\nOder fein mag. Gesammelt, zum Zuge geordnet das ,,junge DeutfchlandN\nZwei Berheifznngen in einem ,,Jugend« und ,,Dentfchlaud«. Ju welche Ecken ifl\nnun das alte verfprengt, da entfchloffen das junge auftritt?\n0 wahrhaft grofze Zeit «— da die Jugend erftaud: da fie fich felbft gewann,\nihre Jugend, ihre Erziehung — Schande iiber das Alter! -— in eigne Hände nahm,\nda fie erkannte, dafz Erziehung Jugendwerk, Jugendtat, Jngeudpflicht ift, nur\nS el b ft erziehung bedeutend (wie nur Selbftbefreinng), und jede andre ——— hächflens\nnnd beftens Unterricht! Dem jungen Dentfchland gelang eine llberrafchuug fiir\nJahrhunderte: den höchft relativen und nur phyfifchen Begriff ,,Jugend« abfolnt —\nund zu seiner unentbehrlichen Tugend zu ftatniereu!\nBraucht Jhr denn Fahnen, Jhr Jiinglinge und Knaben: Euer Herz fchlägt\ndoch, hinter die helle Stirn! Behaltet die Trommeln zum Rufe Eurer Freiheit —-\naber verkauft Euch und die Freiheit ihnen nicht. Was braucht Jhr Waffen, da\nJhr leidenfchajtliche Hände habt! E ur e Reinheit ift aufzer Frage; belaftet Euch,\nverdrängt keine Antwort heifchende Rot —- und gelobt Euch dem Eeiftl\nAls wir an der Bordfchwelle ftanden und diefen Zug erwachfender Knaben —\nuns war, als wiichfeu fie unter unfern Blicken — durch diefe klare Straße\nvoriiberliefzem aufgeftreckt ging jeder und alle zufamtnengeorduetz die ,,Hoffnnng«\nmit Bewufjtfeiu iiberbietend:\nda fuhr es uns heifz ins Herz: wenn d i efe hinter uns ftäuden, diefes junge\nVeutfchlandl Wenn ans oft mifzbrauchter Phrafe wieder ein jiingftes Deutfchlaud\nerftiindel Wir wollten unter Euch ftiirzen, wie Jhr da gingt; nicht als Fiihrer\nvor Euch —- eine begeifterte Phalanotz aus der empor wir fiir Euch, zu Euch\nfängen! Die Arme verkettet, die Hände um Eure Rucken, Eure Hiifteu geworfen,\neinzige grofze Bliite eines Bolks, voranfliirmeud —-\nWir lächelten nicht. Wirträumtem die Bataillone des Eeiftes marfchieren\nin bören."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-08_01#c011", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "170", "page_fin": "173", "image_debut": 12, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.2.11", "titre_corps": "»Das Ziel. Anfrnfe zu tätigen: Geist. Her-·", "titre_sommaire": "»Das Ziel. Anfrnfe zu tätigen: Geist. Her-·", "signature_source": "Friedrich Mark", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2333, "texte": "»Das Ziel. Anfrnfe zu tätigen: Geist. Her-·\nausgegeben von Dr. Knsrt Sitten« CBeiXrZge\nvon H. Mann, Kett, Brod, Wedel, Rnbiner\nn. a.) Georg Müller, München wie. -—-—- Hier\nif! die in Nr. 8 verjprochene ,,Antworl«.\nI.\nIm Krieg wird alles organisiert; das Gigenwilligstez sogar der Geist. Das\nschwere Amt übernimmt Knrt Gitter. Sein Aufruf sammelt eine Anzahl geistig\njunger, Willenserfüllteu Sie geben (für die kommende Zeit) ihre Parole. Ieder\nsagt oder singt die seine aus Herzeusgrund, mit voller Stimme. Das gibt ein\nstreit- nnd bestreit-bar-es, nicht allemal harmonischs Konzert. Und erst allmählich\nhört man ans den vielen die führende Melodie heraus. Die Melodie, die das\nBuch wichtig macht, die neue, die singbare, »den Schlag-er. Sie hat zwei Texte:\nErstens: Schtusz mit der bisherigen fürnehmen Will-ensabstiueuz. Hiuein ins tätige\nDasein! Arbeiten! Nicht Beten! Bessern! Nicht Zugucken! Wer soll bessern?\nDie Besseren. Wer sind die Besseren? Die ,,Geistigen«.\nBis hierher waren Text nnd Melodie auch Plato halbwegs schon bekannt.\nNun lcommt der neue Teil des Textes:\nNicht blos; arbeiten. Gemeinsa m arbeiten! Schluß mit der verlogenen\nWeisheit: ,,Der Starlce ist am müchtigsten allein«. Im Gegenteil: ,,Der Starlce\nist am unsrhädlichsteu alleintc Müchtig ist nur die Masse. Und der, der sie führt!\nWer soll sie führen? Der Geist, der Geist! Masse an sich ist siunlos. Ihr\neinen Sinn geben, sie beseelen, sie dnrchtrüulcem sie beleben, sie führen — dazu ruft\ndas Buch den Geist und alle, die ihn haben, ans.\nDie elclatauteste Sinulosiglceih dieser Krieg, war nötig, um das Grauenhafte\neiner sinnlosen Welt aufreizend deutlich zu zeigen. Ihr, der von Gott verlasseuen,\neinen Sinn zu geben, das ist Sache des Geistes. Nur er sieht ein Ziel, nur er\nweiss den Weg, nur er darf und soll die Masse führen. Warhgestoszem wach-\ngetreten (eudlich!) rüstet er sich zum Ausbruch.\nII.\nDie »Eeijtigen« sollen siihrer fein. Sehr hinreiszend werden jie von Hiller ge-\nichilderü vie Willensvolleiy Hingerijjenen, Hingegebenettz die fiir die anderen\nleiden nnd die lhimmliicheh Verantwortung iiihlen nnd tragen. Eine heilige\nSchar, eine Kirche des Geistes. Das; in ihr keine völlige Einigkeit der Gedanken\nherricht lvielmehr ein ziemlikhes stimntengewiry ikt gsar kein Unglück.\nunbedingt nötig lnnd gefordert) ist nur: Einigkeit im Handeln."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2555, "texte": "Dazu hilft? zweierlei.\nErstens: Strenge gegen sich selbst. Selbstverlengnnng, die der »Schönheit«-\nentsagt, Saiten zum schweigen bringt, Bilder zerstört, einseitig wird.- Dem\nZiel zuliebe. Das wird mit Klarheit gefordert nnd ist ——— das leichten. Das\nzweite (fchwerere) wird mir nicht klar genug verlangt. Gs ist das Gegengewicht:\nGeduld mit den anderen! Die Kameraden verstehen und lieben! Zntranen zu\nden Gefährten ohne immer nach dem Pasz zu fragen! Das (regiftrierbare) Ideal\nerfiillt sa doch niemand.\nUnd das ist gar kein Uugliiclg solange die Geduld der anderen hilft\nnnd heilt. Die Ungeduld der unbedingten Forderung aber (Zdealsucherei) macht\nnur zum Ketzerrichten\nAlso Lauheit? Damit die Karte wieder im alten Dreck der Kompromisse\nstecken bleibt?\nRein! Keine Kompromisse, keine Lauheit! Warh nnd streng gegen das\nZiel, die Sache, die Verhältnisse nnd gegen sich selber! Den anderen gegenüber:\nVertrauen, Glauben.\nGlauben an die Menschen nnd Glauben an den Geist, der awrh im Geistigsten\nnicht rein erscheint und noch im dreckigsten Dunkel (wenu er nur da ist) wirksam\nnnd lebendig ist. Anr schwächlicher Unglaube glaubt dem nicht. Das ist der\nUnglaube, die Gottlosigkeit, der alle laber alle!) Kirchen erlegen sind. Sie wurden\ndogmen-gläubig, weil sie geistesmnglänbig waren. Zu dieser Gefahr der Gott-\nlosigkeit kommt die Srhwestergefahn der Pietismns, der Glaube tvielmehr Un-\nglanbe): dasz alle Welt im Argen liegt. Das fiihrt zum demätigssselbstgerechten\nKonventiklertnnn Und etwas konventikelt es schon in diesem (sonst so frommen)\nBuche. Scheu vor dem Untergehen im Zabrikgsetriebe des heutigen Staates, Scheu\nvor dem Alltag, Scheu vorm Dreck. Das ist Kouventiklertnm Sezession der\nUniversität, freie Schnlgemeindtz Partei des Geistes —- das ist alles gut (-gemeint)\n(vielleicht auch nötig) entbindet aber keineswegs vom Untertanrhen im\nBestehenden. Man kann nicht Sauerteig spielen, wenn man sich nicht in den Teig\nverkneten lassen will. »Sieh fiir zu gut« nnd »sich fiir besser als die anderen\nhalten«, das sind zwei schlimme Gefahren fiir die Ritter vom Geist. Kommt (als dritte\nZrurht des Unglaubeus) Zanatismus hinzu, so haben wir die ,,fichtbare Kirche«\nunzweifelhaft dokumeutiert\nKonventiklertnm und Ketzerrichterei sind nämlich nicht (vermeidbare) Folgen,\nsondern (nnvermeidbare) Zeichen jeder Kirche. Folgen des Unglaubeus wie die\nKirchen selbst. Denn: Nicht der Ungtanbe ist eine (vielleicht vermeidbare) Zolge\nder Kirchen; sondern die Kirchen sind die Folgen, die Kirchen\nsind die Sichtbarwerdung des Unglaubeus. Giue Kirche des"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2618, "texte": "Geistes also widerspricht sich selbst. Sie wird daher entweder nicht sein oder sie wird\netwas anderes sein: eine Unsichtbare Gemeinde der Heiligen.\nAuch eine solche kann sich organisieren. Und muss es. Denn ohne Organ\nist keine Wirksamkeit möglich. Aber ihre Organe werden nicht die bestellten\nPastöre der sichtbaren Kirche sein. Sie wird viele Gemeinden und viele Gemeinde-\nmitglieder zählen. Aber sie wird sie eben nie zählen. Sie wird gröszer sein als\ndie Gesamtheit ihrer Organisationen und unabhängig von der Menge ihrer Glieder.\nWie ein Pitzlager unter der Erde: unsichtbar, unzerstörbar, fruchtbar und wirksam.\nMit dem Boden verwachsen, nicht von ihm zu trennen, nicht abzusondern, nicht klar zu\nbestimmen und nicht zu begrenzen. Richt festzulegen nach Programmem Bezirken,\nGegenden, Personen. Ihr ist kein Werkzeug zu gemein nnd keins zu edel. Zum\nGe-- und Verbrauch ist ihr nichts zu schade. Richt einmal eine ,,Partei\ndes Geistes«. «\nIII.\n,,Swer da; leben fragete tujent jar: war umbe lebejtu? jolt ez anlwnrlen,\ne; jpraeche nicht anders wann: ich lebe darumbe da; ich lebe. Da; iji\ndavon, wan leben lebet nz jinen eigenen grnnde nnde quillet uzer iinem\neigen: darumbe lebet ez ane warumbe in dem daz ez jich ielber lebet. swer\nnu junges» Lnen warhaften menjchen, der da wiirlcet uzer iinem eigenen\ngrnnde: warumbe wiirlcejt du diiniu merk? jolt er recht antwiirten, er\njpraeche niht anders dan: ich wiirlce darumbe daz ich wiirlce.«\nEs werden viele Ziele in diesem Buche gesetzt, nähere und fernere.\nZiele fiir die Politik, fiir die Erziehung, fiirs Recht, fiir die Ehe. Einzel-s und\nGesamtziele. Die grosze allgemeine Zielietznng gibt Hiller zum Schluß. Uber die\npraktisch erreirhbarem zunächst einmal anzuftsrebendem hinaus, das ferne, fiir uns\nnicht zu erreichende, aber unverriiclcte Ziel: das ,,Paradies auf Grden«. Das\nParadies, in dem ein jeder frei im Genus; der eiugeborenen Lieblichkeit feinselber\nund der andern froh wird, wo Staat, Gesetz und alle-r Zwang als iiberfliifsig\ngewordene Hilfslconstrnlctionen wegfallen, wo auch der Geist iiberfliisjig ist, ,,wenn\nGeist den Inbegriff aller Bemühungen um Besserung des Loses der Menschheit\nbedeutet« Bzas ist dazu zu sagen? Zunächst, dafz mir trotz allen Bemühungen ein\nParadies auf Grden fchemeuhaft und unvorstellbar bleibt. Ginsach deshalb, weil\nmir, dem llbergangsmenschem ein Zustand der Bollendnng (gleichgiiltig, ob’s\nruhende oder bewegte Bollendnng ist) unerreichbar ist, auch in Gedanken.\nMeine Phantasie lcanu mir eine Reihe wiinsrhenswerter Zustände nennen und\nzeigen, aber die Bollendung alles Wiinschenswerten bleibt eine unvollziehbare"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2808, "texte": "Greuzvorftellung Sie mir gleichniisweife und teilweife auszubauen, bleibt ein\nSpiel. Darüber hinaus? Ja, ift dariiber hinaus etwas nötig? Hiller\nfetzt an den Anfang feiner Zielphautafie einen Begriff: es foll allen erlaubt fein,\nnichts als vital zu fein. Da haben wir’s: ,,Lebeu«. Und was brauchen wir mehr?\nWir wiffeu nicht, was Leben einftens fein wird, wenn andre, beffere und gläclcs\nlichere Aienfchen leben. Aber wir wiffen, was es heute ift nnd kennen feine\nHemmungem Beicht es nicht hin, wenn wir den Strom unf’res Lebens gegen\ndiefe Schranken werfen, bis fie zerbrechen? Den Weg ins Aieer wird er fchou\njelber finden.\nAber das ift ja wieder nichts als der jämmerlichfte Riickfall in das alte\nGehenlaffen und in die alte Selbftvereiuzelungl Wenn jeder nur gegen augen-\nblickliche Lebeushemmungen kämpft und feiner (gehemmten) Aatusr darin folgt?\nDas wird kein Zortfchritt und keine Gemeinsamkeit und alles zerfällt aufs neue\nin feine Atome.\nIch glaube: nicht. Woran krankten wir und kranken noch? Daran, dafz jeder\nnur feine eignen Hemmungem nur feine eignen Schmerzen fiihlte und zufrieden war,\nwenn er fich eine Infel fchuf, auf der er uubeläftigt haufte. Der Krieg beweift, dafz\nEinzelfreiheit und Sinzelgläclc immer bedroht, alfo erfchwindelt find. Dafz keiner\nfich, auch wenn er will, abfondern k a n u. Diefe Weisheit diirfen wir nie vergeffeu.\nHeruuterwiirgen miiffen wir fie, bitter hineinfreffen, damit keiner mehr, auch wenn\ner könnte, fich abfondern will. Damit keiner mehr imftande ift, frei zu atmen,\nfolange er von folchen weiss, die erfticlceu, während er atmet. Berjehmt fei die\nSaleerenweisheit Hoffmannsthals von denen, die drunten an den Rudern leben\nund niemals Sternenländer fehn, während, nein: damit, damit andere genießen.\nDann brauchen wir keine Paradiesprogramme Dann haben wir ja foviel Licht,\ndann haben wir foviel Ziel und Hoffnung, wie uns zum Wandern nötig ift. Dann wird\ndas ,,furchtbare Leiden am Leben« fo fteigen, dafz kein Aarkotikon mehr hilft.\nDann wird aus ihm nicht nur die Luft, aus ihm die Kraft zum Kämpfen kommen.\nWir find eine Schar, die ein Land erobern foll. Uufer Ziel ift nicht ein\nPunkt in der Ferne, fondern der ganze weite Horizont. Darum kann der Weg\nnicht auf der Chauffee und nicht in gefchloffener Kolouue gehen. Wir miiffen aus-«—-\nfchwärmen nach allen Seiten. Und jeder Weg ift uns der rechte, der den richtigen\nAusgangspunkt hat: Zutraueu und Liebe zu allem (wirkend) Lebendigen.\nSo wichtig wie das Ziel ift diefer Anfang. Wichtiger als das (genaue)\nZiel, der Wnnfkh, der Wille, die Brnnft zu marfclzierem Wichtiger als der Sein,\ndie Liebe. Beides lebt in diefem Buche. Das nur den einen Fehler hat: ein\nBuch zu fein. Aber ein Buch, das jeder lefen muß, der gegen Ekel, Elend, Unrecht,\nder gegen —— Geftern und für Morgen ist.\n\nFriedrich Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-08-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-08_01#c013", "volume": "bmtnabb_1916-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "176", "image_debut": 17, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.2.13", "titre_corps": "Glossen und Kritiken", "titre_sommaire": "Glossen und Kritiken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3200, "texte": "Glossen und Kritiken\n\nDer eingebildete Kranke in\nden Kammersvielew Durch\ndiesen Abend wird die (lcünstlerische)\nMinderwertiglceit Reinhardts endgül-\ntig dolcntnentieri. Es handelt sich nicht\nmehr um Zehler im Betrieb, im Ge-\nschmack, in der Absicht, nicht um Un-\nzulänglichkeit oder Verranntheit (die\nzu bessern würen); die Minderwertiglceit\nliegt tiefer, liegt im Wesen dieses\nMannes. Hier ist nichts mehr zu\nbessern, nichts zu erwarten, nichts zu\nerhoffen. (Svlange nicht ein Zufall\nhilft). Reinhardt tut nicht das 3alskhe,\nsondern das Rikhtige (wenn er es tut)\nans Ansehen. Das ist die Erkennt-\nnis eines solchen Abends.\nAnr ein völlig falsch eingestellten ein\nseelisch und geistig verrenlcter Mensch,\nwas sage ich: Mensch? Eheaterdi-\nrelctvr lcann ans dieser menschlichsten\naller Komödiem vor deren Einfalt nnd\nEinfachheit man am liebsten in die\nKnie siinlse (aber: ,,Können vor\nSachen« sagten wir früher) —- lcann\nans diesem Wunder von Einfachheit\ndas leb- nnd lcraftlose Prnulc- nnd\nSchaustück machen, das Reinhardt\nBerlinern als Molidre versetzt.\nMan lcann Molidre (nnd dies Stück)\nals eine französiskhe Angelegenheit\nnehmen nnd französisch spielen, das\nheißt: in dem langweilig-charmanten\nStil, den die Tradition der Eomödie\nvorschreibt. Man lcann auch den\nFranzosen nnd seine sgroßes Zeit ver-\ngessen nnd den Menschen Molidre vor\nallem betonen. Und da alles Mensch-\nliche doch tiefer geht als alles stan-\nzüsische, da Ewiges größer ist als die\ngrüßte Zeit, — so würde solch eine\nAusführung lund wenn sie noch so nn-\nsranzüsisrh wäre) vielleicht sogar die\nbeste Ausführung sein.\nReinhardt gibt keine französische Anf-\nfiihrung. Roch viel weniger eine\nmenschliche. Er gibt ein schau-·- Und\nRinsenmsstäclg eine historische Kuri-\nosität, eine ,,literarische KostbctrkeitC\nRiit verlogener Ehrfurcht unter einen\nGlaskasten von Langerweile gesetzt.\nDabei ist nichts so wenig kostbar, so\nnnliterarisch und unoerstanbt, so wenig\nehrfnrchtgebietend wie diese Komödie\neines —- charmauten Genies. Geht man\nmit Respekt, Wohlwollen, Ehrfurcht\noder sonst einem nnnaiven Gedanken\nan dies Strick, so kann nichts Gutes\ndaraus werden. spielt aber ein Trottel\nganz dnmmdreist, so gut und komisch,\nwie er kann, dies Stiick nnd seine Rolle\ndarin, letwa wie ,,Eiinnes im Zaum«\noder so), so muss, wenn der schan-\nspieler nicht ganz mittelmiiskig ist\nlschlecht darf er lieber sein als mittel-\ntnäszigx das Resultat ganz himmlisch\nsein. Komik, Frechheit, Angst i nnd\nEinfalt vom ,,Tiinnes im Zaum« s—-\ndas ist genug. siir den ,,Ewigkeits-\nZug« sorgt Rloliszre schon. lllud ans\ndem tollsten Ulk wiirde ein Gransen\nwehen, wie aus Danmiers spieskesp\nBildern)\nReinhardt aber denkt: »Von wegen\nPossel Meisterwerk der Weltlitercw\nMel« Er weiss, was er Rioliikre\nschuldig ist. Rioliizre und dem künst-\nlerischeu Rivean seiner Bühnen. —\nHalb hob er ihn, halb sank er hin. —\nDie menschliche, die llrssWeltzisPosse\nwird kiinstlerisch znrekhtgemachh fein\nmit ei, alles ,,echt im Stil der 3eit«,\nund da sie so gar nicht fiirnehm nnd\nalt ist, wird sie kiinstlich verblaszt nnd\nverstanbt, bis sie so fnrbss nnd leblos\nist, das; sie den stilvollen Rahmen des\nmahagonigetiifelten Eheaterchens nicht\nmehr sprengt. ,,Zn einem Kabinett-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3135, "texte": "stiick abgestimtnt« heiszt der sachanss\ndrnrk. ,,Singeebnet« wäre besser.\nDen Rest besorgt Herr Stern. Dieses\nUngliikk kann nicht einmal den ,,Stil\nder Zeit«. 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Hätte er nur frech und\nfroh eine seiner lauten tollen Ope-\nrettensignren gemimtl Reinhardt\naber setzt ihm einen Dämpfer\nauf: ,,Pschtschtschtl Meisterwerk der\nWeltliteraturl« Und der arme Pullen-«—-\nberg wagt vor lauter Angst nnd Ehr-\nfurcht kaum den Mund noch aufzu-\nmachen, redet vielmehr in einer\nschönen Übersetzung daher, so gebildet\nwie nnr möglich (blos’z den geheiligten\nText nicht ändernl). Anstatt zu\nguatschem was ihm grad ins Maul und\nin die Situation hineinpaskt Hier war\nendlich eine Gelegenheit sich gehen zu\nlassen. Er aber hat Angst, dass es\nihm passiert, »und« lsneist sich angstvoll\nalles zu.\nAber all das ist nicht seine, alles das\nist Reinhardts schuld. Er vermiest,\nverlcunstgewerbelt nicht blos; tote und\nheitere Dichter, auch» die leben-\ndigen guten Schanspieley die in seine\nHände fallen. Ein Dutzend Biihnen\nnnd einige Zirtcusse hat er auf sein\nRivean nivelliert, Generationen mit\nKnnstgewerbe durchsencht, ganze Ge-\nmeinden unbrauchbar siirs Leben (und\nschädlich) gemacht. soll er nun unge-\nstraft auch noch die paar iibrig geblie-\nbenen Schauspieter verlcitschen dürfen?\n(Sogar Wegeners iiberlegeue Intelli-\ngenz hat Mühe, sich zu behaupten)\nSchon sind die harmlosesten 0peretten-\nKomiker, die letzten fröhlichen Eigen-\ntrilcs von seinem lcunstgewerblich ver-\nschnörlcelten Atem bedroht. In wel-\nchem Theater, Zirlcus nnd Varietå\nwird man am Ende sicher sein vor\nseinem Mahagonigetiifeh vor seinen\nechten Kostiimen und unekhten Men-\nschen, vor seinem ganzen elcelhaften\nKnnst-Pharisiiertnm?\nSolange Kesrr ihn tcritisierte, solange\nhatte er noch eine gewisse Bedeutung.\nEr, der Ring-Künstler, stand dem\nKünstler Cwelch eineml) unfreiwillig»-\nweise Modell. Seit aber Kerr iiber\nihn schweigt, haben seine Biihnen ihre\nletzte Berechtigung verloren. 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Rioliizre und dem künst-\nlerischeu Rivean seiner Bühnen. —\nHalb hob er ihn, halb sank er hin. —\nDie menschliche, die llrssWeltzisPosse\nwird kiinstlerisch znrekhtgemachh fein\nmit ei, alles ,,echt im Stil der 3eit«,\nund da sie so gar nicht fiirnehm nnd\nalt ist, wird sie kiinstlich verblaszt nnd\nverstanbt, bis sie so fnrbss nnd leblos\nist, das; sie den stilvollen Rahmen des\nmahagonigetiifelten Eheaterchens nicht\nmehr sprengt. ,,Zn einem Kabinett-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3135, "texte": "stiick abgestimtnt« heiszt der sachanss\ndrnrk. ,,Singeebnet« wäre besser.\nDen Rest besorgt Herr Stern. Dieses\nUngliikk kann nicht einmal den ,,Stil\nder Zeit«. 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Nichts\ndiimpft mehr den Schaden, den er an-\nrichtet.\nKann man ihm nicht den Laden\nschliessen? Als guter Kauf- und Re-\nlclamemann (anf diesem Gebiet und\nnur auf diesem liegen seine Erfolge\nnnd seine Leistungen) wird er das Eeld\n(das ich ihm giinne) ja mit Enmmi\nso gut wie mit Kunst verdienen.\n\nH. Siemsen"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.1", "texte": "Zeit-Erd\n11\nG: ap i) i E- Vc rkI a gMPONüsichs»\n)"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.2", "texte": "11\nSonderausgabe Nr.\n\nZnhalt:\nThevdvk Däublet X Die Musik( des Heiligen\nFritz Huf X Originalssstejndrnclc «\nElle Laslcewschiiler X Laureueis\nElje Laslcewschiiler X Abschied\nEin ZuhrmannsHeldpojkBrief\nRudolf Gkvskmmm X Originalssieindruklc\nMax Mvhk X Soneti aus dem Aillywald\nRudolf Leonhutd X Juugdeutichlaud\nZtkedksch Mark X Das Ziel\nC. Z. Savarg - Aiodkvicd x - okigiuatssteiadkukic\nGlojjen und Kritikem «\nSinzelheft Mk. 1.———— Vierteliährlich (6 Seite) Mk. S."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.3", "texte": "Die Mujik des Heiligen\n\nAls der heilige Franz von Asfisi fein eigenes Leben wie ein herrliches Gedicht\nder Freude durch das Leid lcompouierte, sagte von ihm Dante: Tine Sonne wurde\nder Welt geboren. « -\nEin nnerhärter Seeleuausbrukh bereitete sich in den Völkern der Christenheit\nvor. Ts war abermals das Wort des Razareners, das da sprach. Aber der\nGregorianische Gesang konnte es nicht mehr ans seinen Herzenswurzeln zum Lungen-\ngeblätter, zu den Bliitenlippen emportrageu. Die menfchlichen Kehlen stimmten\nauf einmal ganz neu an, und zwar geskhahs im Griineu Umbr»ien, in der Nähe der\nHeiligen Krippe, die alle Hinterwäldler herbeiloclcte, wenn Mysterien begangen und\ngesungen wurden. Aus ihnen ging dann das italienische Theater hervor.\n\" Der Dichter-Paralclet war blasz und fiihlte bereits sein Dahinsterben.\nDurch alle Länder war er gezogen und zu Tausenden von Menschen hatte er\ngesprochen: jasogar zu Tieren nnd Pflanzen. Aiau erzählte sich aber auch, er habe\nzu Steinen, Kaifern und Päpsteu geredet. Ann siihlte er den Tod und sprach mit\nihm. Unter seinen geliebten Tlarissinneu, in holder Klosterabgefchiedenheih fiel er\ndem Tod in die Arme. Und da entstand noch sein Seufzer:\nAltissimo Omnipotente Bon Signor-e\ntue s0’ le lausdi e la gloria e l’ onore\net ogni beneäitione . . . ·\n,War König Davids Tempel Israels, inmitten des Stimmsensturms und\nInstrnmentalgewispers der Leviten jemals feierlicher gewesen? Niemals. Der\nHeilige sranz erhob seine Stimme iiber einem unsichtbaren Orchester gotterhobener,\nfeierlich schweigsamer Seelen. Er segnete das Leidertragen und das Sterben. Er\nnannte sie Geschwister. Die Sonne war seine Schwester, die Quelle seine lcensche\nSchwester, der Tod sein Bruder. Der pantheistische Schrei, der grosse Freuden-\nschrei, den er inmitten seiner Schmerzen hervorstiesz lcam iiber feine Zlammenseele\nans den Eingeweiden der Erde. Eine lcostnijkhe Eeschwisterschafh ein Sternen-\nparadies, eine Blnmenbeslernung war ans seinem Taumund hervorgebrochen. Er\nwar der grosze Heidenchrist In der Elcsiase hatte er den Sang der Katalcomben\nverjüngt, fiir die Westlichlceit den Tempel im Geist aufgerichtet."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.4", "texte": "Den größten mnlikalilchen Eingriff ins Leben brachte durch den Heiligen Dante.\nDenn Musik ilt eine Belinnnug leiner Steruenabknnft im Aienlchem ilt die Sehn-\nlurht nach einem Sterne im Geilte, der durch nnd iiber uns hinaustönend das All\nerleurhten loll. Der Menleh nennt diele Zuflucht ins zukünftige Ich lein Paradies.\nUnd die höchfte Lichtgeburt im Menlchem von der wir willen, war der Dichter der\nGöttlichen Komödie. Propheten lind llmgeburtem Retigionsltifter Rengeborena\nGroße Kiinltler hingegen erlölen, beleuchten die vorhandenen Sinnlichkeitem die gege-\nbenen Triebe, ohne lie ansznmerzen nnd lchaffen dadurch den eigentlichen Kernmenlrhem\nDarum verbleiben auch ihre Seelen leicht im Heidnilchenz auch dann, wenn lie innerlich\nLunge, Herz nnd Leber zu rhriltdienlichen Organen machen. Sie bewahren lich aber\nauch den geiltigen Aufltieg, diie nngehenerliche Lotrechte, weil lie warhlen, nicht aber\numgebogen, ans lich herausgeboreu werden.\nDiante war der größte Gotiker: zugleich ein lehr klarer Symphoniken Sein\nWerk baut lich ans drei Stockwerken, wie die Kathedrale von Rotte Dame, auf.\nDreiltöclcig ilt auch noch die Borderanlicht des Straßburger Aiiinlters Gndlich\naber wollte die Gotik die dreifache Tinteilung überwinden: im Bziener Stephansss\ntnrm ltseht dieSymphonie in Stein vor nnleru Augen. Sie ilt von unten bis oben\nein Wurf. Alle Motive lind lofort gegeben, lteigen vom Boden empor nnd ver-\nwurzeln lich im Gran oder Blan des Himmels. Der lchönlte Turm der« Welt ilt\nein Viele: friihere Türme, zumal in Frankreich, lind oft drei Zwerge iibereinnnden\nBei Dante ilt die Ubereinknnft der Dreiteilung dadurch aufgehoben, daß\nein Stockwerk Kellerranm, unterirdilcher Zelsban mit Kntakomben nnd Ailrhen\nwurde. Die beiden andern Stockwerke, die iiber die Grde emporragen, fließen\nineinander iiber. Die Zweiteilnng wurde aber bewußt erhalten, damit wir uns\nltiindig des llnterbaues bewußt bleiben. .\nllber Dante hinaus fternt die Symphonie.\n\nTheodor Dänbler"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.6", "texte": "Laurencis\nElle Lasker=schüler\nIch gab Dir einen Namen\nWie eine fromme Guirlande\nDarum will ich ihn\nNun immer liebend rufen.\nDu jiehft mich golden\nDurch mein Abendherz\nUnd nicht jo triibe wie der Nebel\nEs ftaubfällig fiirbt\nNleine Seele jpielte auferjtehem\nWenn Augen wie ichslafende Täler lagen.\nUnd ich lcenne alle Engel,\nDenen habe ich viel von Dir erzählt.\n0 meines Niundes After bliiht\nNiit Deinen Lippen Nitterjporm\nUnd ich wache vor unjerer Liebe\nDenn ihre Kiilje jollen Knoipen bleiben."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.7", "texte": "Abjchied\nElle Lasker=schüler\nAber du lcamjt nie mit dem Abend ———-\nIch jaij im Sternenmanteh h\n. . . . Wenn es an mein Haus pochte,\nWar es mein eigenes Herz.\nDas hängt nun an jedem Tiirpfoftem\nAuch an deiner Tür;\nZwischen Farren verlöjchende seuerrole\nIm Braun der Guirlanda\nIch färbte dir den dHimmel brombeer h\nMit meinem Herzblut\nAber du lcamjt nie mit dem Abend -—-—-\n. . . . Ich itand in goldenen Schuhen.\nBin ja aus einem Aiiirchenbuch e\nUnd muss nun immer weinen-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.8", "texte": "Ein suhrmannsbrief\nBeim, to. September wie.\nWir liegen hier in einer großen Stadt, es ist eine Festung von Frankreich, die sich\naber schon ergeben hat. Ts ist eine Stadt wie Bremen. Aikht so groß nnd nicht\nso sauber. Das Leben ist nicht so; viel Wein, wenig Bier, Kaffee in Gläsern,\nMilch kennen sie nicht. soeben hatte ich mich rasiert, auf einmal kommt ein\nBremer Iunge, ein Kamerad, rein nnd sagt, eben sind sämtliche Bremer Wagen\ndnrrhgefahrem Was ich laufen konntet Alles ließ ich liegen. Ann miißt Ihr\nTuch denken, Ihr seid am Doventor, da bin ich der Bagage nachgelaufen bis znin\n0stertor, auch so durch die Hanptstraßenz ich war so schlapp, ich konnte nicht\nmehr, da hatte ich die Spitze erreicht, am Hnlsberg da bin ich stehen geblieben.\nIch konnte nicht sprechen vor Aufregung. Ich knatkte so zusammen, als ich alle\ndie bekannten Wagen nnd Pferde sah. Anr was ich sehen wollte, war nicht dabei:\nHeini sein Wagen. Ich hatte die Wagen nie gesehen, aber ich bin\nam Schluß der ganzen Armee; setzt kommt die ganze Bagage. Diese\nganzen Wagen holen Munition ran, jeden Tag 50 km hin und 50 km\nzurärln Tag nnd Nacht. Haben schwere Tage. Die Berge! Aber\nHeini, mein Herz wollte brechen, weinen durfte ich nicht, als ich Deinen »Man«\nsah, geht ans der rechten Hand, links geht ein schwerer Fuchs, Belgier. Die\nBagage hielt an, ich habe ihn gestreichelh so mager wie er ist, ist er noch nie\ngewesen, soll aber gut fressen, sieht gut und munter ans. Denselben Gang hat\ner noth mit dem Schwanz und die Füße; ich denke gerade an die Anssahrt mit\nHindernisse im vorletzten Sommer nach Grambke Ach Heini, hättest Du die\nPferde gesehen, Herm. Schmidt seine Schimmel mußten es sein, Behnken ihre\nFuchse, Kenter sein Brauuer, Liissen sein Schimmel, Rosewski, Thlers, Hildebraud\nsein Brauuer, der immer so stolz ging, hnndemager, Meyer VII sein Skhläger mit\ndem kurzen Schweif. Die Leute sagten gleich, das ist ein Schläger, ich wußte sa\nBescheid. Köstermann seine Rotschimmel Ach Heini, ich kann sie nicht alle\nhinbriugen. Erzähle den Bekannten es mal. Dnrchschuittlich sehen die Pferde\ngut ans, im Berhältnis zu diesen Strapazen, denn die ·kommen nicht eine Aacht\nunter Dach; die bekommt Ihr alle wieder, wenn es gut geht. Aber wie\nlange wird es noch dauern, Weihnachten, Februar, März, vielleicht auf\nWiedersehent Ob Dein Wagen znsammengebroehen ist? oder er mag bei einer\nanderen Bagage sein. Denn bricht ein Wagen, mag das Anto noch so schön sein,\noder mag es ein andrer Wagen sein, so wird er in den Thausseegraben geworfen,\nda beibt er liegen. Auf dem anderen Hof wird sich ein neuer rnntergeholt, ohne\nzn fragen. Ich darf es Tuch nicht schreiben wie es ist. Hoffentlich kann ich es\nmiindlich erzählen. Aun frage doch mal Srhnakenbergs, ob der Fuchs mit ist.\nDem haben sie den Schwanz abgeschnitten, wenn er mit ist.\nAnn meine Lieben, es wird in diesen Tagen eine große Schlacht wieder\nsein, die Blut kostet. Wir waren erst vier Tage im Gefecht.\nAch, es war mir eine Freude, alle die bekannten Wagen nnd Pferde, das\nwerd-r ich nie vergessen. Hinter den Wagen sind banmdirke Bäume als Bremse,\nhinten quer mit Tauen nnd stricken. Heini, habe ich nicht gleich gesagt: znr\nMnnitiont nnd Reuter ging dagegen."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.10", "texte": "Sonett aus dem Aillgwald\nMax Mohr\nDieser langen Tage Sinn ist schwer.\nTief veranlcert im Getrieb der Menge,\nMitten in Gemeinschaft und Gedränge\nUnd in Schweif; ——— sind sie von grosser Währ?\nMein Gewehr ist allen Bollcs Gewehr,\nMein Gesang wie allen Bollcs Gesänge,\nUnd die Toten längs der Gräben, Gänge\nscheidet Knecht-s und Herrentum nicht mehr.\nIch sing nicht, das; alle Helden sind,\nDenn ich lcenne ihre Schritte gut.\nSeltsam gleich entsteigen sie dem Grab,\nUnd ihr Sinn bleibt ewig, wie der Wind,\nWie die Wolke, wie ihr armes Blut,\nDas nicht aufwärts strömt -——- nur ans und ab."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.11", "texte": "Zungdeutichland\nRudolf Leouhard\nWie könnten wir, Aufgefchreclctquns den Jmpreffionen derStrafze eutziehu, die\nwir wild durchliefen, um uns doch zu feftigen? Wenn an den Strafzenfeitem die\nfich im Abend baden, die langen Fahnen heruiederfchwankem riefig iiber uns zu\neinem nicht mehr fichtbaren Himmel aufgefleilte Falten dicken Enches, faft kleinern\ngeftemmt, da die Luft ruht!\nJm ftrahlenden Aiittag bot ein andres Bild die gewundene Strafze: da\nriickte, Reihe an Reihe, gegiirtet und unter Mützen, in langem Zuge ,,Jung-\ndeutfchland« ans, kleine: Einzelne, gefchloffseu die Strafze fiillend. Anders als die\nSoldaten gehn, die ruhig undfaft miirrifch find; heller, heftiger, bewegten\n,,Jungdentfchland« — was könnte kliugender heifien als mit diefem ver-\npflichteuden Namen, was mehr Hoffnung, Stolz, Eefafztheih Bereitfchaft verheifkenl\nVielleicht klänge »das junge Deutfchlaud« ichöner noch als das kindlich romanti-\nfierende Wort —- aber uärgeln wir nicht; da es das junge Deutfchsland ift.\nOder fein mag. Gesammelt, zum Zuge geordnet das ,,junge DeutfchlandN\nZwei Berheifznngen in einem ,,Jugend« und ,,Dentfchlaud«. Ju welche Ecken ifl\nnun das alte verfprengt, da entfchloffen das junge auftritt?\n0 wahrhaft grofze Zeit «— da die Jugend erftaud: da fie fich felbft gewann,\nihre Jugend, ihre Erziehung — Schande iiber das Alter! -— in eigne Hände nahm,\nda fie erkannte, dafz Erziehung Jugendwerk, Jugendtat, Jngeudpflicht ift, nur\nS el b ft erziehung bedeutend (wie nur Selbftbefreinng), und jede andre ——— hächflens\nnnd beftens Unterricht! Dem jungen Dentfchland gelang eine llberrafchuug fiir\nJahrhunderte: den höchft relativen und nur phyfifchen Begriff ,,Jugend« abfolnt —\nund zu seiner unentbehrlichen Tugend zu ftatniereu!\nBraucht Jhr denn Fahnen, Jhr Jiinglinge und Knaben: Euer Herz fchlägt\ndoch, hinter die helle Stirn! Behaltet die Trommeln zum Rufe Eurer Freiheit —-\naber verkauft Euch und die Freiheit ihnen nicht. Was braucht Jhr Waffen, da\nJhr leidenfchajtliche Hände habt! E ur e Reinheit ift aufzer Frage; belaftet Euch,\nverdrängt keine Antwort heifchende Rot —- und gelobt Euch dem Eeiftl\nAls wir an der Bordfchwelle ftanden und diefen Zug erwachfender Knaben —\nuns war, als wiichfeu fie unter unfern Blicken — durch diefe klare Straße\nvoriiberliefzem aufgeftreckt ging jeder und alle zufamtnengeorduetz die ,,Hoffnnng«\nmit Bewufjtfeiu iiberbietend:\nda fuhr es uns heifz ins Herz: wenn d i efe hinter uns ftäuden, diefes junge\nVeutfchlandl Wenn ans oft mifzbrauchter Phrafe wieder ein jiingftes Deutfchlaud\nerftiindel Wir wollten unter Euch ftiirzen, wie Jhr da gingt; nicht als Fiihrer\nvor Euch —- eine begeifterte Phalanotz aus der empor wir fiir Euch, zu Euch\nfängen! Die Arme verkettet, die Hände um Eure Rucken, Eure Hiifteu geworfen,\neinzige grofze Bliite eines Bolks, voranfliirmeud —-\nWir lächelten nicht. Wirträumtem die Bataillone des Eeiftes marfchieren\nin bören."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.12", "texte": "»Das Ziel. Anfrnfe zu tätigen: Geist. Her-·\nausgegeben von Dr. Knsrt Sitten« CBeiXrZge\nvon H. Mann, Kett, Brod, Wedel, Rnbiner\nn. a.) Georg Müller, München wie. -—-—- Hier\nif! die in Nr. 8 verjprochene ,,Antworl«.\nI.\nIm Krieg wird alles organisiert; das Gigenwilligstez sogar der Geist. Das\nschwere Amt übernimmt Knrt Gitter. Sein Aufruf sammelt eine Anzahl geistig\njunger, Willenserfüllteu Sie geben (für die kommende Zeit) ihre Parole. Ieder\nsagt oder singt die seine aus Herzeusgrund, mit voller Stimme. Das gibt ein\nstreit- nnd bestreit-bar-es, nicht allemal harmonischs Konzert. Und erst allmählich\nhört man ans den vielen die führende Melodie heraus. Die Melodie, die das\nBuch wichtig macht, die neue, die singbare, »den Schlag-er. Sie hat zwei Texte:\nErstens: Schtusz mit der bisherigen fürnehmen Will-ensabstiueuz. Hiuein ins tätige\nDasein! Arbeiten! Nicht Beten! Bessern! Nicht Zugucken! Wer soll bessern?\nDie Besseren. Wer sind die Besseren? Die ,,Geistigen«.\nBis hierher waren Text nnd Melodie auch Plato halbwegs schon bekannt.\nNun lcommt der neue Teil des Textes:\nNicht blos; arbeiten. Gemeinsa m arbeiten! Schluß mit der verlogenen\nWeisheit: ,,Der Starlce ist am müchtigsten allein«. Im Gegenteil: ,,Der Starlce\nist am unsrhädlichsteu alleintc Müchtig ist nur die Masse. Und der, der sie führt!\nWer soll sie führen? Der Geist, der Geist! Masse an sich ist siunlos. Ihr\neinen Sinn geben, sie beseelen, sie dnrchtrüulcem sie beleben, sie führen — dazu ruft\ndas Buch den Geist und alle, die ihn haben, ans.\nDie elclatauteste Sinulosiglceih dieser Krieg, war nötig, um das Grauenhafte\neiner sinnlosen Welt aufreizend deutlich zu zeigen. Ihr, der von Gott verlasseuen,\neinen Sinn zu geben, das ist Sache des Geistes. Nur er sieht ein Ziel, nur er\nweiss den Weg, nur er darf und soll die Masse führen. Warhgestoszem wach-\ngetreten (eudlich!) rüstet er sich zum Ausbruch.\nII.\nDie »Eeijtigen« sollen siihrer fein. Sehr hinreiszend werden jie von Hiller ge-\nichilderü vie Willensvolleiy Hingerijjenen, Hingegebenettz die fiir die anderen\nleiden nnd die lhimmliicheh Verantwortung iiihlen nnd tragen. Eine heilige\nSchar, eine Kirche des Geistes. Das; in ihr keine völlige Einigkeit der Gedanken\nherricht lvielmehr ein ziemlikhes stimntengewiry ikt gsar kein Unglück.\nunbedingt nötig lnnd gefordert) ist nur: Einigkeit im Handeln."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.13", "texte": "Dazu hilft? zweierlei.\nErstens: Strenge gegen sich selbst. Selbstverlengnnng, die der »Schönheit«-\nentsagt, Saiten zum schweigen bringt, Bilder zerstört, einseitig wird.- Dem\nZiel zuliebe. Das wird mit Klarheit gefordert nnd ist ——— das leichten. Das\nzweite (fchwerere) wird mir nicht klar genug verlangt. Gs ist das Gegengewicht:\nGeduld mit den anderen! Die Kameraden verstehen und lieben! Zntranen zu\nden Gefährten ohne immer nach dem Pasz zu fragen! Das (regiftrierbare) Ideal\nerfiillt sa doch niemand.\nUnd das ist gar kein Uugliiclg solange die Geduld der anderen hilft\nnnd heilt. Die Ungeduld der unbedingten Forderung aber (Zdealsucherei) macht\nnur zum Ketzerrichten\nAlso Lauheit? Damit die Karte wieder im alten Dreck der Kompromisse\nstecken bleibt?\nRein! Keine Kompromisse, keine Lauheit! Warh nnd streng gegen das\nZiel, die Sache, die Verhältnisse nnd gegen sich selber! Den anderen gegenüber:\nVertrauen, Glauben.\nGlauben an die Menschen nnd Glauben an den Geist, der awrh im Geistigsten\nnicht rein erscheint und noch im dreckigsten Dunkel (wenu er nur da ist) wirksam\nnnd lebendig ist. Anr schwächlicher Unglaube glaubt dem nicht. Das ist der\nUnglaube, die Gottlosigkeit, der alle laber alle!) Kirchen erlegen sind. Sie wurden\ndogmen-gläubig, weil sie geistesmnglänbig waren. Zu dieser Gefahr der Gott-\nlosigkeit kommt die Srhwestergefahn der Pietismns, der Glaube tvielmehr Un-\nglanbe): dasz alle Welt im Argen liegt. Das fiihrt zum demätigssselbstgerechten\nKonventiklertnnn Und etwas konventikelt es schon in diesem (sonst so frommen)\nBuche. Scheu vor dem Untergehen im Zabrikgsetriebe des heutigen Staates, Scheu\nvor dem Alltag, Scheu vorm Dreck. Das ist Kouventiklertnm Sezession der\nUniversität, freie Schnlgemeindtz Partei des Geistes —- das ist alles gut (-gemeint)\n(vielleicht auch nötig) entbindet aber keineswegs vom Untertanrhen im\nBestehenden. Man kann nicht Sauerteig spielen, wenn man sich nicht in den Teig\nverkneten lassen will. »Sieh fiir zu gut« nnd »sich fiir besser als die anderen\nhalten«, das sind zwei schlimme Gefahren fiir die Ritter vom Geist. Kommt (als dritte\nZrurht des Unglaubeus) Zanatismus hinzu, so haben wir die ,,fichtbare Kirche«\nunzweifelhaft dokumeutiert\nKonventiklertnm und Ketzerrichterei sind nämlich nicht (vermeidbare) Folgen,\nsondern (nnvermeidbare) Zeichen jeder Kirche. Folgen des Unglaubeus wie die\nKirchen selbst. Denn: Nicht der Ungtanbe ist eine (vielleicht vermeidbare) Zolge\nder Kirchen; sondern die Kirchen sind die Folgen, die Kirchen\nsind die Sichtbarwerdung des Unglaubeus. Giue Kirche des"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.14", "texte": "Geistes also widerspricht sich selbst. Sie wird daher entweder nicht sein oder sie wird\netwas anderes sein: eine Unsichtbare Gemeinde der Heiligen.\nAuch eine solche kann sich organisieren. Und muss es. Denn ohne Organ\nist keine Wirksamkeit möglich. Aber ihre Organe werden nicht die bestellten\nPastöre der sichtbaren Kirche sein. Sie wird viele Gemeinden und viele Gemeinde-\nmitglieder zählen. Aber sie wird sie eben nie zählen. Sie wird gröszer sein als\ndie Gesamtheit ihrer Organisationen und unabhängig von der Menge ihrer Glieder.\nWie ein Pitzlager unter der Erde: unsichtbar, unzerstörbar, fruchtbar und wirksam.\nMit dem Boden verwachsen, nicht von ihm zu trennen, nicht abzusondern, nicht klar zu\nbestimmen und nicht zu begrenzen. Richt festzulegen nach Programmem Bezirken,\nGegenden, Personen. Ihr ist kein Werkzeug zu gemein nnd keins zu edel. Zum\nGe-- und Verbrauch ist ihr nichts zu schade. Richt einmal eine ,,Partei\ndes Geistes«. «\nIII.\n,,Swer da; leben fragete tujent jar: war umbe lebejtu? jolt ez anlwnrlen,\ne; jpraeche nicht anders wann: ich lebe darumbe da; ich lebe. Da; iji\ndavon, wan leben lebet nz jinen eigenen grnnde nnde quillet uzer iinem\neigen: darumbe lebet ez ane warumbe in dem daz ez jich ielber lebet. swer\nnu junges» Lnen warhaften menjchen, der da wiirlcet uzer iinem eigenen\ngrnnde: warumbe wiirlcejt du diiniu merk? jolt er recht antwiirten, er\njpraeche niht anders dan: ich wiirlce darumbe daz ich wiirlce.«\nEs werden viele Ziele in diesem Buche gesetzt, nähere und fernere.\nZiele fiir die Politik, fiir die Erziehung, fiirs Recht, fiir die Ehe. Einzel-s und\nGesamtziele. Die grosze allgemeine Zielietznng gibt Hiller zum Schluß. Uber die\npraktisch erreirhbarem zunächst einmal anzuftsrebendem hinaus, das ferne, fiir uns\nnicht zu erreichende, aber unverriiclcte Ziel: das ,,Paradies auf Grden«. Das\nParadies, in dem ein jeder frei im Genus; der eiugeborenen Lieblichkeit feinselber\nund der andern froh wird, wo Staat, Gesetz und alle-r Zwang als iiberfliifsig\ngewordene Hilfslconstrnlctionen wegfallen, wo auch der Geist iiberfliisjig ist, ,,wenn\nGeist den Inbegriff aller Bemühungen um Besserung des Loses der Menschheit\nbedeutet« Bzas ist dazu zu sagen? Zunächst, dafz mir trotz allen Bemühungen ein\nParadies auf Grden fchemeuhaft und unvorstellbar bleibt. Ginsach deshalb, weil\nmir, dem llbergangsmenschem ein Zustand der Bollendnng (gleichgiiltig, ob’s\nruhende oder bewegte Bollendnng ist) unerreichbar ist, auch in Gedanken.\nMeine Phantasie lcanu mir eine Reihe wiinsrhenswerter Zustände nennen und\nzeigen, aber die Bollendung alles Wiinschenswerten bleibt eine unvollziehbare"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.15", "texte": "Greuzvorftellung Sie mir gleichniisweife und teilweife auszubauen, bleibt ein\nSpiel. Darüber hinaus? Ja, ift dariiber hinaus etwas nötig? Hiller\nfetzt an den Anfang feiner Zielphautafie einen Begriff: es foll allen erlaubt fein,\nnichts als vital zu fein. Da haben wir’s: ,,Lebeu«. Und was brauchen wir mehr?\nWir wiffeu nicht, was Leben einftens fein wird, wenn andre, beffere und gläclcs\nlichere Aienfchen leben. Aber wir wiffen, was es heute ift nnd kennen feine\nHemmungem Beicht es nicht hin, wenn wir den Strom unf’res Lebens gegen\ndiefe Schranken werfen, bis fie zerbrechen? Den Weg ins Aieer wird er fchou\njelber finden.\nAber das ift ja wieder nichts als der jämmerlichfte Riickfall in das alte\nGehenlaffen und in die alte Selbftvereiuzelungl Wenn jeder nur gegen augen-\nblickliche Lebeushemmungen kämpft und feiner (gehemmten) Aatusr darin folgt?\nDas wird kein Zortfchritt und keine Gemeinsamkeit und alles zerfällt aufs neue\nin feine Atome.\nIch glaube: nicht. Woran krankten wir und kranken noch? Daran, dafz jeder\nnur feine eignen Hemmungem nur feine eignen Schmerzen fiihlte und zufrieden war,\nwenn er fich eine Infel fchuf, auf der er uubeläftigt haufte. Der Krieg beweift, dafz\nEinzelfreiheit und Sinzelgläclc immer bedroht, alfo erfchwindelt find. Dafz keiner\nfich, auch wenn er will, abfondern k a n u. Diefe Weisheit diirfen wir nie vergeffeu.\nHeruuterwiirgen miiffen wir fie, bitter hineinfreffen, damit keiner mehr, auch wenn\ner könnte, fich abfondern will. Damit keiner mehr imftande ift, frei zu atmen,\nfolange er von folchen weiss, die erfticlceu, während er atmet. Berjehmt fei die\nSaleerenweisheit Hoffmannsthals von denen, die drunten an den Rudern leben\nund niemals Sternenländer fehn, während, nein: damit, damit andere genießen.\nDann brauchen wir keine Paradiesprogramme Dann haben wir ja foviel Licht,\ndann haben wir foviel Ziel und Hoffnung, wie uns zum Wandern nötig ift. Dann wird\ndas ,,furchtbare Leiden am Leben« fo fteigen, dafz kein Aarkotikon mehr hilft.\nDann wird aus ihm nicht nur die Luft, aus ihm die Kraft zum Kämpfen kommen.\nWir find eine Schar, die ein Land erobern foll. Uufer Ziel ift nicht ein\nPunkt in der Ferne, fondern der ganze weite Horizont. Darum kann der Weg\nnicht auf der Chauffee und nicht in gefchloffener Kolouue gehen. Wir miiffen aus-«—-\nfchwärmen nach allen Seiten. Und jeder Weg ift uns der rechte, der den richtigen\nAusgangspunkt hat: Zutraueu und Liebe zu allem (wirkend) Lebendigen.\nSo wichtig wie das Ziel ift diefer Anfang. Wichtiger als das (genaue)\nZiel, der Wnnfkh, der Wille, die Brnnft zu marfclzierem Wichtiger als der Sein,\ndie Liebe. Beides lebt in diefem Buche. Das nur den einen Fehler hat: ein\nBuch zu fein. Aber ein Buch, das jeder lefen muß, der gegen Ekel, Elend, Unrecht,\nder gegen —— Geftern und für Morgen ist.\n\nFriedrich Mark"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.17", "texte": "Glossen und Kritiken\n\nDer eingebildete Kranke in\nden Kammersvielew Durch\ndiesen Abend wird die (lcünstlerische)\nMinderwertiglceit Reinhardts endgül-\ntig dolcntnentieri. Es handelt sich nicht\nmehr um Zehler im Betrieb, im Ge-\nschmack, in der Absicht, nicht um Un-\nzulänglichkeit oder Verranntheit (die\nzu bessern würen); die Minderwertiglceit\nliegt tiefer, liegt im Wesen dieses\nMannes. Hier ist nichts mehr zu\nbessern, nichts zu erwarten, nichts zu\nerhoffen. (Svlange nicht ein Zufall\nhilft). Reinhardt tut nicht das 3alskhe,\nsondern das Rikhtige (wenn er es tut)\nans Ansehen. Das ist die Erkennt-\nnis eines solchen Abends.\nAnr ein völlig falsch eingestellten ein\nseelisch und geistig verrenlcter Mensch,\nwas sage ich: Mensch? Eheaterdi-\nrelctvr lcann ans dieser menschlichsten\naller Komödiem vor deren Einfalt nnd\nEinfachheit man am liebsten in die\nKnie siinlse (aber: ,,Können vor\nSachen« sagten wir früher) —- lcann\nans diesem Wunder von Einfachheit\ndas leb- nnd lcraftlose Prnulc- nnd\nSchaustück machen, das Reinhardt\nBerlinern als Molidre versetzt.\nMan lcann Molidre (nnd dies Stück)\nals eine französiskhe Angelegenheit\nnehmen nnd französisch spielen, das\nheißt: in dem langweilig-charmanten\nStil, den die Tradition der Eomödie\nvorschreibt. Man lcann auch den\nFranzosen nnd seine sgroßes Zeit ver-\ngessen nnd den Menschen Molidre vor\nallem betonen. Und da alles Mensch-\nliche doch tiefer geht als alles stan-\nzüsische, da Ewiges größer ist als die\ngrüßte Zeit, — so würde solch eine\nAusführung lund wenn sie noch so nn-\nsranzüsisrh wäre) vielleicht sogar die\nbeste Ausführung sein.\nReinhardt gibt keine französische Anf-\nfiihrung. Roch viel weniger eine\nmenschliche. Er gibt ein schau-·- Und\nRinsenmsstäclg eine historische Kuri-\nosität, eine ,,literarische KostbctrkeitC\nRiit verlogener Ehrfurcht unter einen\nGlaskasten von Langerweile gesetzt.\nDabei ist nichts so wenig kostbar, so\nnnliterarisch und unoerstanbt, so wenig\nehrfnrchtgebietend wie diese Komödie\neines —- charmauten Genies. Geht man\nmit Respekt, Wohlwollen, Ehrfurcht\noder sonst einem nnnaiven Gedanken\nan dies Strick, so kann nichts Gutes\ndaraus werden. spielt aber ein Trottel\nganz dnmmdreist, so gut und komisch,\nwie er kann, dies Stiick nnd seine Rolle\ndarin, letwa wie ,,Eiinnes im Zaum«\noder so), so muss, wenn der schan-\nspieler nicht ganz mittelmiiskig ist\nlschlecht darf er lieber sein als mittel-\ntnäszigx das Resultat ganz himmlisch\nsein. Komik, Frechheit, Angst i nnd\nEinfalt vom ,,Tiinnes im Zaum« s—-\ndas ist genug. siir den ,,Ewigkeits-\nZug« sorgt Rloliszre schon. lllud ans\ndem tollsten Ulk wiirde ein Gransen\nwehen, wie aus Danmiers spieskesp\nBildern)\nReinhardt aber denkt: »Von wegen\nPossel Meisterwerk der Weltlitercw\nMel« Er weiss, was er Rioliikre\nschuldig ist. Rioliizre und dem künst-\nlerischeu Rivean seiner Bühnen. —\nHalb hob er ihn, halb sank er hin. —\nDie menschliche, die llrssWeltzisPosse\nwird kiinstlerisch znrekhtgemachh fein\nmit ei, alles ,,echt im Stil der 3eit«,\nund da sie so gar nicht fiirnehm nnd\nalt ist, wird sie kiinstlich verblaszt nnd\nverstanbt, bis sie so fnrbss nnd leblos\nist, das; sie den stilvollen Rahmen des\nmahagonigetiifelten Eheaterchens nicht\nmehr sprengt. ,,Zn einem Kabinett-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191608-01.1.18", "texte": "stiick abgestimtnt« heiszt der sachanss\ndrnrk. ,,Singeebnet« wäre besser.\nDen Rest besorgt Herr Stern. Dieses\nUngliikk kann nicht einmal den ,,Stil\nder Zeit«. Miener-Merkstätten-Deko-\nration, weiter langt es nicht bei ihm.\nIch habe ja nichts gegen Generationen.\nAber um so mehr gegen Mienen—-\nMerkstättem Airhts ist verlogener,\nunmenschlirher nnd unlebendiger, nichts\ntoter nnd erkiinslelter als dies unselige,\nhochmiitige ,,Kunstgewerbe«, diese\nSucht besser, vornehmer, ,,slilvoller«\nzn wohnen und zu scheinen als man\nist tnnd iskt). ddestes Kunstgewerbe,\nlangslieligster Stil, das ist das Zei-\nchen dieses Abends. Man sehnt sich\nschlieszlich grenzenlos nach den einfachen\nbunten Lappen und Brettern eines\nkleinsten Vereins- nnd Provinzthos\naters. Dahin gehört Molidrel Unter\nMenschen! Aicht unter Snobs und\nTheaterdirektorem die gebildeter sind\nals ihre Dichter und von Molidre\nglauben, das; er tot ist, weil es so in!\nLexikon steht. «\nUnd es hätte so schön sein können!\nZiir die Sinnes-Art, die ehrfurchts-\nlos-komische, wäre Pallenberg ja wie\ngeschaffen. Hätte er nur frech und\nfroh eine seiner lauten tollen Ope-\nrettensignren gemimtl Reinhardt\naber setzt ihm einen Dämpfer\nauf: ,,Pschtschtschtl Meisterwerk der\nWeltliteraturl« Und der arme Pullen-«—-\nberg wagt vor lauter Angst nnd Ehr-\nfurcht kaum den Mund noch aufzu-\nmachen, redet vielmehr in einer\nschönen Übersetzung daher, so gebildet\nwie nnr möglich (blos’z den geheiligten\nText nicht ändernl). Anstatt zu\nguatschem was ihm grad ins Maul und\nin die Situation hineinpaskt Hier war\nendlich eine Gelegenheit sich gehen zu\nlassen. Er aber hat Angst, dass es\nihm passiert, »und« lsneist sich angstvoll\nalles zu.\nAber all das ist nicht seine, alles das\nist Reinhardts schuld. Er vermiest,\nverlcunstgewerbelt nicht blos; tote und\nheitere Dichter, auch» die leben-\ndigen guten Schanspieley die in seine\nHände fallen. Ein Dutzend Biihnen\nnnd einige Zirtcusse hat er auf sein\nRivean nivelliert, Generationen mit\nKnnstgewerbe durchsencht, ganze Ge-\nmeinden unbrauchbar siirs Leben (und\nschädlich) gemacht. soll er nun unge-\nstraft auch noch die paar iibrig geblie-\nbenen Schauspieter verlcitschen dürfen?\n(Sogar Wegeners iiberlegeue Intelli-\ngenz hat Mühe, sich zu behaupten)\nSchon sind die harmlosesten 0peretten-\nKomiker, die letzten fröhlichen Eigen-\ntrilcs von seinem lcunstgewerblich ver-\nschnörlcelten Atem bedroht. In wel-\nchem Theater, Zirlcus nnd Varietå\nwird man am Ende sicher sein vor\nseinem Mahagonigetiifeh vor seinen\nechten Kostiimen und unekhten Men-\nschen, vor seinem ganzen elcelhaften\nKnnst-Pharisiiertnm?\nSolange Kesrr ihn tcritisierte, solange\nhatte er noch eine gewisse Bedeutung.\nEr, der Ring-Künstler, stand dem\nKünstler Cwelch eineml) unfreiwillig»-\nweise Modell. Seit aber Kerr iiber\nihn schweigt, haben seine Biihnen ihre\nletzte Berechtigung verloren. Nichts\ndiimpft mehr den Schaden, den er an-\nrichtet.\nKann man ihm nicht den Laden\nschliessen? Als guter Kauf- und Re-\nlclamemann (anf diesem Gebiet und\nnur auf diesem liegen seine Erfolge\nnnd seine Leistungen) wird er das Eeld\n(das ich ihm giinne) ja mit Enmmi\nso gut wie mit Kunst verdienen.\n\nH. Siemsen\n\nHerausgeber: Otto Haus-Dem, z. Z. im Felde\nVerantwortlikher Skhriftleiten Hans Siemlety Lichterfelde, Sternjtrafze 25\n»» siir unverlangte Cinlendungen keine Gewähr\nIn Olterreikh fiir die Redalction verantwortlich Hugo Heller, Wien, l, Bauernmarlct Z\nDruck? von H. S. Hermann in Berlin"}]}