{"numero_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_sha256": "2f9ceab9b2720643bc19519eb42ee2c3fdc156aae3003a4d85c9ae91cecc22c5", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1916/09_01/bmtnabb_1916-09_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1916/09_01/bmtnabb_1916-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-09_01#c002", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.2.2", "titre_corps": "Inhatt:", "titre_sommaire": "Inhatt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.2", "debut_caractere": 24, "fin_caractere_exclue": 382, "texte": "Inhatt:\nAlfred Wolf-zulieb! X Kämpfer Kiiuliler\nWalker Baugerket X Origiualssteindruclc\nZtm Seide! X Der einfältige Reiche\nRenå Schikkece XZiircher Tagebuch\nHeury Rveijjingh X Originalssieindrnctc\nKICBUUD X Alkide bit! ich . . .\nCI Z. savary - sznovedicd xt Xokigiuaksieiudcukis\nGlojjen und Kritilcem\nEinzelhefk Mk. 1.———— Bietkeljährlikh (6 Hefke) Mk. 6.-——"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-09_01#c003", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "179", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.2.3", "titre_corps": "Kämpfer Künstler", "titre_sommaire": "Kämpfer Künstler", "signature_source": "Alfred Wolfenftein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2195, "texte": "Kämpfer Künstler\n\n1\nEin Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts zieht sich vom Leben zurück, aus das\nSchreiben in der Einsamkeit. Un homme qui s’est instjtuö aktistcz Ikn plus\nle clroit cle vivko oomme les naives. So fpricht dieser grosse Künstler der\nMitte, ein Unsichtbarer, der, wie ein Monarch, sich selbst nie heransstellen will; ein\nzwilchen den Polen Gkstatisch und Kämpferisch Ging-eschlosseuer, der hinter seinem\nWerke wie Gott hinter der Welt verschwinden möchte.\nAber kein ärmlicher Asketz seine Einsamkeit bringt eine Quelle hervor, die\nans der Einsamkeit wegströmt Wenn er auch niemanden mehr umarmt, seine\nLiebe stirbt doch nicht ab. Denn die Bücher, die er schreibt, werden ietzt seine\nGlieder, mit denen er sich in die Welt hinanssühlt. Gr geht nicht in selbstgeuiigender\nBerzücktheit des Dichtertums auf, sondern er veröffentlicht seine Dichtung.\nZur Wüste dagegen scheint sich ein anderer zu bekennen, von dem die Bio-\ngraphie sagt, er pflegte seine Romane vollständig im Kopf zu entwerfen und hier«-\ndurch schon ganz befriedigt zu sein . .; unsr unter wütenden Tränen lässt er sich\nvom Verleger zwingen, sein Werk auch niederznschreibem\nDieser Kalte ist zu verdammen, gleich einer Maria, wenn sie Gott nur\ngenieszen nnd nicht auch Christus der Welt bringen wollte. Denn was ist der\nDrang, der nicht anch Sturm hat? sicherlich keine Kunst. Gerade die\n,,8nnerlichen« nnd die nur Kiinstlerischen sind am wenigsten Künstler. Mögen sie\ndie tiefste Vision haben: nur das anssprechbare Grlebnis ist Kunst. Und zum\nGrlebnis wird dem Künstler nur eine solche Bision, deren Verkündigung ersüllbar\nist, — ja deren Mitteilen ihm ebenso wichtig ist wie ihr Grlebem In seinem\nDrang musz der Sturm von Ursprung an schon enthalten sein nnd in seiner Fähigkeit,\nzu dichten, schon die Fähigkeit der Anderen, ihn zu vernehmen. siir ihn bedeutet\nes k e in e n Z u f a l l , dass er nicht alleiu auf der Welt ist; für ihn ist die Wirkung\nans die Anderen zwar niemals der Zweck, —- aber eine geheimnisvolle U rsa ch e\nseiner Kunst. Gingegeben von Gott, umgeben von anderen Menschen, so wird\nseine Arbeit möglich, wie ein Zlusz weder Quell noch Meer entbehren kann.\nDichten ist seine Art, zu lieben."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2470, "texte": "Und ein snnlce (mag er auch scheinbar vom Himmel stammen), dessen segnet\nnichts von der Bewohntheih von der Wästenlosiglceit der Erde weiß, ist so wenig\nKunst, wie die einsame, nur von Gegenständen erweckte Onanie Liebe ist. Zu\ndenken, es gäbe lceine Kunst, wenn es nur einen einzigen Menschen auf der Welt\ngäbe, —- ist nur deshalb falsch, weil Alleiusein nndenlcbar ist; Menskhenlosiglceit\nexistiert so wenig wie Gottlosiglceit\nDie Kunst eines Menschen ist um so wahrer sie, je drängender er von\nseiner einsamen mgstischen Krast —- nnd je stiirtuiskher er dennoch zugleich von\nnnsterblikh sterblikher Gemeinschastlichlceit umschlungen oder zwischen beiden zer-\nrissen wird.\n2\nJeder kann Gedichte machen: ein Dichter sein aber bedeutet, selbst an die\nStelle eines Gedichtes treten können. Manchen aus unserer Zeit, oder ans der\nBorzeit gegenwärtiger Melzelei, hat es nicht genügt, zu schreiben tgeschrieben zu\nhaben). Sondern sie vergsaszen, was ihr Gedicht sagte, sie behielten nur noch,\nd a s; sie es gemacht hatten, nnd traten selbst an seiner statt hinaus. Sie wollten\ndiejenigen, die es giedichtet hatten, sein , — und dies ausdrücken.\nSo bauten sie vor den Gesichtern im Saale, vor den Menschen, die Freunde\nwerden konnten, noch einmal den eingeschmolzenen Bers mit alleu verkörpernden\nMitteln des Geistes wieder auf. Stimme, Hand, Blick, Herz lösten sich in die\nForm des Gedichtes auf, das aus dem Universum der Gestalt hervorstrahlte\nAlle farblosen Buchstaben der Welt kriimmten sich wie Kriippel nnter der Musik\ndessen, der sein Dasein den Gedichten und sich mit ihnen seinen Freunden hiugab.\nAls Gespenster freilich standen auf solcher Tsribiine alle diejenigen, deren\nTechnik in den Biichern glänzt; die heute so zahlreichen, die, von allen Kanölen\ngespeist, mehr können als sie sind. Gerade diese behaupten zwar, die\nKunst besonders heilig zu halten, indem sie den Stoff mit enormer Gewaudtheit\nzu einer, wie sie meinen, kunstvollsten sorm aussaugen (wenu der Pokal leer sei,\nklinge er um so voller). Und sie wiirden den Gedanken verabscheuen, das? der\nMensch auch mit alleu Mitteln seiner körperlichen Gegenwart, mit dem Ausdruck\nseiner Gestalt, mit seiner Liebe, mit seinem hervorblitzenden Gewissen beim letzten\nlebeudigsteu Aufbau einer Dichtung mitwirken könnte. Doch in den Geist ihrer\nBiegungen, zu denen all dies Menschliche nach angeblichen Gesetzen umgebogen\nwerden miisse, pflegen gerade sie viel Zremdes oder singiertes mitverschwinden\nzn lassen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2375, "texte": "Wer aber ielbkt als iein Gedicht auftritt, hat nnr jich darzubringen. Er\nlcann lich weder mit der snrbe anderer Aienichen oder Ainien anfichnrinlcen noch\nlich in Seit! nnd Körper zerteilew Er lcnnn lich nicht pour Pakt vergeiitigeth\nsondern greift mit der Ganzheit feiner Knnjtgeitalt in die Ganzheit der Menschen.\nAlles, was er noch anderes als Zorm iit, wird der blos; gelconnten Dichtung\nfehlen, nnd der nnr gedrnclcten ähnlich wie den Roten ein Orchester. -\n3\nRur das Papier mit Werke« beschatten, wie der Egpns jenes Schrift-\nstellers ans dem vorigen Jahrhundert, oder wie jener andere nicht einmal Buch-\nstaben ans Licht bringe« wollen: das würde unsere «ach Ekstasen hungernde Welt\nin völlige Armut stürzen. Auf den religiösen Ekstatiker kann sie nicht rechnen, seine\nBiston ist für keinen andere« als ihn selbst bestimmt; sie ist das Unsagbare, die Ein-\nheit mit Gott.\nDer Dichter dagegen breitet sich in die Einheit mit Alenscheu aus. Das\nbewußtlose Schweigen des Heiligen — und seine Sukousequeuz, dies Schweigen\ndoch zu brechen und seine Visionen mitzuteilen, wie ins Blaue hinein, — beides\nsteht dem Dichter fern. Er stammelt nicht wie jener, der in beziehungsloser\nSteilheit uur Gott denkt und vollkommen wäre, wenn er nichts, nicht einmal die\nSprache, außer sich und Gott empfände. Sondern seine Vollkommenheit ist die\nÄußerung» die möglichst ganze.\nEr will wirke«, — nicht auf den Glauben der anderen (der nie zu verändern\nist); aber er will bewirken, daß jeder glaubt.\nAus seiner Kunst soll eine Atmosphäre hervorschreiteu» in der nichts\nUuerregtes, Ungöttliches mehr vorkommen kann. Sie drängt gegen die chaos-alte\nAtmosphäre an, in der die Mitmenschen noch als gedankenlose Eiere liegen; oder zu\nSchollen ans Geld gefrieren; oder als stumpfe Soldaten einander zerschmettern. Su\nihr, bis ins letzte durchsichtig, beginnt das Zeitalter der Entdeckungen aller Sterne.\nDie Schüsse, die alles beim alten lassen, sollen übertönende Stimmen\nzu hören bekommen. Die Waffen, die alles beim alten lasten, sollen, wie von\neinem gewaltigen Magneten, von der Gestalt des ganz sichtbaren Künstlers augezogen\nund den chaotischen Händen entrissen werden. Das Hellste und Friedlichste muß\nsich als das Kämpferische, das es ist, beweisen: die Liebe des Weibes, die\nFreundschaft des Mannes und. die beides und alles in sich vereint, die Kraft\ndes Künstlers.\n\nAlfred Wolfenftein"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-09_01#c005", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "181", "page_fin": "181", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.2.5", "titre_corps": "Der einfältige Reiche.", "titre_sommaire": "Der einfältige Reiche.", "signature_source": "öna Seidel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 786, "texte": "Der einfältige Reiche.\nöna Seidel\nNichts gehört mir, weil ich alles habe,\nGold und Früchte, Weihrauch und Gelaug.\nNehmt von mir, es heilke euch nicht Gabe!\nNichts gehört mir, weil ich alles habe,\nschwer von Erde ilt mein Gang.\nAch, die heilig ernlten Dromedare\nschreiten durch die gliihe Wiilte hin,\nschier erdriiclct von bunter Wunderware, —-\nAch, die heilig lanlten Dromedare\nWillen gut, wie ich beladen bin!\nNur ein lcarger Schatten unter Palmen,\nNur ein gottesleelger, reiner Quell,\nZeuerchen aus sNiilt mit herbem Qualmen,\nEine Handvoll Datteln von den Palmen,\nHohe Nacht von lciihlen Sternen ltill . . .\nJa, die ltillgeängten Dromedare\nWillen, wie man beller froh lein kann,\nDas; man ohne Goldlalt lieblich fahre,\nAch, es lehen meine Dromedare\nNiich vertraut wie liebe Briider an!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-09_01#c006", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "185", "image_debut": 8, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.2.6", "titre_corps": "Zärcher Tagebuch", "titre_sommaire": "Zärcher Tagebuch", "signature_source": "René Schickele", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2664, "texte": "Zärcher Tagebuch\n\nMinderheiten\nWohl haben die Völker und Jndividuen setzt vollauf mit der Gegenwart\nzu tun. Aur das; es, recht betrachtet, keine Gegenwart gibt. Jeder Handelnde\nbereitet Zukunft, jeder Auhende hält firh bei feiner Vergangenheit auf. selbst\ndie Paufen zwifrhen Vergangenheit nnd Zukunft find Krisen, die iiber das Röck-\nwärts oder das Vorwärts entscheiden, gemifrht ans Vergangenheit nnd Zukunft,\ndie einander bekämpfen. Es liegt nahe, daß heute die ,,politifchen Srzieher« der\nVölker, die diefe Eigenschaft der freiwilligen oder unfreiwilligen Unterwerfung\nunter die Makhthaber verdanken, mit Vorliebe iiber Minderheiteu spotten —\ndenen fie zuweilen, in ihrem Jnnerften selbst angehören. Jedoch die Minderheit\nvon heute kann morgen zur Mehrheit werden.\nDie Widerstände, die fich in den verfrhiedenen Ländern den Minderheiten\nentgegeuslellem entsprechen auf das genauefte dem freien Spiel der Kräfte in den\npolitischen Ländern. Jn demokratifrh regierten Ländern haben Minderheiten\neine gewaltige Bedeutung. Je absoluter ein Land regiert wird, defto wirkungs-\nlofer bleiben Handlungen von Minderheitem es sei denn, die Minderheit ftiilze\ndie Macht —- gegen einzelne, wobei sie, die zur Macht, das heißt, zur Mehrheit\nftrebt, sowohl aus der Tatfakhe ihrer Minderheit, wie aus dem Machtprinzip\nden doppelten Autzen zieht. Man nennt eine solche politische Gruppierung\n,,8ronde«. Und ich werde zu jeder Minderheit mehr «Vertrauen haben, als zu\neiner Mehrheit, die es nicht verfteht, ihrem politischen Hanptapparat den Dynamo\neiner motorifkh diefe ihre Minderheit antreibenden und ihre Gegenwartspolitik\niibertreibenden Energie anzufchlieszem Alle grossen politischen Parteien besitzen\nihre zentrifngalen Kräfte.\nJeder, der nicht ,,mitmacht«, aber zum äufierften entfchlosfen ist, um die\nMöglichkeit zu schaffen, ,,mitzumacheu«, ftellt eine politisch gewichtige Minderheit\ndar. Da aber die politische Mafchiue —- irh kann es nicht oft genug wiederholen —\nein an Umfang und Kompliziertheit gewaltiger Apparat ist, der sich nicht von\nheut auf morgen aufbauen läfzt fDas Fiasko der Aooseveltschen Sezeffion in\nAmerika!), so miiffen fikh die Minderheitem um wirkfam zu werden, organisieren.\nJeder, der fikh politisch betätigt hat, weiss, was von den Jdealeu feiner Partei\nbis zu den ersten praktischen Verfukhen, fie zu verwirklichen, auf dem Weg liegen\nbleibt. Die Parteigänger des Herrn von Hegdebrandt und die Gläubigen des\nechten und des vorgestellten Marx enden auf ihren Wahlgängen beim Vauern oder\nbeim Arbeiter, im Gutshof oder im Wirtshaus, nnd die entscheidenden Argumente\nfiir die Gefinuung eines Mannes, der nun fiir oder wider eine Weltanschaunng"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3065, "texte": "klimmen solt, gehen selten über die aktuelle Vedüsrfnisfrage hinaus -—was ich nicht\nnur begreife, sondern billige. Denn die Voraussetzung einer Propaganda für\neine große Idee ist das Interesse für die Lebenshaltung überhaupt, sodann die\nmöglichst baldige, die möglichst sichere, die möglichst bedeutende Hebung« der mate-\nriellen Lebenshaltung von Menschen, an deren Geistigkeit nnan appelliert.\nDer Parteisekretär, der in Wahlversamuitnugen spricht, pflegt es materiell\num vieles besser zu haben, als die Menschen, die ihm Ohr und Herz öffnen.\nLeidet die Idee darunter? Manchmal, nnd dann haben wir es mit\nplattester Demagogie zu tun. Sonst finden wir uns mit der Technik der politischen\nArbeit ab, die, durch dick nnd dünn, zur Idee hinstrebt, die es zu erkämpfen gilt\nmit den Mitteln, für die die Masse (mit Recht) in erster Linie empfänglich» ist.\nEine Politik des Geistes wird sich derselben Mittel bedienen müssen, wie\netwa eine landschaftlich beschränkte Kartoffelpolitiln Sodaß, im Grund, die\nDemokratie als politische Einrichtung ebenso aristokratisch wäre, wie eine Aristo-\nkrsatie, die sich gegen sie wehrt. Auf den erreichten Gipfetn stellt sich der Sinn\ndes politischen Kampfes ein, der Weg hinauf kann im besten Salt nur der gleiche\nsein für alle Parteien. Schlußfolgerung: es muß immer wieder nnd gerade\nietzt gewarnt werden vor sentimentalen Individualismeu, vor Programmen und\nManifesten, die schöne richtige Worte enthalten, Wo rte, wenn nicht der\npolitische Apparat für sie arbeitet. Die Verfasser müssen sich in den bestehenden\nApparat eingliedern (wenn sie nicht ein neues, wirksames Hebelwerk schaffen,\nwozu die Anstrengung einiger Generationen gehört), müssen den Apparat selbst-\ngeleulcig bedienen und lcontrolliereu. Politische Ideale haben wir seit hundert\nIahren, so prachtvolle, wie sie nur sein können. Verwirklichungen lassen auf\nsich warten. Die politische Maschine hat immer und überall die politischen\nIdeale zerrieben. Unsere politische Tragödie. Die Redner der Zrankfurter\nPanlskirche wären große Politiker gewesen, wenn sie etwa Vismarck nnd seine\npolitische Wissenschaft auf ihrer Seite gehabt hätten. Sie hatten sie gegen sich,\nnnd die Geschichte machte sie zn Ahetorem\nDer krasse Dilettautismus in politischen Dingen bei uns ist haarstränbend.\nDie ,,gseistigen Führer« des Volkes schreien nach politischer Erziehung — aber sie\nhaben, mit dem Korrespondenten eines großen deutschen Vtattes in Paris, die\ndortigen Radikalsozialisten für radikale Sozialisten gehalten, während die franzö-\nsischen Radikalsozialisten in Wirklichkeit etwa unseren Freisinnigen entsprechen, nnd\nsehen heute noch in Eaillaux den französischen Dentschenfrennd, obwohl feder-\ntnann in Frankreich weiß, daß er, wenn überhaupt etwas, nichts anderes vermag,\nals für die Guekre å outrnuce eintreten. Auf anderen Gebieten ist es nicht\nbesser. Ich führe absichtlich nur ,,Kleinigkeiten« an. s\n,,Politische Erziehnug?«\nEs wäre Zeit, ernsthaft damit anzufangen. Die Zensnr böte die beste\nGelegenheit dazu, wenigstens in Angelegenheiten der auswärtigen Politik."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2978, "texte": "Herné\nIch erinnerte frhon einmal an die aufrechte Haltung, die Guftave Hervå\nzu Veginn des Krieges in feiner Zeitung »Da Guekw soc-into« einnahm. Aicht\nnur, daß er in feinen Leitartikelu leideufchaftlich gegen die Schreikrämpfe der\nnationaliftifchen Preffe, den Spionenfaug nnd den Deutfchenhaß einer durch\nRoutiniers aufgeregten Menge anging — in den Redaktiousränmen feiner Zeitung\neröffnete er ein ,,Dentfkhes Konfnlat«, durch deffen Vermittlung Dentfche, öfter«\nreicher nnd Ungarn, die in Paris znriiclcgeblieben waren, gefchiitzt und verforgt\nwurden. Dentfrhe Frauen mit ihren Kindern fanden Aufnahme in den Familien\nfranzöfifrher Sozialiften. Er ließ fie auch nicht im Stich, als fie in die Konzentra-\ntiouslager abgefchoben wurden, Die »Gut-kri- soeialeC die vor dem Krieg zweimal\nin der Vzoche erfkhienen war, kam nun täglich heraus nnd wurde, in kiirzefler\nZeit, eins der meiftgelefeneu Organe der franzäfifchen Preffe. Das ifl fie bis\nheute geblieben. Vur heißt die »Aus-kre- socialo« feit dem i. Januar 1916\n»Lu- viotoireC und man kann nicht daran zweifeln, daß Gerne, der friiher\ndie franzäfifche Fahne auf einem Mifthanfen aufpflanzeu wollte nnd als Anti-\nmilitarift radikalfter Färbung viele Jahre feines Lebens im Gefängnis zubrakhte,\nfich heute die Sgmpathien der radikalften Militariften erworben habe, fo fehr,\ndaß die Zenfnr ihm zur Zeit der franzäfifchen 0ffenfive in der Ehampagne\ndie heftigften Artikel gegen hohe und hächfte Offiziere durchgehen ließ, denen\ner vorwarf, daß fie ihre Eruppen gegen Drahtverhane fchickten, die nicht zuvor\nvon der Artillerie zerftärt worden feien. Diefe Artikel durften erfcheinen, gleich-\nzeitig mit denen des rogaliftifchen Fiihrers Eharles Maurras, worin vom Militärss\nkommando die unverziiglikhe Fiifilierung Herves verlangt wurde. Die frauzäfifche\nZenfnr hatte alfo weuigfteus Methode. Als ich, nach langer Zeit, wieder einen\nArtikel von Hervö lefen konnte, war er ,,An eine beforgte Seele« betitelt nnd\nschloß mit der Aufforderung: ,,0 mon krdre paysaty tu peux tue-r oes hommes\nnveo söråuitws Mein Bruder, du kanuft diefe Leute, die Deutfchem alle, ohne\nGewiffensbiffe täten: mit erhabenem Gleichmut. Nicht einmal Karl Liebkuecht\nfindet Gnade vor ihm. Er hat ihn nach allen Seiten gedreht und gewendet, ihn\nfiir nnwiirdig befunden und vernrteilt. Vzie das kam? Durch die Enttäufchung,\ndie das deutfrhe Volk im allgemeiuen und befouders die Sozialdemokraten ihm\nbereiten mußten. Er hat, als friiherek Rechtsauwalh gegen die deutfche Partei\nausführlich mit Rede und Gegenrede, den Prozeß gefiihrt — nicht mehr als der\nSgndikalifh der er ein Leben lang mit riirkfichtslofem Mute war, foudern als\nVlanguifh zu dem die Ereigniffe nnd fein Temperament ihn gemacht haben. Sein\nFall ift tgpifclx Vielleicht komme irh dazu, ihn mit der notwendigen Ausfiihrlichkeit\nzu fchilderm\nIch habe den Mann gekannt. Er ifl nikht der Hanswnrfh fiir den fe\nmancher heutige deutfrhe Radikale ihn auf den internationalen Kongreffen zu halten"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2085, "texte": "beliebte —- weil er, für seine Uberzeugung verurteilt, mit spüken und durchaus\nohne viel Aufhebens ins Gefängnis überiiedelte Wer möchte ihn einen Führe:\nnennen? Aber: wo waren denn unter den Leichenbittern der deutschen Unent-\nwegteu die Führer? Vor lauter Demagogen iah man lceine Politilcer mehr,\nvor lauter schriftgelehrten lceiuen Führer. sie mögen einander, nachdem Bebel\nund öanrds tot lind, nnd im Glauben an die letzte ölluliom die Iie mit dieien\nNamen verknüpfen, volle Abjolntion erteilen.\nDemaiu\nSeit den: is. Februar 1916 erscheint in Genf eine Halbmonatsschrift\nDemain, die Henri Guilbeanx heransgibt. Sein Programm: ,,Demain jagt,\nwas die Presse ihren Leiern sorgsam verichweigt: Ansichten von schriftstellerm\nKünstlern, Soziolvgen, die Aienschen geblieben sind, und veröffentlicht vielfältige\nnnd zahlreiche Doknmente aller Art, die nur einigen Privilegierten bekannt sinds«\nIn der dritten Nummer interessieren Znschriften französischer Soldaten: »Ich\nkehre heut an die Front zurück. Ich kann es nicht, ohne Dir ein Bravo fiir\nDeine tapfere Zeitschrift znzurnfeuK Ein anderer verspricht, die Zeitschrift\n,,viel hernmznzeigem um sie bekannt zu machen«.\nDie Zeitschrift erscheint bei Z. H. Zeheber in Graf, 28. Aue du\nAiarcha sie ist bunt, lebhaft, tapfer nnd in ihrem Glosfenteil ein wahrer Tauben-\nskhlag, wo sich die sagenhaften Olzweige häufen, Vorboten des Friedens ans\nallen Himmelsrichtnngem Der Herausgeber geht in seiner Auffassung iiber die\nProbleme, die der Krieg aufgeworfen hat, weiter, als sein Aieister nnd Freund\nRomain Rolland, den er in einer Flngschrift gegen ebenso dumme wie maszlose\nAngrifse französischer Literaten nnd Zonrnalisten verteidigt hat. Aatiirlich hat\ndie grosse Presse in Frankreich getan, wie g r o E e P r e f s e n immer nnd ungefähr\niiberall zu tun pflegen: sie hat, nach einer langen Reihe sorgfältig gesteigerter\nönfnrien gegen Romain Rolland, bei welcher Arbeit der ,,Matin« sich beionders\nhervortat, von der Verteidigung durch Gnilbeauog die statt ans Belchimvfnnaen\naus Argumenten bestand, keine Roti? genommen.\n\nRené Schickele"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-09_01#c008", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "187", "page_fin": "187", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.2.8", "titre_corps": "Miide bin ich, ach, der itiidtiichen Sterne.", "titre_sommaire": "Miide bin ich, ach, der itiidtiichen Sterne.", "signature_source": "Ktabnnd", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 748, "texte": "Ktabnnd\nMiide bin ich, ach, der itiidtiichen Sterne.\nBräunliches Zriihlingslaub dunlcelt im Kalterer--B3ein.\nMein Blut lpritzt morgenrot iiber die Berge, \"\nZwei Herzen balauciere ich an« einer langen Stange Ieiltragend\nzwijchen Zugjpitze und Kramer.\nAuf dem Riejjeriee schwebt eine rote Jacke.\nZwei ichlanlse Ziisze ritzen eislaufeud meine Wange.\nEin Münchener Rechtsanwalt begrüßt mich freundlich funlcelnd.\nEwig bin ich allein, Mädchen, trotz deiner selig mir zujpringenden\nBrüste.\nWeil ich lceine Zentralheizung in meinem Zimmer habe,\n· friere ich lehr.\nIch leje im Bett die Annouren der Miincheuer Reueften Rach-\nrichten, um eine Stellung zu finden.\nEine Stellung als Freund. Oder als Diener vielleichh\nDienend in Sauftmut einem redlichen Gott."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-09_01#c010", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "189", "page_fin": "192", "image_debut": 15, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.2.10", "titre_corps": "Glossen und Kritiken", "titre_sommaire": "Glossen und Kritiken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2232, "texte": "Glossen und Kritiken\n\nH. S.\nZtngblätter an die deutsche\nZngeulxAusgegebeuvonder\nBerliuersreienstudeuiens\nschaff. Ernftöoizly Vetlegt\nbeiSngeuDiederichs,Zeua.\nSs lind bisher 12 Helte erschienen.\nSin jedes lcoltet nur 10 Pfennig, birgt\naber (ledesl) einen wahren Schatz an\nSiite und Weisheit. Fichte, Plato,\nskhleierntachey Kierlcegaard, Solltol,\nJean Paul. —— Allo lauter alte Be-\nkannte?\nAber wie ilt das ausgewählt! Das ilt\nlceine Sammlung allgetueiugiiltiger\nWeisheiten, von grolzeu Toten zu\nanderen Zeiten, zu anderen uns fremden\nAieulrheu gelagt. Das lcliugt nicht\nlclug aus ,,grolzer« Zerne herüber, das\nlclingt lehr nah, lehr leidenlchaltlirh\nund lehr ntenlchlikh. Aicht auerlcannte\nlaber tote) Srölzen reden hier; lebendige\nMenlchem Und nicht hiltorilch-fegerlikh\nzn einer wertenden Zuhörerlchaftz lehr\nhinreilzend reden lie und ganz perlönlikh\nzu uns, zu mir und Dir, von uns nnd\nunlerer Zeit und nuleren Angelegen-\nheiten und Wiinlchen nnd Hoffnungen.\nWenn Colltoj lagt: ,,Belinuet Sucht«\nlo klingt das nicht wie hohle Rhetorily\nlondern recht urenlkhlich lkhiittelt er uns:\n,,Belinnt Such! Belinnt Such! so\ngeht das dokh nicht weiter! Wie?«\n»Es lcümmt einmal ein goldeues Zeit-\nalter, wo Menschen es leichter haben,\ngut zu leben, weil sie es leichter haben,\nüberhaupt zu leben, . . . wo man den\nlcriegerischeu nnd juristischen Mord ver«\ndammt nnd nnr zuweilen mit dem Pflug\nKauoneulcngeln anfaclcertk . . . Klingt\ndas nicht wie ein sehusuchtsruf ans\nunserer von ,,Morden« nnd ,,Kauoneu-\nKugeln« erfüllten Zeit? Wer sagt es?\nJeau Paul.\nUnd gar erst Plato. Zu uns ans\nunserer Zeit sagt er: ,,Solauge nicht\nentweder die Philosophen in den\nStaaten die Krone tragen, oder\ndie sogenannten Könige und Poten-\ntaten von heute lautete nnd gründ-\nlikhe Philosopheu sind, solange\nnicht beides, politische Macht und\nPhilosophie znsammenfüllt und den\nzahlreichen Kreaturem die sich in unseren\nTagen gesondert um eines von ihnen\nbemühen, der Weg mit Gewalt abge-\nschnitten wird, solange lcüunen auch die\nStaaten lceiue Erlösung von ihren\nLeiden finden nnd wohl auch das ganze\nMeuscheuvollc nicht«\nLest nnd verbreitet diese Heftel so-\nlange sie viel gelesen nnd recht beher-\nzigt werden, lcaun es nicht ganz schlecht\nam Deutichland stehen."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3231, "texte": "Berliner Knnstlcritilu Im\n8-Uhr-Abendblatt vom is. März heißt\nes am Ende einer nichtnnterzeichneten\nKritilc iiber ,,Kriegslcarilcaturen bei\nPaul Eassirer«. ,,Erwiihnt seien noch\nEh. Eh. Heine, Ed. Ehöny, Wilh.\nSchutz nnd Anguste Renoir, die\nin der ,,Laudschaft bei Avignon« vor-\nzügliches geleistet hat« s—- Renoir als\nBersasserin des beriichtigteu Bsnches\n,,80 Jahre in MiinnerlcleidernW Das\nist schon einigermaßen komisch. Weit ico-\nmisrher aber ist Herr Servaes in der\nBossischen Zeitung vom s. April 1916\nDieser Mann weiß zwar iiber die\nsexnalitiit Renoirs Bescheid. Dasiir\nweiß er um so weniger von\nseinem Wert nnd feiner Bedeutung.\nMancher Kellner nnd sogar mancher\nKnnsthistorilcer weiß, daß Renoir der\n— nicht ein, sondern schlerhtweg d e r\nMaler unserer Enge ist. Der einzige,\nvon dem man schon ganz sicher, sozu-\nsagen schon bei den Behörden weiß:\ner ist nnsterblichs. Der einzige Riese,\nder iiberblieb. tBielleicht wiichst augen-\nblidclich schon irgendwo ein größerer.\nAber der wächst, der w i r d dann noch.\nDer einzige, derss schon ist , — ist er.)\nHerr servaes aber stellt ihm lnicht\nohne Wohlwollen) ein Beispiel, ein\nBorbild zum Ausporn an die Seite.\nEr wählt dazu?\nHerrn Brocl(husen. (In Worten:\nEh. v. Broclchnsen). Renoir ist ,,slau«\nund ,,rontiniert«. Brorlchnsen ,,voll\ngesunder EiirnngC ,,Bielleicht war es\nauch nicht richtig, diese miiden, vorneh-\nmen Bilder mit den schmetternden\nsarbensaufaren unseres Broclchnsen zu-\nsammeuzubriugenN\n»Unser« Broclchusenl Rein —- es war\nsicher nicht richtig, Herr servaesl\nEs ist gewiß sehr komisch, wenn ein\nMann davon lebt, daß er Renoir sur\neine Dame, vielleicht gar fiir eine\nTaute hält. Daß aber einer davon\nlebt, daß er Reuoir bei Broclchnsen\nin die Lehre gibt, -—-— das ift doch noch\nerheblich komischer.\nDen erstrebteu Gipfel (der Komilq zu\nerreichen aber —- ach, es ist ihnen beiden\nunmöglich. Da thront in unerreikhbarem\nGlanze, einsam und sicher Friedrich\nStahl, genannt Fritz, vom ,,Berliner\nTageblatt«.\nDer lebt nun wohl fchou ein Dutzend\nJahre von der Kunst (anderer freilich)\nund hat noch immer nicht gelernt, daß\nes bei der Bewertung eines Kiinsllers\nnicht so fehr auf das ankommt, w a s\ner malt, als vielmehr darauf, w i e er\nes tut. (Soznfagen.) siir ihn ist immer\nnoch d e r Mann der lobenswertestg\nin deffen Atelier das uettesle (uud\nnaclcteste) Mädchen steht. Ein Salz, zu\ndem nicht nur Herr Stahl, zu dem\ngar mancher heitere Mäzen hält.\nStahl schreibt iiber ,,Aiggerei«, viel-\nmehr gegen ,,Aiggerei«. Rnn glaubt\nman erst, er hätte es mit den harm-\nlofeu jungen Leuten, die sich durch\nGauguiu nnd fpäter durch Aegerplaflilc\nzu einem primitiven und negesrhafteu\n(aber enropafremden) Stil verleiten\nließen. Man glaubt, er wiirde jagen:\n»Bleibt Suropäerl Werdet lceine\nSieger« Oh nein. Das ist ihm ganz\negal. Herr Stahl lceuut lceinen Stil,\nlcein Ziel, lceiu Wollen, lceiu (oft, ach\noft gar recht verzweiseltes) Kämpfen um\nAnsdrnclcsart und Ausdruclcsmöglictk\nlceit. Von diesem gefährlichen und all-\ntäglichen Kampf um sich selbst und ein\nbißchen eigene Sprache, um ein bißchen\nSprechenlcännen und um ein bißchen\nGehärtwerdem von dieser schweren\nund tärichten Arbeit, die endlich am\nAbend ganz zuweilen von einer ach, so\nfanften Melodie oder auch nur von"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3134, "texte": "einem Schrei nnd einem hilflosen\nGestammel gelcrönt Caber wahr-\nhaftig gelcriintls wird, ·— davon weis;\nHerr Stahl natiirlirh nichsts. Ziir ihn\ngibt es nur die eine Frage: M) a s malt\nder Mann? We: fröhliche Miizenx\n,,Mo wohnt das Modell?«) Sein\nganzer Antiuegerfeldzug richtet sich\nnicht gegen den Reger als Lehrer, als\nVorbild, nicht gegen den Reger als be-\nneideten, begusasdeterseu (weil eiusakherens\nBruder nnd Kameraden. Was? sowas\nmöglich ist, davon weis? er nichts) Gr\nlciimpst nur gegen den Reger als Mo-\ndell. Richt Reger soll man malen,\nsagt Herr stahl, sondern edle Griechen-i-\nLeiber. Richt Reger, sondern Euro-\npiier. Richt Roger, sondern —- ihn ,\nHerrn stahl.\nDas; einige Maler nicht mehr ,,Trin--\nlceude Miiuche«, ,,Reiter am Strand«\nnnd heroiskhe (oder berliney Land-\nsrhasten, sondern Siidseeinseln nnd\nbraune Menschen malen, das nennt\ndieser Kritilcer ,,Riggerei«. Diese\nharmlose Tatsache (die nichts dolcumenis\ntiert, als etwas lcindlikhe Sehnsucht\nnach Romantilt nnd Gxotilcs bietet ihm\nGelegenheit zu drei giftgeskhwollenen\nSpalten schlechter: Prosa.\nRach dieser Methode lcönnte er Manet\nden ,,Gemiiserich«, Goya einen Rot-\nzöchter und Rubens etwa den ,,Popo-\nPeter« nennen. Rath dieser Methode\nist das Stilleben das bessere, ans dem\ndie teureren und skhönereu Spargel, auf\ndem die diklcsten Kartoffeln sind.\nRach solchen Gesichtspunkten stellt sich\ndiesem Mann die Kunst und ihre Ge-\nschichte dar. Rach der tief-religiösen\nFrage, die den Wert des Kunstwerkes\nentscheidet: »Wer stand Modell?\nBraun oder Bloud?«\nZriiher nahm man ,,schiine« Griechen,\nheute nimmt man manchmal Reger.\nDas ist siir ihn der Unterschied. Das;\nnicht die Aiodelle, sondern die Male:\nvon heute anders sind nnd anderes\nglauben, anderes lieben nnd anderes\nwollen als ,,Aiilo«, Tizian oder\nLenbach, das ist ihm nicht von Wichtig-\nlceit. Er sieht lwie der schon zitierte\nWissen) mit Gram im Herzen nnr das\neine, das; in den einst so hiibschen\nAteliers Aiodelle stehen, die ihm nicht\nliegen. Das ist lcomisch nnd erinnert\nlebhaft an Bonvard nnd Pörnchet\nDas; aber dieser Bonvard an der\ngrössten Berliner Zeitung als Kritilcer\nangestellt ist — ist das anch noch\nlcomisch? Rein —- das ist traurig.\n\nH. siemien\n\nAlbert Steiuriicln Man lcann\njagen, er blaje ein jchlechtes Stiiclc auf\nwie eine Haut, ein jchweres jchleudre\ner mit dem Genick, wie ein Zirlcnsis\nathlet, in die Luft nnd fange es klat-\njcheud, eine mejjingne Kugel, wieder mit\ndem Nacken. Dann jpritzt er’s aujs\nnene hoch. Es gibt ein Riiclcen der\nAchjeln, die Brujt möcht jich wachjend\nheraus. Enrgelnd jtrotkeu Krajtjtröme\nin das Parlcett Man lcann jagen, er\nordne jich nicht ein, jondern er jei\njchöpferijch und ordn-e jeinen Sinn in\ndie Dinge.\nSein Auge ift zu elementar, als dajz es\nDurchjchlaglcrajt bejäjze Ein opaliges\nGewölbe quillt es jtumpf ans der\nHöhle, aber plötzlich hat alles Bezie-\nhung nur zn ihm. Es jaugt die Hand-\nlung, die Bewegung, die Luft ein,\nimmer jlrudelnder bewegt jich alles in\njeine Macht hinein, man lcönnte jagen,\nes jei ein Höllenjtnrz aber da zieht es\njich wieder ein unter eine Znclcung der\nBraue und die Erstarrung und Ver«\nglajnng löjt jich bunt."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2288, "texte": "Manchmal hat er lceiue Aiimila wie\nman fo fagt, denn fein Gefirht fpielt nicht,\nes ift Waffe. Aber das Element fitzt\nftraff in der Kenlenbiegnng des Ellen-\nbogens. Eine Linie nmreist ihn me-\ntallen, gegoffen. Gegen fie ftrömt der\nAnsbrnrh des Gefühls, fie gibt nach,\nwird ein wenig locker. Aber faft ohne\nBewegung wirft fie zugleich miihelos\nden Ansbrukh znriiclc und wird starre.\nEs ift das Spiel einer Zehntel se-\nlcunde. Dennoch weinen stauen iiber\ndiefe Bewegung.\nJeden Aienfchen, in den er fiel) wirft,\ngibt er erlciimpfeud von fikh. Der\ngrößte Kampf —- mit dem Tod —- ift\ndaher feine größte Kraft. Geht es\nans Krepiereu, wird fein Hirn wild wie\nein Ochs nnd wiitet. Er felbft lcann\nfehr ftill fein dabei, herumgehen, fund-\nmen, Lichter anfteclcen, es ift gleich,\ngegen die flammen Wände aber prallt\nein wiitender Kampf. so befiegt er den\nTod ohne Gebärde. Dann macht er\neinen Ruck, nicht fehr ausgedehnt,\naber: die Flammen des Lebens zifchen\nans ihm wie aus einer brennenden Effe.\nseine stimme ift ohne Wohllaut, alfo\nnicht lcaftratifklx fondern heifer, fakhlich\nund potent. Aiit ihrem Anfrhwellen\ngliihen die Adern auf nnd ziehen in\neinem ranlchenden Aet- wie um eine\nSänle um leinen Leib. Oben lletlcht\ner die Zähne nnd lchlägt einen heilzen\nDonner in das Haus.\nMan könnte lagen, daß er Veutils\nporen belälze, ans denen er lich nach\naulzen hin lpielend ausgebe. Manchmal\nmacht er lich den Scherz, öffnet lie alle,\nltrömt ans nnd lcnallt die Mitlpielenden\nan die Wände. Ss ilt leer um ihn.\nDa tanzt er, heiler brüllend, dont,\nschwingt den Säbel: wie ein Gott, der,\num lich ausznlebem lich in den Körper\neines belolfenen Orangs ltiirzte.\nManche Menlkhen fällt er mit Heiter-\nkeit, unter der ein leichtes Gewitter\naufgerollt liegt, faft ohne Geräulch Mit\nanderen reitet er, ein Banernganh\nalles zulammem Um einige legt erhers\nmetilche Panzey die blau vor Stahl\nblitzen und lälzt das Herz dagegen au-\nbrechen, das; das Weh in die Finger«\nlpitzen lpringt. Spielt er Mozzely\nwerden Hunde toll nnd heulen, stauen\nfallen in marmorne Ohnmacht, Böh-\nnenlchweine flenuen. Man lcönnte\nlagen, das; es nichsts im Widerfpruch er-\nftanulicheres gäbe, als, im März mit\nihm ans dem Theater tretend, weiche\nblähende Kirlchbäume in einer alten\nZranlcfurter Galle plötzlich zu lehen.\n\nRasimir Edschmid"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-09_01#c011", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "189", "page_fin": "189", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.2.10.1", "titre_corps": "Ztngblätter an die deutsche", "titre_sommaire": "Ztngblätter an die deutsche", "signature_source": "H. S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.15", "debut_caractere": 22, "fin_caractere_exclue": 2232, "texte": "H. S.\nZtngblätter an die deutsche\nZngeulxAusgegebeuvonder\nBerliuersreienstudeuiens\nschaff. Ernftöoizly Vetlegt\nbeiSngeuDiederichs,Zeua.\nSs lind bisher 12 Helte erschienen.\nSin jedes lcoltet nur 10 Pfennig, birgt\naber (ledesl) einen wahren Schatz an\nSiite und Weisheit. Fichte, Plato,\nskhleierntachey Kierlcegaard, Solltol,\nJean Paul. —— Allo lauter alte Be-\nkannte?\nAber wie ilt das ausgewählt! Das ilt\nlceine Sammlung allgetueiugiiltiger\nWeisheiten, von grolzeu Toten zu\nanderen Zeiten, zu anderen uns fremden\nAieulrheu gelagt. Das lcliugt nicht\nlclug aus ,,grolzer« Zerne herüber, das\nlclingt lehr nah, lehr leidenlchaltlirh\nund lehr ntenlchlikh. Aicht auerlcannte\nlaber tote) Srölzen reden hier; lebendige\nMenlchem Und nicht hiltorilch-fegerlikh\nzn einer wertenden Zuhörerlchaftz lehr\nhinreilzend reden lie und ganz perlönlikh\nzu uns, zu mir und Dir, von uns nnd\nunlerer Zeit und nuleren Angelegen-\nheiten und Wiinlchen nnd Hoffnungen.\nWenn Colltoj lagt: ,,Belinuet Sucht«\nlo klingt das nicht wie hohle Rhetorily\nlondern recht urenlkhlich lkhiittelt er uns:\n,,Belinnt Such! Belinnt Such! so\ngeht das dokh nicht weiter! Wie?«\n»Es lcümmt einmal ein goldeues Zeit-\nalter, wo Menschen es leichter haben,\ngut zu leben, weil sie es leichter haben,\nüberhaupt zu leben, . . . wo man den\nlcriegerischeu nnd juristischen Mord ver«\ndammt nnd nnr zuweilen mit dem Pflug\nKauoneulcngeln anfaclcertk . . . Klingt\ndas nicht wie ein sehusuchtsruf ans\nunserer von ,,Morden« nnd ,,Kauoneu-\nKugeln« erfüllten Zeit? Wer sagt es?\nJeau Paul.\nUnd gar erst Plato. Zu uns ans\nunserer Zeit sagt er: ,,Solauge nicht\nentweder die Philosophen in den\nStaaten die Krone tragen, oder\ndie sogenannten Könige und Poten-\ntaten von heute lautete nnd gründ-\nlikhe Philosopheu sind, solange\nnicht beides, politische Macht und\nPhilosophie znsammenfüllt und den\nzahlreichen Kreaturem die sich in unseren\nTagen gesondert um eines von ihnen\nbemühen, der Weg mit Gewalt abge-\nschnitten wird, solange lcüunen auch die\nStaaten lceiue Erlösung von ihren\nLeiden finden nnd wohl auch das ganze\nMeuscheuvollc nicht«\nLest nnd verbreitet diese Heftel so-\nlange sie viel gelesen nnd recht beher-\nzigt werden, lcaun es nicht ganz schlecht\nam Deutichland stehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-09_01#c012", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "191", "image_debut": 16, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.2.10.2", "titre_corps": "Berliner Knnstlcritilu Im", "titre_sommaire": "Berliner Knnstlcritilu Im", "signature_source": "H. siemien", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3231, "texte": "Berliner Knnstlcritilu Im\n8-Uhr-Abendblatt vom is. März heißt\nes am Ende einer nichtnnterzeichneten\nKritilc iiber ,,Kriegslcarilcaturen bei\nPaul Eassirer«. ,,Erwiihnt seien noch\nEh. Eh. Heine, Ed. Ehöny, Wilh.\nSchutz nnd Anguste Renoir, die\nin der ,,Laudschaft bei Avignon« vor-\nzügliches geleistet hat« s—- Renoir als\nBersasserin des beriichtigteu Bsnches\n,,80 Jahre in MiinnerlcleidernW Das\nist schon einigermaßen komisch. Weit ico-\nmisrher aber ist Herr Servaes in der\nBossischen Zeitung vom s. April 1916\nDieser Mann weiß zwar iiber die\nsexnalitiit Renoirs Bescheid. Dasiir\nweiß er um so weniger von\nseinem Wert nnd feiner Bedeutung.\nMancher Kellner nnd sogar mancher\nKnnsthistorilcer weiß, daß Renoir der\n— nicht ein, sondern schlerhtweg d e r\nMaler unserer Enge ist. Der einzige,\nvon dem man schon ganz sicher, sozu-\nsagen schon bei den Behörden weiß:\ner ist nnsterblichs. Der einzige Riese,\nder iiberblieb. tBielleicht wiichst augen-\nblidclich schon irgendwo ein größerer.\nAber der wächst, der w i r d dann noch.\nDer einzige, derss schon ist , — ist er.)\nHerr servaes aber stellt ihm lnicht\nohne Wohlwollen) ein Beispiel, ein\nBorbild zum Ausporn an die Seite.\nEr wählt dazu?\nHerrn Brocl(husen. (In Worten:\nEh. v. Broclchnsen). Renoir ist ,,slau«\nund ,,rontiniert«. Brorlchnsen ,,voll\ngesunder EiirnngC ,,Bielleicht war es\nauch nicht richtig, diese miiden, vorneh-\nmen Bilder mit den schmetternden\nsarbensaufaren unseres Broclchnsen zu-\nsammeuzubriugenN\n»Unser« Broclchusenl Rein —- es war\nsicher nicht richtig, Herr servaesl\nEs ist gewiß sehr komisch, wenn ein\nMann davon lebt, daß er Renoir sur\neine Dame, vielleicht gar fiir eine\nTaute hält. Daß aber einer davon\nlebt, daß er Reuoir bei Broclchnsen\nin die Lehre gibt, -—-— das ift doch noch\nerheblich komischer.\nDen erstrebteu Gipfel (der Komilq zu\nerreichen aber —- ach, es ist ihnen beiden\nunmöglich. Da thront in unerreikhbarem\nGlanze, einsam und sicher Friedrich\nStahl, genannt Fritz, vom ,,Berliner\nTageblatt«.\nDer lebt nun wohl fchou ein Dutzend\nJahre von der Kunst (anderer freilich)\nund hat noch immer nicht gelernt, daß\nes bei der Bewertung eines Kiinsllers\nnicht so fehr auf das ankommt, w a s\ner malt, als vielmehr darauf, w i e er\nes tut. (Soznfagen.) siir ihn ist immer\nnoch d e r Mann der lobenswertestg\nin deffen Atelier das uettesle (uud\nnaclcteste) Mädchen steht. Ein Salz, zu\ndem nicht nur Herr Stahl, zu dem\ngar mancher heitere Mäzen hält.\nStahl schreibt iiber ,,Aiggerei«, viel-\nmehr gegen ,,Aiggerei«. Rnn glaubt\nman erst, er hätte es mit den harm-\nlofeu jungen Leuten, die sich durch\nGauguiu nnd fpäter durch Aegerplaflilc\nzu einem primitiven und negesrhafteu\n(aber enropafremden) Stil verleiten\nließen. Man glaubt, er wiirde jagen:\n»Bleibt Suropäerl Werdet lceine\nSieger« Oh nein. Das ist ihm ganz\negal. Herr Stahl lceuut lceinen Stil,\nlcein Ziel, lceiu Wollen, lceiu (oft, ach\noft gar recht verzweiseltes) Kämpfen um\nAnsdrnclcsart und Ausdruclcsmöglictk\nlceit. Von diesem gefährlichen und all-\ntäglichen Kampf um sich selbst und ein\nbißchen eigene Sprache, um ein bißchen\nSprechenlcännen und um ein bißchen\nGehärtwerdem von dieser schweren\nund tärichten Arbeit, die endlich am\nAbend ganz zuweilen von einer ach, so\nfanften Melodie oder auch nur von"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2198, "texte": "einem Schrei nnd einem hilflosen\nGestammel gelcrönt Caber wahr-\nhaftig gelcriintls wird, ·— davon weis;\nHerr Stahl natiirlirh nichsts. Ziir ihn\ngibt es nur die eine Frage: M) a s malt\nder Mann? We: fröhliche Miizenx\n,,Mo wohnt das Modell?«) Sein\nganzer Antiuegerfeldzug richtet sich\nnicht gegen den Reger als Lehrer, als\nVorbild, nicht gegen den Reger als be-\nneideten, begusasdeterseu (weil eiusakherens\nBruder nnd Kameraden. Was? sowas\nmöglich ist, davon weis? er nichts) Gr\nlciimpst nur gegen den Reger als Mo-\ndell. Richt Reger soll man malen,\nsagt Herr stahl, sondern edle Griechen-i-\nLeiber. Richt Reger, sondern Euro-\npiier. Richt Roger, sondern —- ihn ,\nHerrn stahl.\nDas; einige Maler nicht mehr ,,Trin--\nlceude Miiuche«, ,,Reiter am Strand«\nnnd heroiskhe (oder berliney Land-\nsrhasten, sondern Siidseeinseln nnd\nbraune Menschen malen, das nennt\ndieser Kritilcer ,,Riggerei«. Diese\nharmlose Tatsache (die nichts dolcumenis\ntiert, als etwas lcindlikhe Sehnsucht\nnach Romantilt nnd Gxotilcs bietet ihm\nGelegenheit zu drei giftgeskhwollenen\nSpalten schlechter: Prosa.\nRach dieser Methode lcönnte er Manet\nden ,,Gemiiserich«, Goya einen Rot-\nzöchter und Rubens etwa den ,,Popo-\nPeter« nennen. Rath dieser Methode\nist das Stilleben das bessere, ans dem\ndie teureren und skhönereu Spargel, auf\ndem die diklcsten Kartoffeln sind.\nRach solchen Gesichtspunkten stellt sich\ndiesem Mann die Kunst und ihre Ge-\nschichte dar. Rach der tief-religiösen\nFrage, die den Wert des Kunstwerkes\nentscheidet: »Wer stand Modell?\nBraun oder Bloud?«\nZriiher nahm man ,,schiine« Griechen,\nheute nimmt man manchmal Reger.\nDas ist siir ihn der Unterschied. Das;\nnicht die Aiodelle, sondern die Male:\nvon heute anders sind nnd anderes\nglauben, anderes lieben nnd anderes\nwollen als ,,Aiilo«, Tizian oder\nLenbach, das ist ihm nicht von Wichtig-\nlceit. Er sieht lwie der schon zitierte\nWissen) mit Gram im Herzen nnr das\neine, das; in den einst so hiibschen\nAteliers Aiodelle stehen, die ihm nicht\nliegen. Das ist lcomisch nnd erinnert\nlebhaft an Bonvard nnd Pörnchet\nDas; aber dieser Bonvard an der\ngrössten Berliner Zeitung als Kritilcer\nangestellt ist — ist das anch noch\nlcomisch? Rein —- das ist traurig.\n\nH. siemien"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-09-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-09_01#c013", "volume": "bmtnabb_1916-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "192", "image_debut": 17, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.2.10.3", "titre_corps": "Albert Steiuriicln Man lcann", "titre_sommaire": "Albert Steiuriicln Man lcann", "signature_source": "Rasimir Edschmid", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.17", "debut_caractere": 2200, "fin_caractere_exclue": 3134, "texte": "Albert Steiuriicln Man lcann\njagen, er blaje ein jchlechtes Stiiclc auf\nwie eine Haut, ein jchweres jchleudre\ner mit dem Genick, wie ein Zirlcnsis\nathlet, in die Luft nnd fange es klat-\njcheud, eine mejjingne Kugel, wieder mit\ndem Nacken. Dann jpritzt er’s aujs\nnene hoch. Es gibt ein Riiclcen der\nAchjeln, die Brujt möcht jich wachjend\nheraus. Enrgelnd jtrotkeu Krajtjtröme\nin das Parlcett Man lcann jagen, er\nordne jich nicht ein, jondern er jei\njchöpferijch und ordn-e jeinen Sinn in\ndie Dinge.\nSein Auge ift zu elementar, als dajz es\nDurchjchlaglcrajt bejäjze Ein opaliges\nGewölbe quillt es jtumpf ans der\nHöhle, aber plötzlich hat alles Bezie-\nhung nur zn ihm. Es jaugt die Hand-\nlung, die Bewegung, die Luft ein,\nimmer jlrudelnder bewegt jich alles in\njeine Macht hinein, man lcönnte jagen,\nes jei ein Höllenjtnrz aber da zieht es\njich wieder ein unter eine Znclcung der\nBraue und die Erstarrung und Ver«\nglajnng löjt jich bunt."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2288, "texte": "Manchmal hat er lceiue Aiimila wie\nman fo fagt, denn fein Gefirht fpielt nicht,\nes ift Waffe. Aber das Element fitzt\nftraff in der Kenlenbiegnng des Ellen-\nbogens. Eine Linie nmreist ihn me-\ntallen, gegoffen. Gegen fie ftrömt der\nAnsbrnrh des Gefühls, fie gibt nach,\nwird ein wenig locker. Aber faft ohne\nBewegung wirft fie zugleich miihelos\nden Ansbrukh znriiclc und wird starre.\nEs ift das Spiel einer Zehntel se-\nlcunde. Dennoch weinen stauen iiber\ndiefe Bewegung.\nJeden Aienfchen, in den er fiel) wirft,\ngibt er erlciimpfeud von fikh. Der\ngrößte Kampf —- mit dem Tod —- ift\ndaher feine größte Kraft. Geht es\nans Krepiereu, wird fein Hirn wild wie\nein Ochs nnd wiitet. Er felbft lcann\nfehr ftill fein dabei, herumgehen, fund-\nmen, Lichter anfteclcen, es ift gleich,\ngegen die flammen Wände aber prallt\nein wiitender Kampf. so befiegt er den\nTod ohne Gebärde. Dann macht er\neinen Ruck, nicht fehr ausgedehnt,\naber: die Flammen des Lebens zifchen\nans ihm wie aus einer brennenden Effe.\nseine stimme ift ohne Wohllaut, alfo\nnicht lcaftratifklx fondern heifer, fakhlich\nund potent. Aiit ihrem Anfrhwellen\ngliihen die Adern auf nnd ziehen in\neinem ranlchenden Aet- wie um eine\nSänle um leinen Leib. Oben lletlcht\ner die Zähne nnd lchlägt einen heilzen\nDonner in das Haus.\nMan könnte lagen, daß er Veutils\nporen belälze, ans denen er lich nach\naulzen hin lpielend ausgebe. Manchmal\nmacht er lich den Scherz, öffnet lie alle,\nltrömt ans nnd lcnallt die Mitlpielenden\nan die Wände. Ss ilt leer um ihn.\nDa tanzt er, heiler brüllend, dont,\nschwingt den Säbel: wie ein Gott, der,\num lich ausznlebem lich in den Körper\neines belolfenen Orangs ltiirzte.\nManche Menlkhen fällt er mit Heiter-\nkeit, unter der ein leichtes Gewitter\naufgerollt liegt, faft ohne Geräulch Mit\nanderen reitet er, ein Banernganh\nalles zulammem Um einige legt erhers\nmetilche Panzey die blau vor Stahl\nblitzen und lälzt das Herz dagegen au-\nbrechen, das; das Weh in die Finger«\nlpitzen lpringt. Spielt er Mozzely\nwerden Hunde toll nnd heulen, stauen\nfallen in marmorne Ohnmacht, Böh-\nnenlchweine flenuen. Man lcönnte\nlagen, das; es nichsts im Widerfpruch er-\nftanulicheres gäbe, als, im März mit\nihm ans dem Theater tretend, weiche\nblähende Kirlchbäume in einer alten\nZranlcfurter Galle plötzlich zu lehen.\n\nRasimir Edschmid"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.1", "texte": "Zeit-Erd\n» »\n. . s«\n«. .- · — .\ni« » J« «.\n: «- «?\nGraphik-Verlag München ? «.\nMönchen / Verlin"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.2", "texte": "12 «\nSonderausgabe Nr.\n\nInhatt:\nAlfred Wolf-zulieb! X Kämpfer Kiiuliler\nWalker Baugerket X Origiualssteindruclc\nZtm Seide! X Der einfältige Reiche\nRenå Schikkece XZiircher Tagebuch\nHeury Rveijjingh X Originalssieindrnctc\nKICBUUD X Alkide bit! ich . . .\nCI Z. savary - sznovedicd xt Xokigiuaksieiudcukis\nGlojjen und Kritilcem\nEinzelhefk Mk. 1.———— Bietkeljährlikh (6 Hefke) Mk. 6.-——"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.3", "texte": "Kämpfer Künstler\n\n1\nEin Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts zieht sich vom Leben zurück, aus das\nSchreiben in der Einsamkeit. Un homme qui s’est instjtuö aktistcz Ikn plus\nle clroit cle vivko oomme les naives. So fpricht dieser grosse Künstler der\nMitte, ein Unsichtbarer, der, wie ein Monarch, sich selbst nie heransstellen will; ein\nzwilchen den Polen Gkstatisch und Kämpferisch Ging-eschlosseuer, der hinter seinem\nWerke wie Gott hinter der Welt verschwinden möchte.\nAber kein ärmlicher Asketz seine Einsamkeit bringt eine Quelle hervor, die\nans der Einsamkeit wegströmt Wenn er auch niemanden mehr umarmt, seine\nLiebe stirbt doch nicht ab. Denn die Bücher, die er schreibt, werden ietzt seine\nGlieder, mit denen er sich in die Welt hinanssühlt. Gr geht nicht in selbstgeuiigender\nBerzücktheit des Dichtertums auf, sondern er veröffentlicht seine Dichtung.\nZur Wüste dagegen scheint sich ein anderer zu bekennen, von dem die Bio-\ngraphie sagt, er pflegte seine Romane vollständig im Kopf zu entwerfen und hier«-\ndurch schon ganz befriedigt zu sein . .; unsr unter wütenden Tränen lässt er sich\nvom Verleger zwingen, sein Werk auch niederznschreibem\nDieser Kalte ist zu verdammen, gleich einer Maria, wenn sie Gott nur\ngenieszen nnd nicht auch Christus der Welt bringen wollte. Denn was ist der\nDrang, der nicht anch Sturm hat? sicherlich keine Kunst. Gerade die\n,,8nnerlichen« nnd die nur Kiinstlerischen sind am wenigsten Künstler. Mögen sie\ndie tiefste Vision haben: nur das anssprechbare Grlebnis ist Kunst. Und zum\nGrlebnis wird dem Künstler nur eine solche Bision, deren Verkündigung ersüllbar\nist, — ja deren Mitteilen ihm ebenso wichtig ist wie ihr Grlebem In seinem\nDrang musz der Sturm von Ursprung an schon enthalten sein nnd in seiner Fähigkeit,\nzu dichten, schon die Fähigkeit der Anderen, ihn zu vernehmen. siir ihn bedeutet\nes k e in e n Z u f a l l , dass er nicht alleiu auf der Welt ist; für ihn ist die Wirkung\nans die Anderen zwar niemals der Zweck, —- aber eine geheimnisvolle U rsa ch e\nseiner Kunst. Gingegeben von Gott, umgeben von anderen Menschen, so wird\nseine Arbeit möglich, wie ein Zlusz weder Quell noch Meer entbehren kann.\nDichten ist seine Art, zu lieben."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.4", "texte": "Und ein snnlce (mag er auch scheinbar vom Himmel stammen), dessen segnet\nnichts von der Bewohntheih von der Wästenlosiglceit der Erde weiß, ist so wenig\nKunst, wie die einsame, nur von Gegenständen erweckte Onanie Liebe ist. Zu\ndenken, es gäbe lceine Kunst, wenn es nur einen einzigen Menschen auf der Welt\ngäbe, —- ist nur deshalb falsch, weil Alleiusein nndenlcbar ist; Menskhenlosiglceit\nexistiert so wenig wie Gottlosiglceit\nDie Kunst eines Menschen ist um so wahrer sie, je drängender er von\nseiner einsamen mgstischen Krast —- nnd je stiirtuiskher er dennoch zugleich von\nnnsterblikh sterblikher Gemeinschastlichlceit umschlungen oder zwischen beiden zer-\nrissen wird.\n2\nJeder kann Gedichte machen: ein Dichter sein aber bedeutet, selbst an die\nStelle eines Gedichtes treten können. Manchen aus unserer Zeit, oder ans der\nBorzeit gegenwärtiger Melzelei, hat es nicht genügt, zu schreiben tgeschrieben zu\nhaben). Sondern sie vergsaszen, was ihr Gedicht sagte, sie behielten nur noch,\nd a s; sie es gemacht hatten, nnd traten selbst an seiner statt hinaus. Sie wollten\ndiejenigen, die es giedichtet hatten, sein , — und dies ausdrücken.\nSo bauten sie vor den Gesichtern im Saale, vor den Menschen, die Freunde\nwerden konnten, noch einmal den eingeschmolzenen Bers mit alleu verkörpernden\nMitteln des Geistes wieder auf. Stimme, Hand, Blick, Herz lösten sich in die\nForm des Gedichtes auf, das aus dem Universum der Gestalt hervorstrahlte\nAlle farblosen Buchstaben der Welt kriimmten sich wie Kriippel nnter der Musik\ndessen, der sein Dasein den Gedichten und sich mit ihnen seinen Freunden hiugab.\nAls Gespenster freilich standen auf solcher Tsribiine alle diejenigen, deren\nTechnik in den Biichern glänzt; die heute so zahlreichen, die, von allen Kanölen\ngespeist, mehr können als sie sind. Gerade diese behaupten zwar, die\nKunst besonders heilig zu halten, indem sie den Stoff mit enormer Gewaudtheit\nzu einer, wie sie meinen, kunstvollsten sorm aussaugen (wenu der Pokal leer sei,\nklinge er um so voller). Und sie wiirden den Gedanken verabscheuen, das? der\nMensch auch mit alleu Mitteln seiner körperlichen Gegenwart, mit dem Ausdruck\nseiner Gestalt, mit seiner Liebe, mit seinem hervorblitzenden Gewissen beim letzten\nlebeudigsteu Aufbau einer Dichtung mitwirken könnte. Doch in den Geist ihrer\nBiegungen, zu denen all dies Menschliche nach angeblichen Gesetzen umgebogen\nwerden miisse, pflegen gerade sie viel Zremdes oder singiertes mitverschwinden\nzn lassen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.5", "texte": "Wer aber ielbkt als iein Gedicht auftritt, hat nnr jich darzubringen. Er\nlcann lich weder mit der snrbe anderer Aienichen oder Ainien anfichnrinlcen noch\nlich in Seit! nnd Körper zerteilew Er lcnnn lich nicht pour Pakt vergeiitigeth\nsondern greift mit der Ganzheit feiner Knnjtgeitalt in die Ganzheit der Menschen.\nAlles, was er noch anderes als Zorm iit, wird der blos; gelconnten Dichtung\nfehlen, nnd der nnr gedrnclcten ähnlich wie den Roten ein Orchester. -\n3\nRur das Papier mit Werke« beschatten, wie der Egpns jenes Schrift-\nstellers ans dem vorigen Jahrhundert, oder wie jener andere nicht einmal Buch-\nstaben ans Licht bringe« wollen: das würde unsere «ach Ekstasen hungernde Welt\nin völlige Armut stürzen. Auf den religiösen Ekstatiker kann sie nicht rechnen, seine\nBiston ist für keinen andere« als ihn selbst bestimmt; sie ist das Unsagbare, die Ein-\nheit mit Gott.\nDer Dichter dagegen breitet sich in die Einheit mit Alenscheu aus. Das\nbewußtlose Schweigen des Heiligen — und seine Sukousequeuz, dies Schweigen\ndoch zu brechen und seine Visionen mitzuteilen, wie ins Blaue hinein, — beides\nsteht dem Dichter fern. Er stammelt nicht wie jener, der in beziehungsloser\nSteilheit uur Gott denkt und vollkommen wäre, wenn er nichts, nicht einmal die\nSprache, außer sich und Gott empfände. Sondern seine Vollkommenheit ist die\nÄußerung» die möglichst ganze.\nEr will wirke«, — nicht auf den Glauben der anderen (der nie zu verändern\nist); aber er will bewirken, daß jeder glaubt.\nAus seiner Kunst soll eine Atmosphäre hervorschreiteu» in der nichts\nUuerregtes, Ungöttliches mehr vorkommen kann. Sie drängt gegen die chaos-alte\nAtmosphäre an, in der die Mitmenschen noch als gedankenlose Eiere liegen; oder zu\nSchollen ans Geld gefrieren; oder als stumpfe Soldaten einander zerschmettern. Su\nihr, bis ins letzte durchsichtig, beginnt das Zeitalter der Entdeckungen aller Sterne.\nDie Schüsse, die alles beim alten lassen, sollen übertönende Stimmen\nzu hören bekommen. Die Waffen, die alles beim alten lasten, sollen, wie von\neinem gewaltigen Magneten, von der Gestalt des ganz sichtbaren Künstlers augezogen\nund den chaotischen Händen entrissen werden. Das Hellste und Friedlichste muß\nsich als das Kämpferische, das es ist, beweisen: die Liebe des Weibes, die\nFreundschaft des Mannes und. die beides und alles in sich vereint, die Kraft\ndes Künstlers.\n\nAlfred Wolfenftein"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.7", "texte": "Der einfältige Reiche.\nöna Seidel\nNichts gehört mir, weil ich alles habe,\nGold und Früchte, Weihrauch und Gelaug.\nNehmt von mir, es heilke euch nicht Gabe!\nNichts gehört mir, weil ich alles habe,\nschwer von Erde ilt mein Gang.\nAch, die heilig ernlten Dromedare\nschreiten durch die gliihe Wiilte hin,\nschier erdriiclct von bunter Wunderware, —-\nAch, die heilig lanlten Dromedare\nWillen gut, wie ich beladen bin!\nNur ein lcarger Schatten unter Palmen,\nNur ein gottesleelger, reiner Quell,\nZeuerchen aus sNiilt mit herbem Qualmen,\nEine Handvoll Datteln von den Palmen,\nHohe Nacht von lciihlen Sternen ltill . . .\nJa, die ltillgeängten Dromedare\nWillen, wie man beller froh lein kann,\nDas; man ohne Goldlalt lieblich fahre,\nAch, es lehen meine Dromedare\nNiich vertraut wie liebe Briider an!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.8", "texte": "Zärcher Tagebuch\n\nMinderheiten\nWohl haben die Völker und Jndividuen setzt vollauf mit der Gegenwart\nzu tun. Aur das; es, recht betrachtet, keine Gegenwart gibt. Jeder Handelnde\nbereitet Zukunft, jeder Auhende hält firh bei feiner Vergangenheit auf. selbst\ndie Paufen zwifrhen Vergangenheit nnd Zukunft find Krisen, die iiber das Röck-\nwärts oder das Vorwärts entscheiden, gemifrht ans Vergangenheit nnd Zukunft,\ndie einander bekämpfen. Es liegt nahe, daß heute die ,,politifchen Srzieher« der\nVölker, die diefe Eigenschaft der freiwilligen oder unfreiwilligen Unterwerfung\nunter die Makhthaber verdanken, mit Vorliebe iiber Minderheiteu spotten —\ndenen fie zuweilen, in ihrem Jnnerften selbst angehören. Jedoch die Minderheit\nvon heute kann morgen zur Mehrheit werden.\nDie Widerstände, die fich in den verfrhiedenen Ländern den Minderheiten\nentgegeuslellem entsprechen auf das genauefte dem freien Spiel der Kräfte in den\npolitischen Ländern. Jn demokratifrh regierten Ländern haben Minderheiten\neine gewaltige Bedeutung. Je absoluter ein Land regiert wird, defto wirkungs-\nlofer bleiben Handlungen von Minderheitem es sei denn, die Minderheit ftiilze\ndie Macht —- gegen einzelne, wobei sie, die zur Macht, das heißt, zur Mehrheit\nftrebt, sowohl aus der Tatfakhe ihrer Minderheit, wie aus dem Machtprinzip\nden doppelten Autzen zieht. Man nennt eine solche politische Gruppierung\n,,8ronde«. Und ich werde zu jeder Minderheit mehr «Vertrauen haben, als zu\neiner Mehrheit, die es nicht verfteht, ihrem politischen Hanptapparat den Dynamo\neiner motorifkh diefe ihre Minderheit antreibenden und ihre Gegenwartspolitik\niibertreibenden Energie anzufchlieszem Alle grossen politischen Parteien besitzen\nihre zentrifngalen Kräfte.\nJeder, der nicht ,,mitmacht«, aber zum äufierften entfchlosfen ist, um die\nMöglichkeit zu schaffen, ,,mitzumacheu«, ftellt eine politisch gewichtige Minderheit\ndar. Da aber die politische Mafchiue —- irh kann es nicht oft genug wiederholen —\nein an Umfang und Kompliziertheit gewaltiger Apparat ist, der sich nicht von\nheut auf morgen aufbauen läfzt fDas Fiasko der Aooseveltschen Sezeffion in\nAmerika!), so miiffen fikh die Minderheitem um wirkfam zu werden, organisieren.\nJeder, der fikh politisch betätigt hat, weiss, was von den Jdealeu feiner Partei\nbis zu den ersten praktischen Verfukhen, fie zu verwirklichen, auf dem Weg liegen\nbleibt. Die Parteigänger des Herrn von Hegdebrandt und die Gläubigen des\nechten und des vorgestellten Marx enden auf ihren Wahlgängen beim Vauern oder\nbeim Arbeiter, im Gutshof oder im Wirtshaus, nnd die entscheidenden Argumente\nfiir die Gefinuung eines Mannes, der nun fiir oder wider eine Weltanschaunng"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.9", "texte": "klimmen solt, gehen selten über die aktuelle Vedüsrfnisfrage hinaus -—was ich nicht\nnur begreife, sondern billige. Denn die Voraussetzung einer Propaganda für\neine große Idee ist das Interesse für die Lebenshaltung überhaupt, sodann die\nmöglichst baldige, die möglichst sichere, die möglichst bedeutende Hebung« der mate-\nriellen Lebenshaltung von Menschen, an deren Geistigkeit nnan appelliert.\nDer Parteisekretär, der in Wahlversamuitnugen spricht, pflegt es materiell\num vieles besser zu haben, als die Menschen, die ihm Ohr und Herz öffnen.\nLeidet die Idee darunter? Manchmal, nnd dann haben wir es mit\nplattester Demagogie zu tun. Sonst finden wir uns mit der Technik der politischen\nArbeit ab, die, durch dick nnd dünn, zur Idee hinstrebt, die es zu erkämpfen gilt\nmit den Mitteln, für die die Masse (mit Recht) in erster Linie empfänglich» ist.\nEine Politik des Geistes wird sich derselben Mittel bedienen müssen, wie\netwa eine landschaftlich beschränkte Kartoffelpolitiln Sodaß, im Grund, die\nDemokratie als politische Einrichtung ebenso aristokratisch wäre, wie eine Aristo-\nkrsatie, die sich gegen sie wehrt. Auf den erreichten Gipfetn stellt sich der Sinn\ndes politischen Kampfes ein, der Weg hinauf kann im besten Salt nur der gleiche\nsein für alle Parteien. Schlußfolgerung: es muß immer wieder nnd gerade\nietzt gewarnt werden vor sentimentalen Individualismeu, vor Programmen und\nManifesten, die schöne richtige Worte enthalten, Wo rte, wenn nicht der\npolitische Apparat für sie arbeitet. Die Verfasser müssen sich in den bestehenden\nApparat eingliedern (wenn sie nicht ein neues, wirksames Hebelwerk schaffen,\nwozu die Anstrengung einiger Generationen gehört), müssen den Apparat selbst-\ngeleulcig bedienen und lcontrolliereu. Politische Ideale haben wir seit hundert\nIahren, so prachtvolle, wie sie nur sein können. Verwirklichungen lassen auf\nsich warten. Die politische Maschine hat immer und überall die politischen\nIdeale zerrieben. Unsere politische Tragödie. Die Redner der Zrankfurter\nPanlskirche wären große Politiker gewesen, wenn sie etwa Vismarck nnd seine\npolitische Wissenschaft auf ihrer Seite gehabt hätten. Sie hatten sie gegen sich,\nnnd die Geschichte machte sie zn Ahetorem\nDer krasse Dilettautismus in politischen Dingen bei uns ist haarstränbend.\nDie ,,gseistigen Führer« des Volkes schreien nach politischer Erziehung — aber sie\nhaben, mit dem Korrespondenten eines großen deutschen Vtattes in Paris, die\ndortigen Radikalsozialisten für radikale Sozialisten gehalten, während die franzö-\nsischen Radikalsozialisten in Wirklichkeit etwa unseren Freisinnigen entsprechen, nnd\nsehen heute noch in Eaillaux den französischen Dentschenfrennd, obwohl feder-\ntnann in Frankreich weiß, daß er, wenn überhaupt etwas, nichts anderes vermag,\nals für die Guekre å outrnuce eintreten. Auf anderen Gebieten ist es nicht\nbesser. Ich führe absichtlich nur ,,Kleinigkeiten« an. s\n,,Politische Erziehnug?«\nEs wäre Zeit, ernsthaft damit anzufangen. Die Zensnr böte die beste\nGelegenheit dazu, wenigstens in Angelegenheiten der auswärtigen Politik."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.10", "texte": "Herné\nIch erinnerte frhon einmal an die aufrechte Haltung, die Guftave Hervå\nzu Veginn des Krieges in feiner Zeitung »Da Guekw soc-into« einnahm. Aicht\nnur, daß er in feinen Leitartikelu leideufchaftlich gegen die Schreikrämpfe der\nnationaliftifchen Preffe, den Spionenfaug nnd den Deutfchenhaß einer durch\nRoutiniers aufgeregten Menge anging — in den Redaktiousränmen feiner Zeitung\neröffnete er ein ,,Dentfkhes Konfnlat«, durch deffen Vermittlung Dentfche, öfter«\nreicher nnd Ungarn, die in Paris znriiclcgeblieben waren, gefchiitzt und verforgt\nwurden. Dentfrhe Frauen mit ihren Kindern fanden Aufnahme in den Familien\nfranzöfifrher Sozialiften. Er ließ fie auch nicht im Stich, als fie in die Konzentra-\ntiouslager abgefchoben wurden, Die »Gut-kri- soeialeC die vor dem Krieg zweimal\nin der Vzoche erfkhienen war, kam nun täglich heraus nnd wurde, in kiirzefler\nZeit, eins der meiftgelefeneu Organe der franzäfifchen Preffe. Das ifl fie bis\nheute geblieben. Vur heißt die »Aus-kre- socialo« feit dem i. Januar 1916\n»Lu- viotoireC und man kann nicht daran zweifeln, daß Gerne, der friiher\ndie franzäfifche Fahne auf einem Mifthanfen aufpflanzeu wollte nnd als Anti-\nmilitarift radikalfter Färbung viele Jahre feines Lebens im Gefängnis zubrakhte,\nfich heute die Sgmpathien der radikalften Militariften erworben habe, fo fehr,\ndaß die Zenfnr ihm zur Zeit der franzäfifchen 0ffenfive in der Ehampagne\ndie heftigften Artikel gegen hohe und hächfte Offiziere durchgehen ließ, denen\ner vorwarf, daß fie ihre Eruppen gegen Drahtverhane fchickten, die nicht zuvor\nvon der Artillerie zerftärt worden feien. Diefe Artikel durften erfcheinen, gleich-\nzeitig mit denen des rogaliftifchen Fiihrers Eharles Maurras, worin vom Militärss\nkommando die unverziiglikhe Fiifilierung Herves verlangt wurde. Die frauzäfifche\nZenfnr hatte alfo weuigfteus Methode. Als ich, nach langer Zeit, wieder einen\nArtikel von Hervö lefen konnte, war er ,,An eine beforgte Seele« betitelt nnd\nschloß mit der Aufforderung: ,,0 mon krdre paysaty tu peux tue-r oes hommes\nnveo söråuitws Mein Bruder, du kanuft diefe Leute, die Deutfchem alle, ohne\nGewiffensbiffe täten: mit erhabenem Gleichmut. Nicht einmal Karl Liebkuecht\nfindet Gnade vor ihm. Er hat ihn nach allen Seiten gedreht und gewendet, ihn\nfiir nnwiirdig befunden und vernrteilt. Vzie das kam? Durch die Enttäufchung,\ndie das deutfrhe Volk im allgemeiuen und befouders die Sozialdemokraten ihm\nbereiten mußten. Er hat, als friiherek Rechtsauwalh gegen die deutfche Partei\nausführlich mit Rede und Gegenrede, den Prozeß gefiihrt — nicht mehr als der\nSgndikalifh der er ein Leben lang mit riirkfichtslofem Mute war, foudern als\nVlanguifh zu dem die Ereigniffe nnd fein Temperament ihn gemacht haben. Sein\nFall ift tgpifclx Vielleicht komme irh dazu, ihn mit der notwendigen Ausfiihrlichkeit\nzu fchilderm\nIch habe den Mann gekannt. Er ifl nikht der Hanswnrfh fiir den fe\nmancher heutige deutfrhe Radikale ihn auf den internationalen Kongreffen zu halten"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.11", "texte": "beliebte —- weil er, für seine Uberzeugung verurteilt, mit spüken und durchaus\nohne viel Aufhebens ins Gefängnis überiiedelte Wer möchte ihn einen Führe:\nnennen? Aber: wo waren denn unter den Leichenbittern der deutschen Unent-\nwegteu die Führer? Vor lauter Demagogen iah man lceine Politilcer mehr,\nvor lauter schriftgelehrten lceiuen Führer. sie mögen einander, nachdem Bebel\nund öanrds tot lind, nnd im Glauben an die letzte ölluliom die Iie mit dieien\nNamen verknüpfen, volle Abjolntion erteilen.\nDemaiu\nSeit den: is. Februar 1916 erscheint in Genf eine Halbmonatsschrift\nDemain, die Henri Guilbeanx heransgibt. Sein Programm: ,,Demain jagt,\nwas die Presse ihren Leiern sorgsam verichweigt: Ansichten von schriftstellerm\nKünstlern, Soziolvgen, die Aienschen geblieben sind, und veröffentlicht vielfältige\nnnd zahlreiche Doknmente aller Art, die nur einigen Privilegierten bekannt sinds«\nIn der dritten Nummer interessieren Znschriften französischer Soldaten: »Ich\nkehre heut an die Front zurück. Ich kann es nicht, ohne Dir ein Bravo fiir\nDeine tapfere Zeitschrift znzurnfeuK Ein anderer verspricht, die Zeitschrift\n,,viel hernmznzeigem um sie bekannt zu machen«.\nDie Zeitschrift erscheint bei Z. H. Zeheber in Graf, 28. Aue du\nAiarcha sie ist bunt, lebhaft, tapfer nnd in ihrem Glosfenteil ein wahrer Tauben-\nskhlag, wo sich die sagenhaften Olzweige häufen, Vorboten des Friedens ans\nallen Himmelsrichtnngem Der Herausgeber geht in seiner Auffassung iiber die\nProbleme, die der Krieg aufgeworfen hat, weiter, als sein Aieister nnd Freund\nRomain Rolland, den er in einer Flngschrift gegen ebenso dumme wie maszlose\nAngrifse französischer Literaten nnd Zonrnalisten verteidigt hat. Aatiirlich hat\ndie grosse Presse in Frankreich getan, wie g r o E e P r e f s e n immer nnd ungefähr\niiberall zu tun pflegen: sie hat, nach einer langen Reihe sorgfältig gesteigerter\nönfnrien gegen Romain Rolland, bei welcher Arbeit der ,,Matin« sich beionders\nhervortat, von der Verteidigung durch Gnilbeauog die statt ans Belchimvfnnaen\naus Argumenten bestand, keine Roti? genommen.\n\nRené Schickele"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.13", "texte": "Ktabnnd\nMiide bin ich, ach, der itiidtiichen Sterne.\nBräunliches Zriihlingslaub dunlcelt im Kalterer--B3ein.\nMein Blut lpritzt morgenrot iiber die Berge, \"\nZwei Herzen balauciere ich an« einer langen Stange Ieiltragend\nzwijchen Zugjpitze und Kramer.\nAuf dem Riejjeriee schwebt eine rote Jacke.\nZwei ichlanlse Ziisze ritzen eislaufeud meine Wange.\nEin Münchener Rechtsanwalt begrüßt mich freundlich funlcelnd.\nEwig bin ich allein, Mädchen, trotz deiner selig mir zujpringenden\nBrüste.\nWeil ich lceine Zentralheizung in meinem Zimmer habe,\n· friere ich lehr.\nIch leje im Bett die Annouren der Miincheuer Reueften Rach-\nrichten, um eine Stellung zu finden.\nEine Stellung als Freund. Oder als Diener vielleichh\nDienend in Sauftmut einem redlichen Gott."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.15", "texte": "Glossen und Kritiken\n\nH. S.\nZtngblätter an die deutsche\nZngeulxAusgegebeuvonder\nBerliuersreienstudeuiens\nschaff. Ernftöoizly Vetlegt\nbeiSngeuDiederichs,Zeua.\nSs lind bisher 12 Helte erschienen.\nSin jedes lcoltet nur 10 Pfennig, birgt\naber (ledesl) einen wahren Schatz an\nSiite und Weisheit. Fichte, Plato,\nskhleierntachey Kierlcegaard, Solltol,\nJean Paul. —— Allo lauter alte Be-\nkannte?\nAber wie ilt das ausgewählt! Das ilt\nlceine Sammlung allgetueiugiiltiger\nWeisheiten, von grolzeu Toten zu\nanderen Zeiten, zu anderen uns fremden\nAieulrheu gelagt. Das lcliugt nicht\nlclug aus ,,grolzer« Zerne herüber, das\nlclingt lehr nah, lehr leidenlchaltlirh\nund lehr ntenlchlikh. Aicht auerlcannte\nlaber tote) Srölzen reden hier; lebendige\nMenlchem Und nicht hiltorilch-fegerlikh\nzn einer wertenden Zuhörerlchaftz lehr\nhinreilzend reden lie und ganz perlönlikh\nzu uns, zu mir und Dir, von uns nnd\nunlerer Zeit und nuleren Angelegen-\nheiten und Wiinlchen nnd Hoffnungen.\nWenn Colltoj lagt: ,,Belinuet Sucht«\nlo klingt das nicht wie hohle Rhetorily\nlondern recht urenlkhlich lkhiittelt er uns:\n,,Belinnt Such! Belinnt Such! so\ngeht das dokh nicht weiter! Wie?«\n»Es lcümmt einmal ein goldeues Zeit-\nalter, wo Menschen es leichter haben,\ngut zu leben, weil sie es leichter haben,\nüberhaupt zu leben, . . . wo man den\nlcriegerischeu nnd juristischen Mord ver«\ndammt nnd nnr zuweilen mit dem Pflug\nKauoneulcngeln anfaclcertk . . . Klingt\ndas nicht wie ein sehusuchtsruf ans\nunserer von ,,Morden« nnd ,,Kauoneu-\nKugeln« erfüllten Zeit? Wer sagt es?\nJeau Paul.\nUnd gar erst Plato. Zu uns ans\nunserer Zeit sagt er: ,,Solauge nicht\nentweder die Philosophen in den\nStaaten die Krone tragen, oder\ndie sogenannten Könige und Poten-\ntaten von heute lautete nnd gründ-\nlikhe Philosopheu sind, solange\nnicht beides, politische Macht und\nPhilosophie znsammenfüllt und den\nzahlreichen Kreaturem die sich in unseren\nTagen gesondert um eines von ihnen\nbemühen, der Weg mit Gewalt abge-\nschnitten wird, solange lcüunen auch die\nStaaten lceiue Erlösung von ihren\nLeiden finden nnd wohl auch das ganze\nMeuscheuvollc nicht«\nLest nnd verbreitet diese Heftel so-\nlange sie viel gelesen nnd recht beher-\nzigt werden, lcaun es nicht ganz schlecht\nam Deutichland stehen."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.16", "texte": "Berliner Knnstlcritilu Im\n8-Uhr-Abendblatt vom is. März heißt\nes am Ende einer nichtnnterzeichneten\nKritilc iiber ,,Kriegslcarilcaturen bei\nPaul Eassirer«. ,,Erwiihnt seien noch\nEh. Eh. Heine, Ed. Ehöny, Wilh.\nSchutz nnd Anguste Renoir, die\nin der ,,Laudschaft bei Avignon« vor-\nzügliches geleistet hat« s—- Renoir als\nBersasserin des beriichtigteu Bsnches\n,,80 Jahre in MiinnerlcleidernW Das\nist schon einigermaßen komisch. Weit ico-\nmisrher aber ist Herr Servaes in der\nBossischen Zeitung vom s. April 1916\nDieser Mann weiß zwar iiber die\nsexnalitiit Renoirs Bescheid. Dasiir\nweiß er um so weniger von\nseinem Wert nnd feiner Bedeutung.\nMancher Kellner nnd sogar mancher\nKnnsthistorilcer weiß, daß Renoir der\n— nicht ein, sondern schlerhtweg d e r\nMaler unserer Enge ist. Der einzige,\nvon dem man schon ganz sicher, sozu-\nsagen schon bei den Behörden weiß:\ner ist nnsterblichs. Der einzige Riese,\nder iiberblieb. tBielleicht wiichst augen-\nblidclich schon irgendwo ein größerer.\nAber der wächst, der w i r d dann noch.\nDer einzige, derss schon ist , — ist er.)\nHerr servaes aber stellt ihm lnicht\nohne Wohlwollen) ein Beispiel, ein\nBorbild zum Ausporn an die Seite.\nEr wählt dazu?\nHerrn Brocl(husen. (In Worten:\nEh. v. Broclchnsen). Renoir ist ,,slau«\nund ,,rontiniert«. Brorlchnsen ,,voll\ngesunder EiirnngC ,,Bielleicht war es\nauch nicht richtig, diese miiden, vorneh-\nmen Bilder mit den schmetternden\nsarbensaufaren unseres Broclchnsen zu-\nsammeuzubriugenN\n»Unser« Broclchusenl Rein —- es war\nsicher nicht richtig, Herr servaesl\nEs ist gewiß sehr komisch, wenn ein\nMann davon lebt, daß er Renoir sur\neine Dame, vielleicht gar fiir eine\nTaute hält. Daß aber einer davon\nlebt, daß er Reuoir bei Broclchnsen\nin die Lehre gibt, -—-— das ift doch noch\nerheblich komischer.\nDen erstrebteu Gipfel (der Komilq zu\nerreichen aber —- ach, es ist ihnen beiden\nunmöglich. Da thront in unerreikhbarem\nGlanze, einsam und sicher Friedrich\nStahl, genannt Fritz, vom ,,Berliner\nTageblatt«.\nDer lebt nun wohl fchou ein Dutzend\nJahre von der Kunst (anderer freilich)\nund hat noch immer nicht gelernt, daß\nes bei der Bewertung eines Kiinsllers\nnicht so fehr auf das ankommt, w a s\ner malt, als vielmehr darauf, w i e er\nes tut. (Soznfagen.) siir ihn ist immer\nnoch d e r Mann der lobenswertestg\nin deffen Atelier das uettesle (uud\nnaclcteste) Mädchen steht. Ein Salz, zu\ndem nicht nur Herr Stahl, zu dem\ngar mancher heitere Mäzen hält.\nStahl schreibt iiber ,,Aiggerei«, viel-\nmehr gegen ,,Aiggerei«. Rnn glaubt\nman erst, er hätte es mit den harm-\nlofeu jungen Leuten, die sich durch\nGauguiu nnd fpäter durch Aegerplaflilc\nzu einem primitiven und negesrhafteu\n(aber enropafremden) Stil verleiten\nließen. Man glaubt, er wiirde jagen:\n»Bleibt Suropäerl Werdet lceine\nSieger« Oh nein. Das ist ihm ganz\negal. Herr Stahl lceuut lceinen Stil,\nlcein Ziel, lceiu Wollen, lceiu (oft, ach\noft gar recht verzweiseltes) Kämpfen um\nAnsdrnclcsart und Ausdruclcsmöglictk\nlceit. Von diesem gefährlichen und all-\ntäglichen Kampf um sich selbst und ein\nbißchen eigene Sprache, um ein bißchen\nSprechenlcännen und um ein bißchen\nGehärtwerdem von dieser schweren\nund tärichten Arbeit, die endlich am\nAbend ganz zuweilen von einer ach, so\nfanften Melodie oder auch nur von"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.17", "texte": "einem Schrei nnd einem hilflosen\nGestammel gelcrönt Caber wahr-\nhaftig gelcriintls wird, ·— davon weis;\nHerr Stahl natiirlirh nichsts. Ziir ihn\ngibt es nur die eine Frage: M) a s malt\nder Mann? We: fröhliche Miizenx\n,,Mo wohnt das Modell?«) Sein\nganzer Antiuegerfeldzug richtet sich\nnicht gegen den Reger als Lehrer, als\nVorbild, nicht gegen den Reger als be-\nneideten, begusasdeterseu (weil eiusakherens\nBruder nnd Kameraden. Was? sowas\nmöglich ist, davon weis? er nichts) Gr\nlciimpst nur gegen den Reger als Mo-\ndell. Richt Reger soll man malen,\nsagt Herr stahl, sondern edle Griechen-i-\nLeiber. Richt Reger, sondern Euro-\npiier. Richt Roger, sondern —- ihn ,\nHerrn stahl.\nDas; einige Maler nicht mehr ,,Trin--\nlceude Miiuche«, ,,Reiter am Strand«\nnnd heroiskhe (oder berliney Land-\nsrhasten, sondern Siidseeinseln nnd\nbraune Menschen malen, das nennt\ndieser Kritilcer ,,Riggerei«. Diese\nharmlose Tatsache (die nichts dolcumenis\ntiert, als etwas lcindlikhe Sehnsucht\nnach Romantilt nnd Gxotilcs bietet ihm\nGelegenheit zu drei giftgeskhwollenen\nSpalten schlechter: Prosa.\nRach dieser Methode lcönnte er Manet\nden ,,Gemiiserich«, Goya einen Rot-\nzöchter und Rubens etwa den ,,Popo-\nPeter« nennen. Rath dieser Methode\nist das Stilleben das bessere, ans dem\ndie teureren und skhönereu Spargel, auf\ndem die diklcsten Kartoffeln sind.\nRach solchen Gesichtspunkten stellt sich\ndiesem Mann die Kunst und ihre Ge-\nschichte dar. Rach der tief-religiösen\nFrage, die den Wert des Kunstwerkes\nentscheidet: »Wer stand Modell?\nBraun oder Bloud?«\nZriiher nahm man ,,schiine« Griechen,\nheute nimmt man manchmal Reger.\nDas ist siir ihn der Unterschied. Das;\nnicht die Aiodelle, sondern die Male:\nvon heute anders sind nnd anderes\nglauben, anderes lieben nnd anderes\nwollen als ,,Aiilo«, Tizian oder\nLenbach, das ist ihm nicht von Wichtig-\nlceit. Er sieht lwie der schon zitierte\nWissen) mit Gram im Herzen nnr das\neine, das; in den einst so hiibschen\nAteliers Aiodelle stehen, die ihm nicht\nliegen. Das ist lcomisch nnd erinnert\nlebhaft an Bonvard nnd Pörnchet\nDas; aber dieser Bonvard an der\ngrössten Berliner Zeitung als Kritilcer\nangestellt ist — ist das anch noch\nlcomisch? Rein —- das ist traurig.\n\nH. siemien\n\nAlbert Steiuriicln Man lcann\njagen, er blaje ein jchlechtes Stiiclc auf\nwie eine Haut, ein jchweres jchleudre\ner mit dem Genick, wie ein Zirlcnsis\nathlet, in die Luft nnd fange es klat-\njcheud, eine mejjingne Kugel, wieder mit\ndem Nacken. Dann jpritzt er’s aujs\nnene hoch. Es gibt ein Riiclcen der\nAchjeln, die Brujt möcht jich wachjend\nheraus. Enrgelnd jtrotkeu Krajtjtröme\nin das Parlcett Man lcann jagen, er\nordne jich nicht ein, jondern er jei\njchöpferijch und ordn-e jeinen Sinn in\ndie Dinge.\nSein Auge ift zu elementar, als dajz es\nDurchjchlaglcrajt bejäjze Ein opaliges\nGewölbe quillt es jtumpf ans der\nHöhle, aber plötzlich hat alles Bezie-\nhung nur zn ihm. Es jaugt die Hand-\nlung, die Bewegung, die Luft ein,\nimmer jlrudelnder bewegt jich alles in\njeine Macht hinein, man lcönnte jagen,\nes jei ein Höllenjtnrz aber da zieht es\njich wieder ein unter eine Znclcung der\nBraue und die Erstarrung und Ver«\nglajnng löjt jich bunt."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191609-01.1.18", "texte": "Manchmal hat er lceiue Aiimila wie\nman fo fagt, denn fein Gefirht fpielt nicht,\nes ift Waffe. Aber das Element fitzt\nftraff in der Kenlenbiegnng des Ellen-\nbogens. Eine Linie nmreist ihn me-\ntallen, gegoffen. Gegen fie ftrömt der\nAnsbrnrh des Gefühls, fie gibt nach,\nwird ein wenig locker. Aber faft ohne\nBewegung wirft fie zugleich miihelos\nden Ansbrukh znriiclc und wird starre.\nEs ift das Spiel einer Zehntel se-\nlcunde. Dennoch weinen stauen iiber\ndiefe Bewegung.\nJeden Aienfchen, in den er fiel) wirft,\ngibt er erlciimpfeud von fikh. Der\ngrößte Kampf —- mit dem Tod —- ift\ndaher feine größte Kraft. Geht es\nans Krepiereu, wird fein Hirn wild wie\nein Ochs nnd wiitet. Er felbft lcann\nfehr ftill fein dabei, herumgehen, fund-\nmen, Lichter anfteclcen, es ift gleich,\ngegen die flammen Wände aber prallt\nein wiitender Kampf. so befiegt er den\nTod ohne Gebärde. Dann macht er\neinen Ruck, nicht fehr ausgedehnt,\naber: die Flammen des Lebens zifchen\nans ihm wie aus einer brennenden Effe.\nseine stimme ift ohne Wohllaut, alfo\nnicht lcaftratifklx fondern heifer, fakhlich\nund potent. Aiit ihrem Anfrhwellen\ngliihen die Adern auf nnd ziehen in\neinem ranlchenden Aet- wie um eine\nSänle um leinen Leib. Oben lletlcht\ner die Zähne nnd lchlägt einen heilzen\nDonner in das Haus.\nMan könnte lagen, daß er Veutils\nporen belälze, ans denen er lich nach\naulzen hin lpielend ausgebe. Manchmal\nmacht er lich den Scherz, öffnet lie alle,\nltrömt ans nnd lcnallt die Mitlpielenden\nan die Wände. Ss ilt leer um ihn.\nDa tanzt er, heiler brüllend, dont,\nschwingt den Säbel: wie ein Gott, der,\num lich ausznlebem lich in den Körper\neines belolfenen Orangs ltiirzte.\nManche Menlkhen fällt er mit Heiter-\nkeit, unter der ein leichtes Gewitter\naufgerollt liegt, faft ohne Geräulch Mit\nanderen reitet er, ein Banernganh\nalles zulammem Um einige legt erhers\nmetilche Panzey die blau vor Stahl\nblitzen und lälzt das Herz dagegen au-\nbrechen, das; das Weh in die Finger«\nlpitzen lpringt. Spielt er Mozzely\nwerden Hunde toll nnd heulen, stauen\nfallen in marmorne Ohnmacht, Böh-\nnenlchweine flenuen. Man lcönnte\nlagen, das; es nichsts im Widerfpruch er-\nftanulicheres gäbe, als, im März mit\nihm ans dem Theater tretend, weiche\nblähende Kirlchbäume in einer alten\nZranlcfurter Galle plötzlich zu lehen.\n\nRasimir Edschmid\n\nHerausgeber: Otto Haus-sey, Berlin, Wilhelmltrafze 69\nBerantwortlicher 8chriftleiter: Hans Biengen, Lichterfelkm Sternltrafze 25\nsiir unverlangte Sinlendungen keine Gewähr\nön ÖJtßtrßid) für biß oßtcntioortlid) öugo ößllßr, 3\nDruck von H. S. Hermann in Berlin"}]}