{"numero_id": "bm-bmtnabb-1916-11-01", "volume": "bmtnabb_1916-11_01", "ocr_sha256": "03035a31a11f569d7279d4429c7c2b1ad5a6deb3f73336a955d371c412fe6333", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1916/11_01/bmtnabb_1916-11_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1916/11_01/bmtnabb_1916-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1916-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-11_01#c002", "volume": "bmtnabb_1916-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.2.2", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.2", "debut_caractere": 22, "fin_caractere_exclue": 383, "texte": "Inhalt:\nC. M. «Webet - Das Wunderkind\nMax Unvld X Origiualssteiudruclc\nAlfted Lemm - Aufzeichnungen\nElle Laslcewschiiler - sen-arg, L« Du«\nSlfe Laskewschiiler X Theodor Minbler\nVatlach ! Original-Zeichnung\nTheodor Däubler X Baktach\nC. s. Savary J Alodebild XII. 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Gin Jedes muß uns fliehn.\nUnd wissen wir, von Vielen, die noch ziehn,\nWas ihre Augen gleich den unsern glühn? —-\nUud doch gescheh’n zuweilen solche Stunden,\nWo wir, den Glanz ver-stehend, uns gesunden!\nDrum mächk ich,eh’ sie sich zum Schlummer falten,\nSelcuudeu deine schmalen Hände halten.\nMein junger Weggeuosx dann ichlafe ein -—-—\nZm Traum mir noch verbriidesriet zu fein!\n\nCarl Maria Weber"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-11_01#c004", "volume": "bmtnabb_1916-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "211", "page_fin": "212", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.2.4", "titre_corps": "Aufzeichnungen eines Kranlcenträgers", "titre_sommaire": "Aufzeichnungen eines Kranlcenträgers", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2072, "texte": "Aufzeichnungen eines Kranlcenträgers\nAls der grobe Dnrchbrnch der Deutschen und dsterreicher im Aiai 1915\ngelungen war, erhielten wir den lange erwarteten Befehl zur schleunigen Abfahrt\nWir fuhren langsam tagelang durch Galizien. Die Luft wurde sonderbar kiihlendz\naber. die Wiesen und Bergziige waren weich und blühten. Baueruhänser roh\nans Baumstämmen gezimmertz nackte Weiberwaden nnd bunte Kopftiicher in der\nweiten Luft; eine Wollust an Zarben so scharf wie nur möglich.\nReben einsamen zerschossenen Bahnhofsanlagen in einem Rauch von Sonne\nnnd Staub liegen zuweilen Russenfelder ausgebreitet. Auf der gelbgrauen Erde\nwachsen neben«- uud durcheinander durch weite Flächen hin Köpfe mit Pelzen\ndarauf und wilden Bartbuschen. Hier und da blinken pfiffige Augen ans den\nbraunen Waldgesichterm Die Stämme nnd Stile der Schenkel und Arme sind\nineinander verknotet und verflochten. Träge wimmelt an manchen Stellen die\nErde.\nKalt und kleiukörnig setzte sich ein lebloser Abend, als wir in die Station\neiufnhren. » Wir durften mehrere Stunden lang nicht aussteigen. Es war benu-\nrnhigend. unaufhörlich sprengten auf dem Bahnhof Weiber desiufizierenden Kalk\naus Eießkanuem der auf dem Boden leuchtete. Es roch, dass die Tränen kamen.\nBor dem Bahnhof auf der Stadtseite brannten uns viele Lagerfeuer in die\nsammermiiden Augen. Ein dunkles Zeld drang mit kaltem Hauch auf uns ein. Dann\nwaren helle Lichter bei der österreichischen Berpflegnngsstelltz und während\nwir unter der Schwere der Rncksäclce torkelnd, die Augen miihsam fest an die\nHacken des Bordermannes geklebt, nach einem unbekannten Ort marschierten, ver-\nioirrten uns völlig die Siegesgesänge von den Lagerfeuern und braunen Zellen.\nNach langer Zeit stiegen wir aufwärts in die Höhle eines groszen Hauses, in\ndem alle Räume voll Abfall lagen. Es roch noch frisch den dumpfen, scharfen\nTiergernch der Rassen. Auf hartem Holz, viele in kleinem Raum die Kreuz und\nQuer fielen die Köpfe auf die Rncksäclca Der Russengeruch keilte sich immer fester\nin der Kehle ein nnd stak vor der Nase, bösen Druck im Schlaf iibend."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2705, "texte": "Anu sahen wir am Tag und in der Aacht am Bahuhof in der Wachtstube,\neinem der wenigen Bäume, die von dem verbrannten nnd durchlöcherten Gebäude\nnoch standen. österreichische Aiilitärlcranlcenträger schliefen auf der Bank gegen-\nüber, in einer Reihe sihend, die langen Arme baumelteu. In allen Gclcen\nlagen Haufen abgeschabter Schneiden, geplalzter Gewehre, messinggelber Patronens\nreihem blntiger Beutel, sandiger Riemen. Deutsche Soldaten, die von der\nZroui kamen, schliesecy wie sie auf den Boden hingelcracht waren, mit offenen\nAiäulerm Einige sprachen immer erregt im Schlaf. Wir sind in der vordersten\nGtappeustatiom\nLaugsam wie die Atemzäge Schwerverwundeter schieben sich die Ziige vor\ndas zersiebte Bahnhossdach Wir steigen hinein in die braunen Höhlen der\nGiiterwagem Durch die riechende Dämmerung glänzen warteude stille Augen ans\ndem grauen Stroh. Baueruschädeh die nicht unsere Sprache sprechen; graue stumpfe\nZüge, zarte deutsche öuugensgesichten Halbe Gesichter ——- der Rest in Binden.\nManchmal ist ein Auge weis; verbaut. Auch schwarz gesprenlcelte Gesichter gibt es.\nImmer noch lcanien viele gesungene Rnfsen dnrch. Wir flehen mit Waffe«\nbottirhen nnd Brotsäctcem die die polnischen Arbeiter fehleppen müsfen, zwischen den\nsteifen. Wenn die Züge halten, schieben wir schnell die Türen der Gütern-eigen\nzurück.\nAb nnd zn werden anf dein Bahnhos net-löblich frendige Geränfche gehört,\ndie sich nähern. Kanonen, sauber in hellbrannes Leder gekleidet, die lenpfers\nMnzenden Hälse schräg in die Luft geflogen, als ob sie Witterung nähmen, gleiten\nerhöht vorüber. Auf ihnen reiten, unbekümmert Pfeife rnnchend, blonde snnge\nKerle in die Schlacht. Sie rnfen scherzworte herab. Hinter ihnen fahren Wagen,\nans deren vollbefetzten senftern es singt.\nZu dieser Zeit war eines Abends znr Zeier eines neuen Sieges im Etappen-\nosrt ein sacicelzug angeordnet worden. Wir marschierten, die loheudeu Stiele\nin den Händen, hinter vieien Ungarn her. Als wir aus den Aiarlct kamen, waren\ndie Juden, neugierig und wie immer misitrauiseix mit ihren schwarzen Bärten\nheransgetreteu wie Höhleubewohuen Von der Höhe des Kommaudantnrhauses\nwurde eine Rede gehalten. Przemysl ist wiedererobertl Zerschmetternd sehte\ndas Glienrusen der Ungarn ein. Der Lichthanfen der Unzahl zusammen-\ngeworseuer saclcelu war verlelzend hell. Die langen Juden in ihren Kaftianen\nstanden im Dnulceln wortlos wie fremde Geschbpse.\nWir marschierten zusriiac nnd hielten vor dem Garten des Kommun-\ndanten, wo Geigeumnsiic gemacht wurde. Doch dies war zu viel. Die Geigen\nließen all das Herzzerreiszeude der vergaugeuen Tage, das ganze Weltuugliitlc\nhervorbrechen; ich barg mich in der Dunkelheit und driiclcte die Stirn gegen\neinen Stein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-11_01#c005", "volume": "bmtnabb_1916-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "215", "page_fin": "216", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.2.5", "titre_corps": "mit Laub bestetkten Zensteru der Abteile. Zug auf Zug rollt herein. Die auf", "titre_sommaire": "mit Laub bestetkten Zensteru der Abteile. Zug auf Zug rollt herein. Die auf", "signature_source": "Alfred Lemm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2966, "texte": "mit Laub bestetkten Zensteru der Abteile. Zug auf Zug rollt herein. Die auf\ndem Steig fallen in den Gesang ein. Der Bahnhof rauscht von blonder Jungens-\nkraft, die verteidigen will. · .\nwlinnge feiuüugige Menschen sitzen mit schaukelndenBeinen auf Erittbrettern\nund Wagendiicherm Sie steigen herunter, recken die Arme. Die skhlanken Hülfe\nsind frei nnd gebriiunt Die Ledergamascheu machen ihr stehen fest. Rur Hemden\nbekleiden die edlen Säulen des Brustkorbes, der unter dem Leinen lebt und sich\nspannt in der galizisrhen Sonne. Die süße treten leicht nnd wiegeud, als ob sie\nwüßten, daß sie ja diesen Brustkorb zu tragen haben, gesrhnitzt aus Stüben, die\ndurch Vergleich mit dem köstlichsten Material nur verlören und Bedeckung bilden\nfür das Herrlichste Und wenn sie weiter fahren, weht und schallt es von weißen\nZzlaggen und Rufen der 0sfiziere, der österreirhiischen Bahnbeamtem der Kranken-\npflegey die ihnen letztes Spalier bilden. Die Hemden am Halse offen, blan-\nüugig und wissend, wofür sie die Brust hinhalten, so fahren sie hinein — oh\nDeutschland!\nDie deutschen Schwestern steigen auf die Biinlce und Gitter, bis sie den\nZug nicht mehr sehen können. «\nDann aber kam jener Tag, an dem die vielen srhwerverwundeten Rnssen\neint-rufen. Rock) habe ich diesen Geruch aus alten von Schweiß vollgesogenen\nStoffen, Eiter und ehemaligem Menschenblut im Hals. Niemals spürte ich einen\neutseßlirheren Geruch. Es ist wie das Entselzlichste selbst nnd unertragbar.\nEine Reihe von Güterwagen. Darinnen Fleisch, das an manchen Stellen\nblutete und sich wie verseheutlich zuweilen bewegte und Schmerzeustöue von sich\ngab. Zerstükkelt kamen die mächtigen Russeuleiber aus der Schlacht zurück. Ihre\nGlieder waren vielfach umwunden. Wagen auf Wagen, immer neues glasiges\nStieren heller Augen und immer der gleiche Verwuudete-Russen-Geruch.\nViel Widerwillen mußte besiegt werden, bevor wir sie unter den Körper\nfassen. Schwitzend und fast stickend in der Luft der Waggous arbeiteten wir\nzwischen den stumpf Liegenden. Wir mußten die schweren Körper eine weite\nStrecke tragen, um den Bahuhof herum bis auf den freien Platz vor ihm.\nDort werden die Bahren niedergesetzt »\nIn langer Linie liegen die grangelben Rieseuleibey wie der Krieg sie zu-\ngerirhtet hat. Man kann oft die Bewußtloseu nicht von den Anderen unter-\nscheiden. Einige haben die Decken über ihr Gesirht gezogen. Khaki—brauue\nGesichter zucken. Meist liegen sie geduldig, als ob sie Angst hätten, man tötet\nsie, wenn sie schreien.\nAnu noch einmal umlegeu auf die Jahren, die wir ans den wartenden\nSanitiitsautomobileu ziehen. Unter den Decken sind sie fast nackt. Wie wnndervolt\ngewachsen sich die starken Schenkel von ihrem Ereffpnukt am Geschlecht trennen!\nWie zart der blonde Flaum auf ihnen, trotz Blut-i nnd Schmulzkrustent Wir\nstemmen die Metalltmgen in die Höhe nnd lassen sie in den Hintergrnnd des\nAntos rollen. Die leeren Bahren stehen blutig nnd haben denselben furchtbaren\nGeruch, der nicht fortgeht. «"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2911, "texte": "An dem Rnfsenzug hingen einige Giiterwageu mit deutschen Leicht-Jer-\nwnudeten, sowie ein paar Persoueuabteiltz in denen eine Gesellfchaft österreichischer\nZonrnaliften fuhr. Sie hatten lich, sämtlich in Kuiehofem nach der Sammelftelltz\netwas vom Bahuhof entfernt, begeben, wo Berwnndete aus den Richtungen,\nvon wo lteiue Bahn führte, auf Automobilem zu Wagen oder zu Fuss, anlangten.\nHinlreud, an einer langen Stange statt eines snses sich fortbewegend, auch\nkriechend, wenn die Beine nicht zu gebrauchen waren, ftrebte hier alles nach den\nBänken, wo unter freiem Himmel Warmes vor der Bzeiterfahrt ausgeteilt\nwurde. Hinter einem Haufe fpalteten gesungene Ruffeu Holz. Sie lieszen ab-\nwechselnd ein meterlauges Beil auf riesenhafte Stämme niederfanseu, hoben\nden ungeheuren Kloben mit dem feftgehaclcteu Beil in die Luft, drehten ihn iiber\ndem Kopf und fchmetterteu ihn auf die Erde, das; er in zwei Stiiclce gespalten\nwar. Daneben lag auf einer Erage in einem Graben einer im Wundstarrlcrampf\nSein Gesicht grimmassierte in allen Lag-en wie eine Maske. Die Prefsevertreter\nhatten photographische Apparate nnd nahmen die Kranlceupfleger auf, die ver-\nwuudete Soldaten hnclcepaclc auf dem Riiclceu trugen, um die hnmoriftifche Situation\nan ihre illuftrierten Zeitschriften zu fenden.\nEs war ein Spätnachmittag Die Zourualiften bewegten fich auf dem ver-s—-\nbraunten Bahuhof wie in einer Konditorei Sie standen mit gelcreuzten Beinen\nan ihre Abteile erster Klasse gelehnt nnd unterhielten sich rauchend nnd Stöcke\nfchlenliernd mit dem öfterreichifchen Bahnhofslcomuiaudantem deffeu uniform auf\nEaille gearbeitet war. Ein beriihmter Dichter, hiefz es, fei unter ihnen. Der\nZug follte gleich weiter fahren.\nDa windet sich aus einem der Giiterwagem den unbeauemen lcleiueu Tritt\nmit dem einen But; ertaftend, ein junger Mensch im Rachthemd Er hat den\nBoden erreicht nnd hopst auf seinem naclcten gefunden Fuß so fehuell er lcanu\niiber die Schienen, in das Gebiisch neben den Bahuhofstriinnnerm Der Boden\nist schwarz nnd fteiuig. Das Hemd des Soldaten war blau nnd vielfach lcariert\nund fiel in dem ftilleu Nachmittag auf. Sein Geficht war müde. Kurz vor\nder Abfahrt lconimt er in eiligen Spriiugeu zuriiclcgehopsh lclettert wieder hoch\nund verschwindet in seinem Giiterwngem\nöch hatte an diesem Abend frei nnd lconnte es lcaum erwarten hinauszu-\ngehen in die Landskhast Die Erde war ein Wogen nnd Weiten, ein All-brechen\nnnd Sich-erheben, ein dnulcles nnd helles schimmern. Ich« gehe durch» ein Wellental\nDie alten snrben steigen nnd fallen. Wie edel die Kiihe schreiten. So\nsanft nnd stilvoll Man versteht, das; Völker diese Tiere heilig hielten.\nUnd meine Seele sog an dein ntenschensernen Rhythmus nnd ruhte sich,\nsehnsüchtig nnd dem Weinen nahe, ans an den grossen Linien der galizischen\nBerge.\nCI« diesen Aufzeichnungen lind von der Zeuiusr vietiach ganze Sätze und\neiuzecue Worte gestrichen vordem)\n\nAlfred Lemm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-11_01#c006", "volume": "bmtnabb_1916-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "217", "page_fin": "217", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.2.6", "titre_corps": "Savary Le Duc", "titre_sommaire": "Savary Le Duc", "signature_source": "Else Lasker=SchÜler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 560, "texte": "Savary\nLe Duc\nElse Lasker=SchÜler\nWie spat» hänge« ins» Bitt-er\nscbanmleicht an ieidenen Wänden anfgereiht\nMit goldenem Harz der Hagebniten\nUnd Rojenieime\nMalt er der Prinzen Liebeslcleid\nUm ihre zarten Schultern tragen iie .\nAn Ketten ——-— souvenjr — im Aiedaillon\nVerziielct des Freundes Paradeis\nUnd ihre Hände spielen mit den Bächen\nUnd feinen Blnmenflengeln\nUnd dem jungen Reis.\nUnd neklcen gern den Ziegenbock.\nSlasiingig lanicht die graue Geiz.\nUnd ihre Leiber lieben fiel)\nWie iiikkgebliihte Bobnenftiiclctz\nDie fiel) bewegen lcanm in ihrer Adeliglceit"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-11_01#c007", "volume": "bmtnabb_1916-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "218", "page_fin": "218", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.2.7", "titre_corps": "Theodor Däubler", "titre_sommaire": "Theodor Däubler", "signature_source": "Elle Laskewschäler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 688, "texte": "Theodor Däubler\nElle Laskewschäler\nZwifchen dem Spalt feiner Augen\nZließt dnnlceler Golf.\nAuf feinen Schultern trägt er den Mond\nDurch die Wollcen der Nacht.\nDie Menfchen werden Sterne nm ihn «\nUnd beginnen zu laufchem\nEr ift ungetriibt vom Urfprnng,\nKlar fpiegelt fich das blaue Ren. »\nEr if! Adam nnd weis; alle Wefen\nZu rufen in der Welt. i\nBefchwört Geift nnd Getier «\nUnd fehnt fiel) nach feinen Söhnen.\nSchwer prangen an ihm Granatäpfel\nUnd fpätes Sefliifter der Bäume nnd Sträucher,\nAber auch das Geftöhn gefällter Stämme\nUnd die wilde Anklage der Waffen\nEs fammeln fich Werwolf nnd weisser Lamm,\nSonne nnd fiiszes Gehängq viel viel Wildweinlanne\nUnd Svvivm dir, Ziirft von Trieftl"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-11-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-11_01#c008", "volume": "bmtnabb_1916-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "221", "page_fin": "221", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.2.8", "titre_corps": "Biel Leid: gewiss! Schwangere Frauen. . Oft traurig; furchtbar", "titre_sommaire": "Biel Leid: gewiss! Schwangere Frauen. . Oft traurig; furchtbar", "signature_source": "Theodor Däubler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2285, "texte": "Theodor Däubler\nBiel Leid: gewiss! Schwangere Frauen. . Oft traurig; furchtbar\nschmerzhaft. Vielleicht verlassen. Aber dann wieder beieinandersiheud ihre\nSchwangerschaft voll Freude besahendz Liebesgeschuretter verschentteuin den\nBäumen, unsern Wolken. Ja, die Wolken! Die werden einmal ein Wunder\nbringen. Der Wind ist ihr Bildhauer. Der Wind ist das Sinnbild des Geistes.\nSo wird einmal der Heiland wiederkommen, thronend auf den Wolken.\nBartakhs Geschöpfe guctcen gerne in die Wolken. Oft zu den Sternen.\nAm liebsten jedoch, wenn der Wind Wollcenlcarawanen durch die Luft schleppt\nEinmal trägt der Alann ein Licht, um etwas zu erforschen. Da es um etwas\nUnsaigbares geht, tanzt auf der angesteckten Kerze ein Stern. Seine Hand srhiiht\nihn vor dem Wind. Der Aiann im Mantel sucht nach einem nngewisseu »Ge-\nwollctseim Wo?\nSo etwas lcann man bei Barlach in Holz sehen.\ntlberult ein groszes Wo? An: bei sehn-ungern Frauen das gewisse Da.\nEine von den Dreien trägt das Gewitter unterm Herzen. Endlich wird sichs\nentladen. Aiit Zeuerschwertern wird das ungeheure plötzlich unter uns« sein.\nIn Barlachs Holzmiittern tcnistert es voll Ungeduld. Wann wird Er kommen?\nEinmal träumt das Weib. Schlicht gewandei. Alle Falten liegen da wie\nim Schlaf. Biet zu einfach liegen sie da. Also, die ganze Holzplastilc schläft?\nDrum: ein Traum. ovek gak ei« Seiichte Vipaeichi sieht das Weit»\nwas iiber den Tranmwollcen vorgeht. Die Jiiuger schliefen nnd sahen auch nicht,\nwie der Heiland zum Engel mit dem Kelch sprach. öedenfalls muss das Weib\nschiefen, damit das Grosze vor sich gehe. Die Schwangerschaft fühlt es sa auch\nnicht schwerer als eine schwere Eruumtash Wie es darin aussieht, weih sie auch\nnicht. Jedes Gesicht ist ein Dahinter. Also was geschieht iiber der Schlasenden?\nEin weiter Berg: er ist Traum. Driiber ein Gesicht: der Känftige kommt an-\ngeflogem Aicht iiber den Wolken, wie erwartet wurde. Er selbst ist Wollte.\nSchwer wie eine Gewitterwollce Aicljt der Sohn der Einzetnem der Grosze\nKommende! Er wird ein lenkbar Wesen. Aber im Traume ist das schwierig,\ndenn man wird geträumt. Der Bogelhafte mit dem Dnnstleib lcann jedoch mit\nden schwebenden Züsen steuern. Er ist die neue Richtung.\nWir haben viel Schweres zu tragen, viel Schweres zu träumen. Alles\ndas fleht in Holz vor uns."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-11-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-11_01#c010", "volume": "bmtnabb_1916-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "223", "page_fin": "224", "image_debut": 13, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.2.10", "titre_corps": "Glossen und Kritiken", "titre_sommaire": "Glossen und Kritiken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2322, "texte": "Glossen und Kritiken\n\nMax Harrmann=Reife\nAeterniftem (,,Sehr fpöttifthe\nHerren find wir weh schwankender\nProviuzen —- Selig in uns ——«)\nDas erfte Bäudehen einer beginneudeu\nAktionsbibliothek der ,,Aeternifteu«\n(Berlag die Aktion, Berlin-Winters-\ndorff bringt ,,LeIeftiiclce« von zerbi-\nnand Hardekopf Ein Buch des Pro-\nteftes, der durch die Unbeirrbarkeit\nfeiner Erkenntnis wirkt. überdies hat\nfeine hartnäckige Gegnerfchaft es mit\nder raijigen Haltung untadlig gepfleg-\nten Stiladels zu tun. Biaufernng, Ren-\norientiernug, am Leben Bleiben auf\nKofteu eines Kompromiffes wird mit fo\nfpöttifcher Gefte abgelehnt, das; der\nAutipode noch etwas von dem Ent-\ntiiufchungsfchmerz ahnen muss, der\nprofaneu Blicken die Ehre einer Offen-\nbarung nicht gönnt. Blau überliifzt\naljo denen, die lich jo trefflich in das\nneue Regiment der Stunde zu fchitlceu\nwillen, das Zeld und erklärt sich felber\nfür im beften Sinn nnmodern, tot, des\nReiches einer andern cWelt Bürger.\nReveuants vorderhaud fnspendierter\nSeligkeiten, inkompeteute Romantiker\neiner Weisheit, die in der brutalen\nBergewaltigung bezahlter Augenblicks-\nfkhilde fich als Wahn fpiegelu muss,\nEmigranten heimlich verflärkter Heere.\nWenn man feiner felbft in Blut nnd\nHirn unwandelbar sicher ist, lcann man\nsichs leisten, die freiwillige Berschollens\nheit durch Verbliifsnngem Kammer-\nspiellcnrzweih Gelenlciglreitstraining er-\nträglich zu marhen. Schtem Radilcms\nlismus sind ungefährdet nnd ohne Miss-\ndentung Tänze erlaubt. So enthält\ndies Buch bewußter Abgewandtheitsin\nholdarraugierten Spielen, rafsiniertem\nmelanrholischen nnd besternten Versen,\nspöttischeu nnd zärtlich vertieften\nLandschaften der Seele nnd der stim-\nmung jene Inbrunst, die keine« Bestäti-\ngung in den Forderungen des Tages\nzu suchen braucht, die immer war nnd\nimmer sein wird. »Ist in seiner Art\nfauatiskh nnd in ,,8loretteleganz nnd\nPastellanmut« dusrch Leichtwiegendes\nschwer an Werten. Läszt sehnsiichte\nnicht verglimmem zanbert anf artistische\nArt Agitatorisches nnd verlcapselt\nSprengstosfe etwa so in einen federa-\nden Ball: ,,?iianon entordnete diese\nRevolutionärg deren einzige Bürger«\nPflicht gworden war: gelegentlich sehr\ndiplomatische Wendnngen oppositioss\nueller Eleganz aus irgendeine unge-\nfährdete Tribiine zu tragen« Giiessche\nschrieb einmal: »Ich habe Geist genug\nfiir den Säden«.) ."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2581, "texte": "Alax Herrmann, Reife\nFranz Blei, llber Wedeliind,\nSternheim nnd das Theater.\nlKnrt Wolff, Verlag, Leip-\nzig.) Logik, Sthos, Stil, nnd alle\ndrei von der wertvollsten Art, einen lich\nin dieiem Buche, einem Popanz der\nimmer norh Regent iiber nniiberisehbasre\nStrerlcen Menirhenlandes ist, an den\nLeib, das heißt an feine Liige zn gehen.\nDas es bei io ungleichem Kampfe —\ndenn der Gegner hat ia eben dies nicht\nzn fallend-e, gallertartige, lrhemenhafte\nPiendo - Sxiitieren znsr pralitiichiten\nWaffe, die ihn gegen den nnerichätters\nlich einem einzigen Standpunkte Ver«\nichriebenen nach außen hin in Vorteil\njetzt —-—-—, das es bei io ungleichem\nKampfe erlaubt iein muss, Widerktres\nbenderes anf die eine wirksame Lo-\ninngstormel zn bringen, liegt in der\nAatnr der Sache. Dadurch wird der\nApparat des Angrifjes nnr Ichneidiger\nnnd driitlrt Brankhbarlceit nnd Konje-\nanenz feines Organismus in ichlichten\nsonnen ans, die anch dem Auge gefäl-\nlig lind. Das ift nämlich im Grunde\nder Weg aller gnten 2iianifekte: durch\ndas Ange (oder dnrch das Ohr) in Hirn\nnnd Herz. So leommt Bleis Tralctat\niiber ,,literariiche« Dinge zn einem\nErnst, der dem önsBlntsnndssrlebniss\nbeisderssacheslein belcenntnisisfrommer\nBreviere gleicht nnd ebenlo sicher mit\nden nnbeflerlcten Mitteln ihrer geistigen\nDisziplinen arbeitet. so leuchtet anch\nzum Bescblusz das Bild eines zukünftigen\nKnlturbegriffes als des Himmetreiches\nfür das er wirbt, und wenn die schwin-\ndelsödeale einer lcapitalistisch-bü-rger-\nlikhen Welt überwunden am Boden lie-\ngen, steigt der Morgenstern eines wahr-\nhaftigen Willens zu einem Ganzen der\nWelt. Und hat man die Gesamtheit\nvon Bleis Wert( ltrüstezeugeud, an-\nspornend auf sieh wirlcen lassen, — und\nerst dann -——, darf man noch seine sozu-\nsagen btoskiutellelktnelle Zrende haben an\nallen geskhmeidigen Gängen der Par-\ntie und an solchen oerinnerlichten Bra-\nvourstiickkem wie sie der Dialog mit\nWolidre zu Ehren der Sternheimskheu\n»Kassette« nnd der Gpilog zu Stern-\nheims ,,Dou Zaun« darstellen. Hieraus\nstrahlt etwas wie Verjährung platoni-\nsther Dithtungeu — das Aristotelisclk\nPralctisehe erledigen ebenso dilctato-\nrisehæudgültig die gestruffteu Kapitel\n»steruheim« und »Das Programm\neiner deutschen spielbiihneC Der »mo-\nderue Bürger« Cdiese satale Summe\nvon Publikum, Pressiesoldah servierer\nlcritsischeu Schwanes, Schauspiel« einer\nWirklichkeit, die selber nur Schein ists,\nfüllt mit dem hohlen Matt( mit nichts\nals Luft gesüllter Stoffpuppen vom\nPtitfchenschlag einer neuen cotntnedin\ndel site, in der lcbou das Pathos\nkünftiger Weusehentragödie unterirdifeh\ngewittert."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-11-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-11_01#c011", "volume": "bmtnabb_1916-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "223", "page_fin": "223", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.2.10.1", "titre_corps": "Aeterniftem (,,Sehr fpöttifthe", "titre_sommaire": "Aeterniftem (,,Sehr fpöttifthe", "signature_source": "Max Harrmann=Reife", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.13", "debut_caractere": 22, "fin_caractere_exclue": 2322, "texte": "Max Harrmann=Reife\nAeterniftem (,,Sehr fpöttifthe\nHerren find wir weh schwankender\nProviuzen —- Selig in uns ——«)\nDas erfte Bäudehen einer beginneudeu\nAktionsbibliothek der ,,Aeternifteu«\n(Berlag die Aktion, Berlin-Winters-\ndorff bringt ,,LeIeftiiclce« von zerbi-\nnand Hardekopf Ein Buch des Pro-\nteftes, der durch die Unbeirrbarkeit\nfeiner Erkenntnis wirkt. überdies hat\nfeine hartnäckige Gegnerfchaft es mit\nder raijigen Haltung untadlig gepfleg-\nten Stiladels zu tun. 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M. «Webet - Das Wunderkind\nMax Unvld X Origiualssteiudruclc\nAlfted Lemm - Aufzeichnungen\nElle Laslcewschiiler - sen-arg, L« Du«\nSlfe Laskewschiiler X Theodor Minbler\nVatlach ! Original-Zeichnung\nTheodor Däubler X Baktach\nC. s. Savary J Alodebild XII. 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Gin Jedes muß uns fliehn.\nUnd wissen wir, von Vielen, die noch ziehn,\nWas ihre Augen gleich den unsern glühn? —-\nUud doch gescheh’n zuweilen solche Stunden,\nWo wir, den Glanz ver-stehend, uns gesunden!\nDrum mächk ich,eh’ sie sich zum Schlummer falten,\nSelcuudeu deine schmalen Hände halten.\nMein junger Weggeuosx dann ichlafe ein -—-—\nZm Traum mir noch verbriidesriet zu fein!\n\nCarl Maria Weber"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.5", "texte": "Aufzeichnungen eines Kranlcenträgers\nAls der grobe Dnrchbrnch der Deutschen und dsterreicher im Aiai 1915\ngelungen war, erhielten wir den lange erwarteten Befehl zur schleunigen Abfahrt\nWir fuhren langsam tagelang durch Galizien. Die Luft wurde sonderbar kiihlendz\naber. die Wiesen und Bergziige waren weich und blühten. Baueruhänser roh\nans Baumstämmen gezimmertz nackte Weiberwaden nnd bunte Kopftiicher in der\nweiten Luft; eine Wollust an Zarben so scharf wie nur möglich.\nReben einsamen zerschossenen Bahnhofsanlagen in einem Rauch von Sonne\nnnd Staub liegen zuweilen Russenfelder ausgebreitet. Auf der gelbgrauen Erde\nwachsen neben«- uud durcheinander durch weite Flächen hin Köpfe mit Pelzen\ndarauf und wilden Bartbuschen. Hier und da blinken pfiffige Augen ans den\nbraunen Waldgesichterm Die Stämme nnd Stile der Schenkel und Arme sind\nineinander verknotet und verflochten. Träge wimmelt an manchen Stellen die\nErde.\nKalt und kleiukörnig setzte sich ein lebloser Abend, als wir in die Station\neiufnhren. » Wir durften mehrere Stunden lang nicht aussteigen. Es war benu-\nrnhigend. unaufhörlich sprengten auf dem Bahnhof Weiber desiufizierenden Kalk\naus Eießkanuem der auf dem Boden leuchtete. Es roch, dass die Tränen kamen.\nBor dem Bahnhof auf der Stadtseite brannten uns viele Lagerfeuer in die\nsammermiiden Augen. Ein dunkles Zeld drang mit kaltem Hauch auf uns ein. Dann\nwaren helle Lichter bei der österreichischen Berpflegnngsstelltz und während\nwir unter der Schwere der Rncksäclce torkelnd, die Augen miihsam fest an die\nHacken des Bordermannes geklebt, nach einem unbekannten Ort marschierten, ver-\nioirrten uns völlig die Siegesgesänge von den Lagerfeuern und braunen Zellen.\nNach langer Zeit stiegen wir aufwärts in die Höhle eines groszen Hauses, in\ndem alle Räume voll Abfall lagen. Es roch noch frisch den dumpfen, scharfen\nTiergernch der Rassen. Auf hartem Holz, viele in kleinem Raum die Kreuz und\nQuer fielen die Köpfe auf die Rncksäclca Der Russengeruch keilte sich immer fester\nin der Kehle ein nnd stak vor der Nase, bösen Druck im Schlaf iibend."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.6", "texte": "Anu sahen wir am Tag und in der Aacht am Bahuhof in der Wachtstube,\neinem der wenigen Bäume, die von dem verbrannten nnd durchlöcherten Gebäude\nnoch standen. österreichische Aiilitärlcranlcenträger schliefen auf der Bank gegen-\nüber, in einer Reihe sihend, die langen Arme baumelteu. In allen Gclcen\nlagen Haufen abgeschabter Schneiden, geplalzter Gewehre, messinggelber Patronens\nreihem blntiger Beutel, sandiger Riemen. Deutsche Soldaten, die von der\nZroui kamen, schliesecy wie sie auf den Boden hingelcracht waren, mit offenen\nAiäulerm Einige sprachen immer erregt im Schlaf. Wir sind in der vordersten\nGtappeustatiom\nLaugsam wie die Atemzäge Schwerverwundeter schieben sich die Ziige vor\ndas zersiebte Bahnhossdach Wir steigen hinein in die braunen Höhlen der\nGiiterwagem Durch die riechende Dämmerung glänzen warteude stille Augen ans\ndem grauen Stroh. Baueruschädeh die nicht unsere Sprache sprechen; graue stumpfe\nZüge, zarte deutsche öuugensgesichten Halbe Gesichter ——- der Rest in Binden.\nManchmal ist ein Auge weis; verbaut. Auch schwarz gesprenlcelte Gesichter gibt es.\nImmer noch lcanien viele gesungene Rnfsen dnrch. Wir flehen mit Waffe«\nbottirhen nnd Brotsäctcem die die polnischen Arbeiter fehleppen müsfen, zwischen den\nsteifen. Wenn die Züge halten, schieben wir schnell die Türen der Gütern-eigen\nzurück.\nAb nnd zn werden anf dein Bahnhos net-löblich frendige Geränfche gehört,\ndie sich nähern. Kanonen, sauber in hellbrannes Leder gekleidet, die lenpfers\nMnzenden Hälse schräg in die Luft geflogen, als ob sie Witterung nähmen, gleiten\nerhöht vorüber. Auf ihnen reiten, unbekümmert Pfeife rnnchend, blonde snnge\nKerle in die Schlacht. Sie rnfen scherzworte herab. Hinter ihnen fahren Wagen,\nans deren vollbefetzten senftern es singt.\nZu dieser Zeit war eines Abends znr Zeier eines neuen Sieges im Etappen-\nosrt ein sacicelzug angeordnet worden. Wir marschierten, die loheudeu Stiele\nin den Händen, hinter vieien Ungarn her. Als wir aus den Aiarlct kamen, waren\ndie Juden, neugierig und wie immer misitrauiseix mit ihren schwarzen Bärten\nheransgetreteu wie Höhleubewohuen Von der Höhe des Kommaudantnrhauses\nwurde eine Rede gehalten. Przemysl ist wiedererobertl Zerschmetternd sehte\ndas Glienrusen der Ungarn ein. Der Lichthanfen der Unzahl zusammen-\ngeworseuer saclcelu war verlelzend hell. Die langen Juden in ihren Kaftianen\nstanden im Dnulceln wortlos wie fremde Geschbpse.\nWir marschierten zusriiac nnd hielten vor dem Garten des Kommun-\ndanten, wo Geigeumnsiic gemacht wurde. Doch dies war zu viel. Die Geigen\nließen all das Herzzerreiszeude der vergaugeuen Tage, das ganze Weltuugliitlc\nhervorbrechen; ich barg mich in der Dunkelheit und driiclcte die Stirn gegen\neinen Stein."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.7", "texte": "mit Laub bestetkten Zensteru der Abteile. Zug auf Zug rollt herein. Die auf\ndem Steig fallen in den Gesang ein. Der Bahnhof rauscht von blonder Jungens-\nkraft, die verteidigen will. · .\nwlinnge feiuüugige Menschen sitzen mit schaukelndenBeinen auf Erittbrettern\nund Wagendiicherm Sie steigen herunter, recken die Arme. Die skhlanken Hülfe\nsind frei nnd gebriiunt Die Ledergamascheu machen ihr stehen fest. Rur Hemden\nbekleiden die edlen Säulen des Brustkorbes, der unter dem Leinen lebt und sich\nspannt in der galizisrhen Sonne. Die süße treten leicht nnd wiegeud, als ob sie\nwüßten, daß sie ja diesen Brustkorb zu tragen haben, gesrhnitzt aus Stüben, die\ndurch Vergleich mit dem köstlichsten Material nur verlören und Bedeckung bilden\nfür das Herrlichste Und wenn sie weiter fahren, weht und schallt es von weißen\nZzlaggen und Rufen der 0sfiziere, der österreirhiischen Bahnbeamtem der Kranken-\npflegey die ihnen letztes Spalier bilden. Die Hemden am Halse offen, blan-\nüugig und wissend, wofür sie die Brust hinhalten, so fahren sie hinein — oh\nDeutschland!\nDie deutschen Schwestern steigen auf die Biinlce und Gitter, bis sie den\nZug nicht mehr sehen können. «\nDann aber kam jener Tag, an dem die vielen srhwerverwundeten Rnssen\neint-rufen. Rock) habe ich diesen Geruch aus alten von Schweiß vollgesogenen\nStoffen, Eiter und ehemaligem Menschenblut im Hals. Niemals spürte ich einen\neutseßlirheren Geruch. Es ist wie das Entselzlichste selbst nnd unertragbar.\nEine Reihe von Güterwagen. Darinnen Fleisch, das an manchen Stellen\nblutete und sich wie verseheutlich zuweilen bewegte und Schmerzeustöue von sich\ngab. Zerstükkelt kamen die mächtigen Russeuleiber aus der Schlacht zurück. Ihre\nGlieder waren vielfach umwunden. Wagen auf Wagen, immer neues glasiges\nStieren heller Augen und immer der gleiche Verwuudete-Russen-Geruch.\nViel Widerwillen mußte besiegt werden, bevor wir sie unter den Körper\nfassen. Schwitzend und fast stickend in der Luft der Waggous arbeiteten wir\nzwischen den stumpf Liegenden. Wir mußten die schweren Körper eine weite\nStrecke tragen, um den Bahuhof herum bis auf den freien Platz vor ihm.\nDort werden die Bahren niedergesetzt »\nIn langer Linie liegen die grangelben Rieseuleibey wie der Krieg sie zu-\ngerirhtet hat. Man kann oft die Bewußtloseu nicht von den Anderen unter-\nscheiden. Einige haben die Decken über ihr Gesirht gezogen. Khaki—brauue\nGesichter zucken. Meist liegen sie geduldig, als ob sie Angst hätten, man tötet\nsie, wenn sie schreien.\nAnu noch einmal umlegeu auf die Jahren, die wir ans den wartenden\nSanitiitsautomobileu ziehen. Unter den Decken sind sie fast nackt. Wie wnndervolt\ngewachsen sich die starken Schenkel von ihrem Ereffpnukt am Geschlecht trennen!\nWie zart der blonde Flaum auf ihnen, trotz Blut-i nnd Schmulzkrustent Wir\nstemmen die Metalltmgen in die Höhe nnd lassen sie in den Hintergrnnd des\nAntos rollen. Die leeren Bahren stehen blutig nnd haben denselben furchtbaren\nGeruch, der nicht fortgeht. «"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.8", "texte": "An dem Rnfsenzug hingen einige Giiterwageu mit deutschen Leicht-Jer-\nwnudeten, sowie ein paar Persoueuabteiltz in denen eine Gesellfchaft österreichischer\nZonrnaliften fuhr. Sie hatten lich, sämtlich in Kuiehofem nach der Sammelftelltz\netwas vom Bahuhof entfernt, begeben, wo Berwnndete aus den Richtungen,\nvon wo lteiue Bahn führte, auf Automobilem zu Wagen oder zu Fuss, anlangten.\nHinlreud, an einer langen Stange statt eines snses sich fortbewegend, auch\nkriechend, wenn die Beine nicht zu gebrauchen waren, ftrebte hier alles nach den\nBänken, wo unter freiem Himmel Warmes vor der Bzeiterfahrt ausgeteilt\nwurde. Hinter einem Haufe fpalteten gesungene Ruffeu Holz. Sie lieszen ab-\nwechselnd ein meterlauges Beil auf riesenhafte Stämme niederfanseu, hoben\nden ungeheuren Kloben mit dem feftgehaclcteu Beil in die Luft, drehten ihn iiber\ndem Kopf und fchmetterteu ihn auf die Erde, das; er in zwei Stiiclce gespalten\nwar. Daneben lag auf einer Erage in einem Graben einer im Wundstarrlcrampf\nSein Gesicht grimmassierte in allen Lag-en wie eine Maske. Die Prefsevertreter\nhatten photographische Apparate nnd nahmen die Kranlceupfleger auf, die ver-\nwuudete Soldaten hnclcepaclc auf dem Riiclceu trugen, um die hnmoriftifche Situation\nan ihre illuftrierten Zeitschriften zu fenden.\nEs war ein Spätnachmittag Die Zourualiften bewegten fich auf dem ver-s—-\nbraunten Bahuhof wie in einer Konditorei Sie standen mit gelcreuzten Beinen\nan ihre Abteile erster Klasse gelehnt nnd unterhielten sich rauchend nnd Stöcke\nfchlenliernd mit dem öfterreichifchen Bahnhofslcomuiaudantem deffeu uniform auf\nEaille gearbeitet war. Ein beriihmter Dichter, hiefz es, fei unter ihnen. Der\nZug follte gleich weiter fahren.\nDa windet sich aus einem der Giiterwagem den unbeauemen lcleiueu Tritt\nmit dem einen But; ertaftend, ein junger Mensch im Rachthemd Er hat den\nBoden erreicht nnd hopst auf seinem naclcten gefunden Fuß so fehuell er lcanu\niiber die Schienen, in das Gebiisch neben den Bahuhofstriinnnerm Der Boden\nist schwarz nnd fteiuig. Das Hemd des Soldaten war blau nnd vielfach lcariert\nund fiel in dem ftilleu Nachmittag auf. Sein Geficht war müde. Kurz vor\nder Abfahrt lconimt er in eiligen Spriiugeu zuriiclcgehopsh lclettert wieder hoch\nund verschwindet in seinem Giiterwngem\nöch hatte an diesem Abend frei nnd lconnte es lcaum erwarten hinauszu-\ngehen in die Landskhast Die Erde war ein Wogen nnd Weiten, ein All-brechen\nnnd Sich-erheben, ein dnulcles nnd helles schimmern. Ich« gehe durch» ein Wellental\nDie alten snrben steigen nnd fallen. Wie edel die Kiihe schreiten. So\nsanft nnd stilvoll Man versteht, das; Völker diese Tiere heilig hielten.\nUnd meine Seele sog an dein ntenschensernen Rhythmus nnd ruhte sich,\nsehnsüchtig nnd dem Weinen nahe, ans an den grossen Linien der galizischen\nBerge.\nCI« diesen Aufzeichnungen lind von der Zeuiusr vietiach ganze Sätze und\neiuzecue Worte gestrichen vordem)\n\nAlfred Lemm"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.9", "texte": "Savary\nLe Duc\nElse Lasker=SchÜler\nWie spat» hänge« ins» Bitt-er\nscbanmleicht an ieidenen Wänden anfgereiht\nMit goldenem Harz der Hagebniten\nUnd Rojenieime\nMalt er der Prinzen Liebeslcleid\nUm ihre zarten Schultern tragen iie .\nAn Ketten ——-— souvenjr — im Aiedaillon\nVerziielct des Freundes Paradeis\nUnd ihre Hände spielen mit den Bächen\nUnd feinen Blnmenflengeln\nUnd dem jungen Reis.\nUnd neklcen gern den Ziegenbock.\nSlasiingig lanicht die graue Geiz.\nUnd ihre Leiber lieben fiel)\nWie iiikkgebliihte Bobnenftiiclctz\nDie fiel) bewegen lcanm in ihrer Adeliglceit"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.10", "texte": "Theodor Däubler\nElle Laskewschäler\nZwifchen dem Spalt feiner Augen\nZließt dnnlceler Golf.\nAuf feinen Schultern trägt er den Mond\nDurch die Wollcen der Nacht.\nDie Menfchen werden Sterne nm ihn «\nUnd beginnen zu laufchem\nEr ift ungetriibt vom Urfprnng,\nKlar fpiegelt fich das blaue Ren. »\nEr if! Adam nnd weis; alle Wefen\nZu rufen in der Welt. i\nBefchwört Geift nnd Getier «\nUnd fehnt fiel) nach feinen Söhnen.\nSchwer prangen an ihm Granatäpfel\nUnd fpätes Sefliifter der Bäume nnd Sträucher,\nAber auch das Geftöhn gefällter Stämme\nUnd die wilde Anklage der Waffen\nEs fammeln fich Werwolf nnd weisser Lamm,\nSonne nnd fiiszes Gehängq viel viel Wildweinlanne\nUnd Svvivm dir, Ziirft von Trieftl"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.11", "texte": "Theodor Däubler\nBiel Leid: gewiss! Schwangere Frauen. . Oft traurig; furchtbar\nschmerzhaft. Vielleicht verlassen. Aber dann wieder beieinandersiheud ihre\nSchwangerschaft voll Freude besahendz Liebesgeschuretter verschentteuin den\nBäumen, unsern Wolken. Ja, die Wolken! Die werden einmal ein Wunder\nbringen. Der Wind ist ihr Bildhauer. Der Wind ist das Sinnbild des Geistes.\nSo wird einmal der Heiland wiederkommen, thronend auf den Wolken.\nBartakhs Geschöpfe guctcen gerne in die Wolken. Oft zu den Sternen.\nAm liebsten jedoch, wenn der Wind Wollcenlcarawanen durch die Luft schleppt\nEinmal trägt der Alann ein Licht, um etwas zu erforschen. Da es um etwas\nUnsaigbares geht, tanzt auf der angesteckten Kerze ein Stern. Seine Hand srhiiht\nihn vor dem Wind. Der Aiann im Mantel sucht nach einem nngewisseu »Ge-\nwollctseim Wo?\nSo etwas lcann man bei Barlach in Holz sehen.\ntlberult ein groszes Wo? An: bei sehn-ungern Frauen das gewisse Da.\nEine von den Dreien trägt das Gewitter unterm Herzen. Endlich wird sichs\nentladen. Aiit Zeuerschwertern wird das ungeheure plötzlich unter uns« sein.\nIn Barlachs Holzmiittern tcnistert es voll Ungeduld. Wann wird Er kommen?\nEinmal träumt das Weib. Schlicht gewandei. Alle Falten liegen da wie\nim Schlaf. Biet zu einfach liegen sie da. Also, die ganze Holzplastilc schläft?\nDrum: ein Traum. ovek gak ei« Seiichte Vipaeichi sieht das Weit»\nwas iiber den Tranmwollcen vorgeht. Die Jiiuger schliefen nnd sahen auch nicht,\nwie der Heiland zum Engel mit dem Kelch sprach. öedenfalls muss das Weib\nschiefen, damit das Grosze vor sich gehe. Die Schwangerschaft fühlt es sa auch\nnicht schwerer als eine schwere Eruumtash Wie es darin aussieht, weih sie auch\nnicht. Jedes Gesicht ist ein Dahinter. Also was geschieht iiber der Schlasenden?\nEin weiter Berg: er ist Traum. Driiber ein Gesicht: der Känftige kommt an-\ngeflogem Aicht iiber den Wolken, wie erwartet wurde. Er selbst ist Wollte.\nSchwer wie eine Gewitterwollce Aicljt der Sohn der Einzetnem der Grosze\nKommende! Er wird ein lenkbar Wesen. Aber im Traume ist das schwierig,\ndenn man wird geträumt. Der Bogelhafte mit dem Dnnstleib lcann jedoch mit\nden schwebenden Züsen steuern. Er ist die neue Richtung.\nWir haben viel Schweres zu tragen, viel Schweres zu träumen. Alles\ndas fleht in Holz vor uns."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.13", "texte": "Glossen und Kritiken\n\nMax Harrmann=Reife\nAeterniftem (,,Sehr fpöttifthe\nHerren find wir weh schwankender\nProviuzen —- Selig in uns ——«)\nDas erfte Bäudehen einer beginneudeu\nAktionsbibliothek der ,,Aeternifteu«\n(Berlag die Aktion, Berlin-Winters-\ndorff bringt ,,LeIeftiiclce« von zerbi-\nnand Hardekopf Ein Buch des Pro-\nteftes, der durch die Unbeirrbarkeit\nfeiner Erkenntnis wirkt. überdies hat\nfeine hartnäckige Gegnerfchaft es mit\nder raijigen Haltung untadlig gepfleg-\nten Stiladels zu tun. Biaufernng, Ren-\norientiernug, am Leben Bleiben auf\nKofteu eines Kompromiffes wird mit fo\nfpöttifcher Gefte abgelehnt, das; der\nAutipode noch etwas von dem Ent-\ntiiufchungsfchmerz ahnen muss, der\nprofaneu Blicken die Ehre einer Offen-\nbarung nicht gönnt. Blau überliifzt\naljo denen, die lich jo trefflich in das\nneue Regiment der Stunde zu fchitlceu\nwillen, das Zeld und erklärt sich felber\nfür im beften Sinn nnmodern, tot, des\nReiches einer andern cWelt Bürger.\nReveuants vorderhaud fnspendierter\nSeligkeiten, inkompeteute Romantiker\neiner Weisheit, die in der brutalen\nBergewaltigung bezahlter Augenblicks-\nfkhilde fich als Wahn fpiegelu muss,\nEmigranten heimlich verflärkter Heere.\nWenn man feiner felbft in Blut nnd\nHirn unwandelbar sicher ist, lcann man\nsichs leisten, die freiwillige Berschollens\nheit durch Verbliifsnngem Kammer-\nspiellcnrzweih Gelenlciglreitstraining er-\nträglich zu marhen. Schtem Radilcms\nlismus sind ungefährdet nnd ohne Miss-\ndentung Tänze erlaubt. So enthält\ndies Buch bewußter Abgewandtheitsin\nholdarraugierten Spielen, rafsiniertem\nmelanrholischen nnd besternten Versen,\nspöttischeu nnd zärtlich vertieften\nLandschaften der Seele nnd der stim-\nmung jene Inbrunst, die keine« Bestäti-\ngung in den Forderungen des Tages\nzu suchen braucht, die immer war nnd\nimmer sein wird. »Ist in seiner Art\nfauatiskh nnd in ,,8loretteleganz nnd\nPastellanmut« dusrch Leichtwiegendes\nschwer an Werten. Läszt sehnsiichte\nnicht verglimmem zanbert anf artistische\nArt Agitatorisches nnd verlcapselt\nSprengstosfe etwa so in einen federa-\nden Ball: ,,?iianon entordnete diese\nRevolutionärg deren einzige Bürger«\nPflicht gworden war: gelegentlich sehr\ndiplomatische Wendnngen oppositioss\nueller Eleganz aus irgendeine unge-\nfährdete Tribiine zu tragen« Giiessche\nschrieb einmal: »Ich habe Geist genug\nfiir den Säden«.) ."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191611-01.1.14", "texte": "Alax Herrmann, Reife\nFranz Blei, llber Wedeliind,\nSternheim nnd das Theater.\nlKnrt Wolff, Verlag, Leip-\nzig.) Logik, Sthos, Stil, nnd alle\ndrei von der wertvollsten Art, einen lich\nin dieiem Buche, einem Popanz der\nimmer norh Regent iiber nniiberisehbasre\nStrerlcen Menirhenlandes ist, an den\nLeib, das heißt an feine Liige zn gehen.\nDas es bei io ungleichem Kampfe —\ndenn der Gegner hat ia eben dies nicht\nzn fallend-e, gallertartige, lrhemenhafte\nPiendo - Sxiitieren znsr pralitiichiten\nWaffe, die ihn gegen den nnerichätters\nlich einem einzigen Standpunkte Ver«\nichriebenen nach außen hin in Vorteil\njetzt —-—-—, das es bei io ungleichem\nKampfe erlaubt iein muss, Widerktres\nbenderes anf die eine wirksame Lo-\ninngstormel zn bringen, liegt in der\nAatnr der Sache. Dadurch wird der\nApparat des Angrifjes nnr Ichneidiger\nnnd driitlrt Brankhbarlceit nnd Konje-\nanenz feines Organismus in ichlichten\nsonnen ans, die anch dem Auge gefäl-\nlig lind. Das ift nämlich im Grunde\nder Weg aller gnten 2iianifekte: durch\ndas Ange (oder dnrch das Ohr) in Hirn\nnnd Herz. So leommt Bleis Tralctat\niiber ,,literariiche« Dinge zn einem\nErnst, der dem önsBlntsnndssrlebniss\nbeisderssacheslein belcenntnisisfrommer\nBreviere gleicht nnd ebenlo sicher mit\nden nnbeflerlcten Mitteln ihrer geistigen\nDisziplinen arbeitet. so leuchtet anch\nzum Bescblusz das Bild eines zukünftigen\nKnlturbegriffes als des Himmetreiches\nfür das er wirbt, und wenn die schwin-\ndelsödeale einer lcapitalistisch-bü-rger-\nlikhen Welt überwunden am Boden lie-\ngen, steigt der Morgenstern eines wahr-\nhaftigen Willens zu einem Ganzen der\nWelt. Und hat man die Gesamtheit\nvon Bleis Wert( ltrüstezeugeud, an-\nspornend auf sieh wirlcen lassen, — und\nerst dann -——, darf man noch seine sozu-\nsagen btoskiutellelktnelle Zrende haben an\nallen geskhmeidigen Gängen der Par-\ntie und an solchen oerinnerlichten Bra-\nvourstiickkem wie sie der Dialog mit\nWolidre zu Ehren der Sternheimskheu\n»Kassette« nnd der Gpilog zu Stern-\nheims ,,Dou Zaun« darstellen. Hieraus\nstrahlt etwas wie Verjährung platoni-\nsther Dithtungeu — das Aristotelisclk\nPralctisehe erledigen ebenso dilctato-\nrisehæudgültig die gestruffteu Kapitel\n»steruheim« und »Das Programm\neiner deutschen spielbiihneC Der »mo-\nderue Bürger« Cdiese satale Summe\nvon Publikum, Pressiesoldah servierer\nlcritsischeu Schwanes, Schauspiel« einer\nWirklichkeit, die selber nur Schein ists,\nfüllt mit dem hohlen Matt( mit nichts\nals Luft gesüllter Stoffpuppen vom\nPtitfchenschlag einer neuen cotntnedin\ndel site, in der lcbou das Pathos\nkünftiger Weusehentragödie unterirdifeh\ngewittert.\n\nHerausgeber: Otto Haus-sey» Berlin, Wilhelmltrakze 69\nBerantwortlicher schriftleiten Haus stammt, Berlin, Ansbacher Straße 31\nZiit unverlangte Cinlendungen keine Gewähr\nIn Ofterreich für die Redaktion verantwortlich Hugo Heller, Wien, l, Bauernmarkt 3\nDruck« von H. S. Hermann in Berlin"}]}