{"numero_id": "bm-bmtnabb-1916-12-01", "volume": "bmtnabb_1916-12_01", "ocr_sha256": "465e7d5336054c39c4c4d3836b103b28cf0492391f59fdf8817cf41350d73d01", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1916/12_01/bmtnabb_1916-12_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1916/12_01/bmtnabb_1916-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1916-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-12_01#c002", "volume": "bmtnabb_1916-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.2.2", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.2", "debut_caractere": 22, "fin_caractere_exclue": 465, "texte": "Inhalt:\nRudolf Kayjet J Jungen: Schiller\nHenry Roejfittgh J Origiualssteindrncle\nAlfked Wolfenflein J Romaiu Rolland\nWalkvti Bangerkek J Originaksteinzeichnnng\nCheodor Haubach J Die Argounen\nErnejto de Ziori J Zeichnung\nRudolf Leonhard J Die irilche Familie Plnulcett\nErnst Blokhx Das iiidciche Berti-i\nOtto schoff J okiginnksteindknkts\nSavmky J Illustration »\nGlojjen und Kritilcem\nEinzelheft Alle. I.———-— Vierteliährlikh (6 Seite) Mk. 6.——-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-12_01#c003", "volume": "bmtnabb_1916-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "226", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.2.3", "titre_corps": "Eine Bornotiz", "titre_sommaire": "Eine Bornotiz", "signature_source": "Rudolf Kaylkk", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2877, "texte": "Hunger Schiller\nEine Bornotiz\n\nWir hatten den Sturm und Drang entdeckt; historisierendes llberraschtsein\nbefiel uns. Bei aller Zremdheit des Rekoko, der peinlich bewußten Kraftgeste\nder ,,genialischen« Dichter: wir spiirten doch Größe. Der heitere Glanz des\njungen Goethe, die dunkle Wirrnis Lenzens, sein Wahusiuustod auf einer Straße\nMoskans . . .: wir nahmen diese Daten ergriffen hin.\nAber was sind diese geröteten Leidenschaft-en, die tebenden Werte nnd\nSzenen? — Der Tanz um den KraftnrenschentD Der tlbermut des Lachens?\nDie Verhöhnuug des Jntellekts? Jst dies unse re Opposition?\nDieser Studenten Kampf: er vergeudete Jntensitäteu an Richtigkeiteu wie\nästhetische Gesetze. Jhre Leidenschaften waren Triebe, ohne Gegenstände; der\nPrimat des Gefiihls: schlimmere Reaktion als der oerhaßte Rationalismus der\nAufkläreu Man wende nicht ein, daß eine Generation sich von den Fesseln\nvon Schulmeistern befreite, da sie gegeniiber einer vertrockneten Hirnlichkeit ihr\njunges Blut pries. Hatte diese Hirnlichkeit doch wenigstens Richtung nnd\nWillen gehabt. Die Propagierung von (,,reiner«) Kraft? Aber das ist ja die\nHypertrophie des Asthetizismns da Kraft nur ein Mittel ist.\nZwecke allerdings hatten die Stiirmer nnd Driinger nicht, aber auch keine\nZiele. Sie blieben auf ihr Grlebuis beschränkt. Nie waren sie Wissende. Sie\nwaren reicher nnd heiterer als ihre Widersacher: sie waren Jugend. Sie spiirteu\ndie Grde als siuulikhe Wirklichkeit und eutnahmen ihr Frische und Kraft. Sie\nflohen zu ihr aus Konventionen nnd steriler Zivilisation (sie fielen auf Ronssean\ndort hinein, wo er am flachsteu ists. Doch sie gaben der Grde nichts zurück;\nsie steigerten sie nicht zum Geist.\nMan wollte die Freiheit -—— des Dichtens nnd Gmpfiudensz man identifi-\nzierte Freiheit mit Natur. Das Recht der Persönlichkeit ward gekiiudet gegen\nden Zwang der Gesellschaft, als dessen Manifestatioueu man Staat nnd Gesetz\nansah. Man wies auf die Ratnr, wo sie am reinsten sei: im Triebleben und\nUnbekiimmertseim Aber da ist ja Ratnr nur wertvoll, wenn ihr Gegner nicht\nGeist ist, sondern Gewalt (also auch Physischess Goethes Götz ist dadurch allein\nmehr als iiblicher Raubrittey daß die Zustände, gegen die er kämpfen muß,\nmiserabel sind.\nDer Rausch dieser Dichter begeisterte uns; er zerwehte, da er substanzlos\nwar; es gab keinen Willen. Rnn sehen wir den Gegensatz zu jenem deutlich, der\nauch ein Rasender war, aber wußte, weshalb er raste.\nJnnger Schiller: zermarterter Jüngling, dem aller Sehnsucht Kampfrnf\nauch ,,Zreiheit« heißt. Auch er ein Gliihender hoher Jugend, brausend iiber die\nWelt gestürzt. Doch er verströmt seine Leidenschaft nicht unniitzz sie ist ihm nicht\nSpiel; er macht sie dienstbar der Jdee. Der Jdee muß die Welt unterwerfen\nwerden, alles Tierische, alles Menschliche. Aus unseren Gefiihlen lassen\nsich keine Heimateu bauen. Schiller steigert sein Grlebuis von der Pri-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3267, "texte": "vatheit zur philofophifchen Allgemeinheit, die Darstellung foziialer Znftände zur\nKategorie des Werts. Raturfeligkeit als Reaktion gegen Rikolaitentnm fie\nift ihm keinen schuf? Pulver wert, wenn fie nicht zum Geift erhöht.\nDiefer --lentimentalifche« Dichter, diefer Philofoph hafzt Zeit feines Lebens\nden ~naiveu« Kiinftler, den ruhenden, empfangeudem erlebenden. Er ftarrt\nnicht auf fich nnd kann keine Lyrik fchreibeu. Er zielt nnd wirft Brände ans;\ndie ziinden. Empiirt fich gegen fiirftlirhen Zwang, iubelt den Geiftesrebellen aus\n~Welfchland« zu und fchreibt das ungeheuerfte Revolutiousdrama der Wett-\nliteratur. Karl Rioor brennt nicht nur,fondern ver-—brennt; kein Zerftörer ans\nspieltrieb nnd ohne Zwecke (wie die pntzigeu Baknniften des Tafås stevhanie);\nfondern einer, der fiir die Freiheit des Rienfchengefchlechts kämpft, weil er deffen\nRot am eigenen Leibe erfuhr.\nJunger Schiller: er ich-reibt einen Zyklus von Dranien lvon den Räubern\nbis zum Karlos), die das ftrahlendfte Orchefter politifchen Aufftands find. sie\nfind fehend, nicht blind; wiffeud, nicht dumpf. sie find politifch, liftig dem Feinde\nauflanerud, auf das reale Faktum bedacht. so wandelt fichs die ~Freiheit« ab\nin aufreizenden sonderfällen: foziale Freiheit (Ränber); politifchsrepublikauifchie\n(Fiesko); Freiheit der Liebe lKabale nnd Liebe); Freiheit des Denkens (Ka.rlos).\nSignale fiir ftiisrmeude Jünglinge. Heilige Fahnen des Geistes.\nEs gilt nicht efakulierender Leideufchaft, fondern der Tat, zu der Leiden«\nfrhaft nur das tiichtigfte Mittel ift. Es gilt nicht der Erzeugung von Drainen\nund Tnmulten, fondern der Befreiung der Erde vom Ungeifh Es gilt nicht\nder Kuuft, fondern dem Leben. Was trennt den Räuber Rioor von den Ver-\nbrecheru der stiisrmer nnd DrängerP Das Bewufztfein der Sendung; der Wille\nzur Befferung der Welt, zur Rache an ihren schaudern. Und Pofa, der durch\nWorte (durch Wortes; hört es) alle irdifche Riacht fo mafzlos klein macht: er\nift der Herzog der Literaten, verantwortlicher Ritter des Geiftes.\nInnger schiller: fein Gesicht ift zerkliiftet vom Wiffen (zur ruhigen schän-\nheit des fungen Goethe fehlt ihm ein zureichender Grund). Er ftrebt in die\nWelt; fo muß er von der Welt wiffeu, nicht nur von fich. Er dikhtet, er formt\ndie Wirklichkeit um: aus Tendenz, aus Zukunft. Er wettet, indem er darftelltz\ner fordert, indem er Tragödien vollzieht. Er macht das Theater zur moralifchen\nRuft-alt, zur politifchen Tribiiue.\nDie Zeit des jungen schiller kommt; der fentimentalifche Rienfch wird ge-\nboren: überwindet der Ratur, Gläubiger der Idee, Analytiker nnd Wollender,\nFeind jeder Paffivität Es kann nicht mehr darauf ankommen, Gefiihle zu\nhaben (mögen auch Biirger vor« ihnen fchlottern) und Geftalter zu fein; es ift\nunwichtig, ein Genie zu fein. Die Zufälligkeit des Rhythmus fei verdrängt durch\ndie Rotwendigkeit des Ziels, durch Willen, der ftählern nnd mit Riufilc die\nWelt an fich reißt. Wir werden Wiffende fein, nicht naiv; wir werden verwirk-\nlichen, nicht toben; wir werden Politiker, nicht Kiiuftler fein.\nSchillers Dichten und Denken find Vormarfch in unfere Zukunft. Jener\nfchwäbifche Student, oitoyen de Ia räpublique krannipaiscz den wir hoffen\nfollten, als man Jmpreffionift war: wir werden ihn fehr lieben mäffen . . .\n\nRudolf Kaylkk"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-12_01#c005", "volume": "bmtnabb_1916-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "228", "page_fin": "228", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.2.5", "titre_corps": "Romain Rolland", "titre_sommaire": "Romain Rolland", "signature_source": "Alfred Wolfenftein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 785, "texte": "Romain Rolland\nAlfred Wolfenftein\nIch dampfe noch durch fcheinbar grenzenlose Strahlen, -\nDa zntlct der bleikhfte Berg die lealten Schultern: Halt! ·\nObwohl das Schiff von Zlötenfprachen schallt\n—- An Pnffern fteht des Nordens Fahrt hier feftgeprallt\nDnrch Zllumiuationen starr-n die fahlen\nBafonette auf. Wo Genks getenlcige Geftalt\nSich wie ein freier Anfang gliedert, lcrenzt die Bsriiclsen Halt!\nGefangen stürzt, wer weiter fchreitet in des Sternes Spalt. .\nSo fteig vom Lande, sub! es forme dich dein Haupt\nZum Flügel, hier, wo einer fchon der Sonne glaubt -——.\nDer iiber dem Gemeng, doch lceiner Einfamlceit verfchnldeh\nDen Horizont entfaltet bis zn fernftem Glanz\nAiit Fingern der Musik, die lceine Liiclte duldet:\nSieht, blanäugig wie Rorden nnd wie Mittelmeeitz die Erde ganz."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-12_01#c007", "volume": "bmtnabb_1916-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "230", "page_fin": "232", "image_debut": 8, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.2.7", "titre_corps": "Die Aus Briefen", "titre_sommaire": "Die Aus Briefen", "signature_source": "Theodor Zauberei", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2526, "texte": "Die Argonuen\nAus Briefen\n\nCin weites, süszes Land, Berge nnd Wälder wie geballte Wolken, Täler und\nEälchen eng nnd grundlos tief, von verzanberter Stille überdeckt, von dunklem,\ntrnnrigem Licht durchschwommen. Ein betäubendek Wald! Der Himmel ist\nimmer von weisser Seide verwaschem die Sonne glänzt leise in dem sanften\nBlau, ihr Schein fällt durchlöchert in grossen Scheiben durch die dämmernder:\nDiekichke\nDie Nacht, ob Aiondscheiu oder Regen, ist beherrscht von den runden\nKonturen der Berge, die wie Pferde in endlos galoppierenden Linien um die\nHorizonte rennen, ist beherrscht von dem sansenden Klang der Wälder, von dem\nGlockenton des allmächtigen Wassers, das den Bergen wie Blut entströmt, man\nmag stoßen, wo man will.\nSonnenaufgang gibt es hier nicht. Wie eine weisse Zahne, deren Ränder\ngolden opalisierem zieht die Helligkeit des Morgens über die Berge, ein sanster\nStrom von Licht bricht aus den zerschossenen Gründen, und wenn rund nnd\nvoll die Sonne über die Knppen hinansrutschh ist die fcharfe Helle des Tages\nschon längst in die letzten Winkel gekrochen.\nllberherrschend nnd fürchterlich ist der Regen, jenes traurige sest der Wäl-\nder, wenn sie in nndnrchdringlichen Schwaden ihre Berbindnng mit dem niedrig\neinherschleisenden Himmel feiern. Altes ist dann Dampf nnd feuchte Enge. Bou\nunten gnillt ein nnüberwindbarer Strom, die Poren der Berge nnd Bäume\nöffnen sich zu endlosen Flüssen, der Himmel klatscht mit überskhwenglicheu\nSchloszen dazwischen. Dies ist das Unglück, das das Land zur kalten feuchten\nHölle macht, das jeden Winkel des Waldes mit tranrigen Gespenstern erfüllt.\n»Da kille warte« nnd ,,lo mort komme« spuken mit grausigen Varianten bis\nin die Trümmer der zerschossenen Dörfer.\nDer Krieg! Eine schleichende, schleimige Gefahr! Das wilde Gesicht\nder vergangenen Stürme hat er abgeworfen. Er ist still geworden, gemein\nohne Grösse, gehässig ohne Haß, wütend ohne die eherne Wut der groszen\n0ssensiven. Wie Schlangen ringeln sich die Schrapnellwolken um die zer-\nsplitterten Reste der Bäume, mit kurzem geltenden: Pfiff einem erstaunten\nArbeitertrupp in den Rücken fallend, dessen Leichen dann schweigend mit der\ntragischen Gebärde gekuickter Aiarionetten über die selsen stürzen.\nAiinen wanken unbeholfenen knatternden Zlngs durch die Luft. Ihre\nmasestätischen Detonationen mit den riesigen Garben gesprengter Erde, den\nmajzlosen Wolken weisser Gase erinnern an grandiose Gewitter. Man könnte\nan ihrem Schauspiel etwas Erhabeues finden. Doch ihre Wirkung sprengt\nNerven eher als Unterständm"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2384, "texte": "Gewehrlcngeln heulen einzeln nnd wie gequälte Kinder iiber die Täler. Ihr\nAbirhnß sticht ipilz nnd nnangenehm wie Aadeln im Ohr. Das Echo klappert.\nDer hohle, blecherne Klang der Handgranaten mit dem gejpeniterhaften sausen\nder splitter erikhreclct mehr als er schadet. Dies ikt nnler Krieg! Stunden\nvölliger, lcraftloier Ruhe sind zahlreich. Dann glänzt weit linlcs im Siiden der\nerhabene Donner der Schlacht von Jordan, nnd wir willen: dort nnten wird\ndas skhiclcjal des Krieges weitergejkhriebery mit Blut nnd erziirntem Willem\nnoch fleht die mit Allem veriiihnende Notwendigkeit hinter nns beiden, hinter\nden Kämpfenden dort nnd hinter nnlerem zähen, tragisch tatenlolen Anshaltem\nWie ilt die lchäne Stille der Racht lcrakhend vernichtet! —- Hinter dem\nnahen Horizont des lternigen Himmels lärmen ralende Gewehre und der wilde\nRuf eines alarmiserendeu Poltens. Aach einer kurzen, dunklen, mit wol-\nliiltigem Sntletzen vollgeprelzten Panle hämmern die Handgranaten einen er-\nhabenen Wirbel.\nAlles ilt gellend geworden, wild nnd iiberlpaunt Das rote Licht der\nplatzenden Granaten wirbelt einen nnentwirrbaren Reigen zwilchen den Gräben,\nSplitter heulen einen geilterhaftem dominierenden Solang, nnd trommeln gegen\ndie erltorbenen Bäume.\nWie lind die Körper der Pollen anl einmal lehnig nnd lchlanlcl Wie\nglänzen, von Licht nnd Anltrengnng geformt, die Kontnren der Wetter. Die\nHaltung eines Arms tuit dem lchlanlcen Stil der Handgranate ilt nnlagbar, der\nSchwung des Werlens, der den Körper in einer fabelhaften Milchnng von\nWildheit, Sleganz nnd gelpanuter Vorlicht horhreilzh trinmphiert iiber die kält-\nlichlte Grazie Raflaels\nDas tollfte aller Schaujpiele if! der Minenzaubey wie es mit grimmigem\nHumor untere Soldaten nennen. Auf iechs bis lieben unheimlich leije\nAbichiijje erscheinen plötzlich die Almen, wie Selctlcorlcen lclein in pendelnder\nFahrt und faulendem Schwung und lcreiicheudem Geheul. Gleich darauf ertönen\nDetouationem gegen die die ichwerften Grauateu Kinderipielzenge lind. Zellen,\nBaumftämpfh Balken, Sijentriiger wirbelu in Kirchtnrmhiihe durch die Luft.\nVerluste treten öfters ein. Die Wirkung ift ungleich furchtbarer als die der\nArtillerie\nAn der Straße X . . . A . . ., Orte, die fast jeden französischen\nTagesbericht zieren (»Wir richteten energijkhes Zerftörnngsfener auf die\ndentlchen Wertce«), tagen wir die rabiate Hölle fsranzöiiicher Grauaten und"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2758, "texte": "Mineu mit der Ruhe abgefeimter Gauner, die das graujigfte Schauspiel nur\nzu blajiertem Lächeln reizt, iibev uns ergehen. Man merkt, das; das Regimeut\nnnd ieine wundervollen Soldaten Kriegsgejchichte hinter Iirh haben. Ss gibt\nlceine Situation mehr, die nicht jchou einmal da war und von der Erinnerung\nnicht ichon übertroffen wiirde. Der Ruhm des ierbijcheu Zeldznges läßt das\nRegiment nicht Ichlafem Es Ieufzt nnter der Enge, der bleichen Monotonig\nder nnerbittlichen Grausamkeit des 5chätkengrabens.\nDer Znsanterist kämpft nicht mehr. Zu dem neuen Gesicht des Krieges ist\nder wasfenlose Aiunn aus einmal Werkzeug der vernichteudsten Pläne geworden.\nDas Schauspiel dieses äbermenschlichen Kampfes driickt den kleinsten Phdien\nseinen erhabenen Stempel auf. Wenn weit hinten in der Etappe die noch nie\nerschienene Aenheit dieser Art Schlacht ihr staunenswertes Gesicht zu zeigen\nbeginnt, wenn Züge, berstend von Material nnd seinem Aiilliouenwerh in zäh\nineinander verbisseneu Ketten sich heranquälen, begreift man das Furchtbare\ndieses Raubbaues Betou, Eisen, Sandsteiue, Hemmt, Bnuholz, Eisenpfähle,\nDruhtnetzg Glas, Dachs-nippe, Bohrmnschiuem Pnmpen, Dgnumomaschinem\nKabel, Tetephondrähtg Wellblech, Saudsäcke, Eisenbahnschieuem Lokoinotiven,\nWagen. Begreift man hieraus allein nicht die Gewalt jener fiusteren Entschlossen-\nheit, die den verzweifelten Willen zum Sieg immer höher hinausreiszt? Tausende\nvon Arbeitern bereiten jenes Material hinter der Zront vor, in rasend ge—-\nhetzter Arbeit, Tage nnd Nächte, Sonn- nnd Zeiertage durcheinanderwirbelud\nIn den ersten Stunden der Nacht, den letzten schimmern des verloschenen\nTages das diirstige Licht abgewinnend, flutet der bislang Unsichtbare, abgestaute\nStrom von Kolonnen durch die gefährlichen Wälder und zerpfliigten Landstraszen\nin die Bereitschnftslagey in diese lehten Sanmrelpunkte gesicherten Lebens, iiber\ndie heraus kein uugesicherter Schritt mehr möglich ist. Es sind enge, unglaublich\ngewundene Täler, in deren Falten die schweren Pferde» mit zitternden slanken\nnnd unheimlich ergliihten Augen auf das Platzeu der Schrapnells tauschen. In\ntragischem Schweigen versunken, auf Spaten und Gewehr gestützt, wie erstarrte\nZignreu eines Shakespeareschen Trauerspiels, kleben die Snsanteristen an den\nAiauern in der dumpfen Erwartung von Gefahr nnd Arbeit. Sie schleifen das\nendgiiltig bereitete Aiaterial durch die Gräben, iiber die zersplitterten Höhen in\ndie Stellungen. «\nDas ist das unerhörte Gesicht dieses neuen Krieges, in der Komplilcation\nseiner Erscheinung nie völlig ansdentbar, im ganzen aber erschiitternd, erhoben, ge-\nwaltsam nud blutig. Der Arbeitsdienst in dieser tödlicheu Atmosphäre ist die\ntägliche Heldentat des Alnsketiers Ohne Auszeichnung, ohne Loblied.\n\nTheodor Zauberei)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-12-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-12_01#c009", "volume": "bmtnabb_1916-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "234", "page_fin": "234", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.2.9", "titre_corps": "Die irische Samilie Plunkett", "titre_sommaire": "Die irische Samilie Plunkett", "signature_source": "Rudolf Leonhacts", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 931, "texte": "Die irische Samilie Plunkett\nRudolf Leonhacts\nGrau bog der Himmel sich, als sie ergriffen wurden.\nViel schiffe drängten sich am Strand, nnd Masteu stachen\nins diistere Licht. Die Menschen hagre Schatten, tobten. Ihnen wischte\nein Sohauer feucht die Stirn. Schreie Fett-rathen.\nEs waren Tage nicht, die dann vergingen:\ndurch Wolken, die iider dicken Mauern hingen,\neinmal erstand verzerrt ein Bild von Meer\nund griiuetn Rasen; ach, nnd Menschen Fugen! —\nDann fiel das Haar verwildert iiber stumpf wiartende Augen.\nDoch dann, vor den Gewehren, standen sie,\ndie stummen Schreie offner Miiuder rings verbanden sie\nden schauenden, den Schauerndem Und säh\nerfiillte sie das Wissen um das Nichts der Kleider;\nund standen vor der Gruft, und reine Lust\nmnhiillte sie. Die lcannten zärtlichst ihrer aller Leiber —\nleuchtend wälbten sich die Flächen der Erden —-—\nnud still und lächelnd fanden sie,\ndas; sie siir alle Menschen sterben werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-12-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-12_01#c010", "volume": "bmtnabb_1916-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "235", "page_fin": "238", "image_debut": 13, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.2.10", "titre_corps": "Das Südliche Berlin", "titre_sommaire": "Das Südliche Berlin", "signature_source": "Ernst Bcvch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2404, "texte": "Das Südliche Berlin\n\nzweierlei fiillt ans allem heraus, das man jetzt erwarten konnte. Einmal die\nStoffoerschwendung der Dame, und dann der gemäszigte, ja liebevolle Ton, mit\ndem selbst die gewalttätigften Presztiiuscher den Franzosen zu begegnen pflegen.\nDas Eine ist freilich nicht hier gewachsen. Aber dafz man es annimmt, hilft anch\nallen uiichternen Zwang zu zusetzen. Das Andere weist in ähnliche, nur dem klein-\nbiirgerlichen Wesen noch entriicktere Richtung. Ia, die scheinbare Wiirdelosigkeit\ngeht soweit, das? man sogar den sprachgebrauch des pojlu und des hoc-he irgend-\nwie» kommentarlos, selbst ohne Anfiihrnngszeichen zitiert. Kann sein, das? ich mich\ntäusche; aber das dunkle Gefiihl scheint zu herrschen, das; etwas Wahres dahinter\nsteckt und das? das Bochehafte einer der inneren Feinde ist, mit dessen Bezeich-\nnnng man nicht anders beleidigt wird wie ein Krauker vom Srregen\nDarum iibte man sich besser angezogen zu sein. Darum liebte man die\njunge Kronprinzessim Aian liebte sogar ihren Aamen wie ein Zeichen der\nWende. Alan empfand das tiilpiskh Brntale als ein gewiss vorhandenes, aber\nweder wiinschenswertes noch, was das Wichtige ist, notwendiges Bestandstiictc\ndeutschen Wesens. Das schien es zwar, als man Slse Laskewschiiler bei Kriegs-\nansbrnch auf der Aliinchener strasze verpriigelte, weil sie nicht so bedeutsam aus-\nsah wie alle übrigen und deshalb fiir eine Ansliiuderiu gehalten wurde. Aber\nes war auch einmal anders darum bestellt. Der Rat Krespel muszte ein\nDeutscher sein, denn fast jedes bewegliche und sonderbare Individuum wurde\nnach Deutschland verwiesen, dem jetzt so aschgrau korrekten Land, als der Heimat\nder Originale. Und es scheint anch jetzt insofern besser zu werden, als die letzten\nAnsprägungen des deutsch Aormaleu, die anheimelnde Alischuug von Kiichenfett\nund Briinhilde oder auch der Gendarmdentsche oder auch die anders geratene\nAiischnng vom Tentonen und Professor wesentlich der jüngsten, im Ablaufen be-\ngriffenen Vergangenheit angehören. Die ersten deutschen biirgerlichen Aienschen\nsind schwer zu erkennen. Sie riiclcschlieszend zu malen nach den Banerukriegen\noder nach Aieistergesang oder auch nach dem alten Kuustgewerbe, diirfte wohl\nnicht das Alltiigliche treffen. Aber wo sie deutlirher hervortreten,\nwie vor allem im Biedermaiey als sich die Biirger (uoch nicht\ndie Bourgeoiss bestimmend im gesellschaftlichen und kiinstlerischen Leben"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2933, "texte": "geltend machten, zeigt sich ein Bild von solchem weiblichen Liebreiz\nund solcher schwärmerischen Rachdenklichkeit auch des Durchschnitts der\nMänner, daß wir mindestens das Recht des Wunsches haben, in dieser Welt\nden Diapason des deutschen bürgerlichen Wesens zu erkennen. Das war\ndamals gewachsen, bunt, anmutig, zart blähend und ganz nnd gar nicht diirftig,\nim schönen Einklang mit der noch völlig agrarischen Landschaft nnd den kleinen\nspitzgiebligen Städten. Aber im Innern der Seele zeigt sich alles noch viel\nherrlicher aufgebaut, die Felsenrisse, engen Gassen, tiirkisgriinen Himmel waren\nhier Znuenarchitelctur der deutschen Seele. Selbst die bösartigsle politische Ge-\ndräcktheit konnte die Menschen nicht verhindern, derart Ratnr in Ratur zu sein.\nWohl aber brachten die Griindersahre, die alles verbrennende, rechnerische Zweck-«—-\nhaftigkeit des Vourgeoisdaseins, des reinen Gelddaseius ohne Liebe, Heiterkeit,\nKindlichkeitz Unbefangenheit, Fähigkeit, das örrationale anders denn als Spaß\nund Phantasterei zu genießen und zu werten, jene Ablenkuug zum iibersach-\nlichen Zustande, die nun alles zur Maschine macht und nicht einmal anders wie\neine Maschine versagt. Dieses, verbunden mit den Rittern, die beständig die\nHand am Schwertknaus hielten, des alldeutschens Rufs gewärtig, hat bewirkt,\ndaß sich fast keine Unparteiische in der ganzen Welt mehr zeigen wolleu, wie es\ndenn iiberhanpt erstaunlich ist, die seinde so unfähig« und ersindnugsarm zu sehen,\ndaß sie ikch sinfach die liberale Parole der letzten Reichstagswahlen zu eigen\ngemacht haben. Und gerade der westlerische Zug dieser Wahlen neben vielen\nElementen eines gelöstereu Kunstgeistes stimmt damit überein, uns allmählich\nauch in Deutschland roinanisches Wesen lieben zu lassen. Und zwar nicht mehr\nwie in den häsischen Zeiten nnd dann wieder gemäß der Ablenkung durch die\ngroße sranzösische Malerei einfach als Livree, als artfremdes, obwohl zutiesst\niiberlegenes Ideal, sondern so, daß es die eigene Richtung ist, die hier ge-\ngangen wird, nnd letzthin auch das eigene Land, in dem man ankommt, immer\nnoch Deutschland, ,,Herr Hoffmann, Student aus Deutschland«, das alte ver-\ngessene, phantaslische Reich. Man braucht den Westen um deutsch zu sein. Man\nreist nicht so leicht aus dem ersehnteu Deutschland fort, es ist iiberall in der\nTiefe, in der Bnntheit und dem Geist der Buntheii. Man sieht hier Genua\nund Paris, auch Sau Zranzisko, man fiihlt in sich die blaue Lust und leichte,\nfarbige, klingende Mittelmeerkultur wie vom Rordlicht beschienen, und das Ro-\nmanische im weiteren Sinne selber ist nur ein freundlich, kollegialisch begriißtes\nUnterwegs, draußen ansgestreckte Arme, Hilfsmittel des eigenen Apriori. Das\nweiß auch das Volk; von dem russischen Menschen in uns wissen nur die Zu-\ntellektnellen, und Rnßland wird erst in einer sehr viel unsichtbareren Tiefe wirk-\nlich, obwohl es dem alten Deutschtum als Hilfskonstruktion noch näher liegt."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2270, "texte": "Und nun: es fcheint, daß Berlin in fehr merkwiirdiger Weife, auf\ndem Weg zu einer neuen Ziille war, in etwas das graue Leben zu\nbrechen. sriiher hoffte man dies von Aiiincheu nnd noch friiher von\nWien. Die Luft ift dort fiidlicher, dem Freien in uns verwandter, aber\ndie eine Stadt kam iiber angehäugteu Atelierkram wenig hinaus, nnd\ndie andere, trotz ihrer bäurifchsbalkanifchen Anschliisfe ift altes andere\neher als im Kern und foznfagen ernfthaft heiter. Dagegen gibt es in Berlin,\nin dem eiligen, wendungsreikhen Zug feines Gefchästslebens nnd dem anders\nHeftigeu feiner weniger operettens als zirknshaften Bergniignngsformen irgend\neinen Zug zur Phautaslik, der trotz des kalkigen, troftlofen Stadtaublicks nnd\ntrotz der blossen erften kruden Bitalität aller Ansfchweifnng doch Siiden in sich\nhat, erfehuten, fruchtbaren, fentimentalifchen Süden, die Bnntheit und erotifche\nGefichtefälle als eigenes Sxotiknm. Das ist es, was die Stadt, gemäsz\nder doppelfiunigen Seele des nendentfchen Unternehmers kolnmbnshaft\nmacht. Wenn aber einmal dieser Zug zum Zwischen, Jsarbigem Fest-\nlikheu stark genug werden wiirde, um das Andere zu merken, das\nim Siiden nnd Westen Deutschland fchsläft: das freundliche Sich-Begegneu, die\nalte Liebesfiille, die alte geheimnisvolle Geiftesweitg die breit hinstriimeude\nAatnr des spekulatioen Blitzes von Aufgang bis Niedergang, dem gegeniiber\nalles romanische Zener nicht einmal Irrlicht ist, dann könnte allerdings die weit\nabgelegene Kolouialftadt als ganze Hauptstadt möglich werden. Und zwar durch·-\naus nicht, indem sie fich ablenkt und die alten kulturvollen Aefidenzeu minder«\nwertig beneidet, sondern gerade sofern Berlin Ausftellungsftadt bleibt, kann\nsich das Geueigte, Bersnrherifchq Sxperimentelle darin mit dem anders Zellen,\nmit dem Lebensumfchwung in den geistigen Zerusikhten verbinden. Das sind\nzwei Phiolen, aus denen wohl einmal ein bedentender Trank zu mischen denk-\nbar wäre; freilich immer wieder droht auch dieser Trank fnobiftisch zu verderben.\nUnd dann, dass fich Berlin wieder darauf besinnt, S. Eh. A. Hoffmanns, des\nAiagiers in Frankreich, Stadt gewesen zu fein, fcheint noch eher aussichts-\nreich, als das; fich das iibrige Deutschland so bald wieder auf den Weg zum\nZrrationaleu zuriictcfiudet\n\nErnst Bcvch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1916-12-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabb_1916-12_01#c013", "volume": "bmtnabb_1916-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "240", "page_fin": "240", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.2.13", "titre_corps": "Glossen und Kritiken", "titre_sommaire": "Glossen und Kritiken", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3150, "texte": "Glossen und Kritiken\n\nH. S.\nKlabnnd, Aloreau. Roman\neines Soldaten. Stich Reis,\nBerlag, Berlin 19I6. ,,Roman\neines fchwiilen Soldaten« wäre rich-\ntiger. Und zwar ift das Schwiile das\nBette. Am Soldaten fowohl wie am\nRoman. —- Iu Salambo gibt’s ein Re-\ngiment, ein fchwiiles Regiment von\nalten und jungen Sölduerm Es ift das\ntapferfte Aegiment von allen. Des-\nhalb fo tapfer, weil feine Soldaten\nfchwiile Soldaten find und fich lieben\nuntereinander. Bou diefer Art ift der\nSoldat Aioreau. Und diefe fchwiile\n(fchwache) Seite feines Genins ift die,\ndie Klabuud am beften gelingt. Zwei,\ndrei Liebesfzenen mit dem ,,Kuaben\nChriftoph« und das Srfcheiuen des\neleganten jungen Königs find die\nbeften Stellen des Buches. -— Leider ift\ndie Skhwiilheit nur gefchilderh weder\npfgcho- noch fouftwie logifch ausge-\nfchlakhtet —- nicht einmal im Berlanf\nder gottgewollten Gegnerfkhaft\nzwifchen dem körperlich und feelifch\nfeinen stypifch fchwäl), ,,genialeu«\nGeneral und dem popeligeu Genie,\nBonaparte mit Namen, Das zwar\ngeiftig (Kuuftftiiclcl) fein ift, aber mit\ndem echten Dreclc der echten Geuies in\nAugen, Ohren, Aiuud und Aafe ver-\nsichtlich, dirlc nnd häfklich herumläuft,\nnnliebenswiirdig (und typifch un-\nfchwiilf —— Rein, die Schwiilheit wird\nnur gefchildert Aber liebeuswert\ngefchildert Und am liebenswerteften\nim ,,Knaben Chrijtopkfk\n\nH. S.\nJohannes R. Becher, An\nEuropa. Reue Gedichta\nLeipzig, Kurs Wolff Vers»\nla g 1916. Gedikhte nicht nur lehr\nverschiedenen Wertes, anch icheinbar\nlehr verichiedenen Ursprungs. Ge-\ndichte, die von einem »als geheilt\nentlassenen« Hölderlin sein könnten,\nGedichtm die von einem deutsch-\nsächsischen W. Bzithmaum von einem\ndeutsch-freundlichen Eh. Däuble»r, von\neinem lgrisch-eingeölten Aiarinetth\nGedichte, die von Becher sein\nlcönnten — und endlich Gedichtq\ndie von Becher sin d. Die letzteren\nwären die wichtigsten —-— leider ver-\nstehe ich sie nicht. Ich lcann also\ndieses Buch lcanm richtig — ich lcann\nnur versuchen, es gerecht zu beurteilen.\nAiir scheinen am schönsten gewisse\nBerse von einer burschilcos-tueuden\nSentimentalitäh Zrenndschaftsgedichtm\n,,Sterbetag«, »An die Zreunde«,\n»An die ZreudeC Diese sind nicht\nnur begeistert, sondern wahrscheinlich\n(ich lcanu es mir denken) auch be-\ngeisternd. —- In vielen anderen sind\nschöne Sätze. Zum Beispiel: ,,Wirr\nvon Bordelleu ein Ufer schleift längs\nder schneeigen Stirn« Aber gleich da-\nhinter: ,,Snorm in der Rotunde ihr\nmit Hnreu schiebt! Klotz der Schädel\nbrennt. Aufgestemmt von Lehrer\nHieb. (. . . Ihr trillerud einst Früh-\nlingsau ob Gefängnisse zerschmetternden\nHaft. . .)« —- — Das verstehe ich nicht\nnnd finde es auch nicht schön. Entschei-\ndende Zrage: Liegt es an mir? Oder\nliegt es am Dichter? —-— Ich wünschte:\nes läge an mir. Ich fürchte: es liegt an\nihm. Einslweilen bleibt mir nichts\niibrig als auf die Erfüllung des an-\nfangs ausgegebenen Programms zu\nwarten. ,,Bald werden sich die\nSturzwellen meiner Sätze zu einer un-\nerhörten Zigur verfiigen,« sagt er.\nHoffentlich! Ich musz mich mit der\nprophetischen Absicht begnügen. 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I?\n. » . - IF,\n;«. » ·» «, - », - · · s - . - »» . , · . ., ». »» »· ·» . «·,«,so . ».,-.« -;-.- ·«s »·..« , --- .\n« ». - « - - «. - » »· ». . . , « «. «. - «—- » , « » . »» » « 2;-.».-,« -«.;\n» , z« - - » . « · . - ,« . » - · . .--,-·-.· r« H— » .—,-, - ·—. «.«-g,. H-·-.;·.«!»·!-; ; .\nIF. ·- — - «- . , s ·« , ' . · » · F« « .· «· - s· »« · \". · « — s. IV, «« V« T!-«-«··..·' «« .\"-.· «· ·« ·' s« « F« Er« «««'7«««·«\n- :- --- - · .—\" s, »« «t .- « s. «· — «« .. « . «: ’--,«.-· · ' , -— — «« Es. — ,-----.:\nID C! - cc · « « su\n·.i- ·.- ·- .. . --’-·· .- · « »· · . · ·; . «· « . « . - , -.' - «« ; H· ,.».·;-,.\n- - «— — »— ·.-- : »« «. H« . « « - D? « - ;·«\"-·.:. ·· «: « . sgzxs Espjssxxkfj\n· · , ,··· f· · ·· ·· -- .·· · ··. ·· ·» · ·· · · ·· - · —·.· -·—·,·· · . · . · ·····« ·;.···:s····- ·s«;····sz-··-»·;·«··. ·· » «.· «» ·«···; .;·-··«·«· ,·:··«-.·-·»· ·,········· . Jsxzx\n— · - J L» \" « - . s« ·« « - · s— « , .;«. s· «· « \",.·««««T,««\"sz’«;..ki·;»F·E--·«« :.’--»IF·\". « ...\"\" J—- NLLIJLU .-·,-x.\"- ..-’ , « ;\n« - - A « « n« en - et »— » « L\n.-:—\"««YTE-«- — ' «. « « «, -— «« F« «szs-·: sz ·?- szi ·«-«\": III; « -««\"-«·—II·«.-.f\"«-,.-·, :«. »· .. . « . « ---.««J-\"«·.··- II« -Z\"::—YIYJ.’.\"·.\"«.·«-F.T-\"-·«· HF\"«sz«-«-««— «\n--. z— » »» '-'.».«..· F· - .\" ..·««.«« ·— »« . -· , «· · «? «· . .·\"-«J\"- «« «,\" » « »« YOU-»F« -,.- . « « »F« »( » H« J' z— ..--· ·-’ .«.. «» s.«·s.-\"·»-«»\"\"\"'«··« F, . - »J-\n\" \" -- 2 « ·— « T« .-\"-k.- . «— -\" « III« «« ««Z.«-«T,. -. -«: III« --\"; · , - . «« . 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Bei aller Zremdheit des Rekoko, der peinlich bewußten Kraftgeste\nder ,,genialischen« Dichter: wir spiirten doch Größe. Der heitere Glanz des\njungen Goethe, die dunkle Wirrnis Lenzens, sein Wahusiuustod auf einer Straße\nMoskans . . .: wir nahmen diese Daten ergriffen hin.\nAber was sind diese geröteten Leidenschaft-en, die tebenden Werte nnd\nSzenen? — Der Tanz um den KraftnrenschentD Der tlbermut des Lachens?\nDie Verhöhnuug des Jntellekts? Jst dies unse re Opposition?\nDieser Studenten Kampf: er vergeudete Jntensitäteu an Richtigkeiteu wie\nästhetische Gesetze. Jhre Leidenschaften waren Triebe, ohne Gegenstände; der\nPrimat des Gefiihls: schlimmere Reaktion als der oerhaßte Rationalismus der\nAufkläreu Man wende nicht ein, daß eine Generation sich von den Fesseln\nvon Schulmeistern befreite, da sie gegeniiber einer vertrockneten Hirnlichkeit ihr\njunges Blut pries. Hatte diese Hirnlichkeit doch wenigstens Richtung nnd\nWillen gehabt. Die Propagierung von (,,reiner«) Kraft? Aber das ist ja die\nHypertrophie des Asthetizismns da Kraft nur ein Mittel ist.\nZwecke allerdings hatten die Stiirmer nnd Driinger nicht, aber auch keine\nZiele. Sie blieben auf ihr Grlebuis beschränkt. Nie waren sie Wissende. Sie\nwaren reicher nnd heiterer als ihre Widersacher: sie waren Jugend. Sie spiirteu\ndie Grde als siuulikhe Wirklichkeit und eutnahmen ihr Frische und Kraft. Sie\nflohen zu ihr aus Konventionen nnd steriler Zivilisation (sie fielen auf Ronssean\ndort hinein, wo er am flachsteu ists. Doch sie gaben der Grde nichts zurück;\nsie steigerten sie nicht zum Geist.\nMan wollte die Freiheit -—— des Dichtens nnd Gmpfiudensz man identifi-\nzierte Freiheit mit Natur. Das Recht der Persönlichkeit ward gekiiudet gegen\nden Zwang der Gesellschaft, als dessen Manifestatioueu man Staat nnd Gesetz\nansah. Man wies auf die Ratnr, wo sie am reinsten sei: im Triebleben und\nUnbekiimmertseim Aber da ist ja Ratnr nur wertvoll, wenn ihr Gegner nicht\nGeist ist, sondern Gewalt (also auch Physischess Goethes Götz ist dadurch allein\nmehr als iiblicher Raubrittey daß die Zustände, gegen die er kämpfen muß,\nmiserabel sind.\nDer Rausch dieser Dichter begeisterte uns; er zerwehte, da er substanzlos\nwar; es gab keinen Willen. Rnn sehen wir den Gegensatz zu jenem deutlich, der\nauch ein Rasender war, aber wußte, weshalb er raste.\nJnnger Schiller: zermarterter Jüngling, dem aller Sehnsucht Kampfrnf\nauch ,,Zreiheit« heißt. Auch er ein Gliihender hoher Jugend, brausend iiber die\nWelt gestürzt. Doch er verströmt seine Leidenschaft nicht unniitzz sie ist ihm nicht\nSpiel; er macht sie dienstbar der Jdee. Der Jdee muß die Welt unterwerfen\nwerden, alles Tierische, alles Menschliche. Aus unseren Gefiihlen lassen\nsich keine Heimateu bauen. Schiller steigert sein Grlebuis von der Pri-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.4", "texte": "vatheit zur philofophifchen Allgemeinheit, die Darstellung foziialer Znftände zur\nKategorie des Werts. Raturfeligkeit als Reaktion gegen Rikolaitentnm fie\nift ihm keinen schuf? Pulver wert, wenn fie nicht zum Geift erhöht.\nDiefer --lentimentalifche« Dichter, diefer Philofoph hafzt Zeit feines Lebens\nden ~naiveu« Kiinftler, den ruhenden, empfangeudem erlebenden. Er ftarrt\nnicht auf fich nnd kann keine Lyrik fchreibeu. Er zielt nnd wirft Brände ans;\ndie ziinden. Empiirt fich gegen fiirftlirhen Zwang, iubelt den Geiftesrebellen aus\n~Welfchland« zu und fchreibt das ungeheuerfte Revolutiousdrama der Wett-\nliteratur. Karl Rioor brennt nicht nur,fondern ver-—brennt; kein Zerftörer ans\nspieltrieb nnd ohne Zwecke (wie die pntzigeu Baknniften des Tafås stevhanie);\nfondern einer, der fiir die Freiheit des Rienfchengefchlechts kämpft, weil er deffen\nRot am eigenen Leibe erfuhr.\nJunger Schiller: er ich-reibt einen Zyklus von Dranien lvon den Räubern\nbis zum Karlos), die das ftrahlendfte Orchefter politifchen Aufftands find. sie\nfind fehend, nicht blind; wiffeud, nicht dumpf. sie find politifch, liftig dem Feinde\nauflanerud, auf das reale Faktum bedacht. so wandelt fichs die ~Freiheit« ab\nin aufreizenden sonderfällen: foziale Freiheit (Ränber); politifchsrepublikauifchie\n(Fiesko); Freiheit der Liebe lKabale nnd Liebe); Freiheit des Denkens (Ka.rlos).\nSignale fiir ftiisrmeude Jünglinge. Heilige Fahnen des Geistes.\nEs gilt nicht efakulierender Leideufchaft, fondern der Tat, zu der Leiden«\nfrhaft nur das tiichtigfte Mittel ift. Es gilt nicht der Erzeugung von Drainen\nund Tnmulten, fondern der Befreiung der Erde vom Ungeifh Es gilt nicht\nder Kuuft, fondern dem Leben. Was trennt den Räuber Rioor von den Ver-\nbrecheru der stiisrmer nnd DrängerP Das Bewufztfein der Sendung; der Wille\nzur Befferung der Welt, zur Rache an ihren schaudern. Und Pofa, der durch\nWorte (durch Wortes; hört es) alle irdifche Riacht fo mafzlos klein macht: er\nift der Herzog der Literaten, verantwortlicher Ritter des Geiftes.\nInnger schiller: fein Gesicht ift zerkliiftet vom Wiffen (zur ruhigen schän-\nheit des fungen Goethe fehlt ihm ein zureichender Grund). Er ftrebt in die\nWelt; fo muß er von der Welt wiffeu, nicht nur von fich. Er dikhtet, er formt\ndie Wirklichkeit um: aus Tendenz, aus Zukunft. Er wettet, indem er darftelltz\ner fordert, indem er Tragödien vollzieht. Er macht das Theater zur moralifchen\nRuft-alt, zur politifchen Tribiiue.\nDie Zeit des jungen schiller kommt; der fentimentalifche Rienfch wird ge-\nboren: überwindet der Ratur, Gläubiger der Idee, Analytiker nnd Wollender,\nFeind jeder Paffivität Es kann nicht mehr darauf ankommen, Gefiihle zu\nhaben (mögen auch Biirger vor« ihnen fchlottern) und Geftalter zu fein; es ift\nunwichtig, ein Genie zu fein. Die Zufälligkeit des Rhythmus fei verdrängt durch\ndie Rotwendigkeit des Ziels, durch Willen, der ftählern nnd mit Riufilc die\nWelt an fich reißt. Wir werden Wiffende fein, nicht naiv; wir werden verwirk-\nlichen, nicht toben; wir werden Politiker, nicht Kiiuftler fein.\nSchillers Dichten und Denken find Vormarfch in unfere Zukunft. Jener\nfchwäbifche Student, oitoyen de Ia räpublique krannipaiscz den wir hoffen\nfollten, als man Jmpreffionift war: wir werden ihn fehr lieben mäffen . . .\n\nRudolf Kaylkk"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.6", "texte": "Romain Rolland\nAlfred Wolfenftein\nIch dampfe noch durch fcheinbar grenzenlose Strahlen, -\nDa zntlct der bleikhfte Berg die lealten Schultern: Halt! ·\nObwohl das Schiff von Zlötenfprachen schallt\n—- An Pnffern fteht des Nordens Fahrt hier feftgeprallt\nDnrch Zllumiuationen starr-n die fahlen\nBafonette auf. Wo Genks getenlcige Geftalt\nSich wie ein freier Anfang gliedert, lcrenzt die Bsriiclsen Halt!\nGefangen stürzt, wer weiter fchreitet in des Sternes Spalt. .\nSo fteig vom Lande, sub! es forme dich dein Haupt\nZum Flügel, hier, wo einer fchon der Sonne glaubt -——.\nDer iiber dem Gemeng, doch lceiner Einfamlceit verfchnldeh\nDen Horizont entfaltet bis zn fernftem Glanz\nAiit Fingern der Musik, die lceine Liiclte duldet:\nSieht, blanäugig wie Rorden nnd wie Mittelmeeitz die Erde ganz."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.8", "texte": "Die Argonuen\nAus Briefen\n\nCin weites, süszes Land, Berge nnd Wälder wie geballte Wolken, Täler und\nEälchen eng nnd grundlos tief, von verzanberter Stille überdeckt, von dunklem,\ntrnnrigem Licht durchschwommen. Ein betäubendek Wald! Der Himmel ist\nimmer von weisser Seide verwaschem die Sonne glänzt leise in dem sanften\nBlau, ihr Schein fällt durchlöchert in grossen Scheiben durch die dämmernder:\nDiekichke\nDie Nacht, ob Aiondscheiu oder Regen, ist beherrscht von den runden\nKonturen der Berge, die wie Pferde in endlos galoppierenden Linien um die\nHorizonte rennen, ist beherrscht von dem sansenden Klang der Wälder, von dem\nGlockenton des allmächtigen Wassers, das den Bergen wie Blut entströmt, man\nmag stoßen, wo man will.\nSonnenaufgang gibt es hier nicht. Wie eine weisse Zahne, deren Ränder\ngolden opalisierem zieht die Helligkeit des Morgens über die Berge, ein sanster\nStrom von Licht bricht aus den zerschossenen Gründen, und wenn rund nnd\nvoll die Sonne über die Knppen hinansrutschh ist die fcharfe Helle des Tages\nschon längst in die letzten Winkel gekrochen.\nllberherrschend nnd fürchterlich ist der Regen, jenes traurige sest der Wäl-\nder, wenn sie in nndnrchdringlichen Schwaden ihre Berbindnng mit dem niedrig\neinherschleisenden Himmel feiern. Altes ist dann Dampf nnd feuchte Enge. Bou\nunten gnillt ein nnüberwindbarer Strom, die Poren der Berge nnd Bäume\nöffnen sich zu endlosen Flüssen, der Himmel klatscht mit überskhwenglicheu\nSchloszen dazwischen. Dies ist das Unglück, das das Land zur kalten feuchten\nHölle macht, das jeden Winkel des Waldes mit tranrigen Gespenstern erfüllt.\n»Da kille warte« nnd ,,lo mort komme« spuken mit grausigen Varianten bis\nin die Trümmer der zerschossenen Dörfer.\nDer Krieg! Eine schleichende, schleimige Gefahr! Das wilde Gesicht\nder vergangenen Stürme hat er abgeworfen. Er ist still geworden, gemein\nohne Grösse, gehässig ohne Haß, wütend ohne die eherne Wut der groszen\n0ssensiven. Wie Schlangen ringeln sich die Schrapnellwolken um die zer-\nsplitterten Reste der Bäume, mit kurzem geltenden: Pfiff einem erstaunten\nArbeitertrupp in den Rücken fallend, dessen Leichen dann schweigend mit der\ntragischen Gebärde gekuickter Aiarionetten über die selsen stürzen.\nAiinen wanken unbeholfenen knatternden Zlngs durch die Luft. Ihre\nmasestätischen Detonationen mit den riesigen Garben gesprengter Erde, den\nmajzlosen Wolken weisser Gase erinnern an grandiose Gewitter. Man könnte\nan ihrem Schauspiel etwas Erhabeues finden. Doch ihre Wirkung sprengt\nNerven eher als Unterständm"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.9", "texte": "Gewehrlcngeln heulen einzeln nnd wie gequälte Kinder iiber die Täler. Ihr\nAbirhnß sticht ipilz nnd nnangenehm wie Aadeln im Ohr. Das Echo klappert.\nDer hohle, blecherne Klang der Handgranaten mit dem gejpeniterhaften sausen\nder splitter erikhreclct mehr als er schadet. Dies ikt nnler Krieg! Stunden\nvölliger, lcraftloier Ruhe sind zahlreich. Dann glänzt weit linlcs im Siiden der\nerhabene Donner der Schlacht von Jordan, nnd wir willen: dort nnten wird\ndas skhiclcjal des Krieges weitergejkhriebery mit Blut nnd erziirntem Willem\nnoch fleht die mit Allem veriiihnende Notwendigkeit hinter nns beiden, hinter\nden Kämpfenden dort nnd hinter nnlerem zähen, tragisch tatenlolen Anshaltem\nWie ilt die lchäne Stille der Racht lcrakhend vernichtet! —- Hinter dem\nnahen Horizont des lternigen Himmels lärmen ralende Gewehre und der wilde\nRuf eines alarmiserendeu Poltens. Aach einer kurzen, dunklen, mit wol-\nliiltigem Sntletzen vollgeprelzten Panle hämmern die Handgranaten einen er-\nhabenen Wirbel.\nAlles ilt gellend geworden, wild nnd iiberlpaunt Das rote Licht der\nplatzenden Granaten wirbelt einen nnentwirrbaren Reigen zwilchen den Gräben,\nSplitter heulen einen geilterhaftem dominierenden Solang, nnd trommeln gegen\ndie erltorbenen Bäume.\nWie lind die Körper der Pollen anl einmal lehnig nnd lchlanlcl Wie\nglänzen, von Licht nnd Anltrengnng geformt, die Kontnren der Wetter. Die\nHaltung eines Arms tuit dem lchlanlcen Stil der Handgranate ilt nnlagbar, der\nSchwung des Werlens, der den Körper in einer fabelhaften Milchnng von\nWildheit, Sleganz nnd gelpanuter Vorlicht horhreilzh trinmphiert iiber die kält-\nlichlte Grazie Raflaels\nDas tollfte aller Schaujpiele if! der Minenzaubey wie es mit grimmigem\nHumor untere Soldaten nennen. Auf iechs bis lieben unheimlich leije\nAbichiijje erscheinen plötzlich die Almen, wie Selctlcorlcen lclein in pendelnder\nFahrt und faulendem Schwung und lcreiicheudem Geheul. Gleich darauf ertönen\nDetouationem gegen die die ichwerften Grauateu Kinderipielzenge lind. Zellen,\nBaumftämpfh Balken, Sijentriiger wirbelu in Kirchtnrmhiihe durch die Luft.\nVerluste treten öfters ein. Die Wirkung ift ungleich furchtbarer als die der\nArtillerie\nAn der Straße X . . . A . . ., Orte, die fast jeden französischen\nTagesbericht zieren (»Wir richteten energijkhes Zerftörnngsfener auf die\ndentlchen Wertce«), tagen wir die rabiate Hölle fsranzöiiicher Grauaten und"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.10", "texte": "Mineu mit der Ruhe abgefeimter Gauner, die das graujigfte Schauspiel nur\nzu blajiertem Lächeln reizt, iibev uns ergehen. Man merkt, das; das Regimeut\nnnd ieine wundervollen Soldaten Kriegsgejchichte hinter Iirh haben. Ss gibt\nlceine Situation mehr, die nicht jchou einmal da war und von der Erinnerung\nnicht ichon übertroffen wiirde. Der Ruhm des ierbijcheu Zeldznges läßt das\nRegiment nicht Ichlafem Es Ieufzt nnter der Enge, der bleichen Monotonig\nder nnerbittlichen Grausamkeit des 5chätkengrabens.\nDer Znsanterist kämpft nicht mehr. Zu dem neuen Gesicht des Krieges ist\nder wasfenlose Aiunn aus einmal Werkzeug der vernichteudsten Pläne geworden.\nDas Schauspiel dieses äbermenschlichen Kampfes driickt den kleinsten Phdien\nseinen erhabenen Stempel auf. Wenn weit hinten in der Etappe die noch nie\nerschienene Aenheit dieser Art Schlacht ihr staunenswertes Gesicht zu zeigen\nbeginnt, wenn Züge, berstend von Material nnd seinem Aiilliouenwerh in zäh\nineinander verbisseneu Ketten sich heranquälen, begreift man das Furchtbare\ndieses Raubbaues Betou, Eisen, Sandsteiue, Hemmt, Bnuholz, Eisenpfähle,\nDruhtnetzg Glas, Dachs-nippe, Bohrmnschiuem Pnmpen, Dgnumomaschinem\nKabel, Tetephondrähtg Wellblech, Saudsäcke, Eisenbahnschieuem Lokoinotiven,\nWagen. Begreift man hieraus allein nicht die Gewalt jener fiusteren Entschlossen-\nheit, die den verzweifelten Willen zum Sieg immer höher hinausreiszt? Tausende\nvon Arbeitern bereiten jenes Material hinter der Zront vor, in rasend ge—-\nhetzter Arbeit, Tage nnd Nächte, Sonn- nnd Zeiertage durcheinanderwirbelud\nIn den ersten Stunden der Nacht, den letzten schimmern des verloschenen\nTages das diirstige Licht abgewinnend, flutet der bislang Unsichtbare, abgestaute\nStrom von Kolonnen durch die gefährlichen Wälder und zerpfliigten Landstraszen\nin die Bereitschnftslagey in diese lehten Sanmrelpunkte gesicherten Lebens, iiber\ndie heraus kein uugesicherter Schritt mehr möglich ist. Es sind enge, unglaublich\ngewundene Täler, in deren Falten die schweren Pferde» mit zitternden slanken\nnnd unheimlich ergliihten Augen auf das Platzeu der Schrapnells tauschen. In\ntragischem Schweigen versunken, auf Spaten und Gewehr gestützt, wie erstarrte\nZignreu eines Shakespeareschen Trauerspiels, kleben die Snsanteristen an den\nAiauern in der dumpfen Erwartung von Gefahr nnd Arbeit. Sie schleifen das\nendgiiltig bereitete Aiaterial durch die Gräben, iiber die zersplitterten Höhen in\ndie Stellungen. «\nDas ist das unerhörte Gesicht dieses neuen Krieges, in der Komplilcation\nseiner Erscheinung nie völlig ansdentbar, im ganzen aber erschiitternd, erhoben, ge-\nwaltsam nud blutig. Der Arbeitsdienst in dieser tödlicheu Atmosphäre ist die\ntägliche Heldentat des Alnsketiers Ohne Auszeichnung, ohne Loblied.\n\nTheodor Zauberei)"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.12", "texte": "Die irische Samilie Plunkett\nRudolf Leonhacts\nGrau bog der Himmel sich, als sie ergriffen wurden.\nViel schiffe drängten sich am Strand, nnd Masteu stachen\nins diistere Licht. Die Menschen hagre Schatten, tobten. Ihnen wischte\nein Sohauer feucht die Stirn. Schreie Fett-rathen.\nEs waren Tage nicht, die dann vergingen:\ndurch Wolken, die iider dicken Mauern hingen,\neinmal erstand verzerrt ein Bild von Meer\nund griiuetn Rasen; ach, nnd Menschen Fugen! —\nDann fiel das Haar verwildert iiber stumpf wiartende Augen.\nDoch dann, vor den Gewehren, standen sie,\ndie stummen Schreie offner Miiuder rings verbanden sie\nden schauenden, den Schauerndem Und säh\nerfiillte sie das Wissen um das Nichts der Kleider;\nund standen vor der Gruft, und reine Lust\nmnhiillte sie. Die lcannten zärtlichst ihrer aller Leiber —\nleuchtend wälbten sich die Flächen der Erden —-—\nnud still und lächelnd fanden sie,\ndas; sie siir alle Menschen sterben werden."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.13", "texte": "Das Südliche Berlin\n\nzweierlei fiillt ans allem heraus, das man jetzt erwarten konnte. Einmal die\nStoffoerschwendung der Dame, und dann der gemäszigte, ja liebevolle Ton, mit\ndem selbst die gewalttätigften Presztiiuscher den Franzosen zu begegnen pflegen.\nDas Eine ist freilich nicht hier gewachsen. Aber dafz man es annimmt, hilft anch\nallen uiichternen Zwang zu zusetzen. Das Andere weist in ähnliche, nur dem klein-\nbiirgerlichen Wesen noch entriicktere Richtung. Ia, die scheinbare Wiirdelosigkeit\ngeht soweit, das? man sogar den sprachgebrauch des pojlu und des hoc-he irgend-\nwie» kommentarlos, selbst ohne Anfiihrnngszeichen zitiert. Kann sein, das? ich mich\ntäusche; aber das dunkle Gefiihl scheint zu herrschen, das; etwas Wahres dahinter\nsteckt und das? das Bochehafte einer der inneren Feinde ist, mit dessen Bezeich-\nnnng man nicht anders beleidigt wird wie ein Krauker vom Srregen\nDarum iibte man sich besser angezogen zu sein. Darum liebte man die\njunge Kronprinzessim Aian liebte sogar ihren Aamen wie ein Zeichen der\nWende. Alan empfand das tiilpiskh Brntale als ein gewiss vorhandenes, aber\nweder wiinschenswertes noch, was das Wichtige ist, notwendiges Bestandstiictc\ndeutschen Wesens. Das schien es zwar, als man Slse Laskewschiiler bei Kriegs-\nansbrnch auf der Aliinchener strasze verpriigelte, weil sie nicht so bedeutsam aus-\nsah wie alle übrigen und deshalb fiir eine Ansliiuderiu gehalten wurde. Aber\nes war auch einmal anders darum bestellt. Der Rat Krespel muszte ein\nDeutscher sein, denn fast jedes bewegliche und sonderbare Individuum wurde\nnach Deutschland verwiesen, dem jetzt so aschgrau korrekten Land, als der Heimat\nder Originale. Und es scheint anch jetzt insofern besser zu werden, als die letzten\nAnsprägungen des deutsch Aormaleu, die anheimelnde Alischuug von Kiichenfett\nund Briinhilde oder auch der Gendarmdentsche oder auch die anders geratene\nAiischnng vom Tentonen und Professor wesentlich der jüngsten, im Ablaufen be-\ngriffenen Vergangenheit angehören. Die ersten deutschen biirgerlichen Aienschen\nsind schwer zu erkennen. Sie riiclcschlieszend zu malen nach den Banerukriegen\noder nach Aieistergesang oder auch nach dem alten Kuustgewerbe, diirfte wohl\nnicht das Alltiigliche treffen. Aber wo sie deutlirher hervortreten,\nwie vor allem im Biedermaiey als sich die Biirger (uoch nicht\ndie Bourgeoiss bestimmend im gesellschaftlichen und kiinstlerischen Leben"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.14", "texte": "geltend machten, zeigt sich ein Bild von solchem weiblichen Liebreiz\nund solcher schwärmerischen Rachdenklichkeit auch des Durchschnitts der\nMänner, daß wir mindestens das Recht des Wunsches haben, in dieser Welt\nden Diapason des deutschen bürgerlichen Wesens zu erkennen. Das war\ndamals gewachsen, bunt, anmutig, zart blähend und ganz nnd gar nicht diirftig,\nim schönen Einklang mit der noch völlig agrarischen Landschaft nnd den kleinen\nspitzgiebligen Städten. Aber im Innern der Seele zeigt sich alles noch viel\nherrlicher aufgebaut, die Felsenrisse, engen Gassen, tiirkisgriinen Himmel waren\nhier Znuenarchitelctur der deutschen Seele. Selbst die bösartigsle politische Ge-\ndräcktheit konnte die Menschen nicht verhindern, derart Ratnr in Ratur zu sein.\nWohl aber brachten die Griindersahre, die alles verbrennende, rechnerische Zweck-«—-\nhaftigkeit des Vourgeoisdaseins, des reinen Gelddaseius ohne Liebe, Heiterkeit,\nKindlichkeitz Unbefangenheit, Fähigkeit, das örrationale anders denn als Spaß\nund Phantasterei zu genießen und zu werten, jene Ablenkuug zum iibersach-\nlichen Zustande, die nun alles zur Maschine macht und nicht einmal anders wie\neine Maschine versagt. Dieses, verbunden mit den Rittern, die beständig die\nHand am Schwertknaus hielten, des alldeutschens Rufs gewärtig, hat bewirkt,\ndaß sich fast keine Unparteiische in der ganzen Welt mehr zeigen wolleu, wie es\ndenn iiberhanpt erstaunlich ist, die seinde so unfähig« und ersindnugsarm zu sehen,\ndaß sie ikch sinfach die liberale Parole der letzten Reichstagswahlen zu eigen\ngemacht haben. Und gerade der westlerische Zug dieser Wahlen neben vielen\nElementen eines gelöstereu Kunstgeistes stimmt damit überein, uns allmählich\nauch in Deutschland roinanisches Wesen lieben zu lassen. Und zwar nicht mehr\nwie in den häsischen Zeiten nnd dann wieder gemäß der Ablenkung durch die\ngroße sranzösische Malerei einfach als Livree, als artfremdes, obwohl zutiesst\niiberlegenes Ideal, sondern so, daß es die eigene Richtung ist, die hier ge-\ngangen wird, nnd letzthin auch das eigene Land, in dem man ankommt, immer\nnoch Deutschland, ,,Herr Hoffmann, Student aus Deutschland«, das alte ver-\ngessene, phantaslische Reich. Man braucht den Westen um deutsch zu sein. Man\nreist nicht so leicht aus dem ersehnteu Deutschland fort, es ist iiberall in der\nTiefe, in der Bnntheit und dem Geist der Buntheii. Man sieht hier Genua\nund Paris, auch Sau Zranzisko, man fiihlt in sich die blaue Lust und leichte,\nfarbige, klingende Mittelmeerkultur wie vom Rordlicht beschienen, und das Ro-\nmanische im weiteren Sinne selber ist nur ein freundlich, kollegialisch begriißtes\nUnterwegs, draußen ansgestreckte Arme, Hilfsmittel des eigenen Apriori. Das\nweiß auch das Volk; von dem russischen Menschen in uns wissen nur die Zu-\ntellektnellen, und Rnßland wird erst in einer sehr viel unsichtbareren Tiefe wirk-\nlich, obwohl es dem alten Deutschtum als Hilfskonstruktion noch näher liegt."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.16", "texte": "Und nun: es fcheint, daß Berlin in fehr merkwiirdiger Weife, auf\ndem Weg zu einer neuen Ziille war, in etwas das graue Leben zu\nbrechen. sriiher hoffte man dies von Aiiincheu nnd noch friiher von\nWien. Die Luft ift dort fiidlicher, dem Freien in uns verwandter, aber\ndie eine Stadt kam iiber angehäugteu Atelierkram wenig hinaus, nnd\ndie andere, trotz ihrer bäurifchsbalkanifchen Anschliisfe ift altes andere\neher als im Kern und foznfagen ernfthaft heiter. Dagegen gibt es in Berlin,\nin dem eiligen, wendungsreikhen Zug feines Gefchästslebens nnd dem anders\nHeftigeu feiner weniger operettens als zirknshaften Bergniignngsformen irgend\neinen Zug zur Phautaslik, der trotz des kalkigen, troftlofen Stadtaublicks nnd\ntrotz der blossen erften kruden Bitalität aller Ansfchweifnng doch Siiden in sich\nhat, erfehuten, fruchtbaren, fentimentalifchen Süden, die Bnntheit und erotifche\nGefichtefälle als eigenes Sxotiknm. Das ist es, was die Stadt, gemäsz\nder doppelfiunigen Seele des nendentfchen Unternehmers kolnmbnshaft\nmacht. Wenn aber einmal dieser Zug zum Zwischen, Jsarbigem Fest-\nlikheu stark genug werden wiirde, um das Andere zu merken, das\nim Siiden nnd Westen Deutschland fchsläft: das freundliche Sich-Begegneu, die\nalte Liebesfiille, die alte geheimnisvolle Geiftesweitg die breit hinstriimeude\nAatnr des spekulatioen Blitzes von Aufgang bis Niedergang, dem gegeniiber\nalles romanische Zener nicht einmal Irrlicht ist, dann könnte allerdings die weit\nabgelegene Kolouialftadt als ganze Hauptstadt möglich werden. Und zwar durch·-\naus nicht, indem sie fich ablenkt und die alten kulturvollen Aefidenzeu minder«\nwertig beneidet, sondern gerade sofern Berlin Ausftellungsftadt bleibt, kann\nsich das Geueigte, Bersnrherifchq Sxperimentelle darin mit dem anders Zellen,\nmit dem Lebensumfchwung in den geistigen Zerusikhten verbinden. Das sind\nzwei Phiolen, aus denen wohl einmal ein bedentender Trank zu mischen denk-\nbar wäre; freilich immer wieder droht auch dieser Trank fnobiftisch zu verderben.\nUnd dann, dass fich Berlin wieder darauf besinnt, S. Eh. A. Hoffmanns, des\nAiagiers in Frankreich, Stadt gewesen zu fein, fcheint noch eher aussichts-\nreich, als das; fich das iibrige Deutschland so bald wieder auf den Weg zum\nZrrationaleu zuriictcfiudet\n\nErnst Bcvch"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191612-01.1.18", "texte": "Glossen und Kritiken\n\nH. S.\nKlabnnd, Aloreau. Roman\neines Soldaten. Stich Reis,\nBerlag, Berlin 19I6. ,,Roman\neines fchwiilen Soldaten« wäre rich-\ntiger. Und zwar ift das Schwiile das\nBette. Am Soldaten fowohl wie am\nRoman. —- Iu Salambo gibt’s ein Re-\ngiment, ein fchwiiles Regiment von\nalten und jungen Sölduerm Es ift das\ntapferfte Aegiment von allen. Des-\nhalb fo tapfer, weil feine Soldaten\nfchwiile Soldaten find und fich lieben\nuntereinander. Bou diefer Art ift der\nSoldat Aioreau. Und diefe fchwiile\n(fchwache) Seite feines Genins ift die,\ndie Klabuud am beften gelingt. Zwei,\ndrei Liebesfzenen mit dem ,,Kuaben\nChriftoph« und das Srfcheiuen des\neleganten jungen Königs find die\nbeften Stellen des Buches. -— Leider ift\ndie Skhwiilheit nur gefchilderh weder\npfgcho- noch fouftwie logifch ausge-\nfchlakhtet —- nicht einmal im Berlanf\nder gottgewollten Gegnerfkhaft\nzwifchen dem körperlich und feelifch\nfeinen stypifch fchwäl), ,,genialeu«\nGeneral und dem popeligeu Genie,\nBonaparte mit Namen, Das zwar\ngeiftig (Kuuftftiiclcl) fein ift, aber mit\ndem echten Dreclc der echten Geuies in\nAugen, Ohren, Aiuud und Aafe ver-\nsichtlich, dirlc nnd häfklich herumläuft,\nnnliebenswiirdig (und typifch un-\nfchwiilf —— Rein, die Schwiilheit wird\nnur gefchildert Aber liebeuswert\ngefchildert Und am liebenswerteften\nim ,,Knaben Chrijtopkfk\n\nH. S.\nJohannes R. Becher, An\nEuropa. Reue Gedichta\nLeipzig, Kurs Wolff Vers»\nla g 1916. Gedikhte nicht nur lehr\nverschiedenen Wertes, anch icheinbar\nlehr verichiedenen Ursprungs. Ge-\ndichte, die von einem »als geheilt\nentlassenen« Hölderlin sein könnten,\nGedichtm die von einem deutsch-\nsächsischen W. Bzithmaum von einem\ndeutsch-freundlichen Eh. Däuble»r, von\neinem lgrisch-eingeölten Aiarinetth\nGedichte, die von Becher sein\nlcönnten — und endlich Gedichtq\ndie von Becher sin d. Die letzteren\nwären die wichtigsten —-— leider ver-\nstehe ich sie nicht. Ich lcann also\ndieses Buch lcanm richtig — ich lcann\nnur versuchen, es gerecht zu beurteilen.\nAiir scheinen am schönsten gewisse\nBerse von einer burschilcos-tueuden\nSentimentalitäh Zrenndschaftsgedichtm\n,,Sterbetag«, »An die Zreunde«,\n»An die ZreudeC Diese sind nicht\nnur begeistert, sondern wahrscheinlich\n(ich lcanu es mir denken) auch be-\ngeisternd. —- In vielen anderen sind\nschöne Sätze. Zum Beispiel: ,,Wirr\nvon Bordelleu ein Ufer schleift längs\nder schneeigen Stirn« Aber gleich da-\nhinter: ,,Snorm in der Rotunde ihr\nmit Hnreu schiebt! Klotz der Schädel\nbrennt. Aufgestemmt von Lehrer\nHieb. (. . . Ihr trillerud einst Früh-\nlingsau ob Gefängnisse zerschmetternden\nHaft. . .)« —- — Das verstehe ich nicht\nnnd finde es auch nicht schön. Entschei-\ndende Zrage: Liegt es an mir? Oder\nliegt es am Dichter? —-— Ich wünschte:\nes läge an mir. Ich fürchte: es liegt an\nihm. Einslweilen bleibt mir nichts\niibrig als auf die Erfüllung des an-\nfangs ausgegebenen Programms zu\nwarten. ,,Bald werden sich die\nSturzwellen meiner Sätze zu einer un-\nerhörten Zigur verfiigen,« sagt er.\nHoffentlich! Ich musz mich mit der\nprophetischen Absicht begnügen. Einst-\nweileu scheint sie ——- die unzweifelhaft\nreine und grosze — mir reiner nnd\ngröszer zu sein als Kraft nnd Können.\n\nHerausgeber: Otto Haus-Dem, Berlin, Wilhelmltrafze 69\nVsefcjnttvortlicher Schriftleiter: Hans Siemieih Berlin, Ansbacher Straße. ZI\nFiir unvgrlanote Cinlendunaen keine Gewähr\nIn Olterreich für die Reduktion verantwortlich Hugo Heller,Wien,1, BpuernmaxlztZ\nDruck? von H. S. Hermann in Berlin"}]}