{"numero_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_sha256": "ca4fbff708efe500feb56927dd6be9074293c851dd3143018996e9b341417aaf", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabb/issues/1917/07_01/bmtnabb_1917-07_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabb/issues/1917/07_01/bmtnabb_1917-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c002", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.2", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.1", "debut_caractere": 394, "fin_caractere_exclue": 716, "texte": "INHALT:\nHANS SIEMSENs WARTET NICHT LÄNGER\nTHEODOR TAGGER!DAS GEISTIGE GESCHLECHT\nFRANZ PFEMFERT! ES IST NICHTS GESCHEHEN\nCLAIRE STUDERs DIE STUNDE DER FRAUEN\nOTTO FREUNDLICH! DER BAU\nEUGEN LEWIN-DORSCH! 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Täglich enden ihre Betrachtungen, Erkenntnisse\nund Programme mit dem Satz: „Also, wenn der Krieg vorbei ist\",\noder „Wartet wenige Tage; dann ruht die hellste Drommete. Der Friede\nist geschlossen. Der Krieg beginnt.\"\nEuch allen, liebe Freunde, keinen Hohn, keinen Vorwurf! Haben wir\nnicht alle uns selber täglich entgegengehöhnt: „Feigling! machtloser, über-\ntölpelter yon Ministern, Viehhändlern und Feldwebeln, übertölpelter, über-\nraschter, ausgelachter, kommandierter Schwächling!\" Dieser Hohn war\nbitter, aber unnütz. Da einsam sich erschießen zu lassen noch schwäch-\nlicher gewesen wäre, als zu schweigen, und zu leiden. Ich war so schwach,\nso hilflos und unglücklich wie Ihr. Kein Vorwurf also, nichts was Euch\nkränken könnte!\nAber ein Zuruf: Wacht auf! Seht um Euch! Unsere Zeit ist ge-\nkommen. Worauf Ihr gewartet, das ist geschehen. Der Krieg ist beendet.\nUnser Kampf muß beginnen!\nII.\nDer Krieg der anderen ist beendet. Der Krieg in dem wir machtlos\nwaren, der Krieg den die anderen, unsere Gegner vorbereitet, gewollt,\nberechnet, geführt haben und führen. Die Chauvinisten, die All-Männer,\ndie Militärs, die Regierungen, Kaufleute, unsre nichtsozialistischen Politiker,\ndie Mächtigen und Machtgierigen, die Monopolisten des gesetzlich geschütz-\nten Unrechts. Die, deren Reich von dieser Welt ist. Von dieser Welt, die\nwir nicht anerkennen, die wir bekämpfen und die wir ändern wollen und\nwerden.\nSie haben im Kriege durch den Krieg nicht anders und nicht heftiger\ngegen uns und unsere Welt gekämpft als vor dem Kriege. Aber sie haben\ndurch ihren Krieg mehr als uns untereinander sich selbst zerfleischt. Sie"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2339, "texte": "sind machtlos geworden und werden täglich machtloser. Wir, die wir macht-\nlos waren, werden täglich lebendiger.\nHätten sie gesiegt, so hätte ihr Prinzip, das Prinzip der Macht, der\nGewalt und des Krieges, so hätte der Krieg gesiegt. Aber das Prinzip\nhat versagt. Der Krieg hat nicht gesiegt.\nDie Kampfhandlungen sind zwar noch nicht beendet. Aber jeder\nweiß schon heute, daß ihr Ausgang bedeutungslos ist. Für bedeutungs-\nlos. Und auf uns kommt es an.\nOb die französisch-englisch-deutsche Front sich über Cambrai-Reims-\nVerdun, über Brüssel-Aachen-Köln, oder über Calais-Paris-Neapel zieht,\nob das rumänische Heer in Rußland oder in Rumänien steht, das hat für\ndie wichtigen Entscheidungen des Friedens, für die durch diesen Krieg\nund seinen Frieden geschaffenen oder schaffenden Grundlagen unseres\nKampfes wenig oder nichts zu bedeuten.\nJa, wenn es noch Entscheidungen, wenn es noch ySiege\" gäbe, wenn\ndiese Fronten Brüssel-Köln oder Paris-Neapel überhaupt noch erreich-\nbar, überhaupt noch möglich wären, so hätte die Fortführung des Krieges\nnoch einen Sinn im Sinne der Kriegsbejaher. Glaubt aber einer,\nglaubt nur ein Hottentott, glaubt nur ein Kriegslieferant im Ernst an\ndiese Möglichkeit?\nWenn heute fünf zerschossene Dörfer erobert werden, so gellen die\nTelegraphen „Sieg\"! Ist es in Wahrheit ein Sieg, der in Betracht kommt?\nWenn 100 Quadratkilometer zerstampfter Erde zurückgeholt werden, so\nmuß der „Sieger\" 300000 und der Zurückgeschlagene 200 000 Menschen\nopfern. Eine halbe Million. Wofür? Für eine Entscheidung?\nEs gibt keine Entscheidungen mehr in diesem Kriege. Das mußte\nauch denen klar geworden sein, die gewohnt sind mit dem Krieg, d. h.\nmit Toten und Verkrüppelten zu rechnen. Jeder Kriegsrechner weiß\ndoch eines: Nur der Sieg lohnt den Krieg. Der Sieg aber, der diesen\nKrieg lohnen würde, der ist unmöglich und wird unmöglicher mit jedem\nTag.\nDie Berechner und Bejaher des Krieges haben sich verrechnet, ihre\nKalkulation war falsch, ihr Geschäft ist mißglückt. Nie werden sie das\nzugeben. Nie werden sie einsehen, daß sie falsch gerechnet, das Blut\nihrer Mitmenschen vergeblich, ja sogar in ihrem gemeinen Sinne, ver-\ngossen haben. Ihre Berechnung, ihr Prinzip von der Rentabilität des\nKrieges wird verloren sein. Und sie mit ihm. Sie können sich nicht\nbekehren. Sie wollen am Leben, in Macht und Ansehen bleiben. Sie"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2191, "texte": "rechnen weiter mit Blut und Menschenleben. Sie sind gezwungen, die\nGeschäfte des Krieges, die sie so weit geführt, auch weiter zu führen.\nZu welchem Ende?\nSie vermögen nichts anderes jede Gruppe der Krieg- und Sieg-\nbegeisterten vermag nichts anderes mehr als mit all ihren Ankreuzungen\nund Opfern sich selbst und die anderen, die feindliche Gruppe zu schä-\ndigen und täglich machtloser, das Geschäft des Krieges täglich kata-\nstrophaler, den Sieg unmöglicher zu machen. Das ist der Teil des Krieges,\nder noch weiter geht. Hoffnungslos zerfleischen sie sich selbst. Wir aber?\nWir waren machtlos. Und sind noch nicht besiegt. Wir waren\nverlassen, einsam und zersprengt. Wir beginnen erst zu leben, wir be-\nginnen uns zu finden. Wir müssen uns finden, wir müssen uns sammeln,\nwir müssen und Wolfen mächtig werden.\nWillst Du Wollen Sie zu uns gehören? Auch Sie müssen sich\nentscheiden? Zu wem gehören Sie? Zu uns?\nOder zu den anderen? Zu denen, die Krieg wollen und führen?\nEntscheiden Sie sich!\nWollen Sie um irgend ein irdisches Gut (denn um irdische Güter\ngeht dieser Krieg), um nichts anderes, nicht um Ehre, nicht um Freiheit.\nOder wird durch irgendeinen noch so ungünstigen Friedensschluß irgend\nein Volk entehrt? oder durch einen noch so günstigen irgend ein Volk\nfrei? (Können die Serben durch irgendeinen Frieden entehrt, oder\ndurch irgendeinen Frieden frei werden?) Wollen Sie also um irgend-\nein irdisches Gut, um eine noch so große Summe Geld, um eine noch\nso fruchtbare Provinz, um noch so günstige und glückliche Lebensbe-\ndingungen den Krieg auch nur um einen Monat, um einen einzigen\nTag verlängern? Wollen Sie die Verantwortung übernehmen für nur\neinen Toten, für nur einen Verkrüppelten? Täglich fallen über Tausend!\nJetzt, in dieser Minute, während Sie dies lesen, jetzt, grad jetzt wird\nwieder einer zerrissen, erstickt, erwürgt oder von seinen Wunden lang-\nsam zu Tode gequält. Einer, der Schmerzen fühlt wie Sie! Weshalb?\nY Zwei! Ne scÆweyyenV\nkeine Gewalttat von Ihnen. TWJJS Verlag-se» Ums, tin-Ä cjke nie-If Zeiss-ye-\nseäweicrenl ; \" «\nIII.\nEs gibt nur noch zwei Parteien heute. Es gibt nur noch zwei\nFronten in diesem Krieg: Wir und die anderen. Wir, die wir Friedens-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2186, "texte": "freunde sind. Wir, die wir die tfJlaefit und die Grenzen hassen, das\nRecht, die Freiheit und den Frieden lieben. Und sie, die den Krieg\nbejahen, die Macht begehren oder haben, die Freiheit und den Frieden\nfürchten.\nDie anderen Fronten, die Fronten und Gräben der Macht, des\nMilitärs, des Grausamkeit, des Geldes und des Todes sind lächerlich\ngeworden neben dieser Front, neben diesem Abgrund zwischen uns und\njenen.\nNicht bei Cambrai und Reims wird um die Welt gekämpft nicht\neinmal um den Frieden kämpfen und fallen dort die ewig Beklagten,\nunsere von uns verlassenen Brüder.\nDie entscheidende Front ist unsichtbar, fflber sie darf niefit *\nsießtbar bfeiben I\nDort auf der anderen Seite sind die, die den Krieg bejahen, die\naus dem Krieg mehr als den Frieden, das Geschäft ersehnen, das Ge-\nschäft, das verschieden heißt: Geld, Macht, Land, Prestige, Gloire und\nEhre. Wir erhoffen aus dem Krieg nichts als den Frieden. Zu uns\ngehört Ihr alle, die Ihr Frieden wollt! Wir müssen uns finden, wir\nmüssen uns sammeln. Unsere Front muß sichtbar werden! Der un-\naufhörliche, unaufhaltsame Kampf muß beginnen. Der Kampf, den jeder\nmitkämpfen kann, der Gewalttätige und der Sanfte, der Rufer im Streit\nund der Stille.\nUnsere Front kann nicht groß, nicht stark, nicht bevölkert genug\nsein. Verzichten wir also auf alle Finessen! Verzichten wir auch auf\njeden Streit! Sie unsere Gegner Kriegsfreunde und Führer\nin England, Deutschland, Monaco und Frankreich, sie sind gezwungen,\ntäglich sich selbst zu schädigen und zu schwächen.\nG&'/r wollen einig sein in allen Ländern und über alle Grenzen der\nNationen, des Geistes und des Geschmackes hinweg. Jeder gehört zu\nuns, der für den Frieden ist, der für Gerechtigkeit und gegen das Ge-\nschäft, der für den Geist und gegen diese Welt, der gegen diese und\nfür unsere Welt ist.\nWir machen heute keinen Unterschied. Nicht zwischen dem vorleuch-\ntenden Genie und der verschüchterten betrübten Mutter. Wir alle wollen den\nFrieden. Kommt zusammen. Schließt unsere Reihe, unsere mächtige Front.\nBegeistert, todbereit, entschlossen.\nUnser Ziel? Der Friede. Welcher? Der schnellste! Wie heißt er?\nDer sozialistische. Zu deutsch: ohne Entschädigungen, ohne An-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 651, "texte": "nexionen. Und selbstverständlich: Der allgemeine, der Frieden für\nalle auf Erden, der Frieden für alle.\nUnd nun entscheidet Euch! Entscheidet Euch alle! Wollt Ihr den\nKrieg? Und Macht vor Recht? Und Geschäft vor Recht?\nAber wollt Ihr den Frieden? Ihr entscheidet Euch für Himmel und\nHölle.\nUnd wenn Ihr Euch für den Himmel entscheidet, für uns, und\nunsern einfachen Frieden, so dankt und singt einen Lobgesang für unsere\neinsam gefallenen Freunde, die in jenem Lande neben uns, von uns\nverlassen, lebten und starben und für unsere siegreichen russischen\nBrüder, die für uns alle kämpften und siegten.\nUnd in jedes Herz das Gelöbnis: Ihnen zu gleichen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c004", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "7", "image_debut": 7, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.4", "titre_corps": "DAS GEISTIGE GESCHLECHT", "titre_sommaire": "DAS GEISTIGE GESCHLECHT", "signature_source": "Cheodor Cagger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.7", "debut_caractere": 653, "fin_caractere_exclue": 1731, "texte": "DAS GEISTIGE GESCHLECHT\nCheodor Cagger:\nDer Dichter schloß: „Denn eure Pflicht ist der Geist\". Verstand man\ngut, daß er nicht den kritischen meinte? Streng und mit Liebe schloß er,\nnoch einmal: „Eure Pflicht, Zwanzigjährige, wird das Glück sein\". Er hätte\nes aber eindringlicher sagen sollen und lauter in einem Zeitalter, das Kritik\nund Analyse bis zum Paroxysmus trieb und in der Wollust des Zersetzens\nsich geistig befriedigte.\nKurz erst, aber ganz scharf, sind wir darüber hinaus. Müßten den Kopf\nnach etwas Überholtem wenden, und läsen wie auf einem Bahnhof, an dem\nwir nicht mehr halten, flüchtig und verschwimmend, die schildgehobenen\nEdikte: wissen, sammeln, analysieren. Aber die öffentliche Behörde des\nGeistes, als welche sich das Wissen hält, hat die einmal revolutionäre\nKritik schon gestürzt, und es gilt noch das Imperium des Geistes zu stürzen,\nals welches die Kritik sich hält. Sie haben einander abgelöst, aber uns\nnicht glücklicher gemacht. Das Wissen sogar griff uns nicht an, es hielt\nsich eitel und verschlossen abseits. Aber Kritik drang ohne Rücksicht in"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2557, "texte": "alle Poren des Denkens, hilflos und schmerzhaft aufdringlich zwang sie\nuns zu zerstören, was wir errichten wollten. Wurden uns Messer aufge-\nnötigt, wo wir Bausteine lieber in den Händen hielten. Das neue Ge-\nschlecht wirft die Messer weit, denn es ist streng und ernst, Aufrichtig-\nkeit ist ihm unbedingtes Gebot. Seine Liebe zu den Lebendigen ist rein,\nund die Hände suchen freudig, zu verbinden. Hingegen nichts stellt sich\nals so unernst heraus und verführerisch, wie die Chirurgie des Geistes,\ndie alles zurechtschneiden kann. Und jene ungezählten Umlehren, die vor\nunserer verblüfften Zeugenschaft schamlos und geschickt verkündet werden,\nsind reifste Früchte der Psychologie, die zu allen Drehungen sofort ein\ntieferes Recht anbietet. Ihre große Fähigkeit, nie in Verlegenheit zu kommen,\nübertrifft noch maßlos die große Fähigkeit der Weisheit, das letzte Wort\nzu behalten. Das junge Geschlecht aber ist ehrlich und schweigt, wo es\nkeine Antwort hat. Und sein Glück, keine Antwort zu vielen Dingen zu\nhaben, ist groß.\nIn ihm die Daseinsgewißheit des Geistes. Das Hingestelltwerden vor\ndie Fragen und die Aufforderung zur Leistung. Geist ist kein empfind-\nsamer Besitz und Reichtum. Das Herz ist Hingegebenheit, der Geist\naber täglich neu zu beweisen. Er ist Ereignis, während alles andere in\nuns Geschichte hat und historisches Leben. Wir selbst: schienen uns\nin Überlieferungen ein, es wird immer einmal notwendig. Aber der\nGeist geht unbestimmbar und ohne vorgeschiente Richtung. Es genügt\nnicht, daß er sich an Dinge und Gedanken festigt, sie genießt oder\nzerlegt. Er hat die Pflicht eines heroischen Einsatzes; und nie fühlte ein\njunges Geschlecht so klar wie heute, daß Geist getan werden muß.\nWeiß, daß die Tat lang einsam bleibt, und erwartet es nicht anders\nselten war geistige Jugend so fordernd und so anspruchslos. Und läßt\nsich nicht mehr zu den Versuchen einer dringenden Wirkung ins Weite\nüberreden . . . Endlich und endgültig kam die Erfahrung, wie sehr\nmenschliche Werke und die Werke der Reinheit Zeit brauchen für ihre\nFestigung in der Welt. Unzweideutige Taten und die große Bereitschaft\nleuchten lang vorbildlich und vergeblich. Unzweideutig und bereit steht\ndas neue Geschlecht schwankungslos zwischen Enthusiasmus und Ver-\nachtung, und wußte nie unbedingter, daß jede Kritik erstes Eingehen auf\nKompromisse ist. Es lehnt sie ab ohne Duldsamkeit, steht entschlossener\nvor dem Opfer, als vor geteilter Freude. Und geht so weit, daß das\nLeben selbst nicht mehr Tatsächlichkeit, sondern Tat wird, die streng\nund unvergleichlich ist."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 777, "texte": "So setzt es Leben für das Beispiel ein und tritt aus seiner Stumm-\nheit schon gefaßt heraus. Stolz und unbefriedigt, überaufgefüllt und un-\nerlöst: platzt einmal geistige Entscheidung aus ihm auf, schmerzlich und\ndonnernd, aber durchdringend zu der großen Unbedingtheit Menschlichkeit.\nSie ist Erfüllung dieses Geistes.\nHier glückt er, unter den Strahlen der menschlichen Liebe.\nWas das Wissen vernachlässigt, die Kritik in Bedingungen umhüllt,\nüberströmt den neuen Geist restlos und innig, denn er ist rein.\nWehen die Ballaste des Wissens und der Zweifel auf: ich bin Mensch\nund liebe.\nIch bin Geist, und liebe.\nMeine Handlung ist Geist, und ich liebe.\nTat befreit Gefühl, und meine Handlung gibt mir einen Bruder.\nGeist, der geschieht, öffnet immer die Arme an die Horizonte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c005", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "9", "image_debut": 9, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.5", "titre_corps": "ES IST NICHTS GESCHEHEN", "titre_sommaire": "ES IST NICHTS GESCHEHEN", "signature_source": "Franz Ifemfert", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.9", "debut_caractere": 779, "fin_caractere_exclue": 1783, "texte": "ES IST NICHTS GESCHEHEN\nFranz Ifemfert:\nDie deutsche Sozialdemokratie demonstriert wieder einmal. „Gegen die\nAusbeutung und Entrechtung der Massen.\" „Für Freiheit und Frieden.\"\n„Gegen den Krieg.\" In Berlin allein brachte sie nahezu eine Viertelmillion\nDemonstranten auf die Beine. Mit Genehmigung der Polizei hatten sich\nHunderttausende in Treptow versammelt, um „einstimmig\" die Resolution\nanzunehmen, die vorgeschlagen worden war. Es war imposant usw.\nJetzt nun möchte ich einen Augenblick mit dem Feuer spielen: seit\nheute früh sind Deutschlands Kriegslustknaben am Ziele ihrer Wünsche.\nDer Krieg ist da. Was soll jetzt im Namen der Kultur geschehen? Was\nmuß geschehen? Die Demonstranten aus Treptow sind uns ja als eine\n„Garantie des Weltfriedens\" offeriert worden; was werden sie nun tun?\nMit Resolutionen macht man Gewehrkugeln nicht zu Kinderspielbällen.\nDemonstrieren ist überhaupt unmöglich, der Polizeipräsident, gestützt\nauf die Ausnahmegesetze, die seit heute früh gelten, untersagte die Ver-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2459, "texte": "Sammlung. Was also tun? Schon haben achtzig Prozent der Treptower\nFriedensrufer die Order erhalten, einzurücken. Ihr muß man folgen;\ndenn Gesetz geht vor Recht. Also was tun? Die Hundertzehn •im\nReichstage haben zwar in Ger heutigen Vormittagssitzung die Verant-\nwortung für das Morden der nächsten Wochen dem Reichskanzler und\nden bürgerlichen Parteien zugeschoben. Doch die Flinte wird dennoch\nschießen, und nichts, nichts kann dem blühenden Jungen, der vielleicht\nschon morgen nacht auf dem Schlachtfelde verröchelt, das Leben zu-\nrückgeben. Er war ein tüchtiger Parteigenosse, der Todgeweihte, er hat\nfür das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht Hunderte\nProtestversammlungen mitgemacht. Irgendwo in einem Winkel seines\ndurchschossenen Proletarierschädels wird vielleicht noch die Erinnerung\nan die letzte Resolution für den Weltfrieden nisten, wenn schon das\nMassengrab sich öffnet, den sozialdemokratisch organisierten Krieger auf-\nzunehmen. Er wird fallen wie Tausende seiner Genossen: den Fluch\n1\ngegen den Krieg auf den Lippen, das Gewehr schußbereit . . . Partei-\nfreunde werden vorwärtsstürmen, über ihn hinweg, vorwärts gegen die\nProletarier, mit denen sie sich so oft „verbrüderten\" . . . Kann man\nheute, da der Krieg nun einmal Tatsache geworden ist, den Gang der\nEreignisse noch bestimmen ? Heute leben wir in einem Ausnahmezu-\nstand. Heute läßt sich nicht nachholen, was etwa gestern, was etwa\njahrzehntelang versäumt worden ist. Der Krieg ist da. Man schießt\nund wird erschossen . . .\n. . . Aber der Krieg ist ja noch nicht da. Wohl kann er morgen\nüber Deutschland hereinbrechen; aber er ist ja noch nicht da. Heute\nkann man gegen die Geisel der Menschheit noch alles tun, was man\nvielleicht morgen, vielleicht in einem halben Jahr nicht mehr tun kann.\nAber tut man das? Sind wir heute dank der deutschen Sozialdemo-\nkratie um eine einzige Kriegsmöglichkeit ärmer? Wohlverstanden: die\nFrage lautet nicht: was wird geschehen, wenn morgen ein Krieg uns\nüberfällt? Auf diese Frage kann, in Preußen, nur ein Narr Antwort\nerwarten. Aber: ist alles geschehen, damit kein Krieg uns überfallen\nkann? Was hat die Arbeiterpartei getan, um den Kriegsgefahren wirk-\nsam zu begegnen? Was tat das liberale Bürgertum? Die Antwort lautet\ntrostlos und verzweifelt: nichts.\nNachschrift des Zeii=Echo:\nAlle, die noch Menschen sind, und bei denen also der Krieg noch nicht\naußer Mode ist, wissen, daß dieses Zwischenreich der Gewalt seit dem August"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 627, "texte": "1914 herrschen darf. Aber die Worte Franz Pfemferts erschienen buchstäblich\nso, wie man sie hier oben entsetzten Auges las, in seiner Zeitschrift „Die Aktion''\nam 30. Ohober 1912. Das war weit geblickt! Und darum spricht das Zeit-Echo\nimmer wieder für die „Aktion\": Weil sie die einzige deutsche Zeitschrift war,\ndie seit jener Zeit nicht eine opportunistische Zweiteilung in geistige und in\nSchützengrabenmotive unternahm. Sondern weil sie, bewussten Willens, unnach-\ngiebig gegen bedrängende Kriegsmächte, eine Arche war, in der die Geistigen der\nGegenwart ihre Kunst und ihr Denken in eine neue Epoche hinüberretten konnten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c006", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "10", "image_debut": 11, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.6", "titre_corps": "DIE STUNDE DER FRAUEN", "titre_sommaire": "DIE STUNDE DER FRAUEN", "signature_source": "Claire Studer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.11", "debut_caractere": 629, "fin_caractere_exclue": 2121, "texte": "DIE STUNDE DER FRAUEN\nClaire Studer:\nIn allen Ländern setzte einmal sehr schwach eine Bewegung ein,\ndie den Geist der Frau und ihr Menschentum entwickeln sollte. Der Hohn\njeder Geistesbewegung, der Krieg, brachte sie zum Stillstand.\nIn allen Ländern warten wieder (bewußt und unbewußt), sehnender\ndenn je, Frauen, die durch den Schmerz gewachsen sind, auf das Wunder,\nauf die Befreiung. Als ob die Befreiung von außen kommen könnte und\nnicht eine innere Revolution zur Voraussetzung haben müßte; denn man\nmuß auch zur Freiheit reif sein. Der schmachvolle Zusammenbruch der\nvon Männern geführten Völker müßte uns endlich lehren, die Welt unter\neinem andern Gesichtswinkel als dem männlichen zu sehen. Aus diesem\nKrieg müßten wir ewigen, zur Passivität verdammten Minderjährigen hinein-\nwachsen in unsere Erdball-Aufgabe: der Mitarbeit an der Vergeistigung\nund Verbrüderung aller Menschen, müßten erkennen, daß eine Freiheit in\neinem noch ganz unbekannten Sinn und damit eine ungeheure Verantwortung\nan der Höherentwicklung der Menschheit unsrer wartet.\nWir Mitschuldigen an dem europäischen Zusammenbruch, die wir niemals\nverstanden haben, etwas aus unsrer größten Macht zu tun, der Liebe, der wir\nalles, was wir sind, verdanken. (Wir konnten nicht einmal den Mann weicher\nmachen, um 1914 abzuwenden.) Wir Talentlosen, wir kleinen Statistinnen,\ndie wir nie mitspielen durften auf der Bühne der Welt! Wann werden wir\nendlich nicht mehr Chor sein, der klagt, sondern einzeln auftreten im Leben ?"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2685, "texte": "Wie lange wollen wir uns noch zurückdrängen lassen von den eitlen, brutalen\nMimen der Gewalt? Wo bleibt unsere Revolution? Wann werden wir\ndie ersten Fenster der Tyrannei einwerfen mit den steinernen Worten der\nSelbstbefreiung und Menschwerdung? Wir, die wir mit unsicherer Mär-\ntyrerinnenpose uns selber in der Welt, die wir aus uns aufgebaut haben,\nunseren Söhnen, zerstören ließen! Der Begriff vom Wert des Einzelnen,\nvon uns selbst, ist uns noch gar nicht gekommen.\nJede Einzelne darf nicht länger die Geliebte des Mannes, sie muß die\nGeliebte der Menschheit, der Welt sein. Nicht die Mutter einiger Menschen,\ndie Mutter aller Menschen. Der Begriff: Mutter ist noch niemals wirklich\nerlebt worden. Die Liebe, die uns immer zur Hemmung wurde, und der\nGeist, den man in uns unterdrückte, sind noch niemals wirklich frei geworden.\nWir müssen uns eine ganz neue Stellung der Welt und dem Mann gegenüber\nerwerben. Wir müssen uns unsrer Kraft bewußt werden. Der Mann kennt uns\nnoch nicht. Er sieht die Frau, wie er sie seit Jahrhunderten festgestellt hat\nund behandelt sie so. Und vielleicht sieht er in vielem recht. Weil unsere\nEntwicklung nicht von innen, sondern von außen kam, sind wir nur das Resultat\nund nicht der Weg. Wir haben im Verhältnis zu ihm gar keine eigene Natur,\nsondern die, die er uns gibt. (Er verlangt, daß wir: er werden.) Wir haben uns\nselbst aufgegeben für jene Andere, die er von uns verlangte. So sind wir immer\nallein geblieben mit unserem Gefühl, das er aussetzte in die Welt und das nach\nErhörung schrie hinweg über die Jahrhunderte. Wir irrten umher in uns selbst\nund in unsrer Liebe. So konnte es kommen, daß wir uns nebeneinander, von-\neinander fortzuentwickeln begannen in eine gewisse Feindschaft und Ver-\nständnislosigkeit hinein, daß jeder seinen eigenen Weg ging. Die Zukunft\ndarf nur mehr einen gemeinsamen kennen. Wir müssen uns erkennen und\nfinden vor dem großen Menschheitsgedanken. Arbeiten wir an der Befreiung\nvon diesem untermenschlichen Zustand, in dem wir Frauen uns noch be-\nfinden. Werden wir Liebende und Geliebte zugleich. Nicht mehr dem Staat,\nder Begrenzung dürfen wir gebären, sondern der Welt, der Liebe, dem Geist.\nNicht mehr der Mann, sondern die Liebe ist uns Erlebnis. Tolstoj lebte\nunsren Glauben. Das Heer der Liebe gegen das Heer des Hasses!\nWir, die wir uns unserer Verantwortung schon bewußt geworden sind,\nwir müssen uns zusammenschließen und in Mansarden, Keller, Hinterhäuser,\nFabriken jeder einzelnen kleinen Schwester die Forderung des Lichtes bringen.\nDenn was nützt die große, öffentliche Geste der Liebe, die nur da ist, um\ngesehen zu werden, wenn die kleine, die irgendwo unbemerkt geschehen\nkönnte, unterbleibt?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c007", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "12", "image_debut": 13, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.7", "titre_corps": "DER BAU", "titre_sommaire": "DER BAU", "signature_source": "Otto Freundlich", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2573, "texte": "DER BAU\nOtto Freundlich:\nZwischen Euch gehe ich, Ihr Heiligtümer der Welt, die Ihr Menschen\nseid, und glaube an das ewige Licht in Euch. Menschenleib, tief glüht\nmein Glaube um Dich. Umstellt habe ich Dich Tag und Nacht mit meinem\nNimmerschlaf, Dein Erglühen fällt in sein waches Hoffen, umstellt habe\nich Euch, Ihr Altäre, mit Flammenbecken, kleinen und großen, Eurem\nLeibe entwachsen sie, wie betende Arme, in offenen Händen sollen die\nerweckten Flammen getragen sein. 0 Altäre, Säulen errichtete ich um Euch,\nunsichtbar dem verschlossenen Blick, sichtbar aber werden sie sein Euren\nBlicken, die aus der Grenze des Leibes herausgetreten sind. Ihr selbst seid\nja die Säulen, Ihr Altäre, auf Eurem Leib wurzeln alle Fernen, und die\nsind die Säulen des Tempels. Mensch, Du bist der Altar, Du bist der\nSäulenwald des Tempels. Hoch über Dir steht Deine tragende Kraft und\ngipfelt in freiem Wachstum im Scheitel des Himmelsdaches. Baumeister\nbist Du und Schmücker dieser Dome, die nicht aus Stein, noch Eisen, noch\nGlas errichtet werden. Gefügig aber wird der Stein werden, wenn Ihr er-\nrichtet habt das Urbild des Tempels über Euch, um Euch, die wandelnde\nKirche jedes Ich: denn über jedem Leibe, neben ihm, um ihn, sind alle\nStufen lebendig, die verklammert sind mit der Unendlichkeit. Steigt hinein\nin das Umgebende, Leiber! Baut Adern in den Himmel zwischen Euch,\ndann wird Euer Blut weit beheimatet sein und seine pochende Lust springt\nüber in die reinen Gefilde Eurer Verbrüderungen. Der enge Raum seines\nFleischgehäuses wird Rinnsal vertausendfachten Lebens sein, und Leben\nbeglücktes Heimkehren vom Wegebau.\nWie aber reißt der Sinn sich empor aus der Rennbahn des Ich; wie\nschafft er seiner Wagnis Hebel und Gestaltung, daß Joche steigen zwischen\nallem Erschau baren, Brücken werden und schicksalsgeliebte Überführungen.\nEs steht ein Ruf in der Luft, der kündet dem Auge eine neue Wissen-\nschaft, und ehe das Auge sein neues Schauen findet, wandert schon der\nGeist der Liebe dem Rufe nach und wird Speise den Pilgern, die schauend,\ntastend, wagend die Farmen des Leibes verließen.\nAm Ufer des Meeres stehend, wird sein Leib Gares Leibes Überhöhung,\neingeschnitten seid Ihr in das gewaltige Diadem, das der Himmel randet.\nIm Räume geht Ihr und steht Ihr, entspinnend lichte Tragen Eurem\nLeibe, wird nun sein Mahnen wahr, und den erschlossenen Häusern ent-\nwandern beseeligte Sucher und Finder. 0 Treffpunkt. Ferner; entlastete\nBegegnungen, feine Organe, die einst verwesten im derben Leibesbau,\njetzt entfaltet seid Ihr Schwingen und aller Fernen Mittler. Ihr fühlt jede"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2606, "texte": "Linie und ihres Atems Ende, Ihr selbst seid Atem jedem gepreßten Ver-\nhalten und treibt es fort zu seines Glückes Entwachsen. Die alte Geschichte\nder Welt steht still, denn sie ist am Ende. Alle Bildungen in Stein und Farbe,\ndie alten, sie reden nicht mehr ihrer Zeiten Lehre, denn der Sinn ward neu.\nNun aber wird endlich offenbar, wie um alles Verstoßene die große Heimat\nwächst. Gv/r äffe sind die Verstoßenen, die ganze Erde ist bevölkert mit Ver-\nstoßenen, in allen steht das „wie schaffe ich Heimat allen und mir\". Es ist\nein Wirken der Güte, aus Ratlosigkeit gegen sich selbst gerichtet. Wer rät\nden Händen, die nach Früchten verlangen und des Baumes nicht gedenken!\nUnd den Künstlern sage ich: sie greifen nach Früchten und gedenken\nnicht des Baumes.\nWas sind denn die Werke der Kunst, wenn ihre Transfigurationen im\nselben Blicke nicht die geweihte Skala einer vergeistigten Architektur\ntragen, wenn die Diminutiva alles Körperlichen nicht verpflanzt wurden\nauf Bauvegetationen, als die wahren Übermenschen; wenn das Ich sich\nnicht anzulehnen vermag an die höheren Dienste, die weiter als Verdienst\nund Verlust, weiter als Interessen und Interessengemeinschaften: Bindungen,\nSteigerungen, Gipfel als reife Verrichtungen aus uns wachsen lassen.\n„Wir sind die Wurzeln der Welt\": aus Jedes Herzen springt der Zu-\nfluß zum Wurzelstock, aus ihm aber wölbt sich der Stammbaum, den wir\nnähren, und der nun kreisend trägt unseres Werdeträumens Gestalt. Wir\nsind die, die sich im Werdeträumen entzündet fühlen, wir sind die\nJünger unseres Kindes, die Unmündigen vor unserer Weisheit, wir haben\nden Herren außer uns selber gestellt, aus seinem Herzen ist alle Herrsch-\nsucht genommen, sein Gebot hat kein Nein, es ist so neu, wie das Öffnen\neiner lange verschlossenen Tür, es ist einladend wie das Wort der Liebe\nselbst, und vertraut ist es uns, wie Erfüllung unserer treibenden Hoffnung.\nDer Unerwählte, der Herr ohne Vorgänger und Nachfolger ist es, er lebt\nund ist hoch und ist mächtig, durch unseres Lebens Hoheit. Ich nenne\nmeinen Herrn wie meinen Zwillingsbruder, doch wie einen, dem ältere\nWeisheit mitgeboren wurde. Aus früherer Frühe kommt sein Deuten, und\ner steht über meinem Anfang und meinem Ende als der vollendete Weg.\nBruder-Gott, Gott-Bruder, nicht Einer bist Du, sondern vielreich und\nüber jedem Wesen himmelentsprossen. Himmel, Du Schein-Einer, fern-\nblau bist Du, wie die Erde fern-grau wäre, sähe ich sie aus Ferne.\nJeglichen Wesens Farbenseligkeit aber ist Deine wahre Tracht, und so\nverstehen wir Nahen der Erde gut all ihr farbiges Leuchtgewirr als ihrer\nvielen Himmel Vorbestimmung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c008", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "17", "image_debut": 15, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.8", "titre_corps": "DER HERR DER NATUR", "titre_sommaire": "DER HERR DER NATUR", "signature_source": "Eugen Lewin=Dorsch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2601, "texte": "DER HERR DER NATUR\nEugen Lewin=Dorsch:\nWir wissen, daß eine mit höchster Bewußtheit organisierte Grausamkeit\nunablässig am Werke ist, die zur inneren Übereinstimmung mit sich selbst und\nzur Geistigkeit bestimmte Gestalt der Menschheit zu verwunden und zu ver-\nstümmeln ; und gleichzeitig glauben wir zu sehn, daß die Natur als ein Sinnbild\ndes ewigen Friedens, als die sichtbar gewordene Idee der Einheit und als die\nVerkündigung des höheren Zusammenhanges alles Lebens sich voruns hinstellt.\nWem das Entsetzen und der zur Regel gewordene Schrecken des gegen-\nwärtigen Schicksals durch eine beständige Vergegenwärtigung und durch\neine von dem moralischen Gewissen aufs strengste geforderte Verdeutlichung\ndieses Leidens zum Besitze seines eigenen Lebens und Leidens geworden ist,\nder wird das reine und in jedem ihrer Teile geschlossene, ästhetische Bild\nder Natur wie einen unerbittlichen Vorwurf und eine unabweisbare Anklage\n!•\nempfinden müssen. Denn dieses Bild täuscht einen Frieden vor, der aus\nuns selbst geschwunden ist und bringt uns einen Genuß des Daseins in\nErinnerung, zu dem wir die Kraft und alles Recht verloren haben. Als ob\nsich eine dunkle Wolke vor das leuchtende Gestirn des Geistes gestellt hat,\nentfaltet sich das Leben der Menschen in Schuld und Selbstzerstörung der-\nselben Menschen, auf die sich einst der Glauben richtete, daß sie durch\ndie Kraft ihrer Vernunft, durch die ursprüngliche und überlegene Be-\nstimmung ihres geistigen Wesens dazu berufen seien, die jetzt als Vorbild\nauftretende Natur zu überwinden, sich über ihre ungeistige Gesetzlichkeit\nzu erheben, die blinde Macht des Schicksals durch ununterbrochene, schöpfe-\nrische Handlungen zu vernichten, sich selbst in Freiheit zu setzen und von\ndem Licht ihrer Erkenntnis das Licht des Himmels überstrahlen zu lassen.\nAber die Fähigkeit zu erkennen und bewußt zu wollen, richtet an den\nMenschen in jedem Augenblicke seines Daseins die Frage der Wahl und\nder Entscheidung über sich selbst. Denn gerade weil er diese Kraft besitzt,\nvermag er durch einen verkehrten, ja zur Verschuldung hinführenden\nGebrauch noch unter die Natur selbst, über die er sich stellen sollte,\ntief hinabzusinken. In ihr ist gar nichts anderes wirksam als jene sich in\neinem unendlichen und ziellosen Kreislauf erneuernde und wieder zerstörende\nLebenskraft, als das ungeistige Gesetz, sich in ihrem kosmischen Bestände\ndurch einen unablässigen Ausgleich aller Kräfte zu erhalten. Sie ist ganz\nund gar nur das, was sie in jeder einzelnen ihrer akzentlosen Zusiandsver-\nänderungen ist. Sie trägt in sich selbst keine Idee und keine Forderung,"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2765, "texte": "die über ihre Wirklichkeit hinausdeutete. Ihr ganzes Wesen ist in ihrem\nSein begriffen und in ihrer Allgegenwart beschlossen.\nDie Menschheit aber selbst schon eine Zielerkenntnis, die jede er-\nfahrbare Realität mit mächtigem Flügelschlage weit hinter sich läßt findet\nihr Wesen und ihren Wert niemals in dem, was sie zu irgend einer be-\nstimmten Zeit und in irgend einem Räume ist oder war oder sein wird.\nSie entdeckt sich vielmehr in einer geistigen Bestimmung ihrer selbst, in\neiner selbstgestellten sittlichen Aufgabe, in deren Erfüllung sie sich ihr\nWesen und ihre Würde in jedem Augenblick ihres Daseins zu erwerben\nund zu erschaffen hat. „Nicht, daß ich es schon ergriffen hätte oder schon\nvollendet sei; aber ich jage ihm nach, vielleicht, daß ich es ergreifen werde ...\nwas hinter mir liegt, das habe ich vergessen; nach dem, was vor mir steht,\ngreife ich aus und jage auf das Ziel zu . . .\" (Paulus). Aus der unerschöpflich\nfließenden Quelle ihres Geistes entspringt der Menschheit der allgemeine Sinn\nihres Seins, der sie über sich selbst hinausweist und dem sich zu nähern daher\nihr Wille, sofern er sittlich sein soll, verpflichtet ist. Ihr Wesen ist die Tat.\nDie Natur vermag von ihrem Wesen nichts einzubüßen noch zu ver-\nlieren. Denn da ihr Wesen in ihrem Sem beschlossen ist, so würde sie\ndurch einen solchen Verlust in der Unendlichkeit ihrer zeitlichen und räum-\nlichen Ausdehnungen völlig zunichte werden. Aber die Menschheit, deren\nSein und Wesen sich erst in ihrer sittlichen Tat vollzieht und wirklich wird,\nsie allerdings kann ihres Wertes und ihrer Würde verlustig gehen, indem\nsie die aus ihrer geistigen Kraft fließende Aufgabe, ihre Idee, in der allein\nsie besteht, preisgibt. Sie vermag in Verschuldung zu fallen, indem sie die\nfreien und sehenden Energien ihrer Vernunft und ihres Willens, statt sie\ngegen die Kräfte der Natur zu richten, um diese ihrem höheren Gesetze\nzu unterwerfen, in verbrecherischem Kampfe gegen sich selbst kehrt. Durch\nnichts beweist sich die Freiheit des Willens der Menschheit deutlicher als\neben dadurch, daß ihr sogar die Freiheit gegeben ist, ihre Freiheit aufzu-\ngeben; mit anderen Worten: daß es ihr freisteht, ihr wahres Wesen durch\neine teuflische Lüge in das völlige Gegenteil zu verkehren und ihre geistige\nBestimmung und ihren sittlichen Ursprung zu verleugnen.\nDas ist es, was die Menschheit von aller Natur grundsätzlich und dauernd\nunterscheidet. Sie allein vermag zu vollbringen, wozu kein anderes Wesen\nbefähigt ist, und zwar kraft ihres Geistes: durch Überwindung und Be-\nherrschung aller naturhaften Mächte also auch der in ihr selbst wirk-\nsamen, die sie an das allgemeine Schicksal der Natur, das Sterben, zu fesseln\nsuchen sich selbst zu befreien und in das unsterbliche Reich des Geistes"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2500, "texte": "zu erheben, in welchem die Menschheit sich in ihrer wahren Gestalt, als\nEinheit, unversehrt und ungebrochen, findet. Oder aber, wie durch einen\nmagischen Zauber geblendet, jene dunklen Mächte des Schicksals gegen\nsich selbst heraufzubeschwören, um von ihnen das zur Einheit bestimmte\nWesen zerteilen und zerreißen zu lassen. Wie wenn der Erbauer eines\nHauses die von ihm selbst nach einem einheitlichen Plane zusammenge-\nfügten Steine durch einen magischen Ritus beseelte und die beseelten auf-\nriefe, aus dem errichteten Bau herauszuspringen und ihn durch ihre Rückkehr\nin ihr früheres Chaos auseinander brechen zu lassen.\nDie letzte Aufgabe des Menschengeschlechts besteht also in seiner\ngeistigen Einigung zur Menschheit, durch die Erkenntnis und die Verwirk-\nlichung ihres wahren Wesens. Die bewußte Preisgabe seines freien Willens\nzur Einheit, die Selbstentzweiung und Selbstzersetzung durch den schuld-\nvollen Mißbrauch seiner geistigen Kräfte dies und nichts anderes ist der\nBegriff des Krieges. Die unvergleichliche und unverlierbare Gedankentat\nder Propheten des antiken Israel besteht in der Erkenntnis, daß die von\nallen ihren Gegensätzen restlos erlöste und in der ungeteilten Verehrung\ngöttlich-menschlicher Sittlichkeit geeinte Menschheit den ewigen Frieden\nselber darstelle und gewährleiste:\n„Gott spricht Recht zwischen den Völkern,\nZahlreichen Völkern lehrt er Gerechtigkeit.\nSie aber schmieden aus ihren Schwertern Pflugscharen\nUnd Winzermesser aus ihren Lanzen.\nKein Volk mehr hebt gegen das andere sein Schwert,\nKriegshandwerk lernen sie nicht mehr.\" (Jesajas)\nDie Trennungen und Grenzen, welche die Nationen zwischen die\nMenschen legen, die Scheidungen der Rassen, Stämme und Staaten sind\ndie Hemmungen und Einschränkungen der naturhaften Mächte. Vor dem\nreinen Geiste der Menschheit sind sie Schein und Lüge. Denn die Mensch-\nheit ist Einheit mit sich selbst. Aber der uralte, magische Zauber, der aus\nder Schicksalsmacht aufsteigt, entfesselt ihre dunklen Gewalten gegen jenen\nheiligen Geist, blendet den Willen der Menschen, richtet ihn gegen sich\nselbst und stürzt ihn in Verschuldung. Aus der Lüge solcher Trennungen\nwächst das von Blut triefende Gespenst des Krieges und der Entzweiung.\nDurch den Besitz der Vernunft und des geistigen Willens ist die Mensch-\nheit mit der Freiheit begabt, den Weg der Selbstvervollkommnung, den\nWeg der Verwirklichung ihrer sittlichen Bestimmung, ihrer Selbstbefreiung,\nden Weg zur Einheit und zum Frieden mit sich selbst einzuschlagen oder"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2708, "texte": "aber den anderen Weg zu geben, der zur Knechtschaft, zur Zerstörung\nihres moralischen Wesens, zur Auflösung und zum Kriege mit sich selbst\nführt. Sie kann ihr Leben wählen oder ihren Tod, das Gute oder das Böse.\nWählt sie aber das Böse, so sinkt sie nicht allein zur Natur herab, die\nzu überwinden ihre Bestimmung gewesen wäre, sondern da sie selbst frei-\nwillig ihre Freiheit in Unfreiheft, ihren Geist in Ungeist, ihre Einheit in\nEntzweiung verkehrte, sogar unter die Natur. Diese selbst aber erhebt sich\nalsdann vor der verworfenen und schuldbeladenen Menschheit in der stillen\nGröße ihres unwandelbaren Seins als das Sinnbild des verlorenen Paradieses,\ndes zerstörten Friedens und der zertrümmerten Einheit gleichsam als\nder mythische Garten der Gottheit, worin im ersten Weltalter der noch\nschuldlose Mensch und die noch unblutige Kreatur mit ihrem göttlichen\nErzeuger vereinigt lebte, bis er durch seine Verschuldung das heilige Band\nzerriß und sich mitsamt der ganzen Schöpfung in den Abgrund des Todes\nstürzte. Der Kampf, der auch in der Natur waltet, versinkt vor dem furcht-\nbareren Kampfe der Menschheit wider sich selbst, da nur diese dadurch\nsich selbst aufhebt. Dann spricht die Natur zu uns von dem tiefen Zusam-\nmenhang alles Lebens und alles Blutes, den der frevelnde Mensch wie einen\nheiligen Vertrag zerrissen hat. Dann richtet sich in ihr das durch uns ge-\nschändete Leben vor uns auf und ruft uns unsere Schuld und Schande ins\nGesicht. Der Glanz ihres Lichtes und das Bild ihrer Schönheit tritt wie\nein glühender Vorwurf vor unsere Seele. « Horch, das Blut deines Bruders\nschreit zu mir vom Erdboden auf!»\nSo ist es die Stimme der Natur, die in uns nunmehr die Sehnsucht nach\ndem, was wir verloren, ja vielmehr selber preisgegeben haben, mit leiden-\nschaftlicher Mahnung in uns entzündet. Sie muß zu einem Ruf der Anklage\nwider uns selbst anschwellen und sich vor unserem wachgewordenen Gewissen\nin den Klagelaut der in ihrer Würde erniedrigten Menschheit verwandeln.\nWir wissen, daß die Natur, ihrem w/ssenßegriffe nach, nichts\nanderes ist als die Gesamtheit bewußtloser und ungeistiger Gesetzmäßigkeiten,\nja, daß in ihrem Reiche ein ständiger Kampf tobt, in dem allein die physische\nKraft den Ausschlag gibt. Das Bild der seßönen Natur, aus welchem wie\ndurch einWunder die tote Unbewußtheit des Gesetzes verschwunden und der\nverzehrende Kampf in das Gleichnis der Einheit aufgehoben zu sein scheint,\nist aber in Wahrheit schon ein Akt der Vergeistigung der Natur. In dieser\nästhetischen Anschauung ihres Seins vollzieht sich bereits ihre Mensch-\nwerdung, die in einer auf sie gerichteten, schöpferischen Handlung des\nmenschheitlichen Geistes entspringt. Und so spricht die scßöne Natur"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2637, "texte": "im Unterschied zur wissenschaftlichen durch die Symbole ihrer Einheit\nund ihres Friedens die idealistische Sehnsucht des Geistes, der diese Schön-\nheit selbst erzeugt hat, nach den ewigen Zielen seiner Bestimmung aus.\nAber diese Sehnsucht ist noch keine Tat; und jene Schönheit der geist-\nund menschgewordenen Natur wird zum Verhängnis, wenn sie uns nicht\nzum Aufbruch, zur strebenden Bewegung, zur Handlung aufruft.\nHöher als alle ästhetische Anschauung der Natur, die uns das mensch-\nheitliche Wesen symbolisiert, unendlich höher steht die sittliche Aufgabe:\ndieses Wesen durch unausgesetzte, immer von neuem rem aus ihrem Urquell\nentspringende Tätigkeit wirklich werden zu lassen und in der Bildung mensch-\nlicher Gemeinschaft darzustellen. Von dieser höheren Stufe der Erkenntnis\naus ist die ganze Natur, der in Zeit und Raum unendliche Kosmos einzig\nund allein des handelnden Menschenwesens wegen da als Material seines\nWillens, dem alle Schicksalsmächte zur Unterwerfung unter den Geist über-\nantwortet werden. Nicht zum Kampfe gegen sich selbst darf der durch\nVernunft erleuchtete Wille der Menschheit gerichtet werden, sondern allem\nzum Kampfe gegen den Ungeist der Natur, deren Gewalten m dem Augen-\nblick von ihrer eigenen Blindheit erlöst werden, in welchem sie in den\nDienst der moralischen Menschheit gebannt worden sind.\nDas gegenwärtige Schicksal hat alle Energien des Menschengeschlechts\nauf die Vorbereitung des Unterganges gerichtet und in das Gegenteil ihrer\nwahren Bestimmung verkehrt. Die Idee der Menschheit ist der brutalen\nVerhöhnung und dem Fluch der Erniedrigung ausgesetzt. Die ungeistigen\nund naturhaften Zerlegungen des an sich einheitlichen Geistes haben die\nMacht an sich gerissen und sind zu den gebietenden Bestimmungen unseres\nSchicksals geworden. An Stelle der Liebe, die alle Trennungen überwindet,\nmenschheitlichen Zusammenhang erschafft und Gemeinschaften des Geistes\nbildet, ist Haß und Zwietracht getreten, aus deren dunklem Raum die Not\nder Einsamkeit und der Verbrechen geboren wird.\nAber der Geist der Menschheit, so sehr auch das Leiden ihn entstellt\nund verwundet hat, ist gleichwohl wach und wartet. Aus dem Widerspruch\nzur Macht des Ungeistigen wächst seine Kraft zur Tat an. Mitten auf dem\nverwüsteten Kampfplatz der Zerstörung selbst richtet er sich auf, um sein\nWerk der Liebe zu beginnen. Mitten unter den Völkern, die nichts als ihre\nGegensätze vor den Augen haben, wird er sich in einer einigen und freien\nGemeinschaft entfalten, die ganz und gar von seinem reinen Wesen erfüllt\nund verklärt ist und aus diesem Reichtum des Willens heraus das Chaos\nder Vergangenheit zersprengen wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c009", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "24", "image_debut": 20, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.9", "titre_corps": "MENSCHEN / BÜCHER / ZEITSCHRIFTEN", "titre_sommaire": "MENSCHEN / BÜCHER / ZEITSCHRIFTEN", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2031, "texte": "MENSCHEN / BÜCHER / ZEITSCHRIFTEN\n\nIhr wollt es nicht gewesen sein\nihr Geistesmetzger vom August 1914. Jahrelang habt ihr von Menschenblut\ngelebt, ihr wart Vortänzer der Kriegsmusik, ihr triebt Handel mit schmach-\nvoll erzwungenem Soldatenlied, ihr, Herolde der Gewalt, söget aus jedem\nTagesbefehl eurem Dasein die Erzählung, das Drama, die Betrachtung, das\nGedicht vom (historischen, lebenden, künftigen) Heereshelden. Jetzt, im vierten\nKriegsjahr, leugnet ihr. Und jeder Schreier kleiner Reformen, die ihm längst\nalle Regierungen vorgeschrien haben, bläht sich plötzlich als Völkerfreund.\nIn welcher Zeit lebten wir, daß die Geschöpfe, denen Vernunft gegeben\nwar, öffentlich die Stimme zu erheben, daß die dem Weltmord der Vernunft\nBeifall schrien! daß sie durch die Straßen rasten und klingende Sätze auf\nden gemordeten Menschen schmissen. Die gerade, denen ihre öffentlich ge-\nübte Vernunft aufgegeben hatte: brüderlich feste zu stehen; fest zu stehen\nzum Geist, gegen die Gewalt.\nIhr wollt es nicht gewesen sein. Es soll, auf einmal, da euer Blutspiel\nverloren ist, nicht mehr wahr sein. Aber das brutale Leugnen hilft nicht. Da\nhilft nur die Tat. (Bei euch selbst, nachts im schlaflosen Zimmer oder in un-\nversehenen Träumen werdet ihr euer Leben lang euch rechtfertigen müssen vor\nMillionen Toter, gegen deren Abschlachtung ihr nichts einzuwenden hattet.)\nIhr werdet so lang leugnen, bis ihr nie mehr vergessen könnt. Aber wir andern,\nwir außer euch, die wir Ekels voll sind vom Gericht über euch: Wir können\nauch vergessen. Eure Tat zu unserm Vergessen: Setzt auf eure Schande das\nBekenntnis der Schande. Sprecht, denen Langmut noch die öffentliche Stimme\nließ, offen aus, wie man euch betrog, und wie ihr Händler sogar des Be-\ntrugs weiter betröget.\nKein Schwindel mehr mit Hinkeformen. Fordert Alles. Die Unbedingtheit,\nvon der ihr wißt.\nOder: auch jetzt noch bangt ihr um das Geschäft. Aber dann hütet euch.\nDie Gemeinschaft der Zukunft wird, selbst an ihren leichtsinnigsten Sonntagen,\nkeine Kletteraffen mehr brauchen."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2840, "texte": "Opportunisten\nIhr sagt, der Opportunist nahe euch mit den Worten eurer eigenen\nGesinnung, und erst, wenn er Macht über euer Vertrauen gewonnen habe,\nin der Stunde der letzten Entscheidung, verrate er euch.\nIhr klagt, man könne die Dinge nicht voraussehen. Aber das wäre auch\ndie billigste Erfolgsrechnung und enthöbe euch aller Mühe. Eure Sache ist\nnicht, zu prophezeien, sondern in der Verteidigung des Geistes auszuharren.\nIhr fragt, woran man den Opportunisten erkenne?\nKrapotkin spricht in den „Memoiren eines Revolutionärs\" von den\nSpitzeln: „Wer einigermaßen Lebens- und Menschenkenntnis besitzt, der\nentdeckt bald, daß diese Geschöpfe etwas an sich haben, das ihn mahnt,\nvor ihnen auf der Hut zu sein. Wer auf den sittlichen Gehalt der ihm\nbegegnenden Menschen achtet, der legt sich dann selbst die Frage vor: „Was\nhat diesen Menschen zu mir geführt? Was in aller Welt kann der mit uns\ngemein haben?\" Ein Spitzel kann Bekanntschaften nennen, er kann die\nbeste, manchmal zutreffende Auskunft über seine Vergangenheit geben, er\nkann sich revolutionäre Ausdrucksweis,en und Ansichten vollendet angelernt\nhaben, aber niemals vermag er sich in die besondere, sittliche Anschauungs-\nweise des Revolutionärs hineinzuleben und schon dies genügt, ihn in ge-\nwisser Entfernung zu halten. 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Genaueste Aufzeichnung (durch fast\nklinisch geschulte Darstellungsmittel) des Auseinanderklaffens von Gefühl,\nWissen, Massenstimmung eines allen Völkern Verwandten. Dieser Monolog\nist offensichtlich zu Beginn des Krieges entstanden; der Verfasser sah sich\ngewiß damals mit der unabhängigen Hochherzigkeit seiner Absichten isoliert\ninmitten der großen Woge von kriegsfreudiger bürgerlicher Literatur. Daher\nbleiben in seiner Darstellung die führenden Ideen noch allzuschüchtern\nzurückgehalten, und die Entscheidung zu ihnen wird dem Leser überlassen.\nHeute, wo trotz mächtiger Erstickungsversuche wahres Menschentum in allen\nLändern ein Echo findet, würde Straßer die Dinge wohl lauter und ent-\nschiedener sagen. Höchst anerkennenswert der Verzicht auf angemaßte\nKunstmittel; Straßer wollte offenbar weder erzählen noch dichten, sondern\ndurch den Mund eines gequälten Menschen seine brüderliche Gesinnung aus-\nsprechen.\n\nFiguren.\nPaul Wiegler:\n(Verlag der Weissen Bücher, Leipzig. 1916.)\nPaul Wiegler hat als Neunzehnjähriger eine vollendete Beschreibung der\nPhilosophie im neunzehnten Jahrhundert (von beinahe Lexikonumfang) gegeben.\nEr entzückte später uns (Ahnungslose!) durch eine kleine Schrift über den\nEnthusiasmus französischer „Rebellen\". Er war ein aufregend vollendeter Über-\nsetzer von Jules Laforgue. Man sieht, er sucht die geistigen Anstösse. Die Zeit\nwar so öde, dass uns Jungen ein Mann schon Kamerad schien, der das Geistige\nnur nannte.\nIn diesem neuen Buch,, Figuren\" werden Menschen beschrieben, als seien sie\nStilleben für ältere Maler: Austern, Äpfel, Schüsseln, unter denen nur der Tisch\nein wenig wackelt. Der Gipfel des Protestes gegen Änderung der Welt. Er macht\nkeinen Unterschied in der Rangordnung: Cagliostro; Andre Gide; ein Schreckens-"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3098, "texte": "Kammermörder, der eine Versicherungssumme erlisten wollte; General Booth,\nder Begründer der Heilsarmee; und die Urheber der russischen Revolution\nwerden nebeneinander, mit denselben Begriffen, in derselben Schönschrift\nregistriert (Das wackelnde Stilleben). Wiegler über die Helferinnen der grossen\nVolksumwälzungen:\n„Die Umstürzlerinnen im Frankreich der Bourgeoisie hat George Sand, die\nFrau von Nohant und Dichterin der „Indiana\" angeführt. Spitz und schrill\nflackert ihre Stimme in Louise Michel fort, dieser in die Luft der politischen\nKneipen verschlagenen Sand, die mit ihrer Gevatterin das Ressentiment der un-\nehelichen Geburt gemein hat, die versetzte Mütterlichkeit, den geistigen Hoch-\nmut, die Symptome der seelischen Erkrankung.\"\nWelch plumpe Demagogie: Das Mittel zieht nämlich heute schon lange\nnicht mehr, eine bedeutende und störend ethisch gerichtete Person dadurch\nentwerten zu wollen, dass man von ihr behauptet, sie sei nur die umgekehrte\nGartenlaube!\n„Erst die russischen Umstürzlerinnen haben das Beispiel der Bettlerin aus\nHaute-Marne (d. i. Louise Michel) vollendet. Ihr Revolutionstrieb ist der\nAtrophie der Sexualität entsprossen, die jetzt Artzibaschew durch sein papierenes\nTraktat kurieren will. Unterernährt sind die Nihilistinnen, die fiktive Heiraten\nmit fremden Studenten eingehen, um nach der Schweiz vorzudringen, die in den\nBaumwollfabriken von Moskau agitieren oder von den Matrosen in Kronstadt\nsich entjungfern lassen, um als Bordellmädchen sie für die Revolution zu\ngewinnen. Unterernährt ist die „Nihilistin\" der Kowalewska, sind die Sassu-\nlitsch, Perowskaja und Larionow Weiche, zapplige Nagetierchen sind\ndiese Umstürzlerinnen \"\nWiegler behauptet also, dass diesen Frauen die Revolution nur Vorwand\nzur Erledigung einer sexuellen Angelegenheit war. Was uns von diesem\nMenschen trennt, ist durchaus seine alberne Ungläubigkeit vor der erhabenen\ngöttlich-geistigen Tatsache, dass jedes wollende Menschenwesen schon\nphysikalisch die Welt ändert! „Das hat er\", werden seine Freunde sagen, „vor\nlangem, unter dem Entwertungsnachspiel des Misserfolges der rusisschen Re-\nvolution von 1905 geschrieben. Heute würde er sich wohl hüten.\" Ja, eben\ndas wird ihm hier vorgeworfen. Man muss schon am Feuilletonerfolg geschult\nsein, um die Selbstaufgabe des Menschen, seine höchste Liebestätigkeit durch\nWüsten, Bleibergwerke, Folterkammern, stetes gütigstes Gefahrleiden, nur mit\neinem ganz kleinen Hoffnungslicht im Herzen für die Menschheit um diese\nheilige Vermenschlichung der zartesten Ideen Unterdrückter: als verdeckten\nWunsch nach dem Männerbett zu behandeln.\nJeder sieht, dass es hier nicht um sexuelle Moralfragen geht. Es geht um\nAnerkennung des Geistigen im Menschen, des Willens im Menschen, des Helfers\nim Menschen, des Mitmenschen im Menschen. Die Ablehnung Wieglers ist die\nAblehnung einer Eingeweidephilosophie; der allerdümmsten, willensfernsten,\nsklavenhaft passivsten, der allerblödesten Spezialarzt-Tendenz.\nWieglers Romanphantasie hat sich um das Privatleben der russischen\nRevolutionärinnen gekümmert. Uns andere, uns Mitfühlende ging nur ihr"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3083, "texte": "öffentliches Leben an. Wir wissen, welches Unerhörte diese öffentlichen Gestalten\ntaten. Für die Menschheit!\n\nEuropa lebt noch.\n» Die Zeitschrift «FesiC·cöfeiies« erscheint in Genf (case postale Jonctioji\n13718, Genfeve). Sie kostet für alle Länder jährlich 2 Fr., halbjährlich 1 Fr.\nIhr Leiter: Claude Le Maguet. Die Tablettes widmeten das Heft vom Juni\n1917 dem Gedächtnis Tolstojs; dieses Heft, das vorbildlich gedruckt ist, kostet\n30 Centimes. Und ich trete dafür ein, daß es in allen Ländern der Erde,\nwo nur irgend ein Mensch sitzt, der ein paar Worte Französisch lesen kann,\nin Massen verbreitet wird. Auf der Titelseite: das erste gute, ernstliche und\nwahrhaft mitgelebte Phantasiebild Tolstojs. Es ist von Frans Masereel,\nweder kokett bäurisch noch weich weinerlich, wie die üblichen Tolstoj-\nPorträts, sondern intensiv sonnenhaft, das Bild eines leidenden IWeisen\n(und für dieses brudermenschliche Werk seien ältere, nur verlegen deskriptive\nHolzschnitte dieses Graphikers vergessen). Zehn Menschen schrieben die\nTolstoj-Nummer der Tablettes: Paul Birjukow, Romain Rolland, Marcel Mar-\ntinet, Han Ryner, J.-P. Jouve, Brenn, Marguerite Jean-Debrit, Charles Bau-\ndoin, Natascha Rostowa, und Claude Le Maguet. Jeder dieser Menschen\nsagt hier Unbedingtes. Und das eben hat man zu unserer Zeit noch nicht\ngesehen. Das Vorbild Tolstojs hat aus jedem dieser zehn Münder das höchste\nBekenntnis zum Menschentum hervorgetrieben, das der Einzelne an seinem\nLeib verwirklicht hat. Die Gemeinschaft der elf, des Malers und der Sprecher,\nist vorbildlich. Alle haben denselben Beginn, dasselbe Ziel und den-\nselben Weg durch die große Verzweiflungskrise der Menschheit. Alle sagen\ndasselbe und nur die Körperlichkeit, der Ansatzpunkt an der Realität ist\nverschieden, so gemeinsam und so verschieden wie die Schreie vieler Menschen\nzwischen Geburt, Entrückung und Tod. Die Zentralsonne des Heftes\nist eine große, ganz schimmernde Wahl von Lebensworten Tolstojs aus seinen\nWerken und seinen Tagebüchern; Jouve hat sie gemacht, und man erkennt\ndie liebende Hand des Dichters an der Zusammenstellung, die jeden dieser\nLeitsätze wunderbar als menschlich ewige Erkenntnis und gleichzeitig als An-\nleitung für den heutigen, den brennendsten Moment unseres Lebens zeigt.\nUm Tolstojs Wort gestellt ist die Gemeinschaft der Freunde. Und daß, noch\nmitten im Blutspeien der Welt, eine solche Gemeinschaft von Reinen möglich\nwar, Reinen, die nicht nur Erkenntnis treiben, sondern die, unter dem Opfer\nihrer Scham und ihres persönlichen Friedens wirklich helfen wollen: dieses Be-\nwußtsein vom Glück einer neuen europäischen Vorbildlichkeit kann nicht mehr\nverloren gehen. Zum erstenmal wieder, seit ach, wie langen Jahren,\ngerade in der höchsten Not der Menschheit sprach öffentlich eine Gemein-\nschaft das Wort für den geistigen Bruder in jedem Menschen!\n\nHier einige Sätze.\n\nArm! Øifjrifow (,,To1st«oj und die russischeRevolution«): »lhr gefährdet\ndie ZivilisationW Tolstoi santw0rtet,r der erVeriust dieser- Zivilisation , sei\ngeringere Gefahr als. der Fortbetrieb des jetzigen Zustandes der Dinge."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2199, "texte": "Tom-i» Toffel-»F (,,Tolstoj der freie Gseist««): Heute ist seltener als\nHeroismus, seltener als Schönheit, seltener als Heiligkeit: ein freies Ge-\nwissen. Frei von jedem Zwang, frei von» jedem Vorurteil, von jedem Dogma\neiner Klasse, einer Kaste, einer Nation. Mensch! erhebe dich, öffne die Augen,\nschau! Die Freiheit des Geistes ist der höchste Besitz . . . Die grösste Ehre,\ndie wir den Menschen wie Tolstoj erweisen können, ist: frei zu sein wie er.\nMir-see! Martin« (,,1n diesem Blutfriihling«)« Von Sokrates zu Tolstoj\ngeht die Ewigkeitslegende der Helden, die nichts sind, die stets verhöhnt\nund besiegt werden, und die die Welt fiihren . Gläubige Flamme von Karl\nLiebknechiz Romain R»olland, PierreMonattY —- aller derer, die das Ge-\nwissen der Völker neu entfacht haben. »\nJota-e (,,’l’olstoj lebt in uns«): Tolstoj, Führer« fiir die paar\nMenschen, die, verloren unter den Völkern, trotz allem und gegen alles, nach\nihren schwachen Kräftenden Kampf ausfechten, seien heilige« Krieg, de« Krieg,\nder cmj Liebe »undVernunji sich störet, de« Krieg gegen de« Krieg (Zwei Kriege l898).\nGram: (,,Zeugenschaft«): Gegen den Krieg gibt es nur: eine iiberlegene\nMacht, den schwur, nicht Waffen zu tragen und nicht zu töten. Der Krieg\nist der Götze, den wir mit unsern eigenen Leibern bilden, und den unsere\neigene Seele spmit ihrem Hauch belebt« .\nAcri-seist! Kosten» (,,Die achtzig -Befreiten«): ln - allen kriegführenden\nLändern ist heute die Zahl derer sehr grob, die in den Gefängnissen Strafen\nabwälzen, weil sie das Waffentragen verweigert haben. Und die haben viel\nmehrAnhänger, als man meint, gerade mitten im lnnern ihrer Volksgenossem\ndie durchzensur und Kriegsterror zum Schweigen verdammt: sind.\nFlur-de Be« Magd« (,,Die Bestie«): DleGewalt hat keine Besserungs-\nkraft. Was böse ist, wird nie durch sie in Gutes gewandelt. Sie hat kein\nUnterscheidungsmal dafür, ob der Eine oder derAndere sie anwendety Das\nGute muB direkt offenbart »werden.» Solange man sich gegenseitig die Ge-\nwalt zuschleudert -- wie einen Ball zwischen zwei erbitterten Spielern —\nwird das Böse nie ein Ende nehmen. Unser schönster Sieg wird diese Einsicht sein.\nDie Bestie soll nicht von uns Besitz ergreifen.\n\nL. R."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c010", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "18", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.9.1", "titre_corps": "Ihr wollt es nicht gewesen sein", "titre_sommaire": "Ihr wollt es nicht gewesen sein", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.20", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2031, "texte": "Ihr wollt es nicht gewesen sein\nihr Geistesmetzger vom August 1914. Jahrelang habt ihr von Menschenblut\ngelebt, ihr wart Vortänzer der Kriegsmusik, ihr triebt Handel mit schmach-\nvoll erzwungenem Soldatenlied, ihr, Herolde der Gewalt, söget aus jedem\nTagesbefehl eurem Dasein die Erzählung, das Drama, die Betrachtung, das\nGedicht vom (historischen, lebenden, künftigen) Heereshelden. Jetzt, im vierten\nKriegsjahr, leugnet ihr. Und jeder Schreier kleiner Reformen, die ihm längst\nalle Regierungen vorgeschrien haben, bläht sich plötzlich als Völkerfreund.\nIn welcher Zeit lebten wir, daß die Geschöpfe, denen Vernunft gegeben\nwar, öffentlich die Stimme zu erheben, daß die dem Weltmord der Vernunft\nBeifall schrien! daß sie durch die Straßen rasten und klingende Sätze auf\nden gemordeten Menschen schmissen. Die gerade, denen ihre öffentlich ge-\nübte Vernunft aufgegeben hatte: brüderlich feste zu stehen; fest zu stehen\nzum Geist, gegen die Gewalt.\nIhr wollt es nicht gewesen sein. Es soll, auf einmal, da euer Blutspiel\nverloren ist, nicht mehr wahr sein. Aber das brutale Leugnen hilft nicht. Da\nhilft nur die Tat. (Bei euch selbst, nachts im schlaflosen Zimmer oder in un-\nversehenen Träumen werdet ihr euer Leben lang euch rechtfertigen müssen vor\nMillionen Toter, gegen deren Abschlachtung ihr nichts einzuwenden hattet.)\nIhr werdet so lang leugnen, bis ihr nie mehr vergessen könnt. Aber wir andern,\nwir außer euch, die wir Ekels voll sind vom Gericht über euch: Wir können\nauch vergessen. Eure Tat zu unserm Vergessen: Setzt auf eure Schande das\nBekenntnis der Schande. Sprecht, denen Langmut noch die öffentliche Stimme\nließ, offen aus, wie man euch betrog, und wie ihr Händler sogar des Be-\ntrugs weiter betröget.\nKein Schwindel mehr mit Hinkeformen. Fordert Alles. Die Unbedingtheit,\nvon der ihr wißt.\nOder: auch jetzt noch bangt ihr um das Geschäft. 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In der über dem Abgrund schwebenden Heiterkeit\ndieser Musik spiegelte sich mir Fritz Adlers Gesicht.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c013", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "20", "page_fin": "20", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.9.4", "titre_corps": "In Völker zeŕissen.", "titre_sommaire": "In Völker zeŕissen.", "signature_source": "Charlof straber", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.22", "debut_caractere": 699, "fin_caractere_exclue": 1917, "texte": "In Völker zeŕissen.\nCharlof straber:\n(Novelle. 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Höchst anerkennenswert der Verzicht auf angemaßte\nKunstmittel; Straßer wollte offenbar weder erzählen noch dichten, sondern\ndurch den Mund eines gequälten Menschen seine brüderliche Gesinnung aus-\nsprechen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c014", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "20", "page_fin": "22", "image_debut": 22, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.9.5", "titre_corps": "Figuren.", "titre_sommaire": "Figuren.", "signature_source": "Paul Wiegler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.22", "debut_caractere": 1919, "fin_caractere_exclue": 2765, "texte": "Figuren.\nPaul Wiegler:\n(Verlag der Weissen Bücher, Leipzig. 1916.)\nPaul Wiegler hat als Neunzehnjähriger eine vollendete Beschreibung der\nPhilosophie im neunzehnten Jahrhundert (von beinahe Lexikonumfang) gegeben.\nEr entzückte später uns (Ahnungslose!) durch eine kleine Schrift über den\nEnthusiasmus französischer „Rebellen\". Er war ein aufregend vollendeter Über-\nsetzer von Jules Laforgue. Man sieht, er sucht die geistigen Anstösse. Die Zeit\nwar so öde, dass uns Jungen ein Mann schon Kamerad schien, der das Geistige\nnur nannte.\nIn diesem neuen Buch,, Figuren\" werden Menschen beschrieben, als seien sie\nStilleben für ältere Maler: Austern, Äpfel, Schüsseln, unter denen nur der Tisch\nein wenig wackelt. Der Gipfel des Protestes gegen Änderung der Welt. Er macht\nkeinen Unterschied in der Rangordnung: Cagliostro; Andre Gide; ein Schreckens-"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3098, "texte": "Kammermörder, der eine Versicherungssumme erlisten wollte; General Booth,\nder Begründer der Heilsarmee; und die Urheber der russischen Revolution\nwerden nebeneinander, mit denselben Begriffen, in derselben Schönschrift\nregistriert (Das wackelnde Stilleben). Wiegler über die Helferinnen der grossen\nVolksumwälzungen:\n„Die Umstürzlerinnen im Frankreich der Bourgeoisie hat George Sand, die\nFrau von Nohant und Dichterin der „Indiana\" angeführt. Spitz und schrill\nflackert ihre Stimme in Louise Michel fort, dieser in die Luft der politischen\nKneipen verschlagenen Sand, die mit ihrer Gevatterin das Ressentiment der un-\nehelichen Geburt gemein hat, die versetzte Mütterlichkeit, den geistigen Hoch-\nmut, die Symptome der seelischen Erkrankung.\"\nWelch plumpe Demagogie: Das Mittel zieht nämlich heute schon lange\nnicht mehr, eine bedeutende und störend ethisch gerichtete Person dadurch\nentwerten zu wollen, dass man von ihr behauptet, sie sei nur die umgekehrte\nGartenlaube!\n„Erst die russischen Umstürzlerinnen haben das Beispiel der Bettlerin aus\nHaute-Marne (d. i. Louise Michel) vollendet. Ihr Revolutionstrieb ist der\nAtrophie der Sexualität entsprossen, die jetzt Artzibaschew durch sein papierenes\nTraktat kurieren will. Unterernährt sind die Nihilistinnen, die fiktive Heiraten\nmit fremden Studenten eingehen, um nach der Schweiz vorzudringen, die in den\nBaumwollfabriken von Moskau agitieren oder von den Matrosen in Kronstadt\nsich entjungfern lassen, um als Bordellmädchen sie für die Revolution zu\ngewinnen. Unterernährt ist die „Nihilistin\" der Kowalewska, sind die Sassu-\nlitsch, Perowskaja und Larionow Weiche, zapplige Nagetierchen sind\ndiese Umstürzlerinnen \"\nWiegler behauptet also, dass diesen Frauen die Revolution nur Vorwand\nzur Erledigung einer sexuellen Angelegenheit war. Was uns von diesem\nMenschen trennt, ist durchaus seine alberne Ungläubigkeit vor der erhabenen\ngöttlich-geistigen Tatsache, dass jedes wollende Menschenwesen schon\nphysikalisch die Welt ändert! „Das hat er\", werden seine Freunde sagen, „vor\nlangem, unter dem Entwertungsnachspiel des Misserfolges der rusisschen Re-\nvolution von 1905 geschrieben. Heute würde er sich wohl hüten.\" Ja, eben\ndas wird ihm hier vorgeworfen. Man muss schon am Feuilletonerfolg geschult\nsein, um die Selbstaufgabe des Menschen, seine höchste Liebestätigkeit durch\nWüsten, Bleibergwerke, Folterkammern, stetes gütigstes Gefahrleiden, nur mit\neinem ganz kleinen Hoffnungslicht im Herzen für die Menschheit um diese\nheilige Vermenschlichung der zartesten Ideen Unterdrückter: als verdeckten\nWunsch nach dem Männerbett zu behandeln.\nJeder sieht, dass es hier nicht um sexuelle Moralfragen geht. Es geht um\nAnerkennung des Geistigen im Menschen, des Willens im Menschen, des Helfers\nim Menschen, des Mitmenschen im Menschen. Die Ablehnung Wieglers ist die\nAblehnung einer Eingeweidephilosophie; der allerdümmsten, willensfernsten,\nsklavenhaft passivsten, der allerblödesten Spezialarzt-Tendenz.\nWieglers Romanphantasie hat sich um das Privatleben der russischen\nRevolutionärinnen gekümmert. Uns andere, uns Mitfühlende ging nur ihr"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 108, "texte": "öffentliches Leben an. Wir wissen, welches Unerhörte diese öffentlichen Gestalten\ntaten. Für die Menschheit!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c015", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "22", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.9.6", "titre_corps": "Europa lebt noch.", "titre_sommaire": "Europa lebt noch.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.24", "debut_caractere": 110, "fin_caractere_exclue": 2837, "texte": "Europa lebt noch.\n» Die Zeitschrift «FesiC·cöfeiies« erscheint in Genf (case postale Jonctioji\n13718, Genfeve). Sie kostet für alle Länder jährlich 2 Fr., halbjährlich 1 Fr.\nIhr Leiter: Claude Le Maguet. Die Tablettes widmeten das Heft vom Juni\n1917 dem Gedächtnis Tolstojs; dieses Heft, das vorbildlich gedruckt ist, kostet\n30 Centimes. Und ich trete dafür ein, daß es in allen Ländern der Erde,\nwo nur irgend ein Mensch sitzt, der ein paar Worte Französisch lesen kann,\nin Massen verbreitet wird. Auf der Titelseite: das erste gute, ernstliche und\nwahrhaft mitgelebte Phantasiebild Tolstojs. Es ist von Frans Masereel,\nweder kokett bäurisch noch weich weinerlich, wie die üblichen Tolstoj-\nPorträts, sondern intensiv sonnenhaft, das Bild eines leidenden IWeisen\n(und für dieses brudermenschliche Werk seien ältere, nur verlegen deskriptive\nHolzschnitte dieses Graphikers vergessen). Zehn Menschen schrieben die\nTolstoj-Nummer der Tablettes: Paul Birjukow, Romain Rolland, Marcel Mar-\ntinet, Han Ryner, J.-P. Jouve, Brenn, Marguerite Jean-Debrit, Charles Bau-\ndoin, Natascha Rostowa, und Claude Le Maguet. Jeder dieser Menschen\nsagt hier Unbedingtes. Und das eben hat man zu unserer Zeit noch nicht\ngesehen. Das Vorbild Tolstojs hat aus jedem dieser zehn Münder das höchste\nBekenntnis zum Menschentum hervorgetrieben, das der Einzelne an seinem\nLeib verwirklicht hat. Die Gemeinschaft der elf, des Malers und der Sprecher,\nist vorbildlich. Alle haben denselben Beginn, dasselbe Ziel und den-\nselben Weg durch die große Verzweiflungskrise der Menschheit. Alle sagen\ndasselbe und nur die Körperlichkeit, der Ansatzpunkt an der Realität ist\nverschieden, so gemeinsam und so verschieden wie die Schreie vieler Menschen\nzwischen Geburt, Entrückung und Tod. Die Zentralsonne des Heftes\nist eine große, ganz schimmernde Wahl von Lebensworten Tolstojs aus seinen\nWerken und seinen Tagebüchern; Jouve hat sie gemacht, und man erkennt\ndie liebende Hand des Dichters an der Zusammenstellung, die jeden dieser\nLeitsätze wunderbar als menschlich ewige Erkenntnis und gleichzeitig als An-\nleitung für den heutigen, den brennendsten Moment unseres Lebens zeigt.\nUm Tolstojs Wort gestellt ist die Gemeinschaft der Freunde. Und daß, noch\nmitten im Blutspeien der Welt, eine solche Gemeinschaft von Reinen möglich\nwar, Reinen, die nicht nur Erkenntnis treiben, sondern die, unter dem Opfer\nihrer Scham und ihres persönlichen Friedens wirklich helfen wollen: dieses Be-\nwußtsein vom Glück einer neuen europäischen Vorbildlichkeit kann nicht mehr\nverloren gehen. Zum erstenmal wieder, seit ach, wie langen Jahren,\ngerade in der höchsten Not der Menschheit sprach öffentlich eine Gemein-\nschaft das Wort für den geistigen Bruder in jedem Menschen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c016", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "24", "image_debut": 24, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.9.7", "titre_corps": "Hier einige Sätze.", "titre_sommaire": "Hier einige Sätze.", "signature_source": "L. R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.24", "debut_caractere": 2839, "fin_caractere_exclue": 3083, "texte": "Hier einige Sätze.\n\nArm! Øifjrifow (,,To1st«oj und die russischeRevolution«): »lhr gefährdet\ndie ZivilisationW Tolstoi santw0rtet,r der erVeriust dieser- Zivilisation , sei\ngeringere Gefahr als. der Fortbetrieb des jetzigen Zustandes der Dinge."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2199, "texte": "Tom-i» Toffel-»F (,,Tolstoj der freie Gseist««): Heute ist seltener als\nHeroismus, seltener als Schönheit, seltener als Heiligkeit: ein freies Ge-\nwissen. Frei von jedem Zwang, frei von» jedem Vorurteil, von jedem Dogma\neiner Klasse, einer Kaste, einer Nation. Mensch! erhebe dich, öffne die Augen,\nschau! Die Freiheit des Geistes ist der höchste Besitz . . . Die grösste Ehre,\ndie wir den Menschen wie Tolstoj erweisen können, ist: frei zu sein wie er.\nMir-see! Martin« (,,1n diesem Blutfriihling«)« Von Sokrates zu Tolstoj\ngeht die Ewigkeitslegende der Helden, die nichts sind, die stets verhöhnt\nund besiegt werden, und die die Welt fiihren . Gläubige Flamme von Karl\nLiebknechiz Romain R»olland, PierreMonattY —- aller derer, die das Ge-\nwissen der Völker neu entfacht haben. »\nJota-e (,,’l’olstoj lebt in uns«): Tolstoj, Führer« fiir die paar\nMenschen, die, verloren unter den Völkern, trotz allem und gegen alles, nach\nihren schwachen Kräftenden Kampf ausfechten, seien heilige« Krieg, de« Krieg,\nder cmj Liebe »undVernunji sich störet, de« Krieg gegen de« Krieg (Zwei Kriege l898).\nGram: (,,Zeugenschaft«): Gegen den Krieg gibt es nur: eine iiberlegene\nMacht, den schwur, nicht Waffen zu tragen und nicht zu töten. Der Krieg\nist der Götze, den wir mit unsern eigenen Leibern bilden, und den unsere\neigene Seele spmit ihrem Hauch belebt« .\nAcri-seist! Kosten» (,,Die achtzig -Befreiten«): ln - allen kriegführenden\nLändern ist heute die Zahl derer sehr grob, die in den Gefängnissen Strafen\nabwälzen, weil sie das Waffentragen verweigert haben. Und die haben viel\nmehrAnhänger, als man meint, gerade mitten im lnnern ihrer Volksgenossem\ndie durchzensur und Kriegsterror zum Schweigen verdammt: sind.\nFlur-de Be« Magd« (,,Die Bestie«): DleGewalt hat keine Besserungs-\nkraft. Was böse ist, wird nie durch sie in Gutes gewandelt. Sie hat kein\nUnterscheidungsmal dafür, ob der Eine oder derAndere sie anwendety Das\nGute muB direkt offenbart »werden.» Solange man sich gegenseitig die Ge-\nwalt zuschleudert -- wie einen Ball zwischen zwei erbitterten Spielern —\nwird das Böse nie ein Ende nehmen. Unser schönster Sieg wird diese Einsicht sein.\nDie Bestie soll nicht von uns Besitz ergreifen.\n\nL. R."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c017", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.10", "titre_corps": "HANS RICHTER: An den Sieger", "titre_sommaire": "HANS RICHTER: An den Sieger", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 27, "texte": "HANS RICHTER: An den Sieger"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c018", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 27, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.11", "titre_corps": "VERZEICHNIS:", "titre_sommaire": "VERZEICHNIS:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 27, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 717, "texte": "VERZEICHNIS:\nHans Siemsen: Wartet nicht länger Seite 1\nTheodor Tagger : Das geistige Ge-\nschlecht. . ~ . . . .... „ 5\nFranz Pfemfertj Es ist nichts ge-\nschehen . „ 7\nCiaire Studer: Die Stunde der\nFrauejti .... . . . . . . „ 9\nOtto Freundlich: Der Bau « 8 . „ 11\nEugen Lewin-Dorsch: Der Herr\nder Natur . . . . . . . . . ~ 13\n1 r '\nV; j, .au uu.j UUy ;U u-; v- ;:a -tu .7\n\" ' ! - ' | ; \"AT\nMenschen / Bücher / Zeitschriften. Ihr\nwollt es nicht gewesen sein. Opportunisten. Die weißen\nBlätter. Charlot Straßer. Paul Wiegler. Europa lebt noch.\n' j ;* s • - \" U ' • A j /U■ ~ '] ' J-'jr;- lv/ ■' iSSSfiBo\nUt '■• r' y,/' -\nHANS RICHTER: An den Sieger\n(schwärzweisses Volksblatt) Seite 23\n. : r vU :Vy?.A:'AvVv- *V U Wu''i\n'"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c019", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "26", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.12", "titre_corps": "INHALT DES MAIHEFTIES:", "titre_sommaire": "INHALT DES MAIHEFTIES:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.28", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 241, "texte": "INHALT DES MAIHEFTIES:\n. — « «,0tioAN«-NE(1EKsztN1-IALT\nEuno px1sc H AE oEsEr.r.scHAkT J mtTMENsc H\nMENs cHENJsüctittmkx zEtTsctitztFTEN\nP . . wi A fMlfe LJ«j«;sc«1·i«ge vom XerckrisyeöeJ k » MPO sz\n1 HANS grausen:sctiwknzwtsissgs VOLKSBLATT"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabb-1917-07-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabb_1917-07_01#c020", "volume": "bmtnabb_1917-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "26", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.2.13", "titre_corps": "INHALT DES JUNIHEFTES:", "titre_sommaire": "INHALT DES JUNIHEFTES:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.28", "debut_caractere": 243, "fin_caractere_exclue": 580, "texte": "INHALT DES JUNIHEFTES:\nLUDWIG RUBINER: NACH FRIEDENSSCHLUß\nTOLStOJANERBRIEFE: REVOLUTIONSTAGE\nIN RUSSLAND\nALBERT EHRENSTEIN: MENSCHLICHKEIT\nHANS RICHTER: EIN MALER SPRICHT ZU DEN\nMALERN\nMENSCHEN / BÜCHER / ZEITSCHRIFTEN\n'Beiträge von &[fredcDöbßh, eFriedric6 Ularfc, frida Ocßafc, ßudwig 'Rubiner\nHANS RICHTER: SCHWARZ WEISSES VOLKSBLATT"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.1", "texte": "» s» · .· - . . ».\n« . » s , , - , - -\n« « s « - sz : -\n· ·« ,.. » ·« · ·· ex. - « d, - - ·. : \" -s- - «« \".- «;\nAJN ·· « . \"· \" « »« v s « , - «««.»««\"\" ,«··» 4 \" « . .\n· \" -\"\" « « - - ’.\":. -\" - » « -\n- - «\nHERAUSGEBER: LUDWIG RUBINER\n3. JAHRGANG / I. UND 2.JUCIHEFT / 1917\nJØYSJTS .« 50 Øjågmy ekle- sc) Ceyiifzyxes MPO\n« «AzEtT.-ECH0-vkERLA(i-TlE\nBENTELI AH.-o., BUMPLIZJZERN UND xEipztcj\n\nINHALT:\nHANS SIEMSENs WARTET NICHT LÄNGER\nTHEODOR TAGGER!DAS GEISTIGE GESCHLECHT\nFRANZ PFEMFERT! ES IST NICHTS GESCHEHEN\nCLAIRE STUDERs DIE STUNDE DER FRAUEN\nOTTO FREUNDLICH! DER BAU\nEUGEN LEWIN-DORSCH! DER HERR DER NATUR\nMENSCHEN / BÜCHER / ZEITSCHRIFTEN\nQfassen von Budwig fäubmer\nHANS RICHTER: SCHWARZWEISSES VOLKSBLATT"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.2", "texte": "HERAUSGEBER: LUDWIG RUBINER\nZÜRICH VI • HADLAUBSTR. II\n' 'V ; ' v ■: ' ■ t ■ . • ■ . . i\n. U . : . ,j ' • -V\nr~\\ie Zeitschrift ist keine biblio-\nphile, sondern eine moralische\nAngelegenheit. Nicht aufgenom-\nmen werden Werke irgend einer\nUnterhaltungsabsicht, beschrei-\nbende Zeichnungen, Gedichte,\nNövellen und Betrachtungen, die\nallein der Erklärung und der Bil-\n\\y ' 1 '<l • i~ 1 • ' ' '■' *'> '■ ' li' '' V' ' ' 1 | \" '\ndung dienen. ZurVeroffentlichung\nzugelassen sind nur fordernde\nFormulierungen von europäischer\nGesinnung.\n■\nü ' ■ ' - „ \\ ■ ' i ■ .i,\n\\ , ' ; ' 1 ■■ . 1: .• ' '\n-\n;1 v , u t v ■ .' ; \"_ - - ; i Wm\nManuskripte und alle Zusendungen, die nicht\ndas Abonnement betreffen, sind einzig\nan die Redaktion, Zürich VI,\nHadlaubstraße I I\nzu richten.\n■\n/ 1 ;■ . . . , : \\ /'\"V *li\n■■ '■ ■\"')'( ■ v ;> /■ ■\n- : , ■ , -r. >\n;\n■ A,.. \\ »\" .. ' , • i \\\nl . ■' L \\ • ' '. V\n. ; : ; • . ! i-, .! . /"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.3", "texte": "WARTET NICHT LÄNGER\nHans Siemsen:\nI.\n99 % aller Kriegsgegner, aller Kriegsfreunde, aller Überrumpelten, Über-\nraschten, Überrannten, 99% all derer die für Europa und gegen Grenzen\nsind, für Recht und gegen Macht, für Gott und gegen Welt, gegen\ndiese, aber für eine andere Welt, 99% aller anständigen Leute, 99% aller\nKameraden toben seit drei Jahren, solange der Krieg, der sie tot —• und\nwach geschlagen, dauert. Täglich enden ihre Betrachtungen, Erkenntnisse\nund Programme mit dem Satz: „Also, wenn der Krieg vorbei ist\",\noder „Wartet wenige Tage; dann ruht die hellste Drommete. Der Friede\nist geschlossen. Der Krieg beginnt.\"\nEuch allen, liebe Freunde, keinen Hohn, keinen Vorwurf! Haben wir\nnicht alle uns selber täglich entgegengehöhnt: „Feigling! machtloser, über-\ntölpelter yon Ministern, Viehhändlern und Feldwebeln, übertölpelter, über-\nraschter, ausgelachter, kommandierter Schwächling!\" Dieser Hohn war\nbitter, aber unnütz. Da einsam sich erschießen zu lassen noch schwäch-\nlicher gewesen wäre, als zu schweigen, und zu leiden. Ich war so schwach,\nso hilflos und unglücklich wie Ihr. Kein Vorwurf also, nichts was Euch\nkränken könnte!\nAber ein Zuruf: Wacht auf! Seht um Euch! Unsere Zeit ist ge-\nkommen. Worauf Ihr gewartet, das ist geschehen. Der Krieg ist beendet.\nUnser Kampf muß beginnen!\nII.\nDer Krieg der anderen ist beendet. Der Krieg in dem wir machtlos\nwaren, der Krieg den die anderen, unsere Gegner vorbereitet, gewollt,\nberechnet, geführt haben und führen. Die Chauvinisten, die All-Männer,\ndie Militärs, die Regierungen, Kaufleute, unsre nichtsozialistischen Politiker,\ndie Mächtigen und Machtgierigen, die Monopolisten des gesetzlich geschütz-\nten Unrechts. Die, deren Reich von dieser Welt ist. Von dieser Welt, die\nwir nicht anerkennen, die wir bekämpfen und die wir ändern wollen und\nwerden.\nSie haben im Kriege durch den Krieg nicht anders und nicht heftiger\ngegen uns und unsere Welt gekämpft als vor dem Kriege. Aber sie haben\ndurch ihren Krieg mehr als uns untereinander sich selbst zerfleischt. Sie"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.4", "texte": "sind machtlos geworden und werden täglich machtloser. Wir, die wir macht-\nlos waren, werden täglich lebendiger.\nHätten sie gesiegt, so hätte ihr Prinzip, das Prinzip der Macht, der\nGewalt und des Krieges, so hätte der Krieg gesiegt. Aber das Prinzip\nhat versagt. Der Krieg hat nicht gesiegt.\nDie Kampfhandlungen sind zwar noch nicht beendet. Aber jeder\nweiß schon heute, daß ihr Ausgang bedeutungslos ist. Für bedeutungs-\nlos. Und auf uns kommt es an.\nOb die französisch-englisch-deutsche Front sich über Cambrai-Reims-\nVerdun, über Brüssel-Aachen-Köln, oder über Calais-Paris-Neapel zieht,\nob das rumänische Heer in Rußland oder in Rumänien steht, das hat für\ndie wichtigen Entscheidungen des Friedens, für die durch diesen Krieg\nund seinen Frieden geschaffenen oder schaffenden Grundlagen unseres\nKampfes wenig oder nichts zu bedeuten.\nJa, wenn es noch Entscheidungen, wenn es noch ySiege\" gäbe, wenn\ndiese Fronten Brüssel-Köln oder Paris-Neapel überhaupt noch erreich-\nbar, überhaupt noch möglich wären, so hätte die Fortführung des Krieges\nnoch einen Sinn im Sinne der Kriegsbejaher. Glaubt aber einer,\nglaubt nur ein Hottentott, glaubt nur ein Kriegslieferant im Ernst an\ndiese Möglichkeit?\nWenn heute fünf zerschossene Dörfer erobert werden, so gellen die\nTelegraphen „Sieg\"! Ist es in Wahrheit ein Sieg, der in Betracht kommt?\nWenn 100 Quadratkilometer zerstampfter Erde zurückgeholt werden, so\nmuß der „Sieger\" 300000 und der Zurückgeschlagene 200 000 Menschen\nopfern. Eine halbe Million. Wofür? Für eine Entscheidung?\nEs gibt keine Entscheidungen mehr in diesem Kriege. Das mußte\nauch denen klar geworden sein, die gewohnt sind mit dem Krieg, d. h.\nmit Toten und Verkrüppelten zu rechnen. Jeder Kriegsrechner weiß\ndoch eines: Nur der Sieg lohnt den Krieg. Der Sieg aber, der diesen\nKrieg lohnen würde, der ist unmöglich und wird unmöglicher mit jedem\nTag.\nDie Berechner und Bejaher des Krieges haben sich verrechnet, ihre\nKalkulation war falsch, ihr Geschäft ist mißglückt. Nie werden sie das\nzugeben. Nie werden sie einsehen, daß sie falsch gerechnet, das Blut\nihrer Mitmenschen vergeblich, ja sogar in ihrem gemeinen Sinne, ver-\ngossen haben. Ihre Berechnung, ihr Prinzip von der Rentabilität des\nKrieges wird verloren sein. Und sie mit ihm. Sie können sich nicht\nbekehren. Sie wollen am Leben, in Macht und Ansehen bleiben. Sie"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.5", "texte": "rechnen weiter mit Blut und Menschenleben. Sie sind gezwungen, die\nGeschäfte des Krieges, die sie so weit geführt, auch weiter zu führen.\nZu welchem Ende?\nSie vermögen nichts anderes jede Gruppe der Krieg- und Sieg-\nbegeisterten vermag nichts anderes mehr als mit all ihren Ankreuzungen\nund Opfern sich selbst und die anderen, die feindliche Gruppe zu schä-\ndigen und täglich machtloser, das Geschäft des Krieges täglich kata-\nstrophaler, den Sieg unmöglicher zu machen. Das ist der Teil des Krieges,\nder noch weiter geht. Hoffnungslos zerfleischen sie sich selbst. Wir aber?\nWir waren machtlos. Und sind noch nicht besiegt. Wir waren\nverlassen, einsam und zersprengt. Wir beginnen erst zu leben, wir be-\nginnen uns zu finden. Wir müssen uns finden, wir müssen uns sammeln,\nwir müssen und Wolfen mächtig werden.\nWillst Du Wollen Sie zu uns gehören? Auch Sie müssen sich\nentscheiden? Zu wem gehören Sie? Zu uns?\nOder zu den anderen? Zu denen, die Krieg wollen und führen?\nEntscheiden Sie sich!\nWollen Sie um irgend ein irdisches Gut (denn um irdische Güter\ngeht dieser Krieg), um nichts anderes, nicht um Ehre, nicht um Freiheit.\nOder wird durch irgendeinen noch so ungünstigen Friedensschluß irgend\nein Volk entehrt? oder durch einen noch so günstigen irgend ein Volk\nfrei? (Können die Serben durch irgendeinen Frieden entehrt, oder\ndurch irgendeinen Frieden frei werden?) Wollen Sie also um irgend-\nein irdisches Gut, um eine noch so große Summe Geld, um eine noch\nso fruchtbare Provinz, um noch so günstige und glückliche Lebensbe-\ndingungen den Krieg auch nur um einen Monat, um einen einzigen\nTag verlängern? Wollen Sie die Verantwortung übernehmen für nur\neinen Toten, für nur einen Verkrüppelten? Täglich fallen über Tausend!\nJetzt, in dieser Minute, während Sie dies lesen, jetzt, grad jetzt wird\nwieder einer zerrissen, erstickt, erwürgt oder von seinen Wunden lang-\nsam zu Tode gequält. Einer, der Schmerzen fühlt wie Sie! Weshalb?\nY Zwei! Ne scÆweyyenV\nkeine Gewalttat von Ihnen. TWJJS Verlag-se» Ums, tin-Ä cjke nie-If Zeiss-ye-\nseäweicrenl ; \" «\nIII.\nEs gibt nur noch zwei Parteien heute. Es gibt nur noch zwei\nFronten in diesem Krieg: Wir und die anderen. Wir, die wir Friedens-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.6", "texte": "freunde sind. Wir, die wir die tfJlaefit und die Grenzen hassen, das\nRecht, die Freiheit und den Frieden lieben. Und sie, die den Krieg\nbejahen, die Macht begehren oder haben, die Freiheit und den Frieden\nfürchten.\nDie anderen Fronten, die Fronten und Gräben der Macht, des\nMilitärs, des Grausamkeit, des Geldes und des Todes sind lächerlich\ngeworden neben dieser Front, neben diesem Abgrund zwischen uns und\njenen.\nNicht bei Cambrai und Reims wird um die Welt gekämpft nicht\neinmal um den Frieden kämpfen und fallen dort die ewig Beklagten,\nunsere von uns verlassenen Brüder.\nDie entscheidende Front ist unsichtbar, fflber sie darf niefit *\nsießtbar bfeiben I\nDort auf der anderen Seite sind die, die den Krieg bejahen, die\naus dem Krieg mehr als den Frieden, das Geschäft ersehnen, das Ge-\nschäft, das verschieden heißt: Geld, Macht, Land, Prestige, Gloire und\nEhre. Wir erhoffen aus dem Krieg nichts als den Frieden. Zu uns\ngehört Ihr alle, die Ihr Frieden wollt! Wir müssen uns finden, wir\nmüssen uns sammeln. Unsere Front muß sichtbar werden! Der un-\naufhörliche, unaufhaltsame Kampf muß beginnen. Der Kampf, den jeder\nmitkämpfen kann, der Gewalttätige und der Sanfte, der Rufer im Streit\nund der Stille.\nUnsere Front kann nicht groß, nicht stark, nicht bevölkert genug\nsein. Verzichten wir also auf alle Finessen! Verzichten wir auch auf\njeden Streit! Sie unsere Gegner Kriegsfreunde und Führer\nin England, Deutschland, Monaco und Frankreich, sie sind gezwungen,\ntäglich sich selbst zu schädigen und zu schwächen.\nG&'/r wollen einig sein in allen Ländern und über alle Grenzen der\nNationen, des Geistes und des Geschmackes hinweg. Jeder gehört zu\nuns, der für den Frieden ist, der für Gerechtigkeit und gegen das Ge-\nschäft, der für den Geist und gegen diese Welt, der gegen diese und\nfür unsere Welt ist.\nWir machen heute keinen Unterschied. Nicht zwischen dem vorleuch-\ntenden Genie und der verschüchterten betrübten Mutter. Wir alle wollen den\nFrieden. Kommt zusammen. Schließt unsere Reihe, unsere mächtige Front.\nBegeistert, todbereit, entschlossen.\nUnser Ziel? Der Friede. Welcher? Der schnellste! Wie heißt er?\nDer sozialistische. Zu deutsch: ohne Entschädigungen, ohne An-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.7", "texte": "nexionen. Und selbstverständlich: Der allgemeine, der Frieden für\nalle auf Erden, der Frieden für alle.\nUnd nun entscheidet Euch! Entscheidet Euch alle! Wollt Ihr den\nKrieg? Und Macht vor Recht? Und Geschäft vor Recht?\nAber wollt Ihr den Frieden? Ihr entscheidet Euch für Himmel und\nHölle.\nUnd wenn Ihr Euch für den Himmel entscheidet, für uns, und\nunsern einfachen Frieden, so dankt und singt einen Lobgesang für unsere\neinsam gefallenen Freunde, die in jenem Lande neben uns, von uns\nverlassen, lebten und starben und für unsere siegreichen russischen\nBrüder, die für uns alle kämpften und siegten.\nUnd in jedes Herz das Gelöbnis: Ihnen zu gleichen.\n\nDAS GEISTIGE GESCHLECHT\nCheodor Cagger:\nDer Dichter schloß: „Denn eure Pflicht ist der Geist\". Verstand man\ngut, daß er nicht den kritischen meinte? Streng und mit Liebe schloß er,\nnoch einmal: „Eure Pflicht, Zwanzigjährige, wird das Glück sein\". Er hätte\nes aber eindringlicher sagen sollen und lauter in einem Zeitalter, das Kritik\nund Analyse bis zum Paroxysmus trieb und in der Wollust des Zersetzens\nsich geistig befriedigte.\nKurz erst, aber ganz scharf, sind wir darüber hinaus. Müßten den Kopf\nnach etwas Überholtem wenden, und läsen wie auf einem Bahnhof, an dem\nwir nicht mehr halten, flüchtig und verschwimmend, die schildgehobenen\nEdikte: wissen, sammeln, analysieren. Aber die öffentliche Behörde des\nGeistes, als welche sich das Wissen hält, hat die einmal revolutionäre\nKritik schon gestürzt, und es gilt noch das Imperium des Geistes zu stürzen,\nals welches die Kritik sich hält. Sie haben einander abgelöst, aber uns\nnicht glücklicher gemacht. Das Wissen sogar griff uns nicht an, es hielt\nsich eitel und verschlossen abseits. Aber Kritik drang ohne Rücksicht in"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.8", "texte": "alle Poren des Denkens, hilflos und schmerzhaft aufdringlich zwang sie\nuns zu zerstören, was wir errichten wollten. Wurden uns Messer aufge-\nnötigt, wo wir Bausteine lieber in den Händen hielten. Das neue Ge-\nschlecht wirft die Messer weit, denn es ist streng und ernst, Aufrichtig-\nkeit ist ihm unbedingtes Gebot. Seine Liebe zu den Lebendigen ist rein,\nund die Hände suchen freudig, zu verbinden. Hingegen nichts stellt sich\nals so unernst heraus und verführerisch, wie die Chirurgie des Geistes,\ndie alles zurechtschneiden kann. Und jene ungezählten Umlehren, die vor\nunserer verblüfften Zeugenschaft schamlos und geschickt verkündet werden,\nsind reifste Früchte der Psychologie, die zu allen Drehungen sofort ein\ntieferes Recht anbietet. Ihre große Fähigkeit, nie in Verlegenheit zu kommen,\nübertrifft noch maßlos die große Fähigkeit der Weisheit, das letzte Wort\nzu behalten. Das junge Geschlecht aber ist ehrlich und schweigt, wo es\nkeine Antwort hat. Und sein Glück, keine Antwort zu vielen Dingen zu\nhaben, ist groß.\nIn ihm die Daseinsgewißheit des Geistes. Das Hingestelltwerden vor\ndie Fragen und die Aufforderung zur Leistung. Geist ist kein empfind-\nsamer Besitz und Reichtum. Das Herz ist Hingegebenheit, der Geist\naber täglich neu zu beweisen. Er ist Ereignis, während alles andere in\nuns Geschichte hat und historisches Leben. Wir selbst: schienen uns\nin Überlieferungen ein, es wird immer einmal notwendig. Aber der\nGeist geht unbestimmbar und ohne vorgeschiente Richtung. Es genügt\nnicht, daß er sich an Dinge und Gedanken festigt, sie genießt oder\nzerlegt. Er hat die Pflicht eines heroischen Einsatzes; und nie fühlte ein\njunges Geschlecht so klar wie heute, daß Geist getan werden muß.\nWeiß, daß die Tat lang einsam bleibt, und erwartet es nicht anders\nselten war geistige Jugend so fordernd und so anspruchslos. Und läßt\nsich nicht mehr zu den Versuchen einer dringenden Wirkung ins Weite\nüberreden . . . Endlich und endgültig kam die Erfahrung, wie sehr\nmenschliche Werke und die Werke der Reinheit Zeit brauchen für ihre\nFestigung in der Welt. Unzweideutige Taten und die große Bereitschaft\nleuchten lang vorbildlich und vergeblich. Unzweideutig und bereit steht\ndas neue Geschlecht schwankungslos zwischen Enthusiasmus und Ver-\nachtung, und wußte nie unbedingter, daß jede Kritik erstes Eingehen auf\nKompromisse ist. Es lehnt sie ab ohne Duldsamkeit, steht entschlossener\nvor dem Opfer, als vor geteilter Freude. Und geht so weit, daß das\nLeben selbst nicht mehr Tatsächlichkeit, sondern Tat wird, die streng\nund unvergleichlich ist."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.9", "texte": "So setzt es Leben für das Beispiel ein und tritt aus seiner Stumm-\nheit schon gefaßt heraus. Stolz und unbefriedigt, überaufgefüllt und un-\nerlöst: platzt einmal geistige Entscheidung aus ihm auf, schmerzlich und\ndonnernd, aber durchdringend zu der großen Unbedingtheit Menschlichkeit.\nSie ist Erfüllung dieses Geistes.\nHier glückt er, unter den Strahlen der menschlichen Liebe.\nWas das Wissen vernachlässigt, die Kritik in Bedingungen umhüllt,\nüberströmt den neuen Geist restlos und innig, denn er ist rein.\nWehen die Ballaste des Wissens und der Zweifel auf: ich bin Mensch\nund liebe.\nIch bin Geist, und liebe.\nMeine Handlung ist Geist, und ich liebe.\nTat befreit Gefühl, und meine Handlung gibt mir einen Bruder.\nGeist, der geschieht, öffnet immer die Arme an die Horizonte.\n\nES IST NICHTS GESCHEHEN\nFranz Ifemfert:\nDie deutsche Sozialdemokratie demonstriert wieder einmal. „Gegen die\nAusbeutung und Entrechtung der Massen.\" „Für Freiheit und Frieden.\"\n„Gegen den Krieg.\" In Berlin allein brachte sie nahezu eine Viertelmillion\nDemonstranten auf die Beine. Mit Genehmigung der Polizei hatten sich\nHunderttausende in Treptow versammelt, um „einstimmig\" die Resolution\nanzunehmen, die vorgeschlagen worden war. Es war imposant usw.\nJetzt nun möchte ich einen Augenblick mit dem Feuer spielen: seit\nheute früh sind Deutschlands Kriegslustknaben am Ziele ihrer Wünsche.\nDer Krieg ist da. Was soll jetzt im Namen der Kultur geschehen? Was\nmuß geschehen? Die Demonstranten aus Treptow sind uns ja als eine\n„Garantie des Weltfriedens\" offeriert worden; was werden sie nun tun?\nMit Resolutionen macht man Gewehrkugeln nicht zu Kinderspielbällen.\nDemonstrieren ist überhaupt unmöglich, der Polizeipräsident, gestützt\nauf die Ausnahmegesetze, die seit heute früh gelten, untersagte die Ver-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.10", "texte": "Sammlung. Was also tun? Schon haben achtzig Prozent der Treptower\nFriedensrufer die Order erhalten, einzurücken. Ihr muß man folgen;\ndenn Gesetz geht vor Recht. Also was tun? Die Hundertzehn •im\nReichstage haben zwar in Ger heutigen Vormittagssitzung die Verant-\nwortung für das Morden der nächsten Wochen dem Reichskanzler und\nden bürgerlichen Parteien zugeschoben. Doch die Flinte wird dennoch\nschießen, und nichts, nichts kann dem blühenden Jungen, der vielleicht\nschon morgen nacht auf dem Schlachtfelde verröchelt, das Leben zu-\nrückgeben. Er war ein tüchtiger Parteigenosse, der Todgeweihte, er hat\nfür das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht Hunderte\nProtestversammlungen mitgemacht. Irgendwo in einem Winkel seines\ndurchschossenen Proletarierschädels wird vielleicht noch die Erinnerung\nan die letzte Resolution für den Weltfrieden nisten, wenn schon das\nMassengrab sich öffnet, den sozialdemokratisch organisierten Krieger auf-\nzunehmen. Er wird fallen wie Tausende seiner Genossen: den Fluch\n1\ngegen den Krieg auf den Lippen, das Gewehr schußbereit . . . Partei-\nfreunde werden vorwärtsstürmen, über ihn hinweg, vorwärts gegen die\nProletarier, mit denen sie sich so oft „verbrüderten\" . . . Kann man\nheute, da der Krieg nun einmal Tatsache geworden ist, den Gang der\nEreignisse noch bestimmen ? Heute leben wir in einem Ausnahmezu-\nstand. Heute läßt sich nicht nachholen, was etwa gestern, was etwa\njahrzehntelang versäumt worden ist. Der Krieg ist da. Man schießt\nund wird erschossen . . .\n. . . Aber der Krieg ist ja noch nicht da. Wohl kann er morgen\nüber Deutschland hereinbrechen; aber er ist ja noch nicht da. Heute\nkann man gegen die Geisel der Menschheit noch alles tun, was man\nvielleicht morgen, vielleicht in einem halben Jahr nicht mehr tun kann.\nAber tut man das? Sind wir heute dank der deutschen Sozialdemo-\nkratie um eine einzige Kriegsmöglichkeit ärmer? Wohlverstanden: die\nFrage lautet nicht: was wird geschehen, wenn morgen ein Krieg uns\nüberfällt? Auf diese Frage kann, in Preußen, nur ein Narr Antwort\nerwarten. Aber: ist alles geschehen, damit kein Krieg uns überfallen\nkann? Was hat die Arbeiterpartei getan, um den Kriegsgefahren wirk-\nsam zu begegnen? Was tat das liberale Bürgertum? Die Antwort lautet\ntrostlos und verzweifelt: nichts.\nNachschrift des Zeii=Echo:\nAlle, die noch Menschen sind, und bei denen also der Krieg noch nicht\naußer Mode ist, wissen, daß dieses Zwischenreich der Gewalt seit dem August"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.11", "texte": "1914 herrschen darf. Aber die Worte Franz Pfemferts erschienen buchstäblich\nso, wie man sie hier oben entsetzten Auges las, in seiner Zeitschrift „Die Aktion''\nam 30. Ohober 1912. Das war weit geblickt! Und darum spricht das Zeit-Echo\nimmer wieder für die „Aktion\": Weil sie die einzige deutsche Zeitschrift war,\ndie seit jener Zeit nicht eine opportunistische Zweiteilung in geistige und in\nSchützengrabenmotive unternahm. Sondern weil sie, bewussten Willens, unnach-\ngiebig gegen bedrängende Kriegsmächte, eine Arche war, in der die Geistigen der\nGegenwart ihre Kunst und ihr Denken in eine neue Epoche hinüberretten konnten.\n\nDIE STUNDE DER FRAUEN\nClaire Studer:\nIn allen Ländern setzte einmal sehr schwach eine Bewegung ein,\ndie den Geist der Frau und ihr Menschentum entwickeln sollte. Der Hohn\njeder Geistesbewegung, der Krieg, brachte sie zum Stillstand.\nIn allen Ländern warten wieder (bewußt und unbewußt), sehnender\ndenn je, Frauen, die durch den Schmerz gewachsen sind, auf das Wunder,\nauf die Befreiung. Als ob die Befreiung von außen kommen könnte und\nnicht eine innere Revolution zur Voraussetzung haben müßte; denn man\nmuß auch zur Freiheit reif sein. Der schmachvolle Zusammenbruch der\nvon Männern geführten Völker müßte uns endlich lehren, die Welt unter\neinem andern Gesichtswinkel als dem männlichen zu sehen. Aus diesem\nKrieg müßten wir ewigen, zur Passivität verdammten Minderjährigen hinein-\nwachsen in unsere Erdball-Aufgabe: der Mitarbeit an der Vergeistigung\nund Verbrüderung aller Menschen, müßten erkennen, daß eine Freiheit in\neinem noch ganz unbekannten Sinn und damit eine ungeheure Verantwortung\nan der Höherentwicklung der Menschheit unsrer wartet.\nWir Mitschuldigen an dem europäischen Zusammenbruch, die wir niemals\nverstanden haben, etwas aus unsrer größten Macht zu tun, der Liebe, der wir\nalles, was wir sind, verdanken. (Wir konnten nicht einmal den Mann weicher\nmachen, um 1914 abzuwenden.) Wir Talentlosen, wir kleinen Statistinnen,\ndie wir nie mitspielen durften auf der Bühne der Welt! Wann werden wir\nendlich nicht mehr Chor sein, der klagt, sondern einzeln auftreten im Leben ?"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.12", "texte": "Wie lange wollen wir uns noch zurückdrängen lassen von den eitlen, brutalen\nMimen der Gewalt? Wo bleibt unsere Revolution? Wann werden wir\ndie ersten Fenster der Tyrannei einwerfen mit den steinernen Worten der\nSelbstbefreiung und Menschwerdung? Wir, die wir mit unsicherer Mär-\ntyrerinnenpose uns selber in der Welt, die wir aus uns aufgebaut haben,\nunseren Söhnen, zerstören ließen! Der Begriff vom Wert des Einzelnen,\nvon uns selbst, ist uns noch gar nicht gekommen.\nJede Einzelne darf nicht länger die Geliebte des Mannes, sie muß die\nGeliebte der Menschheit, der Welt sein. Nicht die Mutter einiger Menschen,\ndie Mutter aller Menschen. Der Begriff: Mutter ist noch niemals wirklich\nerlebt worden. Die Liebe, die uns immer zur Hemmung wurde, und der\nGeist, den man in uns unterdrückte, sind noch niemals wirklich frei geworden.\nWir müssen uns eine ganz neue Stellung der Welt und dem Mann gegenüber\nerwerben. Wir müssen uns unsrer Kraft bewußt werden. Der Mann kennt uns\nnoch nicht. Er sieht die Frau, wie er sie seit Jahrhunderten festgestellt hat\nund behandelt sie so. Und vielleicht sieht er in vielem recht. Weil unsere\nEntwicklung nicht von innen, sondern von außen kam, sind wir nur das Resultat\nund nicht der Weg. Wir haben im Verhältnis zu ihm gar keine eigene Natur,\nsondern die, die er uns gibt. (Er verlangt, daß wir: er werden.) Wir haben uns\nselbst aufgegeben für jene Andere, die er von uns verlangte. So sind wir immer\nallein geblieben mit unserem Gefühl, das er aussetzte in die Welt und das nach\nErhörung schrie hinweg über die Jahrhunderte. Wir irrten umher in uns selbst\nund in unsrer Liebe. So konnte es kommen, daß wir uns nebeneinander, von-\neinander fortzuentwickeln begannen in eine gewisse Feindschaft und Ver-\nständnislosigkeit hinein, daß jeder seinen eigenen Weg ging. Die Zukunft\ndarf nur mehr einen gemeinsamen kennen. Wir müssen uns erkennen und\nfinden vor dem großen Menschheitsgedanken. Arbeiten wir an der Befreiung\nvon diesem untermenschlichen Zustand, in dem wir Frauen uns noch be-\nfinden. Werden wir Liebende und Geliebte zugleich. Nicht mehr dem Staat,\nder Begrenzung dürfen wir gebären, sondern der Welt, der Liebe, dem Geist.\nNicht mehr der Mann, sondern die Liebe ist uns Erlebnis. Tolstoj lebte\nunsren Glauben. Das Heer der Liebe gegen das Heer des Hasses!\nWir, die wir uns unserer Verantwortung schon bewußt geworden sind,\nwir müssen uns zusammenschließen und in Mansarden, Keller, Hinterhäuser,\nFabriken jeder einzelnen kleinen Schwester die Forderung des Lichtes bringen.\nDenn was nützt die große, öffentliche Geste der Liebe, die nur da ist, um\ngesehen zu werden, wenn die kleine, die irgendwo unbemerkt geschehen\nkönnte, unterbleibt?"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.13", "texte": "DER BAU\nOtto Freundlich:\nZwischen Euch gehe ich, Ihr Heiligtümer der Welt, die Ihr Menschen\nseid, und glaube an das ewige Licht in Euch. Menschenleib, tief glüht\nmein Glaube um Dich. Umstellt habe ich Dich Tag und Nacht mit meinem\nNimmerschlaf, Dein Erglühen fällt in sein waches Hoffen, umstellt habe\nich Euch, Ihr Altäre, mit Flammenbecken, kleinen und großen, Eurem\nLeibe entwachsen sie, wie betende Arme, in offenen Händen sollen die\nerweckten Flammen getragen sein. 0 Altäre, Säulen errichtete ich um Euch,\nunsichtbar dem verschlossenen Blick, sichtbar aber werden sie sein Euren\nBlicken, die aus der Grenze des Leibes herausgetreten sind. Ihr selbst seid\nja die Säulen, Ihr Altäre, auf Eurem Leib wurzeln alle Fernen, und die\nsind die Säulen des Tempels. Mensch, Du bist der Altar, Du bist der\nSäulenwald des Tempels. Hoch über Dir steht Deine tragende Kraft und\ngipfelt in freiem Wachstum im Scheitel des Himmelsdaches. Baumeister\nbist Du und Schmücker dieser Dome, die nicht aus Stein, noch Eisen, noch\nGlas errichtet werden. Gefügig aber wird der Stein werden, wenn Ihr er-\nrichtet habt das Urbild des Tempels über Euch, um Euch, die wandelnde\nKirche jedes Ich: denn über jedem Leibe, neben ihm, um ihn, sind alle\nStufen lebendig, die verklammert sind mit der Unendlichkeit. Steigt hinein\nin das Umgebende, Leiber! Baut Adern in den Himmel zwischen Euch,\ndann wird Euer Blut weit beheimatet sein und seine pochende Lust springt\nüber in die reinen Gefilde Eurer Verbrüderungen. Der enge Raum seines\nFleischgehäuses wird Rinnsal vertausendfachten Lebens sein, und Leben\nbeglücktes Heimkehren vom Wegebau.\nWie aber reißt der Sinn sich empor aus der Rennbahn des Ich; wie\nschafft er seiner Wagnis Hebel und Gestaltung, daß Joche steigen zwischen\nallem Erschau baren, Brücken werden und schicksalsgeliebte Überführungen.\nEs steht ein Ruf in der Luft, der kündet dem Auge eine neue Wissen-\nschaft, und ehe das Auge sein neues Schauen findet, wandert schon der\nGeist der Liebe dem Rufe nach und wird Speise den Pilgern, die schauend,\ntastend, wagend die Farmen des Leibes verließen.\nAm Ufer des Meeres stehend, wird sein Leib Gares Leibes Überhöhung,\neingeschnitten seid Ihr in das gewaltige Diadem, das der Himmel randet.\nIm Räume geht Ihr und steht Ihr, entspinnend lichte Tragen Eurem\nLeibe, wird nun sein Mahnen wahr, und den erschlossenen Häusern ent-\nwandern beseeligte Sucher und Finder. 0 Treffpunkt. Ferner; entlastete\nBegegnungen, feine Organe, die einst verwesten im derben Leibesbau,\njetzt entfaltet seid Ihr Schwingen und aller Fernen Mittler. Ihr fühlt jede"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.14", "texte": "Linie und ihres Atems Ende, Ihr selbst seid Atem jedem gepreßten Ver-\nhalten und treibt es fort zu seines Glückes Entwachsen. Die alte Geschichte\nder Welt steht still, denn sie ist am Ende. Alle Bildungen in Stein und Farbe,\ndie alten, sie reden nicht mehr ihrer Zeiten Lehre, denn der Sinn ward neu.\nNun aber wird endlich offenbar, wie um alles Verstoßene die große Heimat\nwächst. Gv/r äffe sind die Verstoßenen, die ganze Erde ist bevölkert mit Ver-\nstoßenen, in allen steht das „wie schaffe ich Heimat allen und mir\". Es ist\nein Wirken der Güte, aus Ratlosigkeit gegen sich selbst gerichtet. Wer rät\nden Händen, die nach Früchten verlangen und des Baumes nicht gedenken!\nUnd den Künstlern sage ich: sie greifen nach Früchten und gedenken\nnicht des Baumes.\nWas sind denn die Werke der Kunst, wenn ihre Transfigurationen im\nselben Blicke nicht die geweihte Skala einer vergeistigten Architektur\ntragen, wenn die Diminutiva alles Körperlichen nicht verpflanzt wurden\nauf Bauvegetationen, als die wahren Übermenschen; wenn das Ich sich\nnicht anzulehnen vermag an die höheren Dienste, die weiter als Verdienst\nund Verlust, weiter als Interessen und Interessengemeinschaften: Bindungen,\nSteigerungen, Gipfel als reife Verrichtungen aus uns wachsen lassen.\n„Wir sind die Wurzeln der Welt\": aus Jedes Herzen springt der Zu-\nfluß zum Wurzelstock, aus ihm aber wölbt sich der Stammbaum, den wir\nnähren, und der nun kreisend trägt unseres Werdeträumens Gestalt. Wir\nsind die, die sich im Werdeträumen entzündet fühlen, wir sind die\nJünger unseres Kindes, die Unmündigen vor unserer Weisheit, wir haben\nden Herren außer uns selber gestellt, aus seinem Herzen ist alle Herrsch-\nsucht genommen, sein Gebot hat kein Nein, es ist so neu, wie das Öffnen\neiner lange verschlossenen Tür, es ist einladend wie das Wort der Liebe\nselbst, und vertraut ist es uns, wie Erfüllung unserer treibenden Hoffnung.\nDer Unerwählte, der Herr ohne Vorgänger und Nachfolger ist es, er lebt\nund ist hoch und ist mächtig, durch unseres Lebens Hoheit. Ich nenne\nmeinen Herrn wie meinen Zwillingsbruder, doch wie einen, dem ältere\nWeisheit mitgeboren wurde. Aus früherer Frühe kommt sein Deuten, und\ner steht über meinem Anfang und meinem Ende als der vollendete Weg.\nBruder-Gott, Gott-Bruder, nicht Einer bist Du, sondern vielreich und\nüber jedem Wesen himmelentsprossen. Himmel, Du Schein-Einer, fern-\nblau bist Du, wie die Erde fern-grau wäre, sähe ich sie aus Ferne.\nJeglichen Wesens Farbenseligkeit aber ist Deine wahre Tracht, und so\nverstehen wir Nahen der Erde gut all ihr farbiges Leuchtgewirr als ihrer\nvielen Himmel Vorbestimmung."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.15", "texte": "DER HERR DER NATUR\nEugen Lewin=Dorsch:\nWir wissen, daß eine mit höchster Bewußtheit organisierte Grausamkeit\nunablässig am Werke ist, die zur inneren Übereinstimmung mit sich selbst und\nzur Geistigkeit bestimmte Gestalt der Menschheit zu verwunden und zu ver-\nstümmeln ; und gleichzeitig glauben wir zu sehn, daß die Natur als ein Sinnbild\ndes ewigen Friedens, als die sichtbar gewordene Idee der Einheit und als die\nVerkündigung des höheren Zusammenhanges alles Lebens sich voruns hinstellt.\nWem das Entsetzen und der zur Regel gewordene Schrecken des gegen-\nwärtigen Schicksals durch eine beständige Vergegenwärtigung und durch\neine von dem moralischen Gewissen aufs strengste geforderte Verdeutlichung\ndieses Leidens zum Besitze seines eigenen Lebens und Leidens geworden ist,\nder wird das reine und in jedem ihrer Teile geschlossene, ästhetische Bild\nder Natur wie einen unerbittlichen Vorwurf und eine unabweisbare Anklage\n!•\nempfinden müssen. Denn dieses Bild täuscht einen Frieden vor, der aus\nuns selbst geschwunden ist und bringt uns einen Genuß des Daseins in\nErinnerung, zu dem wir die Kraft und alles Recht verloren haben. Als ob\nsich eine dunkle Wolke vor das leuchtende Gestirn des Geistes gestellt hat,\nentfaltet sich das Leben der Menschen in Schuld und Selbstzerstörung der-\nselben Menschen, auf die sich einst der Glauben richtete, daß sie durch\ndie Kraft ihrer Vernunft, durch die ursprüngliche und überlegene Be-\nstimmung ihres geistigen Wesens dazu berufen seien, die jetzt als Vorbild\nauftretende Natur zu überwinden, sich über ihre ungeistige Gesetzlichkeit\nzu erheben, die blinde Macht des Schicksals durch ununterbrochene, schöpfe-\nrische Handlungen zu vernichten, sich selbst in Freiheit zu setzen und von\ndem Licht ihrer Erkenntnis das Licht des Himmels überstrahlen zu lassen.\nAber die Fähigkeit zu erkennen und bewußt zu wollen, richtet an den\nMenschen in jedem Augenblicke seines Daseins die Frage der Wahl und\nder Entscheidung über sich selbst. Denn gerade weil er diese Kraft besitzt,\nvermag er durch einen verkehrten, ja zur Verschuldung hinführenden\nGebrauch noch unter die Natur selbst, über die er sich stellen sollte,\ntief hinabzusinken. In ihr ist gar nichts anderes wirksam als jene sich in\neinem unendlichen und ziellosen Kreislauf erneuernde und wieder zerstörende\nLebenskraft, als das ungeistige Gesetz, sich in ihrem kosmischen Bestände\ndurch einen unablässigen Ausgleich aller Kräfte zu erhalten. Sie ist ganz\nund gar nur das, was sie in jeder einzelnen ihrer akzentlosen Zusiandsver-\nänderungen ist. Sie trägt in sich selbst keine Idee und keine Forderung,"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.16", "texte": "die über ihre Wirklichkeit hinausdeutete. Ihr ganzes Wesen ist in ihrem\nSein begriffen und in ihrer Allgegenwart beschlossen.\nDie Menschheit aber selbst schon eine Zielerkenntnis, die jede er-\nfahrbare Realität mit mächtigem Flügelschlage weit hinter sich läßt findet\nihr Wesen und ihren Wert niemals in dem, was sie zu irgend einer be-\nstimmten Zeit und in irgend einem Räume ist oder war oder sein wird.\nSie entdeckt sich vielmehr in einer geistigen Bestimmung ihrer selbst, in\neiner selbstgestellten sittlichen Aufgabe, in deren Erfüllung sie sich ihr\nWesen und ihre Würde in jedem Augenblick ihres Daseins zu erwerben\nund zu erschaffen hat. „Nicht, daß ich es schon ergriffen hätte oder schon\nvollendet sei; aber ich jage ihm nach, vielleicht, daß ich es ergreifen werde ...\nwas hinter mir liegt, das habe ich vergessen; nach dem, was vor mir steht,\ngreife ich aus und jage auf das Ziel zu . . .\" (Paulus). Aus der unerschöpflich\nfließenden Quelle ihres Geistes entspringt der Menschheit der allgemeine Sinn\nihres Seins, der sie über sich selbst hinausweist und dem sich zu nähern daher\nihr Wille, sofern er sittlich sein soll, verpflichtet ist. Ihr Wesen ist die Tat.\nDie Natur vermag von ihrem Wesen nichts einzubüßen noch zu ver-\nlieren. Denn da ihr Wesen in ihrem Sem beschlossen ist, so würde sie\ndurch einen solchen Verlust in der Unendlichkeit ihrer zeitlichen und räum-\nlichen Ausdehnungen völlig zunichte werden. Aber die Menschheit, deren\nSein und Wesen sich erst in ihrer sittlichen Tat vollzieht und wirklich wird,\nsie allerdings kann ihres Wertes und ihrer Würde verlustig gehen, indem\nsie die aus ihrer geistigen Kraft fließende Aufgabe, ihre Idee, in der allein\nsie besteht, preisgibt. Sie vermag in Verschuldung zu fallen, indem sie die\nfreien und sehenden Energien ihrer Vernunft und ihres Willens, statt sie\ngegen die Kräfte der Natur zu richten, um diese ihrem höheren Gesetze\nzu unterwerfen, in verbrecherischem Kampfe gegen sich selbst kehrt. Durch\nnichts beweist sich die Freiheit des Willens der Menschheit deutlicher als\neben dadurch, daß ihr sogar die Freiheit gegeben ist, ihre Freiheit aufzu-\ngeben; mit anderen Worten: daß es ihr freisteht, ihr wahres Wesen durch\neine teuflische Lüge in das völlige Gegenteil zu verkehren und ihre geistige\nBestimmung und ihren sittlichen Ursprung zu verleugnen.\nDas ist es, was die Menschheit von aller Natur grundsätzlich und dauernd\nunterscheidet. Sie allein vermag zu vollbringen, wozu kein anderes Wesen\nbefähigt ist, und zwar kraft ihres Geistes: durch Überwindung und Be-\nherrschung aller naturhaften Mächte also auch der in ihr selbst wirk-\nsamen, die sie an das allgemeine Schicksal der Natur, das Sterben, zu fesseln\nsuchen sich selbst zu befreien und in das unsterbliche Reich des Geistes"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.17", "texte": "zu erheben, in welchem die Menschheit sich in ihrer wahren Gestalt, als\nEinheit, unversehrt und ungebrochen, findet. Oder aber, wie durch einen\nmagischen Zauber geblendet, jene dunklen Mächte des Schicksals gegen\nsich selbst heraufzubeschwören, um von ihnen das zur Einheit bestimmte\nWesen zerteilen und zerreißen zu lassen. Wie wenn der Erbauer eines\nHauses die von ihm selbst nach einem einheitlichen Plane zusammenge-\nfügten Steine durch einen magischen Ritus beseelte und die beseelten auf-\nriefe, aus dem errichteten Bau herauszuspringen und ihn durch ihre Rückkehr\nin ihr früheres Chaos auseinander brechen zu lassen.\nDie letzte Aufgabe des Menschengeschlechts besteht also in seiner\ngeistigen Einigung zur Menschheit, durch die Erkenntnis und die Verwirk-\nlichung ihres wahren Wesens. Die bewußte Preisgabe seines freien Willens\nzur Einheit, die Selbstentzweiung und Selbstzersetzung durch den schuld-\nvollen Mißbrauch seiner geistigen Kräfte dies und nichts anderes ist der\nBegriff des Krieges. Die unvergleichliche und unverlierbare Gedankentat\nder Propheten des antiken Israel besteht in der Erkenntnis, daß die von\nallen ihren Gegensätzen restlos erlöste und in der ungeteilten Verehrung\ngöttlich-menschlicher Sittlichkeit geeinte Menschheit den ewigen Frieden\nselber darstelle und gewährleiste:\n„Gott spricht Recht zwischen den Völkern,\nZahlreichen Völkern lehrt er Gerechtigkeit.\nSie aber schmieden aus ihren Schwertern Pflugscharen\nUnd Winzermesser aus ihren Lanzen.\nKein Volk mehr hebt gegen das andere sein Schwert,\nKriegshandwerk lernen sie nicht mehr.\" (Jesajas)\nDie Trennungen und Grenzen, welche die Nationen zwischen die\nMenschen legen, die Scheidungen der Rassen, Stämme und Staaten sind\ndie Hemmungen und Einschränkungen der naturhaften Mächte. Vor dem\nreinen Geiste der Menschheit sind sie Schein und Lüge. Denn die Mensch-\nheit ist Einheit mit sich selbst. Aber der uralte, magische Zauber, der aus\nder Schicksalsmacht aufsteigt, entfesselt ihre dunklen Gewalten gegen jenen\nheiligen Geist, blendet den Willen der Menschen, richtet ihn gegen sich\nselbst und stürzt ihn in Verschuldung. Aus der Lüge solcher Trennungen\nwächst das von Blut triefende Gespenst des Krieges und der Entzweiung.\nDurch den Besitz der Vernunft und des geistigen Willens ist die Mensch-\nheit mit der Freiheit begabt, den Weg der Selbstvervollkommnung, den\nWeg der Verwirklichung ihrer sittlichen Bestimmung, ihrer Selbstbefreiung,\nden Weg zur Einheit und zum Frieden mit sich selbst einzuschlagen oder"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.18", "texte": "aber den anderen Weg zu geben, der zur Knechtschaft, zur Zerstörung\nihres moralischen Wesens, zur Auflösung und zum Kriege mit sich selbst\nführt. Sie kann ihr Leben wählen oder ihren Tod, das Gute oder das Böse.\nWählt sie aber das Böse, so sinkt sie nicht allein zur Natur herab, die\nzu überwinden ihre Bestimmung gewesen wäre, sondern da sie selbst frei-\nwillig ihre Freiheit in Unfreiheft, ihren Geist in Ungeist, ihre Einheit in\nEntzweiung verkehrte, sogar unter die Natur. Diese selbst aber erhebt sich\nalsdann vor der verworfenen und schuldbeladenen Menschheit in der stillen\nGröße ihres unwandelbaren Seins als das Sinnbild des verlorenen Paradieses,\ndes zerstörten Friedens und der zertrümmerten Einheit gleichsam als\nder mythische Garten der Gottheit, worin im ersten Weltalter der noch\nschuldlose Mensch und die noch unblutige Kreatur mit ihrem göttlichen\nErzeuger vereinigt lebte, bis er durch seine Verschuldung das heilige Band\nzerriß und sich mitsamt der ganzen Schöpfung in den Abgrund des Todes\nstürzte. Der Kampf, der auch in der Natur waltet, versinkt vor dem furcht-\nbareren Kampfe der Menschheit wider sich selbst, da nur diese dadurch\nsich selbst aufhebt. Dann spricht die Natur zu uns von dem tiefen Zusam-\nmenhang alles Lebens und alles Blutes, den der frevelnde Mensch wie einen\nheiligen Vertrag zerrissen hat. Dann richtet sich in ihr das durch uns ge-\nschändete Leben vor uns auf und ruft uns unsere Schuld und Schande ins\nGesicht. Der Glanz ihres Lichtes und das Bild ihrer Schönheit tritt wie\nein glühender Vorwurf vor unsere Seele. « Horch, das Blut deines Bruders\nschreit zu mir vom Erdboden auf!»\nSo ist es die Stimme der Natur, die in uns nunmehr die Sehnsucht nach\ndem, was wir verloren, ja vielmehr selber preisgegeben haben, mit leiden-\nschaftlicher Mahnung in uns entzündet. Sie muß zu einem Ruf der Anklage\nwider uns selbst anschwellen und sich vor unserem wachgewordenen Gewissen\nin den Klagelaut der in ihrer Würde erniedrigten Menschheit verwandeln.\nWir wissen, daß die Natur, ihrem w/ssenßegriffe nach, nichts\nanderes ist als die Gesamtheit bewußtloser und ungeistiger Gesetzmäßigkeiten,\nja, daß in ihrem Reiche ein ständiger Kampf tobt, in dem allein die physische\nKraft den Ausschlag gibt. Das Bild der seßönen Natur, aus welchem wie\ndurch einWunder die tote Unbewußtheit des Gesetzes verschwunden und der\nverzehrende Kampf in das Gleichnis der Einheit aufgehoben zu sein scheint,\nist aber in Wahrheit schon ein Akt der Vergeistigung der Natur. In dieser\nästhetischen Anschauung ihres Seins vollzieht sich bereits ihre Mensch-\nwerdung, die in einer auf sie gerichteten, schöpferischen Handlung des\nmenschheitlichen Geistes entspringt. Und so spricht die scßöne Natur"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.19", "texte": "im Unterschied zur wissenschaftlichen durch die Symbole ihrer Einheit\nund ihres Friedens die idealistische Sehnsucht des Geistes, der diese Schön-\nheit selbst erzeugt hat, nach den ewigen Zielen seiner Bestimmung aus.\nAber diese Sehnsucht ist noch keine Tat; und jene Schönheit der geist-\nund menschgewordenen Natur wird zum Verhängnis, wenn sie uns nicht\nzum Aufbruch, zur strebenden Bewegung, zur Handlung aufruft.\nHöher als alle ästhetische Anschauung der Natur, die uns das mensch-\nheitliche Wesen symbolisiert, unendlich höher steht die sittliche Aufgabe:\ndieses Wesen durch unausgesetzte, immer von neuem rem aus ihrem Urquell\nentspringende Tätigkeit wirklich werden zu lassen und in der Bildung mensch-\nlicher Gemeinschaft darzustellen. Von dieser höheren Stufe der Erkenntnis\naus ist die ganze Natur, der in Zeit und Raum unendliche Kosmos einzig\nund allein des handelnden Menschenwesens wegen da als Material seines\nWillens, dem alle Schicksalsmächte zur Unterwerfung unter den Geist über-\nantwortet werden. Nicht zum Kampfe gegen sich selbst darf der durch\nVernunft erleuchtete Wille der Menschheit gerichtet werden, sondern allem\nzum Kampfe gegen den Ungeist der Natur, deren Gewalten m dem Augen-\nblick von ihrer eigenen Blindheit erlöst werden, in welchem sie in den\nDienst der moralischen Menschheit gebannt worden sind.\nDas gegenwärtige Schicksal hat alle Energien des Menschengeschlechts\nauf die Vorbereitung des Unterganges gerichtet und in das Gegenteil ihrer\nwahren Bestimmung verkehrt. Die Idee der Menschheit ist der brutalen\nVerhöhnung und dem Fluch der Erniedrigung ausgesetzt. Die ungeistigen\nund naturhaften Zerlegungen des an sich einheitlichen Geistes haben die\nMacht an sich gerissen und sind zu den gebietenden Bestimmungen unseres\nSchicksals geworden. An Stelle der Liebe, die alle Trennungen überwindet,\nmenschheitlichen Zusammenhang erschafft und Gemeinschaften des Geistes\nbildet, ist Haß und Zwietracht getreten, aus deren dunklem Raum die Not\nder Einsamkeit und der Verbrechen geboren wird.\nAber der Geist der Menschheit, so sehr auch das Leiden ihn entstellt\nund verwundet hat, ist gleichwohl wach und wartet. Aus dem Widerspruch\nzur Macht des Ungeistigen wächst seine Kraft zur Tat an. Mitten auf dem\nverwüsteten Kampfplatz der Zerstörung selbst richtet er sich auf, um sein\nWerk der Liebe zu beginnen. Mitten unter den Völkern, die nichts als ihre\nGegensätze vor den Augen haben, wird er sich in einer einigen und freien\nGemeinschaft entfalten, die ganz und gar von seinem reinen Wesen erfüllt\nund verklärt ist und aus diesem Reichtum des Willens heraus das Chaos\nder Vergangenheit zersprengen wird."}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.20", "texte": "MENSCHEN / BÜCHER / ZEITSCHRIFTEN\n\nIhr wollt es nicht gewesen sein\nihr Geistesmetzger vom August 1914. Jahrelang habt ihr von Menschenblut\ngelebt, ihr wart Vortänzer der Kriegsmusik, ihr triebt Handel mit schmach-\nvoll erzwungenem Soldatenlied, ihr, Herolde der Gewalt, söget aus jedem\nTagesbefehl eurem Dasein die Erzählung, das Drama, die Betrachtung, das\nGedicht vom (historischen, lebenden, künftigen) Heereshelden. Jetzt, im vierten\nKriegsjahr, leugnet ihr. Und jeder Schreier kleiner Reformen, die ihm längst\nalle Regierungen vorgeschrien haben, bläht sich plötzlich als Völkerfreund.\nIn welcher Zeit lebten wir, daß die Geschöpfe, denen Vernunft gegeben\nwar, öffentlich die Stimme zu erheben, daß die dem Weltmord der Vernunft\nBeifall schrien! daß sie durch die Straßen rasten und klingende Sätze auf\nden gemordeten Menschen schmissen. Die gerade, denen ihre öffentlich ge-\nübte Vernunft aufgegeben hatte: brüderlich feste zu stehen; fest zu stehen\nzum Geist, gegen die Gewalt.\nIhr wollt es nicht gewesen sein. Es soll, auf einmal, da euer Blutspiel\nverloren ist, nicht mehr wahr sein. Aber das brutale Leugnen hilft nicht. Da\nhilft nur die Tat. (Bei euch selbst, nachts im schlaflosen Zimmer oder in un-\nversehenen Träumen werdet ihr euer Leben lang euch rechtfertigen müssen vor\nMillionen Toter, gegen deren Abschlachtung ihr nichts einzuwenden hattet.)\nIhr werdet so lang leugnen, bis ihr nie mehr vergessen könnt. Aber wir andern,\nwir außer euch, die wir Ekels voll sind vom Gericht über euch: Wir können\nauch vergessen. Eure Tat zu unserm Vergessen: Setzt auf eure Schande das\nBekenntnis der Schande. Sprecht, denen Langmut noch die öffentliche Stimme\nließ, offen aus, wie man euch betrog, und wie ihr Händler sogar des Be-\ntrugs weiter betröget.\nKein Schwindel mehr mit Hinkeformen. Fordert Alles. Die Unbedingtheit,\nvon der ihr wißt.\nOder: auch jetzt noch bangt ihr um das Geschäft. Aber dann hütet euch.\nDie Gemeinschaft der Zukunft wird, selbst an ihren leichtsinnigsten Sonntagen,\nkeine Kletteraffen mehr brauchen."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.21", "texte": "Opportunisten\nIhr sagt, der Opportunist nahe euch mit den Worten eurer eigenen\nGesinnung, und erst, wenn er Macht über euer Vertrauen gewonnen habe,\nin der Stunde der letzten Entscheidung, verrate er euch.\nIhr klagt, man könne die Dinge nicht voraussehen. Aber das wäre auch\ndie billigste Erfolgsrechnung und enthöbe euch aller Mühe. Eure Sache ist\nnicht, zu prophezeien, sondern in der Verteidigung des Geistes auszuharren.\nIhr fragt, woran man den Opportunisten erkenne?\nKrapotkin spricht in den „Memoiren eines Revolutionärs\" von den\nSpitzeln: „Wer einigermaßen Lebens- und Menschenkenntnis besitzt, der\nentdeckt bald, daß diese Geschöpfe etwas an sich haben, das ihn mahnt,\nvor ihnen auf der Hut zu sein. Wer auf den sittlichen Gehalt der ihm\nbegegnenden Menschen achtet, der legt sich dann selbst die Frage vor: „Was\nhat diesen Menschen zu mir geführt? Was in aller Welt kann der mit uns\ngemein haben?\" Ein Spitzel kann Bekanntschaften nennen, er kann die\nbeste, manchmal zutreffende Auskunft über seine Vergangenheit geben, er\nkann sich revolutionäre Ausdrucksweis,en und Ansichten vollendet angelernt\nhaben, aber niemals vermag er sich in die besondere, sittliche Anschauungs-\nweise des Revolutionärs hineinzuleben und schon dies genügt, ihn in ge-\nwisser Entfernung zu halten. Alles können Spione nachahmen, nur nicht\ndiese sittliche Anschauung.\"\nSetzt für „Spitzel\" überall Opportunist ein, so habt ihr ihn. Ihr könnt\naber auch Konjunkturschieber, Meinungsausbeuter und Partei-Machtmensch\nlesen.\n\nDie beiben Blätter\n(Verlag Rascher & Cie., Zürich und Leipzig.)\nIn der Juninummer spricht der Herausgeber, Ren6 Schickele, ganz personen-\nhaft, doch menschlich selbstverständlich, von Friedrich Adler. Die Bemerkung\n— sie kleidet sich bunter ein als sie wohl gemeint ist — heisst:\nDie ZauberfLöie\n„Die grösste sittliche Erhebung seit Kriegsausbruch durch Gesprochenes\noder Gedrucktes verdanke ich der Rede, die Fritz Adler vor seinen Richtern\nin Wien gehalten hat. Dieser schlichte Mensch, der den Mut fand, sein eigener\nHeld zu sein, steht am Anfang der neuen Zeit. Er sprach an seinem offenen\nGrab stark und gerade und wie Übergossen von innerster Heiterkeit. Er war\nliebenswürdig zu seinen Richtern, er salutierte den Gegner. Er zeigte in jedem\ndas Merkmal großer Naturen: den fanatischen Willen zur ganzen Gerechtig-\nkeit — die einzige Art Fanatismus, die weder dumm, noch hysterisch ist.\nAuf solcher Höhe steht seine Gestalt, in gebeugter Haltung, ein wenig linkisch,\nmit einem gütigen Lächeln, wie ein Denkmal. In der Wiener „Zeit\" las ich:\n„ Unmittelbar vor der Urteilsverkündung spielte sich eine kleine, aber\nbemerkenswerte Episode ab. Der Gerichtshof hatte eben seine Beratung be-\nendet und schickte sich an, wieder den Verhandlungssaal zu betreten, um\ndas Urteil zu verkünden. In diesem Augenblick erhebt sich der Angeklagte"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.22", "texte": "von seiner Bank, richtet sich hoch auf und winkt lebhaft und freudig lächelnd\nnach dem Hintergrund des Auditoriums. Dort, etwa in der zehnten Reihe,\nsitzt der Vater des Angeklagten, der Abg. Dr. Viktor Adler. Er bemerkt die\nBewegung des Sohnes. Sofort erhebt er sich und erwidert kopfnickend und\nwinkend diesen Gruß. Zwei Sekunden später beginnt der Präsident mit der\nKundmachung des Erkenntnisses, durch das Friedrich Adler zum Tode\nverurteilt wird.\". Daran mußte ich am Abend in der ,Zauberflöte' plötzlich\ndenken, als Tamino und Pamina ihren Rundgang durch die Feuer- und\nWasserprobe machten. In der über dem Abgrund schwebenden Heiterkeit\ndieser Musik spiegelte sich mir Fritz Adlers Gesicht.\"\n\nIn Völker zeŕissen.\nCharlof straber:\n(Novelle. Schriften für schweizer Art und Kunst. Verlag Rascher & Cie.,\nZürich.)\nKeine Erzählung, sondern die individualpsychologische Beschreibung\neines Zustandes: Auf- und Abschwellen der Ausbrüche eines Kriegsfeindlichen\ninmitten der Umschließung des Krieges. Genaueste Aufzeichnung (durch fast\nklinisch geschulte Darstellungsmittel) des Auseinanderklaffens von Gefühl,\nWissen, Massenstimmung eines allen Völkern Verwandten. Dieser Monolog\nist offensichtlich zu Beginn des Krieges entstanden; der Verfasser sah sich\ngewiß damals mit der unabhängigen Hochherzigkeit seiner Absichten isoliert\ninmitten der großen Woge von kriegsfreudiger bürgerlicher Literatur. Daher\nbleiben in seiner Darstellung die führenden Ideen noch allzuschüchtern\nzurückgehalten, und die Entscheidung zu ihnen wird dem Leser überlassen.\nHeute, wo trotz mächtiger Erstickungsversuche wahres Menschentum in allen\nLändern ein Echo findet, würde Straßer die Dinge wohl lauter und ent-\nschiedener sagen. Höchst anerkennenswert der Verzicht auf angemaßte\nKunstmittel; Straßer wollte offenbar weder erzählen noch dichten, sondern\ndurch den Mund eines gequälten Menschen seine brüderliche Gesinnung aus-\nsprechen.\n\nFiguren.\nPaul Wiegler:\n(Verlag der Weissen Bücher, Leipzig. 1916.)\nPaul Wiegler hat als Neunzehnjähriger eine vollendete Beschreibung der\nPhilosophie im neunzehnten Jahrhundert (von beinahe Lexikonumfang) gegeben.\nEr entzückte später uns (Ahnungslose!) durch eine kleine Schrift über den\nEnthusiasmus französischer „Rebellen\". Er war ein aufregend vollendeter Über-\nsetzer von Jules Laforgue. Man sieht, er sucht die geistigen Anstösse. Die Zeit\nwar so öde, dass uns Jungen ein Mann schon Kamerad schien, der das Geistige\nnur nannte.\nIn diesem neuen Buch,, Figuren\" werden Menschen beschrieben, als seien sie\nStilleben für ältere Maler: Austern, Äpfel, Schüsseln, unter denen nur der Tisch\nein wenig wackelt. Der Gipfel des Protestes gegen Änderung der Welt. Er macht\nkeinen Unterschied in der Rangordnung: Cagliostro; Andre Gide; ein Schreckens-"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.23", "texte": "Kammermörder, der eine Versicherungssumme erlisten wollte; General Booth,\nder Begründer der Heilsarmee; und die Urheber der russischen Revolution\nwerden nebeneinander, mit denselben Begriffen, in derselben Schönschrift\nregistriert (Das wackelnde Stilleben). Wiegler über die Helferinnen der grossen\nVolksumwälzungen:\n„Die Umstürzlerinnen im Frankreich der Bourgeoisie hat George Sand, die\nFrau von Nohant und Dichterin der „Indiana\" angeführt. Spitz und schrill\nflackert ihre Stimme in Louise Michel fort, dieser in die Luft der politischen\nKneipen verschlagenen Sand, die mit ihrer Gevatterin das Ressentiment der un-\nehelichen Geburt gemein hat, die versetzte Mütterlichkeit, den geistigen Hoch-\nmut, die Symptome der seelischen Erkrankung.\"\nWelch plumpe Demagogie: Das Mittel zieht nämlich heute schon lange\nnicht mehr, eine bedeutende und störend ethisch gerichtete Person dadurch\nentwerten zu wollen, dass man von ihr behauptet, sie sei nur die umgekehrte\nGartenlaube!\n„Erst die russischen Umstürzlerinnen haben das Beispiel der Bettlerin aus\nHaute-Marne (d. i. Louise Michel) vollendet. Ihr Revolutionstrieb ist der\nAtrophie der Sexualität entsprossen, die jetzt Artzibaschew durch sein papierenes\nTraktat kurieren will. Unterernährt sind die Nihilistinnen, die fiktive Heiraten\nmit fremden Studenten eingehen, um nach der Schweiz vorzudringen, die in den\nBaumwollfabriken von Moskau agitieren oder von den Matrosen in Kronstadt\nsich entjungfern lassen, um als Bordellmädchen sie für die Revolution zu\ngewinnen. Unterernährt ist die „Nihilistin\" der Kowalewska, sind die Sassu-\nlitsch, Perowskaja und Larionow Weiche, zapplige Nagetierchen sind\ndiese Umstürzlerinnen \"\nWiegler behauptet also, dass diesen Frauen die Revolution nur Vorwand\nzur Erledigung einer sexuellen Angelegenheit war. Was uns von diesem\nMenschen trennt, ist durchaus seine alberne Ungläubigkeit vor der erhabenen\ngöttlich-geistigen Tatsache, dass jedes wollende Menschenwesen schon\nphysikalisch die Welt ändert! „Das hat er\", werden seine Freunde sagen, „vor\nlangem, unter dem Entwertungsnachspiel des Misserfolges der rusisschen Re-\nvolution von 1905 geschrieben. Heute würde er sich wohl hüten.\" Ja, eben\ndas wird ihm hier vorgeworfen. Man muss schon am Feuilletonerfolg geschult\nsein, um die Selbstaufgabe des Menschen, seine höchste Liebestätigkeit durch\nWüsten, Bleibergwerke, Folterkammern, stetes gütigstes Gefahrleiden, nur mit\neinem ganz kleinen Hoffnungslicht im Herzen für die Menschheit um diese\nheilige Vermenschlichung der zartesten Ideen Unterdrückter: als verdeckten\nWunsch nach dem Männerbett zu behandeln.\nJeder sieht, dass es hier nicht um sexuelle Moralfragen geht. Es geht um\nAnerkennung des Geistigen im Menschen, des Willens im Menschen, des Helfers\nim Menschen, des Mitmenschen im Menschen. Die Ablehnung Wieglers ist die\nAblehnung einer Eingeweidephilosophie; der allerdümmsten, willensfernsten,\nsklavenhaft passivsten, der allerblödesten Spezialarzt-Tendenz.\nWieglers Romanphantasie hat sich um das Privatleben der russischen\nRevolutionärinnen gekümmert. Uns andere, uns Mitfühlende ging nur ihr"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.24", "texte": "öffentliches Leben an. Wir wissen, welches Unerhörte diese öffentlichen Gestalten\ntaten. Für die Menschheit!\n\nEuropa lebt noch.\n» Die Zeitschrift «FesiC·cöfeiies« erscheint in Genf (case postale Jonctioji\n13718, Genfeve). Sie kostet für alle Länder jährlich 2 Fr., halbjährlich 1 Fr.\nIhr Leiter: Claude Le Maguet. Die Tablettes widmeten das Heft vom Juni\n1917 dem Gedächtnis Tolstojs; dieses Heft, das vorbildlich gedruckt ist, kostet\n30 Centimes. Und ich trete dafür ein, daß es in allen Ländern der Erde,\nwo nur irgend ein Mensch sitzt, der ein paar Worte Französisch lesen kann,\nin Massen verbreitet wird. Auf der Titelseite: das erste gute, ernstliche und\nwahrhaft mitgelebte Phantasiebild Tolstojs. Es ist von Frans Masereel,\nweder kokett bäurisch noch weich weinerlich, wie die üblichen Tolstoj-\nPorträts, sondern intensiv sonnenhaft, das Bild eines leidenden IWeisen\n(und für dieses brudermenschliche Werk seien ältere, nur verlegen deskriptive\nHolzschnitte dieses Graphikers vergessen). Zehn Menschen schrieben die\nTolstoj-Nummer der Tablettes: Paul Birjukow, Romain Rolland, Marcel Mar-\ntinet, Han Ryner, J.-P. Jouve, Brenn, Marguerite Jean-Debrit, Charles Bau-\ndoin, Natascha Rostowa, und Claude Le Maguet. Jeder dieser Menschen\nsagt hier Unbedingtes. Und das eben hat man zu unserer Zeit noch nicht\ngesehen. Das Vorbild Tolstojs hat aus jedem dieser zehn Münder das höchste\nBekenntnis zum Menschentum hervorgetrieben, das der Einzelne an seinem\nLeib verwirklicht hat. Die Gemeinschaft der elf, des Malers und der Sprecher,\nist vorbildlich. Alle haben denselben Beginn, dasselbe Ziel und den-\nselben Weg durch die große Verzweiflungskrise der Menschheit. Alle sagen\ndasselbe und nur die Körperlichkeit, der Ansatzpunkt an der Realität ist\nverschieden, so gemeinsam und so verschieden wie die Schreie vieler Menschen\nzwischen Geburt, Entrückung und Tod. Die Zentralsonne des Heftes\nist eine große, ganz schimmernde Wahl von Lebensworten Tolstojs aus seinen\nWerken und seinen Tagebüchern; Jouve hat sie gemacht, und man erkennt\ndie liebende Hand des Dichters an der Zusammenstellung, die jeden dieser\nLeitsätze wunderbar als menschlich ewige Erkenntnis und gleichzeitig als An-\nleitung für den heutigen, den brennendsten Moment unseres Lebens zeigt.\nUm Tolstojs Wort gestellt ist die Gemeinschaft der Freunde. Und daß, noch\nmitten im Blutspeien der Welt, eine solche Gemeinschaft von Reinen möglich\nwar, Reinen, die nicht nur Erkenntnis treiben, sondern die, unter dem Opfer\nihrer Scham und ihres persönlichen Friedens wirklich helfen wollen: dieses Be-\nwußtsein vom Glück einer neuen europäischen Vorbildlichkeit kann nicht mehr\nverloren gehen. Zum erstenmal wieder, seit ach, wie langen Jahren,\ngerade in der höchsten Not der Menschheit sprach öffentlich eine Gemein-\nschaft das Wort für den geistigen Bruder in jedem Menschen!\n\nHier einige Sätze.\n\nArm! Øifjrifow (,,To1st«oj und die russischeRevolution«): »lhr gefährdet\ndie ZivilisationW Tolstoi santw0rtet,r der erVeriust dieser- Zivilisation , sei\ngeringere Gefahr als. der Fortbetrieb des jetzigen Zustandes der Dinge."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.25", "texte": "HANS RICHTER: An den Sieger"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.26", "texte": "Tom-i» Toffel-»F (,,Tolstoj der freie Gseist««): Heute ist seltener als\nHeroismus, seltener als Schönheit, seltener als Heiligkeit: ein freies Ge-\nwissen. Frei von jedem Zwang, frei von» jedem Vorurteil, von jedem Dogma\neiner Klasse, einer Kaste, einer Nation. Mensch! erhebe dich, öffne die Augen,\nschau! Die Freiheit des Geistes ist der höchste Besitz . . . Die grösste Ehre,\ndie wir den Menschen wie Tolstoj erweisen können, ist: frei zu sein wie er.\nMir-see! Martin« (,,1n diesem Blutfriihling«)« Von Sokrates zu Tolstoj\ngeht die Ewigkeitslegende der Helden, die nichts sind, die stets verhöhnt\nund besiegt werden, und die die Welt fiihren . Gläubige Flamme von Karl\nLiebknechiz Romain R»olland, PierreMonattY —- aller derer, die das Ge-\nwissen der Völker neu entfacht haben. »\nJota-e (,,’l’olstoj lebt in uns«): Tolstoj, Führer« fiir die paar\nMenschen, die, verloren unter den Völkern, trotz allem und gegen alles, nach\nihren schwachen Kräftenden Kampf ausfechten, seien heilige« Krieg, de« Krieg,\nder cmj Liebe »undVernunji sich störet, de« Krieg gegen de« Krieg (Zwei Kriege l898).\nGram: (,,Zeugenschaft«): Gegen den Krieg gibt es nur: eine iiberlegene\nMacht, den schwur, nicht Waffen zu tragen und nicht zu töten. Der Krieg\nist der Götze, den wir mit unsern eigenen Leibern bilden, und den unsere\neigene Seele spmit ihrem Hauch belebt« .\nAcri-seist! Kosten» (,,Die achtzig -Befreiten«): ln - allen kriegführenden\nLändern ist heute die Zahl derer sehr grob, die in den Gefängnissen Strafen\nabwälzen, weil sie das Waffentragen verweigert haben. Und die haben viel\nmehrAnhänger, als man meint, gerade mitten im lnnern ihrer Volksgenossem\ndie durchzensur und Kriegsterror zum Schweigen verdammt: sind.\nFlur-de Be« Magd« (,,Die Bestie«): DleGewalt hat keine Besserungs-\nkraft. Was böse ist, wird nie durch sie in Gutes gewandelt. Sie hat kein\nUnterscheidungsmal dafür, ob der Eine oder derAndere sie anwendety Das\nGute muB direkt offenbart »werden.» Solange man sich gegenseitig die Ge-\nwalt zuschleudert -- wie einen Ball zwischen zwei erbitterten Spielern —\nwird das Böse nie ein Ende nehmen. Unser schönster Sieg wird diese Einsicht sein.\nDie Bestie soll nicht von uns Besitz ergreifen.\n\nL. R.\n\nDie Zellsenrkft is! lcelne oiolioplkilk sondern eine moralisene Angelegenheit. -—\nNiclu ausgenommen »wer-ten Werlce irgend einer (Jniernaltungsaosieni, beschrei-\noende Zeicnnangem Gedlcnlq Novelle« und Betrachtungen, die allein der Er—\nlcldrung und derBildung dienen. Zur Veröffentlichung zugelassen sind nur\niordernde Formullerunngen von enropdssener Gesinnung.\nFür den lnhalt verantwortlich: Sag-»; ckkxäfpsy\nZeibEcho Verlag Benteli A«.-S., Biimplizsssern und Leipzig\nDruck Von Wes-sei? MAY» Bismplfz sz"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.27", "texte": "VERZEICHNIS:\nHans Siemsen: Wartet nicht länger Seite 1\nTheodor Tagger : Das geistige Ge-\nschlecht. . ~ . . . .... „ 5\nFranz Pfemfertj Es ist nichts ge-\nschehen . „ 7\nCiaire Studer: Die Stunde der\nFrauejti .... . . . . . . „ 9\nOtto Freundlich: Der Bau « 8 . „ 11\nEugen Lewin-Dorsch: Der Herr\nder Natur . . . . . . . . . ~ 13\n1 r '\nV; j, .au uu.j UUy ;U u-; v- ;:a -tu .7\n\" ' ! - ' | ; \"AT\nMenschen / Bücher / Zeitschriften. Ihr\nwollt es nicht gewesen sein. Opportunisten. Die weißen\nBlätter. Charlot Straßer. Paul Wiegler. Europa lebt noch.\n' j ;* s • - \" U ' • A j /U■ ~ '] ' J-'jr;- lv/ ■' iSSSfiBo\nUt '■• r' y,/' -\nHANS RICHTER: An den Sieger\n(schwärzweisses Volksblatt) Seite 23\n. : r vU :Vy?.A:'AvVv- *V U Wu''i\n'\n\nØas Sei? - Fcfo efksaseksxeks fczfbyyiovciziLoä ; JØJP Fiyzgekstm\n« »Arie«-nex- Xosfei 50 Efeu-»F; ockewsc Ofenii\"mek.s,tmcka.«sjss)ferkek.\nJ2iÆI«x15Yo»22e »2e22i W Äjrzmmigwsjark Z. oydeyä Øs0MPOYFk-»Y2.-5C.»\nEies-Essen klar-H alle» Øckioäfkrimwiifcitnyeix ociår cieszg OsrJaFØ"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabb191707-01.1.28", "texte": "INHALT DES MAIHEFTIES:\n. — « «,0tioAN«-NE(1EKsztN1-IALT\nEuno px1sc H AE oEsEr.r.scHAkT J mtTMENsc H\nMENs cHENJsüctittmkx zEtTsctitztFTEN\nP . . wi A fMlfe LJ«j«;sc«1·i«ge vom XerckrisyeöeJ k » MPO sz\n1 HANS grausen:sctiwknzwtsissgs VOLKSBLATT\n\nINHALT DES JUNIHEFTES:\nLUDWIG RUBINER: NACH FRIEDENSSCHLUß\nTOLStOJANERBRIEFE: REVOLUTIONSTAGE\nIN RUSSLAND\nALBERT EHRENSTEIN: MENSCHLICHKEIT\nHANS RICHTER: EIN MALER SPRICHT ZU DEN\nMALERN\nMENSCHEN / BÜCHER / ZEITSCHRIFTEN\n'Beiträge von &[fredcDöbßh, eFriedric6 Ularfc, frida Ocßafc, ßudwig 'Rubiner\nHANS RICHTER: SCHWARZ WEISSES VOLKSBLATT"}]}