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S.\nMan will in Wien ein Ca-\nlenberg-Denkmal errich-\nten und hat dafür eine\nConcurrenz ausgeschrieben*\nDenkmals-Concurrenzen sind\neine national-ökonomische Ver-\nschwendung sondergleichen*\nWir besitzen aber vorläufig\nkein anderes als dieses ver-\nschwenderische Mittel zur Erlan-\ngung des hohen Endzweckes je-\nder solchen Concurrenz* Denn\ndieser Endzweck, es ist die Mög-\nlichkeit, junge Talente aus unbe-\nkannten Tiefen ihrer selbstge-\nschaffenen Welt an die Ober-\nfläche der Allgemeinheit und\nÖffentlichkeit zu ziehen*\nVerwundert steht das Publi-\ncum dann vor Werken solcher\nHerkunft und spricht von einem\n„Schlager“*\nDie gegenwärtige Concurrenz\nhat thatsächlich so einen „Schla-\nger“ zutage gefördert: den Ent-\nwurf vonSCHIMKO WITZ und\nPLETSCHNIK*\nWenn gegen denselben ein-\ngewendet wird, dass er mehr eine\nApotheose der weltbewegenden\nErfindung derßuchdruckerkunst\nals ein Denkmal für Gutenberg\nsei, so ist dies kein Fehler, sondern\ngeradezu ein Vorzug, herausge-\nwachsen aus jener grossen Er-\nfassung des Themas, die den\nLeuten, welche den Text der\nConcurrenzausschreibung ver-\nfassten, einfach gefehlt hat*\nAlso: die Concurrenzaus-\nschreibung hat diesmal einen vol-\nlen Erfolg gehabt; sie hat einen\n„Schlager“ zutage gefördert; die\nJury hat diesem „Schlager“ einen\nersten Preis zuerkannt*Und nun ?\nAlles jubelt und eilt zur Ausfüh-\nrung, sollte man meinen. Nein!\nDie Philisterhaftigkeit, dieser\nböse Geist, der seit mehr als hun-\ndert Jahren auf künstlerischem\nGebiete in Österreich seinen\nunheilvollen Einfluss geltend\nmacht, der einen Waldmüller\num seine Stellung gebracht, der\ndie talentvollsten Künstler zur\nAuswanderung in die Fremde\ngezwungen hat = siegte von\nneuem* Eine solide, aber kei-\nneswegs neuartigeArbeitgelangt\nzur Ausführung, und der durch\nden kräftevergeudenden Vor-\ngang der Concurrenz wirklich\neinmal glücklich ans Licht gezo-\ndie Dun-\nkelheit zurückgestossen*\nDas ist, rund herausgesagt,\nein öffentlicher Scandal und\ngleichzeitig ein neuer Beweis für\ndie Nothwendigkeit der Exi-\nstenz und der energischen Thä-\ntigkeit unserer Vereinigung*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c004", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.4.1", "titre_corps": "GUTENBERG-DENKMAL", "titre_sommaire": "GUTENBERG-DENKMAL", "signature_source": "O. 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So könnte man denken* Alle Äusse-\nrungen des Lebens sollten unter solchen Bedingungen die\nheitere Würde, den logischen Ernst, die ruhige Grazie des\nHarmonischen an sich tragen* In Sitten und Gebräuchen,\nim Wesen der Architektur, der Kunst und des so nah ver-\nwandten Kunstgewerbes, müsste ein kräftig individualisti-\nsches Empfinden herrschen*\nAber nein: trotz aller natürlichen Anlagen, trotzdem\nFähigkeiten und Talent vorhanden sind, hat Wien sein\nSchönheitsgefühl verloren* = Wer hätte es je für möglich\ngehalten, dass Berlin uns selbst in dieser Hinsicht über-\nflugein werde! Dort lebt ein Volk ohne künstlerische In-\nstincte. tm Volk mit zersetzender, nutzenabwägenderVer\nStandesart, fremd dem heiteren Zug der Phantasie. Es muss\nsich förmlich zum Schönen zwingen = muss sich mit eiserner\nEnergie durchringen, um eine Empfindungsfähigkeit zu\nerlangen, welche der Wiener dank seiner Veranlagung von\nHaus aus besitzt. Aber diese Leute haben an sich gear-\nbeitet* Sie naben mit Macht alles Fremde an sich gerissen\num zu sehen und zu lernen* So hat Verstandesarbeit bessere\nResultate ergeben als Talent*\nTalent allein genügt eben nicht, es muss in einem\ntesten Boden wurzeln und der Wiener neigt zur Oberfläch\nlichkeit, zur Seichtheit, ihm genügt leicht das Äussere, der\nSchein, Ernst und Tiefe muss ihm anerzogen werden, ge-\nwaltsam, und dagegen sträubt er sich. Er ist weichmäulig\nwie man es bei Pferden nennt; er wäre leicht lenkbar, wenn\nman ihn richtig behandeln, wenn man ihn liebevoll er-\nziehen würde. Aber an Erziehern fehlt es. Wie sehen bei\nuns die Männer aus, welchen Beruf und Stellung die er-\nzieherische Thätigkeit ermöglichen würde, deren Pflicht\ndieselbe wäre! Gebt uns Lehrer, gebt uns einen Lichtwark\nder als Galleriedirector in Hamburg Wunder thut, dann wäre\nWien in kürzester Zeit Kunststadt*\nWo ist bei uns die Vornehmheit hingekommen, wel-\nche in früheren Zeiten all' die kleinen herrlichen Paläste\ndie reizvollen Bürgerhäuser schuf? Man sehe doch nur, wie\nin Berlin die reichen Leute wohnen* Ein Villenviertel haben\nsie hingezaubert in herrlichem Grün, durchzogen von\nWasserstrassen, die künstlerische Blicke geben* = Was\nhaben wir dem Berliner!hier garten entgegenzustellen ? Das\nIdeal unserer vornehmen Gesellschaft ist und bleibt ein"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.7", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 5259, "texte": "Ringstrassenhaus* In dieser vier Stock hohen, von Strassen-\ngetöse und Staub umwogten Zinskaserne den ersten Stock\nbewohnen, wenn möglich mit separiertem Aufgang, dies ge-\nnügt unseren Ansprüchen auf Vornehmheit* Es fehlt das\nGefühl für die wirkliche Elegance, die darin liegt, sich von\nder Strasse zurückzuziehen und sein Heim mit dem Kost-\nbarsten zu umgeben, was die Gressstadt bieten kann: mit\ngrünen Bäumen*\nEs fehlt der Sinn, den Architekten Aufgaben zu stellen,\ndurch welche individuelle Impulse zum Ausdruck gelangen\nkönnten* Die Fähigkeit, solche Aufgaben zu lösen, ist ja bei\nuns noch immer in hervorragendem Masse vorhanden* Wiens\narchitektonische Talente haben locales Colorit, die Fischer\nvon Erlach et tutti quanti, sie haben nicht umsonst in\nWien gelebt, geschaffen*\nMan vergleiche ein Warenhaus von van der Null,\nvon Otto Wagner, mit den jetzt vielbestaunten Monstro-\nsitäten in Berlin* Man betrachte die Wiener Fruchtbörse,\ndie jetzt entstehenden Stadtbahnbauten und suche besseres!\nAber die Speculation ist kein vornehmer Bauherr, Reclame-\nsucht kein würdiger Bauleiter* Um Kunst zu zeigen oder zu\nheucheln, verfallen nun die meisten unserer „Architektur-\nkünstler“ auf die unglückselige Idee, sogenannte Paläste\nmit wahren Säulen-, Erkerdach- undThurmorgien auf Holz-\nleisten und Glasfenster zu stellen* Das eigentliche Wohn-\nhaus soll eine nach aussen manifestierte = immer DIS-\nCRET aber BESTIMMT betonte Eigenart zeigen* Wien\nnimmt an Prachtbauten immer zu, an intimer Schönheit\naber fortwährend ab* = Gleich banal wie die äussere Hülle\nist auch die innere Ausstattung der Wohnräume* Auch\nhier findet man Lässigkeit, Gleichgiltigkeit und mangelnde\nGeschmacks-Initiative von Seite des Publicums* Doch ist\nnicht dieses allein der Schuldtragende, sondern immer wie-\nder diejenigen, deren Aufgabe es ist, einen oft schwanken-\nden Geschmack zu leiten und zu führen* Der Decorateur\nund der Tapezierer sind bei uns meist Feinde einer künstle-\nrischen Empfindung* Sie ignorieren die grosse Rolle, welche\ndie künstlerischen Motive des modernen Kunstgeschmackes\nbei der Einrichtung einer Wohnung spielen können* Sie\nsind zum mindesten entsetzlich schwerfällig*\nAnstatt wie dies z* B* in Paris und Berlin der Fall\nist = alle Spielarten der Decorationskunst auf dem Lager\nzu haben; alles, was Walter Grane, Gerhard Munthe,\nwas Carabin, Köpping, Galtet, Obrist und so viele andere\nschaffen und neugestalten = benützen sie die ihnen zur\nAusschmückung übergebenen Räume dazu, sinnlose Bro-\ncat-, Plüsch- und Goldorgien zu feiern* Dabei leiern sie\neinen einmal gebrauchten Stil in unendlicher Gleichmässig-\nkeit fort* Es ist charakteristisch für die ausserordentliche\nLernbegierigfceit unserer Kunsthandwerker, dass dieselben\ngegen den ehemaligen Leiter des Handels-Museums, als\ndieser die englischen Möbelmodelle brachte, eine Beschwerde\nerhoben* Er störe den Gang ihres Geschäftes, denn ihre Ge-\nsellen seien NUR auf Renaissance eingearbeitet,\nund sie hätten keine Lust, ihre Arbeiter um-\nlernen zu lassen!\nDie Leute, deren Instinct sich nun gegen\nsolch ein Dutzend - Milieu von Tapezierers\nGnaden wehrt, finden keinen anderen Ausweg,\num ihr Heim intim und künstlerisch zu gestal-\nten, als ihre Wohnung mit antiken Möbeln und\nBrie & Brac auszufüllen* Aber es ist doch etwas\nanderes, wenn sich ein Feudalherr in seinem\nSchlosse ein Milieu schafft oder ergänzt, wel-\nches ihn stets an die „glorreiche“ Vergangenheit\nerinnern soll; es ist etwas anderes, wenn ein\nernster Sammler sich in eine Kunstepoche ver-\ntieft und sein Heim mit Schätzen dieser Epoche\nanfüllt, als wenn der Selfmademan mitten im\nTapezierer-Milieu seiner Mietswohnung den\n„Salon“ in einen Trödlerladen verwandelt, um\nseinem Kunstbedürfnisse zu genügen*\nDie Aufgabe der Museen aber ist es nicht\nnur, einzelne übernommene Schätze vor Staub\nund Nässe zu bewahren, sondern den Cultur-\nstand aller Epochen in Sammlungen didaktisch\nfestzuhalten und ohne Stillstand die neuen Er-\nscheinungen auf allen Kunst- und gewerblichen\nGebieten aufzunehmen* Naturgemäss würde so\nder Weg geebnet für die Entwickelung eines\nmodern nationalen Stils, und die allgemeine\nInteresselosigkeit, die Atonie des Geschmackes\nwäre überwunden* = Wie viel ist noch zu thun,\nwollen wir stofflich und technisch die Leistungen\ndes Auslandes verarbeiten und uns assimilieren!\nWeshalb lernen z* B* unsere Keramiker\nnicht die einfache Noblesse der Form, die Fein-\nheit der Farbentönung anzuwenden, welche\ndurch Japans Einfluss die europäische Produc-\ntion so sehr veredelt hat? Weshalb betrachten\nsie nicht eingehend die Leichtigkeit der Zeich-\nnung, die geistreiche Selbständigkeit der Mo-\ntive, welche das französische, ja besonders das\nPorzellan Kopenhagens zeigt? Es wäre ihnen\ndann unmöglich, wie bisher, Modelle zu liefern,\ndie gedanklich und stofflich roh und brutal wir-\nken* Diefärbigen Terracotta „Wiener Typen“,\ndie schlecht geformten, mit schreienden Farben\ngezierten Vasen und Jardinieren, die Tafelser-\nvice mit den ewigen blauen Zwiebel-Mustern,\noder der Mille Pleurs-Dessins würden rasch\nverschwinden und das Publicum bald zu edleren\nAnforderungen erzogen sein*\nUnd die Glas-Industrie ? Weich ein Mangel\nvon Grazie, von künstlerischer Einfachheit,\nvon Elegance in den Formen* Alles ist schwer,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.8", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 3224, "texte": "überladen* Gerade dieses Material, das wie Luft, wie Wasser, wie\nWelle ist, kann wie kein anderes der flüchtigen Phantasie entgegen-\nkommend Der Geist eines Tiffany, Köpping, eines Gallet hat bewiesen,\ndass man dies Unfassbare festhalten kann* Wer kümmert sich aber\nbei uns darum ?\nVor 25 Jahren noch hat mancher Zweig der Wiener Industrie\n= Porzellan, Glas, Lederarbeit = eine Rolle gespielt; individuell war\nsie auch damals nicht, aber typisch vornehm und elegant* Aber jetzt\narbeiten alle Firmen mit stolzem Ignorieren ihre bewährten Muster\nund die anderen liefern == Slovakenware*\nWerden denn nicht meist charakterlose, plumpe, vulgäre Gegen-\nstände produciert? Wie sehen unsere Beleuchtungsgegenstände aus?\nSie haben trotz der Wandlung, welche sie durch die Einführung des\nelektrischen Lichtes durchmachen mussten, zumeist ihren früheren\nCharakter, ihre hässlichen, linealischen, langweiligen, von Zieraten\nerdrückten Formen behalten* Wir müssen uns mit schlecht imitierten\noder echten, theuren, englischen Modellen begnügen*\nVon Kunst und Kunstgewerbe greift der allgemeine Mangel an\nGeschmack auf viele andere Äusserungen des Lebens über* Unsere\nFrauen, die anmuthigsten der Welt, wissen sich nicht mehr zu kleiden*\nIndividuell verwechseln sie mit excentrisch und haben eine gewisse\nuniforme Elegance angenommen, die vielleicht sehr correct, aber sehr\nlangweilig ist* Correct und langweilig ist auch die Art, wie sich das\nWiener Gesellschaftsleben abspielt* Gibt es einen Wiener Salon, das\nheissteinen Vereinigungsort aller geistigen Regungen, einen Sammel-\npunkt für alle modern Denkenden und Strebenden? Einen neu-\ntralen Boden, wo jede Meinung respectiert und doch mit Poesie und\nmit Grazie discutiert wird? Keineswegs* Ein leerer Formalismus ist\nunsere Geselligkeit* Einige Soireen, bei welchen im Jänner Trauben\nund zu jeder Saison möglichst viele Excellenzen serviert werden, das\nist zumeist die banale Erledigung gesellschaftlicher Pflichten* Welch\nein Unterschied im Vergleich zu einzelnen Wiener Salons der ersten\nHälfte dieses Jahrhunderts!\nHeute wohnt der Geist des Spiessbürgers in uns, der\nalle fremden Erscheinungen feindlich betrachtet, alle neuen\nGedanken verlacht und verhöhnt, Engherzigkeit und in-\nstinctive Abneigung gegen das Schöne in sich trägt, und nur\ndas Bestreben hat, sich möglichst wenig zu unterscheiden\nvom Nachbarn rechts und vom Nachbarn links*\nDieses Philisterthum zu zerstören, das jede künstlerische Ent-\nwickelung hemmt, wäre die Aufgabe aller, die durch Stellung, Macht,\nReichthum und hohen Bildungsgrad hervorragen aus der Menge* ==\nDIESE dann zu lehren, zu führen, zu erheben, wäre ein Leichtes*\nWir sagen mit Überzeugung: „ein Leichtes“, weil vermittelnde,\ngut veranlagte Elemente noch zwischen den Geistern und dem typi-\nschen Wiener Philister vorhanden sind* Energie ist das Ferment, wel-\nches uns fehlt* Die Wiener sind Naturschwärmer, sie sind sprichwört-\nlich musikalisch, wir können uns keine bildungsfähigere Masse denken*\nWien muss der Kunst erobert werden, es wird ihr wieder ge-\nhören* Wien muss wieder die Stätte edler Anregung, anmuthiger\nLebensführung und ernster Schönheit werden* Es liegt nur an uns:\nwir brauchen es nur zu wollen*\n\nB. ZUCKERKANDL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c009", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "4", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.5.1", "titre_corps": "LEDA", "titre_sommaire": "LEDA", "signature_source": "W. List", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.6", "debut_caractere": 3259, "fin_caractere_exclue": 3281, "texte": "LEDA\ngez. von\nW. 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Wie der magische Sinn dieser\nWorte uns doch jedesmal aufs neue elektrisiert durch\nden Glanz und prickelnden Reiz ihres phantastischen\nZaubers! Und nicht mit Unrecht* Sind sie doch im Grunde\nkaum etwas anderes als die spärlichen Überreste, die „mo-\ndernen“ Reminiscenzen jenes berauschenden Bacchoscul-\ntus, den das grosse Künstlervölkchen der Hellenen zu religiös-\nnationaler Bedeutung erhob und in dessen orgiastischem\nOpferdienste einige ihrer herrlichsten Kunstschöpfungen\nentstanden* Es ist der uralte Cultus des sinnlichen Begei-\nsterungsrausches: das Hohelied an die Freude!\nUnd doch, wie herzlich wenig verräth das jetzige Car-\nnevalstreiben von seinem alten künstlerischen Ursprünge\nund wie wenig „Freude“ blüht einem halbwegs künstlerisch\nEmpfindenden, wenn er heute auf einen Maskenball geht!\nWas sind im allgemeinen unsere grossen Costümfeste denn\nanders, als alljährliche Wiederholungen derselben abgedro-\nschenen Themata, kunterbunte Auskehrungen aus der alten\nRumpelkammer der Costümgeschichte, gedankenlose Ab-\nschreibereien aus den Sammelwerken über die „Trachten\nder Völker“?\nEs sollte endlich auch einmal ein Versuch zur Neube-\nlebung des Costümwesens gemacht werden* Bietet doch ge-\nrade der heitere, zwanglose Geist carnevalistischer Ausge-\nlassenheit einen willkommenen Anlass und reiche Gelegen-\nheit zur Entfaltung von Originalität, Geschmack und Witz,\nzum freien, ungebundenen Spiel der Phantasie* Weshalb in\naller Weit beschränkt man=,und Frau' == sich nur darauf, in\n„historischen Anspielungen“ zu erscheinen und ihren Costü-\nmen,literarische Bonmots' zugrunde zu legen ? Warum denn\nimmer wieder Griechen, Römer, Spanier, Merowinger,\n,Zopfzeit' oder Biedermeier ? immer diese salonfähigen Na-\ntionaltrachten, vor allem die unsterblichen Zigeunerinnen!\nWenn es wenigstens echte Zigeunerinnen wären* Nur ein-\nmal entsinne ich mich einer rühmlichen Ausnahme* Es war\ndieTocher eines bekannten Wiener Künstlers; das schöne\nMädchen hatte Geschmack und Einbildungskraft genug,\nsich soweit in eine ähnliche Rolle hineinzuleben, dass sie\nihr Gesicht schwärzte, alte, zerschlissene Fetzen (freilich co-\nloristisch höchst fein zusammengestimmte Fetzen!) um-\nhieng und wirkliche Opanken statt der üblichen Lackschuhe\ntrug*Wahrlich: sie brauchte ihrer natürlichen Eitelkeit kei-\nnen Zwang anzuthun in dieser Verkleidung! Sie sah ent-\nzückend aus* Wenn unsere Damen nur wüssten, wie so etwas\noriginell Empfundenes gleich packend und interessant ist!"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1682, "texte": "Worin liegt die Schuld des\nMangels an Eigenart und Ab-\nwechslung in denCostümen?\nNirgends anders als da, wo\naller Rückschritt in künstleri-\nschen Fragen zu suchen ist:\nin dem gedankenlosen „Be-\nharrungstrieb“ mit seiner be-\ndingungslosen oder gewohn-\nheitsmässigen Unterwerfung\nunter die Modetyrannei* Und\ndoch ist hier eine „Übertre-\ntung“ der Mode und eine freie\nBethätigung des individuellen\nGeschmacks in carnevalisti-\nscher Hinsicht so leicht, weil\nman, wo „Alles erlaubt ist“,\nnirgends zu fürchten braucht,\nanzustossen und die „Mode“\nirgendwie zu verletzen! Ein\nzweiter Grund ist der, dass das\nüberwiegende Interesse gebil-\ndeter Kreise für die „literari-\nschen Künste“ sich in einseiti-\nger Weise auf Kosten des Ver-\nständnisses für die bildenden\nKünste geltend macht* Und\ndoch ist gerade hier ein Feld,\nauf dem ein gebildeter Kunst-\nsinn, unter Heranziehung des\ngesunden Dilettantismus, neu-\nbelebend und befruchtend ein-\ngreifen könnte*\nWo wäre es denn leichter\nmöglich, als in dem Gewühle\ndes Faschingtreibens = wo die\nstete Sorge einer jeden Dame\nvon Welt, nicht aufzufallen,\nnicht abzustechen, fortfällt =\nwo wäre es leichter möglich,\nsich der Modefesseln zu ent-\nledigen und straflos zur Ver-\nherrlichung der eigenen kör-\nperlichen Vorzüge über diese\nSchranken kühn hinwegzu-\nsetzen?\nWann wird denn endlich\nder Mehrzahl unserer Gebil-\ndeten das Verständnis dafür\naufgehen, dass der MALERI-\nSCHE Gesichtspunkt in allen\nCostümfragen der entschei-\ndende ist? Wann werden sie\nerkennen, dass zwei Farben-\ntöne, zwei einfache Farben,\nrichtig gegeneinandergesetzt,\neinen Klang, eine Harmonie\nbilden können, wie in der\nMusik zwei richtig gestimmte\nTöne ? Es gibt eben gerade so"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.11", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 2005, "texte": "gut Harmonien in roth und\nschwarz, blau und Silber,\ngrün und rosa, wie inCmoll\noder Es dur! Solche Far-\nbenwerte allein bieten eine\nFülle von dankbaren Mo-\ntiven für neue und eigen-\nartige Costüme* Doch lässt\nsich auch schon in der ein-\nfachen Liniensprache, in\nschwarz und weiss, etwas\nausdrücken* Ein Kleid, das\nsenkrecht gestreift ist, wirkt\ndoch ganz anders, als ein\nwagrecht oder schräg ge-\nstreiftes !Und dann: „Eines\nschickt sich nicht für alle!“\nGegen diesen „§ V* der\nKleiderfrage wird nach wie\nvor in unglaublicher Weise\ngesündigt* Wenn beispiels-\nweise eine Dame mit einem\nlänglichen, schmalen Ge-\nsicht eine thurmhohe Kopf-\nzierde im illustrierten Jour-\nnal findet, unter der ein\nniedliches, rundes Mode-\npuppengesicht schalkhaft\nund „so anmuthig“ hervor-\nguckt, und sie macht's ein-\nfach nach, so muss sie die\nFolgen tragen und darf sich\nnicht wundern = wenn alle\nVögelein ängstlich davon-\nfliegen!\nWeiche Auswahl bieten\nBlumenmotive, wenn sie\nneu und originell behandelt\nwerden ! Weshalb behän-\ngen sich unsere Damen\nnoch immer mit „Kunst-\nblumen“, anstatt sich der\nprachtvoll stilisierten Blu-\nmen der modernen Stoffe\nund Gewebe zu bedienen,\nindem sie dieselben als Ap\nplicationsmaterial verwer-\nten und die Wirkung ihres\nCostüms von der freien Er-\nfindung ihres eigenen indi-\nviduellen Geschmacks ab-\nhängig machen? Statt sich\ndie Moden aufzwingen zu\nlassen, sollten geist- und ge-\nschmackvolle Frauen sie\nselbst machen* Nur Muth,\nmeine Damen! Mit der\nZeit wird die Selbständig-\nkeit schon kommen und\ngerade diese SELBSTÄN-\nDIGE BETHÄTIGUNG\nDES INDIVIDUELLEN\nGESCHMACKS thut\nnoth* Wenn nur einmal\nMuth, Lust und Liebe vor-\nhanden, so könnten sie ge-\nwiss auch in Toiletten- und\nCostümfragen „die Fittigc\nzu grossen Thaten“ wer-\nden ! Und die Folgen davon\nwürden kaum ausbleiben,\nweil solche Anregungen\nauf die allgemeine Ausbil-\ndung und Entwicklung des\nselbständigen Geschmacks\nauch in anderen Kunst-\nfragen ganzvon selber ihren\ngünstigen Einfluss fühlbar\nmachen müssten*\n\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c016", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "9", "image_debut": 9, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.6.1", "titre_corps": "Zeichnungen", "titre_sommaire": "Zeichnungen", "signature_source": "Kolo Moser", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.9", "debut_caractere": 2515, "fin_caractere_exclue": 2541, "texte": "Zeichnungen\nv.\nKolo Moser."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c018", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "8", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.6.1.1", "titre_corps": "KOPF: PUTZ", "titre_sommaire": "KOPF: PUTZ", "signature_source": "Kolo Moser", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.10", "debut_caractere": 1684, "fin_caractere_exclue": 1728, "texte": "Buchschmuck für V. S. gez.\nv. Jos. Hoffmann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c017", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "7", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.6.2", "titre_corps": "Buchschmuck", "titre_sommaire": "Buchschmuck", "signature_source": "J. M. Olbrich", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.9", "debut_caractere": 2543, "fin_caractere_exclue": 2587, "texte": "Buchschmuck für V.\nS. gez.\nv. J. M. Olbrich."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c023", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "14", "image_debut": 12, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.7", "titre_corps": "DER ERFOLG", "titre_sommaire": "DER ERFOLG", "signature_source": "M. KURZWEIL", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.12", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 1280, "texte": "DER ERFOLG.\n\nDie Morgensonne schoss wohlgezielte Strahlen durch\nein grosses Fenster direct auf das Gesicht eines jungen\nMannes, der aber nicht malte, wie manche es bei\nhellem Tage thun, sondern in einem Bette schnarchte. Sie\nsah bald die Vergeblichkeit ihrer Bemühung ein, den Schlä-\nfer zu seiner Pflicht zu rufen, und bat das Fensterkreuz um\nfreundliche Mitwirkung. Dieses sagte zu und warf einen\nschweren Schlagschatten auf die schnarchende Nase im\nBette, leider ohne Erfolg. Der Kuckuck in seinem wurm-\nstichigen Uhrgehäuse that auch fleissig mit und schrie\nimmer unverschämter, jede Stunde einmal mehr; alles\numsonst, der junge Herr hatte nämlich einen soliden Schlaf.\nDie Sonne sah dies endlich ein und verliess das Gesicht des\nUnwürdigen.\nPlötzlich um 3/4IJ Uhr bewegten sich sachte die Nasen-\nflügel des Mannes, denn der süsseste der Düfte zog in die-\nselbe ein, anfangs zagend, dann so energisch, dass ihr Be-\nsitzer mit einem kräftigen Ruck zur sitzenden Stellung\nübergieng,\n„Terpentin ist mein Lieblingsparfum, aber alles hat\nseine Grenzen“, war der erste Gedanke des Erwachten, In\nder That, der Geruch wurde immer stärker, in dem Masse,\nals eine göttergleiche Frau, griechisch gekleidet, sich dem\nFaulpelz näherte, der bei ihrem Anblick so verlegen wurde,"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.13", "debut_caractere": 12, "fin_caractere_exclue": 2889, "texte": "dctss ct nicht einmal n cl-iclitc. ihr einen Stuhl unzo-\nbieten.\nEndlich nach einigen Minuten gegenseitiger Betrach-\ntung wagte er die Phrase» die niemals schaden kann. „IVLt\nwem hab’ ich die Ehre, gnä' Frau?“ „Ich bin die Kunst,\nund wer sind Sie ?“ „Ich heisse Josef Meier und bin Maler.“\n„Ja, warum malen Sie denn nicht?“ Damit zog die Dame\neine tadellose, weisse Leinwand, auf Keilrahmen gespannt,\naus ihrem Faltenwurf, stellte sie auf die nächste Staffelei\nund verschwand, wie sie gekommen war, unmerklich all-\nmählich ... mit ihr der Terpentinduft.\nUnser Faulpelz dachte, die ganze Geschichte sei wie-\nder so ein dummer Traum gewesen, aber, o Schrecken,\nein Blick auf die Staffelei genügte, ihn von der Anwesen-\nheit der fremden Leinwand zu überzeugen.\nWegen einer Leinwand so zeitlich auf den süssen\nSchlaf zu verzichten, schien ihm eigentlich nicht recht rath-\nsam, doch die Neugier, ob das Ding greifbar sei, überwog\nbald seine Faulheit; rasch umgab er sich mit seinen sonder-\nbaren Kleidern, denen er trotz ihres veralteten Schnittes\nebenso dankbar war, wie seiner wallenden Löwenmähne,\ndenn wegen dieser beiden wurde er überall „Herr Kunst-\nmaler“ genannt*\nFarben auf die Palette drücken und die Pinsel er-\ngreifen, war das Werk eines Augenblickes; dann schritt der\ngrosse Künstler auf die Staffelei zu = das nahende Ver-\nderben für die weisse Leinwand.\nDa sass er nun, fest entschlossen, nicht früher aufzu-\nstehen, bevor die Leinwand bis zum Rande mit Farbe über-\nzogen sei; denn er wollte der Dame zeigen, dass er malen\nkönne* Malen kann man bekanntlich, wenn man vier Jahre\nhindurch Schüler der Akademie war* Es handelt sich dann\nnur darum, gute Vorwürfe für Bilder zu finden: „Cäsar bei\nVercingetorix“, „Vercingetorix bei Cäsar“, „Ariadne auf\nNaxos“, „Sonnenuntergang mit Kuh“ u* dgl* Diese und\nzahllose andere historische Vorwürfe zogen entlang den\nWindungen des Künstler-Gehirnes, konnten darin aber\nkeinen festen Fuss fassen, offenbar wegen der Weichheit\nder Substanz* Kein grösserer Jammer auf Erden, als ein\nMaler mit einem schlechten Denkapparat! Gut, dass unser\nKünstler dafür wenigstens einen Magen besass, der (aus-\nnahmsweise) noch nicht gefrühstückt hatte; denn dieser\nliess durch leises Knurren seinen Herrn das herrlichste Still-\nleben erblicken, das jemals gegessen worden. Seiner leisen\nMahnung verdanken wir den plötzlichen Entschluss des\nMalers, ein solches Stillleben auf die Leinwand zu zaubern*\nDer Meister hatte bereits einige solcher angefangenen\nStillleben, deren Modelle theils aus dem altadeligen Ge-\nschlecht der Crustaceen und Austern, theils aus geringeren\nFamilien stammten* Fertig war keines seiner Bilder, denn\netwas Geniessbares verderben zu lassen, war gegen seine\nPrinzipien; daher trug er die weitgehendste Fürsorge, es\nmit seinen theuren Modellen niemals dahin kommen zu\nlassen* Heute war der Künstlermagen besonders aufdring-"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.14", "debut_caractere": 12, "fin_caractere_exclue": 2817, "texte": "lieh, und plötzlich liess er seinen Herrn durch vorwurfs-\nvolles Knurren ein ganz herrliches Fruchtstück erblicken,\nessbar von einer Ecke des Rahmens zur anderen* Diese\nberückende Vorstellung ist schuld an der folgenden, unge-\nwöhnlichen Geschichte*\nBei der grossen Rolle, die der Magen im Leben spielt,\nkann es uns nicht verwundern, dass Herr Meier, trotz\nseiner hochkünstlerischen Aussenseite, nur ein schwacher\nMensch war und wie alle diese bedauernswerten Erden-\nwürmer zwei ICH hatte, die in argem Zwiespalt mit ein-\nander lebten, das bessere und das schlechtere, oder das\ndenkende und das = nicht handelnde* Während z* B* jenes\nmit Todesverachtung Kinder aus brennenden Häusern ret-\ntete, oder mit den grössten Spachteln Farbenberge auf\nLeinwänden warf, schnarchte dieses behaglich, manchmal\nbei hellstem Sonnenschein* Darum hatte auch der Fleiss\ndes ersteren keinen greifbaren Erfolg, weil das letztere\nnie die ihm zukommende Rolle der Ausführung übernahm,\ninfolge von angeborener, anerzogener oder angetrunkener\nFaulheit*\nSogar diesmal musste das arme „bessere“ herhalten,\num zu dem beschlossenen kolossalen Stillleben die wich-\ntigsten Früchte zu holen, da das schlechtere sich nicht ent-\nschliessen konnte, aufzustehen, und bald wieder auf\nseinem gebogenen Rohrsessel eingeschlafen war*\nIn der Folge der Geschichte spielt durch\nlängere Zeit das bessere ICH ganz allein, deshalb\nleihe ich ihm bis auf weiteres den Namen seines recht-\nmässigen Besitzers.\nJosef Meiers besseres Ich stieg also die Treppe hinab\nund schlug den Weg zu einer ihm wohlbekannten Obst-\nhändlerin ein, ohne sich besonders zu beeilen. Eben wollte\nder Maler in ihren duftenden Laden eintreten, als ein flüch-\ntiger Blick die Strasse entlang ihm eine Ansammlung von\nMenschen am Ende derselben zeigte. Natürlich säumte er\nnicht, seine Schritte dorthin zu lenken. In wenigen Augen-\nblicken war er mitten unter der aufgeregten Menge, die\neinem bewussten Ziele zuzustreben schien und im Fort-\nschreiten sich unglaublich vergrösserte.\nBald war in dem schwellenden Menschenstrome kein\nUmfeehren mehr möglich, kein Wort zu verstehen in dem\n~trommelfellzerreissenden“ Lärm, und auch kein Polizei-\nmann zu sehen, der unserem Freunde hätte sagen können,\nwas eigentlich vorgienge. Herr Meier begann daher seine\nNeugierde zu bereuen und an den Erdrückungstod zu den-\nken. Demuthsvoll ergab er sich in sein Schicksal und liess\nsich willenlos fortreissen, wie er andere unbewusst mitriss.\nEndlich vor einem prächtigen Gebäude stockte der rasende\nLauf, indem der gewaltige Menschenstrom mit mehreren\nsolchen aus anderen dort einmündenden Gassen so heftig\nzusammenprallte, dass das Blut hoch aufspritzte\nund so mancher arme Neugierige bei dem Zu-\nsammenstoss einen Stock hoch emporflog. Keiner\nvon den Glücklichen, die lebend so weit gekommen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.15", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 2595, "texte": "waren, hörte die letzten Klagen der Unter gesunkenen und\nan den Wänden Plattgedrücfcten; keiner fühlte, dass er auf\nzitterndem Menschenfleisch schritt, und keiner sah das\nblutigrothe Bächlein, welches die Eingangsstufen herab-\nplätscherte; alle drängten gegen das Thor des Gebäudes,\nhineinzukommen um jeden Preis, lebend oder todt*\nUnter denen, die lebendig die Todespforte passierten,\nbefand sich auch durch Zufall unser Faulpelz, und wurde\ndadurch erst recht der grössten Gefahr ausgesetzt*\nEr glaubte in eine freiwillige Folterkammer zu treten,\nin welcher Tausende gleichzeitig gezwickt und gestochen\nwurden, so unerfreulich war der Anblick der verzerrten\nGesichter, so wenig harmonisch der ungeheure Schrei der\nwahnsinnigen Menge* Aber doch schien manchmal die\nDisharmonie der Schmerzenslaute einer Harmonie von\nRufen der Begeisterung zu weichen; auf jeden Fall wurde\ndie Sache immer unfassbarer* Haarsträubend wunderbar,\nunerklärlich selbstverständlich war die Scene, welche den\nHauptsaal des Gebäudes erfüllte* Nicht nur\nnebeneinander stand man, wie sonst bei den\ngedrängtesten Fest-Versammlungen, son-\ndern, weil niemand hinaus konnte und fort-\nwährend Nachschub kam, war bald der\nganze Fussboden besetzt, die Nachfolgen-\nden stiegen auf den Köpfen und Schultern\nder An deren umher, diese ihrerseits standen\nauf den armen Zertretenen, welche mit dem Blute ihrer\nLeidensgenossen einen schaurig farbigen Teppich bildeten*\nAuf der einen Seite des Saales entdeckte der Maler\nplötzlich eine kolossale Marmorbüste, um welche sich der\nwirre Menschenknäuel drängte* Laut priesen die Nieder-\nsinkenden noch mit ihrem Wehgesang den grossen Mann\nund bewarfen seine Büste mit Lorbeerkränzen, so dass sie\nallmählich darunter zu verschwinden begann* Auf der an-\nderen Seite aber befand sich dieses Mannes unsterbliches\nWerk, von dem unser Freund leider nichts sehen konnte,\nals hin und wieder das flüchtige Blitzen eines gewaltigen\nGoldrahmens*\nWie nun ganz logischerweise der Menschenstrom,\nder hier im Riesensaale zum Meere geworden, gewaltige\nWeilen schlug, so befand sich der Künstler bald tief unten,\nseine Locken in das Blut der Verstümmelten tauchend,\nbald suchte er hoch oben auf den Köpfen des Publicums\ndas Gleichgewicht zu finden, immer vergeblich bemüht,\neinen Ausblick auf das Bild zu gewinnen*\nEben richtete er mit dem rechten Fusse\nfurchtbare Verwüstungen in dem Gemüse-\ngarten eines Damenhutes an, nachdem der\nlinke einen Cylinderhut zum dauernd ge-\nschlossenen Chapeau claque gemacht hatte,\nwährend die Hände vergeblich in der Luft\nnach irgend einem Halt suchten* Da wurde"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.16", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 3630, "texte": "ihm plötzlich die ganze Situation klar* Ein brausender\nJubelruf übertönte noch das Gebrüll des Menschenmeeres,\ndenn die Anwesenden hatten die vollkommene Ähnlich-\nkeit unseres Freundes mit der gefeierten Büste constatiert*\nMan begann dieselbe ihrer Lorbeerkränze zu entlauben und\nmit denselben nach dem Erhabenen zu schiessen, bis endlich\neiner seine Schultern umgab*\nDas Gebäude bebte in seinen Fugen, während ein\nHochgefühl der Befriedigung den Künstler durchzog und\nein geheimnisvolles Regen durch sein Künstlerhaar gieng,\nals wollten Feenhände seine Locken noch schöner rollen,\nzur vollendetsten Vollendung, würdig des grossen Meisters!\n„Also doch unsterblich geworden,“ jubelte er; „es\nmusste ja so kommen!“ Wieder versuchte er krampfhaft,\nin die Nähe des Bildes zu gelangen, aber die Bewunderung\nseiner Anbeter verhinderte ihn, sein eigenes Werk zu sehen,\ngeschweige denn ein Urtheil darüber zu gewinnen*\nIn seiner Verzückung bemerkte er nicht mehr, wie\nalles sich herandrängte, um ihn näher zu sehen, wie unter\nihm die Menge sich wie eine Windhose hob, er immer\nobenauf, der Saaldecke näherrückend. Seine Lage war\nkritisch. Im nächsten Augenblick wäre er kopfüber in die\nSchar seiner Anbeter gestürzt, doch, o Gnade des Schick-\nsals, der wohlwollende Riesenventilator, dem er ganz nahe\ngekommen war, sog unseren Freund mit einem gewaltigen\nZuge ein, infolgedessen er wie der Blitz bei der runden\nÖffnung hinausschoss, den Lorbeerkranz im Saale zurück-\nlassend, der, beim Passieren des engen Loches von seinem\nTräger abgestreift, dasselbe nun malerisch umgab, nach-\ndem der Bewunderte dadurch entschwunden war.\nStaunend richteten sich tausend offene Mäuler nach\ndem bekränzten Loche!\nWeiss Gott, wohin der Künstler, d. h. sein besseres\nIch, geflogen wäre (vielleicht in eines seiner Luftschlösser\noder einen anderen Höhencurort), wenn nicht infolge der\nplötzlichen Abkühlung sein schlechteres Ich sich zu regen\nbegonnen hätte. So flog es denn in die traurige Wirklich-\nkeit zurück und der Traum war aus.\nBlendend weiss wie am Morgen blickte die Götter-\nleinwand den grellfarbigen Faulpelz an. Grellfarbig? Ja-\nwohl, den grellfarbigen Faulpelz, denn während seines\nTraumes hatte er sich bedeutend verändert. Cadmium,\nStronzian, Veronesergrün und Pariserblau schienen eine\nConferenz in seinem Gesichte zu halten, während der\nZinnober auf der Nasenspitze offenbar den Vorsitz führte.\nSo kann nur einer aussehen, der, über seiner Palette ein-\ngeschlafen, sein Gesicht in die Farbenberge vertieft hat.\nDie herrlichen Lochen waren durch Flecken aller Farben\nganz verdorben und aus den Falten seiner Künstlerhose\nträufelte feinduftender] Terpentin auf den Boden. Dieser\nverdammte Terpentin! Kaum hatte sein Duft die Geruchs-\norgane des Meisters berührt, als dieser in seinem Schrecken\ndie schöne Frau von Vormittag erschaute. Schaudernd\nverhüllte er sein Gesicht mit den Händen und sagte drei-\nmal gar nichts. Sie aber hielt eine lange Rede, aus der er,\neiner Ohnmacht nahe, nur ab und zu ein Schlagwort\nhörte, wie: „Scandal! schlafen . . . träumen . . . Faul-\npelz! . . . Locken stutzen . . . Malerei aufgeben!\nLange waren ihre Worte schon verhallt, als er es wagte,\naufzuschauen; verschwunden war sie mit der weissen Lein-\nwand, unmerklich, wie sie gekommen, ... mit ihr der\nT erpentingeruch.\nNachdem unser Freund, nach einem flüchtigen Blick\nin den Spiegel, vor Entzetzen fast gestorben wäre, ver-\nbrachte er den Rest des Tages mit Reinigung seines Ge-\nsichtes und Kopfes, liess sich bald darauf seine Locken\nschneiden und wurde Gemischtwarenhändler. Sein ganzes\nLeben lang vermied er Terpentingeruch.\n\nM. KURZWEIL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c025", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "14", "image_debut": 12, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.7.1", "titre_corps": "Illustriert", "titre_sommaire": "Illustriert", "signature_source": "Rud. Bacher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.12", "debut_caractere": 1282, "fin_caractere_exclue": 1310, "texte": "Illustriert\nvon Rud. 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SCHÖLERMANN", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.21", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 1310, "texte": "AUSSTELLUNGSWESEN.\n\nKÜNSTLERHAUS* Nachdem die heiligen Hallen\nin der verflossenen „Weihnachtsbescherung“ ihre Thore\nzuguterletzt noch einmal der Markt- und Massenware\nrecht sperrangelweit geöffnet hatten, brachte das neue\nJahr endlich einen etwas frischeren Luftzug hinein* Von\nmanchen ward er gewiss auch dort „aufrichtig willkom-\nmen“ geheissen, denn ganz aussperren kann man den un-\ngestüm anpochenden Fremden nun doch nicht mehr*\nDiesmal kam er aus Karlsruhe und stand unter dem\nZeichen der FARBIGEN LITHOGRAPHIE* Mit diesen\nBlättern hatte der „Künstlerbund“ vor kurzem in Deutsch-\nland (auf der von Bismeyer in Düsseldorf arrangierten\nPlacat- und Lithographie-Ausstellung) Aufsehen erregt.\nUnserem Publicum war die breite, ungewohnte Art dieser\nSteindrucktechnik anfangs wohl nicht recht „lieb und fesch“\ngenug, aber es beugte sich bald der den Arbeiten inne-\nwohnenden, ernsten Überzeugungskraft, so dass die Karls-\nruher Gäste einen entschiedenen Erfolg zu verzeichnen\nhaben*\nWo alles so tüchtig war, ist es schwer, einzelne\nNamen herauszugreifen* In erster Reihe stand GRAF\nKALKREUTH mit Lithographien, Aquarellen und Ra-\ndierungen* Der Meister ist mit denen vom Geschlechte\nder Dürer und Thoma geistesverwandt, in jener schlichten\nTiefe, die die mitteldeutsche Stammesart verkörpert, aber"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.22", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 2640, "texte": "dabei auf einer weltmännisch breiten Anschauung des\nzeitgenössischen Lebens stehend, die ihn wiederum von\nihnen unterscheidet* Hat er in den flüchtigen Augen-\nblicfcsbildern der Grossstadt („Hamburger Hafen“) die\ntrübe Stimmung eines Regentages erfasst,=wo den schwar-\nzen Fabrifcschloten der Qualm träger als sonst entsteigt\nund die Schiffspfeifen der Schleppdampfer die feuchte At-\nmosphäre schrill durchzittern = so folgen wir gerne dem\nWaidmann auf die „Hühnerjagd“ und in ländliche Ruhe,\nwo der Einzelmensch genesen kann von der ewigen Span-\nnung der Nerven* „Ährenleserinnen“, „Schnitter“ zeigen\ndiese wiedergewonnene Stimmung der Ruhe in ländlicher\nArbeit* Es ist, als habe der Künstler selbst das Bedürfnis,\nder Grossstadtluft mit ihrem unaufhörlichen Hochdruck\nzu entfliehen, draussen auf dem Acker Zwiesprache mit\nder Natur zu halten und seine tausend halben Eindrücke\nund Empfindungen einmal ganz ausklingen zu lassen*\nEine selten starke Individualität ist E* R* WEISS,\nvon dem auch der später zu besprechende Buchschmuck\ndes Kataloges herrührt und auf dessen ausgestellte origi-\nnelle Vignetten, Leisten und Vorsatzpapiere wir\nbesonders hinweisen wollen* Seine düstere Radie-\nrung „Der Wanderer“ verräth eine an Beethoven\ngemahnende Phantasie und Leidenschaft* Alles ist\ntief empfunden und wuchtig zum Ausdruck ge-\nbracht, so dassWeiss als die geschlossenste Person-\nlichkeit unter den Karlsruhern erscheinen könnte, ständen\nihm nicht die meisten übrigen in fast ebenbürtiger Selbst-\nständigkeit gegenüber* HANS RICHARD v* VOLK-\nMANN, KARL HOFF, HEINRICH HEYNE, WIL-\nHELM WULFF, GUSTAV KAMPMANN und WAL-\nTER CONZ sind Künstler, die alle die Natur mit ihren\neigenen Augen ansehen und sie in grossen Zügen packen*\nIhre Kunst ist durch und durch männlich, ehrlich und wahr;\nihnen reihen sich die vortrefflichen Lithographien und\nZeichnungen von FRANZ HEIN, KALLMORGEN,\nOTTO FIKENTSCHER und anderen an; um die Na-\nmensaufzählung zu vermeiden, sei nur auf den Katalog\nhingewiesen* Fast hätte ich PÖTZELBERGER vergessen,\ndessen Aquarell „Feierabend“ an Stimmung und colori-\nstischer Kraft zu den pieces de resistance der Ausstellung\ngehörte, wenn man bei der Fülle von Gutem überhaupt\neinen solchen Ausdruck gebrauchen darf* Auch FRANZ\nHOCH3 „Perugia“, eine Abendstimmung in leuchtenden\nGoldtönen, darf nicht unerwähnt bleiben, besonders da\nsolche Dinge leider immer noch Caviar fürs Volk zu sein\nscheinen*\nUnter der Ausstellung im Aquarellisten-Club\nragten aus dem „juste milieu“mehrere interessante\nArbeiten von Auswärtigen hervor, darunter zwei\nWORPSWEDER (Hans am Ende und Moder-\nsohn), sowie ARTURO RIETTI mit seinen"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.23", "debut_caractere": 12, "fin_caractere_exclue": 2055, "texte": "charakteristischen, genial empfundenen Pastellen* Von\nStorm van's Gravensande ist man auf anderen Gebieten\nbesseres gewohnt, als in den eingesandten kleinen, aller-\ndings feingetönten Marinen zum Ausdruck gelangt* Eine\nüberraschend tüchtige Arbeit („Mondnacht bei Neapel“)\nmit bewegtem Wasser im Vordergrund sandte WILLI\nHAMMACHER (Berlin) und JOSEF SATTLER3 kleine\nGuachen („Streit vor dem Rathhause“ und „Marktplatz\neiner altdeutschen Stadt“) zeigten den Künstler von seiner\ngeistreichsten und frischesten Seite*\nUnter den Wienern seien Rudolf Konopa mit einer\n„Portraitskizze“ und einer „farbigen Zeichnung“ (etwas\na la Raffaelli!) und Theodor Bruckner hervorgehoben (mit\neiner „Pariserin“, als Portrait coloristisch geschickt vor\neiner grüngeblümten Tapete abgestimmt)* Bei Konopa ist\nGeschmack und Gefühl für das Zeitgemässe in hohem\nMasse vorhanden; leider fehlt noch die persönliche Note*\nDie übrigen Aussteller blieben, mit wenigen Ausnahmen, die\nsich vorläufig kaum über schüchterne Versuche erheben,\nin den alten, ausgetretenen Geleisen*\nWeniger um sie hervorzuheben, als um vor einer\nScheinkunst zu warnen, seien die Zeichnungen zu dem\nCyklus „Rolands Knappen“ erwähnt* Das wirklich Gute,\nEmpfundene und Lebende daran, was Heinrich Lefler ge-\nzeichnet, leidet unter dem Todten und „Nachempfundenen“\nin dem architektonischen Ragout seines Mitarbeiters, ein\nSammelsurium von allen möglichen und unmöglichen\nStilen, perspectivisch verzeichnet und ausserdem mit\neiner geradezu verblüffenden Unerschrockenheit = Otto\nRieth, Anning Bell, Grasset und anderen in stiller Dank-\nbarkeit gewidmet*\nDie kunstgewerblichen Stücke der Ausstellung (die\nbekannten herrlichen Teppiche von OTTO ECKMANN)\nund Fayencen aus Kopenhagen von Köhler sind an sich\nja sehr erfreulich, geben aber in so geringer Zahl keinen\ngenügenden Begriff von der Bedeutung der kunstgewerb-\nlichen Richtung für unsere Zeit* Bessere Proben von fein-\ngetöntem Steingut (aus der königl* Porzellan-Manufactur\nin Kopenhagen) waren im Saal der Karlsruher in den Ecken\nausgestellt*"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.25", "debut_caractere": 12, "fin_caractere_exclue": 1544, "texte": "Zum Schluss noch ein Wort über den KATALOG*\nMit Hilfe der Karlsruher ist er etwas geschmack-\nvoller ausgefallen, als er bei uns gewöhnlich zu sein\npflegt, d* h* er zerfiel eigentlich in zwei Hälften, von denen\ndie wienerische sich über das Niveau der althergebrachten\nManier kaum erhob, während der Karlsruher Künstler-\nbund durch seine beiden Vignetten „Saat“ und „Ernte“\nvon E* R* WEISS (am Anfang und Schluss dieser Ab-\ntheilung), sowie durch trefflich reproduzierte Lithographien\nvon Volkmann, Hoff, Conz, Hoch und Heinrich Heyne\nund eine Zeichnung (Kindergruppe) von Kalkreuth sehr\nvortheilhaft heraustrat* Durch diese glückliche Anregung\nist der ERSTE SCHRITT ZUR VERBESSERUNG\nDES AUSSTELLUNGS-KATALOGES geschehen* Das\nBeispiel, das die Karlsruher uns gegeben, wird hoffentlich\nbald dahin führen, dass man auch hier endlich lernt, einen\nsolchen Katalog von künstlerischen Gesichtspunkten aus\nso zusammenzustellen, dass er nicht bloss während der\nAusstellung als „das nothwendige Übel“ erscheint, sondern\nauch noch nach Schluss derselben immer seinen eigenen\nWert behält* Ein Versuch, in diesem Sinne „frei nachzu-\nempfinden“, war die kräftige Federzeichnung (Landschaft\nmit Regenbogen auf Seite 5), die sich allenfalls noch er-\ntragen liess* Unerträglich aber ist es, wenn mit stilistischen\nMotiven eine Spielerei getrieben wird, wie in dem sinnlosen\nSchlussblatt des Nachtrags* Dasselbe gilt von der etwas\n„Zufrei“ausdemUmschlag der neuen Zeitschrift „Decora-\ntive Kunst“ abgepausten Zierleiste auf Pagina 2!\n\nW. SCHÖLERMANN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c039", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "19", "page_fin": "19", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.12.1", "titre_corps": "Decorativer Entwurf", "titre_sommaire": "Decorativer Entwurf", "signature_source": "Fr König", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.21", "debut_caractere": 1312, "fin_caractere_exclue": 1344, "texte": "Decorativer\nEntwurf\nv. 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Wir möchten nur wün-\nschen, dass jedes Heft der Zeit-\nschrift so gut ausfiele. Ohne auf\nEinzelheiten diesmal eingehen\nzu können, greifen wir aus dem\nreichen Material als Illustration die „Gallerie am Meer“\nheraus, von Jan Kotera entworfen. Dieser grossangelegte\nPlan einer idealen Stadtanlage für den Hafen von Calais,\nebenso wie die verschiedenen Entwürfe der übrigen Schüler\ngeben Zeugnis von dem anerkennenswerten Streben, archi-\ntektonische Probleme mit selbständiger Auffassung aus\ndem Geist zeitgemässer Anschauungen heraus zu lösen\nund praktischen Bedürfnissen anzupassen. Fehlt es hie und\nda noch vielleicht an der vollen Bewältigung und Vertiefung\nder Aufgaben, so lässt sich in kurzer Zeit von einer jungen,\nkraftvoll emporringenden, aber mit ungünstigen Verhält-\nnissen kämpfenden Bewegung gar nicht mehr verlangen.\nDie Tendenz dieser Bestrebungen verdient die Anerken-\nnung und Mitwirkung jedes ernsten Kunstfreundes; in den\nunter den Umständen selten günstigen Erfolgen des Ober-\nbaurathes Wagner und seiner Schule glauben wir die Ge-\nwähr einer gesunden Zukunft in unserer Architektur er-\nblicken zu dürfen. Freilich ist der Weg weit bis zum Ziel und\nviel Kehricht muss noch hinweggefegt werden, bis es sol-\nchen Leuten als Künstler gelingt, die Phalanx der meist\nschwindelhaften Bauspeculanten aus dem Felde zu schla-\ngen. WANN WIRD KOMMEN DER TAG?\nNoch eine Bemerkung zur „Preisausschreibung“ im\nJännerheft des „Architekt“ möchten wir bei dieser Ge-\nlegenheit nicht unterdrücken. Es wird dann eine Preis-\nconcurrenz ausgeschrieben über das Thema „Die alte und\ndie neue Richtung in der Architektur“. Die Motivierung ist\nfolgende: „Wir stehen in einer Periode der Baukunst, in\nder neue Ansichten alte Ansichten zu verdrängen suchen, in\nder eine Richtung, die sich den Namen „Moderne“ bei-\nlegt (!), im Kampfe begriffen ist mit althergebrachten Über-\nlieferungen* Dergleichen pflegt sich freilich zunächst auf\nkünstlerischem Gebiete selbst abzuspielen; aber ein inter-\nessantes Problem ist die wissenschaftliche Fixierung solcher\nVorgänge immerhin“ ♦ * ♦\nDie „wissenschaftliche FIXIERUNG“ eines noch IM\nENTSTEHEN begriffenen künstlerischen\nJeder Commentar ist überflüssig!"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.28", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 2740, "texte": "IE KUNST IM HAND-\nWERK* Zum Zweck der För-\nderung des neuen Kunsthand-\nwerks hat in München der Aus-\nschuss für Kunst und Handwerk\ndie Errichtung einer Auskunftei\nund die Gründung einer Gesell-\nschaft mit beschränkter Haf-\ntung unter dem Namen „VER-\nEINIGTE WERKSTÄT-\nTEN FÜR KUNST IM\nnAiNUWUKR** beschlossen* Wir begrüssen das dankens-\nwerte Unternehmen mit herzlichem Willkommen und wer-\nden auf den Gegenstand ausführlich zurückkommen*\nDie Fortsetzung der neuen Kunstzeitschriften hält\nvollständig, was\nder Anfang ver-\nsprach, vor al-\nlem die Brucfc-\nmann'sche„DE-\nCOßATlVE\nKUNST“ mit\nArtikeln über die\n„KönigLPorzel-\nlan-Manufactur\ninKopenhagen“\nvon C Nyrop,\nüber „Farbige\nGlasfenster“ und die dritte Folge des Aufsatzes von S» Bing,\nParis: „Wohin treiben wir“, mit glücklich ausgewähltem\nIllustrationsmateriah\n„DEUTSCHE KUNST UND DECORATION“\nbringt einen interessanten monographischen Artikel über\nFRITZ ERLER»\nAuf das erste und\nzweite Heft des dritten\nJahrganges der Zeitschrift\n„PAN“ möchten wir un-\nsere Leser besonders auf-\nmerksam machen» Er ent-\nhält Beiträge von AL-\nFRED LICHTWARK\n(über „Denkmäler“, so-\nwie über „Potsdam und\ndieHohenzollern“),WlL-\nHELM BODE („Künst-\nler u» Kunsthandwerk“),\nMonographien über fran-\nzösische Künstler (Degas,\nPuvis de Chavannesjean\nDampt, Constantin Meunier u. a.). Aus dem an künst-\nlerischer und kunsttechnischer Wiedergabe kaum zu über-\nbietenden Reichthum an illustrativem Stoff heben wir die\nOriginalradierung („Waldsee“) von WALTER LEISTI-\nKOW hervor, sowie den meisterhaften Originalholzschnitt\n[Portrait BASTIEN LEPAGE®) von Leveille,\nDie Januar-Nummer der Londoner Monatsschrift\n„THE ARTIST“ bringt interessantes textliches und gra-\nphisches Material zu Artikeln über Lucien Monod und\nzwei hervorragende englische Künstler (William Hyde und\nPatten Wilson), der letztere mit Zeichnungen zu Chaucers\n„Canterbury Tales“. Von kunsthistorischem Interesse ist\nauch ein angefangener Aufsatz über die präraphaelistische\nBewegung in England, der eine feine psychologische Studie\nüber Dante Gabriel Rossetti enthält.\nWir möchten unsere Leser noch auf ein gediegenes,\nviel zu wenig gelesenes Organ für Kunst und Dichtung\naufmerksam machen, nämlich auf den im Verlag von Georg\nD. W. Callvey in München erscheinenden „KUNST-\nWART“, Herausgeber Ferdinand Avenarius in Dresden.\nWer ernste, scharfe und\nunparteiische Kritik gern\nlesen mag, der nehme nur\ngetrost den „Kunstwart“\nzur Hand* Denn die Auf-\nsätze eines Adolf Bartels,\nPaul Schulze - Naum-\nburg, Avenarius und an-\nderer Mitarbeiter des äus-\nserlich so unscheinbaren\nBlattes wird man nie ohne\ngeistige Anregung und\nBefriedigung über ihren\nernsten Inhalt und durch-\nwegs vornehmen litera-\nrischen Charakter aus der\nHand legen*\n\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c049", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c049", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 26, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.14.1", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "J. 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Der gute Geschmack und die originelle Auffassung, welche sich in einem\nKunstwerke offenbaren, werden den leitenden Grundsatz für eine richtige Auswahl abgeben."}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.33", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "erscheint jährlich in 6 Heften ä 8 Kunsttafeln.\n************ ************ t»ff rrr rrr.rrxf f\nmit kurzen Quellenangaben direct auf den Kunst-\ntafeln, im Formate von 34:46V* cm- in_® “ä£™ck\n************ r****.t 'i*A*t'A''l' VffCCC ff ff ff r***** ******\nauf feinstem Kunstdruckpapier,\noe oe & Preis pro Heft 1 fl. 80 kr-\nZu beziehen durch jede Buch- u- KunslhandJun^\nWien. VI. Mariahdferstr. Sh\n******r*~**t'A'i1 ri*/*!\"■*'< i'A'f'c^rcr^'ci'Crf t'*'■*'-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c071", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c071", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 34, "image_fin": 34, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.18", "titre_corps": "GERLACH-SCHENK", "titre_sommaire": "GERLACH-SCHENK", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 34, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.34", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 14, "texte": "GERLACH-SCHENK"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c072", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c072", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "29", "page_fin": "29", "image_debut": 31, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 31, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.31", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 132, "texte": "hCRfIVSGCGEBBM V°M\n.m\nRb\nr\nu\ncc\nCK\nlü\no\nr\n\\—\nCK\ntn:\nMQ\nSs\nw&:\no\nQ\ni DK\nlü\nZ]\nN\n«\n5\n«o\nlIIX\n5\n5\nhf%\n5\nOK\nlü\nmiO\nKVMST DKV MSTGEWIRBE,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-02-01-c076", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-02_01#c076", "volume": "bmtnabf_1898-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "33", "image_debut": 35, "image_fin": 35, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 35, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.35", "debut_caractere": 748, "fin_caractere_exclue": 1237, "texte": "Theyer & Hardtmuth\nPapier-, Schreib-,\nZeichen- und Maler-\nRequisitcn-Handlung.\nL, Kärntnerstrasse 9 WIEN, L, Kärntncrstrassc 9.\n✓\nJ\nZur Stadt\nNürnberg.\"\nBücher- und Kunst-Antiquariat\nAutographenhandlung\nGilhofer & Ranschburg\nBuchhandlung für Kunst Bee.# Bognergasse 2.\nund Literatur Telephon 4520*\nPubllderen jährlich circa 10 Antiquariats-Kataloge, besonders\nüber Kunst und Kunstgeschichte# seltene Werke# Cultur-\ngeschkhte# Heraldik# Austriaca und andere Fächer.\nWir bitten\nzu verlangen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.1", "texte": ";VER\nSACRUM\nJ-JRhRG- HLPT=e-\nBISm\nÄWKnwiT /\nV- ■12.-ne.FTE_\nin oß°hMCvlo'lT=\nl'==-IZ-KRPNEM-\n= -IO /MARK-\nüMZD-pßßs^wasa\ns. ,^£IK^JJNG\nf ZdemEc.r fcj\nfIEISSTLER^\nGäTERREJCHS\nder"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.2", "texte": "GERLACH & SCHENK, Verlag für Kunstgewerbe,\n,j)t WIEN, VI/J, Mariahilferstrasse 5U\n==== VER SACRUM ■\nist das OFFICIELLE ORGAN der VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS und\nwird HERAUSGEGEBEN VON DERSELBEN.\nLITERARISCHER BEIRATH: Hermann Bahr, Schriftsteller\nund Br. Max Eugen Burckhard.\nSCHRIFTLEITUNG: WILHELM SCHÖLERMANN.\nIV., HECHTENGASSE 1. (Sprechstunden: 21/*-5 Uhr.)\nFür die Redaction verantwortlich: Alfred Roller. Akadem. Maler,\n111., Rennweg 33,\nZUSCHRIFTEN für den ANZEIGETHETL an: HAASENSTEtN &\nVOGLER (OTTO MAASS), L, WALLFISOHGASSE 10,\nGlich es von Angerer <fe Gösch.l, XVI/L\nDruck von Philipp & Kramer, VI/1, Bamabitengasse 7 und 7a.\nSÄMMTLICH IN WIEN.\nver sacrum -::= ■\nerscheint ab Jänner 1895 jährlich in \\2 Monatsheften, ein-\nschliesslich von 2~3 Ausstellungsheften, je 24™ 30 Seiten\nstark, im Formate von 28 Vs: 30 cm*, in Buch- und\nFarbendruck, auf feinstem Kunstdruckpapiere.\nJahresabonnement ......... Kr. 12, ~ M. 10.-\nPreis des einzelnen Heftes „ 2.- =,, L 67\nAusstellungshefte im Einzelverkaufe ~ 3. = „ 2,50\nABONNEMENTS NEHMEN ALLE BUCH-UND\n* * KUNSTHANDLUNGEN ENTGEGEN. *\nGegen vorherige Einsendung des Betrages kann die Kunst\nZeitschrift auch direct von der Verlagshandlung (Gerlaoh &\nSchenk) bezogen werden. Letztere liefert nach allen Orten, die\nim Postbezirke von Österreich*Ungarn liegen, franco unter Kreuz-\nband. Nach den anderen Ländern erfolgt Portoberechnung.\nVerlag und Administration:\nGERLACH & SCHENK, Wien, VI/I, Mariahilferstr. 51,\nwohin alle die Expedition betreffenden Zuschriften er-\nbeten werden,\nALLE RECHTE VORBEHALTEN.\nGERLACH & SCHENK, Verlag für Kunst\nu. Gewerbe, WIEN E BUDAPEST-PARIS.\nKataloge und Prospecte über unsere Publica-\nE=— f ■ ■—= tk»ncn gratis. ——\nBuchhandl. f. Architektur u. Kunstgewerbe.\n== Theihahlungen werden bewilligt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.3", "texte": "VER SACRUM.\n\nDIE HEXE.\nGez. von\nG. Klimt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.4", "texte": "VER SACRUM.\n\nGUTENBERG-DENKMAL.\no.\nSchimkowitz u.\nJ. 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S.\nMan will in Wien ein Ca-\nlenberg-Denkmal errich-\nten und hat dafür eine\nConcurrenz ausgeschrieben*\nDenkmals-Concurrenzen sind\neine national-ökonomische Ver-\nschwendung sondergleichen*\nWir besitzen aber vorläufig\nkein anderes als dieses ver-\nschwenderische Mittel zur Erlan-\ngung des hohen Endzweckes je-\nder solchen Concurrenz* Denn\ndieser Endzweck, es ist die Mög-\nlichkeit, junge Talente aus unbe-\nkannten Tiefen ihrer selbstge-\nschaffenen Welt an die Ober-\nfläche der Allgemeinheit und\nÖffentlichkeit zu ziehen*\nVerwundert steht das Publi-\ncum dann vor Werken solcher\nHerkunft und spricht von einem\n„Schlager“*\nDie gegenwärtige Concurrenz\nhat thatsächlich so einen „Schla-\nger“ zutage gefördert: den Ent-\nwurf vonSCHIMKO WITZ und\nPLETSCHNIK*\nWenn gegen denselben ein-\ngewendet wird, dass er mehr eine\nApotheose der weltbewegenden\nErfindung derßuchdruckerkunst\nals ein Denkmal für Gutenberg\nsei, so ist dies kein Fehler, sondern\ngeradezu ein Vorzug, herausge-\nwachsen aus jener grossen Er-\nfassung des Themas, die den\nLeuten, welche den Text der\nConcurrenzausschreibung ver-\nfassten, einfach gefehlt hat*\nAlso: die Concurrenzaus-\nschreibung hat diesmal einen vol-\nlen Erfolg gehabt; sie hat einen\n„Schlager“ zutage gefördert; die\nJury hat diesem „Schlager“ einen\nersten Preis zuerkannt*Und nun ?\nAlles jubelt und eilt zur Ausfüh-\nrung, sollte man meinen. Nein!\nDie Philisterhaftigkeit, dieser\nböse Geist, der seit mehr als hun-\ndert Jahren auf künstlerischem\nGebiete in Österreich seinen\nunheilvollen Einfluss geltend\nmacht, der einen Waldmüller\num seine Stellung gebracht, der\ndie talentvollsten Künstler zur\nAuswanderung in die Fremde\ngezwungen hat = siegte von\nneuem* Eine solide, aber kei-\nneswegs neuartigeArbeitgelangt\nzur Ausführung, und der durch\nden kräftevergeudenden Vor-\ngang der Concurrenz wirklich\neinmal glücklich ans Licht gezo-\ndie Dun-\nkelheit zurückgestossen*\nDas ist, rund herausgesagt,\nein öffentlicher Scandal und\ngleichzeitig ein neuer Beweis für\ndie Nothwendigkeit der Exi-\nstenz und der energischen Thä-\ntigkeit unserer Vereinigung*"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.6", "texte": "VER SACRUM\n\nWIENER\nGESCHMACKLOSIGKEITEN.\n\nDies klingt sehr unverständlich, ja, für den Localpatrio-\ntismus, der bei uns gepflegt wird, sogar beleidigend*\nDer Wiener setzt gerne selbst so manches an sich aus,\naber er thut es in einer zärtlich bewundernden Weise, wie\neine Mutter, wenn sie eine lustige Unart ihres Kleinen rügt*\nErnsthafte Kritik lässt er nicht gerne an sich üben*\nUnd doch ist es nothwendig und gewiss auch fördernd,\nwenn in sachlicher und objectiver Art die mannigfachen\nMisstände gerügt werden, welche seit langen Jahren die\nEntwicklungsfreudigkeit Wiens hemmen*\nUnsere Stadt ist schön = lieblich die Natur, welche\nsie umgibt, = und anmuthig die Frauen, die in ihr wan-\ndeln* Ein leicht erregbarer Sinn, ein heissblütiges, lebhaftes\nEmpfinden und eine willige Lenkbarkeit sind charakteristi-\nsche Eigenschaften des Wiener Volkes* Wenn Anmuth und\nSchönheit vorhanden sind=und Sinne, die sie wahrnehmen,\nlieben, in sich aufsaugen können = da müsste doch Herr-\nliches entstehen!!! So könnte man denken* Alle Äusse-\nrungen des Lebens sollten unter solchen Bedingungen die\nheitere Würde, den logischen Ernst, die ruhige Grazie des\nHarmonischen an sich tragen* In Sitten und Gebräuchen,\nim Wesen der Architektur, der Kunst und des so nah ver-\nwandten Kunstgewerbes, müsste ein kräftig individualisti-\nsches Empfinden herrschen*\nAber nein: trotz aller natürlichen Anlagen, trotzdem\nFähigkeiten und Talent vorhanden sind, hat Wien sein\nSchönheitsgefühl verloren* = Wer hätte es je für möglich\ngehalten, dass Berlin uns selbst in dieser Hinsicht über-\nflugein werde! Dort lebt ein Volk ohne künstlerische In-\nstincte. tm Volk mit zersetzender, nutzenabwägenderVer\nStandesart, fremd dem heiteren Zug der Phantasie. Es muss\nsich förmlich zum Schönen zwingen = muss sich mit eiserner\nEnergie durchringen, um eine Empfindungsfähigkeit zu\nerlangen, welche der Wiener dank seiner Veranlagung von\nHaus aus besitzt. Aber diese Leute haben an sich gear-\nbeitet* Sie naben mit Macht alles Fremde an sich gerissen\num zu sehen und zu lernen* So hat Verstandesarbeit bessere\nResultate ergeben als Talent*\nTalent allein genügt eben nicht, es muss in einem\ntesten Boden wurzeln und der Wiener neigt zur Oberfläch\nlichkeit, zur Seichtheit, ihm genügt leicht das Äussere, der\nSchein, Ernst und Tiefe muss ihm anerzogen werden, ge-\nwaltsam, und dagegen sträubt er sich. Er ist weichmäulig\nwie man es bei Pferden nennt; er wäre leicht lenkbar, wenn\nman ihn richtig behandeln, wenn man ihn liebevoll er-\nziehen würde. Aber an Erziehern fehlt es. Wie sehen bei\nuns die Männer aus, welchen Beruf und Stellung die er-\nzieherische Thätigkeit ermöglichen würde, deren Pflicht\ndieselbe wäre! Gebt uns Lehrer, gebt uns einen Lichtwark\nder als Galleriedirector in Hamburg Wunder thut, dann wäre\nWien in kürzester Zeit Kunststadt*\nWo ist bei uns die Vornehmheit hingekommen, wel-\nche in früheren Zeiten all' die kleinen herrlichen Paläste\ndie reizvollen Bürgerhäuser schuf? Man sehe doch nur, wie\nin Berlin die reichen Leute wohnen* Ein Villenviertel haben\nsie hingezaubert in herrlichem Grün, durchzogen von\nWasserstrassen, die künstlerische Blicke geben* = Was\nhaben wir dem Berliner!hier garten entgegenzustellen ? Das\nIdeal unserer vornehmen Gesellschaft ist und bleibt ein\n\nLEDA\ngez. von\nW. List."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.7", "texte": "VER SACRUM.\n\nRingstrassenhaus* In dieser vier Stock hohen, von Strassen-\ngetöse und Staub umwogten Zinskaserne den ersten Stock\nbewohnen, wenn möglich mit separiertem Aufgang, dies ge-\nnügt unseren Ansprüchen auf Vornehmheit* Es fehlt das\nGefühl für die wirkliche Elegance, die darin liegt, sich von\nder Strasse zurückzuziehen und sein Heim mit dem Kost-\nbarsten zu umgeben, was die Gressstadt bieten kann: mit\ngrünen Bäumen*\nEs fehlt der Sinn, den Architekten Aufgaben zu stellen,\ndurch welche individuelle Impulse zum Ausdruck gelangen\nkönnten* Die Fähigkeit, solche Aufgaben zu lösen, ist ja bei\nuns noch immer in hervorragendem Masse vorhanden* Wiens\narchitektonische Talente haben locales Colorit, die Fischer\nvon Erlach et tutti quanti, sie haben nicht umsonst in\nWien gelebt, geschaffen*\nMan vergleiche ein Warenhaus von van der Null,\nvon Otto Wagner, mit den jetzt vielbestaunten Monstro-\nsitäten in Berlin* Man betrachte die Wiener Fruchtbörse,\ndie jetzt entstehenden Stadtbahnbauten und suche besseres!\nAber die Speculation ist kein vornehmer Bauherr, Reclame-\nsucht kein würdiger Bauleiter* Um Kunst zu zeigen oder zu\nheucheln, verfallen nun die meisten unserer „Architektur-\nkünstler“ auf die unglückselige Idee, sogenannte Paläste\nmit wahren Säulen-, Erkerdach- undThurmorgien auf Holz-\nleisten und Glasfenster zu stellen* Das eigentliche Wohn-\nhaus soll eine nach aussen manifestierte = immer DIS-\nCRET aber BESTIMMT betonte Eigenart zeigen* Wien\nnimmt an Prachtbauten immer zu, an intimer Schönheit\naber fortwährend ab* = Gleich banal wie die äussere Hülle\nist auch die innere Ausstattung der Wohnräume* Auch\nhier findet man Lässigkeit, Gleichgiltigkeit und mangelnde\nGeschmacks-Initiative von Seite des Publicums* Doch ist\nnicht dieses allein der Schuldtragende, sondern immer wie-\nder diejenigen, deren Aufgabe es ist, einen oft schwanken-\nden Geschmack zu leiten und zu führen* Der Decorateur\nund der Tapezierer sind bei uns meist Feinde einer künstle-\nrischen Empfindung* Sie ignorieren die grosse Rolle, welche\ndie künstlerischen Motive des modernen Kunstgeschmackes\nbei der Einrichtung einer Wohnung spielen können* Sie\nsind zum mindesten entsetzlich schwerfällig*\nAnstatt wie dies z* B* in Paris und Berlin der Fall\nist = alle Spielarten der Decorationskunst auf dem Lager\nzu haben; alles, was Walter Grane, Gerhard Munthe,\nwas Carabin, Köpping, Galtet, Obrist und so viele andere\nschaffen und neugestalten = benützen sie die ihnen zur\nAusschmückung übergebenen Räume dazu, sinnlose Bro-\ncat-, Plüsch- und Goldorgien zu feiern* Dabei leiern sie\neinen einmal gebrauchten Stil in unendlicher Gleichmässig-\nkeit fort* Es ist charakteristisch für die ausserordentliche\nLernbegierigfceit unserer Kunsthandwerker, dass dieselben\ngegen den ehemaligen Leiter des Handels-Museums, als\ndieser die englischen Möbelmodelle brachte, eine Beschwerde\nerhoben* Er störe den Gang ihres Geschäftes, denn ihre Ge-\nsellen seien NUR auf Renaissance eingearbeitet,\nund sie hätten keine Lust, ihre Arbeiter um-\nlernen zu lassen!\nDie Leute, deren Instinct sich nun gegen\nsolch ein Dutzend - Milieu von Tapezierers\nGnaden wehrt, finden keinen anderen Ausweg,\num ihr Heim intim und künstlerisch zu gestal-\nten, als ihre Wohnung mit antiken Möbeln und\nBrie & Brac auszufüllen* Aber es ist doch etwas\nanderes, wenn sich ein Feudalherr in seinem\nSchlosse ein Milieu schafft oder ergänzt, wel-\nches ihn stets an die „glorreiche“ Vergangenheit\nerinnern soll; es ist etwas anderes, wenn ein\nernster Sammler sich in eine Kunstepoche ver-\ntieft und sein Heim mit Schätzen dieser Epoche\nanfüllt, als wenn der Selfmademan mitten im\nTapezierer-Milieu seiner Mietswohnung den\n„Salon“ in einen Trödlerladen verwandelt, um\nseinem Kunstbedürfnisse zu genügen*\nDie Aufgabe der Museen aber ist es nicht\nnur, einzelne übernommene Schätze vor Staub\nund Nässe zu bewahren, sondern den Cultur-\nstand aller Epochen in Sammlungen didaktisch\nfestzuhalten und ohne Stillstand die neuen Er-\nscheinungen auf allen Kunst- und gewerblichen\nGebieten aufzunehmen* Naturgemäss würde so\nder Weg geebnet für die Entwickelung eines\nmodern nationalen Stils, und die allgemeine\nInteresselosigkeit, die Atonie des Geschmackes\nwäre überwunden* = Wie viel ist noch zu thun,\nwollen wir stofflich und technisch die Leistungen\ndes Auslandes verarbeiten und uns assimilieren!\nWeshalb lernen z* B* unsere Keramiker\nnicht die einfache Noblesse der Form, die Fein-\nheit der Farbentönung anzuwenden, welche\ndurch Japans Einfluss die europäische Produc-\ntion so sehr veredelt hat? Weshalb betrachten\nsie nicht eingehend die Leichtigkeit der Zeich-\nnung, die geistreiche Selbständigkeit der Mo-\ntive, welche das französische, ja besonders das\nPorzellan Kopenhagens zeigt? Es wäre ihnen\ndann unmöglich, wie bisher, Modelle zu liefern,\ndie gedanklich und stofflich roh und brutal wir-\nken* Diefärbigen Terracotta „Wiener Typen“,\ndie schlecht geformten, mit schreienden Farben\ngezierten Vasen und Jardinieren, die Tafelser-\nvice mit den ewigen blauen Zwiebel-Mustern,\noder der Mille Pleurs-Dessins würden rasch\nverschwinden und das Publicum bald zu edleren\nAnforderungen erzogen sein*\nUnd die Glas-Industrie ? Weich ein Mangel\nvon Grazie, von künstlerischer Einfachheit,\nvon Elegance in den Formen* Alles ist schwer,\n\nBuchschmuck für V.\nS. gez.\nv. Kolo Moser.\n\nBuchschmuck\nfür V. S. gez.\nv. Kolo Moser."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.8", "texte": "VER SACRUM.\n\nüberladen* Gerade dieses Material, das wie Luft, wie Wasser, wie\nWelle ist, kann wie kein anderes der flüchtigen Phantasie entgegen-\nkommend Der Geist eines Tiffany, Köpping, eines Gallet hat bewiesen,\ndass man dies Unfassbare festhalten kann* Wer kümmert sich aber\nbei uns darum ?\nVor 25 Jahren noch hat mancher Zweig der Wiener Industrie\n= Porzellan, Glas, Lederarbeit = eine Rolle gespielt; individuell war\nsie auch damals nicht, aber typisch vornehm und elegant* Aber jetzt\narbeiten alle Firmen mit stolzem Ignorieren ihre bewährten Muster\nund die anderen liefern == Slovakenware*\nWerden denn nicht meist charakterlose, plumpe, vulgäre Gegen-\nstände produciert? Wie sehen unsere Beleuchtungsgegenstände aus?\nSie haben trotz der Wandlung, welche sie durch die Einführung des\nelektrischen Lichtes durchmachen mussten, zumeist ihren früheren\nCharakter, ihre hässlichen, linealischen, langweiligen, von Zieraten\nerdrückten Formen behalten* Wir müssen uns mit schlecht imitierten\noder echten, theuren, englischen Modellen begnügen*\nVon Kunst und Kunstgewerbe greift der allgemeine Mangel an\nGeschmack auf viele andere Äusserungen des Lebens über* Unsere\nFrauen, die anmuthigsten der Welt, wissen sich nicht mehr zu kleiden*\nIndividuell verwechseln sie mit excentrisch und haben eine gewisse\nuniforme Elegance angenommen, die vielleicht sehr correct, aber sehr\nlangweilig ist* Correct und langweilig ist auch die Art, wie sich das\nWiener Gesellschaftsleben abspielt* Gibt es einen Wiener Salon, das\nheissteinen Vereinigungsort aller geistigen Regungen, einen Sammel-\npunkt für alle modern Denkenden und Strebenden? Einen neu-\ntralen Boden, wo jede Meinung respectiert und doch mit Poesie und\nmit Grazie discutiert wird? Keineswegs* Ein leerer Formalismus ist\nunsere Geselligkeit* Einige Soireen, bei welchen im Jänner Trauben\nund zu jeder Saison möglichst viele Excellenzen serviert werden, das\nist zumeist die banale Erledigung gesellschaftlicher Pflichten* Welch\nein Unterschied im Vergleich zu einzelnen Wiener Salons der ersten\nHälfte dieses Jahrhunderts!\nHeute wohnt der Geist des Spiessbürgers in uns, der\nalle fremden Erscheinungen feindlich betrachtet, alle neuen\nGedanken verlacht und verhöhnt, Engherzigkeit und in-\nstinctive Abneigung gegen das Schöne in sich trägt, und nur\ndas Bestreben hat, sich möglichst wenig zu unterscheiden\nvom Nachbarn rechts und vom Nachbarn links*\nDieses Philisterthum zu zerstören, das jede künstlerische Ent-\nwickelung hemmt, wäre die Aufgabe aller, die durch Stellung, Macht,\nReichthum und hohen Bildungsgrad hervorragen aus der Menge* ==\nDIESE dann zu lehren, zu führen, zu erheben, wäre ein Leichtes*\nWir sagen mit Überzeugung: „ein Leichtes“, weil vermittelnde,\ngut veranlagte Elemente noch zwischen den Geistern und dem typi-\nschen Wiener Philister vorhanden sind* Energie ist das Ferment, wel-\nches uns fehlt* Die Wiener sind Naturschwärmer, sie sind sprichwört-\nlich musikalisch, wir können uns keine bildungsfähigere Masse denken*\nWien muss der Kunst erobert werden, es wird ihr wieder ge-\nhören* Wien muss wieder die Stätte edler Anregung, anmuthiger\nLebensführung und ernster Schönheit werden* Es liegt nur an uns:\nwir brauchen es nur zu wollen*\n\nB. ZUCKERKANDL.\n\nFür V. S. gez.\nv. Friedrich König."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.9", "texte": "VER SACRUM\n\nMUMMENSCHANZ.\n\nFaschingslust! Carneval! Wie der magische Sinn dieser\nWorte uns doch jedesmal aufs neue elektrisiert durch\nden Glanz und prickelnden Reiz ihres phantastischen\nZaubers! Und nicht mit Unrecht* Sind sie doch im Grunde\nkaum etwas anderes als die spärlichen Überreste, die „mo-\ndernen“ Reminiscenzen jenes berauschenden Bacchoscul-\ntus, den das grosse Künstlervölkchen der Hellenen zu religiös-\nnationaler Bedeutung erhob und in dessen orgiastischem\nOpferdienste einige ihrer herrlichsten Kunstschöpfungen\nentstanden* Es ist der uralte Cultus des sinnlichen Begei-\nsterungsrausches: das Hohelied an die Freude!\nUnd doch, wie herzlich wenig verräth das jetzige Car-\nnevalstreiben von seinem alten künstlerischen Ursprünge\nund wie wenig „Freude“ blüht einem halbwegs künstlerisch\nEmpfindenden, wenn er heute auf einen Maskenball geht!\nWas sind im allgemeinen unsere grossen Costümfeste denn\nanders, als alljährliche Wiederholungen derselben abgedro-\nschenen Themata, kunterbunte Auskehrungen aus der alten\nRumpelkammer der Costümgeschichte, gedankenlose Ab-\nschreibereien aus den Sammelwerken über die „Trachten\nder Völker“?\nEs sollte endlich auch einmal ein Versuch zur Neube-\nlebung des Costümwesens gemacht werden* Bietet doch ge-\nrade der heitere, zwanglose Geist carnevalistischer Ausge-\nlassenheit einen willkommenen Anlass und reiche Gelegen-\nheit zur Entfaltung von Originalität, Geschmack und Witz,\nzum freien, ungebundenen Spiel der Phantasie* Weshalb in\naller Weit beschränkt man=,und Frau' == sich nur darauf, in\n„historischen Anspielungen“ zu erscheinen und ihren Costü-\nmen,literarische Bonmots' zugrunde zu legen ? Warum denn\nimmer wieder Griechen, Römer, Spanier, Merowinger,\n,Zopfzeit' oder Biedermeier ? immer diese salonfähigen Na-\ntionaltrachten, vor allem die unsterblichen Zigeunerinnen!\nWenn es wenigstens echte Zigeunerinnen wären* Nur ein-\nmal entsinne ich mich einer rühmlichen Ausnahme* Es war\ndieTocher eines bekannten Wiener Künstlers; das schöne\nMädchen hatte Geschmack und Einbildungskraft genug,\nsich soweit in eine ähnliche Rolle hineinzuleben, dass sie\nihr Gesicht schwärzte, alte, zerschlissene Fetzen (freilich co-\nloristisch höchst fein zusammengestimmte Fetzen!) um-\nhieng und wirkliche Opanken statt der üblichen Lackschuhe\ntrug*Wahrlich: sie brauchte ihrer natürlichen Eitelkeit kei-\nnen Zwang anzuthun in dieser Verkleidung! Sie sah ent-\nzückend aus* Wenn unsere Damen nur wüssten, wie so etwas\noriginell Empfundenes gleich packend und interessant ist!\n\nZeichnungen\nv.\nKolo Moser.\n\nBuchschmuck für V.\nS. gez.\nv. J. M. Olbrich."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.10", "texte": "Worin liegt die Schuld des\nMangels an Eigenart und Ab-\nwechslung in denCostümen?\nNirgends anders als da, wo\naller Rückschritt in künstleri-\nschen Fragen zu suchen ist:\nin dem gedankenlosen „Be-\nharrungstrieb“ mit seiner be-\ndingungslosen oder gewohn-\nheitsmässigen Unterwerfung\nunter die Modetyrannei* Und\ndoch ist hier eine „Übertre-\ntung“ der Mode und eine freie\nBethätigung des individuellen\nGeschmacks in carnevalisti-\nscher Hinsicht so leicht, weil\nman, wo „Alles erlaubt ist“,\nnirgends zu fürchten braucht,\nanzustossen und die „Mode“\nirgendwie zu verletzen! Ein\nzweiter Grund ist der, dass das\nüberwiegende Interesse gebil-\ndeter Kreise für die „literari-\nschen Künste“ sich in einseiti-\nger Weise auf Kosten des Ver-\nständnisses für die bildenden\nKünste geltend macht* Und\ndoch ist gerade hier ein Feld,\nauf dem ein gebildeter Kunst-\nsinn, unter Heranziehung des\ngesunden Dilettantismus, neu-\nbelebend und befruchtend ein-\ngreifen könnte*\nWo wäre es denn leichter\nmöglich, als in dem Gewühle\ndes Faschingtreibens = wo die\nstete Sorge einer jeden Dame\nvon Welt, nicht aufzufallen,\nnicht abzustechen, fortfällt =\nwo wäre es leichter möglich,\nsich der Modefesseln zu ent-\nledigen und straflos zur Ver-\nherrlichung der eigenen kör-\nperlichen Vorzüge über diese\nSchranken kühn hinwegzu-\nsetzen?\nWann wird denn endlich\nder Mehrzahl unserer Gebil-\ndeten das Verständnis dafür\naufgehen, dass der MALERI-\nSCHE Gesichtspunkt in allen\nCostümfragen der entschei-\ndende ist? Wann werden sie\nerkennen, dass zwei Farben-\ntöne, zwei einfache Farben,\nrichtig gegeneinandergesetzt,\neinen Klang, eine Harmonie\nbilden können, wie in der\nMusik zwei richtig gestimmte\nTöne ? Es gibt eben gerade so\n\nBuchschmuck für V. S. gez.\nv. Jos. Hoffmann.\n\nVER SACRUM-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.11", "texte": "VER SACRUM.\n\ngut Harmonien in roth und\nschwarz, blau und Silber,\ngrün und rosa, wie inCmoll\noder Es dur! Solche Far-\nbenwerte allein bieten eine\nFülle von dankbaren Mo-\ntiven für neue und eigen-\nartige Costüme* Doch lässt\nsich auch schon in der ein-\nfachen Liniensprache, in\nschwarz und weiss, etwas\nausdrücken* Ein Kleid, das\nsenkrecht gestreift ist, wirkt\ndoch ganz anders, als ein\nwagrecht oder schräg ge-\nstreiftes !Und dann: „Eines\nschickt sich nicht für alle!“\nGegen diesen „§ V* der\nKleiderfrage wird nach wie\nvor in unglaublicher Weise\ngesündigt* Wenn beispiels-\nweise eine Dame mit einem\nlänglichen, schmalen Ge-\nsicht eine thurmhohe Kopf-\nzierde im illustrierten Jour-\nnal findet, unter der ein\nniedliches, rundes Mode-\npuppengesicht schalkhaft\nund „so anmuthig“ hervor-\nguckt, und sie macht's ein-\nfach nach, so muss sie die\nFolgen tragen und darf sich\nnicht wundern = wenn alle\nVögelein ängstlich davon-\nfliegen!\nWeiche Auswahl bieten\nBlumenmotive, wenn sie\nneu und originell behandelt\nwerden ! Weshalb behän-\ngen sich unsere Damen\nnoch immer mit „Kunst-\nblumen“, anstatt sich der\nprachtvoll stilisierten Blu-\nmen der modernen Stoffe\nund Gewebe zu bedienen,\nindem sie dieselben als Ap\nplicationsmaterial verwer-\nten und die Wirkung ihres\nCostüms von der freien Er-\nfindung ihres eigenen indi-\nviduellen Geschmacks ab-\nhängig machen? Statt sich\ndie Moden aufzwingen zu\nlassen, sollten geist- und ge-\nschmackvolle Frauen sie\nselbst machen* Nur Muth,\nmeine Damen! Mit der\nZeit wird die Selbständig-\nkeit schon kommen und\ngerade diese SELBSTÄN-\nDIGE BETHÄTIGUNG\nDES INDIVIDUELLEN\nGESCHMACKS thut\nnoth* Wenn nur einmal\nMuth, Lust und Liebe vor-\nhanden, so könnten sie ge-\nwiss auch in Toiletten- und\nCostümfragen „die Fittigc\nzu grossen Thaten“ wer-\nden ! Und die Folgen davon\nwürden kaum ausbleiben,\nweil solche Anregungen\nauf die allgemeine Ausbil-\ndung und Entwicklung des\nselbständigen Geschmacks\nauch in anderen Kunst-\nfragen ganzvon selber ihren\ngünstigen Einfluss fühlbar\nmachen müssten*\n\nS."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.12", "texte": "VER SACRUM.\n\nDER ERFOLG.\n\nDie Morgensonne schoss wohlgezielte Strahlen durch\nein grosses Fenster direct auf das Gesicht eines jungen\nMannes, der aber nicht malte, wie manche es bei\nhellem Tage thun, sondern in einem Bette schnarchte. Sie\nsah bald die Vergeblichkeit ihrer Bemühung ein, den Schlä-\nfer zu seiner Pflicht zu rufen, und bat das Fensterkreuz um\nfreundliche Mitwirkung. Dieses sagte zu und warf einen\nschweren Schlagschatten auf die schnarchende Nase im\nBette, leider ohne Erfolg. Der Kuckuck in seinem wurm-\nstichigen Uhrgehäuse that auch fleissig mit und schrie\nimmer unverschämter, jede Stunde einmal mehr; alles\numsonst, der junge Herr hatte nämlich einen soliden Schlaf.\nDie Sonne sah dies endlich ein und verliess das Gesicht des\nUnwürdigen.\nPlötzlich um 3/4IJ Uhr bewegten sich sachte die Nasen-\nflügel des Mannes, denn der süsseste der Düfte zog in die-\nselbe ein, anfangs zagend, dann so energisch, dass ihr Be-\nsitzer mit einem kräftigen Ruck zur sitzenden Stellung\nübergieng,\n„Terpentin ist mein Lieblingsparfum, aber alles hat\nseine Grenzen“, war der erste Gedanke des Erwachten, In\nder That, der Geruch wurde immer stärker, in dem Masse,\nals eine göttergleiche Frau, griechisch gekleidet, sich dem\nFaulpelz näherte, der bei ihrem Anblick so verlegen wurde,\n\nIllustriert\nvon Rud. Bacher."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.13", "texte": "VER SACRUM\n\ndctss ct nicht einmal n cl-iclitc. ihr einen Stuhl unzo-\nbieten.\nEndlich nach einigen Minuten gegenseitiger Betrach-\ntung wagte er die Phrase» die niemals schaden kann. „IVLt\nwem hab’ ich die Ehre, gnä' Frau?“ „Ich bin die Kunst,\nund wer sind Sie ?“ „Ich heisse Josef Meier und bin Maler.“\n„Ja, warum malen Sie denn nicht?“ Damit zog die Dame\neine tadellose, weisse Leinwand, auf Keilrahmen gespannt,\naus ihrem Faltenwurf, stellte sie auf die nächste Staffelei\nund verschwand, wie sie gekommen war, unmerklich all-\nmählich ... mit ihr der Terpentinduft.\nUnser Faulpelz dachte, die ganze Geschichte sei wie-\nder so ein dummer Traum gewesen, aber, o Schrecken,\nein Blick auf die Staffelei genügte, ihn von der Anwesen-\nheit der fremden Leinwand zu überzeugen.\nWegen einer Leinwand so zeitlich auf den süssen\nSchlaf zu verzichten, schien ihm eigentlich nicht recht rath-\nsam, doch die Neugier, ob das Ding greifbar sei, überwog\nbald seine Faulheit; rasch umgab er sich mit seinen sonder-\nbaren Kleidern, denen er trotz ihres veralteten Schnittes\nebenso dankbar war, wie seiner wallenden Löwenmähne,\ndenn wegen dieser beiden wurde er überall „Herr Kunst-\nmaler“ genannt*\nFarben auf die Palette drücken und die Pinsel er-\ngreifen, war das Werk eines Augenblickes; dann schritt der\ngrosse Künstler auf die Staffelei zu = das nahende Ver-\nderben für die weisse Leinwand.\nDa sass er nun, fest entschlossen, nicht früher aufzu-\nstehen, bevor die Leinwand bis zum Rande mit Farbe über-\nzogen sei; denn er wollte der Dame zeigen, dass er malen\nkönne* Malen kann man bekanntlich, wenn man vier Jahre\nhindurch Schüler der Akademie war* Es handelt sich dann\nnur darum, gute Vorwürfe für Bilder zu finden: „Cäsar bei\nVercingetorix“, „Vercingetorix bei Cäsar“, „Ariadne auf\nNaxos“, „Sonnenuntergang mit Kuh“ u* dgl* Diese und\nzahllose andere historische Vorwürfe zogen entlang den\nWindungen des Künstler-Gehirnes, konnten darin aber\nkeinen festen Fuss fassen, offenbar wegen der Weichheit\nder Substanz* Kein grösserer Jammer auf Erden, als ein\nMaler mit einem schlechten Denkapparat! Gut, dass unser\nKünstler dafür wenigstens einen Magen besass, der (aus-\nnahmsweise) noch nicht gefrühstückt hatte; denn dieser\nliess durch leises Knurren seinen Herrn das herrlichste Still-\nleben erblicken, das jemals gegessen worden. Seiner leisen\nMahnung verdanken wir den plötzlichen Entschluss des\nMalers, ein solches Stillleben auf die Leinwand zu zaubern*\nDer Meister hatte bereits einige solcher angefangenen\nStillleben, deren Modelle theils aus dem altadeligen Ge-\nschlecht der Crustaceen und Austern, theils aus geringeren\nFamilien stammten* Fertig war keines seiner Bilder, denn\netwas Geniessbares verderben zu lassen, war gegen seine\nPrinzipien; daher trug er die weitgehendste Fürsorge, es\nmit seinen theuren Modellen niemals dahin kommen zu\nlassen* Heute war der Künstlermagen besonders aufdring-"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.14", "texte": "VER SACRUM\n\nlieh, und plötzlich liess er seinen Herrn durch vorwurfs-\nvolles Knurren ein ganz herrliches Fruchtstück erblicken,\nessbar von einer Ecke des Rahmens zur anderen* Diese\nberückende Vorstellung ist schuld an der folgenden, unge-\nwöhnlichen Geschichte*\nBei der grossen Rolle, die der Magen im Leben spielt,\nkann es uns nicht verwundern, dass Herr Meier, trotz\nseiner hochkünstlerischen Aussenseite, nur ein schwacher\nMensch war und wie alle diese bedauernswerten Erden-\nwürmer zwei ICH hatte, die in argem Zwiespalt mit ein-\nander lebten, das bessere und das schlechtere, oder das\ndenkende und das = nicht handelnde* Während z* B* jenes\nmit Todesverachtung Kinder aus brennenden Häusern ret-\ntete, oder mit den grössten Spachteln Farbenberge auf\nLeinwänden warf, schnarchte dieses behaglich, manchmal\nbei hellstem Sonnenschein* Darum hatte auch der Fleiss\ndes ersteren keinen greifbaren Erfolg, weil das letztere\nnie die ihm zukommende Rolle der Ausführung übernahm,\ninfolge von angeborener, anerzogener oder angetrunkener\nFaulheit*\nSogar diesmal musste das arme „bessere“ herhalten,\num zu dem beschlossenen kolossalen Stillleben die wich-\ntigsten Früchte zu holen, da das schlechtere sich nicht ent-\nschliessen konnte, aufzustehen, und bald wieder auf\nseinem gebogenen Rohrsessel eingeschlafen war*\nIn der Folge der Geschichte spielt durch\nlängere Zeit das bessere ICH ganz allein, deshalb\nleihe ich ihm bis auf weiteres den Namen seines recht-\nmässigen Besitzers.\nJosef Meiers besseres Ich stieg also die Treppe hinab\nund schlug den Weg zu einer ihm wohlbekannten Obst-\nhändlerin ein, ohne sich besonders zu beeilen. Eben wollte\nder Maler in ihren duftenden Laden eintreten, als ein flüch-\ntiger Blick die Strasse entlang ihm eine Ansammlung von\nMenschen am Ende derselben zeigte. Natürlich säumte er\nnicht, seine Schritte dorthin zu lenken. In wenigen Augen-\nblicken war er mitten unter der aufgeregten Menge, die\neinem bewussten Ziele zuzustreben schien und im Fort-\nschreiten sich unglaublich vergrösserte.\nBald war in dem schwellenden Menschenstrome kein\nUmfeehren mehr möglich, kein Wort zu verstehen in dem\n~trommelfellzerreissenden“ Lärm, und auch kein Polizei-\nmann zu sehen, der unserem Freunde hätte sagen können,\nwas eigentlich vorgienge. Herr Meier begann daher seine\nNeugierde zu bereuen und an den Erdrückungstod zu den-\nken. Demuthsvoll ergab er sich in sein Schicksal und liess\nsich willenlos fortreissen, wie er andere unbewusst mitriss.\nEndlich vor einem prächtigen Gebäude stockte der rasende\nLauf, indem der gewaltige Menschenstrom mit mehreren\nsolchen aus anderen dort einmündenden Gassen so heftig\nzusammenprallte, dass das Blut hoch aufspritzte\nund so mancher arme Neugierige bei dem Zu-\nsammenstoss einen Stock hoch emporflog. Keiner\nvon den Glücklichen, die lebend so weit gekommen\n\nBuchschmuck für V. S. gez.\nvon Josef Olbrich."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.15", "texte": "VER SACRUM.\n\nwaren, hörte die letzten Klagen der Unter gesunkenen und\nan den Wänden Plattgedrücfcten; keiner fühlte, dass er auf\nzitterndem Menschenfleisch schritt, und keiner sah das\nblutigrothe Bächlein, welches die Eingangsstufen herab-\nplätscherte; alle drängten gegen das Thor des Gebäudes,\nhineinzukommen um jeden Preis, lebend oder todt*\nUnter denen, die lebendig die Todespforte passierten,\nbefand sich auch durch Zufall unser Faulpelz, und wurde\ndadurch erst recht der grössten Gefahr ausgesetzt*\nEr glaubte in eine freiwillige Folterkammer zu treten,\nin welcher Tausende gleichzeitig gezwickt und gestochen\nwurden, so unerfreulich war der Anblick der verzerrten\nGesichter, so wenig harmonisch der ungeheure Schrei der\nwahnsinnigen Menge* Aber doch schien manchmal die\nDisharmonie der Schmerzenslaute einer Harmonie von\nRufen der Begeisterung zu weichen; auf jeden Fall wurde\ndie Sache immer unfassbarer* Haarsträubend wunderbar,\nunerklärlich selbstverständlich war die Scene, welche den\nHauptsaal des Gebäudes erfüllte* Nicht nur\nnebeneinander stand man, wie sonst bei den\ngedrängtesten Fest-Versammlungen, son-\ndern, weil niemand hinaus konnte und fort-\nwährend Nachschub kam, war bald der\nganze Fussboden besetzt, die Nachfolgen-\nden stiegen auf den Köpfen und Schultern\nder An deren umher, diese ihrerseits standen\nauf den armen Zertretenen, welche mit dem Blute ihrer\nLeidensgenossen einen schaurig farbigen Teppich bildeten*\nAuf der einen Seite des Saales entdeckte der Maler\nplötzlich eine kolossale Marmorbüste, um welche sich der\nwirre Menschenknäuel drängte* Laut priesen die Nieder-\nsinkenden noch mit ihrem Wehgesang den grossen Mann\nund bewarfen seine Büste mit Lorbeerkränzen, so dass sie\nallmählich darunter zu verschwinden begann* Auf der an-\nderen Seite aber befand sich dieses Mannes unsterbliches\nWerk, von dem unser Freund leider nichts sehen konnte,\nals hin und wieder das flüchtige Blitzen eines gewaltigen\nGoldrahmens*\nWie nun ganz logischerweise der Menschenstrom,\nder hier im Riesensaale zum Meere geworden, gewaltige\nWeilen schlug, so befand sich der Künstler bald tief unten,\nseine Locken in das Blut der Verstümmelten tauchend,\nbald suchte er hoch oben auf den Köpfen des Publicums\ndas Gleichgewicht zu finden, immer vergeblich bemüht,\neinen Ausblick auf das Bild zu gewinnen*\nEben richtete er mit dem rechten Fusse\nfurchtbare Verwüstungen in dem Gemüse-\ngarten eines Damenhutes an, nachdem der\nlinke einen Cylinderhut zum dauernd ge-\nschlossenen Chapeau claque gemacht hatte,\nwährend die Hände vergeblich in der Luft\nnach irgend einem Halt suchten* Da wurde\n\nBuchschmuck für V. S. gez.\nvon Josef Olbrich."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.16", "texte": "VER SACRUM.\n\nihm plötzlich die ganze Situation klar* Ein brausender\nJubelruf übertönte noch das Gebrüll des Menschenmeeres,\ndenn die Anwesenden hatten die vollkommene Ähnlich-\nkeit unseres Freundes mit der gefeierten Büste constatiert*\nMan begann dieselbe ihrer Lorbeerkränze zu entlauben und\nmit denselben nach dem Erhabenen zu schiessen, bis endlich\neiner seine Schultern umgab*\nDas Gebäude bebte in seinen Fugen, während ein\nHochgefühl der Befriedigung den Künstler durchzog und\nein geheimnisvolles Regen durch sein Künstlerhaar gieng,\nals wollten Feenhände seine Locken noch schöner rollen,\nzur vollendetsten Vollendung, würdig des grossen Meisters!\n„Also doch unsterblich geworden,“ jubelte er; „es\nmusste ja so kommen!“ Wieder versuchte er krampfhaft,\nin die Nähe des Bildes zu gelangen, aber die Bewunderung\nseiner Anbeter verhinderte ihn, sein eigenes Werk zu sehen,\ngeschweige denn ein Urtheil darüber zu gewinnen*\nIn seiner Verzückung bemerkte er nicht mehr, wie\nalles sich herandrängte, um ihn näher zu sehen, wie unter\nihm die Menge sich wie eine Windhose hob, er immer\nobenauf, der Saaldecke näherrückend. Seine Lage war\nkritisch. Im nächsten Augenblick wäre er kopfüber in die\nSchar seiner Anbeter gestürzt, doch, o Gnade des Schick-\nsals, der wohlwollende Riesenventilator, dem er ganz nahe\ngekommen war, sog unseren Freund mit einem gewaltigen\nZuge ein, infolgedessen er wie der Blitz bei der runden\nÖffnung hinausschoss, den Lorbeerkranz im Saale zurück-\nlassend, der, beim Passieren des engen Loches von seinem\nTräger abgestreift, dasselbe nun malerisch umgab, nach-\ndem der Bewunderte dadurch entschwunden war.\nStaunend richteten sich tausend offene Mäuler nach\ndem bekränzten Loche!\nWeiss Gott, wohin der Künstler, d. h. sein besseres\nIch, geflogen wäre (vielleicht in eines seiner Luftschlösser\noder einen anderen Höhencurort), wenn nicht infolge der\nplötzlichen Abkühlung sein schlechteres Ich sich zu regen\nbegonnen hätte. So flog es denn in die traurige Wirklich-\nkeit zurück und der Traum war aus.\nBlendend weiss wie am Morgen blickte die Götter-\nleinwand den grellfarbigen Faulpelz an. Grellfarbig? Ja-\nwohl, den grellfarbigen Faulpelz, denn während seines\nTraumes hatte er sich bedeutend verändert. Cadmium,\nStronzian, Veronesergrün und Pariserblau schienen eine\nConferenz in seinem Gesichte zu halten, während der\nZinnober auf der Nasenspitze offenbar den Vorsitz führte.\nSo kann nur einer aussehen, der, über seiner Palette ein-\ngeschlafen, sein Gesicht in die Farbenberge vertieft hat.\nDie herrlichen Lochen waren durch Flecken aller Farben\nganz verdorben und aus den Falten seiner Künstlerhose\nträufelte feinduftender] Terpentin auf den Boden. Dieser\nverdammte Terpentin! Kaum hatte sein Duft die Geruchs-\norgane des Meisters berührt, als dieser in seinem Schrecken\ndie schöne Frau von Vormittag erschaute. Schaudernd\nverhüllte er sein Gesicht mit den Händen und sagte drei-\nmal gar nichts. Sie aber hielt eine lange Rede, aus der er,\neiner Ohnmacht nahe, nur ab und zu ein Schlagwort\nhörte, wie: „Scandal! schlafen . . . träumen . . . Faul-\npelz! . . . Locken stutzen . . . Malerei aufgeben!\nLange waren ihre Worte schon verhallt, als er es wagte,\naufzuschauen; verschwunden war sie mit der weissen Lein-\nwand, unmerklich, wie sie gekommen, ... mit ihr der\nT erpentingeruch.\nNachdem unser Freund, nach einem flüchtigen Blick\nin den Spiegel, vor Entzetzen fast gestorben wäre, ver-\nbrachte er den Rest des Tages mit Reinigung seines Ge-\nsichtes und Kopfes, liess sich bald darauf seine Locken\nschneiden und wurde Gemischtwarenhändler. Sein ganzes\nLeben lang vermied er Terpentingeruch.\n\nM. KURZWEIL."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.17", "texte": "CARNEVALSGRUSS.\nv. Kolo Moser.\nVerziertes\nNotenmanuscript\nfür V. S. gez.\n\nVER SACRUM"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.18", "texte": "VER SACRUIVL\n\nEINEM UNMODERNEN.\nEPISTEL.\n\nJa du, mit deiner Bildnerkunst,\nDu greifst hinein in des Vergangnen Dunst,\nDu schliesst die Hand: da steckt schon einer drinnen\nEin Kerl von Stahl, mit heldenhaften Sinnen!\nDu stellst ihn vor uns hin, wie du ihn g'rad' erwischt\nDa ist nichts für die Jetztzeit aufgefrischt,\nEr flucht und spuckt und liebt und hasst und betet,\nWie ihn die Zeit und seine Lust geknetet,\nWie ihn das Leben, nicht die Kunst ersann!\nDer Bursch' hat seine eignen Hosen an*\nUnd wollt' er uns, den Lesern, nicht behagen,\nEr war' im Stand, noch aus dem Buch nach uns zu\nschlagen*\nUnd immer, eh' ich dich gekannt,\nEh' eine milde Freundschaft uns verband,\nDacht' ich: Wie glücklich muss der sein,\nDer solche prächtige Menschen sucht und findet,\nMit Tinte sie berauscht, in Verse bindet,\nSie in Romane zwingt und Reimerei'n,\nDer sich, indem er immer rückwärts blickt.\n\nFür V. S. gez.\nv. Jos. Engelhart."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.19", "texte": "Prag.\nDer platten Nüchternheit der Gegenwart entrückt,\nDer nicht die Venus vagans auf den Gassen,\nUm Stoffe bettelnd, muss am Ärmel fassen,\nWeil ihm der Sinn für das Vergangene mangelt\nUnd er am Strom des Tages nach Motiven angelt.\nSo dacht’ ich stets, gesteh’ ich’s nur, mit Neid!\nNun kenn’ ich dich und weiss, dein ganzes Sinnen\nTräumt nur, den alten Zeiten zu entrinnen,\nKenn' deiner Sehnsucht zehrend tiefes Leid,\nMit Büchern, drin Locomotiven gellen,\nAuf dem modernen Markt dich einzustellen,\nWeiss, wie verfehlt dir scheint dein Künstlerstreben,\nUnd wie du hassest deine Phantasie\nUnd mit ihr ringst, weil eigensinnig sie\nNur unter Rümpclwerk vermag zu leben!\nMir, lieber Freund, ward Eines klar daraus:\nDie Kunst lebt sich nie aus im eignen Haus,\nUnd was sie athmet, scheint ihr Rauch und Dunst!\nDas, was sie kann, ist stets das Falsche, Nichtige,\nDas, was der Nachbar schafft, das ist das Richtige:\nDie Sehnsucht nach dem Andern == ist die Kunst!\n\nHUGO SALUS.\n\nFür V. S. gez.\nv. Jos. Engelhart.\n\nVER SACRUM"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.20", "texte": "VER SACRUM.\n\nDecorative Landschaft\nv. Adolf\nBöhm.\nfür V. S. gez.\n\nUmrahmung\nv. Jos. Hoffmann.\nfür V. S. gezeichnet"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.21", "texte": "VER SACRUM.\n\nAUSSTELLUNGSWESEN.\n\nKÜNSTLERHAUS* Nachdem die heiligen Hallen\nin der verflossenen „Weihnachtsbescherung“ ihre Thore\nzuguterletzt noch einmal der Markt- und Massenware\nrecht sperrangelweit geöffnet hatten, brachte das neue\nJahr endlich einen etwas frischeren Luftzug hinein* Von\nmanchen ward er gewiss auch dort „aufrichtig willkom-\nmen“ geheissen, denn ganz aussperren kann man den un-\ngestüm anpochenden Fremden nun doch nicht mehr*\nDiesmal kam er aus Karlsruhe und stand unter dem\nZeichen der FARBIGEN LITHOGRAPHIE* Mit diesen\nBlättern hatte der „Künstlerbund“ vor kurzem in Deutsch-\nland (auf der von Bismeyer in Düsseldorf arrangierten\nPlacat- und Lithographie-Ausstellung) Aufsehen erregt.\nUnserem Publicum war die breite, ungewohnte Art dieser\nSteindrucktechnik anfangs wohl nicht recht „lieb und fesch“\ngenug, aber es beugte sich bald der den Arbeiten inne-\nwohnenden, ernsten Überzeugungskraft, so dass die Karls-\nruher Gäste einen entschiedenen Erfolg zu verzeichnen\nhaben*\nWo alles so tüchtig war, ist es schwer, einzelne\nNamen herauszugreifen* In erster Reihe stand GRAF\nKALKREUTH mit Lithographien, Aquarellen und Ra-\ndierungen* Der Meister ist mit denen vom Geschlechte\nder Dürer und Thoma geistesverwandt, in jener schlichten\nTiefe, die die mitteldeutsche Stammesart verkörpert, aber\n\nDecorativer\nEntwurf\nv. Fr König.\n\nBuchschmuck für V. S. gez.\nv. Jos. Hoffmann."}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.22", "texte": "VER SACRUM.\n\ndabei auf einer weltmännisch breiten Anschauung des\nzeitgenössischen Lebens stehend, die ihn wiederum von\nihnen unterscheidet* Hat er in den flüchtigen Augen-\nblicfcsbildern der Grossstadt („Hamburger Hafen“) die\ntrübe Stimmung eines Regentages erfasst,=wo den schwar-\nzen Fabrifcschloten der Qualm träger als sonst entsteigt\nund die Schiffspfeifen der Schleppdampfer die feuchte At-\nmosphäre schrill durchzittern = so folgen wir gerne dem\nWaidmann auf die „Hühnerjagd“ und in ländliche Ruhe,\nwo der Einzelmensch genesen kann von der ewigen Span-\nnung der Nerven* „Ährenleserinnen“, „Schnitter“ zeigen\ndiese wiedergewonnene Stimmung der Ruhe in ländlicher\nArbeit* Es ist, als habe der Künstler selbst das Bedürfnis,\nder Grossstadtluft mit ihrem unaufhörlichen Hochdruck\nzu entfliehen, draussen auf dem Acker Zwiesprache mit\nder Natur zu halten und seine tausend halben Eindrücke\nund Empfindungen einmal ganz ausklingen zu lassen*\nEine selten starke Individualität ist E* R* WEISS,\nvon dem auch der später zu besprechende Buchschmuck\ndes Kataloges herrührt und auf dessen ausgestellte origi-\nnelle Vignetten, Leisten und Vorsatzpapiere wir\nbesonders hinweisen wollen* Seine düstere Radie-\nrung „Der Wanderer“ verräth eine an Beethoven\ngemahnende Phantasie und Leidenschaft* Alles ist\ntief empfunden und wuchtig zum Ausdruck ge-\nbracht, so dassWeiss als die geschlossenste Person-\nlichkeit unter den Karlsruhern erscheinen könnte, ständen\nihm nicht die meisten übrigen in fast ebenbürtiger Selbst-\nständigkeit gegenüber* HANS RICHARD v* VOLK-\nMANN, KARL HOFF, HEINRICH HEYNE, WIL-\nHELM WULFF, GUSTAV KAMPMANN und WAL-\nTER CONZ sind Künstler, die alle die Natur mit ihren\neigenen Augen ansehen und sie in grossen Zügen packen*\nIhre Kunst ist durch und durch männlich, ehrlich und wahr;\nihnen reihen sich die vortrefflichen Lithographien und\nZeichnungen von FRANZ HEIN, KALLMORGEN,\nOTTO FIKENTSCHER und anderen an; um die Na-\nmensaufzählung zu vermeiden, sei nur auf den Katalog\nhingewiesen* Fast hätte ich PÖTZELBERGER vergessen,\ndessen Aquarell „Feierabend“ an Stimmung und colori-\nstischer Kraft zu den pieces de resistance der Ausstellung\ngehörte, wenn man bei der Fülle von Gutem überhaupt\neinen solchen Ausdruck gebrauchen darf* Auch FRANZ\nHOCH3 „Perugia“, eine Abendstimmung in leuchtenden\nGoldtönen, darf nicht unerwähnt bleiben, besonders da\nsolche Dinge leider immer noch Caviar fürs Volk zu sein\nscheinen*\nUnter der Ausstellung im Aquarellisten-Club\nragten aus dem „juste milieu“mehrere interessante\nArbeiten von Auswärtigen hervor, darunter zwei\nWORPSWEDER (Hans am Ende und Moder-\nsohn), sowie ARTURO RIETTI mit seinen\n\nDIE ÄRZTE UND DER TOD.\nGez. von H.\nSchwaiger.\n\nBuchschmuck für V. S. gez.\nv. Kolo Moser.\n\nBuchschmuck für V. S.\nvon Kolo Moser."}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.23", "texte": "VER SACRUM\n\ncharakteristischen, genial empfundenen Pastellen* Von\nStorm van's Gravensande ist man auf anderen Gebieten\nbesseres gewohnt, als in den eingesandten kleinen, aller-\ndings feingetönten Marinen zum Ausdruck gelangt* Eine\nüberraschend tüchtige Arbeit („Mondnacht bei Neapel“)\nmit bewegtem Wasser im Vordergrund sandte WILLI\nHAMMACHER (Berlin) und JOSEF SATTLER3 kleine\nGuachen („Streit vor dem Rathhause“ und „Marktplatz\neiner altdeutschen Stadt“) zeigten den Künstler von seiner\ngeistreichsten und frischesten Seite*\nUnter den Wienern seien Rudolf Konopa mit einer\n„Portraitskizze“ und einer „farbigen Zeichnung“ (etwas\na la Raffaelli!) und Theodor Bruckner hervorgehoben (mit\neiner „Pariserin“, als Portrait coloristisch geschickt vor\neiner grüngeblümten Tapete abgestimmt)* Bei Konopa ist\nGeschmack und Gefühl für das Zeitgemässe in hohem\nMasse vorhanden; leider fehlt noch die persönliche Note*\nDie übrigen Aussteller blieben, mit wenigen Ausnahmen, die\nsich vorläufig kaum über schüchterne Versuche erheben,\nin den alten, ausgetretenen Geleisen*\nWeniger um sie hervorzuheben, als um vor einer\nScheinkunst zu warnen, seien die Zeichnungen zu dem\nCyklus „Rolands Knappen“ erwähnt* Das wirklich Gute,\nEmpfundene und Lebende daran, was Heinrich Lefler ge-\nzeichnet, leidet unter dem Todten und „Nachempfundenen“\nin dem architektonischen Ragout seines Mitarbeiters, ein\nSammelsurium von allen möglichen und unmöglichen\nStilen, perspectivisch verzeichnet und ausserdem mit\neiner geradezu verblüffenden Unerschrockenheit = Otto\nRieth, Anning Bell, Grasset und anderen in stiller Dank-\nbarkeit gewidmet*\nDie kunstgewerblichen Stücke der Ausstellung (die\nbekannten herrlichen Teppiche von OTTO ECKMANN)\nund Fayencen aus Kopenhagen von Köhler sind an sich\nja sehr erfreulich, geben aber in so geringer Zahl keinen\ngenügenden Begriff von der Bedeutung der kunstgewerb-\nlichen Richtung für unsere Zeit* Bessere Proben von fein-\ngetöntem Steingut (aus der königl* Porzellan-Manufactur\nin Kopenhagen) waren im Saal der Karlsruher in den Ecken\nausgestellt*\n\nStudie gez.\nv. A. Hynais."}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.24", "texte": "VER SACRUM.\n\nNÄCHTLICHES ABENTEUER.\nRudolf Bacher.\nFür V. S. gez."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.25", "texte": "VER SACRUM\n\nZum Schluss noch ein Wort über den KATALOG*\nMit Hilfe der Karlsruher ist er etwas geschmack-\nvoller ausgefallen, als er bei uns gewöhnlich zu sein\npflegt, d* h* er zerfiel eigentlich in zwei Hälften, von denen\ndie wienerische sich über das Niveau der althergebrachten\nManier kaum erhob, während der Karlsruher Künstler-\nbund durch seine beiden Vignetten „Saat“ und „Ernte“\nvon E* R* WEISS (am Anfang und Schluss dieser Ab-\ntheilung), sowie durch trefflich reproduzierte Lithographien\nvon Volkmann, Hoff, Conz, Hoch und Heinrich Heyne\nund eine Zeichnung (Kindergruppe) von Kalkreuth sehr\nvortheilhaft heraustrat* Durch diese glückliche Anregung\nist der ERSTE SCHRITT ZUR VERBESSERUNG\nDES AUSSTELLUNGS-KATALOGES geschehen* Das\nBeispiel, das die Karlsruher uns gegeben, wird hoffentlich\nbald dahin führen, dass man auch hier endlich lernt, einen\nsolchen Katalog von künstlerischen Gesichtspunkten aus\nso zusammenzustellen, dass er nicht bloss während der\nAusstellung als „das nothwendige Übel“ erscheint, sondern\nauch noch nach Schluss derselben immer seinen eigenen\nWert behält* Ein Versuch, in diesem Sinne „frei nachzu-\nempfinden“, war die kräftige Federzeichnung (Landschaft\nmit Regenbogen auf Seite 5), die sich allenfalls noch er-\ntragen liess* Unerträglich aber ist es, wenn mit stilistischen\nMotiven eine Spielerei getrieben wird, wie in dem sinnlosen\nSchlussblatt des Nachtrags* Dasselbe gilt von der etwas\n„Zufrei“ausdemUmschlag der neuen Zeitschrift „Decora-\ntive Kunst“ abgepausten Zierleiste auf Pagina 2!\n\nW. SCHÖLERMANN.\n\nSkizze\nv. J.\nEngelhart.\n\nBuchschmuck für\nV. S. gez.\nv.\nJ.Hoffmann."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.26", "texte": "VER SACRUM.\n\nIUGENDSCHATZ DEUTSCHER DICHTUNGEN\nZEITSCHRIFTEN.\n\nngemein reichhaltig ist die Ja-\nnuar - Nummer der Londoner\nMonatsschrift „THE STUDIO“\nausgefallen* Wir heben aus der\nFülle des Gebotenen besonders\nheraus: „GERALD MOIRA3\nMalereien und Bas-Reliefs (Leit-\nartikel) von Gleeson White,\n„STEINLEN ALS LITHO-\nGRAPH (von Gabriel Mourey)\nmit charakteristischen Illustrationen der Arbeiten des Mei-\nsters, eine Federzeichnung von FORAIN, eine Facsimile-\nZeichnung von FERNAND KHNOPFF und colorierte\nkunstgewerbliche Vollblätter* Ganz besonders machen wir\nunsere Leser auf den Artikel „A MODERN ENGLISH\nCOUNTRY HOUSE“ von dem Architekten Arnold\nMitchell aufmerksam, weil die anschauliche Darstellung\nin Bild und Schrift eine dankenswerte Anregung für ein-\nheimische Kreise des wohlhabenden Mittelstandes in Fragen\ngeschmackvoller und einfacher Hauseinrichtung bietet/\nDiese Zeitschrift, welche uns mit der modernen Be-\nwegung im Auslande wie keine andere Publication auf dem\nLaufenden hält, hat sich nicht nur in England, Amerika\nund den Colonien eingebürgert, sondern ist auch bei uns\nin letzter Zeit ein gern gelesenes Organ* Seine fabelhafte Ver-\nbreitung beweist nur zu deutlich, auf wie hohem Gesammt-\nniveau der Leserkreis in den angelsächsischenC ulturländern\n\nBucheinband\nv. Kolo Moser.\n\nBuchschmuck\nfür V. S. gez.\nv. Kolo Moser.\n\nFür V. S. gez.\nv. J. Hoffmann."}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.27", "texte": "VER'SACRUM.\n\nstehen muss, im Vergleich zu Deutschland und Österreich!\nWir können nur hoffen, dass die vereinigten Anstrengungen\ngleichgesinnter Organe auch bei uns allmählich Früchte\ntragen werden, wofür glücklicherweise schon heute An-\nzeichen genügend vorhanden sind.\n„Der Architekt\", Supplementheft:\n„AUS DER WAGNERSCHULE.\"\nieses unserer Redaction einge-\nsandte Supplementheft der Zeit-\nschrift „Der Architekt“ haben\nwir mit Freude begrüsst, sowohl\nseiner äusseren Erscheinung als\nauch seines anregenden Inhaltes\nwegen. Wir möchten nur wün-\nschen, dass jedes Heft der Zeit-\nschrift so gut ausfiele. Ohne auf\nEinzelheiten diesmal eingehen\nzu können, greifen wir aus dem\nreichen Material als Illustration die „Gallerie am Meer“\nheraus, von Jan Kotera entworfen. Dieser grossangelegte\nPlan einer idealen Stadtanlage für den Hafen von Calais,\nebenso wie die verschiedenen Entwürfe der übrigen Schüler\ngeben Zeugnis von dem anerkennenswerten Streben, archi-\ntektonische Probleme mit selbständiger Auffassung aus\ndem Geist zeitgemässer Anschauungen heraus zu lösen\nund praktischen Bedürfnissen anzupassen. Fehlt es hie und\nda noch vielleicht an der vollen Bewältigung und Vertiefung\nder Aufgaben, so lässt sich in kurzer Zeit von einer jungen,\nkraftvoll emporringenden, aber mit ungünstigen Verhält-\nnissen kämpfenden Bewegung gar nicht mehr verlangen.\nDie Tendenz dieser Bestrebungen verdient die Anerken-\nnung und Mitwirkung jedes ernsten Kunstfreundes; in den\nunter den Umständen selten günstigen Erfolgen des Ober-\nbaurathes Wagner und seiner Schule glauben wir die Ge-\nwähr einer gesunden Zukunft in unserer Architektur er-\nblicken zu dürfen. Freilich ist der Weg weit bis zum Ziel und\nviel Kehricht muss noch hinweggefegt werden, bis es sol-\nchen Leuten als Künstler gelingt, die Phalanx der meist\nschwindelhaften Bauspeculanten aus dem Felde zu schla-\ngen. WANN WIRD KOMMEN DER TAG?\nNoch eine Bemerkung zur „Preisausschreibung“ im\nJännerheft des „Architekt“ möchten wir bei dieser Ge-\nlegenheit nicht unterdrücken. Es wird dann eine Preis-\nconcurrenz ausgeschrieben über das Thema „Die alte und\ndie neue Richtung in der Architektur“. Die Motivierung ist\nfolgende: „Wir stehen in einer Periode der Baukunst, in\nder neue Ansichten alte Ansichten zu verdrängen suchen, in\nder eine Richtung, die sich den Namen „Moderne“ bei-\nlegt (!), im Kampfe begriffen ist mit althergebrachten Über-\nlieferungen* Dergleichen pflegt sich freilich zunächst auf\nkünstlerischem Gebiete selbst abzuspielen; aber ein inter-\nessantes Problem ist die wissenschaftliche Fixierung solcher\nVorgänge immerhin“ ♦ * ♦\nDie „wissenschaftliche FIXIERUNG“ eines noch IM\nENTSTEHEN begriffenen künstlerischen\nJeder Commentar ist überflüssig!\n\nGallerie am\nMeere. Entwurf\nv. Jan\nKotera.\n\nBuchschmuck\nfür V. S. gez.\nv.\nKolo Moser.\n\nFür V. S. gez.\nv. Jos. Hoffmann."}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.28", "texte": "VER SACRUM.\n\nIE KUNST IM HAND-\nWERK* Zum Zweck der För-\nderung des neuen Kunsthand-\nwerks hat in München der Aus-\nschuss für Kunst und Handwerk\ndie Errichtung einer Auskunftei\nund die Gründung einer Gesell-\nschaft mit beschränkter Haf-\ntung unter dem Namen „VER-\nEINIGTE WERKSTÄT-\nTEN FÜR KUNST IM\nnAiNUWUKR** beschlossen* Wir begrüssen das dankens-\nwerte Unternehmen mit herzlichem Willkommen und wer-\nden auf den Gegenstand ausführlich zurückkommen*\nDie Fortsetzung der neuen Kunstzeitschriften hält\nvollständig, was\nder Anfang ver-\nsprach, vor al-\nlem die Brucfc-\nmann'sche„DE-\nCOßATlVE\nKUNST“ mit\nArtikeln über die\n„KönigLPorzel-\nlan-Manufactur\ninKopenhagen“\nvon C Nyrop,\nüber „Farbige\nGlasfenster“ und die dritte Folge des Aufsatzes von S» Bing,\nParis: „Wohin treiben wir“, mit glücklich ausgewähltem\nIllustrationsmateriah\n„DEUTSCHE KUNST UND DECORATION“\nbringt einen interessanten monographischen Artikel über\nFRITZ ERLER»\nAuf das erste und\nzweite Heft des dritten\nJahrganges der Zeitschrift\n„PAN“ möchten wir un-\nsere Leser besonders auf-\nmerksam machen» Er ent-\nhält Beiträge von AL-\nFRED LICHTWARK\n(über „Denkmäler“, so-\nwie über „Potsdam und\ndieHohenzollern“),WlL-\nHELM BODE („Künst-\nler u» Kunsthandwerk“),\nMonographien über fran-\nzösische Künstler (Degas,\nPuvis de Chavannesjean\nDampt, Constantin Meunier u. a.). Aus dem an künst-\nlerischer und kunsttechnischer Wiedergabe kaum zu über-\nbietenden Reichthum an illustrativem Stoff heben wir die\nOriginalradierung („Waldsee“) von WALTER LEISTI-\nKOW hervor, sowie den meisterhaften Originalholzschnitt\n[Portrait BASTIEN LEPAGE®) von Leveille,\nDie Januar-Nummer der Londoner Monatsschrift\n„THE ARTIST“ bringt interessantes textliches und gra-\nphisches Material zu Artikeln über Lucien Monod und\nzwei hervorragende englische Künstler (William Hyde und\nPatten Wilson), der letztere mit Zeichnungen zu Chaucers\n„Canterbury Tales“. Von kunsthistorischem Interesse ist\nauch ein angefangener Aufsatz über die präraphaelistische\nBewegung in England, der eine feine psychologische Studie\nüber Dante Gabriel Rossetti enthält.\nWir möchten unsere Leser noch auf ein gediegenes,\nviel zu wenig gelesenes Organ für Kunst und Dichtung\naufmerksam machen, nämlich auf den im Verlag von Georg\nD. W. Callvey in München erscheinenden „KUNST-\nWART“, Herausgeber Ferdinand Avenarius in Dresden.\nWer ernste, scharfe und\nunparteiische Kritik gern\nlesen mag, der nehme nur\ngetrost den „Kunstwart“\nzur Hand* Denn die Auf-\nsätze eines Adolf Bartels,\nPaul Schulze - Naum-\nburg, Avenarius und an-\nderer Mitarbeiter des äus-\nserlich so unscheinbaren\nBlattes wird man nie ohne\ngeistige Anregung und\nBefriedigung über ihren\nernsten Inhalt und durch-\nwegs vornehmen litera-\nrischen Charakter aus der\nHand legen*\n\nS.\n\nArchitekturskizze\nfür V. S. gez.\nvon\nJos. Hoffmann.\n\nEntwurf\nJ. Engelhart.\n\nFür V. S. gez.\nv. Alf. Roller."}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.29", "texte": "VER SACRUM.\n\nLÄMMERWOLKEN.\nGez. von\nA. Böhm."}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.30", "texte": "VER SACRUM.\n\nMITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS.\nas Mitglied, Architekt JOSEF M* OLBRICH, ist durch die pol-\nnische Künstlergesellschaft mit dem Bau ihres in Krakau zu errich-\ntenden Künstlerhauses beauftragt worden* Für dieses Gebäude ist\ndas Project erworben, welches Olbrich seinerzeit für das an der\nWollzeile projectierte Ausstellungsgebäude der Vereinigung ge-\nliefert hatte, so dass dieser architektonische Gedanke nunmehr doch\nzur Ausführung gelangt*\nAus dem PROGRAMM der in Vorbereitung befindlichen\nHefte von VER SACRUM theilen wir zur Kenntnis unserer Leser\nmit, dass eine AUSSTELLUNGSNUMMER im April erscheinen\nwird und auch eine HÖRMANN-NUMMER in Vorbereitung ist*\nAuf Grund zahlreich eingelaufener Anfragen geben wir hierdurch bekannt, dass zu unseren\nAusstellungen nicht allein die Werke unserer Mitglieder oder besonders eingeladener Künstler\nzulässig sind, sondern dass es jedem Künstler freisteht, an den Bestrebungen und Veranstaltun-\ngen der Vereinigung theilzunehmen* Nachdem jedoch für die erste Ausstellung (in den Räumen\nder Gartenbaugesellschaft, Parkring 12) die Anmeldungen bereits so zahlreich eingelaufen sind,\nwerden wegen des zur Placierung der verfügbaren Raumes die Aufnahmen diesmal nur\nin verhältnismässig beschränktem Masse stattfinden können*\nNEU ERNANNTE CORRESPONDIERENDE\nMITGLIEDER:\nRiviere Briton, Maler ♦♦♦♦♦♦*♦♦♦♦♦♦♦ London*\nBurne-Jones Sir Edward, Maler etc* *♦**♦♦♦ London*\nClausen George, Maler ******* Newport, England*\nHerterich Ludwig, k* Professor ♦♦♦♦♦♦*♦ Stuttgart*\nLavery E*, Maler ******** London*\nLeibi Wilhelm, k* Professor *********** Aibling*\nKalkreuth Graf v*, k* Professor *♦♦♦♦♦♦♦ Karlsruhe*\nKhnopff Fernand, Maler ♦♦*♦♦♦♦ Brüssel*\nRepine L, k* Professor, Maler etc* ♦ ♦ ♦ ♦ St* Petersburg*\nVolz Wilhelm, k* Professor, Maler ****** München*\nWalton E* A*, Maler ******** London*\nZügel H*, k* Professor ♦**♦♦*♦*♦♦♦♦♦ München*\n\nFür V. S.\ngez.\nvon\nA. Roller.\n\nBuchschmuck für V. S. gez.\nv. Josef Hoffmann.\n\nFür V. S. gez.\nv. Kolo Moser."}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.31", "texte": "hCRfIVSGCGEBBM V°M\n.m\nRb\nr\nu\ncc\nCK\nlü\no\nr\n\\—\nCK\ntn:\nMQ\nSs\nw&:\no\nQ\ni DK\nlü\nZ]\nN\n«\n5\n«o\nlIIX\n5\n5\nhf%\n5\nOK\nlü\nmiO\nKVMST DKV MSTGEWIRBE,"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.32", "texte": ", Das vorliegende Unternehmen hat sich die Aufgabe gestellt, die besten Werke alter und\nneuer Plastik, sowie jene der decorativen Malerei, sei es in vollendeter Ausführung, sei es\nauch nur in Skizzen und Entwürfen, auf losen Blättern in vortrefflichen Reproductionen\nherauszugeben, d« dedededededededededededede de de de\n—Vom vollendeten Kunstwerke des j/Ö\\architektonischen und monumentalen\nSchmuckes angefangen bis zu dem i/hkDeckenrelief vornehmer Prachträume,\nvom Gitterwerk in Eisen bis zur einsten Schöpfung des Gold- und\nSilberarbeiters, vom kunstvoll ciselierten Rüstzeug bis zur\ngepressten Ledertapete, vom /A, ■\"/1 ■ jjwS»Ä: v einfachen Bilderrahmen bis\nzum reizendsten Schmuck- kästchen=kurz alles, was\ndie Fläche füllt und ziert, ob plastisch oder male-\neine glückliche Erfin-\ndung und tüchtige Durch- / > r führung macht, soll in bun-\nter, aber ununterbrochener y/’*V Reihenfolge entfaltet werden\nund die reichste Quelle der An- / regung, die grösste Fülle von de-\ncorativen Compositionen aller Jahr- N—v hunderte bieten, d« df dt d£ de de dt\nNeben jenen von den Gesetzen strenger Stilistik abhängigen Formen\nfinden FREIE photographische Studien • / aus der unerschöpflichen Quelle der\nNatur die vollste Berücksichtigung, de de dededededededededededededededede\nNicht aufgenommen werden jene Werke, welche nur ausschliesslich kunsthistorisches\nInteresse haben. Der gute Geschmack und die originelle Auffassung, welche sich in einem\nKunstwerke offenbaren, werden den leitenden Grundsatz für eine richtige Auswahl abgeben.\n\nDer KunstschaU*"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.33", "texte": "erscheint jährlich in 6 Heften ä 8 Kunsttafeln.\n************ ************ t»ff rrr rrr.rrxf f\nmit kurzen Quellenangaben direct auf den Kunst-\ntafeln, im Formate von 34:46V* cm- in_® “ä£™ck\n************ r****.t 'i*A*t'A''l' VffCCC ff ff ff r***** ******\nauf feinstem Kunstdruckpapier,\noe oe & Preis pro Heft 1 fl. 80 kr-\nZu beziehen durch jede Buch- u- KunslhandJun^\nWien. VI. Mariahdferstr. Sh\n******r*~**t'A'i1 ri*/*!\"■*'< i'A'f'c^rcr^'ci'Crf t'*'■*'-\n\nDer Kunstschate c"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.34", "texte": "GERLACH-SCHENK"}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.35", "texte": "P. T.\nInfolge Vereinbarung mit der Verlagsfirma GERL ACH & SCHENK wurde uns\ndas ausschliessliche Recht zur Annahme von Annoncen für\n—■ VER SACRUM —■\nübertragen.\nIndem wir dies zur geneigten Kenntnisnahme bringen, erlauben wir uns, die Herren\nInserenten und die Geschäftswelt im allgemeinen zur Insertion in dieser Kunstzeit-\nschrift höflichst einzuladen und um recht zahlreiche Aufträge zu bitten.\nWir bemerken, dass wir bei öfterer Einschaltung eines Inserates einen entsprechen-\nden Nachlass auf die festgesetzten Annoncenpreise gewähren und mit näheren Aus-\nkünften und Kostenberechnungen gerne zu Diensten stehen.\nHochachtu ngs v 01l\nHAASENSTEIN & VOGLER (Otto Maass)\nAnnonccn-Expedition\nWIEN, L, Wallfischgasse JO. PRAG, Ferdinaadstrasse 37.\n\nTheyer & Hardtmuth\nPapier-, Schreib-,\nZeichen- und Maler-\nRequisitcn-Handlung.\nL, Kärntnerstrasse 9 WIEN, L, Kärntncrstrassc 9.\n✓\nJ\nZur Stadt\nNürnberg.\"\nBücher- und Kunst-Antiquariat\nAutographenhandlung\nGilhofer & Ranschburg\nBuchhandlung für Kunst Bee.# Bognergasse 2.\nund Literatur Telephon 4520*\nPubllderen jährlich circa 10 Antiquariats-Kataloge, besonders\nüber Kunst und Kunstgeschichte# seltene Werke# Cultur-\ngeschkhte# Heraldik# Austriaca und andere Fächer.\nWir bitten\nzu verlangen."}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189802-01.1.36", "texte": "V rlggnA Schenk.\nWiejr VI/1. MariahilferstrasseJ^j"}]}