{"numero_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_sha256": "59a597928be9280bffde2139459929d5a7735359fc44c770c1e23bc6ac146ae7", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabf/issues/1898/04_01/bmtnabf_1898-04_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabf/issues/1898/04_01/bmtnabf_1898-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c002", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.2", "titre_corps": "TEXTLICHER INHALT", "titre_sommaire": "TEXTLICHER INHALT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 438, "texte": "TEXTLICHER INHALT:\nKUNSTKRITIK. Von Wilh. Schölermann, Wien.\n(Farhenskizze.)V on Rainer Maria Rilke,Berlin.\nDERHANDKUSS.V on Detlev vonLiliencron, Hamburg.\n(Aus „Kampfe und Ziele“, Verlag von Schuster und Löffler, Berlin.)\nDER MARIA THERESIEN-SAAL IN DER NEUEN\nHOFBURG* Von V* S*\nS,3£LLUNGEN' ZEITSCHRIFTEN. Von S.\nAUS DEM WIENER CAMERA-CLUB. Von V. S.\nBESPRECHUNGEN. 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Das scheint para-\ndox, denn Künstler müssen durch Werke, nicht durch\nWorte überzeugen und „an ihren Früchten“ sollt ihr sie\nerkennen* „Bilde, Künstler, rede nicht“ ist freilich ein Ge-\nmeinplatz, aber er enthält dennoch die wahrste aller Wahr-\nheiten über den Künstlerberuf*\nWozu also noch kritisch philosophieren ? Vom heuti-\ngen Standpunkte freierer Kunstanschauung erscheinen uns\nalle theoretischen Phrasen über „das Schöne“ wie eine\nSammlung unfreiwilliger Komik* Als charakteristisches\nMerkmal ästhetisierender Epochen künstlerisch impotenter\nSchöngeisterei, verdienen solche blutleere Abstractionen\nhöchstens des abschreckenden Beispiels halber der Ver-\ngessenheit entrissen zu werden* Die Zeiten sind dahin, in\ndenen die Kritiker sich noch ob ihrer Unfehlbarkeit beneiden\nliessen, so dass nicht bloss ihnen, sondern auch den Künst-\nlern vor ihrer Gottähnlichkeit bange ward! Die alte Kritik\nhat längst vor der neuen Kunst Bankerott gemacht und\nmit dem Herrgottspielen der Kritiker ist es aus*\nMit der alten Methode kommen wir also heute nicht\nmehr durch; wir müssen es anders anfangen* Aber wie ?\nWenn wir die Berechtigung einer modernen Kunst-\nkritik unter ganz neuen Voraussetzungen zugeben, so treten\ndrei Fragen an uns heran:\nAn wen richtet sie sich ?\nWer soll sie schreiben?\nWas ist ihre höchste Aufgabe?\nBeginnen wir mit der ersten: An wen richtet sie sich?\nAn die Künstler? Ich glaube: nein»\nEs ist ein alter Irrthum, zu glauben, dass der Kri-\ntiker dem Künstler zu sagen habe, „wie er es machen solle“*\nDas ist seine Sache* Ein wirklicher Künstler, der aus einem\ninneren Zwang heraus schafft, wird durch ein paar gedruck-\nte Zeilen schwerlich beeinflusst werden* Dazu ist sein Wesen\nzu tief begründet oder sollte es wenigstens sein*\nWer persönlich mit Künstlern verkehrt und Einblicke\nin ihr Schaffen gewinnt, wird mir Recht geben*\nGewiss mögen auch vereinzelte Fälle Vorkommen,\nwo eine einsichtsvolle und Verständnis für seine Indi-\nvidualität offenbarende Kritik einen Künstler rechtzeitig\nvon Irrwegen abbringen kann, die er im schöpferischen\nDrange selbst nicht wahrnimmt, aber vielleicht erkennt,\nwenn ihm der Kritiker entgegentritt wie ein aufrichtiger,\ntheilnehmender Freund* Wenn man Gelegenheit hat, den\nKünstler aus seiner Umgebung heraus zu beurtheilen, in\nden Geist seiner Werkstatt ein dringen und seine Arbeiten\nunter seiner Anleitung studieren kann, wenn Mensch zum\nMenschen unter vier Augen spricht, so geben sich die Tem-\nperamente natürlicher als durch öffentliche Richtersprüche,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.6", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 1441, "texte": "die immer die scheinbare Unfehlbarkeit der gedruckten\nAutorität an sich tragen* Das geschriebene Wort hat dem\nKünstler gegenüber lange nicht die Bedeutung, die ihm\nungeschrieben wird* Dafür ist es zu wenig intim, wie dieser\nAusdruck nämlich vom Künstler verstanden wird, und\nkommt gewöhnlich zu sehr „aus der Höhe“* Hat aber\neinmal ein persönlicher Austausch der Ideen stattgefunden,\nvielleicht auch ein gelegentliches Streiten um diesen oder\njenen Punkt, so kehren beide Theile gewiss mit einer Fülle\ninteressanter Anregungen zur Arbeit zurück* Jedenfalls ge-\nwinnt der Kritiker dabei und ein erweitertes Verständnis,\neine Bereicherung und Vertiefung seiner Anschauungen\nwird die Folge sein* Denn das steht nach meiner Er-\nfahrung über jeden Zweifel; lernen kann der Kritiker vom\nKünstler mehr, als der Künstler vom Kritiker! Die Ein-\nsicht, die dieser im Verkehr mit dem Künstler gewinnt, wird\nihn mehr und mehr überzeugen, dass er vor allem erst\ndanach zu fragen hat: Was will der Künstler ? und dann :\nHat er erreicht, was er wollte ?\nInnerhalb dieser zwei Hauptgesichtspunkte erweist\nsich die Kritik der bildenden Kunst noch heute als voll\nkommen berechtigt. Hier liegt ihr positiver Wirkung\nkreis, ihre grosse Culturmission. Mit diesen Fragen wendet\nsie sich allerdings auch an den Künstler und rechnet mit\nihm darüber ab, ob die zweite Frage mit Nein oder Ta zu\nbeantworten ist. Ist die Antwort erfolgt, so mag es ja auch"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.7", "debut_caractere": 12, "fin_caractere_exclue": 1402, "texte": "einmal ganz hübsch sein, vom Künstler zu hören, „wie er *\nes gemacht hat“*\nZum Kritisieren gehört aber immerhin doch eine\ngewisse Vertrautheit mit dem Wesen des Handwerks* Das\nVerständnis für die Mittel und Wege, wodurch ein Kunst-\nwerk zustande kommt, ist beinahe unentbehrlich zu dessen\ngerechter Beurtheilung* Wer ist aber darin competenter,\nals die Künstler selber ?\nSollen die Kritiken von Künstlern geschrieben werden?\nDie Erfahrung scheint es zu bestätigen, dass was zu\neinem Kritiker gehört, dem Künstler meistens abgeht* Sie\nzeigt ferner, dass bedeutende Künstler auffallend wenig ge-\nneigt sind, über ihre Kunst zu sprechen* Ausnahmen be-\nstätigen die Regel, aber meistens pflegen Halbtalente ihren\nCollegen mit der Feder in der Hand statt mit dem Pinsel\nihre Überlegenheit zu beweisen* Solche schreiben dann\nKritiken, die, wofern sie frei von Missgunst sind, eine ge-\nwisse Garantie fachmännischer Vorkenntnisse gewähren*\nMan würde übrigens im Unrecht sein, wollte man abfällige\nUrtheile aus dem Mund von Künstlern dem Neid zuschrei-\nben* Das sind immerhin Seltenheiten* Der Grund, warum\nich glaube, dass Künstler im ganzen nicht zur Kritik berufen\nsind, liegt tiefer* Man führe drei Marinemaler vor ein und\ndasselbe Bild, auf dem Wasser gemalt ist* Zwei davon,\nvielleicht alle drei, werden sagen: So sehe ich das Wasser\nnicht! Jedes Künstlerauge sieht das Wasser eben anders und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.8", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 4601, "texte": "bedient sich anderer technischer MitteL So unterscheidet\nes gewöhnlich nur die Technik, „die Mache“ Grund\ngenug, ihm keinen zu grossen objectiven Wert beaumessen»\nWas der Künstler in langjähriger Praxis kennen lernt,\nist nicht eigentlich die Kunst, sondern seine Kunst, eine durch\nAnlagen bestimmte und modificierte Farben- und Formen-\nanschauung, die eine gewisse\nEinseitigkeit im Gefolge hat*\nUnd zwar je stärker die Ei-\ngenart, desto grösser in der\nRegel die Einseitigkeit* Das\nkann man immer wieder be-\nobachten* Zum starken\nschöpferischen Wirken ge-\nhört sogar ein entschiedenes\nDominieren ausgesprochen\neinseitiger Empfindung. Das\nVerkehrteste, was man thun\nkann, ist, einen Künstler über\neinen anderen zu befragen,\ndessen Individualität ihm\nfremd ist* Eine Grundver-\nschiedenheit der Tempera-\nmente schliesst unbefange-\nnes fcritischesUrtheilen in der\nKunst von vornherein so gut\nwie aus*Sogar die Technik ist\nder unmittelbare Ausdruck\ndes Temperaments (wie Lenbach richtig betont hat) und\ngehört untrennbar zum Wesen des jeweiligen künstlerischen\nNaturells*\nSteht im ganzen die schöpferische Thätigkeit der\nkritischen im Wege, so schliesst das nicht aus, dass trotz-\ndem ein Künstler, wo es ihm zufällig „liegt“, den Nagel\nauch einmal auf den Kopf trifft! Und wo ausnahmsweise in\neinem tüchtigen Künstler eine fcritischeßeanlagungzugleich\nvorhanden, da dürfen wir sie doppelt freudig begrüssen,\ndenn der Kritiker kann sich dann vom Künstler das Auge\nborgen! Ist doch das „sehen lernen“ eine nothwendige\nVorübung zur Befähigung gerechter Kritik* Sie erfordert\nein gewisses Mass technischen Verständnisses und schliesst\ndennoch gerade den erfahrensten Techniker, den Künstler\nselber, aus, weil ihm in den meisten Fällen seine Subjecti-\nvität im Wege steht* Dieses Dilemma vermag bis zu einem\ngewissen Grade die trübseligen Zustände zu erklären, in\ndenen sich unsere Kunstkritik im allgemeinen befindet*\nDass hierunter nur die aufrichtige, ernste Kritik gemeint\nist, versteht sich von selbst* Die Leichtfertigkeit und rührende\nVerständnislosigkeit, die auf gewissen Gebieten der Bericht-\nerstattung herrscht, darf mit Fug und Recht aus dieser Be-\ntrachtung ausgeschlossen werden* Man thäte ihr zu viel Ehre\nan, wollte man sie ernst nehmen*\nBei Kritikern, die aus Fachkünstlern hervorgegangen\nsind, verliert sich manchmal die gefährliche Einseitigkeit,\nweil ihre ganze Thätigfceit allmählich aus einer productiven\n(künstlerischen) in eine receptive (kritische) übergeht* Bei\ndem schaffenden Künstler kommt es in erster Linie aber\nnicht auf die umfassenden und allseitig durchgebildeten\ngeistigen Anlagen, kurz gesagt, auf die „Bildung“ an, als\nvielmehr auf die Intensität\nseines ursprünglichen Em-\npfindens und die Macht zur\nWiedergabe desselben.\nDer Kritiker bedarf da-\ngegen der Bildung in um so\nhöherem Grade, als ihm, bei\ngleichgrosser Empfänglich-\nkeit für Natur- und Kunst-\neindrücke, leicht die Unpar-\nteilichkeit und Weite des\nBlickes, die geistige Über-\nsicht verloren gehen kann.\nDiese grundlegende Bil-\ndung besitzt der Kunsthisto-\nriker.\nSollen unsere Kunstge-\nlehrten die Kritik überneh-\nmen?\nIm ersten Augenblick\nscheinen sie dazu berufen,\nwie wenig andere. Mit dem\nVerständnis für das Geschichtliche in der Kunst kann man\ndie Culturentfaltung von Jahrhunderten mit einem Blicke\nüberschauen und ihre mannigfachen Ausstrahlungen in\neinem Brennpunkt zusammenfassen. Aus der Vergangen-\nheit gewinnt der Historiker den sicheren Masstab für per-\nsönliche Grösse, wie für Stammesechtheit, die beiden Pole,\num deren Achse sich die Culturgeschichte aller Völker, das\ntiefste Geheimnis der Kunstpsychologie dreht. Aber das\nUrtheil der Kunstgeschichte gründet sich im wesentlichen\nauf die durch sorgfältige Analyse festzustellenden Bedin-\ngungen, unter denen ein Kunstwerk entstanden ist. Ihr\neigentlicher Masstab ist weder ein rein kritischer, noch ein\nrein künstlerischer, sondern sie sucht culturell interessante\nund bedeutungsvolle Thatsachen zu ermitteln.\nDann kommt für den Kunsthistoriker noch ein un-\ngünstiger Moment hinzu. Wer sich nämlich ganz in den\nGeist längstvergangener Epochen hineinlebt, an dem glei-\ntet oft das wirkliche Leben, dessen Zeitgenosse er ist, unbe-\nmerkt vorüber! Die stete Beschäftigung mit der Vergangen-\nheit mindert allmählich die Empfänglichkeit für die Gegen-\nwart; gehört doch jedesmal ein kräftiger „Ruck“ dazu,\nsich aus einer Zeit in eine ganz andere zu versetzen und mit\nklammernden Organen in sie einzudringen. Während du\nallerlei Urväter Hausrath ausgräbst oder in Museen nach\nMeistersignaturen und alten Handschriften suchst, vollzieht"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.9", "debut_caractere": 12, "fin_caractere_exclue": 1727, "texte": "sich draussen im Freien eine Wiedergeburt und du siehst\nsie nicht, begreifst sie nicht! Du studierst vielleicht gerade die\nRenaissance und nimmst an der lebendigen Renaissance\nder Gegenwart, an der du mitzuwirken berufen, keinen\nAntheil Und sie nicht an dir*\nEs gibt Kunstgelehrte, welche genau Tag und Stunde\nangeben können, wo Meister Rembrandt die letzten Ab-\nZügeeinerßadierungvon seines Vaters Windmühle gemacht\nhat Und doch haben sich solche Kenner durch plumpe Fäl-\nschungen unerhört täuschen lassen* Davon haben wir die\nheitersten Beispiele erlebt* Es wird deswegen niemandem\neinfallen ihre Freude an der „reinen“ Wissenschaft und\nihre Verdienste um dieselbe schmälern zu wollen* Nur lehrt\ndie Erfahrung, dass mit dem „Kennen“ nicht allemal das\nErkennen verbunden ist!\nTritt solche merkwürdige Rathlosigkeit in Fragen des\neigentlichen Kunstwertes und der Echtheit alter Kunst-\nwerke häufig zutage, so ist das noch in erhöhtem Masse\ngegenüber modernen Werken der FalL Man verhält sich im\nganzen ziemlich ablehnend gegen dieselben und sucht ihnen\nmit vorgefassten Urtheilen oder gar aus alter Gewohnheit\nmit abgeleiteten „Kunstregein“ beizukommen* Zum Glück\ngibt es keine feststehenden Regeln über Kunst* Das Ge-\nheimnis der Kunst und ihre wunderbare Wirkung auf den\nMenschen liegt nicht zum geringsten Theil in ihrem steten\nWechsel, ihrer Unbeweisbarkeit, ihren unaufhörlichen\nWandlungen, die so oft als Widersprüche erscheinen, in\nWahrheit aber nur natürliche, nothwendige und wohlthu-\nende Gegensätze sind* Und nur darum kennt sie keine\nWiederholungen, weil nicht irgend eine äusserlich wahr-\nnehmbare mechanische Gesetzmässigkeit, eine willkürliche\nästhetische Theorie, sondern der unerferschliche Wesens-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.10", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 1993, "texte": "kern der Psyche über das Kommen und Gehen der handeln-\nden Geister, über das Steigen und Sinken ganzer Entwicke-\nlungsepochen der Menschheit entscheidet* Da die Kunst\nkein definitiv abgestecktes Ziel und einheitliches Ideal,\nsondern ein steter Werdeprocess ist, bei dem es weniger auf\nein gut oder nicht gut, „hässlich oder schön“ ankommt,\nsondern vielmehr auf ein auf und nieder, stärker oder\nschwächer, so ist die willkürliche Anwendung abstracter\nGeschmacksurtheile eine kunstgeschichtliche Thorheit*Vor\n25 Jahren sagte schon Thausing in seiner Antrittsrede an\nder Wiener Universität: er könne sich die beste Kunstge-\nschichte denken, in der das Wort „schön“ gar nicht vor-\nkäme ! Dann fügte er hinzu: Man gefällt sich noch immer\nin einer directen Anknüpfung an ganz allgemeine, mehr\noder minder ungeklärteßegriffe, an einen beiläufigen Schön-\nheitscanon, den man, eingestanden oder unbewusst, von\nder Antike, später von Rafael entlehnt hat* Zur Einsicht,\ndass derartige Geschmacksurtheile nur äusserst relativen\nWert haben und sich fortwährend im Wechsel der Zeiten\nsehr wesentlich verändern, zu dieser Einsicht sind die meisten\nunserer Kunstschriftsteller noch nicht durchgedrungen,\noder sie machen keinen Gebrauch davon.\nHeute stehen nun die Dinge insofern besser, als man\nbeobachten kann, dass die cur Einsicht Durchgedrungenen\nvon solcher ihrer Einsicht doch auch hin und wieder Ge-\nbrauch machen! Die geachtete Stellung, welche hervor-\nragende Vertreter dieser Anschauung, Kunstgelehrte wie\nLiebhaber, heute einnehmen, lässt von ihrem wachsenden\nEinflüsse für die Zukunft das Beste hoffen.\nWir können vom heutigen Standpunkte individua-\nlistischer Kunstauffassung nicht oft und energisch genuv\ndem Irrthum entgegentreten, dass Werke der bildenden\nKunst, ob alte oder moderne, nach den äusserlichen Kenn\nZeichen der jeweiligen „Schulen“ allein zu classificieren\nsind. Es ist ein unkünstlerisches Verfahren, jedem Bilde\ndieActennummer des kunsthistorischen Repositoriums zu"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.11", "debut_caractere": 14, "fin_caractere_exclue": 4662, "texte": "gleich mit dem Zeugnis unseres ästhetischen Wohlgefal-\nlens anzuhängen* Wer in das wahre Wesen schöpferischer\nGestaltungskraft einzudringen vermag, der gelangt früher\noder später zu der Einsicht, dass die Merkmale der Schule\nZufälligkeiten und äussere Begleiterscheinungen sind, die\nuns allein niemals den treibenden Nerv künstlerischen\nSchaffens blosszulegen ver-\nmögen.\nDie Kunstpsychologie ist\ndie höchste und vornehmste\nWissenschaft des künftigen\nHistorikers. Sie liegt jetzt\nnoch in den Windeln, aber\nsie wird erstarken, wenn die\nheutigen Führer unter den\nKunstgelehrten auf der be-\ntretenen Bahn weiterschrei-\nten und die kleine Schar ihrer\nAnhänger mit dem gleich-\nzeitigen Vordringen der\nneuen Ideen zur Herrschaft\ngelangt.\nHier hat vor allem die\nheutige Kritik den Hebel an-\nzusetzen. Wir alle wollen ja eine grosse, tiefe, befreiende\nKunst und mit der Kunst zugleich fordert auch die Kritik das\nkommende Jahrhundert in die Schranken. Nur aus vor-\nurtheilsfreier Anschauung heraus, unabhängig von irgend\neinem „Fach“, kann der kritische Sinn sich bilden und\nklären. Die geistige Vorbedingung, die den berufenen\nKritiker macht, ist in ihrer glücklichen Wechselwirkung\nzwischen Empfinden und Urtheilen, zwischen „E mpfangen“\nund „Wiedergeben“ ebenso unerklärbar wie die schöpfe-\nrische Kraft selbst, denn sie ist im letzten Grunde wiederum\nselbstschöpferisch. Daher soll auch sie an ihren Früchten\nerkannt werden. Wo sind die Früchte kritischer Wirksam-\nkeit am deutlichsten wahrnehmbar? Beim Publicum.\nAn dieses wendet sich der Kritiker, indem er ihm dient\nund hilft, als Interpret.\n„Bei den alten lieben Todten.\nWill man Erklärung, braucht man Noten.\nDie Neuen glaubt man blank zu versteh n;\nOhne Dolmetsch wird's auch nicht geh'n.“\nBei den heutigen Lebensverhältnissen, in denen der\nMassenmensch unter unausgesetztem Hochdruck arbeitet,\nund wo die Zersplitterung eine ruhige Einkehr, ein „Ver-\nweilen im Gefühl des Augenblickes“ (diese erste Vor-\nbedingung des freien künstlerischen Geniessens) unmöglich\nmacht, ist es gar kein Wunder, dass die Welt sich „anders\nals sonst in Menschenköpfen“ im Kopf des Künstlers malt*\nIn gesunden Zeiten war es nicht so* Da gab es eine natür-\nliche Brücke des Verständnisses zwischen beiden Theilen,\ndenn beide hatten Müsse und Gelegenheit, „beschaulich“\nzu seim Heute aber brauchen die meisten wirklich ihre\nAugen ganz nothwendig, wie Morelli ironisch meint, um\nnicht gegen die Wand zu rennen! Das ist ein herbes,\naber wahres Wort* Weil das innere Auge nicht Zeit hat,\nvon den Wundern der Natur etwas zu erfassen, gehen\n1 ausende wie .blinde an\nihren Schönheiten vorüber*\nDiese Wunder und Herrlich-\nkeiten in sich aufzunehmen\nund den Mitmenschen zum\nBewusstsein zu bringen, ist\nKünstlers Beruf; ihm beim\nPublicum an die Hand zu\ngehen, der des Kritikers*\nDie bildende Kunst ist\neine Sprache, die erlernt wer-\nden muss, denn auch die Er-\nkenntnis des Grossen und\nEwigen in der Kunst wie im\nLeben will erworben sein,\ndamit man sie besitze*\nDer Weg ist weit, aber\nnicht hoffnungslos! Es gilt,\nzunächst die Aufnahmefähigkeit für echte Kunst zu wecken,\ndas Empfinden, nicht den „Verstand“* Das ist der wesent-\nliche Punkt* Alfred Lichtwark, dem wir bisher die meiste\nAnregung in Fragen der Kunsterziehung verdanken und\ndessen Schriften („Wege und Ziele des Dilettantismus“,\n„Makartbouquet und Blumenstrauss“ etc*) allgemein ver-\nständlich sind und daher von Kunstfreunden nicht häufig\ngenug gelesen werden können, sagt: „Wie wenig die Ein-\nsicht vorhanden ist, dass beim Schaffen und Geniessen (das\nja wesentlich Nachschaffen ist) die Kraft der Empfindung\nden Ausschlag gibt und nicht die des Verstandes, geht aus\nunserer Sprachgewohnheit deutlich genug hervor* Wir\nnennen Kunstverständnis, was eigentlich Kunstempfindung\nheissen sollte, und es ist bezeichnend, dass die Verurtheilung\nirgend einer neuen Erscheinung in der bildenden Kunst\nam liebsten mit der Formel eingeleitet wird: Ich verstehe\nnicht, ich kann nicht begreifen * * ♦“\n„Begreifen!“ Die Kunst ist nicht greifbar mit dem\nVerstand, nur mit den inneren Sinnen, mit dem Gefühl*\nDieses bedarf umsomehr noch der Ausbildung, als wir in\nder Sprache der bildenden Kunst nicht einmal ein Äqui-\nvalent für das Wort „unmusikalisch“ haben! „Unmalerisch“\ndrückt etwas ganz anderes aus, bezieht sich auf einen äus-\nseren Eindruck, nicht auf eine mangelnde innere Anlage,\ndie weit häufiger in der Unempfänglichkeit für Form und\nFarbe, als für musikalische Eindrücke bemerkbar ist*\nMehr als zuvor wird es künftig der Beruf des Kritikers\nsein,das grosse Publicum für die Ereignisse der künstlerischen\nZeitgeschichte zu interessieren und mit ihren bedeutendsten"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.12", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 1657, "texte": "Erscheinungen bekannt zu machen, nachdem Adel und\nFürsten nicht mehr als Gönner allein in erster Reihe stehen,\nEin Privatsport der Mäcene ist die Kunst lange genug ge-\nwesen* Wir brauchen eine Volkskunst im weitesten Sinne,\neine Kunst, die für jeden da ist, der sie zu erkennen vermag.\nUnd hat der Kritiker einmal ein Kunstwerk erkannt und\ndie Aufmerksamkeit auf dasselbe gelenkt, so dass es dem\nallgemeinen Verständnis nahegebracht ist, dann hat er für\nKünstler und Publicum zugleich etwas geleistet.\nDann ist seine Thätigkeit eine wahrhaft zeitgenössi-\nsehe und aufbauende, kein unfruchtbares Wortgefecht\nmehr, keine negierende, sondern eine positive Wirksamkeit.\nUnd durch diese schöpferische Wirksamkeit wird der Kri-\ntiker selber zum Künstler.\nUnd du, der du weder Kritiker noch Künstler bist,\naber die Kunst ganz unbefangen gemessen möchtest, gehe\nan sie heran, ohne vorgefasste Meinung über das was sie\n„soll“ und „muss“. Die Kunst ist etwas Lebendiges sie ist\nder Widerschein der Welt, der Welt, „gesehen durch ein\nTemperament“*\nDenke nicht, ein Kunstwerk habe nur Berechtigung\nwenn es auf einen Witz, eine Anekdote oder eine Verlo-\nbung hinausläuft. Das sind Aushängeschilder, Bauernfän-\ngereien. Suche in das Verständnis der Sprache\ndringen, die es in Farben und Linien ausdrücken will gehe\nihm mit offenen Sinnen entgegen und lasse es auf dich\nwirken. Und will es nicht gleich wirken, so denke* es\nliegt wohl an mir“, und kehre einmal wieder zu ihni\nrück, wenn du empfänglicher und zum Verständnis seiner\nSchönheit reifer geworden bist. 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(Eine Farbenskizze.)\n\nDas war eine seltsame Zeit, als der blasse Kaiser Rudolf, mit jedem Tag\nJahre alternd, auf dem Hradschin sass und Reiche verlor und Sterne gewann.\nDamals geschaht, dass ein schlichter Mann, in enger Gasse irgendwo, seine\nArbeit liess und hinaus in den Alltag horchte, oder dass ein Greis lange in\nseinem Garten, nahe dem Stadtthor, sass und dem Abend entgegenspähte,\noder dass ein Hund um Mitternacht wach wurde und ohne Grund und Gefahr\nheulte bis in den nächsten matten Morgen hinein. Über den dumpfen Massen\naber wuchsen da und dort Menschen empor, überlebensgross, gleichsam ge-\nkleidet in den Feuerschein der bangen nahenden Tage. Und ihr Schatten lag\nschwer über ihrer Zeit.\nSo war des Kaisers heimlicher Sohn; Julius Caesar. Als müsste er alle\nTräume, die sein Vater unter dem strengen Gewand des spanischen Hofes\nnur verborgen hatte träumen dürfen, leben: so war er.\nDas war auf der Feste Krummau, welche die Habsburger von den Rosen-\nbergen übernahmen. Heute noch besteht der Maskensaal und seine Wände\nleben von hohen, bunten Frescogestalten. Hinter jedem Paar scheint eines\nund noch eines sich zu rühren, Pagen und Narren drängen sich schmeichelnd\nund schäkernd durch die Reihen, und die Grenadiere an den Thürpfosten sind\nein mächtiger Schrecken, heute noch. So begreift man’s: die Leute loben den\nalten, unbekannten Maler sehr. Ich aber weiss, obwohl ich denTodten nicht\nkränken will, dass das Bewegliche in den Figuren nicht ihm zu Verdienst ge-\nhört, sondern es liegt daran, dass die Gestalten nie recht erstarren. Sie müssen\nalle immer wieder erwachen, um die EINE Nacht zu feiern. Diese aber hub an:\nRitter und Damen erfüllen den strahlenden Saal mit ihrem schimmern-\nden Gewimmel. Bis die riesigen Grenadiere an der Thür die Hellebarden hart\nauf den Boden stellen. Da ordnen sich die Reihen. Ein Donner rollt über sie\nhm. Mit seinem wilden, schwarzen Sechsgespann ist Julius Caesar an der ra-\ngenden Rampe vorgefahren und kaum einen Athemzug später steht er, schlank\nund schwarz, mitten unter den Gästen. Wie eine Cypresse im wehenden Ähren-\nfeld. Dann mischt die Musik die Menge; eine fremde Musik, welche beim\nAneinanderstreifen der köstlichen Kleider zu entstehen scheint und wach-\nsend, breit und brausend aus den Massen sich erhebt, wie die Melodie eines\nMeeres. Da und dort theilt der schwarze Prinz mit einem Wink die willigen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.15", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 2726, "texte": "Wellen, verschwindet in ihnen, taucht an einem anderen Platz, schwarz, aus\nden glänzenden Gästen empor lässt sein leuchtendes Lächeln wie einen\nverlorenen Sonnenstrahl über sie hingleiten und schleudert, an eine Säule\ngelehnt, ein helles, königliches Wort, wie ein Juwel, mitten ins Gewoge* Alle\nhaschen danach* Und unter dem wühlenden und immer wilderen Hm und\nWieder geht leise die heimliche Lust auf* An des silbernen Ritters Seite er-\nkennt der Prinz ein blasses, blaues Fräulein und fühlt zugleich: Liebe für die.\nBlaue, Hass für den Silbernen* Und beides in ihm ist rasch und roth* Er neigt\nsich dem Paar* Schau, hat er den Ritter zum König gemacht? Denn dem fliesst\nüber den blanken Panzer ein Purpur nieder, immer breiter und blutender, bis\ner stumm zusammenbricht unter den Falten des fürstlichen Mantels* „Es geht\nmanchem König so“, lacht ihm der Schwarze in die sterbenden Augen* Da\nerstarren die festlichen Gäste vor Grauen und ehe sie noch ihr Lächeln ver-\ngessen, blassen sie langsam in die verlöschenden Wände zurück und kahl wie\nFelsland steigt der verlassene Saal aus ihren letzten leuchtenden Wellen*\nNur Julius Caesar bleibt und das gierige Glühen seiner trotzigen Augen\nversengt dem zitternden Fräulein die Sinne* Allein wie er sie greifen will, ent-\nwindet sie sich seinen zwingenden Blicken und flieht in den schwarzen, hallen-\nden Saal; ihr dünnes, blaues Seidenkleid bleibt zerfetzt, wie ein Stück Mond-\nlicht, in den gierigen Fingern des Prinzen, und er windet es sich um den Hals\nund würgt sich damit* Dann tastet er ihr nach in die Nacht hinein und jubelt\njetzt auf* Er hört: sie hat die kleineTapetenthür entdeckt, und er weiss: nun ist\nsie sein* Denn von da gibt es nur einen Weg die schmale Thurmtreppe,\ndie in das kleine duftende Rundgemach mündet, hoch im Moldauthurm* In\nsicherer und übermüthiger Hast ist er hinter ihr, immer hinter ihr, und er ver-\nnimmt nicht ihren verscheuchten Schritt, aber wie einen Glanz ahnt er sie vor\nsich bei jeder Biegung der Treppe* Da fasst er sie wieder und jetzt hält er das\nzarte, angstwarme Hemdchen in der Hand, nur das Hemdchen, und seinen\nLippen und Wangen scheint es kühl* Es schwindelt ihn, und wie er seine Beute\nküsst, lehnt er zögernd an der Wand* Dann, mit drei, vier Tigersprüngen\ntaucht er hinauf in die Thür des Thurmgemachs und erstarrt: hoch vor\nder Nacht ragt, nackt, der reine weisseLeib, wie am Fensterrande aufgeblüht*\nUnd reglos bleiben beide* Aber dann, ehe er's noch denkt, heben sich zwei helle,\nkinderzage Arme aus der Gestalt in die Sterne hinein, als wollten sie Flügel\nwerden, es erlischt etwas vor ihm, und vor dem hohen Fensterbogen ist nichts\nmehr als hohle, heulende Nacht und ein Schrei * * *\n\nRAINER MARIA RILKE."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c024", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "12", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.9.1", "titre_corps": "Buchschmuck", "titre_sommaire": "Buchschmuck", "signature_source": "Alf. 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Engelhart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.22", "debut_caractere": 564, "fin_caractere_exclue": 595, "texte": "Für V. S. gez.\nv. J. 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S.\n\nNächst den Kirchen spielen in der Kunstge-\nschichte die Paläste, welche den gekrönten\nHäuptern zum Wohnsitz gedient hatten, die\ngrösste Rolle, weil jede Zeit in ihnen ihr\nReichstes und Bestes gab und sie so schön\ngestaltete, als sie eben vermochte. Diese\n„Schlösser, Höfe, Burgen“ sind somit die Proben auf die\nkünstlerische Potenz ihrer Entstehungszeit. Was werden\nunsere Nachkommen für Schlüsse auf unsere künstlerische\nQualität ziehen, wenn sie den neuen Burgbau als Massstab\nderselben benützen werden? c\nDoch nicht vom Bau wollen wir heute reden. Seit er\nvergeben wurde, hat sich ja viel geändert, sehr viel, nur\neines nicht: die schreckliche österreichische Gepflogenheit,\nin künstlerischen Fragen immer zuerst den Beamten und\ndann erst den Künstler zu Wort gelangen zu lassen. Alle\nHoffnungen, die Österreichs Künstlerschaft bezüglich der\nInnenausschmückung der neuen Burg etwa noch gehegt\nhat, sind durch die Preisausschreibung für ein Deckenbild im\nMaria Theresien-Saale, welche im Amtsblatte der „Wiener\nZeitung“ vom 23. Februar 1898 veröffentlicht wurde, ver-\nnichtet. Wenn der Geist, dem diese Preisausschreibung ent-\nsprungen, bei der Innenausschmückung der Burg derleitende\nist, dann hat die Kunst von den Summen, die da zur Ve-\nrfügung stehen, nichts zu 'ff“1 IN\nÖsterreich einem neuen MONUDENTALEN\nGLÜCK zu. Zwei Zimmer Louis XV., zwei Louis XV 1„\neines Empire, u.s.f., so lautet der Regimentsbefehl für die\nKünstler. Und warum? Die wie eine halbe Entschuldigung\nklingende Antwort heisst: Weil alle diese Stilarten wahrend\nder Regierungszeit unseres Kaisers sich in der Herrsc a\nnacheinander abgelöst haben. Nur verzopfte Gelehrte,\nwelche selbst nie einen schöpferischen Gedanken gehabt\nhaben, können auf die Idee kommen, bei der Zimmeraus\nschmückung „alle Stilarten, welche die letzten 50 Jahre\nbeherscht haben“, in Anwendung zu bringen und nur\nEINEN Stil auszuschliessen t den heutigen; nur Bureau-\nkraten können den vertracten Beschluss\nneuen Burg alle Experimente, Versuche, Anlaufe der\nktzten 50 Jahre in monumentaler Weise zu verewigen,\ndas endliche Resultat all dieser Bemühungen aber, die\nglücklich gefundene moderne Kunst, auszuschliessen.\nUnd noch Eines: Wie fühlt sich der Kunstverstän-\ndige theils zum Zorn, theils zum Lachen gereizt, wenn er,\ndie Salons unserer Reichen besuchend, dieselben mit einer\nschablonenhaften Eleganz eingerichtet findet, die nicht einen\nFunken individuellen Geschmackes aufweist, sondern die\nRäume den Hötelsalons oder den Wartezimmern der Zahn-\närzte nähert. Und ist es denn ein anderes Pnncip, nachdem\njetzt das Haus des Kaisers eingerichtet werden soll? Ist\nkeinem der weisen Räthe eine leise Ahnung davon aufge-\nstiegen, dass es angemessen wäre, in der von Franz Josef L\nerrichteten Burg den schlichten, allem Prunke abholden,\nsoldatischen Sinn dieses Kaisers zum Ausdruck zu bringen ?\nGibt es wirklich jemanden, welcher meint, die Umgebung,\ndie sich ein Ludwig IL von Bayern schuf, passe auch für\nunseren Kaiser?\nUnd nun endlich die Preisausschreibung für das\nDeckenbild im Maria Theresien-Saale! Man lese sie doch\nin der „Wiener Zeitung“ nach! Maria Theresia soll, um-\ngeben von den Grossen ihrer Zeit, dargestellt werden* Hat\nman an dem unglücklichen Deckenbilde im Goldsaale des\nHofmuseums noch nicht genug? Muss bei uns wirklich\nalles zweimal gemacht werden, einmal schlecht, das zweite-\nmal noch schlechter? Dort im Museum sieht man, glauben\nwir, deutlich genug, dass sich Deckenbilder überhaupt nicht\nzum decorativen Culminationspunkt eines Raumes eignen,\ndann, dass sich solche Sujets nicht für Deckenbilder eignen*\nBemale ich eine Decke schon, dann muss ich die Compo-\nsition so halten, dass ich von jedem Punkte des Saales beim\nflüchtigen Aufblick ein Bild erhalte; klebe ich aber, wie\nes hier geschehen ist, einfach ein Tafelbild auf den Plafond,\ndann muss ich den Saal so ausgestaltem dass ich dem Be-\nschauer die Möglichkeit biete, an der unter dem oberen\nBildende gelegenen Saalseite eine horizontale Lage anzu-\nnehmen* Ist dies wie hier nicht beabsichtigt, nicht nöthig\noder nicht thunlich, dann ist auch das auf den Plafond\ngeklebte Tafelbild ein Unsinn* Dann weiter: „Die Com-\nPosition soll dem Stile der Zeit (Maria Theresias) ange-\npasst sein*“ Ja, meine verehrten Herren Concurrenzaus-\nschreiber, zu Maria Theresias Zeiten haben in die Disposition\nsolcher Aufgaben eben Künstler dreinzureden gehabt und\ndenen wäre es überhaupt nie eingefallen, solche kindische\nDispositionen zu geben wie Sie, meine geehrten Herren\nKunstbeamten* UND EIN UNTER SOLCHEN\nUMSTÄNDEN ENTSTANDENES WERK SOLL\nDANN DIE ÖSTERREICHISCHE KUNST AUF\nDER WELTAUSSTELLUNG IN PARIS REPRÄ-\nSENTIEREN! WIE KOMMT DIE ÖSTERREI-\nCHISCHE KÜNSTLERSCHAFT DAZU, SICH SO\nLÄCHERLICH MACHEN ZU LASSEN? Und das\nwird sie auf diese Weise*\nEin ehemaliger österreichischer Politiker pflegte seine\nReden in pathetischer Weise mit dem Rufe „armes Öster-\nreich“ zu schliessen; wenn irgendwo, so ist dieses Dictum\nhier am Platze*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c037", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "21", "page_fin": "21", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.17.1", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "O. Friedrich", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.23", "debut_caractere": 5039, "fin_caractere_exclue": 5052, "texte": "O. Friedrich."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c038", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "21", "page_fin": "21", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.17.2", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "Jos. Hoffmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.23", "debut_caractere": 5023, "fin_caractere_exclue": 5037, "texte": "Jos. 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Auf die einzelnen zum Theil recht hu-\nmoristisch wirkenden Entwürfe näher einzugehen. lohnt\nsich nicht»\nBei Miethke sind eine Anzahl kunstgewerblicher Ob-\njecte ausgestellt, die Interesse beanspruchen können Es\nsind aus italienischen Werkstätten stammende, meisterhafte\nFachbildungen von Statuetten, Räucherfässern, Leuchtern\nAmpeln und Büsten, die bei neuerlichen pompejanischen\nAusgrabungen zutage gefördert wurden. Einige unter\ndiesen Nachbildungen sind von entzückendem fcünstleri-\nsehen Feingefühl."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c040", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "22", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.18.1", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "Alf. 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Koch, Darmstadt, bringt Artikel über: „Moderne Kunst-\nverglasung und Glasmalerei“, „Über Deutsche Medaillen und Pla-\nauetten“ (entworfen von Christiansen in Paris und ausgeführt von\nK. Engelbrecht in Hamburg), „MÖGLICHKEIT UND ZIELE EINER\nNEUEN ARCHITEKTUR“, von August Endell in München.\nHeft 6 derselben Zeitschrift enthält einen vortrefflichen Artikel über\nMELCHIOR LECHTER, von Georg Fuchs (München), welcher das\nLeben und den Werdegang dieses originellen und ungemein vielseitig\nbegabten Künstlers eingehend behandelt. Als literarische Arbeit gründ-\n. J r, U„„J ;„f 4}escr Artikel jedem Leser zu empfehlen. Auch an den auf voller Höhe\nIIChu i len kann man seine Freude haben; der Gesammteindrucfc, den man\nstehenden Repr 3mmenfassen in den Worten, die der Künstler selbst eingeschnitzt hat in\nÄÖ5Äch denn „ach GWi Ich hach.« „ach Wcchc-\nnc„np ATT VF KUNST“ (H. Bruckmann und Meier-Graefe) bringt im Februarheft\n’V wSen Artikel über „BELGISCHE INNENDECORATION“ und gleichfalls\neinen vortrefflichen pttchW ™*Abbildungen nach Hans Unger, Th. Th. Heine, Alfred\nüber „DEU 1 SC anschaulichen Darstellungen aus berufener Feder können jedem Leser\nRoller undanderen, yQn petCf Wafle:\nrjFNKM ALB AUTEN VON BRUNO SCHMITZ“, welche den genialen Sieger\n„DEU I btitlt U sconcuttenzcntrefflich charakterisieren. Als weitere Beiträge seien er-\nm so zahlreichen ierung des LUXUS“, „Neues Meissener Porzellan“ und\nwähnt: „DIE DE französischen Architektur“. Das sechste (März-) Heft ist dem eng-\n,,Moderne Kunst Decorateur C. F. A. VOYSEY gewidmet. Ein zweiter, sehr lesens-\nehr interessante Artikel bringt die Februar-Nummer von „THE AR-\nTIST“ über: ARTHUR HACKER, sowie über die beiden französi-\nsehen Künstler: EDMOND ROCHER, den genialen Illustrator, und\nATRFRT DAMMOUSE, den Keramiker; ferner Reproductionen\nnach Arbeiten von JEAN DAMPT, PATTEN WILSEN, LOUIS\nRHEAD, Fix MASSEAU und einen Bericht über die nordische\nauf der letzten Stockholmer Ausstellung, mit Illustra-\ntionen nach ALF. WALLANDER, Prof. P. KROHN, E. Wenner-\nberg, A. Lindegren, F. A. Hallin, M. Michelsen und anderen. In\neinem meisterhaften Aufsatz über die genialen Buchillustrationen von\nLAURENCE HOUSMANN entwickelt Mabel Cox ihre klaren An-\n< -t A „Fassung und das Verständnis von echten Kunstwerken und deren Wir-\nschauungen über die A Essay, das jedem Kunstverständigen Freude machen wird. Den\näker c“k’Sheraton “nJ “dere\nKunsttischler Englands, und treffliche Bucherkntiken.\n... aoart präsentiert sich eine Novität von H. MEIER-GRAEFE\n(Paris). Es ist das eine interessante Publication über F. V ALLOTTON,\nwelche eine glückliche Auswahl der charakteristischen schwarz-weiss\nBlätter des geistvollen Franzosen enthält. Wer sich einen Begriff da-\nvon machen will, was sich mit der einfachen Wirkung von schwarzen\nund weissen Flecken erreichen lässt, der kann es aus diesem Buche\nlernen; man braucht nur die vier Hazardspieler bei Kerzenlicht („le\nPoker“) oder „Die Faulheit“ („la Paresse“) oder die kleinen badenden\nFiguren anzusehen, um sich von der verblüffenden Wirkung dieser\nZeichnungen zu überzeugen."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.26", "debut_caractere": 12, "fin_caractere_exclue": 1274, "texte": "ine trefflich geleitete Zeitschrift\nbleibt „THE STUDIO“* Dies\nbeweist die vor uns liegende\nFebruar-Nummer* Der Leit-\nartikel behandelt die Arbeiten\nBorough Johnsons, dann folgt\neine Fortsetzung von Gleeson\nWhites Artikel über fcunstge-\nwerblicheArbeiten einigerGlas-\ngower Künstler, unter Anderen\nOSKAR PATERSON und HARRY THOMSON, die\nbeide durch eine Reihe äusserst geschmack- und phantasie-\nvoller Zeichnungen für farbi-\nge Glasfenster und für Gefässe\naus oxydiertem Silber mit\neingelegter Emaille vertreten\nsind. Der dritte Artikel bringt Zeichnungen und Aquarelle\nvon NICO JUNGMANN und diesem folgt ein interessanter\nAufsatz von Gabriel Mouray über den genialen französischen\nCarricaturistenC AR.AN D’ ACHE, dessen Skizzen. Studien\nund Silhouetten auf Transparentpapier (aus der Sammlung\nvon „ombres chinoises“ für „L'epopee“) ganz Paris seiner-\nzeit elektrisierten. Caran d'Ache ist in Wien nur auf der\nvorjährigen Placat-Austeilung durch seinPlacat für„l'cx-\nposition russe“ auf dem Champ de Mars bekannt gewor-\nden, Aus den weiteren Illustrationen seien noch drei Ra-\ndierungen des Worpsweders HEINRICH VOGELER\n(„Liebe“, „Frühling“ und „Das Mädchen und die Raben“)\nund eine farbige Reproduction\nnach einer Landschaft von\nFERNAND KHNOPFF\nhervorgehoben.\n\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c044", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c044", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.19.2", "titre_corps": "Buchstaben u. 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S. gez.\nKolo Moser."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c048", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c048", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 26, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.19.3", "titre_corps": "Böllerschiessen : Gezeichnet", "titre_sommaire": "Böllerschiessen : Gezeichnet", "signature_source": "J. V. 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S.\nDen Wert und die Bedeutung, die ein künstlerisch\ngesunder Dilettantismus für die zeitgenössische Kunst be-\nsitzt, hat Lichtwarfc in seiner trefflichen Schrift „Wege und\nZiele des Dilettantismus“ in schlagender Weise dar gelegt*\nDurch die neuerliche Aufnahme des Gummidruckver-\nfahrens ist die Amateurphotographie der rein sportlichen\nBehandlung der sie bisher vielfach verfallen war, entrückt\nund in eine künstlerische Sphäre erhoben worden* Die\nEinbürgerung und Vervollkommnung des Gummidruck-\nverfahrenshaben wir dem Wiener Camera-Club, insonder-\nhert den Herren Henneberg:, Watzek und Kühn zu danken\nWir werden im nächsten Hefte einen ausführlichen Artikel\naus berufenster Feder über dieses Verfahren bringen. Durch\ndasselbe wird die Amateurphotographie fortan zu einem\nnicht zu unterschätzenden Bundesgenossen für die Propa-\nganda künstlerischer Lebensauffassung, in deren Dienst wir\nstehen*\nDas Entgegenkommen des Clubs setzt uns in die an-\ngenehme Lage, fortan Reproductionen erlesener photo-\ngraphischer Werke in zwangloser Folge ohne Einschrän-\nkung des sonstigen Inhaltes unserer Hefte an dieser St*>llo\nunseren Lesern bieten zu können*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c054", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c054", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 29, "image_fin": 29, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.20.3", "titre_corps": "Wiesenblumen", "titre_sommaire": "Wiesenblumen", "signature_source": "H. Watzek", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 29, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.29", "debut_caractere": 42, "fin_caractere_exclue": 70, "texte": "Wiesenblumen.\nVon H. Watzek."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c053a", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c053a", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "28", "page_fin": "29", "image_debut": 30, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.21", "titre_corps": "DER AUSSCHUSS FÜR KUNST IM HANDWERK", "titre_sommaire": "DER AUSSCHUSS FÜR KUNST IM HANDWERK", "signature_source": "S.", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 30, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.30", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 3013, "texte": "DER AUSSCHUSS FÜR KUNST IM HAND-\nWERK in München, auf dessen neues Unternehmen wir\nvor der Drucklegung unserer Februar-Nummer nur kurz\nhm weisen konnten, hat sich eine Aufgabe gestellt, die der\nwärmsten Zustimmung aller Kunstverständigen versichert\nsein kann* Das Ziel besteht darin, das neue deutsche Hand-\nwerk zu fördern und namentlich auch dem allzustarken\nEindringen des Fremden gegenüber zu der Geltung zu\nbringen, die es beanspruchen darf und muss* Ein Haupt-\naccent soll nun dabei auf die Verbesserung des Innen-\nschmucks unserer Häuslichkeit gerichtet werden, und für-\nwahr, eine solche Verbesserung thut noth! Der „ver-\nunziere dein Heim“- Stil lastet schwer auf uns*\nMit besonderem Dank ist der Ausschuss daher zur\nÜbernahme ganzer Zimmereinrichtungen neuen Stils be-\nreit, unter möglichst alleiniger Verwertung deutscher\nStoffe und Kräfte* Dass dieses nur als eine vorläufige\nDefensivmassregel gegen den all-\nzustarken Einfluss ausländischer\nErzeugnisseund Stile aufzufassen\nist, erhellt von selbst, denn die\nhochentwickelte, ausländische\nKunstindustrie ist um so gefahr-\nvoller für unsere Selbständigkeit,\nje vortrefflicher sie nicht nur an\nsich ist, sondern namentlich je\ngünstiger die Verhältnisse sind,\nunter denen sie im Vergleich zu\nden unsrigen thatsächlich zu pro-\nduzieren vermag* Will das zu-\nrückgebliebene, einheimische\nKunsthandwerk jetzt noch das\nVerlorene einholen, so bedarf es\neines Schutzes nach aussen, da-\nmit es erst einmal Raum gewinne,\nseine Schwingen überhaupt frei\nerheben zu können.\nNoch ist die Erinnerung frisch an die im Vorjahre\nim Munchener Glaspalast ausgestellten Proben deutscher\n„Kleinkunst , die das Vertrauen auf eine Zukunft unseres\nheimischen Kunsthandwerkes mächtig zu heben geeignet\nwar. Selbstverständlich ist unter „heimisch- kein klein-\nbürgerlich particularistischer Standpunkt gemeint. Hier\ndeckt sich der Begriff mit Selbständigkeit; denn eben darin\nsind uns nicht nur die grossen, sondern auch kleinere Cul\nturnationen, wie 2. B. Dänemark, um ein bedeutendes\nvoraus*\n, „ Untef fen Mitteln, durch welche die Gesellschaft\n(„Vereinigte Werkstätten für Kunst im Handwerk-, Mün-\nchen, XIX., Kratzerstrasse J) ihr Ziel erreichen will, seien\nfolgende hervorgehoben: Sie vermittelt durch eine von dem\nAusschüsse eigens dazu eingerichtete „Auskunftei“ die\nVerbindung zwischen den Künstlern, Herstellern und Ab-\nnehmern und sucht zugleich auf dem Rechtswege oder\ndurch die Presse einer unrecht-\nmässigen Ausbeutung durch un-\nlautere Nachahmung und Ver-\nwendung künstlerischer Ent-\nwürfe entgegen zu treten. Sie\nzahlt entweder den Künstlern\nihre neuen Entwürfe bar oder\nsichert dem Künstler die Aus-\nführung mit einem Gewinnan-\ntheil ohne jede Geschäftsgefahr\nzu. In gleicher Weise bestellt sie\nund zahlt den Handwerkern eine\ngrössere Anzahl von Stücken\nund übernimmt den geschäft-\nlichen Betrieb ohne Risico für\ndieselben.\nDass hier vernünftige, durch-\nführbare Massnahmen und dabei\nideale Gesichtspunkte zugleich\nins Auge gefasst sind, liegt auf der"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.31", "debut_caractere": 12, "fin_caractere_exclue": 1900, "texte": "Hand* Der erste praktische Erfolg dürfte\nsich schon durch eine würdige Vertretung\ndes deutschen Kunsthandwerkes auf der Pa-\nriser Weltausstellung *9OO fühlbar machen*\nNicht so klar auf der Oberfläche liegt viel-\nleicht eine gewisse Gefahr, über die wir bei\ndieser Gelegenheit unsere Ansicht nicht zu-\nrücfehalten möchten*\nDieser Nachtheil besteht schon in der\nmechanischen Vervielfältigung künstleri-\nscher Entwürfe überhaupt! Vom idealen\nGesichtspunkt aus sind diese immer zu be-\nkämpfen* Als ein nothwendiger Übergang\nvon schlechtem zu besserem ist dies Unter-\nnehmen daher vorläufig aufzufassen* Die\nVervielfältigung künstlerischer Musterent-\nwürfe statt wertloser Schablonen kann da-\ndurch erreicht werden; und das ist viel, aber\nnicht alles* Die letzte Consequenz, die man\naus dieser Reform zieht, wird mit der Zeit\nhoffentlich die sein, dass die durch Bildung\nund Mittel bevorzugten einen nicht durch die\nmechanische Vervielfältigung vertausend-\nfachten, für jedermann erschwinglichen,\nkunstgewerblichen Gegenstand zu besitzen\nstreben, sondern ihren Stolz darein setzen,\neine rein künstlerische Arbeit, die nur einmal vorhanden\nist und die aus erster Hand kommt, als Schmuck des\nWohnraumes zu eigen zu haben*\n„Der Mensch ist das Product seiner Umgebung“, hat\nman gesagt* Sorgen wir dafür, dass unsere häusliche Um-\ngebung, unser tägliches, geistiges Brot, besser und schmack-\nhafter werde, dann wird auch das ~Product , der IVlensch,\nzufriedener, intelligenter und glücklicher werden*\nWir wünschen dem Unternehmen den Erfolg, den es\nverdient, und verweisen im übrigen unsere Interessenten\nauf die Statuten und Satzungen der Gesellschaft, deren\nderzeitiger Vorsitzender Hofrath Dr* Rolfs und deren Aus-\nschuss sich aus den Herren Architekten Theodor Fischer\nund Martin Dülfer, den Malern F* A* O* Krüger und\nRichard Riemerschmid und dem Bildhauer Hermann\nObrist zusammensetzt* S.\n\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c055", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c055", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "28", "page_fin": "28", "image_debut": 30, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.21.1", "titre_corps": "Studie", "titre_sommaire": "Studie", "signature_source": "J. 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J.\nEngelhart."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c056", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c056", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "28", "page_fin": "28", "image_debut": 30, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.21.2", "titre_corps": "Entwurf zu einem Bilderrahmen", "titre_sommaire": "Entwurf zu einem Bilderrahmen", "signature_source": "Jos. 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Es musste\nunseren Delegierten, welcher behufs Auswahl der\nfranzösischen Kunstwerke in Paris weilte, sehr\nmerkwürdig berühren, dass man sich gerade an\nunsere eigenen Mitglieder mit der Aufforderung\nzur Betheiligung an der Jubiläums-Ausstellung\nlegialc Unterstützung, wel£ sl?mt‘/ <\nJen, um so höhe, anzusehL “ Bet“n‘\n=ilg|=sSa\nin ganz\nIM HANDEL NICHTeERHÄLTLICHkt 7^’\ndf (lV^Hec-\nh ginal’“Är^6 DrrU<t VOn\nPhien, Holzschnitten“TwlZ 'T?\nSolche Beilagen waren zumt ttfl br:ngt-\nLithographie von los F \\u eme Original-\nzwei OrLinal Raiv Engelhart' *«m 2. Hefte\n3. HefteTe OrigtÄ\"\nnier von Jos. Engelhart und gfap|lle,m Schabma-\nLithographie von Max Lenz\"bl^e\nworfen: für das I. Heft von Ah ed Ä\n2. Heft von Kolo Moser,Lm 3. iS?? 4' daS\nZeidimmg Klimts verwendet; das Titelblatt dieses\n4. Heltes rührt von Rudolf v rw t,7 ,\nMit der Zusammenstellung und dem Ar7L\ndes texdichen und illustrativen Theiles jedes^HHtes\nt der jewerhgeßedactions-Ausschuss der Verein?\nä”Ä:faH\"°'Ho11“'"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1898-04-01-c061", "article_bluemountain": "bmtnabf_1898-04_01#c061", "volume": "bmtnabf_1898-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "30", "image_debut": 32, "image_fin": 32, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.2.22.1", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "J. Engelhart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 32, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.32", "debut_caractere": 2504, "fin_caractere_exclue": 2527, "texte": "Für V. S.\nJ. 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PRAG, Ferdinandstrasse 37."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.1", "texte": "I. Jahrgang, = Heft 4.\nEinzelpreis 2 Kronen\nver sacrum\nOMftMÄ\nÄwoarM\nMlKflDCii\nRoovnäM\nO/FCfiMQftt\nffIPWL\n'W fl\nj4hßii(H' i2-h(rß' i/rt-4ßom(7n(jf\nen.-io/tv\nVerlag Gerlach & Schenk, Wien VI/J.\nAlle Rechte Vorbehalten."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.2", "texte": "TEXTLICHER INHALT:\nKUNSTKRITIK. Von Wilh. Schölermann, Wien.\n(Farhenskizze.)V on Rainer Maria Rilke,Berlin.\nDERHANDKUSS.V on Detlev vonLiliencron, Hamburg.\n(Aus „Kampfe und Ziele“, Verlag von Schuster und Löffler, Berlin.)\nDER MARIA THERESIEN-SAAL IN DER NEUEN\nHOFBURG* Von V* S*\nS,3£LLUNGEN' ZEITSCHRIFTEN. Von S.\nAUS DEM WIENER CAMERA-CLUB. Von V. S.\nBESPRECHUNGEN. Von S.\nMITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDEN-\nDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS.\n\nGERLACH & SCHENK, Verlag für Kunstgewerbe,\no* WIEN, VI/J, Mariahilfcrstrasse ss. ,jt\n—. VER SACRUM\nist das OFFICIELLE ORGAN der VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS und\nwird HERAUSGEGEBEN VON DERSELBEN.\nLITERARISCHER BEIRATH; Hermann Bahr, Schriftsteller;\nDr. Max Eugen Burckhard, Director des k.k.Hof-Burgtheaters etc.\nSCHRIFTLEITUNG: WILHELM SCHÖLERMANN,\nIV., HECHTENGASSE 1. (Sprechstunden: 2>/,-5 Uhr.)\nFür die Redaction verantwortlich: Alfred Roller, Akadem. Maler,\n111., Rennweg 33.\nZUSCHRIFTEN für den ANZEIGETHEIL an; HAASENSTEIN &\nVOGLER (OTTO MAASS), 1., WALLPISCHGASSE 10.\ndich es von Anger er & Gösehl, £VI/L\nDruck von Philipp & Kramer, VIA. Barnabitengasse 7 und 7a*\nSÄMMTLICH IN WIEN.\n. - VER SACRUM\nerscheint ab Jänner 1898 jährlich in 12 Monatsheften, ein-\nschliesslich von 2—3 Ausstellungsheften, je 24—30 Seiten\nstark, im Formate von 28 V2:30 cm*, in Buch- und\nFarbendruck, auf feinstem Kunstdruckpapiere*\nJahresabonnement Kr. 12 = M. 10.—\nPreis des einzelnen Heftes ~ 2. = „ 1.67\nAusstellungshefte im Einzelverkaufe ~ 3. = ~ 2.50\nABONNEMENTS NEHMEN ALLE BUCH-UND\n* KUNSTHANDLUNGEN ENTGEGEN*\nGegen vorherige Einsendung des Betrages kann die Kunst-\nzeltschrift auch direct von der Verlagshandlung (Gerlach &\nSchenk) bezogen werden. Letztere liefert nach allen Orten, die\nim Postbezirke von Österreich-Ungarn und des Deutschen Reiches\nliegen, franco unter Kreuzband. Nach den anderen Ländern\nerfolgt Portoberechnung.\nVerlag und Administration von\nGERLACH & SCHENK, Wien, VI/1, Mariahilferstr* 51,\nwohin alle die Expedition betreffenden Zuschriften er-\ny beten werden*\nALLE RECHTE VORBEHALTEN*\nGERLACH & SCHENK, Verlag für Kunst\nu. Gewerbe, WIEN=BUDAPEST=PARIS.\nKataloge und Prospecte über unsere Publica-\n~ ■ tionen gratis. :\nBuchhandl. f. Architektur u. Kunstgewerbe.\n=Theilzahlungen werden bewilligt. =\n\nPATENTE\nMuster- und Markenschutz\nWIEN\nVL, Mariahilferstrasse Nr* 37#\nVICTOR TISCHLER\nIngenieur\nVerfasser und Vertreter der Auer-Gasglühlicht-Patente\nbehördlich autorisiertes Patent-Bureau."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.3", "texte": "VER SACRUM.\n\nRandzeich-\nnung\nv. Jos. Hoffmann\nfür V. S. gez.\n\nLandschaft\nv. Ad.\nBöhm."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.4", "texte": "VER SACRUM\n\nGezeichnet\nJ. V. Krämer."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.5", "texte": "VER SACRUM\n\nKUNSTKRITIK.\nVon Wilhelm\nSchölermann.\nEine Abhandlung über Kunstkritik in einer von Künst-\nlern herausgegebenen Zeitschrift? Das scheint para-\ndox, denn Künstler müssen durch Werke, nicht durch\nWorte überzeugen und „an ihren Früchten“ sollt ihr sie\nerkennen* „Bilde, Künstler, rede nicht“ ist freilich ein Ge-\nmeinplatz, aber er enthält dennoch die wahrste aller Wahr-\nheiten über den Künstlerberuf*\nWozu also noch kritisch philosophieren ? Vom heuti-\ngen Standpunkte freierer Kunstanschauung erscheinen uns\nalle theoretischen Phrasen über „das Schöne“ wie eine\nSammlung unfreiwilliger Komik* Als charakteristisches\nMerkmal ästhetisierender Epochen künstlerisch impotenter\nSchöngeisterei, verdienen solche blutleere Abstractionen\nhöchstens des abschreckenden Beispiels halber der Ver-\ngessenheit entrissen zu werden* Die Zeiten sind dahin, in\ndenen die Kritiker sich noch ob ihrer Unfehlbarkeit beneiden\nliessen, so dass nicht bloss ihnen, sondern auch den Künst-\nlern vor ihrer Gottähnlichkeit bange ward! Die alte Kritik\nhat längst vor der neuen Kunst Bankerott gemacht und\nmit dem Herrgottspielen der Kritiker ist es aus*\nMit der alten Methode kommen wir also heute nicht\nmehr durch; wir müssen es anders anfangen* Aber wie ?\nWenn wir die Berechtigung einer modernen Kunst-\nkritik unter ganz neuen Voraussetzungen zugeben, so treten\ndrei Fragen an uns heran:\nAn wen richtet sie sich ?\nWer soll sie schreiben?\nWas ist ihre höchste Aufgabe?\nBeginnen wir mit der ersten: An wen richtet sie sich?\nAn die Künstler? Ich glaube: nein»\nEs ist ein alter Irrthum, zu glauben, dass der Kri-\ntiker dem Künstler zu sagen habe, „wie er es machen solle“*\nDas ist seine Sache* Ein wirklicher Künstler, der aus einem\ninneren Zwang heraus schafft, wird durch ein paar gedruck-\nte Zeilen schwerlich beeinflusst werden* Dazu ist sein Wesen\nzu tief begründet oder sollte es wenigstens sein*\nWer persönlich mit Künstlern verkehrt und Einblicke\nin ihr Schaffen gewinnt, wird mir Recht geben*\nGewiss mögen auch vereinzelte Fälle Vorkommen,\nwo eine einsichtsvolle und Verständnis für seine Indi-\nvidualität offenbarende Kritik einen Künstler rechtzeitig\nvon Irrwegen abbringen kann, die er im schöpferischen\nDrange selbst nicht wahrnimmt, aber vielleicht erkennt,\nwenn ihm der Kritiker entgegentritt wie ein aufrichtiger,\ntheilnehmender Freund* Wenn man Gelegenheit hat, den\nKünstler aus seiner Umgebung heraus zu beurtheilen, in\nden Geist seiner Werkstatt ein dringen und seine Arbeiten\nunter seiner Anleitung studieren kann, wenn Mensch zum\nMenschen unter vier Augen spricht, so geben sich die Tem-\nperamente natürlicher als durch öffentliche Richtersprüche,\n\nStudie\nHans Tichy."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.6", "texte": "VER SACRUM.\n\ndie immer die scheinbare Unfehlbarkeit der gedruckten\nAutorität an sich tragen* Das geschriebene Wort hat dem\nKünstler gegenüber lange nicht die Bedeutung, die ihm\nungeschrieben wird* Dafür ist es zu wenig intim, wie dieser\nAusdruck nämlich vom Künstler verstanden wird, und\nkommt gewöhnlich zu sehr „aus der Höhe“* Hat aber\neinmal ein persönlicher Austausch der Ideen stattgefunden,\nvielleicht auch ein gelegentliches Streiten um diesen oder\njenen Punkt, so kehren beide Theile gewiss mit einer Fülle\ninteressanter Anregungen zur Arbeit zurück* Jedenfalls ge-\nwinnt der Kritiker dabei und ein erweitertes Verständnis,\neine Bereicherung und Vertiefung seiner Anschauungen\nwird die Folge sein* Denn das steht nach meiner Er-\nfahrung über jeden Zweifel; lernen kann der Kritiker vom\nKünstler mehr, als der Künstler vom Kritiker! Die Ein-\nsicht, die dieser im Verkehr mit dem Künstler gewinnt, wird\nihn mehr und mehr überzeugen, dass er vor allem erst\ndanach zu fragen hat: Was will der Künstler ? und dann :\nHat er erreicht, was er wollte ?\nInnerhalb dieser zwei Hauptgesichtspunkte erweist\nsich die Kritik der bildenden Kunst noch heute als voll\nkommen berechtigt. Hier liegt ihr positiver Wirkung\nkreis, ihre grosse Culturmission. Mit diesen Fragen wendet\nsie sich allerdings auch an den Künstler und rechnet mit\nihm darüber ab, ob die zweite Frage mit Nein oder Ta zu\nbeantworten ist. Ist die Antwort erfolgt, so mag es ja auch\n\nStudie\nv. Max Liebermann."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.7", "texte": "VER SACRUM\n\neinmal ganz hübsch sein, vom Künstler zu hören, „wie er *\nes gemacht hat“*\nZum Kritisieren gehört aber immerhin doch eine\ngewisse Vertrautheit mit dem Wesen des Handwerks* Das\nVerständnis für die Mittel und Wege, wodurch ein Kunst-\nwerk zustande kommt, ist beinahe unentbehrlich zu dessen\ngerechter Beurtheilung* Wer ist aber darin competenter,\nals die Künstler selber ?\nSollen die Kritiken von Künstlern geschrieben werden?\nDie Erfahrung scheint es zu bestätigen, dass was zu\neinem Kritiker gehört, dem Künstler meistens abgeht* Sie\nzeigt ferner, dass bedeutende Künstler auffallend wenig ge-\nneigt sind, über ihre Kunst zu sprechen* Ausnahmen be-\nstätigen die Regel, aber meistens pflegen Halbtalente ihren\nCollegen mit der Feder in der Hand statt mit dem Pinsel\nihre Überlegenheit zu beweisen* Solche schreiben dann\nKritiken, die, wofern sie frei von Missgunst sind, eine ge-\nwisse Garantie fachmännischer Vorkenntnisse gewähren*\nMan würde übrigens im Unrecht sein, wollte man abfällige\nUrtheile aus dem Mund von Künstlern dem Neid zuschrei-\nben* Das sind immerhin Seltenheiten* Der Grund, warum\nich glaube, dass Künstler im ganzen nicht zur Kritik berufen\nsind, liegt tiefer* Man führe drei Marinemaler vor ein und\ndasselbe Bild, auf dem Wasser gemalt ist* Zwei davon,\nvielleicht alle drei, werden sagen: So sehe ich das Wasser\nnicht! Jedes Künstlerauge sieht das Wasser eben anders und\n\nStudie\nv. Max Liebermann."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.8", "texte": "VER SACRUM.\n\nbedient sich anderer technischer MitteL So unterscheidet\nes gewöhnlich nur die Technik, „die Mache“ Grund\ngenug, ihm keinen zu grossen objectiven Wert beaumessen»\nWas der Künstler in langjähriger Praxis kennen lernt,\nist nicht eigentlich die Kunst, sondern seine Kunst, eine durch\nAnlagen bestimmte und modificierte Farben- und Formen-\nanschauung, die eine gewisse\nEinseitigkeit im Gefolge hat*\nUnd zwar je stärker die Ei-\ngenart, desto grösser in der\nRegel die Einseitigkeit* Das\nkann man immer wieder be-\nobachten* Zum starken\nschöpferischen Wirken ge-\nhört sogar ein entschiedenes\nDominieren ausgesprochen\neinseitiger Empfindung. Das\nVerkehrteste, was man thun\nkann, ist, einen Künstler über\neinen anderen zu befragen,\ndessen Individualität ihm\nfremd ist* Eine Grundver-\nschiedenheit der Tempera-\nmente schliesst unbefange-\nnes fcritischesUrtheilen in der\nKunst von vornherein so gut\nwie aus*Sogar die Technik ist\nder unmittelbare Ausdruck\ndes Temperaments (wie Lenbach richtig betont hat) und\ngehört untrennbar zum Wesen des jeweiligen künstlerischen\nNaturells*\nSteht im ganzen die schöpferische Thätigkeit der\nkritischen im Wege, so schliesst das nicht aus, dass trotz-\ndem ein Künstler, wo es ihm zufällig „liegt“, den Nagel\nauch einmal auf den Kopf trifft! Und wo ausnahmsweise in\neinem tüchtigen Künstler eine fcritischeßeanlagungzugleich\nvorhanden, da dürfen wir sie doppelt freudig begrüssen,\ndenn der Kritiker kann sich dann vom Künstler das Auge\nborgen! Ist doch das „sehen lernen“ eine nothwendige\nVorübung zur Befähigung gerechter Kritik* Sie erfordert\nein gewisses Mass technischen Verständnisses und schliesst\ndennoch gerade den erfahrensten Techniker, den Künstler\nselber, aus, weil ihm in den meisten Fällen seine Subjecti-\nvität im Wege steht* Dieses Dilemma vermag bis zu einem\ngewissen Grade die trübseligen Zustände zu erklären, in\ndenen sich unsere Kunstkritik im allgemeinen befindet*\nDass hierunter nur die aufrichtige, ernste Kritik gemeint\nist, versteht sich von selbst* Die Leichtfertigkeit und rührende\nVerständnislosigkeit, die auf gewissen Gebieten der Bericht-\nerstattung herrscht, darf mit Fug und Recht aus dieser Be-\ntrachtung ausgeschlossen werden* Man thäte ihr zu viel Ehre\nan, wollte man sie ernst nehmen*\nBei Kritikern, die aus Fachkünstlern hervorgegangen\nsind, verliert sich manchmal die gefährliche Einseitigkeit,\nweil ihre ganze Thätigfceit allmählich aus einer productiven\n(künstlerischen) in eine receptive (kritische) übergeht* Bei\ndem schaffenden Künstler kommt es in erster Linie aber\nnicht auf die umfassenden und allseitig durchgebildeten\ngeistigen Anlagen, kurz gesagt, auf die „Bildung“ an, als\nvielmehr auf die Intensität\nseines ursprünglichen Em-\npfindens und die Macht zur\nWiedergabe desselben.\nDer Kritiker bedarf da-\ngegen der Bildung in um so\nhöherem Grade, als ihm, bei\ngleichgrosser Empfänglich-\nkeit für Natur- und Kunst-\neindrücke, leicht die Unpar-\nteilichkeit und Weite des\nBlickes, die geistige Über-\nsicht verloren gehen kann.\nDiese grundlegende Bil-\ndung besitzt der Kunsthisto-\nriker.\nSollen unsere Kunstge-\nlehrten die Kritik überneh-\nmen?\nIm ersten Augenblick\nscheinen sie dazu berufen,\nwie wenig andere. Mit dem\nVerständnis für das Geschichtliche in der Kunst kann man\ndie Culturentfaltung von Jahrhunderten mit einem Blicke\nüberschauen und ihre mannigfachen Ausstrahlungen in\neinem Brennpunkt zusammenfassen. Aus der Vergangen-\nheit gewinnt der Historiker den sicheren Masstab für per-\nsönliche Grösse, wie für Stammesechtheit, die beiden Pole,\num deren Achse sich die Culturgeschichte aller Völker, das\ntiefste Geheimnis der Kunstpsychologie dreht. Aber das\nUrtheil der Kunstgeschichte gründet sich im wesentlichen\nauf die durch sorgfältige Analyse festzustellenden Bedin-\ngungen, unter denen ein Kunstwerk entstanden ist. Ihr\neigentlicher Masstab ist weder ein rein kritischer, noch ein\nrein künstlerischer, sondern sie sucht culturell interessante\nund bedeutungsvolle Thatsachen zu ermitteln.\nDann kommt für den Kunsthistoriker noch ein un-\ngünstiger Moment hinzu. Wer sich nämlich ganz in den\nGeist längstvergangener Epochen hineinlebt, an dem glei-\ntet oft das wirkliche Leben, dessen Zeitgenosse er ist, unbe-\nmerkt vorüber! Die stete Beschäftigung mit der Vergangen-\nheit mindert allmählich die Empfänglichkeit für die Gegen-\nwart; gehört doch jedesmal ein kräftiger „Ruck“ dazu,\nsich aus einer Zeit in eine ganz andere zu versetzen und mit\nklammernden Organen in sie einzudringen. Während du\nallerlei Urväter Hausrath ausgräbst oder in Museen nach\nMeistersignaturen und alten Handschriften suchst, vollzieht\n\nStudie\nv. Max Liebermann."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.9", "texte": "VER SACRUM\n\nsich draussen im Freien eine Wiedergeburt und du siehst\nsie nicht, begreifst sie nicht! Du studierst vielleicht gerade die\nRenaissance und nimmst an der lebendigen Renaissance\nder Gegenwart, an der du mitzuwirken berufen, keinen\nAntheil Und sie nicht an dir*\nEs gibt Kunstgelehrte, welche genau Tag und Stunde\nangeben können, wo Meister Rembrandt die letzten Ab-\nZügeeinerßadierungvon seines Vaters Windmühle gemacht\nhat Und doch haben sich solche Kenner durch plumpe Fäl-\nschungen unerhört täuschen lassen* Davon haben wir die\nheitersten Beispiele erlebt* Es wird deswegen niemandem\neinfallen ihre Freude an der „reinen“ Wissenschaft und\nihre Verdienste um dieselbe schmälern zu wollen* Nur lehrt\ndie Erfahrung, dass mit dem „Kennen“ nicht allemal das\nErkennen verbunden ist!\nTritt solche merkwürdige Rathlosigkeit in Fragen des\neigentlichen Kunstwertes und der Echtheit alter Kunst-\nwerke häufig zutage, so ist das noch in erhöhtem Masse\ngegenüber modernen Werken der FalL Man verhält sich im\nganzen ziemlich ablehnend gegen dieselben und sucht ihnen\nmit vorgefassten Urtheilen oder gar aus alter Gewohnheit\nmit abgeleiteten „Kunstregein“ beizukommen* Zum Glück\ngibt es keine feststehenden Regeln über Kunst* Das Ge-\nheimnis der Kunst und ihre wunderbare Wirkung auf den\nMenschen liegt nicht zum geringsten Theil in ihrem steten\nWechsel, ihrer Unbeweisbarkeit, ihren unaufhörlichen\nWandlungen, die so oft als Widersprüche erscheinen, in\nWahrheit aber nur natürliche, nothwendige und wohlthu-\nende Gegensätze sind* Und nur darum kennt sie keine\nWiederholungen, weil nicht irgend eine äusserlich wahr-\nnehmbare mechanische Gesetzmässigkeit, eine willkürliche\nästhetische Theorie, sondern der unerferschliche Wesens-\n\nStudie\nv. Max Liebermann."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.10", "texte": "VER SACRUM.\n\nkern der Psyche über das Kommen und Gehen der handeln-\nden Geister, über das Steigen und Sinken ganzer Entwicke-\nlungsepochen der Menschheit entscheidet* Da die Kunst\nkein definitiv abgestecktes Ziel und einheitliches Ideal,\nsondern ein steter Werdeprocess ist, bei dem es weniger auf\nein gut oder nicht gut, „hässlich oder schön“ ankommt,\nsondern vielmehr auf ein auf und nieder, stärker oder\nschwächer, so ist die willkürliche Anwendung abstracter\nGeschmacksurtheile eine kunstgeschichtliche Thorheit*Vor\n25 Jahren sagte schon Thausing in seiner Antrittsrede an\nder Wiener Universität: er könne sich die beste Kunstge-\nschichte denken, in der das Wort „schön“ gar nicht vor-\nkäme ! Dann fügte er hinzu: Man gefällt sich noch immer\nin einer directen Anknüpfung an ganz allgemeine, mehr\noder minder ungeklärteßegriffe, an einen beiläufigen Schön-\nheitscanon, den man, eingestanden oder unbewusst, von\nder Antike, später von Rafael entlehnt hat* Zur Einsicht,\ndass derartige Geschmacksurtheile nur äusserst relativen\nWert haben und sich fortwährend im Wechsel der Zeiten\nsehr wesentlich verändern, zu dieser Einsicht sind die meisten\nunserer Kunstschriftsteller noch nicht durchgedrungen,\noder sie machen keinen Gebrauch davon.\nHeute stehen nun die Dinge insofern besser, als man\nbeobachten kann, dass die cur Einsicht Durchgedrungenen\nvon solcher ihrer Einsicht doch auch hin und wieder Ge-\nbrauch machen! Die geachtete Stellung, welche hervor-\nragende Vertreter dieser Anschauung, Kunstgelehrte wie\nLiebhaber, heute einnehmen, lässt von ihrem wachsenden\nEinflüsse für die Zukunft das Beste hoffen.\nWir können vom heutigen Standpunkte individua-\nlistischer Kunstauffassung nicht oft und energisch genuv\ndem Irrthum entgegentreten, dass Werke der bildenden\nKunst, ob alte oder moderne, nach den äusserlichen Kenn\nZeichen der jeweiligen „Schulen“ allein zu classificieren\nsind. Es ist ein unkünstlerisches Verfahren, jedem Bilde\ndieActennummer des kunsthistorischen Repositoriums zu\n\nStudie\nv. Max Liebermann."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.11", "texte": "VER SACRUIVL\n\ngleich mit dem Zeugnis unseres ästhetischen Wohlgefal-\nlens anzuhängen* Wer in das wahre Wesen schöpferischer\nGestaltungskraft einzudringen vermag, der gelangt früher\noder später zu der Einsicht, dass die Merkmale der Schule\nZufälligkeiten und äussere Begleiterscheinungen sind, die\nuns allein niemals den treibenden Nerv künstlerischen\nSchaffens blosszulegen ver-\nmögen.\nDie Kunstpsychologie ist\ndie höchste und vornehmste\nWissenschaft des künftigen\nHistorikers. Sie liegt jetzt\nnoch in den Windeln, aber\nsie wird erstarken, wenn die\nheutigen Führer unter den\nKunstgelehrten auf der be-\ntretenen Bahn weiterschrei-\nten und die kleine Schar ihrer\nAnhänger mit dem gleich-\nzeitigen Vordringen der\nneuen Ideen zur Herrschaft\ngelangt.\nHier hat vor allem die\nheutige Kritik den Hebel an-\nzusetzen. Wir alle wollen ja eine grosse, tiefe, befreiende\nKunst und mit der Kunst zugleich fordert auch die Kritik das\nkommende Jahrhundert in die Schranken. Nur aus vor-\nurtheilsfreier Anschauung heraus, unabhängig von irgend\neinem „Fach“, kann der kritische Sinn sich bilden und\nklären. Die geistige Vorbedingung, die den berufenen\nKritiker macht, ist in ihrer glücklichen Wechselwirkung\nzwischen Empfinden und Urtheilen, zwischen „E mpfangen“\nund „Wiedergeben“ ebenso unerklärbar wie die schöpfe-\nrische Kraft selbst, denn sie ist im letzten Grunde wiederum\nselbstschöpferisch. Daher soll auch sie an ihren Früchten\nerkannt werden. Wo sind die Früchte kritischer Wirksam-\nkeit am deutlichsten wahrnehmbar? Beim Publicum.\nAn dieses wendet sich der Kritiker, indem er ihm dient\nund hilft, als Interpret.\n„Bei den alten lieben Todten.\nWill man Erklärung, braucht man Noten.\nDie Neuen glaubt man blank zu versteh n;\nOhne Dolmetsch wird's auch nicht geh'n.“\nBei den heutigen Lebensverhältnissen, in denen der\nMassenmensch unter unausgesetztem Hochdruck arbeitet,\nund wo die Zersplitterung eine ruhige Einkehr, ein „Ver-\nweilen im Gefühl des Augenblickes“ (diese erste Vor-\nbedingung des freien künstlerischen Geniessens) unmöglich\nmacht, ist es gar kein Wunder, dass die Welt sich „anders\nals sonst in Menschenköpfen“ im Kopf des Künstlers malt*\nIn gesunden Zeiten war es nicht so* Da gab es eine natür-\nliche Brücke des Verständnisses zwischen beiden Theilen,\ndenn beide hatten Müsse und Gelegenheit, „beschaulich“\nzu seim Heute aber brauchen die meisten wirklich ihre\nAugen ganz nothwendig, wie Morelli ironisch meint, um\nnicht gegen die Wand zu rennen! Das ist ein herbes,\naber wahres Wort* Weil das innere Auge nicht Zeit hat,\nvon den Wundern der Natur etwas zu erfassen, gehen\n1 ausende wie .blinde an\nihren Schönheiten vorüber*\nDiese Wunder und Herrlich-\nkeiten in sich aufzunehmen\nund den Mitmenschen zum\nBewusstsein zu bringen, ist\nKünstlers Beruf; ihm beim\nPublicum an die Hand zu\ngehen, der des Kritikers*\nDie bildende Kunst ist\neine Sprache, die erlernt wer-\nden muss, denn auch die Er-\nkenntnis des Grossen und\nEwigen in der Kunst wie im\nLeben will erworben sein,\ndamit man sie besitze*\nDer Weg ist weit, aber\nnicht hoffnungslos! Es gilt,\nzunächst die Aufnahmefähigkeit für echte Kunst zu wecken,\ndas Empfinden, nicht den „Verstand“* Das ist der wesent-\nliche Punkt* Alfred Lichtwark, dem wir bisher die meiste\nAnregung in Fragen der Kunsterziehung verdanken und\ndessen Schriften („Wege und Ziele des Dilettantismus“,\n„Makartbouquet und Blumenstrauss“ etc*) allgemein ver-\nständlich sind und daher von Kunstfreunden nicht häufig\ngenug gelesen werden können, sagt: „Wie wenig die Ein-\nsicht vorhanden ist, dass beim Schaffen und Geniessen (das\nja wesentlich Nachschaffen ist) die Kraft der Empfindung\nden Ausschlag gibt und nicht die des Verstandes, geht aus\nunserer Sprachgewohnheit deutlich genug hervor* Wir\nnennen Kunstverständnis, was eigentlich Kunstempfindung\nheissen sollte, und es ist bezeichnend, dass die Verurtheilung\nirgend einer neuen Erscheinung in der bildenden Kunst\nam liebsten mit der Formel eingeleitet wird: Ich verstehe\nnicht, ich kann nicht begreifen * * ♦“\n„Begreifen!“ Die Kunst ist nicht greifbar mit dem\nVerstand, nur mit den inneren Sinnen, mit dem Gefühl*\nDieses bedarf umsomehr noch der Ausbildung, als wir in\nder Sprache der bildenden Kunst nicht einmal ein Äqui-\nvalent für das Wort „unmusikalisch“ haben! „Unmalerisch“\ndrückt etwas ganz anderes aus, bezieht sich auf einen äus-\nseren Eindruck, nicht auf eine mangelnde innere Anlage,\ndie weit häufiger in der Unempfänglichkeit für Form und\nFarbe, als für musikalische Eindrücke bemerkbar ist*\nMehr als zuvor wird es künftig der Beruf des Kritikers\nsein,das grosse Publicum für die Ereignisse der künstlerischen\nZeitgeschichte zu interessieren und mit ihren bedeutendsten\n\nStudie\nv. Max Liebermann."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.12", "texte": "VER SACRUM.\n\nErscheinungen bekannt zu machen, nachdem Adel und\nFürsten nicht mehr als Gönner allein in erster Reihe stehen,\nEin Privatsport der Mäcene ist die Kunst lange genug ge-\nwesen* Wir brauchen eine Volkskunst im weitesten Sinne,\neine Kunst, die für jeden da ist, der sie zu erkennen vermag.\nUnd hat der Kritiker einmal ein Kunstwerk erkannt und\ndie Aufmerksamkeit auf dasselbe gelenkt, so dass es dem\nallgemeinen Verständnis nahegebracht ist, dann hat er für\nKünstler und Publicum zugleich etwas geleistet.\nDann ist seine Thätigkeit eine wahrhaft zeitgenössi-\nsehe und aufbauende, kein unfruchtbares Wortgefecht\nmehr, keine negierende, sondern eine positive Wirksamkeit.\nUnd durch diese schöpferische Wirksamkeit wird der Kri-\ntiker selber zum Künstler.\nUnd du, der du weder Kritiker noch Künstler bist,\naber die Kunst ganz unbefangen gemessen möchtest, gehe\nan sie heran, ohne vorgefasste Meinung über das was sie\n„soll“ und „muss“. Die Kunst ist etwas Lebendiges sie ist\nder Widerschein der Welt, der Welt, „gesehen durch ein\nTemperament“*\nDenke nicht, ein Kunstwerk habe nur Berechtigung\nwenn es auf einen Witz, eine Anekdote oder eine Verlo-\nbung hinausläuft. Das sind Aushängeschilder, Bauernfän-\ngereien. Suche in das Verständnis der Sprache\ndringen, die es in Farben und Linien ausdrücken will gehe\nihm mit offenen Sinnen entgegen und lasse es auf dich\nwirken. Und will es nicht gleich wirken, so denke* es\nliegt wohl an mir“, und kehre einmal wieder zu ihni\nrück, wenn du empfänglicher und zum Verständnis seiner\nSchönheit reifer geworden bist. Dann wird auch dieses\nWerk „zu dir kommen“ und ihr werdet eine dauernde\nFreundschaft schliessen!\n\nDer Dieb.\nGezeichnet v. Rud. Bacher."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.13", "texte": "VER SACRUM.\n\nAllerlei Gethier.\nGez. v. Rudolf Bacher."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.14", "texte": "VER SACRUM.\n\nMASKEN. (Eine Farbenskizze.)\n\nDas war eine seltsame Zeit, als der blasse Kaiser Rudolf, mit jedem Tag\nJahre alternd, auf dem Hradschin sass und Reiche verlor und Sterne gewann.\nDamals geschaht, dass ein schlichter Mann, in enger Gasse irgendwo, seine\nArbeit liess und hinaus in den Alltag horchte, oder dass ein Greis lange in\nseinem Garten, nahe dem Stadtthor, sass und dem Abend entgegenspähte,\noder dass ein Hund um Mitternacht wach wurde und ohne Grund und Gefahr\nheulte bis in den nächsten matten Morgen hinein. Über den dumpfen Massen\naber wuchsen da und dort Menschen empor, überlebensgross, gleichsam ge-\nkleidet in den Feuerschein der bangen nahenden Tage. Und ihr Schatten lag\nschwer über ihrer Zeit.\nSo war des Kaisers heimlicher Sohn; Julius Caesar. Als müsste er alle\nTräume, die sein Vater unter dem strengen Gewand des spanischen Hofes\nnur verborgen hatte träumen dürfen, leben: so war er.\nDas war auf der Feste Krummau, welche die Habsburger von den Rosen-\nbergen übernahmen. Heute noch besteht der Maskensaal und seine Wände\nleben von hohen, bunten Frescogestalten. Hinter jedem Paar scheint eines\nund noch eines sich zu rühren, Pagen und Narren drängen sich schmeichelnd\nund schäkernd durch die Reihen, und die Grenadiere an den Thürpfosten sind\nein mächtiger Schrecken, heute noch. So begreift man’s: die Leute loben den\nalten, unbekannten Maler sehr. Ich aber weiss, obwohl ich denTodten nicht\nkränken will, dass das Bewegliche in den Figuren nicht ihm zu Verdienst ge-\nhört, sondern es liegt daran, dass die Gestalten nie recht erstarren. Sie müssen\nalle immer wieder erwachen, um die EINE Nacht zu feiern. Diese aber hub an:\nRitter und Damen erfüllen den strahlenden Saal mit ihrem schimmern-\nden Gewimmel. Bis die riesigen Grenadiere an der Thür die Hellebarden hart\nauf den Boden stellen. Da ordnen sich die Reihen. Ein Donner rollt über sie\nhm. Mit seinem wilden, schwarzen Sechsgespann ist Julius Caesar an der ra-\ngenden Rampe vorgefahren und kaum einen Athemzug später steht er, schlank\nund schwarz, mitten unter den Gästen. Wie eine Cypresse im wehenden Ähren-\nfeld. Dann mischt die Musik die Menge; eine fremde Musik, welche beim\nAneinanderstreifen der köstlichen Kleider zu entstehen scheint und wach-\nsend, breit und brausend aus den Massen sich erhebt, wie die Melodie eines\nMeeres. Da und dort theilt der schwarze Prinz mit einem Wink die willigen\n\nBuchschmuck\nfür V. S. gez.\nv. Alf. Roller."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.15", "texte": "VER SACRUM.\n\nWellen, verschwindet in ihnen, taucht an einem anderen Platz, schwarz, aus\nden glänzenden Gästen empor lässt sein leuchtendes Lächeln wie einen\nverlorenen Sonnenstrahl über sie hingleiten und schleudert, an eine Säule\ngelehnt, ein helles, königliches Wort, wie ein Juwel, mitten ins Gewoge* Alle\nhaschen danach* Und unter dem wühlenden und immer wilderen Hm und\nWieder geht leise die heimliche Lust auf* An des silbernen Ritters Seite er-\nkennt der Prinz ein blasses, blaues Fräulein und fühlt zugleich: Liebe für die.\nBlaue, Hass für den Silbernen* Und beides in ihm ist rasch und roth* Er neigt\nsich dem Paar* Schau, hat er den Ritter zum König gemacht? Denn dem fliesst\nüber den blanken Panzer ein Purpur nieder, immer breiter und blutender, bis\ner stumm zusammenbricht unter den Falten des fürstlichen Mantels* „Es geht\nmanchem König so“, lacht ihm der Schwarze in die sterbenden Augen* Da\nerstarren die festlichen Gäste vor Grauen und ehe sie noch ihr Lächeln ver-\ngessen, blassen sie langsam in die verlöschenden Wände zurück und kahl wie\nFelsland steigt der verlassene Saal aus ihren letzten leuchtenden Wellen*\nNur Julius Caesar bleibt und das gierige Glühen seiner trotzigen Augen\nversengt dem zitternden Fräulein die Sinne* Allein wie er sie greifen will, ent-\nwindet sie sich seinen zwingenden Blicken und flieht in den schwarzen, hallen-\nden Saal; ihr dünnes, blaues Seidenkleid bleibt zerfetzt, wie ein Stück Mond-\nlicht, in den gierigen Fingern des Prinzen, und er windet es sich um den Hals\nund würgt sich damit* Dann tastet er ihr nach in die Nacht hinein und jubelt\njetzt auf* Er hört: sie hat die kleineTapetenthür entdeckt, und er weiss: nun ist\nsie sein* Denn von da gibt es nur einen Weg die schmale Thurmtreppe,\ndie in das kleine duftende Rundgemach mündet, hoch im Moldauthurm* In\nsicherer und übermüthiger Hast ist er hinter ihr, immer hinter ihr, und er ver-\nnimmt nicht ihren verscheuchten Schritt, aber wie einen Glanz ahnt er sie vor\nsich bei jeder Biegung der Treppe* Da fasst er sie wieder und jetzt hält er das\nzarte, angstwarme Hemdchen in der Hand, nur das Hemdchen, und seinen\nLippen und Wangen scheint es kühl* Es schwindelt ihn, und wie er seine Beute\nküsst, lehnt er zögernd an der Wand* Dann, mit drei, vier Tigersprüngen\ntaucht er hinauf in die Thür des Thurmgemachs und erstarrt: hoch vor\nder Nacht ragt, nackt, der reine weisseLeib, wie am Fensterrande aufgeblüht*\nUnd reglos bleiben beide* Aber dann, ehe er's noch denkt, heben sich zwei helle,\nkinderzage Arme aus der Gestalt in die Sterne hinein, als wollten sie Flügel\nwerden, es erlischt etwas vor ihm, und vor dem hohen Fensterbogen ist nichts\nmehr als hohle, heulende Nacht und ein Schrei * * *\n\nRAINER MARIA RILKE.\n\nBuchschmuck\nfür V. S. gez.\nv. Alf. Roller."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.16", "texte": "VER SACRUM.\n\nStudie\nF. Skarbina"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.17", "texte": "VER SACRUM.\n\nStudie\nRudolf Alt."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.18", "texte": "VER SACRUM.\n\nFür V. S. gez.\nFelician v. Myrbach."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.19", "texte": "VER SACRUM.\n\nZeichnung\nMax Kurzweil."}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.20", "texte": "VER SACRUM.\n\nStudie\nA. Hynais."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.21", "texte": "Studie\nG. Kuehl.\n\n• VER SAGRUM."}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.22", "texte": "VER SACRUM.\n\nDER HANDKUSS.\nVON DETLEV v. LILIENCRON.\nViere lang\nZum Empfang,\nVorne Jean,\nElegant\nFährt meine süsse Lady.\nSchilderhaus,\nWache raus\nSchloss-Portal,\nUnd im Saal\nSteht meine süsse Lady.\nHofmarschall,\nPagenwall\nSehr graziös,\nMerveillös\nKnixt meine süsse Lady.\nKönigin,\nHoher Sinn.\nDeren Hand\nInteressant\nKüsst meine süsse Lady.\nViere lang\nVom Empfang,\nVorne Jean,\nElegant\nKommt meine süsse Lady.\nNun wie war’s\nHeut’ bei Czars?\nAch, ich bin\nNoch ganz hin.\nHaucht meine süsse Lady.\nNach und nach,\nAllgemach\nIhren Mann\nWieder dann\nKennt meine süsse Lady.\n\nFür V. S. gez.\nv. J. Engelhart."}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.23", "texte": "VER SACRUM.\n\nDER MARIA THERESIEN - SAAL\nIN DER NEUEN HOFBURG.\nV. S.\n\nNächst den Kirchen spielen in der Kunstge-\nschichte die Paläste, welche den gekrönten\nHäuptern zum Wohnsitz gedient hatten, die\ngrösste Rolle, weil jede Zeit in ihnen ihr\nReichstes und Bestes gab und sie so schön\ngestaltete, als sie eben vermochte. Diese\n„Schlösser, Höfe, Burgen“ sind somit die Proben auf die\nkünstlerische Potenz ihrer Entstehungszeit. Was werden\nunsere Nachkommen für Schlüsse auf unsere künstlerische\nQualität ziehen, wenn sie den neuen Burgbau als Massstab\nderselben benützen werden? c\nDoch nicht vom Bau wollen wir heute reden. Seit er\nvergeben wurde, hat sich ja viel geändert, sehr viel, nur\neines nicht: die schreckliche österreichische Gepflogenheit,\nin künstlerischen Fragen immer zuerst den Beamten und\ndann erst den Künstler zu Wort gelangen zu lassen. Alle\nHoffnungen, die Österreichs Künstlerschaft bezüglich der\nInnenausschmückung der neuen Burg etwa noch gehegt\nhat, sind durch die Preisausschreibung für ein Deckenbild im\nMaria Theresien-Saale, welche im Amtsblatte der „Wiener\nZeitung“ vom 23. Februar 1898 veröffentlicht wurde, ver-\nnichtet. Wenn der Geist, dem diese Preisausschreibung ent-\nsprungen, bei der Innenausschmückung der Burg derleitende\nist, dann hat die Kunst von den Summen, die da zur Ve-\nrfügung stehen, nichts zu 'ff“1 IN\nÖsterreich einem neuen MONUDENTALEN\nGLÜCK zu. Zwei Zimmer Louis XV., zwei Louis XV 1„\neines Empire, u.s.f., so lautet der Regimentsbefehl für die\nKünstler. Und warum? Die wie eine halbe Entschuldigung\nklingende Antwort heisst: Weil alle diese Stilarten wahrend\nder Regierungszeit unseres Kaisers sich in der Herrsc a\nnacheinander abgelöst haben. Nur verzopfte Gelehrte,\nwelche selbst nie einen schöpferischen Gedanken gehabt\nhaben, können auf die Idee kommen, bei der Zimmeraus\nschmückung „alle Stilarten, welche die letzten 50 Jahre\nbeherscht haben“, in Anwendung zu bringen und nur\nEINEN Stil auszuschliessen t den heutigen; nur Bureau-\nkraten können den vertracten Beschluss\nneuen Burg alle Experimente, Versuche, Anlaufe der\nktzten 50 Jahre in monumentaler Weise zu verewigen,\ndas endliche Resultat all dieser Bemühungen aber, die\nglücklich gefundene moderne Kunst, auszuschliessen.\nUnd noch Eines: Wie fühlt sich der Kunstverstän-\ndige theils zum Zorn, theils zum Lachen gereizt, wenn er,\ndie Salons unserer Reichen besuchend, dieselben mit einer\nschablonenhaften Eleganz eingerichtet findet, die nicht einen\nFunken individuellen Geschmackes aufweist, sondern die\nRäume den Hötelsalons oder den Wartezimmern der Zahn-\närzte nähert. Und ist es denn ein anderes Pnncip, nachdem\njetzt das Haus des Kaisers eingerichtet werden soll? Ist\nkeinem der weisen Räthe eine leise Ahnung davon aufge-\nstiegen, dass es angemessen wäre, in der von Franz Josef L\nerrichteten Burg den schlichten, allem Prunke abholden,\nsoldatischen Sinn dieses Kaisers zum Ausdruck zu bringen ?\nGibt es wirklich jemanden, welcher meint, die Umgebung,\ndie sich ein Ludwig IL von Bayern schuf, passe auch für\nunseren Kaiser?\nUnd nun endlich die Preisausschreibung für das\nDeckenbild im Maria Theresien-Saale! Man lese sie doch\nin der „Wiener Zeitung“ nach! Maria Theresia soll, um-\ngeben von den Grossen ihrer Zeit, dargestellt werden* Hat\nman an dem unglücklichen Deckenbilde im Goldsaale des\nHofmuseums noch nicht genug? Muss bei uns wirklich\nalles zweimal gemacht werden, einmal schlecht, das zweite-\nmal noch schlechter? Dort im Museum sieht man, glauben\nwir, deutlich genug, dass sich Deckenbilder überhaupt nicht\nzum decorativen Culminationspunkt eines Raumes eignen,\ndann, dass sich solche Sujets nicht für Deckenbilder eignen*\nBemale ich eine Decke schon, dann muss ich die Compo-\nsition so halten, dass ich von jedem Punkte des Saales beim\nflüchtigen Aufblick ein Bild erhalte; klebe ich aber, wie\nes hier geschehen ist, einfach ein Tafelbild auf den Plafond,\ndann muss ich den Saal so ausgestaltem dass ich dem Be-\nschauer die Möglichkeit biete, an der unter dem oberen\nBildende gelegenen Saalseite eine horizontale Lage anzu-\nnehmen* Ist dies wie hier nicht beabsichtigt, nicht nöthig\noder nicht thunlich, dann ist auch das auf den Plafond\ngeklebte Tafelbild ein Unsinn* Dann weiter: „Die Com-\nPosition soll dem Stile der Zeit (Maria Theresias) ange-\npasst sein*“ Ja, meine verehrten Herren Concurrenzaus-\nschreiber, zu Maria Theresias Zeiten haben in die Disposition\nsolcher Aufgaben eben Künstler dreinzureden gehabt und\ndenen wäre es überhaupt nie eingefallen, solche kindische\nDispositionen zu geben wie Sie, meine geehrten Herren\nKunstbeamten* UND EIN UNTER SOLCHEN\nUMSTÄNDEN ENTSTANDENES WERK SOLL\nDANN DIE ÖSTERREICHISCHE KUNST AUF\nDER WELTAUSSTELLUNG IN PARIS REPRÄ-\nSENTIEREN! WIE KOMMT DIE ÖSTERREI-\nCHISCHE KÜNSTLERSCHAFT DAZU, SICH SO\nLÄCHERLICH MACHEN ZU LASSEN? Und das\nwird sie auf diese Weise*\nEin ehemaliger österreichischer Politiker pflegte seine\nReden in pathetischer Weise mit dem Rufe „armes Öster-\nreich“ zu schliessen; wenn irgendwo, so ist dieses Dictum\nhier am Platze*\n\nJos. Hoffmann.\n\nO. Friedrich."}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.24", "texte": "VER SACRUM.\n\nAUSSTELLUNGEN.\nS.\n\nie von der Firma Krupp aus-\ngeschriebene Concurrenz (die\nEinreichung von Entwürfen\nzu einer Huldigung für das\nKaiser-Jubiläum) hat ein Re-\nsultat ergeben, das kaum über-\nraschen konnte, das aber von\ndem bei einem solchen An-\nlass doch berechtigten patrio-\ntischen Schwung ein kaum zu\nübertreffendes Armutszeug-\nnis erbracht hat. Auf die einzelnen zum Theil recht hu-\nmoristisch wirkenden Entwürfe näher einzugehen. lohnt\nsich nicht»\nBei Miethke sind eine Anzahl kunstgewerblicher Ob-\njecte ausgestellt, die Interesse beanspruchen können Es\nsind aus italienischen Werkstätten stammende, meisterhafte\nFachbildungen von Statuetten, Räucherfässern, Leuchtern\nAmpeln und Büsten, die bei neuerlichen pompejanischen\nAusgrabungen zutage gefördert wurden. Einige unter\ndiesen Nachbildungen sind von entzückendem fcünstleri-\nsehen Feingefühl.\n\nIm Mondenscheine.\nErnst Stöhr.\nFür V. S. gezeichnet\n\nAlf. Roller."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.25", "texte": "VER SACRUM\n\nZEITSCHRIFTEN.\n\neft 5 der DEUTSCHEN KUNST UND DECORATION (Februar-\nheft), Alex. Koch, Darmstadt, bringt Artikel über: „Moderne Kunst-\nverglasung und Glasmalerei“, „Über Deutsche Medaillen und Pla-\nauetten“ (entworfen von Christiansen in Paris und ausgeführt von\nK. Engelbrecht in Hamburg), „MÖGLICHKEIT UND ZIELE EINER\nNEUEN ARCHITEKTUR“, von August Endell in München.\nHeft 6 derselben Zeitschrift enthält einen vortrefflichen Artikel über\nMELCHIOR LECHTER, von Georg Fuchs (München), welcher das\nLeben und den Werdegang dieses originellen und ungemein vielseitig\nbegabten Künstlers eingehend behandelt. Als literarische Arbeit gründ-\n. J r, U„„J ;„f 4}escr Artikel jedem Leser zu empfehlen. Auch an den auf voller Höhe\nIIChu i len kann man seine Freude haben; der Gesammteindrucfc, den man\nstehenden Repr 3mmenfassen in den Worten, die der Künstler selbst eingeschnitzt hat in\nÄÖ5Äch denn „ach GWi Ich hach.« „ach Wcchc-\nnc„np ATT VF KUNST“ (H. Bruckmann und Meier-Graefe) bringt im Februarheft\n’V wSen Artikel über „BELGISCHE INNENDECORATION“ und gleichfalls\neinen vortrefflichen pttchW ™*Abbildungen nach Hans Unger, Th. Th. Heine, Alfred\nüber „DEU 1 SC anschaulichen Darstellungen aus berufener Feder können jedem Leser\nRoller undanderen, yQn petCf Wafle:\nrjFNKM ALB AUTEN VON BRUNO SCHMITZ“, welche den genialen Sieger\n„DEU I btitlt U sconcuttenzcntrefflich charakterisieren. Als weitere Beiträge seien er-\nm so zahlreichen ierung des LUXUS“, „Neues Meissener Porzellan“ und\nwähnt: „DIE DE französischen Architektur“. Das sechste (März-) Heft ist dem eng-\n,,Moderne Kunst Decorateur C. F. A. VOYSEY gewidmet. Ein zweiter, sehr lesens-\nehr interessante Artikel bringt die Februar-Nummer von „THE AR-\nTIST“ über: ARTHUR HACKER, sowie über die beiden französi-\nsehen Künstler: EDMOND ROCHER, den genialen Illustrator, und\nATRFRT DAMMOUSE, den Keramiker; ferner Reproductionen\nnach Arbeiten von JEAN DAMPT, PATTEN WILSEN, LOUIS\nRHEAD, Fix MASSEAU und einen Bericht über die nordische\nauf der letzten Stockholmer Ausstellung, mit Illustra-\ntionen nach ALF. WALLANDER, Prof. P. KROHN, E. Wenner-\nberg, A. Lindegren, F. A. Hallin, M. Michelsen und anderen. In\neinem meisterhaften Aufsatz über die genialen Buchillustrationen von\nLAURENCE HOUSMANN entwickelt Mabel Cox ihre klaren An-\n< -t A „Fassung und das Verständnis von echten Kunstwerken und deren Wir-\nschauungen über die A Essay, das jedem Kunstverständigen Freude machen wird. Den\näker c“k’Sheraton “nJ “dere\nKunsttischler Englands, und treffliche Bucherkntiken.\n... aoart präsentiert sich eine Novität von H. MEIER-GRAEFE\n(Paris). Es ist das eine interessante Publication über F. V ALLOTTON,\nwelche eine glückliche Auswahl der charakteristischen schwarz-weiss\nBlätter des geistvollen Franzosen enthält. Wer sich einen Begriff da-\nvon machen will, was sich mit der einfachen Wirkung von schwarzen\nund weissen Flecken erreichen lässt, der kann es aus diesem Buche\nlernen; man braucht nur die vier Hazardspieler bei Kerzenlicht („le\nPoker“) oder „Die Faulheit“ („la Paresse“) oder die kleinen badenden\nFiguren anzusehen, um sich von der verblüffenden Wirkung dieser\nZeichnungen zu überzeugen.\n\nBuchstaben u.\nSchmuckleiste\nfür V. S. gez.\nKolo Moser."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.26", "texte": "VER SACRUM\n\nine trefflich geleitete Zeitschrift\nbleibt „THE STUDIO“* Dies\nbeweist die vor uns liegende\nFebruar-Nummer* Der Leit-\nartikel behandelt die Arbeiten\nBorough Johnsons, dann folgt\neine Fortsetzung von Gleeson\nWhites Artikel über fcunstge-\nwerblicheArbeiten einigerGlas-\ngower Künstler, unter Anderen\nOSKAR PATERSON und HARRY THOMSON, die\nbeide durch eine Reihe äusserst geschmack- und phantasie-\nvoller Zeichnungen für farbi-\nge Glasfenster und für Gefässe\naus oxydiertem Silber mit\neingelegter Emaille vertreten\nsind. Der dritte Artikel bringt Zeichnungen und Aquarelle\nvon NICO JUNGMANN und diesem folgt ein interessanter\nAufsatz von Gabriel Mouray über den genialen französischen\nCarricaturistenC AR.AN D’ ACHE, dessen Skizzen. Studien\nund Silhouetten auf Transparentpapier (aus der Sammlung\nvon „ombres chinoises“ für „L'epopee“) ganz Paris seiner-\nzeit elektrisierten. Caran d'Ache ist in Wien nur auf der\nvorjährigen Placat-Austeilung durch seinPlacat für„l'cx-\nposition russe“ auf dem Champ de Mars bekannt gewor-\nden, Aus den weiteren Illustrationen seien noch drei Ra-\ndierungen des Worpsweders HEINRICH VOGELER\n(„Liebe“, „Frühling“ und „Das Mädchen und die Raben“)\nund eine farbige Reproduction\nnach einer Landschaft von\nFERNAND KHNOPFF\nhervorgehoben.\n\nS.\n\nBöllerschiessen.\nGezeichnet\nv. J. V. Krämer.\n\nGezeichnet\nJosef Hoffmann"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.27", "texte": "VER SACRUM.\n\nAUS DEM WIENER CAMERA-CLUB.\nDeutsches Städtchen.\nVon Heinrich Kühn."}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.28", "texte": "VER SACRUM\n\nAUS DEM WIENER CAMERA-CLUB.\nSüdliche Landschaft.\nHeinrich Kühn.\nWIENER CAMERA-CLUB.\nV. S.\nDen Wert und die Bedeutung, die ein künstlerisch\ngesunder Dilettantismus für die zeitgenössische Kunst be-\nsitzt, hat Lichtwarfc in seiner trefflichen Schrift „Wege und\nZiele des Dilettantismus“ in schlagender Weise dar gelegt*\nDurch die neuerliche Aufnahme des Gummidruckver-\nfahrens ist die Amateurphotographie der rein sportlichen\nBehandlung der sie bisher vielfach verfallen war, entrückt\nund in eine künstlerische Sphäre erhoben worden* Die\nEinbürgerung und Vervollkommnung des Gummidruck-\nverfahrenshaben wir dem Wiener Camera-Club, insonder-\nhert den Herren Henneberg:, Watzek und Kühn zu danken\nWir werden im nächsten Hefte einen ausführlichen Artikel\naus berufenster Feder über dieses Verfahren bringen. Durch\ndasselbe wird die Amateurphotographie fortan zu einem\nnicht zu unterschätzenden Bundesgenossen für die Propa-\nganda künstlerischer Lebensauffassung, in deren Dienst wir\nstehen*\nDas Entgegenkommen des Clubs setzt uns in die an-\ngenehme Lage, fortan Reproductionen erlesener photo-\ngraphischer Werke in zwangloser Folge ohne Einschrän-\nkung des sonstigen Inhaltes unserer Hefte an dieser St*>llo\nunseren Lesern bieten zu können*"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.29", "texte": "VER SACRUM.\n\nAUS DEM WIENER CAMERA-CLUB.\n\nWiesenblumen.\nVon H. Watzek."}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.30", "texte": "VER SACRUM.\n\nDER AUSSCHUSS FÜR KUNST IM HAND-\nWERK in München, auf dessen neues Unternehmen wir\nvor der Drucklegung unserer Februar-Nummer nur kurz\nhm weisen konnten, hat sich eine Aufgabe gestellt, die der\nwärmsten Zustimmung aller Kunstverständigen versichert\nsein kann* Das Ziel besteht darin, das neue deutsche Hand-\nwerk zu fördern und namentlich auch dem allzustarken\nEindringen des Fremden gegenüber zu der Geltung zu\nbringen, die es beanspruchen darf und muss* Ein Haupt-\naccent soll nun dabei auf die Verbesserung des Innen-\nschmucks unserer Häuslichkeit gerichtet werden, und für-\nwahr, eine solche Verbesserung thut noth! Der „ver-\nunziere dein Heim“- Stil lastet schwer auf uns*\nMit besonderem Dank ist der Ausschuss daher zur\nÜbernahme ganzer Zimmereinrichtungen neuen Stils be-\nreit, unter möglichst alleiniger Verwertung deutscher\nStoffe und Kräfte* Dass dieses nur als eine vorläufige\nDefensivmassregel gegen den all-\nzustarken Einfluss ausländischer\nErzeugnisseund Stile aufzufassen\nist, erhellt von selbst, denn die\nhochentwickelte, ausländische\nKunstindustrie ist um so gefahr-\nvoller für unsere Selbständigkeit,\nje vortrefflicher sie nicht nur an\nsich ist, sondern namentlich je\ngünstiger die Verhältnisse sind,\nunter denen sie im Vergleich zu\nden unsrigen thatsächlich zu pro-\nduzieren vermag* Will das zu-\nrückgebliebene, einheimische\nKunsthandwerk jetzt noch das\nVerlorene einholen, so bedarf es\neines Schutzes nach aussen, da-\nmit es erst einmal Raum gewinne,\nseine Schwingen überhaupt frei\nerheben zu können.\nNoch ist die Erinnerung frisch an die im Vorjahre\nim Munchener Glaspalast ausgestellten Proben deutscher\n„Kleinkunst , die das Vertrauen auf eine Zukunft unseres\nheimischen Kunsthandwerkes mächtig zu heben geeignet\nwar. Selbstverständlich ist unter „heimisch- kein klein-\nbürgerlich particularistischer Standpunkt gemeint. Hier\ndeckt sich der Begriff mit Selbständigkeit; denn eben darin\nsind uns nicht nur die grossen, sondern auch kleinere Cul\nturnationen, wie 2. B. Dänemark, um ein bedeutendes\nvoraus*\n, „ Untef fen Mitteln, durch welche die Gesellschaft\n(„Vereinigte Werkstätten für Kunst im Handwerk-, Mün-\nchen, XIX., Kratzerstrasse J) ihr Ziel erreichen will, seien\nfolgende hervorgehoben: Sie vermittelt durch eine von dem\nAusschüsse eigens dazu eingerichtete „Auskunftei“ die\nVerbindung zwischen den Künstlern, Herstellern und Ab-\nnehmern und sucht zugleich auf dem Rechtswege oder\ndurch die Presse einer unrecht-\nmässigen Ausbeutung durch un-\nlautere Nachahmung und Ver-\nwendung künstlerischer Ent-\nwürfe entgegen zu treten. Sie\nzahlt entweder den Künstlern\nihre neuen Entwürfe bar oder\nsichert dem Künstler die Aus-\nführung mit einem Gewinnan-\ntheil ohne jede Geschäftsgefahr\nzu. In gleicher Weise bestellt sie\nund zahlt den Handwerkern eine\ngrössere Anzahl von Stücken\nund übernimmt den geschäft-\nlichen Betrieb ohne Risico für\ndieselben.\nDass hier vernünftige, durch-\nführbare Massnahmen und dabei\nideale Gesichtspunkte zugleich\nins Auge gefasst sind, liegt auf der\n\nStudie\nV. J.\nEngelhart.\n\nEntwurf zu einem Bilderrahmen.\nVon Jos. Hoffmann."}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.31", "texte": "VER SACRUM\n\nHand* Der erste praktische Erfolg dürfte\nsich schon durch eine würdige Vertretung\ndes deutschen Kunsthandwerkes auf der Pa-\nriser Weltausstellung *9OO fühlbar machen*\nNicht so klar auf der Oberfläche liegt viel-\nleicht eine gewisse Gefahr, über die wir bei\ndieser Gelegenheit unsere Ansicht nicht zu-\nrücfehalten möchten*\nDieser Nachtheil besteht schon in der\nmechanischen Vervielfältigung künstleri-\nscher Entwürfe überhaupt! Vom idealen\nGesichtspunkt aus sind diese immer zu be-\nkämpfen* Als ein nothwendiger Übergang\nvon schlechtem zu besserem ist dies Unter-\nnehmen daher vorläufig aufzufassen* Die\nVervielfältigung künstlerischer Musterent-\nwürfe statt wertloser Schablonen kann da-\ndurch erreicht werden; und das ist viel, aber\nnicht alles* Die letzte Consequenz, die man\naus dieser Reform zieht, wird mit der Zeit\nhoffentlich die sein, dass die durch Bildung\nund Mittel bevorzugten einen nicht durch die\nmechanische Vervielfältigung vertausend-\nfachten, für jedermann erschwinglichen,\nkunstgewerblichen Gegenstand zu besitzen\nstreben, sondern ihren Stolz darein setzen,\neine rein künstlerische Arbeit, die nur einmal vorhanden\nist und die aus erster Hand kommt, als Schmuck des\nWohnraumes zu eigen zu haben*\n„Der Mensch ist das Product seiner Umgebung“, hat\nman gesagt* Sorgen wir dafür, dass unsere häusliche Um-\ngebung, unser tägliches, geistiges Brot, besser und schmack-\nhafter werde, dann wird auch das ~Product , der IVlensch,\nzufriedener, intelligenter und glücklicher werden*\nWir wünschen dem Unternehmen den Erfolg, den es\nverdient, und verweisen im übrigen unsere Interessenten\nauf die Statuten und Satzungen der Gesellschaft, deren\nderzeitiger Vorsitzender Hofrath Dr* Rolfs und deren Aus-\nschuss sich aus den Herren Architekten Theodor Fischer\nund Martin Dülfer, den Malern F* A* O* Krüger und\nRichard Riemerschmid und dem Bildhauer Hermann\nObrist zusammensetzt* S.\n\nS.\n\nStudie zu einem\neinfachen Wohn-zimmer.\nVon Jos. Hoffmann.\n\nStudie\nV. J. Engelhart."}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.32", "texte": "VER SACRUM\n\nMITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDEN DER KÜNSTLER ÖSTERREICHS.\nUnser Statut besagt in § tO, dass die Mit-\nglieder der Vereinigung an keiner nicht von der-\nselben mscenierten öffentlichen Ausstellung in Wien\ntheilnehmen können* Da nun einige unserer corre-\nspondierenden Mitglieder diesmal gleichzeitig in\nunserer und der Ausstellung der Genossenschaft\nbildender Künstler Wiens vertreten sein werden,\nso halten wir uns zu einer diesbezüglichen Er-\nklärung für verpflichtet*\nBevor wir in der Lage waren, unsere erste\nAusstellung zu propagieren, hatten einige Herren\nCollegen, wie Klmger, Gari Melchers, Mackensen\nu* a*, schon zur Zeit der vorjährigen Dresdener\nAusstellung der Genossenschaft bildender Künstler\nWiens Zusagen gemacht* Nachdem wir von den\nHerren für die Folgezeit bindende Erklärungen\nunseren Statuten gemäss erhalten haben, glaubten\nwir diesmal obige Ausnahmen machen zu dürfen*\nHerr Prof* Repin, welcher gegenwärtig keine\nWerke zur Verfügung hatte, wird im Künstler-\nhause mit zwei älteren Bildern aus Privatfaesitz\nvertreten sein; unter Berücksichtigung der ver-\nmittelnden Persönlichkeiten konnte er hiergegen\nnicht protestieren*\nSchwieriger liegt der Fall in Paris* Hier war\nunter Entstellung der wahren Sachlage gegen uns\nagitiert worden: einerseits sollte die Jubiläums-\nAusstellung des Künstlerhauses unter dem Pro-\ntectorate der österreichischen Regierung stattfin-\nden, anderseits würde eine Ausstellung der Ver-\neinigung nicht abgehalten werden können, da\ndieselbe kein Ausstellungslocal hätte. Es musste\nunseren Delegierten, welcher behufs Auswahl der\nfranzösischen Kunstwerke in Paris weilte, sehr\nmerkwürdig berühren, dass man sich gerade an\nunsere eigenen Mitglieder mit der Aufforderung\nzur Betheiligung an der Jubiläums-Ausstellung\nlegialc Unterstützung, wel£ sl?mt‘/ <\nJen, um so höhe, anzusehL “ Bet“n‘\n=ilg|=sSa\nin ganz\nIM HANDEL NICHTeERHÄLTLICHkt 7^’\ndf (lV^Hec-\nh ginal’“Är^6 DrrU<t VOn\nPhien, Holzschnitten“TwlZ 'T?\nSolche Beilagen waren zumt ttfl br:ngt-\nLithographie von los F \\u eme Original-\nzwei OrLinal Raiv Engelhart' *«m 2. Hefte\n3. HefteTe OrigtÄ\"\nnier von Jos. Engelhart und gfap|lle,m Schabma-\nLithographie von Max Lenz\"bl^e\nworfen: für das I. Heft von Ah ed Ä\n2. Heft von Kolo Moser,Lm 3. iS?? 4' daS\nZeidimmg Klimts verwendet; das Titelblatt dieses\n4. Heltes rührt von Rudolf v rw t,7 ,\nMit der Zusammenstellung und dem Ar7L\ndes texdichen und illustrativen Theiles jedes^HHtes\nt der jewerhgeßedactions-Ausschuss der Verein?\nä”Ä:faH\"°'Ho11“'\n\nFür V. S.\nJ. Engelhart."}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189804-01.1.33", "texte": "R T.\nInfolge Vereinbarung mit der V erlagsfirma GERL ACH & SCHENK\nwurde uns das ausschliessliche Recht zur Annahme von Annoncen\nfür\n===== VER SACRUM =====\nübertragen.\nIndem wir dies zur geneigten Kenntnisnahme bringen, erlauben wir\nuns, die Herren Inserenten und die Geschäftswelt im allgemeinen\nzur Insertion in dieser Kunstzeitschrift höflichst einzuladen und um\nrecht zahlreiche Aufträge zu bitten.\nWir bemerken, dass wir bei öfterer Einschaltung eines Inserates einen\nentsprechenden Nachlass auf die festgesetzten Annoncenpreise ge-\nwähren und mit näheren Auskünften und Kostenberechnungen gerne\nzu Diensten stehen.\nHochachtungsvoll\nHAASENSTEIN & VOGLER (Otto Maass)\nAnnoncen-Expedition\nWIEN, L, Wallfischgasse 10. PRAG, Ferdinandstrasse 37."}]}