{"numero_id": "bm-bmtnabf-1899-02-01", "volume": "bmtnabf_1899-02_01", "ocr_sha256": "d3cd8beafb9f4417b9773d84b07857405a1211ea5be8947a821d5fc97685e4ef", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabf/issues/1899/02_01/bmtnabf_1899-02_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabf/issues/1899/02_01/bmtnabf_1899-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabf-1899-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-02_01#c001", "volume": "bmtnabf_1899-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.2.1", "titre_corps": "INHALT", "titre_sommaire": "INHALT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 342, "texte": "INHALT:\nSEITE\nWELTUNTERGANG VON RICARDA\nHUCH 3\nDIE BEIDEN. GEDICHT VON HUGO\nv. HOFMANNSTHAL 28\nDER ABENTEURER. GEDICHT VON\nFELIX DÖRMANN 31\nZEICHNUNGEN UND STUDIEN VON\nFRIEDRICH KÖNIG.\nREDAKTION\ndes künstlerischen theiles;\nHEINRICH KÖNIG\nKOLOMAN MOSER\nJOSEPH M. 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Juli 1599 die Welt ein plötzliches\nEnde nehmen, nämlich untergehen würde,\nschicn durch einen Komet oder Schweifstern,\nwelcher in der Nacht des genannten Tages auf-\ntreten und seiner unregelmässigen Natur zufolge\nblindlings zwischen die friedliche Ordnung der\nübrigen Himmelskörper fahren sollte, allerdings klar\nbewiesen, so dass ich, der Mathematik und Astro-\nnomie Professor, bewandert und erprobt in diesbezüg-\nlichen Untersuchungen, wohl befugt war, meine und\nanderer Gelehrten Wahrnehmung dem Pastor Wolke,\nmeinem Freunde, mitzutheilen, was ich um so un-\nbedenklicher that, als ich selber dem bevorstehen-\nden Ereignisse mit dem Gleichmuth des guten Ge-\nWissens entgegensah. Ich hätte freilich wissen\nkönnen, dass dieser heilige Mann, welchen der\nfeurige Geist Gottes erfüllte und wie einen Irr-\nwisch umtrieb, damit er den Menschen als War-\nnungszeichen diene und sie nicht im Moraste ihrer\nSünden versinken und verfaulen lasse, einen so\nwichtigen Vorfall nicht ungenützt würde hingehen\nlassen, wenn ich auch nicht voraussehen konnte,\nwas für eine Lawine sich aus meinem Mundvoll\nvertraulicher Worte zusammcnrollen sollte.\nEin herzlicher, unschuldiger und aufrichtiger\nMann war Pastor Wolke, auch fröhlich, dem die\nleichtsinnigc Jugend den Namen Jammerbold nur\ndeswegen gegeben hatte, weil er in seinen Predigten\nund auch sonst die Ueppigfceit und allgemeine\nGottlosigkeit der Menschen zu bejammern pflegte,\ndie er sich nicht aus missgünstiger Bitterkeit oder\nsauertöpfischer Gesinnung, sondern aus richtiger\nErfcenntniss Gottes und Mitleid mit der verteu-\nfeiten Welt zu Herzen nahm. Obgleich sich in\nder Regel diejenigen verhasst machen, die den\nEpifcuräer aus seinem Sinnenrausche wecken, ge-\nnoss doch Wolke unbegrenzte Verehrung und\nseine Kirche war nicht nur immer voll, sondern\nwurde auch von den reichsten und vornehmsten\nFamilien besucht. Diese, unter denen Herr Müm-\nmelke, der Pelzkönig, und der Färbereibesitzer\nSchwämmle, genannt das Dukatenmännchen, weil\ner sich gern mit goldenen Ketten und Schau-\nmünzen recht sichtbar behängte, die gewaltigsten\nwaren, hielten sich zwar nicht an die Vorschrift\nder Wolfceschen Predigten, bekundeten aber ihre\nchristliche Tüchtigkeit durch fleissiges Anhören\nderselben. Ein viel weniger prächtiges Publikum\nhatte der Lustbold, der so recht im Gegensätze\nzum Pastor Wolke zu einem frohen Genüsse des\nLebens aufforderte, was er mit viel Scharfsinn aus\nBibelstellen und Aussagen frommer Personen und\nKirchenväter als durchaus christlich, ja gottgefällig\nhinzustcllen wusste. Die Anhänger Wolkes be-\ntrachteten dies Treiben mit Missfallen, während\ncs andrerseits den Freunden des Lustbolds zum\nAergerniss diente, dass Wolkes Frau eine Wirth-\nschaft führte, die mit seinen Grundsätzen nicht in\nEinklang zu bringen war; denn sie, eine stattliche\nDame aus angesehener Kaufmannsfamilie, trieb\nauf eigene Hand ein grosses Prunken und Ver-\nschwenden, kleidete sich in Pelz und Sammet und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 549, "texte": "Seide und würzte ihre Küche mit allen Selten-\nheiten, die flottenweise in den Hafen unserer Stadt\neingeführt wurden* Der arme Mann war aber\nmit seinen Gedanken und der Sorge um die Ge-\nmeinde so vollauf beschäftigt, dass er keinen Ein-\nblick in seinen Haushalt hatte, wozu noch kam,\ndass seine Frau, klug und fein wie sie war, sein\nargloses Gemüth dadurch zu täuschen wusste, dass\nsie sich über das weltliche Wesen der andern\nhäufig mit Entrüstung verbreitete und ihre eigene\nVerachtung des thörichten Krams mit vielen hoch-\ntrabenden Worten bewies*"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4276, "texte": "So möchte jeder in seinen Sünden fröhlich\nweiter dahingefahren sein, wenn nicht der Welt-\nuntergang wie eine Kanonenkugel in die faule\nBrühe geschlagen wäre* Ja, jetzt merkte man erst,\nwie der Alte predigen konnte! Mit seiner tapferen\nNase hakte er die Leute fest, dass sie stillhalten\nund ihn ansehen mussten und leiden, dass seine\nkleinen flammenden Augen geschwind durch sie\nhindurchliefen und alles sahen und merkten bis\nin den hintersten Schlupfwinkel, dass er es hei-\nausholte und angesichts der ganzen Gemeinde wie\nalte Pluderhosen ausfclopfte, dass der Staub flog\nund die Löcher klafften* „Ihr kommt hierher, um zu\nGott zu betenrief er* „Das Geld ist euer Gott!\nWas habt ihr lieb, was ist euch werth, wofür kämpft\nihr, wofür arbeitet ihr, was beschützt ihr? Wenn\nich von euren Kindern absehe, die ihr wie der\nvernunftlose Affe auf Kosten der übrigen Mensch-\nheit vergöttert, bleibt nichts als das Geld, das\nGeld, das Geld* An Geld denkt ihr, von Geld\nträumt ihr, um Geld betet ihr* Gott hat euch\ndie Gedanken als Engel der Anbetung in euer\nHaupt gegeben, ihr habt sie zu Geiern gemacht,\ndie nach Geld jagen* Denkt euch“, sagte er, „ihr\nkenntet eine Insel, die jeden Herbst vom Meere\nverschlungen würde, und ihr sähet im Frühling\nMenschen kommen, die sie besiedelten* Sie rodeten\nBäume, sägten Holz, schleppten Steine, bauten\nHäuser, zankten sich wer mehr hätte und regieren\nsollte, schlügen und pufften sich, dass Blut flösse,\nspuckten sich ins Gesicht und stiessen sich gegen-\nseitig ins Wasser* Ihr würdet gewiss aus vollem\nHalse schreien: seht die Narren! die Bösewichte!\nseid aber weder besser noch klüger als sic* Auch\neure Insel wird untergehen und ein Schiff wird\neuch nach dem jenseitigen Strande führen aber\nvon eurer Habe dürft ihr nichts mitnehmen da-\nmit es nicht zu sehr belastet\nwird* Dann könnt ihr eure\nDiamanten und Perlen auf die\nStrasse werfen, nicht einmal\nder Kehrichtsammler wird\nsich danach bücken* Und\neure Person, ist die denn\nwerth, das Schiff auf seinem\nweiten, gefahrvollen Wege\nzu beschweren? Wer seid ihr\ndenn? was könnt ihr denn?\nPasteten essen und Malvasier\ntrinken, solche Künste floriren\ndrüben nicht. Im Geisterlande\ngilt nichts als Lieben, Schauen, Schwingen und\nSchweben/'\nDer Zuhörerschaft, welche von den letztge-\nnannten Fertigkeiten bisher wenig gehalten und\ndurchaus nicht darin bewandert war, tropfte ein\nkalter Schweiss von der Stirne; indessen als sie\naus der halbdunkeln, durchräucherten Kirche ins\nFreie traten und das Meer sahen, wie es sich unter\ndem hohen sonnigen Himmel glitzernd hin und\nher wälzte, dass die stattlichen Segel taumelten,\nfassten sie noch einmal Muth und meinten, dass\ndie Sache wohl nicht so dringlich wäre* Hin-\ngegen waren die armen Leute, Arbeiter, Bedien-\nstete, Bettler und Vagabunden, ganz durchdrungen\nund entzündet von den Worten des Jammerbolds,\nwallten singend durch die Strassen und wiesen\njede Zumuthung sich nützlich zu beschäftigen mit\nVerachtung zurück, so dass die Besitzenden sich\nausserordentlich behindert fühlten und den Pastor\nWolke unter der Hand ersuchten, er möchte doch\ndas Volk zur Arbeit ermuntern, da ja treue Pflicht-\nerfüllung in Gottes Augen nicht anders als wohl-\ngefällig sein könnte* Damit hatten sie nun frei-\nlich nicht das Rechte getroffen* „Glaubt ihr,\"\nsagte er, „Gott hielte es für eine wichtige Ange-\nlegenheit, dass euer Rindfleisch zur rechten Zeit\ngebraten auf den Tisch kommt? und dass eure\nStuben am Samstag gescheuert werden und eure\nHaube nach der Ordnung gefüttert wird? Ihr\nsolltet lieber den ganzen Trödel verbrennen, da-\nmit ihr der Sorge dafür ledig seid und endlich an\ndas denken könnt was noth thut*\" Diese Predigt\nhielt der Jammerbold auf dem freien Platz vor\nder Kirche von einer steinernen Kanzel herunter,\nwelche an der Aussenmauer angebracht war; denn\nder Zulauf war so gross, dass die Menge in der\nKirche nicht Platz gehabt hätte, und obwohl zu-\nweilen ein Regenschauer den\nLeuten ins Gesicht schlug, da\nes ein warmer aber stürmischer\nFrühlingstag war, rührte sich\nnicht einer vom Flecke, so\nschön und entsetzlich wusste\nder Pfarrer zu reden*\nDen Anstoss zu der grossen\nUmwälzung, welche nun statt\nfand, gab Herr Hans J ohannsen,\nein Grosshändler in Gewürzen,\nder von seinem Vater ge-\nwaltige Reichthümer, aber\nnicht dessen unternehmenden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3187, "texte": "Charakter geerbt hatte* Vielmehr war das zierliche blonde Männchen\nverzagt und weicheren Herzens, wagte sein Geld nicht zu ge-\nmessen, weil es ihm wie unrechtmässiger Besitz vorfcam, traute\nsich aber auch nicht es an die Bedürftigen auszutheilen, einer-\nseits weil er nicht gewusst hätte, wie er ohne Vermögen sein\nLeben hätte fristen sollen und ferner weil er glaubte, wenn er sich\nvon dem armen Gesindel nicht vornehm zurückhielte, würde man\nihn für ihresgleichen halten und in der ehrbaren Gesellschaft\nnichts mehr von ihm wissen wollen* So war er froh, dass er\neine Gelegenheit fand, den gehässigen Reichthum auf gute Weise\nloszuwerden, begab sich zum Pfarrer und fragte, ob er sein Geld\nunter die Armen vertheilen oder einfach aus allzugrosser Verachtung\nins Meer werfen sollte; aber sie einigten sich schliesslich dahin, es\nauf dem Markte aufzuhäufen und preislich auszustellen* Wie man\nbeim Beginne des Winters wohl ganze Berge von hellgrünen Kohl-\nköpfen an öffentlichen Plätzen aufgestapelt sieht, glänzte nun\ndem staunenden Volke der goldige Mammon in die Augen, ohne\ndass jemand ihn angetastet hätte, sei es weil sich einer vor dem\nandern schämte oder weil das Geld bereits etwas zu Missfälliges\nund Unbeliebtes geworden war*\nAn diesem Abend klopfte es zu später Stunde an meine Thür,\nund als ich vorsichtig öffnete, trat Herr Mümmelke, der Pelz-\nkönig, ein, entledigte sich seiner Vermummung und fragte nach\nvielen höflichen Redekünsten, ob es wirklich an dem sei, dass\ndie Welt am 13* Juli des laufenden Jahres untergehen müsse* Ich\nsagte, leider verhalte es sich wirklich so, worauf er meine Gelehr-\nsamkeit belobte und sagte, wie er gehört hätte, dass ich auch\nsonst noch über mancherlei Zauber gebiete und auch die berühmten\nAlraunwurzeln besitze, durch die man sich so viel Reichthümer\nwie man wolle verschaffen könne, und ob ich ihm wohl gegen\nreichliche Bezahlung eine ablassen wollte* Ich fragte, ob er, ein\nso gewaltiger Geldmann und Pelzfcönig, denn solche heimliche Mittel\nnöthig habe um sich zu bereichern, welches er weit von sich\nwies, denn, sagte er, er habe im Gegentheil im Sinne, sich\nseines ganzen Vermögens zu entäussern und sich auf das Himmel-\nreich vorzubereiten, wie er ja immer der Ansicht gewesen sei, dass\ndas Glück nicht in vollen Kisten und Fässern stecke, sondern in den\nLüften schwebe und sich nicht auf die Erde herabziehen lasse*\nIndessen, fügte er hinzu, müsse ein sorglicher Mann doch an den\nFall denken, dass die Erde unerwarteter Weise durch die gefahr-\nvolle Constellation hindurchschlüpfe, und was dann werden solle?\nDa nun, wie er gehört hätte, die Natur dem Menschen allerhand\nunschuldige Mittel an die Hand gegeben hätte, damit er sich\nihrer Schätze bemächtige, sähe er nicht ein, warum man sich der-\nselben nicht unter Umständen bedienen solle*\nSo ganz unschuldig, erwiderte ich, wären diese Mittel nun freilich\nnicht, vielmehr könnte man dabei leicht in die Gewalt des Teufels\ngerathen und der ewigen Seligkeit verlustig gehen, was auch die\nUrsache wäre, dass ich mich noch nicht damit abgegeben hätte*\nHierauf lächelte der Pelzkönig unschuldig wie ein spielendes Kind\nund sagte, ein frommes Gemüth wie das seine brauche den Teufel"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3157, "texte": "nicht zu fürchten, ich möchte ihm nur getrost ein Alräunchen\nüberlassen und ihn im Gebrauche desselben unterweisen* Also\nholte ich eine seltsam geformte, gelbliche Wurzel von ganz un-\nschädlicher Art hervor, dergleichen ich zuweilen im Walde ge-\nfunden hatte und sagte, dass er in einer Mondnacht auf den\nKirchhof gehen und das neueste Grab suchen, dann unter drei-\nmaliger Anrufung des Teufels die Hälfte der Wurzel essen, die\nandere Hälfte in das frische Grab stecken müsse, worauf er bei\ngehörigem Suchen und Wühlen mehr Schätze finden würde als er\njemals verbrauchen könne* Nachdem wir uns gegenseitig tiefes\nStillschweigen über den Handel zugeschworen hatten, entfernte er\nsich so vorsichtig wie er gekommen war* Indessen verkaufte ich\nam nächsten Abend eine ähnliche Wurzel an das Dufcatenmännchen\nund in der folgenden Zeit sieben andere an andere grosse Kauf-\nherren und Regierungsräthe, welches Geschäft mir alles in allem\nviertausend fünfhundert Goldgülden eintrug*\nDiese und noch viele andere Herren breiteten nun ihr Gold\nund Silber neben dem des Herrn Johannsen auf dem Markte aus,\nwobei es vielleicht verblieben wäre, wenn man nicht gesehen\nhätte, dass hie und da Leute mit Schiebkarren kamen, dieselben\nfüllten und wohlgemuth davonführten* Nun schien es, dass mit\ndem geopferten Gelde durch Menschenverführung Unheil ange-\nrichtet würde, und der Pelzkönig schlug vor, es möchte aus allen\nvorhandenen Edelmetallen ein ungeheures Bildwerk gegossen\nwerden, welches das goldene Kalb vorstellen und als ein abscheu-\nliches Götzenbild zur öffentlichen Beschimpfung und Verhöhnung\ngezeigt werden sollte* Dieser Vorschlag fand allgemeinen Beifall\nund das Material wurde sogleich einem rühmlich bekannten Bild-\ngiesser zur Verarbeitung übergeben*\nÜbrigens gehörte nicht die ganze Einwohnerschaft zu den An-\nhängern des Jammerbolds, sondern es gab einige, deren Reich-\nthum von jeher wie das Veilchen in der Verborgenheit geblüht\nhatte, die nach wie vor möglichst unauffällig ihren Geschäften nach-\ngingen und die übrigen als müssige Phantasten belächelten; andere,\ndie gewöhnt waren jedwedes Ereigniss mit Jubel zu begrüssen, da-\nmit nur die Alltäglichkeit unterbrochen würde und sie Gelegenheit\nhätten Feste zu feiern* Diese sammelten sich um den Lustbold,\nwelcher immer ein paar fröhliche Redensarten bei der Hand hatte,\num ihre Ausgelassenheit zu bemänteln, wie dass Gott den Men-\nschen die Erde als Wohnplatz angewiesen hätte und sie sich aus\nDankbarkeit so viel wie möglich darauf belustigen müssten, ferner\ndass, was auch später eintreten möchte, das schöne thörichte Erden-\nleben Jedenfalls die Jugendzeit der Seele sei, und ewig müsse es der-\njenige bereuen, der sich seiner Jugend nicht gefreut hätte* Mit solchen\nSophismen mag er wohl auch die Kinder seines Gegners, des\nPastors Wolke, berückt haben, Zwillinge und einander so ähn-\nlich, dass man sie, wenn sie nicht verschiedenen Geschlechts ge-\nwesen wären, kaum von einander hätte unterscheiden können*\nAls sie geboren waren, hatte sie jemand witzweise Wassertröpf-\nchen und Schneeflocke genannt, was sich späterhin als gut ge-\neignet erwies, denn das Geplauder des Knaben, dessen Zünglein"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4030, "texte": "von selber ohne Regulirung von seiten des Kopfes zu\nlaufen schien, glich dem geschwinden Tröpfeln\ndes Wassers etwa aus einer Rinne bei starkem\nRegen, und das stille Mädchen war nicht nur\nweiss wie eine Schneeflocke, sondern hatte auch\netwas an sich, als könnte sie jeden Augenblick\nschmelzen und verschwinden* Man rief sie also\nTröpfchen und Schneeflocke oder Vikus und\nVika, da die feierlichen Namen Ludovikus und\nLudovifca, auf die sie getauft waren, augen-\nscheinlich nicht für sie passten* Sie waren fast\njedermann bekannt und doch ganz ohne Freunde,\nnicht weil sie unbeliebt gewesen wären, vielmehr\nweil die Natur sie so neben einander gestellt hatte,\nkam es ihnen nie in den Sinn einen anderen\nUmgang zu suchen* Aber obwohl sie sich sehr lieb\nhatten, ja nicht ohne einander bestehen konnten,\nfühlten sie sich doch nicht befriedigt und ausge-\nfüllt in ihrer Liebe, im Gegentheil als die Kunde\nvom Weltuntergänge kam, fiel es ihnen plötzlich\nein, in was für einer fürchterlichen Einsamkeit\nsie bisher gelebt hatten, nämlich nur mit einander,\ndie sich doch innerlich so ähnlich waren wie\näusserlich* Die Nachricht, dass es bald für immer\nvorbei sein würde, schreckte sie wie mit Posaunen-\nstössen aus ihrem Halbschlummer, und sie wussten\nin ihrer Angst und Ungeduld gar nicht was sie\nthun sollten, um das Leben in die Hände zu be-\nkommen* Sie waren bereit alles zu thun was sie\nnur fühlen machte, dass sie lebten. Als die\nWeltfcinder begriffen hatten, um was es sich\nhandelte, schien ihnen das ein Hauptspass zu\nsein; sie empfingen die Zwillinge voll Zärtlich-\nkeit, die Frauen bemächtigten sich des Tröpf-\nchens und die Männer der Schneeflocke, denn\nzunächst, sagten sie, müssten sie die Liebe kennen\nlernen, dann würde das Leben sich von selber\naufthun* Es zeigte sich aber, dass dem Vifeus\ndie Liebe nicht beizubringen war, weil er es\ndurchaus nicht ernst damit nehmen konnte, was\ndenn doch das betreffende Mädchen, wenigstens\nauf Augenblicke, verlangte* Während der zärt-\nlichsten Wechselreden und Liebkosungen dachte\ner an hundert andere Dinge, namentlich aber\nmit welchen Worten er seiner Schwester das ge-\nhabte Abenteuer wiedererzählen würde, wovon\neine grosse Unaufmerksamkeit und Zerstreutheit\ndie Folge war, die die Geliebte beleidigte* Schliess-\nlich gab er es ganz auf und hielt sich zu den\njungen Männern, die er, namentlich wenn sie\ngross, stark und etwas roh waren, nicht wenig\nbewunderte, würfelte und zechte mit ihnen, ohne\nübrigens ein anderes Interesse dabei zu haben als\ndas des munteren Aeffchens, das die Hantirungen\nder Menschen nachmacht* Unterdessen wehte\nVika leicht und geräuschlos aus einem Arm in\nden andern, indem sie jedesmal dachte, der Kuss\ndes neuen Geliebten würde ihr die Lebenswonne\nbringen, nach der sie sich sehnte* Da ihre Seele\neigentlich gar nicht dabei war, wenn sie sich küssen\nliess denn sie horchte und wartete immer auf\ndas Wundervolle, was sich nun ereignen würde\nfühlte sie sich nicht gerade entwürdigt durch\nden häufigen Wechsel, nur dass sie, da ihr Herz\ntrotz allem von dem heimlichen Schauder, dem\nFrühlingsbeben und Blüthenschwellen nichts ver-\nspürte, immer trauriger wurde und am liebsten\nihren Bruder aufsuchte, um unter dem harmlosen\nGeplauder, das von seinen Lippen plätscherte, vor\nsich hin zu träumen*\nWährend dieser Zeit arbeitete der Bildgiesser,\nHerr Brausewein, fleissig an dem goldnen Kalbe,\ndas er in all seiner gottlosen Pracht und Schönheit\ndarzustellen versprochen hatte* Dieser Mann ge-\nnoss allgemeines Vertrauen, welches auch seine\nfeste, knorrige Gestalt, sein breites Gesicht mit\nder stattlichen Nase und den kleinen blinkenden\nAugen herausforderte; dazu war er als uneigen-\nnützig bekannt, denn er hatte sich stets mit ge-\nringem Lohne für die zahlreichen Brunnenfiguren\nund Kirchenornamente, die er der Stadt geliefert\nhatte, begnügt und das goldene Kalb vollends\nganz ohne Entgelt zu bilden unternommen* Nach-\ndem das Vieh fertig war, wurde nach kurzen\nBerathungen beschlossen, es in dem Park aufzu-\nslellcn, wo die Weltkinder ihre Orgien zu feiern"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3371, "texte": "pflegten; derselbe war nebst einem stattlichen\nHerrenhause von seinen heiligen Besitzern ver-\nschmäht und der Verwilderung preisgegeben* Mit\ngrossen Anstrengungen wurde denn das schwere\nBildwerk auf einen künstlichen Hügel im Parke\ngebracht , von wo aus man einen Ausblick über\nden Strand und das Meer hatte, und angesichts\neiner grossen Menschenmenge feierlich enthüllt*\nIm ersten Augenblick sah man nichts als einen\nblendenden, im Glanze der Mittagssonne nach\nallen Seiten Strahlen schiessenden Goldkoloss, so\ndass der Eindruck ebenso heiter wie erhaben war;\nerst bei längerem\nSchauen offenbarte\ndas Idol die böse\nNatur, die der Mei-\nster mit staunens-\nwerter Kunst hin-\neingebildet hatte*\nDie ganzeFigur des\nUngeheuers liess\nsich etwa mit einem\nNilpferd verglei-\nchen, soweit sie breit\nund ungeschlacht\nwar, doch lag in\ndem prallen Leibe\nbei aller Plumpheit\netwas Elastisches\nund den säulen-\ndicken Beinen die,\nsich gegen den\nFuss zu noch be-\nträchtlich verbrei-\nterten, sah man an,\ndass sie sich wie der\nBlitz aufheben und\nihr Opfer in den Staub zusammenstampfen könnten*\nWas aber vorzüglich mit Schrecken erfüllte war das\nAntlitz mit den grossen vorquellenden Augen, die\ndumm, grausam und tückisch, nach allen Seiten\nzugleich zu blicken schienen* Das weite Maul hatte\neinen zweideutigen Ausdruck, so dass man nicht\nwusste, ob es in thierischer Weise lachte, oder sich\nzum Geheul oder zu mörderischem Biss öffnete* In\nder Haltung des Ungethüms war etwas, als lauerte\nes auf den Augenblick, wo es sich auf das Volk,\nwenn es mit gesenkten Köpfen zur Anbetung\nniederkniete, herunterlassen könnte, um es zu\nzermalmen und zu fressen* So verschieden nun\nauch jeder das Götzenbild betrachten und auslegen\nmochte, flösste es doch allen Abscheu und\nGrauen ein und es verbreitete sich bald allerlei\nabenteuerliches Gerede, wie zum Beispiel, dass man\nder Bestie nicht grade ins Auge sehen dürfe, da\nsie einen sonst behexe und nicht mehr losliesse,\nferner dass sie Nachts, wenn der Mond ihren\nglatten Goldrücfcen beschiene, lebendig würde, zu\nwelcher Zeit viele ein kicherndes Heulen, wie von\nhungrigen Hyänen, gehört haben wollten* Dies\naber sowie die Zerstampfung des Bodens umher,\ndie man wohl des Morgens wahrnahm, mochte\nvon dem ausgelassenen Toben der Weltkinder\nherrühren, die, ob-\nwohl es meistens\narme Schelme wa-\nren, unter Scherz\nund Jubel um das\nScheusal herum -\ntanzten* Ihr An-\nführer zu allem war\nder Lustbold , der\nallmählich immer\nmehr ausartete, sich\nBaalspriester nen -\nnen liess und, das\ngraue Haupt mit\nBlumen geputzt,\ndem Götzen schmei-\nchelte und opferte*\nAls ein denken-\nder Betrachter der\nmenschlichenThor-\nheit mischte ich\nmich unter die Got-\nteskinder wie auch\nunter die Weltkin-\nder, öfter aber unter\ndie letzteren, und zwar hauptsächlich aus väter-\nlicher Zuneigung für die Zwillinge, deren Zustand\nich aus des Tröpfchens zutraulichem Sprudeln und\nPlätschern erfuhr* Dass es eben die Kinder des\nJammerbolds waren, die zu den gefährlichsten\nUnholden zwischen den Weltkindern zählten,\nerregte natürlicherweise grosses Befremden und\nAergerniss, aber weniger deswegen als aus Theil-\nnahme für die hilflos in der Irre tappenden\nKinder und ihren Vater, meinen Freund, machte\nich mich eines Tages auf, um ihm die Augen\nüber ihre Lage zu öffnen* Man fand Pastor\nWolke damals selten zu Hause, weil er stets mit\nPredigen, Lehren, Trösten und Helfen beschäftigt"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3601, "texte": "war, doch war mir diesmal der Zufall günstig',\nwie mich die heftigen Reden, die aus den geöff-\nneten Fenstern seiner Wohnung schallten, schon\nvon weitem merken Hessen* Als ich näher heran-\nkam, sah ich zu meinem Erstaunen, dass nach-\neinander eine Reihe von silbernen Tellern, Schüs-\nsein, Schalen und Kannen aus dem Fenster flogen,\nzum Theil von ausserordentlicher Grösse und\nGewicht, so dass ich mich an den Mauern der\nHäuser entlang drückte, um nicht getroffen zu\nwerden* Es waren nämlich dem edeln Manne\nSticheleien zu Ohren gekommen, dass seine eigene\nFrau zu denen gehöre, die, während der Fromme\nalles Irdische von sich thäte, mit unverminderter\nHabgier auf dem Ihrigen sitzen bliebe und so,\naut lasterhaftem Reichthum thronend, ihren Mann\nund seine Anhänger verlachte* Er hatte hierauf\nseine Frau zur Rede gestellt und in allerlei Truhen\nund Kisten den Schatz des Hauses entdeckt, den\ner sogleich trotz des Tobens seiner Frau in wohl-\ngezielten Würfen auf die Strasse schleuderte* Er\nliess sich auch durch meinen Eintritt nicht stören\nund hörte erst auf, als ihm die schwachen alten\nrme erschöpft am Leibe herunterfielen, worauf\ner sich zu seiner Frau wendete, um ihrem Schelten\ne or zu schenken* „Du Geck, du Faselhans,” rief\ndiese, „was bist du mehr als ein einfältiger Tyrann,\nder alle Menschen nach seinem zufälligen Masse\nmodeln mochte? Wärest du ein Tanzmeister,\nwur es ua e tanzen lassen, wärest du ein\n1 odtengraber, wurdest du sie verfluchen, wenn sie\nsich nicht begraben Hessen, und da du nun als\nGottesnarr und Jammerbold geboren bist, möchtest\n\" f/ f m sperren, die doch weit\nnützlicher und erbaulicher leben als du/f Ich\nunterbrach die Frau, indem ich ihr bewies, dass\nsie die Erhabenheit und Heiligkeit ihres Mannes\nnicht zu fassen vermöge, dagegen hielt ich ihm\nvor, dass es an der Zeit sei und er Ursache habe,\nsich um seine Kinder zu bekümmern, deren\nSeelen Gott ihm vorzüglich anvertraut hätte und\nin Bälde von ihm zurücfcfordern würde* In dieser\nWeise redeten wir abwechselnd auf ihn ein, bis\ner mich mit demüthigen Worten bat ihn hinzu-\nführen wo seine Kinder wären, was ich sogleich\nthat, worauf seine Frau mit Hilfe des Dienst-\nmädchens das Silber, soweit es noch nicht fortge-\ntragen war, wieder auflas und ins Haus zurücfc-\nbrachte* Unterwegs erzählte ich dem Alten was\nsich in der letzten Zeit mit seinen Kindern be-\ngeben hatte, wie sie, um doch einmal vor dem\nEnde das schöne Erdenglücfc zu kosten, sich in\nwilde, alberne Ausschweifungen geworfen hätten,\ndie sie auf zehrten, ohne ihnen Genüge zu geben*\nDie Weltfcinder glaubten, als sie des Jammerbolds\nansichtig wurden, nichts anderes als dass er sie\nbekehren und bessern wollte, wovon sie sich eine\nHauptkomödie versprachen; aber der Anblick des\nalten Mannes, als er seiner verlorenen Kinder\nansichtig wurde und die Arme zaghaft aus der\nEntfernung nach ihnen ausstreckte, mit dem\nkleinen weisshaarigen Haupte nickend, rührte das\nleichtsinnige Volk, so dass einige sogar den Zwil-\nlingen Zeichen gaben, sie möchten ihren Vater\nnicht so lange rufen und bitten lassen* Diese\nstarrten den Alten erst eine Weile erschreckt an,\ndann fassten sie sich plötzlich bei den Händen\nund liefen wie ein paar bei einem verbotenen\nStreich ertappte Kinder spornstreichs in entgegen-\ngesetzter Richtung davon* Indessen liessen sie nicht\nlange auf sich warten, denn sie waren eigentlich\nfroh, an der Fortsetzung ihres sinnlosen Treibens\nverhindert zu werden, und müde und überdrüssig ge-\nnug, um das Ende ruhig über sich ergehen zu lassen*\nDieses kündigte sich denn nun wirklich durch\neine heillose Katastrophe an, die dem Weltunter-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4783, "texte": "gang grade um acht Tage vorauf ging# Schon\neinige Tage lang war die Hitze ungewöhnlich\nlastend gewesen und die Luft klumpig und schwer,\nso dass man das Gefühl hatte, man müsste sie\nmit den Händen von sich abstreifen oder, wenn\nman sich sehr anstrengte, von sich abschütteln\nkönnen; nur dass einem die Kraft sich anzustrengen\ngebrach* Jetzt hatte der Himmel eine verwischte\ngraubraune Färbung bekommen wie vor Einbruch\neines Hagelwetters, das Meer lag schwarz und\nleblos wie ein nasses Tuch, und nur selten strich\neine Möve mit ängstlich zuckendem Flug dicht\ndarüber hin* Es zweifelten nur wenige daran,\ndass der Weltuntergang nun baldigst hereinbrechen\nwerde, und der Jammerbold war so dringend auf-\ngefordert, eine ernste Ansprache in der Kirche zu\nhalten, dass er nicht Nein hatte sagen können,\nobwohl ihm aller Eifer für die Angelegenheit\ngänzlich abhanden gekommen zu sein schien, ja\nman hätte an eine gewisse Verwirrung seiner\nIdeen glauben können, wenn man sein unzusam-\nmenhängendes Betragen mit dem früheren verglich*\nEr sah von der ganzen Zuhörerschaft nur seine\nKinder, welche dicht unter der Kanzel Platz ge-\nnommen hatten und seinen inständigen Blick mit\nschwachem Lächeln ihrer blassen Mienen er-\nwiderten. Auch was er sagte, schien nur für sie\nberechnet zu sein, wenigstens handelte es durch-\naus nicht vom Weltuntergang, sondern vom Glück\nund wie und wo es zu finden sei, wenn denn\nüberhaupt ein fortlaufender Faden darin war*\n„Wenn sie als kleine Kinder auf der Wiese sassen\nund Sternblumen pflückten, sass ihnen da nicht\ndas Glück in den strahlenden Augen? Lachten\nsie nicht wie Selige lachen? Ja, mitten im Para-\ndiese waren sie! Weh mir, dass ich ihnen den\nApfel der Erkenntniss gegeben habe! Hätten sie\nnicht ewig lachen und spielen sollen, da doch\nKinder wie Engel sind?” Da er dies noch dazu\nin abgebrochener Weise vortrug und zwischendurch\nöfters das Gesicht in den Händen verbarg, würden\ndie Zuhörer an dem wunderlichen Zeug schliess-\nlich Anstoss genommen haben, wenn nicht plötz-\nlich ein fürchterliches Krachen und Poltern dem\nGerede ein für allemal ein Ende gemacht hätte*\nEs war nämlich, wie sich nun zeigte, die unheil-\nvolle Witterung Vorbote eines Erdbebens gewesen,\ndas sich eben in diesem Augenblick entlud und\ndie Kirche so erschütterte, dass ein Theil der\nMauer nebst mehreren Pfeilern einstürzte* Die\nfallenden Trümmer tödteten einige Personen und\nverwundeten mehrere, und der Zufall wollte, dass\ndie Schneeflocke unter den letzteren war und an der\nHüfte und am Bein so getroffen wurde, dass sie\nwohl mit dem Leben davonkommen konnte, aber\nsicherlich gelähmt bleiben musste* Von diesem\nAugenblick an veränderte der Pfarrer sein Be-\ntragen gänzlich und legte nichts anderem als dem\nBefinden und Aussehen seiner kranken Tochter\nmehr Wichtigkeit bei. Man konnte ihn häufig\nmit zufriedenem Lächeln wie einen Tagelöhner\narbeiten sehen denn es war bei dem verwahr-\nlosten Zustande unserer Stadt allenthalben Arbeit\nzu finden um ein paar Kreuzer zu verdienen\nund ihr Blumen oder irgend einen Tand kaufen\nzu können, der das weisse Gesicht vielleicht würde\nlachen machen* Die verlassene Herde des Pastoren\nbefand sich nunmehr in solcher Spannung, dass er\nnicht sonderlich vermisst wurde, denn es war jetzt\nsoweit, dass der grosse Zusammenbruch eintreten\nmusste und die Folgen der Weltverachtung und\nSeelengrösse eingeheimst werden konnten*\nDer dreizehnte Juli war ein heisser aber freund-\nlicher Tag, welcher es den Gotteskindern erlaubte,\nmit nichts als Hemden bekleidet singend durch\ndie Stadt zu wallfahrten, die Frauen mit aufge-\nlösten Haaren, was ein lieblicher Anblick gewesen\nsein würde, wenn die bedrohlichen Umstände der-\ngleichen Betrachtungen hätten aufkommen lassen*\nViele, die bisher die Nase gerümpft hatten, misch-\nten sich in letzter Stunde noch unter die Heiligen\nund suchten durch den Nachdruck ihrer frommen\nBetätigungen zu ersetzen, was ihnen an Dauer\nabging* Als ich in der Dämmerung meiner Ge-\nwohnheit gemäss am Strande spazierte, fand ich\nsie alle im weichen Sande knieen und beten, wo\nsie vermuthlich die Katastrophe in angenehmerer\nWeise zu bestehen gedachten als innerhalb der\nStadt, wo einem die Häuser über dem Kopfe zu-\nsammenbrechen mussten. Allen zuvor mit Beten\nund Singen thaten es der Pelzfcönig und das\nDukatenmännchen, welche sich, da wo das Ufer\nflach war, auf zwei grosse Steine im Meer gesetzt\nhatten, und von dort aus ihren hohlen Gesang\nüber das Wasser schallen Hessen. Ich fragte im\nVorbeigehen, ob sic in der lieblichen Abendkühle\nein Bad zu nehmen gedächten, worauf mich der\nPelzkönig mit sanften Worten einlud, ein hoch-\nzeitliches Gewand anzulegen und mein Lämpchen\nmit Oel zu füllen, damit ich nicht, wenn der\nBräutigam käme, als eine thörichte Jungfrau be-\nschämt vor ihm stehen müsste* Da sich inzwischen"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2369, "texte": "die Stunde genähert hatte , wo der verderbliche\nSchweifstern erscheinen sollte, begab ich mich auf\ndie Zinne meines Hauses, um ihn zu beobachten,\nder denn auch wirklich als ein röthlichfunkelnder\nStern mit anmuthigem Strahlenbüschel wie ein\nParadiesvogel unter den übrigen sichtbar wurde.\nAllmählich rückten sämmtliche Sterne sacht an\nihre Stelle, vor dem stillen Fluge der Nacht fing\ndie Luft an sich kühlend zu bewegen und das\nträumerische Singen der Brandung wurde hörbar*\nAus dem entfernten Park drangen dann und wann\nwilde jauchzende Töne der Weltkinder, die nun\ntoller als je ihren Reigen um das goldene Scheu-\nsal tanzten* Indem ich gedankenvoll den Lauf\ndes Kometen verfolgte, malte ich mir mit den\ninneren Augen das Rad der Zeit an den Himmel,\nhalb unsichtbar, halb durchsichtig leuchtend, wie\nes langsam seinen riesigen Umschwung durch die\nEwigkeit drehte* Wie, dachte ich, wenn plötzlich\neine allmächtige Hand in die ungeheure Speiche\ngriffe, die so schnell und stark im Mittelpunkte\nder Unendlichkeit sich umschwingt, dass der Sturm,\nder durch die Bewegung entsteht, Wandelsterne,\nSonnen und Monde in ihren Bahnen vor sich her\ntreibt? Wenn das Rad plötzlich stockte, die Gestirne\nerlöschten und entsetzlich zuckend in die schwarze\nUnermesslichkeit stürzten! Aber es drehte sich\nlangsam, langsam weiter durch das blaue Gewölk,\nweiter durch die dunkle Einöde des Himmels,\nnachdem die Sternbilder verblichen waren, und\ndurch das fröstelnde Grau des Morgens, das der\nfolgte* Hierauf legte ich\nmich zu Bett und schlief bei grosser Ermüdung\naugenblicklich ein*\nEin starkes Schreien und Poltern weckte mich,\nals es etwa zehn Uhr Morgens sein mochte, aus\nmeinem Schlafe, und als ich, da ich mich im\nNachtkleide nicht unter den Leuten zeigen mochte,\ndurch die Klappe in meiner Thür herauslugte,\nerblickte ich eine Horde wüthender Männer, die\nmit Knitteln und Beilen herumfuchtelten und mich\nbedrohten* Da ich den Pelzkönig und das Dukaten-\nmännchen unter den vordersten sah, konnte ich\nmir unschwer zusammenreimen, dass sie, nun es\nmit dem Weltuntergänge nichts war, es mit ihren\nAlräunchen versucht und die unschuldige Natur\nderselben erprobt hatten, bei denen alles Anrufen\nund Beschwören des Satans durchaus zu nichts\nführen konnte* Trotz des blutgierigen Aussehens\nder Männer fasste ich mir ein Herz und redete\nsie freundlich an, indem ich sagte, ich freute mich"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1323, "texte": "mittheilen zu können, dass der verdächtige Stern\nmit Vermeidung aller schädlichen Umtriebe auf-\nond wieder abgetreten wäre, so dass unsere Erde\nihren Lauf in Gottes Namen fortsetzen könnte,\nwozu wir, als ihre Bewohner, uns füglich beglück-\nwünschen dürften. Doch würde mir diese Rede\nwohl wenig genützt haben, wenn es nicht einem\nder wüthenden Leute eingefallen wäre, den Namen\ndes Jammerbolds zu nennen, als den, welcher das\nganze Unglück herbeigeführt hätte. Sogleich\nstimmten alle ein und der Knäuel wälzte sich\nunter lautem Rachegebrüll aus meinem Hause\nheraus, so dass ich in grosser Besorgniss um den\nlieben Freund mich so schnell ich vermochte an-\nkleidete und hinter den Wilden hereilte, obgleich\nich eigentlich nicht wusste, was ich einzelner zum\nSchutze des Bedrohten thun könnte. Zwar gelang\nes mir unterwegs noch ein paar Männer zu ge-\nwinnen, die mir beistehen wollten, aber das ver-\nursachte wieder eine verhängnissvolle Verspätung;\nals wir bei dem Hause des unglücklichen Men-\nschenfreundes ankamen, hatte er bereits unter den\nAxthieben der Mordbande seinen Geist aufgegeben.\nVon den Umstehenden erfuhr ich, dass er auf das\nGeschrei der Erzürnten vor die Hausthür geeilt\nwar, sie herzlich „liebe Freunde” und „Kinder\nGottes” angeredet und gebeten hatte, nicht so\nzu lärmen, da seine Tochter schlafe. Hingegen"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2852, "texte": "schimpften sie ihn Schelm ,\nGauner und Bösewicht und\nman hörte es durcheinander-\nrufen: ,Jetzt sind wir freilich\nim Himmel! Du hast uns zu\nBettlern gemacht! Gieb unser\nGeld zurück oder lass die\nWelt untergehen!” und da er\nmit seiner schwachen Stimme\netwas erwidern wollte , tobten\nund fluchten sie noch gräss-\nlicher, schlugen ihn nieder und\ntödteten den wehrlosen Greis\nmit einem überflüssigen Auf-\nwand von Wuth und Kräften*\nOhne dass jemand wagte\nder blutigen Horde in den\nWeg zu treten, zogen sie weiter\nnach dem Platze wo das gol-\ndene Kalb stand, in der Ab-\nsicht von den verlorenen Reich-\nthümern wieder an sich zu\nraffen was jeder vermochte*\nSo viel sie aber mit ihren Bei-\nlen auf die Bestie einhieben,\nerreichten sie doch nichts\nanderes, als dass sie einige\nSchrammen und Beulen in\nihren glatten Leib brachten,\nweswegen sie ein Feuer an-\nzündeten, um den Goldkoloss\nzum Schmelzen zu bringen*\nDabei zeigte es sich aber bald,\ndass das Idol aus einem Kern\nvon Blei bestand, der nur mit\neiner dünnen Lage von Gold-\nblech überzogen war, was denn\nwohl als das dürftige lieber-\nbleibsel des gewaltigen Schatzes\nzu betrachten war* Da sich\ndie Enttäuschten an dem Mei-\nster, der sich kurz nach Voll-\nendung des Bildes in aller\nRuhe aus der Stadt entfernt\nhatte, nicht rächen konnten,\nwussten sie in ihrer Furie\nkeinen anderen Ausweg als\nübereinander herzufallen, in-\ndem der eine dem andern\nden Vorwurf machte ange-\nfangen und das Beispiel zu\ndem schnöden Geldopfer ge-\ngeben zu haben* Fast in jeder\nFamilie hatte es ein Mitglied\ngegeben, sei es Mann, Frau\noder Kind, das sich dem Vor-\nhaben widersetzt hatte, und\nso kam es, dass sich jetzt die\nNächstver wandten an der\nGurgel fassten und unter\nTriumph- und Rachegeschrei\nden Garaus zu machen such-\nten* Wahrscheinlich würden\nsie sich alle gegenseitig ums\nLeben gebracht haben, wenn\nnicht jene besonnenen Männer,\ndie mit dem Weltuntergang in\nkeiner Weise etwas zu thun\ngehabt hatten, jetzt zu-\nsammengetreten wären, eine\nneue Regierung gebildet und\ndie öffentlichen Dinge ge-\nschickt und geschwinde ge-\nhandhabt hätten* Zunächst\nwurden die Mörder und Rä-\ndelsführer in Verwahrsam ge-\nbracht, damit sie kein weiteres\nUnheil anrichteten, dem Lust-\nbold wurde wegen seines un-\npassenden Betragens während\nder letzten Monate ein ernster\nVerweis ertheilt, dem armen\nErmordeten dagegen ein christ-\nliches Begräbniss zuerkannt,\nwelches denn baldigst prunk-\nlos aber feierlich begangen\nwurde* Beinah täglich in der\nAbendfcühle kann man noch\njetzt den plaudernden Vikus\nund die lahme, lächelnde\nVika nach dem Grabe dieser\nunschuldigen Seele Hand in\nHand zusammen wandern\nsehen* Diejenigen, die bei\nder Ermordung des alten\nWolke betheiligt waren, es\nwaren ihrer neun, darunter\nder Pelzkönig und das Duka-\ntenmännchen , wurden nach\nkurzem Prozess zum Tode\nverurtheilt* Es wurde zu die-\nsem Zweck das goldene Kalb"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1077, "texte": "mit grossen Kosten und Beschwerden nach dem Zeit der Umwälzung aus früherer Dunkelheit zu\nRichtplatz geschleift, welcher ausserhalb der Stadt- hübschem Wohlstände aufgeschwungen hatten,\nmauern hegt, und in der Mitte desselben auf gerichtet, ohne Bcmäfcelung ihres Glückes froh werden\num dasselbe herum aber die neun Galgen, an wel- konnten*\ndien die Schuldigen auf gehängt werden sollten; so Die Leichname der Erhcnkten blieben auf Ver-\nkennten sie, sagten die neuen Räthe, wenn ihnen Ordnung des Rathes zum abschreckenden Beispiel\ndie Leiter unter den Füssen weggezogen würde, an dem Galgen hängen, und das abergläubische\nein letztes Tänzchen vor ihrem Götzen auffuhren. Volk will wissen, man könne in stürmischen\nDie Strafe wurde schleunigst an den unbussfertigen Nächten sehen, wie die nackten Gerippe beim\nSündern vollzogen, was die günstige Folge hatte, Pfeifen des Windes und Rasseln der Knochen\ndass sich in Zukunft kein Unzufriedener mehr zu einen hüpfenden Reigen um das blanke Götzen-\nmucksen wagte und diejenigen, die sich in dieser bild herum tanzen*\n\nRICARDA HUCH."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-02_01#c005", "volume": "bmtnabf_1899-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "3", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.2.4.1", "titre_corps": "Der junge Riese", "titre_sommaire": "Der junge Riese", "signature_source": "FRIEDRICH KÖNIG", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.3", "debut_caractere": 2966, "fin_caractere_exclue": 2982, "texte": "Der junge\nRiese."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-02-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-02_01#c006", "volume": "bmtnabf_1899-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "4", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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HOFMANNSTHAL.\nSie trug den Becher in der Hand,\nIhr Kinn und Mund glich seinem Rand.\nSo leicht und sicher war ihr Gang,\nKein Tropfen aus dem Becher sprang.\nSo leicht und fest war seine Hand:\nEr sass auf einem jungen Pferde,\nUnd mit nachlässiger Geberde\nErzwang er, dass es zitternd stand.\nJedoch wenn er aus ihrer Hand\nDen leichten Becher nehmen sollte,\nSo war es beiden allzu schwer:\nDenn beide bebten sie so sehr,\nDass keine Hand die andre fand\nUnd dunkler Wein am Boden rollte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-02-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-02_01#c029", "volume": "bmtnabf_1899-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "30", "image_debut": 30, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.2.14", "titre_corps": "Studie", "titre_sommaire": "Studie", "signature_source": "FRIEDRICH KÖNIG", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 30, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.30", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7, "texte": "Studie."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-02-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-02_01#c030", "volume": "bmtnabf_1899-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "32", "image_debut": 31, "image_fin": 32, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.2.15", "titre_corps": "DER ABENTEURER", "titre_sommaire": "DER ABENTEURER", "signature_source": "FELIX DÖRMANN", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.31", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 562, "texte": "DER ABENTEURER.\n\nÜber des Meeres grollende Wogen\nKomm ich gezogen\nAn den fernen, lockenden Strand,\nAbenteuern bin ich gewogen\nUnd mir zuckt das Schwert in der Hand.\nWill kein Ritter sich mir weisen,\nWaffenklirrend, hoch zu Pferd,\nDer mit scharfem Wort und Eisen\nTrotzig mir den Weg verwehrt?\nKann die Ruh' nicht länger tragen,\nAllzu üppig rollt das Blut!\nWill sich keiner an mich wagen?\nRaufen, raufen wär' so gut!\nÜber des Meeres grollende Wogen\nKomm ich gezogen\nAn den fernen, lockenden Strand,\nAbenteuern bin ich gewogen\nUnd mir zuckt das Schwert in der Hand."}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.32", "debut_caractere": 110, "fin_caractere_exclue": 516, "texte": "Schöne, schlanke, junge Frauen\nBraucht Ihr keinen Rittersmann,\nDen man mit verliebtem Grauen\nZupfen, streicheln, küssen kann?\nLieder weiss ich von der Reise,\nFremde Lieder, süss und arg\nEure Gatten sind ja Greise,\nAber ich bin jung und stark!\nÜber des Meeres grollende Wogen\nKomm ich gezogen\nAn den fernen, lockenden Strand,\nAbenteuern bin ich gewogen\nUnd mir zuckt das Schwert in der Hand.\n\nFELIX DÖRMANN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-02-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-02_01#c031", "volume": "bmtnabf_1899-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 31, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.2.15.1", "titre_corps": "Siebenmeilenstiefeln", "titre_sommaire": "Siebenmeilenstiefeln", "signature_source": "FRIEDRICH KÖNIG", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.31", "debut_caractere": 564, "fin_caractere_exclue": 589, "texte": "Sieben-\nmeilen-\nstiefeln."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.1", "texte": "INHALT:\nSEITE\nWELTUNTERGANG VON RICARDA\nHUCH 3\nDIE BEIDEN. GEDICHT VON HUGO\nv. HOFMANNSTHAL 28\nDER ABENTEURER. GEDICHT VON\nFELIX DÖRMANN 31\nZEICHNUNGEN UND STUDIEN VON\nFRIEDRICH KÖNIG.\nREDAKTION\ndes künstlerischen theiles;\nHEINRICH KÖNIG\nKOLOMAN MOSER\nJOSEPH M. OLBRICH\nALFRED ROLLER.\nREDAKTION\nDES LITERARISCHEN THEILES!\nDr. FRANZ ZWEYBRUCK."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.2", "texte": "DIE KÖNIGIN UND DER PAGE."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.3", "texte": "DER WELTUNTERGANG.\n\nPass am 13. Juli 1599 die Welt ein plötzliches\nEnde nehmen, nämlich untergehen würde,\nschicn durch einen Komet oder Schweifstern,\nwelcher in der Nacht des genannten Tages auf-\ntreten und seiner unregelmässigen Natur zufolge\nblindlings zwischen die friedliche Ordnung der\nübrigen Himmelskörper fahren sollte, allerdings klar\nbewiesen, so dass ich, der Mathematik und Astro-\nnomie Professor, bewandert und erprobt in diesbezüg-\nlichen Untersuchungen, wohl befugt war, meine und\nanderer Gelehrten Wahrnehmung dem Pastor Wolke,\nmeinem Freunde, mitzutheilen, was ich um so un-\nbedenklicher that, als ich selber dem bevorstehen-\nden Ereignisse mit dem Gleichmuth des guten Ge-\nWissens entgegensah. Ich hätte freilich wissen\nkönnen, dass dieser heilige Mann, welchen der\nfeurige Geist Gottes erfüllte und wie einen Irr-\nwisch umtrieb, damit er den Menschen als War-\nnungszeichen diene und sie nicht im Moraste ihrer\nSünden versinken und verfaulen lasse, einen so\nwichtigen Vorfall nicht ungenützt würde hingehen\nlassen, wenn ich auch nicht voraussehen konnte,\nwas für eine Lawine sich aus meinem Mundvoll\nvertraulicher Worte zusammcnrollen sollte.\nEin herzlicher, unschuldiger und aufrichtiger\nMann war Pastor Wolke, auch fröhlich, dem die\nleichtsinnigc Jugend den Namen Jammerbold nur\ndeswegen gegeben hatte, weil er in seinen Predigten\nund auch sonst die Ueppigfceit und allgemeine\nGottlosigkeit der Menschen zu bejammern pflegte,\ndie er sich nicht aus missgünstiger Bitterkeit oder\nsauertöpfischer Gesinnung, sondern aus richtiger\nErfcenntniss Gottes und Mitleid mit der verteu-\nfeiten Welt zu Herzen nahm. Obgleich sich in\nder Regel diejenigen verhasst machen, die den\nEpifcuräer aus seinem Sinnenrausche wecken, ge-\nnoss doch Wolke unbegrenzte Verehrung und\nseine Kirche war nicht nur immer voll, sondern\nwurde auch von den reichsten und vornehmsten\nFamilien besucht. Diese, unter denen Herr Müm-\nmelke, der Pelzkönig, und der Färbereibesitzer\nSchwämmle, genannt das Dukatenmännchen, weil\ner sich gern mit goldenen Ketten und Schau-\nmünzen recht sichtbar behängte, die gewaltigsten\nwaren, hielten sich zwar nicht an die Vorschrift\nder Wolfceschen Predigten, bekundeten aber ihre\nchristliche Tüchtigkeit durch fleissiges Anhören\nderselben. Ein viel weniger prächtiges Publikum\nhatte der Lustbold, der so recht im Gegensätze\nzum Pastor Wolke zu einem frohen Genüsse des\nLebens aufforderte, was er mit viel Scharfsinn aus\nBibelstellen und Aussagen frommer Personen und\nKirchenväter als durchaus christlich, ja gottgefällig\nhinzustcllen wusste. Die Anhänger Wolkes be-\ntrachteten dies Treiben mit Missfallen, während\ncs andrerseits den Freunden des Lustbolds zum\nAergerniss diente, dass Wolkes Frau eine Wirth-\nschaft führte, die mit seinen Grundsätzen nicht in\nEinklang zu bringen war; denn sie, eine stattliche\nDame aus angesehener Kaufmannsfamilie, trieb\nauf eigene Hand ein grosses Prunken und Ver-\nschwenden, kleidete sich in Pelz und Sammet und\n\nDer junge\nRiese."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.4", "texte": "Seide und würzte ihre Küche mit allen Selten-\nheiten, die flottenweise in den Hafen unserer Stadt\neingeführt wurden* Der arme Mann war aber\nmit seinen Gedanken und der Sorge um die Ge-\nmeinde so vollauf beschäftigt, dass er keinen Ein-\nblick in seinen Haushalt hatte, wozu noch kam,\ndass seine Frau, klug und fein wie sie war, sein\nargloses Gemüth dadurch zu täuschen wusste, dass\nsie sich über das weltliche Wesen der andern\nhäufig mit Entrüstung verbreitete und ihre eigene\nVerachtung des thörichten Krams mit vielen hoch-\ntrabenden Worten bewies*\n\nAbendluft."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.6", "texte": "AUS EINER FOLGE VON AQUARELLEN\nZU EINEM HOCHZEITSGEDICHT."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.7", "texte": "So möchte jeder in seinen Sünden fröhlich\nweiter dahingefahren sein, wenn nicht der Welt-\nuntergang wie eine Kanonenkugel in die faule\nBrühe geschlagen wäre* Ja, jetzt merkte man erst,\nwie der Alte predigen konnte! Mit seiner tapferen\nNase hakte er die Leute fest, dass sie stillhalten\nund ihn ansehen mussten und leiden, dass seine\nkleinen flammenden Augen geschwind durch sie\nhindurchliefen und alles sahen und merkten bis\nin den hintersten Schlupfwinkel, dass er es hei-\nausholte und angesichts der ganzen Gemeinde wie\nalte Pluderhosen ausfclopfte, dass der Staub flog\nund die Löcher klafften* „Ihr kommt hierher, um zu\nGott zu betenrief er* „Das Geld ist euer Gott!\nWas habt ihr lieb, was ist euch werth, wofür kämpft\nihr, wofür arbeitet ihr, was beschützt ihr? Wenn\nich von euren Kindern absehe, die ihr wie der\nvernunftlose Affe auf Kosten der übrigen Mensch-\nheit vergöttert, bleibt nichts als das Geld, das\nGeld, das Geld* An Geld denkt ihr, von Geld\nträumt ihr, um Geld betet ihr* Gott hat euch\ndie Gedanken als Engel der Anbetung in euer\nHaupt gegeben, ihr habt sie zu Geiern gemacht,\ndie nach Geld jagen* Denkt euch“, sagte er, „ihr\nkenntet eine Insel, die jeden Herbst vom Meere\nverschlungen würde, und ihr sähet im Frühling\nMenschen kommen, die sie besiedelten* Sie rodeten\nBäume, sägten Holz, schleppten Steine, bauten\nHäuser, zankten sich wer mehr hätte und regieren\nsollte, schlügen und pufften sich, dass Blut flösse,\nspuckten sich ins Gesicht und stiessen sich gegen-\nseitig ins Wasser* Ihr würdet gewiss aus vollem\nHalse schreien: seht die Narren! die Bösewichte!\nseid aber weder besser noch klüger als sic* Auch\neure Insel wird untergehen und ein Schiff wird\neuch nach dem jenseitigen Strande führen aber\nvon eurer Habe dürft ihr nichts mitnehmen da-\nmit es nicht zu sehr belastet\nwird* Dann könnt ihr eure\nDiamanten und Perlen auf die\nStrasse werfen, nicht einmal\nder Kehrichtsammler wird\nsich danach bücken* Und\neure Person, ist die denn\nwerth, das Schiff auf seinem\nweiten, gefahrvollen Wege\nzu beschweren? Wer seid ihr\ndenn? was könnt ihr denn?\nPasteten essen und Malvasier\ntrinken, solche Künste floriren\ndrüben nicht. Im Geisterlande\ngilt nichts als Lieben, Schauen, Schwingen und\nSchweben/'\nDer Zuhörerschaft, welche von den letztge-\nnannten Fertigkeiten bisher wenig gehalten und\ndurchaus nicht darin bewandert war, tropfte ein\nkalter Schweiss von der Stirne; indessen als sie\naus der halbdunkeln, durchräucherten Kirche ins\nFreie traten und das Meer sahen, wie es sich unter\ndem hohen sonnigen Himmel glitzernd hin und\nher wälzte, dass die stattlichen Segel taumelten,\nfassten sie noch einmal Muth und meinten, dass\ndie Sache wohl nicht so dringlich wäre* Hin-\ngegen waren die armen Leute, Arbeiter, Bedien-\nstete, Bettler und Vagabunden, ganz durchdrungen\nund entzündet von den Worten des Jammerbolds,\nwallten singend durch die Strassen und wiesen\njede Zumuthung sich nützlich zu beschäftigen mit\nVerachtung zurück, so dass die Besitzenden sich\nausserordentlich behindert fühlten und den Pastor\nWolke unter der Hand ersuchten, er möchte doch\ndas Volk zur Arbeit ermuntern, da ja treue Pflicht-\nerfüllung in Gottes Augen nicht anders als wohl-\ngefällig sein könnte* Damit hatten sie nun frei-\nlich nicht das Rechte getroffen* „Glaubt ihr,\"\nsagte er, „Gott hielte es für eine wichtige Ange-\nlegenheit, dass euer Rindfleisch zur rechten Zeit\ngebraten auf den Tisch kommt? und dass eure\nStuben am Samstag gescheuert werden und eure\nHaube nach der Ordnung gefüttert wird? Ihr\nsolltet lieber den ganzen Trödel verbrennen, da-\nmit ihr der Sorge dafür ledig seid und endlich an\ndas denken könnt was noth thut*\" Diese Predigt\nhielt der Jammerbold auf dem freien Platz vor\nder Kirche von einer steinernen Kanzel herunter,\nwelche an der Aussenmauer angebracht war; denn\nder Zulauf war so gross, dass die Menge in der\nKirche nicht Platz gehabt hätte, und obwohl zu-\nweilen ein Regenschauer den\nLeuten ins Gesicht schlug, da\nes ein warmer aber stürmischer\nFrühlingstag war, rührte sich\nnicht einer vom Flecke, so\nschön und entsetzlich wusste\nder Pfarrer zu reden*\nDen Anstoss zu der grossen\nUmwälzung, welche nun statt\nfand, gab Herr Hans J ohannsen,\nein Grosshändler in Gewürzen,\nder von seinem Vater ge-\nwaltige Reichthümer, aber\nnicht dessen unternehmenden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.8", "texte": "Charakter geerbt hatte* Vielmehr war das zierliche blonde Männchen\nverzagt und weicheren Herzens, wagte sein Geld nicht zu ge-\nmessen, weil es ihm wie unrechtmässiger Besitz vorfcam, traute\nsich aber auch nicht es an die Bedürftigen auszutheilen, einer-\nseits weil er nicht gewusst hätte, wie er ohne Vermögen sein\nLeben hätte fristen sollen und ferner weil er glaubte, wenn er sich\nvon dem armen Gesindel nicht vornehm zurückhielte, würde man\nihn für ihresgleichen halten und in der ehrbaren Gesellschaft\nnichts mehr von ihm wissen wollen* So war er froh, dass er\neine Gelegenheit fand, den gehässigen Reichthum auf gute Weise\nloszuwerden, begab sich zum Pfarrer und fragte, ob er sein Geld\nunter die Armen vertheilen oder einfach aus allzugrosser Verachtung\nins Meer werfen sollte; aber sie einigten sich schliesslich dahin, es\nauf dem Markte aufzuhäufen und preislich auszustellen* Wie man\nbeim Beginne des Winters wohl ganze Berge von hellgrünen Kohl-\nköpfen an öffentlichen Plätzen aufgestapelt sieht, glänzte nun\ndem staunenden Volke der goldige Mammon in die Augen, ohne\ndass jemand ihn angetastet hätte, sei es weil sich einer vor dem\nandern schämte oder weil das Geld bereits etwas zu Missfälliges\nund Unbeliebtes geworden war*\nAn diesem Abend klopfte es zu später Stunde an meine Thür,\nund als ich vorsichtig öffnete, trat Herr Mümmelke, der Pelz-\nkönig, ein, entledigte sich seiner Vermummung und fragte nach\nvielen höflichen Redekünsten, ob es wirklich an dem sei, dass\ndie Welt am 13* Juli des laufenden Jahres untergehen müsse* Ich\nsagte, leider verhalte es sich wirklich so, worauf er meine Gelehr-\nsamkeit belobte und sagte, wie er gehört hätte, dass ich auch\nsonst noch über mancherlei Zauber gebiete und auch die berühmten\nAlraunwurzeln besitze, durch die man sich so viel Reichthümer\nwie man wolle verschaffen könne, und ob ich ihm wohl gegen\nreichliche Bezahlung eine ablassen wollte* Ich fragte, ob er, ein\nso gewaltiger Geldmann und Pelzfcönig, denn solche heimliche Mittel\nnöthig habe um sich zu bereichern, welches er weit von sich\nwies, denn, sagte er, er habe im Gegentheil im Sinne, sich\nseines ganzen Vermögens zu entäussern und sich auf das Himmel-\nreich vorzubereiten, wie er ja immer der Ansicht gewesen sei, dass\ndas Glück nicht in vollen Kisten und Fässern stecke, sondern in den\nLüften schwebe und sich nicht auf die Erde herabziehen lasse*\nIndessen, fügte er hinzu, müsse ein sorglicher Mann doch an den\nFall denken, dass die Erde unerwarteter Weise durch die gefahr-\nvolle Constellation hindurchschlüpfe, und was dann werden solle?\nDa nun, wie er gehört hätte, die Natur dem Menschen allerhand\nunschuldige Mittel an die Hand gegeben hätte, damit er sich\nihrer Schätze bemächtige, sähe er nicht ein, warum man sich der-\nselben nicht unter Umständen bedienen solle*\nSo ganz unschuldig, erwiderte ich, wären diese Mittel nun freilich\nnicht, vielmehr könnte man dabei leicht in die Gewalt des Teufels\ngerathen und der ewigen Seligkeit verlustig gehen, was auch die\nUrsache wäre, dass ich mich noch nicht damit abgegeben hätte*\nHierauf lächelte der Pelzkönig unschuldig wie ein spielendes Kind\nund sagte, ein frommes Gemüth wie das seine brauche den Teufel\n\nBettler."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.9", "texte": "nicht zu fürchten, ich möchte ihm nur getrost ein Alräunchen\nüberlassen und ihn im Gebrauche desselben unterweisen* Also\nholte ich eine seltsam geformte, gelbliche Wurzel von ganz un-\nschädlicher Art hervor, dergleichen ich zuweilen im Walde ge-\nfunden hatte und sagte, dass er in einer Mondnacht auf den\nKirchhof gehen und das neueste Grab suchen, dann unter drei-\nmaliger Anrufung des Teufels die Hälfte der Wurzel essen, die\nandere Hälfte in das frische Grab stecken müsse, worauf er bei\ngehörigem Suchen und Wühlen mehr Schätze finden würde als er\njemals verbrauchen könne* Nachdem wir uns gegenseitig tiefes\nStillschweigen über den Handel zugeschworen hatten, entfernte er\nsich so vorsichtig wie er gekommen war* Indessen verkaufte ich\nam nächsten Abend eine ähnliche Wurzel an das Dufcatenmännchen\nund in der folgenden Zeit sieben andere an andere grosse Kauf-\nherren und Regierungsräthe, welches Geschäft mir alles in allem\nviertausend fünfhundert Goldgülden eintrug*\nDiese und noch viele andere Herren breiteten nun ihr Gold\nund Silber neben dem des Herrn Johannsen auf dem Markte aus,\nwobei es vielleicht verblieben wäre, wenn man nicht gesehen\nhätte, dass hie und da Leute mit Schiebkarren kamen, dieselben\nfüllten und wohlgemuth davonführten* Nun schien es, dass mit\ndem geopferten Gelde durch Menschenverführung Unheil ange-\nrichtet würde, und der Pelzkönig schlug vor, es möchte aus allen\nvorhandenen Edelmetallen ein ungeheures Bildwerk gegossen\nwerden, welches das goldene Kalb vorstellen und als ein abscheu-\nliches Götzenbild zur öffentlichen Beschimpfung und Verhöhnung\ngezeigt werden sollte* Dieser Vorschlag fand allgemeinen Beifall\nund das Material wurde sogleich einem rühmlich bekannten Bild-\ngiesser zur Verarbeitung übergeben*\nÜbrigens gehörte nicht die ganze Einwohnerschaft zu den An-\nhängern des Jammerbolds, sondern es gab einige, deren Reich-\nthum von jeher wie das Veilchen in der Verborgenheit geblüht\nhatte, die nach wie vor möglichst unauffällig ihren Geschäften nach-\ngingen und die übrigen als müssige Phantasten belächelten; andere,\ndie gewöhnt waren jedwedes Ereigniss mit Jubel zu begrüssen, da-\nmit nur die Alltäglichkeit unterbrochen würde und sie Gelegenheit\nhätten Feste zu feiern* Diese sammelten sich um den Lustbold,\nwelcher immer ein paar fröhliche Redensarten bei der Hand hatte,\num ihre Ausgelassenheit zu bemänteln, wie dass Gott den Men-\nschen die Erde als Wohnplatz angewiesen hätte und sie sich aus\nDankbarkeit so viel wie möglich darauf belustigen müssten, ferner\ndass, was auch später eintreten möchte, das schöne thörichte Erden-\nleben Jedenfalls die Jugendzeit der Seele sei, und ewig müsse es der-\njenige bereuen, der sich seiner Jugend nicht gefreut hätte* Mit solchen\nSophismen mag er wohl auch die Kinder seines Gegners, des\nPastors Wolke, berückt haben, Zwillinge und einander so ähn-\nlich, dass man sie, wenn sie nicht verschiedenen Geschlechts ge-\nwesen wären, kaum von einander hätte unterscheiden können*\nAls sie geboren waren, hatte sie jemand witzweise Wassertröpf-\nchen und Schneeflocke genannt, was sich späterhin als gut ge-\neignet erwies, denn das Geplauder des Knaben, dessen Zünglein\n\nEin\nGespräch."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.10", "texte": "von selber ohne Regulirung von seiten des Kopfes zu\nlaufen schien, glich dem geschwinden Tröpfeln\ndes Wassers etwa aus einer Rinne bei starkem\nRegen, und das stille Mädchen war nicht nur\nweiss wie eine Schneeflocke, sondern hatte auch\netwas an sich, als könnte sie jeden Augenblick\nschmelzen und verschwinden* Man rief sie also\nTröpfchen und Schneeflocke oder Vikus und\nVika, da die feierlichen Namen Ludovikus und\nLudovifca, auf die sie getauft waren, augen-\nscheinlich nicht für sie passten* Sie waren fast\njedermann bekannt und doch ganz ohne Freunde,\nnicht weil sie unbeliebt gewesen wären, vielmehr\nweil die Natur sie so neben einander gestellt hatte,\nkam es ihnen nie in den Sinn einen anderen\nUmgang zu suchen* Aber obwohl sie sich sehr lieb\nhatten, ja nicht ohne einander bestehen konnten,\nfühlten sie sich doch nicht befriedigt und ausge-\nfüllt in ihrer Liebe, im Gegentheil als die Kunde\nvom Weltuntergänge kam, fiel es ihnen plötzlich\nein, in was für einer fürchterlichen Einsamkeit\nsie bisher gelebt hatten, nämlich nur mit einander,\ndie sich doch innerlich so ähnlich waren wie\näusserlich* Die Nachricht, dass es bald für immer\nvorbei sein würde, schreckte sie wie mit Posaunen-\nstössen aus ihrem Halbschlummer, und sie wussten\nin ihrer Angst und Ungeduld gar nicht was sie\nthun sollten, um das Leben in die Hände zu be-\nkommen* Sie waren bereit alles zu thun was sie\nnur fühlen machte, dass sie lebten. Als die\nWeltfcinder begriffen hatten, um was es sich\nhandelte, schien ihnen das ein Hauptspass zu\nsein; sie empfingen die Zwillinge voll Zärtlich-\nkeit, die Frauen bemächtigten sich des Tröpf-\nchens und die Männer der Schneeflocke, denn\nzunächst, sagten sie, müssten sie die Liebe kennen\nlernen, dann würde das Leben sich von selber\naufthun* Es zeigte sich aber, dass dem Vifeus\ndie Liebe nicht beizubringen war, weil er es\ndurchaus nicht ernst damit nehmen konnte, was\ndenn doch das betreffende Mädchen, wenigstens\nauf Augenblicke, verlangte* Während der zärt-\nlichsten Wechselreden und Liebkosungen dachte\ner an hundert andere Dinge, namentlich aber\nmit welchen Worten er seiner Schwester das ge-\nhabte Abenteuer wiedererzählen würde, wovon\neine grosse Unaufmerksamkeit und Zerstreutheit\ndie Folge war, die die Geliebte beleidigte* Schliess-\nlich gab er es ganz auf und hielt sich zu den\njungen Männern, die er, namentlich wenn sie\ngross, stark und etwas roh waren, nicht wenig\nbewunderte, würfelte und zechte mit ihnen, ohne\nübrigens ein anderes Interesse dabei zu haben als\ndas des munteren Aeffchens, das die Hantirungen\nder Menschen nachmacht* Unterdessen wehte\nVika leicht und geräuschlos aus einem Arm in\nden andern, indem sie jedesmal dachte, der Kuss\ndes neuen Geliebten würde ihr die Lebenswonne\nbringen, nach der sie sich sehnte* Da ihre Seele\neigentlich gar nicht dabei war, wenn sie sich küssen\nliess denn sie horchte und wartete immer auf\ndas Wundervolle, was sich nun ereignen würde\nfühlte sie sich nicht gerade entwürdigt durch\nden häufigen Wechsel, nur dass sie, da ihr Herz\ntrotz allem von dem heimlichen Schauder, dem\nFrühlingsbeben und Blüthenschwellen nichts ver-\nspürte, immer trauriger wurde und am liebsten\nihren Bruder aufsuchte, um unter dem harmlosen\nGeplauder, das von seinen Lippen plätscherte, vor\nsich hin zu träumen*\nWährend dieser Zeit arbeitete der Bildgiesser,\nHerr Brausewein, fleissig an dem goldnen Kalbe,\ndas er in all seiner gottlosen Pracht und Schönheit\ndarzustellen versprochen hatte* Dieser Mann ge-\nnoss allgemeines Vertrauen, welches auch seine\nfeste, knorrige Gestalt, sein breites Gesicht mit\nder stattlichen Nase und den kleinen blinkenden\nAugen herausforderte; dazu war er als uneigen-\nnützig bekannt, denn er hatte sich stets mit ge-\nringem Lohne für die zahlreichen Brunnenfiguren\nund Kirchenornamente, die er der Stadt geliefert\nhatte, begnügt und das goldene Kalb vollends\nganz ohne Entgelt zu bilden unternommen* Nach-\ndem das Vieh fertig war, wurde nach kurzen\nBerathungen beschlossen, es in dem Park aufzu-\nslellcn, wo die Weltkinder ihre Orgien zu feiern\n\nIn der\nHerbstsonne."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.11", "texte": "AUS EINER FOLGE VON AQUARELLEN\nZU EINEM HOCHZEITSGEDICHT."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.13", "texte": "pflegten; derselbe war nebst einem stattlichen\nHerrenhause von seinen heiligen Besitzern ver-\nschmäht und der Verwilderung preisgegeben* Mit\ngrossen Anstrengungen wurde denn das schwere\nBildwerk auf einen künstlichen Hügel im Parke\ngebracht , von wo aus man einen Ausblick über\nden Strand und das Meer hatte, und angesichts\neiner grossen Menschenmenge feierlich enthüllt*\nIm ersten Augenblick sah man nichts als einen\nblendenden, im Glanze der Mittagssonne nach\nallen Seiten Strahlen schiessenden Goldkoloss, so\ndass der Eindruck ebenso heiter wie erhaben war;\nerst bei längerem\nSchauen offenbarte\ndas Idol die böse\nNatur, die der Mei-\nster mit staunens-\nwerter Kunst hin-\neingebildet hatte*\nDie ganzeFigur des\nUngeheuers liess\nsich etwa mit einem\nNilpferd verglei-\nchen, soweit sie breit\nund ungeschlacht\nwar, doch lag in\ndem prallen Leibe\nbei aller Plumpheit\netwas Elastisches\nund den säulen-\ndicken Beinen die,\nsich gegen den\nFuss zu noch be-\nträchtlich verbrei-\nterten, sah man an,\ndass sie sich wie der\nBlitz aufheben und\nihr Opfer in den Staub zusammenstampfen könnten*\nWas aber vorzüglich mit Schrecken erfüllte war das\nAntlitz mit den grossen vorquellenden Augen, die\ndumm, grausam und tückisch, nach allen Seiten\nzugleich zu blicken schienen* Das weite Maul hatte\neinen zweideutigen Ausdruck, so dass man nicht\nwusste, ob es in thierischer Weise lachte, oder sich\nzum Geheul oder zu mörderischem Biss öffnete* In\nder Haltung des Ungethüms war etwas, als lauerte\nes auf den Augenblick, wo es sich auf das Volk,\nwenn es mit gesenkten Köpfen zur Anbetung\nniederkniete, herunterlassen könnte, um es zu\nzermalmen und zu fressen* So verschieden nun\nauch jeder das Götzenbild betrachten und auslegen\nmochte, flösste es doch allen Abscheu und\nGrauen ein und es verbreitete sich bald allerlei\nabenteuerliches Gerede, wie zum Beispiel, dass man\nder Bestie nicht grade ins Auge sehen dürfe, da\nsie einen sonst behexe und nicht mehr losliesse,\nferner dass sie Nachts, wenn der Mond ihren\nglatten Goldrücfcen beschiene, lebendig würde, zu\nwelcher Zeit viele ein kicherndes Heulen, wie von\nhungrigen Hyänen, gehört haben wollten* Dies\naber sowie die Zerstampfung des Bodens umher,\ndie man wohl des Morgens wahrnahm, mochte\nvon dem ausgelassenen Toben der Weltkinder\nherrühren, die, ob-\nwohl es meistens\narme Schelme wa-\nren, unter Scherz\nund Jubel um das\nScheusal herum -\ntanzten* Ihr An-\nführer zu allem war\nder Lustbold , der\nallmählich immer\nmehr ausartete, sich\nBaalspriester nen -\nnen liess und, das\ngraue Haupt mit\nBlumen geputzt,\ndem Götzen schmei-\nchelte und opferte*\nAls ein denken-\nder Betrachter der\nmenschlichenThor-\nheit mischte ich\nmich unter die Got-\nteskinder wie auch\nunter die Weltkin-\nder, öfter aber unter\ndie letzteren, und zwar hauptsächlich aus väter-\nlicher Zuneigung für die Zwillinge, deren Zustand\nich aus des Tröpfchens zutraulichem Sprudeln und\nPlätschern erfuhr* Dass es eben die Kinder des\nJammerbolds waren, die zu den gefährlichsten\nUnholden zwischen den Weltkindern zählten,\nerregte natürlicherweise grosses Befremden und\nAergerniss, aber weniger deswegen als aus Theil-\nnahme für die hilflos in der Irre tappenden\nKinder und ihren Vater, meinen Freund, machte\nich mich eines Tages auf, um ihm die Augen\nüber ihre Lage zu öffnen* Man fand Pastor\nWolke damals selten zu Hause, weil er stets mit\nPredigen, Lehren, Trösten und Helfen beschäftigt\n\nDer\nLandsknecht."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.14", "texte": "war, doch war mir diesmal der Zufall günstig',\nwie mich die heftigen Reden, die aus den geöff-\nneten Fenstern seiner Wohnung schallten, schon\nvon weitem merken Hessen* Als ich näher heran-\nkam, sah ich zu meinem Erstaunen, dass nach-\neinander eine Reihe von silbernen Tellern, Schüs-\nsein, Schalen und Kannen aus dem Fenster flogen,\nzum Theil von ausserordentlicher Grösse und\nGewicht, so dass ich mich an den Mauern der\nHäuser entlang drückte, um nicht getroffen zu\nwerden* Es waren nämlich dem edeln Manne\nSticheleien zu Ohren gekommen, dass seine eigene\nFrau zu denen gehöre, die, während der Fromme\nalles Irdische von sich thäte, mit unverminderter\nHabgier auf dem Ihrigen sitzen bliebe und so,\naut lasterhaftem Reichthum thronend, ihren Mann\nund seine Anhänger verlachte* Er hatte hierauf\nseine Frau zur Rede gestellt und in allerlei Truhen\nund Kisten den Schatz des Hauses entdeckt, den\ner sogleich trotz des Tobens seiner Frau in wohl-\ngezielten Würfen auf die Strasse schleuderte* Er\nliess sich auch durch meinen Eintritt nicht stören\nund hörte erst auf, als ihm die schwachen alten\nrme erschöpft am Leibe herunterfielen, worauf\ner sich zu seiner Frau wendete, um ihrem Schelten\ne or zu schenken* „Du Geck, du Faselhans,” rief\ndiese, „was bist du mehr als ein einfältiger Tyrann,\nder alle Menschen nach seinem zufälligen Masse\nmodeln mochte? Wärest du ein Tanzmeister,\nwur es ua e tanzen lassen, wärest du ein\n1 odtengraber, wurdest du sie verfluchen, wenn sie\nsich nicht begraben Hessen, und da du nun als\nGottesnarr und Jammerbold geboren bist, möchtest\n\" f/ f m sperren, die doch weit\nnützlicher und erbaulicher leben als du/f Ich\nunterbrach die Frau, indem ich ihr bewies, dass\nsie die Erhabenheit und Heiligkeit ihres Mannes\nnicht zu fassen vermöge, dagegen hielt ich ihm\nvor, dass es an der Zeit sei und er Ursache habe,\nsich um seine Kinder zu bekümmern, deren\nSeelen Gott ihm vorzüglich anvertraut hätte und\nin Bälde von ihm zurücfcfordern würde* In dieser\nWeise redeten wir abwechselnd auf ihn ein, bis\ner mich mit demüthigen Worten bat ihn hinzu-\nführen wo seine Kinder wären, was ich sogleich\nthat, worauf seine Frau mit Hilfe des Dienst-\nmädchens das Silber, soweit es noch nicht fortge-\ntragen war, wieder auflas und ins Haus zurücfc-\nbrachte* Unterwegs erzählte ich dem Alten was\nsich in der letzten Zeit mit seinen Kindern be-\ngeben hatte, wie sie, um doch einmal vor dem\nEnde das schöne Erdenglücfc zu kosten, sich in\nwilde, alberne Ausschweifungen geworfen hätten,\ndie sie auf zehrten, ohne ihnen Genüge zu geben*\nDie Weltfcinder glaubten, als sie des Jammerbolds\nansichtig wurden, nichts anderes als dass er sie\nbekehren und bessern wollte, wovon sie sich eine\nHauptkomödie versprachen; aber der Anblick des\nalten Mannes, als er seiner verlorenen Kinder\nansichtig wurde und die Arme zaghaft aus der\nEntfernung nach ihnen ausstreckte, mit dem\nkleinen weisshaarigen Haupte nickend, rührte das\nleichtsinnige Volk, so dass einige sogar den Zwil-\nlingen Zeichen gaben, sie möchten ihren Vater\nnicht so lange rufen und bitten lassen* Diese\nstarrten den Alten erst eine Weile erschreckt an,\ndann fassten sie sich plötzlich bei den Händen\nund liefen wie ein paar bei einem verbotenen\nStreich ertappte Kinder spornstreichs in entgegen-\ngesetzter Richtung davon* Indessen liessen sie nicht\nlange auf sich warten, denn sie waren eigentlich\nfroh, an der Fortsetzung ihres sinnlosen Treibens\nverhindert zu werden, und müde und überdrüssig ge-\nnug, um das Ende ruhig über sich ergehen zu lassen*\nDieses kündigte sich denn nun wirklich durch\neine heillose Katastrophe an, die dem Weltunter-"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.15", "texte": "DER WINTER."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.16", "texte": "EIN\nHIEB."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.17", "texte": "gang grade um acht Tage vorauf ging# Schon\neinige Tage lang war die Hitze ungewöhnlich\nlastend gewesen und die Luft klumpig und schwer,\nso dass man das Gefühl hatte, man müsste sie\nmit den Händen von sich abstreifen oder, wenn\nman sich sehr anstrengte, von sich abschütteln\nkönnen; nur dass einem die Kraft sich anzustrengen\ngebrach* Jetzt hatte der Himmel eine verwischte\ngraubraune Färbung bekommen wie vor Einbruch\neines Hagelwetters, das Meer lag schwarz und\nleblos wie ein nasses Tuch, und nur selten strich\neine Möve mit ängstlich zuckendem Flug dicht\ndarüber hin* Es zweifelten nur wenige daran,\ndass der Weltuntergang nun baldigst hereinbrechen\nwerde, und der Jammerbold war so dringend auf-\ngefordert, eine ernste Ansprache in der Kirche zu\nhalten, dass er nicht Nein hatte sagen können,\nobwohl ihm aller Eifer für die Angelegenheit\ngänzlich abhanden gekommen zu sein schien, ja\nman hätte an eine gewisse Verwirrung seiner\nIdeen glauben können, wenn man sein unzusam-\nmenhängendes Betragen mit dem früheren verglich*\nEr sah von der ganzen Zuhörerschaft nur seine\nKinder, welche dicht unter der Kanzel Platz ge-\nnommen hatten und seinen inständigen Blick mit\nschwachem Lächeln ihrer blassen Mienen er-\nwiderten. Auch was er sagte, schien nur für sie\nberechnet zu sein, wenigstens handelte es durch-\naus nicht vom Weltuntergang, sondern vom Glück\nund wie und wo es zu finden sei, wenn denn\nüberhaupt ein fortlaufender Faden darin war*\n„Wenn sie als kleine Kinder auf der Wiese sassen\nund Sternblumen pflückten, sass ihnen da nicht\ndas Glück in den strahlenden Augen? Lachten\nsie nicht wie Selige lachen? Ja, mitten im Para-\ndiese waren sie! Weh mir, dass ich ihnen den\nApfel der Erkenntniss gegeben habe! Hätten sie\nnicht ewig lachen und spielen sollen, da doch\nKinder wie Engel sind?” Da er dies noch dazu\nin abgebrochener Weise vortrug und zwischendurch\nöfters das Gesicht in den Händen verbarg, würden\ndie Zuhörer an dem wunderlichen Zeug schliess-\nlich Anstoss genommen haben, wenn nicht plötz-\nlich ein fürchterliches Krachen und Poltern dem\nGerede ein für allemal ein Ende gemacht hätte*\nEs war nämlich, wie sich nun zeigte, die unheil-\nvolle Witterung Vorbote eines Erdbebens gewesen,\ndas sich eben in diesem Augenblick entlud und\ndie Kirche so erschütterte, dass ein Theil der\nMauer nebst mehreren Pfeilern einstürzte* Die\nfallenden Trümmer tödteten einige Personen und\nverwundeten mehrere, und der Zufall wollte, dass\ndie Schneeflocke unter den letzteren war und an der\nHüfte und am Bein so getroffen wurde, dass sie\nwohl mit dem Leben davonkommen konnte, aber\nsicherlich gelähmt bleiben musste* Von diesem\nAugenblick an veränderte der Pfarrer sein Be-\ntragen gänzlich und legte nichts anderem als dem\nBefinden und Aussehen seiner kranken Tochter\nmehr Wichtigkeit bei. Man konnte ihn häufig\nmit zufriedenem Lächeln wie einen Tagelöhner\narbeiten sehen denn es war bei dem verwahr-\nlosten Zustande unserer Stadt allenthalben Arbeit\nzu finden um ein paar Kreuzer zu verdienen\nund ihr Blumen oder irgend einen Tand kaufen\nzu können, der das weisse Gesicht vielleicht würde\nlachen machen* Die verlassene Herde des Pastoren\nbefand sich nunmehr in solcher Spannung, dass er\nnicht sonderlich vermisst wurde, denn es war jetzt\nsoweit, dass der grosse Zusammenbruch eintreten\nmusste und die Folgen der Weltverachtung und\nSeelengrösse eingeheimst werden konnten*\nDer dreizehnte Juli war ein heisser aber freund-\nlicher Tag, welcher es den Gotteskindern erlaubte,\nmit nichts als Hemden bekleidet singend durch\ndie Stadt zu wallfahrten, die Frauen mit aufge-\nlösten Haaren, was ein lieblicher Anblick gewesen\nsein würde, wenn die bedrohlichen Umstände der-\ngleichen Betrachtungen hätten aufkommen lassen*\nViele, die bisher die Nase gerümpft hatten, misch-\nten sich in letzter Stunde noch unter die Heiligen\nund suchten durch den Nachdruck ihrer frommen\nBetätigungen zu ersetzen, was ihnen an Dauer\nabging* Als ich in der Dämmerung meiner Ge-\nwohnheit gemäss am Strande spazierte, fand ich\nsie alle im weichen Sande knieen und beten, wo\nsie vermuthlich die Katastrophe in angenehmerer\nWeise zu bestehen gedachten als innerhalb der\nStadt, wo einem die Häuser über dem Kopfe zu-\nsammenbrechen mussten. Allen zuvor mit Beten\nund Singen thaten es der Pelzfcönig und das\nDukatenmännchen, welche sich, da wo das Ufer\nflach war, auf zwei grosse Steine im Meer gesetzt\nhatten, und von dort aus ihren hohlen Gesang\nüber das Wasser schallen Hessen. Ich fragte im\nVorbeigehen, ob sic in der lieblichen Abendkühle\nein Bad zu nehmen gedächten, worauf mich der\nPelzkönig mit sanften Worten einlud, ein hoch-\nzeitliches Gewand anzulegen und mein Lämpchen\nmit Oel zu füllen, damit ich nicht, wenn der\nBräutigam käme, als eine thörichte Jungfrau be-\nschämt vor ihm stehen müsste* Da sich inzwischen"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.18", "texte": "die Stunde genähert hatte , wo der verderbliche\nSchweifstern erscheinen sollte, begab ich mich auf\ndie Zinne meines Hauses, um ihn zu beobachten,\nder denn auch wirklich als ein röthlichfunkelnder\nStern mit anmuthigem Strahlenbüschel wie ein\nParadiesvogel unter den übrigen sichtbar wurde.\nAllmählich rückten sämmtliche Sterne sacht an\nihre Stelle, vor dem stillen Fluge der Nacht fing\ndie Luft an sich kühlend zu bewegen und das\nträumerische Singen der Brandung wurde hörbar*\nAus dem entfernten Park drangen dann und wann\nwilde jauchzende Töne der Weltkinder, die nun\ntoller als je ihren Reigen um das goldene Scheu-\nsal tanzten* Indem ich gedankenvoll den Lauf\ndes Kometen verfolgte, malte ich mir mit den\ninneren Augen das Rad der Zeit an den Himmel,\nhalb unsichtbar, halb durchsichtig leuchtend, wie\nes langsam seinen riesigen Umschwung durch die\nEwigkeit drehte* Wie, dachte ich, wenn plötzlich\neine allmächtige Hand in die ungeheure Speiche\ngriffe, die so schnell und stark im Mittelpunkte\nder Unendlichkeit sich umschwingt, dass der Sturm,\nder durch die Bewegung entsteht, Wandelsterne,\nSonnen und Monde in ihren Bahnen vor sich her\ntreibt? Wenn das Rad plötzlich stockte, die Gestirne\nerlöschten und entsetzlich zuckend in die schwarze\nUnermesslichkeit stürzten! Aber es drehte sich\nlangsam, langsam weiter durch das blaue Gewölk,\nweiter durch die dunkle Einöde des Himmels,\nnachdem die Sternbilder verblichen waren, und\ndurch das fröstelnde Grau des Morgens, das der\nfolgte* Hierauf legte ich\nmich zu Bett und schlief bei grosser Ermüdung\naugenblicklich ein*\nEin starkes Schreien und Poltern weckte mich,\nals es etwa zehn Uhr Morgens sein mochte, aus\nmeinem Schlafe, und als ich, da ich mich im\nNachtkleide nicht unter den Leuten zeigen mochte,\ndurch die Klappe in meiner Thür herauslugte,\nerblickte ich eine Horde wüthender Männer, die\nmit Knitteln und Beilen herumfuchtelten und mich\nbedrohten* Da ich den Pelzkönig und das Dukaten-\nmännchen unter den vordersten sah, konnte ich\nmir unschwer zusammenreimen, dass sie, nun es\nmit dem Weltuntergänge nichts war, es mit ihren\nAlräunchen versucht und die unschuldige Natur\nderselben erprobt hatten, bei denen alles Anrufen\nund Beschwören des Satans durchaus zu nichts\nführen konnte* Trotz des blutgierigen Aussehens\nder Männer fasste ich mir ein Herz und redete\nsie freundlich an, indem ich sagte, ich freute mich\n\nDer Riese\nund das\nSchneiderlein."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.19", "texte": "AUS EINER FOLGE VON AQUARELLEN\nZU EINEM HOCHZEITSGEDICHT."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.21", "texte": "mittheilen zu können, dass der verdächtige Stern\nmit Vermeidung aller schädlichen Umtriebe auf-\nond wieder abgetreten wäre, so dass unsere Erde\nihren Lauf in Gottes Namen fortsetzen könnte,\nwozu wir, als ihre Bewohner, uns füglich beglück-\nwünschen dürften. Doch würde mir diese Rede\nwohl wenig genützt haben, wenn es nicht einem\nder wüthenden Leute eingefallen wäre, den Namen\ndes Jammerbolds zu nennen, als den, welcher das\nganze Unglück herbeigeführt hätte. Sogleich\nstimmten alle ein und der Knäuel wälzte sich\nunter lautem Rachegebrüll aus meinem Hause\nheraus, so dass ich in grosser Besorgniss um den\nlieben Freund mich so schnell ich vermochte an-\nkleidete und hinter den Wilden hereilte, obgleich\nich eigentlich nicht wusste, was ich einzelner zum\nSchutze des Bedrohten thun könnte. Zwar gelang\nes mir unterwegs noch ein paar Männer zu ge-\nwinnen, die mir beistehen wollten, aber das ver-\nursachte wieder eine verhängnissvolle Verspätung;\nals wir bei dem Hause des unglücklichen Men-\nschenfreundes ankamen, hatte er bereits unter den\nAxthieben der Mordbande seinen Geist aufgegeben.\nVon den Umstehenden erfuhr ich, dass er auf das\nGeschrei der Erzürnten vor die Hausthür geeilt\nwar, sie herzlich „liebe Freunde” und „Kinder\nGottes” angeredet und gebeten hatte, nicht so\nzu lärmen, da seine Tochter schlafe. Hingegen\n\nDie Nacht.\nOriginalholzschnitt."}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.22", "texte": "schimpften sie ihn Schelm ,\nGauner und Bösewicht und\nman hörte es durcheinander-\nrufen: ,Jetzt sind wir freilich\nim Himmel! Du hast uns zu\nBettlern gemacht! Gieb unser\nGeld zurück oder lass die\nWelt untergehen!” und da er\nmit seiner schwachen Stimme\netwas erwidern wollte , tobten\nund fluchten sie noch gräss-\nlicher, schlugen ihn nieder und\ntödteten den wehrlosen Greis\nmit einem überflüssigen Auf-\nwand von Wuth und Kräften*\nOhne dass jemand wagte\nder blutigen Horde in den\nWeg zu treten, zogen sie weiter\nnach dem Platze wo das gol-\ndene Kalb stand, in der Ab-\nsicht von den verlorenen Reich-\nthümern wieder an sich zu\nraffen was jeder vermochte*\nSo viel sie aber mit ihren Bei-\nlen auf die Bestie einhieben,\nerreichten sie doch nichts\nanderes, als dass sie einige\nSchrammen und Beulen in\nihren glatten Leib brachten,\nweswegen sie ein Feuer an-\nzündeten, um den Goldkoloss\nzum Schmelzen zu bringen*\nDabei zeigte es sich aber bald,\ndass das Idol aus einem Kern\nvon Blei bestand, der nur mit\neiner dünnen Lage von Gold-\nblech überzogen war, was denn\nwohl als das dürftige lieber-\nbleibsel des gewaltigen Schatzes\nzu betrachten war* Da sich\ndie Enttäuschten an dem Mei-\nster, der sich kurz nach Voll-\nendung des Bildes in aller\nRuhe aus der Stadt entfernt\nhatte, nicht rächen konnten,\nwussten sie in ihrer Furie\nkeinen anderen Ausweg als\nübereinander herzufallen, in-\ndem der eine dem andern\nden Vorwurf machte ange-\nfangen und das Beispiel zu\ndem schnöden Geldopfer ge-\ngeben zu haben* Fast in jeder\nFamilie hatte es ein Mitglied\ngegeben, sei es Mann, Frau\noder Kind, das sich dem Vor-\nhaben widersetzt hatte, und\nso kam es, dass sich jetzt die\nNächstver wandten an der\nGurgel fassten und unter\nTriumph- und Rachegeschrei\nden Garaus zu machen such-\nten* Wahrscheinlich würden\nsie sich alle gegenseitig ums\nLeben gebracht haben, wenn\nnicht jene besonnenen Männer,\ndie mit dem Weltuntergang in\nkeiner Weise etwas zu thun\ngehabt hatten, jetzt zu-\nsammengetreten wären, eine\nneue Regierung gebildet und\ndie öffentlichen Dinge ge-\nschickt und geschwinde ge-\nhandhabt hätten* Zunächst\nwurden die Mörder und Rä-\ndelsführer in Verwahrsam ge-\nbracht, damit sie kein weiteres\nUnheil anrichteten, dem Lust-\nbold wurde wegen seines un-\npassenden Betragens während\nder letzten Monate ein ernster\nVerweis ertheilt, dem armen\nErmordeten dagegen ein christ-\nliches Begräbniss zuerkannt,\nwelches denn baldigst prunk-\nlos aber feierlich begangen\nwurde* Beinah täglich in der\nAbendfcühle kann man noch\njetzt den plaudernden Vikus\nund die lahme, lächelnde\nVika nach dem Grabe dieser\nunschuldigen Seele Hand in\nHand zusammen wandern\nsehen* Diejenigen, die bei\nder Ermordung des alten\nWolke betheiligt waren, es\nwaren ihrer neun, darunter\nder Pelzkönig und das Duka-\ntenmännchen , wurden nach\nkurzem Prozess zum Tode\nverurtheilt* Es wurde zu die-\nsem Zweck das goldene Kalb\n\nSCHNEIDERLEIN"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.23", "texte": "Der Streit im\nWalde."}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.24", "texte": "&rn'birtmmaräs#feunöFtöm^tJöf-fin9t*\nöm-öaa-nutomillf*\n\nDie heilige Nacht."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.25", "texte": "tjpr-mßfl-3miö-biPnari)t-äurrl)(iranQ-ft)Ff\nafiüo(t-inäfrt)öbfunöfriföföfnmfnar()fn\nfluf-fröm-\n\nNach dem Originalholzschnitt aus der Gründerausgabe\nausgabe von\nVer Sacrum."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.26", "texte": "Die Fahrtgenossen."}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.27", "texte": "mit grossen Kosten und Beschwerden nach dem Zeit der Umwälzung aus früherer Dunkelheit zu\nRichtplatz geschleift, welcher ausserhalb der Stadt- hübschem Wohlstände aufgeschwungen hatten,\nmauern hegt, und in der Mitte desselben auf gerichtet, ohne Bcmäfcelung ihres Glückes froh werden\num dasselbe herum aber die neun Galgen, an wel- konnten*\ndien die Schuldigen auf gehängt werden sollten; so Die Leichname der Erhcnkten blieben auf Ver-\nkennten sie, sagten die neuen Räthe, wenn ihnen Ordnung des Rathes zum abschreckenden Beispiel\ndie Leiter unter den Füssen weggezogen würde, an dem Galgen hängen, und das abergläubische\nein letztes Tänzchen vor ihrem Götzen auffuhren. Volk will wissen, man könne in stürmischen\nDie Strafe wurde schleunigst an den unbussfertigen Nächten sehen, wie die nackten Gerippe beim\nSündern vollzogen, was die günstige Folge hatte, Pfeifen des Windes und Rasseln der Knochen\ndass sich in Zukunft kein Unzufriedener mehr zu einen hüpfenden Reigen um das blanke Götzen-\nmucksen wagte und diejenigen, die sich in dieser bild herum tanzen*\n\nRICARDA HUCH."}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.28", "texte": "DIE BEIDEN.\nHUGO v. HOFMANNSTHAL.\nSie trug den Becher in der Hand,\nIhr Kinn und Mund glich seinem Rand.\nSo leicht und sicher war ihr Gang,\nKein Tropfen aus dem Becher sprang.\nSo leicht und fest war seine Hand:\nEr sass auf einem jungen Pferde,\nUnd mit nachlässiger Geberde\nErzwang er, dass es zitternd stand.\nJedoch wenn er aus ihrer Hand\nDen leichten Becher nehmen sollte,\nSo war es beiden allzu schwer:\nDenn beide bebten sie so sehr,\nDass keine Hand die andre fand\nUnd dunkler Wein am Boden rollte."}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.30", "texte": "Studie."}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.31", "texte": "DER ABENTEURER.\n\nÜber des Meeres grollende Wogen\nKomm ich gezogen\nAn den fernen, lockenden Strand,\nAbenteuern bin ich gewogen\nUnd mir zuckt das Schwert in der Hand.\nWill kein Ritter sich mir weisen,\nWaffenklirrend, hoch zu Pferd,\nDer mit scharfem Wort und Eisen\nTrotzig mir den Weg verwehrt?\nKann die Ruh' nicht länger tragen,\nAllzu üppig rollt das Blut!\nWill sich keiner an mich wagen?\nRaufen, raufen wär' so gut!\nÜber des Meeres grollende Wogen\nKomm ich gezogen\nAn den fernen, lockenden Strand,\nAbenteuern bin ich gewogen\nUnd mir zuckt das Schwert in der Hand.\n\nSieben-\nmeilen-\nstiefeln."}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189902-01.1.32", "texte": "Für die Redaktion verantwortlich: Architekt Joseph M. Olbrich, Wien\nDruck von Breitkopf & Härtel in Leipzig♦\n\nSchöne, schlanke, junge Frauen\nBraucht Ihr keinen Rittersmann,\nDen man mit verliebtem Grauen\nZupfen, streicheln, küssen kann?\nLieder weiss ich von der Reise,\nFremde Lieder, süss und arg\nEure Gatten sind ja Greise,\nAber ich bin jung und stark!\nÜber des Meeres grollende Wogen\nKomm ich gezogen\nAn den fernen, lockenden Strand,\nAbenteuern bin ich gewogen\nUnd mir zuckt das Schwert in der Hand.\n\nFELIX DÖRMANN."}]}