{"numero_id": "bm-bmtnabf-1899-03-01", "volume": "bmtnabf_1899-03_01", "ocr_sha256": "22e9117b53d2126270db8c444c99787cd4c04a5c8812e6e705f504fca68c002c", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabf/issues/1899/03_01/bmtnabf_1899-03_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabf/issues/1899/03_01/bmtnabf_1899-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabf-1899-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-03_01#c001", "volume": "bmtnabf_1899-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.2.1", "titre_corps": "INHALT", "titre_sommaire": "INHALT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 398, "texte": "INHALT.\nSEITE\nANTWORT AUF EINIGE LAND-\nLÄUFIGE FRAGEN. VON MO-\nROLD 3\nFLORENTINISCHER ABEND-\nTRAUM. VON PER HALL-\nSTRÖM J 3\nLANDSCHAFT IM SPÄT-\nHERBST. GEDICHT VON\nFERDINAND v. SAAR .... 26\nDER ZIEGELSCHLAG. GEDICHT\nVON FERDINAND v. SAAR . 27\nMITTHEILUNGEN DER VER-\nEINIGUNG BILDENDER\nKÜNSTLER ÖSTERREICHS. . 31\nDER BILDLICHE INHALT NACH\nZEICHNUNGEN UND STUDIEN\nVON ALOIS HAENISCH IN\nMÜNCHEN. O. 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Die wenigen, die Talent haben, missbrauchen\nes und die Uebrigen verdecken ihre Tatenlosigkeit\ndurch absurde Einfälle* Ich will zugeben, dass ihr\nein paar Neuigkeiten habt, um die es schade wäre,\nwenn sie nicht da wären und die man früher nicht\nmachen konnte* Aber euere Freiheit von jedem\nZwange hat doch vor allem der Thorheit, dem\nUebermut, der Geschmacklosigkeit und der Im-\npotenz die Thürc geöffnet. Die jungen Leute\nwissen, dass sie sich jetzt alles erlauben dürfen\nund nicht mehr anzustrengen brauchen. Je flüch-\ntiger etwas hingeworfen, je krauser etwas durch-\neinander gewirbelt ist, desto besser. Strenge Linien-\nführung und sorgsame Arbeit würden schon zu\nsehr nach Schule' riechen. So kommen die tollsten\nDinge in euere ,secessionistischen' Ausstellungen\nund Zeitschriften, dass man sich oft fragen möchte,\nob der Mann wirklich ein Stümper ist oder uns\nnur .frozeln' will."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2793, "texte": "Früher hat auch der minder Begabte doch\netwas lernen müssen. Früher konnte man auch\nhei einem minder guten Bilde die Schule loben.\nJetzt ist das alles verloren gegangen, und die\nLeute brüsten sich damit, ohne irgend einen Er-\nsatz Zu bieten. Wie kann nun einer, dem es mit\nden modernen Bestrebungen Ernst ist, an solchen\nSpässen seine Freude haben? Wie kann einer,\nder den Fortschritt predigt, sich des offenkundigen\nVerfalles erfreuen ?\"\nDarauf ist nicht schwer zu antworten. Es ist\nja, richtig, dass bei jeder Umwälzung in der Kunst\ndie minder Begabten eine Zeit lang profitieren.\nIndem sic gewisse Acusserlichfcciten der neuen\nRichtung zu ihrem „Stil\" machen, vermögen sie\nzum mindesten die allgemeine Aufmerksamkeit\nauf sich zu lenken und können vielleicht sogar\nein Lob ernten, das ihnen sonst nie zu teil würde.\nBesteht die neue Richtung vollends darin, dass alle\nStoffe und Darstellungsformen freigegeben sind,\ndass keinem der Weg vorgeschrieben ist, auf dem\ner wandeln soll, so hat es schliesslich auch der\nStümper leicht, für seine mit irgend einem „origi-\nnellen“ Zug ausgestalteten Produkte und selbst\nfür die abenteuerlichsten Geburten immer noch\neine Art Existenzberechtigung in Anspruch zu\nnehmen.\nBesonders solange das Urteil über die neue\nRichtung noch nicht geklärt ist, solange das Für\nund Wider, der Jubel und die Entrüstung noch\nhin und her wogen. Da kann wohl Einer in\nthörichter Verblendung oder auch mit bewusstem\nHohne der Menge Zurufen: „Ihr versteht\nhalt noch nicht! Aber passt nur auf! Ich bin\ndas Genie der Zukunft.\" Und wenn's die Menge\nnicht glaubt manche werden es glauben. Ein\nNarr macht zehn.\nDoch ich wüsste nicht, was das schaden soll.\nVor allem heisst es, vorsichtig sein. In einer\nZeit, in der der Stümper so leicht Aufsehen er-\nregt, wird auch das wahre Genie leicht für einen\nStümper gehalten. So wie es Böcklin und Thoma\nergangen ist, so kann es heute oder morgen auch\neinem neuen Meister ergehen, dessen Art sich zu\ns«br von der gestrigen unterscheidet, um gleich\nvöllig begriffen zu werden. So oft wir etwas\nseltsam und wunderlich finden, müssen wir uns\nimmer fragen, ob cs an sich wunderlich ist oder\nob nur wir uns noch wundern. Und diejenigen,\nwelche ihre Freude daran haben, sind vielleicht\nNarren oder Fexen, vielleicht aber auch die ersten\nJünger eines neuen Evangeliums. Auch das Genie\nmacht im Anfänge nur zehn nicht Genies,\nsondern Vorkämpfer und Mitstreiter. Aus den\nZehn werden hundert, werden tausend, und zu-\nletzt huldigt ihm die ganze Welt. Man sei daher\nvorsichtig. Wenn es uns recht vor den Augen\nflimmert bei einer secessionistischen Veranstaltung,\nwenn uns nicht nur alle Schönheitsbegriffe, son-\ndern womöglich alle Raumbegriffe und alle op-\ntischen Gesetze aufgehoben erscheinen wer\nweiss! Vielleicht ist das die neue Renaissance."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1058, "texte": "Vielleicht fällt es uns eines Tages wie Schuppen\nvon den Augen und wir lernen erst sehen.\nAber freilich ist hundert gegen eins zu wetten,\ndass sich die platte Mittelmässigfceit unter dem\nerborgten Scheine einer falschen Originalität mitten\nunter die Besten und Tüchtigsten schleichen wird\nund dass im Wettkampfe neuer Einfälle und neuer\nManieren raffiniertes Geschick und dreiste Arro-\nganz der echten Begabung für eine Weile den Rang\nabläuft. Nur dass sich in dem Punkte die neue\nKunst vor der alten kaum unterscheidet. Früher\ngab cs eigentlich nur eine einzige, stereotype\nManier und die war für Mittelmässigfceit und Un-\nvermögen erst recht ein Fressen. Wer sein „Fach“\ngelernt hatte, der galt als Meister, als Handwerks-\nMeister und mochte es dann auch anderen lehren,\nnämlich das „Fach“, das Handwerk, in welchem\nFalle er den Titel „Professor“ erhielt. Einem\nFeinde der Mittelmässigfceit musste grauen vor\nden Triumphen, die sie sich da leisten konnte.\nUnd hierin liegt allerdings ein Unterschied zwischen\neinst und jetzt oder sagen wir lieber: zwischen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3057, "texte": "gestern und übermorgen, denn heute und morgen\nist ja nur eine Uebergangsepoche dass einst\nIdeenarmut und Schablone geradezu geheiligt\nwaren und der Kühne und Geniale keine Aus-\nsicht hatte „Professor“ zu werden, während jetzt\ngerade das Schematische und Konventionelle, das\nso leicht zu ödem Geflunker führt, prinzipiell ver-\npönt ist und der Schwindler und Spekulant sich\neben nur einschleichen und per nefas breit machen\nkann, indem er die\nallen eingeräumte\nFreiheit miss-\nbraucht# Früher\nvermochte ein\nPhraseur und\nManierist sogar\nfcunsthistorische\nBedeutung zu ge-\nwinnen, heute\nkann er höchstens\nvorübergehend in\ndie Mode kom-\nmen# Eine Mode\naber und sei sie\nauch die albernste\nkann zwar im\nAugenblicke eine\ngewisse Verwir-\nrung anrichten,\nauf die Dauer ist\nsie doch ohnmäch-\ntig# Eine Mode\nwird im schlimm-\nsten Falle von\neiner andern ab-\ngelöst, die Ent-\nWickelung im grossen vermag sie weder zu fördern\nnoch zu hemmen* Vor Moden war die Kunst\nniemals sicher# Am wenigsten zu einer Zeit, in\nder die starre Regel und knöcherne Disciplin so\nkunstfeindlich auf uns lastete, dass wir nur zu sehr\ngeneigt waren, jede kleine Abweichung von der\nTradition auch schon für die Kundgebung eines\nOriginalgenies zu halten, und oft nicht merkten,\nwie sich doch nur die Seichtigkeit auf solche Art\ndrapierte und maskierte# Dagegen ist zu hoffen,\ndass die moderne Kunst mit ihrem Principe der\nWahrhaftigkeit, welche auch gegen Regeln ver-\nstossen darf, unsere Augen und unser Gefühl immer\nbesser schulen wird, bis wir endlich im stände\nsind, echt und unecht auf den ersten Blick von-\neinander zu unterscheiden# Wenn täglich neue\nFormen und neue Innenwelten mit dem Ansprüche\nauf Beachtung und Würdigung uns entgegentreten,\nso müssen wir ja allmählich die Vorurteile ab-\nstreifen, die unser Urteil bisher so ängstlich und\nunsicher machten, und müssen schliesslich dahin\ngelangen, dass wir dem Genie nicht mehr Unrecht\nthun können, aber auch gegen Gaukler und Schelme\nkeine Nachsicht\nmehr haben#\nJe excentrischer\ndie Künstler sich\ngebärden, je öfter\nsie uns in Erstau-\nnen und Verblüf-\nfung setzen, desto\nrascher wird unser\nleibliches und gei-\nstiges Auge sich\ngewöhnen, durch\ndie Aeusserlich-\nkeiten hindurch\nden Wesensfcern\nzu erfassen und\ninmitten der reich-\nsten Fülle von\nBildern und Ge-\nstalten sich mühe-\nlos zurecht zu\nfinden#\nNoch ein an-\nderer grosser Vor-\nteil aber ist mit\ndem kleinen\nNachteile ver-\nbunden, den die schrankenlose Freiheit in der\nKunst vielleicht im Gefolge haben mag* Diese\nFreiheit ermöglicht auch dem kleinen Talente\neine früher ungeahnte, reiche und volle Thätig-\nkeit# Alle, die der älteren Richtung sozusagen\nsich selbst zum Opfer bringen mussten, die den\n„klassischen“ und monumentalen Aufgaben, die\nda mit Vorliebe gestellt wurden, durchaus nicht\ngewachsen waren, die aber doch etwas Bestimmtes\nund Eigenartiges auszusprechen hatten, das sich\nnur leider im Rahmen der Tradition und der\nSchule nicht klar und erschöpfend aussprechen\nlicss, alle diese kommen jetzt zur Entfaltung ihrer\nEigenart: sie können und dürfen jetzt sagen, was"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3061, "texte": "ihre Seele bewegt* So werden aus ihnen vielleicht\nkeine grossen Künstler, aber doch interessante\nund liebenswürdige Naturen, deren künstlerisches\nWirken die Kunst immerhin bereichert* Die Ta-\nlente verkümmern nicht mehr* Das ist viel-\nleicht der grösste Gewinn, den die neue Richtung\nerzielen konnte* Und gesetzt, wir lebten wirklich\nin einer Zeit des künstlerischen Niederganges, in\neiner Zeit, in der der Mangel einer grossen und\nechten Tradition\nsich empfindlich\nfühlbar macht, so\nist es nur um so\nmehr als einzige\nRettung zu be-\ngrüssen, dass auch\nkeine falsche Tra-\ndition die Be-\nwegung den Ein-\nzelnen hemmt,\ndass jeder sich\nselbst den Weg\nsuchen darf, der\nso schwer zu fin-\nden ist, und das\nfür den Entgang\nmonumentaler\nund „epochaler“\nSchöpfungen doch\nwenigstens die\nMannigfaltigkeit\nund Buntheit ent-\nschädigt, in der\njetzt auch die be-\nscheidensten\nKräfte sich regen\nund uns mit den Erzeugnissen ihres echten\nKönnens beglücken dürfen*\nDie grosse Kunst so meinen doch diejenigen,\nwelche vom Niedergange sprechen die grosse\nKunst offenbart ewig gültige Schönheitsideale; die\nKunst der alten Meister kann nie veralten* Gut,\ndann brauchen wir auch nicht immer auf die\nalten Meister zurücfczukommen* Lassen wir sie\ndort, wo sie sind, ruhig weiterwirfcen als „Offen-\nbarer des Schönen“ und plagen wir uns nicht da-\nmit, es ihnen gleich zu thun, da wir doch wissen,\ndass dies vergebliche Mühe wäre; wenden wir\nuns, in der Erkenntnis des geringeren Masses an\nKraft und Können, das uns zugemessen ist, viel-\nmehr jenen Sphären zu, für die die alten Meister\nüberhaupt nicht geschaffen haben, betrachten wir\ndas unendlich weite Gebiet des modernen Lebens,\ndas nach künstlerischem Schmuck und künst-\nlerischer Beseelung verlangt, suchen wir in der\nzahllosen Fülle neuer und besonderer Aufgaben,\nfür die es in der grossen Kunst gar keine Vor-\nbilder giebt, jene heraus, die unserer Individualität,\nunserem künstlerischen Ausdrucksvermögen am\nnächsten kom-\nmen, und gehen\nwir froh und un-\nbekümmert an die\nArbeit* Gewiss\nwird dann etwas\nzu Tage treten,\ndessen wir uns\ndurchaus nicht zu\nschämen brauchen\nund das die ge-\nstellte Aufgabe\nzur Lösung bringt*\nAuf Berühmt-\nheit und Unsterb-\nlichkeit ist es da-\nbei nicht abge-\nsehen* Unsere\nZeit beschäftigt\nso viele Künstler,\ndass unmöglich\nalle berühmt wer-\nden können* Aber\neben diese Zeit,\nin der schon der\nschlichte Arbeiter\nsich seiner primi-\ntiven Oelfarbendrucfce zu schämen anfängt und der\nschlichte Bürger ein behagliches und „harmonisch“\neingerichtetes Heim haben will, verlangt neben\nder Vielheit die grösste Mannigfaltigkeit des Kunst-\nschaffens* Der Zug der Zeit geht nicht dahin,\ndass sich alle Leute dieselben Heiligenbilder, die-\nselben Photographien und Heliogravüren nach\ndenselben Raphaelschen Madonnen ins Zimmer\nhängen* Harmonisch ist eine Wohnung vielmehr\nnur dann eingerichtet, wenn die ganze Einrichtung,\nvom Fussboden bis zur Decke, also auch der\nBilderschmucfc, auf ein und dieselbe Tonart oder\nauf verwandte Tonarten gestimmt ist, und behag-\nlich ist ein Heim nur, wenn es die Geistesrichtung"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3135, "texte": "und die Seelenstimmung seiner Bewohner aus-\ndrücfct* So gehört beinahe für jeden Wohnungs-\ninhaber ein eigener Künstler* Jedenfalls kann es\nnicht genug künstlerischer Individualitäten geben\nund diesen nicht Freiheit genug zu ihrer Ent-\nfaltung gegönnt werden*\nWie beschränkt auch eine Begabung sein mag,\nsie wird doch noch zu ihrem Rechte kommen;\nwie wunderlich ihre Sprünge sein mögen, sie\nwerden doch irgend wohin passen* Zu diesen\noder jenen Möbeln und Tapeten, in diesen einen\nWinkel, für diesen einen Beschauer passt nur ein\neinziges Bild vermutlich wird sich der Künstler\nfinden, der es zu malen versteht; und dieser oder\njener Maler hat nur eine einzige Farbe, einen ein-\nzigen Ton wahrscheinlich werden sich manche\nfinden, die in ihm sich selber entdecken* So ent-\nspricht die moderne Freiheit in der Kunst dem\nso überaus mannigfaltigen Subjektivismus des mo-\ndernen Lebens; so wird die moderne Kunst in den\nStand gesetzt, alle Schätze des Lebens aus der\nTiefe zu heben und jene Schönheit, von der die\nWelt voll ist, allerorten auf leuchten zu lassen*\nStatt eines einzigen, grossen Lichtes eine tausend-\nfältige Strahlenbrechung! Ist jemand, der sich\ndieses Farbenspieles nicht freuen wollte? Kann\njemand dem farbigen Strahl zum Vorwurfe machen,\ndass er nicht alle Farben in sich vereinigt und\nverschmilzt gleichwie der Strahl des Sonnenlichtes?\nUnd ist es nicht die Sonne selbst, die eigent-\nlich nur leuchtet, damit ihre Strahlen sich brechen\nund so immer neue Farben und Formen entstehen?\nWer die modernen Erscheinungen aufmerksam\nbeobachtet, der wird bald genug an den modernen\n„Bizarrerien“ keinen Anstoss mehr nehmen; der\nwird entdecken, dass das meiste von dem, was ihm\nanfänglich bizarr erschienen, die glückliche Wieder-\ngabe eines subjektiven Momentes ist* Aber die\nfalsche Lehre vom ewig Gültigen und von den\nSchönheitsregeln hat uns allerdings so sehr daran\ngewöhnt, das rein Subjektive, das bloss Zufällige\nund Bedingte in der Kunst gar nicht anzuerfcennen,\ndass es eben darum vielen sehr schwer fällt, sich\nin die Berechtigung einer rein subjektiven Auf-\nfassung und Darstellung hineinzufinden: sie möch-\nten jeden Fall gleich für typisch nehmen* Wie\noft, wenn einer z* B* eine neue Farbenwirfcung\nversuchte, ein Spiel des Lichtes mit dem Pinsel\nfestzuhalten bemüht war, hört man die Leute\nschreien: „Um Gottes Willen! Der möchte uns\nweiss machen, dass die Bäume blau sind“ oder:\n„Ja, müssen denn die nackten Weiber wirklich\nalle grün sein?“ und dergleichen mehr* Aber dem\nKünstler fiel es ja gar nicht ein, die Bäume blau\noder alle Weiber grün zu machen* Einmal hatte\ner einen bläulichen Schimmer auf einer Anzahl\nvon Bäumen wahrgenommen und war ergriffen\nvon dieser eigentümlichen Schönheit; einmal\nhatte er grüne Lichter auf einem Frauenleibe\nspielen gesehen und war gebannt von dem An-\nblick* Das hat er nun zum Bilde werden lassen*\nMorgen wird er wieder andere Bilder malen und\nvon niemand fordert er, dass man seine Art und\nWeise nachahmen müsse* Es kann nicht oft ge-\nnug betont werden: es giebt keine Schablone in\nder modernen Kunst, auch keine Schablone „der\nBizarrerie und des Unvermögens“*\n\nMAX MOROLD."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-03_01#c005", "volume": "bmtnabf_1899-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "3", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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aber als er fand, dass der\nSinn nur der war, den Reichtum und die Sorgen\nzu vermehren, die er schon hatte, schloss er ab*\nEr liess anstatt dessen mit vielen Kosten einen\nSpringbrunnen auf dem Hügel einrichten, wo seine\nVilla lag* Er sah ihn in Strahlen emporsteigen\nund glitzern und in die Schale fallen und wieder\nzu der Quelle zurückgeleitet werden, wo weisse\nOchsen mit langsamem Trabe ihn hinauf zwangen,\num abermals dasselbe Spiel zu beginnen* Er freute\nsich des Regenbogenschimmers, da wo die Tropfen\nsich in Dunst auflösten, und des feinen Klanges\nvon Wasser gegen Wasser, und konnte lange\nStunden in Gedanken davor verbringen*\nEr hatte auch am Kriege gegen die Feinde\nder Vaterstadt teilgenommen, um der Ehre willen,\ndoch als er vernahm, dass der Ehre bester Klang\ndahin war, dass man sich bereits stärker dünkte,\nals dieser oder jener, da ward er auch dessen\nmüde, setzte seine Rüstung im Würfelspiel\ngegen den Hund des Kameraden, verlor und fuhr\nheim# Er liess es sich nicht einmal einfallen, mit\nder Narbe nach der Wunde zu prahlen, die er\nauf der Wange davongetragen hatte, sondern\nliess sein lockiges Haar über die Ohren hinab-\nhängen, um sie zu verbergen, und als dies dann\nder Brauch ward auch für solche, die keine Wunde\nhatten, lachte er, aber liess es gleichwohl sein\nwie es war#\nUm sich die Zeit zu vertreiben, verlegte er sich\ndann auf die Liebe und huldigte nach der Sitte\ndes Tages zwei Schönheiten# In der einen, Monna\nGiulia, mit der er nie gesprochen und die er kaum\nje anders gesehen als aus der Entfernung, betete\ner alle Vollendung des Ideals an, und den Sinn-\nreichtum seines eigenen Gefühls, das die feinsten\nund holdesten Worte fand, um sie zu preisen, und\ner trug seine Liebesflamme offen vor aller Blicke\nund Bewunderung, wie eine Wachskerze bei einer\nProzession. In der andern, Monna Monetta, die\ner auch kaum recht geschaut, denn es war Däm-\nmerung, als er ihr Herz gewann, und Dunkel in\nder Kammer, wo er sie traf, küsste er sein Ver-\ngnügen und freute sich des tiefen Zwitscherns der\nHeidenlerche im Morgengrau, das ihn von ihr zwang#"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4573, "texte": "Aber als sein bester Freund, Giacomo Calandra,\nin einem Augenblick jener Verzückung, in die die\nFreundschaft alle Seelen versetzte, die Platos gül-\ndene Stränge zu spielen und zu schätzen verstan-\nden, eben von einer Reise heimgekehrt, ihm an-\nvertraute, dass er Monna Giulias Gunst genoss,\nund ihm eine schöne Sextine vorlas, die er auf\nseine keimende Anbetung Monna Monettas\ngedichtet, lächelte Leonzino und drückte seine\nHand dreimal, zum Abschied von den beiden\nHerrscherinnen und von ihm selbst*\nDann ging er ganz einsam, und hatte keine\nLust, irgendetwas zu treiben*\nEines Tages stand er in seines Freundes Gen-\ntile Buonacorsis Garten und sah zu, wie dieser\nvon kleinen schwarzen, geschäftigen Bauern einen\nBrunnen graben liess, da wo zwei Hügel mit\ngrossen Cypressen ineinander glitten* Er sah die\nfette braune Erde von Hacken und Spaten ge-\nwendet und glaubte aus Stücken von Steinen, die\nnach oben gebracht wurden, zu entnehmen, dass\nsich hier zuvor irgend ein kleiner Bau erhoben\nhatte, ein altes heidnisches Grab oder die nischen-\nförmige Mauer um eine Quelle, mit dem Bilde\neines der ältesten Heiligen geschmückt* Er sann\nnach, was wohl die Erde so glänzend und weich\ngemacht haben mochte, all' das Wasser, das dort\nunter Gelächter von den Schultern der Mädchen\nverspritzt worden war, oder Thränen und Staub\nder Toten; er sprach mit Gentile davon und\nfand viele schöne und seltsame Gedanken, indem\ner dieselbe Folge aus den gleich möglichen Ur-\nsachen ableitete* Da prallte der Spaten eines\nArbeiters, als die Heftigkeit des Stosses schon\ndurch die Erde gehemmt worden war, gegen etwas\nHartes, das selbst bei der sachten Berührung stark\nerklang, etwas Hohles also, dort tief unten* Leon-\nzino hielt in seiner Rede inne und beobachtete\nlächelnd, aber ein wenig neugierig, Gentiles Eifer,\nmit dem er die Männer ermahnte, wie sie den\nGegenstand, ohne ihn zu verderben, emporholen\nkonnten, vielleicht eine grosse Last der kostbaren\nBronze oder wohl gar etwas mit Münzen darin*\nEr blieb so lange, bis das Geheimnisvolle mit vie-\nler Arbeit hinaufgeschleppt war* Es hatte die\nForm einer grossen Urne, und als die Erde unter\nbraunen harten Fingern abgeschuppt war, leuch-\ntete es weiss cs war also nur Marmor. Gentile\nliess die Urne auf stellen, nahm vorsichtig den\nKalfcstaub und das vermoderte Laub fort, das\nihren Hals füllte, und tastete mit einem Stabe in\nihrem Innerem „Es ist nichts Schweres,” sagte\ner, „keine Münzen, es ist nur etwas wie eine leichte\nAsche,” und er wandte sich enttäuscht ab*\n„Es ist wohl der Staub verbrannter Heiden,”\nsagte der älteste der Bauern, „so etwas bringt Un-\nglück* Schlagen wir das Ganze entzwei, und lasst\nuns die Asche in den Wind streuen I”\nEr erhob schon den Spaten, doch Leonzino,\nder gleichsam Konturen eines menschlichen Kör-\npers unter dem Staube zu unterscheiden vermeint\nhatte, fühlte eine plötzliche unerklärliche Regung\ndes Mitleids und der Angst und stürzte vor, um\nihn aufzuhalten*\n„Lass sie doch reinigen, um zu sehen, wie sie\naussieht,” sagte er zu Gentile, „sie scheint in Fi-\nguren gearbeitet. Da ist auch ein Perlenstab um\nden Rand.”\nGentile tastete noch einmal mit dem Stecken in\nihrem Inneren* „Da ist nichts,” antwortete er*\n„Bilder von Abgöttern sind auf allen*” Und er\nhielt es für das Geratenste sich mit diesen gar\nnicht zu beschäftigen, sondern die Männer das\nthun zu lassen, was ihre Vernunft ihnen riet*\n„So gieb sie mir,” bat Leonzino, noch immer\nmit einem Beben unerklärlicher Angst, „gieb sie\nmir* Ich schenke dir anstatt dessen, was du\nbei mir wählen willst.” Und als der Freund auf\ndieses eingegangen, liess er sogleich Wasser in\nEimern herbeischaffen und spülte und wusch\nselbst, indes die anderen an ihrem Brunnen gru-\nben, bis der Stein weiss und glänzend aus der\nFeuchtigkeit ringsum leuchtete, wie eine aus der\nMuschel gelöste Perle*\nDie blosse Arbeit hatte ihn vergnügt, und jetzt,\nda sie zu Ende war, trat er zurück und sah die\nUrne an, um das in der Gesamtheit zu erfassen,\nwas sich ihm stückweise gegeben* Sie war\nwirklich wie eine Perle so leicht und fein, trotz\nihrer grossen und festen Form; der schwellenden\nWeite unterhalb des Halses begegnete weich der\nFuss und trug sie wie eine Woge eine Riesenperle;\ndie beiden Henkel streckten sich empor und er-\nreichten den verzierten Rand wie schlanke erho-\nbene Arme* Es lag etwas von einer biegsam,\ngleichsam spielend getragenen Bürde in ihrer gan-\nzen Gestalt. Rings um sie tanzten drei Frauen,\njung, mit stillen ernsten Gesichtern und weiten\nGewändern, die mit rhythmischem Fall nach rück-\nwärts gestreckt wurden, von der Bewegung nur,"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4542, "texte": "nicht vom Winde; das Haar flatterte auch nach\nrückwärts* Nur der Hauch ihres eigenen Tanzes\nin all' dieser Bewegung, sonst kein Atemzug*\nEin toter Raum, eine seltsame Versteinerung in\ndem weissen Rund des Marmors, in dem die wei-\nchen Linien einsanfcen und sich verloren* Ihre sich\nleicht zurückneigenden Köpfe betäubt wie in Be-\nrauschung*\nLeonzino hatte nie etwas Ähnliches gesehen\noder geahnt, einmal ums andre umkreiste er sein\nKleinod und sah es an und war froher, als er sich\nje gefühlt* Nun musste er es oben bei sich in\nBellosguardo haben und es ansehen, ansehen, es\ndünkte ihm, fast sein ganzes Leben lang*\nEr sandte Boten hinauf zu sich nach Hause,\nman möge die weissen Ochsen lösen, die den\nSpringbrunnen trieben, ihnen ihr schönstes pur-\npurgemaltes Joch anlegen und sie vor den besten\nWagen spannen, um seine Urne zu holen, und\nindes er wartete, war er in liebevoller Arbeit be-\nstrebt, die allerletzten kleinen verwischenden Spu-\nren der jahrhundertelangen Ruhe im Erdreich zu\nbeseitigen. Das Gefährt kam, er liess es beladen,\nund ging selbst zur Seite, um darüber zu wachen*\nAn der Pforte von Gentiles Garten, von wo\ner einen Schimmer der Stadt sah und an all' die\nMenschen dachte, denen er begegnen würde,\nbrach er lange lichte Zweige von den lenzbelaub-\nten Pappeln und schwarze Cypresse und wand sie\nzu Kränzen um die Hörner der Zugtiere, weil sie\nden Fund vom Totenreich wieder ans Licht brach-\nten* Leute blieben stehen und sahen ihn an und\nlachten verwundert, doch er achtete nicht darauf*\nDer Weg ging zwischen Mauern, gekrönt von\ndem bläulichen Laub der Weinranfcen unter dem\nbebenden Blau des Himmels. Die Ochsen hoben\nbedächtig ihre Füsse aus dem feuchten Boden\nund machten an den Hügeln Halt, um zu rasten,\nlangsam ihre bekränzten Häupter wendend. Lcon-\nzino wartete jedesmal geduldig, den Blick gebannt\nvon seiner weissen Urne und dem Spiel des war-\nmen Sonnenscheins über dem Tanz der weiblichen\nGestalten* Als er höher hinaufkam, sah er Flo-\nrenz' Glocfcenturm zwischen den Cypressen und\ndie Berge dahinter; noch höher, und die Weite\nwar frei, und der Arno brannte in Sonne mit\nder lichten Stadt um sich, umarmt von blauen\nHügeln, denen das Laub der Oliven ein silbernes\nGlitzern gab, und die wasserschwere Luft einen\nPerlglanz in der Ferne.\nLeonzino hatte nie seine Stadt so gesehen,\nund nie war sie ihm so teuer gewesen* Sie\nhatte etwas von der Schönheit und Vergänglich-\nkeit der Blumen über sich, und wenn er an die\nKirchen dachte, die gebaut wurden, unter langen\nMannesaltern, immer ein Giebel für sich, ein Thor\nfür sich, mit seiner Spitzenausschmücfcung, die\nreife Farbe von Sonne und Wind bekam und\nverblassen konnte, bevor das nächste ausgeführt\nward, da dünfcten sie ihn wie Auen und Haine\nvon Riesenbäumen, deren Schicksal es ist empor-\nzuschiessen und sich über die Wurzeln der Nach-\nbarn auszubreiten, und zu sterben in ewiger Ver-\ngänglichkeit und Wechsel* Aber die Menschen,\ndie sich regten und arbeiteten und kämpften und\nhofften, zwischen diesen blühenden Ruinen, für\ndie hegte er eine mitleidige Liebe, und es dünkte\nihn, dass er für allezeit von ihnen fortzog, mit\nseinem weissen seltsamen Schatz, der die Lösung\nvon allem barg, die Befreiung von allem*\nNun war er nahe von seinem Heim, nun sah\ner rechts Mont Oliveto mit seinem Kreise von\nschlanken Cypressen um den Rand und den Cy-\npressen in der Mitte, die sachte ihre schwarzen\nWipfel unter dem Flüstern des Windes zusammen-\nneigten* Der war wie der Thron des Todes\nselbst; in dem Grase des Plateaus wusste er,\nwuchsen dicht blassgelbe Schwertlilien, deren\nKelche an den Spitzen in erdfarbenes Schwarz\nübergingen* Wanderte man dort rings herum,\nrings herum, schien die Stadt so ferne zwischen\nden steingleichen Stämmen und dem harten Sau-\nsen der Bäume* Doch sein Weg ging höher* Da\nlag seine weisse Villa und leuchtete in Sonne\nzwischen dunklen Ranken, da war er zu Hause,\nhinein durch das Thor, und er sah mit neuer\nFreude, wie schön sein Garten mit Blüten und\nBlättern dem Neuangekommenen entgegenlächeln\nwürde*\nEs liess die Urne aufstellen, auf einer Marmor-\nplatte unter einer schwarzgrünen Steineiche, die\nso dicht war, dass kein Regen durch ihre rascheln-\nden Blätter drang* Dann verweilte er einsam mit\nihr, liebkoste sie mit dem Blicke und den Händen\nund sehnte sich, in ihren Sinn einzudringen, die\nMusik zu dem Tanze der Frauen zu vernehmen,\nden Stein in seiner Umarmung atmen zu fühlen.\nSowie er sich unbeobachtet wusste, küsste er die\nfeinen zurückgeneigten Köpfe der Tänzerinnen,\nund da er Mitleid empfand mit ihrer frierenden"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1314, "texte": "Kälte , wand er blutrote Kletterrosen um sie»\nEs war wunderbar schön, den Marmor gelbweiss\nleuchten zu sehen zwischen ihren bläulichen\nSchatten; es war, als hätte der Duft der Rosen\nden Rausch gebracht, in dem der Tanz dahin-\nschwebte.\nLeonzino träumte lange bei seinem stillen\nSpiel; er war glücklich, aber bebte dennoch vor\nSehnsucht, dem Wesen noch näher zu kommen,\ndas die Urne in ihrer stillen, edlen Form barg,\nin ihrer Steinruhe, über die der erstarrte Wind\nder Reliefs dahinglitt, in ihrer Asche weissem\nStaub. Er nahm eine grosse, glühende Rose,\nküsste sic und liess sie fallen, in das Innere der\nUrne.\nAber sic ward wieder empor gehoben? von einem\nperlweissen Nebel umgeben, der um sie wogte,\nwie der Rauch eines Scheiterhaufens, wenn grosse\nRegentropfen hineinfallen, wogte,imßhythmus des\nTanzes der drei Frauen, sich zusammenschloss,\nwie eine grosse weisse Blume des Abends, und\nForm annahm. Es war eine junge schlanke Ge-\nstatt, mit nackten Füssen schwebte sie auf dem\nPerlstab um den Hals der Urne dahin; in ihrer\nBrust glühte die Rose an Stelle des Herzens und\nward von den weissen Falten des Chitons ver-\nhüllt; die Arme hielt sie zu den Schläfen erhoben\nwie ein Kind, das noch nicht aus seinem Schlummer\nerwacht ist. Ihr Haar fiel über die schöne Run-\ndüng des Scheitels zu beiden Seiten in Reihen"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2076, "texte": "glatter Locken über die Ohren und wurde in\neinem weichen Bogen über dem Nacken zusam-\nmengehalten* Ihre Stirn war wunderbar ruhig,\nder Mund ruhig und glücklich, und die geschlos-\nsenen Augen schienen unter wirbelndem Tanz\nzur Ruhe geküsst; das Kinn und die feine Run-\ndung der Wange war erhoben, weil sie den Kopf\nleicht zurücfcgeneigt hielt. So wie die Finger\neiner schmalen Hand erröten und von der Flamme\ndurchleuchtet werden, die sie vor dem Winde\nschützen, bebten ihre Glieder in dem roten Duft\ndes Rosenherzens, nahmen Farbe an wie die einer\nLebenden, nur ein wenig bleicher* Die Augen\nöffneten sich in einem tiefen, schwarzen Blick,\ndie Hände sanken herab und schlossen sich um\nden Busen zusammen, die Lippen regten sich,\nund eine Stimme wurde mit sachtem Klang ver-\nnehmbar, wie Träufeln von Wasser gegen Wasser\nund lenzbelaubter Pappeln Sausen und das kühle\nRascheln von Cypressen und Steineichen*\n„Ich war weit, weit fort,\" sagte sie, „doch\ndeine heisse Rose rief mich her* Was wünschest\ndu, der du Leben und Schönheit um mein Grab\ngeschlungen?\"\nLeonzino streckte beide Arme nach ihr aus*\n„Dich, dich/' antwortete er im Taumel und\nfühlte sich in betäubender Wollust erschauern,\n„deine Liebe, du bist die, nach der ich mich\nstets gesehnt, welchen Namen du auch haben\nmagst, Glück oder Tod, deine Liebe wünsche\nich, nichts anderes/'\nSie lächelte betrübt* „Die kannst du nicht haben,\"\nantwortete sic, „denn ich bin tot, und weit weg\nruhe ich in ewigem Schlummer* Aber der du\nmeinen Schatten aus der Welt der Schatten ge-\nlockt, wo milde weiche Winde ihn umher trugen,\nein Blatt im Laube, ein Flüstern im Brausen, da\ndu ihm Form gegeben in des Tages Licht und\nihn erzittern liessest im roten Duft des Vergäng-\nlichen, so sprich zu mir, eh noch die Rosenblätter\nerblassen und fallen, sprich zu mir, und ich werde\ndir antworten!\"\n„Wer bist du, wer warst du? Ich will dein\nWesen kennen.\"\nIhr Blick wurde träumend in fernem Schauen,\nund sie antwortete sachte, so dass jeder Ton lang-\nsam sank und in dem Steigen des nächsten ver-\ndämmerte: „Ich hatte wie andere einen Namen,"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3423, "texte": "der sagte, was ich nicht\nwar* Nun bin ich Staub\nim Staube, Licht im Lich-\nte; die Stimme, die du\nhörst, ist nicht meine\neigene, sondern das Echo\nvon aller Zeiten toten\nWinden, aller Zeiten toten\nStimmen. Ich lebte ♦♦♦ ♦”\nSie verstummte in noch\nweiterem Traum, und\nnur die Lippen bewegten\nsich unbewusst.\n„Und du warst glücklich?”\nSie fand die Stimme wieder und schien wun-\ndernd ihren eigenen Worten zu lauschen: „Ja,\nich glaube, man nannte es so. Ich starb ja jung*\nIch hoffte und sah vorwärts, und das, dem ich\nentgegensah, kam nie heran, denn wenn es da\nwar, war es schon vorbei und flüsterte hinter\nmir* Ich träumte auch oft zu rück, wenn die\nDämmerung einfiel, tiefgrün und klar, wie sie\njetzt bald wieder kommen wird, und die Magno-\nlienblüten versanken wie tote weisse Schmetter-\nlinge im Dunkel; alle meine Tage dünkten mir\ndamals teuer* Alles war schön*”\n„Und hast du nie gehandelt, lebtest du nie\nwirklich?”\n„Gehandelt, doch, doch, oft, viel* Etwas trieb\nmich, bald hin, bald her, ich nannte cs Wille*\nDa waren viele Stimmen in meinem Innern, aber\neine war am stärksten und bezwang die anderen,\nwie die grosse Woge schwellend die kleinen er-\nwürgt, aber ob sie mehr als die übrigen mein\nwar, was weiss ich? Ich fühlte Liebe, ich fühlte\nHass, und ich gebot über viele, und Liebe und\nHass wurden zur That, doch sie glitten aus\nmeiner Hand wie zerstiebende Blasen, und während\nsie brachen, verstand ich sic nicht* Männer wähn-\nten mich zu besitzen, und ich wähnte mich glück-\nlieh darüber und brannte\nin Sehnsucht und Hoff-\nnung und lächelte Er-\ninnerungen zu, während\nDämmerung sich über\nroten Mohn senkte. End-\nlich hatte ich bloss eine\nSehnsucht, in der alten\nVase hier unter meinen\nFüssen zu ruhen, die ich\nvor mir hatte, in meines\nGartens Sonne, und an-\nsah, bis die Gedanken\nerstarrten und ich ein-\nschlummerte in*J: dem\nSchatten der Arkaden,\nvon dem Murmeln des\nrieselnden Wassers ein-\ngewiegt. Einmal ent-\nschlummerte ich in\ngrossem Schmerz und\nerwachte und rang mit\ndem Schmerz, und er\nverschwand in meinen Armen, und ich mit\nihm* Da legte man meinen jungen starren Leib\nauf einen Scheiterhaufen, und auch er ward um-\nfangen und erhoben von den roten Armen der\nFlammen und verschwand, aber dem weissen\nStaube, der zurücfcblieb, bereitete man die Ruhe\ndort, wo ich cs bestimmt* Da verschlug auch\ndies mir nichts, da war auch dies Ersehnte an\nmir vorbei, indem es kam* Aber ich hatte einen\nTraum* Mir dünkte, dass die drei Frauen dort\nmir ihre Hände reichten, um mich in ihrem Tanze\nmitzuziehen, ich nahm sie, ich stand wie sie mit\nflatterndem Haar und Gewand, aber ich wusste\nnicht, ob ich mich bewegte und umherwirbelte,\noder ob ich Stein war wie sie*”\nLeonzinos Blick hatte während ihrer Worte\ndieselbe träumende Tiefe bekommen wie der ihre*\n„Diese Frauen,” sagte er, „was sind sie, was be-\ndeutet ihr Tanz* Warum wolltest du in ihrem\nKreise ruhen?”\n„Darum, weil sie alles innen umschliessen*\nUnsichtbar umtanzen sie uns, unser ganzes Leben\nlang, unhörbar schweben ihre Schritte, ihre Ge-\nwänder wehen kalt um deine Hände, ihr Haar\nstreicht flatternd an deiner Wange vorbei* Sie\nsind die Horen, sie tanzen den Tanz der Zeit*\nIch konnte lange Stunden liegen und sie sich\nregen sehen, wenn ich\ndie Augen halb schloss,\naber wie ich den Blick\naufschlug, standen sie\nstill. Und ich grübelte:\ndie Zeit, die Zeit, was\nist sie? Versinkt sie\nhinter uns, oder fliegt sie\nvorbei, nachdem sie kalt\nauf unseren Mund ge*"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2159, "texte": "haucht? Wir fahren auf einem Schiff; was ist\nes, das uns dahin führt? Die Segel stehen ge-\nschwellt, die Welle rauscht sterbend unter uns\nnun ist es eine neue, die hinansteigt, cs giebt den-\nselben Laut* Die Zeit ist der Wind, und sie\nrauscht über unserem Haupte, aber das Schiff,\nbewegt es sich so rasch wie sie? Steht es nicht\nganz stille, und wir wähnen bloss zu fahren, weil\nder Schaum vorübcrgleitet? Leben wir, sterben\nwir, oder ist es alles ein Trug, den wir träumen,\nin dem Rauschen um unser Haar? Der Augen-\nblick wird von der Furcht zerstört, von der Angst,\ndass etwas kommen könne, oder durch die Hoff-\nnung ; aber die Hoffnung in die Zukunft ist un-\nruhig, sie auch* Nur das Verflossene ist ganz\nhold und gross und ruhig in seiner Wehmut*\nSieh die Frauen dort im Stein an, du vernimmst\nden Rhythmus ihrer Schritte, aber die Füsse regen\nsich nicht, die Gewänder fallen nicht, das Haar\nliegt stets gleich sie sind die Stunden der Ver-\ngangenheit, die Unrast, die zu Grösse und Ruhe\nerstarrt ist*\"\nLeonzino erschauerte leicht, wie im Traume\ndes Morgens, wenn die leise Kälte des Tages-\ngrauens heranstrich, duftlos und rein, aus der\nLauheit der Sommernacht, und ihn beinahe weckte,\nso dass vor seinen Augen das erbleichende Licht\nder Sterne zitterte*\n„Und die Grösse und die Ruhe hast du jetzt,\nund du bist damit zufrieden! Du entbehrst nichts,\nbereust nichts ?\" Sie sah ihn an, mit einem matten,\nmilden Lächeln*\nEr stand leicht vorgebeugt, in einer Stellung\nweichen Flehens, die Hände gestreckt, den Blick\nerhoben die Haltung eines Jünglings, der seinem\nGriff ein Glück entgleiten fühlt, das er nicht er-\nreicht, und das zu erreichen er sich unwert dünkt,\nein Leben, das er hätte leben, einen Schmerz, mit\ndem er hätte ringen wollen* In seinem granat-\nroten Scidenrock brannte das Licht so warm,\ndass selbst die Schatten in den Falten glühten;\ndie braune Haut glänzte wie Bernstein unter seinem\nlangen lockigen Haar*\nSie sprach: „Du hast mir den Schatten des\nLebens wiedergegeben und damit den Schatten\ndes Begehrens, den Schatten der Unruhe* Wenn der\nTod jetzt bald wiederkommt, wird er mir ein leises\nLeid geben schon fühl' ich es im Blumenherzen*"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2405, "texte": "„Ja, ich entbehre etwas, bereue etwas* Wenn\nich dich so schön sehe, kann ich mich fast ent-\nsinnen, wie es war, zu lieben, sein Wesen in einem\nanderen aufgehen fühlen, sich an etwas schmiegen*\nDas war das Einzige, was Reichtum gab. Ich\nsammelte nicht genug davon, ich war müde und\nblind; es gab so vieles, das nicht von meiner\nLiebe erreicht wurde. Jetzt träume ich zuweilen\nvon dem, das ich nicht zum Meinen machte, von\njeder Sonne, die verschwand, ohne von meinem\nBlick geliebfcost zu werden, von jedem Leben, an\ndem ich stumm vorüberging, jedem Lied, das ich\nnicht sang. Und ich komme mir arm vor, und\nfriere vor Leere* Viel wärmer hätte ich mich ein-\nspinnen können, viel weiter meine Arme und meinen\nBlick strecken* Ich hätte grösser sein können*\nNur so sammelt man aus dem Vergänglichen,\nnur so erlangt man die schönste Ruhe*\n„Jetzt ist es bald vorbei mit dem Duft der\nRose, schon klopft ihr Herz sachter* Sage, was\ndu noch willst!”\nLeonzino streckte die Arme im Schmerz vor,\nund er rief in einem gewaltsamen Schreis „Dich,\ndich will ich haben, deine Liebe* Deine Worte\nkühlen, aber deine Schönheit glüht und zündet*\nIch habe nie zuvor gewusst, was Schönheit ist.\nDich will ich in meinen Armen haben*”\nIhr Blick wurde wehmütig mild, aber leuch-\ntete klarer als früher, der Busen hob sich, und\ndie Hände schlossen sich fester um die Rose, wie\num einer letzten Flamme Glut zu schützen*\n„Aber du hast mich ja, du hast mich ja in\ndeiner Liebe* Du umfängst die Form, die der\nAugenblick gab, weil sie schön war, du schlangst\nRosen um des ewig Wechselnden Erstarrung im\newig Schönen* Du hast mich ja* Sieh dort\nhinaus!” Und mit ihrer weissen Hand beschrieb\nsie einen Kreis vor sich, und Leonzino wandte\nsich und schaute*\nDa lag Florenz in dem gelben warmen Licht,\ndas der Tag giebt, bevor er stirbt, weit schöner\nals zuvor, noch blumengleicher als zuvor* Ein\nGitter leichter Wolken lag vor der Sonne, und\ndie Strahlen spannten sich wie breite, lebende,\nklingende Stränge von dem blauen Gipfel eines\nBerges hinab übers Thal, und zwischen dem\nschwärzlichen Silberglitzern der Schatten leuch-\nteten schlanke Türme und die lächelnden Wohn-\nstätten der Menschen* Die Hügel trugen scharf\nleuchtende Kämme wie Wellen, die sich über-\neinander türmen, hinter ihnen war die Nacht,\nund auf dem schönsten, auf Fiesoles Höhe ge-\nwahrte man deutlich die Reihen der Cypressen,\ngleich schwarzen Flammen im Scheine* AU dies"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2341, "texte": "eingerahmt von des Abhangs silbergrauen Oliven\nnach unten zu und dem weiten dunklen Dach\nder Steineichen, die sich mit Reflexen von Metall\nin den harten blanken Blättern wölbten*\n„Siehst du/' die Stimme wurde immer weicher\nin ihrem sterbenden Fall, „siehst du, da liegt\nmeine Stadt; schön wie ich war, lebend wie ich\nwar, träumend jetzt, während das Spiel der Schatten\nhingleitct* Rings um sie zieht der Stunden Tanz\nsiehst du, wie es weht, siehst du, wie die Kronen\nder Bäume sich sachte neigen? aber sie lebt\nund ist* Sie hat der Schönheit Ewigkeit* Habe\nsie lieb, lebe ihr Leben, und du wirst mich nicht\nvermissen, du wirst einstmals ebenso ruhig schlafen,\nwie ich, in dem Kreislauf der weissen Frauen,\nderen Gewänder nicht eine ihrer fliegenden Falten\nsenken, deren Locken nicht vor dem Atemhauch\nder Nachfolgenden erbeben/'\nEin Schlag wie von einer weichen Schwinge,\nein Seufzer in der Luft* Als Leonzino sich zu\nihr wandte, war sie verschwunden, und da nur\nder perl weisse Nebel, durchleuchtet und schmelzend\nin der beginnenden Abendröte* Die Rose lag\nan seiner eigenen Brust, die Hand fing sie auf*\nEr hielt sie fest und sah sie an; die Blätter\nhatten sich nach aussen entfaltet und waren weich\ngeworden, und die zwei grössten gaben ihr die\nForm eines Herzens* Sie hatte noch Duft, ganz\nschwach, aber noch feiner und schmeichelnder als\nzuvor* Immer öfter und länger verweilten auch\nseine Blicke auf der Stadt, die jetzt dunkler wurde\nin des raschen Dämmerns Beleuchtung von tiefem\nklargrünen Wasser, während die Nacht sich von\nden blauschwarzen Höhenzügen des Westens heran-\nwälzte*\n„Gefahren drohen ihr,\" dachte er, „Gefahren\ndrohen allem, was lebt* Ein ewiger Kampf ist\ndas Jetzt, und ich will mit dabei sein, um auch\nmit in des Verflossenen schöner Sage zu sein*\nWas ist es, das meine Stadt so leuchtend jung\nerhält in der Sonne, wenn nicht vieler Liebe;\nwas ist es, das sie aufrecht hält, wenn nicht starke\nHerzen, die gleich Flammen aufrecht in der Brust\ngetragen werden wollen* Nur das macht uns\nwürdig, einstmals der Stunden Tanz in Schönheit\num unseren Staub zu erwarten*\"\nEr blieb sitzen, die Rose in der Hand, als die\nNacht kam und der Mond, und alles dort unten\nein ungewisses Meer war von kalter Klarheit und\nGrösse, und der Schatten schwarzem Dunkel und\ndes Arnos Silberschlange, die hinausglitt zum\nMeer*\n\nPER HALLSTRÖM."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-03-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-03_01#c014", "volume": "bmtnabf_1899-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "13", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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SAAR.\nÜber kahle, fahle Hügel\nStreicht der Dämm'rung kühler Flügel;\nDunkel, wie erstarrte Träume,\nSteh'n im Thal entlaubt die Bäume.\nTiefe Stille, tiefes Lauschen.\nKeine Welle hörst du rauschen,\nKeine Stimme hörst du klingen,\nDir des Lebens Gruss zu bringen.\nNur als stummes Bild der Gnade\nSichst du dort am steinigen Pfade,\nVon des Kreuzes Holz getragen,\nDurch die Nacht den Heiland ragen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-03-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-03_01#c027", "volume": "bmtnabf_1899-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 27, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.2.12", "titre_corps": "DER ZIEGELSCHLAG", "titre_sommaire": "DER ZIEGELSCHLAG", "signature_source": "FERDINAND v. 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SAAR.\nWeit gedehnte, öde Strecken,\nSchmutzig-gelbe Wassertümpel;\nEinsam ragt der Schlot des Ofens\nÜber morsche Bretterschuppen.\nFahle Menschen, wie geknetet\nAus dem fahlen Lehm des Bodens,\nDrin sic wühlen, treiben lautlos\nJahr um Jahr hier ödes Handwerk.\nFüllen und entleeren Truhen,\nMischen, treten, streichen, schlichten,\nSo des Backsteins ewig gleiche\nForm verdrossen wiederholend.\nTräge ziehen vorbei die Stunden;\nAufgelöst in Staub und Hitze,\nOder rings in Kot zerfliessend,\nScheint die Welt auch hier zu Ende ..."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-03-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-03_01#c029", "volume": "bmtnabf_1899-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "28", "page_fin": "28", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.2.13", "titre_corps": "HÜHNER-STUDIEN", "titre_sommaire": "HÜHNER-STUDIEN", "signature_source": "ALOIS HAENISCH", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.28", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 15, "texte": "HÜHNER-STUDIEN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-03-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-03_01#c030", "volume": "bmtnabf_1899-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "30", "image_debut": 30, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.2.14", "titre_corps": "AM WIESENRAND : BLEISTIFTSTUDIE", "titre_sommaire": "AM WIESENRAND : BLEISTIFTSTUDIE", "signature_source": "ALOIS HAENISCH", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 30, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.30", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 31, "texte": "AM WIESENRAND.\nBLEISTIFTSTUDIE."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-03-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-03_01#c031", "volume": "bmtnabf_1899-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 31, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.2.15", "titre_corps": "MITTEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS", "titre_sommaire": "MITTEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.31", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2897, "texte": "MITTEILUNGEN\nDER VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS.\nPie 111. Kunstausstellung der Vereinigung ist\nam 20. Februar nach sechswöchentlicher Dauer\ngeschlossen worden. Sie hatte ausser Werken von\nGrane, Raffaelli, Rops u. A. eine grössere Kollek-\ntion von Meunier und von Rysselberghe gebracht\nund war beherrscht von Klingers „Christus im\nOlymp“. Das gigantische Werk fand vollauf die\nBeachtung, welche seiner Bedeutung entspricht.\nAuch die, der bildenden Kunst für gewöhnlich\nferner stehenden Kreise konnten sich der Erörterung,\ndie das Erscheinen des Werkes hervorrief, nicht ent-\nziehen, so dass dasselbe einige Wochen lang das\nunvermeidliche Gesprächsthema jedes Salons, jeder\nGesellschaft bildete. An sich belanglos, giebt diese\nThatsache dem mit den Wiener Verhältnissen\nVertrauten einigen Aufschluss darüber, wie weit es\nder Vereinigung durch ihre bisherige kurze Thätig-\nfceit gelungen sei, den einen ihrer Programmpunkte:\n„Anregung des Wiener Kunstlebens“ zu erfüllen.\nAus dem gleichen Grunde wird die weiter unten\ngebrachte Liste der angefcauften Werke sowie der\ngrosse Erfolg der Auktion des künstlerischen Nach-\nlasses Theodor von Hörmanns interessieren, be-\nsonders wenn man in Betracht zieht, dass die neu-\nerwachte Kauflust des Publikums nicht nur den\nUnternehmungen der Vereinigung, sondern auch\nallen den anderen zahlreichen in letzter Zeit hier\nstattgehabten Ausstellungen und Auktionen in der-\nselben reichlichen, seit Jahrzehnten nicht mehr\nbeobachteten Weise zu gute gekommen ist.\nDie Umgestaltung des Hauses für die Zwecke\nder 111. Ausstellung war durch Josef Hof mann, O. M.,\nerfolgt, das Plakat von Josef M. Olbrich, O. M.,\nentworfen worden.\nHörmanns Werke waren eine Woche lang aus-\ngestellt; ein Teil seines Nachlasses kam am\n27. Februar zur Versteigerung. Die Galerie-\nDirektionen, die Sammler und die Privatkreisc\ndes Publikums wetteiferten im Erwerb der Werke.\nAus dem Erlös bestimmte die Witwe unseres un-\nvergesslichen Kampfgenossen, Frau Laura von\nHörmann, den Betrag von fl. 20000 für eine\nKunstzwecfcen gewidmete Stiftung.\nJ*\nDie IV. Ausstellung der Vereinigung, welche\nsowohl ordentliche als auswärtige Mitglieder reich\nbeschickten, wurde am 18. März eröffnet. Für die-\nselbe hat Josef M. Olbrich, O. M., einen Mittelraum,\nJosef Hoffmann, O. M., drei Seitenräume und ein\nKunstgewerbezimmer adaptiert und das Plakat\nAlfred Roller, O. M., entworfen.\nDie erste diesjährige Abteilung der Kunst-\nbeilagcn zur Gründerausgabe von Ver sacrum ent-\nhält in dem, diesmal mit einer Originalschablone\nKoloman Moser, O. M., geschmückten Umschläge\nfolgende Kunstblätter in signirten Specialdrucken:\nAlte Frau. Originalholzschnitt von E. R. WEISS.\nDruck vom Stock.\nSommernacht. Originallithographie in 3 Platten\nvon W. BERNATZIK, O. M.\nHeilige Nacht. Originalholzschn. von FRIED-\nRICH KÖNIG, O. M. Druck von den Stöcken.\nRuine. Originalradierung von JRUDOLF JETT-\nMAR, O. M."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-03-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-03_01#c032", "volume": "bmtnabf_1899-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 31, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.2.15.1", "titre_corps": "MEIERHOF : STUDIE", "titre_sommaire": "MEIERHOF : STUDIE", "signature_source": "ALOIS HAENISCH", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.31", "debut_caractere": 2899, "fin_caractere_exclue": 2916, "texte": "MEIERHOF.\nSTUDIE."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.1", "texte": "INHALT.\nSEITE\nANTWORT AUF EINIGE LAND-\nLÄUFIGE FRAGEN. VON MO-\nROLD 3\nFLORENTINISCHER ABEND-\nTRAUM. VON PER HALL-\nSTRÖM J 3\nLANDSCHAFT IM SPÄT-\nHERBST. GEDICHT VON\nFERDINAND v. SAAR .... 26\nDER ZIEGELSCHLAG. GEDICHT\nVON FERDINAND v. SAAR . 27\nMITTHEILUNGEN DER VER-\nEINIGUNG BILDENDER\nKÜNSTLER ÖSTERREICHS. . 31\nDER BILDLICHE INHALT NACH\nZEICHNUNGEN UND STUDIEN\nVON ALOIS HAENISCH IN\nMÜNCHEN. O. M.\n\nREDAKTION\nDES KÜNSTLERISCHEN TEILES:\nFRIEDRICH KÖNIG\nKOLOMAN MOSER\nJOSEPH M. OLBRICH\nALFRED ROLLER.\nREDAKTION\nDES LITERARISCHEN TEILES:\nDr. FRANZ ZWEYBRUCK."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.3", "texte": "ANTWORT\nAUF\nEINIGE\nLANDLÄUFIGE\nFRAGEN.\n\nEin Hexcnsabbath von Bizarrerie und Unver-\nmögen.“ Das Wort gefiel dem Manne, der\nes gemünzt hatte, und er wurde nicht müde,\ncs zu wiederholen* „Ist denn das wirklich noch\nKunst/44 sagte er, „was die jungen Leute jetzt trei-\nben? Die wenigen, die Talent haben, missbrauchen\nes und die Uebrigen verdecken ihre Tatenlosigkeit\ndurch absurde Einfälle* Ich will zugeben, dass ihr\nein paar Neuigkeiten habt, um die es schade wäre,\nwenn sie nicht da wären und die man früher nicht\nmachen konnte* Aber euere Freiheit von jedem\nZwange hat doch vor allem der Thorheit, dem\nUebermut, der Geschmacklosigkeit und der Im-\npotenz die Thürc geöffnet. Die jungen Leute\nwissen, dass sie sich jetzt alles erlauben dürfen\nund nicht mehr anzustrengen brauchen. Je flüch-\ntiger etwas hingeworfen, je krauser etwas durch-\neinander gewirbelt ist, desto besser. Strenge Linien-\nführung und sorgsame Arbeit würden schon zu\nsehr nach Schule' riechen. So kommen die tollsten\nDinge in euere ,secessionistischen' Ausstellungen\nund Zeitschriften, dass man sich oft fragen möchte,\nob der Mann wirklich ein Stümper ist oder uns\nnur .frozeln' will.\n\nHÜHNER.\nSTUDIE."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.4", "texte": "Früher hat auch der minder Begabte doch\netwas lernen müssen. Früher konnte man auch\nhei einem minder guten Bilde die Schule loben.\nJetzt ist das alles verloren gegangen, und die\nLeute brüsten sich damit, ohne irgend einen Er-\nsatz Zu bieten. Wie kann nun einer, dem es mit\nden modernen Bestrebungen Ernst ist, an solchen\nSpässen seine Freude haben? Wie kann einer,\nder den Fortschritt predigt, sich des offenkundigen\nVerfalles erfreuen ?\"\nDarauf ist nicht schwer zu antworten. Es ist\nja, richtig, dass bei jeder Umwälzung in der Kunst\ndie minder Begabten eine Zeit lang profitieren.\nIndem sic gewisse Acusserlichfcciten der neuen\nRichtung zu ihrem „Stil\" machen, vermögen sie\nzum mindesten die allgemeine Aufmerksamkeit\nauf sich zu lenken und können vielleicht sogar\nein Lob ernten, das ihnen sonst nie zu teil würde.\nBesteht die neue Richtung vollends darin, dass alle\nStoffe und Darstellungsformen freigegeben sind,\ndass keinem der Weg vorgeschrieben ist, auf dem\ner wandeln soll, so hat es schliesslich auch der\nStümper leicht, für seine mit irgend einem „origi-\nnellen“ Zug ausgestalteten Produkte und selbst\nfür die abenteuerlichsten Geburten immer noch\neine Art Existenzberechtigung in Anspruch zu\nnehmen.\nBesonders solange das Urteil über die neue\nRichtung noch nicht geklärt ist, solange das Für\nund Wider, der Jubel und die Entrüstung noch\nhin und her wogen. Da kann wohl Einer in\nthörichter Verblendung oder auch mit bewusstem\nHohne der Menge Zurufen: „Ihr versteht\nhalt noch nicht! Aber passt nur auf! Ich bin\ndas Genie der Zukunft.\" Und wenn's die Menge\nnicht glaubt manche werden es glauben. Ein\nNarr macht zehn.\nDoch ich wüsste nicht, was das schaden soll.\nVor allem heisst es, vorsichtig sein. In einer\nZeit, in der der Stümper so leicht Aufsehen er-\nregt, wird auch das wahre Genie leicht für einen\nStümper gehalten. So wie es Böcklin und Thoma\nergangen ist, so kann es heute oder morgen auch\neinem neuen Meister ergehen, dessen Art sich zu\ns«br von der gestrigen unterscheidet, um gleich\nvöllig begriffen zu werden. So oft wir etwas\nseltsam und wunderlich finden, müssen wir uns\nimmer fragen, ob cs an sich wunderlich ist oder\nob nur wir uns noch wundern. Und diejenigen,\nwelche ihre Freude daran haben, sind vielleicht\nNarren oder Fexen, vielleicht aber auch die ersten\nJünger eines neuen Evangeliums. Auch das Genie\nmacht im Anfänge nur zehn nicht Genies,\nsondern Vorkämpfer und Mitstreiter. Aus den\nZehn werden hundert, werden tausend, und zu-\nletzt huldigt ihm die ganze Welt. Man sei daher\nvorsichtig. Wenn es uns recht vor den Augen\nflimmert bei einer secessionistischen Veranstaltung,\nwenn uns nicht nur alle Schönheitsbegriffe, son-\ndern womöglich alle Raumbegriffe und alle op-\ntischen Gesetze aufgehoben erscheinen wer\nweiss! Vielleicht ist das die neue Renaissance.\n\nWOLKEN-\nSCHATTEN."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.5", "texte": "ZITTERPAPPELN.\nBLEISTIFTSTUDIE."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.7", "texte": "Vielleicht fällt es uns eines Tages wie Schuppen\nvon den Augen und wir lernen erst sehen.\nAber freilich ist hundert gegen eins zu wetten,\ndass sich die platte Mittelmässigfceit unter dem\nerborgten Scheine einer falschen Originalität mitten\nunter die Besten und Tüchtigsten schleichen wird\nund dass im Wettkampfe neuer Einfälle und neuer\nManieren raffiniertes Geschick und dreiste Arro-\nganz der echten Begabung für eine Weile den Rang\nabläuft. Nur dass sich in dem Punkte die neue\nKunst vor der alten kaum unterscheidet. Früher\ngab cs eigentlich nur eine einzige, stereotype\nManier und die war für Mittelmässigfceit und Un-\nvermögen erst recht ein Fressen. Wer sein „Fach“\ngelernt hatte, der galt als Meister, als Handwerks-\nMeister und mochte es dann auch anderen lehren,\nnämlich das „Fach“, das Handwerk, in welchem\nFalle er den Titel „Professor“ erhielt. Einem\nFeinde der Mittelmässigfceit musste grauen vor\nden Triumphen, die sie sich da leisten konnte.\nUnd hierin liegt allerdings ein Unterschied zwischen\neinst und jetzt oder sagen wir lieber: zwischen\n\nHÜHNER.\nBLEISTIFTSTUDIE."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.8", "texte": "gestern und übermorgen, denn heute und morgen\nist ja nur eine Uebergangsepoche dass einst\nIdeenarmut und Schablone geradezu geheiligt\nwaren und der Kühne und Geniale keine Aus-\nsicht hatte „Professor“ zu werden, während jetzt\ngerade das Schematische und Konventionelle, das\nso leicht zu ödem Geflunker führt, prinzipiell ver-\npönt ist und der Schwindler und Spekulant sich\neben nur einschleichen und per nefas breit machen\nkann, indem er die\nallen eingeräumte\nFreiheit miss-\nbraucht# Früher\nvermochte ein\nPhraseur und\nManierist sogar\nfcunsthistorische\nBedeutung zu ge-\nwinnen, heute\nkann er höchstens\nvorübergehend in\ndie Mode kom-\nmen# Eine Mode\naber und sei sie\nauch die albernste\nkann zwar im\nAugenblicke eine\ngewisse Verwir-\nrung anrichten,\nauf die Dauer ist\nsie doch ohnmäch-\ntig# Eine Mode\nwird im schlimm-\nsten Falle von\neiner andern ab-\ngelöst, die Ent-\nWickelung im grossen vermag sie weder zu fördern\nnoch zu hemmen* Vor Moden war die Kunst\nniemals sicher# Am wenigsten zu einer Zeit, in\nder die starre Regel und knöcherne Disciplin so\nkunstfeindlich auf uns lastete, dass wir nur zu sehr\ngeneigt waren, jede kleine Abweichung von der\nTradition auch schon für die Kundgebung eines\nOriginalgenies zu halten, und oft nicht merkten,\nwie sich doch nur die Seichtigkeit auf solche Art\ndrapierte und maskierte# Dagegen ist zu hoffen,\ndass die moderne Kunst mit ihrem Principe der\nWahrhaftigkeit, welche auch gegen Regeln ver-\nstossen darf, unsere Augen und unser Gefühl immer\nbesser schulen wird, bis wir endlich im stände\nsind, echt und unecht auf den ersten Blick von-\neinander zu unterscheiden# Wenn täglich neue\nFormen und neue Innenwelten mit dem Ansprüche\nauf Beachtung und Würdigung uns entgegentreten,\nso müssen wir ja allmählich die Vorurteile ab-\nstreifen, die unser Urteil bisher so ängstlich und\nunsicher machten, und müssen schliesslich dahin\ngelangen, dass wir dem Genie nicht mehr Unrecht\nthun können, aber auch gegen Gaukler und Schelme\nkeine Nachsicht\nmehr haben#\nJe excentrischer\ndie Künstler sich\ngebärden, je öfter\nsie uns in Erstau-\nnen und Verblüf-\nfung setzen, desto\nrascher wird unser\nleibliches und gei-\nstiges Auge sich\ngewöhnen, durch\ndie Aeusserlich-\nkeiten hindurch\nden Wesensfcern\nzu erfassen und\ninmitten der reich-\nsten Fülle von\nBildern und Ge-\nstalten sich mühe-\nlos zurecht zu\nfinden#\nNoch ein an-\nderer grosser Vor-\nteil aber ist mit\ndem kleinen\nNachteile ver-\nbunden, den die schrankenlose Freiheit in der\nKunst vielleicht im Gefolge haben mag* Diese\nFreiheit ermöglicht auch dem kleinen Talente\neine früher ungeahnte, reiche und volle Thätig-\nkeit# Alle, die der älteren Richtung sozusagen\nsich selbst zum Opfer bringen mussten, die den\n„klassischen“ und monumentalen Aufgaben, die\nda mit Vorliebe gestellt wurden, durchaus nicht\ngewachsen waren, die aber doch etwas Bestimmtes\nund Eigenartiges auszusprechen hatten, das sich\nnur leider im Rahmen der Tradition und der\nSchule nicht klar und erschöpfend aussprechen\nlicss, alle diese kommen jetzt zur Entfaltung ihrer\nEigenart: sie können und dürfen jetzt sagen, was\n\nSTUDIE.\nKREIDE-\nZEICHNUNG."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.9", "texte": "ihre Seele bewegt* So werden aus ihnen vielleicht\nkeine grossen Künstler, aber doch interessante\nund liebenswürdige Naturen, deren künstlerisches\nWirken die Kunst immerhin bereichert* Die Ta-\nlente verkümmern nicht mehr* Das ist viel-\nleicht der grösste Gewinn, den die neue Richtung\nerzielen konnte* Und gesetzt, wir lebten wirklich\nin einer Zeit des künstlerischen Niederganges, in\neiner Zeit, in der der Mangel einer grossen und\nechten Tradition\nsich empfindlich\nfühlbar macht, so\nist es nur um so\nmehr als einzige\nRettung zu be-\ngrüssen, dass auch\nkeine falsche Tra-\ndition die Be-\nwegung den Ein-\nzelnen hemmt,\ndass jeder sich\nselbst den Weg\nsuchen darf, der\nso schwer zu fin-\nden ist, und das\nfür den Entgang\nmonumentaler\nund „epochaler“\nSchöpfungen doch\nwenigstens die\nMannigfaltigkeit\nund Buntheit ent-\nschädigt, in der\njetzt auch die be-\nscheidensten\nKräfte sich regen\nund uns mit den Erzeugnissen ihres echten\nKönnens beglücken dürfen*\nDie grosse Kunst so meinen doch diejenigen,\nwelche vom Niedergange sprechen die grosse\nKunst offenbart ewig gültige Schönheitsideale; die\nKunst der alten Meister kann nie veralten* Gut,\ndann brauchen wir auch nicht immer auf die\nalten Meister zurücfczukommen* Lassen wir sie\ndort, wo sie sind, ruhig weiterwirfcen als „Offen-\nbarer des Schönen“ und plagen wir uns nicht da-\nmit, es ihnen gleich zu thun, da wir doch wissen,\ndass dies vergebliche Mühe wäre; wenden wir\nuns, in der Erkenntnis des geringeren Masses an\nKraft und Können, das uns zugemessen ist, viel-\nmehr jenen Sphären zu, für die die alten Meister\nüberhaupt nicht geschaffen haben, betrachten wir\ndas unendlich weite Gebiet des modernen Lebens,\ndas nach künstlerischem Schmuck und künst-\nlerischer Beseelung verlangt, suchen wir in der\nzahllosen Fülle neuer und besonderer Aufgaben,\nfür die es in der grossen Kunst gar keine Vor-\nbilder giebt, jene heraus, die unserer Individualität,\nunserem künstlerischen Ausdrucksvermögen am\nnächsten kom-\nmen, und gehen\nwir froh und un-\nbekümmert an die\nArbeit* Gewiss\nwird dann etwas\nzu Tage treten,\ndessen wir uns\ndurchaus nicht zu\nschämen brauchen\nund das die ge-\nstellte Aufgabe\nzur Lösung bringt*\nAuf Berühmt-\nheit und Unsterb-\nlichkeit ist es da-\nbei nicht abge-\nsehen* Unsere\nZeit beschäftigt\nso viele Künstler,\ndass unmöglich\nalle berühmt wer-\nden können* Aber\neben diese Zeit,\nin der schon der\nschlichte Arbeiter\nsich seiner primi-\ntiven Oelfarbendrucfce zu schämen anfängt und der\nschlichte Bürger ein behagliches und „harmonisch“\neingerichtetes Heim haben will, verlangt neben\nder Vielheit die grösste Mannigfaltigkeit des Kunst-\nschaffens* Der Zug der Zeit geht nicht dahin,\ndass sich alle Leute dieselben Heiligenbilder, die-\nselben Photographien und Heliogravüren nach\ndenselben Raphaelschen Madonnen ins Zimmer\nhängen* Harmonisch ist eine Wohnung vielmehr\nnur dann eingerichtet, wenn die ganze Einrichtung,\nvom Fussboden bis zur Decke, also auch der\nBilderschmucfc, auf ein und dieselbe Tonart oder\nauf verwandte Tonarten gestimmt ist, und behag-\nlich ist ein Heim nur, wenn es die Geistesrichtung\n\nSTUDIE.\nKREIDE-\nZEICHNUNG."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.10", "texte": "und die Seelenstimmung seiner Bewohner aus-\ndrücfct* So gehört beinahe für jeden Wohnungs-\ninhaber ein eigener Künstler* Jedenfalls kann es\nnicht genug künstlerischer Individualitäten geben\nund diesen nicht Freiheit genug zu ihrer Ent-\nfaltung gegönnt werden*\nWie beschränkt auch eine Begabung sein mag,\nsie wird doch noch zu ihrem Rechte kommen;\nwie wunderlich ihre Sprünge sein mögen, sie\nwerden doch irgend wohin passen* Zu diesen\noder jenen Möbeln und Tapeten, in diesen einen\nWinkel, für diesen einen Beschauer passt nur ein\neinziges Bild vermutlich wird sich der Künstler\nfinden, der es zu malen versteht; und dieser oder\njener Maler hat nur eine einzige Farbe, einen ein-\nzigen Ton wahrscheinlich werden sich manche\nfinden, die in ihm sich selber entdecken* So ent-\nspricht die moderne Freiheit in der Kunst dem\nso überaus mannigfaltigen Subjektivismus des mo-\ndernen Lebens; so wird die moderne Kunst in den\nStand gesetzt, alle Schätze des Lebens aus der\nTiefe zu heben und jene Schönheit, von der die\nWelt voll ist, allerorten auf leuchten zu lassen*\nStatt eines einzigen, grossen Lichtes eine tausend-\nfältige Strahlenbrechung! Ist jemand, der sich\ndieses Farbenspieles nicht freuen wollte? Kann\njemand dem farbigen Strahl zum Vorwurfe machen,\ndass er nicht alle Farben in sich vereinigt und\nverschmilzt gleichwie der Strahl des Sonnenlichtes?\nUnd ist es nicht die Sonne selbst, die eigent-\nlich nur leuchtet, damit ihre Strahlen sich brechen\nund so immer neue Farben und Formen entstehen?\nWer die modernen Erscheinungen aufmerksam\nbeobachtet, der wird bald genug an den modernen\n„Bizarrerien“ keinen Anstoss mehr nehmen; der\nwird entdecken, dass das meiste von dem, was ihm\nanfänglich bizarr erschienen, die glückliche Wieder-\ngabe eines subjektiven Momentes ist* Aber die\nfalsche Lehre vom ewig Gültigen und von den\nSchönheitsregeln hat uns allerdings so sehr daran\ngewöhnt, das rein Subjektive, das bloss Zufällige\nund Bedingte in der Kunst gar nicht anzuerfcennen,\ndass es eben darum vielen sehr schwer fällt, sich\nin die Berechtigung einer rein subjektiven Auf-\nfassung und Darstellung hineinzufinden: sie möch-\nten jeden Fall gleich für typisch nehmen* Wie\noft, wenn einer z* B* eine neue Farbenwirfcung\nversuchte, ein Spiel des Lichtes mit dem Pinsel\nfestzuhalten bemüht war, hört man die Leute\nschreien: „Um Gottes Willen! Der möchte uns\nweiss machen, dass die Bäume blau sind“ oder:\n„Ja, müssen denn die nackten Weiber wirklich\nalle grün sein?“ und dergleichen mehr* Aber dem\nKünstler fiel es ja gar nicht ein, die Bäume blau\noder alle Weiber grün zu machen* Einmal hatte\ner einen bläulichen Schimmer auf einer Anzahl\nvon Bäumen wahrgenommen und war ergriffen\nvon dieser eigentümlichen Schönheit; einmal\nhatte er grüne Lichter auf einem Frauenleibe\nspielen gesehen und war gebannt von dem An-\nblick* Das hat er nun zum Bilde werden lassen*\nMorgen wird er wieder andere Bilder malen und\nvon niemand fordert er, dass man seine Art und\nWeise nachahmen müsse* Es kann nicht oft ge-\nnug betont werden: es giebt keine Schablone in\nder modernen Kunst, auch keine Schablone „der\nBizarrerie und des Unvermögens“*\n\nMAX MOROLD.\n\nBLEISTIFT-\nSTUDIE."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.12", "texte": "DAS ZEICHEN DES BUNDES."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.13", "texte": "FLORENTINISCHER\nABENDTRAUM.\n\nleonzino da Bellosguardo schlenderte unthätig um-\nher, solange der Tag währte, und nachts schlief\ner auf der Terrasse nach seinem Garten einen\nruhigen leichten Schlaf ohne Träume* Er hatte\nfrüher die Gelegenheit gehabt zu arbeiten, hatte\nseines Vaters Wechslerberuf fortgeführt, wie dieser\nes bei seinem Tode bestimmt, und hatte floren-\ntinische Gulden nach Venedig und Brügge gesandt,\num anderes Gold dafür zu kaufen und es wieder\nzu Gulden zu prägen; aber als er fand, dass der\nSinn nur der war, den Reichtum und die Sorgen\nzu vermehren, die er schon hatte, schloss er ab*\nEr liess anstatt dessen mit vielen Kosten einen\nSpringbrunnen auf dem Hügel einrichten, wo seine\nVilla lag* Er sah ihn in Strahlen emporsteigen\nund glitzern und in die Schale fallen und wieder\nzu der Quelle zurückgeleitet werden, wo weisse\nOchsen mit langsamem Trabe ihn hinauf zwangen,\num abermals dasselbe Spiel zu beginnen* Er freute\nsich des Regenbogenschimmers, da wo die Tropfen\nsich in Dunst auflösten, und des feinen Klanges\nvon Wasser gegen Wasser, und konnte lange\nStunden in Gedanken davor verbringen*\nEr hatte auch am Kriege gegen die Feinde\nder Vaterstadt teilgenommen, um der Ehre willen,\ndoch als er vernahm, dass der Ehre bester Klang\ndahin war, dass man sich bereits stärker dünkte,\nals dieser oder jener, da ward er auch dessen\nmüde, setzte seine Rüstung im Würfelspiel\ngegen den Hund des Kameraden, verlor und fuhr\nheim# Er liess es sich nicht einmal einfallen, mit\nder Narbe nach der Wunde zu prahlen, die er\nauf der Wange davongetragen hatte, sondern\nliess sein lockiges Haar über die Ohren hinab-\nhängen, um sie zu verbergen, und als dies dann\nder Brauch ward auch für solche, die keine Wunde\nhatten, lachte er, aber liess es gleichwohl sein\nwie es war#\nUm sich die Zeit zu vertreiben, verlegte er sich\ndann auf die Liebe und huldigte nach der Sitte\ndes Tages zwei Schönheiten# In der einen, Monna\nGiulia, mit der er nie gesprochen und die er kaum\nje anders gesehen als aus der Entfernung, betete\ner alle Vollendung des Ideals an, und den Sinn-\nreichtum seines eigenen Gefühls, das die feinsten\nund holdesten Worte fand, um sie zu preisen, und\ner trug seine Liebesflamme offen vor aller Blicke\nund Bewunderung, wie eine Wachskerze bei einer\nProzession. In der andern, Monna Monetta, die\ner auch kaum recht geschaut, denn es war Däm-\nmerung, als er ihr Herz gewann, und Dunkel in\nder Kammer, wo er sie traf, küsste er sein Ver-\ngnügen und freute sich des tiefen Zwitscherns der\nHeidenlerche im Morgengrau, das ihn von ihr zwang#\n\nStudie."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.14", "texte": "Aber als sein bester Freund, Giacomo Calandra,\nin einem Augenblick jener Verzückung, in die die\nFreundschaft alle Seelen versetzte, die Platos gül-\ndene Stränge zu spielen und zu schätzen verstan-\nden, eben von einer Reise heimgekehrt, ihm an-\nvertraute, dass er Monna Giulias Gunst genoss,\nund ihm eine schöne Sextine vorlas, die er auf\nseine keimende Anbetung Monna Monettas\ngedichtet, lächelte Leonzino und drückte seine\nHand dreimal, zum Abschied von den beiden\nHerrscherinnen und von ihm selbst*\nDann ging er ganz einsam, und hatte keine\nLust, irgendetwas zu treiben*\nEines Tages stand er in seines Freundes Gen-\ntile Buonacorsis Garten und sah zu, wie dieser\nvon kleinen schwarzen, geschäftigen Bauern einen\nBrunnen graben liess, da wo zwei Hügel mit\ngrossen Cypressen ineinander glitten* Er sah die\nfette braune Erde von Hacken und Spaten ge-\nwendet und glaubte aus Stücken von Steinen, die\nnach oben gebracht wurden, zu entnehmen, dass\nsich hier zuvor irgend ein kleiner Bau erhoben\nhatte, ein altes heidnisches Grab oder die nischen-\nförmige Mauer um eine Quelle, mit dem Bilde\neines der ältesten Heiligen geschmückt* Er sann\nnach, was wohl die Erde so glänzend und weich\ngemacht haben mochte, all' das Wasser, das dort\nunter Gelächter von den Schultern der Mädchen\nverspritzt worden war, oder Thränen und Staub\nder Toten; er sprach mit Gentile davon und\nfand viele schöne und seltsame Gedanken, indem\ner dieselbe Folge aus den gleich möglichen Ur-\nsachen ableitete* Da prallte der Spaten eines\nArbeiters, als die Heftigkeit des Stosses schon\ndurch die Erde gehemmt worden war, gegen etwas\nHartes, das selbst bei der sachten Berührung stark\nerklang, etwas Hohles also, dort tief unten* Leon-\nzino hielt in seiner Rede inne und beobachtete\nlächelnd, aber ein wenig neugierig, Gentiles Eifer,\nmit dem er die Männer ermahnte, wie sie den\nGegenstand, ohne ihn zu verderben, emporholen\nkonnten, vielleicht eine grosse Last der kostbaren\nBronze oder wohl gar etwas mit Münzen darin*\nEr blieb so lange, bis das Geheimnisvolle mit vie-\nler Arbeit hinaufgeschleppt war* Es hatte die\nForm einer grossen Urne, und als die Erde unter\nbraunen harten Fingern abgeschuppt war, leuch-\ntete es weiss cs war also nur Marmor. Gentile\nliess die Urne auf stellen, nahm vorsichtig den\nKalfcstaub und das vermoderte Laub fort, das\nihren Hals füllte, und tastete mit einem Stabe in\nihrem Innerem „Es ist nichts Schweres,” sagte\ner, „keine Münzen, es ist nur etwas wie eine leichte\nAsche,” und er wandte sich enttäuscht ab*\n„Es ist wohl der Staub verbrannter Heiden,”\nsagte der älteste der Bauern, „so etwas bringt Un-\nglück* Schlagen wir das Ganze entzwei, und lasst\nuns die Asche in den Wind streuen I”\nEr erhob schon den Spaten, doch Leonzino,\nder gleichsam Konturen eines menschlichen Kör-\npers unter dem Staube zu unterscheiden vermeint\nhatte, fühlte eine plötzliche unerklärliche Regung\ndes Mitleids und der Angst und stürzte vor, um\nihn aufzuhalten*\n„Lass sie doch reinigen, um zu sehen, wie sie\naussieht,” sagte er zu Gentile, „sie scheint in Fi-\nguren gearbeitet. Da ist auch ein Perlenstab um\nden Rand.”\nGentile tastete noch einmal mit dem Stecken in\nihrem Inneren* „Da ist nichts,” antwortete er*\n„Bilder von Abgöttern sind auf allen*” Und er\nhielt es für das Geratenste sich mit diesen gar\nnicht zu beschäftigen, sondern die Männer das\nthun zu lassen, was ihre Vernunft ihnen riet*\n„So gieb sie mir,” bat Leonzino, noch immer\nmit einem Beben unerklärlicher Angst, „gieb sie\nmir* Ich schenke dir anstatt dessen, was du\nbei mir wählen willst.” Und als der Freund auf\ndieses eingegangen, liess er sogleich Wasser in\nEimern herbeischaffen und spülte und wusch\nselbst, indes die anderen an ihrem Brunnen gru-\nben, bis der Stein weiss und glänzend aus der\nFeuchtigkeit ringsum leuchtete, wie eine aus der\nMuschel gelöste Perle*\nDie blosse Arbeit hatte ihn vergnügt, und jetzt,\nda sie zu Ende war, trat er zurück und sah die\nUrne an, um das in der Gesamtheit zu erfassen,\nwas sich ihm stückweise gegeben* Sie war\nwirklich wie eine Perle so leicht und fein, trotz\nihrer grossen und festen Form; der schwellenden\nWeite unterhalb des Halses begegnete weich der\nFuss und trug sie wie eine Woge eine Riesenperle;\ndie beiden Henkel streckten sich empor und er-\nreichten den verzierten Rand wie schlanke erho-\nbene Arme* Es lag etwas von einer biegsam,\ngleichsam spielend getragenen Bürde in ihrer gan-\nzen Gestalt. Rings um sie tanzten drei Frauen,\njung, mit stillen ernsten Gesichtern und weiten\nGewändern, die mit rhythmischem Fall nach rück-\nwärts gestreckt wurden, von der Bewegung nur,"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.15", "texte": "KATZEN IM LEHNSTUHL."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.16", "texte": "nicht vom Winde; das Haar flatterte auch nach\nrückwärts* Nur der Hauch ihres eigenen Tanzes\nin all' dieser Bewegung, sonst kein Atemzug*\nEin toter Raum, eine seltsame Versteinerung in\ndem weissen Rund des Marmors, in dem die wei-\nchen Linien einsanfcen und sich verloren* Ihre sich\nleicht zurückneigenden Köpfe betäubt wie in Be-\nrauschung*\nLeonzino hatte nie etwas Ähnliches gesehen\noder geahnt, einmal ums andre umkreiste er sein\nKleinod und sah es an und war froher, als er sich\nje gefühlt* Nun musste er es oben bei sich in\nBellosguardo haben und es ansehen, ansehen, es\ndünkte ihm, fast sein ganzes Leben lang*\nEr sandte Boten hinauf zu sich nach Hause,\nman möge die weissen Ochsen lösen, die den\nSpringbrunnen trieben, ihnen ihr schönstes pur-\npurgemaltes Joch anlegen und sie vor den besten\nWagen spannen, um seine Urne zu holen, und\nindes er wartete, war er in liebevoller Arbeit be-\nstrebt, die allerletzten kleinen verwischenden Spu-\nren der jahrhundertelangen Ruhe im Erdreich zu\nbeseitigen. Das Gefährt kam, er liess es beladen,\nund ging selbst zur Seite, um darüber zu wachen*\nAn der Pforte von Gentiles Garten, von wo\ner einen Schimmer der Stadt sah und an all' die\nMenschen dachte, denen er begegnen würde,\nbrach er lange lichte Zweige von den lenzbelaub-\nten Pappeln und schwarze Cypresse und wand sie\nzu Kränzen um die Hörner der Zugtiere, weil sie\nden Fund vom Totenreich wieder ans Licht brach-\nten* Leute blieben stehen und sahen ihn an und\nlachten verwundert, doch er achtete nicht darauf*\nDer Weg ging zwischen Mauern, gekrönt von\ndem bläulichen Laub der Weinranfcen unter dem\nbebenden Blau des Himmels. Die Ochsen hoben\nbedächtig ihre Füsse aus dem feuchten Boden\nund machten an den Hügeln Halt, um zu rasten,\nlangsam ihre bekränzten Häupter wendend. Lcon-\nzino wartete jedesmal geduldig, den Blick gebannt\nvon seiner weissen Urne und dem Spiel des war-\nmen Sonnenscheins über dem Tanz der weiblichen\nGestalten* Als er höher hinaufkam, sah er Flo-\nrenz' Glocfcenturm zwischen den Cypressen und\ndie Berge dahinter; noch höher, und die Weite\nwar frei, und der Arno brannte in Sonne mit\nder lichten Stadt um sich, umarmt von blauen\nHügeln, denen das Laub der Oliven ein silbernes\nGlitzern gab, und die wasserschwere Luft einen\nPerlglanz in der Ferne.\nLeonzino hatte nie seine Stadt so gesehen,\nund nie war sie ihm so teuer gewesen* Sie\nhatte etwas von der Schönheit und Vergänglich-\nkeit der Blumen über sich, und wenn er an die\nKirchen dachte, die gebaut wurden, unter langen\nMannesaltern, immer ein Giebel für sich, ein Thor\nfür sich, mit seiner Spitzenausschmücfcung, die\nreife Farbe von Sonne und Wind bekam und\nverblassen konnte, bevor das nächste ausgeführt\nward, da dünfcten sie ihn wie Auen und Haine\nvon Riesenbäumen, deren Schicksal es ist empor-\nzuschiessen und sich über die Wurzeln der Nach-\nbarn auszubreiten, und zu sterben in ewiger Ver-\ngänglichkeit und Wechsel* Aber die Menschen,\ndie sich regten und arbeiteten und kämpften und\nhofften, zwischen diesen blühenden Ruinen, für\ndie hegte er eine mitleidige Liebe, und es dünkte\nihn, dass er für allezeit von ihnen fortzog, mit\nseinem weissen seltsamen Schatz, der die Lösung\nvon allem barg, die Befreiung von allem*\nNun war er nahe von seinem Heim, nun sah\ner rechts Mont Oliveto mit seinem Kreise von\nschlanken Cypressen um den Rand und den Cy-\npressen in der Mitte, die sachte ihre schwarzen\nWipfel unter dem Flüstern des Windes zusammen-\nneigten* Der war wie der Thron des Todes\nselbst; in dem Grase des Plateaus wusste er,\nwuchsen dicht blassgelbe Schwertlilien, deren\nKelche an den Spitzen in erdfarbenes Schwarz\nübergingen* Wanderte man dort rings herum,\nrings herum, schien die Stadt so ferne zwischen\nden steingleichen Stämmen und dem harten Sau-\nsen der Bäume* Doch sein Weg ging höher* Da\nlag seine weisse Villa und leuchtete in Sonne\nzwischen dunklen Ranken, da war er zu Hause,\nhinein durch das Thor, und er sah mit neuer\nFreude, wie schön sein Garten mit Blüten und\nBlättern dem Neuangekommenen entgegenlächeln\nwürde*\nEs liess die Urne aufstellen, auf einer Marmor-\nplatte unter einer schwarzgrünen Steineiche, die\nso dicht war, dass kein Regen durch ihre rascheln-\nden Blätter drang* Dann verweilte er einsam mit\nihr, liebkoste sie mit dem Blicke und den Händen\nund sehnte sich, in ihren Sinn einzudringen, die\nMusik zu dem Tanze der Frauen zu vernehmen,\nden Stein in seiner Umarmung atmen zu fühlen.\nSowie er sich unbeobachtet wusste, küsste er die\nfeinen zurückgeneigten Köpfe der Tänzerinnen,\nund da er Mitleid empfand mit ihrer frierenden"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.17", "texte": "HOCH-\nSOMMER."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.18", "texte": "Kälte , wand er blutrote Kletterrosen um sie»\nEs war wunderbar schön, den Marmor gelbweiss\nleuchten zu sehen zwischen ihren bläulichen\nSchatten; es war, als hätte der Duft der Rosen\nden Rausch gebracht, in dem der Tanz dahin-\nschwebte.\nLeonzino träumte lange bei seinem stillen\nSpiel; er war glücklich, aber bebte dennoch vor\nSehnsucht, dem Wesen noch näher zu kommen,\ndas die Urne in ihrer stillen, edlen Form barg,\nin ihrer Steinruhe, über die der erstarrte Wind\nder Reliefs dahinglitt, in ihrer Asche weissem\nStaub. Er nahm eine grosse, glühende Rose,\nküsste sic und liess sie fallen, in das Innere der\nUrne.\nAber sic ward wieder empor gehoben? von einem\nperlweissen Nebel umgeben, der um sie wogte,\nwie der Rauch eines Scheiterhaufens, wenn grosse\nRegentropfen hineinfallen, wogte,imßhythmus des\nTanzes der drei Frauen, sich zusammenschloss,\nwie eine grosse weisse Blume des Abends, und\nForm annahm. Es war eine junge schlanke Ge-\nstatt, mit nackten Füssen schwebte sie auf dem\nPerlstab um den Hals der Urne dahin; in ihrer\nBrust glühte die Rose an Stelle des Herzens und\nward von den weissen Falten des Chitons ver-\nhüllt; die Arme hielt sie zu den Schläfen erhoben\nwie ein Kind, das noch nicht aus seinem Schlummer\nerwacht ist. Ihr Haar fiel über die schöne Run-\ndüng des Scheitels zu beiden Seiten in Reihen\n\nSTUDIE."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.19", "texte": "UNWETTER."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.21", "texte": "glatter Locken über die Ohren und wurde in\neinem weichen Bogen über dem Nacken zusam-\nmengehalten* Ihre Stirn war wunderbar ruhig,\nder Mund ruhig und glücklich, und die geschlos-\nsenen Augen schienen unter wirbelndem Tanz\nzur Ruhe geküsst; das Kinn und die feine Run-\ndung der Wange war erhoben, weil sie den Kopf\nleicht zurücfcgeneigt hielt. So wie die Finger\neiner schmalen Hand erröten und von der Flamme\ndurchleuchtet werden, die sie vor dem Winde\nschützen, bebten ihre Glieder in dem roten Duft\ndes Rosenherzens, nahmen Farbe an wie die einer\nLebenden, nur ein wenig bleicher* Die Augen\nöffneten sich in einem tiefen, schwarzen Blick,\ndie Hände sanken herab und schlossen sich um\nden Busen zusammen, die Lippen regten sich,\nund eine Stimme wurde mit sachtem Klang ver-\nnehmbar, wie Träufeln von Wasser gegen Wasser\nund lenzbelaubter Pappeln Sausen und das kühle\nRascheln von Cypressen und Steineichen*\n„Ich war weit, weit fort,\" sagte sie, „doch\ndeine heisse Rose rief mich her* Was wünschest\ndu, der du Leben und Schönheit um mein Grab\ngeschlungen?\"\nLeonzino streckte beide Arme nach ihr aus*\n„Dich, dich/' antwortete er im Taumel und\nfühlte sich in betäubender Wollust erschauern,\n„deine Liebe, du bist die, nach der ich mich\nstets gesehnt, welchen Namen du auch haben\nmagst, Glück oder Tod, deine Liebe wünsche\nich, nichts anderes/'\nSie lächelte betrübt* „Die kannst du nicht haben,\"\nantwortete sic, „denn ich bin tot, und weit weg\nruhe ich in ewigem Schlummer* Aber der du\nmeinen Schatten aus der Welt der Schatten ge-\nlockt, wo milde weiche Winde ihn umher trugen,\nein Blatt im Laube, ein Flüstern im Brausen, da\ndu ihm Form gegeben in des Tages Licht und\nihn erzittern liessest im roten Duft des Vergäng-\nlichen, so sprich zu mir, eh noch die Rosenblätter\nerblassen und fallen, sprich zu mir, und ich werde\ndir antworten!\"\n„Wer bist du, wer warst du? Ich will dein\nWesen kennen.\"\nIhr Blick wurde träumend in fernem Schauen,\nund sie antwortete sachte, so dass jeder Ton lang-\nsam sank und in dem Steigen des nächsten ver-\ndämmerte: „Ich hatte wie andere einen Namen,\n\nHÜHNER-\nSTUDIE."}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.22", "texte": "der sagte, was ich nicht\nwar* Nun bin ich Staub\nim Staube, Licht im Lich-\nte; die Stimme, die du\nhörst, ist nicht meine\neigene, sondern das Echo\nvon aller Zeiten toten\nWinden, aller Zeiten toten\nStimmen. Ich lebte ♦♦♦ ♦”\nSie verstummte in noch\nweiterem Traum, und\nnur die Lippen bewegten\nsich unbewusst.\n„Und du warst glücklich?”\nSie fand die Stimme wieder und schien wun-\ndernd ihren eigenen Worten zu lauschen: „Ja,\nich glaube, man nannte es so. Ich starb ja jung*\nIch hoffte und sah vorwärts, und das, dem ich\nentgegensah, kam nie heran, denn wenn es da\nwar, war es schon vorbei und flüsterte hinter\nmir* Ich träumte auch oft zu rück, wenn die\nDämmerung einfiel, tiefgrün und klar, wie sie\njetzt bald wieder kommen wird, und die Magno-\nlienblüten versanken wie tote weisse Schmetter-\nlinge im Dunkel; alle meine Tage dünkten mir\ndamals teuer* Alles war schön*”\n„Und hast du nie gehandelt, lebtest du nie\nwirklich?”\n„Gehandelt, doch, doch, oft, viel* Etwas trieb\nmich, bald hin, bald her, ich nannte cs Wille*\nDa waren viele Stimmen in meinem Innern, aber\neine war am stärksten und bezwang die anderen,\nwie die grosse Woge schwellend die kleinen er-\nwürgt, aber ob sie mehr als die übrigen mein\nwar, was weiss ich? Ich fühlte Liebe, ich fühlte\nHass, und ich gebot über viele, und Liebe und\nHass wurden zur That, doch sie glitten aus\nmeiner Hand wie zerstiebende Blasen, und während\nsie brachen, verstand ich sic nicht* Männer wähn-\nten mich zu besitzen, und ich wähnte mich glück-\nlieh darüber und brannte\nin Sehnsucht und Hoff-\nnung und lächelte Er-\ninnerungen zu, während\nDämmerung sich über\nroten Mohn senkte. End-\nlich hatte ich bloss eine\nSehnsucht, in der alten\nVase hier unter meinen\nFüssen zu ruhen, die ich\nvor mir hatte, in meines\nGartens Sonne, und an-\nsah, bis die Gedanken\nerstarrten und ich ein-\nschlummerte in*J: dem\nSchatten der Arkaden,\nvon dem Murmeln des\nrieselnden Wassers ein-\ngewiegt. Einmal ent-\nschlummerte ich in\ngrossem Schmerz und\nerwachte und rang mit\ndem Schmerz, und er\nverschwand in meinen Armen, und ich mit\nihm* Da legte man meinen jungen starren Leib\nauf einen Scheiterhaufen, und auch er ward um-\nfangen und erhoben von den roten Armen der\nFlammen und verschwand, aber dem weissen\nStaube, der zurücfcblieb, bereitete man die Ruhe\ndort, wo ich cs bestimmt* Da verschlug auch\ndies mir nichts, da war auch dies Ersehnte an\nmir vorbei, indem es kam* Aber ich hatte einen\nTraum* Mir dünkte, dass die drei Frauen dort\nmir ihre Hände reichten, um mich in ihrem Tanze\nmitzuziehen, ich nahm sie, ich stand wie sie mit\nflatterndem Haar und Gewand, aber ich wusste\nnicht, ob ich mich bewegte und umherwirbelte,\noder ob ich Stein war wie sie*”\nLeonzinos Blick hatte während ihrer Worte\ndieselbe träumende Tiefe bekommen wie der ihre*\n„Diese Frauen,” sagte er, „was sind sie, was be-\ndeutet ihr Tanz* Warum wolltest du in ihrem\nKreise ruhen?”\n„Darum, weil sie alles innen umschliessen*\nUnsichtbar umtanzen sie uns, unser ganzes Leben\nlang, unhörbar schweben ihre Schritte, ihre Ge-\nwänder wehen kalt um deine Hände, ihr Haar\nstreicht flatternd an deiner Wange vorbei* Sie\nsind die Horen, sie tanzen den Tanz der Zeit*\nIch konnte lange Stunden liegen und sie sich\nregen sehen, wenn ich\ndie Augen halb schloss,\naber wie ich den Blick\naufschlug, standen sie\nstill. Und ich grübelte:\ndie Zeit, die Zeit, was\nist sie? Versinkt sie\nhinter uns, oder fliegt sie\nvorbei, nachdem sie kalt\nauf unseren Mund ge*\n\nSTUDIEN."}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.23", "texte": "haucht? Wir fahren auf einem Schiff; was ist\nes, das uns dahin führt? Die Segel stehen ge-\nschwellt, die Welle rauscht sterbend unter uns\nnun ist es eine neue, die hinansteigt, cs giebt den-\nselben Laut* Die Zeit ist der Wind, und sie\nrauscht über unserem Haupte, aber das Schiff,\nbewegt es sich so rasch wie sie? Steht es nicht\nganz stille, und wir wähnen bloss zu fahren, weil\nder Schaum vorübcrgleitet? Leben wir, sterben\nwir, oder ist es alles ein Trug, den wir träumen,\nin dem Rauschen um unser Haar? Der Augen-\nblick wird von der Furcht zerstört, von der Angst,\ndass etwas kommen könne, oder durch die Hoff-\nnung ; aber die Hoffnung in die Zukunft ist un-\nruhig, sie auch* Nur das Verflossene ist ganz\nhold und gross und ruhig in seiner Wehmut*\nSieh die Frauen dort im Stein an, du vernimmst\nden Rhythmus ihrer Schritte, aber die Füsse regen\nsich nicht, die Gewänder fallen nicht, das Haar\nliegt stets gleich sie sind die Stunden der Ver-\ngangenheit, die Unrast, die zu Grösse und Ruhe\nerstarrt ist*\"\nLeonzino erschauerte leicht, wie im Traume\ndes Morgens, wenn die leise Kälte des Tages-\ngrauens heranstrich, duftlos und rein, aus der\nLauheit der Sommernacht, und ihn beinahe weckte,\nso dass vor seinen Augen das erbleichende Licht\nder Sterne zitterte*\n„Und die Grösse und die Ruhe hast du jetzt,\nund du bist damit zufrieden! Du entbehrst nichts,\nbereust nichts ?\" Sie sah ihn an, mit einem matten,\nmilden Lächeln*\nEr stand leicht vorgebeugt, in einer Stellung\nweichen Flehens, die Hände gestreckt, den Blick\nerhoben die Haltung eines Jünglings, der seinem\nGriff ein Glück entgleiten fühlt, das er nicht er-\nreicht, und das zu erreichen er sich unwert dünkt,\nein Leben, das er hätte leben, einen Schmerz, mit\ndem er hätte ringen wollen* In seinem granat-\nroten Scidenrock brannte das Licht so warm,\ndass selbst die Schatten in den Falten glühten;\ndie braune Haut glänzte wie Bernstein unter seinem\nlangen lockigen Haar*\nSie sprach: „Du hast mir den Schatten des\nLebens wiedergegeben und damit den Schatten\ndes Begehrens, den Schatten der Unruhe* Wenn der\nTod jetzt bald wiederkommt, wird er mir ein leises\nLeid geben schon fühl' ich es im Blumenherzen*\n\nKATZEN-\nSTUDIEN."}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.24", "texte": "„Ja, ich entbehre etwas, bereue etwas* Wenn\nich dich so schön sehe, kann ich mich fast ent-\nsinnen, wie es war, zu lieben, sein Wesen in einem\nanderen aufgehen fühlen, sich an etwas schmiegen*\nDas war das Einzige, was Reichtum gab. Ich\nsammelte nicht genug davon, ich war müde und\nblind; es gab so vieles, das nicht von meiner\nLiebe erreicht wurde. Jetzt träume ich zuweilen\nvon dem, das ich nicht zum Meinen machte, von\njeder Sonne, die verschwand, ohne von meinem\nBlick geliebfcost zu werden, von jedem Leben, an\ndem ich stumm vorüberging, jedem Lied, das ich\nnicht sang. Und ich komme mir arm vor, und\nfriere vor Leere* Viel wärmer hätte ich mich ein-\nspinnen können, viel weiter meine Arme und meinen\nBlick strecken* Ich hätte grösser sein können*\nNur so sammelt man aus dem Vergänglichen,\nnur so erlangt man die schönste Ruhe*\n„Jetzt ist es bald vorbei mit dem Duft der\nRose, schon klopft ihr Herz sachter* Sage, was\ndu noch willst!”\nLeonzino streckte die Arme im Schmerz vor,\nund er rief in einem gewaltsamen Schreis „Dich,\ndich will ich haben, deine Liebe* Deine Worte\nkühlen, aber deine Schönheit glüht und zündet*\nIch habe nie zuvor gewusst, was Schönheit ist.\nDich will ich in meinen Armen haben*”\nIhr Blick wurde wehmütig mild, aber leuch-\ntete klarer als früher, der Busen hob sich, und\ndie Hände schlossen sich fester um die Rose, wie\num einer letzten Flamme Glut zu schützen*\n„Aber du hast mich ja, du hast mich ja in\ndeiner Liebe* Du umfängst die Form, die der\nAugenblick gab, weil sie schön war, du schlangst\nRosen um des ewig Wechselnden Erstarrung im\newig Schönen* Du hast mich ja* Sieh dort\nhinaus!” Und mit ihrer weissen Hand beschrieb\nsie einen Kreis vor sich, und Leonzino wandte\nsich und schaute*\nDa lag Florenz in dem gelben warmen Licht,\ndas der Tag giebt, bevor er stirbt, weit schöner\nals zuvor, noch blumengleicher als zuvor* Ein\nGitter leichter Wolken lag vor der Sonne, und\ndie Strahlen spannten sich wie breite, lebende,\nklingende Stränge von dem blauen Gipfel eines\nBerges hinab übers Thal, und zwischen dem\nschwärzlichen Silberglitzern der Schatten leuch-\nteten schlanke Türme und die lächelnden Wohn-\nstätten der Menschen* Die Hügel trugen scharf\nleuchtende Kämme wie Wellen, die sich über-\neinander türmen, hinter ihnen war die Nacht,\nund auf dem schönsten, auf Fiesoles Höhe ge-\nwahrte man deutlich die Reihen der Cypressen,\ngleich schwarzen Flammen im Scheine* AU dies\n\nTIEFE SONNE.\nSTUDIE."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.25", "texte": "eingerahmt von des Abhangs silbergrauen Oliven\nnach unten zu und dem weiten dunklen Dach\nder Steineichen, die sich mit Reflexen von Metall\nin den harten blanken Blättern wölbten*\n„Siehst du/' die Stimme wurde immer weicher\nin ihrem sterbenden Fall, „siehst du, da liegt\nmeine Stadt; schön wie ich war, lebend wie ich\nwar, träumend jetzt, während das Spiel der Schatten\nhingleitct* Rings um sie zieht der Stunden Tanz\nsiehst du, wie es weht, siehst du, wie die Kronen\nder Bäume sich sachte neigen? aber sie lebt\nund ist* Sie hat der Schönheit Ewigkeit* Habe\nsie lieb, lebe ihr Leben, und du wirst mich nicht\nvermissen, du wirst einstmals ebenso ruhig schlafen,\nwie ich, in dem Kreislauf der weissen Frauen,\nderen Gewänder nicht eine ihrer fliegenden Falten\nsenken, deren Locken nicht vor dem Atemhauch\nder Nachfolgenden erbeben/'\nEin Schlag wie von einer weichen Schwinge,\nein Seufzer in der Luft* Als Leonzino sich zu\nihr wandte, war sie verschwunden, und da nur\nder perl weisse Nebel, durchleuchtet und schmelzend\nin der beginnenden Abendröte* Die Rose lag\nan seiner eigenen Brust, die Hand fing sie auf*\nEr hielt sie fest und sah sie an; die Blätter\nhatten sich nach aussen entfaltet und waren weich\ngeworden, und die zwei grössten gaben ihr die\nForm eines Herzens* Sie hatte noch Duft, ganz\nschwach, aber noch feiner und schmeichelnder als\nzuvor* Immer öfter und länger verweilten auch\nseine Blicke auf der Stadt, die jetzt dunkler wurde\nin des raschen Dämmerns Beleuchtung von tiefem\nklargrünen Wasser, während die Nacht sich von\nden blauschwarzen Höhenzügen des Westens heran-\nwälzte*\n„Gefahren drohen ihr,\" dachte er, „Gefahren\ndrohen allem, was lebt* Ein ewiger Kampf ist\ndas Jetzt, und ich will mit dabei sein, um auch\nmit in des Verflossenen schöner Sage zu sein*\nWas ist es, das meine Stadt so leuchtend jung\nerhält in der Sonne, wenn nicht vieler Liebe;\nwas ist es, das sie aufrecht hält, wenn nicht starke\nHerzen, die gleich Flammen aufrecht in der Brust\ngetragen werden wollen* Nur das macht uns\nwürdig, einstmals der Stunden Tanz in Schönheit\num unseren Staub zu erwarten*\"\nEr blieb sitzen, die Rose in der Hand, als die\nNacht kam und der Mond, und alles dort unten\nein ungewisses Meer war von kalter Klarheit und\nGrösse, und der Schatten schwarzem Dunkel und\ndes Arnos Silberschlange, die hinausglitt zum\nMeer*\n\nPER HALLSTRÖM.\n\nDer\nPACHTHOF.\nSTUDIE."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.26", "texte": "LANDSCHAFT IM SPÄTHERBST.\nFERDINAND v. SAAR.\nÜber kahle, fahle Hügel\nStreicht der Dämm'rung kühler Flügel;\nDunkel, wie erstarrte Träume,\nSteh'n im Thal entlaubt die Bäume.\nTiefe Stille, tiefes Lauschen.\nKeine Welle hörst du rauschen,\nKeine Stimme hörst du klingen,\nDir des Lebens Gruss zu bringen.\nNur als stummes Bild der Gnade\nSichst du dort am steinigen Pfade,\nVon des Kreuzes Holz getragen,\nDurch die Nacht den Heiland ragen."}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.27", "texte": "DER ZIEGELSCHLAG.\nFERDINAND v. SAAR.\nWeit gedehnte, öde Strecken,\nSchmutzig-gelbe Wassertümpel;\nEinsam ragt der Schlot des Ofens\nÜber morsche Bretterschuppen.\nFahle Menschen, wie geknetet\nAus dem fahlen Lehm des Bodens,\nDrin sic wühlen, treiben lautlos\nJahr um Jahr hier ödes Handwerk.\nFüllen und entleeren Truhen,\nMischen, treten, streichen, schlichten,\nSo des Backsteins ewig gleiche\nForm verdrossen wiederholend.\nTräge ziehen vorbei die Stunden;\nAufgelöst in Staub und Hitze,\nOder rings in Kot zerfliessend,\nScheint die Welt auch hier zu Ende ..."}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.28", "texte": "HÜHNER-STUDIEN."}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.30", "texte": "AM WIESENRAND.\nBLEISTIFTSTUDIE."}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.31", "texte": "MITTEILUNGEN\nDER VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS.\nPie 111. Kunstausstellung der Vereinigung ist\nam 20. Februar nach sechswöchentlicher Dauer\ngeschlossen worden. Sie hatte ausser Werken von\nGrane, Raffaelli, Rops u. A. eine grössere Kollek-\ntion von Meunier und von Rysselberghe gebracht\nund war beherrscht von Klingers „Christus im\nOlymp“. Das gigantische Werk fand vollauf die\nBeachtung, welche seiner Bedeutung entspricht.\nAuch die, der bildenden Kunst für gewöhnlich\nferner stehenden Kreise konnten sich der Erörterung,\ndie das Erscheinen des Werkes hervorrief, nicht ent-\nziehen, so dass dasselbe einige Wochen lang das\nunvermeidliche Gesprächsthema jedes Salons, jeder\nGesellschaft bildete. An sich belanglos, giebt diese\nThatsache dem mit den Wiener Verhältnissen\nVertrauten einigen Aufschluss darüber, wie weit es\nder Vereinigung durch ihre bisherige kurze Thätig-\nfceit gelungen sei, den einen ihrer Programmpunkte:\n„Anregung des Wiener Kunstlebens“ zu erfüllen.\nAus dem gleichen Grunde wird die weiter unten\ngebrachte Liste der angefcauften Werke sowie der\ngrosse Erfolg der Auktion des künstlerischen Nach-\nlasses Theodor von Hörmanns interessieren, be-\nsonders wenn man in Betracht zieht, dass die neu-\nerwachte Kauflust des Publikums nicht nur den\nUnternehmungen der Vereinigung, sondern auch\nallen den anderen zahlreichen in letzter Zeit hier\nstattgehabten Ausstellungen und Auktionen in der-\nselben reichlichen, seit Jahrzehnten nicht mehr\nbeobachteten Weise zu gute gekommen ist.\nDie Umgestaltung des Hauses für die Zwecke\nder 111. Ausstellung war durch Josef Hof mann, O. M.,\nerfolgt, das Plakat von Josef M. Olbrich, O. M.,\nentworfen worden.\nHörmanns Werke waren eine Woche lang aus-\ngestellt; ein Teil seines Nachlasses kam am\n27. Februar zur Versteigerung. Die Galerie-\nDirektionen, die Sammler und die Privatkreisc\ndes Publikums wetteiferten im Erwerb der Werke.\nAus dem Erlös bestimmte die Witwe unseres un-\nvergesslichen Kampfgenossen, Frau Laura von\nHörmann, den Betrag von fl. 20000 für eine\nKunstzwecfcen gewidmete Stiftung.\nJ*\nDie IV. Ausstellung der Vereinigung, welche\nsowohl ordentliche als auswärtige Mitglieder reich\nbeschickten, wurde am 18. März eröffnet. Für die-\nselbe hat Josef M. Olbrich, O. M., einen Mittelraum,\nJosef Hoffmann, O. M., drei Seitenräume und ein\nKunstgewerbezimmer adaptiert und das Plakat\nAlfred Roller, O. M., entworfen.\nDie erste diesjährige Abteilung der Kunst-\nbeilagcn zur Gründerausgabe von Ver sacrum ent-\nhält in dem, diesmal mit einer Originalschablone\nKoloman Moser, O. M., geschmückten Umschläge\nfolgende Kunstblätter in signirten Specialdrucken:\nAlte Frau. Originalholzschnitt von E. R. WEISS.\nDruck vom Stock.\nSommernacht. Originallithographie in 3 Platten\nvon W. BERNATZIK, O. M.\nHeilige Nacht. Originalholzschn. von FRIED-\nRICH KÖNIG, O. M. Druck von den Stöcken.\nRuine. Originalradierung von JRUDOLF JETT-\nMAR, O. M.\n\nMEIERHOF.\nSTUDIE."}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189903-01.1.32", "texte": "AUSSTELLUNG jtjtjtjtjtjtjtjt\nDER VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS,\nSECESSION WIEN, VOM 12. JANUAR BIS 20. FEBRUAR J 899.\nj» * * j*LISTE DER VERKAUFTEN WERKE.\nBECK, FRIEDRICH, Wien. „Studie.\"\nBURGER, FRITZ, München* „Frauentypen vom Münchener Künstler-fest*“\nGRANE, WALTER, London* „Hof in Sorrent“, „Frühling in der römischen\nCampagna*\nJETTMAR, RUDOLF, Wien. „Zum Jüngsten Gericht“, „Die Zeit“, „Das\nVerhängnis“*\nKRUIS, FERDINAND, Wien* „Gouache“.\nMEUNIER, CONSTANTIN, Brüssel. „Mutterglück“ (Bronze), „Ophelia“\n(Bronze), „Kinderkopf“ (Bronze), „Antwerpcner Ausladcr“ (Bronze), „Der\nCrevettenfänger (Bronze) 2mal, „Walküre“ (Bronze), „Die Tränke“\n(Bronze), „Die Scholle“ (Bronze), „Die Puddler“ (Bronze), „Der Holz-\nhauer“ (Bronze) 3 mal.\nOLBRICH, JOSEPH U*, Wien* „Handleuchter“ (Holz).\nRAFFAfiLLI, JEAN FRANCOIS, Paris. „Auf der Bank“, „Der Invalidcn-\ndom“, „In der Ebene“, „Auf dem Wege“, „Der Weg mit den grossen\nBäumen“, „Am Wasser“, „Die Schauspielerin auf der Bühne“, „Der\nGarten der alten Jungfer“, „Die Schauspielerin auf Reisen“, „Der Hundc-\nwascher“, „Am Bettrand“, „Boulevard des Filles du Calvairc“, Bei der\nToilette“, „Die Seine bei Asnteres“, „Der Umzug.“\nROPS, FELICIEN, Paris, f „Selbstporträt“, „A un diner Oude\nKate“, „La peine de mort“, „Parallelisme“, „La Lyrc“, „Les derniers\nFlamands“, „Masques modernes“.\nRYSSELBERGHE, THfiOVAN, Brüssel. „Aktstudie“ Rückenansicht,\n„Fischerboote von Volendam',, „Vlicssingen“, „Fischerboote von Volen-\ndam“, „Venedig*, „Der Hafen von Dortrecht“, „Venedig“, „Konstantinopel“,\n„Der Regenbogen“, „In den Dünen von Kadzand, Zeeland“, „Der Turm\nvon Furnes, Flandern“, „Porträt eines jungen Mädchens“, „Amsterdam“,\n„Schiffe im Regen“, „Eine Dame bei ihrer Toilette“, „Tanzende Mäd-\nchen“, „Fischerboote von Volendam“, „Aktstudie“, Mädchen, ihr Haar\nordnend.\nFür die Redaktion verantwortlich: Dr. Franz Zweybrück, Wien.\nDruck von Breitkopf & Härtel in Leipzig,"}]}