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VON LUDWIG HEVESI 3\nGRAPHISCHE KÜNSTE. VON GUSTAV GUGITZ J5\nEIN GRAB. VON PAUL ALT HOF 25\nMITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDEN-\nDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS 26\nABBILDUNGEN VON WERKEN AUS DER\nIV. KUNSTAUSSTELLUNG 2—24\nSEITE\nZEICHNUNGEN VON KOLOMAN MOSER\nUND ADOLF BÖHM 25-28\nRADIERUNGEN VON FERDINAND\nSCHMUTZER 29—32\nREDAKTION: FRIEDRICH KÖNIG. KOLOMAN\nMOSER. JOSEPH M. OLBRICH. 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Die\nLeute sahen zu, kopfschüttelnd oder spottend, und\ngaben die paar Abenteurer verloren. Ein Jahr\nverging in stiller, rastloser Arbeit; die Leute war-\nteten, was herauskommen würde. Das zweite Jahr\nerst konnte praktische Sezession bringen: Aus-\nstellungen, das fertige Haus, die Versteigerung\nHörmann, Die Leute staunten, lachten, rissen\nschlechte Witze, stimmten zu, lobten, waren be-\ngeistert, Es war ein interessantes Kapitel zur\n„Psychologie der Massen”, die ja jetzt mehrere\nGelehrte wissenschaftlich beschäftigt. Innerhalb\neines Jahres ist dieser grosse Umschwung einge-\ntreten, Die Gegner sagten missmuthig: es ist eine\ngeistige Epidemie, eine Psychose der Menge, die\nvorübergehen wird. Aber sie ging nicht vorüber,\nvielmehr begannen die Gegner nach Pfaden aus-\nzulugen, die es ihnen möglich machen könnten,\nungefähr parallel mit dem breiten, geraden Wege\nder Sezession in der nämlichen Richtung fortzu-\nschreiten. In diesem einen Jahre ist ganz Wien\n„sezessionistisch” geworden. Der historisch ge-\nwöhnte Architekt wirft seine Stilarten über Bord\nund sucht zu vergessen, dass er im „Stilvollen”\naufgewachsen. In den alten Kreisen scharrt man\ndie Restchen von jugendlichem Sauerteig zusam-\nmen und ermuntert sie frisch drauf los zu gähren;\ndie nämlichen Dinge, die noch vor zwei Jahren\nals unmöglich zurückgewiesen worden, erhalten\njetzt Medaillen* Grosse Handlungshäuser, tonan-\ngebende Fabriken, die vor einem Jahr noch Cita-\ndellen des Altherkömmlichen gewesen, trachten\nsich schleunigst zu verjüngen und halten „moderne”\nLager, Die Kunstgewerbeschule, vor einigen Mo-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1670, "texte": "naten noch eine Bastille Wiens, die für uneinnehm-\nbar galt, ist über Nacht gestürmt; nein, sie hat\nsich ergeben und sucht sich einen neuen Komman-\ndanten, eine neue Besatzung aus dem Lager der\ngestern noch verhöhnten Sezession* Das Jubiläum\ndes Kaisers regt zu grossen Unternehmungen an;\nunter den kostbaren Adressen machen die alt-\nmodischen schon den Eindruck von Humoresken;\nin der Gewerbeausstellung, deren Juries noch alles\nModerne fallen Hessen, fällt der Beifall des Publi-\nkums schon den Jungen zu; unter den Fracht-\nbüchern, welche die Kunstverleger herausgeben,\nerweisen sich blos die von Modernen unterstützten\nals gangbar* Der Frühling kommt, und die\nWohlthätigkeit giebt ihren Festen einen „sezessio-\nnistischen” Anstrich, um sie einträglich zu machen*\nAlle Gewerbe stürzen sich in die Strömung, die\nsich so tragfähig erweist* Hat es doch schon so\nlange überhaupt keine Strömung in unserem Kunst-\nleben gegeben! Wer Neues macht, hat plötzlich\nalle Hände voll zu thun, er kann den Bestellungen\ngar nicht genügen* Ehrsame Familien, die auf den\n„Urväter-Hausrath” schworen, beginnen ihn mit\nden neuen Typen zu mischen; die Damen, mit\nihrem ewigen Sinn für das Junge, voran* Wenig-\nstens das Boudoir, oder das Mädchenzimmer, oder\ndas Rauchzimmer muss modern sein; hochmodern,\nso modern als möglich* Und bereits stösst auch\ndas moderne Haus, die persönliche Wohnstätte,\nauf lebendiges Verständniss* Ja, selbst der Phan-\ntasie des Schneiders wachsen Pegasus-Schwingen\nund sie glaubt sich zu symbolistischen Taillen-\nschnitten und mystischen Verschnürungen erheben\nzu sollen*\nMode! sagen die Geringschätzigen* Alles Mode,\ndie morgen vorüber sein wird! Nun, dieses"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 895, "texte": "„Morgen” wird im Auslande schon seit Jahren\nverkündet* Gut; wir sind schon zufrieden, wenn\nes fünfzehn Jahre lang immer heissen wird: „Mor-\ngen”* Warum gerade fünfzehn Jahre? Wegen\nder Analogie mit dem Rokoko* Hat doch, genau\ngemessen, das Rokoko eigentlich nicht länger als\nfünfzehn Jahre in Saft und Kraft gestanden*\nAber in dieser Spanne Zeit übte es eine Allmacht\naus, der sich selbst die Chinesen beugten* Unter-\ngehen freilich musste es, weil es ein ewiges Ver-\nsteckenspiel mit der Natur war* Eine andere\nNatur, als die natürliche* Die moderne Kunst-\nweise wird länger leben, weil sie ein Ausdruck\nder Natur sein will* Sie schafft im Geiste der\nNatur; selbst der Tischler thut es, wenn er sein\nMöbel so bedürfnissgerecht als irgend möglich er-\nsinnt* Unser naturwissenschaftliches Jahrhundert\nhat noch ganz zuletzt auch die Kunst wieder auf\nnatürliche Grundlagen gestellt, nachdem vorher,"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2309, "texte": "in historisch-philosophischen Zeiten, alles \"Wissen\nund Können, alles Denken und Schaffen auf\npapierenem Boden gestanden* Dieser moderne\nGeist hat mehr als fünfzehn Jahre vor sich* Er\nhat eine neue Kunst angebahnt, die ebenso lange\ndauern und ebenso viele Wandlungen durchmachen\nkann, wie die alte*\nEinstweilen haben wir allen Grund, uns des\nAugenblickes zu freuen* Der durchschlagende\näussere und innere Erfolg ist ein Beweis, dass die\nSezession gethan hat, was in dem Augenblicke\ngethan werden musste, worauf der allgemeine Zu-\nstand der Geister gebieterisch hindrängte* In die-\nsem Sinne war die Sezession ein Naturereignisse\nUnter Donner und Blitz und starken Erschütte-\nrungen ging die Erfrischung vor sich, die das\nPublikum jetzt in allen seinen Nerven spürt*\nIn der That, dieses Publikum ist ganz verjüngt,\nes ist wieder jung in seinen Interessen und Lieb-\nhabereien, in der Wärme seiner Parteinahme, in\nseiner Aufnahmsfähigkeit und ** * Kauflust* Es\nist eigentlich zum Staunen, wie rasch es der Se-\nzession gelang, dem Publikum die Augen zu öffnen*\nEinem Publikum, welches so ausserhalb Europas\ngeblieben war, dass bahnbrechende Künstler der\nNeuzeit ihm nicht weniger unbekannt erschienen,\nals einem Congoneger* Ich übertreibe nicht; als\neinem Neger vom obersten Oberlauf des Congo*\nDie grosse Menge unserer Gebildeten hatte selbst\ndie Namen Meunier, Rodin, Charpentier, Dampt,\nGrasset, Van der Velde, J* W* Alexander, Van\nRysselberghe, Baertsoen u* s* f* niemals vernom-\nmen* Diese ganze grosse neue Kunst war den\nWienern eine vierte Dimension geblieben* An-\nfangs versuchten sie nach alter Wiener Art sich\ndarüber hinwegzuscherzen* Aber diese Dinge er-\nwiesen sich zu unabweislich* Es ist in ihnen\num ein Bismarck'sches Lieblingswort zu gebrau-\nchen eine „werbende\" Kraft, der auch Wien\nnicht widerstand* Anfangs schien Alles zu neu,\njetzt wird bald nichts mehr neu genug sein* An-\nfangs vertrug man einen Besnard oder Zorn\nschwer, ja gar nicht; wenn die Zorn-Ausstellung\nerst heute käme, fände sie wohl mehr Verständ-\nnisse Das Publikum ist bereits so weit erzogen,\ndass Theo Van Rysselberghe, der mit seiner\nPunktirkunst ein Jahr früher in der Gartenbau-\ngesellschaft ohne Zweifel verhöhnt worden wäre,\nkaum noch einigen Widerspruch erregte* Bewun-\ndert wurde er und erzielte einen förmlichen Aus-"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1963, "texte": "verkauf* Klinger's „Christus im Olymp” hat viel-\nleicht nirgends so tief gewirkt, als in Wien* Heute\nist nichts so ungewohnt, dass die Wiener nicht\nwenigstens den ehrlichen Versuch machen sollten,\nes zu begreifen* Früher war dies in Wien blos\nbei musikalischen Leistungen möglich* Dass die\nalte Musikstadt Wien endlich dahin gebracht wor-\nden, sich für eine Frage der bildenden Kunst so\nzu erhitzen, ja zu „echauffiren”, ist der grösste\nErfolg der Sezession* Selbst die Aufmischung\ndurch Hans Makart, in seinen ersten Jahren, ist\ndamit nicht zu vergleichen, schon weil sie einen\nmehr lokalen Charakter hatte* Nur der Kampf\nund Sieg der Wagnerianer, in Wien wie in aller\nWelt, ist eine Erscheinung, die sich mit dem Tri-\numph der Sezessionen in allen Hauptstädten der\nWelt messen kann*\nUnter den engen künstlerischen Verhältnissen\nWiens war das Unternehmen der Sezession eine\nThat des verwegenen, jugendlichen Idealismus*\nOpfermuthig und arbeitsmuthig stürzten sich die\nNeunzehn, aus denen die heutigen Siebzig gewor-\nden, in einen Kampf, dessen Ausgang höchst un-\ngewiss war* Ein Glück noch, dass sie mehr Künst-\nler als Geschäftsleute sind* Hätten sie z* B*\ngeahnt, dass sie die erste Ausstellung in der\nGartenbaugesellschaft 40000 Gulden kosten werde,\nso wäre ihnen vielleicht der Muth gesunken* Aber\nsie wussten es nicht und das Wiener Publikum\nhalf* Selbst diese kostspielige Ausstellung erzielte\neinen Reingewinn* Immer günstiger gestaltete sich\ndie wirtschaftliche Lage* Gelder, denen so von\nselber der melancholische Charakter des „fonds\nperdu” anhaftete, wurden erstaunten Förderern\nzurückgezahlt, ja selbst ein verhältnissmässig an-\nsehnlicher Betriebsfonds sammelte sich an* Nur\nein Jahr und das anfangs so schwankende\nGebilde steht auf festem Boden* Es hat sich\ndurchgesetzt, es hat Achtung und Liebe gewon-\nnen* Die frohe Zuversicht, mit der man heute\nin die Zukunft blickt, ist zweiseitig; nicht nur\ndie Künstler haben sie, sondern auch das Publikum*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-07_01#c005", "volume": "bmtnabf_1899-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "3", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.2.4.1", "titre_corps": "PORTRÄT", "titre_sommaire": "PORTRÄT", "signature_source": "P. 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.2.12", "titre_corps": "GRAPHISCHE KÜNSTE", "titre_sommaire": "GRAPHISCHE KÜNSTE", "signature_source": "GUSTAV GUGITZ", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1171, "texte": "GRAPHISCHE KÜNSTE\n\nEs ist merkwürdig, dass die graphischen Künste\nsolange keine würdige Beachtung fanden. Sie hatten\nkein rechtes Publicum, ich meine da natürlich\nnicht eines, das sich seine illustrierte Zeitung kauft\nund damit genug gethan hat, ich meine damit ein\nPublicum, das eine Ausstellung dieser Künste zu\nschätzen weiss. Und doch ist nichts geeigneter\nauf das Publicum zu wirken, als das Graphische.\nEs ist das eine populäre Kunst. Immer hat diese\nKunst sich an die Erscheinungen des täglichen\nLebens selbst gehalten, wenn sie producierend war,\nund aus dem Leben holte sie ihre Erfolge. Man\ndenke an Hogarth, Chodowiecki, Callot und an\ndie Franzosen des XVIII. Jahrhunderts. Das sind\nlauter vertraute Sachen, häusliche Scenen mit viel\nMoral und manchmal mit wenig Tugend, Scenen\naus dem Treiben aller Stände und jeder kann sich\nseinen Theil nehmen und braucht nicht viel dabei\nzu denken* Und das war das Schöne an diesen\nKünsten, dass man nicht viel zu denken brauchte,\ndass sie technisch so wirkten, wie das Leben selber\nist, dass das Publicum an ihnen in erster Linie\nsehen lernen sollte. Und mit den Augen wird\nauch das Herz aufgehen und wird aus dem Gedränge"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3067, "texte": "der Striche, Schatten und Lichter das Dauernde,\ndas hinter dem Kleinsten auch liegt, wenn die\nKunst cs leitet, holen*\nIch will mir da mit Goethe helfen* „Das\nSchlimmste aber ist”, sagt er einmal, „dass alles\nDenken zum Denken nichts hilft; man muss von\nNatur richtig sein, so dass die guten Einfälle immer\nwie freie Kinder Gottes vor uns dastehen und uns\nZurufen: „Da sind wir!” Die graphische Kunst\nhat dieses „Da sind wir” in allen Stücken gepflegt\nund darin ist sie die Vorläuferin und das Vorbild\nmoderner Malerei geworden*\nEs ist ja auch keine Kunst geeigneter die\ndunkle Kraft des Lebens und seine flüchtigen\nSchatten der Handlungen in ihre Aeusserungen\naufzunehmen, die von Natur aus veranlagt sind,\njedes Ding präcis zu charakterisieren* Sie kann\nfesthalten durch die Schärfe des Striches und durch\neine gewisse Symbolik desselben, die gleich wie\ndas Schicksal wirkt* Man braucht da bloss Büschs\nhumoristische Zeichnungen anzusehen, wo da ein\nStrich mehr Eindruck macht, als wenn an seiner\nStelle viele wären* Auch das, dass das Graphische\nsich noch immer nicht recht in die Farbe finden\nkann, wenn auch manche treffliche Versuche schon\nbestehen, hat viel Bedeutung an sich* Es mag\neinerseits der Grund sein, dass das Publicum so\nwenig Sympathie für diese Kunst gewinnen konnte,\nweil zwischen ihren zwei Grundtönen so viele\nliegen können, die vermitteln und trösten, aber\ndie gerade fehlen* Anderseits wirkt indessen wieder\nin dieser Kargheit eine mächtige Suggestion, die\ndas arme und elende Leben deutlich macht, das\nso wenig an Köstlichkeiten der Farbe hat und\nwo alle Dinge durch die Nacht des Gestern\nverlebt, grau und wie vom Tod berührt aus-\nsehen* Diese natürlichen Wirkungen sind ein\nZeichen, auf welch' einem realen Boden das Gra-\nphische steht und immer gestanden ist* Immer\nschuf diese Kunst lebendig und es ist kein Wunder,\ndass sie ebendadurch national schuf* Indem sie\nimmer nur aus dem nächsten Leben schöpfte,\nwurden Hogarths Werke so sehr englisch und die\nGoyas spanisch und könnten auf keinem anderen\nBoden entstanden sein* Internationales ist in ihrem\nWesen viel weniger gelegen als in dem der Malerei*\nDieser Duft von Nationalität schafft dem Gra-\nphischen jetzt manche Gönner* Namentlich in\nFrankreich, wo vor einiger Zeit die Centenarfeier\nder Lithographie zu Paris abgehalten ward, erlebte\ndadurch Raffet, der Menzel des grossen Napoleon,\nseine Auferstehung* Nichtsdestoweniger wäre an\ndiesen historischen Uebungen weniger gelegen,\nwenn sie nicht dieses Leben hätten* Es sind\nSoldaten, es ist der Krieg, und wenn man das\nsieht, versteht man Napoleon* Wo hat man damals\nähnlicheres gesehen? Wenn David die Revolution\nmalte und man hätte seinen Menschen die Kleider\ngenommen, so hätte man griechische Gestalten\nerblickt, moderne Menschen niemals*\nWährend die Malerei sich in den Aeffereien\neines verflossenen Stils gefiel, in „Gedanken über\ndie Nachahmung der griechischen Werke” medi-\ntierte, bis sie darüber einschlief, hatte sich die\nGraphik, selbstverständlich als rein producierende\nKunst, gänzlich in ihrem ursprünglichen Zweck er-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2469, "texte": "halten , für das strömende\nLeben zu schaffen* Auch\ndie alten Stecher und\nSchneider haben sich ja\ndaran gehalten und es ist\nja ganz rührend zu lesen,\nwie die deutschen Gra-\nphiker Weib und Lehr-\njungen auf die Messe\nschickten, um dort ihre\nProducte „kreuzerweis” zu\nverkaufen* Und es war\nauch gut, dass sie sich\nda an keine Antike und\nan nichts Fremdes halten\nkonnten, weil ja das ihren\nAbnehmern unverständ-\nlich war und nur Heiligen-\nbilder, Landsknechte, Bau-\nernscenen Anwert hatten*\nSo waren sie gezwungen\nmit dem Tag zu gehen\nund die Culturgeschichte\nzieht den besten Nutzen\ndaraus* Und so wird ihr\nWerk so sehr historisch,\nweil sie sich so getreu an\nihre Gegenwart hielten*\nEs ist fast wie ein\nWunder, dass sich diese\nKunst hierin so consequent\nblieb, sie ist doch in näch-\nster Linie auch reprodu-\ncierend thätig gewesen*\nJa, es schien fast, als ob\nsie in dieser berechneten\nHauptaufgabe gänzlich\naufgehen wollte* Ich ver-\nkenne gewiss namentlich\ndas bildende Moment da-\nrin nicht, sowie das sociale\nin der leichteren Zugäng-\nlichkeit* Morghens Stich\nnach da Vincis Abend-\nmahl verdiente im Zimmer\nzu hängen und war zu\nerwerben* Und gäbe es\ntüchtige Uebersetzer der\nMalerei in's Graphische,\nwie Unger, genug, dann\nwürden die Meisterwerke\nder alten Schulen gewiss\nden Sinnen der vielen\nnäher gebracht werden,\ndenn in Wahrheit weiss\nselbst der sogenannte Ge-\nbildete, sagen wir kurz die\nHauptmasse der Studenten\nsehr wenig nur um die\ndeutsche Kunst* Man\nwird vielleicht von den\nverdächtigsten griechi-\nschen Torsen sprechen und\nman kennt den Ewald\nKleist und den Gersten-\nberg, aber von Dürer hat\nman weder die Passion\ngesehen, noch von Holbein\nden Todtentanz, die da-\nmals durch die Hände\ndes Bürgers gegangen sind*\nJetzt freilich sind dafür alle\nAugen blind* Für eine\nVerstärkung, für ein Wie-\ndererwachen der Liebe zur\nKunst wäre diese rein ver-\nvielfältigende Kunst frei-\nlich nothwendig, sie sollte\nhierin vom Staat subven-\ntioniert und ihre Werke\nsollten an die Schulen ge-\ngeben werden* Nichts-\ndestoweniger soll hier nur\nihre Selbständigkeit in\nBetracht kommen, denn\nnur durch diese allein wird\nsie so bedeutend, während\nsie durch die ewige Copie\nleicht verleitet hätte wer-\nden können, sich in ihren\nselbständigen Werken in\nden Geleisen zu bewegen,\ndie durch eine gleichzeitige\nMalerei ausgefahren wur-\nden* Indessen ist aber in\nihrer ganzen Technik die\nverflossene Malerei günstig\nfür solche V ervielf älti-\ngung gewesen, während\ndie jetzige, die doch so"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2449, "texte": "sehr oder fast nur allein\nvon der Farbe abhängt,\nsich einer graphischen Be-\nhandlung gegenüber spröd\nverhält* Wie sich Bilder\nvon den Schotten etwa\noder Whistler graphisch\nauch ausnehmen mögen,\nsie können uns in der Re-\nproduction nie das sagen,\nwas sie uns unter dem\nEinfluss ihrer Farben bie-\nten* Das Graphische muss\nsich daher aus eigenen\nMitteln gerecht zu werden\nsuchen*\nDa berührt es daher\nwundersam, wenn in dieser\ndunklen Kunst vergangene\nZeiten mit so heimlichen\nund vertrauten Stimmen\nreden, dass auf einmal\nstarke Düfte aus ihnen her-\nvorbrechen wie aus „ver-\ngessenem Flacon”, die so\nergreifen, während neben-\nher die Kunst der Farben\ngeht, verschlossen und\nkalt, wie Aschenbrödel in\neinen schweren Mantel ge-\nhüllt, unter dem erst das\nwahre festliche Kleid ver-\nborgen ist* Da mussten\nfreilich die Prinzen erst\ndreimal tanzen, bevor es\nganz zum Vorschein kam,\nwie ehemals* Und wo lag\ndenn dieser Zauber des\nGraphischen, dieser coup\nde foudre, der traf und\nwie eine Erkenntniss war?\nDas war die unvergleich-\nliche Fülle an Natur, die\nsich in diesen Werken bot!\nAuf das Graphische übte\ndie Malerei in ihrer ver-\ndorbensten Zeit fast gar\nkeinen Einfluss* Goyas\nkühne Radierungen waren\nzur Zeit Mengs entstanden\nund Hogarths schwerer\nNaturalismus feierte zur\nselben Zeit fast seine Siege*\nEs war nur schwer zu\nbegreifen, warum diese\nThaten alle wieder so ver-\ngessen wurden*\nDass die damalige Ma-\nlerei trotz allem wegen des\nAnscheins der Farben im\nVortheil war und die arme\ndunkle Kunst unterdrük-\nken konnte, ist zwar keine\nFrage* Aber dass diese\nKunst für sich, die doch\nso sehr für das Populäre\nberechnet ist, eben beim\nPublicum in den Verfall\nkam, mag vielleicht nur\nin der gleichzeitigen Ver-\ndorbenheit dieses durch\ndie Malerei herrühren*\nAusserdem betrieben die\nKünstler Graphik meist\nals Nebensache, zeigten\naber hier meist allein ihre\nNatur* Dass die Graphik\nsich aber trotzdem erhielt\nund in der Unwidersteh-\nlichkeit ihrer natürlichen\nAuffassungen sich erhalten\nkonnte, wobei sie freilich\nbeim Publicum eine un-\ngerechte, untergeordnete\nStellung einnahm, ver-\ndankt sie hauptsächlich\nihrer Widmung an die\nIllustration* Im Allge-\nmeinen ist die Illustration\nverrufen als Unterstützung\nder Denkfaulen und Stö-\nrung der eigenen Phan-\ntasie* Auch hatten viele\nRecht, wenn sie behaup-\nteten, dass sich dabei\nviel Dutzendzeichnerei ein-\ndrängte* Ja* Es konnte\nauch nicht jedem Buch\ndie Ehre widerfahren vom\nEtchingclub illustriert zu"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3163, "texte": "werden* Auch ist ja nur\nbei uns die Misere in diesem\nArtikel merkwürdig so\ngross* Es gibt ja so wenig\nBlätter, die zugleich po-\npulär und künstlerisch in\nder Illustration wären* Fast\nalles ist Handwerk und\ndie reine Manier des Zeich-\nnerischen wird nirgends\ngepflegt* Und doch bot\nsonst allenthalben die Illus-\ntration eines Journales,\neines Buches die wunder-\nbarste Gelegenheit, auf\ndie kleinen und grossen\nZufälligkeiten des Lebens\nintim einzugehen, die un-\nbeachteten Posen und ihre\nPoseure des Augenblicks\nfür ewig aufzunehmen,\nvon jedem Ding das sonst\nFlüchtige und Uninteres-\nsante als auch ein Wesent-\nliches seines Charakters zu\nbringen und wieder die\nkrause Linie des Lebens\nzu stilisieren, dass man\nklar wurde über alles*\nHekuba konnte diesen\nKünstlern freilich nichts\nsein, aber Rosenkranz und\nGüldenstem und jeder an-\ndere Ueberschuss war eine\nheitere und auch trübe\nQuelle*\nFreilich konnte dann\ndas Graphische nur dort\nrecht gedeihen, wo es aus\nallen Gegensätzen, aus\neinem unablässigen Gehen\nund Kommen seine Stoffe\nschöpfen konnte* In der\nsteten Bewegung des Le-\nbens, die sich aus dem\nkleinsten Rade auch ab-\nleitete, lag sein Heil* Paris\nund London waren da\ngleich anfangs die Haupt-\norte* Das Schaffen war\ngleich erleichtert* Ob es nun eine Illustration oder\neine selbständige Arbeit war, beide wirkten gleich\nwie ein Text ohne denselben, sie waren immer ein\nKunstwerk für sich* Es floss in ihnen wie ein reiches\nWissen, das aus einer fortwährenden Arbeit kommt*\nMan könnte aus ihnen alles erkennen lernen* In den\nentzückenden französischen Blättern parfümierter\nLaster, die nur das nächste Leben desßococo zeichnen,\nKavaliere, die einen kühnen Ueberfall unternehmen\noder gewagte Stellungen ihrer Damen beobachten,\nwandelten sich das Gewirr und der Duft zarter\nSpitzen, verschnörkelter Möbel, die bemalten Fächer\nund galanten Degen in die harte und graue Oede\nder Revolutionsgefängnisse* Englands Moralinsäure,\nwässerig wie sein Thee\nund unverdaulich wie\nseine Butterbrode, wan-\ndert durch die W erke\nHogarths, fein säuberlich\nin ganze Romane ge-\nkleidet, eine andere Col-\nlection Tauchnitz* Aber\nman konnte daraus sehen\nund die Zeit mehr ver-\nstehen lernen, als aus der\nZahl der Historienbilder*\nAber wo ist auch nur\ndas deutsche Wesen des\n18* Jahrhunderts besser\nerhalten? Wer kann denn\nbesser diese gespreizte Zeit\nder Familie, der kleinen\nHeimlichkeiten und Sor-\ngen, das steife Menuett\naller ihrer Gefühle, die\nverschlafen und unmuthig,\naber immer preciös gingen,\nin die deutlichste Form\nbringen als Chodowiecki\nin seiner Unzahl von Illus-\ntrationen? Aber während\nin Deutschland dieser Mann\nlange eine vereinzelte Er-\nscheinung blieb, förderte\ndie graphische Kunst zahl-\nreicher Journale Londons\nund Paris immer neue\nTalente zu Tage, die alle\nauf die Natur losgingen,\nnamentlich in Paris, wo\ndie sich in steter Revo-\nlution gegen alles befind-\nliche Menge sich so frucht-\nbar zeigte* Da bemäch-\ntigte sich ein Daumier\nund Gavarni ihrer Typen\nund die Historik gelang\nso besser als wenn man\ndie Barrikaden gezeichnet\nhätte* Man sieht zwar\nnur dicke Bourgeois, ver-\nwöhnte Lebemänner, Job-\nber, Staatsmänner, grosse\nCocotten mit witzigen Ver-"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1986, "texte": "sen darunter, Näherinnen, Commis etc* Inmitten des\nFroufrous belgischer Spitzen und italienischer Seide\nund wohlanständiger Piquegilets treibt sich aber\nein verdächtiger Geselle herum, der nichts hat und\nthut, von Schmutz und Gefährlichkeit droht, der\nThomas Vireloque Gavarnis, der erste Anarchist,\nder Prolog zu der grossen debäcle* Immer mehr\nmischen sich diese Ueberzähligen ein, die furcht-\nbare Decadenz des Lebens* Dirnen, Säufer,\nStrolche mehren sich auf den Blättern dieser Künst-\nler bis Rops, ein wüster Sabbath des Elends und\ndie Vorzeichen des Naturalismus, der die brache\nKunst vom Grund aus auf riss und umackerte und\nihr die Winterstarre benahm*\nSo war es kein Wunder, dass alle Stürmer\nmoderner Malerei auf diese graphischen Vorbilder\nzurückgingen, sie wie eine Erlösung anstaunten\nund an ihrer That sich weiter bildeten* Muther\nberichtet von Menzel, dass er alle möglichen Werke\nKeenes, eines famosen Zeichners englischen Lebens,\nauf kaufte, und Millet, der grosse Naturalist, ging\nin die Schule der erwähnten Gavarni und Daumier*\nIn ihrer leichten und flüchtig: scheinenden Auf-\nfassung: lag- die Wahrheit, sie hatten den Mut zu\njedem Stoff und durch das Plaudernde seines Hand-\nwerkes wirkte das Graphische so ungezwungen\nwie das Leben selbst*\nIn Deutschland ward freilich für die blosse\nErziehung des Auges am wenigsten gethan* In\nEngland bekommen die Bürgerskinder schon in\nfrühester Jugend die kunstvollen Bilderbücher oder\ndie Shillingsfibel des Grane in die Hand* Ich kann\nmir nun gar nicht denken, dass diese Kinder, die\nan diese edle Einfalt der Linie gewöhnt sind, nun\nanders, als feine Beobachter der Kunst im Leben\nselbst, der Grazie des Augenblickes werden könnten*\nDas trägt reiche Zinsen zu ihrer Cultur* Solche\nweishafte Augen lernen, wie die Kunst in der\nNatur einsetzen soll und wie sie allmählich diese\nedelt zu einem einzigen und reinen Genuss, sie\nlernen das Leben, das selbst eine geheime Kunst\nist, schliesslich kennen und schätzen ein, wie viel"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1949, "texte": "Kunst noth thut und welche , die dem Leben ge-\nrecht wird, dass seine Wunder offenbar und wie\nin einer Schale von köstlichem Edelgestein ge-\nboten werden* Und einen solchen Ausgleich\nzwischen der Natur und der Kunst strebte das\nGraphische auch an*\nAber diesen hat das Graphische nicht allein\nim Dienst des Tages unternommen, sondern in\nseinen freieren Werken, die wie das Bild unmittelbar\nkünstlerisch wirken sollen* Bedeutend ist die Zahl\nderer geworden, die die unabhängige Graphik\npflegen* Eine Zeit lang schien es fast, als ob sie\nsich hierin aufgegeben hätte* Dem Publikum war\ndiese Production fast ein Geheimniss geblieben* Es\nvollzogen sich aber innerhalb dieses Wirkens ge-\nrade die bedeutendsten Vorgänge* Sehen hatte\nman von dieser Kunst schon lernen können,\njetzt sollte man auch noch die Seele vernehmen*\nMan wollte mehr als das blosse Leben haben, man\nwollte sein Wunder* Die rohe Kraft des Lebens\nallein, die immer gleich ins Gesicht schlug, gab\nimmer mehr die äusserliche Bewegung, das intime\nEingehen auf diese Kraft aber gab Vorgänge, die\nauch auf eine gewisse Symbolik des Aeusseren An-\nspruch erhoben, die die Feinhörigkeit und Fern-\nsichtigkeit des Künstlers verdeutlichte, Vorgänge,\ndie den an und für sich objektiven Gegenstand in\ndas Subjektive seiner Beziehungen zu allem und\njedem rückten, damit „Erweckung und Erbauung”\nfolgte* Es war zugleich eine Versöhnung der\nKunst, die das Ungebundene des Lebens in den\nordnenden entsprechenden Stil setzen muss*\nDa setzten nun die Klinger, Thoma, Stauffer,\nBlake, WTistler, Zorn, Rops und die vielen anderen\nein und suchten diese Versöhnung zu geben* Man\nsah da wieder in all dem Leben die Kunst mit\nNatur gehen, die bösen stürmenden Instinkte\nsich klären und über allem war die Herrscherhand\ndes Individuums, das sich so lange den Dingen\nuntergeordnet hatte* Man brauchte nicht mehr\nzu verzagen, dass das ungefüge und stumme Wesen\nder Körper eine qualvolle unversöhnliche und starre"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1752, "texte": "Macht bleiben sollte, sondern man gewahrte einen\nlebendigen Baum aus ihnen steigen, der seine\nBlätter und Blüten in den, der aus unserer Seele\nwunderbar steigt, zärtlich rankte* Dieses Wunder\nwurde gebracht*\nSo hat sich denn die graphische Kunst all-\nmählich von einer Nebenkunst zu einer selbstän-\ndigen emporgeschwungen, die Künstler bieten uns\nihre graphischen Darstellungen mit eben derselben\nLiebe wie ihre Gemälde* Ja die graphische Kunst\nkann man wohl eine Art „socialer Malerei” nennen,\nweil sie berufen ist, ihre Kunst durch ihre Ver-\nvielfältigung in weitere Schichten zu tragen und\nzugänglich zu machen* Ihre Producte kann sich\nauch der Mittelstand zu eigen machen und es gilt\nfür die Cultur gleich, ob man ein Oelgemälde oder\nstatt dessen eine künstlerische Radierung besitzt*\nMan kann auch aus kleinen Mitteln der Kunst\ngerecht werden, so wie die Kunst sich nicht zu\nschämen braucht , mit allen ihren besten Mitteln\nauf ihre sociale Verbreitung hinzuarbeiten* Das\nkönnen namentlich die graphischen Künste* Diese\nkönnen auch in das Zimmer der kleinen Leute\ntröstend hinabsteigen und ihnen in allen ihren\nWeisen eine schöne und gute Stunde durch ihren\nAnblick, durch ihren Besitz endlich eine allgemeine\nCultur geben, die auf alle übergeht* Darin mögen\nsich die graphischen Künste bestärken und für die\nCultur des Volkes in erster Linie schaffen wie\netwa Thoma und Grasset, sie mögen wahrhaft mit\nevangelischem Pfund wuchern* Reichen Zins an\nCultur wird es genug tragen*\nDas Publicum selbst aber, das so lange ver-\ndorben sich abwandte, wird durch das unablässige\nBeharren auf wahrer Kunst wieder erzogen und\nzur Bewunderung angehalten werden, wenn nur\ndie rechten Künstler auch wieder da sind, die alles\nverstehen und 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Jubiläums-Stiftung” behufs Förderung hauptsächlich\nösterreichischer Maler zu begründen und widme zu diesem Zwecke den Betrag\nvon 20000 fl. sage Zwanzigtausend Gulden sowie die Hälfte des Er-\nlöses der in der Beilage verzeichneten Bilder aus dem Nachlasse meines seeligen\nGatten.\nDie Verwaltung dieser Stiftung obliegt einem aus fünf Künstlern be-\nstehenden Curatorium. Als die ersten Curatoren ernenne ich die Herren:\nJOSEF ENGELHART, Kunstmaler in Wien 111., Steingasse 13, mit\n10 jähriger Functionsdauer ;\nRUDOLF BACHER, Kunstmaler in M7ien HL, Mathäusgasse 6, mit\n9jähriger Functionsdauer;\nCARL MOLL, Kunstmaler in Wien IV., Theresianumgasse 6, mit 8 jähriger\nF unctionsdauer;\nFELICIAN BARON MYRBACH, Professor in Wien 11., Praterstrasse 33,\nmit 7 jähriger Functionsdauer;\nERNST STÖHR, Kunstmaler in St. Johann am Wocheiner See, Ober-\nkrain, mit 6 jähriger Functionsdauer.\nDie Ernennung der in Wegfall kommenden Mitglieder des Curatoriums\nbehalte ich für meine Lebenszeit vor sowie auch die Festsetzung der\nFunctionsdauer derselben. Nach meinem Tode erfolgt die Ergänzung des\nCuratoriums durch Wahl Seitens der Curatoren. Bei dieser Art der Er-\ngänzung des Curatoriums setze ich als Functionsdauer jedes Curators 5 Jahre\nfest und bestimme, dass ein Curator bei seiner Bestellung nicht über 45 Jahre\nalt sein dürfe. Die Wahl an Stelle des in Wegfall gekommenen Curators\nerfolgt durch die sämmtlichen übrigen Curatoren mit Stimmenmehrheit.\nDie Curatoren wählen aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden und dessen\nStellvertreter und gehört zur Giltigkeit einer Beschlussfassung des Curato-\nriums die Anwesenheit von mindestens drei Curatoren nach erfolgter schrift-\nlicher Einladung sämmtlicher Mitglieder durch den Vorsitzenden oder dessen\nStellvertreter.\nDer erwähnte Zweck dieser Stiftung soll auf nachstehende Weise erreicht\nwerden:\nDie jährlichen Interessen des gewidmeten Capitals sollen zum Ankäufe\neines oder mehrerer Bilder verwendet werden. Die Entscheidung darüber,\nwelches Bild an gekauft werden soll, unterliegt der Beschlussfassung des Cura-\ntoriums, doch behalte ich mir, solange ich lebe, die Genehmigung dieser\nBeschlüssse vor, ohne welche der Ankauf nicht erfolgen darf.\nWas die Wahl des anzukaufenden Bildes betrifft, so gebe ich dem Cura-\ntorium nachstehende Dhective:\nTB Das Bild muss im Sinne meines verstorbenen Gatten, ernst individuell,"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.28", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2127, "texte": "fern von Nachempfindung und Nachahmung und\nvon rein künstlerischem Interesse sein* Hierbei\nsind die Bilder von Künstlern, die sich bereits\neinen Namen gemacht haben, nicht zu berücksich-\ntigen; vielmehr vor Allem die Bilder jung auf-\nstrebender Maler, welche für ihre Bilder die ver-\ndiente Anerkennung nicht gefunden haben, vor-\nzüglich zu berücksichtigen* Bilder der Curatoren\ndürfen während deren Functionsdauer nicht an-\ngefcauft werden*\nDie Curatoren sind nicht verpflichtet, zur An-\nschaffung eines Bildes die Interessen eines Jahres\nzu verwenden, vielmehr können ausnahmsweise\nauch die angesammelten 2 jährigen Interessen zum\nAnkäufe eines Bildes verwendet werden*\nEs ist nicht ausgeschlossen, dass das anzukau-\nfende Bild von einem ausländischen Maler stamme,\ndoch sind österreichische Maler möglichst zu be-\nvorzugen* Die angekauften Bilder sind nach Er-\nmessen des Curatoriums entweder einer bereits\nbestehenden öffentlichen Galerie oder einer zu\ngründenden Galerie zuzuwenden*\nÜber die Wahl der Galerie, welcher das ange-\nkaufte Bild zugewendet wird, entscheidet das Cura-\ntorium nach den oben angegebenen Principien\nmittelst Beschluss*\nJedes von dem Gelde dieser Stiftung angekaufte\nBild muss sichtbar den Titel „Theodor von Hör-\nmann'sche Kaiser Franz Josef I* Jubiläums-Stiftung”\ntragen*\nDas der Stiftung gewidmete Vermögen wird\nin 4°/oigen österr* Kronenrenten angelegt, welche\nfür diese Stiftung vinculiert werden müssen*\nDie Werthpapiere selbst bleiben in Verwahrung\ndes Vorsitzenden der Curatoren*\nDie in der Beilage verzeichneten Bilder sind\nnach Ermessen des Curatoriums innerhalb zweier\nJahre zu verkaufen, widrigens die innerhalb\ndieses Zeitraumes nicht verkauften Bilder dem\nStiftungszwecke entzogen werden* Der Verkaufs-\nerlös der Bilder ist gleichfalls in 4°/0igen, zu\nvinculierenden, österr* Kronenrenten zu fructificieren*\nBis zu diesem Zeitpunkte bleiben die Bilder in\nVerwahrung des Curatoriums*\nFür die Stiftung wird der Vorsitzende in Ge-\nmeinschaft mit einem Mitgliede des Curatoriums\nzeichnen*\nUrkunde dessen meine notariell beglaubigte\nFertigung*\nInnsbruck, am 19* Juni 1899\n\nLAURA VON HÖRMANN"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-07-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-07_01#c035", "volume": "bmtnabf_1899-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 27, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.2.20", "titre_corps": "[Sans titre]", "titre_sommaire": "[Sans titre]", "signature_source": "V.S.", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.31", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1371, "texte": "OM Joseph M* Olbrich wurde von Sr* fcgL Hoheit, dem\nGrossherzog' von Hessen, in die Darmstädter Künstler-\nco*on*e a/s berufen* Da seine Abwesenheit\nvon Wien nur eine periodische sein wird, so unterbricht sie\nkeineswegs sein künstlerisches Wirken für unsere Stadt* Vor-\nläufig wurde ihm als erste Thätigkeit in Darmstadt der Bau\nder Künstler-Villen und Ateliers übertragen, womit Olbrich im\nOktober beginnen wird*\nDas glückliche Darmstadt bekommt damit eine Künstler-\ncolonie, in der eine Reihe unserer vielversprechendsten Ta-\nlente walten und wirken wird, nicht als eine Schule, als eine\nAcademie im alten Stile, die behaglich den schon bedenklich\ndünn gewordenen Faden der Ueberlieferung weiterspinnt, sondern\nals eine ungebunden schaffende Gemeinde, die mit klaren Augen\nalle Bedürfnisse des modernen Lebens erfassen und frisch em-\npfindend künstlerisch verdichten wird. Unter glücklichen\nUmständen, ohne lästige Einschränkung durch zopfige Kunst-\nbehörden, ohne langstilige Amtlichkeiten sollen sich ihre\nMitglieder frei entwickeln und im fruchtbaren Verkehre mit\nden um sie herum emporstrebenden Talenten Anregungen geben\nund empfangen. Bereits mit l.Juli sind dort eingezogen und\nhaben sich einstweilen, bis Olbrich seinen für Wien geträumten\nTraum der Künstler-Villen und Ateliers verwirklicht haben\nwird, im Schlosse Mathildenhöhe eingerichtet: der Meister im mo-"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.32", "debut_caractere": 100, "fin_caractere_exclue": 1381, "texte": "dernen Kunstgewerbe, Hans Christiansen, der bisher\nseine Thätigkeit in Paris entfaltete, der feinsinnige\nColorist, Heinz Heim, und der phantasievolle\nZeichner für Stickerei und Weberei Paul Bürk,\nder Ciseleur und Modelleur Rudolf Bosselt, der\nausgezeichnete Kleinplastiker, Bildhauer Ludwig\nHabich und der Schöpfer der intimen Innenaus-\nstattungen, Patriz Huber aus München* Unter\ndem Schutze und unter der Oberleitung des er-\nleuchteten Kunstfreundes, Grossherzogs Ernst Lud-\nwig von Hessen werden sie sorglos und blos ihrem\nSchaffen ergeben bestrebt sein, das heimatliche\nGewerbe mit neuen Ideen zu beleben, ihm deut-\nschen Geist einzuhauchen und deutsche Eigenart\naufzuprägen* Sie werden die Beziehungen zum\nHandwerker wieder aufnehmen, ihn erziehen und\ndie Kluft ausfüllen, die so lange zwischen den\nEntwerfenden und den Ausführenden gähnte* Fabri-\nkanten und Gewerbsleute werden durch sie werth-\nvolle Entwürfe erhalten und das gebildete Publikum\nwird in innigere Fühlung; mit ihnen treten und\nso Geschmack daran finden, für alles, was es im\ntäglichen Leben umgiebt, die seinem persönlichen\nWesen entsprechende künstlerische Form zu er-\nfragen* Das kleine Darmstadt wird so zur Kunst-\nstadt werden und dem Lande Hessen und schliess-\nlich ganz Deutschland Segen bringen*\n\nV. 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VON LUDWIG HEVESI 3\nGRAPHISCHE KÜNSTE. VON GUSTAV GUGITZ J5\nEIN GRAB. VON PAUL ALT HOF 25\nMITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDEN-\nDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS 26\nABBILDUNGEN VON WERKEN AUS DER\nIV. KUNSTAUSSTELLUNG 2—24\nSEITE\nZEICHNUNGEN VON KOLOMAN MOSER\nUND ADOLF BÖHM 25-28\nRADIERUNGEN VON FERDINAND\nSCHMUTZER 29—32\nREDAKTION: FRIEDRICH KÖNIG. KOLOMAN\nMOSER. JOSEPH M. OLBRICH. ALFRED ROLLER.\n\nPLAKAT\nVON\nALFRED ROLLER"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.2", "texte": "INTERIEUR MIT\nGRÜNEM KOFFER\nGOTTHARD KUEHL\nDRESDEN C M"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.3", "texte": "ZWEI JAHRE\nSEZESSION\nVon LUDWIG HEVESI\nAm 3* April waren es zwei Jahre, dass\njene Neunzehn sich aus jenen Hun-\nderten loslösten herausdividirten,\nkönnte man sagen und in die\nweite Welt gingen, die Kunst zu suchen. Die\nLeute sahen zu, kopfschüttelnd oder spottend, und\ngaben die paar Abenteurer verloren. Ein Jahr\nverging in stiller, rastloser Arbeit; die Leute war-\nteten, was herauskommen würde. Das zweite Jahr\nerst konnte praktische Sezession bringen: Aus-\nstellungen, das fertige Haus, die Versteigerung\nHörmann, Die Leute staunten, lachten, rissen\nschlechte Witze, stimmten zu, lobten, waren be-\ngeistert, Es war ein interessantes Kapitel zur\n„Psychologie der Massen”, die ja jetzt mehrere\nGelehrte wissenschaftlich beschäftigt. Innerhalb\neines Jahres ist dieser grosse Umschwung einge-\ntreten, Die Gegner sagten missmuthig: es ist eine\ngeistige Epidemie, eine Psychose der Menge, die\nvorübergehen wird. Aber sie ging nicht vorüber,\nvielmehr begannen die Gegner nach Pfaden aus-\nzulugen, die es ihnen möglich machen könnten,\nungefähr parallel mit dem breiten, geraden Wege\nder Sezession in der nämlichen Richtung fortzu-\nschreiten. In diesem einen Jahre ist ganz Wien\n„sezessionistisch” geworden. Der historisch ge-\nwöhnte Architekt wirft seine Stilarten über Bord\nund sucht zu vergessen, dass er im „Stilvollen”\naufgewachsen. In den alten Kreisen scharrt man\ndie Restchen von jugendlichem Sauerteig zusam-\nmen und ermuntert sie frisch drauf los zu gähren;\ndie nämlichen Dinge, die noch vor zwei Jahren\nals unmöglich zurückgewiesen worden, erhalten\njetzt Medaillen* Grosse Handlungshäuser, tonan-\ngebende Fabriken, die vor einem Jahr noch Cita-\ndellen des Altherkömmlichen gewesen, trachten\nsich schleunigst zu verjüngen und halten „moderne”\nLager, Die Kunstgewerbeschule, vor einigen Mo-\n\nPORTRÄT\nP. PRINZ TROUBETZKOY\nMOSKAU\nBRONZE"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.4", "texte": "naten noch eine Bastille Wiens, die für uneinnehm-\nbar galt, ist über Nacht gestürmt; nein, sie hat\nsich ergeben und sucht sich einen neuen Komman-\ndanten, eine neue Besatzung aus dem Lager der\ngestern noch verhöhnten Sezession* Das Jubiläum\ndes Kaisers regt zu grossen Unternehmungen an;\nunter den kostbaren Adressen machen die alt-\nmodischen schon den Eindruck von Humoresken;\nin der Gewerbeausstellung, deren Juries noch alles\nModerne fallen Hessen, fällt der Beifall des Publi-\nkums schon den Jungen zu; unter den Fracht-\nbüchern, welche die Kunstverleger herausgeben,\nerweisen sich blos die von Modernen unterstützten\nals gangbar* Der Frühling kommt, und die\nWohlthätigkeit giebt ihren Festen einen „sezessio-\nnistischen” Anstrich, um sie einträglich zu machen*\nAlle Gewerbe stürzen sich in die Strömung, die\nsich so tragfähig erweist* Hat es doch schon so\nlange überhaupt keine Strömung in unserem Kunst-\nleben gegeben! Wer Neues macht, hat plötzlich\nalle Hände voll zu thun, er kann den Bestellungen\ngar nicht genügen* Ehrsame Familien, die auf den\n„Urväter-Hausrath” schworen, beginnen ihn mit\nden neuen Typen zu mischen; die Damen, mit\nihrem ewigen Sinn für das Junge, voran* Wenig-\nstens das Boudoir, oder das Mädchenzimmer, oder\ndas Rauchzimmer muss modern sein; hochmodern,\nso modern als möglich* Und bereits stösst auch\ndas moderne Haus, die persönliche Wohnstätte,\nauf lebendiges Verständniss* Ja, selbst der Phan-\ntasie des Schneiders wachsen Pegasus-Schwingen\nund sie glaubt sich zu symbolistischen Taillen-\nschnitten und mystischen Verschnürungen erheben\nzu sollen*\nMode! sagen die Geringschätzigen* Alles Mode,\ndie morgen vorüber sein wird! Nun, dieses\n\nEINE WELT\nMAXIMILIAN LENZ\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.5", "texte": "WENN DIE NACHTI-\nGALLEN SINGEN\nFRANZ SKARBINA\nBERLIN C M"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.6", "texte": "„Morgen” wird im Auslande schon seit Jahren\nverkündet* Gut; wir sind schon zufrieden, wenn\nes fünfzehn Jahre lang immer heissen wird: „Mor-\ngen”* Warum gerade fünfzehn Jahre? Wegen\nder Analogie mit dem Rokoko* Hat doch, genau\ngemessen, das Rokoko eigentlich nicht länger als\nfünfzehn Jahre in Saft und Kraft gestanden*\nAber in dieser Spanne Zeit übte es eine Allmacht\naus, der sich selbst die Chinesen beugten* Unter-\ngehen freilich musste es, weil es ein ewiges Ver-\nsteckenspiel mit der Natur war* Eine andere\nNatur, als die natürliche* Die moderne Kunst-\nweise wird länger leben, weil sie ein Ausdruck\nder Natur sein will* Sie schafft im Geiste der\nNatur; selbst der Tischler thut es, wenn er sein\nMöbel so bedürfnissgerecht als irgend möglich er-\nsinnt* Unser naturwissenschaftliches Jahrhundert\nhat noch ganz zuletzt auch die Kunst wieder auf\nnatürliche Grundlagen gestellt, nachdem vorher,\n\nJUNGE FRAU MIT KIND\nP. PRINZ TROUBETZKOY\nMOSKAU\nBRONZE\n\nJUNGES MÄDCHEN\nBRONZE"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.7", "texte": "ROCHEFORT BRONZE\nAUGUSTE RODIN\nPARIS C M"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.8", "texte": "DER KLEINE HOF\nALBERT BAERTSON\nPARIS"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.9", "texte": "DIE SACKGASSE\nALBERT BAERTSON\nPARIS"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.10", "texte": "PHANTASIE\nGUILLAUME ROGER\nPARIS"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.11", "texte": "in historisch-philosophischen Zeiten, alles \"Wissen\nund Können, alles Denken und Schaffen auf\npapierenem Boden gestanden* Dieser moderne\nGeist hat mehr als fünfzehn Jahre vor sich* Er\nhat eine neue Kunst angebahnt, die ebenso lange\ndauern und ebenso viele Wandlungen durchmachen\nkann, wie die alte*\nEinstweilen haben wir allen Grund, uns des\nAugenblickes zu freuen* Der durchschlagende\näussere und innere Erfolg ist ein Beweis, dass die\nSezession gethan hat, was in dem Augenblicke\ngethan werden musste, worauf der allgemeine Zu-\nstand der Geister gebieterisch hindrängte* In die-\nsem Sinne war die Sezession ein Naturereignisse\nUnter Donner und Blitz und starken Erschütte-\nrungen ging die Erfrischung vor sich, die das\nPublikum jetzt in allen seinen Nerven spürt*\nIn der That, dieses Publikum ist ganz verjüngt,\nes ist wieder jung in seinen Interessen und Lieb-\nhabereien, in der Wärme seiner Parteinahme, in\nseiner Aufnahmsfähigkeit und ** * Kauflust* Es\nist eigentlich zum Staunen, wie rasch es der Se-\nzession gelang, dem Publikum die Augen zu öffnen*\nEinem Publikum, welches so ausserhalb Europas\ngeblieben war, dass bahnbrechende Künstler der\nNeuzeit ihm nicht weniger unbekannt erschienen,\nals einem Congoneger* Ich übertreibe nicht; als\neinem Neger vom obersten Oberlauf des Congo*\nDie grosse Menge unserer Gebildeten hatte selbst\ndie Namen Meunier, Rodin, Charpentier, Dampt,\nGrasset, Van der Velde, J* W* Alexander, Van\nRysselberghe, Baertsoen u* s* f* niemals vernom-\nmen* Diese ganze grosse neue Kunst war den\nWienern eine vierte Dimension geblieben* An-\nfangs versuchten sie nach alter Wiener Art sich\ndarüber hinwegzuscherzen* Aber diese Dinge er-\nwiesen sich zu unabweislich* Es ist in ihnen\num ein Bismarck'sches Lieblingswort zu gebrau-\nchen eine „werbende\" Kraft, der auch Wien\nnicht widerstand* Anfangs schien Alles zu neu,\njetzt wird bald nichts mehr neu genug sein* An-\nfangs vertrug man einen Besnard oder Zorn\nschwer, ja gar nicht; wenn die Zorn-Ausstellung\nerst heute käme, fände sie wohl mehr Verständ-\nnisse Das Publikum ist bereits so weit erzogen,\ndass Theo Van Rysselberghe, der mit seiner\nPunktirkunst ein Jahr früher in der Gartenbau-\ngesellschaft ohne Zweifel verhöhnt worden wäre,\nkaum noch einigen Widerspruch erregte* Bewun-\ndert wurde er und erzielte einen förmlichen Aus-\n\nTÄNZERIN\nFRANZ STUCK\nMÜNCHEN C M\nBRONZE"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.12", "texte": "verkauf* Klinger's „Christus im Olymp” hat viel-\nleicht nirgends so tief gewirkt, als in Wien* Heute\nist nichts so ungewohnt, dass die Wiener nicht\nwenigstens den ehrlichen Versuch machen sollten,\nes zu begreifen* Früher war dies in Wien blos\nbei musikalischen Leistungen möglich* Dass die\nalte Musikstadt Wien endlich dahin gebracht wor-\nden, sich für eine Frage der bildenden Kunst so\nzu erhitzen, ja zu „echauffiren”, ist der grösste\nErfolg der Sezession* Selbst die Aufmischung\ndurch Hans Makart, in seinen ersten Jahren, ist\ndamit nicht zu vergleichen, schon weil sie einen\nmehr lokalen Charakter hatte* Nur der Kampf\nund Sieg der Wagnerianer, in Wien wie in aller\nWelt, ist eine Erscheinung, die sich mit dem Tri-\numph der Sezessionen in allen Hauptstädten der\nWelt messen kann*\nUnter den engen künstlerischen Verhältnissen\nWiens war das Unternehmen der Sezession eine\nThat des verwegenen, jugendlichen Idealismus*\nOpfermuthig und arbeitsmuthig stürzten sich die\nNeunzehn, aus denen die heutigen Siebzig gewor-\nden, in einen Kampf, dessen Ausgang höchst un-\ngewiss war* Ein Glück noch, dass sie mehr Künst-\nler als Geschäftsleute sind* Hätten sie z* B*\ngeahnt, dass sie die erste Ausstellung in der\nGartenbaugesellschaft 40000 Gulden kosten werde,\nso wäre ihnen vielleicht der Muth gesunken* Aber\nsie wussten es nicht und das Wiener Publikum\nhalf* Selbst diese kostspielige Ausstellung erzielte\neinen Reingewinn* Immer günstiger gestaltete sich\ndie wirtschaftliche Lage* Gelder, denen so von\nselber der melancholische Charakter des „fonds\nperdu” anhaftete, wurden erstaunten Förderern\nzurückgezahlt, ja selbst ein verhältnissmässig an-\nsehnlicher Betriebsfonds sammelte sich an* Nur\nein Jahr und das anfangs so schwankende\nGebilde steht auf festem Boden* Es hat sich\ndurchgesetzt, es hat Achtung und Liebe gewon-\nnen* Die frohe Zuversicht, mit der man heute\nin die Zukunft blickt, ist zweiseitig; nicht nur\ndie Künstler haben sie, sondern auch das Publikum*\n\nSCHOTTISCHE\nLANDSCHAFT\nWHITELAW-HAMILTON\nGLASGOW"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.13", "texte": "DOMINE QUO VADIS\nRUDOLF BACHER\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.14", "texte": "EIN JUNGES\nMÄDCHEN\nROBERT BURNS\nGLASGOW"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.15", "texte": "GRAPHISCHE KÜNSTE\n\nEs ist merkwürdig, dass die graphischen Künste\nsolange keine würdige Beachtung fanden. Sie hatten\nkein rechtes Publicum, ich meine da natürlich\nnicht eines, das sich seine illustrierte Zeitung kauft\nund damit genug gethan hat, ich meine damit ein\nPublicum, das eine Ausstellung dieser Künste zu\nschätzen weiss. Und doch ist nichts geeigneter\nauf das Publicum zu wirken, als das Graphische.\nEs ist das eine populäre Kunst. Immer hat diese\nKunst sich an die Erscheinungen des täglichen\nLebens selbst gehalten, wenn sie producierend war,\nund aus dem Leben holte sie ihre Erfolge. Man\ndenke an Hogarth, Chodowiecki, Callot und an\ndie Franzosen des XVIII. Jahrhunderts. Das sind\nlauter vertraute Sachen, häusliche Scenen mit viel\nMoral und manchmal mit wenig Tugend, Scenen\naus dem Treiben aller Stände und jeder kann sich\nseinen Theil nehmen und braucht nicht viel dabei\nzu denken* Und das war das Schöne an diesen\nKünsten, dass man nicht viel zu denken brauchte,\ndass sie technisch so wirkten, wie das Leben selber\nist, dass das Publicum an ihnen in erster Linie\nsehen lernen sollte. Und mit den Augen wird\nauch das Herz aufgehen und wird aus dem Gedränge\n\nPORTRÄT\nF. FREIH\nV. MYRBACH\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.16", "texte": "ANDACHT\nCARL MOLL\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.17", "texte": "der Striche, Schatten und Lichter das Dauernde,\ndas hinter dem Kleinsten auch liegt, wenn die\nKunst cs leitet, holen*\nIch will mir da mit Goethe helfen* „Das\nSchlimmste aber ist”, sagt er einmal, „dass alles\nDenken zum Denken nichts hilft; man muss von\nNatur richtig sein, so dass die guten Einfälle immer\nwie freie Kinder Gottes vor uns dastehen und uns\nZurufen: „Da sind wir!” Die graphische Kunst\nhat dieses „Da sind wir” in allen Stücken gepflegt\nund darin ist sie die Vorläuferin und das Vorbild\nmoderner Malerei geworden*\nEs ist ja auch keine Kunst geeigneter die\ndunkle Kraft des Lebens und seine flüchtigen\nSchatten der Handlungen in ihre Aeusserungen\naufzunehmen, die von Natur aus veranlagt sind,\njedes Ding präcis zu charakterisieren* Sie kann\nfesthalten durch die Schärfe des Striches und durch\neine gewisse Symbolik desselben, die gleich wie\ndas Schicksal wirkt* Man braucht da bloss Büschs\nhumoristische Zeichnungen anzusehen, wo da ein\nStrich mehr Eindruck macht, als wenn an seiner\nStelle viele wären* Auch das, dass das Graphische\nsich noch immer nicht recht in die Farbe finden\nkann, wenn auch manche treffliche Versuche schon\nbestehen, hat viel Bedeutung an sich* Es mag\neinerseits der Grund sein, dass das Publicum so\nwenig Sympathie für diese Kunst gewinnen konnte,\nweil zwischen ihren zwei Grundtönen so viele\nliegen können, die vermitteln und trösten, aber\ndie gerade fehlen* Anderseits wirkt indessen wieder\nin dieser Kargheit eine mächtige Suggestion, die\ndas arme und elende Leben deutlich macht, das\nso wenig an Köstlichkeiten der Farbe hat und\nwo alle Dinge durch die Nacht des Gestern\nverlebt, grau und wie vom Tod berührt aus-\nsehen* Diese natürlichen Wirkungen sind ein\nZeichen, auf welch' einem realen Boden das Gra-\nphische steht und immer gestanden ist* Immer\nschuf diese Kunst lebendig und es ist kein Wunder,\ndass sie ebendadurch national schuf* Indem sie\nimmer nur aus dem nächsten Leben schöpfte,\nwurden Hogarths Werke so sehr englisch und die\nGoyas spanisch und könnten auf keinem anderen\nBoden entstanden sein* Internationales ist in ihrem\nWesen viel weniger gelegen als in dem der Malerei*\nDieser Duft von Nationalität schafft dem Gra-\nphischen jetzt manche Gönner* Namentlich in\nFrankreich, wo vor einiger Zeit die Centenarfeier\nder Lithographie zu Paris abgehalten ward, erlebte\ndadurch Raffet, der Menzel des grossen Napoleon,\nseine Auferstehung* Nichtsdestoweniger wäre an\ndiesen historischen Uebungen weniger gelegen,\nwenn sie nicht dieses Leben hätten* Es sind\nSoldaten, es ist der Krieg, und wenn man das\nsieht, versteht man Napoleon* Wo hat man damals\nähnlicheres gesehen? Wenn David die Revolution\nmalte und man hätte seinen Menschen die Kleider\ngenommen, so hätte man griechische Gestalten\nerblickt, moderne Menschen niemals*\nWährend die Malerei sich in den Aeffereien\neines verflossenen Stils gefiel, in „Gedanken über\ndie Nachahmung der griechischen Werke” medi-\ntierte, bis sie darüber einschlief, hatte sich die\nGraphik, selbstverständlich als rein producierende\nKunst, gänzlich in ihrem ursprünglichen Zweck er-\n\nIN DER\nKIRCHE\nCARL MOLL\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.18", "texte": "halten , für das strömende\nLeben zu schaffen* Auch\ndie alten Stecher und\nSchneider haben sich ja\ndaran gehalten und es ist\nja ganz rührend zu lesen,\nwie die deutschen Gra-\nphiker Weib und Lehr-\njungen auf die Messe\nschickten, um dort ihre\nProducte „kreuzerweis” zu\nverkaufen* Und es war\nauch gut, dass sie sich\nda an keine Antike und\nan nichts Fremdes halten\nkonnten, weil ja das ihren\nAbnehmern unverständ-\nlich war und nur Heiligen-\nbilder, Landsknechte, Bau-\nernscenen Anwert hatten*\nSo waren sie gezwungen\nmit dem Tag zu gehen\nund die Culturgeschichte\nzieht den besten Nutzen\ndaraus* Und so wird ihr\nWerk so sehr historisch,\nweil sie sich so getreu an\nihre Gegenwart hielten*\nEs ist fast wie ein\nWunder, dass sich diese\nKunst hierin so consequent\nblieb, sie ist doch in näch-\nster Linie auch reprodu-\ncierend thätig gewesen*\nJa, es schien fast, als ob\nsie in dieser berechneten\nHauptaufgabe gänzlich\naufgehen wollte* Ich ver-\nkenne gewiss namentlich\ndas bildende Moment da-\nrin nicht, sowie das sociale\nin der leichteren Zugäng-\nlichkeit* Morghens Stich\nnach da Vincis Abend-\nmahl verdiente im Zimmer\nzu hängen und war zu\nerwerben* Und gäbe es\ntüchtige Uebersetzer der\nMalerei in's Graphische,\nwie Unger, genug, dann\nwürden die Meisterwerke\nder alten Schulen gewiss\nden Sinnen der vielen\nnäher gebracht werden,\ndenn in Wahrheit weiss\nselbst der sogenannte Ge-\nbildete, sagen wir kurz die\nHauptmasse der Studenten\nsehr wenig nur um die\ndeutsche Kunst* Man\nwird vielleicht von den\nverdächtigsten griechi-\nschen Torsen sprechen und\nman kennt den Ewald\nKleist und den Gersten-\nberg, aber von Dürer hat\nman weder die Passion\ngesehen, noch von Holbein\nden Todtentanz, die da-\nmals durch die Hände\ndes Bürgers gegangen sind*\nJetzt freilich sind dafür alle\nAugen blind* Für eine\nVerstärkung, für ein Wie-\ndererwachen der Liebe zur\nKunst wäre diese rein ver-\nvielfältigende Kunst frei-\nlich nothwendig, sie sollte\nhierin vom Staat subven-\ntioniert und ihre Werke\nsollten an die Schulen ge-\ngeben werden* Nichts-\ndestoweniger soll hier nur\nihre Selbständigkeit in\nBetracht kommen, denn\nnur durch diese allein wird\nsie so bedeutend, während\nsie durch die ewige Copie\nleicht verleitet hätte wer-\nden können, sich in ihren\nselbständigen Werken in\nden Geleisen zu bewegen,\ndie durch eine gleichzeitige\nMalerei ausgefahren wur-\nden* Indessen ist aber in\nihrer ganzen Technik die\nverflossene Malerei günstig\nfür solche V ervielf älti-\ngung gewesen, während\ndie jetzige, die doch so\n\nMÄDCHEN MIT KATZE\nFRANÇOIS CARABIN\nPARIS C M"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.19", "texte": "sehr oder fast nur allein\nvon der Farbe abhängt,\nsich einer graphischen Be-\nhandlung gegenüber spröd\nverhält* Wie sich Bilder\nvon den Schotten etwa\noder Whistler graphisch\nauch ausnehmen mögen,\nsie können uns in der Re-\nproduction nie das sagen,\nwas sie uns unter dem\nEinfluss ihrer Farben bie-\nten* Das Graphische muss\nsich daher aus eigenen\nMitteln gerecht zu werden\nsuchen*\nDa berührt es daher\nwundersam, wenn in dieser\ndunklen Kunst vergangene\nZeiten mit so heimlichen\nund vertrauten Stimmen\nreden, dass auf einmal\nstarke Düfte aus ihnen her-\nvorbrechen wie aus „ver-\ngessenem Flacon”, die so\nergreifen, während neben-\nher die Kunst der Farben\ngeht, verschlossen und\nkalt, wie Aschenbrödel in\neinen schweren Mantel ge-\nhüllt, unter dem erst das\nwahre festliche Kleid ver-\nborgen ist* Da mussten\nfreilich die Prinzen erst\ndreimal tanzen, bevor es\nganz zum Vorschein kam,\nwie ehemals* Und wo lag\ndenn dieser Zauber des\nGraphischen, dieser coup\nde foudre, der traf und\nwie eine Erkenntniss war?\nDas war die unvergleich-\nliche Fülle an Natur, die\nsich in diesen Werken bot!\nAuf das Graphische übte\ndie Malerei in ihrer ver-\ndorbensten Zeit fast gar\nkeinen Einfluss* Goyas\nkühne Radierungen waren\nzur Zeit Mengs entstanden\nund Hogarths schwerer\nNaturalismus feierte zur\nselben Zeit fast seine Siege*\nEs war nur schwer zu\nbegreifen, warum diese\nThaten alle wieder so ver-\ngessen wurden*\nDass die damalige Ma-\nlerei trotz allem wegen des\nAnscheins der Farben im\nVortheil war und die arme\ndunkle Kunst unterdrük-\nken konnte, ist zwar keine\nFrage* Aber dass diese\nKunst für sich, die doch\nso sehr für das Populäre\nberechnet ist, eben beim\nPublicum in den Verfall\nkam, mag vielleicht nur\nin der gleichzeitigen Ver-\ndorbenheit dieses durch\ndie Malerei herrühren*\nAusserdem betrieben die\nKünstler Graphik meist\nals Nebensache, zeigten\naber hier meist allein ihre\nNatur* Dass die Graphik\nsich aber trotzdem erhielt\nund in der Unwidersteh-\nlichkeit ihrer natürlichen\nAuffassungen sich erhalten\nkonnte, wobei sie freilich\nbeim Publicum eine un-\ngerechte, untergeordnete\nStellung einnahm, ver-\ndankt sie hauptsächlich\nihrer Widmung an die\nIllustration* Im Allge-\nmeinen ist die Illustration\nverrufen als Unterstützung\nder Denkfaulen und Stö-\nrung der eigenen Phan-\ntasie* Auch hatten viele\nRecht, wenn sie behaup-\nteten, dass sich dabei\nviel Dutzendzeichnerei ein-\ndrängte* Ja* Es konnte\nauch nicht jedem Buch\ndie Ehre widerfahren vom\nEtchingclub illustriert zu\n\nPORTRÄTBÜSTE = MARMOR\nSAINT-MARCEAUX\nPARIS M C"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.20", "texte": "werden* Auch ist ja nur\nbei uns die Misere in diesem\nArtikel merkwürdig so\ngross* Es gibt ja so wenig\nBlätter, die zugleich po-\npulär und künstlerisch in\nder Illustration wären* Fast\nalles ist Handwerk und\ndie reine Manier des Zeich-\nnerischen wird nirgends\ngepflegt* Und doch bot\nsonst allenthalben die Illus-\ntration eines Journales,\neines Buches die wunder-\nbarste Gelegenheit, auf\ndie kleinen und grossen\nZufälligkeiten des Lebens\nintim einzugehen, die un-\nbeachteten Posen und ihre\nPoseure des Augenblicks\nfür ewig aufzunehmen,\nvon jedem Ding das sonst\nFlüchtige und Uninteres-\nsante als auch ein Wesent-\nliches seines Charakters zu\nbringen und wieder die\nkrause Linie des Lebens\nzu stilisieren, dass man\nklar wurde über alles*\nHekuba konnte diesen\nKünstlern freilich nichts\nsein, aber Rosenkranz und\nGüldenstem und jeder an-\ndere Ueberschuss war eine\nheitere und auch trübe\nQuelle*\nFreilich konnte dann\ndas Graphische nur dort\nrecht gedeihen, wo es aus\nallen Gegensätzen, aus\neinem unablässigen Gehen\nund Kommen seine Stoffe\nschöpfen konnte* In der\nsteten Bewegung des Le-\nbens, die sich aus dem\nkleinsten Rade auch ab-\nleitete, lag sein Heil* Paris\nund London waren da\ngleich anfangs die Haupt-\norte* Das Schaffen war\ngleich erleichtert* Ob es nun eine Illustration oder\neine selbständige Arbeit war, beide wirkten gleich\nwie ein Text ohne denselben, sie waren immer ein\nKunstwerk für sich* Es floss in ihnen wie ein reiches\nWissen, das aus einer fortwährenden Arbeit kommt*\nMan könnte aus ihnen alles erkennen lernen* In den\nentzückenden französischen Blättern parfümierter\nLaster, die nur das nächste Leben desßococo zeichnen,\nKavaliere, die einen kühnen Ueberfall unternehmen\noder gewagte Stellungen ihrer Damen beobachten,\nwandelten sich das Gewirr und der Duft zarter\nSpitzen, verschnörkelter Möbel, die bemalten Fächer\nund galanten Degen in die harte und graue Oede\nder Revolutionsgefängnisse* Englands Moralinsäure,\nwässerig wie sein Thee\nund unverdaulich wie\nseine Butterbrode, wan-\ndert durch die W erke\nHogarths, fein säuberlich\nin ganze Romane ge-\nkleidet, eine andere Col-\nlection Tauchnitz* Aber\nman konnte daraus sehen\nund die Zeit mehr ver-\nstehen lernen, als aus der\nZahl der Historienbilder*\nAber wo ist auch nur\ndas deutsche Wesen des\n18* Jahrhunderts besser\nerhalten? Wer kann denn\nbesser diese gespreizte Zeit\nder Familie, der kleinen\nHeimlichkeiten und Sor-\ngen, das steife Menuett\naller ihrer Gefühle, die\nverschlafen und unmuthig,\naber immer preciös gingen,\nin die deutlichste Form\nbringen als Chodowiecki\nin seiner Unzahl von Illus-\ntrationen? Aber während\nin Deutschland dieser Mann\nlange eine vereinzelte Er-\nscheinung blieb, förderte\ndie graphische Kunst zahl-\nreicher Journale Londons\nund Paris immer neue\nTalente zu Tage, die alle\nauf die Natur losgingen,\nnamentlich in Paris, wo\ndie sich in steter Revo-\nlution gegen alles befind-\nliche Menge sich so frucht-\nbar zeigte* Da bemäch-\ntigte sich ein Daumier\nund Gavarni ihrer Typen\nund die Historik gelang\nso besser als wenn man\ndie Barrikaden gezeichnet\nhätte* Man sieht zwar\nnur dicke Bourgeois, ver-\nwöhnte Lebemänner, Job-\nber, Staatsmänner, grosse\nCocotten mit witzigen Ver-\n\nHERRENPORTRÄT\nFERDINAND ANDRI\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.21", "texte": "AM GELÄNDER\nFERDINAND ANDRI\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.22", "texte": "sen darunter, Näherinnen, Commis etc* Inmitten des\nFroufrous belgischer Spitzen und italienischer Seide\nund wohlanständiger Piquegilets treibt sich aber\nein verdächtiger Geselle herum, der nichts hat und\nthut, von Schmutz und Gefährlichkeit droht, der\nThomas Vireloque Gavarnis, der erste Anarchist,\nder Prolog zu der grossen debäcle* Immer mehr\nmischen sich diese Ueberzähligen ein, die furcht-\nbare Decadenz des Lebens* Dirnen, Säufer,\nStrolche mehren sich auf den Blättern dieser Künst-\nler bis Rops, ein wüster Sabbath des Elends und\ndie Vorzeichen des Naturalismus, der die brache\nKunst vom Grund aus auf riss und umackerte und\nihr die Winterstarre benahm*\nSo war es kein Wunder, dass alle Stürmer\nmoderner Malerei auf diese graphischen Vorbilder\nzurückgingen, sie wie eine Erlösung anstaunten\nund an ihrer That sich weiter bildeten* Muther\nberichtet von Menzel, dass er alle möglichen Werke\nKeenes, eines famosen Zeichners englischen Lebens,\nauf kaufte, und Millet, der grosse Naturalist, ging\nin die Schule der erwähnten Gavarni und Daumier*\nIn ihrer leichten und flüchtig: scheinenden Auf-\nfassung: lag- die Wahrheit, sie hatten den Mut zu\njedem Stoff und durch das Plaudernde seines Hand-\nwerkes wirkte das Graphische so ungezwungen\nwie das Leben selbst*\nIn Deutschland ward freilich für die blosse\nErziehung des Auges am wenigsten gethan* In\nEngland bekommen die Bürgerskinder schon in\nfrühester Jugend die kunstvollen Bilderbücher oder\ndie Shillingsfibel des Grane in die Hand* Ich kann\nmir nun gar nicht denken, dass diese Kinder, die\nan diese edle Einfalt der Linie gewöhnt sind, nun\nanders, als feine Beobachter der Kunst im Leben\nselbst, der Grazie des Augenblickes werden könnten*\nDas trägt reiche Zinsen zu ihrer Cultur* Solche\nweishafte Augen lernen, wie die Kunst in der\nNatur einsetzen soll und wie sie allmählich diese\nedelt zu einem einzigen und reinen Genuss, sie\nlernen das Leben, das selbst eine geheime Kunst\nist, schliesslich kennen und schätzen ein, wie viel\n\nFLUSSLANDSCHAFT\nWILHELM BERNATZIK\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.23", "texte": "Kunst noth thut und welche , die dem Leben ge-\nrecht wird, dass seine Wunder offenbar und wie\nin einer Schale von köstlichem Edelgestein ge-\nboten werden* Und einen solchen Ausgleich\nzwischen der Natur und der Kunst strebte das\nGraphische auch an*\nAber diesen hat das Graphische nicht allein\nim Dienst des Tages unternommen, sondern in\nseinen freieren Werken, die wie das Bild unmittelbar\nkünstlerisch wirken sollen* Bedeutend ist die Zahl\nderer geworden, die die unabhängige Graphik\npflegen* Eine Zeit lang schien es fast, als ob sie\nsich hierin aufgegeben hätte* Dem Publikum war\ndiese Production fast ein Geheimniss geblieben* Es\nvollzogen sich aber innerhalb dieses Wirkens ge-\nrade die bedeutendsten Vorgänge* Sehen hatte\nman von dieser Kunst schon lernen können,\njetzt sollte man auch noch die Seele vernehmen*\nMan wollte mehr als das blosse Leben haben, man\nwollte sein Wunder* Die rohe Kraft des Lebens\nallein, die immer gleich ins Gesicht schlug, gab\nimmer mehr die äusserliche Bewegung, das intime\nEingehen auf diese Kraft aber gab Vorgänge, die\nauch auf eine gewisse Symbolik des Aeusseren An-\nspruch erhoben, die die Feinhörigkeit und Fern-\nsichtigkeit des Künstlers verdeutlichte, Vorgänge,\ndie den an und für sich objektiven Gegenstand in\ndas Subjektive seiner Beziehungen zu allem und\njedem rückten, damit „Erweckung und Erbauung”\nfolgte* Es war zugleich eine Versöhnung der\nKunst, die das Ungebundene des Lebens in den\nordnenden entsprechenden Stil setzen muss*\nDa setzten nun die Klinger, Thoma, Stauffer,\nBlake, WTistler, Zorn, Rops und die vielen anderen\nein und suchten diese Versöhnung zu geben* Man\nsah da wieder in all dem Leben die Kunst mit\nNatur gehen, die bösen stürmenden Instinkte\nsich klären und über allem war die Herrscherhand\ndes Individuums, das sich so lange den Dingen\nuntergeordnet hatte* Man brauchte nicht mehr\nzu verzagen, dass das ungefüge und stumme Wesen\nder Körper eine qualvolle unversöhnliche und starre\n\nVOR DEM DINER\nCARL MOLL\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.24", "texte": "Macht bleiben sollte, sondern man gewahrte einen\nlebendigen Baum aus ihnen steigen, der seine\nBlätter und Blüten in den, der aus unserer Seele\nwunderbar steigt, zärtlich rankte* Dieses Wunder\nwurde gebracht*\nSo hat sich denn die graphische Kunst all-\nmählich von einer Nebenkunst zu einer selbstän-\ndigen emporgeschwungen, die Künstler bieten uns\nihre graphischen Darstellungen mit eben derselben\nLiebe wie ihre Gemälde* Ja die graphische Kunst\nkann man wohl eine Art „socialer Malerei” nennen,\nweil sie berufen ist, ihre Kunst durch ihre Ver-\nvielfältigung in weitere Schichten zu tragen und\nzugänglich zu machen* Ihre Producte kann sich\nauch der Mittelstand zu eigen machen und es gilt\nfür die Cultur gleich, ob man ein Oelgemälde oder\nstatt dessen eine künstlerische Radierung besitzt*\nMan kann auch aus kleinen Mitteln der Kunst\ngerecht werden, so wie die Kunst sich nicht zu\nschämen braucht , mit allen ihren besten Mitteln\nauf ihre sociale Verbreitung hinzuarbeiten* Das\nkönnen namentlich die graphischen Künste* Diese\nkönnen auch in das Zimmer der kleinen Leute\ntröstend hinabsteigen und ihnen in allen ihren\nWeisen eine schöne und gute Stunde durch ihren\nAnblick, durch ihren Besitz endlich eine allgemeine\nCultur geben, die auf alle übergeht* Darin mögen\nsich die graphischen Künste bestärken und für die\nCultur des Volkes in erster Linie schaffen wie\netwa Thoma und Grasset, sie mögen wahrhaft mit\nevangelischem Pfund wuchern* Reichen Zins an\nCultur wird es genug tragen*\nDas Publicum selbst aber, das so lange ver-\ndorben sich abwandte, wird durch das unablässige\nBeharren auf wahrer Kunst wieder erzogen und\nzur Bewunderung angehalten werden, wenn nur\ndie rechten Künstler auch wieder da sind, die alles\nverstehen und deuten*\n\nGUSTAV GUGITZ\n\nPORTRÄT\nMAX\nKURZWEIL\nWIEN O M"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.25", "texte": "EIN GRAB\nPAUL ALTHOF\nNebel sinken feucht und warm\nAuf die frühlingsmüde Erde ♦ * ♦\nLiebchen, wenn ich sterben werde.\nNimm mich fest in deinen Arm*\nZu den tannengrünen Höh'n\nSollst dein totes Lieb du tragen,\nWo in jungen Liebestagen\nWir hinab ins Thal gesehen*\nWunderstille Waldesruh!\nBebend, dass wir unser Eigen,\nStanden wir in heissem Schweigen,\nUnd der Mai sah lächelnd zu*\nHeilig ist der grüne Hain,\nDer zu meinen Häupten rauschte,\nAls ich Seel' um Seele tauschte;\nDort, mein Liebchen, senk' mich ein\nKeine bleiche Priesterhand\nSegnet, wo ich schlummern werde*\nDorten ist geweihte Erde,\nWo ich deine Liebe fand*\n\nVON\nKOLOMAN\nMOSER\nTEXT-\nUMRAHMUNG"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.26", "texte": "MITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDENDER\nKÜNSTLER ÖSTERREICHS\nAls wir im Frühling dieses Jahres die erfreu-\nliche Nachricht von dem grossen Erfolge brachten,\nden die Ausstellung und die Versteigerung der Werke\nTheodor von Hörmanns hatte, konnten wir zugleich\nschon anzeigen, dass die Wittwe unseres treuen\nKampfesgenossen, Frau Laura von Hörmann, die\nfür unsere Vereinigung sehr ehrenvolle Absicht\nhege, einen Lieblingsgedanken ihres verewigten\nGemahles aufzunehmen und in hochsinniger Weise\neine Stiftung zu Kunstzwecken zu errichten* Sie\nwollte damit nicht nur dem Mann, dem sie im\nLeben treu zur Seite gestanden hatte, ein würdiges\nDenkmal setzen, sondern vor allem den jungen\nemporstrebenden Künstlern, die für ihre Schöpfungen\ndie verdiente Anerkennung nicht gefunden haben,\neine kräftige Förderung angedeihen lassen* Diese\nStiftung ist nun geschehen und hat am 7* Juli d* J*\nZ* 57899 die Genehmigung der K* K. n*-ö* Statt-\nhalterei gefunden* Indem wir unserer Genugthuung\ndarüber lebhaften Ausdruck geben, bringen wir\nhiermit den Inhalt des Stiftsbriefes zur öffentlichen\nKenntniss*\n\nBUCHSCHMUCK\nVON\nADOLF BÖHM"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.27", "texte": "WIDMUNGSURKUNDE\n\nnlässlich des Jubiläums der 50jährigen Regierung Seiner Majestät des Kaisers\nFranz Josef L sehe ich mich im Sinne meines seeligen Gatten, Herrn Theodor\nvon Hörmann, Kunstmalers in \"Wien, veranlasst, eine „Theodor von Hörmann-\nsche Kaiser Franz Josef I. Jubiläums-Stiftung” behufs Förderung hauptsächlich\nösterreichischer Maler zu begründen und widme zu diesem Zwecke den Betrag\nvon 20000 fl. sage Zwanzigtausend Gulden sowie die Hälfte des Er-\nlöses der in der Beilage verzeichneten Bilder aus dem Nachlasse meines seeligen\nGatten.\nDie Verwaltung dieser Stiftung obliegt einem aus fünf Künstlern be-\nstehenden Curatorium. Als die ersten Curatoren ernenne ich die Herren:\nJOSEF ENGELHART, Kunstmaler in Wien 111., Steingasse 13, mit\n10 jähriger Functionsdauer ;\nRUDOLF BACHER, Kunstmaler in M7ien HL, Mathäusgasse 6, mit\n9jähriger Functionsdauer;\nCARL MOLL, Kunstmaler in Wien IV., Theresianumgasse 6, mit 8 jähriger\nF unctionsdauer;\nFELICIAN BARON MYRBACH, Professor in Wien 11., Praterstrasse 33,\nmit 7 jähriger Functionsdauer;\nERNST STÖHR, Kunstmaler in St. Johann am Wocheiner See, Ober-\nkrain, mit 6 jähriger Functionsdauer.\nDie Ernennung der in Wegfall kommenden Mitglieder des Curatoriums\nbehalte ich für meine Lebenszeit vor sowie auch die Festsetzung der\nFunctionsdauer derselben. Nach meinem Tode erfolgt die Ergänzung des\nCuratoriums durch Wahl Seitens der Curatoren. Bei dieser Art der Er-\ngänzung des Curatoriums setze ich als Functionsdauer jedes Curators 5 Jahre\nfest und bestimme, dass ein Curator bei seiner Bestellung nicht über 45 Jahre\nalt sein dürfe. Die Wahl an Stelle des in Wegfall gekommenen Curators\nerfolgt durch die sämmtlichen übrigen Curatoren mit Stimmenmehrheit.\nDie Curatoren wählen aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden und dessen\nStellvertreter und gehört zur Giltigkeit einer Beschlussfassung des Curato-\nriums die Anwesenheit von mindestens drei Curatoren nach erfolgter schrift-\nlicher Einladung sämmtlicher Mitglieder durch den Vorsitzenden oder dessen\nStellvertreter.\nDer erwähnte Zweck dieser Stiftung soll auf nachstehende Weise erreicht\nwerden:\nDie jährlichen Interessen des gewidmeten Capitals sollen zum Ankäufe\neines oder mehrerer Bilder verwendet werden. Die Entscheidung darüber,\nwelches Bild an gekauft werden soll, unterliegt der Beschlussfassung des Cura-\ntoriums, doch behalte ich mir, solange ich lebe, die Genehmigung dieser\nBeschlüssse vor, ohne welche der Ankauf nicht erfolgen darf.\nWas die Wahl des anzukaufenden Bildes betrifft, so gebe ich dem Cura-\ntorium nachstehende Dhective:\nTB Das Bild muss im Sinne meines verstorbenen Gatten, ernst individuell,\n\nBUCHSCHMUCK\nVON\nADOLF BÖHM"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.28", "texte": "fern von Nachempfindung und Nachahmung und\nvon rein künstlerischem Interesse sein* Hierbei\nsind die Bilder von Künstlern, die sich bereits\neinen Namen gemacht haben, nicht zu berücksich-\ntigen; vielmehr vor Allem die Bilder jung auf-\nstrebender Maler, welche für ihre Bilder die ver-\ndiente Anerkennung nicht gefunden haben, vor-\nzüglich zu berücksichtigen* Bilder der Curatoren\ndürfen während deren Functionsdauer nicht an-\ngefcauft werden*\nDie Curatoren sind nicht verpflichtet, zur An-\nschaffung eines Bildes die Interessen eines Jahres\nzu verwenden, vielmehr können ausnahmsweise\nauch die angesammelten 2 jährigen Interessen zum\nAnkäufe eines Bildes verwendet werden*\nEs ist nicht ausgeschlossen, dass das anzukau-\nfende Bild von einem ausländischen Maler stamme,\ndoch sind österreichische Maler möglichst zu be-\nvorzugen* Die angekauften Bilder sind nach Er-\nmessen des Curatoriums entweder einer bereits\nbestehenden öffentlichen Galerie oder einer zu\ngründenden Galerie zuzuwenden*\nÜber die Wahl der Galerie, welcher das ange-\nkaufte Bild zugewendet wird, entscheidet das Cura-\ntorium nach den oben angegebenen Principien\nmittelst Beschluss*\nJedes von dem Gelde dieser Stiftung angekaufte\nBild muss sichtbar den Titel „Theodor von Hör-\nmann'sche Kaiser Franz Josef I* Jubiläums-Stiftung”\ntragen*\nDas der Stiftung gewidmete Vermögen wird\nin 4°/oigen österr* Kronenrenten angelegt, welche\nfür diese Stiftung vinculiert werden müssen*\nDie Werthpapiere selbst bleiben in Verwahrung\ndes Vorsitzenden der Curatoren*\nDie in der Beilage verzeichneten Bilder sind\nnach Ermessen des Curatoriums innerhalb zweier\nJahre zu verkaufen, widrigens die innerhalb\ndieses Zeitraumes nicht verkauften Bilder dem\nStiftungszwecke entzogen werden* Der Verkaufs-\nerlös der Bilder ist gleichfalls in 4°/0igen, zu\nvinculierenden, österr* Kronenrenten zu fructificieren*\nBis zu diesem Zeitpunkte bleiben die Bilder in\nVerwahrung des Curatoriums*\nFür die Stiftung wird der Vorsitzende in Ge-\nmeinschaft mit einem Mitgliede des Curatoriums\nzeichnen*\nUrkunde dessen meine notariell beglaubigte\nFertigung*\nInnsbruck, am 19* Juni 1899\n\nLAURA VON HÖRMANN\n\nBUCHSCHMUCK\nVON\nADOLF BÖHM"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.29", "texte": "DIE NÄHERIN\nFERDINAND\nSCHMUTZER\nORIGINALRADIERUNG"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.30", "texte": "LÄNDLICHES\nSTILLEBEN\nFERDINAND SCHMUTZER\nORIGINALRADIERUNG"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.31", "texte": "OM Joseph M* Olbrich wurde von Sr* fcgL Hoheit, dem\nGrossherzog' von Hessen, in die Darmstädter Künstler-\nco*on*e a/s berufen* Da seine Abwesenheit\nvon Wien nur eine periodische sein wird, so unterbricht sie\nkeineswegs sein künstlerisches Wirken für unsere Stadt* Vor-\nläufig wurde ihm als erste Thätigkeit in Darmstadt der Bau\nder Künstler-Villen und Ateliers übertragen, womit Olbrich im\nOktober beginnen wird*\nDas glückliche Darmstadt bekommt damit eine Künstler-\ncolonie, in der eine Reihe unserer vielversprechendsten Ta-\nlente walten und wirken wird, nicht als eine Schule, als eine\nAcademie im alten Stile, die behaglich den schon bedenklich\ndünn gewordenen Faden der Ueberlieferung weiterspinnt, sondern\nals eine ungebunden schaffende Gemeinde, die mit klaren Augen\nalle Bedürfnisse des modernen Lebens erfassen und frisch em-\npfindend künstlerisch verdichten wird. Unter glücklichen\nUmständen, ohne lästige Einschränkung durch zopfige Kunst-\nbehörden, ohne langstilige Amtlichkeiten sollen sich ihre\nMitglieder frei entwickeln und im fruchtbaren Verkehre mit\nden um sie herum emporstrebenden Talenten Anregungen geben\nund empfangen. Bereits mit l.Juli sind dort eingezogen und\nhaben sich einstweilen, bis Olbrich seinen für Wien geträumten\nTraum der Künstler-Villen und Ateliers verwirklicht haben\nwird, im Schlosse Mathildenhöhe eingerichtet: der Meister im mo-\n\nAKTSTUDIE\nFERDINAND SCHMUTZER\nORIGINALRADIERUNG"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189907-01.1.32", "texte": "Für die Redaktion verantwortlich: E* A* Seemann, Leipzig.\nDruck von Ernst Hedrich Nachf*, Leipzig*\n\ndernen Kunstgewerbe, Hans Christiansen, der bisher\nseine Thätigkeit in Paris entfaltete, der feinsinnige\nColorist, Heinz Heim, und der phantasievolle\nZeichner für Stickerei und Weberei Paul Bürk,\nder Ciseleur und Modelleur Rudolf Bosselt, der\nausgezeichnete Kleinplastiker, Bildhauer Ludwig\nHabich und der Schöpfer der intimen Innenaus-\nstattungen, Patriz Huber aus München* Unter\ndem Schutze und unter der Oberleitung des er-\nleuchteten Kunstfreundes, Grossherzogs Ernst Lud-\nwig von Hessen werden sie sorglos und blos ihrem\nSchaffen ergeben bestrebt sein, das heimatliche\nGewerbe mit neuen Ideen zu beleben, ihm deut-\nschen Geist einzuhauchen und deutsche Eigenart\naufzuprägen* Sie werden die Beziehungen zum\nHandwerker wieder aufnehmen, ihn erziehen und\ndie Kluft ausfüllen, die so lange zwischen den\nEntwerfenden und den Ausführenden gähnte* Fabri-\nkanten und Gewerbsleute werden durch sie werth-\nvolle Entwürfe erhalten und das gebildete Publikum\nwird in innigere Fühlung; mit ihnen treten und\nso Geschmack daran finden, für alles, was es im\ntäglichen Leben umgiebt, die seinem persönlichen\nWesen entsprechende künstlerische Form zu er-\nfragen* Das kleine Darmstadt wird so zur Kunst-\nstadt werden und dem Lande Hessen und schliess-\nlich ganz Deutschland Segen bringen*\n\nV. S.\n\nSPINNENDES MÄDCHEN\nFERDINAND SCHMUTZER\nORIGINALRADIERUNG"}]}