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VON V. S\nMAX KLINGER\nDIE NEUE BAUSCHULE. VON MORITZ\nDREGER j7\nDIE REFORMIERTE AKADEMIE. VON\nV. S\nWEISSE NARCISSEN. VON GUSTAV\nFALKE\nANSICHTEN UND ZEICHNUNGEN VON DEM\nHOFPAVILLON DER WIENER STADTBAHN.\nVON OBERBAURATH OTTO WAGNER.\nSTUDIEN VON MAX KLINGER, GEDICHT-\nUMRAHMUNG VON F. FREIH. VON MYR-\nBACH. SCHWARZ-WEISS VON E. M. LILIEN,\nALFONS MUCHA, ADOLF BÖHM UND PAUL\nROLLER.\nREDAKTION:\nFRIEDRICH KÖNIG, KOLOMAN MOSER.\nJOSEPH M. OLBRICH. 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Sagen wir es gleich: das Ergebniss\nist ein glänzendes, die Moderne hat auf einem\nihr bisher fremden Gebiete einen herrlichen und,\nman darf wohl hoffen, folgenschweren Sieg er-\nrungen. Allerdings wurde sie zu diesem Siege geführt\ndurch einen ihrer grössten Feldherren, durch den\nkünstlerischen Schöpfer der gesammten Stadtbahn-\nbauten, den k. k. Oberbaurath Professor OTTO\nWAGNER. Wie wir durch ihn erfahren, haben\nmm diesmal folgende Künstler seines Ateliers zur\nSeite gestanden: Carl Adalb. Fischl, I. M. Olbrich\nund Leopold Bauer.\nDie Situation für den Hofpavillon war dem\nKünstler als feststehend gegeben. Da die Bahn\nhier als Tiefbahn führt, steht der Pavillon über\ndem Bahneinschnitte*\nDas Herz des Baues ist der kaiserliche Warte-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1536, "texte": "salon* Er hat einen acht-\neckigen Grundriss und\nwird von einer kupfer-\ngetriebenen Kuppel be-\nkrönt* Es ist bemerkens-\nwie diese, aus dem\nCentrum des Gebäudes\naufsteigend und dasselbe\ndominierend, einen wohl-\nthuenden Zusammen-\nhang mit den barocken\nBaulichkeiten des Schön-\nbrunner Schlosses her-\nstellt , natürlich ohne\nauch nur eine Barockform\nzu copieren*\nDem ganzen, aus Ei-\nsen, Stein und Putz auf-\ngeführten Gebäude ist\neine bequeme Auffahrts-\nrampe vorgelagert* Sie\nträgt schmiedeeiserne\nCandelaber für Bogen-\nlampen, an welchen die\nconstructiv bedingten\nFormen in ebenso ein-\nfacher wie edler Weise\nzum Kunstgebilde aus-\ngestaltet sind* Dies gilt\nauch von den schmiede-\neisernen Geländern und\nder verglasten eisernen\nUeberdachung des mitt-\nleren Rampentheiles*\nDurch einen Vorraum,\nwelcher über dem dies-\nseitigen Perron gelegen\nist, betritt man den acht-\neckigen kaiserlichen War-\ntesalon, dessen Tiefe der\nEntfernung entspricht,\nwelche die beiden Stütz-\nmauern des Bahnein-\nschnittes von einander\ntrennt* Vom Vorraume\nlinks nimmt die kaiserliche\nSuite den Weg um das\nOctogon herum zu ihrem,\nüber dem jenseitigen Per-\nron g elegenen W arteraum\ndurch einen loggiaartigen\nCorridor, von welchem\naus auch die Abgänge\nzu den beiden Perrons\nerfolgen*\nZiehen wir zunächst\ndas Octogon, den\nraum des Kaisers, in Be-\ntracht*\nWenn die Kunstfor-\nschung späterer Zeiten\ndavon sprechen wird, wie\ndie Kunst unserer Zeit\ndaran gesundete, dass sie\nsich wieder von dem\nZweck ihres Werkes lei-\nten liess, dann wird dieser\nRaum wohl oft als typi-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2664, "texte": "sches Schulbeispiel angeführt\nwerden; denn er ist in ge-\nnialer Consequenz bis zur\nkleinen Einzelheit hinab\nnichts anderes als das der\nNatur mit intimem Verständ-\nniss abgelauschte und Form\ngewordene Gehaben seines\nBewohners*\nDa steht z* B* dem Ein-\ngang gegenüber, mit einer\noriginellen Decke behängen\nein Tisch, nicht im Mittel-\npunkte des Raumes, sondern\nmehr gegen die Rückwand\ngeschoben* Wer je Gelegen-\nheit hatte, das Gehaben des\nMonarchen beim Betreten\neines solchen Zwecken die-\nnenden Raumes zu beobach-\nten, kann sich nun sofort\nlebhaft vorstellen, wie er mit\nseinen raschen, elastischen\nSchritten den Raum durch-\nmisst, bei dem Tischchen\nhalt macht und jetzt, die\nFinger der rechten Hand\nleicht darauf gestützt, die\nLinke am Säbelgefäss, die\nMeldung erwartet, dass alles\nzur Abfahrt bereit sei* Diese\nSecunden des Wartens dem\nMonarchen durch den An-\nblick eines Kunstwerkes zu\nkürzen, lag nahe* Echt mo-\ndern aber war es von Wag-\nner, zu diesem Zwecke in\ndie Rückwand des Salons\nnicht etwa eine frostige ge-\nmalte Apotheose oder dergl*\neinzufügen, sondern mit dem\nKunstwerk zugleich einen\nUeberblick über den ganzen\nStadtbahnbau, jenes grosse\nWerk der Technik, das zu\nbenützen der hohe Fahrgast\nsoeben im Begriffe steht, zu\nverbinden* So liess er denn\nvon CARL MOLL einen\nBlick auf Wien aus der Bai-\nlonhöhe von 3000 m über der\nSchönbrunner Gloriette ma-\nlen* Natürlich lässt sich bei\ndieser Annahme der ganze\nZug der neuen Stadtbahnan-\nläge genau verfolgen*\nEine unglaublich geniale\nLösung im erwähnten Sinne\nhat der Knüpfteppich, der den\nganzen Boden des Salons be-\ndeckt, erfahren* Er ist näm-\nlich thatsächlich decoriert\ndurch die Wege, welche der\nKaiser von seinem Platze am\nTischchen aus nach den ver-\nschiedenen Thüren des Rau-\nmes hin nehmen kann* Strah-\nlenförmig schiessen von die-\nsem Punkte die Leitlinien\nnach all den verschiedenen\nSeiten hin und lassen zwi-\nschen einander nur schmale\nZwickel frei, welche durch\nein aus Philodendronblättern\ngebildetes Ornament ausge-\nfüllt werden*\nDer Philodendron („Baum-\nlieb”) ist überhaupt das\nGrundmotiv für den ganzen\nornamentalen Schmuck des\nRaumes, wohl eine Anspie-\nlung auf die bekannte Na-\nturliebe und Waldessehnsucht\ndes Herrschers* In mattem\nRoth breiten sich die Philo-\ndendronblätter in den schma-\nlen Zwickelstreifen zwischen\nden heller gehaltenen Geh-\nbahnen am Boden aus, in\ndunkelrothem Sammt erschei-\nnen sie an den Wänden, auf\nheller rothem, schmalgestreif-\nten Seidenstoff appliciert, und\nschmücken sie die Rückleh-\nnen der Sitzgelegenheiten,\nderen Sitze jedoch den glatten\nStoff auf weisen* Das Roth\ndes Bodenbelages zieht sich\nübrigens vom Eingänge an\ndurch alle Räume des Baues,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2286, "texte": "die der Kaiser betritt, über die Stiegenabgänge\nhinab bis zum Waggon. Nirgends belästigt ein\nstärkerer Tonunterschied die Aufmerksamkeit des\nrasch Dahinschreitenden.\nDieses Roth des Bodens und das der Wände\nklingt zu einem prächtigen, wirklich kaiserlichen\nAccord zusammen mit dem durch zarte, vergoldete\nSchnitzerei belebten Jungmahagoni der Täfelung,\nder zeltartigen Decke, des Mobiliars und der hohen\nFlügelthüren.\nVon diesen führen zwei, in den Ecken an-\ngeordnete, zu den breiten Stiegenabgängen auf die\nbeiden Abfahrtperrons für die beiden Richtungen\nder Bahn nach dem Praterstern und nach Hütteldorf.\nEine dritte Eckthüre führt zur Toilette und die\nvierte Eckwand wird durch den Kamin eingenommen.\nLetzterer ist aus besonders schönen Stücken von\nLaaser Onyx gearbeitet und bei völligem Mangel\njedes plastischen Schmuckes von einer, nur durch\ndas edle Material erzeugten, grossartigen Wirkung.\nVon den beiden Wänden, welche auf die Ein-\ngangs- und die Bildwand normal stehen, wird die\neine durch ein grosses Fenster, die andere durch\neine Glasthüre eingenommen, die zu einer ge-\nschlossenen Loggia führt. Vor der Loggia lässt\nsich auf einer Terrasse ein kleiner Garten arran-\ngieien. Auch diese Loggia hat einen ernsten Zweck\nund ist weit entfernt bloss decorative Absichten\nzu verfolgen. Oft kommt es nämlich vor, dass\nAvt *n den letzten Minuten vor seiner\nAbfahrt noch ein Telegramm oder einen Befehl\nniederzuschreiben wünscht. Für solche Gelegen-\nheiten nun ist in dieser Loggia ein Schreibtisch\nauf gestellt, welcher als Beleuchtungskörper genau\neine ebensolche Lampe trägt, wie sie sich auf den\nArbeitstischen des hftonarchen in seinen jeweiligen\nAufenthaltsorten vorfinden.\nDie Beleuchtungskörper in diesem Bau wären\nüberhaupt ein gesondert zu behandelndes Capitel.\nSie kommen als Stehlampen und als Deckenbeleuch-\ntung im Salon, als Wandbeleuchtung in den Corri-\ndoren und auf den Stiegen, als freihängende\nBeleuchtungskörper in der Unterfahrt, als Bogen-\nlichtcandelaber auf der Rampe vor und überall\nhat Wagner es verstanden, den mannigfachen\nErfordernissen, die sich aus dem gewollten Beleuch-\ntungseffect, der Bedienung und artung des Körpers\nergeben, mit geradezu verblüffender Einfachheit\nund Schönheit gerecht zu werden.\nAehnliches Hesse sich von den Plafondlösungen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2250, "texte": "in den einzelnen Räumen sagen* Wo andere sich\nmit Gesimsen quälen, da steigen bei Wagner, wie\nin der Loggia z* B*, einige schlanke Stucklinien\naus der Wandfläche heraus, neigen sich, schliessen\nsich an der Decke wieder zum strammen Bündel,\ntragen sie so und benehmen dem Raume alles\nKasten- und Schachtelartige*\nOder in den Ecken der Corridore* Da ergeben\nsich durch die Achtecksform des Mittelraumes\nfünfeckige Plafonds* Ein mehrfacher, in den Putz\nder weissen Decke hineingeschnittener Kreis mit\nein paar schönempfundenen Linien darin, löst die\nFrage in ebenso einfacher als angenehmer Weise*\nUnd wie heiter weiss Wagner die Spiegelscheiben\nseiner Fenster zu beleben* Die Mattierung des\nunteren Theiles entwickelt sich im oberen zum\nschmalen Rahmen* In ihr sitzt ein goldenes Linien-\nornament, begleitet von einer Mattierung stärkeren\nGrades, die mit reizvoller Weichheit vom Golde\nzum Glas hinüberleitet*\nAn Einfachheit der Lösung ist auch die Ab-\ngrenzung des für den Kaiser und seine Gäste be-\nstimmten Theiles des Perrons ein Unicum, indem der\nabgesperrte Theil durch ein rothsammtenes Velum,\nwelches verschiebbar ist, grösser oder kleiner ge-\nmacht werden kann, je nachdem der Empfang mit\noder ohne Ehrencompagnie stattfindet*\nBetritt man aber den, hinter dem kaiserlichen\nSalon gelegenen Warteraum der Suite, da lernt man\nerst recht das künstlerische Feingefühl Wagners\nbewundern, dem es gelungen ist, die beiden Räume\nin ihrer Wirkung so fein und treffend zu differen-\nzieren* Wie bescheiden wirkt das zarte Grün und\nSilber dieses Raumes gegen das volle prächtige\nRoth des kaiserlichen Salons! Wie glücklich sind\ndie Stühle dimensioniert, für kurzes Verweilen\nzwar bequeme Rast aber auch die Möglichkeit\nraschesten Erhebens gewährend* Sieht man wie\nalles das durchdacht, mit welchem immensen Auf-\nwand von Geist und welcher ungeheuren Erfah-\nrung das alles gemacht ist, dann glaubt man gerne,\ndass der hohe Herr, für dessen Gebrauch das Ge-\nbäude bestimmt ist, sich darüber ausserordentlich\nlobend geäussert habe, zumal da es nicht nothwendig\nwar, ausländische Kräfte heranzuziehen, sondern\nMaterial wie Arbeit durchweg dem Inlande ent-\nstammen*\nUnd die Arbeit ist von einer Exactheit, die\nnichts zu wünschen übrig lässt* Sie ist ein schönes"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 695, "texte": "Zeugniss dafür, was unsere einheimischen Kräfte\nunter der richtigen Leitung leisten können*\nDas ist es ja, was den Werken Wagners, ab-\ngesehen von aller ihrer sonstigen Bedeutung, einen\nbesonderen Reiz verleiht, dass sie das Gefühl abso-\nluter Erledigtheit vermitteln, weil er die Construction\nnicht vertuscht, sondern ausbildet, weil er von dem\nMateriale nie eine Wirkung* verlangt, die demselben\nnicht innewohnt, ihm nie eine Function zumuthet,\ndie es nicht erfüllen kann* Deshalb und weil er ein\nOrganisator allerersten Ranges ist, erreicht er seine\nAbsicht immer bis zur allerletzten Vollendung*\nEr ist der hohe Culturmensch, der jedes Bedürfniss\ndes modernen Lebens fühlend erfasst, und der"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 931, "texte": "souveräne Künstler, der für jedes Gefühl eine sicht-\nbare Form findet, die den Nagel auf den Kopf\ntrifft* Deshalb sind auch seine Werke europäische\nThaten* Und diese künstlerische Persönlichkeit\nwird seit Jahren bei uns in der schärfsten Weise\nbekämpft und befehdet* Es ist ein Glück für unsere\nKunst, dass Wagner neben allen seinen künst-\nlerischen Gaben auch die schöne menschliche\nEigenschaft unverwüstlicher Jugendfrische besitzt*\nDas Wort „eternamente giovine”, wenn es nicht\nschon bestünde, für Wagner müsste es erfunden\nwerden*\nDer kleine Hofpavillon in Hietzing wird der\nNachwelt über unsere Zeit mehr erzählen, als\nmancher traurige Monumentalbau, den wir erstehen\nsehen mussten. Er bedeutet einen Triumph der\nmodernen Kunstprincipien und einen Triumph für\nden künstlerischen Schöpfer der Stadtbahn, dessen\ngigantisches Vorwärtsschreiten auf der betretenen\nBahn seine Zeit mit Freude und Stolz erfüllen muss.\nFIN I S\n\nV. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-08-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-08_01#c016", "volume": "bmtnabf_1899-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "4", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.2.4.2", "titre_corps": "UNTERFAHRT DES HOFPAVILLONS", "titre_sommaire": "UNTERFAHRT DES HOFPAVILLONS", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 27, "texte": "UNTERFAHRT DES\nHOFPAVILLONS"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-08-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-08_01#c009", "volume": "bmtnabf_1899-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "5", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.2.6", "titre_corps": "DIE NEUE BAUSCHULE : (AUSSTELLUNG DER SCHÜLER OTTO WAGNERS)", "titre_sommaire": "DIE NEUE BAUSCHULE : (AUSSTELLUNG DER SCHÜLER OTTO WAGNERS)", "signature_source": "MORITZ DREGER", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1649, "texte": "DIE NEUE BAUSCHULE\n(AUSSTELLUNG DER SCHÜLER OTTO WAGNERS)\n\nEs giebt Bauwerke, denen man sofort ansieht,\ndass sie gebaut worden sind, und solche, die aus-\nsehen, als wären sie von selbst emporgewachsen*\nWarum die eine Zeit mehr diese, die andere mehr\njene Wirkung erstrebt, lässt sich hier nicht in\nwenigen Worten erklären; es genüge, dieThatsache\nhervorzuheben*\nDie Renaissance und vielfach die alten Römer\nbauen ihre Gebäude Schicht über Schicht auf; sie\nscheuen sich nicht, die Keilsteine der Bogen, die\nQuadern der Mauern, ja sogar Rand und Spiegel\njedes Steines deutlich zu zeigen* Der Orient, das\nMittelalter, die Barocke, vor allem aber schon die\nalten Griechen haben ihre Bauten wie durch inneren\norganischen Trieb aus der Erde herauswachsen\nlassen* Besonders die letzteren haben ihre fein-\ngeschliffenen Marmorquadern so ausgeklügelt über-\neinander gebracht, dass von den Fugen keine Spur\nzu sehen war, und, wo das bei rauherem Material\nnicht anging, wurde alles mit gleichmässigem Stuck\nüberzogen; dazu kam auch beim Marmor noch\neine leuchtende farbige Schicht* Ebenso schwinden\ndie gothischen Constructionsformen unter dem\nZauberteppiche der Farbe* Die Oberfläche des\nBarockbaues mag aus Putz oder Haustein bestehen,\nkünstlerisch ist das Ganze nur eine einheitliche\nbildsame Masse, die wie Thon unter den Händen\ndes Künstlers neue Formen annimmt, bei denen\nman an den Stoff nicht denken darf*\nIm Griechenthume ist diese Richtung am reinsten\nim dorischen Stile ausgeprägt, jenem Stile, der im\ngriechischen Mittelalter, ich meine, der Zeit von\nder dorischen Völkerwanderung bis zu den Perser-\nkriegen, sich hauptsächlich ausgebildet und ver-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4705, "texte": "breitet hat* Die gleichfalls auf uralter Ueberliefe-\nrung fussende, ins griechische Alterthum zurüefc-\nreichende jonische Baukunst ist erst nach den\nPerserferiegen im eigentlichen Griechenlande wieder\nstärker hervorgetreten, hat dann allerdings, beson-\nders in seiner korinthischen Weiterentfaltung, den\nDorismus fast völlig verdrängt* Ich sehe auch in\nden athenischen Bauten der perikleischen Zeit\nkeine zufällige Mischung der beiden Stile, sondern\nZeugen des heftigen Ringens zweier grosser Strö-\nmungen* Ueberhaupt müssen wir uns die griechi-\nschen Stile durchaus als kein solches Nebeneinander\nvorstellen, wie uns die Schulbücher lehren, sondern\nals Ergebniss nacheinander auf tretender Wandlungen\nder Gesammtbildung, die sich allerdings an einem\nOrte früher, am anderen später geltend machten\nund an einigen wohl auch nie ausschliesslich zur\nHerrschaft gelangten*\nDie sogenannte klassische Zeit der Griechen\nist in gewissem Sinne eine Renaissance der my-\nkenischen, deren strahlender Verkünder Homer\nwar, an welchen sich wieder die grossen Drama-\ntiker schlossen* Dieser Zeit ist nicht mehr die\ngrosse einige Masse, in der das Einzeinwesen nur\nlyrisch hindämmert, das Ideal, sondern das Indi-\nviduum in seiner vollsten Entfaltung* Im jonischen\nStile beginnen bereits die einzelnen Glieder, Säule,\nSims, Giebel und deren Untertheile, ihr ideelles\nSonderleben zu führen; doch liegt Alles gewisser-\nmassen noch unter einer schützenden Hülle* Wann\nund wo man es zum ersten Mal wagte, diese Hülle\nfallen zu lassen und den Organismus sozusagen\nin seiner Nacktheit zu zeigen, ist mir noch nicht\nklar geworden; jedenfalls zeigen sich Bauten der\nKaiserzeit vielfach in dieser entschleierten Wahr-\nheit* Es ist die Zeit der Rustika, die in der\nRenaissance ihr Wiedererstehen feierte*\nErst die späte Antike legt wieder farbenpräch-\ntige Mosaik- und Marmorgewänder um die ge-\nwaltigen Mauercolosse, die uns heute nur als Ruinen\nihren Aufbau deutlich verrathen* Von da an bis\nzur Renaissance herrscht eine Kunstperiode, deren\nWandlungen gering sind im Vergleich zu dem,\nwas sie einigt*\nEs ist nothwendig, sich diese grosse Entwicklung\nin der Vergangenheit klar zu machen, wenn man sich\nheute, wo beide Richtungen wieder wirksam sind\nund einander bekämpfen, zurechtfinden will*\nCornelius Gurlitt meinte einmal, das Schwierigste\nin der Architektur wäre das Finden eines neuen\nGrundrisses* Nun, fast alle grossen Baumeister\nunseres Jahrhunderts, besonders auch Semper und\nunsere Wiener haben den neuen, grossen Aufgaben\nentsprechend auch neue Grundrisse geschaffen, und\nes wäre nicht schwer, den gemeinsamen Grundzug\nbei Allen festzustellen* Aber die Formensprache,\ndie sie gebrauchen, stimmt zu den grossen Grund-\nrissgedanken meist gar nicht wie sie nach\nmeiner Ueberzeugung auch in hellenistischer und\nfrührömischer Zeit vielfach nicht passte* Rom\nmuss, nach den Ruinen zu schliessen, eine Fülle\ngeschmackloser Bauwerke in seinen Mauern ge-\nborgen haben* Seien wir nur auch darin unbefangen!\nDoch zurück zu unserer Zeit!\nDie üblichen Renaissanceformen wollen sich in\nihrer engen Geschlossenheit schon am wenigsten in\nunsere reichbewegten Grundrisse fügen* Die Barocke\nkann mit ihrer Bravour in unserer kühleren Zeit\nunmöglich echt sein, wie auch die mittelalterlichen\nStile entweder theaterhaft oder öde ausfallen*\nOtto Wagner, der Führer der neuen Bewegung,\nist aus der Renaissance-Richtung hervorgegangen,\naber er hat sich von ihren Reizen nicht bethören\nlassen, etwa wie ein italienischer Redner, der nur\nder klangvollen Worte halber spricht* Wenn man\nsich an die Formen der Renaissance hält, wo jedes\nGlied sein eigenes Recht beansprucht, so muss man\ndie einzelnen Theile, damit sie innerlich wahr\nsind, ihrer besonderen Aufgabe und ihrem Materiale\ngemäss ausgestalten oder letzteres wenigstens ent-\nsprechend wählen* Daher wirft Wagner einen\ngrossen Theil der überlieferten Formen als heute\nnichtssagend bei Seite und gewöhnt so früh sich\nund Andere, die Schönheit mehr in der Linie, als\nin der Fülle des Zierrathes zu sehen; deshalb be-\nvorzugt er auch gerade Formen späterer Epochen,\ndie unserem heutigen Gefühle näher sind; deshalb\nschafft er bisweilen, besonders im Eisenbaue, auch\nganz Neues, das sich aber als künstlerisch echt,\ndem Auge nicht aufdrängt*\nDoch dieses Sichten und Neubilden ist nur ein\nTheil von Wagner's Schaffen, jener Theil, der\nauf den Alten fussend, sozusagen die letzte Fol-\ngerung aus Renaissance und Klassicismus zieht*\nLauter Wahrheiten aneinander gereiht, geben viel-\nleicht ein gutes Nachschlagebuch, aber kein Kunst-\nwerk* Aufgaben, wie sie in so reicher Entwick-\nlung seit gut einem Jahrtausend nicht da waren,\nverlangen vor allem den Ausdruck des grossen\nGesammtorganismus*"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2607, "texte": "Das Streben darnach tritt\nnun auch bei Wagner deut-\nlich und siegreich hervor*\nEr schafft nicht nur Bau-\ntheile, die wie Säulen, Simse,\nGiebel einen gewissen Bau-\ngedanfcen ausdrücken, wo\nsie auch sein mögen, son-\ndern auch Formen, die\nähnlich den barocken, ge-\nrade nur an der Stelle, wo\nsie sich finden, überhaupt\nSinn haben und in jedem\nBauorganismus neu gefunden\nwerden müssen* Hier setzt\nnach meinem Gefühle das\neigentlich Neue an* Und\ndieser Zug scheint auch auf\ndie Schüler Wagner's die\ngrösste Wirkung zu üben*\nMan könnte hier das\nenglische und belgische Mö-\nbel zum Vergleiche heran-\nziehen, von denen das eine\ndie äusserste Reduktion der\nälteren Formen, das andere\nvöllig neue Hauptlinien dar-\nstellt; nur vereinigt eben\nWagner die Vorzüge beider\nRichtungen in sich*\nIn der letzten Schulaus-\nstellung sind es eigentlich\nnur Kestranek und Kovacic,\nletzterer mit einem etwas\nkühlen aber grossartigen\nEntwürfe zu Schloss Orian-\nda, die hauptsächlich Wag-\nner's, wenn ich so sagen\nkann, abklärender Richtung\nfolgen* Die Andern knüpfen\nvor allem an die oben an-\ngedeuteten, viel weiter ge-\nhenden Absichten des Meis-\nters* Und so kommt es,\ndass sie ihm vielfach über\nden Kopf zu wachsen schei-\nnen, nicht im Erreichten, je-\ndoch im Gewollten*\nIch finde es von Wagner\nsehr richtig, dass er die jün-\ngeren Kräfte sich so aus-\nleben lässt , wie mir über-\nhaupt seine Lehre eine sehr\nzielbewusste zu sein scheint*\nDer erste Jahrgang bekommt\nimmer eine einfache prak-\ntische Aufgabe, diesmal ein\nZinshaus, für das ein be-\nstimmter Platz im Innern\nder Stadt angenommen wur-\nde, wie bei ihm überhaupt\nLuftschlösser in's Blaue hin-\nein nicht entworfen werden*\nDie Aehnlichkeit der ver-\nschiedenen Grundrisse er-\nklärt sich aus dem Schulzu-\nsammenhange, ebenso der\ndurchgehende Hauptgedan-\nke der Aufrisse* Die unteren\nGeschosse sind zu einem\ngrossen, gemeinsamen Kör-\nper verbunden, vor den sich\ndie Schaukästen der Ge-\nschäfte legen* Kräftige\nLisenen laufen an den Ecken\nempor und fassen so die\nFläche zusammen, während\ndie überschüssige Kraft sich\nin der Mitte noch in einem\nAufbaue entlädt oder wie\nbei Hoppe rückzuströmen\nscheint* Das ist Alles echter\nWagner* Wie aber z* B*\nSchönthal das Schema im\nEinzelnen durchempfindet\nund den Unterbau in wei-\ncher Linie anschwellen lässt,\ndas ist ein Zeichen von ei-\ngener Kraft* Dass Schön-\nthal die Formen in ihrer Ge-\nsammtaufgabe erfasst, zeigen\nbesonders auch seine klei-\nneren Skizzen* Sandona\nund Kämmerer wären in\ndieser Beziehung wegen ih-\nrer Entwürfe für den Han-\nsenpreis gleichfalls zu erwäh-\nnen* Hoppe wurde bereits\nhervorgehoben*\nDem zweiten Jahrgang"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1752, "texte": "war eine grössere öffentliche Aufgabe gestellt, eine\nVolksbank für Wien* Auch hier ist ein Wagner-\nscher Grundgedanke von Tomek, Fenzei u* A*\nwirkungsvoll zum Ausdruck gebracht worden*\nDer dritte Jahrgang erhielt umfassendere Auf-\ngaben, bei denen die Eigenheit des Einzelnen mehr\nzum Ausdrucke gelangt* Der Eine zeigt mehr Er-\nfindungsgabe, der Andere mehr technisches Ge-\nschick* Jedenfalls sind die Arbeiten von Matouschek\nein Thiergarten, aber gross, architektonisch ge-\nfasst, nicht wie in Berlin, wo jedes Thier einen\nBau in „seinem” Stile hat von Melichar\nder Entwurf für eine Ausstellung von Swoboda\nein Spektakeltheater, von Kovacic das er-\nwähnte Schloss Orianda und Karasimeonoff\neine Universität in Sophia jede in ihrer Art\nsehr bedeutend*\nVon Matouschek, der sich unter den Vertretenen,\nbesonders in seinen genialen Skizzen, alsWagner's\nbedeutendster Schüler darstellt, ist auch ein etwas\nälterer Entwurf für die Jubiläumskirche zu sehen*\nMan findet, so sieht eine katholische Kirche nicht\naus* Die übliche gewiss nicht; aber das sollte ja\nauch nicht die übliche sein* Die gestellte Aufgabe\nwar eine dreifache und eigentlich in sich ein Wider-\nspruch; es sollte eine Jubiläumskirche des Kaisers,\neine Garnisonskirche und ein Denkmal für die\nKaiserin werden* Jeder Bewerber war also vor\neine peinliche Wahl gestellt* Hier ist jedenfalls\nein Bau von grossen charakteristischen Formen\ngeschaffen, der bis in die oberste Spitze in ge-\nwaltigem Wachsen emporstrebt und unter allen\nKirchen Wiens sich herausgehoben hätte, ein wah-\nres Jubiläumsdenkmal.\nBis jetzt hatte die neue Richtung eigentlich nie\nGelegenheit, sich in einem grossen, geschlossenen\nMonumentalbaue von so hervorragender Bedeutung\nzu zeigen; darum lohnt diesmal das Studium des"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1933, "texte": "Planes besonders* Wie hier im Innern z* B* die\nPilaster aufgegeben sind und dafür Lisenen über\nWölbung- hinweg von einer Wand auf die andere\nhinübergreifen, das ist die neugestaltende Kraft\nWagner's in gewaltigster Fassung**\nMan sieht deutlich, die Kunst entwickelt sich\nimmer mehr nach jener Richtung* hin, wo die\nKunstwerke wachsen, nicht mehr g*ebaut werden,\nwo auch das Material überwunden wird durch den\ngeistigen Inhalt des Werkes* Es ist auch bezeich-\nnend, was für Skizzen Pletschnik von Italien heim-\ngebracht hat; nicht Bramante und Palladio, son-\ndern die venezianische Barocke und Spätrom haben\nes ihm ang*ethan*\nWir stehen heute an der Grenze*\nWagner selbst glaubt vielleicht constructiv und\nsozusagen materiell vorzug-ehen — er thut es auch\nin gewissem Sinne* Aber Bismarck hat es von\nsich gestanden, dass aus seinen Unternehmungen\nimmer etwas Anderes geworden ist, als er selbst\ndachte, so wird auch aus Wagner's Beginnen viel-\nleicht etwas ganz Anderes werden , als er selbst\nheute meint* man grosse Bewegungen je-\ndoch zurück verfolgt, erkennt man meistens, dass\nbei den ersten Neuerem bereits Alles im Keime\nenthalten war; so wird man es dereinst auch bei\nWagner selbst finden* Nur macht er eben keine\nSchulentwürfe mehr, sondern er baut für die Wirk-\nlichkeit , und die ist heute noch nicht für all das\nreif* Aber Wagner freut sich offenbar, dass es\nsich in der jungen Welt so regt, wenn auch Manches\nnoch unvollkommen ist* Wie glücklich können\ndiese Schüler sein, dass ihr Lehrer seine Aufgabe\ndarin sieht, sie technisch zu lehren und geistig\ndurch seine überzeugende Persönlichkeit zu beein-\nflussen, aber nicht zu Akademikern zu machen*\nHier ruht die schönste Zukunft unserer Heimath*\n„Es ist eine Lust zu leben”, wenn man sieht, was\nsich hier vorbereitet* Ich bin überzeugt, der Ge-\nschichtschreiber der künftigen grossen Architektur\nwird in Wagner und seiner Schule die Wurzeln\nzu Allem finden*\n\nMORITZ DREGER"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-08-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-08_01#c028", "volume": "bmtnabf_1899-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.2.6.1", "titre_corps": "BUCHSCHMUCK", "titre_sommaire": "BUCHSCHMUCK", "signature_source": "PAUL ROLLER", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.24", "debut_caractere": 1935, "fin_caractere_exclue": 1958, "texte": "BUCHSCHMUCK\nPAUL ROLLER"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-08-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-08_01#c032", "volume": "bmtnabf_1899-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.2.7", "titre_corps": "AUFSTELLUNG VON KLINGER’S CHRISTUS IM OLYMP IN DER III. AUSSTELLUNG DER VEREINIGUNG. RAUMGESTALTUNG", "titre_sommaire": "AUFSTELLUNG VON KLINGER’S CHRISTUS IM OLYMP IN DER III. AUSSTELLUNG DER VEREINIGUNG. RAUMGESTALTUNG", "signature_source": "JOSEF HOFFMANN", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 118, "texte": "AUFSTELLUNG VON\nKLINGER’S CHRISTUS\nIM OLYMP IN DER\nIII. AUSSTELLUNG DER\nVEREINIGUNG. 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"https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3198, "texte": "DIE REFORMIERTE AKADEMIE\n\nGEDANKEN BEIM SCHLÜSSE DER SCHULAUSSTELLUNG\nWer bei uns plötzlich die Rede auf die Kunst-\nakademien brächte , der würde wohl die\nallerseltsamsten Vorstellungen in den Köpfen\nseiner Hörer erwecken*\nUnklare Bilder von Modell- und Aktstudien,\nPerspective- und Anatomievorträgen würden vor\nihren geistigen Augen vorbeihuschen, ohne dass\nsich selbst der, der doch sonst ganz gut über den\nBildungsgang eines Mediciners, Technikers oder\nJuristen aufgeklärt ist, Rechenschaft zu geben\nwüsste, wie dadurch aus einem einfachen Kunst-\njünger ein richtiger Kunstmaler, ein Bildhauer oder\ngar ein Architekt werden soll* Zu den Künstlern\nhat man eben keine Beziehungen; weder künst-\nlerische, denn man hat nie ein Verhältnis zur\nKunst besessen, noch gesellschaftliche; denn die\nKünstler, mit denen man im Salon verkehrt, haben\nin der Regel zu ihr längst\nauch keines mehr* Man lässt\nsich darum von einem Er-\nfahrenen auf die Specialschu-\nlen der berühmten Professo-\nren verweisen und begnügt\nsich schliesslich mit dem Be-\nwusstsein, dass die Akade-\nmie eine Hochschule und das,\nwas dort gelehrt wird, eine\nWissenschaft ist, die Wissen-\nschaft von der Kunst*\nEine Hochschule das\nist es nun eben* Eine Schule,\nwo eine Disciplin, eine Kunst\nsystematisch und vollständig\ngelehrt wird*\nMan denkt dabei unwill-\nkürlich an die vielen Colle-\ngien, die man einst in sei-\nner Rathlosigkeit wähl- und\nquallos belegte und dann\nbald gröblich vernachlässig-\nte, weil man darin nicht\ndie rasche Einführung in\nseinen Gegenstand fand, nicht\ndie vorhandenen Quellen\nund Schriften sicher benutzen\nlernte, sondern wie vor Gutenberg's Erfindung,\nnach, den Vorträgen neue umfangreiche Compendien\nschreiben sollte, die doch nur wieder mit Hilfe jener\nbereits gedruckten Werke zu berichtigen und zu\nverstehen waren* Man gab es daher zeitlich auf,\ndort die ersehnte, „harmonische Ausbildung seines\nGeistes” zu suchen und misstraute schliesslich auch\nden Seminarien, wo im Grunde meistens nur die\nStudien der Professoren gefördert werden, ob sie\ndie Fähigkeiten zum Arbeiter, zum Forscher ent-\nwickeln könnten* Wir, die wir uns so viel erst müh-\nsam mitten in der Arbeit erwerben mussten, was\nwir gerne schon unter dem Rüstzeug unserer Schul-\nweisheit besessen hätten, wissen, wie viel wir dem\nfreundschaftlichen Verkehre zu danken haben,\ndessen uns einsichtige Lehrer ausserhalb der Hör-\nsäle würdigten, indem sie uns einen Blick in ihr\neigenes Schaffen thun Hessen*\nWir erkennen darum auch\nbesser als andere, was an\nunseren Universitäten fast\nebenso morsch als ihre Pri-\nvilegien geworden ist, und wir\nhören es mit verständnissvol-\nler Theilnahme, wenn zu uns\nauch von anderswo die Kla-\ngen über die Aufgaben, Me-\nthoden, Mittel und Ziele un-\nserer Bildungsanstalten her-\nüberdringen, die ewigen Noth-\nschreie nach grösserer Berück-\nsichtigung der Forderungen\ndes praktischen Lebens*\nEs sind noch keine zehn\nJahre her, dass in Deutsch-\nland ein Buch ausging, das\ndie weitesten Kreise in Athem\nhielt* Darin stand viel\nSchmerzliches über unsere\nSchulen zu lesen und einiges\ndavon fand vielleicht sogar\nüber Gebühr Beachtung, so\nlange man als den Verfasser\neine hohe Persönlichkeit be-\ntrachtete, nach deren Zielen"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3465, "texte": "und Absichten man damals gerade ängstlich forschte*\nErst als sich dahinter ein armer Ideologe ent-\npupptet begann man seine Reformideen kühler zu\nbeurtheilen, lächelte darüber und behielt von seinen\nAusführungen nur den einen oder andern Ver-\ngleich im Gedächtniss, der den Nagel gerade auf\nden Kopf getroffen hatte* Ein solcher kommt mir\nauch jetzt in den Sinn und es will mich bedünken,\nals wäre es von ihm kein grausamer Scherz, son-\ndern eine bittere Wahrheit gewesen: die jetzige\ndeutsche Jugenderziehung sei eine Art von beth-\nlehemitischem Kindermord* Bitter; denn, was sie\nmordet t ist das Genie*\nDer Mann legte Werth auf die künstlerische\nErziehung seines VolkeSt vergass darob aber ganzt\nauf die Erziehung der Künstler selbst, auf ihre\nAkademien einen Blick zu werfen*\nEr hätte es da nicht minder beklagen müssen,\ndass man die Augen zu viel in die Vergangenheit\nund zu wenig auf die Gegenwart, geschweige denn\nin die Zukunft richtet, dass\nman noch immer fest an de*\nEintheilung einer überwun-\ndenen Epoche hält, die\nhochmüthig die Kategorien:\nMaler, Bildhauer und Land-\nschafter aufstellte und unter\ndem Maler von Gewicht nur\nden Historienmaler verstand,\nden, der es sich zur Aufgabe\ngemacht hat, längst gesche-\nhene weltgeschichtliche Er-\neignisse darzustellen, an de-\nnen ihn nichts weiter interes-\nsiren kann, als das Costume*\nDenn auf die Ausbildung\nzum Historienmaler legt die\nAkademie in erster Linie\nWerth* Ihr wendet sie ihre\ngrösste Sorge zu, ohne sich\nbewusst zu sein, dass sie\ndamit ein falsches Ziel im\nAuge hat*\nNicht der Könige Zwist,\nnicht die Schlacht bei den\nSchiffen ist es, was uns mo-\nderne Menschen bewegt*\nWer die Kunstausstellun-\ngen aufmerksam durchmus-\ntert, ich meine die, denen die-\nser Titel mit Ehren zukommt, dem leuchtet es aus\nallen Rahmen, von allen Sockeln entgegen: Was uns\nnahe geht, ist die innige Freude an der Natur, das\nwarme Interesse am Menschen, das Gefühl für die\nlebendige Gegenwart, für unser eigen Leid und\nFreud, für unser liebes Fleisch und Blut, Alles so\ngrundverschieden und wie die Sünde zuwider den\nakademischen zehn Geboten* Da ist nichts mehr\nblind in's Blaue hineingedichtet, jedes Ding ist mit\nirgend einem Ende mit dem Leben verknüpft* Ich\ngehöre in eines reichen Mannes Musikzimmer, sagt\ndas eine, ich in das Boudoir einer verwöhnten\nDame, das andere Werk*\nEin Schimmer der guten alten Zeit dämmert\nherauf, wo derselbe Griffel, der gestern den tiefsten\nGedanken Ausdruck verschaffte, die in eines Men-\nschen Kopf und Herzen nach Gestaltung rangen,\nheute ein Leuchterweiblein, morgen ein Wappen\nentwerfen half* Es ist, als ob wir wieder anklopfen\ndürften an die Thüren der Gefeierten, wenn es\nuns drängt, Dingen, mit de-\nnen wir uns umgeben wol-\nlen, ein neues Kleid zu wir-\nken* Der Künstler scheint\nuns wieder näher zu rücken,\nfür unsere Wünsche em-\npfänglicher zu werden, und\nlässt uns hoffen, dass er\ndem reichen Inhalt, den das\n19* dem 20* Jahrhundert zu\nvermachen hat, die künst-\nlerische Form erschaffen\nwerde, die es noch braucht,\num sich, als das geistig Be-\ndeutendste, an die Reihe der\nvergangenen zu schliessen*\nUnd wodurch wäre an-\ndererseits die alte Akade-\nmie schuld an dem Uebel-\nstände, dass wir diese Mitar-\nbeiterschaft, diesen lebendi-\ngen Verkehr mit den Künst-\nlern, entbehren müssten?\nDadurch, dass sie die\neifersüchtige Hüterin der so-\ngenannten reinen oder hohen\nKunst geworden war, eines\nBegriffes, der genau in dem\nAugenblicke erstand, wo die\ngrossen Leuchten der Kunst"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.28", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3354, "texte": "erloschen und sich die kleinen Lichtlein entzündeten,\nwo man im Hinblick auf das von ihnen Erreichte\nalles Handwerksmässige in seine Grenzen zurück-\nwies und sich mit dem Adel brüstete, den ein\ngünstiger Fürst seiner ersten Akademie verliehen\nhatte* Denn damit glaubte man die Verpflichtung\nübernommen zu haben, der neuen Würde ent-\nsprechend neue Ziele auszuforschen und sie in\nWort und Schrift umständlich zu erläutern* Be-\nzeichnend genug, dass der erste Kunstschreiber im\ngrossen Stile, Giorgio Vasari, auch der erste Aka-\ndemiker war* Nun blieb die gute Natur mehr\nabseits liegen* Man machte ihr zwar gelegentlich\nsein Compliment, holte sich im Uebrigen jedoch\nRath und Hilfe bei seinen berühmten Vorbildern,\nhier für den Ausdruck, dort für die Composition,\nbei diesem für die schöne Linie, bei jenem für das\nColorit, die Grazie* Noch in RaffaeFs Werfcstätte\nwaren sich die Schüler gegenseitig im Hemd und\nHose Modell gestanden, um einander in der Arbeit\nden Anblick des lebendi-\ngen Objectes zu vermitteln,\njetzt setzten sich die Aka-\ndemiker, wie eine alte\nZeichnung darthut, in mo-\ndischer Trächt an ihren\nZeichentisch, um beim\nKerzenschein Antike nach\nGipsabgüssen zu studiren*\nDie Kunst hatte sich vom\nLeben ab- und der Ver-\ngangenheit zu gewandt*\nSie hatte damit eine lange\nSchlinge zu durchlaufen,\nbis sie in unseren Tagen\nwieder, ohne hohe Schule,\nja ihr gerade entgegen-\nstrebend, in die alte Bahn\neinlenken konnte* Wir\nstaunen über diesen ver-\nlorenen Weg freilich nicht,\nwenn wir einmal erkannt\nhaben, in welch starres\nSystem sich die Akade-\nmien gekleidet haben, ein\nSystem, das sich nicht\nnach den Zeitverhältnis-\nsen allmählig ausgestaltet\nund ihren Forderungen\ngemäss Glied für Glied\nentwickelt hat, sondern festgefügt gleich dem\nKopfe ihrer Schöpfer entsprungen ist* Wir be-\ndauern es nur, dass sich ihm kein noch so ein-\nsichtsvoller Lehrer je entziehen konnte, dass es\nkein noch so wilder Stürmer und Dränger je zu\nzersprengen vermochte* Denn viel naives Em-\npfinden, viele künstlerische Individualitäten sind\nihm erlegen*\nWenn ich sage: viel, so will ich damit nicht\nhart werden, ich spreche nur unter dem Eindrücke\neines Besuches der Hamburger Kunsthalle, wo ein\nfür echte Kunst begeisterter Direktor die Geschichte\nder Malerei seiner Vaterstadt, dieser coloristisch so\nhochbegabten Schule, in ihren Werken dargestellt\nhat* Wir sehen da bedeutende Talente, die unter\nglücklichen Umständen die deutsche Kunst wieder\nauf einen Höhepunkt gebracht hätten, in ihren\nunbeeinflussten Dilettantenjahren gar kräftig die\nFlügel entfalten, leider aber nicht zum Fliegen\nkommen; denn die Akademie, in deren Netze sie\ngeriethen, hat sie ihnen\narg gerupft und so kurz\nverschnitten, dass sie nur\nmehr als lahme Classi-\ncisten dahinflatterten, die\nsich, als bleiche Carton-\nzeichner, vor ihrem eige-\nnenFarbengefühl zu fürch-\nten anfingen* Aus mäch-\ntig aufwärts strebenden\nGenies sind kleinliche, zag-\nhafte Gemüther geworden,\ndie hilfesuchend nach Mus-\ntern spähen und stets auf\nder Hut sind, gegen irgend\neine wichtige Regel zu\nverstossen*\nWo alles so fest ge-\ngliedert war, mussten na-\ntürlich auch die Mittel,\ndie den Akademien zur\nVerfügung gestellt wur-\nden, den Zwang nur ver-\nmehren* Sie haben fast\nkein Stipendium, keinen\nPreis aufzuweisen, der\nnicht dem Bewerber in\nirgend einer Beziehung\nbei seinem Schaffen\nSchranken auferlegte oder"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.29", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3063, "texte": "nicht wieder in erster Linie dem Historienmaler\nzu Gute käme*\nOb daher die Akademien heute noch unseren,\nvon der Vergangenheit so gänzlich abweichenden\nBestrebungen viel Förderung bringen können, ist\nschwer zu sagen* Es müssten sich denn ihre Ziele,\nMethoden und Mittel völlig ändern* Aengstliche\nGemüther brauchen darüber noch nicht zu er-\nschrecken* Noch geht es nicht an die Grund-\nmauern selbst* Was uns der freieren Bewegung\nhinderlich erscheint, sind lediglich einige Zwischen-\nwände, ein paar Trennungsmauern*\nFassen wir z* B* gleich das Ziel ins Auge und\nlassen wir den Historienmaler fallen, der seine Zeit\nso gut im Grabe liegen hat, wie die Röcke, die\ner malt, die ihre, so wäre als neuer Grundsatz\naufzustellen: An einer Kunstschule werde nichts\nanderes gelehrt, als nach\nder Natur zu arbeiten\nund im Zusammenhang\ndamit nur so viel, als\ndas Handwerkliche er-\nheischt, das jeder Kunst\nzu Grunde liegt* Mehr\nverlange man nicht* Die\nNatur auch in den\nhöheren Jahrgängen als\nAusgangspunkt aller\nKunst zu erkennen,\nbraucht ein Akademiker\nkeine andere Erziehung\nmehr* Im Gegentheil,\nwas darüber ist, ist vom\nUebel besonders alle\nComponier- und Meister-\nschulen* Die Franzosen,\nvon denen wir auf die-\nsem Gebiet noch immer\nviel zu lernen hätten,\nkennen sie daher auch\nnicht* Dort werden „die\nBilder” daheim gemalt\nund nur ein Tag in der\nWoche ist frei, wo sie\nvorgezeigt werden dürfen*\nSelten aber mag diese Er-\nlaubniss wer gebrauchen*\nSie verzichten auf jene\nCompositionsregeln, so\nviele ihrer auch aufge-\nstellt und zu Generalbässen der Malerei vereinigt\nwurden. soll man daher sagen, wenn unsere\nLandschafter und vor ein paar Jahren noch die\nThiermaler im 4. Stockwerke des Hauses durch\ndrei Viertel des Jahres Landschaften COMPO-\nNIERTEN und nur wenige Wochen Aug' und\nHand im Freien schulten?!\nDie schwierigste Auf gäbe , die dem Maler ge-\ngeben werden kann und die man ihm auf der\nAkademie stellen sollte, ist, einen nackten oder\nbekleideten Menschen in eine dem Wesen des\nModelles entsprechende bildliche Form zu bringen*\nWas sehen wir jedoch auf unseren Schulausstel-\nlungen, die doch Rechenschaft zu geben haben\nvon den Fortschritten unserer aufstrebenden jungen\nLeute: kleine winzige Akte, in den paar Abend-\nstunden gezeichnet, selten etwas in Lebensgrösse*\nMan merkt es an den\nCompositions-V ersuchen,\nwie wenig Verständniss\nfür die Bewegung, für\ndie Maschinerie des Lei-\nbes vorhanden ist* Das\nist kein sonderlich nutz-\nbringendes Jahr, nicht\nförderlicher als das an-\ndere, das dem Zeichnen\nder Gipse gewidmet ist,\ndem Gipse, diesem schänd-\nlichen Material, in dem\nalle künstlerische Form\nuntergeht* Und noch da-\nzu zu den Abgüssen der\nAntike, die vom Reifsten\nerst spät, vom Anfänger\nnie verstanden wird*\nKönnte man denn nicht\nauch da zu Näherliegen-\ndem, zur Florentiner Plas-\ntik des Quattrocento oder\nnoch besser zum Abgusse\nnach der Natur greifen?\nNichts empfindet der\nstrebsame Kunstjünger\nlästiger, als diesen Zwang*\nIhn aufzuheben,lasse man\nlieber gleich die ganze\nEintheilung in die vier\nVorbereitungsklassen fal-\nlen* Werfen wir aber-"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.30", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3215, "texte": "mals einen Blick nach Paris, so finden wir, dass\ndort auch die Leute, die sich im Salon bereits ihre\nMedaillen erworben haben, in der Lage sind, sich\nzu Studienzwecken abermals in die Akademie ein-\nschreiben zu lassen, um so ohne grosse Modell-\nkosten neuerdings Studien zu machen* Diese ge-\nreiften und bereits anerkannten Künstler sitzen\ndann im selben Zeichensaale neben den Anfängern,\ndie ihre ersten Versuche wagen, und unterrichten\nsie so durch ihr Beispiel am schnellsten und gründ-\nlichsten* Das Arbeiten an der Seite eines Erfah-\nrenen, die unmittelbare Anschauung, wie ein Werk\nan gelegt, durchgeführt und vollendet wird, wirkt mehr\nals viele Worte* Auch wird dort niemand ge-\nhindert, heute einen Kopf, morgen einen Akt zu\nunternehmen, wozu ihn eben die Stimmung treibt,\ndas Beste, was einem Künstler zu Theil werden\nkann* Der Lehrer spielt dort aber auch mehr die\nRolle eines älteren erfahrenen Freundes als die\neines Schulmeisters* Und damit sind wir bei der\nwichtigsten Frage: WIE SOLLEN DIE LEHR-\nKRÄFTE BESCHAFFEN SEIN? angelangt*\nLeider bieten die Lehrer der jungen Generation\nselten das, was die Gegenwart oder die Zukunft\nverlangt* Denn im besten Falle werden sie in der\nVollkraft ihrer Jahre als Erzieher der Jugend an\neine Schule berufen* Sie üben daher nur so lange\nihr Amt mit Erfolg aus, als sich ihre Anschau-\nungen und Ueberzeugungen mit den herrschenden\nKunstströmungen decken* Die Erfahrung aber\nlehrt, dass schon nach einem Jahrzehnt die vor-\nwärts drängende Bewegung den Künstlern ganz\nneue Ziele aufnöthigt* Gesetzt den Fall nun, man\nbequemt sich ihnen einmal an, wird man es auch\nein zweites oder drittes Mal? Man verliert dazu\ndie Fähigkeit und verhält sich endlich dem Neuen,\ndurchaus Berechtigten, gegenüber schroff und ab-\nlehnend* Hat sich nicht dieser oder jener bereits\ngegen Makart erklärt, dann die realistische Rich-\ntung, das Plein Air verkannt und ahnt nicht im\nmindesten, dass sich schon wieder eine neue Be-\nwegung aus der vorgehenden entwickelt? Ein an\nder Spitze der modernen Bewegung stehender\nKünstler machte darum jüngst den Vorschlag, der\nStaat möge den Lehrer nur in der Vollkraft seiner\nJahre im Amte belassen, nicht länger als zehn*\nZeigt es sich dann noch, dass er sich frisch\nerhalten, so wäre eine Wiederwahl nicht ausge-\nschlossen* Eine Reform in diesem Sinne würde\nin der That eine völlige Umwälzung und Gesun-\ndung zur Folge haben*\nHätten wir damit ein neues Ziel und eine neue\nMethode, so blieben nur mehr die Mittel zu regene-\nrieren, ich meine die Preise und Stipendien* An-\nstatt den herangebildeten jungen Meister nach\nItalien zu schicken, wo ihm Kunst und Natur\neben so fremd sein werden, wie die Antike zum\nBeginn seiner Lehrzeit, lehre man ihn dorthin gehen,\nwo er selbst seine Vollendung zu finden hofft, an\neine andere, berühmte Schule, an einen Ort, wo\nein bewegtes Kunsttreiben herrscht* Dort wird er\nerkennen, wo die lebende Kunst hinaus will* Der\nZusammenhang zwischen Künstler und Publikum\nkönnte damit gar bald wieder hergestellt sein und\nwir hätten die Aussicht, dass mit der Zeit, wo\nunter den feinen Zügen der „hohen” Kunst der\nGoldgrund des Handwerkes wieder durchschimmert,\ndie alten gesegneten Tage abermals anbrechen\nwürden*\n\nV. 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VON V. S\nMAX KLINGER\nDIE NEUE BAUSCHULE. VON MORITZ\nDREGER j7\nDIE REFORMIERTE AKADEMIE. VON\nV. S\nWEISSE NARCISSEN. VON GUSTAV\nFALKE\nANSICHTEN UND ZEICHNUNGEN VON DEM\nHOFPAVILLON DER WIENER STADTBAHN.\nVON OBERBAURATH OTTO WAGNER.\nSTUDIEN VON MAX KLINGER, GEDICHT-\nUMRAHMUNG VON F. FREIH. VON MYR-\nBACH. SCHWARZ-WEISS VON E. M. LILIEN,\nALFONS MUCHA, ADOLF BÖHM UND PAUL\nROLLER.\nREDAKTION:\nFRIEDRICH KÖNIG, KOLOMAN MOSER.\nJOSEPH M. OLBRICH. ALFRED ROLLER.\n\n• Vv'r\\? fPWLUIRiCfI IM fi©FWfl •\n• I I|CTZfM(Q MASSMfe 11: IO ■"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.2", "texte": "ANSICHT DES HOFPAVILLONS. HAUPTFAÇADE"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.3", "texte": "DER HOFPAVILLON DER WIENER\nSTADTBAHN\n\nAuf seinem Zuge aus dem Herzen der\nStadt nach dem waldigen Wienthal e\nführt einer der neu eröffneten Arme\nder Wiener Stadtbahn an dem alten\nkaiserlichen Lustschlosse Schönbrunn vorbei* Hier\npflegt der Kaiser von Österreich einen grossen\nTheil des Frühjahrs und des Herbstes zu ver-\nbringen* Deshalb und da auch gekrönte Häupter,\ndie in Wien zu Gaste weilen, mitunter hier wohnen,\nergab sich die Nothwendigkeit, nächst Hietzing\neine Hofhaltestelle der Stadtbahn zum Gebrauche\ndes Monarchen und seiner hohen Gäste zu\nschaffen*\nMan durfte gespannt sein, wie die neue Kunst\nunserer Tage man hat sich gewöhnt, sie kurz\ndie „Moderne” zu nennen welche so tief in die\nGestaltung unserer Wohn- und Arbeitsräume ein-\ngegriffen hat und die die ganzen Bauten der Stadt-\nbahn beherrscht, sich gegenüber der Aufgabe, die\nihr hier zum erstenmalc gestellt wurde; die Um-\ngebung für ein gekröntes Haupt zu schaffen, ver-\nhalten werde. Sagen wir es gleich: das Ergebniss\nist ein glänzendes, die Moderne hat auf einem\nihr bisher fremden Gebiete einen herrlichen und,\nman darf wohl hoffen, folgenschweren Sieg er-\nrungen. Allerdings wurde sie zu diesem Siege geführt\ndurch einen ihrer grössten Feldherren, durch den\nkünstlerischen Schöpfer der gesammten Stadtbahn-\nbauten, den k. k. Oberbaurath Professor OTTO\nWAGNER. Wie wir durch ihn erfahren, haben\nmm diesmal folgende Künstler seines Ateliers zur\nSeite gestanden: Carl Adalb. Fischl, I. M. Olbrich\nund Leopold Bauer.\nDie Situation für den Hofpavillon war dem\nKünstler als feststehend gegeben. Da die Bahn\nhier als Tiefbahn führt, steht der Pavillon über\ndem Bahneinschnitte*\nDas Herz des Baues ist der kaiserliche Warte-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.4", "texte": "UNTERFAHRT DES\nHOFPAVILLONS"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.5", "texte": "salon* Er hat einen acht-\neckigen Grundriss und\nwird von einer kupfer-\ngetriebenen Kuppel be-\nkrönt* Es ist bemerkens-\nwie diese, aus dem\nCentrum des Gebäudes\naufsteigend und dasselbe\ndominierend, einen wohl-\nthuenden Zusammen-\nhang mit den barocken\nBaulichkeiten des Schön-\nbrunner Schlosses her-\nstellt , natürlich ohne\nauch nur eine Barockform\nzu copieren*\nDem ganzen, aus Ei-\nsen, Stein und Putz auf-\ngeführten Gebäude ist\neine bequeme Auffahrts-\nrampe vorgelagert* Sie\nträgt schmiedeeiserne\nCandelaber für Bogen-\nlampen, an welchen die\nconstructiv bedingten\nFormen in ebenso ein-\nfacher wie edler Weise\nzum Kunstgebilde aus-\ngestaltet sind* Dies gilt\nauch von den schmiede-\neisernen Geländern und\nder verglasten eisernen\nUeberdachung des mitt-\nleren Rampentheiles*\nDurch einen Vorraum,\nwelcher über dem dies-\nseitigen Perron gelegen\nist, betritt man den acht-\neckigen kaiserlichen War-\ntesalon, dessen Tiefe der\nEntfernung entspricht,\nwelche die beiden Stütz-\nmauern des Bahnein-\nschnittes von einander\ntrennt* Vom Vorraume\nlinks nimmt die kaiserliche\nSuite den Weg um das\nOctogon herum zu ihrem,\nüber dem jenseitigen Per-\nron g elegenen W arteraum\ndurch einen loggiaartigen\nCorridor, von welchem\naus auch die Abgänge\nzu den beiden Perrons\nerfolgen*\nZiehen wir zunächst\ndas Octogon, den\nraum des Kaisers, in Be-\ntracht*\nWenn die Kunstfor-\nschung späterer Zeiten\ndavon sprechen wird, wie\ndie Kunst unserer Zeit\ndaran gesundete, dass sie\nsich wieder von dem\nZweck ihres Werkes lei-\nten liess, dann wird dieser\nRaum wohl oft als typi-\n\nGITTER DER TERRASSE\n\nLAMPE IM STIEGENHAUS"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.6", "texte": "sches Schulbeispiel angeführt\nwerden; denn er ist in ge-\nnialer Consequenz bis zur\nkleinen Einzelheit hinab\nnichts anderes als das der\nNatur mit intimem Verständ-\nniss abgelauschte und Form\ngewordene Gehaben seines\nBewohners*\nDa steht z* B* dem Ein-\ngang gegenüber, mit einer\noriginellen Decke behängen\nein Tisch, nicht im Mittel-\npunkte des Raumes, sondern\nmehr gegen die Rückwand\ngeschoben* Wer je Gelegen-\nheit hatte, das Gehaben des\nMonarchen beim Betreten\neines solchen Zwecken die-\nnenden Raumes zu beobach-\nten, kann sich nun sofort\nlebhaft vorstellen, wie er mit\nseinen raschen, elastischen\nSchritten den Raum durch-\nmisst, bei dem Tischchen\nhalt macht und jetzt, die\nFinger der rechten Hand\nleicht darauf gestützt, die\nLinke am Säbelgefäss, die\nMeldung erwartet, dass alles\nzur Abfahrt bereit sei* Diese\nSecunden des Wartens dem\nMonarchen durch den An-\nblick eines Kunstwerkes zu\nkürzen, lag nahe* Echt mo-\ndern aber war es von Wag-\nner, zu diesem Zwecke in\ndie Rückwand des Salons\nnicht etwa eine frostige ge-\nmalte Apotheose oder dergl*\neinzufügen, sondern mit dem\nKunstwerk zugleich einen\nUeberblick über den ganzen\nStadtbahnbau, jenes grosse\nWerk der Technik, das zu\nbenützen der hohe Fahrgast\nsoeben im Begriffe steht, zu\nverbinden* So liess er denn\nvon CARL MOLL einen\nBlick auf Wien aus der Bai-\nlonhöhe von 3000 m über der\nSchönbrunner Gloriette ma-\nlen* Natürlich lässt sich bei\ndieser Annahme der ganze\nZug der neuen Stadtbahnan-\nläge genau verfolgen*\nEine unglaublich geniale\nLösung im erwähnten Sinne\nhat der Knüpfteppich, der den\nganzen Boden des Salons be-\ndeckt, erfahren* Er ist näm-\nlich thatsächlich decoriert\ndurch die Wege, welche der\nKaiser von seinem Platze am\nTischchen aus nach den ver-\nschiedenen Thüren des Rau-\nmes hin nehmen kann* Strah-\nlenförmig schiessen von die-\nsem Punkte die Leitlinien\nnach all den verschiedenen\nSeiten hin und lassen zwi-\nschen einander nur schmale\nZwickel frei, welche durch\nein aus Philodendronblättern\ngebildetes Ornament ausge-\nfüllt werden*\nDer Philodendron („Baum-\nlieb”) ist überhaupt das\nGrundmotiv für den ganzen\nornamentalen Schmuck des\nRaumes, wohl eine Anspie-\nlung auf die bekannte Na-\nturliebe und Waldessehnsucht\ndes Herrschers* In mattem\nRoth breiten sich die Philo-\ndendronblätter in den schma-\nlen Zwickelstreifen zwischen\nden heller gehaltenen Geh-\nbahnen am Boden aus, in\ndunkelrothem Sammt erschei-\nnen sie an den Wänden, auf\nheller rothem, schmalgestreif-\nten Seidenstoff appliciert, und\nschmücken sie die Rückleh-\nnen der Sitzgelegenheiten,\nderen Sitze jedoch den glatten\nStoff auf weisen* Das Roth\ndes Bodenbelages zieht sich\nübrigens vom Eingänge an\ndurch alle Räume des Baues,\n\nCANDELABER DER\nRAMPE"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.7", "texte": "die der Kaiser betritt, über die Stiegenabgänge\nhinab bis zum Waggon. Nirgends belästigt ein\nstärkerer Tonunterschied die Aufmerksamkeit des\nrasch Dahinschreitenden.\nDieses Roth des Bodens und das der Wände\nklingt zu einem prächtigen, wirklich kaiserlichen\nAccord zusammen mit dem durch zarte, vergoldete\nSchnitzerei belebten Jungmahagoni der Täfelung,\nder zeltartigen Decke, des Mobiliars und der hohen\nFlügelthüren.\nVon diesen führen zwei, in den Ecken an-\ngeordnete, zu den breiten Stiegenabgängen auf die\nbeiden Abfahrtperrons für die beiden Richtungen\nder Bahn nach dem Praterstern und nach Hütteldorf.\nEine dritte Eckthüre führt zur Toilette und die\nvierte Eckwand wird durch den Kamin eingenommen.\nLetzterer ist aus besonders schönen Stücken von\nLaaser Onyx gearbeitet und bei völligem Mangel\njedes plastischen Schmuckes von einer, nur durch\ndas edle Material erzeugten, grossartigen Wirkung.\nVon den beiden Wänden, welche auf die Ein-\ngangs- und die Bildwand normal stehen, wird die\neine durch ein grosses Fenster, die andere durch\neine Glasthüre eingenommen, die zu einer ge-\nschlossenen Loggia führt. Vor der Loggia lässt\nsich auf einer Terrasse ein kleiner Garten arran-\ngieien. Auch diese Loggia hat einen ernsten Zweck\nund ist weit entfernt bloss decorative Absichten\nzu verfolgen. Oft kommt es nämlich vor, dass\nAvt *n den letzten Minuten vor seiner\nAbfahrt noch ein Telegramm oder einen Befehl\nniederzuschreiben wünscht. Für solche Gelegen-\nheiten nun ist in dieser Loggia ein Schreibtisch\nauf gestellt, welcher als Beleuchtungskörper genau\neine ebensolche Lampe trägt, wie sie sich auf den\nArbeitstischen des hftonarchen in seinen jeweiligen\nAufenthaltsorten vorfinden.\nDie Beleuchtungskörper in diesem Bau wären\nüberhaupt ein gesondert zu behandelndes Capitel.\nSie kommen als Stehlampen und als Deckenbeleuch-\ntung im Salon, als Wandbeleuchtung in den Corri-\ndoren und auf den Stiegen, als freihängende\nBeleuchtungskörper in der Unterfahrt, als Bogen-\nlichtcandelaber auf der Rampe vor und überall\nhat Wagner es verstanden, den mannigfachen\nErfordernissen, die sich aus dem gewollten Beleuch-\ntungseffect, der Bedienung und artung des Körpers\nergeben, mit geradezu verblüffender Einfachheit\nund Schönheit gerecht zu werden.\nAehnliches Hesse sich von den Plafondlösungen\n\nLOGGIA-ECKE"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.8", "texte": "TEPPICH DES HOFWARTE-\nSALONS"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.9", "texte": "in den einzelnen Räumen sagen* Wo andere sich\nmit Gesimsen quälen, da steigen bei Wagner, wie\nin der Loggia z* B*, einige schlanke Stucklinien\naus der Wandfläche heraus, neigen sich, schliessen\nsich an der Decke wieder zum strammen Bündel,\ntragen sie so und benehmen dem Raume alles\nKasten- und Schachtelartige*\nOder in den Ecken der Corridore* Da ergeben\nsich durch die Achtecksform des Mittelraumes\nfünfeckige Plafonds* Ein mehrfacher, in den Putz\nder weissen Decke hineingeschnittener Kreis mit\nein paar schönempfundenen Linien darin, löst die\nFrage in ebenso einfacher als angenehmer Weise*\nUnd wie heiter weiss Wagner die Spiegelscheiben\nseiner Fenster zu beleben* Die Mattierung des\nunteren Theiles entwickelt sich im oberen zum\nschmalen Rahmen* In ihr sitzt ein goldenes Linien-\nornament, begleitet von einer Mattierung stärkeren\nGrades, die mit reizvoller Weichheit vom Golde\nzum Glas hinüberleitet*\nAn Einfachheit der Lösung ist auch die Ab-\ngrenzung des für den Kaiser und seine Gäste be-\nstimmten Theiles des Perrons ein Unicum, indem der\nabgesperrte Theil durch ein rothsammtenes Velum,\nwelches verschiebbar ist, grösser oder kleiner ge-\nmacht werden kann, je nachdem der Empfang mit\noder ohne Ehrencompagnie stattfindet*\nBetritt man aber den, hinter dem kaiserlichen\nSalon gelegenen Warteraum der Suite, da lernt man\nerst recht das künstlerische Feingefühl Wagners\nbewundern, dem es gelungen ist, die beiden Räume\nin ihrer Wirkung so fein und treffend zu differen-\nzieren* Wie bescheiden wirkt das zarte Grün und\nSilber dieses Raumes gegen das volle prächtige\nRoth des kaiserlichen Salons! Wie glücklich sind\ndie Stühle dimensioniert, für kurzes Verweilen\nzwar bequeme Rast aber auch die Möglichkeit\nraschesten Erhebens gewährend* Sieht man wie\nalles das durchdacht, mit welchem immensen Auf-\nwand von Geist und welcher ungeheuren Erfah-\nrung das alles gemacht ist, dann glaubt man gerne,\ndass der hohe Herr, für dessen Gebrauch das Ge-\nbäude bestimmt ist, sich darüber ausserordentlich\nlobend geäussert habe, zumal da es nicht nothwendig\nwar, ausländische Kräfte heranzuziehen, sondern\nMaterial wie Arbeit durchweg dem Inlande ent-\nstammen*\nUnd die Arbeit ist von einer Exactheit, die\nnichts zu wünschen übrig lässt* Sie ist ein schönes\n\nLOGGIA-KAMIN"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.10", "texte": "Zeugniss dafür, was unsere einheimischen Kräfte\nunter der richtigen Leitung leisten können*\nDas ist es ja, was den Werken Wagners, ab-\ngesehen von aller ihrer sonstigen Bedeutung, einen\nbesonderen Reiz verleiht, dass sie das Gefühl abso-\nluter Erledigtheit vermitteln, weil er die Construction\nnicht vertuscht, sondern ausbildet, weil er von dem\nMateriale nie eine Wirkung* verlangt, die demselben\nnicht innewohnt, ihm nie eine Function zumuthet,\ndie es nicht erfüllen kann* Deshalb und weil er ein\nOrganisator allerersten Ranges ist, erreicht er seine\nAbsicht immer bis zur allerletzten Vollendung*\nEr ist der hohe Culturmensch, der jedes Bedürfniss\ndes modernen Lebens fühlend erfasst, und der\n\nGESTICKTE TISCHDECKE IM HOFWARTESALON"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.11", "texte": "SALON DER SUITE"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.12", "texte": "KUPPELRAUM\nDES BAUES. HOFWARTESALON"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.13", "texte": "souveräne Künstler, der für jedes Gefühl eine sicht-\nbare Form findet, die den Nagel auf den Kopf\ntrifft* Deshalb sind auch seine Werke europäische\nThaten* Und diese künstlerische Persönlichkeit\nwird seit Jahren bei uns in der schärfsten Weise\nbekämpft und befehdet* Es ist ein Glück für unsere\nKunst, dass Wagner neben allen seinen künst-\nlerischen Gaben auch die schöne menschliche\nEigenschaft unverwüstlicher Jugendfrische besitzt*\nDas Wort „eternamente giovine”, wenn es nicht\nschon bestünde, für Wagner müsste es erfunden\nwerden*\nDer kleine Hofpavillon in Hietzing wird der\nNachwelt über unsere Zeit mehr erzählen, als\nmancher traurige Monumentalbau, den wir erstehen\nsehen mussten. Er bedeutet einen Triumph der\nmodernen Kunstprincipien und einen Triumph für\nden künstlerischen Schöpfer der Stadtbahn, dessen\ngigantisches Vorwärtsschreiten auf der betretenen\nBahn seine Zeit mit Freude und Stolz erfüllen muss.\nFIN I S\n\nV. S.\n\nDECKENFENSTER DES\nKUPPELRAUMES"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.14", "texte": "MAX KLINGER\nV. S.\nDank der Liebenswürdigkeit unseres correspondierenden Mitgliedes Prof.\nMax Klinger sind wir in der angenehmen Lage, nachstehend einige seiner\nStudien wiedergeben zu können. Sie gehören zu jenen interessanten Federzeich-\nnungen, welche die Vorstudien zu seinen radierten Platten bilden. Unschwer wird\nman in einigen derselben Gestalten erkennen, welche auf dem schönen Blatte „An\nBöcklin” wiederkehren. Die zunehmende Neigung Klingers, seinen Kunst-\ngedanken durch plastische Werke Ausdruck zu verleihen, entzieht den Meister\ngegenwärtig fast ganz der Griffelkunst, so dass ihm für derartige zeichnerische\nStudien augenblicklich der Anlass, ja selbst die Zeit fehlt. Um so grösserem\nInteresse dürften daher die mitgetheilten Blätter begegnen.\n\nSTUDIE\nMAX KLINGER"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.15", "texte": "STUDIE\nMAX KLINGER"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.16", "texte": "STUDIE\nMAX KLINGER"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.17", "texte": "DIE NEUE BAUSCHULE\n(AUSSTELLUNG DER SCHÜLER OTTO WAGNERS)\n\nEs giebt Bauwerke, denen man sofort ansieht,\ndass sie gebaut worden sind, und solche, die aus-\nsehen, als wären sie von selbst emporgewachsen*\nWarum die eine Zeit mehr diese, die andere mehr\njene Wirkung erstrebt, lässt sich hier nicht in\nwenigen Worten erklären; es genüge, dieThatsache\nhervorzuheben*\nDie Renaissance und vielfach die alten Römer\nbauen ihre Gebäude Schicht über Schicht auf; sie\nscheuen sich nicht, die Keilsteine der Bogen, die\nQuadern der Mauern, ja sogar Rand und Spiegel\njedes Steines deutlich zu zeigen* Der Orient, das\nMittelalter, die Barocke, vor allem aber schon die\nalten Griechen haben ihre Bauten wie durch inneren\norganischen Trieb aus der Erde herauswachsen\nlassen* Besonders die letzteren haben ihre fein-\ngeschliffenen Marmorquadern so ausgeklügelt über-\neinander gebracht, dass von den Fugen keine Spur\nzu sehen war, und, wo das bei rauherem Material\nnicht anging, wurde alles mit gleichmässigem Stuck\nüberzogen; dazu kam auch beim Marmor noch\neine leuchtende farbige Schicht* Ebenso schwinden\ndie gothischen Constructionsformen unter dem\nZauberteppiche der Farbe* Die Oberfläche des\nBarockbaues mag aus Putz oder Haustein bestehen,\nkünstlerisch ist das Ganze nur eine einheitliche\nbildsame Masse, die wie Thon unter den Händen\ndes Künstlers neue Formen annimmt, bei denen\nman an den Stoff nicht denken darf*\nIm Griechenthume ist diese Richtung am reinsten\nim dorischen Stile ausgeprägt, jenem Stile, der im\ngriechischen Mittelalter, ich meine, der Zeit von\nder dorischen Völkerwanderung bis zu den Perser-\nkriegen, sich hauptsächlich ausgebildet und ver-\n\nAM STRANDE\nMAX KLINGER"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.18", "texte": "STUDIE\nMAX KLINGER"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.19", "texte": "STUDIE\nMAX KLINGER"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.20", "texte": "breitet hat* Die gleichfalls auf uralter Ueberliefe-\nrung fussende, ins griechische Alterthum zurüefc-\nreichende jonische Baukunst ist erst nach den\nPerserferiegen im eigentlichen Griechenlande wieder\nstärker hervorgetreten, hat dann allerdings, beson-\nders in seiner korinthischen Weiterentfaltung, den\nDorismus fast völlig verdrängt* Ich sehe auch in\nden athenischen Bauten der perikleischen Zeit\nkeine zufällige Mischung der beiden Stile, sondern\nZeugen des heftigen Ringens zweier grosser Strö-\nmungen* Ueberhaupt müssen wir uns die griechi-\nschen Stile durchaus als kein solches Nebeneinander\nvorstellen, wie uns die Schulbücher lehren, sondern\nals Ergebniss nacheinander auf tretender Wandlungen\nder Gesammtbildung, die sich allerdings an einem\nOrte früher, am anderen später geltend machten\nund an einigen wohl auch nie ausschliesslich zur\nHerrschaft gelangten*\nDie sogenannte klassische Zeit der Griechen\nist in gewissem Sinne eine Renaissance der my-\nkenischen, deren strahlender Verkünder Homer\nwar, an welchen sich wieder die grossen Drama-\ntiker schlossen* Dieser Zeit ist nicht mehr die\ngrosse einige Masse, in der das Einzeinwesen nur\nlyrisch hindämmert, das Ideal, sondern das Indi-\nviduum in seiner vollsten Entfaltung* Im jonischen\nStile beginnen bereits die einzelnen Glieder, Säule,\nSims, Giebel und deren Untertheile, ihr ideelles\nSonderleben zu führen; doch liegt Alles gewisser-\nmassen noch unter einer schützenden Hülle* Wann\nund wo man es zum ersten Mal wagte, diese Hülle\nfallen zu lassen und den Organismus sozusagen\nin seiner Nacktheit zu zeigen, ist mir noch nicht\nklar geworden; jedenfalls zeigen sich Bauten der\nKaiserzeit vielfach in dieser entschleierten Wahr-\nheit* Es ist die Zeit der Rustika, die in der\nRenaissance ihr Wiedererstehen feierte*\nErst die späte Antike legt wieder farbenpräch-\ntige Mosaik- und Marmorgewänder um die ge-\nwaltigen Mauercolosse, die uns heute nur als Ruinen\nihren Aufbau deutlich verrathen* Von da an bis\nzur Renaissance herrscht eine Kunstperiode, deren\nWandlungen gering sind im Vergleich zu dem,\nwas sie einigt*\nEs ist nothwendig, sich diese grosse Entwicklung\nin der Vergangenheit klar zu machen, wenn man sich\nheute, wo beide Richtungen wieder wirksam sind\nund einander bekämpfen, zurechtfinden will*\nCornelius Gurlitt meinte einmal, das Schwierigste\nin der Architektur wäre das Finden eines neuen\nGrundrisses* Nun, fast alle grossen Baumeister\nunseres Jahrhunderts, besonders auch Semper und\nunsere Wiener haben den neuen, grossen Aufgaben\nentsprechend auch neue Grundrisse geschaffen, und\nes wäre nicht schwer, den gemeinsamen Grundzug\nbei Allen festzustellen* Aber die Formensprache,\ndie sie gebrauchen, stimmt zu den grossen Grund-\nrissgedanken meist gar nicht wie sie nach\nmeiner Ueberzeugung auch in hellenistischer und\nfrührömischer Zeit vielfach nicht passte* Rom\nmuss, nach den Ruinen zu schliessen, eine Fülle\ngeschmackloser Bauwerke in seinen Mauern ge-\nborgen haben* Seien wir nur auch darin unbefangen!\nDoch zurück zu unserer Zeit!\nDie üblichen Renaissanceformen wollen sich in\nihrer engen Geschlossenheit schon am wenigsten in\nunsere reichbewegten Grundrisse fügen* Die Barocke\nkann mit ihrer Bravour in unserer kühleren Zeit\nunmöglich echt sein, wie auch die mittelalterlichen\nStile entweder theaterhaft oder öde ausfallen*\nOtto Wagner, der Führer der neuen Bewegung,\nist aus der Renaissance-Richtung hervorgegangen,\naber er hat sich von ihren Reizen nicht bethören\nlassen, etwa wie ein italienischer Redner, der nur\nder klangvollen Worte halber spricht* Wenn man\nsich an die Formen der Renaissance hält, wo jedes\nGlied sein eigenes Recht beansprucht, so muss man\ndie einzelnen Theile, damit sie innerlich wahr\nsind, ihrer besonderen Aufgabe und ihrem Materiale\ngemäss ausgestalten oder letzteres wenigstens ent-\nsprechend wählen* Daher wirft Wagner einen\ngrossen Theil der überlieferten Formen als heute\nnichtssagend bei Seite und gewöhnt so früh sich\nund Andere, die Schönheit mehr in der Linie, als\nin der Fülle des Zierrathes zu sehen; deshalb be-\nvorzugt er auch gerade Formen späterer Epochen,\ndie unserem heutigen Gefühle näher sind; deshalb\nschafft er bisweilen, besonders im Eisenbaue, auch\nganz Neues, das sich aber als künstlerisch echt,\ndem Auge nicht aufdrängt*\nDoch dieses Sichten und Neubilden ist nur ein\nTheil von Wagner's Schaffen, jener Theil, der\nauf den Alten fussend, sozusagen die letzte Fol-\ngerung aus Renaissance und Klassicismus zieht*\nLauter Wahrheiten aneinander gereiht, geben viel-\nleicht ein gutes Nachschlagebuch, aber kein Kunst-\nwerk* Aufgaben, wie sie in so reicher Entwick-\nlung seit gut einem Jahrtausend nicht da waren,\nverlangen vor allem den Ausdruck des grossen\nGesammtorganismus*"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.21", "texte": "STUDIE\nMAX KLINGER"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.22", "texte": "Das Streben darnach tritt\nnun auch bei Wagner deut-\nlich und siegreich hervor*\nEr schafft nicht nur Bau-\ntheile, die wie Säulen, Simse,\nGiebel einen gewissen Bau-\ngedanfcen ausdrücken, wo\nsie auch sein mögen, son-\ndern auch Formen, die\nähnlich den barocken, ge-\nrade nur an der Stelle, wo\nsie sich finden, überhaupt\nSinn haben und in jedem\nBauorganismus neu gefunden\nwerden müssen* Hier setzt\nnach meinem Gefühle das\neigentlich Neue an* Und\ndieser Zug scheint auch auf\ndie Schüler Wagner's die\ngrösste Wirkung zu üben*\nMan könnte hier das\nenglische und belgische Mö-\nbel zum Vergleiche heran-\nziehen, von denen das eine\ndie äusserste Reduktion der\nälteren Formen, das andere\nvöllig neue Hauptlinien dar-\nstellt; nur vereinigt eben\nWagner die Vorzüge beider\nRichtungen in sich*\nIn der letzten Schulaus-\nstellung sind es eigentlich\nnur Kestranek und Kovacic,\nletzterer mit einem etwas\nkühlen aber grossartigen\nEntwürfe zu Schloss Orian-\nda, die hauptsächlich Wag-\nner's, wenn ich so sagen\nkann, abklärender Richtung\nfolgen* Die Andern knüpfen\nvor allem an die oben an-\ngedeuteten, viel weiter ge-\nhenden Absichten des Meis-\nters* Und so kommt es,\ndass sie ihm vielfach über\nden Kopf zu wachsen schei-\nnen, nicht im Erreichten, je-\ndoch im Gewollten*\nIch finde es von Wagner\nsehr richtig, dass er die jün-\ngeren Kräfte sich so aus-\nleben lässt , wie mir über-\nhaupt seine Lehre eine sehr\nzielbewusste zu sein scheint*\nDer erste Jahrgang bekommt\nimmer eine einfache prak-\ntische Aufgabe, diesmal ein\nZinshaus, für das ein be-\nstimmter Platz im Innern\nder Stadt angenommen wur-\nde, wie bei ihm überhaupt\nLuftschlösser in's Blaue hin-\nein nicht entworfen werden*\nDie Aehnlichkeit der ver-\nschiedenen Grundrisse er-\nklärt sich aus dem Schulzu-\nsammenhange, ebenso der\ndurchgehende Hauptgedan-\nke der Aufrisse* Die unteren\nGeschosse sind zu einem\ngrossen, gemeinsamen Kör-\nper verbunden, vor den sich\ndie Schaukästen der Ge-\nschäfte legen* Kräftige\nLisenen laufen an den Ecken\nempor und fassen so die\nFläche zusammen, während\ndie überschüssige Kraft sich\nin der Mitte noch in einem\nAufbaue entlädt oder wie\nbei Hoppe rückzuströmen\nscheint* Das ist Alles echter\nWagner* Wie aber z* B*\nSchönthal das Schema im\nEinzelnen durchempfindet\nund den Unterbau in wei-\ncher Linie anschwellen lässt,\ndas ist ein Zeichen von ei-\ngener Kraft* Dass Schön-\nthal die Formen in ihrer Ge-\nsammtaufgabe erfasst, zeigen\nbesonders auch seine klei-\nneren Skizzen* Sandona\nund Kämmerer wären in\ndieser Beziehung wegen ih-\nrer Entwürfe für den Han-\nsenpreis gleichfalls zu erwäh-\nnen* Hoppe wurde bereits\nhervorgehoben*\nDem zweiten Jahrgang\n\nSTUDIE\nMAX KLINGER"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.23", "texte": "war eine grössere öffentliche Aufgabe gestellt, eine\nVolksbank für Wien* Auch hier ist ein Wagner-\nscher Grundgedanke von Tomek, Fenzei u* A*\nwirkungsvoll zum Ausdruck gebracht worden*\nDer dritte Jahrgang erhielt umfassendere Auf-\ngaben, bei denen die Eigenheit des Einzelnen mehr\nzum Ausdrucke gelangt* Der Eine zeigt mehr Er-\nfindungsgabe, der Andere mehr technisches Ge-\nschick* Jedenfalls sind die Arbeiten von Matouschek\nein Thiergarten, aber gross, architektonisch ge-\nfasst, nicht wie in Berlin, wo jedes Thier einen\nBau in „seinem” Stile hat von Melichar\nder Entwurf für eine Ausstellung von Swoboda\nein Spektakeltheater, von Kovacic das er-\nwähnte Schloss Orianda und Karasimeonoff\neine Universität in Sophia jede in ihrer Art\nsehr bedeutend*\nVon Matouschek, der sich unter den Vertretenen,\nbesonders in seinen genialen Skizzen, alsWagner's\nbedeutendster Schüler darstellt, ist auch ein etwas\nälterer Entwurf für die Jubiläumskirche zu sehen*\nMan findet, so sieht eine katholische Kirche nicht\naus* Die übliche gewiss nicht; aber das sollte ja\nauch nicht die übliche sein* Die gestellte Aufgabe\nwar eine dreifache und eigentlich in sich ein Wider-\nspruch; es sollte eine Jubiläumskirche des Kaisers,\neine Garnisonskirche und ein Denkmal für die\nKaiserin werden* Jeder Bewerber war also vor\neine peinliche Wahl gestellt* Hier ist jedenfalls\nein Bau von grossen charakteristischen Formen\ngeschaffen, der bis in die oberste Spitze in ge-\nwaltigem Wachsen emporstrebt und unter allen\nKirchen Wiens sich herausgehoben hätte, ein wah-\nres Jubiläumsdenkmal.\nBis jetzt hatte die neue Richtung eigentlich nie\nGelegenheit, sich in einem grossen, geschlossenen\nMonumentalbaue von so hervorragender Bedeutung\nzu zeigen; darum lohnt diesmal das Studium des\n\nSTUDIE\nMAX KLINGER"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.24", "texte": "Planes besonders* Wie hier im Innern z* B* die\nPilaster aufgegeben sind und dafür Lisenen über\nWölbung- hinweg von einer Wand auf die andere\nhinübergreifen, das ist die neugestaltende Kraft\nWagner's in gewaltigster Fassung**\nMan sieht deutlich, die Kunst entwickelt sich\nimmer mehr nach jener Richtung* hin, wo die\nKunstwerke wachsen, nicht mehr g*ebaut werden,\nwo auch das Material überwunden wird durch den\ngeistigen Inhalt des Werkes* Es ist auch bezeich-\nnend, was für Skizzen Pletschnik von Italien heim-\ngebracht hat; nicht Bramante und Palladio, son-\ndern die venezianische Barocke und Spätrom haben\nes ihm ang*ethan*\nWir stehen heute an der Grenze*\nWagner selbst glaubt vielleicht constructiv und\nsozusagen materiell vorzug-ehen — er thut es auch\nin gewissem Sinne* Aber Bismarck hat es von\nsich gestanden, dass aus seinen Unternehmungen\nimmer etwas Anderes geworden ist, als er selbst\ndachte, so wird auch aus Wagner's Beginnen viel-\nleicht etwas ganz Anderes werden , als er selbst\nheute meint* man grosse Bewegungen je-\ndoch zurück verfolgt, erkennt man meistens, dass\nbei den ersten Neuerem bereits Alles im Keime\nenthalten war; so wird man es dereinst auch bei\nWagner selbst finden* Nur macht er eben keine\nSchulentwürfe mehr, sondern er baut für die Wirk-\nlichkeit , und die ist heute noch nicht für all das\nreif* Aber Wagner freut sich offenbar, dass es\nsich in der jungen Welt so regt, wenn auch Manches\nnoch unvollkommen ist* Wie glücklich können\ndiese Schüler sein, dass ihr Lehrer seine Aufgabe\ndarin sieht, sie technisch zu lehren und geistig\ndurch seine überzeugende Persönlichkeit zu beein-\nflussen, aber nicht zu Akademikern zu machen*\nHier ruht die schönste Zukunft unserer Heimath*\n„Es ist eine Lust zu leben”, wenn man sieht, was\nsich hier vorbereitet* Ich bin überzeugt, der Ge-\nschichtschreiber der künftigen grossen Architektur\nwird in Wagner und seiner Schule die Wurzeln\nzu Allem finden*\n\nMORITZ DREGER\n\nBUCHSCHMUCK\nPAUL ROLLER"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.25", "texte": "AUFSTELLUNG VON\nKLINGER’S CHRISTUS\nIM OLYMP IN DER\nIII. AUSSTELLUNG DER\nVEREINIGUNG. RAUMGESTALTUNG\nVON\nJOSEF HOFFMANN"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.26", "texte": "DIE REFORMIERTE AKADEMIE\n\nGEDANKEN BEIM SCHLÜSSE DER SCHULAUSSTELLUNG\nWer bei uns plötzlich die Rede auf die Kunst-\nakademien brächte , der würde wohl die\nallerseltsamsten Vorstellungen in den Köpfen\nseiner Hörer erwecken*\nUnklare Bilder von Modell- und Aktstudien,\nPerspective- und Anatomievorträgen würden vor\nihren geistigen Augen vorbeihuschen, ohne dass\nsich selbst der, der doch sonst ganz gut über den\nBildungsgang eines Mediciners, Technikers oder\nJuristen aufgeklärt ist, Rechenschaft zu geben\nwüsste, wie dadurch aus einem einfachen Kunst-\njünger ein richtiger Kunstmaler, ein Bildhauer oder\ngar ein Architekt werden soll* Zu den Künstlern\nhat man eben keine Beziehungen; weder künst-\nlerische, denn man hat nie ein Verhältnis zur\nKunst besessen, noch gesellschaftliche; denn die\nKünstler, mit denen man im Salon verkehrt, haben\nin der Regel zu ihr längst\nauch keines mehr* Man lässt\nsich darum von einem Er-\nfahrenen auf die Specialschu-\nlen der berühmten Professo-\nren verweisen und begnügt\nsich schliesslich mit dem Be-\nwusstsein, dass die Akade-\nmie eine Hochschule und das,\nwas dort gelehrt wird, eine\nWissenschaft ist, die Wissen-\nschaft von der Kunst*\nEine Hochschule das\nist es nun eben* Eine Schule,\nwo eine Disciplin, eine Kunst\nsystematisch und vollständig\ngelehrt wird*\nMan denkt dabei unwill-\nkürlich an die vielen Colle-\ngien, die man einst in sei-\nner Rathlosigkeit wähl- und\nquallos belegte und dann\nbald gröblich vernachlässig-\nte, weil man darin nicht\ndie rasche Einführung in\nseinen Gegenstand fand, nicht\ndie vorhandenen Quellen\nund Schriften sicher benutzen\nlernte, sondern wie vor Gutenberg's Erfindung,\nnach, den Vorträgen neue umfangreiche Compendien\nschreiben sollte, die doch nur wieder mit Hilfe jener\nbereits gedruckten Werke zu berichtigen und zu\nverstehen waren* Man gab es daher zeitlich auf,\ndort die ersehnte, „harmonische Ausbildung seines\nGeistes” zu suchen und misstraute schliesslich auch\nden Seminarien, wo im Grunde meistens nur die\nStudien der Professoren gefördert werden, ob sie\ndie Fähigkeiten zum Arbeiter, zum Forscher ent-\nwickeln könnten* Wir, die wir uns so viel erst müh-\nsam mitten in der Arbeit erwerben mussten, was\nwir gerne schon unter dem Rüstzeug unserer Schul-\nweisheit besessen hätten, wissen, wie viel wir dem\nfreundschaftlichen Verkehre zu danken haben,\ndessen uns einsichtige Lehrer ausserhalb der Hör-\nsäle würdigten, indem sie uns einen Blick in ihr\neigenes Schaffen thun Hessen*\nWir erkennen darum auch\nbesser als andere, was an\nunseren Universitäten fast\nebenso morsch als ihre Pri-\nvilegien geworden ist, und wir\nhören es mit verständnissvol-\nler Theilnahme, wenn zu uns\nauch von anderswo die Kla-\ngen über die Aufgaben, Me-\nthoden, Mittel und Ziele un-\nserer Bildungsanstalten her-\nüberdringen, die ewigen Noth-\nschreie nach grösserer Berück-\nsichtigung der Forderungen\ndes praktischen Lebens*\nEs sind noch keine zehn\nJahre her, dass in Deutsch-\nland ein Buch ausging, das\ndie weitesten Kreise in Athem\nhielt* Darin stand viel\nSchmerzliches über unsere\nSchulen zu lesen und einiges\ndavon fand vielleicht sogar\nüber Gebühr Beachtung, so\nlange man als den Verfasser\neine hohe Persönlichkeit be-\ntrachtete, nach deren Zielen\n\nE. M. LILIEN"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.27", "texte": "und Absichten man damals gerade ängstlich forschte*\nErst als sich dahinter ein armer Ideologe ent-\npupptet begann man seine Reformideen kühler zu\nbeurtheilen, lächelte darüber und behielt von seinen\nAusführungen nur den einen oder andern Ver-\ngleich im Gedächtniss, der den Nagel gerade auf\nden Kopf getroffen hatte* Ein solcher kommt mir\nauch jetzt in den Sinn und es will mich bedünken,\nals wäre es von ihm kein grausamer Scherz, son-\ndern eine bittere Wahrheit gewesen: die jetzige\ndeutsche Jugenderziehung sei eine Art von beth-\nlehemitischem Kindermord* Bitter; denn, was sie\nmordet t ist das Genie*\nDer Mann legte Werth auf die künstlerische\nErziehung seines VolkeSt vergass darob aber ganzt\nauf die Erziehung der Künstler selbst, auf ihre\nAkademien einen Blick zu werfen*\nEr hätte es da nicht minder beklagen müssen,\ndass man die Augen zu viel in die Vergangenheit\nund zu wenig auf die Gegenwart, geschweige denn\nin die Zukunft richtet, dass\nman noch immer fest an de*\nEintheilung einer überwun-\ndenen Epoche hält, die\nhochmüthig die Kategorien:\nMaler, Bildhauer und Land-\nschafter aufstellte und unter\ndem Maler von Gewicht nur\nden Historienmaler verstand,\nden, der es sich zur Aufgabe\ngemacht hat, längst gesche-\nhene weltgeschichtliche Er-\neignisse darzustellen, an de-\nnen ihn nichts weiter interes-\nsiren kann, als das Costume*\nDenn auf die Ausbildung\nzum Historienmaler legt die\nAkademie in erster Linie\nWerth* Ihr wendet sie ihre\ngrösste Sorge zu, ohne sich\nbewusst zu sein, dass sie\ndamit ein falsches Ziel im\nAuge hat*\nNicht der Könige Zwist,\nnicht die Schlacht bei den\nSchiffen ist es, was uns mo-\nderne Menschen bewegt*\nWer die Kunstausstellun-\ngen aufmerksam durchmus-\ntert, ich meine die, denen die-\nser Titel mit Ehren zukommt, dem leuchtet es aus\nallen Rahmen, von allen Sockeln entgegen: Was uns\nnahe geht, ist die innige Freude an der Natur, das\nwarme Interesse am Menschen, das Gefühl für die\nlebendige Gegenwart, für unser eigen Leid und\nFreud, für unser liebes Fleisch und Blut, Alles so\ngrundverschieden und wie die Sünde zuwider den\nakademischen zehn Geboten* Da ist nichts mehr\nblind in's Blaue hineingedichtet, jedes Ding ist mit\nirgend einem Ende mit dem Leben verknüpft* Ich\ngehöre in eines reichen Mannes Musikzimmer, sagt\ndas eine, ich in das Boudoir einer verwöhnten\nDame, das andere Werk*\nEin Schimmer der guten alten Zeit dämmert\nherauf, wo derselbe Griffel, der gestern den tiefsten\nGedanken Ausdruck verschaffte, die in eines Men-\nschen Kopf und Herzen nach Gestaltung rangen,\nheute ein Leuchterweiblein, morgen ein Wappen\nentwerfen half* Es ist, als ob wir wieder anklopfen\ndürften an die Thüren der Gefeierten, wenn es\nuns drängt, Dingen, mit de-\nnen wir uns umgeben wol-\nlen, ein neues Kleid zu wir-\nken* Der Künstler scheint\nuns wieder näher zu rücken,\nfür unsere Wünsche em-\npfänglicher zu werden, und\nlässt uns hoffen, dass er\ndem reichen Inhalt, den das\n19* dem 20* Jahrhundert zu\nvermachen hat, die künst-\nlerische Form erschaffen\nwerde, die es noch braucht,\num sich, als das geistig Be-\ndeutendste, an die Reihe der\nvergangenen zu schliessen*\nUnd wodurch wäre an-\ndererseits die alte Akade-\nmie schuld an dem Uebel-\nstände, dass wir diese Mitar-\nbeiterschaft, diesen lebendi-\ngen Verkehr mit den Künst-\nlern, entbehren müssten?\nDadurch, dass sie die\neifersüchtige Hüterin der so-\ngenannten reinen oder hohen\nKunst geworden war, eines\nBegriffes, der genau in dem\nAugenblicke erstand, wo die\ngrossen Leuchten der Kunst\n\nE. M. LILIEN"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.28", "texte": "erloschen und sich die kleinen Lichtlein entzündeten,\nwo man im Hinblick auf das von ihnen Erreichte\nalles Handwerksmässige in seine Grenzen zurück-\nwies und sich mit dem Adel brüstete, den ein\ngünstiger Fürst seiner ersten Akademie verliehen\nhatte* Denn damit glaubte man die Verpflichtung\nübernommen zu haben, der neuen Würde ent-\nsprechend neue Ziele auszuforschen und sie in\nWort und Schrift umständlich zu erläutern* Be-\nzeichnend genug, dass der erste Kunstschreiber im\ngrossen Stile, Giorgio Vasari, auch der erste Aka-\ndemiker war* Nun blieb die gute Natur mehr\nabseits liegen* Man machte ihr zwar gelegentlich\nsein Compliment, holte sich im Uebrigen jedoch\nRath und Hilfe bei seinen berühmten Vorbildern,\nhier für den Ausdruck, dort für die Composition,\nbei diesem für die schöne Linie, bei jenem für das\nColorit, die Grazie* Noch in RaffaeFs Werfcstätte\nwaren sich die Schüler gegenseitig im Hemd und\nHose Modell gestanden, um einander in der Arbeit\nden Anblick des lebendi-\ngen Objectes zu vermitteln,\njetzt setzten sich die Aka-\ndemiker, wie eine alte\nZeichnung darthut, in mo-\ndischer Trächt an ihren\nZeichentisch, um beim\nKerzenschein Antike nach\nGipsabgüssen zu studiren*\nDie Kunst hatte sich vom\nLeben ab- und der Ver-\ngangenheit zu gewandt*\nSie hatte damit eine lange\nSchlinge zu durchlaufen,\nbis sie in unseren Tagen\nwieder, ohne hohe Schule,\nja ihr gerade entgegen-\nstrebend, in die alte Bahn\neinlenken konnte* Wir\nstaunen über diesen ver-\nlorenen Weg freilich nicht,\nwenn wir einmal erkannt\nhaben, in welch starres\nSystem sich die Akade-\nmien gekleidet haben, ein\nSystem, das sich nicht\nnach den Zeitverhältnis-\nsen allmählig ausgestaltet\nund ihren Forderungen\ngemäss Glied für Glied\nentwickelt hat, sondern festgefügt gleich dem\nKopfe ihrer Schöpfer entsprungen ist* Wir be-\ndauern es nur, dass sich ihm kein noch so ein-\nsichtsvoller Lehrer je entziehen konnte, dass es\nkein noch so wilder Stürmer und Dränger je zu\nzersprengen vermochte* Denn viel naives Em-\npfinden, viele künstlerische Individualitäten sind\nihm erlegen*\nWenn ich sage: viel, so will ich damit nicht\nhart werden, ich spreche nur unter dem Eindrücke\neines Besuches der Hamburger Kunsthalle, wo ein\nfür echte Kunst begeisterter Direktor die Geschichte\nder Malerei seiner Vaterstadt, dieser coloristisch so\nhochbegabten Schule, in ihren Werken dargestellt\nhat* Wir sehen da bedeutende Talente, die unter\nglücklichen Umständen die deutsche Kunst wieder\nauf einen Höhepunkt gebracht hätten, in ihren\nunbeeinflussten Dilettantenjahren gar kräftig die\nFlügel entfalten, leider aber nicht zum Fliegen\nkommen; denn die Akademie, in deren Netze sie\ngeriethen, hat sie ihnen\narg gerupft und so kurz\nverschnitten, dass sie nur\nmehr als lahme Classi-\ncisten dahinflatterten, die\nsich, als bleiche Carton-\nzeichner, vor ihrem eige-\nnenFarbengefühl zu fürch-\nten anfingen* Aus mäch-\ntig aufwärts strebenden\nGenies sind kleinliche, zag-\nhafte Gemüther geworden,\ndie hilfesuchend nach Mus-\ntern spähen und stets auf\nder Hut sind, gegen irgend\neine wichtige Regel zu\nverstossen*\nWo alles so fest ge-\ngliedert war, mussten na-\ntürlich auch die Mittel,\ndie den Akademien zur\nVerfügung gestellt wur-\nden, den Zwang nur ver-\nmehren* Sie haben fast\nkein Stipendium, keinen\nPreis aufzuweisen, der\nnicht dem Bewerber in\nirgend einer Beziehung\nbei seinem Schaffen\nSchranken auferlegte oder\n\nE.M. LILIEN"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.29", "texte": "nicht wieder in erster Linie dem Historienmaler\nzu Gute käme*\nOb daher die Akademien heute noch unseren,\nvon der Vergangenheit so gänzlich abweichenden\nBestrebungen viel Förderung bringen können, ist\nschwer zu sagen* Es müssten sich denn ihre Ziele,\nMethoden und Mittel völlig ändern* Aengstliche\nGemüther brauchen darüber noch nicht zu er-\nschrecken* Noch geht es nicht an die Grund-\nmauern selbst* Was uns der freieren Bewegung\nhinderlich erscheint, sind lediglich einige Zwischen-\nwände, ein paar Trennungsmauern*\nFassen wir z* B* gleich das Ziel ins Auge und\nlassen wir den Historienmaler fallen, der seine Zeit\nso gut im Grabe liegen hat, wie die Röcke, die\ner malt, die ihre, so wäre als neuer Grundsatz\naufzustellen: An einer Kunstschule werde nichts\nanderes gelehrt, als nach\nder Natur zu arbeiten\nund im Zusammenhang\ndamit nur so viel, als\ndas Handwerkliche er-\nheischt, das jeder Kunst\nzu Grunde liegt* Mehr\nverlange man nicht* Die\nNatur auch in den\nhöheren Jahrgängen als\nAusgangspunkt aller\nKunst zu erkennen,\nbraucht ein Akademiker\nkeine andere Erziehung\nmehr* Im Gegentheil,\nwas darüber ist, ist vom\nUebel besonders alle\nComponier- und Meister-\nschulen* Die Franzosen,\nvon denen wir auf die-\nsem Gebiet noch immer\nviel zu lernen hätten,\nkennen sie daher auch\nnicht* Dort werden „die\nBilder” daheim gemalt\nund nur ein Tag in der\nWoche ist frei, wo sie\nvorgezeigt werden dürfen*\nSelten aber mag diese Er-\nlaubniss wer gebrauchen*\nSie verzichten auf jene\nCompositionsregeln, so\nviele ihrer auch aufge-\nstellt und zu Generalbässen der Malerei vereinigt\nwurden. soll man daher sagen, wenn unsere\nLandschafter und vor ein paar Jahren noch die\nThiermaler im 4. Stockwerke des Hauses durch\ndrei Viertel des Jahres Landschaften COMPO-\nNIERTEN und nur wenige Wochen Aug' und\nHand im Freien schulten?!\nDie schwierigste Auf gäbe , die dem Maler ge-\ngeben werden kann und die man ihm auf der\nAkademie stellen sollte, ist, einen nackten oder\nbekleideten Menschen in eine dem Wesen des\nModelles entsprechende bildliche Form zu bringen*\nWas sehen wir jedoch auf unseren Schulausstel-\nlungen, die doch Rechenschaft zu geben haben\nvon den Fortschritten unserer aufstrebenden jungen\nLeute: kleine winzige Akte, in den paar Abend-\nstunden gezeichnet, selten etwas in Lebensgrösse*\nMan merkt es an den\nCompositions-V ersuchen,\nwie wenig Verständniss\nfür die Bewegung, für\ndie Maschinerie des Lei-\nbes vorhanden ist* Das\nist kein sonderlich nutz-\nbringendes Jahr, nicht\nförderlicher als das an-\ndere, das dem Zeichnen\nder Gipse gewidmet ist,\ndem Gipse, diesem schänd-\nlichen Material, in dem\nalle künstlerische Form\nuntergeht* Und noch da-\nzu zu den Abgüssen der\nAntike, die vom Reifsten\nerst spät, vom Anfänger\nnie verstanden wird*\nKönnte man denn nicht\nauch da zu Näherliegen-\ndem, zur Florentiner Plas-\ntik des Quattrocento oder\nnoch besser zum Abgusse\nnach der Natur greifen?\nNichts empfindet der\nstrebsame Kunstjünger\nlästiger, als diesen Zwang*\nIhn aufzuheben,lasse man\nlieber gleich die ganze\nEintheilung in die vier\nVorbereitungsklassen fal-\nlen* Werfen wir aber-\n\nE. M. LILIEN"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.30", "texte": "mals einen Blick nach Paris, so finden wir, dass\ndort auch die Leute, die sich im Salon bereits ihre\nMedaillen erworben haben, in der Lage sind, sich\nzu Studienzwecken abermals in die Akademie ein-\nschreiben zu lassen, um so ohne grosse Modell-\nkosten neuerdings Studien zu machen* Diese ge-\nreiften und bereits anerkannten Künstler sitzen\ndann im selben Zeichensaale neben den Anfängern,\ndie ihre ersten Versuche wagen, und unterrichten\nsie so durch ihr Beispiel am schnellsten und gründ-\nlichsten* Das Arbeiten an der Seite eines Erfah-\nrenen, die unmittelbare Anschauung, wie ein Werk\nan gelegt, durchgeführt und vollendet wird, wirkt mehr\nals viele Worte* Auch wird dort niemand ge-\nhindert, heute einen Kopf, morgen einen Akt zu\nunternehmen, wozu ihn eben die Stimmung treibt,\ndas Beste, was einem Künstler zu Theil werden\nkann* Der Lehrer spielt dort aber auch mehr die\nRolle eines älteren erfahrenen Freundes als die\neines Schulmeisters* Und damit sind wir bei der\nwichtigsten Frage: WIE SOLLEN DIE LEHR-\nKRÄFTE BESCHAFFEN SEIN? angelangt*\nLeider bieten die Lehrer der jungen Generation\nselten das, was die Gegenwart oder die Zukunft\nverlangt* Denn im besten Falle werden sie in der\nVollkraft ihrer Jahre als Erzieher der Jugend an\neine Schule berufen* Sie üben daher nur so lange\nihr Amt mit Erfolg aus, als sich ihre Anschau-\nungen und Ueberzeugungen mit den herrschenden\nKunstströmungen decken* Die Erfahrung aber\nlehrt, dass schon nach einem Jahrzehnt die vor-\nwärts drängende Bewegung den Künstlern ganz\nneue Ziele aufnöthigt* Gesetzt den Fall nun, man\nbequemt sich ihnen einmal an, wird man es auch\nein zweites oder drittes Mal? Man verliert dazu\ndie Fähigkeit und verhält sich endlich dem Neuen,\ndurchaus Berechtigten, gegenüber schroff und ab-\nlehnend* Hat sich nicht dieser oder jener bereits\ngegen Makart erklärt, dann die realistische Rich-\ntung, das Plein Air verkannt und ahnt nicht im\nmindesten, dass sich schon wieder eine neue Be-\nwegung aus der vorgehenden entwickelt? Ein an\nder Spitze der modernen Bewegung stehender\nKünstler machte darum jüngst den Vorschlag, der\nStaat möge den Lehrer nur in der Vollkraft seiner\nJahre im Amte belassen, nicht länger als zehn*\nZeigt es sich dann noch, dass er sich frisch\nerhalten, so wäre eine Wiederwahl nicht ausge-\nschlossen* Eine Reform in diesem Sinne würde\nin der That eine völlige Umwälzung und Gesun-\ndung zur Folge haben*\nHätten wir damit ein neues Ziel und eine neue\nMethode, so blieben nur mehr die Mittel zu regene-\nrieren, ich meine die Preise und Stipendien* An-\nstatt den herangebildeten jungen Meister nach\nItalien zu schicken, wo ihm Kunst und Natur\neben so fremd sein werden, wie die Antike zum\nBeginn seiner Lehrzeit, lehre man ihn dorthin gehen,\nwo er selbst seine Vollendung zu finden hofft, an\neine andere, berühmte Schule, an einen Ort, wo\nein bewegtes Kunsttreiben herrscht* Dort wird er\nerkennen, wo die lebende Kunst hinaus will* Der\nZusammenhang zwischen Künstler und Publikum\nkönnte damit gar bald wieder hergestellt sein und\nwir hätten die Aussicht, dass mit der Zeit, wo\nunter den feinen Zügen der „hohen” Kunst der\nGoldgrund des Handwerkes wieder durchschimmert,\ndie alten gesegneten Tage abermals anbrechen\nwürden*\n\nV. S.\n\nADOLF\nBÖHM"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.31", "texte": "GUSTAV FALKE.\nWeisse Narcissen leuchten\nÜber dein Bild her und sagen\nMit leisen Märchenstimmen\nVon heimlichen Frühlingstagen.\nVon heimlichen, warmen Tagen,\nWo sich die Blumen verfrühten,\nStille, weisse Sterne,\nAus meinem Herzen blühten.\nStille, weisse Sterne\nDer Liebe, dich zu schmücken.\nAber du giengst vorüber,\nDurftest sie nicht pflücken.\nIrgendwo warten,\nGewiegt von zärtlichen Winden,\nRothe Rosen deiner;\nDu wirst den Weg wohl finden.\nIndessen leuchten die stillen,\nGrossen Narcissensterne\nÜber dein Bild, wie aus weiter,\nWeisser Märchenferne.\nHAMBURG.\n\nWEISSENARCISSEN\nF. FREIH. V.\nMYRBACH"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189908-01.1.32", "texte": "Für die Redaktion verantwortlich: E. A. Seemann, Leipzig.\nDruck von Ernst Hedrich Nachf., Leipzig.\n\nSTUDIE\nALFONS MUCHA"}]}