{"numero_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_sha256": "9dbbfb5c6cb87119f519b7b3803b71e95b470327c60ba47fe6e7cc64b53e6060", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabf/issues/1899/09_01/bmtnabf_1899-09_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabf/issues/1899/09_01/bmtnabf_1899-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c001", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.1", "titre_corps": "INHALT", "titre_sommaire": "INHALT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 422, "texte": "INHALT\nSEITE\nNACHRUF AN C. M. GIOVANNI SEGANTINI . L\nAUS DEM BUCHE DER DREIZEHN ERZÄH- M\nLUNGEN. SECHS ERZÄHLUNGEN. VON\nERNST SCHUR\nZUR WERTHSCHÄTZUNG DER JAPANISCHEN\nKUNST. VON MORITZ DREGER J 8\nMITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDEN-\nDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS . .... 32\nJAPANISCHE SCHABLONENSCHNITTE,\nZEICHNUNGEN UND STUDIEN VON EMIL ORLIK.\nREDAKTIONV'f; ’\nFRIEDRICH KÖNIG. KOLOMAN MOSER,\nJOSEPH M. OLBRICH.' ALFRED ROLLER."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c002", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.2", "titre_corps": "JAPANISCHER SCHABLONENSCHNITT", "titre_sommaire": "JAPANISCHER SCHABLONENSCHNITT", "signature_source": "EMIL ORLIK", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.2", "debut_caractere": 424, "fin_caractere_exclue": 453, "texte": "JAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c003", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.3", "titre_corps": "GIOVANNI SEGANTINI", "titre_sommaire": "GIOVANNI SEGANTINI", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1114, "texte": "C. M.\nGIOVANNI SEGANTINI.\n15. Januar 1858 28. September 1899.\nNoch sind auf unserem Tische die Blumen nicht ganz verwelkt,\ndie uns Giovanni Segantini jüngst zum Grusse sandte und schon\nstehen wir vor ihnen und sinnen mit traurigen Blicken, wie wir ihm\ndaraus einen Todtenkranz wänden, um ihn an den besten Platz des\nHauses, an seinen mächtigsten Grundpfeiler zu hängen, den er selbst\nmitbegründen und miterbauen half. Die Alpenrosen, die in seinem\nStrauss so blass geworden sind, werden in unserm Kranze dann\nnoch mehr erbleichen, aber ihre freundlichen Schwestern, denen unser\ntodter Freund mit seiner Künstlerhand ein dauerndes Leben schuf,\nwerden ihnen von ihrer Unsterblichkeit geben und ein quellfrischer\nHauch seiner reinen Kunst wird jeden Moderduft von ihnen weh'n.\nKlagen wir über seinen zeitigen Hingang, so tröste uns das Wort\ndes Dichters: „Nun geniesst er im Andenken der Nachwelt den\nVortheil, als ein ewig Tüchtiger und Kräftiger zu erscheinen; denn\nin der Gestalt, wie ein Mensch die Erde verlässt, wandelt er unter\nden Schatten und so bleibt uns Achill als ewig strebender Jüng-\nling gegenwärtig.”"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c004", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "8", "image_debut": 3, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.4", "titre_corps": "DAS THEEFEST AM HAKONE-SEE", "titre_sommaire": "DAS THEEFEST AM HAKONE-SEE", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 973, "texte": "DAS THEEFEST AM HAKONE-SEE.\nHeute Abend sollte das grosse, alljährlich wie-\nderkehren de Theefest begangen werden.\nman rüstet überall\njeder muht sich in G*edanken ab, wie er seinen\nFreunden einen rechten Schabernack spielen will.\nLachen und Belachtwerden das ist die Devise\ndes Festes, das schon allen in den Gliedern spukt\neine versteckte, übermüthige Fröhlichkeit kichert\naus jedem Winkel.\nDer Lärm, der vom Wasser her tönt, wird immer\nlauter; das Fest ist in vollem Gange. Das\naufsteigende Geräusch der allgemeinen Freude dringt\nan den Ufern herauf. Etwas Kleines, Dunkles\nrumort zu den Füssen der grossen Berge. Wer in\ndie vergnügte Menge schaut, die sich in den Käh-\nnen tummelt, lacht und schwatzt, dem ist es wohl\nwie ein Schatten. Schon kommen einzelne Gäste,\naus dem Schwarm sich lösend, den Strand hinauf.\nDunkle Schatten, tauchen sie auf und ziehen vorbei\nweise Wipfel wehen im schon lange\nin einer fernen Weltecke singt eine verlorene Stimme\nin silbernen Tönen:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1503, "texte": "Hell, o hell strahlt mein einsames, stilles Glück*\nLauter tönte der Lärm vom Ufer* Was wir sehen,\nist nur ein Ausschnitt des Sees; huschend ver-\nschwindet alles im Vorbeigleiten hinter den Zweigen,\nals wäre es vergessen und ausgewischt* Versunken\nliegt dahinter die Stadt im Dunkel des Waldes;\nnur selten leuchtet ein fernes Licht*\nsonst liegt eine weiche Stille darüber; auf dem\nSee tanzt ein lautloses Lichtermeer, mit Reflexen\nund Blicken, verrätherisch hierhin und dorthin\nfallend, aufhellend, schnell wieder bedeckend* So\nist es keine blendende, peinigende Helligkeit, son-\ndem ein matter Ton von Dunkelheit und Schwärze,\nin das sich das bunte Licht der Laternen, das ge-\ndämpft durch das mürbe Papier drängt, besänftigend\nmischt*\nDer tiefblaue Himmel liegt in ewiger Ruhe, mit\nsilbernen Sternen bedeckt, die im Wasser wieder-\nzittern; am Horizont ragt ein einsamer Berg mit\nschneegekrönter Spitze, die vom Monde hell be-\nschienen ist* Das weisse Licht gleitet fliessend\nweiter und überströmt die blühenden Bäume* Das\nGeräusch der Feiernden scheint leiser zu werden*\nDas Geräusch der Feiernden, das zuerst so stört,\nweil es aus Tiefen reisst, hat trotz einzelner, lauterer\nStimmen, die sich herausheben, einen Klang ange-\nnommen, der warm und zurückhaltend und wie\nmit einem schleierhaften Dämmer übergossen ist;\neine einzige Brust scheint diesen weichen, zittern-\nden Ton der leisesten Sehnsucht und Freude ge-\nfunden zu haben und auszuströmen\neine einzige Seele scheint diesen berückenden Farben-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1350, "texte": "träum nur zu träumen, der Wahrheit ist und doch\nwie hervorgezaubert von leichten, flatternden\nHänden und bestimmt im Nu, wie er gekommen,\nwieder zu verschwinden*\nLange Streifen vibrirenden zuckenden Lichtes liegen\nauf dem Wasser, soweit es sich im Ausschnitt dem\nAuge bietet; Striche wie mit einem flotten, zügel-\nlosen Pinsel in Willkür hingesetzt; schwarz, weiss\nund violett blinkt das Wasser und funkelt in Glätte;\nund darüber streicht die wohlige blüthengetränkte\nLuft hin*\nDie Ampeln über dem Haupt schwanken das\nGeländer lässt ein knarrendes Geräusch hören und\nder Gäste werden immer mehr es mahnt eine\nStimme: Erwache!\nDa erheben sich die Gedanken und steigen lang-\nsam die Stiege hinab; im Herzen schlummert ein\nweher, sehnsüchtiger Gedanke, der nicht ruht; die\nWünsche erheben sich und pochen noch einmal,\nmit aller Kraft und Verzweiflung und Wehmuth\nund werden quälend; aber die Gäste brechen durch\ndie suchenden Blicke die Gedanken wenden sich\nund gehen am Strande entlang, dem allgemeinen\nZuge folgend*\nDurch die Zweige des Waldes schweben die\nLichter, die die Kinder an langen Stöcken tragen;\nsie schweben, wie an unsichtbaren Fäden von\noben gehalten, in gemächlichem, gleichmässigem,\nsehnsüchtigem Zuge* Ein Kleiner trägt mit pfiffi-\ngem Gesicht einen Kasten, hinter dessen schwarzen\nGitterstäben ein paar Mäuse mit klugen Augen\nsitzen*"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1330, "texte": "Andere zeigen ihre Schachteln, in denen sie un-\nendlich kleine Schnitzereien verborgen haben* Un-\nkenntliche Seltsamkeiten schwenken und schwingen\ndie Scharen in den Händen* Die Frauen hantiren\ngewandt und zierlich mit ihren Fächern, die sie\nmit schmalen Fingern halten*\nLichtstreifen fallen vom Wasser her durch die\nZweige eine kurze Strecke durch den verbor-\ngenen Wald\nwir vergessen die wechselnden Gesichter*\nEin lustiger Kauz zappelt im Wasser; die hellen\nTropfen spritzen bis an's Ufer, den Umstehenden,\nderen Aufmerksamkeit auf diesen ergötzlichen Un-\nfall gelenkt ist, in's Gesicht* Auf dem Kahn, der\ndicht am Strande liegt, ist der Lärm und das Ge-\nlächter am grössesten* Mit einem Purzelbaum\nwar er in's Wasser geschossen , als er gerade auf's\neifrigste sich dem Vergnügen hingab, die rasche\nWendung des Boots nicht beachtend*\nImmer lauter ergötzt man sich an den komischen\nAnstrengungen des armen Verunglückten, der so\nplötzlich aus der angenehmsten Beschäftigung ge-\nrissen war und nun im Wasser erbittert um sich\nschlug* Man bildet einen immer engeren Kreis\num ihn; die Frauen recken ihre schlanken, schma-\nlen Leiber hinaus und schleudern ihm Papierpfeile\nin's Gesicht* Immer toller wurde das Spiel*\nAus einem nahen Theehause erschallt Musik und\nKlappern der Theetassen;\nder Hakone-See liegt in voller Ausdehnung da;"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1399, "texte": "ruhig und still und weit breiten sich seine Flächen\naus, bis zu den fernsten Einsamkeiten*\nDie Fahrzeuge schieben sich durcheinander, gleiten\naneinander vorbei es zuckt überall vor Bewe-\ngung* Und auf jedem führen Lampions, im Bogen\naufgehängt, einen luftigen Tanz* Die jungen Mäd-\nchen mit den zarten Nuancen ihrer Seidenstoffe\ngeben das empfangene Licht in leuchtenden Zacken\nwieder die Frauen, die geschmeidigen Frauen,\ngelenkig und biegsam, lassen es von satteren, kräf-\ntigeren Farben sich abheben*\nSie tragen die breiten Schleifen Alle diese eckig-\ne*c7er}enden, lockenden Frauenleiber, neigen\nsic bald hierhin, bald dorthin, mit Eigenart und\neiner sehnsüchtigen Bestimmtheit in allen Stellungen\neine schleierverdeckte Grazie verbindend, alle diese\neckig-zarten Frauenleiber bieten unter den tanzen-\nden Lichtern einen berückenden Reigen voll Reiz\nund Süsse und Andacht*\nDa steigen die ersten Raketen in die wohlige, blaue\nNacht zerplatzen hoch oben in weicher Fülle,\nbunten Schein ausstrahlend und die seitlichen\nHöhenzüge liegen in stillem Dunkel während\ndes Festes* Des Jubels und des Lachens soll kein\nEnde sein neue Ueberraschungen, neues Staunen*\nAll die tausend Farben gleiten blitzend und auf-\nleuchtend in das dunkle, tiefe Wasser und ver-\nsinken; das plätschert dazu in leisem, gleichen\nTonfall an die Boote* Fernhin spannt sich überdas\nWasser in leichtem Bogen eine hohe Holzbrücke*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 538, "texte": "Ueber die Brücke ergiesst sich der Strom der Men-\nschen in langen, nicht unterbrochenen Zügen, die\nGewänder sind vielfarbig wie wandelnde, tan-\nzende Flecken, dicht und schwer; im einzelnen\nwie leichtes Flimmern*\nUnd der alte Mondhase lässt seine silbernen Lichter\nzucken und girren und zwinkert vergnügt mit den\nzusammengekniffenen Augen der einsame Berg\nliegt im Schmuck seiner weissen Nachtkappe*\nAll das taucht unter und strahlt mannigfaltiger,\nlebendiger, in zackigen, fliessenden Umrissen wie-\ndergegeben, aus dem Hakone-See hervor*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c005", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "3", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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die Tragbahre\nbefindet sich in einer immer wechselnden, aber\newig schiefen Lage* Der Insasse der Sänfte, der\nsehr wohl beleibt ist, kann nicht ausruhen, kann\nden Anblick von oben in's Thal nicht gemessen*\nGegen die Vorwürfe des Herrn, der ein Fremder\nzu sein scheint, vertheidigen sie sich mit komischem\nErnst, schimpfen auf die schlechten Strassen, auf\ndas Ungeschick des Laternenträgers, der vorangeht*\nDer Dicke zieht schon das dritte Tuch aus dem\nGürtel und trocknet sich sein Gesicht* Gravitätisch\ngeht ein vierter Geselle, der mit stoischer Miene\ndas Opfer unaufhörlich fächelt, nebenbei*"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1082, "texte": "Um wenigstens Veranlassung: zum Lachen zu haben,\nerzählen sich die Träger die fernliegendsten Dinge,\nsie brechen über die unschuldigsten Witze in ein\nschallendes, nicht endendes Gelächter aus. Die\nFolge war, dass der eben beruhigte Herr wieder\nmisstrauisch zu werden beginnt. So stolpert die\nGesellschaft den Abhang hinab; der Dicke verflucht\nschliesslich alle Strassen und alle Sänftenträger.\nD\" Wanderer, der zufällig vorüber kommt, muss\nunwillkürlich in das Gelächter mit einstimmen.\nelf er schon von ferne durch das Dickicht des\nWaldes gehört hat, ehe er die komische Scene zu\nGesicht bekommt.\n„Du schwimmst wie der Mond in den Wolken\ndrei Monate hast du dich wohl dick gefressen”\nso spricht der Wanderer während des Vorüber-\ngehens in würdevollem Tone vor sich hin, indem\ner damit eine bekannte Dichterstelle parodiert.\nDie Träger verstehen ihn sofort; ein erneutes\nLachen folgt. Der Dicke kollert, die Sänfte fcol-\nlert, die Träger kollern. Schliesslich fährt der\nGepeinigte den ernsten Mann, der neben ihm schrei-\ntet und ihn fächelt, an und verbittet sich diese\nBelästieunv."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1092, "texte": "A us dem Theehause am Wasser tönte Schwatzen\nheraus und Lärmen und das Stimmen von In-\nstrumenten* Das Theehaus liegt allein und ver-\nlassen 5: immer scheint es eine eigene Existenz ab-\nseits, für sich zu führen*\nWenn jemand, um einzutreten, die Stufen be-\nrührt, hampeln und gaukeln die Lampions hin und\nher wie zu seiner Begrüssung; als gäbe es nun ein\nGeheimniss zu offenbaren, so flüstern sie etwas Un-\nentdecktes in das lauschend gespannte Ohr*\nDas stille Licht liegt voll auf der ersten Stufe*\nEin langer Streifen geht bis zum Boden hinunter,\nden Rand der folgenden nur berührend, nur\nschmal streifend; wenn sich die Lichter durch das\nDunkel schaukeln, bewegt sich dieser Streif am\nBoden hin und her, in gleichmässiger Bewegung;\nes hat den Anschein, als lebte er für sich*\nDu setzest dich auf eine Matte dicht an der\nBrüstung und rückst einen niedrigen Tisch zu dir\nheran* Dann fühlst du, wie die Seeluft in deiner\nEinsamkeit zu dir heraufsteigt, wie die Lichter\nüber deinem Haupt die gleiche Stille in sich tragen,\nwie der weite, dunkle See\nDann siehst du, wie an seinen Ufern, die nah"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 943, "texte": "vor dir liegen , die grünen Strohbinsen nicken\ndann hörst du, wie sie im Winde still ein gleich-\nmassig tönendes, ruhiges sausendes Geräusch hören\nlassen, das sich um dein ganzes Denken und\nSinnen legt*\nUnter dem Dach, das bis über die Plattform\nhinausragt, mit seiner lastenden Schwere das Haus\nhält, befindet sich ein niedriges Thor* Das Thor\nöffnet sich nach einiger Zeit; eine einsame Gestalt\nerscheint und fragt nach deinem Begehr*\nDu erhältst deinen Thee und fühlst dich als\nFremdling, der Einlass begehrt* Alles ist Ruhe\nund Stille und Tiefe um dich; weithin* Das\nSchwatzen und Lärmen und Stimmen der Instru-\nmente ist leiser geworden; es gehört hierher und\nwinkt dir Beruhigung mit seinen dunklen, ver-\nschollenen Lauten*\nDu wirst nie erfahren, wer es war; hinter dies\nGeheimniss wirst du nie kommen, nie dringen;\nauch wenn du die Thür öffnetest und hinein-\nsähest, du würdest es nicht begreifen; es wird dir\newig verschlossen bleiben*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c016", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.5.1", "titre_corps": "JAPANISCHER SCHABLONENSCHNITT", "titre_sommaire": "JAPANISCHER SCHABLONENSCHNITT", "signature_source": "EMIL ORLIK", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.9", "debut_caractere": 877, "fin_caractere_exclue": 906, "texte": "JAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c017", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "10", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.6", "titre_corps": "DIE WEIDE AN DEN VERLORENEN WASSERN", "titre_sommaire": "DIE WEIDE AN DEN VERLORENEN WASSERN", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3785, "texte": "DIE WEIDE AN DEN VERLORENEN WASSERN.\nEr hat die lebendige, lustige\nStadt hinter sich gelassen; er\ngeht zum Strande hinunter, wo\ndie breiten Boote liegen; das\nWasser vor ihm hört er in lang-\ngezogenen, flachen, gleichmäs-\nsigen Tönen aufschlagen, dann\nwieder in das Dunkel zurück-\neilen und wiederkommen und\ndas Geräusch erneuern* Vom jenseitigen Ufer kann\nman alles sehen, alles gemessen*\nDas Boot stösst vom Lande ab; hinten steht\nder Fährmann, der es teils rudernd, teils schiebend\nund stossend vorwärts bewegt* Er hat nur einen\nSchurz um den Leib geschlungen; sonst ist er\nunbekleidet*\nKräftig arbeiten seine sehnigen Arme; er be-\ngleitet jede Anstrengung mit Grimassen und kriege-\nrischen Fratzen, als ob er mit einem Gegner ringe*\nWie ihn das Boot leicht und schwebend über\ndas Wasser trägt, wird es einsam, dunkel um ihn*\nUm so heller leuchtet es wohl in seinen Sinnen*\nEr ist heiter und lustiger Dinge voll; eine süsse\nWehmut durchzieht ihn*\nEr fragt den Fährmann, ob er viel an einem\nTage verdient*\nDer antwortet, so viel wie er brauche, bringe\ndas Geschäft schon; auch finde sich für seines-\ngleichen wohl immer leicht eine kleine Verrichtung,\ndie etwas abwirft* Ein Mann wie er brauche nicht\nviel* Während er das sagte, hat er das Ruder\nnachlässig ruhen lassen; nun arbeitet er wieder\nemsig und kräftig weiter*\nHyacinthenförmige, turmartige Stauden mit un-\nzähligen blaurosa Blüten ragen aus dem Wasser,\ndas nur in einzelnen Strichen auftaucht; sie haben\nschmale, lange, dolchartige Blätter, nur mit dem\nKopf der Blüten sehen sie aus der Fläche* Höher\nranken sich epheuartige Gewächse mit fünf zackigen*\nrundbreiten Blättern; rotbraune Blüten lie-\ngen dazwischen verstreut* Zarte, feine,\nschwanke Stengel streben empor, tragen\noben weisse und rosa Blüten, deren Form\ndie der Rosen, deren Blütenblätter eine un-\nzählige auseinanderfallende Anzahl von\nspinnwebfeinen, seidenfadenähnlichen Ge-\nbilden sind* Ganz oben nickt eine leichte\nTraubendolde*\nDie kühle, wassergetränkte Luft erfrischt un-\nsagbar* Das hellbraune Holz eines vorüberziehen-\nden Kahnes leuchtet an der Seite; im Nu ist er\nverschwunden* Kaum konnte man sehen, wer\ndarin sass* Von dem Licht der Papierlaternen,\ndie zu beiden Seiten des Kahnes hängen, angezogen,\nbegleiten den Fahrenden ein Zug von Fischen, die\nihn mit hellen Augen fragen* Liebkosend fliegt sein\nAuge über ihre silbernen Farben; ein unvorsichtiger\nRuderschlag; husch sind sie verschwunden;\nbestürzt und stumm schiessen sie in die Tiefe*\nWie sich der grauschwarze See vor den Blicken\ndehnt, sieht man nur noch einzelne Lichter aus\nder Stadt zwischen den Zweigen, die wie dichte\nWolken lagern; etwas höher, oberhalb der Brücke,\nliegt eine stille Behausung, und während der Gast\nsich über den Rand des Bootes lehnt, mit dem\nWasser spielt, fühlt er die Kleinheit und die Ewig-\nkeit und das Band, das beide\nverknüpft* Der innerste Sinn\nwird ihm klar; er steht rein\nvor seinen Augen* Da ziehen\nlautere, seltene Gedanken durch\nseinen Sinn*\nDie Nacht lag dunkel vor\nden Blicken; es zog eine stille\nRede durch die Luft, hin und\nhergeworfen in ewiger Melodie:\nwie das rinnende Wasser,\ndas aus der Hand fliesst*\nUnd der Wind war bemüht, es in Worte zu\nfassen, er ging wie schlummernd ewig hin und her*\nDie dunkle Nacht sang die letzten, immer\ngleichen, weichen Töne:\nDer ewige Rhythmus lebt wieder auf*\nEin Stein plumpst in das Wasser; er stört nicht\ndie Stille der Nacht er bestätigt die Worte der\nNacht sein Geräusch dringt weiter in die Nacht\ner verliert sich nicht*\nWir fahren immer tiefer in das Dun-\nkel hinein*\nPhantastische Gedanken und Gestalten\nspielen um uns es wird stiller und tiefer*\nAllmählich ist man am Ziel angelangt*\nDer Fährmann erhält seinen Lohn und\nwendet, um neue Gäste zu holen*\nDer Gast steigt am Rande entlang,\ndas Ufer hinauf*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c023", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "13", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.6.1", "titre_corps": "JAPANISCHER SCHABLONENSCHNITT", "titre_sommaire": "JAPANISCHER SCHABLONENSCHNITT", "signature_source": "EMIL ORLIK", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.13", "debut_caractere": 3787, "fin_caractere_exclue": 3816, "texte": "JAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c027", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "15", "image_debut": 14, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.7", "titre_corps": "DIE HÄNGENDEN BLÜTHEN", "titre_sommaire": "DIE HÄNGENDEN BLÜTHEN", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 816, "texte": "DIE HÄNGENDEN BLÜTHEN.\nEine junge Schönheit erscheint mit lässigen,\nschleppenden Schritten, sie entledigt sich der hohen\nStelzenschuhe; goldgelbe Jamabukiblüthen trägt\nsie im Arm; sie legt sie auf die korbgeflochtene\nWandborte; dort lassen die Armen die Köpfe her-\nabhängen*\nEinige behält sie in der Hand sie setzt sich\nnieder und sieht nach der Strasse; die sieht ver-\nlassen im Abendglanz*\nFerne, blasse Töne kommen vom Dorf ein\nPfiff tiefe Stille\nSinken und Brausen verdämmerndes Sprechen\nwie Töne, die schlafen gehen und noch zögern\nbis dann das grosse Rad sich in gleichmässigem\nTakte im Dunkel der Nacht durch die Luft zu\ndrehen beginnt*\nEine dunkle Gestalt schleppt sich mühsam den\nHügel hinan nur ihre Umrisse sind noch er-\nkennbar es ist wohl ein Alter der von\nweither kommt es sieht aus, als hätte er keine"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 585, "texte": "Augen als würde er ohne Aufhören so\nweiter ziehen mit gesenkten Blicken sich\nwälzend in die Unendlichkeit\nUnd wie die weissen, leichten Blätter an ihr\nhinab ins Dunkel rieseln summt sie vor sich\nhin in sehnsüchtigem , schweren Klange\neinen alten Vers tändelnd spielend ge-\ntragen\nJamabuki\nBlühe nicht zwecklos.\nBlühe nicht zwecklos,\nGold - Jamabuki*\nDer Geliebte\nDer, dich zu schauen, pflanzte\nWährend des Sommers\nBleibt die Nacht von mir fern\nBleibt die Nacht von mir fern\nOhne dass sie es merkt, sind ihr die goldgelben\nJamabukiblüthen entfallen*\nDie dunkle Nacht glüht und leuchtet*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c028", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.8", "titre_corps": "DIE HÜTER DES SCHATZES UNTER DEM BREITEN DACHE", "titre_sommaire": "DIE HÜTER DES SCHATZES UNTER DEM BREITEN DACHE", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1148, "texte": "DIE HÜTER DES SCHATZES UNTER DEM BREITEN DACHE.\nIJeher dem graubraunen Holze des Hauses, das\nam Walde lag, breiteten sich die schwanken\nZweige es sorgsam beschattend wie ein locker\ngebundener Strauss mit zartem Grau, dunklem\nGrün und in hellstem Weiss strahlend der\nsteigende Abendwind surrte durch das Rohr*\nWenn du eintrittst, musst du dich deiner Fussbe-\nkleidung entledigen*\nDu steigst die schmale, leichte Stiege, die unter\ndeinen sanften Tritten knarrt, herauf und gelangst\nin ein Gemach, wo du die Aussicht nach dem See\nzu hast* Die Papierwände fallen rings herum\nherab; nur die eine feste Holzwand im Hintergrund\nbleibt stehen; dort befindet sich eine Nische, in\nder ein auf kostbare Seide gemaltes Bild hängt,\nals einziger Wandschmuck*\nDarunter steht ein Basttisch, mit einer alten\nBronzevase; ein paar Blüthenzweige, wenige hängen\ndarin, lose, ungeordnet; ihre leichten Spitzen fallen\nüber den Rand des Gefässes und des Tisches*\nIn der anderen Ecke siehst du ein geflochtenes\nRohrschränkchen, hinter dessen durchbrochenen\nWänden man Lackdosen, Thongefässe, Masken\ngewahrt seltene Stücke, von Vorfahren theils\nverfertigt, theils gesammelt*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c033", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.8.1", "titre_corps": "JAPANISCHER SCHABLONENSCHNITT", "titre_sommaire": "JAPANISCHER SCHABLONENSCHNITT", "signature_source": "EMIL ORLIK", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.16", "debut_caractere": 1150, "fin_caractere_exclue": 1179, "texte": "JAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c034", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.9", "titre_corps": "LUDGATE CIRCUS LONDON", "titre_sommaire": "LUDGATE CIRCUS LONDON", "signature_source": "EMIL ORLIK", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 32, "texte": "LUDGATE CIRCUS\nLONDON\nEMIL ORLIK"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c035", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "31", "image_debut": 18, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.10", "titre_corps": "ZUR WERTHSCHÄTZUNG DER JAPANISCHEN KUNST", "titre_sommaire": "ZUR WERTHSCHÄTZUNG DER JAPANISCHEN KUNST", "signature_source": "MORITZ DREGER", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2022, "texte": "ZUR WERTHSCHÄTZUNG\nDER JAPANISCHEN KUNST.\n\nrotz verschiedener Be-\nmühung*en besitzen wir\nleider noch immer keine\nwirkliche Geschichte der\njapanischen Kunst* Die\nersten, besonders franzö-\nsischen Versuche der Art,\nso verdienstlich sie an und\nfür sich auch sind, konn-\nten natürlich nicht sofort\ndas Richtige treffen* Das\nW erk Brinkmann's ist\nausserordentlich anregend und belehrend, sucht den\nDingen aber von ganz anderer Seite beizukommen,\nals von der zeitlicher Entwicklung* v* Seydlitz\nlegt in seiner Geschichte des japanischen Farben-\nholzschnittes darauf wohl hohen Werth; aber doch\nist nur ein kleiner Theil der gesammten Kunst-\nentwicklung in Betracht gezogen, und auch da\nscheint mir, offen gestanden, vieles durchaus nicht\nso sicher, als es Manchem zu sein scheint; schon,\ndass Gonse, Anderson und Fenollosa, auf die er\nmeistens zurückgeht, einander so häufig wider-\nsprechen, erweckt mir Verdacht*\nEs ist in der That für uns Europäer, besonders\nda wir Sprache und Litteratur des eigenartigen\nVolkes nicht kennen, überaus schwer, uns seine Ent-\nwicklung und damit die Grundlage seiner Kunst\ndeutlich zu machen* Wir kennen den grossen\nZeitraum, der eine so seltsame Blüthe wie die\njapanische Kunst gezeitigt hat, eigentlich erst seit\ndem Augenblicke, wo er mit der grossen Um-\nwälzung der sechziger Jahre zu Ende ging* Aber\nwie am Ende, so muss auch am Anfänge jener\nEpoche eine grosse Krise stattgefunden haben*\nJapan war ein Feudalstaat, der mit den euro-\npäischen Staaten des Mittelalters grosse Aehnlich-\nkeit hatte* Schon das lässt uns vermuthen, was\nauch die Ueberlieferung bestätigt, dass die Japaner\naus zwei Rassen entstanden sind, einer erobernden,\ndie später den herrschenden Adel abgab, und einer\nunterworfenen ähnlich wie in Europa der alte\nAdel aller romanischen Länder dem Blute erobern-\nder Germanen entsprungen ist und erst allmählich\nin dem Volke auf ging*\nEigenartige Cultur kann in solchen durch ein-\nander gewürfelten Völkern nur dann entstehen,\nwenn sie sich zu einer einheitlichen Masse ver-"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3359, "texte": "binden , wenn sich die Mischung’\nsozusagen zu setzen beginnt*\nVorher sind die Massentheil-\nchen gewissermassen gegen ein-\nander gerichtet und heben in der\nWirkung sich auf; sie müssen erst\nein grosses, gleichgerichtetes Stre-\nben erhalten*\nIn Italien bildete sich zum Bei-\nspiel eine einheitliche Masse erst im\n11*, 12* Jahrhundert und brachte\ndann Dante und die grosse bilden-\nde Kunst hervor*\nGegenüber der japanischen Be-\nvölkerung erschienen im 6* bis\n7* Jahrhundert unserer Zeitrech-\nnung die Koreaner und Chinesen\nnoch als überlegene Culturbringer*\nMit der erhabenen buddhistischen\nLehre gelangten damals auch indische und über\nIndien selbst einige europäische Kunstformen\nin die japanische Welt* Diese Herkunft der\nKunst aus Korea und China gilt auch für\nden Japaner als völlig feststehend* Die ersten\nKünstler Japans sind nur Nachahmer der fremden;\nselbst Kanaöka, der für das 9* Jahrhundert als\nerster, echt japanischer Maler überliefert wird,\nsteht noch ganz unter chinesischem Einflüsse*\nVollends, als neue innere Stürme im 12* Jahrhun-\ndert das Land in seiner Cultur weit zurückge-\nworfen hatten, musste man wie-\nder auf China zurückgreifen,\nund noch im 15* Jahrhundert war\nman genöthigt, dort eine grosse\ngeistige Anleihe zu machen*\nWann das eigenthümlich ja-\npanische Empfinden in der Kunst\ndes Landes zum ersten Male\nzum Durchbruch gelangt ist,\nlässt sich heute nicht mehr fest-\nstellen; herrschend wurde es je-\ndenfalls erst um 1630 durch den\ngrossen Meister Matähei* Es\nwar die Zeit, als mit der voll-\nkommenen Ausbildung des alten\nFeudalstaates das japanische Le-\nben einen ganz bestimmten\nRahmen zur Entfaltung gefun-\nden hatte*\nWie so oft in der Geschichte,\nwar auch in Japan der ursprüng-\nliche Herrscher, hier der Mikado,\naus weltlicher Macht zu einer rein\ngeistigen Potenz geworden, haupt-\nsächlich mit religiösen Befugnissen*\nSo lebte der altrömische König\nals Oberpriester in der Regia am\nForum Romanum weiter, der athe-\nnische als Archon Basileus, der\nrömische Kaiser wurde zum Papste*\nUnd wie die späteren Khalifen von\nBagdad durch den Führer ihrer\nLeibwache, wie die merowingischen\nKönige durch ihre Majores domus,\nso wurden die japanischen Kaiser\ndurch ihre obersten Feldherren, die\nShogunet in den Hintergrund ge-\ndrängt; denn diese kraftvollen\nMänner waren eine Noth Wendig-\nkeit geworden gegenüber dem mächtigen, unbotmäs-\nsigen Adel* Seit 1600 herrschte mit solchem Rechts-\ntitel das grosse Tokugawa-Geschlecht*\nErst vor einem Menschenalter ist dieser alte\nFeudalstaat in sich zusammengebrochen* Es ist\nfür uns heute sehr schwer, die verschiedenen Ur-\nsachen dieser Umwälzung zu erkennen* Jedenfalls\nfand das altangestammte Herrschergeschlecht das\nVolk auf seiner Seite, und es begann für Japan\neine neue Zeit, die Neuzeit, wenn wir so sagen\nkönnen*\nEs ist begreiflich, dass heute,\nwo ganz neue Ideen auf die\nJapaner einstürmen, neue For-\nderungen an sie treten, aber\nauch neue Gebiete sich ihrer\nT hätigkeit erschliessen, die\nKunst im Geistesleben des Vol-\nkes nicht die Hauptrolle spielt*\nSie hat sich aber auch inner-\nlich ausgelebt* So wie die staat-\nliche Idee, war die ganze Cul-\ntur und damit die Kunst auf\neinen todten Punkt gelangt*\nDas fühlten die japanischen\nKünstler schon seit dem Ende\ndes vorigen Jahrhunderts* Ge-\nnies sind ja nicht nur dasErgeb-\nniss ihrer Zeit, sie tragen auch\ndie Zukunft in sich* So suchten"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1436, "texte": "die letzten grossen Künstler , die das Ende nahen\nfühlten , Anlehnung an die europäische Kunst,\nderen Ueberlegenheit auf manchem Gebiet sie er-\nkannten* Hiröshige und Hök'sai soll\nman heute nach der orthodoxen Lehre\nzwar schon zu den Degenerierten\nrechnen; ich muss aber gestehen, dass\nich ihre Werke für die reizvollsten\nhalte, für so entzückend, wie die Wer-\nke der Rococozeit, die ja umgekehrt\nim fernen China und Japan so manche\nihrer prickelndsten Anregungen ge-\nfunden hatten*\nHeute bemüht man sich, und be-\nsonders Fenollosa's Bestreben ist darin\nunermüdlich, die Blüthe japanischer\nKunst möglichst weit zurück zu ver-\nlegen, womöglich vor die Zeit der\nletzten Shogun-Geschlechter* Man be-\ngreift ja, dass die jetzige Herrschaft, die auch den\nalteinheimischen Shinto-Glauben begünstigt, ein\nInteresse daran hat* Uns können solche Beweg-\ngründe gleichgiltig sein, um so mehr,\nals wir wissen, dass nie Fürsten an\nsich, seien es nun angestammte oder\nneugewordene, Kunst gemacht haben,\nsondern dass jede klare Culturepoche\nin einem künstlerisch begabten Volke\nihren entsprechenden Ausdruck findet*\nDas Eine können wir allerdings zu-\ngeben, dass bei Hiröshige und Hok'sai\ndie altjapanische Kunst sich bereits in\nihrer letzten Entfaltung zeigt und zum\nTheile aus sich selbst herausgetreten\nist, etwa wie die europäische im Ro-\ncoco, und dass der sogenannte „hero-\nische” und „grosse Stil” in früherer\nZeit zu suchen ist* Eine wirkliche"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1875, "texte": "Geschichte der japanischen Kunst darf\nman aber, wie gesagt, heute noch nicht\nerwarten*\nWas wir aber bereits deutlicher sehen, .\ndas sind die grossen, gemeinsamen Züge,\ndie durch die ganze japanische Kunst\nhindurchgehen und besonders klar wer-\nden, wenn wir die Entwicklung der euro-\npäischen Kunst dagegen halten*\nBei uns hat jede grosse Periode der\nMalerei in der Skulptur ihren Vorläufer\nund ihre Wurzel gehabt* Bei den alten\nGriechen liegt das ja klar zu Tage, ebenso\nbei den Italienern der Renaissance, aber\nauch bei den Franzosen, Niederländern\nund Deutschen war es nicht anders*\nHöchstens, wo ein Volk als Erbe eines\nganz nahverwandten hervortritt, wie die\nEngländer nach den Holländern, konnte\neine solche Vorstufe entfallen*\nDer ursprüngliche Mensch schafft ja\nnach der Erinnerung, und es scheint, dass\nder Weg von den Körpern zu körperlicher\nDarstellung, die ja durch zwei Sinne,\nSehen und Fühlen, überwacht werden\nkann, näher ist, als vom Körper zur\nFläche* Und so ist die Vollendung meist\nfrüher den Bildnern gelungen als den\nMalern*\nDagegen hat in der japanischen\nKunst die Plastik nie eine führende Rolle\ngespielt; denn, was von Bronce- und Holz-\nskulpturen des 7* und 8* Jahrhunderts uns\nüberliefert ist, lässt auf blosse Nachah-\nmung des Fremden schliessen und ist ohne\nEinfluss auf die Zukunft* Die japanische\nKunst, übrigens auch die chinesische, ist,\nwie richtig bemerkt wurde, aus der\nSchreibkunst herausgewachsen, also ähn-\nlich, wie die Wandbilder der alten Aegyp-\nter oder Miniaturen des Mittelalters* Man\nhat auch gewisse Eigentümlichkeiten\nder japanischen Malerei auf diesen Ur-\nsprung zurückgeführt: den Mangel an\nklarer Licht- und Schattengebung, an\nRundung, an Helldunkel, das Fehlen der\nLinearperspektive, die später allerdings\ndurch eine fast übertriebene Luftperspec-\ntive ersetzt wird, dann den conventio-\nnellen Schwung der Figuren, sowie ihre"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1635, "texte": "willkürlichen Verhältnisse tmd ihre\ngeringe Belebung* Aber auch ge-\nwisse Stärken erklären sich aus die-\nser Herkunft: die ausserordentliche\nEinfachheit der Mittel, die Treff-\nsicherheit und Kraftersparung, auf\nwelche die ostasiatischen Schreiber\nimmer grosses Gewicht gelegt ha-\nben, sowie die treffliche flächen-\nhafte Gesammtwirkung, die uns\nmeist gar nicht merken lässt, wie\nselbständig sich der Künstler der\nNatur gegenüber verhalten hat*\nKann man in der japanischen\nKunst, am wenigsten nicht in den\nArbeiten der Lack- und Metallar-\nbeiter auch eine bestimmte Weiter-\nentwicklung zu immer grösserem\nNaturalismus bemerken, jene Be-\nschränkungen bleiben doch allen\nZweigen der Kunst bis in ihre\nletzten Phasen gemeinsam, höchs-\ntens, dass, wie gesagt, um 1780\ndie europäische Linearperspektive\nstellenweise eindringt; aber selbst\ndann hält sich der Japaner von\nSchlagschatten und Glanzlichtern\nnoch ferne* So reizend die land-\nschaftlichen Hintergründe sich auch\ngestalten, eigentliche Naturnachah-\nmung beabsichtigt der Japaner in\ndem Bilde denn doch nicht*\nUnd dennoch das ist das\nEigentümliche Zieht es ihn\nimmer wieder und unwidersteh-\nlich hin zur Natur*\nEs ist sehr auffallend, jener\nTheil des Kunstschaffens, der wie\nArchitektur und reine Dekoration,\nunabhängig von der äusseren Na-\ntur, bloss aus dem Innern des Men-\nschen seine Anregung nimmt, spielt\nin der japanischen Kunst fast gar\nkeine Rolle* Seine Architektur ist\nentweder die fremde, indisch-chine-\nsische oder reiner Constructions-\nbau, dessen Flächen, wenn über-\nhaupt geschmückt, dieselben Ver-\nzierungen aufweisen, wie Lacfcar-\nbeiten, Stoffe oder Porzellan* Ein"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1079, "texte": "ideeller, organischer Ausdruck der im Bau herrschen-\nden Kräfte, wie er das Wesen unserer Baukunst aus-\nmacht, wird gar nicht erstrebt. Und da ist gewiss\nnicht das vorherrschende Baumaterial schuld; wa-\nrum soll die Kunst nicht auch im Holz monumen-\ntale Gedanken ausdrücken können, wenn sie es\nheute im Eisenbau kann?\nAuch sonst liegt dem Japaner das Ringen nach\norganischem Ausdrucke ferne. Man wird selten\nein Ornament finden, das aus dem Wesen des\nGebrauchsgegenstandes herausgewachsen ist. Eine\ngekrümmte Garbe, ein Vogel als Stichblatt des\nSchwertes sind oft bestechend, aber organisch\nist diese Lösung doch nicht. Darum findet sich\ndieselbe Form auch oft auf der Tasse, der Wand\ndes Tempels und auf der Lackbüchse, über 5—6\ngetrennte Theile ruhig hinweggehend. Nein, archi-\ntektonisches Gefühl, das Schaffen aus dem Innersten\ndes Organismus und der eigenen Seele heraus,\nmangelt dem Japaner beinahe völlig. Und darin\nliegt eigentlich ein gewisser Widerspruch gegen\ndas früher Gesagte.\nDenn, während uns seine Bilder durch die\nVerwandtschaft mit den europäischen Miniaturen"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.28", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1576, "texte": "auf eine Kunststimmung schliessen\nHessen, ähnlich der unseres Mittel-\nalters, fehlt dem Japaner gerade die\nstärkste Seite dieses Zeitalters, die\ntiefe architektonische Begabung*\nDafür überragt der Japaner un-\nsere Miniatoren wieder gewaltig\ndurch sein früh entwickeltes, offenes\nAuge für die Einzelheiten der Pflan-\nzen- und Thierwelt und die Reize\nder Landschaft, durch die er ja be-\nsonders gefangen nimmt*\nWenn man das Recht hat, wie\nich es an anderem Orte einmal ver-\nsuchte, die Künstlernaturen in zwei\nHauptgruppen zu scheiden, in sol-\nche, die mehr dem inneren Triebe, |\ndem formal-architektonischen folgen,\nund solche, die sich mehr bestre-\nben, das durch die Sinne von Aussen empfan-\ngene Bild einheitlich auszugestalten, so gehören\ndie Japaner jedenfalls vorherrschend zur letzt-\ngenannten Gruppe, und es drängt\nsich uns eigentlich das Empfinden\nauf, dass sie sich in einer Zeit, die\nunserem feudalen Mittelalter auch\nin äusserer Geschichte einigermassen\nentsprach, unter dem überwältigen-\nden Einfluss des chinesischen Vor-\nbildes und anderer Beschränkungen\nnicht ganz ihrer Begabung gemäss\nausleben konnten* Dieses so leicht\nempfängliche und aufnahmsfähige\nVolk wird wohl nie einen Dürer\noder Michelangelo hervorbringen;\ndazu fehlt ihm anscheinend die\nTiefe des Gemüths und das gigan-\ntische Empfinden; aber vielleicht\nhätte es selbst einen Hals oder\nVelasquez gezeitigt, zum mindesten\nMeister wie die modern-französischen\nnatürlich mit japanischer Klangfarbe wenn\nes bis jetzt eine Zeit der freien Entwicklung, des\nweiten Blickes durchgemacht hätte* Ob diese Zeit"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.31", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1012, "texte": "noch kommen wird? Heute, wo Ja-\npan eben erst eine ungewisse Zu-\nkunft betreten hat, wer könnte cs\nsagen ? V i eil eicht*\nJedenfalls hat die japanische\nKunst, wenn sie im Grossen und\nGanzen auch eine beschränkte ist,\nim Einzelnen Werke geschaffen, die\nden Gedanken an diese Beschrän-\nkung nicht auf kommen lassen,\nWerke, die uns, als wir sie in den\nsechziger Jahren zum ersten Male in\ngrösserer Zahl zu sehen bekamen,\nals die Erfüllung dessen erschienen,\nwas wir selbst erstrebten, und die\nuns heute noch entzücken durch\nLeichtigkeit, unbefangene Compo-\nsition und Einfachheit der Mittel*\nWir hätten die Japaner natürlich\nnicht getroffen, wenn wir nicht\nauf demselben Wege hinterher ge-\nwesen wären* Mit ihrem leichteren\nGepäck hatten sie uns einst über-\nholt* Wir sind langsam und bedächtig nachge-\nkommen; wir hatten mehr zu tragen* Und wir\nwerden auch weiter kommen, denn wir sind\nbesser versorgt* Aber wir werden Vortheil haben\nvon der munteren Kameradschaft, wenn sie auch\nnicht ewig dauert*\n\nMORITZ DREGER."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c037", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "18", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.20", "titre_corps": "MITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS", "titre_sommaire": "MITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 32, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.32", "debut_caractere": 100, "fin_caractere_exclue": 2233, "texte": "MITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS.\nDem schweren Verluste, welchen die Vereinigung durch den\nTod ihres C* M* GIOVANNI SEGANTINI erlitten hat, wurde\nin der ausserordentlichen Generalversammlung vom 14* October\ndurch eine Trauerkundgebung der Versammelten Rechnung getragen*\nIn der gleichen Versammlung wurde an Stelle des, nach Darm-\nstadt übersiedelten Ausschussmitgliedes Josef M* Olbrich, Maler JOSEF\nAUCHENTHALLER in den Ausschuss gewählt*\nDieselbe Versammlung ernannte den k* k* Oberbaurat Professor\nOTTO WAGNER zum ordentlichen Mitgliede der Vereinigung*\nStatt der geplanten Ausstellung polnischer Künstler, welche\ndurch die Veranstalter in letzter Stunde abgesagt wurde, findet als\nNovemberausstellung die schon lange in Aussicht genommene\ngraphische Ausstellung statt* Dieselbe enthält vorwiegend Zeich-\nnungen, Studien und Erzeugnisse moderner Griffelkunst, dann\nkleinere Plastik und kunstgewerbliche Objecte* Die Adaptierung\ndes Hauses erfolgte nach Plänen von Professor Josef Hoffmann;\ndie Ausgestaltung einzelner Räume wurde durch Josef Auchenthaller, Adolf Böhm und Koloman Moser\nbesorgt* Der Catalogumschlag ist von Prof* Jos* Hoffmann entworfen worden; an der Textausstattung\nbetheiligte sich eine grössere Zahl von Mitgliedern*\nDie Umschläge der bisher erschienenen Hefte wurden von folgenden Künstlern entworfen:\nI* Heft: Jos* M* Olbrich; 2* Heft: Friedrich König; 3* Heft: Alois Hänisch; 4* Heft: Koloman Moser;\n5* Heft: Alfred Roller; 6* Heft: Adolf Böhm; 7* Heft: Jos* Hoffmann; 8* Heft: Otto Wagner; für\ndas vorliegende Heft wurde ein japanischer Schablonenschnitt benützt*\nDie dritte Serie der Kunstbeilagen zur Gründerausgabe von Ver Sacrum enthielt in dem,\ndiesmal mit einer Originalschablone von Alfred Roller geschmückten Umschläge folgende Kunstblätter\nin, von den Künstlern signierten Specialabdrücken:\n1* F* Brod, Teplitz* Originallithographie in zwei Platten: ♦,Poesie des Schützenthums”*\n2* Anna Costenoble, Berlin* Originalradierung: „Kommende Fluth”*\n3* Wilhelm List, O* M*, Wien* Originallithographie in drei Platten: Tristan: „Wo ich von\nje gewesen, Wohin auf je ich geh'*”"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1899-09-01-c064", "article_bluemountain": "bmtnabf_1899-09_01#c064", "volume": "bmtnabf_1899-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 32, "image_fin": 32, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.2.20.1", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "EMIL ORLIK", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 32, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.32", "debut_caractere": 2235, "fin_caractere_exclue": 2245, "texte": "EMIL ORLIK"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.1", "texte": "C. M.\nGIOVANNI SEGANTINI.\n15. Januar 1858 28. September 1899.\nNoch sind auf unserem Tische die Blumen nicht ganz verwelkt,\ndie uns Giovanni Segantini jüngst zum Grusse sandte und schon\nstehen wir vor ihnen und sinnen mit traurigen Blicken, wie wir ihm\ndaraus einen Todtenkranz wänden, um ihn an den besten Platz des\nHauses, an seinen mächtigsten Grundpfeiler zu hängen, den er selbst\nmitbegründen und miterbauen half. Die Alpenrosen, die in seinem\nStrauss so blass geworden sind, werden in unserm Kranze dann\nnoch mehr erbleichen, aber ihre freundlichen Schwestern, denen unser\ntodter Freund mit seiner Künstlerhand ein dauerndes Leben schuf,\nwerden ihnen von ihrer Unsterblichkeit geben und ein quellfrischer\nHauch seiner reinen Kunst wird jeden Moderduft von ihnen weh'n.\nKlagen wir über seinen zeitigen Hingang, so tröste uns das Wort\ndes Dichters: „Nun geniesst er im Andenken der Nachwelt den\nVortheil, als ein ewig Tüchtiger und Kräftiger zu erscheinen; denn\nin der Gestalt, wie ein Mensch die Erde verlässt, wandelt er unter\nden Schatten und so bleibt uns Achill als ewig strebender Jüng-\nling gegenwärtig.”"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.2", "texte": "INHALT\nSEITE\nNACHRUF AN C. M. GIOVANNI SEGANTINI . L\nAUS DEM BUCHE DER DREIZEHN ERZÄH- M\nLUNGEN. SECHS ERZÄHLUNGEN. VON\nERNST SCHUR\nZUR WERTHSCHÄTZUNG DER JAPANISCHEN\nKUNST. VON MORITZ DREGER J 8\nMITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG BILDEN-\nDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS . .... 32\nJAPANISCHE SCHABLONENSCHNITTE,\nZEICHNUNGEN UND STUDIEN VON EMIL ORLIK.\nREDAKTIONV'f; ’\nFRIEDRICH KÖNIG. KOLOMAN MOSER,\nJOSEPH M. OLBRICH.' ALFRED ROLLER.\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.3", "texte": "DAS THEEFEST AM HAKONE-SEE.\nHeute Abend sollte das grosse, alljährlich wie-\nderkehren de Theefest begangen werden.\nman rüstet überall\njeder muht sich in G*edanken ab, wie er seinen\nFreunden einen rechten Schabernack spielen will.\nLachen und Belachtwerden das ist die Devise\ndes Festes, das schon allen in den Gliedern spukt\neine versteckte, übermüthige Fröhlichkeit kichert\naus jedem Winkel.\nDer Lärm, der vom Wasser her tönt, wird immer\nlauter; das Fest ist in vollem Gange. Das\naufsteigende Geräusch der allgemeinen Freude dringt\nan den Ufern herauf. Etwas Kleines, Dunkles\nrumort zu den Füssen der grossen Berge. Wer in\ndie vergnügte Menge schaut, die sich in den Käh-\nnen tummelt, lacht und schwatzt, dem ist es wohl\nwie ein Schatten. Schon kommen einzelne Gäste,\naus dem Schwarm sich lösend, den Strand hinauf.\nDunkle Schatten, tauchen sie auf und ziehen vorbei\nweise Wipfel wehen im schon lange\nin einer fernen Weltecke singt eine verlorene Stimme\nin silbernen Tönen:\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.4", "texte": "Hell, o hell strahlt mein einsames, stilles Glück*\nLauter tönte der Lärm vom Ufer* Was wir sehen,\nist nur ein Ausschnitt des Sees; huschend ver-\nschwindet alles im Vorbeigleiten hinter den Zweigen,\nals wäre es vergessen und ausgewischt* Versunken\nliegt dahinter die Stadt im Dunkel des Waldes;\nnur selten leuchtet ein fernes Licht*\nsonst liegt eine weiche Stille darüber; auf dem\nSee tanzt ein lautloses Lichtermeer, mit Reflexen\nund Blicken, verrätherisch hierhin und dorthin\nfallend, aufhellend, schnell wieder bedeckend* So\nist es keine blendende, peinigende Helligkeit, son-\ndem ein matter Ton von Dunkelheit und Schwärze,\nin das sich das bunte Licht der Laternen, das ge-\ndämpft durch das mürbe Papier drängt, besänftigend\nmischt*\nDer tiefblaue Himmel liegt in ewiger Ruhe, mit\nsilbernen Sternen bedeckt, die im Wasser wieder-\nzittern; am Horizont ragt ein einsamer Berg mit\nschneegekrönter Spitze, die vom Monde hell be-\nschienen ist* Das weisse Licht gleitet fliessend\nweiter und überströmt die blühenden Bäume* Das\nGeräusch der Feiernden scheint leiser zu werden*\nDas Geräusch der Feiernden, das zuerst so stört,\nweil es aus Tiefen reisst, hat trotz einzelner, lauterer\nStimmen, die sich herausheben, einen Klang ange-\nnommen, der warm und zurückhaltend und wie\nmit einem schleierhaften Dämmer übergossen ist;\neine einzige Brust scheint diesen weichen, zittern-\nden Ton der leisesten Sehnsucht und Freude ge-\nfunden zu haben und auszuströmen\neine einzige Seele scheint diesen berückenden Farben-\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.5", "texte": "träum nur zu träumen, der Wahrheit ist und doch\nwie hervorgezaubert von leichten, flatternden\nHänden und bestimmt im Nu, wie er gekommen,\nwieder zu verschwinden*\nLange Streifen vibrirenden zuckenden Lichtes liegen\nauf dem Wasser, soweit es sich im Ausschnitt dem\nAuge bietet; Striche wie mit einem flotten, zügel-\nlosen Pinsel in Willkür hingesetzt; schwarz, weiss\nund violett blinkt das Wasser und funkelt in Glätte;\nund darüber streicht die wohlige blüthengetränkte\nLuft hin*\nDie Ampeln über dem Haupt schwanken das\nGeländer lässt ein knarrendes Geräusch hören und\nder Gäste werden immer mehr es mahnt eine\nStimme: Erwache!\nDa erheben sich die Gedanken und steigen lang-\nsam die Stiege hinab; im Herzen schlummert ein\nweher, sehnsüchtiger Gedanke, der nicht ruht; die\nWünsche erheben sich und pochen noch einmal,\nmit aller Kraft und Verzweiflung und Wehmuth\nund werden quälend; aber die Gäste brechen durch\ndie suchenden Blicke die Gedanken wenden sich\nund gehen am Strande entlang, dem allgemeinen\nZuge folgend*\nDurch die Zweige des Waldes schweben die\nLichter, die die Kinder an langen Stöcken tragen;\nsie schweben, wie an unsichtbaren Fäden von\noben gehalten, in gemächlichem, gleichmässigem,\nsehnsüchtigem Zuge* Ein Kleiner trägt mit pfiffi-\ngem Gesicht einen Kasten, hinter dessen schwarzen\nGitterstäben ein paar Mäuse mit klugen Augen\nsitzen*\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.6", "texte": "Andere zeigen ihre Schachteln, in denen sie un-\nendlich kleine Schnitzereien verborgen haben* Un-\nkenntliche Seltsamkeiten schwenken und schwingen\ndie Scharen in den Händen* Die Frauen hantiren\ngewandt und zierlich mit ihren Fächern, die sie\nmit schmalen Fingern halten*\nLichtstreifen fallen vom Wasser her durch die\nZweige eine kurze Strecke durch den verbor-\ngenen Wald\nwir vergessen die wechselnden Gesichter*\nEin lustiger Kauz zappelt im Wasser; die hellen\nTropfen spritzen bis an's Ufer, den Umstehenden,\nderen Aufmerksamkeit auf diesen ergötzlichen Un-\nfall gelenkt ist, in's Gesicht* Auf dem Kahn, der\ndicht am Strande liegt, ist der Lärm und das Ge-\nlächter am grössesten* Mit einem Purzelbaum\nwar er in's Wasser geschossen , als er gerade auf's\neifrigste sich dem Vergnügen hingab, die rasche\nWendung des Boots nicht beachtend*\nImmer lauter ergötzt man sich an den komischen\nAnstrengungen des armen Verunglückten, der so\nplötzlich aus der angenehmsten Beschäftigung ge-\nrissen war und nun im Wasser erbittert um sich\nschlug* Man bildet einen immer engeren Kreis\num ihn; die Frauen recken ihre schlanken, schma-\nlen Leiber hinaus und schleudern ihm Papierpfeile\nin's Gesicht* Immer toller wurde das Spiel*\nAus einem nahen Theehause erschallt Musik und\nKlappern der Theetassen;\nder Hakone-See liegt in voller Ausdehnung da;\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.7", "texte": "ruhig und still und weit breiten sich seine Flächen\naus, bis zu den fernsten Einsamkeiten*\nDie Fahrzeuge schieben sich durcheinander, gleiten\naneinander vorbei es zuckt überall vor Bewe-\ngung* Und auf jedem führen Lampions, im Bogen\naufgehängt, einen luftigen Tanz* Die jungen Mäd-\nchen mit den zarten Nuancen ihrer Seidenstoffe\ngeben das empfangene Licht in leuchtenden Zacken\nwieder die Frauen, die geschmeidigen Frauen,\ngelenkig und biegsam, lassen es von satteren, kräf-\ntigeren Farben sich abheben*\nSie tragen die breiten Schleifen Alle diese eckig-\ne*c7er}enden, lockenden Frauenleiber, neigen\nsic bald hierhin, bald dorthin, mit Eigenart und\neiner sehnsüchtigen Bestimmtheit in allen Stellungen\neine schleierverdeckte Grazie verbindend, alle diese\neckig-zarten Frauenleiber bieten unter den tanzen-\nden Lichtern einen berückenden Reigen voll Reiz\nund Süsse und Andacht*\nDa steigen die ersten Raketen in die wohlige, blaue\nNacht zerplatzen hoch oben in weicher Fülle,\nbunten Schein ausstrahlend und die seitlichen\nHöhenzüge liegen in stillem Dunkel während\ndes Festes* Des Jubels und des Lachens soll kein\nEnde sein neue Ueberraschungen, neues Staunen*\nAll die tausend Farben gleiten blitzend und auf-\nleuchtend in das dunkle, tiefe Wasser und ver-\nsinken; das plätschert dazu in leisem, gleichen\nTonfall an die Boote* Fernhin spannt sich überdas\nWasser in leichtem Bogen eine hohe Holzbrücke*\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.8", "texte": "Ueber die Brücke ergiesst sich der Strom der Men-\nschen in langen, nicht unterbrochenen Zügen, die\nGewänder sind vielfarbig wie wandelnde, tan-\nzende Flecken, dicht und schwer; im einzelnen\nwie leichtes Flimmern*\nUnd der alte Mondhase lässt seine silbernen Lichter\nzucken und girren und zwinkert vergnügt mit den\nzusammengekniffenen Augen der einsame Berg\nliegt im Schmuck seiner weissen Nachtkappe*\nAll das taucht unter und strahlt mannigfaltiger,\nlebendiger, in zackigen, fliessenden Umrissen wie-\ndergegeben, aus dem Hakone-See hervor*"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.9", "texte": "ZWEI SÄNFTENTRÄGER, EIN FÄCHER UND EIN WANDERER\nALS SINNBILDER DER VERGÄNGLICHEN WELT -\nIN STATIONEN DER LANDSTRASSE.\n\\T on der Höhe des Hügels sieht man direkt\nin die Stadt hinunter* Zwei Sänftenträger\nkommen keuchend oben an* Beim Herabsteigen\nwählen sie die unebensten Stellen; die Tragbahre\nbefindet sich in einer immer wechselnden, aber\newig schiefen Lage* Der Insasse der Sänfte, der\nsehr wohl beleibt ist, kann nicht ausruhen, kann\nden Anblick von oben in's Thal nicht gemessen*\nGegen die Vorwürfe des Herrn, der ein Fremder\nzu sein scheint, vertheidigen sie sich mit komischem\nErnst, schimpfen auf die schlechten Strassen, auf\ndas Ungeschick des Laternenträgers, der vorangeht*\nDer Dicke zieht schon das dritte Tuch aus dem\nGürtel und trocknet sich sein Gesicht* Gravitätisch\ngeht ein vierter Geselle, der mit stoischer Miene\ndas Opfer unaufhörlich fächelt, nebenbei*\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.10", "texte": "Um wenigstens Veranlassung: zum Lachen zu haben,\nerzählen sich die Träger die fernliegendsten Dinge,\nsie brechen über die unschuldigsten Witze in ein\nschallendes, nicht endendes Gelächter aus. Die\nFolge war, dass der eben beruhigte Herr wieder\nmisstrauisch zu werden beginnt. So stolpert die\nGesellschaft den Abhang hinab; der Dicke verflucht\nschliesslich alle Strassen und alle Sänftenträger.\nD\" Wanderer, der zufällig vorüber kommt, muss\nunwillkürlich in das Gelächter mit einstimmen.\nelf er schon von ferne durch das Dickicht des\nWaldes gehört hat, ehe er die komische Scene zu\nGesicht bekommt.\n„Du schwimmst wie der Mond in den Wolken\ndrei Monate hast du dich wohl dick gefressen”\nso spricht der Wanderer während des Vorüber-\ngehens in würdevollem Tone vor sich hin, indem\ner damit eine bekannte Dichterstelle parodiert.\nDie Träger verstehen ihn sofort; ein erneutes\nLachen folgt. Der Dicke kollert, die Sänfte fcol-\nlert, die Träger kollern. Schliesslich fährt der\nGepeinigte den ernsten Mann, der neben ihm schrei-\ntet und ihn fächelt, an und verbittet sich diese\nBelästieunv.\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.11", "texte": "A us dem Theehause am Wasser tönte Schwatzen\nheraus und Lärmen und das Stimmen von In-\nstrumenten* Das Theehaus liegt allein und ver-\nlassen 5: immer scheint es eine eigene Existenz ab-\nseits, für sich zu führen*\nWenn jemand, um einzutreten, die Stufen be-\nrührt, hampeln und gaukeln die Lampions hin und\nher wie zu seiner Begrüssung; als gäbe es nun ein\nGeheimniss zu offenbaren, so flüstern sie etwas Un-\nentdecktes in das lauschend gespannte Ohr*\nDas stille Licht liegt voll auf der ersten Stufe*\nEin langer Streifen geht bis zum Boden hinunter,\nden Rand der folgenden nur berührend, nur\nschmal streifend; wenn sich die Lichter durch das\nDunkel schaukeln, bewegt sich dieser Streif am\nBoden hin und her, in gleichmässiger Bewegung;\nes hat den Anschein, als lebte er für sich*\nDu setzest dich auf eine Matte dicht an der\nBrüstung und rückst einen niedrigen Tisch zu dir\nheran* Dann fühlst du, wie die Seeluft in deiner\nEinsamkeit zu dir heraufsteigt, wie die Lichter\nüber deinem Haupt die gleiche Stille in sich tragen,\nwie der weite, dunkle See\nDann siehst du, wie an seinen Ufern, die nah\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.12", "texte": "vor dir liegen , die grünen Strohbinsen nicken\ndann hörst du, wie sie im Winde still ein gleich-\nmassig tönendes, ruhiges sausendes Geräusch hören\nlassen, das sich um dein ganzes Denken und\nSinnen legt*\nUnter dem Dach, das bis über die Plattform\nhinausragt, mit seiner lastenden Schwere das Haus\nhält, befindet sich ein niedriges Thor* Das Thor\nöffnet sich nach einiger Zeit; eine einsame Gestalt\nerscheint und fragt nach deinem Begehr*\nDu erhältst deinen Thee und fühlst dich als\nFremdling, der Einlass begehrt* Alles ist Ruhe\nund Stille und Tiefe um dich; weithin* Das\nSchwatzen und Lärmen und Stimmen der Instru-\nmente ist leiser geworden; es gehört hierher und\nwinkt dir Beruhigung mit seinen dunklen, ver-\nschollenen Lauten*\nDu wirst nie erfahren, wer es war; hinter dies\nGeheimniss wirst du nie kommen, nie dringen;\nauch wenn du die Thür öffnetest und hinein-\nsähest, du würdest es nicht begreifen; es wird dir\newig verschlossen bleiben*\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.13", "texte": "DIE WEIDE AN DEN VERLORENEN WASSERN.\nEr hat die lebendige, lustige\nStadt hinter sich gelassen; er\ngeht zum Strande hinunter, wo\ndie breiten Boote liegen; das\nWasser vor ihm hört er in lang-\ngezogenen, flachen, gleichmäs-\nsigen Tönen aufschlagen, dann\nwieder in das Dunkel zurück-\neilen und wiederkommen und\ndas Geräusch erneuern* Vom jenseitigen Ufer kann\nman alles sehen, alles gemessen*\nDas Boot stösst vom Lande ab; hinten steht\nder Fährmann, der es teils rudernd, teils schiebend\nund stossend vorwärts bewegt* Er hat nur einen\nSchurz um den Leib geschlungen; sonst ist er\nunbekleidet*\nKräftig arbeiten seine sehnigen Arme; er be-\ngleitet jede Anstrengung mit Grimassen und kriege-\nrischen Fratzen, als ob er mit einem Gegner ringe*\nWie ihn das Boot leicht und schwebend über\ndas Wasser trägt, wird es einsam, dunkel um ihn*\nUm so heller leuchtet es wohl in seinen Sinnen*\nEr ist heiter und lustiger Dinge voll; eine süsse\nWehmut durchzieht ihn*\nEr fragt den Fährmann, ob er viel an einem\nTage verdient*\nDer antwortet, so viel wie er brauche, bringe\ndas Geschäft schon; auch finde sich für seines-\ngleichen wohl immer leicht eine kleine Verrichtung,\ndie etwas abwirft* Ein Mann wie er brauche nicht\nviel* Während er das sagte, hat er das Ruder\nnachlässig ruhen lassen; nun arbeitet er wieder\nemsig und kräftig weiter*\nHyacinthenförmige, turmartige Stauden mit un-\nzähligen blaurosa Blüten ragen aus dem Wasser,\ndas nur in einzelnen Strichen auftaucht; sie haben\nschmale, lange, dolchartige Blätter, nur mit dem\nKopf der Blüten sehen sie aus der Fläche* Höher\nranken sich epheuartige Gewächse mit fünf zackigen*\nrundbreiten Blättern; rotbraune Blüten lie-\ngen dazwischen verstreut* Zarte, feine,\nschwanke Stengel streben empor, tragen\noben weisse und rosa Blüten, deren Form\ndie der Rosen, deren Blütenblätter eine un-\nzählige auseinanderfallende Anzahl von\nspinnwebfeinen, seidenfadenähnlichen Ge-\nbilden sind* Ganz oben nickt eine leichte\nTraubendolde*\nDie kühle, wassergetränkte Luft erfrischt un-\nsagbar* Das hellbraune Holz eines vorüberziehen-\nden Kahnes leuchtet an der Seite; im Nu ist er\nverschwunden* Kaum konnte man sehen, wer\ndarin sass* Von dem Licht der Papierlaternen,\ndie zu beiden Seiten des Kahnes hängen, angezogen,\nbegleiten den Fahrenden ein Zug von Fischen, die\nihn mit hellen Augen fragen* Liebkosend fliegt sein\nAuge über ihre silbernen Farben; ein unvorsichtiger\nRuderschlag; husch sind sie verschwunden;\nbestürzt und stumm schiessen sie in die Tiefe*\nWie sich der grauschwarze See vor den Blicken\ndehnt, sieht man nur noch einzelne Lichter aus\nder Stadt zwischen den Zweigen, die wie dichte\nWolken lagern; etwas höher, oberhalb der Brücke,\nliegt eine stille Behausung, und während der Gast\nsich über den Rand des Bootes lehnt, mit dem\nWasser spielt, fühlt er die Kleinheit und die Ewig-\nkeit und das Band, das beide\nverknüpft* Der innerste Sinn\nwird ihm klar; er steht rein\nvor seinen Augen* Da ziehen\nlautere, seltene Gedanken durch\nseinen Sinn*\nDie Nacht lag dunkel vor\nden Blicken; es zog eine stille\nRede durch die Luft, hin und\nhergeworfen in ewiger Melodie:\nwie das rinnende Wasser,\ndas aus der Hand fliesst*\nUnd der Wind war bemüht, es in Worte zu\nfassen, er ging wie schlummernd ewig hin und her*\nDie dunkle Nacht sang die letzten, immer\ngleichen, weichen Töne:\nDer ewige Rhythmus lebt wieder auf*\nEin Stein plumpst in das Wasser; er stört nicht\ndie Stille der Nacht er bestätigt die Worte der\nNacht sein Geräusch dringt weiter in die Nacht\ner verliert sich nicht*\nWir fahren immer tiefer in das Dun-\nkel hinein*\nPhantastische Gedanken und Gestalten\nspielen um uns es wird stiller und tiefer*\nAllmählich ist man am Ziel angelangt*\nDer Fährmann erhält seinen Lohn und\nwendet, um neue Gäste zu holen*\nDer Gast steigt am Rande entlang,\ndas Ufer hinauf*\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.14", "texte": "DIE HÄNGENDEN BLÜTHEN.\nEine junge Schönheit erscheint mit lässigen,\nschleppenden Schritten, sie entledigt sich der hohen\nStelzenschuhe; goldgelbe Jamabukiblüthen trägt\nsie im Arm; sie legt sie auf die korbgeflochtene\nWandborte; dort lassen die Armen die Köpfe her-\nabhängen*\nEinige behält sie in der Hand sie setzt sich\nnieder und sieht nach der Strasse; die sieht ver-\nlassen im Abendglanz*\nFerne, blasse Töne kommen vom Dorf ein\nPfiff tiefe Stille\nSinken und Brausen verdämmerndes Sprechen\nwie Töne, die schlafen gehen und noch zögern\nbis dann das grosse Rad sich in gleichmässigem\nTakte im Dunkel der Nacht durch die Luft zu\ndrehen beginnt*\nEine dunkle Gestalt schleppt sich mühsam den\nHügel hinan nur ihre Umrisse sind noch er-\nkennbar es ist wohl ein Alter der von\nweither kommt es sieht aus, als hätte er keine\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.15", "texte": "Augen als würde er ohne Aufhören so\nweiter ziehen mit gesenkten Blicken sich\nwälzend in die Unendlichkeit\nUnd wie die weissen, leichten Blätter an ihr\nhinab ins Dunkel rieseln summt sie vor sich\nhin in sehnsüchtigem , schweren Klange\neinen alten Vers tändelnd spielend ge-\ntragen\nJamabuki\nBlühe nicht zwecklos.\nBlühe nicht zwecklos,\nGold - Jamabuki*\nDer Geliebte\nDer, dich zu schauen, pflanzte\nWährend des Sommers\nBleibt die Nacht von mir fern\nBleibt die Nacht von mir fern\nOhne dass sie es merkt, sind ihr die goldgelben\nJamabukiblüthen entfallen*\nDie dunkle Nacht glüht und leuchtet*\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.16", "texte": "DIE HÜTER DES SCHATZES UNTER DEM BREITEN DACHE.\nIJeher dem graubraunen Holze des Hauses, das\nam Walde lag, breiteten sich die schwanken\nZweige es sorgsam beschattend wie ein locker\ngebundener Strauss mit zartem Grau, dunklem\nGrün und in hellstem Weiss strahlend der\nsteigende Abendwind surrte durch das Rohr*\nWenn du eintrittst, musst du dich deiner Fussbe-\nkleidung entledigen*\nDu steigst die schmale, leichte Stiege, die unter\ndeinen sanften Tritten knarrt, herauf und gelangst\nin ein Gemach, wo du die Aussicht nach dem See\nzu hast* Die Papierwände fallen rings herum\nherab; nur die eine feste Holzwand im Hintergrund\nbleibt stehen; dort befindet sich eine Nische, in\nder ein auf kostbare Seide gemaltes Bild hängt,\nals einziger Wandschmuck*\nDarunter steht ein Basttisch, mit einer alten\nBronzevase; ein paar Blüthenzweige, wenige hängen\ndarin, lose, ungeordnet; ihre leichten Spitzen fallen\nüber den Rand des Gefässes und des Tisches*\nIn der anderen Ecke siehst du ein geflochtenes\nRohrschränkchen, hinter dessen durchbrochenen\nWänden man Lackdosen, Thongefässe, Masken\ngewahrt seltene Stücke, von Vorfahren theils\nverfertigt, theils gesammelt*\n\nJAPANISCHER\nSCHABLONENSCHNITT"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.17", "texte": "LUDGATE CIRCUS\nLONDON\nEMIL ORLIK"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.18", "texte": "ZUR WERTHSCHÄTZUNG\nDER JAPANISCHEN KUNST.\n\nrotz verschiedener Be-\nmühung*en besitzen wir\nleider noch immer keine\nwirkliche Geschichte der\njapanischen Kunst* Die\nersten, besonders franzö-\nsischen Versuche der Art,\nso verdienstlich sie an und\nfür sich auch sind, konn-\nten natürlich nicht sofort\ndas Richtige treffen* Das\nW erk Brinkmann's ist\nausserordentlich anregend und belehrend, sucht den\nDingen aber von ganz anderer Seite beizukommen,\nals von der zeitlicher Entwicklung* v* Seydlitz\nlegt in seiner Geschichte des japanischen Farben-\nholzschnittes darauf wohl hohen Werth; aber doch\nist nur ein kleiner Theil der gesammten Kunst-\nentwicklung in Betracht gezogen, und auch da\nscheint mir, offen gestanden, vieles durchaus nicht\nso sicher, als es Manchem zu sein scheint; schon,\ndass Gonse, Anderson und Fenollosa, auf die er\nmeistens zurückgeht, einander so häufig wider-\nsprechen, erweckt mir Verdacht*\nEs ist in der That für uns Europäer, besonders\nda wir Sprache und Litteratur des eigenartigen\nVolkes nicht kennen, überaus schwer, uns seine Ent-\nwicklung und damit die Grundlage seiner Kunst\ndeutlich zu machen* Wir kennen den grossen\nZeitraum, der eine so seltsame Blüthe wie die\njapanische Kunst gezeitigt hat, eigentlich erst seit\ndem Augenblicke, wo er mit der grossen Um-\nwälzung der sechziger Jahre zu Ende ging* Aber\nwie am Ende, so muss auch am Anfänge jener\nEpoche eine grosse Krise stattgefunden haben*\nJapan war ein Feudalstaat, der mit den euro-\npäischen Staaten des Mittelalters grosse Aehnlich-\nkeit hatte* Schon das lässt uns vermuthen, was\nauch die Ueberlieferung bestätigt, dass die Japaner\naus zwei Rassen entstanden sind, einer erobernden,\ndie später den herrschenden Adel abgab, und einer\nunterworfenen ähnlich wie in Europa der alte\nAdel aller romanischen Länder dem Blute erobern-\nder Germanen entsprungen ist und erst allmählich\nin dem Volke auf ging*\nEigenartige Cultur kann in solchen durch ein-\nander gewürfelten Völkern nur dann entstehen,\nwenn sie sich zu einer einheitlichen Masse ver-\n\nNACH EINEM\nORIGINAL-HOLZSCHNITT\nVON\nEMIL ORLIK"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.19", "texte": "NACH EINER ORIGINAL-\nLITHOGRAPHIE VON\nEMIL ORLIK"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.20", "texte": "AUSSICHT AUS MEINEM ATELIER, PRAG\nEMIL ORLIK\nNACH EINER ORIGINAL-LITHOGRAPHIE"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.21", "texte": "binden , wenn sich die Mischung’\nsozusagen zu setzen beginnt*\nVorher sind die Massentheil-\nchen gewissermassen gegen ein-\nander gerichtet und heben in der\nWirkung sich auf; sie müssen erst\nein grosses, gleichgerichtetes Stre-\nben erhalten*\nIn Italien bildete sich zum Bei-\nspiel eine einheitliche Masse erst im\n11*, 12* Jahrhundert und brachte\ndann Dante und die grosse bilden-\nde Kunst hervor*\nGegenüber der japanischen Be-\nvölkerung erschienen im 6* bis\n7* Jahrhundert unserer Zeitrech-\nnung die Koreaner und Chinesen\nnoch als überlegene Culturbringer*\nMit der erhabenen buddhistischen\nLehre gelangten damals auch indische und über\nIndien selbst einige europäische Kunstformen\nin die japanische Welt* Diese Herkunft der\nKunst aus Korea und China gilt auch für\nden Japaner als völlig feststehend* Die ersten\nKünstler Japans sind nur Nachahmer der fremden;\nselbst Kanaöka, der für das 9* Jahrhundert als\nerster, echt japanischer Maler überliefert wird,\nsteht noch ganz unter chinesischem Einflüsse*\nVollends, als neue innere Stürme im 12* Jahrhun-\ndert das Land in seiner Cultur weit zurückge-\nworfen hatten, musste man wie-\nder auf China zurückgreifen,\nund noch im 15* Jahrhundert war\nman genöthigt, dort eine grosse\ngeistige Anleihe zu machen*\nWann das eigenthümlich ja-\npanische Empfinden in der Kunst\ndes Landes zum ersten Male\nzum Durchbruch gelangt ist,\nlässt sich heute nicht mehr fest-\nstellen; herrschend wurde es je-\ndenfalls erst um 1630 durch den\ngrossen Meister Matähei* Es\nwar die Zeit, als mit der voll-\nkommenen Ausbildung des alten\nFeudalstaates das japanische Le-\nben einen ganz bestimmten\nRahmen zur Entfaltung gefun-\nden hatte*\nWie so oft in der Geschichte,\nwar auch in Japan der ursprüng-\nliche Herrscher, hier der Mikado,\naus weltlicher Macht zu einer rein\ngeistigen Potenz geworden, haupt-\nsächlich mit religiösen Befugnissen*\nSo lebte der altrömische König\nals Oberpriester in der Regia am\nForum Romanum weiter, der athe-\nnische als Archon Basileus, der\nrömische Kaiser wurde zum Papste*\nUnd wie die späteren Khalifen von\nBagdad durch den Führer ihrer\nLeibwache, wie die merowingischen\nKönige durch ihre Majores domus,\nso wurden die japanischen Kaiser\ndurch ihre obersten Feldherren, die\nShogunet in den Hintergrund ge-\ndrängt; denn diese kraftvollen\nMänner waren eine Noth Wendig-\nkeit geworden gegenüber dem mächtigen, unbotmäs-\nsigen Adel* Seit 1600 herrschte mit solchem Rechts-\ntitel das grosse Tokugawa-Geschlecht*\nErst vor einem Menschenalter ist dieser alte\nFeudalstaat in sich zusammengebrochen* Es ist\nfür uns heute sehr schwer, die verschiedenen Ur-\nsachen dieser Umwälzung zu erkennen* Jedenfalls\nfand das altangestammte Herrschergeschlecht das\nVolk auf seiner Seite, und es begann für Japan\neine neue Zeit, die Neuzeit, wenn wir so sagen\nkönnen*\nEs ist begreiflich, dass heute,\nwo ganz neue Ideen auf die\nJapaner einstürmen, neue For-\nderungen an sie treten, aber\nauch neue Gebiete sich ihrer\nT hätigkeit erschliessen, die\nKunst im Geistesleben des Vol-\nkes nicht die Hauptrolle spielt*\nSie hat sich aber auch inner-\nlich ausgelebt* So wie die staat-\nliche Idee, war die ganze Cul-\ntur und damit die Kunst auf\neinen todten Punkt gelangt*\nDas fühlten die japanischen\nKünstler schon seit dem Ende\ndes vorigen Jahrhunderts* Ge-\nnies sind ja nicht nur dasErgeb-\nniss ihrer Zeit, sie tragen auch\ndie Zukunft in sich* So suchten\n\nEMIL ORLIK"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.22", "texte": "die letzten grossen Künstler , die das Ende nahen\nfühlten , Anlehnung an die europäische Kunst,\nderen Ueberlegenheit auf manchem Gebiet sie er-\nkannten* Hiröshige und Hök'sai soll\nman heute nach der orthodoxen Lehre\nzwar schon zu den Degenerierten\nrechnen; ich muss aber gestehen, dass\nich ihre Werke für die reizvollsten\nhalte, für so entzückend, wie die Wer-\nke der Rococozeit, die ja umgekehrt\nim fernen China und Japan so manche\nihrer prickelndsten Anregungen ge-\nfunden hatten*\nHeute bemüht man sich, und be-\nsonders Fenollosa's Bestreben ist darin\nunermüdlich, die Blüthe japanischer\nKunst möglichst weit zurück zu ver-\nlegen, womöglich vor die Zeit der\nletzten Shogun-Geschlechter* Man be-\ngreift ja, dass die jetzige Herrschaft, die auch den\nalteinheimischen Shinto-Glauben begünstigt, ein\nInteresse daran hat* Uns können solche Beweg-\ngründe gleichgiltig sein, um so mehr,\nals wir wissen, dass nie Fürsten an\nsich, seien es nun angestammte oder\nneugewordene, Kunst gemacht haben,\nsondern dass jede klare Culturepoche\nin einem künstlerisch begabten Volke\nihren entsprechenden Ausdruck findet*\nDas Eine können wir allerdings zu-\ngeben, dass bei Hiröshige und Hok'sai\ndie altjapanische Kunst sich bereits in\nihrer letzten Entfaltung zeigt und zum\nTheile aus sich selbst herausgetreten\nist, etwa wie die europäische im Ro-\ncoco, und dass der sogenannte „hero-\nische” und „grosse Stil” in früherer\nZeit zu suchen ist* Eine wirkliche\n\nNACH ORIGINAL-\nHOLZSCHNITTEN VON\nEMIL ORLIK"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.23", "texte": "PLAKAT.\nEMIL ORLIK.\n\nNACH EINEM\nORIGINALHOLZSCHNITT\nVON EMIL ORLIK"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.24", "texte": "Geschichte der japanischen Kunst darf\nman aber, wie gesagt, heute noch nicht\nerwarten*\nWas wir aber bereits deutlicher sehen, .\ndas sind die grossen, gemeinsamen Züge,\ndie durch die ganze japanische Kunst\nhindurchgehen und besonders klar wer-\nden, wenn wir die Entwicklung der euro-\npäischen Kunst dagegen halten*\nBei uns hat jede grosse Periode der\nMalerei in der Skulptur ihren Vorläufer\nund ihre Wurzel gehabt* Bei den alten\nGriechen liegt das ja klar zu Tage, ebenso\nbei den Italienern der Renaissance, aber\nauch bei den Franzosen, Niederländern\nund Deutschen war es nicht anders*\nHöchstens, wo ein Volk als Erbe eines\nganz nahverwandten hervortritt, wie die\nEngländer nach den Holländern, konnte\neine solche Vorstufe entfallen*\nDer ursprüngliche Mensch schafft ja\nnach der Erinnerung, und es scheint, dass\nder Weg von den Körpern zu körperlicher\nDarstellung, die ja durch zwei Sinne,\nSehen und Fühlen, überwacht werden\nkann, näher ist, als vom Körper zur\nFläche* Und so ist die Vollendung meist\nfrüher den Bildnern gelungen als den\nMalern*\nDagegen hat in der japanischen\nKunst die Plastik nie eine führende Rolle\ngespielt; denn, was von Bronce- und Holz-\nskulpturen des 7* und 8* Jahrhunderts uns\nüberliefert ist, lässt auf blosse Nachah-\nmung des Fremden schliessen und ist ohne\nEinfluss auf die Zukunft* Die japanische\nKunst, übrigens auch die chinesische, ist,\nwie richtig bemerkt wurde, aus der\nSchreibkunst herausgewachsen, also ähn-\nlich, wie die Wandbilder der alten Aegyp-\nter oder Miniaturen des Mittelalters* Man\nhat auch gewisse Eigentümlichkeiten\nder japanischen Malerei auf diesen Ur-\nsprung zurückgeführt: den Mangel an\nklarer Licht- und Schattengebung, an\nRundung, an Helldunkel, das Fehlen der\nLinearperspektive, die später allerdings\ndurch eine fast übertriebene Luftperspec-\ntive ersetzt wird, dann den conventio-\nnellen Schwung der Figuren, sowie ihre\n\nPLAKAT.\nEMIL ORLIK."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.25", "texte": "willkürlichen Verhältnisse tmd ihre\ngeringe Belebung* Aber auch ge-\nwisse Stärken erklären sich aus die-\nser Herkunft: die ausserordentliche\nEinfachheit der Mittel, die Treff-\nsicherheit und Kraftersparung, auf\nwelche die ostasiatischen Schreiber\nimmer grosses Gewicht gelegt ha-\nben, sowie die treffliche flächen-\nhafte Gesammtwirkung, die uns\nmeist gar nicht merken lässt, wie\nselbständig sich der Künstler der\nNatur gegenüber verhalten hat*\nKann man in der japanischen\nKunst, am wenigsten nicht in den\nArbeiten der Lack- und Metallar-\nbeiter auch eine bestimmte Weiter-\nentwicklung zu immer grösserem\nNaturalismus bemerken, jene Be-\nschränkungen bleiben doch allen\nZweigen der Kunst bis in ihre\nletzten Phasen gemeinsam, höchs-\ntens, dass, wie gesagt, um 1780\ndie europäische Linearperspektive\nstellenweise eindringt; aber selbst\ndann hält sich der Japaner von\nSchlagschatten und Glanzlichtern\nnoch ferne* So reizend die land-\nschaftlichen Hintergründe sich auch\ngestalten, eigentliche Naturnachah-\nmung beabsichtigt der Japaner in\ndem Bilde denn doch nicht*\nUnd dennoch das ist das\nEigentümliche Zieht es ihn\nimmer wieder und unwidersteh-\nlich hin zur Natur*\nEs ist sehr auffallend, jener\nTheil des Kunstschaffens, der wie\nArchitektur und reine Dekoration,\nunabhängig von der äusseren Na-\ntur, bloss aus dem Innern des Men-\nschen seine Anregung nimmt, spielt\nin der japanischen Kunst fast gar\nkeine Rolle* Seine Architektur ist\nentweder die fremde, indisch-chine-\nsische oder reiner Constructions-\nbau, dessen Flächen, wenn über-\nhaupt geschmückt, dieselben Ver-\nzierungen aufweisen, wie Lacfcar-\nbeiten, Stoffe oder Porzellan* Ein\n\nNOCTURNO\nEMIL ORLIK\nGHETTO IN PRAG\nNACH EINER ORIGINAL-LITHOGRAPHIE"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.26", "texte": "ideeller, organischer Ausdruck der im Bau herrschen-\nden Kräfte, wie er das Wesen unserer Baukunst aus-\nmacht, wird gar nicht erstrebt. Und da ist gewiss\nnicht das vorherrschende Baumaterial schuld; wa-\nrum soll die Kunst nicht auch im Holz monumen-\ntale Gedanken ausdrücken können, wenn sie es\nheute im Eisenbau kann?\nAuch sonst liegt dem Japaner das Ringen nach\norganischem Ausdrucke ferne. Man wird selten\nein Ornament finden, das aus dem Wesen des\nGebrauchsgegenstandes herausgewachsen ist. Eine\ngekrümmte Garbe, ein Vogel als Stichblatt des\nSchwertes sind oft bestechend, aber organisch\nist diese Lösung doch nicht. Darum findet sich\ndieselbe Form auch oft auf der Tasse, der Wand\ndes Tempels und auf der Lackbüchse, über 5—6\ngetrennte Theile ruhig hinweggehend. Nein, archi-\ntektonisches Gefühl, das Schaffen aus dem Innersten\ndes Organismus und der eigenen Seele heraus,\nmangelt dem Japaner beinahe völlig. Und darin\nliegt eigentlich ein gewisser Widerspruch gegen\ndas früher Gesagte.\nDenn, während uns seine Bilder durch die\nVerwandtschaft mit den europäischen Miniaturen\n\nDER ANGLER\nEMIL ORLIK\nORIGINAL -\nLITHOGRAPHIE"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.27", "texte": "DIE WINDMÜHLE\nEMIL ORLIK\nNACH EINER ORIGINAL-LITHOGRAPHIE\n\nEX LIBRIS VON\nEMIL ORLIK\n\nEX LIBRIS VON\nEMIL ORLIK"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.28", "texte": "auf eine Kunststimmung schliessen\nHessen, ähnlich der unseres Mittel-\nalters, fehlt dem Japaner gerade die\nstärkste Seite dieses Zeitalters, die\ntiefe architektonische Begabung*\nDafür überragt der Japaner un-\nsere Miniatoren wieder gewaltig\ndurch sein früh entwickeltes, offenes\nAuge für die Einzelheiten der Pflan-\nzen- und Thierwelt und die Reize\nder Landschaft, durch die er ja be-\nsonders gefangen nimmt*\nWenn man das Recht hat, wie\nich es an anderem Orte einmal ver-\nsuchte, die Künstlernaturen in zwei\nHauptgruppen zu scheiden, in sol-\nche, die mehr dem inneren Triebe, |\ndem formal-architektonischen folgen,\nund solche, die sich mehr bestre-\nben, das durch die Sinne von Aussen empfan-\ngene Bild einheitlich auszugestalten, so gehören\ndie Japaner jedenfalls vorherrschend zur letzt-\ngenannten Gruppe, und es drängt\nsich uns eigentlich das Empfinden\nauf, dass sie sich in einer Zeit, die\nunserem feudalen Mittelalter auch\nin äusserer Geschichte einigermassen\nentsprach, unter dem überwältigen-\nden Einfluss des chinesischen Vor-\nbildes und anderer Beschränkungen\nnicht ganz ihrer Begabung gemäss\nausleben konnten* Dieses so leicht\nempfängliche und aufnahmsfähige\nVolk wird wohl nie einen Dürer\noder Michelangelo hervorbringen;\ndazu fehlt ihm anscheinend die\nTiefe des Gemüths und das gigan-\ntische Empfinden; aber vielleicht\nhätte es selbst einen Hals oder\nVelasquez gezeitigt, zum mindesten\nMeister wie die modern-französischen\nnatürlich mit japanischer Klangfarbe wenn\nes bis jetzt eine Zeit der freien Entwicklung, des\nweiten Blickes durchgemacht hätte* Ob diese Zeit\n\nNACH EINER\nORIGINAL-\nRADIERUNG\nVON\nEMIL ORLIK\n\nNACH EINER\nORIGINAL-\nRADIERUNG\nVON\nEMIL ORLIK"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.29", "texte": "FEIERABEND\nEMIL ORLIK\nNACH EINER ORIGINALRADIERUNG"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.30", "texte": "ABBRUCH\nDES GHETTO\nIN PRAG\nEMIL ORLIK\nNACH EINER\nORIGINAL-\nLITHOGRAPHIE"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.31", "texte": "noch kommen wird? Heute, wo Ja-\npan eben erst eine ungewisse Zu-\nkunft betreten hat, wer könnte cs\nsagen ? V i eil eicht*\nJedenfalls hat die japanische\nKunst, wenn sie im Grossen und\nGanzen auch eine beschränkte ist,\nim Einzelnen Werke geschaffen, die\nden Gedanken an diese Beschrän-\nkung nicht auf kommen lassen,\nWerke, die uns, als wir sie in den\nsechziger Jahren zum ersten Male in\ngrösserer Zahl zu sehen bekamen,\nals die Erfüllung dessen erschienen,\nwas wir selbst erstrebten, und die\nuns heute noch entzücken durch\nLeichtigkeit, unbefangene Compo-\nsition und Einfachheit der Mittel*\nWir hätten die Japaner natürlich\nnicht getroffen, wenn wir nicht\nauf demselben Wege hinterher ge-\nwesen wären* Mit ihrem leichteren\nGepäck hatten sie uns einst über-\nholt* Wir sind langsam und bedächtig nachge-\nkommen; wir hatten mehr zu tragen* Und wir\nwerden auch weiter kommen, denn wir sind\nbesser versorgt* Aber wir werden Vortheil haben\nvon der munteren Kameradschaft, wenn sie auch\nnicht ewig dauert*\n\nMORITZ DREGER.\n\nNACH ORIGINALRADIERUNGEN\nVON EMIL ORLIK"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf189909-01.1.32", "texte": "Für die Redaktion verantwortlich: E. A. Seemann, Leipzig.\nDruck von Ernst Hedrich Nachf., Leipzig.\n\nMITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS.\nDem schweren Verluste, welchen die Vereinigung durch den\nTod ihres C* M* GIOVANNI SEGANTINI erlitten hat, wurde\nin der ausserordentlichen Generalversammlung vom 14* October\ndurch eine Trauerkundgebung der Versammelten Rechnung getragen*\nIn der gleichen Versammlung wurde an Stelle des, nach Darm-\nstadt übersiedelten Ausschussmitgliedes Josef M* Olbrich, Maler JOSEF\nAUCHENTHALLER in den Ausschuss gewählt*\nDieselbe Versammlung ernannte den k* k* Oberbaurat Professor\nOTTO WAGNER zum ordentlichen Mitgliede der Vereinigung*\nStatt der geplanten Ausstellung polnischer Künstler, welche\ndurch die Veranstalter in letzter Stunde abgesagt wurde, findet als\nNovemberausstellung die schon lange in Aussicht genommene\ngraphische Ausstellung statt* Dieselbe enthält vorwiegend Zeich-\nnungen, Studien und Erzeugnisse moderner Griffelkunst, dann\nkleinere Plastik und kunstgewerbliche Objecte* Die Adaptierung\ndes Hauses erfolgte nach Plänen von Professor Josef Hoffmann;\ndie Ausgestaltung einzelner Räume wurde durch Josef Auchenthaller, Adolf Böhm und Koloman Moser\nbesorgt* Der Catalogumschlag ist von Prof* Jos* Hoffmann entworfen worden; an der Textausstattung\nbetheiligte sich eine grössere Zahl von Mitgliedern*\nDie Umschläge der bisher erschienenen Hefte wurden von folgenden Künstlern entworfen:\nI* Heft: Jos* M* Olbrich; 2* Heft: Friedrich König; 3* Heft: Alois Hänisch; 4* Heft: Koloman Moser;\n5* Heft: Alfred Roller; 6* Heft: Adolf Böhm; 7* Heft: Jos* Hoffmann; 8* Heft: Otto Wagner; für\ndas vorliegende Heft wurde ein japanischer Schablonenschnitt benützt*\nDie dritte Serie der Kunstbeilagen zur Gründerausgabe von Ver Sacrum enthielt in dem,\ndiesmal mit einer Originalschablone von Alfred Roller geschmückten Umschläge folgende Kunstblätter\nin, von den Künstlern signierten Specialabdrücken:\n1* F* Brod, Teplitz* Originallithographie in zwei Platten: ♦,Poesie des Schützenthums”*\n2* Anna Costenoble, Berlin* Originalradierung: „Kommende Fluth”*\n3* Wilhelm List, O* M*, Wien* Originallithographie in drei Platten: Tristan: „Wo ich von\nje gewesen, Wohin auf je ich geh'*”\n\nEMIL ORLIK"}]}