{"numero_id": "bm-bmtnabf-1901-11-15-01", "volume": "bmtnabf_1901-11-15_01", "ocr_sha256": "d8b8415cee40cad5efbf10ea290ff97680c72b3036354b43caab4be2c8237753", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabf/issues/1901/11/15_01/bmtnabf_1901-11-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabf/issues/1901/11/15_01/bmtnabf_1901-11-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabf-1901-11-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabf_1901-11-15_01#c007", "volume": "bmtnabf_1901-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "373", "page_fin": "373", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.2.3", "titre_corps": "Radierung", "titre_sommaire": "Radierung", "signature_source": "Axel Gallén", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 22, "texte": "Radierung\nAxel Gallén."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1901-11-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabf_1901-11-15_01#c008", "volume": "bmtnabf_1901-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "374", "page_fin": "374", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.2.4", "titre_corps": "JOUKAHAINEN IM HINTERHALT", "titre_sommaire": "JOUKAHAINEN IM HINTERHALT", "signature_source": "AXEL GALLÉN", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 38, "texte": "JOUKAHAINEN IM HINTERHALT\nAXEL GALLÉN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1901-11-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabf_1901-11-15_01#c009", "volume": "bmtnabf_1901-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "390", "image_debut": 9, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.2.5", "titre_corps": "[Sans titre]", "titre_sommaire": "[Sans titre]", "signature_source": "JOHANNES ÖHQUIST", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1553, "texte": "S war Sylvester, als ich mich zu Gallen aufmachte,\neine volle Tagereise von Helsingfors, mitten in\ndie finnische Wildnis hinein. Zuerst acht bis neun\nStunden Eisenbahnfahrt, dann dreissig Kilometer\nSchlitten. War die Reise anfangs ermüdend gewesen, so\nerhielt sie zuletzt einen um so spannenderen Reiz. Es war\ndunkel, nur der Schnee leuchtete schwach. Wenn wir\ndurch Wald fuhren, konnte ich nicht die Hand vor den\nAugen sehen. Wie mein Kutscher und das Pferd sich zu=\nrechtfanden, war mir ein Räthsel. Einen Weg gab es nicht.\nWir fuhren über Wiesen und Aecker, über Gräben und\nZäune, hin und wieder über eine schmale Bucht, und dann\nkonnte das Pferd nur schrittweise vorwärts kommen,\ndenn fast wochenlang war Thauwetter gewesen, und auf\ndem Eise lag das Wasser so hoch, dass es jedesmal zu mir\nin den Schlitten hineindrang. Manchmal = im dichten Ge=\nhölze = rannten sich auch Kutscher und Pferd im Dunkeln\nfest und konnten vor lauter Bäumen nicht weiter. Dann\nmussten wir retirieren und eine breitere Oeffnung zwischen\nden Stämmen suchen. Endlich, nach beinahe dreiviertel=\nständiger Fahrt, ging’s einen steilen Felsenhang mitten\nzwischen uralten Föhren hinauf, und nun hielten wir vor\neinem hochgiebeligen Hause von seltsamen gigantischen\nFormen. Auf einem Fundament, das aus drei bis vier Meter\nlangen Granitmonolithen bestand, erhob sich ein aus un=\nbehauenen Riesenstämmen gefügtes Gebäude, von dem ich\nin dem schwachen Schneelicht nur die nächsten phan=\ntastischen Umrisse unterscheiden konnte. 00©\n© Im Vorzimmer kam mir Frau Mary mit etwas ängst="}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1538, "texte": "lichem Gesichtsausdruck entgegen: „Axel hat sich soeben\nden Fuss verletzt und kann sich nicht bewegen. Er liegt\nhier neben dem Esszimmer. haben schon nach dem\nArzt geschickt.” ©©©\n© Als ich in das kleine Zimmerchen eintrat, das in seinen\nProportionen und seiner Ausstattung eine kleine einheit=\nliehe Welt für sich bildete, streckte mir Gallen lachend die\nHand entgegen. Er hatte eine Sünde begangen und musste\nnun dafür büssen. Es war Sonntag, und er hatte am Sonntag\ngearbeitet und was für eine Arbeit! Er hatte an dem Ge=\nländer einer Galerie in seinem Atelier an einer greulichen\nTeufelsfratze geschnitzt, die mit grünen, schielenden Augen\nvon der Höhe hinabglotzen sollte. Aber er hatte kaum an=\ngefangen, als die Leiter, auf der er stand, ausglitt und er aus\neiner Höhe von drei Metern hinabstürzte. Dabei war ihm\ndas rechte Fussgelenk entweder gebrochen oder verstaucht.\nRühren konnte er sich nicht, und die Schmerzen waren\ninfam. 000\n© Als der Arzt um 11 Uhr abends ankam =er musste aus\ndem jenseits des Sees fünf Kilometer weit gelegenen Kirch=\ndorf geholt werden = constatierte er, dass glücklicherweise\nkein Beinbruch vorlag, sondern nur eine Sehne verletzt\nwar, was mit Massage und Compressen in einigen Tagen\nwieder herzustellen war. Nun wurde aufgetischt; und\nwährend der arme Teufelsmaler als reumüthiger Sünder\nsich stumm und mit zusammengebissenen Zähnen unter\nden schraubenstarken Daumen des unerbittlichen Arztes\nwand, empfiengen wir, froh, dass das Abenteuer keine\nschlimmeren Folgen gehabt, mit klingenden Gläsern das"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 538, "texte": "neue Jahr, in=\ndessen draussen\nvor dem Fenster\nin der feuchten\nNacht die thau=\nenden Schnee=\nmassen mit lei=\nsem Knistern ©\nvon den Zweigen\nglitten. ©0©\nLS ich\nam fo 1=\ngenden\nMorgen\naus meinem Zim=\nmer trat, sass\nGallen schon un=\nten im Atelier.\nDieses war ein\nRaum von 16 Me=\nter Länge, 10 Me=\nter Breite und\n5 x/2 Meter Höhe\nund machte mit\nseinen ausmäch=\ntigen Balken ge=\nfügten Wänden und kühnen Dachsparren den Eindruck\neiner Kirche. Dieser Eindruck wurde durch ein hohes und\nschmales, gothisch geformtes Fenster erhöht, das sich an"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1649, "texte": "der einen Kurzwand befand, und dessen Scheiben in tiefen\nFarbentönen glühten. Von Norden flutete durch ein Riesen=\nfenster der schneegraue Wmtertag hinein. Diesem Fenster\ngegenüber, baute sich ein gewaltiges Gehäuse aus gebrann=\nten Ziegeln auf, das in der Mitte eine gewöhnliche Ofen=\nÖffnung aufwies, nach beiden Seiten aber flügelartig in\noffene Kaminherde auslief, deren gewölbte Backsteinmäntel\ndurch gewundene schmiedeiserne Säulen getragen wurden.\nDie andere Kurzseite des Ateliers, gegenüber dem gothischen\nFenster, war in zwei Stockwerke getheilt: unten befand sich\ndas Bibliothekzimmer, nur durch einen Vorhang vom Atelier\ngetrennt, und ein Alkoven, der ins Vorzimmer führte; oben\nein Fremdenzimmer, aus dem ein ebenfalls nur durch einen\nVorhang verschliessbares Fenster ins Atelier hineinführte,\nund ein mit der Galerie in Verbindung stehender offener\nRaum, wo später eine Orgel Platz gefunden hat, der damals\naber noch als Tischlerwerkstatt diente. Die dem Bibliothek=\nzimmer gegenüberliegende Ecke war um einige Stufen er=\nhöht und durch den wellenförmig cannelierten Stamm einer\nRiesenfichte, der das Dachgebälke trug, vom unteren Atelier\ngetrennt. In diesem oberen Raume stand neben Notenbehäl=\ntern und weich gepolsterten Bänken Frau Marys Flügel.\nAn den freien Wänden waren Bänke aus dicken, glatt=\ngehobelten Fichtenbohlen befestigt. Das Ganze machte mit\nseinen gewaltigen, massiven und theilweise grotesken For=\nmen einen cyklopenhaften Eindruck. Von oben, aus der\nDämmerung des hölzernen Dachgewölbes, klang ein selt=\nsames Singen zu uns herunter, wie fernes Glockengeläute.\n© „Was ist das für ein Gesang?” fragte ich Gallen, der"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1550, "texte": "neben dem kleinen Tannenbaume sass, wo die vierjährige\nKirsti und der kaum halbjährige Jorma mit den glatten\nNadeln spielten. ©O©\n© Gallen sah mich lächelnd an. In seinen Mund= und\nAugenwinkeln sass, kaum bemerkbar, der Schalk. ©©©\n© „Das sind die Geister,” sagte er geheimnisvoll und leise,\n„die Hiisigeister, die wüthend sind, dass sie meiner Kirche\nhier nichts anhaben können.” ©©©\n© Als er meine ganz nüchtern=dumme Miene sah, die in\ndem langweiligen Grau des Wintermorgens zu keinen\nSpukstimmungen aufgelegt schien, liess er sich zu einer\neinfacheren Erklärung herbei: die langen und hohen Seiten=\nwände des Ateliers, die weder durch Strebepfeiler noch\nTragebalken gestützt und zusammengehalten wurden, be=\ngannen allmählich unter der Last des schweren Dach=\ngebälkes nachzugeben, so dass der ganze Bau gleich einem\nKartenhause zusammenzustürzen drohte. Davor hatten die\nBaumeister Gallen gewarnt, als sie von dem kühnen Atelier=\nbau hörten. Aber er hatte sie verlacht. Nun bekamen sie\nRecht, und er musste Vorkehrungen treffen, um dem Un=\nheil zu wehren. Aber auch gegen diese Gefahr half er sich\nohne fremde Hilfe, wie er beim Roden des Waldes und Bau\ndes Hauses keine anderen Mitarbeiter gehabt hatte als einige\nkräftige Bauern. Er schraubte an zwei Stellen der einen\nLangwand, unmittelbar unter dem Dache, armdicke Eisen=\nStangen an und fügte sie an der entgegengesetzten Wand\nin einen Schraubenstock ein und schraubte auf diese Weise\ndie beiden auseinander laufenden Wände wieder in die\ngehörige senkrechte Lage zurück. Es gab ein Gekreisch"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1574, "texte": "und Gekrach in den Fugen, als wären alle Höllengeister\nlosgelassen, aber die Wände gehorchten und standen nun\nsicher und gefesselt da. Nur die Hiisigeister sangen in den\nstark gespannten Eisenstangen in ohnmächtiger Wuth. ©\n© „Das alles ist noch lange nicht fertig,” sagte Gallen, als\ner sah, dass ich mit prüfendem Blick die hohe Halle be=\ntrachtete. ©©©\n© „Ich will alles selber machen: angefangen vom Riss\ndes Hauses bis zu den Thürschlössern, Kleiderhängern und\nAschenbechern. Aber das geht langsam. Das sind nur Be=\nschäftigungen für dieMussestunden. Darum fehlt noch über=\nall irgend etwas. Jene Thür ist noch ohne Schloss. Dort\ndrüben kommt ein Vorhang hin, den ich gezeichnet habe,\nund den meine Frau webt. Und dieser grosse Stehspiegel\nist erst der Anfang des weitläufigen Meublements, das aus\nmeiner Werkstatt hervorgehen soll.” ©©©\n© Er wollte mir gleich das ganze Haus zeigen. Da er sich\naber des verletzten Beines wegen nicht rühren konnte, bat\ner einen jungen Mann, der als sein Schüler in einem Bauern=\nhofe der Umgegend wohnte und soeben eingetreten war,\nmich auf die Zinne seiner Burg zu führen, von wo ich sein\nReich würde überschauen können. Der Umblick von hier\nwar entzückend. Das Haus selbst stand auf dem Felsgipfel\neiner schmalen Halbinsel; dicht um das Haus und den stei=\nlen Felsenabhang hinab bis zum Ufer zog sich ein Gewirr\nalter und mächtiger Kiefern und Fichten. Und über ihre\nGipfel hinaus sah man nach drei Seiten die breite eis=\nbedeckte Fläche des Ruovesisees und jenseits des Sees die\ngrauen Dächer des Kirchdorfes von Ruovesi und hie und"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1490, "texte": "da in der Ferne einen einzelnen Bauernhof oder Kathen.\n© Kein Laut war in dieser Einsamkeit zu vernehmen,\nnicht einmal der Flügelschlag einer Krähe. Kilometerweit\nwar keine menschliche Behausung zu sehen, und kein Weg\nschien nach diesem entlegenen Waldnest zu führen. ©©\n© Ich war ganz benommen von der grossen Stille und\nSchönheit. Dann aber tauchte mir ein Gedanke ganz prak=\ntischer Art auf. ©©©\n© „Wie leben denn Gallens hier,” fragte ich den jungen\nMann. „Der Mensch muss doch essen und trinken. Aber ich\nsehe nichts als Wildnis und Einöde?” ©©©\n© „Im Winter ist es freilich misslich,” antwortete der\nKunstjünger. „Hier neben dem Hause, unter jenen Kiefern\nversteckt, ist der Stall: dort haben Gallens ihre Kuh, die\nsie der Kinder wegen halten müssen. Mit der Herrlichkeit\nhatte es neulich allerdings auch ein Ende. Die Kuh hatte\ngekalbt, und da musste die Magd stundenweit in den\nBauernhäusern umherlaufen, um die paar Tropfen Milch\nfür die Kleinen zusammenzusuchen.” ©©©\n© „Aber wir haben ja unsere Ski,” fügte er hinzu, und\nklopfte dabei auf seine kniehohen, fellbesetzten Schaft=\nStiefel. „Und Gallen macht dabei seine 60 Kilometer am\nTage wie unsereiner einen Spaziergang.” ©©©\nLS wir ins Atelier zurückkehrten, sass Gallen,\neine dampfende Cigarre im Munde, in Nachdenken\nversunken vor einem halbvollendeten Werke. Es\nhatte die Form eines Flüeelaltars. Das Hauotbild\nwar vollständig ausgeführt und zeigte eine nackte Frauen=\ngestalt von einer wunderbar keuschen Schönheit, die mit"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1002, "texte": "hochausgebreiteten Armen und\nverzücktem Ausdruck aus ei=\nnem chaosartigen Gewühl in\nden klaren Aether emporstieg;\nder nebelartige Dunst brodelte\nihr bis an die Knie, während\nhinter ihr das Planetensystem\nim Sonnenlichte badete, so dass\nihr rothes, üppiges Haar wie\neine Aureole um ihr Haupt er=\nstrahlte. Das Bogenfeld über\ndem Hauptbilde wie die Pre=\ndellen waren noch leer. Von den\nFlügelthüren war die eine aus=\ngeführt, aber nicht gemalt, son=\ndem gitterartig ausgeschnitzt\nund zum Theil vergoldet. ©©\n© „Es ist ein Elend mit dem\nHolz,” seufzte Gallen und zeigte\nauf die linke Flügelthür, die sich\nin der trockenen Hitze in der\nNähe des Kamins schief gebogen\nhatte und nicht mehr schloss. „Zum\nWegwerfen das ganze Werk.”\n© Einmal hatte es allerdings seinen Zweck erfüllt: Den\nSommer vorher hatte Gallen = der Verwandten wegen =\nseine beiden Kinder gleichzeitig taufen lassen und zu dem\nZweck vor dem rothverhangenen gothischen Fenster einen\nmit italienischen Kirchendecken aus Goldbrocat verzierten"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1590, "texte": "Altar aufgebaut, auf dem das Flügelbild mit der nackten\nAdorantin als leuchtendes Altarbild prunkte. Der zum Tauf=\nact erschienene Pfarrer hatte sich etwas scheu nach dem\nseltsamen Schmuck umgesehen, war dann aber klug genug\ngewesen, sich nicht dadurch stören zu lassen. ©OO\n© Dies war das einzige grössere Bild im Atelier, das aus=\nschliesslich der eigenen Phantasie des Künstlers entsprun=\ngen war. 'Was damals sonst noch auf den Staffeleien der\nVollendung harrte, war dem Nationalmythus Kalewala\nentnommen: der rasende Kullerwo, der zum Kampf aus=\nziehende Kullerwo, Wäinämöinens Abreise von Finland.\nGallen stand in dieser Zeit vollständig unter dem Banne\ndieser tief geheimnisvollen und meist düsteren Poesie. Aller=\ndings hatten diese Heldengestalten schon früher seinen Sinn\ngefesselt, als er noch unter dem Einfluss des französischen\nRealismus in crasser Wiedergabe der realen Wirklichkeit\nschwelgte. ©OO\n© Dann aber ging eine Wandlung mit ihm vor. Er hatte\nden Höhepunkt technischer Meisterschaft erreicht und sah\nsich nun plötzlich Auge in Auge vor der Gefahr des blen=\ndenden Virtuosenthums, die in jeder vollkommenen Be=\nherrschung der technischen Mittel auf der Lauer liegt. Er\nwollte die „verruchte Geschicklichkeit” von sich streifen\nund zu jener Einfachheit zurückkehren, die nur mit der\nSeele malte. In diesem Bestreben nach Stilisierung und Ver=\neinfachung begegnete er sich mit dem Symbolismus, der\num diese Zeit seinen Triumphzug durch die europäischen\nSecessionssäle hielt. Die Kunstkritiker versäumten natür=\nlieh nicht, ihn sofort mit den Symbolisten in einen Topf zu"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 571, "texte": "werfen. Mir scheint\naber, dass die sym=\nbolistische Richtung\nfür Gallens innere\nEntwicklung von ver=\nhältnismässig gerin=\nger Bedeutung gewe=\nsen ist. Das, was im\nSymbolismus ewig\nist: über die concreten\näusseren Linien des\nKunstwerkes hinaus\nnoch jenes Unsicht=\nbare zu geben, das\nwar Gallen von jeher\neigen. ©©©\n© Einen nachhalti=\ngen Eindruck em=\npfieng er von der im\nJahre 1898 unter nom=\nmenen italienischen\nReise. Er gieng nur\nungern nach Italien.\nIhn zog es nicht nach\ndem weichen, üppi=\ngen Süden. Er war\nein Kind des rauhen,\nkargen und düstern\nNordens. Er fühlte"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 449, "texte": "sich so wurzel=\nfest verwachsen\nmit der Natur,\ndem Volk, der\nPoesie, die ihn\numgab und =\ner kannte Italien\nals Kunstland,\nwie die meisten\nes kennen, die\nes noch nicht\nmit eigenen Au=\ngen gesehen: vor\nallem als das\nVaterland der\nRenaissance, die\ner mit ihrem\nganzen raffinier=\nten Luxus und\nReichthum bis\naufs Blut hasste.\n© Wiegiengen\nihm aber die Au=\ngen auf vor je=\nnen primitiven\nKünstlern des\n13.-15. Jahrhun=\nderts, die wie er\nnur mit der Seele"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1533, "texte": "malen wollten, ohne Raffinement der „geschickten” Hand.\nNur widerwillig gieng er nach Rom, das ihn auch, mit\nAusnahme der Katakomben, nicht zu fesseln vermochte.\nFür die Stanzen konnte er sich nicht erwärmen. Raphaels\nKunst war in seinen Augen geradezu „verbrecherisch”.\nAus Capri mit seinen „Pappfelsen” floh er schon nach\neinigen Tagen. Umso mächtiger ward dagegen seine Phan=\ntasie von den unheimlichen Gewalten gepackt, die im\nKrater des Vesuvs die Räthsel des Erdinnern ahnen Hessen.\nUnd dem Zauber von Pompeji erlag er vollständig und\nverblieb weit über die beabsichtigte Zeit in dem Künst=\nleralbergo del Sole. ©OO\n0 In der ursprünglichen, zarten und starken Kunst der\nFrührenaissance und ihrer Vorgänger fand er verwandte\nKlänge: die innere Grazie und die naive Andacht der Kunst=\nÜbung. Dass sie nicht ohne Wirkung auf seine weitere Ent=\nWicklung blieb, ist ohne Zweifel. Von nun an werden\nseine Bilder so streng in der Form, dass sie gleichsam nur\ndas Facit einer ungeheueren Reihe von künstlerischen\nEmotionen geben. Am schärfsten tritt dies vielleicht auf\nzwei Bildern aus der letzten Zeit hervor: „Joukahainens\nRache” und dem „Brudermörder”. In dem ersteren ist der\nAusdruck tödlichen Hasses, in dem zweiten derjenige trost=\nloser Verzweiflung durch Mittel erreicht, die gleichsam auf\neine einzige Farbe und eine einzige Linie reduciert er=\nscheinen. 000\n© Während seine Ausdrucksformen eine immer grössere\nRuhe und Beherrschung erlangen, wird die Glut, aus der\nsie geboren, immer intensiver, concentrierter, tiefer. ©o©"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1492, "texte": "© „Mit unsagbarem Genuss,” sagte er einmal, „lasse ich\nmein Auge auf den tiefen, gesättigten und warmen Farben\nruhen. Da wohnt für mich das Leben selbst und die Lei=\ndenschaft, die die Mutter aller Lebenslust ist. Ruhe und\nFrieden sind für mich negative Begriffe. Hat die Flamme\nRuhe, so lange sie lebt und brennt?” ©OO\nIE Tage waren kurz: am „Morgen” löschte man\nauf ein paar Stunden die Lampen aus, um „Tag zu\nspielen” und um sie am „Abend” wieder anzu=\nzünden.\n© Ich konnte nicht umhin, Gallen zu fragen, weshalb er\nsich in diese furchtbare Einöde zurückgezogen, und wie er\nes hier aushalten könne. ©o©\n© „Ich musste es,” antwortete er; „ich war übersättigt\nund todmüde von dem Trubel in der grossen Welthetze.\nHier ist Frieden; aber der wird mir auch, besonders in der\nDunkelheit des Winters, wenn nicht einmal die Thiere des\nWaldes sich rühren, oft ganz unerträglich. Es ist noch ein\nGlück, dass der Schnee weiss ist, denn der Himmel liegt\nhier oft tagelang und grau über uns, nicht höher als die\nWipfel der Tannen. Manchmal schreit es in mir: «Licht!\nSonne!» Aber der graue Winter ist stärker als ich, und\nwenn die Sonne nicht kommt, wandelt mich die Lust an,\nes meinen Stammbrüdern nachzuthun und mich zum\nWinterschlaf auf den Ofen zu legen. Meine Nachbarn und\nStammesverwandten = die sind auch stärker als ich, denn\nsie klagen und murren nicht; die Sonne und die Wärme,\ndie sie sich wünschen, erwarten sie erst jenseits des Grabes.\nIch brauche Menschengedanken und Menschenherzen, mit"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1586, "texte": "ihnen zu verkehren. Die habe ich ja auch,” fügte er mit\neinem Blick auf die lange Bücherreihe hinzu. Dann setzte\ner fort: „Uebrigens, die Einsamkeit und die Einförmigkeit\ndrücken mich jetzt nicht mehr, ebenso wenig wie sie mich\nlocken, nachdem ich nun fünf Jahre Klosterleben und frei=\nwillige Gefangenschaft hinter mir habe. Ich fühle mich\ngeläutert und gestählt, mit Gleichmuth auch die arktische\nWinternacht zu ertragen. ©©©\n© „Und was soll ich auch draussen? Hier, in der Stille,\nfühl’ ich, nein = ich bin überzeugt, dass es ein Land des\nTraumes, ein Märchenland gibt, ebenso wirklich wie\ndieses sichtbare um uns, und dass es einmal jene Sehnsucht\nstillen wird, die wir empfinden, wenn unser Auge das Gold\nder untergehenden Sonne trinkt. Jenes Land ist das Urbild\nder schönsten Gedanken und Träume der Dichter und\nKünstler. Wann aber wird Phantasie und Gefühl zu den\nVölkern jener «civilisierten» Länder kommen? Wann\nwerden ihre Menschen eine Religion empfangen, etwas,\ndas sie anbeten können mit ganzer, zitternder Seele ? Jetzt\nkönnen sich nur einzelne Individuen um dieselbe Gottheit\nvereinen, und kein Tempel steht unbefleckt da.” ©©©\n© Sein Blick fiel auf den rasenden Kullerwo, der in der\ngrellen Beleuchtung des Lampenlichtes in voller Lebens=\ngrosse vor uns seine sehnigen Arme in die Höhe streckte.\nNur ein Künstler konnte beurtheilen, dass es noch nicht\nganz vollendet war. Es war ein Bild von ungeheuerer Kraft\nund Wildheit. Der ganze hagere und geschmeidige Körper\ndes wildgewordenen Burschen war wie eine straffge=\nspannte Sehne in dem Augenblick, wo sie den Pfeil ent="}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1536, "texte": "senden soll. Und diese vom höchsten Zornesausbruch hin=\ngerissene Menschenfigur stand in einer Landschaft, die im\nblendendsten Sonnenlicht einen Frieden athmete, der in\nseiner Majestät die Wuth des Menschenkindes um so ohn=\nmächtiger erscheinen liess. ©o©\n© „Wenn du wüsstest, wie mich dies Bild quält,” sagte\ner, „immer wieder lockt es mich zur Arbeit und bringt mich\njedesmal zur Verzweiflung. O, wie schön war das Bild,\nehe ich es zu malen anfieng. Die Farben, die so lodernd\nsangen, haben sich nun in todte Flächen und schreiende\nDissonanzen verwandelt. Und die Formen, in denen ich\nalles hatte geben wollen, was ich je an Lebenslust und\nThatkraft in wildester Steigerung empfunden, sie wurden\nnur schlaffe und zerfahrene Umrisse. Und doch hat das\nBild volle fünfzehn Jahre in mir gelegen und gekeimt und\nan meinem Hirn genagt. Ich werde nie diesen Alp los, ehe\nich nicht das Bild fertig habe und so, dass es mir wenig=\nstens in Dämmerstunden schön erscheint und ich es ge=\nmessen kann, als wäre es das Werk eines andern. ©©©\n© „Manchmal scheint es mir aber, als würde ich nie dazu\nkommen, und wenn ich auch alle Schleier der Finsternis\nnähme, um die Mängel zu verdecken. ©©©\n© „Denk, dass man manchmal sein eigenes Werk wie seinen\nTodfeind hassen kann, dass man mit ihm einen verzeifelten\nKampf um Leben und Tod kämpft und fühlt, dass, wenn der\nSieg nicht bald kommt, die Sehnen für immer erschlaffen.\nUnd doch ist es derselbe Gedanke und dasselbe Werk, das\nman auf den Knien und flammenden Herzens geliebt hat.”\n\nJOHANNES ÖHQUIST."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1901-11-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabf_1901-11-15_01#c014", "volume": "bmtnabf_1901-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "377", "page_fin": "377", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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MÜHLGASSE 19 (IM EIGENEN HAUSE)\nTELEPHON 7782.\nGROSSE AUSWAHL\nELEGANTER MO-\nDERNER RAHMEN.\nBESTELLUNGEN\nAUCH NACH SPE-\nCIELLEN SKIZZEN\nWERDEN PROMPT\nUND BILLIGST AUS-\n= GEFÜHRT. ="}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1901-11-15-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabf_1901-11-15_01#c025", "volume": "bmtnabf_1901-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "394", "page_fin": "394", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.28", "debut_caractere": 225, "fin_caractere_exclue": 438, "texte": "VER SACRUM\nerscheint in jährlich 24 Heften\n© im Verlage der Vereinigung. ©\n300 Exemplare werden im Wege\nder Subscription zum Preise von\n50 Kronen per Jahrgang nur\nunmittelbar durch die Redaction\n© © abgegeben. © ©"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1901-11-15-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabf_1901-11-15_01#c026", "volume": "bmtnabf_1901-11-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "394", "page_fin": "394", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.28", "debut_caractere": 440, "fin_caractere_exclue": 652, "texte": "OKATIVE\nUNS\nC/\nREICHHALTIGSTE UND VERBREITETSTE\nZEITSCHRIFT FÜR ANGEWANDTE KUNST\nHERAUSGEGEBEN\nVON H. 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U. K. HOFLIEFERANT\nWIEN, VI/2, HIRSCHENGASSE 4. j*\n(\\\n0 0 0 0 0\nBUCHEINBÄNDE BIS ZUR FEINSTEN AUS-\nFÜHRUNG. 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UND K. KUNST-\nERZGIESSEREI\n■FILIALE DER BERNDORFER METALL-\n|© WAAREN-FABRIK ARTHUR KRUPP ©\nWIEN, IV. GUSSHAUSSTRASSE 25\ni\n’r.\nWmk\nwm\nÜBERNIMMT DEN GUSS VON MONUMEN-\nTEN, GROSSEN PLASTISCHEN WERKEN,\nDECORATIONS-FIGUREN ETC. 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ETC.\ns.*s\nTIROLER MARMOR- UND\nPORPHYR-GESELLSCHAFT\nFRITZ ZELLER & Ca\nWIEN, 11/2, PRATERstrasse 70"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.1", "texte": "MITTHEILUNGEN DER VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\n1901 HEFT 22\nVER SACRUM"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.2", "texte": "SÖHNE\nl\nZS\nm\nK\nK. U. K. HOFLIEFERANTEN\nWIEN, I. KÄRNTNER-\n© © STRASSE © ©\nKRYSTALL-LÜSTER, TRINK-\nSERVICES, SPIEGEL, PHAN-\nTASIE-OBJECTE ETC.\n\nj©© © |\n|© © © ©|\n! glasmalereil\n! CARL GEYLING’s\n© ERBEN © i\nGEGRÜNDET 1841\nWIEN, VL WIND-\nMÜHLGASSE 22\n© © © ©\n© 0 ©\n,0 © © ©\n| © © ©\nI©© © ©\n|© 0 ©\n\nm\ns»\nUm\nm m\nJ*\nW?\nmtBHKKKmm\nOr\nm\nTa\n%\ns^ss»*\nmm\nwst\nmst\n3l£Sfe\n9ß\n»\nSSg\na s\nsSÄS\n»\nes\n><\nNS\n»I\n3»\nW*\n«\nw\nn\nK- HOr -\nseRANT€ri.-\nFABRIKEN FVU\nMO«.B?LSrCFre-\nT€PPICM€\n-WPBVIrPWKM\nirs WKfi\nvmp n°n^h^icM\nWl*N\nI\nOPCANBING 1\nLie\nn^iNßlCHstt°P\n8?\n\nckr KfsAiw ff vriKSWm\nD\nn\nu/\nO\n&\nH\nct\ncs:\nc£\nZJ\no\nV\nQS\nz\na\nH\n<L\niL/\ncC\nr;\ncs:\nkl)\nz\nS!\nu/\nZ\ncs.\nCC\nr\n*o\n<x\nu/\ncs:\nZ 9\n<c\nr\nh r\nu/\nc£\n>\nu/\nu/\nNJ\nLx\nf-\ni/)\nkO\nuy\nm\n3*l\nSD\n«i\n•ilil\n(X"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[371]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.3", "texte": "SECESSION\nMITTHEILUN'\nGEN DER VER'\nEINIGUNG\nBILDENDER\nKÜNSTLER\nÖSTERREICHS\nVER SACRUM\nHEFT\n15. NOVEMBER\n1901\nDAS REDACTIONS-\nCOMITE:\nMALER\nKOLOMAN MOSER\nWILHELM LIST\nJ. M. AUCHENTALLER\nADOLF BÖHM\nSECRETÄR\nFRANZ HANCKE"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.5", "texte": "Radierung\nAxel Gallén."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.8", "texte": "JOUKAHAINEN IM HINTERHALT\nAXEL GALLÉN."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.9", "texte": "S war Sylvester, als ich mich zu Gallen aufmachte,\neine volle Tagereise von Helsingfors, mitten in\ndie finnische Wildnis hinein. Zuerst acht bis neun\nStunden Eisenbahnfahrt, dann dreissig Kilometer\nSchlitten. War die Reise anfangs ermüdend gewesen, so\nerhielt sie zuletzt einen um so spannenderen Reiz. Es war\ndunkel, nur der Schnee leuchtete schwach. Wenn wir\ndurch Wald fuhren, konnte ich nicht die Hand vor den\nAugen sehen. Wie mein Kutscher und das Pferd sich zu=\nrechtfanden, war mir ein Räthsel. Einen Weg gab es nicht.\nWir fuhren über Wiesen und Aecker, über Gräben und\nZäune, hin und wieder über eine schmale Bucht, und dann\nkonnte das Pferd nur schrittweise vorwärts kommen,\ndenn fast wochenlang war Thauwetter gewesen, und auf\ndem Eise lag das Wasser so hoch, dass es jedesmal zu mir\nin den Schlitten hineindrang. Manchmal = im dichten Ge=\nhölze = rannten sich auch Kutscher und Pferd im Dunkeln\nfest und konnten vor lauter Bäumen nicht weiter. Dann\nmussten wir retirieren und eine breitere Oeffnung zwischen\nden Stämmen suchen. Endlich, nach beinahe dreiviertel=\nständiger Fahrt, ging’s einen steilen Felsenhang mitten\nzwischen uralten Föhren hinauf, und nun hielten wir vor\neinem hochgiebeligen Hause von seltsamen gigantischen\nFormen. Auf einem Fundament, das aus drei bis vier Meter\nlangen Granitmonolithen bestand, erhob sich ein aus un=\nbehauenen Riesenstämmen gefügtes Gebäude, von dem ich\nin dem schwachen Schneelicht nur die nächsten phan=\ntastischen Umrisse unterscheiden konnte. 00©\n© Im Vorzimmer kam mir Frau Mary mit etwas ängst="}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.10", "texte": "lichem Gesichtsausdruck entgegen: „Axel hat sich soeben\nden Fuss verletzt und kann sich nicht bewegen. Er liegt\nhier neben dem Esszimmer. haben schon nach dem\nArzt geschickt.” ©©©\n© Als ich in das kleine Zimmerchen eintrat, das in seinen\nProportionen und seiner Ausstattung eine kleine einheit=\nliehe Welt für sich bildete, streckte mir Gallen lachend die\nHand entgegen. Er hatte eine Sünde begangen und musste\nnun dafür büssen. Es war Sonntag, und er hatte am Sonntag\ngearbeitet und was für eine Arbeit! Er hatte an dem Ge=\nländer einer Galerie in seinem Atelier an einer greulichen\nTeufelsfratze geschnitzt, die mit grünen, schielenden Augen\nvon der Höhe hinabglotzen sollte. Aber er hatte kaum an=\ngefangen, als die Leiter, auf der er stand, ausglitt und er aus\neiner Höhe von drei Metern hinabstürzte. Dabei war ihm\ndas rechte Fussgelenk entweder gebrochen oder verstaucht.\nRühren konnte er sich nicht, und die Schmerzen waren\ninfam. 000\n© Als der Arzt um 11 Uhr abends ankam =er musste aus\ndem jenseits des Sees fünf Kilometer weit gelegenen Kirch=\ndorf geholt werden = constatierte er, dass glücklicherweise\nkein Beinbruch vorlag, sondern nur eine Sehne verletzt\nwar, was mit Massage und Compressen in einigen Tagen\nwieder herzustellen war. Nun wurde aufgetischt; und\nwährend der arme Teufelsmaler als reumüthiger Sünder\nsich stumm und mit zusammengebissenen Zähnen unter\nden schraubenstarken Daumen des unerbittlichen Arztes\nwand, empfiengen wir, froh, dass das Abenteuer keine\nschlimmeren Folgen gehabt, mit klingenden Gläsern das"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.11", "texte": "neue Jahr, in=\ndessen draussen\nvor dem Fenster\nin der feuchten\nNacht die thau=\nenden Schnee=\nmassen mit lei=\nsem Knistern ©\nvon den Zweigen\nglitten. ©0©\nLS ich\nam fo 1=\ngenden\nMorgen\naus meinem Zim=\nmer trat, sass\nGallen schon un=\nten im Atelier.\nDieses war ein\nRaum von 16 Me=\nter Länge, 10 Me=\nter Breite und\n5 x/2 Meter Höhe\nund machte mit\nseinen ausmäch=\ntigen Balken ge=\nfügten Wänden und kühnen Dachsparren den Eindruck\neiner Kirche. Dieser Eindruck wurde durch ein hohes und\nschmales, gothisch geformtes Fenster erhöht, das sich an\n\nEx libris\nAxel Gallén."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.12", "texte": "der einen Kurzwand befand, und dessen Scheiben in tiefen\nFarbentönen glühten. Von Norden flutete durch ein Riesen=\nfenster der schneegraue Wmtertag hinein. Diesem Fenster\ngegenüber, baute sich ein gewaltiges Gehäuse aus gebrann=\nten Ziegeln auf, das in der Mitte eine gewöhnliche Ofen=\nÖffnung aufwies, nach beiden Seiten aber flügelartig in\noffene Kaminherde auslief, deren gewölbte Backsteinmäntel\ndurch gewundene schmiedeiserne Säulen getragen wurden.\nDie andere Kurzseite des Ateliers, gegenüber dem gothischen\nFenster, war in zwei Stockwerke getheilt: unten befand sich\ndas Bibliothekzimmer, nur durch einen Vorhang vom Atelier\ngetrennt, und ein Alkoven, der ins Vorzimmer führte; oben\nein Fremdenzimmer, aus dem ein ebenfalls nur durch einen\nVorhang verschliessbares Fenster ins Atelier hineinführte,\nund ein mit der Galerie in Verbindung stehender offener\nRaum, wo später eine Orgel Platz gefunden hat, der damals\naber noch als Tischlerwerkstatt diente. Die dem Bibliothek=\nzimmer gegenüberliegende Ecke war um einige Stufen er=\nhöht und durch den wellenförmig cannelierten Stamm einer\nRiesenfichte, der das Dachgebälke trug, vom unteren Atelier\ngetrennt. In diesem oberen Raume stand neben Notenbehäl=\ntern und weich gepolsterten Bänken Frau Marys Flügel.\nAn den freien Wänden waren Bänke aus dicken, glatt=\ngehobelten Fichtenbohlen befestigt. Das Ganze machte mit\nseinen gewaltigen, massiven und theilweise grotesken For=\nmen einen cyklopenhaften Eindruck. Von oben, aus der\nDämmerung des hölzernen Dachgewölbes, klang ein selt=\nsames Singen zu uns herunter, wie fernes Glockengeläute.\n© „Was ist das für ein Gesang?” fragte ich Gallen, der"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.13", "texte": "Der Kampf um den Sampo.\nAxel Gallén.\nHolzschnitt"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.14", "texte": "neben dem kleinen Tannenbaume sass, wo die vierjährige\nKirsti und der kaum halbjährige Jorma mit den glatten\nNadeln spielten. ©O©\n© Gallen sah mich lächelnd an. In seinen Mund= und\nAugenwinkeln sass, kaum bemerkbar, der Schalk. ©©©\n© „Das sind die Geister,” sagte er geheimnisvoll und leise,\n„die Hiisigeister, die wüthend sind, dass sie meiner Kirche\nhier nichts anhaben können.” ©©©\n© Als er meine ganz nüchtern=dumme Miene sah, die in\ndem langweiligen Grau des Wintermorgens zu keinen\nSpukstimmungen aufgelegt schien, liess er sich zu einer\neinfacheren Erklärung herbei: die langen und hohen Seiten=\nwände des Ateliers, die weder durch Strebepfeiler noch\nTragebalken gestützt und zusammengehalten wurden, be=\ngannen allmählich unter der Last des schweren Dach=\ngebälkes nachzugeben, so dass der ganze Bau gleich einem\nKartenhause zusammenzustürzen drohte. Davor hatten die\nBaumeister Gallen gewarnt, als sie von dem kühnen Atelier=\nbau hörten. Aber er hatte sie verlacht. Nun bekamen sie\nRecht, und er musste Vorkehrungen treffen, um dem Un=\nheil zu wehren. Aber auch gegen diese Gefahr half er sich\nohne fremde Hilfe, wie er beim Roden des Waldes und Bau\ndes Hauses keine anderen Mitarbeiter gehabt hatte als einige\nkräftige Bauern. Er schraubte an zwei Stellen der einen\nLangwand, unmittelbar unter dem Dache, armdicke Eisen=\nStangen an und fügte sie an der entgegengesetzten Wand\nin einen Schraubenstock ein und schraubte auf diese Weise\ndie beiden auseinander laufenden Wände wieder in die\ngehörige senkrechte Lage zurück. Es gab ein Gekreisch"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.15", "texte": "und Gekrach in den Fugen, als wären alle Höllengeister\nlosgelassen, aber die Wände gehorchten und standen nun\nsicher und gefesselt da. Nur die Hiisigeister sangen in den\nstark gespannten Eisenstangen in ohnmächtiger Wuth. ©\n© „Das alles ist noch lange nicht fertig,” sagte Gallen, als\ner sah, dass ich mit prüfendem Blick die hohe Halle be=\ntrachtete. ©©©\n© „Ich will alles selber machen: angefangen vom Riss\ndes Hauses bis zu den Thürschlössern, Kleiderhängern und\nAschenbechern. Aber das geht langsam. Das sind nur Be=\nschäftigungen für dieMussestunden. Darum fehlt noch über=\nall irgend etwas. Jene Thür ist noch ohne Schloss. Dort\ndrüben kommt ein Vorhang hin, den ich gezeichnet habe,\nund den meine Frau webt. Und dieser grosse Stehspiegel\nist erst der Anfang des weitläufigen Meublements, das aus\nmeiner Werkstatt hervorgehen soll.” ©©©\n© Er wollte mir gleich das ganze Haus zeigen. Da er sich\naber des verletzten Beines wegen nicht rühren konnte, bat\ner einen jungen Mann, der als sein Schüler in einem Bauern=\nhofe der Umgegend wohnte und soeben eingetreten war,\nmich auf die Zinne seiner Burg zu führen, von wo ich sein\nReich würde überschauen können. Der Umblick von hier\nwar entzückend. Das Haus selbst stand auf dem Felsgipfel\neiner schmalen Halbinsel; dicht um das Haus und den stei=\nlen Felsenabhang hinab bis zum Ufer zog sich ein Gewirr\nalter und mächtiger Kiefern und Fichten. Und über ihre\nGipfel hinaus sah man nach drei Seiten die breite eis=\nbedeckte Fläche des Ruovesisees und jenseits des Sees die\ngrauen Dächer des Kirchdorfes von Ruovesi und hie und"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.16", "texte": "da in der Ferne einen einzelnen Bauernhof oder Kathen.\n© Kein Laut war in dieser Einsamkeit zu vernehmen,\nnicht einmal der Flügelschlag einer Krähe. Kilometerweit\nwar keine menschliche Behausung zu sehen, und kein Weg\nschien nach diesem entlegenen Waldnest zu führen. ©©\n© Ich war ganz benommen von der grossen Stille und\nSchönheit. Dann aber tauchte mir ein Gedanke ganz prak=\ntischer Art auf. ©©©\n© „Wie leben denn Gallens hier,” fragte ich den jungen\nMann. „Der Mensch muss doch essen und trinken. Aber ich\nsehe nichts als Wildnis und Einöde?” ©©©\n© „Im Winter ist es freilich misslich,” antwortete der\nKunstjünger. „Hier neben dem Hause, unter jenen Kiefern\nversteckt, ist der Stall: dort haben Gallens ihre Kuh, die\nsie der Kinder wegen halten müssen. Mit der Herrlichkeit\nhatte es neulich allerdings auch ein Ende. Die Kuh hatte\ngekalbt, und da musste die Magd stundenweit in den\nBauernhäusern umherlaufen, um die paar Tropfen Milch\nfür die Kleinen zusammenzusuchen.” ©©©\n© „Aber wir haben ja unsere Ski,” fügte er hinzu, und\nklopfte dabei auf seine kniehohen, fellbesetzten Schaft=\nStiefel. „Und Gallen macht dabei seine 60 Kilometer am\nTage wie unsereiner einen Spaziergang.” ©©©\nLS wir ins Atelier zurückkehrten, sass Gallen,\neine dampfende Cigarre im Munde, in Nachdenken\nversunken vor einem halbvollendeten Werke. Es\nhatte die Form eines Flüeelaltars. Das Hauotbild\nwar vollständig ausgeführt und zeigte eine nackte Frauen=\ngestalt von einer wunderbar keuschen Schönheit, die mit"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.17", "texte": "hochausgebreiteten Armen und\nverzücktem Ausdruck aus ei=\nnem chaosartigen Gewühl in\nden klaren Aether emporstieg;\nder nebelartige Dunst brodelte\nihr bis an die Knie, während\nhinter ihr das Planetensystem\nim Sonnenlichte badete, so dass\nihr rothes, üppiges Haar wie\neine Aureole um ihr Haupt er=\nstrahlte. Das Bogenfeld über\ndem Hauptbilde wie die Pre=\ndellen waren noch leer. Von den\nFlügelthüren war die eine aus=\ngeführt, aber nicht gemalt, son=\ndem gitterartig ausgeschnitzt\nund zum Theil vergoldet. ©©\n© „Es ist ein Elend mit dem\nHolz,” seufzte Gallen und zeigte\nauf die linke Flügelthür, die sich\nin der trockenen Hitze in der\nNähe des Kamins schief gebogen\nhatte und nicht mehr schloss. „Zum\nWegwerfen das ganze Werk.”\n© Einmal hatte es allerdings seinen Zweck erfüllt: Den\nSommer vorher hatte Gallen = der Verwandten wegen =\nseine beiden Kinder gleichzeitig taufen lassen und zu dem\nZweck vor dem rothverhangenen gothischen Fenster einen\nmit italienischen Kirchendecken aus Goldbrocat verzierten\n\nEx libris\nAxel Gallén."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.18", "texte": "Altar aufgebaut, auf dem das Flügelbild mit der nackten\nAdorantin als leuchtendes Altarbild prunkte. Der zum Tauf=\nact erschienene Pfarrer hatte sich etwas scheu nach dem\nseltsamen Schmuck umgesehen, war dann aber klug genug\ngewesen, sich nicht dadurch stören zu lassen. ©OO\n© Dies war das einzige grössere Bild im Atelier, das aus=\nschliesslich der eigenen Phantasie des Künstlers entsprun=\ngen war. 'Was damals sonst noch auf den Staffeleien der\nVollendung harrte, war dem Nationalmythus Kalewala\nentnommen: der rasende Kullerwo, der zum Kampf aus=\nziehende Kullerwo, Wäinämöinens Abreise von Finland.\nGallen stand in dieser Zeit vollständig unter dem Banne\ndieser tief geheimnisvollen und meist düsteren Poesie. Aller=\ndings hatten diese Heldengestalten schon früher seinen Sinn\ngefesselt, als er noch unter dem Einfluss des französischen\nRealismus in crasser Wiedergabe der realen Wirklichkeit\nschwelgte. ©OO\n© Dann aber ging eine Wandlung mit ihm vor. Er hatte\nden Höhepunkt technischer Meisterschaft erreicht und sah\nsich nun plötzlich Auge in Auge vor der Gefahr des blen=\ndenden Virtuosenthums, die in jeder vollkommenen Be=\nherrschung der technischen Mittel auf der Lauer liegt. Er\nwollte die „verruchte Geschicklichkeit” von sich streifen\nund zu jener Einfachheit zurückkehren, die nur mit der\nSeele malte. In diesem Bestreben nach Stilisierung und Ver=\neinfachung begegnete er sich mit dem Symbolismus, der\num diese Zeit seinen Triumphzug durch die europäischen\nSecessionssäle hielt. Die Kunstkritiker versäumten natür=\nlieh nicht, ihn sofort mit den Symbolisten in einen Topf zu"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.19", "texte": "werfen. Mir scheint\naber, dass die sym=\nbolistische Richtung\nfür Gallens innere\nEntwicklung von ver=\nhältnismässig gerin=\nger Bedeutung gewe=\nsen ist. Das, was im\nSymbolismus ewig\nist: über die concreten\näusseren Linien des\nKunstwerkes hinaus\nnoch jenes Unsicht=\nbare zu geben, das\nwar Gallen von jeher\neigen. ©©©\n© Einen nachhalti=\ngen Eindruck em=\npfieng er von der im\nJahre 1898 unter nom=\nmenen italienischen\nReise. Er gieng nur\nungern nach Italien.\nIhn zog es nicht nach\ndem weichen, üppi=\ngen Süden. Er war\nein Kind des rauhen,\nkargen und düstern\nNordens. Er fühlte\n\nHolzschnitt\nAxel Gallén."}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.20", "texte": "sich so wurzel=\nfest verwachsen\nmit der Natur,\ndem Volk, der\nPoesie, die ihn\numgab und =\ner kannte Italien\nals Kunstland,\nwie die meisten\nes kennen, die\nes noch nicht\nmit eigenen Au=\ngen gesehen: vor\nallem als das\nVaterland der\nRenaissance, die\ner mit ihrem\nganzen raffinier=\nten Luxus und\nReichthum bis\naufs Blut hasste.\n© Wiegiengen\nihm aber die Au=\ngen auf vor je=\nnen primitiven\nKünstlern des\n13.-15. Jahrhun=\nderts, die wie er\nnur mit der Seele\n\nHolzschnitt\nAxel Gallén."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.21", "texte": "malen wollten, ohne Raffinement der „geschickten” Hand.\nNur widerwillig gieng er nach Rom, das ihn auch, mit\nAusnahme der Katakomben, nicht zu fesseln vermochte.\nFür die Stanzen konnte er sich nicht erwärmen. Raphaels\nKunst war in seinen Augen geradezu „verbrecherisch”.\nAus Capri mit seinen „Pappfelsen” floh er schon nach\neinigen Tagen. Umso mächtiger ward dagegen seine Phan=\ntasie von den unheimlichen Gewalten gepackt, die im\nKrater des Vesuvs die Räthsel des Erdinnern ahnen Hessen.\nUnd dem Zauber von Pompeji erlag er vollständig und\nverblieb weit über die beabsichtigte Zeit in dem Künst=\nleralbergo del Sole. ©OO\n0 In der ursprünglichen, zarten und starken Kunst der\nFrührenaissance und ihrer Vorgänger fand er verwandte\nKlänge: die innere Grazie und die naive Andacht der Kunst=\nÜbung. Dass sie nicht ohne Wirkung auf seine weitere Ent=\nWicklung blieb, ist ohne Zweifel. Von nun an werden\nseine Bilder so streng in der Form, dass sie gleichsam nur\ndas Facit einer ungeheueren Reihe von künstlerischen\nEmotionen geben. Am schärfsten tritt dies vielleicht auf\nzwei Bildern aus der letzten Zeit hervor: „Joukahainens\nRache” und dem „Brudermörder”. In dem ersteren ist der\nAusdruck tödlichen Hasses, in dem zweiten derjenige trost=\nloser Verzweiflung durch Mittel erreicht, die gleichsam auf\neine einzige Farbe und eine einzige Linie reduciert er=\nscheinen. 000\n© Während seine Ausdrucksformen eine immer grössere\nRuhe und Beherrschung erlangen, wird die Glut, aus der\nsie geboren, immer intensiver, concentrierter, tiefer. ©o©"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.22", "texte": "© „Mit unsagbarem Genuss,” sagte er einmal, „lasse ich\nmein Auge auf den tiefen, gesättigten und warmen Farben\nruhen. Da wohnt für mich das Leben selbst und die Lei=\ndenschaft, die die Mutter aller Lebenslust ist. Ruhe und\nFrieden sind für mich negative Begriffe. Hat die Flamme\nRuhe, so lange sie lebt und brennt?” ©OO\nIE Tage waren kurz: am „Morgen” löschte man\nauf ein paar Stunden die Lampen aus, um „Tag zu\nspielen” und um sie am „Abend” wieder anzu=\nzünden.\n© Ich konnte nicht umhin, Gallen zu fragen, weshalb er\nsich in diese furchtbare Einöde zurückgezogen, und wie er\nes hier aushalten könne. ©o©\n© „Ich musste es,” antwortete er; „ich war übersättigt\nund todmüde von dem Trubel in der grossen Welthetze.\nHier ist Frieden; aber der wird mir auch, besonders in der\nDunkelheit des Winters, wenn nicht einmal die Thiere des\nWaldes sich rühren, oft ganz unerträglich. Es ist noch ein\nGlück, dass der Schnee weiss ist, denn der Himmel liegt\nhier oft tagelang und grau über uns, nicht höher als die\nWipfel der Tannen. Manchmal schreit es in mir: «Licht!\nSonne!» Aber der graue Winter ist stärker als ich, und\nwenn die Sonne nicht kommt, wandelt mich die Lust an,\nes meinen Stammbrüdern nachzuthun und mich zum\nWinterschlaf auf den Ofen zu legen. Meine Nachbarn und\nStammesverwandten = die sind auch stärker als ich, denn\nsie klagen und murren nicht; die Sonne und die Wärme,\ndie sie sich wünschen, erwarten sie erst jenseits des Grabes.\nIch brauche Menschengedanken und Menschenherzen, mit"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.23", "texte": "ihnen zu verkehren. Die habe ich ja auch,” fügte er mit\neinem Blick auf die lange Bücherreihe hinzu. Dann setzte\ner fort: „Uebrigens, die Einsamkeit und die Einförmigkeit\ndrücken mich jetzt nicht mehr, ebenso wenig wie sie mich\nlocken, nachdem ich nun fünf Jahre Klosterleben und frei=\nwillige Gefangenschaft hinter mir habe. Ich fühle mich\ngeläutert und gestählt, mit Gleichmuth auch die arktische\nWinternacht zu ertragen. ©©©\n© „Und was soll ich auch draussen? Hier, in der Stille,\nfühl’ ich, nein = ich bin überzeugt, dass es ein Land des\nTraumes, ein Märchenland gibt, ebenso wirklich wie\ndieses sichtbare um uns, und dass es einmal jene Sehnsucht\nstillen wird, die wir empfinden, wenn unser Auge das Gold\nder untergehenden Sonne trinkt. Jenes Land ist das Urbild\nder schönsten Gedanken und Träume der Dichter und\nKünstler. Wann aber wird Phantasie und Gefühl zu den\nVölkern jener «civilisierten» Länder kommen? Wann\nwerden ihre Menschen eine Religion empfangen, etwas,\ndas sie anbeten können mit ganzer, zitternder Seele ? Jetzt\nkönnen sich nur einzelne Individuen um dieselbe Gottheit\nvereinen, und kein Tempel steht unbefleckt da.” ©©©\n© Sein Blick fiel auf den rasenden Kullerwo, der in der\ngrellen Beleuchtung des Lampenlichtes in voller Lebens=\ngrosse vor uns seine sehnigen Arme in die Höhe streckte.\nNur ein Künstler konnte beurtheilen, dass es noch nicht\nganz vollendet war. Es war ein Bild von ungeheuerer Kraft\nund Wildheit. Der ganze hagere und geschmeidige Körper\ndes wildgewordenen Burschen war wie eine straffge=\nspannte Sehne in dem Augenblick, wo sie den Pfeil ent="}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.24", "texte": "senden soll. Und diese vom höchsten Zornesausbruch hin=\ngerissene Menschenfigur stand in einer Landschaft, die im\nblendendsten Sonnenlicht einen Frieden athmete, der in\nseiner Majestät die Wuth des Menschenkindes um so ohn=\nmächtiger erscheinen liess. ©o©\n© „Wenn du wüsstest, wie mich dies Bild quält,” sagte\ner, „immer wieder lockt es mich zur Arbeit und bringt mich\njedesmal zur Verzweiflung. O, wie schön war das Bild,\nehe ich es zu malen anfieng. Die Farben, die so lodernd\nsangen, haben sich nun in todte Flächen und schreiende\nDissonanzen verwandelt. Und die Formen, in denen ich\nalles hatte geben wollen, was ich je an Lebenslust und\nThatkraft in wildester Steigerung empfunden, sie wurden\nnur schlaffe und zerfahrene Umrisse. Und doch hat das\nBild volle fünfzehn Jahre in mir gelegen und gekeimt und\nan meinem Hirn genagt. Ich werde nie diesen Alp los, ehe\nich nicht das Bild fertig habe und so, dass es mir wenig=\nstens in Dämmerstunden schön erscheint und ich es ge=\nmessen kann, als wäre es das Werk eines andern. ©©©\n© „Manchmal scheint es mir aber, als würde ich nie dazu\nkommen, und wenn ich auch alle Schleier der Finsternis\nnähme, um die Mängel zu verdecken. ©©©\n© „Denk, dass man manchmal sein eigenes Werk wie seinen\nTodfeind hassen kann, dass man mit ihm einen verzeifelten\nKampf um Leben und Tod kämpft und fühlt, dass, wenn der\nSieg nicht bald kommt, die Sehnen für immer erschlaffen.\nUnd doch ist es derselbe Gedanke und dasselbe Werk, das\nman auf den Knien und flammenden Herzens geliebt hat.”\n\nJOHANNES ÖHQUIST."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.25", "texte": "RADIERUNG\n\nEX LIBRIS\nAXEL GALLÉN."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.26", "texte": "EPISODE\nAUS DER JUGEND\nKULLERWOS.\nRADIERUNG.\nAXEL GALLÉN.\n\nEX LIBRIS"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.27", "texte": "■\nm\ni\nPL „ Anwendung, nur für\n» oonn Hu{rr! Wnsel wird das Sdvü*\ne RücKseite öleid\ndem * vA‘cn.unö zieht auch keine teuw\neines Bildes isr da^i\nMS das Bild, Qhnc*3u®\nS kann auch zum Ä\ninOi<be *®rwondf werden.\n11,11 Lesern Sdiirfcmtttel unempfindn\nw kann auch tm\nplSrig «B®?,*** verwandt werden,\nki... “mn d,(s«n Sdmhmitlel unemprin\niL *= 0n Qnd Blleinuertrieb durito\nWICHTIG FÜR ÖLMALEREI!\n55 Bilderschutzmittel,\nD. R. P. 117462.\n55 T v' 7 Fabrication u. Alleinvertrieb\nGegr.lB3B. GÜNTHER WAGNER.\n23 Ausz. HANNOVER UND WIEN, X.\n© © MAN VERLANGE PROSPECT. © ©"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.28", "texte": "RICHARD MELCHER\nRAHMEN=TISCHLEREI\nWIEN, IV. MÜHLGASSE 19 (IM EIGENEN HAUSE)\nTELEPHON 7782.\nGROSSE AUSWAHL\nELEGANTER MO-\nDERNER RAHMEN.\nBESTELLUNGEN\nAUCH NACH SPE-\nCIELLEN SKIZZEN\nWERDEN PROMPT\nUND BILLIGST AUS-\n= GEFÜHRT. =\n\nVER SACRUM\nerscheint in jährlich 24 Heften\n© im Verlage der Vereinigung. ©\n300 Exemplare werden im Wege\nder Subscription zum Preise von\n50 Kronen per Jahrgang nur\nunmittelbar durch die Redaction\n© © abgegeben. © ©\n\nOKATIVE\nUNS\nC/\nREICHHALTIGSTE UND VERBREITETSTE\nZEITSCHRIFT FÜR ANGEWANDTE KUNST\nHERAUSGEGEBEN\nVON H. BRUCK-\nMANN, MÜNCHEN\nPREIS VIERTEL-\nJAHRE. MARK 3.75\nZU BEZIEHEN DURCH ALLE BUCH-\nHANDLUNGEN UND POSTANSTALTEN\n\nJULIUS FRANKE\nK. U. K. HOFLIEFERANT\nWIEN, VI/2, HIRSCHENGASSE 4. j*\n(\\\n0 0 0 0 0\nBUCHEINBÄNDE BIS ZUR FEINSTEN AUS-\nFÜHRUNG. 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AUSSERDEM\nERZEUGT DIE ANSTALT ALLE ARTEN\nKLEINERER KUNSTGEWERBLICHER BRON-\nZEN IN GEDIEGENSTER AUSFÜHRUNG.\n\nALEXANDER ALBERT\nK. U. K. HOF-KUNSTTISCHLER\nWIEN, 111. SCHÜTZENGASSE 19\n\nLAASER MARMOR\nROH ODER FIGURALE AUSFÜHRUNGEN UNTER\nf:..- ---••••- KÜNSTLERISCHER LEITUNG.\nARCHITEKTONISCHE ARBEITEN IN ALLEN\nHARTGESTEINEN UND MARMOR ETC. ETC.\ns.*s\nTIROLER MARMOR- UND\nPORPHYR-GESELLSCHAFT\nFRITZ ZELLER & Ca\nWIEN, 11/2, PRATERstrasse 70"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19011115-01.1.30", "texte": "Für die REDACTION verantwortlich: WILHELM LIST in WIEN\nHerausgeber; VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\nDruck von ADOLF HOLZHAUSEN, k.u. k. Hof- u.Univ.-Buchdruckcr in Wien\nGlicht von der „GRAPHISCHEN UNION” in Wien"}]}