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Glücklicherweise war damals die allgemeine Be'\nwegung gegen die bauliche Umgestaltung des ehrwürdigen Denk'\nmales eine so intensive, daß der Portalbau gerettet wurde. Nur das\nschöne echte Barockgitter wurde durch ein armseliges imitiertes „gotisches\"\nGittertor ersetzt.\nSeit einigen Wochen kursieren in unserer Stadt Gerüchte, daß der damals\nabgewehrte Versuch neuerdings unternommen werden solle. Wir haben keinen\nWeg, um die Richtigkeit dieser Gerüchte zu prüfen; wir würden aber unsere\nPflicht als Künstler zu vernachlässigen glauben, wenn wir in einer so ernsten\nSache nicht schon auf die ersten Gerüchte hin Eure Exzellenz die inständige\nBitte unterbreiten würden, eine solche rohe Beschädigung unseres ehrwürdigsten"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2358, "texte": "Monumentalbaues, wie sie diesen Gerüchten zufolge beabsichtigt wird, unter\nkeinen Umständen zu gestatten.\nDie Stelle, die zunächst berufen wäre, einem solchen barbarischen Vorhaben\nEinhalt zu tun, die Kommission zur Erhaltung der Baudenkmale, bietet ihrer\nganzen Tätigkeit nach leider keine Gewähr für den Schutz dieses Kleinods\ngegen kunstfeindliche Absichten. Beweis dessen, daß seit geraumer Zeit alle\nRestaurierungsarbeiten, von denen sie ja Kenntnis haben muß, in Neuherstel'\nlungen ausarten.\nDie Freunde der Umgestaltung des Portals werden betonen, daß es sich\nim vorliegenden Falle ja gerade um die Entfernung einer solchen Neuherstel'\nlung, wenn auch einer schon sehr alten, um die Beseitigung des zu dem romani-\nschen Portal später hinzugekommenen vordersten gotischen Bogens nämlich, und\num die Wiederherstellung des angeblich ursprünglichen Zustandes handle.\nWir erwidern, daß dieser erste gotische Bogen zu gotischer Zeit entstanden, also\necht ist, und halten dafür, daß auch an dieser Stelle ein echter gotischer\nBogen einem heute herzustellenden, somit gefälschten „romanischen” Bogen\nvorzuziehen sei.\nWir sind in der Lage, Eurer Exzellenz Aufmerksamkeit auf einen ge'\nwichtigen Gewährsmann für die Richtigkeit unserer Anschauungen lenken zu\nkönnen, auf John Ruskin, der in der VI. Betrachtung seiner „Sieben Leuchter\nder Baukunst” folgende herrliche Worte spricht:\n„Die sogenannte Restaurierung ist die schlimmste Art der Zerstörung von\nBauwerken. Weder vom Publikum, noch von denen, deren Obhut die öffent'\nliehen Baudenkmäler anvertraut sind, wird die wahre Bedeutung des Wortes\n,Wiederherstellung' (Restaurierung) verstanden. Heute bedeutet sie die voll'\nständigste Zerstörung, eine Zerstörung, aus der keine Bruchstücke gerettet\nwerden können, von einer falschen Vorstellung des zerstörten Werkes begleitet;\nfalsch auch in einer parodistischen Weise, die verabscheuenswerteste aller Falsch'\nheiten. Täuschen wir uns doch nicht über diesen wichtigen Punkt; es ist ganz\nunmöglich, so unmöglich wie die Toten zu erwecken, irgend etwas wieder'\nherzustellen, das jemals groß oder schön in der Baukunst gewesen ist. Das\nLeben des Ganzen, der Geist, der nur durch die Hand und das Auge des Arbei'\nters übertragen wird, kann niemals wieder zurückgerufen werden. Ein anderer\nGeist mag durch eine andere Zeit gegeben werden und dann ist es ein neues"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2400, "texte": "Gebäude; aber der Geist des toten Handwerkers kann nicht zurückgerufen\nwerden, um andere Hände und andere Gedanken zu bewegen.\n„Und was das direkte und einfache Kopieren anbelangt, so ist das eine\nhandgreifliche Unmöglichkeit. Wie kann man Oberflächen kopieren, die einen\nhalben Zoll tief abgewittert und abgebröckelt sind? Die ganze Vollendung der\nArbeit lag in dieser halbzolldicken Schicht, die verloren gegangen ist; eine mut'\nmaßliche Herstellung hat gar keinen Wert; wenn man das Übriggebliebene\nkopiert, angenommen, daß es möglich sei (und welche Sorgfalt, Vorsicht und\nKosten verbürgen das?), wie kann die neue Arbeit besser sein als die alte? In\nder alten war doch noch etwas Leben, eine geheimnisvolle Andeutung, was sie\nwar und was von ihr verloren gegangen; etwas Liebliches und Liebenswertes\nin den feinen, von Regen und Sonnenschein verwitterten Linien. In der bruta'\nlen Härte der frischen Behauung kann kein Leben sein.\n„Der allererste Schritt zur Wiederherstellung bedeutet das Entzweischlagen\nder alten Arbeit, der zweite die meistenteils billigste und banalste Nachahmung,\ndie eben durchschlüpfen könnte.\n„Laßt uns also von Wiederherstellung lieber gar nicht reden. Die Sache ist\neine Lüge von Anfang bis zu Ende. Ihr könnt das Modell von einem Gebäude\nmachen wie von einem Leichnam; das Abbild mag die Schale der alten Mauern\numschließen, wie der Abguß das Skelett enthalten mag, zu welchem Nutzen\nist mir unerfindlich und unwichtig; aber der alte Bau ist jedenfalls zerstört,\nvollständiger und erbarmungsloser, als ob er in Trümmer gesunken und in\neinen Staub-' und Lehmhügel verwandelt wäre. Denn mehr Schönes wurde in\ndem verödeten Niniveh aufgelesen als jemals aus dem wiedererbauten\nMailand.\n„Aber, sagt man, es mag eine Notwendigkeit zum \"Wiederaufbau eintreten.\nZugegeben. Seht dieser Notwendigkeit frei ins Antlitz und begreift ihre Mah'\nnung! Es ist die Notwendigkeit der Zerstörung. Nehmt sie hin, reißt das Ge'\nbäude nieder, werft die Steine in Haufen zusammen, macht Ballast aus ihnen\noder Mörtel, wenn ihr wollt; aber tut das ehrlich und setzt keine Lüge an\nihre Stelle. Blickt dieser drohenden Zerstörung ins Gesicht, bevor sie heran'\nnaht, und ihr könnt sie aufhalten und verhindern. Die heutige Regel ist, erst\ndie Gebäude zu vernachlässigen und sie hinterher zu restaurieren, ein Prinzip,\ndas wenigstens in Frankreich systematisch von den Steinmetzen durchgeführt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2499, "texte": "wird, um sich Arbeit zu verschaffen, wie die Abtei von St. Quen z. B. auf Ver\"\nanlassung der Stadtväter niedergerissen wurde, um einigen Brotlosen und Land\"\nStreichern Arbeit zu verschaffen.\n„Kümmert euch um euere Denkmäler, und ihr werdet nicht nötig haben,\nsie wieder herzustellen. Bewacht ein altes Bauwerk mit ängstlicher Sorgfalt;\nbewahrt es so gut wie angängig und um jeden Preis vor dem Zerfall. Zählt\nseine Steine wie die Edelsteine einer Krone; stellt Wachen ringsherum auf wie\nan den Toren einer belagerten Stadt, bindet es mit Eisenklammern zusammen,\nwo es sich löst; stützt es mit Balken, wo es sich neigt, kümmert euch nicht um\ndie Unansehnlichkeit solcher Stützen: besser eine Krücke als ein verlornes\nGlied. Tut dies alles zärtlich und ehrfurchtsvoll und unermüdlich und noch\nmanches Geschlecht wird unter seinem Schatten erstehen, leben und wieder ver\"\ngehen. Sein letzter Tag muß einmal kommen; aber laßt ihn offen und um\nzweifelhaft sein und laßt keine Entwürdigung und falsche Herstellung ihn\nnoch der letzten Totenehren berauben, die Erinnerung ihm erweist!\n„Über noch mutwilligere oder unwissendere Zerstörung ist es nutzlos zu\nsprechen; meine Worte erreichen doch diejenigen nicht, die sie begehen; nein,\nwahrhaftig! mehr nutzlose Worte als meine hat es nie gegeben. (Dieser\nParagraph ist, glaube ich, der beste im Buche und doch der vergeblichste.)\n„Und doch, ob sie gehört wird oder nicht, ich darf die Wahrheit nicht ver\"\nschweigen, daß es sich gar nicht um Zweckdienlichkeit oder Gefühl handelt\nbei der Frage, ob wir die alten Gebäude restaurieren sollen oder nicht. Wir\nhaben gar kein Recht, sie anzurühren. Sie gehören uns nicht. Sie gehören teil\"\nweise denen, die sie bauten, und teilweise allen Menschengeschlechtern, die\nnach uns kommen sollen; die Toten haben noch ihr Recht an sie; das, wofür\nsie sich mühten, der Preis des Errungenen, oder der Ausdruck des religiösen\nGefühls, oder was sie sonst beabsichtigten, dauernd in diesen Bauwerken zu\nverkörpern, haben wir kein Recht zu verwischen und zu vernichten. Was wir\nselbst gebaut, das dürfen wir auch zusammenreißen; aber was andere Männer\nmit Aufwand ihrer Kraft und ihres Lebens errichtet haben, das gehört auch\nunseren Nachfolgern. Es mag künftig ein Anlaß der Trauer, des Schadens von\nMillionen sein, daß wir zu unserer Bequemlichkeit Gebäude zusammengerissen\nhaben, die wir entbehren zu können glaubten. Solche Trauer, solchen Verlust\nhaben wir nicht das Recht anderen aufzuerlegen. Gehörte die Kathedrale von"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2400, "texte": "Avranches dem Mob, der sie zerstörte, mehr als uns, die in Trauer vor ihren\nGrundmauern auf' und abgehen? Ebensowenig gehört irgend ein Gebäude\ndem Pöbel, der ihm Gewalt antut. Denn Pöbel ist es stets, ob er nun in Wut\noder in überlegter Dummheit handelt; ob auf Straßen oder in Ausschüssen\nversammelt; Leute, die ohne Ursache etwas zerstören, sind stets Pöbel, und\nArchitektur wird stets ohne Ursache zerstört/'\nDie wahrhaftige Verehrung der alten Kunst, die aus den glühenden\nWorten des großen Kunstpropheten spricht, lebt auch in uns. Dies wird von\nunseren Gegnern mit Vorliebe bestritten, wohl deshalb, weil sie, erstarrt in\neiner ungerechten, konventionellen Art der Kunstbetrachtung, ein wirkliches\npersönliches Verhältnis zur Kunst selbst nicht besitzen und sich somit auch bei\nanderen nicht vorstellen können.\nIm Großherzogtum Baden spielt jetzt eine Angelegenheit, die ein gutes\nVergleichsfaktum zum vorliegenden Falle bildet. Angeregt durch ein Komitee,\ndas vorwiegend aus Laien besteht, geht die badische Regierung daran, den Otto\nHeinrichs'Bau des Heidelberger Schlosses in den ursprünglichen Bauzustand zu\nversetzen. Glücklicherweise hat sich sofort ein Komitee gebildet, das Protest'\nkundgebungen gegen diesen Kunstfrevel sammelt. Der Protest trägt bereits\nTausende von Unterschriften, darunter die der größten Künstler aller Nationen\nEuropas.\nWie kommt es doch, daß gerade immer jene Personen und Kreise, die\ndie neue Kunst perhorreszieren, so eifrig dabei sind, uns auch der alten zu be'\nrauben durch ihre Restaurierungen und Adaptierungen? Denn der Fall, der uns\nveranlaßt, Eure Exzellenz um Entgegennahme dieser Vorstellung zu bitten, ist\nja kein vereinzelter. Was wird seit Jahren schon an der Stephanskirche gesündigt?\nWie erging es der Kirche Maria am Gestade, dem Hotel Munsch, der Drei'\nfaltigkeitssäule auf dem Graben, der Heiligenkreuzer Kirche. Wie sieht die\nTechnik heute aus! Selbst über der Karlskirche, die infolge der Straßen'\nregulierungen leider ohnehin immer mehr in den Boden versinkt, schwebt das\nDamoklesschwert einer „Renovierung\". Die Tage des Ministerpalais in der\nWipplingerstraße und des alten Rathauses sind gezählt und das dem heutigen\nFinanzministerium benachbarte Zinshaus springt um einen Meter weit vor\ndasselbe vor, damit die beabsichtigte Niederreißung des Palais andeutend.\nDurchwandert man London oder Paris, so findet man gotische und Renaissance'"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2353, "texte": "Häuser, die Zeugen der ehemaligen Physiognomie dieser Städte. Wohin sind diese\nDokumente bei uns verschwunden? Wohin sind die Reste der Altwiener Kultur\naus all den eleganten Bürgerhäusern gewandert? Zum Teile zieren sie ausläm\ndische Museen; uns hat sie niemand bewahrt. Und wer soll alle die Freveltaten,\ndie fortwährend in der Provinz vorfallen, zählen! Wie wird der Prager Dom\nverunstaltet und die Domkirchen in Salzburg und in Brünn und das „goldene\nDachl\" in Innsbruck! Und so fort ohne Ende.\nSollten diese wahrhaft deprimierenden Erscheinungen einer unendlichen\nGleichgültigkeit der ganzen Öffentlichkeit gegen Kunstfragen nicht, zum Teile\nwenigstens, zurückzuführen sein auf die geringe Wertschätzung, die der Kunst\nin fast allen Ressorts der Staatsverwaltung zuteil wird?\nIn der Sitzung des Kunstrates vom Mai 1899 hat eines unserer Mitglieder\neinen Antrag gestellt, der die Behandlung, die Kunstfragen bei den verschieb\ndenen Ressorts der Staatsverwaltung finden, betraf.\nDie Unterrichtsverwaltung hat damals an die einzelnen Ministerien Zu'\nSchriften gerichtet, die den vom Kunstrate zum Ausdrucke gebrachten Wüm\nsehen entsprachen. Wenn wir recht unterrichtet sind, hat nur eines dieser\nRessorts den Zuschriften Rechnung getragen, eines aber sich direkt ablehnend\ngeäußert.\nSeither sind zwei Jahre vergangen und während dieser Zeit wurden die\nbeiden großen Bauten des Hauptzollamtes, zwei große Kasernenbauten, das\nsogenannte „Dorotheum\" und einiges minder Belangreiche durchgeführt, sowie\nder Bau eines Stiftungsmiethauses in der Mariahilferstrasse in Angriff ge✓\nnommen. Überprüft man diese Arbeiten vom Standpunkte der Kunst, so tritt\ndie traurige Wahrnehmung zutage, dass die Bauten am Hauptzollamt und die\nhergestellten Kasernen Jeder künstlerischen Regung entbehren, daß das „Doro'\ntheum\" dem wichtigen künstlerischen Prinzip der Charakteristik nicht ent-'\nspricht, sondern unter der Maske des Barockpalastes stolziert, und daß auch\ndas Miethaus auf der Mariahilferstraße ganz nach der Schablone aufgeführt\nwird. Die vorhin erwähnten Zuschriften an die verschiedenen Ministerien\nhaben also gar keine Wirkung gehabt.\nJa es wird sogar an dem ganz unzulänglichen Auskunftsmittel der Unter-'\nbringung von Staatsämtern in Miethäusern nach wie vor festgehalten und erst\nJüngst wieder wurde ein Haus (Englische Gasgesellschaft am Burgring) für"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2281, "texte": "Unterbringung eines Amtes der Staatsverwaltung erworben, obgleich es für\ndiesen Zweck ganz ungeeignet ist.\nWir stehen heute vor einer bedeutenden Bauherstellung, nämlich der des\nneuen allgemeinen Krankenhauses, und abermals soll das traurige Prinzip der\nDurchführung durch die Bauressorts zur Anwendung kommen. Wir müssen es\naussprechen, daß wir eine derartige Entstehung so wichtiger Bauten als einen\nschweren Schlag für die heimische Kunstentwicklung empfinden würden.\nWir halten es für unrichtig, immer nur das finanzielle Interesse der einzeh\nnen Ressorts in Betracht zu ziehen, und sind überzeugt, dass das VerfügungS\"\nrecht über so große öffentliche Mittel gewisse kulturelle Verpflichtungen auf\"\nerlegt. Der Weg, diesen gerecht zu werden, wird immer die Rücksichtnahme\nauf die Kunstentwicklung sein.\nDem Einwand, daß es sich in allen diesen Fällen nicht um Luxus-\", som\ndem um Nutzbauten handle, begegnen wir mit der Bemerkung, daß die\nmoderne Kunst weit entfernt ist, die unerbittlichen Forderungen des prak\"\ntischen Lebens als Hemmnisse zu empfinden, sondern gerade aus ihnen ihre\nstärksten und fruchtbarsten Anregungen zieht.\nDaß der gegenwärtige Zustand unserer Kunstverhältnisse als kritisch zu\nbetrachten sei, scheint auch an anderen Orten erkannt zu werden. weisen\nauf die Anfrage hin, die der Reichsratsabgeordnete Dr. Mayreder in der\nSitzung des Abgeordnetenhauses vom 3. Dezember an Eure Exzellenz gerichtet\nhat und auf die Eingabe des Osten*. Ingenieur-\" und Architektenvereines und\nvor allem auf das so bemerkenswerte Handschreiben Seiner königl. Hoheit des\nPrinzregenten Luitpold von Bayern, die in der erwähnten Anfrage zitiert\nwerden.\nDurch Ausscheidung aller die Kunst betreffenden Angelegenheiten aus\nallen Ressorts der Staatsverwaltung und Zuweisung derselben an ein eigenes\nKunstamt könnte den angeführten Mißständen wirksam begegnet werden. Es\nwäre dann wenigstens unmöglich, daß staatliche Kunstinstitute offenkundig\ngegeneinander arbeiten, wie dies leider jetzt der Fall ist, und Verfügungen wie\ndie des Handelsministeriums, das mit Übergehung unserer schöpferisch tätigen\nkunstgewerblichen Kräfte mit der Durchführung der österreichischen Aus\"\nStellungen in London und Turin ein administratives Amtsorgan ad personam\nbetraut hat, wären ausgeschlossen."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.16", "debut_caractere": 18, "fin_caractere_exclue": 385, "texte": "Gestatten Eure Exzellenz uns daher zum Schlüße, die Bitte auszusprechen,\nEure Exzellenz möge die Errichtung eines derartigen Kunstamtes, dem alle die\nKunst und den Kunstunterricht betreffenden Fragen aller Ressorts zuzuweisen\nwären, in geneigte Erwägung ziehen.\nWien, im Dezember 1901.\nFÜR DIE VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\n\nDer Präsident: ALFRED ROLLER."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1902-02-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabf_1902-02-01_01#c009", "volume": "bmtnabf_1902-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.2.7.2", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "Rud. 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I\nTELEPHON 1063\n□ CENTRALE: IV., Schleifmühlgasse 4 □\nVERKAUFSSTELLEN;\n□ L, FISCHHOF 3, Telephon Nr. 12465 □\n11., TABORSTRASZE 4, Telephon Nr. 15080\n□ □ 111., HAUPTSTRASZE 23 □ □\nVII., ANDREASGASSE 9, Telephon Nr. 9122\n□ VIII., JOSEFSTÄDTERSTRASZE 64 □\nIX., NUSSDORFERSTR. 19, Teleph. Nr. 12797\n□ sowie bei den meisten Gasinstallateuren. □\nVOR NACHAHMUNGEN WIRD GEWARNT.\ni\ni\nLAMPE exklusive Montage und Bedachung K 4.50\nSPARLAMPE exkl. Montage u. Bedachung K 3.90 jjH\nGLÜHKÖRPER kostenfrei ins Haus gestellt K I. »\nSPAR=GLÜHKÖRPER 80 Heller □ □ □"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1902-02-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabf_1902-02-01_01#c016", "volume": "bmtnabf_1902-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "62", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.22", "debut_caractere": 954, "fin_caractere_exclue": 1025, "texte": "ALEXANDER ALBERT\nK. 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MÜHLGASSE 19 (IM EIGENEN HAUSE)\nTELEPHON Nr. 7782.\nn\nGROSZE AUSWAHL\nELEGANTER MO-\nDERNER RAHMEN.\nBESTELLUNGEN\nAUCH NACH SPE-\nZIELLEN SKIZZEN\nWERDEN PROMPT\nU. BILLIGST AUS-\n== GEFÜHRT. =\nK\nT\nD\nJ\nfe"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.1", "texte": "MITTEILUNGEN DER VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\n1902\nHEFT 3\nVER SACRUM"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.2", "texte": "SECESSION\nMITTEILUN-\nGEN DER VER-\nEIN I GUNG\nBILDENDER\nKÜNSTLER\nÖSTERREICHS\nVER SACRUM\nHEFT 3\n1. FEBRUAR\n1902\nDAS REDAKTIONS-\nKOMITEE:\nLEOPOLD BAUER\nRUDOLF JETTMAR\nFERD. SCHMUTZER\nLEOPOLD STOLBA"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.5", "texte": "Leop. Bauer OM."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.6", "texte": "Ernst Stöhr OM."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.7", "texte": "O. Friedrich OM."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.8", "texte": "Rud. Jettmar OM."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.9", "texte": "EURE EXZELLENZ!\n\nÜberreicht im Dezember 1901.\nOR einer Reihe von Jahren wurde in Wien ein heftiger Kampf\num die Belassung des Riesentores der Stephanskirche in der alten\nGestalt geführt. Glücklicherweise war damals die allgemeine Be'\nwegung gegen die bauliche Umgestaltung des ehrwürdigen Denk'\nmales eine so intensive, daß der Portalbau gerettet wurde. Nur das\nschöne echte Barockgitter wurde durch ein armseliges imitiertes „gotisches\"\nGittertor ersetzt.\nSeit einigen Wochen kursieren in unserer Stadt Gerüchte, daß der damals\nabgewehrte Versuch neuerdings unternommen werden solle. Wir haben keinen\nWeg, um die Richtigkeit dieser Gerüchte zu prüfen; wir würden aber unsere\nPflicht als Künstler zu vernachlässigen glauben, wenn wir in einer so ernsten\nSache nicht schon auf die ersten Gerüchte hin Eure Exzellenz die inständige\nBitte unterbreiten würden, eine solche rohe Beschädigung unseres ehrwürdigsten"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.10", "texte": "Monumentalbaues, wie sie diesen Gerüchten zufolge beabsichtigt wird, unter\nkeinen Umständen zu gestatten.\nDie Stelle, die zunächst berufen wäre, einem solchen barbarischen Vorhaben\nEinhalt zu tun, die Kommission zur Erhaltung der Baudenkmale, bietet ihrer\nganzen Tätigkeit nach leider keine Gewähr für den Schutz dieses Kleinods\ngegen kunstfeindliche Absichten. Beweis dessen, daß seit geraumer Zeit alle\nRestaurierungsarbeiten, von denen sie ja Kenntnis haben muß, in Neuherstel'\nlungen ausarten.\nDie Freunde der Umgestaltung des Portals werden betonen, daß es sich\nim vorliegenden Falle ja gerade um die Entfernung einer solchen Neuherstel'\nlung, wenn auch einer schon sehr alten, um die Beseitigung des zu dem romani-\nschen Portal später hinzugekommenen vordersten gotischen Bogens nämlich, und\num die Wiederherstellung des angeblich ursprünglichen Zustandes handle.\nWir erwidern, daß dieser erste gotische Bogen zu gotischer Zeit entstanden, also\necht ist, und halten dafür, daß auch an dieser Stelle ein echter gotischer\nBogen einem heute herzustellenden, somit gefälschten „romanischen” Bogen\nvorzuziehen sei.\nWir sind in der Lage, Eurer Exzellenz Aufmerksamkeit auf einen ge'\nwichtigen Gewährsmann für die Richtigkeit unserer Anschauungen lenken zu\nkönnen, auf John Ruskin, der in der VI. Betrachtung seiner „Sieben Leuchter\nder Baukunst” folgende herrliche Worte spricht:\n„Die sogenannte Restaurierung ist die schlimmste Art der Zerstörung von\nBauwerken. Weder vom Publikum, noch von denen, deren Obhut die öffent'\nliehen Baudenkmäler anvertraut sind, wird die wahre Bedeutung des Wortes\n,Wiederherstellung' (Restaurierung) verstanden. Heute bedeutet sie die voll'\nständigste Zerstörung, eine Zerstörung, aus der keine Bruchstücke gerettet\nwerden können, von einer falschen Vorstellung des zerstörten Werkes begleitet;\nfalsch auch in einer parodistischen Weise, die verabscheuenswerteste aller Falsch'\nheiten. Täuschen wir uns doch nicht über diesen wichtigen Punkt; es ist ganz\nunmöglich, so unmöglich wie die Toten zu erwecken, irgend etwas wieder'\nherzustellen, das jemals groß oder schön in der Baukunst gewesen ist. Das\nLeben des Ganzen, der Geist, der nur durch die Hand und das Auge des Arbei'\nters übertragen wird, kann niemals wieder zurückgerufen werden. Ein anderer\nGeist mag durch eine andere Zeit gegeben werden und dann ist es ein neues"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.11", "texte": "Gebäude; aber der Geist des toten Handwerkers kann nicht zurückgerufen\nwerden, um andere Hände und andere Gedanken zu bewegen.\n„Und was das direkte und einfache Kopieren anbelangt, so ist das eine\nhandgreifliche Unmöglichkeit. Wie kann man Oberflächen kopieren, die einen\nhalben Zoll tief abgewittert und abgebröckelt sind? Die ganze Vollendung der\nArbeit lag in dieser halbzolldicken Schicht, die verloren gegangen ist; eine mut'\nmaßliche Herstellung hat gar keinen Wert; wenn man das Übriggebliebene\nkopiert, angenommen, daß es möglich sei (und welche Sorgfalt, Vorsicht und\nKosten verbürgen das?), wie kann die neue Arbeit besser sein als die alte? In\nder alten war doch noch etwas Leben, eine geheimnisvolle Andeutung, was sie\nwar und was von ihr verloren gegangen; etwas Liebliches und Liebenswertes\nin den feinen, von Regen und Sonnenschein verwitterten Linien. In der bruta'\nlen Härte der frischen Behauung kann kein Leben sein.\n„Der allererste Schritt zur Wiederherstellung bedeutet das Entzweischlagen\nder alten Arbeit, der zweite die meistenteils billigste und banalste Nachahmung,\ndie eben durchschlüpfen könnte.\n„Laßt uns also von Wiederherstellung lieber gar nicht reden. Die Sache ist\neine Lüge von Anfang bis zu Ende. Ihr könnt das Modell von einem Gebäude\nmachen wie von einem Leichnam; das Abbild mag die Schale der alten Mauern\numschließen, wie der Abguß das Skelett enthalten mag, zu welchem Nutzen\nist mir unerfindlich und unwichtig; aber der alte Bau ist jedenfalls zerstört,\nvollständiger und erbarmungsloser, als ob er in Trümmer gesunken und in\neinen Staub-' und Lehmhügel verwandelt wäre. Denn mehr Schönes wurde in\ndem verödeten Niniveh aufgelesen als jemals aus dem wiedererbauten\nMailand.\n„Aber, sagt man, es mag eine Notwendigkeit zum \"Wiederaufbau eintreten.\nZugegeben. Seht dieser Notwendigkeit frei ins Antlitz und begreift ihre Mah'\nnung! Es ist die Notwendigkeit der Zerstörung. Nehmt sie hin, reißt das Ge'\nbäude nieder, werft die Steine in Haufen zusammen, macht Ballast aus ihnen\noder Mörtel, wenn ihr wollt; aber tut das ehrlich und setzt keine Lüge an\nihre Stelle. Blickt dieser drohenden Zerstörung ins Gesicht, bevor sie heran'\nnaht, und ihr könnt sie aufhalten und verhindern. Die heutige Regel ist, erst\ndie Gebäude zu vernachlässigen und sie hinterher zu restaurieren, ein Prinzip,\ndas wenigstens in Frankreich systematisch von den Steinmetzen durchgeführt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.12", "texte": "wird, um sich Arbeit zu verschaffen, wie die Abtei von St. Quen z. B. auf Ver\"\nanlassung der Stadtväter niedergerissen wurde, um einigen Brotlosen und Land\"\nStreichern Arbeit zu verschaffen.\n„Kümmert euch um euere Denkmäler, und ihr werdet nicht nötig haben,\nsie wieder herzustellen. Bewacht ein altes Bauwerk mit ängstlicher Sorgfalt;\nbewahrt es so gut wie angängig und um jeden Preis vor dem Zerfall. Zählt\nseine Steine wie die Edelsteine einer Krone; stellt Wachen ringsherum auf wie\nan den Toren einer belagerten Stadt, bindet es mit Eisenklammern zusammen,\nwo es sich löst; stützt es mit Balken, wo es sich neigt, kümmert euch nicht um\ndie Unansehnlichkeit solcher Stützen: besser eine Krücke als ein verlornes\nGlied. Tut dies alles zärtlich und ehrfurchtsvoll und unermüdlich und noch\nmanches Geschlecht wird unter seinem Schatten erstehen, leben und wieder ver\"\ngehen. Sein letzter Tag muß einmal kommen; aber laßt ihn offen und um\nzweifelhaft sein und laßt keine Entwürdigung und falsche Herstellung ihn\nnoch der letzten Totenehren berauben, die Erinnerung ihm erweist!\n„Über noch mutwilligere oder unwissendere Zerstörung ist es nutzlos zu\nsprechen; meine Worte erreichen doch diejenigen nicht, die sie begehen; nein,\nwahrhaftig! mehr nutzlose Worte als meine hat es nie gegeben. (Dieser\nParagraph ist, glaube ich, der beste im Buche und doch der vergeblichste.)\n„Und doch, ob sie gehört wird oder nicht, ich darf die Wahrheit nicht ver\"\nschweigen, daß es sich gar nicht um Zweckdienlichkeit oder Gefühl handelt\nbei der Frage, ob wir die alten Gebäude restaurieren sollen oder nicht. Wir\nhaben gar kein Recht, sie anzurühren. Sie gehören uns nicht. Sie gehören teil\"\nweise denen, die sie bauten, und teilweise allen Menschengeschlechtern, die\nnach uns kommen sollen; die Toten haben noch ihr Recht an sie; das, wofür\nsie sich mühten, der Preis des Errungenen, oder der Ausdruck des religiösen\nGefühls, oder was sie sonst beabsichtigten, dauernd in diesen Bauwerken zu\nverkörpern, haben wir kein Recht zu verwischen und zu vernichten. Was wir\nselbst gebaut, das dürfen wir auch zusammenreißen; aber was andere Männer\nmit Aufwand ihrer Kraft und ihres Lebens errichtet haben, das gehört auch\nunseren Nachfolgern. Es mag künftig ein Anlaß der Trauer, des Schadens von\nMillionen sein, daß wir zu unserer Bequemlichkeit Gebäude zusammengerissen\nhaben, die wir entbehren zu können glaubten. Solche Trauer, solchen Verlust\nhaben wir nicht das Recht anderen aufzuerlegen. Gehörte die Kathedrale von"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.13", "texte": "Avranches dem Mob, der sie zerstörte, mehr als uns, die in Trauer vor ihren\nGrundmauern auf' und abgehen? Ebensowenig gehört irgend ein Gebäude\ndem Pöbel, der ihm Gewalt antut. Denn Pöbel ist es stets, ob er nun in Wut\noder in überlegter Dummheit handelt; ob auf Straßen oder in Ausschüssen\nversammelt; Leute, die ohne Ursache etwas zerstören, sind stets Pöbel, und\nArchitektur wird stets ohne Ursache zerstört/'\nDie wahrhaftige Verehrung der alten Kunst, die aus den glühenden\nWorten des großen Kunstpropheten spricht, lebt auch in uns. Dies wird von\nunseren Gegnern mit Vorliebe bestritten, wohl deshalb, weil sie, erstarrt in\neiner ungerechten, konventionellen Art der Kunstbetrachtung, ein wirkliches\npersönliches Verhältnis zur Kunst selbst nicht besitzen und sich somit auch bei\nanderen nicht vorstellen können.\nIm Großherzogtum Baden spielt jetzt eine Angelegenheit, die ein gutes\nVergleichsfaktum zum vorliegenden Falle bildet. Angeregt durch ein Komitee,\ndas vorwiegend aus Laien besteht, geht die badische Regierung daran, den Otto\nHeinrichs'Bau des Heidelberger Schlosses in den ursprünglichen Bauzustand zu\nversetzen. Glücklicherweise hat sich sofort ein Komitee gebildet, das Protest'\nkundgebungen gegen diesen Kunstfrevel sammelt. Der Protest trägt bereits\nTausende von Unterschriften, darunter die der größten Künstler aller Nationen\nEuropas.\nWie kommt es doch, daß gerade immer jene Personen und Kreise, die\ndie neue Kunst perhorreszieren, so eifrig dabei sind, uns auch der alten zu be'\nrauben durch ihre Restaurierungen und Adaptierungen? Denn der Fall, der uns\nveranlaßt, Eure Exzellenz um Entgegennahme dieser Vorstellung zu bitten, ist\nja kein vereinzelter. Was wird seit Jahren schon an der Stephanskirche gesündigt?\nWie erging es der Kirche Maria am Gestade, dem Hotel Munsch, der Drei'\nfaltigkeitssäule auf dem Graben, der Heiligenkreuzer Kirche. Wie sieht die\nTechnik heute aus! Selbst über der Karlskirche, die infolge der Straßen'\nregulierungen leider ohnehin immer mehr in den Boden versinkt, schwebt das\nDamoklesschwert einer „Renovierung\". Die Tage des Ministerpalais in der\nWipplingerstraße und des alten Rathauses sind gezählt und das dem heutigen\nFinanzministerium benachbarte Zinshaus springt um einen Meter weit vor\ndasselbe vor, damit die beabsichtigte Niederreißung des Palais andeutend.\nDurchwandert man London oder Paris, so findet man gotische und Renaissance'"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.14", "texte": "Häuser, die Zeugen der ehemaligen Physiognomie dieser Städte. Wohin sind diese\nDokumente bei uns verschwunden? Wohin sind die Reste der Altwiener Kultur\naus all den eleganten Bürgerhäusern gewandert? Zum Teile zieren sie ausläm\ndische Museen; uns hat sie niemand bewahrt. Und wer soll alle die Freveltaten,\ndie fortwährend in der Provinz vorfallen, zählen! Wie wird der Prager Dom\nverunstaltet und die Domkirchen in Salzburg und in Brünn und das „goldene\nDachl\" in Innsbruck! Und so fort ohne Ende.\nSollten diese wahrhaft deprimierenden Erscheinungen einer unendlichen\nGleichgültigkeit der ganzen Öffentlichkeit gegen Kunstfragen nicht, zum Teile\nwenigstens, zurückzuführen sein auf die geringe Wertschätzung, die der Kunst\nin fast allen Ressorts der Staatsverwaltung zuteil wird?\nIn der Sitzung des Kunstrates vom Mai 1899 hat eines unserer Mitglieder\neinen Antrag gestellt, der die Behandlung, die Kunstfragen bei den verschieb\ndenen Ressorts der Staatsverwaltung finden, betraf.\nDie Unterrichtsverwaltung hat damals an die einzelnen Ministerien Zu'\nSchriften gerichtet, die den vom Kunstrate zum Ausdrucke gebrachten Wüm\nsehen entsprachen. Wenn wir recht unterrichtet sind, hat nur eines dieser\nRessorts den Zuschriften Rechnung getragen, eines aber sich direkt ablehnend\ngeäußert.\nSeither sind zwei Jahre vergangen und während dieser Zeit wurden die\nbeiden großen Bauten des Hauptzollamtes, zwei große Kasernenbauten, das\nsogenannte „Dorotheum\" und einiges minder Belangreiche durchgeführt, sowie\nder Bau eines Stiftungsmiethauses in der Mariahilferstrasse in Angriff ge✓\nnommen. Überprüft man diese Arbeiten vom Standpunkte der Kunst, so tritt\ndie traurige Wahrnehmung zutage, dass die Bauten am Hauptzollamt und die\nhergestellten Kasernen Jeder künstlerischen Regung entbehren, daß das „Doro'\ntheum\" dem wichtigen künstlerischen Prinzip der Charakteristik nicht ent-'\nspricht, sondern unter der Maske des Barockpalastes stolziert, und daß auch\ndas Miethaus auf der Mariahilferstraße ganz nach der Schablone aufgeführt\nwird. Die vorhin erwähnten Zuschriften an die verschiedenen Ministerien\nhaben also gar keine Wirkung gehabt.\nJa es wird sogar an dem ganz unzulänglichen Auskunftsmittel der Unter-'\nbringung von Staatsämtern in Miethäusern nach wie vor festgehalten und erst\nJüngst wieder wurde ein Haus (Englische Gasgesellschaft am Burgring) für"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.15", "texte": "Unterbringung eines Amtes der Staatsverwaltung erworben, obgleich es für\ndiesen Zweck ganz ungeeignet ist.\nWir stehen heute vor einer bedeutenden Bauherstellung, nämlich der des\nneuen allgemeinen Krankenhauses, und abermals soll das traurige Prinzip der\nDurchführung durch die Bauressorts zur Anwendung kommen. Wir müssen es\naussprechen, daß wir eine derartige Entstehung so wichtiger Bauten als einen\nschweren Schlag für die heimische Kunstentwicklung empfinden würden.\nWir halten es für unrichtig, immer nur das finanzielle Interesse der einzeh\nnen Ressorts in Betracht zu ziehen, und sind überzeugt, dass das VerfügungS\"\nrecht über so große öffentliche Mittel gewisse kulturelle Verpflichtungen auf\"\nerlegt. Der Weg, diesen gerecht zu werden, wird immer die Rücksichtnahme\nauf die Kunstentwicklung sein.\nDem Einwand, daß es sich in allen diesen Fällen nicht um Luxus-\", som\ndem um Nutzbauten handle, begegnen wir mit der Bemerkung, daß die\nmoderne Kunst weit entfernt ist, die unerbittlichen Forderungen des prak\"\ntischen Lebens als Hemmnisse zu empfinden, sondern gerade aus ihnen ihre\nstärksten und fruchtbarsten Anregungen zieht.\nDaß der gegenwärtige Zustand unserer Kunstverhältnisse als kritisch zu\nbetrachten sei, scheint auch an anderen Orten erkannt zu werden. weisen\nauf die Anfrage hin, die der Reichsratsabgeordnete Dr. Mayreder in der\nSitzung des Abgeordnetenhauses vom 3. Dezember an Eure Exzellenz gerichtet\nhat und auf die Eingabe des Osten*. Ingenieur-\" und Architektenvereines und\nvor allem auf das so bemerkenswerte Handschreiben Seiner königl. Hoheit des\nPrinzregenten Luitpold von Bayern, die in der erwähnten Anfrage zitiert\nwerden.\nDurch Ausscheidung aller die Kunst betreffenden Angelegenheiten aus\nallen Ressorts der Staatsverwaltung und Zuweisung derselben an ein eigenes\nKunstamt könnte den angeführten Mißständen wirksam begegnet werden. Es\nwäre dann wenigstens unmöglich, daß staatliche Kunstinstitute offenkundig\ngegeneinander arbeiten, wie dies leider jetzt der Fall ist, und Verfügungen wie\ndie des Handelsministeriums, das mit Übergehung unserer schöpferisch tätigen\nkunstgewerblichen Kräfte mit der Durchführung der österreichischen Aus\"\nStellungen in London und Turin ein administratives Amtsorgan ad personam\nbetraut hat, wären ausgeschlossen."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.16", "texte": "Rud. Jettmar OM.\n\nGestatten Eure Exzellenz uns daher zum Schlüße, die Bitte auszusprechen,\nEure Exzellenz möge die Errichtung eines derartigen Kunstamtes, dem alle die\nKunst und den Kunstunterricht betreffenden Fragen aller Ressorts zuzuweisen\nwären, in geneigte Erwägung ziehen.\nWien, im Dezember 1901.\nFÜR DIE VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\n\nDer Präsident: ALFRED ROLLER."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.17", "texte": "F. v. Myrbach OM."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.18", "texte": "Adolf Böhm OM."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.19", "texte": "Friedr. König OM."}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.20", "texte": "J. Hoffmann OM."}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.22", "texte": "Die größte ständige AUSSTELLUNGS- u. VERKAUFS-\nHALLE für KUNST und KUNSTGEWERBE ist das\nBegründet 1879\nHOHENZOLLERN\nKUNSTGEWERBEHAUS\nH. HIRSCHWALD G. m. b. H.\nKöniglich Preußischer, Kaiserlich Öster-\nreichischer, Großherzoglich Badischer\nHoflieferant\n0 13 Leipzigerstraße 13 BERLIN W. 0\nWOHNUNGS-AUSSTATTUNGEN, ANGEWANDTE\nKUNST, WOHNUNGS-EINRICHTUNGEN\nRegelmäßig wechselnde Sonderausstellungen\n\nAUERLICHT. I\nTELEPHON 1063\n□ CENTRALE: IV., Schleifmühlgasse 4 □\nVERKAUFSSTELLEN;\n□ L, FISCHHOF 3, Telephon Nr. 12465 □\n11., TABORSTRASZE 4, Telephon Nr. 15080\n□ □ 111., HAUPTSTRASZE 23 □ □\nVII., ANDREASGASSE 9, Telephon Nr. 9122\n□ VIII., JOSEFSTÄDTERSTRASZE 64 □\nIX., NUSSDORFERSTR. 19, Teleph. Nr. 12797\n□ sowie bei den meisten Gasinstallateuren. □\nVOR NACHAHMUNGEN WIRD GEWARNT.\ni\ni\nLAMPE exklusive Montage und Bedachung K 4.50\nSPARLAMPE exkl. Montage u. Bedachung K 3.90 jjH\nGLÜHKÖRPER kostenfrei ins Haus gestellt K I. »\nSPAR=GLÜHKÖRPER 80 Heller □ □ □\n\nALEXANDER ALBERT\nK. U. K. HOF-KUNSTTISCHLER\nWIEN, III. SCHÜTZENGASSE 19\n\nm VER SACRUM a\nerscheint in jährlich 24 Heften\nH © im Verlage der Vereinigung. © B\n300 Exemplare werden im Wege\nH der Subskription zum Preise von ||\n50 Kronen per Jahrgang nur\nH unmittelbar durch die Redaktion |\n© © abgegeben. © ©\n\nRICHARD MELCHER g\nRAHMEN.TISCHLEREI\nWIEN, IV. 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BILLIGST AUS-\n== GEFÜHRT. =\nK\nT\nD\nJ\nfe"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.23", "texte": "i m Deo-DesrcniLeß DiiFisiiFTG h\nisr'vrvDejiDiTTeiv\nöcnnDDTnvrri\ne bi h r\\on b l bhvood bi bi\no(lsriei7nrv>i6'nflDTeaDFiDeJv\nzvnnDGV'itvjepeob^GPOYPiiJ>ej)iinrYDiviYö\nGmtMbsievrviotv\nremrßonöen\ne aamimvDSß'j\nvivsTFirvsTfliT' rvn\npnoro cnen-\nB H nePPODVCTiON\nivprepppvchr\npioiooonwf#\nfe'jfliTflT^v^rapjnr/JY^ajut\nviüvvmveybnuQSFe\nlorrDflcmnusw\nÄsonrve,\nk.v.k • nopaereD/i ivrerv\npnßDiKm ■ R/DTeiFicne\nran=v;\nDOTDeCKW hi irv\nwl m ■ viv p-nonoveiai'\niv i epep>iifK3&\nwiervTOPer?rvnlivc)'2’\nneiiYDicnsnoF\nI\noiifisnniwe)\noiixaeyiiiv®' en d>üv\naeGratvDCT Mm\numvi'uwrwrvän^\n:• Dmneu'iuoonive.\nbPieQeuwvsnyißr\n'n>irvr\\sen>vicfö:iPiflryTfl=\nb h GfcOßieao\n<j\\ eivr Mrcmmejjsieiz\nw n°FiiminmTeJv"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020201-01.1.24", "texte": "Fllr die RED ACTION verantwortlich: LEOPOLD BAUER in WIEN\nHerausgeber: VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\nDruck von ADOLF HOLZHAUSEN, k.u. k.Hof-u.Univ.-Buchdrucker in Wien\nClichls von der „GRAPHISCHEN UNION” in Wien"}]}