{"numero_id": "bm-bmtnabf-1902-04-01-01", "volume": "bmtnabf_1902-04-01_01", "ocr_sha256": "171338927ceadd044291ee4372f5be6e17fd3c19a99105976ca3c2d8c96d9759", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabf/issues/1902/04/01_01/bmtnabf_1902-04-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabf/issues/1902/04/01_01/bmtnabf_1902-04-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabf-1902-04-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabf_1902-04-01_01#c006", "volume": "bmtnabf_1902-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "110", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.2.6", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "RUDOLF JETTMAR OM", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 39, "texte": "RUDOLF JETTMAR OM.\nORIGINAL-HOLZSCHNITT"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1902-04-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabf_1902-04-01_01#c007", "volume": "bmtnabf_1902-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "122", "image_debut": 9, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.2.7", "titre_corps": "LINIENKUNST", "titre_sommaire": "LINIENKUNST", "signature_source": "FRANZ SERVAES", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1092, "texte": "LINIENKUNST.\n\n’ Zeitlang war die Linie ganz verpönt. In der\nr=A Farbe, glaubte man, sei es einem rechtschaffenen\nKünstler einzig möglich, sich naturgemäß auszu=\nI Man fragte: „Wo sind in der Natur feste\nLinien? Ist nicht in Wahrheit alles umrißlos? Jedes Gesicht\nund jeder Baum und jede Wolke? Die Festigkeit der Linie\nwiderspricht der Rundheit, der allenthalben ver gleit enden\nWeichheit der plastischen Körper. Die Linie ist eine Ab=\nstraktion, sie ist ein Sehfehler. Oder sie ist bestenfalls eine\nlässige Bequemlichkeit, durch die wir die Unfaßbarkeit und\nUnendlichkeit der Natur für unsere endlichen Sinne faßbar\nmachen wollen.” So etwa äußerte sich schon Delacroix\nund die Pointillisten haben es sich nicht entgehen lassen,\nihm das nachzusprechen. 000\n© Und jetzt auf einmal haben wir eine Linienkunst und\nsie wirkt auf uns wie ein Gebot unserer Zeit. Wir sind ein\nwenig mit Farbe übersättigt. Wir sind auch des ewigen\nNebels müde. Und da haben wir uns denn darauf besonnen,\ndaß neben der Farbe doch auch die Linie ein künstleri=\nsches Ausdrucksmittel sei. Und eben, weil sie ein solches"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1146, "texte": "Ausdrucksmittel ist, hat sie, woher sie auch gekommen\nsein mag, in der Kunst ihren Zweck und ihre Bedeutung.\nUnd es hatte sich gerächt, daß man dieses allernatürlichste\nAusdrucksmittel der künstlerischen Betätigung lange Zeit\nverachtet und hatte brachliegen lassen. Man machte die\nEntdeckung, daß die jüngere Generation das Zeichnen ver=\nlernt hatte. Man beobachtete ferner, daß gar viele, kolo=\nristisch ungemein tüchtige Bilder etwas ästhetisch Unbe=\nfriedigendes hatten, weil sie mit dem Mangel eines reinen\nLiniengefühles zugleich den Mangel eines fein abwägenden\nRaumgefühles empfinden ließen. Viele Künstler wußten z.B.\niimiw ■ >\nBendenßahmens zu\nder freien Kompo=\nsition des Bildes\ninfolge ihres ver=\nnachlässigten Li=\nniensinnes nicht\ngenügend empfan=\nden. Dieses ist ein\nganz allgemeines\nden Abstand nicht zu\nberechnen, den etwa\ndie Hauptfigur eines\nBildes vom Rahmen\nhaben mußte. Sie\n„schnitten falsch ab”.\nDas geschah nur, weil\nsie den Kontrast des\ngeometrisch anschlie=\nBeispiel. Aber es\nzeigt, wie allgemein\ndie Kalamität war,\nund daß, wenn ei=\nne Rückbewegung\neintrat, diese nicht\nvon Ungefähr kam.\nO Der Gegenschlag\nmacht sich sehr"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1155, "texte": "vielseitig bemerkbar. Man braucht bloß eine moderne Aus=\nStellung zu durchwandern und sich im Geiste etwa um\nfünf, sechs Jahre zurückzu versetzen, so wird man die An=\nZeichen des Umschwunges deutlich spüren. Zwar nicht\nmehr so deutlich als ganz im Anfänge der Bewegung, wo\nviele in der Hitze des Gefechtes sich verleiten ließen, mit\ndicken Linien die Umrisse ins Bild hineinzuzeichnen. Diese\nwie eine Kriegserklärung anmutende Manier ist heute\nschon weit seltener. Man hat sie nicht mehr nötig, weil sich\ndie Linie ihren Platz auch ohnedies erobert. Hingegen wird\nman finden, daß die Silhouette vieler Bilder bedeutend an\ndigen gelernt, und\nman bestrebt sich,\ndarnach zu verfah=\nren. Man weiß, daß\ndas eigentlich „Bild=\nhafte” ohne diese\nlinearePonderation\nkaum je erreichbar\nist, daß vielmehr\nKlarheit, sagen wir\nruhig: an Schönheits=\ngefühl, gewonnen hat.\nMan hat die kompo=\nsitionelle Bedeutung\nder Linie, ihr Mitspre=\nchen bei der Raum=\nVerteilung innerhalb\neines Bildes, zu wür=\nalsbald eine un=\nglückliche Vertei=\nlung des Gesamt=\ngleichgewichts sich\nstörend bemerkbar\nmacht. Bis hinein in\ndie Amateurphoto=\ngraphie läßt sich die\naus dieser Einsicht"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1040, "texte": "entsprungene\nPraxis verfol=\ngen.Allenthal=\nben zeigt man\nsich jetzt be=\nstrebt, selbst\ndort, wo man\nfeste Umrisse\nmeidet, den=\nnoch durch die\nästhetische Anordnung der Teile der Linie, wenn auch\nverhüllt, zu ihrem Ausdrucksrecht zu verhelfen. ©©©\n© Doch dies ist gleichsam nur eine Begleiterscheinung, die\nfreilich für das Ganze von Wichtigkeit ist. Energischer und\nreformatorischer vollzog sich der Umschwung auf zwei ein=\nander verwandten Kunstgebieten, die gerade seit jener Zeit\nstark in den Vordergrund des Interesses getreten sind: in\nder Zeichnung für Buch= oder Wandschmuck und auf dem\nGesamtgebiete des Kunstgewerbes, der angewandten Kunst.\nEs ist nicht zu kühn, wenn man behauptet, daß erst die\nLinie hier den neuen Stil geschaffen hat.\nDenn alles Ornament basiert auf der Li=\nnie. Und aller Stil basiert auf dem orna=\nmentalen Gefühl. O © 0\n© Über die moderne geschweifte Linie\nist viel ge witzelt worden. Von „Korken=\nzieher” hat man gesprochen, von „Band=\nwurm” und, höchst vernichtend, von\n„gereiztem Regenwurm”. Gegen gewisse"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1020, "texte": "sinnlose und\nschematische\nAnwendung\ngen mag die=\nser Witz am\nPlatze sein.\nNichtsdesto=\nweniger hat\ndie Entdek=\nkung dieser\nLinie (d. h. die Entdeckung ihrer ornamentalen Verwend=\nbarkeit) den lastenden Bann der Rokoko =Tradition erst\nendgültig gesprengt. Bis dahin konnte man vom Rokoko\nnicht loskommen, weil man ihm nichts Positives entgegen=\nzusetzen hatte. Unwillkürlich sah man sich immer wieder\nzu Kompromißlichkeiten gedrängt. Aus purer Verzweiflung\nwar man schon so weit gelangt, die völlige Ornamentlosig=\nkeit als Allheilmittel zu proklamieren. Aber dieser Puri=\ntanismus konnte unmöglich die Erlösung bringen. Er\nwirkte zwar säubernd und reinigend und war, nach dem\nvorausgegangenen gedankenlosen und\nschwächlichen Schwulst, gewissermaßen\ndie Wiederherstellung der gesunden Ver=\nnunft und ruhigen Kraft. Aber er blieb\nnüchtern, starr und englisch. Er war in\nsich selber ein testimonium paupertatis.\nIhm fehlte = der Schwung! Und eben\nder Schwung ist es, der mit der neuen\nLinienkunst zurückkehrte. Im wörtlich="}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1070, "texte": "sten, eigentlichsten\nSinne. Denn jene\nLinie, die die Ent=\nfesselung brachte,\nwirkt wie ein ge=\nschwungenes Las=\nso. Sie ist gleich=\nsam ein Zickzack in\nKurven, mit weitem\nenergischen Bogen=\nanlauf und kraft=\nvoller Zurückbie=\ngung. Ihr ganzes\nWesen ist schnel=\nlende Bewegung.\nDeshalb mochte es\nwohl auch erlaubt\nsein, an den Serpen=\ntinentanz bei ihr zu\nerinnern. „Gleich=\nwie bei der Loie\nFüller die Saum=\nlinie des Kleides\nwogt und flattert,\nso wogt und biegt\nsich, schwillt und\nsinkt in der mo=\ndernen Ornamentik\njene schlangenhaft\ngleitende, unfaßbar\nvorüberschwinden=\nde, bloß durch ihren\nRhythmus gehal=\ntene Linie.” Etwas\nJauchzendes, Bak=\nchantisches bebt\ndurch diese Linie.\nSie ist gleichsam\ndas neu erwachte\nUrphänomen der\nLinie überhaupt.\nMan könnte ein Ge=\ndicht schreiben von\nder Gefangenschaft\nder Linie, von ihrer\nVerkrüppelung und\nVerschnippelung, ©\nihrer Kasteiung und\nAbtötung und von\nihrer jubelnden Be=\nfreiung und Wie=\ndergeburt: Wie sie\nsich gleichsam leise\nzu fühlen beginnt;\nwie sie sich pro=\nbeweise elastisch\nstreckt; wie sie\ndann mit einemmal"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1073, "texte": "ihrer vollen Kraft\ninne wird; wie sie\nsich unbändig, mit\ntoller Lust, in das\nLuftmeer der Frei=\nheit wirft; und wie\nsie dann, stolz und\nlächelnd, ihre nack=\nte Schönheit ent=\nhüllt und im Selbst=\ngenuß dieser Schön=\nheit schwärmt! ©\n© Die Schönheit\nder ungebroche=\nn e n Linie wieder=\nerkannt zu haben:\ndas ist das Ver=\ndienst der Moder=\nnen. Und damit ent=\ndeckten sie in der\nLinie das Symbol\nder Bewegung. ©\nKaum je aber hat\neine Zeit so in\nder Bewegung ge=\nschwelgt als dieun=\nsere. Gerade weil\nsie von Erstarrung\nrings bedroht ist,\nweil für alles die\nvorschriftsmäßigen\nBahnen ausgeklü=\ngelt werden, die zu\nverlassen verboten\nist, und weil mit\nkleinen kläglichen\nMittelchen das Hal=\nbe, Kranke und Al=\ntersschwache un=\nablässig gepäppelt\nund aufgeflickt ©\nwird, deshalb glüht\nder in die Kunst sich\nrettende Mensch so\nfür alles, was Kraft\nund Freiheit der\nBewegung ist=und\nsollte er auch bloß\nin einer Linie es\nwiederfinden. Aber\ndarum liebt er diese\nLinie. Sie ist das\nLasso seiner Sehn=\nsucht. Er wird in\nihrem Anschauen\nsich seiner\nden Kräfte aufs neue\nbewußt. Und er"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 994, "texte": "fühlt etwas von dem Flammenstoß dieser Linie durch\nseinen Körper gehen und auf seine Energie wirken. 0© ©\n© Ich spreche hier von der modernen geschweiften Linie,\nwo sie in ihrer höchsten Reinheit und Urgestalt auftritt.\nIch weiß, daß man sie in der Praxis durchaus nicht immer\nso findet und daß sie sich allerhand muß gefallen lassen.\nAber ich wollte die seelische Disposition aufweisen, die auf\ndie Schöpfung dieser Linie drang und die sie dann rück=\nwirkend wieder in sich aufnimmt. Ein Stil hat nur dann\netwas Organisches, wenn er mit der Höhe seines Wesens\nder Höhe des Wesens einer Zeit entspricht. Und dem Zeit=\nalter Nietzsches mit seiner großen Erdensehnsucht, jubeln=\nden Kraftfreude und\nheißen Zukunfts=\nhoffnung scheint\nmir die Eigenart\ndes neugeschaffe=\nnen Kunststils aufs\nbeste zu entspre=\neben. ©O©\n© Am reinsten fin=\ndet sich die wieder=\ngeborene Linien=\nkunst selbstver=\nstündlich in der an\nkeinerlei Rücksicht\ngebundenen freien\nZeichnung, ganz\nbesonders wenn sie\nzu Worten von"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1016, "texte": "starkem Klang und mächtiger Beseelung gleichsam als\nrhythmische Begleitmusik tritt. Also als Buchschmuck. In\nallen solchen Fällen tritt die reine Linie gleichsam als eine\nsuggestive Kraft auf, die uns durch ihre Biegungen und Be=\nwegungen eine Stimmung mitzuteilen unternimmt. Wenn\nsie dabei gelegentlich bestimmtere Formen annimmt, etwa\nvon Flammen oder Blumen, so ist das nur nebensächlich:\ndie eigentliche Bedeutung steckt in der Linie allein. 000\n© Aber natürlich darf die Linie sich auch der praktischen\nVerwendung nicht entziehen. Erst indem sie sich hierzu\ngeeignet zeigt, gewinnt sie ihre volle Bedeutung als stil=\nbildende Kraft. Auf diesem Gebiete ist namentlich Van de\nVelde ihr Propa=\ngator und viele ha=\nben sich ihm ange=\nschlossen, unter de=\nnen die Jungwiener\nihre eigene Note be=\nsitzen. Fast ist es\nschon zuviel gewor=\nden und man muß\nvor einem Übermaß\nwarnen. Was Van\nde Velde vor vielen\nanderen auszeich=\nnet, ist sein kon=\nstruktiver Sinn. Er\nweiß, daß die mo=\nderne Schlangen=\nlinie um so orna="}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 990, "texte": "mentaler wirkt, je weniger sie sich als\nOrnament gibt, je mehr sie als architekto=\nnisches Glied ihre klar bestimmten Funk=\ntionen erfüllt. Auch muß die Bewegung\nder Linie sich in diesen Fällen um ein\nBedeutendes beruhigen. Sie darf nicht\nmehr wie ein durch die Luft geworfenes\nLasso erscheinen, sie muß, ihrer tragen=\nden und stützenden Aufgabe gemäß.\ngleichsam ein ern=\nsteres, gesetzteres\nWesen annehmen,\nvoller Leiblichkeit\nund Arbeitsfreude,\nals dienendes Glied\nam großen Ganzen.\nAber wenn die Be=\nwegung auch eine\nlangsamere,zweck=\nvollere wird und\ngleichsam diephan=\ntastischen Spiele der\nJugend vergißt, so\nwird sie doch dar=\num keineswegs ab-\ngeschwächt. Sie\nzieht sich gewisser-\nmaßen nach innen zusammen, speichert die Kraft an be=\nstimmten Punkten auf und stößt sie an anderen mit der\nEnergie einer prompt\narbeitenden Maschine\nheraus. Auf diese Weise\nkommt in die architek=\ntonischen und gewerb=\nliehen Formen jener\nAusdruck bewußten\nLebens, den wir an der\nAntike so sehr bewun="}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 993, "texte": "Linienkunst fähig\nist, hier beschrei=\nbend zu erläutern.\nIch verweise jeden\nauf seine Augen. Ich\nbemerke nur noch,\ndaß der Kontrast\nbekannter geome=\ntrischer Motive, wie\ndem. Und doch besteht keinerlei sti=\nlistische Abhängigkeit von der Antike.\nDie Linie ist und bleibt modern und einzig\ndem modernen Gefühl entsprechend. Nur\nder strenge dienende Geist, der in ihr lebt,\nihr gesunder strotzender Organismus\nmacht sie der Antike verwandt. ©©©\n© Ich erspare es mir, die Mannigfaltig=\nkeit der Abwandlung, deren unsere neue\ndes geschlossenen\nKreises, des Recht=\necks und des Qua=\ndrats oder auch der\nsimplen Senkrech=\nten und Wagrech=\nten in vielen Fällen\nnicht entbehrt wer=\nden kann und na=\nmentlich gern als Bändigungsmittel verwandt wird. Die\nalten festgewordenen Formen stecken gleichsam die Arena\nab, in der die jungen\nFüllen der neuen Li=\nnienkunst sich nach\nHerzenslust austoben\nkönnen. So kommt in\ndie vielfach stürmische\nBewegung auch wieder\nein starkes Moment der\nRuhe und in der Form"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1646, "texte": "der Bewegung selber verrät sich eine geheime Gesetzmäßig=\nkeit. Unaufhörlich aufgepeitscht zu werden, das würden\nunsere Nerven nicht vertragen. Gerade im bakchischen Tanz\nverlangen sie ein inneres Maß und eine äußere Begrenzung.\n© Und noch eine zweite wichtige Beschränkung tritt hinzu,\ndie aber mehr die Gesamtheit des modernen Kunststiles\nbetrifft. Lediglich mit dem linearen Motive, aus der ab=\nstrakten Schöpferkraft der Seele heraus läßt sich das orna=\nmentale Bedürfnis unserer jungen Kunst nicht bestreiten.\nEben weil viele Wege zum Ziele führen, hat auch der ent=\ngegengesetzte nicht vernachlässigt werden dürfen, der aufs\nneue in die Natur hinausführt. Ganz besonders einige deut=\nsehe Künstler, wie H. E. v. Berlepsch und Hermann Obrist,\nhaben diesen Weg mit großem Nachdruck und schönstem\nErfolg beschritten. Beide haben das in hervorragendem\nMaße, was man den „Naturforscherblick” nennen darf: sie\nfinden in der Natur immer neue verwendbare Kunstformen\nund entlocken diesen das wundersame Geheimnis des Kon=\nstruktiv=Organischen. Indem so durch eine eigenartig kom=\nbinierteForscher=Künstlerarbeit der modernen Ornamentik\naus dem unermeßlichen Gebiete der Flora und Zoologie im=\nmer neue dankbare Motive Zuwachsen, erfährt sie eine ganz\nungemeine stoffliche Bereicherung. Und indem nun dieses\ngewaltig aufgestapelte Material von dem spezifisch moder=\nnen Liniengefühl seine eigenartige Beseelung empfängt und\ndiesem immer neue Formnuancen zur Verarbeitung über=\ngibt, entsteht jene stolze und herrliche Fülle echtkünstleri=\nscher Aufgaben, die unserem Streben eine weite, unabseh=\nbare Zukunft eröffnen. FRANZ SERVAES.\n\nFRANZ SERVAES."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.1", "texte": "MITTEILUNGEN DER VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\n1902\nHEFT 7\nVER SACRUM"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.2", "texte": "DIE GROSZTE STÄNDIGE AUSSTELLUNGS= UND VERKAUFSHALLE FÜR\nHE B KUNST UND KUNSTGEWERBE IST DAS g g\nKB g g\ng iS HOHENZOLLERN KUNSTGEWERBEHAUS m m\n□ H. HIRSCHWALD (G. M. B. H.), BERLIN W. Fl\nB B LEIPZIGERSTRASZE 13 g ■\nKÖNIGLICH PREUSZISCHER,\nKAISERLICH ÖSTERREICHS\nSCHER, GROSZHERZOGLICH\nBADISCHER HOFLIEFERANT\nGEGRÜNDET 1879\nWOHNUNGSAUSSTATTUNGEN\nANGEWANDTE KUNST\nW OHNUN GS=EINRICHTUNGEN\nREGELMÄSZIG WECHSELNDE\nSONDERAUSSTELLUNGEN\n■ ALEXANDER ALBERT ■\nK. U. K. HOF=KUNSTTISCHLER\nWIEN, 111. SCHÜTZENGASSE 19\nAUERLICHT ■ B B B TELEPHON 1063 fl B B B AUERLICHT\nKB fl CENTRALE; IV. SCHLEIFMÜHLGASSE 4 g g g\nB M VERKAUFSSTELLEN: g H\nI. FISCHHOF 3, TELEPHON 12465 VII. ANDREASGASSE 9, TEL. 9122\n11. TABORSTRASZE 4, TELEPH. 15080 VIII. JOSEFSTÄDTERSTRASZE 64\n111. HAUPTSTRASZE 23 □ □ □ IX. NUSZDORFERSTR. 19, TEL. 12797\nB B SOWIE BEI DEN MEISTEN GASINSTALLATEUREN ■ CB\nLAMPE EXKLUSIVE MONTAGE UND BEDACHUNG K 4.50\nSPARLAMPE EXKLUSIVE MONTAGE UND BEDACHUNG K 3 90\nGLÜHKÖRPER KOSTENFREI INS HAUS GESTELLT ....... K 1\n■ ■ SPAR=GLÜHKÖRPER 80 HELLER g g\nI E I I VOR NACHAHMUNGEN WIRD GEWARNT ■ ■ m m"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.3", "texte": "SECESSION\nMITTEILUN-\nGEN DER\nEINIGUNG\nBILDENDER\nKünstler\nÖSTERREICHS\nVER SACRUM\nHEFT 7\n1. APRIL\n1902\nDAS REDAKTIONS-\nKOMITEE :\nLEOPOLD BAUER\nRUDOLF JETTMAR\nFERD. 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Und eben, weil sie ein solches"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.10", "texte": "Ausdrucksmittel ist, hat sie, woher sie auch gekommen\nsein mag, in der Kunst ihren Zweck und ihre Bedeutung.\nUnd es hatte sich gerächt, daß man dieses allernatürlichste\nAusdrucksmittel der künstlerischen Betätigung lange Zeit\nverachtet und hatte brachliegen lassen. Man machte die\nEntdeckung, daß die jüngere Generation das Zeichnen ver=\nlernt hatte. Man beobachtete ferner, daß gar viele, kolo=\nristisch ungemein tüchtige Bilder etwas ästhetisch Unbe=\nfriedigendes hatten, weil sie mit dem Mangel eines reinen\nLiniengefühles zugleich den Mangel eines fein abwägenden\nRaumgefühles empfinden ließen. Viele Künstler wußten z.B.\niimiw ■ >\nBendenßahmens zu\nder freien Kompo=\nsition des Bildes\ninfolge ihres ver=\nnachlässigten Li=\nniensinnes nicht\ngenügend empfan=\nden. Dieses ist ein\nganz allgemeines\nden Abstand nicht zu\nberechnen, den etwa\ndie Hauptfigur eines\nBildes vom Rahmen\nhaben mußte. Sie\n„schnitten falsch ab”.\nDas geschah nur, weil\nsie den Kontrast des\ngeometrisch anschlie=\nBeispiel. Aber es\nzeigt, wie allgemein\ndie Kalamität war,\nund daß, wenn ei=\nne Rückbewegung\neintrat, diese nicht\nvon Ungefähr kam.\nO Der Gegenschlag\nmacht sich sehr"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.11", "texte": "vielseitig bemerkbar. Man braucht bloß eine moderne Aus=\nStellung zu durchwandern und sich im Geiste etwa um\nfünf, sechs Jahre zurückzu versetzen, so wird man die An=\nZeichen des Umschwunges deutlich spüren. Zwar nicht\nmehr so deutlich als ganz im Anfänge der Bewegung, wo\nviele in der Hitze des Gefechtes sich verleiten ließen, mit\ndicken Linien die Umrisse ins Bild hineinzuzeichnen. Diese\nwie eine Kriegserklärung anmutende Manier ist heute\nschon weit seltener. Man hat sie nicht mehr nötig, weil sich\ndie Linie ihren Platz auch ohnedies erobert. Hingegen wird\nman finden, daß die Silhouette vieler Bilder bedeutend an\ndigen gelernt, und\nman bestrebt sich,\ndarnach zu verfah=\nren. Man weiß, daß\ndas eigentlich „Bild=\nhafte” ohne diese\nlinearePonderation\nkaum je erreichbar\nist, daß vielmehr\nKlarheit, sagen wir\nruhig: an Schönheits=\ngefühl, gewonnen hat.\nMan hat die kompo=\nsitionelle Bedeutung\nder Linie, ihr Mitspre=\nchen bei der Raum=\nVerteilung innerhalb\neines Bildes, zu wür=\nalsbald eine un=\nglückliche Vertei=\nlung des Gesamt=\ngleichgewichts sich\nstörend bemerkbar\nmacht. Bis hinein in\ndie Amateurphoto=\ngraphie läßt sich die\naus dieser Einsicht"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.12", "texte": "entsprungene\nPraxis verfol=\ngen.Allenthal=\nben zeigt man\nsich jetzt be=\nstrebt, selbst\ndort, wo man\nfeste Umrisse\nmeidet, den=\nnoch durch die\nästhetische Anordnung der Teile der Linie, wenn auch\nverhüllt, zu ihrem Ausdrucksrecht zu verhelfen. ©©©\n© Doch dies ist gleichsam nur eine Begleiterscheinung, die\nfreilich für das Ganze von Wichtigkeit ist. Energischer und\nreformatorischer vollzog sich der Umschwung auf zwei ein=\nander verwandten Kunstgebieten, die gerade seit jener Zeit\nstark in den Vordergrund des Interesses getreten sind: in\nder Zeichnung für Buch= oder Wandschmuck und auf dem\nGesamtgebiete des Kunstgewerbes, der angewandten Kunst.\nEs ist nicht zu kühn, wenn man behauptet, daß erst die\nLinie hier den neuen Stil geschaffen hat.\nDenn alles Ornament basiert auf der Li=\nnie. Und aller Stil basiert auf dem orna=\nmentalen Gefühl. O © 0\n© Über die moderne geschweifte Linie\nist viel ge witzelt worden. Von „Korken=\nzieher” hat man gesprochen, von „Band=\nwurm” und, höchst vernichtend, von\n„gereiztem Regenwurm”. Gegen gewisse"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.13", "texte": "sinnlose und\nschematische\nAnwendung\ngen mag die=\nser Witz am\nPlatze sein.\nNichtsdesto=\nweniger hat\ndie Entdek=\nkung dieser\nLinie (d. h. die Entdeckung ihrer ornamentalen Verwend=\nbarkeit) den lastenden Bann der Rokoko =Tradition erst\nendgültig gesprengt. Bis dahin konnte man vom Rokoko\nnicht loskommen, weil man ihm nichts Positives entgegen=\nzusetzen hatte. Unwillkürlich sah man sich immer wieder\nzu Kompromißlichkeiten gedrängt. Aus purer Verzweiflung\nwar man schon so weit gelangt, die völlige Ornamentlosig=\nkeit als Allheilmittel zu proklamieren. Aber dieser Puri=\ntanismus konnte unmöglich die Erlösung bringen. Er\nwirkte zwar säubernd und reinigend und war, nach dem\nvorausgegangenen gedankenlosen und\nschwächlichen Schwulst, gewissermaßen\ndie Wiederherstellung der gesunden Ver=\nnunft und ruhigen Kraft. Aber er blieb\nnüchtern, starr und englisch. Er war in\nsich selber ein testimonium paupertatis.\nIhm fehlte = der Schwung! Und eben\nder Schwung ist es, der mit der neuen\nLinienkunst zurückkehrte. Im wörtlich="}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.14", "texte": "sten, eigentlichsten\nSinne. Denn jene\nLinie, die die Ent=\nfesselung brachte,\nwirkt wie ein ge=\nschwungenes Las=\nso. Sie ist gleich=\nsam ein Zickzack in\nKurven, mit weitem\nenergischen Bogen=\nanlauf und kraft=\nvoller Zurückbie=\ngung. Ihr ganzes\nWesen ist schnel=\nlende Bewegung.\nDeshalb mochte es\nwohl auch erlaubt\nsein, an den Serpen=\ntinentanz bei ihr zu\nerinnern. „Gleich=\nwie bei der Loie\nFüller die Saum=\nlinie des Kleides\nwogt und flattert,\nso wogt und biegt\nsich, schwillt und\nsinkt in der mo=\ndernen Ornamentik\njene schlangenhaft\ngleitende, unfaßbar\nvorüberschwinden=\nde, bloß durch ihren\nRhythmus gehal=\ntene Linie.” Etwas\nJauchzendes, Bak=\nchantisches bebt\ndurch diese Linie.\nSie ist gleichsam\ndas neu erwachte\nUrphänomen der\nLinie überhaupt.\nMan könnte ein Ge=\ndicht schreiben von\nder Gefangenschaft\nder Linie, von ihrer\nVerkrüppelung und\nVerschnippelung, ©\nihrer Kasteiung und\nAbtötung und von\nihrer jubelnden Be=\nfreiung und Wie=\ndergeburt: Wie sie\nsich gleichsam leise\nzu fühlen beginnt;\nwie sie sich pro=\nbeweise elastisch\nstreckt; wie sie\ndann mit einemmal"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.15", "texte": "ihrer vollen Kraft\ninne wird; wie sie\nsich unbändig, mit\ntoller Lust, in das\nLuftmeer der Frei=\nheit wirft; und wie\nsie dann, stolz und\nlächelnd, ihre nack=\nte Schönheit ent=\nhüllt und im Selbst=\ngenuß dieser Schön=\nheit schwärmt! ©\n© Die Schönheit\nder ungebroche=\nn e n Linie wieder=\nerkannt zu haben:\ndas ist das Ver=\ndienst der Moder=\nnen. Und damit ent=\ndeckten sie in der\nLinie das Symbol\nder Bewegung. ©\nKaum je aber hat\neine Zeit so in\nder Bewegung ge=\nschwelgt als dieun=\nsere. Gerade weil\nsie von Erstarrung\nrings bedroht ist,\nweil für alles die\nvorschriftsmäßigen\nBahnen ausgeklü=\ngelt werden, die zu\nverlassen verboten\nist, und weil mit\nkleinen kläglichen\nMittelchen das Hal=\nbe, Kranke und Al=\ntersschwache un=\nablässig gepäppelt\nund aufgeflickt ©\nwird, deshalb glüht\nder in die Kunst sich\nrettende Mensch so\nfür alles, was Kraft\nund Freiheit der\nBewegung ist=und\nsollte er auch bloß\nin einer Linie es\nwiederfinden. Aber\ndarum liebt er diese\nLinie. Sie ist das\nLasso seiner Sehn=\nsucht. Er wird in\nihrem Anschauen\nsich seiner\nden Kräfte aufs neue\nbewußt. Und er"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.16", "texte": "fühlt etwas von dem Flammenstoß dieser Linie durch\nseinen Körper gehen und auf seine Energie wirken. 0© ©\n© Ich spreche hier von der modernen geschweiften Linie,\nwo sie in ihrer höchsten Reinheit und Urgestalt auftritt.\nIch weiß, daß man sie in der Praxis durchaus nicht immer\nso findet und daß sie sich allerhand muß gefallen lassen.\nAber ich wollte die seelische Disposition aufweisen, die auf\ndie Schöpfung dieser Linie drang und die sie dann rück=\nwirkend wieder in sich aufnimmt. Ein Stil hat nur dann\netwas Organisches, wenn er mit der Höhe seines Wesens\nder Höhe des Wesens einer Zeit entspricht. Und dem Zeit=\nalter Nietzsches mit seiner großen Erdensehnsucht, jubeln=\nden Kraftfreude und\nheißen Zukunfts=\nhoffnung scheint\nmir die Eigenart\ndes neugeschaffe=\nnen Kunststils aufs\nbeste zu entspre=\neben. ©O©\n© Am reinsten fin=\ndet sich die wieder=\ngeborene Linien=\nkunst selbstver=\nstündlich in der an\nkeinerlei Rücksicht\ngebundenen freien\nZeichnung, ganz\nbesonders wenn sie\nzu Worten von"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.17", "texte": "starkem Klang und mächtiger Beseelung gleichsam als\nrhythmische Begleitmusik tritt. Also als Buchschmuck. In\nallen solchen Fällen tritt die reine Linie gleichsam als eine\nsuggestive Kraft auf, die uns durch ihre Biegungen und Be=\nwegungen eine Stimmung mitzuteilen unternimmt. Wenn\nsie dabei gelegentlich bestimmtere Formen annimmt, etwa\nvon Flammen oder Blumen, so ist das nur nebensächlich:\ndie eigentliche Bedeutung steckt in der Linie allein. 000\n© Aber natürlich darf die Linie sich auch der praktischen\nVerwendung nicht entziehen. Erst indem sie sich hierzu\ngeeignet zeigt, gewinnt sie ihre volle Bedeutung als stil=\nbildende Kraft. Auf diesem Gebiete ist namentlich Van de\nVelde ihr Propa=\ngator und viele ha=\nben sich ihm ange=\nschlossen, unter de=\nnen die Jungwiener\nihre eigene Note be=\nsitzen. Fast ist es\nschon zuviel gewor=\nden und man muß\nvor einem Übermaß\nwarnen. Was Van\nde Velde vor vielen\nanderen auszeich=\nnet, ist sein kon=\nstruktiver Sinn. Er\nweiß, daß die mo=\nderne Schlangen=\nlinie um so orna="}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.18", "texte": "mentaler wirkt, je weniger sie sich als\nOrnament gibt, je mehr sie als architekto=\nnisches Glied ihre klar bestimmten Funk=\ntionen erfüllt. Auch muß die Bewegung\nder Linie sich in diesen Fällen um ein\nBedeutendes beruhigen. Sie darf nicht\nmehr wie ein durch die Luft geworfenes\nLasso erscheinen, sie muß, ihrer tragen=\nden und stützenden Aufgabe gemäß.\ngleichsam ein ern=\nsteres, gesetzteres\nWesen annehmen,\nvoller Leiblichkeit\nund Arbeitsfreude,\nals dienendes Glied\nam großen Ganzen.\nAber wenn die Be=\nwegung auch eine\nlangsamere,zweck=\nvollere wird und\ngleichsam diephan=\ntastischen Spiele der\nJugend vergißt, so\nwird sie doch dar=\num keineswegs ab-\ngeschwächt. Sie\nzieht sich gewisser-\nmaßen nach innen zusammen, speichert die Kraft an be=\nstimmten Punkten auf und stößt sie an anderen mit der\nEnergie einer prompt\narbeitenden Maschine\nheraus. Auf diese Weise\nkommt in die architek=\ntonischen und gewerb=\nliehen Formen jener\nAusdruck bewußten\nLebens, den wir an der\nAntike so sehr bewun="}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.19", "texte": "Linienkunst fähig\nist, hier beschrei=\nbend zu erläutern.\nIch verweise jeden\nauf seine Augen. Ich\nbemerke nur noch,\ndaß der Kontrast\nbekannter geome=\ntrischer Motive, wie\ndem. Und doch besteht keinerlei sti=\nlistische Abhängigkeit von der Antike.\nDie Linie ist und bleibt modern und einzig\ndem modernen Gefühl entsprechend. Nur\nder strenge dienende Geist, der in ihr lebt,\nihr gesunder strotzender Organismus\nmacht sie der Antike verwandt. ©©©\n© Ich erspare es mir, die Mannigfaltig=\nkeit der Abwandlung, deren unsere neue\ndes geschlossenen\nKreises, des Recht=\necks und des Qua=\ndrats oder auch der\nsimplen Senkrech=\nten und Wagrech=\nten in vielen Fällen\nnicht entbehrt wer=\nden kann und na=\nmentlich gern als Bändigungsmittel verwandt wird. Die\nalten festgewordenen Formen stecken gleichsam die Arena\nab, in der die jungen\nFüllen der neuen Li=\nnienkunst sich nach\nHerzenslust austoben\nkönnen. So kommt in\ndie vielfach stürmische\nBewegung auch wieder\nein starkes Moment der\nRuhe und in der Form"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.20", "texte": "der Bewegung selber verrät sich eine geheime Gesetzmäßig=\nkeit. Unaufhörlich aufgepeitscht zu werden, das würden\nunsere Nerven nicht vertragen. Gerade im bakchischen Tanz\nverlangen sie ein inneres Maß und eine äußere Begrenzung.\n© Und noch eine zweite wichtige Beschränkung tritt hinzu,\ndie aber mehr die Gesamtheit des modernen Kunststiles\nbetrifft. Lediglich mit dem linearen Motive, aus der ab=\nstrakten Schöpferkraft der Seele heraus läßt sich das orna=\nmentale Bedürfnis unserer jungen Kunst nicht bestreiten.\nEben weil viele Wege zum Ziele führen, hat auch der ent=\ngegengesetzte nicht vernachlässigt werden dürfen, der aufs\nneue in die Natur hinausführt. Ganz besonders einige deut=\nsehe Künstler, wie H. E. v. Berlepsch und Hermann Obrist,\nhaben diesen Weg mit großem Nachdruck und schönstem\nErfolg beschritten. Beide haben das in hervorragendem\nMaße, was man den „Naturforscherblick” nennen darf: sie\nfinden in der Natur immer neue verwendbare Kunstformen\nund entlocken diesen das wundersame Geheimnis des Kon=\nstruktiv=Organischen. Indem so durch eine eigenartig kom=\nbinierteForscher=Künstlerarbeit der modernen Ornamentik\naus dem unermeßlichen Gebiete der Flora und Zoologie im=\nmer neue dankbare Motive Zuwachsen, erfährt sie eine ganz\nungemeine stoffliche Bereicherung. Und indem nun dieses\ngewaltig aufgestapelte Material von dem spezifisch moder=\nnen Liniengefühl seine eigenartige Beseelung empfängt und\ndiesem immer neue Formnuancen zur Verarbeitung über=\ngibt, entsteht jene stolze und herrliche Fülle echtkünstleri=\nscher Aufgaben, die unserem Streben eine weite, unabseh=\nbare Zukunft eröffnen. FRANZ SERVAES.\n\nFRANZ SERVAES."}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.23", "texte": "H H DeO'DesTCniLfeJ> B\nisr-VhüörDlTrerv\ni h h r\\on ni» nood bi bi\nexlsri er?r i ry a& n n dtco m düv\nz^nnDWii7iepa^D^wGY'RtpeT)nnrrDiyiY6\nHl I H I Hl\nlorrD-ncmnusejv\nresroonöei\nb imlunvDöSi KvR-noFaerGD^ivTejY\nrvttsrnrysrncr' fvd Fmratwß/DTCTPioie\nPtIOTOCJIGn’ MOSFU3TOPFG tWI = V.\nh i neppoDvaiow DeirDecnery i Irv\nfVPFeRDPJCK wierywD-noheF/mt\nryieper?iGQG\n- 2 ■\nwierywr/evDnuQaFö tieir/nicnsnor\ne- i ■ in\nsp\\zo<öj.m)srnmjsr Qicisnniwei\nTPirvrseDvic£s:piflryifl- cmLaeyüJva3<mD.erv\n1 h öfcOD leere, Qöjrx/ivDCT -184-1\nueiym/roimöiSEie\nrtutin°niKfennryTery h h h"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19020401-01.1.24", "texte": "Für die RED ACTION verantwortlich: LEOPOLD BAUER in WIEN\nHerausgeber: VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\nDruck von ADOLF HOLZHAUSEN, k. u. k. Hof- u.Univ.-Buchdrucker in Wien\nGlich6s von der „GRAPHISCHEN UNION” in Wien"}]}