{"numero_id": "bm-bmtnabf-1903-02-01-01", "volume": "bmtnabf_1903-02-01_01", "ocr_sha256": "5bff2b35a95946c91b89e06873e1f3faffa8536dca9cf22f544d0c12e4b6adef", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabf/issues/1903/02/01_01/bmtnabf_1903-02-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabf/issues/1903/02/01_01/bmtnabf_1903-02-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabf-1903-02-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-02-01_01#c003", "volume": "bmtnabf_1903-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "68", "image_debut": 5, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.2.3", "titre_corps": "DIE AKADEMIE DER KÜNSTE UND DAS VERHÄLTNIS DER KÜNSTLER ZUM STAATE", "titre_sommaire": "DIE AKADEMIE DER KÜNSTE UND DAS VERHÄLTNIS DER KÜNSTLER ZUM STAATE", "signature_source": "Herman Grimm", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1827, "texte": "DIE AKADEMIE DER KÜNSTE UND DAS VERHÄLTNIS DER KÜNSTLER ZUM STAATE.\nvon Herman Grimm\n\n==== = Die Aufgabe, die ich mir\nhier gestellt habe, ist nicht, die wun-\nden Flecke der Akademie heraus-\nzufinden und anzugreifen. Es giebt\nkeine Sache, gute oder schlechte, die\nsich nicht glänzend angreifen und\neben so glänzend vertheidigen ließe.\nWollte derjenige, dem wirklich eine\nVerbesserung dieser Dinge am Her-\nzen läge, zu tadeln beginnen, wollte\ner Einrichtungen und, was die noth-\nwendige Folge wäre, Persönlichkeiten\ndem Urtheil der öffentlichen Meinung unterwerfen, so würde daraus wenig\nErsprießliches erwachsen. Eine Menge hochgeachteter Namen werden als\nMitglieder der Akademie genannt. Manchem gekrönten Concurrenten ge-\nschah ein wirklicher Dienst mit seinem Reisegelde, Mancher lernte etwas\nauf der Akademie und bewahrt ihr ein dankbares Andenken = trotzdem,\neine Reform ist nöthig, dies wird anerkannt; lassen wir deshalb die Aka-\ndemie in ihrer jetzigen Gestalt völlig bei Seite, und fragen wir anders. An-\ngenommen, es existirte eine solche Staatsanstalt noch nicht; es sollte eine\nerrichtet werden, Geld und guter Wille seien vorhanden, was wäre zu thun,\num dasjenige Institut herzustellen, das, den allgemeinen Wünschen und\nden besonderen Bedürfnissen entsprechend, mit Recht den Namen „König-\nliche Akademie der Künste” führen dürfte? ©OO\n© Welches würde seine Idee sein? = Die Idee eines öffentlichen In-\nstitutes ist die Summe der Absichten und Erwartungen, die man bei seiner\nGründung hegte oder die im Laufe der Zeit damit verknüpft wurden. Die\nFindung dieser Idee ist die Quelle alles Uebrigen. Oft ist es sehr leicht, sie\nmit deutlichen Worten zu sagen. = = Der Staat bedarf Beamte, Aerzte,\nGelehrte, Prediger, Soldaten, Architekten. Er sorgt dafür, daß diejenigen,\n\nAus einer\nim Jahre 1859\nerschienenen\nSchrift"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2309, "texte": "welche ihm dienen wollen, die beste Ausbildung erhalten, und wir finden\nüberall Institute, in denen dieser Zweck verfolgt und so gut als nur irgend\nmöglich erreicht wird. Mangelte uns eine Bauschule oder eine der ver-\nschiedenen Anstalten, in denen Officiere ausgebildet werden, oder eine\nKlinik für die Unterweisung junger Aerzte, oder irgend eines der vielen\nInstitute, deren Wirksamkeit sich auf alle Gebiete des Staatslebens er-\nstreckt, und die der Heranbildung brauchbarer Männer dienen sollen, so\nwürde sich auf der Stelle das Bedürfniß fühlbar machen und die Er-\nrichtung der fehlenden Anstalt nothwendig erscheinen. In welcher Weise\nstellt sich nun die Errichtung einer sogenannten Akademie der Künste,\nd. h. einer Anstalt, deren Zweck die Ausbildung von Malern und Bild-\nhauern ist, als ein gefühltes Bedürfniß, und die Sorge dafür als eine Pflicht\ndes Staates dar? - o©o\n0 Welches würde ihre Idee sein? Ist eine Anstalt, wo von Staatswegen\njunge Leute zu Künstlern gemacht werden, eine Möglichkeit? Ist sie eine\nMöglichkeit, wie soll dann verfahren werden, um sie zu erreichen? Können\njunge Leute, wenn man sie überhaupt zu Künstlern machen kann, dadurch\n:;ünst*ern gemacht werden, daß man sie von Künstlern unterrichten\nlaßt?\n0 Und was giebt dem Staate dazu ein Recht? Er bildet Beamte, Offi-\naere, Aerzte und so weiter, weil er sie braucht. Er kann sagen, wollt ihr\nmir dienen, so dient mir in der Wreise, wie ich es verlange; aber die so er-\nzogenen Künstler, wenn sie nun fertig erzogen sind und in der vom Staate\napprobirten Kunstrichtung allen Anforderungen entsprechen, was soll\ndann mit ihnen geschehen ? Ist es nicht natürlich, daß sie sagen, ich habe\nso gelernt, wie du wolltest, nun beschäftige mich auch. Soll der Staat ge-\nzwungen sein, nun auch Arbeit zu geben, und zwar genügende, hin-\nreichend, den Mann und die Familie zu ernähren, die er gründen wird?\n© Diese Fragen bedürfen keiner Antwort, das Verhältniß liegt zu Tage.\nDer Staat kann derlei Verpflichtungen nicht übernehmen. Man hat sich\nbisher, so viel ich weiß, damit geholfen, daß man den jungen Leuten beim\nEintritt in die Akademie ausdrücklich erklärte, sie hätten keinerlei Aus-\nsicht am eine spatere Weiterhülfe von Seiten der Regierung. Allein die\nso Gewarnten wissen recht gut, daß diejenigen, welche in der Concurrenz"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2220, "texte": "einen Preis erhalten, auf drei Jahre nach Italien geschickt werden. Natür-\nlich fruchtet bei dieser Verlockung jene Ermahnung sehr wenig. Jeder,\nder in die Lotterie setzt, denkt zu gewinnen. Noch weniger aber steigt\netwa das Bedenken auf, was denn auch diese Gekrönten nach den drei\nJahren beginnen sollen, wenn sie aus Italien zurückkommen. Das wird\nsich Alles finden. Welcher angehende Künstler zweifelte daran, zum\nHöchsten in der Kunst berufen und befähigt zu sein. ©OO\n0 Darf der Staat eine so verführerische Zukunft denen verhalten,\nwelche, mit Talent zur Malerei begabt, von ihren Eltern in eine König-\nliche Anstalt gebracht werden, um dort Künstler zu werden? DARF DER\nSTAAT ÜBERHAUPT ETWAS SO GRUNDFALSCHES ALS\nWAHR HINSTELLEN, DASS KUNST LEHRBAR SEI? UND AUF\nDIESEN FALSCHEN SATZ HIN EINE ÖFFENTLICHE AN-\nSTALT BEGRÜNDEN ?= = ©o©\n0 Was den Künstler macht, ist sein Eigenthum. Nur er kann es pflegen,\nnur er es entwickeln. Er ist von einem gewissen Instinkte begleitet, der\nihn dahin leitet, wohin er kommen muß. © © ©\n0 Indessen wenn die großen Männer und Künstler ihre Kunst auch\nnicht verschenken können, so hat diese dennoch auf beginnende Talente\neinen unleugbaren fördernden Einfluß. Vielleicht könnte man die Formel\nso bilden: der Staat, der für die Ausbildung nicht allein des Guten und\nNützlichen, sondern auch des Großen und Schönen sorgen soll, darf sich\nnicht entgehen lassen, den Einfluß bedeutender Künstler zum Besten be-\nginnender Anfänger in der Kunst auszunutzen. Es ist jetzt nicht von der\nbesonderen Kunstrichtung die Rede, sondern nur vom allgemeinen Ein-\nfluß, den das Vollkommene ausübt. Dieser ist gewißlich vorhanden. Ra-\nfael hat Leuten die Augen geöffnet, daß sie plötzlich anders sahen und bei\ngesteigerten Anforderungen an sich selbst gesteigerte Anstrengungen\nmachten. Die Thätigkeit eines großen Künstlers reißt alle die mit fort,\ndie neben ihm arbeiten. Ohne Rafael wäre Giulio Romano das nicht ge-\nworden, was er war: man sieht das rafaelische Blut in seinen Adern\nfließen, gerade so, wie aus manchem Antlitz, was Rafael selbst malte,\nMichel Angelo gewaltig herausblickt. Man will den Einfluß des Phidias\nauf eine ausgebreitete Schule nachweisen. Schiller hat unser Theater ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2356, "texte": "bildet, Platen hat vielen Schriftstellern das Gehör geschärft, mancher\nmittelmäßige Schauspieler wird der Ristori auf der Bühne gegenüber\neine ungekannte Kraft in sich fühlen und begeisterter als jemals spielen.\n© Allein dieser Einfluß ist begründet auf eine wunderbare Sympathie,\ndie bei gleichartigen Fähigkeiten die stärkere Seele auf die mit geringerer\nKraft begabte ausübt. Das läßt sich nicht benutzen, wie Dampf; darauf\nkann man kein System bauen. Unterricht in der Kunst und sogar Akade-\nmien gab es allerdings schon frühe. Lorenzo de Medici richtete eine Bild-\nhauerschule in Florenz ein, in welcher Michel Angelo seinen ersten Unter-\nricht erhielt; Lionardo hatte in Mailand seine Academia Vinciana; unter\nRafael und Michel Angelo lernten unzählige junge Künstler in Rom und\nübten sich im Handzeichnen, aber diese Verhältnisse machten sich von\nselbst, die Jünglinge zogen sich dahin, wo sie etwas zu lernen hofften, sie\nsuchten sich die Meister aus, die ihnen am liebsten waren oder am\ngrößten erschienen, und so blieb es, bis die durch große Männer empor-\ngebrachte Kunst einer zweiten Generation von Künstlern anheimfiel,\nwelche alle die erhabenen Werke vor den Augen und alle die nützlichen\nLehren der Meister im Gedächtnisse sich im Besitz des Geheimnisses\nglaubten, aber von vornherein darauf verzichteten, diejenigen zu über-\ntreffen, von denen sie es erhalten hatten. © © ©\n© Vasari ist der Typus dieser Art Leute, ein Arbeiter in kolossalem\nMaßstabe, groß als Baumeister, ein Genie seinen Nachfolgern gegenüber,\naber elend im Vergleich zu denen, die vor ihm schafften, und deren Leben\ner theilweise noch miterlebte. Er war der Gründer der ersten Akademie\nvon Regierungswegen. Er hat schon seine bestimmten Schulbegriffe über\ndas Schöne. Die Kunst sei jetzt so vollkommen, ist seine Meinung, daß,\nwer nur Zeichnen, Erfinden und Coloriren könne, mit Leichtigkeit da, wo\ndie alten Meister sechs Jahre zu einem Bilde gebraucht hätten, in einem\neinzigen Jahre sechs Bilder vollenden werde, wofür er ja selber mit seiner\neigenen Thätigkeit ein Beleg sei. © © ©\n© Dieser Mann, dessen Natur ein seltsames Gemisch von literatenhafter\nOberflächlichkeit und tiefem, ja begeistertem Verständnisse ist, gehörte zu\nden Häuptern der Kunstschule, die vom ersten Großherzoge von Toscana,\ndessen Residenz das ehemalige freie Florenz geworden war, gestiftet"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2348, "texte": "wurde. 1563 stattete derselbe die „Compagnia dell’ arte del disegno” mit\nStatut und Privilegien aus, ihre ausgezeichnetsten Mitglieder sollten unter\ndem Namen Akademie vereinigt werden. Michel Angelo, der uralt in Rom\nlebte, ernannte man zum Ehrendirector. Im nächsten Jahre kam seine\nLeiche nach Florenz und wurde mit mächtig studentischen Feierlichkeiten\nvon den neuen Akademikern beigesetzt. Reden wurden gehalten, über die\nKunst gedacht, geschrieben, gestritten, in aller Munde war der große Buo-\nnarotti, sein Denkmal ward aufgestellt. Aber man sehe sich dies Werk an.\nNichts’ hat der Würdigung des großen Michel Angelo so im Wege ge-\nstanden, als diese wie ein unendlicher Zopf an seinen Schatten sich an-\nhängende Kunstthätigkeit, die, seine gewaltigen Formen nachahmend, so\nschwächliche Gestalten geschaffen hat. o©o\n© Von den Akademien Italiens ging der Glaube an die Richtigkeit ge-\nwisser Körperstellungen aus, die von nun an wie unvermeidliche Ge-\nspenster durch die Gemälde ziehen. Am unumschränktesten herrschte\ndiese abstracte akademische Musterschönheit im vorigen Jahrhundert.\nDie besten Eigenschaften aller Kunstwerke, antiker wie moderner, wurden\nzergliedert, und aus ihren vollkommensten Bestandtheilen die absolut\nschöne Gestalt componirt, deren Proportionen man stets zu erreichen\nsuchte. Diese Berechnungen wurden zu einem ernsten Studium, Winckel-\nmann und Rafael Mengs stehen auf seinem Boden. 000\n0 Heute wird dieses akademische Ideal verurtheilt, gerade wie die fran-\nzösische Tragödie, deren Gestalten vor hundert Jahren die Welt bezau-\nberten. Wie für das Theater gab es in der Malerei die detaillirtesten Vor-\nschriften. Was man malen sollte, was nicht. Wie man das malen sollte,\nwas zu malen erlaubt war. Welche Fehler zu vermeiden wären, wie die\nLeidenschaften darzustellen, wie die Stoffe zu drapiren, wie die Arme und\ndie Füße zu stellen, welches Licht, welche Größe, welcher Grad der Aus-\nführung. Und solche Ansichten sind die Frucht von langen Lebenserfah-\nrungen! Fueßli, der berühmte Professor an der Akademie zu London, ver-\nöffentlichte 1801 seine „Lectures on Painting”. Er geht mit kritischer\nSchärfe die ganze Kunstentwicklung durch und stellt schließlich seine\neigenen Ideen auf. Er beschreibt, wie man es z. B. anzufangen hätte, wenn\nals historisches Bild der Tod des Germanicus zu malen wäre. Er giebt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2294, "texte": "eine Figur nach der anderen an, bespricht ihre inneren Zustände und den\näußeren Habitus im entscheidenden Momente, bis die ganze Composition\naufgebaut ist. Goethe in seiner Recension dieses Werkes bemerkt hierzu:\n~Sähen wir wirklich einmal ein Bild, welches den angegebenen Anforde-\nrungen entspräche, so würden wir mit jenem Freunde ausrufen: ,War es\nder Mühe werth, mit solchem Aufwande von Kunst ein unerfreulich Werk\nzu machen’!” ©o©\n© Man denke sich einmal einen Jüngling wie Rafael oder den jungen\nMichel Angelo der Unterweisung solcher Pedanten ausgesetzt! Wie un-\nschuldig, natürlich und einfach traten sie und ihre Zeitgenossen in die\nKunst ein. Wie rüstig suchte damals jeder auf seinen eigenen Füßen\nweiterzukommen, ohne darauf zu warten, ob etwa von Staatswegen ein\nVierspänner vorbeikäme, der ihn bequemer und rascher an’s Ziel brächte.\nJeder suchte sich seinen Weg und fand ihn. Die Kunst ist für jeden An-\nfänger ein wüstes Gebiet, durch das keine getretenen Wege führen, für\nden allein, der sich aus eigener Kraft finden lernt, ist es geeignet; kennt\nman es aber einmal, dann wird jeder Stein und jeder Baumstamm ein Weg-\nweiser, und der Künstler geht so sicher seine Straße, wie ein Vogel sicher\ndurch die Luft fliegt. © © ©\n© Die Geschichte der Akademien, auf denen man die Kunst lehrte und\nvon denen gleich fertige Künstler ausgehen sollten, beweist, wie unrichtig\nlange Jahre hindurch über Kunst gedacht wurde. Freilich konnten allerlei\ntechnische Griffe, eine gewisse Leichtigkeit für das Arrangement, ver-\nschiedene Farbengeheimnisse und dergleichen den Schülern mitgegeben\nwerden, diese wurden zugleich aber in so feste Ansichten eingezwängt,\ndaß von Freiheit des Schaffens keine Rede mehr war. Man schlage ein\nKünstlerlexikon auf und wird finden, daß auch in diesen Zeiten noch be-\ndeutende selbstständige Künstler immer für sich unter den seltsamsten Um-\nständen in die Höhe kamen, sich auf eigene Faust durchschlugen und\nselten von den auf Akademien gebotenen Vortheilen profitirten. Die Ge-\nschichte manches berühmten Künstlers beginnt damit, daß er von irgend\neiner Akademie als durchaus unfähig zurückgewiesen ward, in welche er\nals Schüler einzutreten wünschte. Die wahre große Kunstentwicklung\nweiß nichts von diesen Anstalten. Erst mit dem Verfall der Kunst ent-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2319, "texte": "standen sie, und da, wo man sich aus dem Verfalle aufraffen wollte,\nstemmten sie sich dagegen mit ihren todten Principien. © © ©\n© Indessen dies Alles sind vergangene Dinge, und sie hatten auch in\nihrer Verkehrtheit eine Seite, die nicht vergessen werden darf. Mochten\ndie Ansichten, die man dictatorisch den Schülern einprägte, noch so un-\nrichtig sein, es waren doch immer feste Ansichten. Derjenige, der auf den\nAkademien malen lernte, konnte falsch angeleitet werden, aber er ward\nangeleitet, er war im Stande, ein Bild zu malen, das bestimmten An-\nforderungen genügte, und vor allen Dingen, er hatte richtig zeichnen\ngelernt. © © ©\n© Heute ist die Macht dieser Anstalten vorüber; selbst wenn man\nwollte, könnte man nicht zu ihren Traditionen zurückkehren, denn diese\nselbst sind verloren gegangen. V/hs aber soll man beginnen? Ein allge-\nBegehren nach Kunst'werken, vde dies im röten Janrhundert die\nKunst emporbrachte, erfüllt die Welt nicht. Es soll trotzdem etwas für\ndie Ausbildung junger Leute, welche einst Künstler werden wollen, ge-\nschehen. Es soll eine Akademie errichtet werden, auf der sie dafür vor-\nbereitet werden. Welche Idee wird ihr zu Grunde liegen? = = ©©©\n© Der Schüler ist ein Kind, das auf die Autorität des Lehrers hin lernt,\nder Student ist ein Mann, der nach empfangener Anleitung selbst prüft,\nsich über seinen Gegenstand stellt und ihn so auffaßt, wie die eigene Wahl\nihn leitet. Ein Student, der sich auf sein Collegienheft als Autorität berufen\nwollte wäre eben so sehr im Irrthum, wie ein Schüler, der das eigene Er-\nmessen höher stellte, als den Wortlaut der vorgeschriebenen Bücher. Der\nSchüler sagt, anno 44 ante Christum ward Cäsar ermordet, so habe ich\nes gelernt, der Student sagt, nach den und den Quellen setze ich dies\nFactum in’ das angegebene Jahr, so lehrt mich die Wissenschaft. ©© ©\n© Diese doppelte Stufe des Lernens findet sich auch beim Handwerk,\nwo der Lehrling eine andere Stellung einnimmt, als der Geselle. Der\nLehrling lernt das Werkzeug gebrauchen, der Geselle arbeitet selbst-\nständig; aber er sucht die Erfahrung und Sicherheit zu gewinnen, die ihn\nerst zum Meister langsam ausbildet. Da nun aber jeder Kunst ein Hand-\nwerk zu Grunde liegt, so wird der erste Schritt, der von Staatswegen zur\nBildung des künftigen Künstlers geschehen muß, darin bestehen, daß"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2278, "texte": "zuerst dem Kinde die Herrschaft über die handwerksmäßigen Theile der\nKunst verschafft werde. Der Schüler lernt Copiren, die Natur sowohl als\nvorgelegte Muster, er besucht daneben eine Schule, wo der Grund zu\nseiner geistigen Ausbildung gelegt wird. © © 0\n© Als unterste Stufe der Akademie der Kunst wird demzufolge die\nZeichenschule eingerichtet, wo die handwerksmäßige Fertigkeit der Hand\nund des Auges erworben wird. Die hier gewonnene Ausbildung ist der\nArt, daß sie zu jedem Lebensberufe einen vortheilhaften Zuwachs bildet.\nKein Schüler, der an ihr Theil nimmt, giebt damit die Absicht kund, Künstler\nzu werden, so wenig ein Kind, das Klavierunterricht erhält, Virtuose oder\nComponist werden will. Nothwendigerweise muß aber dieser Zweig der\nVorbildung in den Händen der Akademie liegen, weil schon hier eine\nfalsche Methode schädlich und auf haltend wirken kann, während die\nrichtige Art zu unterrichten ungemeine Vortheile bietet. Diese Zeichen-\nschule ist deshalb eine Normalzeichenschule für die Monarchie, und es\nwerden die besten Lehrer bei ihr angestellt. ©©©\n© Die zweite Stufe stellt den jungen Mann seinem Lehrer und den\nLehrgegenständen ganz anders gegenüber. Wer die auf ihr dargebotene\nBelehrung annehmen will, muß schon die Absicht haben, eine Thätigkeit\nzur Lebensaufgabe zu erwählen, zu welcher die höhere Kunstfertigkeit\nim Zeichnen und die geistige Ausbildung, die zugleich mit ihr gegeben\nwird, förderlich sind. Der Student arbeitet selbstständig. Will er jetzt\nKünstler werden, so ist Alles, was er betreibt, ihm dazu im hohen Grade\ndienlich; will er dagegen eine technische Carriere einschlagen, zu der er\neiner höheren Ausbildung im Zeichnen und in der Kenntniß der Kunst-\ngeschichte bedarf, so findet er auch hierfür das, was ihn fördert. Von\nOelmalerei, von Componiren, von Künstlerthum ist keine Rede. Es wird\nnur Gelegenheit geboten, frei zu lernen, Alles zu lernen, was einem künf-\ntigen Künstler nur irgendwie zu Statten kommen kann, sowie auf der\nUniversität der Student in jeder Richtung Belehrung findet, die ihm auf-\nzusuchen jedoch selbst überlassen bleibt, und die, wenn er einmal ge-\nwählt hat, freilich seinen zukünftigen Lebensweg bestimmt, allein der\nStaat hat ihn nicht dazu verlockt, es ist der freie Wille des Lernenden\ngewesen. ©©©"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2357, "texte": "0 Das Fortkommen und die Belohnung ihrer Schüler darf die Aka-\ndemie so wenig kümmern, als die Universität der spätere Lebenslauf der\nStudirenden. Bedarf der Staat Künstler zu seinen Zwecken, so mag er für\ndieselben ein Examen einrichten mit bestimmten Forderungen, wie es\nbeim Architekten der Fall ist. Er mag auch die, welche er so anstellt,\nnach Italien senden oder sie sonst reisen lassen, wie es der bestimmte\nZweck erfordert, für den er den Künstler braucht, z. B. als Lehrer an\ntechnischen Anstalten: allein für diese Leute giebt es dann eine feste\nCarriere mit Avancement, und sie wissen, wofür sie arbeiten und was sie\nzu erwarten haben. Aufs geradewohl aber demjenigen Schüler, der durch\nein Bild oder eine Statue seine Befähigung zu späterer Künstlerschaft ab-\nzulegen scheint, zur Erreichung dieser künftigen Größe (die er nun gewiß\nals sicher annimmt) drei Jahre lang ein Gehalt zu geben und ihm für die\nZukunft keine weitere Sicherheit zu bieten, ist eine grausame Verführung.\nWenn nun ein solcher Mensch mittelmäßig bleibt, ist das seine Schuld?\nSoll ihn dann der Staat, der ihn so weit gelockt hat, ohne Unterstützung\nlassen? Unter Vielehen Gesichtspunkten aber läßt sich eine solche Unter-\nstützung nationalöconomisch rechtfertigen? Es sind Almosen, welche so\nvertheilt werden, ©OO\n© Ein Künstler muß auf sich selbst basirt sein und auf das Publikum.\nGanz aus eigenem Entschlüsse ergreift er sein Metier. Er thut es, weil er\nden Drang dazu fühlt. Darin allein liegt seine Berechtigung und sein Trost.\nEr sagt ich will lernen: der Staat kommt ihm zu Hülfe. Er sagt, ich weiß,\nwas ich wissen muß, ich will Künstler sein, will selbstständig weiter\narbeiten; = da kann keine vom Staate angestellte Commission ja oder nein\nsagen Es ist sein eigenes Risico. Er mag es versuchen. Niemand weiß,\nwie der Versuch ausfällt, so gut wie kein Privatdocent wissen kann, ob er\nlange Jahre fruchtloser Bemühungen vor sich hat oder übermorgen zum\nProfessor ernannt wird, so gut wie kein junger Mann, der mit Theater-\nstücken oder musikalischen Compositionen sein Glück machen will, wissen\nkann ob seine Dramen und Opern gegeben und applaudirt oder aus-\ngepfiffen oder überhaupt zur Aufführung angenommen werden. ©© ©\n© Man setze hier jedoch an die Stelle des zweifelhaften Schicksals die\ngeordnete Vorsorge des Staates, und die freie Thätigkeit dieser Männer"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2395, "texte": "wird unmöglich werden. Der ächte Künstler muß so auf sich beruhen, er\nmuß so unbekümmert arbeiten, daß selbst die Krone, wenn sie ihm Auf-\nträge giebt, in dieser Beziehung nur als ein Theil des Publikums erscheint.\nLäge im Ankauf eines Kunstwerkes durch den regierenden Herrn auch\nim Geringsten etwas von einer anerkennenden Handlung der Regierung,\nso hätte der Künstler darauf hin ein Recht, weitere Bestellungen zu ver-\nlangen. Allein der Staat darf sich hier nicht einmischen. Ein Dichter, dessen\nStück auf der Königlichen Bühne aufgeführt wird, kann nicht sagen, ihr\nmüßt nun auch meine ferneren Stücke spielen, ihr habt mich verführt,\nmich dieser Art von Arbeit ganz hinzugeben, und dürft mich nicht unter-\ngehen lassen. Die Königliche Bühne ist für den Künstler, der für sie\nschreibt, in dieser Beziehung nichts anderes als eine Privatbühne. Jeder\nKünstler, Maler, Dichter, Schauspieler geht als enfant perdu auf die\nBresche los. Er giebt sich eine Ausnahmestellung vom Anfang an und\nweiß, daß der Staat für das Außerordentliche nur dann Geld hat, wenn\nseine Leistungen ungewöhnlich sind. Ein Künstler ist wie ein Nordpol-\nfahrer. Er weiß im voraus, daß er Gefahren zu bestehen hat, aber der\nDrang, sie aufzusuchen, ist größer als die Freude am Gange des gewöhn-\nlichen Lebens. Er geht, weil er will; wenn er aber da oben im Eise steckt,\nhat kein Staat die Verpflichtung, ihn heraushacken zu lassen. Dafür aber\nhat er den Ruhm für sich, den er als unabhängiger Mann erwarb. Ist ein\nKünstler einmal glücklich durchgedrungen, so wird ihm dann auch nicht\ndie materielle Belohnung von Seiten des Publikums versagt bleiben. 0\n0 Gerade das eben gewählte Beispiel weist dennoch auf eine Seite hin,\nvon der allerdings Unterstützung des Staates eintreten soll. Läßt sich ein\nbedeutender Mensch auf eigene Gefahr hin in eine Unternehmung ein, in\nder er stecken bleibt, so kann das Großartige seiner Pläne so stark zu einer\nau^orc^ern’ daß der Staat ihn herausreißt und daß der Ankauf von\nBildern oder Statuen, sowie die Ausführung großartiger Cartons und Mo-\ndelle zur Staatsangelegenheit gemacht wird, ohne daß eine Bestellung die\nUrsache war, die diese Werke hervorrief. Das aber setzt immer wieder\nemen fertigen Mann und bestimmte Werke seiner Hand voraus. Wenn\n11 D u Barth für seine großen Reisen, die er hinter sich hat, in\njeder Weise ehrt, wenn man Reisende, die mitten in ihrer Unternehmung"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2311, "texte": "in Gefahr gerathen sind, unterstützt, wenn man sogar Einzelne, deren\nganzer Sinn und Fähigkeit auf solche Reisen gerichtet ist, von Anfang an\nausrüstet, so kann im Vergleiche damit auch von einer Unterstützung an-\ngehender Künstler die Rede sein, sei es nun, daß sie eine Anstellung, einen\nZuschuß zur Beendung des Angefangenen oder eine Belohnung für das\naußerordentlich Vollendete erhalten; allein darauf hin darf Niemand die\nKünstlerlaufbahn einschlagen, denn oft kann dem größten Verdienste\ndennoch diese Hülfe versagt bleiben, während sie vielleicht offenbar auf\nanderer Seite in den Brunnen geworfen wird. ©OO\n0 Denn wer soll das Genie erkennen? Es ist freilich die Pflicht eines\nVolkes, seine großen Künstler zu beschäftigen. Es wäre eine Beleidigung\nder gütigen Vorsehung, wenn man einem Manne, dessen Werke der Stolz\nund der Reichthum eines Landes sind, nicht in jeder Weise die Arbeit er-\nleichterte. Allein wer will hier vorauswissen und den Leuten klar machen\nim Momente, was erst langer Reihen von Jahren bedarf, um eine glaub-\nwürdige allgemeine Wahrheit zu werden? Meiner tiefsten Ueberzeugung\nnach ist die Ausführung des Cartons von Cornelius eine ernste Angelegen-\nheit der Nation, und ich bin fest überzeugt, unterbleibt diese Ausführung,\nund, was damit in Verbindung stehen würde, gehen diese Cartons langsam\nzu Grunde, so wird eine spätere Zeit die Worte nicht stark genug zu finden\nglauben, um ihr Bedauern darüber auszusprechen = allein wenn selbst\nbei diesem eclatanten Falle Viele die Verpflichtung des Staates ableugnen,\nAndere die Vortrefflichkeit der Arbeit selbst bezweifeln, die Meisten gleich-\ngültig sich wenig darum bekümmern = was hilft es da, eine Theorie auf-\nzustellen? ° ©OO\n0 In solchen Fällen bedarf es eines Fürsten, welcher befiehlt, weil er\nein Gefühl von demWerthe des Mannes hat. Dies Gefühl aber muß in\nseinem eigenen Herzen wachsen. Die Anerkennung eines großen Künstlers\nist bei seinen Lebzeiten fast immer Parteisache. Jeder beansprucht die\nFreiheit, auf die eine oder die andere Seite zu treten, und es liegt in der\nNatur der Dinge, daß auch die, in deren Händen die höchste Gewalt ist,\nihrem eigenen Geschmacke folgen. © © ©\n0 Es sind gewisse Irrthümer gäng und gebe von der Kunstbeschützung\ndurch große Fürsten. Die Zeiten der Medici und Ludwig des Vierzehnten"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2313, "texte": "sind sprichwörtlich geworden. Es ist wie mit Troubadours und Minne-\nsängern. An diese goldenen Tage der Kunst kann der nur glauben, der sie\nnicht besser kennt. Wer die Geschichte von Florenz genauer studirt hat,\nweiß, daß das Mäcenatenthum der Medicäer einen sehr geringen Einfluß\nauf die Entwicklung der italienischen Kunst ausübte. Was der erste\nCosmo und sein Enkel, der sogenannte Lorenzo der Prächtige, thaten\n(diese Benennung beruht darauf, daß man den ganz allgemeinen Titel\n„magnifico ’ für einen besonderen Beinamen hielt und übersetzte), ist aller-\ndings ein Zeugniß, daß beide Männer Geschmack und Liebhaberei an der\nKunst besaßen, allein neben den allgemeinen Bestellungen des gesammten\ndamaligen Publicums sind die ihrigen nicht hervorragend. Lorenzo’s\nBruder, der verschwenderische Papst Leo der Zehnte, regierte allerdings\nzu der Zeit, wo Rafael und Michel Angelo in Rom ihres blühendsten\nRuhmes genossen, allein es ist bekannt, daß diese beiden ihre größten\nBestellungen von Leo’s Vorgänger, dem alten Giulio 11., erhielten, einem\nwilden, kriegerischen Greise, dem wenig an der Kunst lag, aber der für\nKünstler ein Auge hatte und das Ungeheure zu würdigen wußte, das die\nei en Maler zu leisten im Stande waren. Rumohr deutet mit vollem\nRechte darauf hin, daß Leo X. diese Männer keineswegs so beschäftigte,\nwie ihr Talent es verdient hätte. ©©©\n© Gemälde waren damals ein Besitz, auf den man stolz war. Daher der\nu Schwung, den die Kunst nahm. Kein Mensch dachte etwa daran, die\nr Svon Staatswegen zu protegiren und aus anderen Rücksichten mit\nAuttragen zu versehen, als weil man an ihren Arbeiten persönlich Freude\natte. Wenn man liest, wie Franz der Erste von Frankreich, wie der\napst, der Kaiser, die Cardinäle bestellten und bezahlten, und daneben\nhar’ was Kirchen, Klöster und Privatleute ebenfalls bestellten und be-\nza Iten, so sieht man, daß die großen Herren nur als Theile des Publicums\nmi* u tu1?6*1?.611 Strome schwammen, daß sie mehr auszugeben hatten\nund desnalb berühmte Künstler mehr in Anspruch nehmen konnten, aber\nsie bezahlten doch immer nur die Bilder, die sie sich malen ließen, kein\nGedanke an eine Förderung der Kunst aus höheren Staatsrücksichten.\nwenn üie Künstler etwas geworden waren, verlangte man ihre\nlenste. Jugendliche Kräfte wurden von bedeutenden Fürsten erkannt"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2302, "texte": "und unterstützt, jedoch weil sie sie für sich benutzen wollten. Es war eine\nLiebhaberei, für die man das Geld hingab und die passenden Leute erzog.\nErst nach und nach, als aus dem lebendigen Genüsse an großen Kunst-\nwerken eine todte Prahlerei und ein Luxus ward, entstanden Akademien,\nauf denen in bestimmter Weise junge Talente nicht zu freien Künstlern,\nsondern eher zu Decorateuren erzogen wurden, die der Mode gemäß die\nKirchen und unendlichen Schlösser der Fürsten mit weitläufigen Male-\nreien bedeckten, wo denn die Schnelligkeit der Arbeit und ein gewisser\nEffect der Behandlung die beiden Hauptpunkte waren, auf die es ankam.\nLegionen heiliger Gestalten sowohl, als mythologischer Figuren sind so\nin größeren oder kleineren Gruppen entstanden und sehen uns jetzt mit\nihren glänzenden und leeren Augen an, wenn wir sie an den Wänden und\nDecken der Säle finden, wo Niemand sie wegnimmt, weil Niemandem an\nihrem Besitze gelegen ist. © © ©\n0 Solche Resultate sind die nothwendigen Folgen, wenn die Staatsge-\nwalt in Dinge hineingezogen wird, die nur in dem freien geheimnißvollen\nGefühle bevorzugter Menschen ihr Gesetz und ihre Regel finden. Ein\nKünstler schafft etwas, was Niemand kannte, ehe er es hinstellte, er\nbringt das Neue hervor, er allein weiß die Wege, die dahin führen. Wie\nkönnen ihm da bestellte Lehrer eine Anleitung geben? Man kann die\nMaschinenkunde lehren, aber man kann Niemanden lehren, eine neue\nErfindung zu machen. Man kann eine Concurrenz ausschreiben und einen\nPreis aussetzen für die Erfindung einer neuen Maschine, die bestimmte\nDienste leistet, aber man kann nicht einer Anzahl junger Leute eines\nMorgens sagen; Es soll heute eine Maschine für diesen bestimmten\nZweck erfunden werden; setze sich jetzt Jeder in ein verschlossenes\nZimmer und strenge seinen Geist an; wer die beste Maschine erfindet,\nder erhält alle Jahre 700 Thaler drei Jahre lang, und der Staat spricht da-\nmit die Erwartung aus, er werde in diesen drei Jahren so viel neue Er-\nfindungen machen, um künftig davon leben zu können ohne weitere\nStaatsunterstützung. Und nun denke man eine große Anzahl junger Leute,\ndie alle wissen, daß die Erlangung eines solchen Preises möglich sei, und\ndarauf hin alle ihre Gedanken richten. © © ©\n© Bei der Construction einer Maschine aber läßt sich wenigstens eine"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2345, "texte": "scharfsinnige Verwerthung gelernter Elemente denken, und es wäre bei\neiner solchen Concurrenz der gewandteste, geschickteste, fleißigste an-\nnähernd zu erkennen; bei einer Kunstaufgabe jedoch ist dies anders. Der\nbloße Zwang, momentan ein Kunstwerk schaffen zu sollen, wird vielleicht\ngerade den fähigsten unfähig machen. Das Bewußtsein, wie viel von dem\nGelingen dieser Arbeit abhängig sei, wird die Befangenheit vermehren.\nDas Bild, welches das Geschenk eines erleuchteten Momentes sein sollte,\nwird der trostlosen Stimmung abgepreßt, in die die Seele durch den an-\ngethanen Zwang versetzt wurde. Schüler können nicht concurriren.\nMeister können es, gelernte, erprobte Männer können mit ihren Lei-\nstungen sich zu überbieten suchen, dies hat Sinn und Erfolg, wenn große\nMänner und große Aufgaben da sind; Anfänger können stets nur in dem\ngeprüft werden, was sie gelernt haben. Man sage, derjenige, der den\nbesten Act gezeichnet hat, die beste Portraitzeichnung liefert, soll eine\nBelohnung erhalten; aber nicht, derjenige, der unter Verschluß die beste\nComposition zu Stande bringt, von Staatswegen zum Künstler erklärt und\nnach Italien geschickt werden. © © ©\n© Jeder Gedanke an eine künftige Unterstützung muß den Schülern der\nAkademie genommen werden. Dagegen erhalten sie Anweisung, wenn\nsie wollen, das Zeichnen nach der Natur in jeder Richtung gründlich zu\nlernen. Ornamentik, Anatomie, Perspective werden von den besten\nLehrern in der besten Weise gelehrt. Es bleibt den Lernenden überlassen,\nsich dem zuzuwenden, was sie besonders anzieht, was für ihre künftige\nCarriere am geeignetsten ist. Der Lithograph, der Kupferstecher, der\nHolzschneider, der Decorationsmaler, der technische Künstler findet Ge-\nlegenheit, sich in dieser Akademie auf eine Weise zu unterrichten, wie\nnirgends sonst, der Maler erwirbt sich die solideste Grundlage. Kein\nSchüler, der das hier Gebotene gelernt hat, wird dadurch für die gewöhn-\nliche bürgerliche Laufbahn eines höheren Handwerkers unbrauchbar ge-\nmacht, Niemand darf in Zukunft sagen, er habe auf dieser Schule Ideen\neingesogen, durch welche seine gesunde Urtheilskraft auf falsche Ge-\ndanken verlockt und in dieser gefährlichen Bahn vorwärts getrieben sei,\nstatt auf das Natürliche und Wahre hingewiesen zu werden. Das Wahre\naber ist, daß zur Kunst Genie gehört, und daß es kein Kennzeichen eines"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2321, "texte": "zukünftigen Genies giebt. Man kann bei keinem Talente wissen, wie weit\nsich seine Kraft erstrecken werde. Leute, welche bei achtzehn bis zwanzig\nJahren einer gewaltigen Zukunft entgegenzueilen schienen, machen plötz-\nlich Halt und bringen es zu nichts weiter; andere, die albern und unfähig\nscheinen, entwickeln sich plötzlich. Wie vielen bedeutenden Geistern hat\nman nicht in jeder Weise den Weg verbauen wollen, den sie trotz allen\nHindernissen dennoch einschlugen: man glaubte, sie warnen zu müssen,\nweil ihnen alle Befähigung abzugehen schien; wie viele andere hat man\nin ieder Weise gefördert, und sie standen dennoch still, und all das goldene\nHeu das man ihnen vorhielt, lockte sie nicht einen Schritt weiter vor-\nwärts == ©o©\n& Der Schüler der Akademie muß nicht nur handwerksmäßig unter-\nrichtet, sondern geistig auf die rechte Höhe gehoben werden, damit er in\nsich selbst später einmal ein Gegengewicht gegen das einseitige Streben\nfindet in das Jeder hineinkommt, der eine einzige Sache eifrig betreibt.\nFehlt’die Freiheit des Geistes, so ist die größte Begabung in Gefahr,\nmittelmäßige Früchte zu tragen. = = ©©©\nO Einem gebildeten Manne impomrt nichts als geistige Große. Er be-\nquemt sich den Verhältnissen an, aber er unterscheidet stets den Werth,\nder von innen heraus den Dingen innewohnt, und den, der ihnen von\naußen anklebt. Den Trieb, sich nicht einseitig als Maler, Gelehrter, Bild-\nhauer Componist, sondern allseitig als Mensch zu fühlen, finden wir bei\nallen ausgezeichneten Künstlernaturen. Michel Angelo hat tiefsinnige Ge-\ndichte geschrieben, er wußte ganze Gesänge aus Dante auswendig, er hielt\nphilosophische Vorträge in der Florentiner Gelehrten-Akademie. Nicht\nbei ihm allein vereinigten sich Architektur, Malerei, Maschinenkunde und\nSculotur eben so gut bei Rafael, Lionardo da Vinci, Brunelleschi und vielen\nAnderen’ Sie waren das, wozu man im Momente gerade einen Mann\nbrauchte. Lionardo bietet dem Herzoge von Mailand seine Dienste an.\nMan sollte meinen, ein solcher Mann hätte vor allen Dingen Maler sein\nmüssen- er aber rühmte in erster Linie seine Brauchbarkeit als Kriegs-\nund Brückenbaumeister. Die Malerei und Sculptur werden am Ende des\nBriefes erwähnt, fast wie Nebensachen. Wie konnte Da Vinci die göttliche,\nideale Malerei, in der er so groß war, einer gewöhnlichen handwerks-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2347, "texte": "mfßuigeil Tlhä%keit nachsetzen? Als wenn das Malen von Bildern eine\nsolche Notwendigkeit gewesen wäre! Diese Männer malten, wenn man\nBilder forderte, bauten, wenn man Paläste, Kirchen oder Festungen\nbrauchte, trieben Musik, Mathematik, secirten Leichname, lasen, dichteten\nund lebten im großen Leben. Erst später, als die Künstler der Mode und\ndem Geschmack der Höfe zu dienen anfingen und auf Titel und Pensionen\nauswaren, fing man an, eine so niedrige Ansicht von der Kunst zu hegen\ndaß man sie für eine Fertigkeit hielt, deren Geheimnisse sich aufstöbern\nun weitergeben ließen. Die besten Künstler suchten auch da immer noch\nihre Unabhängigkeit zu wahren. Gerade der Kunst- und Litteratur-\nbeschutzer Ludwig der Vierzehnte ließ den großen Dichter Corneille und\nen großen Maler Lesueur verkommen, während ihre geringer begabten\nNebenbuhler glänzend bedacht wurden. ©OO\n0 Sagt man das jungen Leuten, trägt man ihnen eindringlich vor, wie\nvon Anfang an die Kunst ihre selbstgewählten, wunderbaren Wege ging,\nso wird ihnen ihre eigene Stellung klarer werden und die Zurückhaltung\n_^r aa!-.sf?wa^..a^s e*n Act der höchsten Gewissenhaftigkeit erscheinen.\n© Natürlich müssen die, welche diese Lehren vortragen, ausgezeichnete\narmer sein, deren Worte Eindruck machen, die nicht Tag für Tag lange\nb unden ihre Vorlesungen halten, sondern nur einigemal in der Woche,\nru morgens vor den praktischen Arbeiten oder Abends, wenn sie vollendet\nsmd; keine Vorträge zum Nachschreiben, sondern zum Nachdenken. Es\n, lamc , später ein Examen angestellt werden über diese Dinge, der\nZuhörer soll nur von ihnen ergriffen sein, und das, was er hört, als neu,\nwie ig und nothwendig kennen lernen. Diese Vorträge, gerade weil sie\ntur ein ment gelehrtes, jugendliches Publicum sind, müssen einen ener-\ngisc en Lnarakter haben, und von den Männern, die berufen werden, um\nsie zu halten, hängt viel ab. Es müssen thatsächliche Nachrichten über den\nBildungsgang früherer Künstler, über die Entstehung, die Schicksale, den\nmomentanen Aufenthaltsort und den Zustand ihrer Werke gegeben, es\nmu gesagt werden, mit welchen Entbehrungen, allgemeinen Irrthümern,\neigenen Täuschungen und Quälereien aller Art gerade die größten Männer\nZU-!irnlP eS'ih^tJn’ le lanSsam sie sich emporarbeiteten, wie ihr uner-\nmüdlicher Fleiß das Einzige war, was sie tröstete, bestärkte und vorwärts-"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2379, "texte": "brachte =: denen, die das von beredten Lippen vorgetragen hören, wird\nallmählich ein Licht aufgehen über sich selbst. Die jungen Männer werden\nsich in der Stille fragen, ob sie solchen Anstrengungen gewachsen, solcher\nAusdauer fähig seien, und mancher, der, vielleicht von verworrener Eitel-\nkeit weiter getrieben, später als Maler verdorben wäre, wählt in selbst er-\nkennender Bescheidenheit ein ehrendes Handwerk, bei dem er weder zu\nhungern, noch zu betteln braucht Wird neben der Geschichte der Kunst\nund der Künstler zugleich die Geschichte der höheren Handwerke vorge-\ntragen, wozu in den hiesigen Sammlungen die ausgezeichnetsten Hülfs-\nmittel daliegen, so steigt in den Augen der Unterrichteten das Handwerk\nselbst immer höher, und die Einsicht greift um sich, wie ein künstlerisches\nTalent, das zu genialer Production doch zu schwach ist, im Bereiche des\nHandwerks die ehrenvollste Stellung finde. Dieses vernünftige Zurück-\ntreten war ein Zeichen des freien praktischen Sinnes im Zeitalter der Re-\nformation und der damaligen Kunstwirthschaft. Der Unterschied zwischen\nKünstler und Handwerker existirte kaum. Alle Künstler waren Hand-\nwerker, viele Handwerker zugleich Künstler. Auch jetzt leitet ein allge-\nmeines Gefühl uns wieder zu der Ansicht hin, daß es bei allen Zweigen\nder Thätigkeit nicht so sehr darauf ankomme, was ein Mann betreibe,\nsondern wie er das betreibe, dem er seine Kräfte gewidmet hat. Dies muß\nden Schülern eingeprägt werden, und zwar so, daß sie die inneren Gründe\nempfinden, auf denen das Raisonnement beruht. Nicht wie Schüler im\nGymnasium, sondern wie Studenten auf der Universität werden sie in\ndiese Anschauungen eingeführt. = = © © ©\n0 Gerade in dem Momente, wo der Künstler seine ersten selbstständigen\nVersuche macht, fängt der Rath eines Meisters und die Beobachtung\nseiner Art die Dinge anzugreifen, für ihn an, entscheidende Wichtigkeit zu\nerhalten. Wer sich jetzt selbst überlassen bliebe, um allein vorwärts zu\nkommen, würde im besten Falle zeitraubende Umwege machen. Es be-\nginnt die Schülerschaft im höheren Sinne, wie ein junger Gelehrter, nach-\ndem er die Universität hinter sich hat, der Schüler einer bedeutenden Kraft\nwird, der er selbstständig nacharbeitend sich anschließt. Ebenso der\nKünstler. Rafaels erste Bilder sehen beinahe wie Copien Perugino's aus.\nMan gab ehedem die jungen Leute bei einem erprobten Maler in die"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2381, "texte": "Lehre. Sie halfen früh an der Arbeit, sie machten eine handwerksmäßige\nLaufbahn durch und lernten allmälig auf eigenen Füßen stehen, bis sie\nsich ablösten und nach eigenem Gutdünken weiter studirten. © © ©\n© In der Bildhauerei pflegt es auch jetzt noch so gehalten zu werden.\nDer Lehrling wird in ein Atelier aufgenommen. Er lernt die Werkzeuge\ngebrauchen und hilft bei der Arbeit. In der Malerei ist dies leider anders.\nBöten sich nicht so selten große Wände dar, die zu bemalen sind, so würde\nhier dieselbe Schülerschaft eintreten. Sie thut dies auch, sobald derartige\nAufträge den Meister nöthigen, sich nach Hülfe umzusehen. Allein das\nGros unserer Künstler besteht in Genre- und Landschaftsmalern, dazu die\nPortraitmaler, alle drei können sich nicht helfen lassen. Sie können\nhöchstens das Unterweisen in ihrer Kunst als einen besonderen Neben-\nzweig ihrer Beschäftigung ansehen und Schüler annehmen, deren Arbeiten\nsie beurtheilen oder die ihnen bei der eigenen Arbeit Zusehen. © © ©\n© Will der Staat seine Vorsorge so weit ausdehnen, daß der angehende\nKünstler gute Meister finde, die ihn belehren, wie er mit Farben umzugehen\nhabe, und deren Art zu arbeiten ihm als anfängliches Muster diene, so setze\nman die tüchtigsten Maler und Bildhauer mit der Akademie in Verbindung,\ngebe ihnen eine ehrenvolle Stellung als Anerkennung ihrer Leistungen (eine\nschöne Art, bedeutende Künstler vor den Sorgen des Alters zu bewahren)und\nlege ihnen dafür die Verpflichtung auf, den ehemaligen Schülern der Akade-\nmie, welche Maler und Bildhauer werden wollen, ihren besonderen guten\nRath zu ertheilen. In welcher Weise dies geschieht, bleibt doch immer den\nUmständen überlassen. Es wird auf die beiderseitigen Persönlichkeiten an-\nkommen. = = © © ©\n© Wenn heute von der Kunst gesprochen wird, glauben viele, es ließe\nsich capituliren. Es gäbe doch auch eine Kunst, die ohne Begeisterung\nund in gelernter Fertigkeit ausgeübt würde und, weil sie ihren Mann er-\nnährt, ihr gutes Recht hätte zu existiren. Man verstehe Begeisterung nicht\nfalsch. Es kann etwas sehr Kleines, ein Stückchen Landschaft, eine Blume,\nein kleines Genrestück mit Begeisterung, d. h. mit Liebe und Entzücken\nam Gegenstand gemalt sein. Aber wo die fehlen, wo Speculation auf die\nMode und den Geschmack des Publikums Bilder hervorbringen, da ist ein\nKunstwerk unmöglich. Nur das Werk kann entzücken und befriedigen, das"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2373, "texte": "den Meister selbst entzückte und befriedigte. Darin liegt das Belehrende\nder alten Kunst, selbst der des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts\nnoch daß ihre Werke die Lust oder das Behagen umschwebt, mit dem sie\ngeschaffen worden sind. Bei einer Landschaft Claude Lorrain’s ist einem\nzu Muthe, als sei es unmöglich, daß der Künstler den Genuß, solche Blicke\nin die Weite mit solcher Luft und solcher Sonne zu malen, nicht jedem\nanderen Genüsse vorgezogen haben müßte. Diese Empfindung hat man\naber nicht allein bei den Werken hervorragender Künstler, man hat sie\noft bei geringen handwerksmäßigen Arbeiten, die mit einer Sorgfalt aus-\np-eführt sind als hätte sie der Meister nur ungern aus den Händen gegeben.\nWie viele Miniaturen giebt es, von deren Künstlern nichts übrig ist als der\nName, oder der nicht einmal, und die so vollendete Kunstwerke sind im\nhöchsten Sinne, daß die Arbeit den Mann beglückt und schon in sich selbst\ngemacht haben muß. Man kann diese stille Zufriedenheit im eigenen\nSchaffen Niemandem verleihen. Ich bilde mir nicht ein, es sei möglich,\neine Schaar iunger Leute mit diesem Geiste zu erfüllen. Aber es muß da-\nvon mit Würde gesprochen werden, damit diejenigen wenigstens, die die\nächte Anlage besitzen, in ihr bestärkt und andere vielleicht auf die richtigen\nWege geleitet werden. Worte vermögen nichts, Worte vermögen Alles.\nIch weiß, daß, wenn sich gereifte Leute an ihre Jugend erinnern, nichts so\nglänzend in ihnen lebendig blieb als der Umgang mit Lehrern, deren\nWorte und deren Geist sie bewahrten. Deshalb treffe man eine gute Wahl\nund gebe den Männern eine freie, würdige Stellung, damit ihr lebendiges,\nunbekümmertes Gefühl in die Herzen derer einfließe, denen sie so nützlich\n«Pi« können =::\n_ _ Die Wahrheit, daß die Zeichenkunst Grundlage aller Kunst sein\nmüsse, wird mit der praktischen Energie, mit der sie durchgeführt wird,\neinen wunderbaren Einfluß haben. Nur bei einer vollendeten Sicherheit der\nHand ist ein richtiger Ausdruck der Ideen möglich. Ein Gang durch eine\nAusstellung neuerer Werke zeigt, wie sehr dieses erste Erforderniß der\nKunst heutzutage vernachlässigt wird. Hier kann etwas gelehrt wei den.\nDies ist der Punkt, wo der Staat wirklich im Stande ist, den Schülern eine\nTüchtigkeit zu verschaffen, die ihnen unter allen Umständen den größten\nNutzen gewährt, hierdurch sowie durch das Studium der Anatomie, der"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2327, "texte": "Kunstgeschichte und der politischen Geschichte, mit lebendiger Erklärung\nder m Museen und Sammlungen aufgeschichteten Kunstwerke, wird dem\nUnheil entgegengearbeitet, das sich in unseren Tagen überall zeigt, wo die\nKunstverhältnisse eines Landes näher betrachtet werden. Ich erinnere an\ndie Rede, welche soeben der französische Staatsminister bei Gelegenheit der\nPreisaustheilung in der Schule der schönen Künste zu Paris gehalten hat.\n„Jeder isolirt sich bei seiner Arbeit,” heißt es darin, „sucht die praktische\nUescmckhchkeit zu erwerben und vernachlässigt darüber den Gedanken.\nles raubt den Kunstwerken unserer Zeit ihre harmonische Zusammen-\nwirkung. Ich fordere Sie auf, mehr allgemeine Studien zu betreiben und\nsich nicht blos um das Zunächstliegende zu bekümmern.” Diese Aussprüche,\nwie die ganze Rede ist eine sachgemäße Anerkennung der Lage der Dinge.\n, r.Um er Fould nicht einen Schritt weiter und erkennt,\ndaß die auf öffentliche Eitelkeitsbefriedigung hinauslaufende Einmischung\nes Staates in das Schicksal junger Leute, die erst Künstler werden wollen\no er sollen, der Grund des Uebels sei? „Ich wünschte,” sagt er, „daß ein\nguter Baumeister die Werke der Malerei und Sculptur, welche sein Ge-\nbäude zieren sollen, wenn auch nicht selbst schaffen, so doch mit tiefer\nBinsicht beurtheilen könne, daß Bildhauer und Maler in die Gesetze der\nArcmtektur emgeweiht wären, um die Wirkung ihrer Werke an dem\nrdatze, für den sie bestimmt sind, beurtheilen zu können. Es ist in der\nfv.U er a S rll, er^ndustrie, wo die Theilung der Arbeit Wunder\nj u *?. e* \"uns* folgt die Vollendung des Ganzen nicht nothwendig aus\nr enc*un£ einzelnen Theile; ein Kunstwerk ist lebendig, das Ge-\nmm dieses ihm innewohnenden Lebens erweckt die Begeisterung und\nsic in geheimnißvoller Weise schöpferisch geltend.” So fährt er\nlauter goldene Regeln, aber dergleichen sollte man jungen Leuten\nvnllpnHp^8 vorwurfsvollem Tone zu sagen haben, wenn deren Erziehung\nS « ?nud’ Wle der Minister seihst eingesteht, in einer Weise vollendet\nanf TJt wl gUtu Lehren ihnen als unerreichte fromme Wünsche mit\n«Staat#* er,=.l werden müssen, sondern die Erziehung in der vom\nSnprialftät Tz^nstia 1 Sollte VOn Anfan£ an> abgesehen von der späteren\nCl Irl df Kunstlers, eine allgemeine Bildung der Hand, des Auges\nund des Geistes zu verleihen suchen. = = © © ©"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2261, "texte": "0 Empfänden wir als Nation den Drang nach dem Besitze von Kunst-\nwerken, wie die Griechen ihn empfanden, hätten wir im Lande einen\neinzigen gemeinsamen Cultus, welcher ohne die äußerlichen Bildnisse\nangebeteter und verehrter Persönlichkeiten nicht bestehen könnte, wie\ndies zu den Zeiten der italienischen Kunstblüthe der Fall war, so könnte\nvielleicht die Erziehung der Künstler zur Staatsangelegenheit werden,\nobgleich sie es weder in Griechenland noch in Italien gewesen ist. Allein\ndie heutige Kunst, die in der freien Phantasie der Künstler lebt und dieser\nWillkür bedarf, um lebendige Früchte zu tragen, die nur in der geistigen\nBefriedigung derer, welche sie ausüben, und im Genüsse derer, welche\ndie Kunstwerke erwerben, ihre Existenz findet, diese Kunst kann unmög-\nlich für den Staat zum Gegenstände der Vorliebe hingestellt werden, so\nwenig als sogar die Dichtkunst, welche doch von allen Künsten am\nhöchsten steht. ©©©\n0 Treten Künstler (Dichter, Maler, Bildhauer, = oder welcher Stoff\nnun immer zum Träger ihrer Ideen auserkoren wurde) in einem Lande\nauf, ist die Kraft derselben so umfassend und tief, daß ihre Schöpfungen\nzu einem Theile des allgemeinen geistigen Reichthums werden, dann\nbietet die Stellung, welche solche Männer einnehmen, keinen Maßstab für\ndie Behandlung weniger begabter Naturen. Weder ihr hoher Rang (wenn\ner ihnen eingeräumt wird) noch ihre Verlassenheit (wenn ihnen diese zu\nTheil wird) giebt für Andere eine Präjudiz ab. Solche Geister haben ihre\neigenen unberechenbaren Schicksale. Meistentheils ist es großen Dich-\ntern und Künstlern elend genug ergangen. Daran ist jedoch weder die\nBosheit der Menschen noch die fehlerhafte Einrichtung des Staatsorga-\nnismus Schuld gewesen. Der Grund liegt darin, daß solche Männer dem\npraktischen Leben des Tages wirklich nichts bieten können, sondern als\nallgemein wirkende große Mächte dastehen. Während sie, an die Jahr-\nhunderte denkend, den Tag vergessen, rächt sich der Tag und verweigert\nihnen das, was er denen so reichlich gewährt, welche ohne Gedanken\nan nachher und vorher der Gegenwart mit allen Kräften zu dienen be-\nstrebt sind. © © ©\n0 Nehmen Männer den Thron des Landes ein, welche die höhere Nütz-\nlichkeit dieser Geister empfinden und den Ruhm im Voraus fühlen, den"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2224, "texte": "sie einst auf ihre Zeit ausgießen werden, so ziehen sie diese Träger der\nhöchsten Gedanken auch äußerlich zu der Höhe empor, die ihnen zu-\nkommt. Treffen in solcher Weise Fürsten und Künstler zusammen, dann\nentstehen große Aufgaben, große Werke, große Belohnungen. Es war der\npersönliche Wille Karl August’s, als einer großartigen Natur, nicht aber\nseine Gewissenhaftigkeit als Landesherr, welche Weimar mit so viel\ndichterischem Glanze geschmückt hat. Diese Neigung hätte sich mit dem-\nselben Rechte auf Malerei, Musik oder Gelehrsamkeit werfen können. Ja\nhätte er sich um dieses Alles wenig gekümmert, er wäre ganz derselbe\ngeliebte und charakterfeste Regent gewesen; nur daß ihn dann die Nach-\nwelt nicht mit den Männern zugleich genannt hätte, von deren Namen\nder seinige unzertrennlich bleibt. © © 0\n© Ueberall, wo etwas Großes in der Kunst geschah, handelte es sich um\nfreiwilligen Antheil von beiden Seiten; das Gefühl des Fürsten für das\nGroße, und der Wunsch der Künstler, diesem Gefühle Genüge zu leisten,\nbegegneten sich, und jedesmal war dieses Zusammentreffen so wunder-\narer Art, daß sich für etwanige folgende Fälle keine praktischen Regeln\ndaraus ableiten lassen. © © ©\n© Unsere Kunst, nicht allein die bildende, sondern im umfassendsten\nSinne gesprochen: die Kunst hat sich losgelöst von den alten Ueber-\nle erungen, welche drei Jahrhunderte lang in organischer Aufeinander-\nvorhegen. Das Persönliche, der Gedanke ist wieder so mächtig ge-\nworden, daß die alten Formen plötzlich verlassen wurden. Umhertastend\nim Ungewissen, sucht Jeder für sich einen Ausdruck seiner Ideen zu finden,\nirgends aber ist bis jetzt eine dieser neuen Formen so mächtig erschienen,\naß man sich mit Bewusstsein an sie anlehnen und eine Zukunft auf sie\nstutzen konnte. Nur der Instinkt leitet den Einzelnen dahin oder dorthin.\nWer etwas gefunden zu haben glaubt, mag Gleichgesinnte heranzuziehen\nVi r?’- a°es e3ne dieser Richtungen scheint mir stark genug, um\nals die Keimträgerin einer neuen Entwickelung bezeichnet werden zu\nkonn. 000\n§ .er S hießf sicll und dem Vaterlande verzweifeln, wenn man die\nautgeben wollte, daß aus dem momentanen Chaos eine höhere\nKunst hervorgehen würde, höher, als die, welche uns bisher bekannt war."}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1566, "texte": "Ich glaube an eine Entwickelung der Nation in jeder Beziehung, die, einst-\nmals mit früheren Zuständen verglichen, Alles, was bis auf unsere Zeiten\ngeschah und gethan ward, nur als eine Vorstufe erscheinen läßt. Für die\nklareren, großartigeren Ideen, die dann herrschen werden, wird es auch\neines großartigen idealen Ausdruckes bedürfen, und die Kunst wird dann\nwieder als eine Nothwendigkeit und als das schönste Denkmal des\ngeistigen Lebens eintreten und Niemand mehr um ihre Entwickelung\nin Sorgen sein, weder die Künstler, die dann vom Volke begehrt und\nbeneidet sind, noch die Regierung, welche dann mit ihren Aufträgen den\nAnderen zuvorzukommen suchen wird. 000\n0 Die von mir vorgeschlagenen Einrichtungen fasse ich in folgende\nSätze zusammen: © © ©\n0 Eine Akademie der Künste mit zwei Stufen der Belehrung. 000\n0' Die erste eine Zeichenschule mit nebenherlaufender Schulbildung. 0\n0 Der Unterricht ist gratis und entspricht dem Unterrichte der Gym-\nnasien. © © ©\n0 Die zweite eine Schule, wo das freie Handzeichnen die Grundlage\nder technischen Bildung, Vorlesungen die Grundlage der geistigen Aus-\nbildung sind. © © ®\n0 Diese beiden Theile, der technische wie der geistige, werden mit\ngleicher Wichtigkeit behandelt. © © ©\n0 Der Unterricht ist nicht gratis und entspricht den auf der Universität\ngetriebenen Studien. .. 00©\n© KUNST WIRD ALS ÜBERHAUPT NICHT LEHRBAR AUF\nDER AKADEMIE NICHT GELEHRT, SONDERN NUR DAS DAR-\nGEBOTEN, WAS EIN KÜNSTLER LERNEN KANN, BEVOR ER\nDIESEN NAMEN TRÄGT. 00©\n0 DIES WIRD SO GRÜNDLICH GELEHRT, WIE IN KEINER\nANDEREN ANSTALT. ©o©"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.28", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 332, "texte": "0 Für diejenigen, welche sich aus freiem Entschlüsse zu Künstlern be-\nstimmen, ist Gelegenheit da, sich in den Ateliers bedeutender Meister\nRath und Belehrung zu holen. © © 0\n© In Rom wird ein Haus eingerichtet, wo ehemalige Schüler der Aka-\ndemie freie (oder billige) Wohnung, ein Atelier und eine Bibliothek finden.\n\nHERMAN GRIMM."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-02-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-02-01_01#c004", "volume": "bmtnabf_1903-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "45", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.2.3.1", "titre_corps": "Initial", "titre_sommaire": "Initial", "signature_source": "Leopold Stolba OM", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.5", "debut_caractere": 1829, "fin_caractere_exclue": 1864, "texte": "Initial gez. von Leopold Stolba OM."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-02-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-02-01_01#c005", "volume": "bmtnabf_1903-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "68", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.2.3.2", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "Ludwig von Hofmann CM", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.28", "debut_caractere": 334, "fin_caractere_exclue": 374, "texte": "Für V. 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BACKHAUSEN\n& SÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\n□\n□\nFABRIKEN FÜR TEPPICHE, MÖBEL=\nSTOFFE, TISCH= UND BETTDECKEN\n□ IN WIEN UND HOHENEICH □\nNIEDERLAGE:\n□ □ WIEN, I. OPERNRING 2 □ Q\n(HEINRICHSHOF)\n• ••••••••••\n□ '\n□ '\n□ '\n□\n□\n□\n□\n□\n□\ne\n□\n□\n'□\n□\n'□\n'□\n'□"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-02-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-02-01_01#c009", "volume": "bmtnabf_1903-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 33, "image_fin": 33, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.2.7", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 33, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.33", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 802, "texte": "■□□□■□□□■□□□■□□UBUUUBUUUBUUUB\n□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■fl\n□□■□□□■□□□■□□□■□□□■□□□■□□□■□fl\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\nAUERLICHT.\nTELEPHON 1063\n□DBzEBTRiLE: ,v SCMLE,FMOHLOMS‘4\nnn\n□■□\n■nn\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\n□□\nVERKAUFSSTELLEN:\n□ 1., FISCHHOF 3, Telephon Nr. 12465 □\n11., TABOR STRASZE 4, Telephon Nr. 15080\n□ □ □ 111., HAUPTSTRASZE 23 □ □ □\nVII., ANDREASGASSE 9, Telephon Nr. 9122\n□ VIII., JOSEFSTÄDTERSTRASZE 64 □\nIX., NUSZDORFERSTR. 19, Teleph. Nr. 12797\n□ sowie bei den meisten Gasinstallateuren □\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□l\n□BQ LAMPE exklusive Montage und Bedachung K 4.50 □■□\nII )■ SPARLAMPE exkl. Montage und Bedachung K 3.90 ■□□\n□■□ GLÜHKÖRPER kostenfrei ins Haus gestellt K 1.- □■□\nSPAR-GLÜHKÖRPER 80 Heller O □ □ □ O □□■\n■nHnynnnßmn«\"Hn«mn«am«nmß"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-02-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-02-01_01#c010", "volume": "bmtnabf_1903-02-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "74", "page_fin": "74", "image_debut": 34, "image_fin": 34, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.2.8", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 34, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.34", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 238, "texte": "!□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□\nO\nID\n□\nI\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nGLASMALEREI\nCARL GEYLING3 ERBEN\nGEGRÜNDET 1841\nWIEN,\nVI. 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BAKALOWITS\nSÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\nWIEN, I. KÄRNTNERSTRASZE 12\n□ SPIEGEL, KRISTALLÜSTER, □\n□ TRINKSERVICES, PHANTASIE= □\n□ OBJEKTE ETC. □\n>• • •\n• • •\n• •\n• • i"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.1", "texte": "MITTEILUNGEN DER VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\n1903 HEFT 3\nVER SACRUM"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[43]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.3", "texte": "SECESSION\nMITTE HUN-\nGEN DER VER'\nEINIGUNG\nBILDENDER\nKünstler\nÖSTERREICHS\nVER SACRUM\nHEFT 3\n1. FEBRUAR\n1903\nDAS REDAKTIONS-\nKOMITEE:\nMAX KURZWEIL\nKOLOMAN MOSER\nALFRED ROLLER\nLEOPOLD STOLBA"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.5", "texte": "DIE AKADEMIE DER KÜNSTE UND DAS VERHÄLTNIS DER KÜNSTLER ZUM STAATE.\nvon Herman Grimm\n\n==== = Die Aufgabe, die ich mir\nhier gestellt habe, ist nicht, die wun-\nden Flecke der Akademie heraus-\nzufinden und anzugreifen. Es giebt\nkeine Sache, gute oder schlechte, die\nsich nicht glänzend angreifen und\neben so glänzend vertheidigen ließe.\nWollte derjenige, dem wirklich eine\nVerbesserung dieser Dinge am Her-\nzen läge, zu tadeln beginnen, wollte\ner Einrichtungen und, was die noth-\nwendige Folge wäre, Persönlichkeiten\ndem Urtheil der öffentlichen Meinung unterwerfen, so würde daraus wenig\nErsprießliches erwachsen. Eine Menge hochgeachteter Namen werden als\nMitglieder der Akademie genannt. Manchem gekrönten Concurrenten ge-\nschah ein wirklicher Dienst mit seinem Reisegelde, Mancher lernte etwas\nauf der Akademie und bewahrt ihr ein dankbares Andenken = trotzdem,\neine Reform ist nöthig, dies wird anerkannt; lassen wir deshalb die Aka-\ndemie in ihrer jetzigen Gestalt völlig bei Seite, und fragen wir anders. An-\ngenommen, es existirte eine solche Staatsanstalt noch nicht; es sollte eine\nerrichtet werden, Geld und guter Wille seien vorhanden, was wäre zu thun,\num dasjenige Institut herzustellen, das, den allgemeinen Wünschen und\nden besonderen Bedürfnissen entsprechend, mit Recht den Namen „König-\nliche Akademie der Künste” führen dürfte? ©OO\n© Welches würde seine Idee sein? = Die Idee eines öffentlichen In-\nstitutes ist die Summe der Absichten und Erwartungen, die man bei seiner\nGründung hegte oder die im Laufe der Zeit damit verknüpft wurden. Die\nFindung dieser Idee ist die Quelle alles Uebrigen. Oft ist es sehr leicht, sie\nmit deutlichen Worten zu sagen. = = Der Staat bedarf Beamte, Aerzte,\nGelehrte, Prediger, Soldaten, Architekten. Er sorgt dafür, daß diejenigen,\n\nAus einer\nim Jahre 1859\nerschienenen\nSchrift\n\nInitial gez. von Leopold Stolba OM."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.6", "texte": "welche ihm dienen wollen, die beste Ausbildung erhalten, und wir finden\nüberall Institute, in denen dieser Zweck verfolgt und so gut als nur irgend\nmöglich erreicht wird. Mangelte uns eine Bauschule oder eine der ver-\nschiedenen Anstalten, in denen Officiere ausgebildet werden, oder eine\nKlinik für die Unterweisung junger Aerzte, oder irgend eines der vielen\nInstitute, deren Wirksamkeit sich auf alle Gebiete des Staatslebens er-\nstreckt, und die der Heranbildung brauchbarer Männer dienen sollen, so\nwürde sich auf der Stelle das Bedürfniß fühlbar machen und die Er-\nrichtung der fehlenden Anstalt nothwendig erscheinen. In welcher Weise\nstellt sich nun die Errichtung einer sogenannten Akademie der Künste,\nd. h. einer Anstalt, deren Zweck die Ausbildung von Malern und Bild-\nhauern ist, als ein gefühltes Bedürfniß, und die Sorge dafür als eine Pflicht\ndes Staates dar? - o©o\n0 Welches würde ihre Idee sein? Ist eine Anstalt, wo von Staatswegen\njunge Leute zu Künstlern gemacht werden, eine Möglichkeit? Ist sie eine\nMöglichkeit, wie soll dann verfahren werden, um sie zu erreichen? Können\njunge Leute, wenn man sie überhaupt zu Künstlern machen kann, dadurch\n:;ünst*ern gemacht werden, daß man sie von Künstlern unterrichten\nlaßt?\n0 Und was giebt dem Staate dazu ein Recht? Er bildet Beamte, Offi-\naere, Aerzte und so weiter, weil er sie braucht. Er kann sagen, wollt ihr\nmir dienen, so dient mir in der Wreise, wie ich es verlange; aber die so er-\nzogenen Künstler, wenn sie nun fertig erzogen sind und in der vom Staate\napprobirten Kunstrichtung allen Anforderungen entsprechen, was soll\ndann mit ihnen geschehen ? Ist es nicht natürlich, daß sie sagen, ich habe\nso gelernt, wie du wolltest, nun beschäftige mich auch. Soll der Staat ge-\nzwungen sein, nun auch Arbeit zu geben, und zwar genügende, hin-\nreichend, den Mann und die Familie zu ernähren, die er gründen wird?\n© Diese Fragen bedürfen keiner Antwort, das Verhältniß liegt zu Tage.\nDer Staat kann derlei Verpflichtungen nicht übernehmen. Man hat sich\nbisher, so viel ich weiß, damit geholfen, daß man den jungen Leuten beim\nEintritt in die Akademie ausdrücklich erklärte, sie hätten keinerlei Aus-\nsicht am eine spatere Weiterhülfe von Seiten der Regierung. Allein die\nso Gewarnten wissen recht gut, daß diejenigen, welche in der Concurrenz"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.7", "texte": "einen Preis erhalten, auf drei Jahre nach Italien geschickt werden. Natür-\nlich fruchtet bei dieser Verlockung jene Ermahnung sehr wenig. Jeder,\nder in die Lotterie setzt, denkt zu gewinnen. Noch weniger aber steigt\netwa das Bedenken auf, was denn auch diese Gekrönten nach den drei\nJahren beginnen sollen, wenn sie aus Italien zurückkommen. Das wird\nsich Alles finden. Welcher angehende Künstler zweifelte daran, zum\nHöchsten in der Kunst berufen und befähigt zu sein. ©OO\n0 Darf der Staat eine so verführerische Zukunft denen verhalten,\nwelche, mit Talent zur Malerei begabt, von ihren Eltern in eine König-\nliche Anstalt gebracht werden, um dort Künstler zu werden? DARF DER\nSTAAT ÜBERHAUPT ETWAS SO GRUNDFALSCHES ALS\nWAHR HINSTELLEN, DASS KUNST LEHRBAR SEI? UND AUF\nDIESEN FALSCHEN SATZ HIN EINE ÖFFENTLICHE AN-\nSTALT BEGRÜNDEN ?= = ©o©\n0 Was den Künstler macht, ist sein Eigenthum. Nur er kann es pflegen,\nnur er es entwickeln. Er ist von einem gewissen Instinkte begleitet, der\nihn dahin leitet, wohin er kommen muß. © © ©\n0 Indessen wenn die großen Männer und Künstler ihre Kunst auch\nnicht verschenken können, so hat diese dennoch auf beginnende Talente\neinen unleugbaren fördernden Einfluß. Vielleicht könnte man die Formel\nso bilden: der Staat, der für die Ausbildung nicht allein des Guten und\nNützlichen, sondern auch des Großen und Schönen sorgen soll, darf sich\nnicht entgehen lassen, den Einfluß bedeutender Künstler zum Besten be-\nginnender Anfänger in der Kunst auszunutzen. Es ist jetzt nicht von der\nbesonderen Kunstrichtung die Rede, sondern nur vom allgemeinen Ein-\nfluß, den das Vollkommene ausübt. Dieser ist gewißlich vorhanden. Ra-\nfael hat Leuten die Augen geöffnet, daß sie plötzlich anders sahen und bei\ngesteigerten Anforderungen an sich selbst gesteigerte Anstrengungen\nmachten. Die Thätigkeit eines großen Künstlers reißt alle die mit fort,\ndie neben ihm arbeiten. Ohne Rafael wäre Giulio Romano das nicht ge-\nworden, was er war: man sieht das rafaelische Blut in seinen Adern\nfließen, gerade so, wie aus manchem Antlitz, was Rafael selbst malte,\nMichel Angelo gewaltig herausblickt. Man will den Einfluß des Phidias\nauf eine ausgebreitete Schule nachweisen. Schiller hat unser Theater ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.8", "texte": "bildet, Platen hat vielen Schriftstellern das Gehör geschärft, mancher\nmittelmäßige Schauspieler wird der Ristori auf der Bühne gegenüber\neine ungekannte Kraft in sich fühlen und begeisterter als jemals spielen.\n© Allein dieser Einfluß ist begründet auf eine wunderbare Sympathie,\ndie bei gleichartigen Fähigkeiten die stärkere Seele auf die mit geringerer\nKraft begabte ausübt. Das läßt sich nicht benutzen, wie Dampf; darauf\nkann man kein System bauen. Unterricht in der Kunst und sogar Akade-\nmien gab es allerdings schon frühe. Lorenzo de Medici richtete eine Bild-\nhauerschule in Florenz ein, in welcher Michel Angelo seinen ersten Unter-\nricht erhielt; Lionardo hatte in Mailand seine Academia Vinciana; unter\nRafael und Michel Angelo lernten unzählige junge Künstler in Rom und\nübten sich im Handzeichnen, aber diese Verhältnisse machten sich von\nselbst, die Jünglinge zogen sich dahin, wo sie etwas zu lernen hofften, sie\nsuchten sich die Meister aus, die ihnen am liebsten waren oder am\ngrößten erschienen, und so blieb es, bis die durch große Männer empor-\ngebrachte Kunst einer zweiten Generation von Künstlern anheimfiel,\nwelche alle die erhabenen Werke vor den Augen und alle die nützlichen\nLehren der Meister im Gedächtnisse sich im Besitz des Geheimnisses\nglaubten, aber von vornherein darauf verzichteten, diejenigen zu über-\ntreffen, von denen sie es erhalten hatten. © © ©\n© Vasari ist der Typus dieser Art Leute, ein Arbeiter in kolossalem\nMaßstabe, groß als Baumeister, ein Genie seinen Nachfolgern gegenüber,\naber elend im Vergleich zu denen, die vor ihm schafften, und deren Leben\ner theilweise noch miterlebte. Er war der Gründer der ersten Akademie\nvon Regierungswegen. Er hat schon seine bestimmten Schulbegriffe über\ndas Schöne. Die Kunst sei jetzt so vollkommen, ist seine Meinung, daß,\nwer nur Zeichnen, Erfinden und Coloriren könne, mit Leichtigkeit da, wo\ndie alten Meister sechs Jahre zu einem Bilde gebraucht hätten, in einem\neinzigen Jahre sechs Bilder vollenden werde, wofür er ja selber mit seiner\neigenen Thätigkeit ein Beleg sei. © © ©\n© Dieser Mann, dessen Natur ein seltsames Gemisch von literatenhafter\nOberflächlichkeit und tiefem, ja begeistertem Verständnisse ist, gehörte zu\nden Häuptern der Kunstschule, die vom ersten Großherzoge von Toscana,\ndessen Residenz das ehemalige freie Florenz geworden war, gestiftet"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.9", "texte": "wurde. 1563 stattete derselbe die „Compagnia dell’ arte del disegno” mit\nStatut und Privilegien aus, ihre ausgezeichnetsten Mitglieder sollten unter\ndem Namen Akademie vereinigt werden. Michel Angelo, der uralt in Rom\nlebte, ernannte man zum Ehrendirector. Im nächsten Jahre kam seine\nLeiche nach Florenz und wurde mit mächtig studentischen Feierlichkeiten\nvon den neuen Akademikern beigesetzt. Reden wurden gehalten, über die\nKunst gedacht, geschrieben, gestritten, in aller Munde war der große Buo-\nnarotti, sein Denkmal ward aufgestellt. Aber man sehe sich dies Werk an.\nNichts’ hat der Würdigung des großen Michel Angelo so im Wege ge-\nstanden, als diese wie ein unendlicher Zopf an seinen Schatten sich an-\nhängende Kunstthätigkeit, die, seine gewaltigen Formen nachahmend, so\nschwächliche Gestalten geschaffen hat. o©o\n© Von den Akademien Italiens ging der Glaube an die Richtigkeit ge-\nwisser Körperstellungen aus, die von nun an wie unvermeidliche Ge-\nspenster durch die Gemälde ziehen. Am unumschränktesten herrschte\ndiese abstracte akademische Musterschönheit im vorigen Jahrhundert.\nDie besten Eigenschaften aller Kunstwerke, antiker wie moderner, wurden\nzergliedert, und aus ihren vollkommensten Bestandtheilen die absolut\nschöne Gestalt componirt, deren Proportionen man stets zu erreichen\nsuchte. Diese Berechnungen wurden zu einem ernsten Studium, Winckel-\nmann und Rafael Mengs stehen auf seinem Boden. 000\n0 Heute wird dieses akademische Ideal verurtheilt, gerade wie die fran-\nzösische Tragödie, deren Gestalten vor hundert Jahren die Welt bezau-\nberten. Wie für das Theater gab es in der Malerei die detaillirtesten Vor-\nschriften. Was man malen sollte, was nicht. Wie man das malen sollte,\nwas zu malen erlaubt war. Welche Fehler zu vermeiden wären, wie die\nLeidenschaften darzustellen, wie die Stoffe zu drapiren, wie die Arme und\ndie Füße zu stellen, welches Licht, welche Größe, welcher Grad der Aus-\nführung. Und solche Ansichten sind die Frucht von langen Lebenserfah-\nrungen! Fueßli, der berühmte Professor an der Akademie zu London, ver-\nöffentlichte 1801 seine „Lectures on Painting”. Er geht mit kritischer\nSchärfe die ganze Kunstentwicklung durch und stellt schließlich seine\neigenen Ideen auf. Er beschreibt, wie man es z. B. anzufangen hätte, wenn\nals historisches Bild der Tod des Germanicus zu malen wäre. Er giebt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.10", "texte": "eine Figur nach der anderen an, bespricht ihre inneren Zustände und den\näußeren Habitus im entscheidenden Momente, bis die ganze Composition\naufgebaut ist. Goethe in seiner Recension dieses Werkes bemerkt hierzu:\n~Sähen wir wirklich einmal ein Bild, welches den angegebenen Anforde-\nrungen entspräche, so würden wir mit jenem Freunde ausrufen: ,War es\nder Mühe werth, mit solchem Aufwande von Kunst ein unerfreulich Werk\nzu machen’!” ©o©\n© Man denke sich einmal einen Jüngling wie Rafael oder den jungen\nMichel Angelo der Unterweisung solcher Pedanten ausgesetzt! Wie un-\nschuldig, natürlich und einfach traten sie und ihre Zeitgenossen in die\nKunst ein. Wie rüstig suchte damals jeder auf seinen eigenen Füßen\nweiterzukommen, ohne darauf zu warten, ob etwa von Staatswegen ein\nVierspänner vorbeikäme, der ihn bequemer und rascher an’s Ziel brächte.\nJeder suchte sich seinen Weg und fand ihn. Die Kunst ist für jeden An-\nfänger ein wüstes Gebiet, durch das keine getretenen Wege führen, für\nden allein, der sich aus eigener Kraft finden lernt, ist es geeignet; kennt\nman es aber einmal, dann wird jeder Stein und jeder Baumstamm ein Weg-\nweiser, und der Künstler geht so sicher seine Straße, wie ein Vogel sicher\ndurch die Luft fliegt. © © ©\n© Die Geschichte der Akademien, auf denen man die Kunst lehrte und\nvon denen gleich fertige Künstler ausgehen sollten, beweist, wie unrichtig\nlange Jahre hindurch über Kunst gedacht wurde. Freilich konnten allerlei\ntechnische Griffe, eine gewisse Leichtigkeit für das Arrangement, ver-\nschiedene Farbengeheimnisse und dergleichen den Schülern mitgegeben\nwerden, diese wurden zugleich aber in so feste Ansichten eingezwängt,\ndaß von Freiheit des Schaffens keine Rede mehr war. Man schlage ein\nKünstlerlexikon auf und wird finden, daß auch in diesen Zeiten noch be-\ndeutende selbstständige Künstler immer für sich unter den seltsamsten Um-\nständen in die Höhe kamen, sich auf eigene Faust durchschlugen und\nselten von den auf Akademien gebotenen Vortheilen profitirten. Die Ge-\nschichte manches berühmten Künstlers beginnt damit, daß er von irgend\neiner Akademie als durchaus unfähig zurückgewiesen ward, in welche er\nals Schüler einzutreten wünschte. Die wahre große Kunstentwicklung\nweiß nichts von diesen Anstalten. Erst mit dem Verfall der Kunst ent-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.11", "texte": "standen sie, und da, wo man sich aus dem Verfalle aufraffen wollte,\nstemmten sie sich dagegen mit ihren todten Principien. © © ©\n© Indessen dies Alles sind vergangene Dinge, und sie hatten auch in\nihrer Verkehrtheit eine Seite, die nicht vergessen werden darf. Mochten\ndie Ansichten, die man dictatorisch den Schülern einprägte, noch so un-\nrichtig sein, es waren doch immer feste Ansichten. Derjenige, der auf den\nAkademien malen lernte, konnte falsch angeleitet werden, aber er ward\nangeleitet, er war im Stande, ein Bild zu malen, das bestimmten An-\nforderungen genügte, und vor allen Dingen, er hatte richtig zeichnen\ngelernt. © © ©\n© Heute ist die Macht dieser Anstalten vorüber; selbst wenn man\nwollte, könnte man nicht zu ihren Traditionen zurückkehren, denn diese\nselbst sind verloren gegangen. V/hs aber soll man beginnen? Ein allge-\nBegehren nach Kunst'werken, vde dies im röten Janrhundert die\nKunst emporbrachte, erfüllt die Welt nicht. Es soll trotzdem etwas für\ndie Ausbildung junger Leute, welche einst Künstler werden wollen, ge-\nschehen. Es soll eine Akademie errichtet werden, auf der sie dafür vor-\nbereitet werden. Welche Idee wird ihr zu Grunde liegen? = = ©©©\n© Der Schüler ist ein Kind, das auf die Autorität des Lehrers hin lernt,\nder Student ist ein Mann, der nach empfangener Anleitung selbst prüft,\nsich über seinen Gegenstand stellt und ihn so auffaßt, wie die eigene Wahl\nihn leitet. Ein Student, der sich auf sein Collegienheft als Autorität berufen\nwollte wäre eben so sehr im Irrthum, wie ein Schüler, der das eigene Er-\nmessen höher stellte, als den Wortlaut der vorgeschriebenen Bücher. Der\nSchüler sagt, anno 44 ante Christum ward Cäsar ermordet, so habe ich\nes gelernt, der Student sagt, nach den und den Quellen setze ich dies\nFactum in’ das angegebene Jahr, so lehrt mich die Wissenschaft. ©© ©\n© Diese doppelte Stufe des Lernens findet sich auch beim Handwerk,\nwo der Lehrling eine andere Stellung einnimmt, als der Geselle. Der\nLehrling lernt das Werkzeug gebrauchen, der Geselle arbeitet selbst-\nständig; aber er sucht die Erfahrung und Sicherheit zu gewinnen, die ihn\nerst zum Meister langsam ausbildet. Da nun aber jeder Kunst ein Hand-\nwerk zu Grunde liegt, so wird der erste Schritt, der von Staatswegen zur\nBildung des künftigen Künstlers geschehen muß, darin bestehen, daß"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.12", "texte": "zuerst dem Kinde die Herrschaft über die handwerksmäßigen Theile der\nKunst verschafft werde. Der Schüler lernt Copiren, die Natur sowohl als\nvorgelegte Muster, er besucht daneben eine Schule, wo der Grund zu\nseiner geistigen Ausbildung gelegt wird. © © 0\n© Als unterste Stufe der Akademie der Kunst wird demzufolge die\nZeichenschule eingerichtet, wo die handwerksmäßige Fertigkeit der Hand\nund des Auges erworben wird. Die hier gewonnene Ausbildung ist der\nArt, daß sie zu jedem Lebensberufe einen vortheilhaften Zuwachs bildet.\nKein Schüler, der an ihr Theil nimmt, giebt damit die Absicht kund, Künstler\nzu werden, so wenig ein Kind, das Klavierunterricht erhält, Virtuose oder\nComponist werden will. Nothwendigerweise muß aber dieser Zweig der\nVorbildung in den Händen der Akademie liegen, weil schon hier eine\nfalsche Methode schädlich und auf haltend wirken kann, während die\nrichtige Art zu unterrichten ungemeine Vortheile bietet. Diese Zeichen-\nschule ist deshalb eine Normalzeichenschule für die Monarchie, und es\nwerden die besten Lehrer bei ihr angestellt. ©©©\n© Die zweite Stufe stellt den jungen Mann seinem Lehrer und den\nLehrgegenständen ganz anders gegenüber. Wer die auf ihr dargebotene\nBelehrung annehmen will, muß schon die Absicht haben, eine Thätigkeit\nzur Lebensaufgabe zu erwählen, zu welcher die höhere Kunstfertigkeit\nim Zeichnen und die geistige Ausbildung, die zugleich mit ihr gegeben\nwird, förderlich sind. Der Student arbeitet selbstständig. Will er jetzt\nKünstler werden, so ist Alles, was er betreibt, ihm dazu im hohen Grade\ndienlich; will er dagegen eine technische Carriere einschlagen, zu der er\neiner höheren Ausbildung im Zeichnen und in der Kenntniß der Kunst-\ngeschichte bedarf, so findet er auch hierfür das, was ihn fördert. Von\nOelmalerei, von Componiren, von Künstlerthum ist keine Rede. Es wird\nnur Gelegenheit geboten, frei zu lernen, Alles zu lernen, was einem künf-\ntigen Künstler nur irgendwie zu Statten kommen kann, sowie auf der\nUniversität der Student in jeder Richtung Belehrung findet, die ihm auf-\nzusuchen jedoch selbst überlassen bleibt, und die, wenn er einmal ge-\nwählt hat, freilich seinen zukünftigen Lebensweg bestimmt, allein der\nStaat hat ihn nicht dazu verlockt, es ist der freie Wille des Lernenden\ngewesen. ©©©"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.13", "texte": "0 Das Fortkommen und die Belohnung ihrer Schüler darf die Aka-\ndemie so wenig kümmern, als die Universität der spätere Lebenslauf der\nStudirenden. Bedarf der Staat Künstler zu seinen Zwecken, so mag er für\ndieselben ein Examen einrichten mit bestimmten Forderungen, wie es\nbeim Architekten der Fall ist. Er mag auch die, welche er so anstellt,\nnach Italien senden oder sie sonst reisen lassen, wie es der bestimmte\nZweck erfordert, für den er den Künstler braucht, z. B. als Lehrer an\ntechnischen Anstalten: allein für diese Leute giebt es dann eine feste\nCarriere mit Avancement, und sie wissen, wofür sie arbeiten und was sie\nzu erwarten haben. Aufs geradewohl aber demjenigen Schüler, der durch\nein Bild oder eine Statue seine Befähigung zu späterer Künstlerschaft ab-\nzulegen scheint, zur Erreichung dieser künftigen Größe (die er nun gewiß\nals sicher annimmt) drei Jahre lang ein Gehalt zu geben und ihm für die\nZukunft keine weitere Sicherheit zu bieten, ist eine grausame Verführung.\nWenn nun ein solcher Mensch mittelmäßig bleibt, ist das seine Schuld?\nSoll ihn dann der Staat, der ihn so weit gelockt hat, ohne Unterstützung\nlassen? Unter Vielehen Gesichtspunkten aber läßt sich eine solche Unter-\nstützung nationalöconomisch rechtfertigen? Es sind Almosen, welche so\nvertheilt werden, ©OO\n© Ein Künstler muß auf sich selbst basirt sein und auf das Publikum.\nGanz aus eigenem Entschlüsse ergreift er sein Metier. Er thut es, weil er\nden Drang dazu fühlt. Darin allein liegt seine Berechtigung und sein Trost.\nEr sagt ich will lernen: der Staat kommt ihm zu Hülfe. Er sagt, ich weiß,\nwas ich wissen muß, ich will Künstler sein, will selbstständig weiter\narbeiten; = da kann keine vom Staate angestellte Commission ja oder nein\nsagen Es ist sein eigenes Risico. Er mag es versuchen. Niemand weiß,\nwie der Versuch ausfällt, so gut wie kein Privatdocent wissen kann, ob er\nlange Jahre fruchtloser Bemühungen vor sich hat oder übermorgen zum\nProfessor ernannt wird, so gut wie kein junger Mann, der mit Theater-\nstücken oder musikalischen Compositionen sein Glück machen will, wissen\nkann ob seine Dramen und Opern gegeben und applaudirt oder aus-\ngepfiffen oder überhaupt zur Aufführung angenommen werden. ©© ©\n© Man setze hier jedoch an die Stelle des zweifelhaften Schicksals die\ngeordnete Vorsorge des Staates, und die freie Thätigkeit dieser Männer"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.14", "texte": "wird unmöglich werden. Der ächte Künstler muß so auf sich beruhen, er\nmuß so unbekümmert arbeiten, daß selbst die Krone, wenn sie ihm Auf-\nträge giebt, in dieser Beziehung nur als ein Theil des Publikums erscheint.\nLäge im Ankauf eines Kunstwerkes durch den regierenden Herrn auch\nim Geringsten etwas von einer anerkennenden Handlung der Regierung,\nso hätte der Künstler darauf hin ein Recht, weitere Bestellungen zu ver-\nlangen. Allein der Staat darf sich hier nicht einmischen. Ein Dichter, dessen\nStück auf der Königlichen Bühne aufgeführt wird, kann nicht sagen, ihr\nmüßt nun auch meine ferneren Stücke spielen, ihr habt mich verführt,\nmich dieser Art von Arbeit ganz hinzugeben, und dürft mich nicht unter-\ngehen lassen. Die Königliche Bühne ist für den Künstler, der für sie\nschreibt, in dieser Beziehung nichts anderes als eine Privatbühne. Jeder\nKünstler, Maler, Dichter, Schauspieler geht als enfant perdu auf die\nBresche los. Er giebt sich eine Ausnahmestellung vom Anfang an und\nweiß, daß der Staat für das Außerordentliche nur dann Geld hat, wenn\nseine Leistungen ungewöhnlich sind. Ein Künstler ist wie ein Nordpol-\nfahrer. Er weiß im voraus, daß er Gefahren zu bestehen hat, aber der\nDrang, sie aufzusuchen, ist größer als die Freude am Gange des gewöhn-\nlichen Lebens. Er geht, weil er will; wenn er aber da oben im Eise steckt,\nhat kein Staat die Verpflichtung, ihn heraushacken zu lassen. Dafür aber\nhat er den Ruhm für sich, den er als unabhängiger Mann erwarb. Ist ein\nKünstler einmal glücklich durchgedrungen, so wird ihm dann auch nicht\ndie materielle Belohnung von Seiten des Publikums versagt bleiben. 0\n0 Gerade das eben gewählte Beispiel weist dennoch auf eine Seite hin,\nvon der allerdings Unterstützung des Staates eintreten soll. Läßt sich ein\nbedeutender Mensch auf eigene Gefahr hin in eine Unternehmung ein, in\nder er stecken bleibt, so kann das Großartige seiner Pläne so stark zu einer\nau^orc^ern’ daß der Staat ihn herausreißt und daß der Ankauf von\nBildern oder Statuen, sowie die Ausführung großartiger Cartons und Mo-\ndelle zur Staatsangelegenheit gemacht wird, ohne daß eine Bestellung die\nUrsache war, die diese Werke hervorrief. Das aber setzt immer wieder\nemen fertigen Mann und bestimmte Werke seiner Hand voraus. Wenn\n11 D u Barth für seine großen Reisen, die er hinter sich hat, in\njeder Weise ehrt, wenn man Reisende, die mitten in ihrer Unternehmung"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.15", "texte": "in Gefahr gerathen sind, unterstützt, wenn man sogar Einzelne, deren\nganzer Sinn und Fähigkeit auf solche Reisen gerichtet ist, von Anfang an\nausrüstet, so kann im Vergleiche damit auch von einer Unterstützung an-\ngehender Künstler die Rede sein, sei es nun, daß sie eine Anstellung, einen\nZuschuß zur Beendung des Angefangenen oder eine Belohnung für das\naußerordentlich Vollendete erhalten; allein darauf hin darf Niemand die\nKünstlerlaufbahn einschlagen, denn oft kann dem größten Verdienste\ndennoch diese Hülfe versagt bleiben, während sie vielleicht offenbar auf\nanderer Seite in den Brunnen geworfen wird. ©OO\n0 Denn wer soll das Genie erkennen? Es ist freilich die Pflicht eines\nVolkes, seine großen Künstler zu beschäftigen. Es wäre eine Beleidigung\nder gütigen Vorsehung, wenn man einem Manne, dessen Werke der Stolz\nund der Reichthum eines Landes sind, nicht in jeder Weise die Arbeit er-\nleichterte. Allein wer will hier vorauswissen und den Leuten klar machen\nim Momente, was erst langer Reihen von Jahren bedarf, um eine glaub-\nwürdige allgemeine Wahrheit zu werden? Meiner tiefsten Ueberzeugung\nnach ist die Ausführung des Cartons von Cornelius eine ernste Angelegen-\nheit der Nation, und ich bin fest überzeugt, unterbleibt diese Ausführung,\nund, was damit in Verbindung stehen würde, gehen diese Cartons langsam\nzu Grunde, so wird eine spätere Zeit die Worte nicht stark genug zu finden\nglauben, um ihr Bedauern darüber auszusprechen = allein wenn selbst\nbei diesem eclatanten Falle Viele die Verpflichtung des Staates ableugnen,\nAndere die Vortrefflichkeit der Arbeit selbst bezweifeln, die Meisten gleich-\ngültig sich wenig darum bekümmern = was hilft es da, eine Theorie auf-\nzustellen? ° ©OO\n0 In solchen Fällen bedarf es eines Fürsten, welcher befiehlt, weil er\nein Gefühl von demWerthe des Mannes hat. Dies Gefühl aber muß in\nseinem eigenen Herzen wachsen. Die Anerkennung eines großen Künstlers\nist bei seinen Lebzeiten fast immer Parteisache. Jeder beansprucht die\nFreiheit, auf die eine oder die andere Seite zu treten, und es liegt in der\nNatur der Dinge, daß auch die, in deren Händen die höchste Gewalt ist,\nihrem eigenen Geschmacke folgen. © © ©\n0 Es sind gewisse Irrthümer gäng und gebe von der Kunstbeschützung\ndurch große Fürsten. Die Zeiten der Medici und Ludwig des Vierzehnten"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.16", "texte": "sind sprichwörtlich geworden. Es ist wie mit Troubadours und Minne-\nsängern. An diese goldenen Tage der Kunst kann der nur glauben, der sie\nnicht besser kennt. Wer die Geschichte von Florenz genauer studirt hat,\nweiß, daß das Mäcenatenthum der Medicäer einen sehr geringen Einfluß\nauf die Entwicklung der italienischen Kunst ausübte. Was der erste\nCosmo und sein Enkel, der sogenannte Lorenzo der Prächtige, thaten\n(diese Benennung beruht darauf, daß man den ganz allgemeinen Titel\n„magnifico ’ für einen besonderen Beinamen hielt und übersetzte), ist aller-\ndings ein Zeugniß, daß beide Männer Geschmack und Liebhaberei an der\nKunst besaßen, allein neben den allgemeinen Bestellungen des gesammten\ndamaligen Publicums sind die ihrigen nicht hervorragend. Lorenzo’s\nBruder, der verschwenderische Papst Leo der Zehnte, regierte allerdings\nzu der Zeit, wo Rafael und Michel Angelo in Rom ihres blühendsten\nRuhmes genossen, allein es ist bekannt, daß diese beiden ihre größten\nBestellungen von Leo’s Vorgänger, dem alten Giulio 11., erhielten, einem\nwilden, kriegerischen Greise, dem wenig an der Kunst lag, aber der für\nKünstler ein Auge hatte und das Ungeheure zu würdigen wußte, das die\nei en Maler zu leisten im Stande waren. Rumohr deutet mit vollem\nRechte darauf hin, daß Leo X. diese Männer keineswegs so beschäftigte,\nwie ihr Talent es verdient hätte. ©©©\n© Gemälde waren damals ein Besitz, auf den man stolz war. Daher der\nu Schwung, den die Kunst nahm. Kein Mensch dachte etwa daran, die\nr Svon Staatswegen zu protegiren und aus anderen Rücksichten mit\nAuttragen zu versehen, als weil man an ihren Arbeiten persönlich Freude\natte. Wenn man liest, wie Franz der Erste von Frankreich, wie der\napst, der Kaiser, die Cardinäle bestellten und bezahlten, und daneben\nhar’ was Kirchen, Klöster und Privatleute ebenfalls bestellten und be-\nza Iten, so sieht man, daß die großen Herren nur als Theile des Publicums\nmi* u tu1?6*1?.611 Strome schwammen, daß sie mehr auszugeben hatten\nund desnalb berühmte Künstler mehr in Anspruch nehmen konnten, aber\nsie bezahlten doch immer nur die Bilder, die sie sich malen ließen, kein\nGedanke an eine Förderung der Kunst aus höheren Staatsrücksichten.\nwenn üie Künstler etwas geworden waren, verlangte man ihre\nlenste. Jugendliche Kräfte wurden von bedeutenden Fürsten erkannt"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.17", "texte": "und unterstützt, jedoch weil sie sie für sich benutzen wollten. Es war eine\nLiebhaberei, für die man das Geld hingab und die passenden Leute erzog.\nErst nach und nach, als aus dem lebendigen Genüsse an großen Kunst-\nwerken eine todte Prahlerei und ein Luxus ward, entstanden Akademien,\nauf denen in bestimmter Weise junge Talente nicht zu freien Künstlern,\nsondern eher zu Decorateuren erzogen wurden, die der Mode gemäß die\nKirchen und unendlichen Schlösser der Fürsten mit weitläufigen Male-\nreien bedeckten, wo denn die Schnelligkeit der Arbeit und ein gewisser\nEffect der Behandlung die beiden Hauptpunkte waren, auf die es ankam.\nLegionen heiliger Gestalten sowohl, als mythologischer Figuren sind so\nin größeren oder kleineren Gruppen entstanden und sehen uns jetzt mit\nihren glänzenden und leeren Augen an, wenn wir sie an den Wänden und\nDecken der Säle finden, wo Niemand sie wegnimmt, weil Niemandem an\nihrem Besitze gelegen ist. © © ©\n0 Solche Resultate sind die nothwendigen Folgen, wenn die Staatsge-\nwalt in Dinge hineingezogen wird, die nur in dem freien geheimnißvollen\nGefühle bevorzugter Menschen ihr Gesetz und ihre Regel finden. Ein\nKünstler schafft etwas, was Niemand kannte, ehe er es hinstellte, er\nbringt das Neue hervor, er allein weiß die Wege, die dahin führen. Wie\nkönnen ihm da bestellte Lehrer eine Anleitung geben? Man kann die\nMaschinenkunde lehren, aber man kann Niemanden lehren, eine neue\nErfindung zu machen. Man kann eine Concurrenz ausschreiben und einen\nPreis aussetzen für die Erfindung einer neuen Maschine, die bestimmte\nDienste leistet, aber man kann nicht einer Anzahl junger Leute eines\nMorgens sagen; Es soll heute eine Maschine für diesen bestimmten\nZweck erfunden werden; setze sich jetzt Jeder in ein verschlossenes\nZimmer und strenge seinen Geist an; wer die beste Maschine erfindet,\nder erhält alle Jahre 700 Thaler drei Jahre lang, und der Staat spricht da-\nmit die Erwartung aus, er werde in diesen drei Jahren so viel neue Er-\nfindungen machen, um künftig davon leben zu können ohne weitere\nStaatsunterstützung. Und nun denke man eine große Anzahl junger Leute,\ndie alle wissen, daß die Erlangung eines solchen Preises möglich sei, und\ndarauf hin alle ihre Gedanken richten. © © ©\n© Bei der Construction einer Maschine aber läßt sich wenigstens eine"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.18", "texte": "scharfsinnige Verwerthung gelernter Elemente denken, und es wäre bei\neiner solchen Concurrenz der gewandteste, geschickteste, fleißigste an-\nnähernd zu erkennen; bei einer Kunstaufgabe jedoch ist dies anders. Der\nbloße Zwang, momentan ein Kunstwerk schaffen zu sollen, wird vielleicht\ngerade den fähigsten unfähig machen. Das Bewußtsein, wie viel von dem\nGelingen dieser Arbeit abhängig sei, wird die Befangenheit vermehren.\nDas Bild, welches das Geschenk eines erleuchteten Momentes sein sollte,\nwird der trostlosen Stimmung abgepreßt, in die die Seele durch den an-\ngethanen Zwang versetzt wurde. Schüler können nicht concurriren.\nMeister können es, gelernte, erprobte Männer können mit ihren Lei-\nstungen sich zu überbieten suchen, dies hat Sinn und Erfolg, wenn große\nMänner und große Aufgaben da sind; Anfänger können stets nur in dem\ngeprüft werden, was sie gelernt haben. Man sage, derjenige, der den\nbesten Act gezeichnet hat, die beste Portraitzeichnung liefert, soll eine\nBelohnung erhalten; aber nicht, derjenige, der unter Verschluß die beste\nComposition zu Stande bringt, von Staatswegen zum Künstler erklärt und\nnach Italien geschickt werden. © © ©\n© Jeder Gedanke an eine künftige Unterstützung muß den Schülern der\nAkademie genommen werden. Dagegen erhalten sie Anweisung, wenn\nsie wollen, das Zeichnen nach der Natur in jeder Richtung gründlich zu\nlernen. Ornamentik, Anatomie, Perspective werden von den besten\nLehrern in der besten Weise gelehrt. Es bleibt den Lernenden überlassen,\nsich dem zuzuwenden, was sie besonders anzieht, was für ihre künftige\nCarriere am geeignetsten ist. Der Lithograph, der Kupferstecher, der\nHolzschneider, der Decorationsmaler, der technische Künstler findet Ge-\nlegenheit, sich in dieser Akademie auf eine Weise zu unterrichten, wie\nnirgends sonst, der Maler erwirbt sich die solideste Grundlage. Kein\nSchüler, der das hier Gebotene gelernt hat, wird dadurch für die gewöhn-\nliche bürgerliche Laufbahn eines höheren Handwerkers unbrauchbar ge-\nmacht, Niemand darf in Zukunft sagen, er habe auf dieser Schule Ideen\neingesogen, durch welche seine gesunde Urtheilskraft auf falsche Ge-\ndanken verlockt und in dieser gefährlichen Bahn vorwärts getrieben sei,\nstatt auf das Natürliche und Wahre hingewiesen zu werden. Das Wahre\naber ist, daß zur Kunst Genie gehört, und daß es kein Kennzeichen eines"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.19", "texte": "zukünftigen Genies giebt. Man kann bei keinem Talente wissen, wie weit\nsich seine Kraft erstrecken werde. Leute, welche bei achtzehn bis zwanzig\nJahren einer gewaltigen Zukunft entgegenzueilen schienen, machen plötz-\nlich Halt und bringen es zu nichts weiter; andere, die albern und unfähig\nscheinen, entwickeln sich plötzlich. Wie vielen bedeutenden Geistern hat\nman nicht in jeder Weise den Weg verbauen wollen, den sie trotz allen\nHindernissen dennoch einschlugen: man glaubte, sie warnen zu müssen,\nweil ihnen alle Befähigung abzugehen schien; wie viele andere hat man\nin ieder Weise gefördert, und sie standen dennoch still, und all das goldene\nHeu das man ihnen vorhielt, lockte sie nicht einen Schritt weiter vor-\nwärts == ©o©\n& Der Schüler der Akademie muß nicht nur handwerksmäßig unter-\nrichtet, sondern geistig auf die rechte Höhe gehoben werden, damit er in\nsich selbst später einmal ein Gegengewicht gegen das einseitige Streben\nfindet in das Jeder hineinkommt, der eine einzige Sache eifrig betreibt.\nFehlt’die Freiheit des Geistes, so ist die größte Begabung in Gefahr,\nmittelmäßige Früchte zu tragen. = = ©©©\nO Einem gebildeten Manne impomrt nichts als geistige Große. Er be-\nquemt sich den Verhältnissen an, aber er unterscheidet stets den Werth,\nder von innen heraus den Dingen innewohnt, und den, der ihnen von\naußen anklebt. Den Trieb, sich nicht einseitig als Maler, Gelehrter, Bild-\nhauer Componist, sondern allseitig als Mensch zu fühlen, finden wir bei\nallen ausgezeichneten Künstlernaturen. Michel Angelo hat tiefsinnige Ge-\ndichte geschrieben, er wußte ganze Gesänge aus Dante auswendig, er hielt\nphilosophische Vorträge in der Florentiner Gelehrten-Akademie. Nicht\nbei ihm allein vereinigten sich Architektur, Malerei, Maschinenkunde und\nSculotur eben so gut bei Rafael, Lionardo da Vinci, Brunelleschi und vielen\nAnderen’ Sie waren das, wozu man im Momente gerade einen Mann\nbrauchte. Lionardo bietet dem Herzoge von Mailand seine Dienste an.\nMan sollte meinen, ein solcher Mann hätte vor allen Dingen Maler sein\nmüssen- er aber rühmte in erster Linie seine Brauchbarkeit als Kriegs-\nund Brückenbaumeister. Die Malerei und Sculptur werden am Ende des\nBriefes erwähnt, fast wie Nebensachen. Wie konnte Da Vinci die göttliche,\nideale Malerei, in der er so groß war, einer gewöhnlichen handwerks-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.20", "texte": "mfßuigeil Tlhä%keit nachsetzen? Als wenn das Malen von Bildern eine\nsolche Notwendigkeit gewesen wäre! Diese Männer malten, wenn man\nBilder forderte, bauten, wenn man Paläste, Kirchen oder Festungen\nbrauchte, trieben Musik, Mathematik, secirten Leichname, lasen, dichteten\nund lebten im großen Leben. Erst später, als die Künstler der Mode und\ndem Geschmack der Höfe zu dienen anfingen und auf Titel und Pensionen\nauswaren, fing man an, eine so niedrige Ansicht von der Kunst zu hegen\ndaß man sie für eine Fertigkeit hielt, deren Geheimnisse sich aufstöbern\nun weitergeben ließen. Die besten Künstler suchten auch da immer noch\nihre Unabhängigkeit zu wahren. Gerade der Kunst- und Litteratur-\nbeschutzer Ludwig der Vierzehnte ließ den großen Dichter Corneille und\nen großen Maler Lesueur verkommen, während ihre geringer begabten\nNebenbuhler glänzend bedacht wurden. ©OO\n0 Sagt man das jungen Leuten, trägt man ihnen eindringlich vor, wie\nvon Anfang an die Kunst ihre selbstgewählten, wunderbaren Wege ging,\nso wird ihnen ihre eigene Stellung klarer werden und die Zurückhaltung\n_^r aa!-.sf?wa^..a^s e*n Act der höchsten Gewissenhaftigkeit erscheinen.\n© Natürlich müssen die, welche diese Lehren vortragen, ausgezeichnete\narmer sein, deren Worte Eindruck machen, die nicht Tag für Tag lange\nb unden ihre Vorlesungen halten, sondern nur einigemal in der Woche,\nru morgens vor den praktischen Arbeiten oder Abends, wenn sie vollendet\nsmd; keine Vorträge zum Nachschreiben, sondern zum Nachdenken. Es\n, lamc , später ein Examen angestellt werden über diese Dinge, der\nZuhörer soll nur von ihnen ergriffen sein, und das, was er hört, als neu,\nwie ig und nothwendig kennen lernen. Diese Vorträge, gerade weil sie\ntur ein ment gelehrtes, jugendliches Publicum sind, müssen einen ener-\ngisc en Lnarakter haben, und von den Männern, die berufen werden, um\nsie zu halten, hängt viel ab. Es müssen thatsächliche Nachrichten über den\nBildungsgang früherer Künstler, über die Entstehung, die Schicksale, den\nmomentanen Aufenthaltsort und den Zustand ihrer Werke gegeben, es\nmu gesagt werden, mit welchen Entbehrungen, allgemeinen Irrthümern,\neigenen Täuschungen und Quälereien aller Art gerade die größten Männer\nZU-!irnlP eS'ih^tJn’ le lanSsam sie sich emporarbeiteten, wie ihr uner-\nmüdlicher Fleiß das Einzige war, was sie tröstete, bestärkte und vorwärts-"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.21", "texte": "brachte =: denen, die das von beredten Lippen vorgetragen hören, wird\nallmählich ein Licht aufgehen über sich selbst. Die jungen Männer werden\nsich in der Stille fragen, ob sie solchen Anstrengungen gewachsen, solcher\nAusdauer fähig seien, und mancher, der, vielleicht von verworrener Eitel-\nkeit weiter getrieben, später als Maler verdorben wäre, wählt in selbst er-\nkennender Bescheidenheit ein ehrendes Handwerk, bei dem er weder zu\nhungern, noch zu betteln braucht Wird neben der Geschichte der Kunst\nund der Künstler zugleich die Geschichte der höheren Handwerke vorge-\ntragen, wozu in den hiesigen Sammlungen die ausgezeichnetsten Hülfs-\nmittel daliegen, so steigt in den Augen der Unterrichteten das Handwerk\nselbst immer höher, und die Einsicht greift um sich, wie ein künstlerisches\nTalent, das zu genialer Production doch zu schwach ist, im Bereiche des\nHandwerks die ehrenvollste Stellung finde. Dieses vernünftige Zurück-\ntreten war ein Zeichen des freien praktischen Sinnes im Zeitalter der Re-\nformation und der damaligen Kunstwirthschaft. Der Unterschied zwischen\nKünstler und Handwerker existirte kaum. Alle Künstler waren Hand-\nwerker, viele Handwerker zugleich Künstler. Auch jetzt leitet ein allge-\nmeines Gefühl uns wieder zu der Ansicht hin, daß es bei allen Zweigen\nder Thätigkeit nicht so sehr darauf ankomme, was ein Mann betreibe,\nsondern wie er das betreibe, dem er seine Kräfte gewidmet hat. Dies muß\nden Schülern eingeprägt werden, und zwar so, daß sie die inneren Gründe\nempfinden, auf denen das Raisonnement beruht. Nicht wie Schüler im\nGymnasium, sondern wie Studenten auf der Universität werden sie in\ndiese Anschauungen eingeführt. = = © © ©\n0 Gerade in dem Momente, wo der Künstler seine ersten selbstständigen\nVersuche macht, fängt der Rath eines Meisters und die Beobachtung\nseiner Art die Dinge anzugreifen, für ihn an, entscheidende Wichtigkeit zu\nerhalten. Wer sich jetzt selbst überlassen bliebe, um allein vorwärts zu\nkommen, würde im besten Falle zeitraubende Umwege machen. Es be-\nginnt die Schülerschaft im höheren Sinne, wie ein junger Gelehrter, nach-\ndem er die Universität hinter sich hat, der Schüler einer bedeutenden Kraft\nwird, der er selbstständig nacharbeitend sich anschließt. Ebenso der\nKünstler. Rafaels erste Bilder sehen beinahe wie Copien Perugino's aus.\nMan gab ehedem die jungen Leute bei einem erprobten Maler in die"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.22", "texte": "Lehre. Sie halfen früh an der Arbeit, sie machten eine handwerksmäßige\nLaufbahn durch und lernten allmälig auf eigenen Füßen stehen, bis sie\nsich ablösten und nach eigenem Gutdünken weiter studirten. © © ©\n© In der Bildhauerei pflegt es auch jetzt noch so gehalten zu werden.\nDer Lehrling wird in ein Atelier aufgenommen. Er lernt die Werkzeuge\ngebrauchen und hilft bei der Arbeit. In der Malerei ist dies leider anders.\nBöten sich nicht so selten große Wände dar, die zu bemalen sind, so würde\nhier dieselbe Schülerschaft eintreten. Sie thut dies auch, sobald derartige\nAufträge den Meister nöthigen, sich nach Hülfe umzusehen. Allein das\nGros unserer Künstler besteht in Genre- und Landschaftsmalern, dazu die\nPortraitmaler, alle drei können sich nicht helfen lassen. Sie können\nhöchstens das Unterweisen in ihrer Kunst als einen besonderen Neben-\nzweig ihrer Beschäftigung ansehen und Schüler annehmen, deren Arbeiten\nsie beurtheilen oder die ihnen bei der eigenen Arbeit Zusehen. © © ©\n© Will der Staat seine Vorsorge so weit ausdehnen, daß der angehende\nKünstler gute Meister finde, die ihn belehren, wie er mit Farben umzugehen\nhabe, und deren Art zu arbeiten ihm als anfängliches Muster diene, so setze\nman die tüchtigsten Maler und Bildhauer mit der Akademie in Verbindung,\ngebe ihnen eine ehrenvolle Stellung als Anerkennung ihrer Leistungen (eine\nschöne Art, bedeutende Künstler vor den Sorgen des Alters zu bewahren)und\nlege ihnen dafür die Verpflichtung auf, den ehemaligen Schülern der Akade-\nmie, welche Maler und Bildhauer werden wollen, ihren besonderen guten\nRath zu ertheilen. In welcher Weise dies geschieht, bleibt doch immer den\nUmständen überlassen. Es wird auf die beiderseitigen Persönlichkeiten an-\nkommen. = = © © ©\n© Wenn heute von der Kunst gesprochen wird, glauben viele, es ließe\nsich capituliren. Es gäbe doch auch eine Kunst, die ohne Begeisterung\nund in gelernter Fertigkeit ausgeübt würde und, weil sie ihren Mann er-\nnährt, ihr gutes Recht hätte zu existiren. Man verstehe Begeisterung nicht\nfalsch. Es kann etwas sehr Kleines, ein Stückchen Landschaft, eine Blume,\nein kleines Genrestück mit Begeisterung, d. h. mit Liebe und Entzücken\nam Gegenstand gemalt sein. Aber wo die fehlen, wo Speculation auf die\nMode und den Geschmack des Publikums Bilder hervorbringen, da ist ein\nKunstwerk unmöglich. Nur das Werk kann entzücken und befriedigen, das"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.23", "texte": "den Meister selbst entzückte und befriedigte. Darin liegt das Belehrende\nder alten Kunst, selbst der des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts\nnoch daß ihre Werke die Lust oder das Behagen umschwebt, mit dem sie\ngeschaffen worden sind. Bei einer Landschaft Claude Lorrain’s ist einem\nzu Muthe, als sei es unmöglich, daß der Künstler den Genuß, solche Blicke\nin die Weite mit solcher Luft und solcher Sonne zu malen, nicht jedem\nanderen Genüsse vorgezogen haben müßte. Diese Empfindung hat man\naber nicht allein bei den Werken hervorragender Künstler, man hat sie\noft bei geringen handwerksmäßigen Arbeiten, die mit einer Sorgfalt aus-\np-eführt sind als hätte sie der Meister nur ungern aus den Händen gegeben.\nWie viele Miniaturen giebt es, von deren Künstlern nichts übrig ist als der\nName, oder der nicht einmal, und die so vollendete Kunstwerke sind im\nhöchsten Sinne, daß die Arbeit den Mann beglückt und schon in sich selbst\ngemacht haben muß. Man kann diese stille Zufriedenheit im eigenen\nSchaffen Niemandem verleihen. Ich bilde mir nicht ein, es sei möglich,\neine Schaar iunger Leute mit diesem Geiste zu erfüllen. Aber es muß da-\nvon mit Würde gesprochen werden, damit diejenigen wenigstens, die die\nächte Anlage besitzen, in ihr bestärkt und andere vielleicht auf die richtigen\nWege geleitet werden. Worte vermögen nichts, Worte vermögen Alles.\nIch weiß, daß, wenn sich gereifte Leute an ihre Jugend erinnern, nichts so\nglänzend in ihnen lebendig blieb als der Umgang mit Lehrern, deren\nWorte und deren Geist sie bewahrten. Deshalb treffe man eine gute Wahl\nund gebe den Männern eine freie, würdige Stellung, damit ihr lebendiges,\nunbekümmertes Gefühl in die Herzen derer einfließe, denen sie so nützlich\n«Pi« können =::\n_ _ Die Wahrheit, daß die Zeichenkunst Grundlage aller Kunst sein\nmüsse, wird mit der praktischen Energie, mit der sie durchgeführt wird,\neinen wunderbaren Einfluß haben. Nur bei einer vollendeten Sicherheit der\nHand ist ein richtiger Ausdruck der Ideen möglich. Ein Gang durch eine\nAusstellung neuerer Werke zeigt, wie sehr dieses erste Erforderniß der\nKunst heutzutage vernachlässigt wird. Hier kann etwas gelehrt wei den.\nDies ist der Punkt, wo der Staat wirklich im Stande ist, den Schülern eine\nTüchtigkeit zu verschaffen, die ihnen unter allen Umständen den größten\nNutzen gewährt, hierdurch sowie durch das Studium der Anatomie, der"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.24", "texte": "Kunstgeschichte und der politischen Geschichte, mit lebendiger Erklärung\nder m Museen und Sammlungen aufgeschichteten Kunstwerke, wird dem\nUnheil entgegengearbeitet, das sich in unseren Tagen überall zeigt, wo die\nKunstverhältnisse eines Landes näher betrachtet werden. Ich erinnere an\ndie Rede, welche soeben der französische Staatsminister bei Gelegenheit der\nPreisaustheilung in der Schule der schönen Künste zu Paris gehalten hat.\n„Jeder isolirt sich bei seiner Arbeit,” heißt es darin, „sucht die praktische\nUescmckhchkeit zu erwerben und vernachlässigt darüber den Gedanken.\nles raubt den Kunstwerken unserer Zeit ihre harmonische Zusammen-\nwirkung. Ich fordere Sie auf, mehr allgemeine Studien zu betreiben und\nsich nicht blos um das Zunächstliegende zu bekümmern.” Diese Aussprüche,\nwie die ganze Rede ist eine sachgemäße Anerkennung der Lage der Dinge.\n, r.Um er Fould nicht einen Schritt weiter und erkennt,\ndaß die auf öffentliche Eitelkeitsbefriedigung hinauslaufende Einmischung\nes Staates in das Schicksal junger Leute, die erst Künstler werden wollen\no er sollen, der Grund des Uebels sei? „Ich wünschte,” sagt er, „daß ein\nguter Baumeister die Werke der Malerei und Sculptur, welche sein Ge-\nbäude zieren sollen, wenn auch nicht selbst schaffen, so doch mit tiefer\nBinsicht beurtheilen könne, daß Bildhauer und Maler in die Gesetze der\nArcmtektur emgeweiht wären, um die Wirkung ihrer Werke an dem\nrdatze, für den sie bestimmt sind, beurtheilen zu können. Es ist in der\nfv.U er a S rll, er^ndustrie, wo die Theilung der Arbeit Wunder\nj u *?. e* \"uns* folgt die Vollendung des Ganzen nicht nothwendig aus\nr enc*un£ einzelnen Theile; ein Kunstwerk ist lebendig, das Ge-\nmm dieses ihm innewohnenden Lebens erweckt die Begeisterung und\nsic in geheimnißvoller Weise schöpferisch geltend.” So fährt er\nlauter goldene Regeln, aber dergleichen sollte man jungen Leuten\nvnllpnHp^8 vorwurfsvollem Tone zu sagen haben, wenn deren Erziehung\nS « ?nud’ Wle der Minister seihst eingesteht, in einer Weise vollendet\nanf TJt wl gUtu Lehren ihnen als unerreichte fromme Wünsche mit\n«Staat#* er,=.l werden müssen, sondern die Erziehung in der vom\nSnprialftät Tz^nstia 1 Sollte VOn Anfan£ an> abgesehen von der späteren\nCl Irl df Kunstlers, eine allgemeine Bildung der Hand, des Auges\nund des Geistes zu verleihen suchen. = = © © ©"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.25", "texte": "0 Empfänden wir als Nation den Drang nach dem Besitze von Kunst-\nwerken, wie die Griechen ihn empfanden, hätten wir im Lande einen\neinzigen gemeinsamen Cultus, welcher ohne die äußerlichen Bildnisse\nangebeteter und verehrter Persönlichkeiten nicht bestehen könnte, wie\ndies zu den Zeiten der italienischen Kunstblüthe der Fall war, so könnte\nvielleicht die Erziehung der Künstler zur Staatsangelegenheit werden,\nobgleich sie es weder in Griechenland noch in Italien gewesen ist. Allein\ndie heutige Kunst, die in der freien Phantasie der Künstler lebt und dieser\nWillkür bedarf, um lebendige Früchte zu tragen, die nur in der geistigen\nBefriedigung derer, welche sie ausüben, und im Genüsse derer, welche\ndie Kunstwerke erwerben, ihre Existenz findet, diese Kunst kann unmög-\nlich für den Staat zum Gegenstände der Vorliebe hingestellt werden, so\nwenig als sogar die Dichtkunst, welche doch von allen Künsten am\nhöchsten steht. ©©©\n0 Treten Künstler (Dichter, Maler, Bildhauer, = oder welcher Stoff\nnun immer zum Träger ihrer Ideen auserkoren wurde) in einem Lande\nauf, ist die Kraft derselben so umfassend und tief, daß ihre Schöpfungen\nzu einem Theile des allgemeinen geistigen Reichthums werden, dann\nbietet die Stellung, welche solche Männer einnehmen, keinen Maßstab für\ndie Behandlung weniger begabter Naturen. Weder ihr hoher Rang (wenn\ner ihnen eingeräumt wird) noch ihre Verlassenheit (wenn ihnen diese zu\nTheil wird) giebt für Andere eine Präjudiz ab. Solche Geister haben ihre\neigenen unberechenbaren Schicksale. Meistentheils ist es großen Dich-\ntern und Künstlern elend genug ergangen. Daran ist jedoch weder die\nBosheit der Menschen noch die fehlerhafte Einrichtung des Staatsorga-\nnismus Schuld gewesen. Der Grund liegt darin, daß solche Männer dem\npraktischen Leben des Tages wirklich nichts bieten können, sondern als\nallgemein wirkende große Mächte dastehen. Während sie, an die Jahr-\nhunderte denkend, den Tag vergessen, rächt sich der Tag und verweigert\nihnen das, was er denen so reichlich gewährt, welche ohne Gedanken\nan nachher und vorher der Gegenwart mit allen Kräften zu dienen be-\nstrebt sind. © © ©\n0 Nehmen Männer den Thron des Landes ein, welche die höhere Nütz-\nlichkeit dieser Geister empfinden und den Ruhm im Voraus fühlen, den"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.26", "texte": "sie einst auf ihre Zeit ausgießen werden, so ziehen sie diese Träger der\nhöchsten Gedanken auch äußerlich zu der Höhe empor, die ihnen zu-\nkommt. Treffen in solcher Weise Fürsten und Künstler zusammen, dann\nentstehen große Aufgaben, große Werke, große Belohnungen. Es war der\npersönliche Wille Karl August’s, als einer großartigen Natur, nicht aber\nseine Gewissenhaftigkeit als Landesherr, welche Weimar mit so viel\ndichterischem Glanze geschmückt hat. Diese Neigung hätte sich mit dem-\nselben Rechte auf Malerei, Musik oder Gelehrsamkeit werfen können. Ja\nhätte er sich um dieses Alles wenig gekümmert, er wäre ganz derselbe\ngeliebte und charakterfeste Regent gewesen; nur daß ihn dann die Nach-\nwelt nicht mit den Männern zugleich genannt hätte, von deren Namen\nder seinige unzertrennlich bleibt. © © 0\n© Ueberall, wo etwas Großes in der Kunst geschah, handelte es sich um\nfreiwilligen Antheil von beiden Seiten; das Gefühl des Fürsten für das\nGroße, und der Wunsch der Künstler, diesem Gefühle Genüge zu leisten,\nbegegneten sich, und jedesmal war dieses Zusammentreffen so wunder-\narer Art, daß sich für etwanige folgende Fälle keine praktischen Regeln\ndaraus ableiten lassen. © © ©\n© Unsere Kunst, nicht allein die bildende, sondern im umfassendsten\nSinne gesprochen: die Kunst hat sich losgelöst von den alten Ueber-\nle erungen, welche drei Jahrhunderte lang in organischer Aufeinander-\nvorhegen. Das Persönliche, der Gedanke ist wieder so mächtig ge-\nworden, daß die alten Formen plötzlich verlassen wurden. Umhertastend\nim Ungewissen, sucht Jeder für sich einen Ausdruck seiner Ideen zu finden,\nirgends aber ist bis jetzt eine dieser neuen Formen so mächtig erschienen,\naß man sich mit Bewusstsein an sie anlehnen und eine Zukunft auf sie\nstutzen konnte. Nur der Instinkt leitet den Einzelnen dahin oder dorthin.\nWer etwas gefunden zu haben glaubt, mag Gleichgesinnte heranzuziehen\nVi r?’- a°es e3ne dieser Richtungen scheint mir stark genug, um\nals die Keimträgerin einer neuen Entwickelung bezeichnet werden zu\nkonn. 000\n§ .er S hießf sicll und dem Vaterlande verzweifeln, wenn man die\nautgeben wollte, daß aus dem momentanen Chaos eine höhere\nKunst hervorgehen würde, höher, als die, welche uns bisher bekannt war."}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.27", "texte": "Ich glaube an eine Entwickelung der Nation in jeder Beziehung, die, einst-\nmals mit früheren Zuständen verglichen, Alles, was bis auf unsere Zeiten\ngeschah und gethan ward, nur als eine Vorstufe erscheinen läßt. Für die\nklareren, großartigeren Ideen, die dann herrschen werden, wird es auch\neines großartigen idealen Ausdruckes bedürfen, und die Kunst wird dann\nwieder als eine Nothwendigkeit und als das schönste Denkmal des\ngeistigen Lebens eintreten und Niemand mehr um ihre Entwickelung\nin Sorgen sein, weder die Künstler, die dann vom Volke begehrt und\nbeneidet sind, noch die Regierung, welche dann mit ihren Aufträgen den\nAnderen zuvorzukommen suchen wird. 000\n0 Die von mir vorgeschlagenen Einrichtungen fasse ich in folgende\nSätze zusammen: © © ©\n0 Eine Akademie der Künste mit zwei Stufen der Belehrung. 000\n0' Die erste eine Zeichenschule mit nebenherlaufender Schulbildung. 0\n0 Der Unterricht ist gratis und entspricht dem Unterrichte der Gym-\nnasien. © © ©\n0 Die zweite eine Schule, wo das freie Handzeichnen die Grundlage\nder technischen Bildung, Vorlesungen die Grundlage der geistigen Aus-\nbildung sind. © © ®\n0 Diese beiden Theile, der technische wie der geistige, werden mit\ngleicher Wichtigkeit behandelt. © © ©\n0 Der Unterricht ist nicht gratis und entspricht den auf der Universität\ngetriebenen Studien. .. 00©\n© KUNST WIRD ALS ÜBERHAUPT NICHT LEHRBAR AUF\nDER AKADEMIE NICHT GELEHRT, SONDERN NUR DAS DAR-\nGEBOTEN, WAS EIN KÜNSTLER LERNEN KANN, BEVOR ER\nDIESEN NAMEN TRÄGT. 00©\n0 DIES WIRD SO GRÜNDLICH GELEHRT, WIE IN KEINER\nANDEREN ANSTALT. ©o©"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.28", "texte": "0 Für diejenigen, welche sich aus freiem Entschlüsse zu Künstlern be-\nstimmen, ist Gelegenheit da, sich in den Ateliers bedeutender Meister\nRath und Belehrung zu holen. © © 0\n© In Rom wird ein Haus eingerichtet, wo ehemalige Schüler der Aka-\ndemie freie (oder billige) Wohnung, ein Atelier und eine Bibliothek finden.\n\nHERMAN GRIMM.\n\nFür V. S. gez.\nv. Ludwig von Hofmann CM."}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.29", "texte": "Original-Holzschnitt in 4 Platten\nvon Anton Nowak OM."}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.31", "texte": "DER BESTE ALLER BLEISTIFTE\n□ □ IST UNBESTRITTEN □ □\n„KOH-I-NOOR”\nVON L. & C. HARDTMUTH.\nEXISTIERT IN 17 HÄRTEGRADEN.\nZU HABEN IN JEDER BESSEREN\n□ □ PAPIERHANDLUNG □ □"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.32", "texte": "• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• ••••••••••\n□'\n□\nJOH. BACKHAUSEN\n& SÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\n□\n□\nFABRIKEN FÜR TEPPICHE, MÖBEL=\nSTOFFE, TISCH= UND BETTDECKEN\n□ IN WIEN UND HOHENEICH □\nNIEDERLAGE:\n□ □ WIEN, I. OPERNRING 2 □ Q\n(HEINRICHSHOF)\n• ••••••••••\n□ '\n□ '\n□ '\n□\n□\n□\n□\n□\n□\ne\n□\n□\n'□\n□\n'□\n'□\n'□"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.33", "texte": "■□□□■□□□■□□□■□□UBUUUBUUUBUUUB\n□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■□■fl\n□□■□□□■□□□■□□□■□□□■□□□■□□□■□fl\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\nAUERLICHT.\nTELEPHON 1063\n□DBzEBTRiLE: ,v SCMLE,FMOHLOMS‘4\nnn\n□■□\n■nn\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\n□□\nVERKAUFSSTELLEN:\n□ 1., FISCHHOF 3, Telephon Nr. 12465 □\n11., TABOR STRASZE 4, Telephon Nr. 15080\n□ □ □ 111., HAUPTSTRASZE 23 □ □ □\nVII., ANDREASGASSE 9, Telephon Nr. 9122\n□ VIII., JOSEFSTÄDTERSTRASZE 64 □\nIX., NUSZDORFERSTR. 19, Teleph. Nr. 12797\n□ sowie bei den meisten Gasinstallateuren □\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□■\n□■□\n■□□\n□■□\n□□l\n□BQ LAMPE exklusive Montage und Bedachung K 4.50 □■□\nII )■ SPARLAMPE exkl. Montage und Bedachung K 3.90 ■□□\n□■□ GLÜHKÖRPER kostenfrei ins Haus gestellt K 1.- □■□\nSPAR-GLÜHKÖRPER 80 Heller O □ □ □ O □□■\n■nHnynnnßmn«\"Hn«mn«am«nmß"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.34", "texte": "!□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□\nO\nID\n□\nI\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nID\nID\nD\nGLASMALEREI\nCARL GEYLING3 ERBEN\nGEGRÜNDET 1841\nWIEN,\nVI. WINDMÜHLGASSE 22\naaaaaaDnnnmmmmnnnnnm\nD\nDB\nDB\nD\nDB\nDB\nD\nDB\nDB\nD\nDB\nDB\nD\nHS\nD\nD\n8\nDI\nD\nHS\nD"}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.35", "texte": "nnnnnnnnnnaDDDaoaDDDDDDDD\n.\n□\n□\nm,\n□\nM\n<\nn\n□\n□\nD\n□\n&\n□\nIß\na\n■ i\ncz\n□\n\\y\\ t*\n□\n■ j?\nomzi\nr~\\\n<■■■• .\n/\n□\nJL\na\n■c\n1\nL\nX)\na\nX\n3\nx-> rn\nT«\n□\n,\no,\na\nfNI\nCD T)Q\nCK\nO\nCP\n□\n2\n“nci\nCP\nrn —n Lx\nS?>\nc=\nXD XD Q\n□\n2\nn\nrr\nZJ3\n3Ü\nc\n' m\no\na\nNX\nO\ntXI (—7\n33\nx\nx>d^o\n□\n□\n30\nM\n—a\n:r\ncixa\nIX\n□\nm\n□\nTI\nZD\nrn\no\nn\nx\n□\nm\n□\nX)\nvx\nr^j_J\no\nCD rn\n■\nm\n2:\nrr\n□\nr»\n□\n2\nti e\n□\nm\nu*\n□\n2 3\n£3\nZ\n□\n□\n=2 o*3\n□\n□\n□\n□\nO\nn\nV\n□\n□\n□\n□\n□ □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □□□□"}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.36", "texte": "• • •\nE. BAKALOWITS\nSÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\nWIEN, I. KÄRNTNERSTRASZE 12\n□ SPIEGEL, KRISTALLÜSTER, □\n□ TRINKSERVICES, PHANTASIE= □\n□ OBJEKTE ETC. □\n>• • •\n• • •\n• •\n• • i"}, {"page_pdf": 38, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030201-01.1.38", "texte": "Für die REDAKTION verantwortlich: MAX KURZWEIL in WIEN\nHerausgeber; VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\nDruck von ADOLF HOLZHAUSEN, k.u.k.Hof-u.üniv.-Buchdrucker in Wien\nZink-Clichös von der „GRAPHISCHEN UNION” in Wien"}]}