{"numero_id": "bm-bmtnabf-1903-05-01-01", "volume": "bmtnabf_1903-05-01_01", "ocr_sha256": "0fcfa99332926c1487b5ca46eb20902c6d0a6ac141ead0bfc5f0ec0d4a13411a", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabf/issues/1903/05/01_01/bmtnabf_1903-05-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabf/issues/1903/05/01_01/bmtnabf_1903-05-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabf-1903-05-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-05-01_01#c003", "volume": "bmtnabf_1903-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "171", "page_fin": "185", "image_debut": 5, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.2.3", "titre_corps": "ALTE DOKUMENTE : ZUR GESCHICHTE DER ENTSTEHUNG UND AUFSTELLUNG VON MICHAELANGELOS DAVID", "titre_sommaire": "ALTE DOKUMENTE : ZUR GESCHICHTE DER ENTSTEHUNG UND AUFSTELLUNG VON MICHAELANGELOS DAVID", "signature_source": "MARIE HERZFELD", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1682, "texte": "LTE DOKUMENTE\n\nZUR GESCHICHTE DER ENT-\nSTEHUNG UND AUFSTELLUNG\nVON MICHELANGELOS DAVID.\n© In den Archiven von Florenz,\nderen Schätze erst zum geringen\nTeile gehoben und verwertet sind, be-\nfindet sich ein merkwürdiges Schrift-\nstück = eine Art von Protokoll über\ndie Sitzung, welche am 28. Januar\n1504 stattfand, um die Meinung von\nKünstlern und Laien zu vernehmen,\nauf welchem Platze der David des\nMichelangelo würdigaufzustellen sei.\nWenn man dies Schriftstück liest, so erwacht der Wunsch, einmal alle\nDokumente aufzusuchen und zu ordnen, die sich auf die Entstehung, Aus-\narbeitung, Aufrichtung der Statue beziehen, und sich so das Bild jener\nTage der jungen Renaissance lebendig zu machen. Noch nicht ganz vor-\nüber waren die glücklichen Zeiten des Vorfrühlings der hohen Kunst =\nZeiten, wo der Künstler noch nicht völlig außerhalb des Handwerks und\ndes Kreises seiner Mitlebenden stand, wo er nur ganz vereinzelt und kaum\nsehr bemerkbar in Gegensatz zum Denken, Fühlen und Geschmacke\nseines Volkes geriet. Kunst und künstlerische Dinge waren schon ein\nProblem allerersten Ranges inmitten der öffentlichen Angelegenheiten\ngeworden, und zwar ein Problem, zu dessen sachgemäßer Behandlung\njeder ratsfähige Mann von einem Tage auf den anderen berufen sein\nkonnte und vorbereitet sein mußte. Um dieses recht zu begreifen, er-\ninnere man sich nur, wie im Laufe des Mittelalters die Verhältnisse in\nFlorenz sich gestaltet hatten. Und wie sie noch eine Weile fast unver-\nändert blieben, als schon die fürstliche Stellung einer überragenden Per-\nsönlichkeit von der Art Lorenzo „des Prächtigen” ein großartiges Privat-\nmäcenatentum geschaffen und rings um sich hervorgelockt hatte, das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2448, "texte": "zwar half, den Künsüer über die Menge empor und von ihr wegzuheben,\naber ihn auch bald gänzlich von seinem Volkstum losloste. In den Tagen,\nvon denen hier gesprochen wird, lag diese letzte Befreiung des Künst-\nlers und zugleich das Unheil, das sie barg, noch ein wenig fern Nach\nlangen, blutigen Kämpfen war das Stadtregiment in Florenz den Zünften\nzugetallen. Die ganze Bürgerschaft war in Zünfte geghedert. Wer mitreden\nwollte, mußte einer Zunft angehören. Auch der Edelburtige mußte sich in\neine Zunftrolle schreiben lassen. Aller Einfluß nahm seinen Weg durch die\nWahlbeutel der Zünfte. Die höheren Zünfte beherrschten alles. DiePnoren\nder Zünfte bildeten die höchste Gewalt von F lorenz, die Signona. Das Ziel\ndieser obersten Regierungsgewalt und die des letzten Bürgers war ganz das\ngleiche; Florenz sollte die geehrtestealler Städte sein, nichtbloß die mäch-\ntigste und reichste, sondern auch die schönste. Die großen Zünfte wetteifer-\nten darin Florenz zu schmücken. Sie hatten allmählich die Verwaltung der\nBauhütten an sich gerissen, die mit den Kirchen verbunden waren, und da-\nmit die oberste Leitung der städtischen Bautätigkeit. So sind denn ein paar\nJahrhunderte lang die größten Kunstaufträge in Florenz von den Zünften\nvor der Mitte des XII. Jahrhunderts sollen die Kon-\nsuln der sogenannten Colimalazunft dem Bau von San Giovanni vorgestan-\nden haben. Die Seidenzunft ordnet im XIV. Jahrhundert den Neubau von\nOr S. Michele an, beaufsichtigt ihn, schafft die Mittel dazu herbei. Auf ihre\nVeranlassung stiften die 12 Hauptzünfte in die Nischen den Statuenschrnuck,\nso war der heil. Georg des Donatello von den Waffenschmieden, Verroc-\nchios Gruppe des Heilandes und des ungläubigen Thomas vom Zunft- und\nHandelsgericht, der Mercanzia, beigestellt worden. Die Bauhütte des\nDOMES befand sich in Händen der mächtigsten aller florentinischen Zünfte,\nder Wollenzunft. Vermittels ihrer aus dem Vorstand in die „Opera”, die\nBauhütte, delegierten Kommissäre, der sogenannten Operai, hat diese Zunft\ndie größten Bauaufgaben durchgeführt. Unter ihren Auspizien wurde die\nLoggia de’ Signori (später de’ Lanzi genannt) errichtet, die Piazza wurde\nerweitert und gepflastert, ein neuer Mauerring aufgeführt und an Stelle der\nalten Kathedrale Santa Reparata der Dom von Santa Maria del Fiore auf-\ngemauert, wie man sagte. Wieviel Geld dies forderte, wieviel zähe Klugheit,\nwas für Geschmack und welche praktischen Kenntnisse, lehrt den Staunenden"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2362, "texte": "die Geschichte jeder einzelnen dieser Bauten. Die Operai der Zunft waren ia\nkeine Fachleute, sie waren Tuchhändler, Tuchfabrikanten = nach dem\nAufstand der Wollenschläger 1378 hatte man „aus reiner und wahrer\nrahtat” auch den Färbern das Recht erteilt, Operai zu werfen - nicht'\ni-eute, die durch lebelange Praxis halbe Baumeister geworden- denn der\nentsendete sie nur für kurze Fristen in die Opera und beaufsich\nügte sie stets. Aus solchem Stoff waren die Operai, die Konkurrenzen aus\"\nschrieben, Pläne = meist nur Detailpläne über Strebepfeiler oder Decken-\nWölbungen oder den Kapellenkranz = begehrten und dann zu deren\nAusführung, aus Sparsamkeit, aus Mißtrauen, nur für ein Jahr und dann\nVir n?.ch emes’ Architekten> ja womöglich nur Zimmermeister bestellten\nAllerdings entschieden sie bei der Wahl eines Entwurfes nie ohne die\nMeinung von Künstlern und Kennern einzuholen, und zugleich nie ohne\nSlch gegen die Mißbilligung von oben und von unten gleichmäßig zu\nschützen. Im Notfälle deckte man sich durch ein Plebiscit. So geschah es\nbeim Neubau von Santa Maria del Fiore. Als man sich nach vielfachen\nBeratungen in engerem und weiterem Kreise, nach oftmals umgestoßenen\nBeschlüssen endlich auf ein Modell, die Kombination vieler Künstler ge\neinigt hatte, wollten die Operai diesen Beschluß unwiderruflich machen\nkie schickten deshalb eines Tages Ausrufer durch die Stadt und luden\n„jedermann und Leute von allen Sorten” ein, morgen in die Kirche zu\nkommen und zu sagen, welcher von den Entwürfen ihnen am besten o-e\nhele; man würde sie „gnädig anhören” und nach ihrer Entscheidung die\nKirche bauen. Und zwei Tage lang kam ganz Florenz herbei, Trödler und\nSchneider und Schuster und Strumpfwirker wie Ratsherren und Ritter\nund Geistliche und Künstler, und ohne Abweichung stimmten sie alle für\ndas vorgeschlagene Modell „als das schönere, rühmlichere und prächti\ngere”. Immer kam ganz Florenz, wenn es etwas zu sehen gab; es war ge\nkommen, als Cimabue seine Muttergottes für Santa Maria Novella vollen\ndete; es kam noch im Cinquecento, als Michelangelo und Leonardo da Vinci\nihre Kartons für die Wände des Ratssaales ausstellten. Wie intensiv die\n1 eilnahme der Florentiner an Kunstsachen war, beweist wohl am sicher\nsten eine Schrift wie das erhaltene Tagebuch eines braven Apothekers\noder besser Spezereihändlers. Luca Landucci zeichnet alles auf was zu"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2335, "texte": "seiner Zeit geschieht = und er erlebt bewegte Zeiten; er notiert Krieg\nund Pest, Mord und Missetat; er schildert, wie Giuliano de Medici 1478\nbeim Hochamt im Dome erstochen wird; er erzählt die Verbrennung des\nSavonarola; er beschreibt Feste, Empfänge, eine Löwenjagd in den Straßen\nvon Florenz; doch ebenso gewissenhaft meldet er die Fortschritte im Bau\ndes Palazzo Strozzi; er berichtet, wann die Domkuppe unter Fanfaren-\nschall mit dem feuervergoldeten Kupferknopf des Verrocchio bekrönt wird;\nwir hören durch ihn, wie und unter welchen Umstanden Michelangelos\nDavid vor den Palast der Signoria geschafft wird, wo er bis 1873 als Tor-\nhüter vor dem Eingang gestanden ist. , ©©©\n© Die Geschichte der Statue, wie sie uns die Dokumente des Quattro-\ncento und des beginnenden Cinquecento in ihrer naiven und umständlichen\nArt erzählen, ist lehrreich und voll mannigfachen Interesses. .©©©\n© Im Jahre 1463 hatten die Operai von Santa Maria del Fiore bei einem\nBildhauer, Agostino, Sohn des Antonio di Ducco, Duccio oder Gucci aus\nFlorenz, einen „Giganten, nach der Form und Art über dem\nTore gegen die Servi zu steht, oder einen noch besseren bestellt. Ago-\nstino scheint seinem ungenannten Vorbild, in dem Donate los marmornen\nDavid zu vermuten Anlaß ist, gerecht worden zu sein, denn 1464 bestellen\ndie Baukommissäre der Wollenzunft bei ihm einen zweiten David, aus\nweißem Marmor, neun Ellen hoch und aus vier Stücken zusammengesetzt.\nAgostino übermütig geworden, vermaß sich, den Koloß aus einem Stück\nzu machen, und ließ die Arbeit dann im Stich. Jahrzehntelang stand der\nBlock in der Bauhütte des Domes und lockte die Bildhauei an man\nnennt Donatello, ja Leonardo; doch der Block war übel verhauen und\nschreckte auch wieder ab, so daß sich alle Verhandlungen zerschlugen.\n© Condivi, der Schüler und zuverlässigste unter zeitgenössischen\nBiographen Michelangelos, schreibt, daß Andrea Sansovino gebeten habe,\nman solle den Block ihm schenken, indem er versprach, er wolle eine\nFigur daraus hauen, wenn er gewisse Teile ansetzen dürfe, doch die Herren\nvon der Werkhütte, ehe sie sich entschlossen, den Stein herzugeben, hatten\num Michelangelo geschickt = er genoß schon einen hohen und weitver-\nbreiteten Ruf; er hatte nicht bloß für Florenz, sondern auch für Bologna,\nRom und Brügge gearbeitet = und nachdem sie seine Meinung gehört,"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2125, "texte": "den Block ihm gegeben, der ohne Anstückelung daraus mit solcher a„c\nnutzung des Materiales seine Figur herauszog, daß auf dem Scheitelt\nS“n “ der ?.afiS n°ch die alte «->*> des sfchtbfr\n\\r u’ Die Dokumente erzählen in ihrem herrlichen Küchenlatein vor. a\nO mÄ\" der WoUenfunft mit Michelangelo uns folgendes: 0©\nw ~DI’ dle XVI auSustl- = »Die ehrenfesten etc. etc Konsuln\nWollenzunft, im Verein mit den Herren Baukommissären'in genannte?\nBauhutte versammelt, wahrnehmend Nutz und Ehre bemeldetlr One™\ns^hlt^n z\"m Bildhauer derselben den würdigen Meister: Michel Aneelo\nSohn des Lodovico Buonarroti, Bürger von Florenz, zur Herstellung Ans ’\nfuhrung und gänzlichen Vollendung eines gewissen Mannes,\ngant welcher roh behauen , neun Ellen hoch in Marmor . in genannter\nWerkhutte vorhanden ist, einstens roh behauen durch Meister iWustinns\ngrande aus Florenz, und Übel behauen, = für die Zeit unddalÄS\nzwei nächstfolgenden Jahre, die beginnen am ersten Tag des kommenden\nlrPHem^r’ und zwar mit einem Lohn und Gehalt von sechs Goldgulden\nfür den Monat, in üblicher Münze; und was ihm nötig ist zur\ndes besprochenen Gerüstes, wird die Bauhütte gehalten, ihm zu leihen ,lnf\nbeizustellen, sowohl die Leute besagter Bauhütte als BalkenTe?k und alles\nwas er sonst bedürfte, und sobald jene Arbeit und jener M?rmormann\nertig ist, werden die Konsuln und die Operai, die dann sein S\nübeda?ien.°b \" grMc”\n© (Randbemerkung:) „Es begann genannter Michelangelo zu bearbeit?\nund auszuhauen bemeldeten Giganten am 13. Tage des September icnr\nam Montage, obwohl er vorher schon an einem anderen Tage desselben\nmit einem oder zwei Meißelhieben einen Knoten entfernt, den jener ailf\nder Brust hatte: am besagten Tage jedoch begann er wacker und fest zu\narbeiten, am besagten dreizehnten Tag und Monat.”\n© Und in der Tat, Michelangelo, der in seiner Jugend von scbwSh\nbcher Konstitution war, so daß ihn oft schon ein plar Meißelhiebe er\"\nmudeten, und der sich innerlich manchesmal wie gelähmt fühlte scheint\ndiesmal „fest und wacker” gearbeitet zu haben; man sa« er habe sich\nOft des Nachts in Kleidern ausgestreckt, um frühmorgens gleich zur Arbeit"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2250, "texte": "bereit zu sein. Jedenfalls stimmt dazu folgendes Papier aus dem Archiv\nder Dombauhütte: 00©\n© „Die 25. februarii MDI” (neuen Stils 1502). = „Die ehrenfesten Herren\nKonsuln der Wollenzunft beschließen, daß dieOperai dem Michelangelo de\nBonarrotti geben können 400 schwere Goldgulden für den von ihm be-\ngonnenen Giganten, eingerechnet das, was er bisher dafüi bekommen hat,\nund daß man ihm sechs schwere Goldgulden per Monat geben arf, bis er\nfertig ist. Und ist er anzuhalten, daß er in weniger als zwei Jahren, von\ndiesem Tage an gerechnet, es vollbringe, so daß tatsächlich bis zur ganz-\nliehen Vollendung besagten Giganten nur 400 schwere Gulden in Gold aus-\ngegeben werden können.” 1, 0 o©O\n© Am 28. Tag genannten Monats.” = „Vorbemeldete Operai, m An-\nbetracht der besagten Verhandlung vom 25. Februar dieses der genannten\nehrenfesten Konsuln von oben, mit der Erklärung an jene Operai hinsicht-\nlich des Lohnes des genannten Michelangelo di Bonarroti, und daß he-\nsagte Operai genannten Lohn und Preis aussprechen und machen dürfen,\n= und nachdem sie verhandelt hatten das Gesuch des genannten Michel-\nangelo, sowie die V/illensmeinung besagter Konsuln, erklärten sie kraft\nihrer Autorität, daß der genannte Preis und Entgelt des genannten Michel-\nangelo für besagten Giganten oder David, der in jener existiert\nund von genanntem Michelangelo schon halb gemacht ist, sei und bleibe\n400 schwere Goldgulden, welche obbenannte Summe ihm durch die\nKammer bemeldeter Opera zu zahlen ist nach Vollendung jenes Giganten,\nmit dem Lohn für jeden Monat, wie er einst festgestellt wurde, von sechs\nGoldgulden, bis zur Zeit der Vollendung des besagten Giganten, und daß\neinzurechnen sei in bemeldete Summe von 400 Goldgulden alles, was er\nerhalten schon hat und noch erhalten wird.” ©©©\n© Bald war die Arbeit soweit gediehen, daß jene berühmte Versamm-\nlung einberufen werden konnte, von der uns ein kostbarer Belicht erhalten\nist. Er lautet, möglichst wortgetreu, wie folgt: ©©©\n© „Am 25. Tag des Monats Januar 1504.” = „Vorbesagte Operai =in\nAnbetracht, daß die Statue oder David beinahe fertig ist; vom Wunsche\ngeleitet, sie aufzustellen und ihr einen bequemen und angemessenen Platz\nzu geben, und daß solcher Platz, nach dem Berichte Michelangelos, des"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2728, "texte": "Meisters des genannten Giganten und der Konsuln der Wollen . ~\nZeit, wo sie an diesen Ort gesetzt werden soll und gesetzt werdJ Zar\nsicherer und wohlgesicherter sein muß- von dem dei? lrd’ ein\nein solcher Rat zusammenkomme zu besagter Wirkung- undVt daß\nbeschlossen, einzuberufen und zu versammeln, auf dal betagterOrfl36ll\nwählt werde, unten angeführte Leute und Baumeister,m7? Grt\nsmd diese, = und in der Vulgärsprache T° Namen\nhabe ich Wort für Wort aufgezeichnet: (italienisch) Andrea^ell^p^uull6\nBetto Buglione1, Giovanni Cornuole2, Vante, der Miniaturm*?\nrold des Palastes4, Giovanni, der Ratspfeifer®, Lorenzo della r?d ’?? S'e\"\nnaccorso di Bartoluccio7, Salvestro, der Juwelier8 Michelangelo\nschmied8, Cosimo Rosselli, Guasparre, der Goldschmied10 f od’ d(rrGo!d'\nGoldschmied und Bronzegießer11, EI Riccio, der Goldschmied12 Gair\nder Sticker13, David, der Maler14, Simone del PollajuoloI®,Philippe Ä’\n\n1\n2\n3\n4\n5\n6\n7\n8\n9\n10\n11\n12\n13\n14\n115\n0 i\nBenedetto Buglione, Bildhauer, arbeitete auch glasierte Tp Z '\ngest. 1521, = 2 Giovanni di Lorenzo, von seinen Arbeiten delle Cornh Geb> 1469.\nneolen) genannt. Er war von Lorenzo Medici viel als Steinschneid k& , (von en ar\"\nBerühmt ist seine große Kamee mit dem Bildnis Savonarolas. Stirbt \"i ™°rdfn'\nAttavante, Sohn des Gabriello Attavanti, Miniaturmaler. Geb 14» s—’ Vante oder\nLorenzo Filareti. Die Herolde des Palastes hatten vielfache Funktion™ ~francesco d*\nZeremonienmeister der Signoria, die Hofpoeten der Republik die hP- r n’v^le waren die\nhe..en über gegebene TheSmen dichten sTe wTe“aüch dt\ndie fremde Reden gut vorzutragen hatten. Sie waren die Lustigmacher hei r\" ’i Aufsager’\nführten gewisse Protokolle und Bücher. Manche der Herolde wa ei Banketten. Sie\nDichter; so schreibt man einem das Gedicht „Wer nicht kann was unbegabte\ner kann ’ zu, das man lang für ein Sonett Leonardo da Vincis hielt. Von Prä Wobf’ was\nexistiert ein Zeremonienbuch. = ß Giovanni der Ratsnfeifer ict niem ancesco Pilarete\nVater Benvenuto Cellinis, ein trefflicher Baumeister und^^enSu^Ten^p1? -aIS der\nfach verwendete. Er ging z, B. als zweiter Experte mit Leonardo da VW ° Slgnona viel‘\ntimsche Lager vor Pisa, als die Rede davon war, den Arno abzuleiten Sei *5?3 floren*\nfur Musik hinderte seine Bedeutung als Techniker 6 Lorenzo doli Sflne Leidenschaft\nlieh Volpaja. Verfertiger der berühmten Sr(olereine*°^r\nGhiberti, Neffe des Lorenzo Ghiberti. = 8 Salvestro del’ Lavacchio _ 9 aaisPhäriurr‘). =\ndes Bildhauers Bacio Bandinelli. =lO Guasparre Baldini Vater d* ~d ancbnefb> Vater\ndes Goldschmieds. = “Lodovico Lotti, Vater des Bildhauers Lorenzetto Lo?“ 5®1?1ni’\ndi Giovanni, genannt el Riccio, der Krauskopf. = “ Gallieno di Manf Andrea\ndaJO, Vetter des Domenico. = » Pollajuolo,"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2577, "texte": "lippo, Maler16, Sandro di Botticello, Maler, Giovanni, alias in Wahrheit Giu-\nliano Antonio da San Gallo, Andrea da Monte a San Sovino, der Maler\n(sic!)17, Chimenti del Tasso18, Francesco di Andrea Granacci19, Biagio, der\nMaler20, Pietro di Cosimo, Maler, Lionardo da Vinci, Pietro Perugino, Ge-\nmäldemaler, Lorenzo di Credi, Maler, Bernardo della Ciecha, Zimmer-\nmann21.” ©o©\n© (Auf dem Rande steht geschrieben:) „Baccio d’Agnolo, Zimmermann,\nGiovanni der Pfeifer und Bruder; aber diese wurden nicht gebeten, noch\nkamen sie. Francesco da Settignano22, Chimente der Bildhauer23, Jacopo\nder Zimmermann von Santa Maria in Campo, Gio. Francesco, der Bild-\nhauer24. Diese sind Stellvertreter und wurden aus Irrtum nicht eingeladen.”\n© (Lateinisch:) „Erschienen sind alle obbenannten zur Verhandlung in\ngenannter Opera und gleichsam gemahnt und berufen von besagten\nOperai anzugeben und niederzulegen ihre Aussage und ihren Willen, und\nden Ort zu bezeichnen, wo und auf welchem bemeldete Statue aufzustellen\nist; und indem ich zuerst erzähle, Wort für Wort, was sie eigenen Mundes\nin der Volkssprache berichteten:” ©©©\n© (Italienisch:) Maestro Francesco, Herold der Signoria: „Ich habe\nim Gemüt hin und her erwogen, was mein Urteil mir eingeben möchte.\nIhr habet zwei Orte, wo dergleichen Statue aushalten kann. der erste ist,\nwo die Judith25 steht, der zweite die Mitte des Hofes im Palast, wo der\nDavid26 ist; ersteren, weil die Judith ein todbringendes Zeichen ist und so\ngehört sie sich nicht hin, sintemalen wir das Kreuz zum Abzeichen haben\n\n16\n)18’\n19\n17\n20\n21\n22\n23\n-24\n25\n26\ndas Kranzgesims des Palazzo Strozzi. = 16 Philippo di Philippe ist Filippino Lippi, Sohn\ndes Filippo. = 17 Andrea Sansovino, Bildhauer. = 18 Clemente, Sohn des Francesco del\nTasso, ein tüchtiger Baumeister, der z, B. für die Ausgestaltung des Saales des großen\nRates in der Signoria tätig war. = 19 Maler, Freund des Michelangelo. = 20 Biagio Tucci.\n= 21 Bernardo di Marco Renzi, Steinschneider und Architekt, genannt della Cecca als\nSchüler des berühmten Ingenieurs Francesco d’Agnolo; auch bei den inneren Umgestal-\ntungen des Palazzo der Signori beschäftigt. Stirbt 1529. = 22 Francesco, Sohn des Stoldo\nFancelli. = 23 Clemente, Sohn des Taddeo de Santa Maria a Pontanico. = 24 Rustici. =\n26 Die Judith mit dem toten Holofernes, die Bronzegruppe des Donatello, die 1495 aus dem\nPalazzo Medici weggenommen und neben dem Eingang des Regierungspalastes aufgestellt\nwurde. Es ist die gleiche, welche nun die Loggia dei Lanzi schmückt. = 26 Der bronzene\nDavid des Donatello, jetzt im Museo Nazionale."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2303, "texte": "und die Lilie; paßt auch nicht, daß eine Frau einen Mann umbringt und\nhauptsächlich, weil sie unter böser Konstellation aufgestellt worden: denn\nvon da ab seid ihr von Üblem in Übleres gefallen und ging Pisa verloren\nDer David vom Hofe ist nur so eine Figur und ist nicht vollkommen, weil\ndas Bein von rückwärts lächerlich ist. Daher möchte ich raten, daß’ man\ndiese Statue da auf einen der beiden Plätze stelle, doch eher, wo jetzt die\nJudith ist.” ©o©\n© Francesco Monciatto, Zimmermann, antwortete und sagte: , Ich\nmeine, daß alle Dinge, die gemacht werden, für einen Zweck gemacht\nwerden, und ich denke so; denn der da wurde gemacht, um auf einen der\nPilaster draußen oder auf einen Strebepfeiler rings in der Kirche gesetzt\nzu werden. Den Grund, ihn nicht hinzusetzen, weiß ich nicht, und dort\nschiene er mir ganz gut zu stehen, der Kirche zur Ehre und den Konsuln\nUnd bei verändertem Ort, rate ich euch, nachdem Ihr schon vom ersten\nObjekt abgekommen seid, daß er in dem Palast gut stehen wird, oder auch\nin der Kirche. Aber nicht so recht entschlossen, berufe ich mich auf das, was\ndie anderen sagen, da wegen der Kürze der Zeit ich über einen passenderen\nOrt nicht habe nachdenken können.” ©©©\n© Cosimo Rosselli: „Und Messer Francesco und Francesco haben gut\ngeredet: ich glaube, es stünde gut bei jenem Palast. Und ich hatte gedacht\nihn auf die Treppe der Kirche zu setzen, zu rechter Hand, mit einem\nUnterbau auf die eine Ecke der Treppe, mit hohem Unterbau und Orna-\nment, und dahin, ja wohl, tät’ ich ihn setzen, ging es nach mir.” ©©©\n© Sandro Botticello: „Cosimo hat just gesagt, wo auch mir scheint\ndaß der Gigant von den Hin- und Hergehenden gesehen wird, und mit der\nJudith auf der anderen Ecke, oder auch in der Loggia de’ Signori, aber\neher auf der einen Ecke von der Kirche: und dort, schätze ich, stünde er\ngut, und ich halte es für den besten Platz unter allen.” ’ ©©o\n© Giuliano da San Gallo: „Mein Sinn war auf die Ecke der Kirche\ngerichtet, gerade wo Cosimo gesagt hat und die Statue von den Auf- und\nAbgehenden gesehen wird; aber nachdem sie eine öffentliche Sache ist\nmit Rücksicht auf die Unvollkommenheit des Marmors, weil der zart und\nspröde ist und schon unter Wasser war und mir da nicht dauerhaft schien\ndrum habe ich mir aus diesem Grund gedacht, dass sie im Mittelbogen"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2212, "texte": "der Loggia de’ Signori gut stünde, oder auch in der Mitte, so daß man\nrings herum gehen könnte, oder auf der Seite rückwärts mitten an der\nWand, mit einer schwarzen Nische hinter sich, nach Art eines Kapell-\nchens; denn wenn Ihr sie in den Regen stellt, wird sie rasch verdorben\nsein; verlangt bedeckt zu stehen.” ©OO\n© Der zweite Herold: „Ich sehe mir die Aussage von allen an und\nwie jeder mit gutem Sinn die verschiedensten Arten in Absicht habe: und\nwenn ich mir die Art in Bezug auf Eis und Frost anschaue, bin ich drauf\ngekommen, daß die Statue unter Dach stehen muß und daß ihr Platz in\nder genannten Loggia ist, und im Bogen nächst dem Palaste, und da be-\ndeckt stehen und geehrt sein, mit Hinsicht auf den Palast; und wenn unter\ndem Mittelbogen, so durchbräche das die Ordnung der Ceremonien,\nwelche die Signori und die anderen Magistrate dort vornehmen.” (Auf\ndem Rande:) Dieses fügte er später bei, nach dem Ausspruch aller übrigen,\nauf die letzt: „Und ehe Euere Magnifizenzen verfügen, wo sie zu stehen\nhat, verhandelt es mit den Signori, weil gute Köpfe darunter sind.” 0\n© Andrea, genannt el Riccio (Krauskopf), der Goldschmied: „Ich\nstimme zu, wo Messer Francesco der Herold sagte, und daß sie da ge-\ndeckt stünde und höher geachtet wäre und mehr angesehen, als wenn sie\nnur zum Verderben wäre, und sie besser geschützt stehen müßte und die\nAuf- und Abgehenden nur herkommen sollten um zu schauen, und nicht\nso ein Ding den Leuten entgegenkommen, und wir und die Herumspa-\nzierenden sie aufsuchen und nicht die Figur uns aufsuchen müßte.” 0\n© Lorenzo della Golpaja; „Ich stimme dem Ausspruch des Herolds\nvon vorher bei und dem Riccio und dem Giuliano da San Gallo.” 0\n© Biagio der Maler; „Ich glaube, daß weise geredet worden ist und\nich bin von dieser Meinung, daß am besten wäre, wo es Giuliano gesagt\nhat, indem man sie ganz rückwärts aufstellt, daß sie die Ceremonien der\nÄmter nicht stört, die in der Loggia stattfinden, oder wirklich auf die\nTreppe.”\n© Bernardo di Marcho: „Ich stütze mich auf Giuliano da San Gallo\nund scheint mir von gutem Verstand und ich gehe mit besagtem Giuliano\naus den Gründen, die er gesagt hat.” 8\n© Leonardo di Ser Piero da Vinci: „Ich bestätige, daß die Figur in"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2322, "texte": "der Loggia stehen muß, dort, wo es genannter Giuliano gesagt hat, auf dem\nMäuerchen, wo sich neben der Wand die Spaliere anlehnen, mit schick-\nlichem Ornament und so, daß es die Ceremonien der Ämtern nicht verdirbt ”\n© Salvestro: „Man hat alle Orte hergenommen und besprochen und\nsind so viel Sachen gesehen und gesagt worden. Ich meine, der sie ge-\nmacht hat, ist da, ihr den besten Platz zu geben. Ich für mich erachte den\nvor dem Palast als den besten, und daß der sie gemacht hat, nichtsdesto-\nweniger, wie ich schon gesagt habe, besser als irgendwer den Platz wissen\nwird, nach dem Aussehen und der Art der ganzen Figur.” ©©©\n© Philippe diPhilippo: „Ich: von allen ist ausgezeichnet geredet wor-\nden und glaube doch, daß der Meister einen noch besseren Platz habe und\nlänger den Platz bedacht und daß man von ihm es hören muß, bekräftigend\ndas Reden derer, die gesprochen: daß es nämlich weise gesprochen war.”\n© Gallieno der Sticker: „Was mich anlangt, nach meiner Einsicht\nund in Anbetracht der Qualität der Statue, bezeichne, daß sie gut stünde\nwo der Löwe von der Piazza ist, mit einem ornamentierten Unterbau: als'\nwelcher Ort für solche Statue passend ist, und indem man den Löwen\nneben das Tor des Palastes setzt, auf den Rand des Mäuerchens.” 00\n© David der Maler: „Mir kommt vor, Gallieno habe einen Ort genannt\nso würdig wie irgend ein anderer Ort, und daß gerade dies der angemes-\nsene und bequeme Ort sei; und den Löwen nur anderswohin setzen dort-\nhin, wo er gesagt hat, oder auf einen anderen Platz, den man für besser hält.”\n© Antonio Zimmermann da San Gallo: „Wenn der Marmor nicht\nso empfindlich wäre, der Platz des Löwen ist ein guter Platz, glaube aber\nnicht, daß sie ihn vertragen könnte, wenn sie lange Zeit dort stünde. Da-\nher, nachdem der Marmor empfindlich ist, meine ich ihm den Platz in der\nLoggia zu geben, und wenn das nicht wäre, litten die auf der Straße Vor-\nübergehenden zu viel Mühe, um sie so weithin zu sehen.” ©©©\n© Michelangelo der Goldschmied: „Diese weisen Männer haben\nsehr gut gesagt und besonders Giuliano da San Gallo. Mir kommt vor, daß\nder Platz an der Loggia gut sei, und wenn der nicht gefiele, dann in der\nMitte des Ratsales.” ©©©\n© Giovanni der Pfeifer: „Nachdem ich Euer Erachten sehe, bestätige\nich den Ausspruch des Giuliano, im Falle man so sie ganz sehen könnte,"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2265, "texte": "aber man sieht sie nicht ganz; doch muß man an den Grund denken, an\nihr Aussehen, an die Öffnung (Bogenstellung?), an die Wand, an das Dach;\ndeswegen muß man um sie rings herum gehen können; doch andererseits\nkönnte irgend ein Elender ihr mit einer Stange eins versetzen. Mir scheint,\nsie wäre gut im Hofe des Palastes, wo es Messer Francesco der Herold\nsagte, und wird dem Autor ein großer Trost sein, weil es ein Ort wäre,\nwürdig solcher Statue.” ©©©\n0 Giovanni Carnuole: „Ich war geneigt sie hinzusetzen, wo der Löwe\nist, hatte aber nicht gedacht, daß der Marmor zart ist und von Regen und\nKälte verdorben würde: deswegen urteile ich, daß sie in der Loggia gut\nstünde, wo Giuliano da San Gallo gesagt hat.” ©©©\n0 Guasparre di Simone; „Ich hatte gemeint, sie auf die Piazza di San\nGiovanni zu setzen; aber mir scheint die Loggia ein passenderer Ort, da\nsie empfindlich ist.” ©OO\n© Pietro di Cosimo, Maler: „Ich bestätige den Ausspruch des Giuliano\nda San Gallo und überdies, daß jener zustimme, der die Figur gemacht hat,\nweil er besser weiß, wie sie zu stehen hat.” ©o©\n0 Diesem fügt der protokollführende Schreiber italienisch bei: „Die\nübrigen oben Genannten und Geladenen werden mit ihren Aussprüchen der\ngrößeren Kürze wegen nicht aufgeschrieben. Aber ihre Rede war, daß sie\nsich auf die Aussage von jenen oben bezögen, und der eine auf den einen\nund der andere auf den anderen der obigen Aussprüche, ohne Abweichung.”\n0 So endete, ohne rechte Entscheidung, die denkwürdige Beratung, die\nschon durch die erlauchten Namen der Teilnehmer uns ehrfürchtige\nSchauer abringt. Und trotz der Verdunkelung, die der Sinn der meisten\nAussagen durch das Ungeschick des Protokollführers erfahren, glaubt man\nallerlei Charakteristisches darin noch herauszufühlen. So frappiert einen\nder trockene Ton im Gutachten Leonardo da Vincis. Man kann sich als\nmöglich denken, daß ihm, dem subtilsten Künstler, den die Erde je trug,\nder effektvolle Akt seines jung aufstrebenden Nebenbuhlers nicht gefallen\nhat, zum mindesten weist er der Statue keinen sehr „ehrenvollen” Platz\nden rückwärts an der Wand der Loggia an, wo sie sicher nicht sehr zur\nGeltung gekommen wäre. Vasari schreibt diese etwas unfreundliche Be-\nhandlung der Angelegenheit von Seiten Leonardos dem Ärger zu, den"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2185, "texte": "dieser etwa empfunden habe, weil der Block ihm entgangen war- allein\nsolche Kleinlichkeit ist dem hohen Sinn Leonardos, der über ganz andere\nDinge noch das Gleichmaß der Seele nicht verloren hat, gänzlich fremd\ngewesen. ~ irjr\n© Es scheint, daß man, bei der Verschiedenheit der einzelnen MeinSSrf\nsich zuletzt an Michelangelo selbst gewendet; zum mindesten berichtet\ndie Chronik des Marco Parenti: „schließlich nach verschiedenen Pa-\nreres, auf den Rat des Meisters, mit Hilfe des Simone del Pollajuolo führte\nman sie auf die Piazza dei Signori”, worauf auch das folgende lateinische\nDokument anspielt: © ©\n© „i. April 1504.” = „Haben beschlossen und aufgenommen den Simone\ndi Pollajuolo in dessen Anwesenheit und mit seiner Zustimmung sowie\nin Gegenwart des Michelangelo Buonarroti, Bildhauers, zur Überführung\nder Marmorstatue in den Palast der Signoria, so er überführt haben muß\nim Laufe des 25. Tages gegenwärtigen Monats.” ©©©\n© Hierauf folgender Erlaß in italienischer Sprache: „MDIV, 30. April ”\n„Von Seiten der durchlauchtigsten und erhabenen Signori’ der Herren\nPrioren etc. etc. wird Euch befohlen: Euch ehrenfesten Operai von der\nBauhütte von Santa Maria del Fiore in Florenz, daß auf jegliches Ver-\nlangen des Simone del Pollajuolo, des Antonio da San Gallo, des Zimmer-\nmanns Bartolomeo und des Bernardo della Ciecha = der Architekten die\nvon obbemeldeten durchlauchtigen Herren beauftragt sind, den Giganten\nso in Euerer Bauhütte steht, im Laufe des kommenden Maimonates in die\nLoggia genannter durchlauchtigen Herren zu führen, = Euere Spektabili-\ntäten besagten Architekten jegliches und welche Sache immer geben und\ngewähren möget, die ihnen notwendig und nützlich ist, besagten Giranten\nzu führen und die von genannten Architekten begehrt werden. Und über-\ndies, richten es Euere Spektabilitäten derartig ein, daß selbiger Gigant an\nden oben angegebenen Ort und in bemeldeter Zeit gebracht werde hei\nStrafe ihrer Ungnade.” ©©©\n© Wie dieses Dokument erweist, hat man in der Frage, wohin der Gi-\ngant zu stellen sei, auch bei den obersten Behörden Widersprechendes\nbefohlen, eine Zeit doch wieder an die Loggia gedacht und sich schließ-\nlich wie folgt entschieden: ©©©"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2338, "texte": "0 „28. Mai 1504.” =„. . . Desgleichen haben die genannten Signori\nbeschlossen, daß die Marmorstatue des Giganten, so gegenwärtig auf deren\nPiazza steht, gestellt und gesetzt werde auf jenen Ort, wo jetzt die Erz-\nstatue Judith ist, vor dem Tore ihres Palastes, und daß jene Judith von\ndort entfernt werde. Ebenso haben sie beschlossen, daß aufgetragen werde\nden ehrenfesten Operai der Bauhütte von Santa Maria del Fiore in Florenz,\ndaß sie, so schnell es geschehen kann, jedoch auf Kosten und zu Lasten\nbesagter Bauhütte, bestelle und zu Verfügung stelle Meister und Hand-\nlanger und Rüstzeug und alles sonst Geeignete an Menschen und Dingen,\num zu führen und aufzustellen die Marmorstatue, die auf der Piazza ist,\nzu dem Platz, beziehungsweise auf den Platz, wo sie aufgestellt wer-\nden soll.” ©©©\n0 Welche Beratung zu folgendem Erlasse führt: „MDI V, 29, maii” =\n„Von Seiten der durchlauchtigen und erhabenen Signori, der Herren Prio-\nren etc. etc. wird befohlen; Euch, den ehrenfesten Operai der Bauhütte\nvon Santa Maria del Fiore in Florenz, daß, so schnell es sich machen läßt,\nauf Kosten genannter Bauhütte, Ihr anordnet und beistellt Meister und\nHandlanger und jegliche sonstige Sache, so nützlich ist um fortzuführen\nund wegzubringen die Statue aus Marmor des Giganten, die gegenwärtig\nauf ihrer Piazza ist, und nach jenem Ort, auf den sie gebracht werden soll.”\n0 Der gute Apotheker Luca Landucci, der überall dabei ist und alles\naufs genaueste weiß, erzählt den Transport in seinem Tagebuch wie folgt;\n„Und am 14. Tage des Mai zog man aus der Opera den marmornen Gi-\nganten; er kam heraus um 24 Uhr, und wurde über dem Tor von der\nMauer soviel weggebrochen, daß er heraus konnte. Und in dieser Nacht\nwurden gewisse Steine nach dem Giganten geworfen, um Schaden anzu-\nrichten; man mußte des Nachts Wache halten. Und ging sehr langsam\nvorwärts, so aufrecht festgebunden, daß er schwebte, daß er mit den Füßen\nnicht berührte; mit sehr starkem Gerüst und großem Scharfsinn; und\nmühte sich 4 Tage, um auf die Piazza zu gelangen, kam am 18. um 12 Uhr\nan: hatte mehr als 40 Mann, um ihn gehen zu machen; hatte unter sich\n14 geölte Balken und die sich von Hand zu Hand weiter bewegten. Und\nman mühte sich bis zum 8. Tage des Juni 1504, um ihn auf die Ringhiera\n(eigentlich „Geländer”, hier „Rednertribüne”) zu setzen, wo die Judith war,"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1386, "texte": "die man wegheben mußte und im Palast auf die Erde stellen. Und ge-\nnannten Giganten hatte Michelangelo Buonarrotti gemacht.” © 0 ©\n© Hierauf noch folgenden Erlaß: „MDIV, n. Juni.” = „Die erlauchten\netc. Herren Prioren etc. schreiben und tragen auf Euch, ehrenfesten Operai\nvon Santa Maria del Fiore in Florenz, daß Ihr auf Kosten und zu Lasten\nder genannten Bauhütte so schnell als möglich eine marmorne Basis unter\nund rings um die Füße des Giganten, der gegenwärtig vor dem Tore ihres\nPalastes steht, machen lasset, nach Art und Gestalt, wie es bestimmt wer-\nden wird durch die Baumeister Simone di Pollajuolo und Antonio da San\nGallo.” ©o©\n© Einige Jahrhunderte stand nun der David als riesiger Torwächter in\nseiner weißen Pracht vor dem finsteren Palazzo vecchio. In einem der\nStraßenkämpfe wurde ihm durch einen Steinwurf einer der Arme in drei\nStücke geschlagen. Regen, Wind und Kälte zernagten allmählich den feinen\nMarmor und zerstörten fast die reine Form. Endlich, nach langem Zaudern,\nÜberlegen, entschloß man sich, ihn ins Sichere zu bringen; nun steht er,\ngereinigt und restauriert, seit 1876 in einem Saale der Akademie der Künste\nin Florenz, wo ihn keine Unbilden mehr treffen können. Und wir trösten\nuns, wie schon der gute Riccio getan: „ist ganz schicklich, daß wir hin-\nkommen, sie anzusehen, und nicht so ein Ding uns auf den Markt ent-\ngegenkommt.”\n\nMARIE HERZFELD."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-05-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-05-01_01#c004", "volume": "bmtnabf_1903-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "171", "page_fin": "171", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.2.3.1", "titre_corps": "Initial", "titre_sommaire": "Initial", "signature_source": "Alfred Roller OM", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.5", "debut_caractere": 1684, "fin_caractere_exclue": 1740, "texte": "v. 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BACKHAUSEN\n& SÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\nFABRIKEN FÜR TEPPICHE, MÖBEL=\nSTOFFE, TISCH= UND BETTDECKEN\n□ IN WIEN UND HOHENEICH □\nNIEDERLAGE;\n□ □ WIEN, I. 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SCHLEIFMÜHLGASSE\nVERKAUFSSTELLEN:\n□ 1., FISCHHOF 3, Telephon Nr. 12465 □\n11., TABORSTRASZE 4, Telephon Nr. 15080\n□ □ □ 111., HAUPTSTRASZE □ □\nVII., ANDREASGASSE 9, Telephon Nr. 9122\n□ VIII., JOSEFSTÄDTERSTRASZE 64 □\nIX., NUSZDORFERSTR. 19, Teleph. Nr. 12797\n□ sowie bei den meisten Gasinstallateuren □\n□□L\n□or\nI MI I LAMPE exklusive Montage und Bedachung K 3.50 | Ul |\nSPARLAMPE exkl. Montage und Bedachung K 3. HtZD\nGLÜHKÖRPER kostenfrei ins Haus gestellt 60 Heller QHD\nSPAR-GLÜHKÖRPER 55 Heller □ □ □ □ □\n■□□□■□□□■□□□■□□□■□□□■□□□■nnn*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-05-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-05-01_01#c009", "volume": "bmtnabf_1903-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "190", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.2.7", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 223, "texte": "□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\no\nID\n□\nO\nO\n□\n!□□□□□□□!\ninmnnnnnmnnnnnnnnnnnnnnmn\nGLASMALEREI\nCARL GEYLING3 ERBEN\nGEGRÜNDET 1841\nWIEN,\nVI. WINDMÜHLGASSE\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-05-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-05-01_01#c010", "volume": "bmtnabf_1903-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.2.8", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 397, "texte": "□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □□□□□□\n1 GRfIND.TRIXI\nPflßl^:i9oö\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□ I\n□ I\n□ I\n□ l\n□s\nDI\n□ I\nQl\n□ I\n□ I\nff\ni\nV\nv\nV\n•%\n■\njcC\nA\nERSTE ÜSTCRR. fICTIEN • GE-\nSELLSCHAFT ZUR ERZEUGUNG\nUON n'°ÖELN fIUSGEB°6ENtn\nHOLZE\nmrsam\nWICM.LBURCRING NS 3.\nSCHLA FzmMER.s pci seimneß\nSflL°H n<SBEL (N MoDERNEM STILE,\n□ □□□□□□□□□□□□□□□□□D QQDDD □ □□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\nIO\nIQ\nfD\nIQ\n'□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\nD\nJ"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-05-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-05-01_01#c011", "volume": "bmtnabf_1903-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "192", "page_fin": "192", "image_debut": 26, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 26, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 170, "texte": "w.v.v.v.vivivXvXvX*\nBAKALO WITS\nSÖHNE\n• □ K. 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KÄRNTNERSTRASZE 12\n□ SPIEGEL, KRISTALLÜSTER, □\n□ TRINKSERVICES, PHANTASIE: □\n□ OBJEKTE ETC. □\n9 9 9"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-05-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-05-01_01#c012", "volume": "bmtnabf_1903-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "194", "page_fin": "194", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.2.10", "titre_corps": "[Sans titre]", "titre_sommaire": "[Sans titre]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.28", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3, "texte": "fpw"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.1", "texte": "MITTEILUNGEN DER VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\n1903 HEFT 9\nVER SACRUM"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[169]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.3", "texte": "SECESSION\nMITTEILUNG\nGENDERVER.\nEINIGUNG\nBILDENDER\nKÜN STLER\nÖSTERREICHS\nVER SACRUM\nHEFT 9\n1. MAI\n1903\nDAS REDAKTIONS-\nKOMITEE:\nMAX KURZWEIL\nKOLOMAN MOSER\nALFRED ROLLER\nLEOPOLD STOLBA"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.5", "texte": "LTE DOKUMENTE\n\nZUR GESCHICHTE DER ENT-\nSTEHUNG UND AUFSTELLUNG\nVON MICHELANGELOS DAVID.\n© In den Archiven von Florenz,\nderen Schätze erst zum geringen\nTeile gehoben und verwertet sind, be-\nfindet sich ein merkwürdiges Schrift-\nstück = eine Art von Protokoll über\ndie Sitzung, welche am 28. Januar\n1504 stattfand, um die Meinung von\nKünstlern und Laien zu vernehmen,\nauf welchem Platze der David des\nMichelangelo würdigaufzustellen sei.\nWenn man dies Schriftstück liest, so erwacht der Wunsch, einmal alle\nDokumente aufzusuchen und zu ordnen, die sich auf die Entstehung, Aus-\narbeitung, Aufrichtung der Statue beziehen, und sich so das Bild jener\nTage der jungen Renaissance lebendig zu machen. Noch nicht ganz vor-\nüber waren die glücklichen Zeiten des Vorfrühlings der hohen Kunst =\nZeiten, wo der Künstler noch nicht völlig außerhalb des Handwerks und\ndes Kreises seiner Mitlebenden stand, wo er nur ganz vereinzelt und kaum\nsehr bemerkbar in Gegensatz zum Denken, Fühlen und Geschmacke\nseines Volkes geriet. Kunst und künstlerische Dinge waren schon ein\nProblem allerersten Ranges inmitten der öffentlichen Angelegenheiten\ngeworden, und zwar ein Problem, zu dessen sachgemäßer Behandlung\njeder ratsfähige Mann von einem Tage auf den anderen berufen sein\nkonnte und vorbereitet sein mußte. Um dieses recht zu begreifen, er-\ninnere man sich nur, wie im Laufe des Mittelalters die Verhältnisse in\nFlorenz sich gestaltet hatten. Und wie sie noch eine Weile fast unver-\nändert blieben, als schon die fürstliche Stellung einer überragenden Per-\nsönlichkeit von der Art Lorenzo „des Prächtigen” ein großartiges Privat-\nmäcenatentum geschaffen und rings um sich hervorgelockt hatte, das\n\nv. Alfred Roller OM.\nInitial u. Schlußstück Holzschnitte"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.6", "texte": "zwar half, den Künsüer über die Menge empor und von ihr wegzuheben,\naber ihn auch bald gänzlich von seinem Volkstum losloste. In den Tagen,\nvon denen hier gesprochen wird, lag diese letzte Befreiung des Künst-\nlers und zugleich das Unheil, das sie barg, noch ein wenig fern Nach\nlangen, blutigen Kämpfen war das Stadtregiment in Florenz den Zünften\nzugetallen. Die ganze Bürgerschaft war in Zünfte geghedert. Wer mitreden\nwollte, mußte einer Zunft angehören. Auch der Edelburtige mußte sich in\neine Zunftrolle schreiben lassen. Aller Einfluß nahm seinen Weg durch die\nWahlbeutel der Zünfte. Die höheren Zünfte beherrschten alles. DiePnoren\nder Zünfte bildeten die höchste Gewalt von F lorenz, die Signona. Das Ziel\ndieser obersten Regierungsgewalt und die des letzten Bürgers war ganz das\ngleiche; Florenz sollte die geehrtestealler Städte sein, nichtbloß die mäch-\ntigste und reichste, sondern auch die schönste. Die großen Zünfte wetteifer-\nten darin Florenz zu schmücken. Sie hatten allmählich die Verwaltung der\nBauhütten an sich gerissen, die mit den Kirchen verbunden waren, und da-\nmit die oberste Leitung der städtischen Bautätigkeit. So sind denn ein paar\nJahrhunderte lang die größten Kunstaufträge in Florenz von den Zünften\nvor der Mitte des XII. Jahrhunderts sollen die Kon-\nsuln der sogenannten Colimalazunft dem Bau von San Giovanni vorgestan-\nden haben. Die Seidenzunft ordnet im XIV. Jahrhundert den Neubau von\nOr S. Michele an, beaufsichtigt ihn, schafft die Mittel dazu herbei. Auf ihre\nVeranlassung stiften die 12 Hauptzünfte in die Nischen den Statuenschrnuck,\nso war der heil. Georg des Donatello von den Waffenschmieden, Verroc-\nchios Gruppe des Heilandes und des ungläubigen Thomas vom Zunft- und\nHandelsgericht, der Mercanzia, beigestellt worden. Die Bauhütte des\nDOMES befand sich in Händen der mächtigsten aller florentinischen Zünfte,\nder Wollenzunft. Vermittels ihrer aus dem Vorstand in die „Opera”, die\nBauhütte, delegierten Kommissäre, der sogenannten Operai, hat diese Zunft\ndie größten Bauaufgaben durchgeführt. Unter ihren Auspizien wurde die\nLoggia de’ Signori (später de’ Lanzi genannt) errichtet, die Piazza wurde\nerweitert und gepflastert, ein neuer Mauerring aufgeführt und an Stelle der\nalten Kathedrale Santa Reparata der Dom von Santa Maria del Fiore auf-\ngemauert, wie man sagte. Wieviel Geld dies forderte, wieviel zähe Klugheit,\nwas für Geschmack und welche praktischen Kenntnisse, lehrt den Staunenden"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.7", "texte": "die Geschichte jeder einzelnen dieser Bauten. Die Operai der Zunft waren ia\nkeine Fachleute, sie waren Tuchhändler, Tuchfabrikanten = nach dem\nAufstand der Wollenschläger 1378 hatte man „aus reiner und wahrer\nrahtat” auch den Färbern das Recht erteilt, Operai zu werfen - nicht'\ni-eute, die durch lebelange Praxis halbe Baumeister geworden- denn der\nentsendete sie nur für kurze Fristen in die Opera und beaufsich\nügte sie stets. Aus solchem Stoff waren die Operai, die Konkurrenzen aus\"\nschrieben, Pläne = meist nur Detailpläne über Strebepfeiler oder Decken-\nWölbungen oder den Kapellenkranz = begehrten und dann zu deren\nAusführung, aus Sparsamkeit, aus Mißtrauen, nur für ein Jahr und dann\nVir n?.ch emes’ Architekten> ja womöglich nur Zimmermeister bestellten\nAllerdings entschieden sie bei der Wahl eines Entwurfes nie ohne die\nMeinung von Künstlern und Kennern einzuholen, und zugleich nie ohne\nSlch gegen die Mißbilligung von oben und von unten gleichmäßig zu\nschützen. Im Notfälle deckte man sich durch ein Plebiscit. So geschah es\nbeim Neubau von Santa Maria del Fiore. Als man sich nach vielfachen\nBeratungen in engerem und weiterem Kreise, nach oftmals umgestoßenen\nBeschlüssen endlich auf ein Modell, die Kombination vieler Künstler ge\neinigt hatte, wollten die Operai diesen Beschluß unwiderruflich machen\nkie schickten deshalb eines Tages Ausrufer durch die Stadt und luden\n„jedermann und Leute von allen Sorten” ein, morgen in die Kirche zu\nkommen und zu sagen, welcher von den Entwürfen ihnen am besten o-e\nhele; man würde sie „gnädig anhören” und nach ihrer Entscheidung die\nKirche bauen. Und zwei Tage lang kam ganz Florenz herbei, Trödler und\nSchneider und Schuster und Strumpfwirker wie Ratsherren und Ritter\nund Geistliche und Künstler, und ohne Abweichung stimmten sie alle für\ndas vorgeschlagene Modell „als das schönere, rühmlichere und prächti\ngere”. Immer kam ganz Florenz, wenn es etwas zu sehen gab; es war ge\nkommen, als Cimabue seine Muttergottes für Santa Maria Novella vollen\ndete; es kam noch im Cinquecento, als Michelangelo und Leonardo da Vinci\nihre Kartons für die Wände des Ratssaales ausstellten. Wie intensiv die\n1 eilnahme der Florentiner an Kunstsachen war, beweist wohl am sicher\nsten eine Schrift wie das erhaltene Tagebuch eines braven Apothekers\noder besser Spezereihändlers. Luca Landucci zeichnet alles auf was zu"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.8", "texte": "seiner Zeit geschieht = und er erlebt bewegte Zeiten; er notiert Krieg\nund Pest, Mord und Missetat; er schildert, wie Giuliano de Medici 1478\nbeim Hochamt im Dome erstochen wird; er erzählt die Verbrennung des\nSavonarola; er beschreibt Feste, Empfänge, eine Löwenjagd in den Straßen\nvon Florenz; doch ebenso gewissenhaft meldet er die Fortschritte im Bau\ndes Palazzo Strozzi; er berichtet, wann die Domkuppe unter Fanfaren-\nschall mit dem feuervergoldeten Kupferknopf des Verrocchio bekrönt wird;\nwir hören durch ihn, wie und unter welchen Umstanden Michelangelos\nDavid vor den Palast der Signoria geschafft wird, wo er bis 1873 als Tor-\nhüter vor dem Eingang gestanden ist. , ©©©\n© Die Geschichte der Statue, wie sie uns die Dokumente des Quattro-\ncento und des beginnenden Cinquecento in ihrer naiven und umständlichen\nArt erzählen, ist lehrreich und voll mannigfachen Interesses. .©©©\n© Im Jahre 1463 hatten die Operai von Santa Maria del Fiore bei einem\nBildhauer, Agostino, Sohn des Antonio di Ducco, Duccio oder Gucci aus\nFlorenz, einen „Giganten, nach der Form und Art über dem\nTore gegen die Servi zu steht, oder einen noch besseren bestellt. Ago-\nstino scheint seinem ungenannten Vorbild, in dem Donate los marmornen\nDavid zu vermuten Anlaß ist, gerecht worden zu sein, denn 1464 bestellen\ndie Baukommissäre der Wollenzunft bei ihm einen zweiten David, aus\nweißem Marmor, neun Ellen hoch und aus vier Stücken zusammengesetzt.\nAgostino übermütig geworden, vermaß sich, den Koloß aus einem Stück\nzu machen, und ließ die Arbeit dann im Stich. Jahrzehntelang stand der\nBlock in der Bauhütte des Domes und lockte die Bildhauei an man\nnennt Donatello, ja Leonardo; doch der Block war übel verhauen und\nschreckte auch wieder ab, so daß sich alle Verhandlungen zerschlugen.\n© Condivi, der Schüler und zuverlässigste unter zeitgenössischen\nBiographen Michelangelos, schreibt, daß Andrea Sansovino gebeten habe,\nman solle den Block ihm schenken, indem er versprach, er wolle eine\nFigur daraus hauen, wenn er gewisse Teile ansetzen dürfe, doch die Herren\nvon der Werkhütte, ehe sie sich entschlossen, den Stein herzugeben, hatten\num Michelangelo geschickt = er genoß schon einen hohen und weitver-\nbreiteten Ruf; er hatte nicht bloß für Florenz, sondern auch für Bologna,\nRom und Brügge gearbeitet = und nachdem sie seine Meinung gehört,"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.9", "texte": "den Block ihm gegeben, der ohne Anstückelung daraus mit solcher a„c\nnutzung des Materiales seine Figur herauszog, daß auf dem Scheitelt\nS“n “ der ?.afiS n°ch die alte «->*> des sfchtbfr\n\\r u’ Die Dokumente erzählen in ihrem herrlichen Küchenlatein vor. a\nO mÄ\" der WoUenfunft mit Michelangelo uns folgendes: 0©\nw ~DI’ dle XVI auSustl- = »Die ehrenfesten etc. etc Konsuln\nWollenzunft, im Verein mit den Herren Baukommissären'in genannte?\nBauhutte versammelt, wahrnehmend Nutz und Ehre bemeldetlr One™\ns^hlt^n z\"m Bildhauer derselben den würdigen Meister: Michel Aneelo\nSohn des Lodovico Buonarroti, Bürger von Florenz, zur Herstellung Ans ’\nfuhrung und gänzlichen Vollendung eines gewissen Mannes,\ngant welcher roh behauen , neun Ellen hoch in Marmor . in genannter\nWerkhutte vorhanden ist, einstens roh behauen durch Meister iWustinns\ngrande aus Florenz, und Übel behauen, = für die Zeit unddalÄS\nzwei nächstfolgenden Jahre, die beginnen am ersten Tag des kommenden\nlrPHem^r’ und zwar mit einem Lohn und Gehalt von sechs Goldgulden\nfür den Monat, in üblicher Münze; und was ihm nötig ist zur\ndes besprochenen Gerüstes, wird die Bauhütte gehalten, ihm zu leihen ,lnf\nbeizustellen, sowohl die Leute besagter Bauhütte als BalkenTe?k und alles\nwas er sonst bedürfte, und sobald jene Arbeit und jener M?rmormann\nertig ist, werden die Konsuln und die Operai, die dann sein S\nübeda?ien.°b \" grMc”\n© (Randbemerkung:) „Es begann genannter Michelangelo zu bearbeit?\nund auszuhauen bemeldeten Giganten am 13. Tage des September icnr\nam Montage, obwohl er vorher schon an einem anderen Tage desselben\nmit einem oder zwei Meißelhieben einen Knoten entfernt, den jener ailf\nder Brust hatte: am besagten Tage jedoch begann er wacker und fest zu\narbeiten, am besagten dreizehnten Tag und Monat.”\n© Und in der Tat, Michelangelo, der in seiner Jugend von scbwSh\nbcher Konstitution war, so daß ihn oft schon ein plar Meißelhiebe er\"\nmudeten, und der sich innerlich manchesmal wie gelähmt fühlte scheint\ndiesmal „fest und wacker” gearbeitet zu haben; man sa« er habe sich\nOft des Nachts in Kleidern ausgestreckt, um frühmorgens gleich zur Arbeit"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.10", "texte": "bereit zu sein. Jedenfalls stimmt dazu folgendes Papier aus dem Archiv\nder Dombauhütte: 00©\n© „Die 25. februarii MDI” (neuen Stils 1502). = „Die ehrenfesten Herren\nKonsuln der Wollenzunft beschließen, daß dieOperai dem Michelangelo de\nBonarrotti geben können 400 schwere Goldgulden für den von ihm be-\ngonnenen Giganten, eingerechnet das, was er bisher dafüi bekommen hat,\nund daß man ihm sechs schwere Goldgulden per Monat geben arf, bis er\nfertig ist. Und ist er anzuhalten, daß er in weniger als zwei Jahren, von\ndiesem Tage an gerechnet, es vollbringe, so daß tatsächlich bis zur ganz-\nliehen Vollendung besagten Giganten nur 400 schwere Gulden in Gold aus-\ngegeben werden können.” 1, 0 o©O\n© Am 28. Tag genannten Monats.” = „Vorbemeldete Operai, m An-\nbetracht der besagten Verhandlung vom 25. Februar dieses der genannten\nehrenfesten Konsuln von oben, mit der Erklärung an jene Operai hinsicht-\nlich des Lohnes des genannten Michelangelo di Bonarroti, und daß he-\nsagte Operai genannten Lohn und Preis aussprechen und machen dürfen,\n= und nachdem sie verhandelt hatten das Gesuch des genannten Michel-\nangelo, sowie die V/illensmeinung besagter Konsuln, erklärten sie kraft\nihrer Autorität, daß der genannte Preis und Entgelt des genannten Michel-\nangelo für besagten Giganten oder David, der in jener existiert\nund von genanntem Michelangelo schon halb gemacht ist, sei und bleibe\n400 schwere Goldgulden, welche obbenannte Summe ihm durch die\nKammer bemeldeter Opera zu zahlen ist nach Vollendung jenes Giganten,\nmit dem Lohn für jeden Monat, wie er einst festgestellt wurde, von sechs\nGoldgulden, bis zur Zeit der Vollendung des besagten Giganten, und daß\neinzurechnen sei in bemeldete Summe von 400 Goldgulden alles, was er\nerhalten schon hat und noch erhalten wird.” ©©©\n© Bald war die Arbeit soweit gediehen, daß jene berühmte Versamm-\nlung einberufen werden konnte, von der uns ein kostbarer Belicht erhalten\nist. Er lautet, möglichst wortgetreu, wie folgt: ©©©\n© „Am 25. Tag des Monats Januar 1504.” = „Vorbesagte Operai =in\nAnbetracht, daß die Statue oder David beinahe fertig ist; vom Wunsche\ngeleitet, sie aufzustellen und ihr einen bequemen und angemessenen Platz\nzu geben, und daß solcher Platz, nach dem Berichte Michelangelos, des"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.11", "texte": "Meisters des genannten Giganten und der Konsuln der Wollen . ~\nZeit, wo sie an diesen Ort gesetzt werden soll und gesetzt werdJ Zar\nsicherer und wohlgesicherter sein muß- von dem dei? lrd’ ein\nein solcher Rat zusammenkomme zu besagter Wirkung- undVt daß\nbeschlossen, einzuberufen und zu versammeln, auf dal betagterOrfl36ll\nwählt werde, unten angeführte Leute und Baumeister,m7? Grt\nsmd diese, = und in der Vulgärsprache T° Namen\nhabe ich Wort für Wort aufgezeichnet: (italienisch) Andrea^ell^p^uull6\nBetto Buglione1, Giovanni Cornuole2, Vante, der Miniaturm*?\nrold des Palastes4, Giovanni, der Ratspfeifer®, Lorenzo della r?d ’?? S'e\"\nnaccorso di Bartoluccio7, Salvestro, der Juwelier8 Michelangelo\nschmied8, Cosimo Rosselli, Guasparre, der Goldschmied10 f od’ d(rrGo!d'\nGoldschmied und Bronzegießer11, EI Riccio, der Goldschmied12 Gair\nder Sticker13, David, der Maler14, Simone del PollajuoloI®,Philippe Ä’\n\n1\n2\n3\n4\n5\n6\n7\n8\n9\n10\n11\n12\n13\n14\n115\n0 i\nBenedetto Buglione, Bildhauer, arbeitete auch glasierte Tp Z '\ngest. 1521, = 2 Giovanni di Lorenzo, von seinen Arbeiten delle Cornh Geb> 1469.\nneolen) genannt. Er war von Lorenzo Medici viel als Steinschneid k& , (von en ar\"\nBerühmt ist seine große Kamee mit dem Bildnis Savonarolas. Stirbt \"i ™°rdfn'\nAttavante, Sohn des Gabriello Attavanti, Miniaturmaler. Geb 14» s—’ Vante oder\nLorenzo Filareti. Die Herolde des Palastes hatten vielfache Funktion™ ~francesco d*\nZeremonienmeister der Signoria, die Hofpoeten der Republik die hP- r n’v^le waren die\nhe..en über gegebene TheSmen dichten sTe wTe“aüch dt\ndie fremde Reden gut vorzutragen hatten. Sie waren die Lustigmacher hei r\" ’i Aufsager’\nführten gewisse Protokolle und Bücher. Manche der Herolde wa ei Banketten. Sie\nDichter; so schreibt man einem das Gedicht „Wer nicht kann was unbegabte\ner kann ’ zu, das man lang für ein Sonett Leonardo da Vincis hielt. Von Prä Wobf’ was\nexistiert ein Zeremonienbuch. = ß Giovanni der Ratsnfeifer ict niem ancesco Pilarete\nVater Benvenuto Cellinis, ein trefflicher Baumeister und^^enSu^Ten^p1? -aIS der\nfach verwendete. Er ging z, B. als zweiter Experte mit Leonardo da VW ° Slgnona viel‘\ntimsche Lager vor Pisa, als die Rede davon war, den Arno abzuleiten Sei *5?3 floren*\nfur Musik hinderte seine Bedeutung als Techniker 6 Lorenzo doli Sflne Leidenschaft\nlieh Volpaja. Verfertiger der berühmten Sr(olereine*°^r\nGhiberti, Neffe des Lorenzo Ghiberti. = 8 Salvestro del’ Lavacchio _ 9 aaisPhäriurr‘). =\ndes Bildhauers Bacio Bandinelli. =lO Guasparre Baldini Vater d* ~d ancbnefb> Vater\ndes Goldschmieds. = “Lodovico Lotti, Vater des Bildhauers Lorenzetto Lo?“ 5®1?1ni’\ndi Giovanni, genannt el Riccio, der Krauskopf. = “ Gallieno di Manf Andrea\ndaJO, Vetter des Domenico. = » Pollajuolo,"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.12", "texte": "lippo, Maler16, Sandro di Botticello, Maler, Giovanni, alias in Wahrheit Giu-\nliano Antonio da San Gallo, Andrea da Monte a San Sovino, der Maler\n(sic!)17, Chimenti del Tasso18, Francesco di Andrea Granacci19, Biagio, der\nMaler20, Pietro di Cosimo, Maler, Lionardo da Vinci, Pietro Perugino, Ge-\nmäldemaler, Lorenzo di Credi, Maler, Bernardo della Ciecha, Zimmer-\nmann21.” ©o©\n© (Auf dem Rande steht geschrieben:) „Baccio d’Agnolo, Zimmermann,\nGiovanni der Pfeifer und Bruder; aber diese wurden nicht gebeten, noch\nkamen sie. Francesco da Settignano22, Chimente der Bildhauer23, Jacopo\nder Zimmermann von Santa Maria in Campo, Gio. Francesco, der Bild-\nhauer24. Diese sind Stellvertreter und wurden aus Irrtum nicht eingeladen.”\n© (Lateinisch:) „Erschienen sind alle obbenannten zur Verhandlung in\ngenannter Opera und gleichsam gemahnt und berufen von besagten\nOperai anzugeben und niederzulegen ihre Aussage und ihren Willen, und\nden Ort zu bezeichnen, wo und auf welchem bemeldete Statue aufzustellen\nist; und indem ich zuerst erzähle, Wort für Wort, was sie eigenen Mundes\nin der Volkssprache berichteten:” ©©©\n© (Italienisch:) Maestro Francesco, Herold der Signoria: „Ich habe\nim Gemüt hin und her erwogen, was mein Urteil mir eingeben möchte.\nIhr habet zwei Orte, wo dergleichen Statue aushalten kann. der erste ist,\nwo die Judith25 steht, der zweite die Mitte des Hofes im Palast, wo der\nDavid26 ist; ersteren, weil die Judith ein todbringendes Zeichen ist und so\ngehört sie sich nicht hin, sintemalen wir das Kreuz zum Abzeichen haben\n\n16\n)18’\n19\n17\n20\n21\n22\n23\n-24\n25\n26\ndas Kranzgesims des Palazzo Strozzi. = 16 Philippo di Philippe ist Filippino Lippi, Sohn\ndes Filippo. = 17 Andrea Sansovino, Bildhauer. = 18 Clemente, Sohn des Francesco del\nTasso, ein tüchtiger Baumeister, der z, B. für die Ausgestaltung des Saales des großen\nRates in der Signoria tätig war. = 19 Maler, Freund des Michelangelo. = 20 Biagio Tucci.\n= 21 Bernardo di Marco Renzi, Steinschneider und Architekt, genannt della Cecca als\nSchüler des berühmten Ingenieurs Francesco d’Agnolo; auch bei den inneren Umgestal-\ntungen des Palazzo der Signori beschäftigt. Stirbt 1529. = 22 Francesco, Sohn des Stoldo\nFancelli. = 23 Clemente, Sohn des Taddeo de Santa Maria a Pontanico. = 24 Rustici. =\n26 Die Judith mit dem toten Holofernes, die Bronzegruppe des Donatello, die 1495 aus dem\nPalazzo Medici weggenommen und neben dem Eingang des Regierungspalastes aufgestellt\nwurde. Es ist die gleiche, welche nun die Loggia dei Lanzi schmückt. = 26 Der bronzene\nDavid des Donatello, jetzt im Museo Nazionale."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.13", "texte": "und die Lilie; paßt auch nicht, daß eine Frau einen Mann umbringt und\nhauptsächlich, weil sie unter böser Konstellation aufgestellt worden: denn\nvon da ab seid ihr von Üblem in Übleres gefallen und ging Pisa verloren\nDer David vom Hofe ist nur so eine Figur und ist nicht vollkommen, weil\ndas Bein von rückwärts lächerlich ist. Daher möchte ich raten, daß’ man\ndiese Statue da auf einen der beiden Plätze stelle, doch eher, wo jetzt die\nJudith ist.” ©o©\n© Francesco Monciatto, Zimmermann, antwortete und sagte: , Ich\nmeine, daß alle Dinge, die gemacht werden, für einen Zweck gemacht\nwerden, und ich denke so; denn der da wurde gemacht, um auf einen der\nPilaster draußen oder auf einen Strebepfeiler rings in der Kirche gesetzt\nzu werden. Den Grund, ihn nicht hinzusetzen, weiß ich nicht, und dort\nschiene er mir ganz gut zu stehen, der Kirche zur Ehre und den Konsuln\nUnd bei verändertem Ort, rate ich euch, nachdem Ihr schon vom ersten\nObjekt abgekommen seid, daß er in dem Palast gut stehen wird, oder auch\nin der Kirche. Aber nicht so recht entschlossen, berufe ich mich auf das, was\ndie anderen sagen, da wegen der Kürze der Zeit ich über einen passenderen\nOrt nicht habe nachdenken können.” ©©©\n© Cosimo Rosselli: „Und Messer Francesco und Francesco haben gut\ngeredet: ich glaube, es stünde gut bei jenem Palast. Und ich hatte gedacht\nihn auf die Treppe der Kirche zu setzen, zu rechter Hand, mit einem\nUnterbau auf die eine Ecke der Treppe, mit hohem Unterbau und Orna-\nment, und dahin, ja wohl, tät’ ich ihn setzen, ging es nach mir.” ©©©\n© Sandro Botticello: „Cosimo hat just gesagt, wo auch mir scheint\ndaß der Gigant von den Hin- und Hergehenden gesehen wird, und mit der\nJudith auf der anderen Ecke, oder auch in der Loggia de’ Signori, aber\neher auf der einen Ecke von der Kirche: und dort, schätze ich, stünde er\ngut, und ich halte es für den besten Platz unter allen.” ’ ©©o\n© Giuliano da San Gallo: „Mein Sinn war auf die Ecke der Kirche\ngerichtet, gerade wo Cosimo gesagt hat und die Statue von den Auf- und\nAbgehenden gesehen wird; aber nachdem sie eine öffentliche Sache ist\nmit Rücksicht auf die Unvollkommenheit des Marmors, weil der zart und\nspröde ist und schon unter Wasser war und mir da nicht dauerhaft schien\ndrum habe ich mir aus diesem Grund gedacht, dass sie im Mittelbogen"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.14", "texte": "der Loggia de’ Signori gut stünde, oder auch in der Mitte, so daß man\nrings herum gehen könnte, oder auf der Seite rückwärts mitten an der\nWand, mit einer schwarzen Nische hinter sich, nach Art eines Kapell-\nchens; denn wenn Ihr sie in den Regen stellt, wird sie rasch verdorben\nsein; verlangt bedeckt zu stehen.” ©OO\n© Der zweite Herold: „Ich sehe mir die Aussage von allen an und\nwie jeder mit gutem Sinn die verschiedensten Arten in Absicht habe: und\nwenn ich mir die Art in Bezug auf Eis und Frost anschaue, bin ich drauf\ngekommen, daß die Statue unter Dach stehen muß und daß ihr Platz in\nder genannten Loggia ist, und im Bogen nächst dem Palaste, und da be-\ndeckt stehen und geehrt sein, mit Hinsicht auf den Palast; und wenn unter\ndem Mittelbogen, so durchbräche das die Ordnung der Ceremonien,\nwelche die Signori und die anderen Magistrate dort vornehmen.” (Auf\ndem Rande:) Dieses fügte er später bei, nach dem Ausspruch aller übrigen,\nauf die letzt: „Und ehe Euere Magnifizenzen verfügen, wo sie zu stehen\nhat, verhandelt es mit den Signori, weil gute Köpfe darunter sind.” 0\n© Andrea, genannt el Riccio (Krauskopf), der Goldschmied: „Ich\nstimme zu, wo Messer Francesco der Herold sagte, und daß sie da ge-\ndeckt stünde und höher geachtet wäre und mehr angesehen, als wenn sie\nnur zum Verderben wäre, und sie besser geschützt stehen müßte und die\nAuf- und Abgehenden nur herkommen sollten um zu schauen, und nicht\nso ein Ding den Leuten entgegenkommen, und wir und die Herumspa-\nzierenden sie aufsuchen und nicht die Figur uns aufsuchen müßte.” 0\n© Lorenzo della Golpaja; „Ich stimme dem Ausspruch des Herolds\nvon vorher bei und dem Riccio und dem Giuliano da San Gallo.” 0\n© Biagio der Maler; „Ich glaube, daß weise geredet worden ist und\nich bin von dieser Meinung, daß am besten wäre, wo es Giuliano gesagt\nhat, indem man sie ganz rückwärts aufstellt, daß sie die Ceremonien der\nÄmter nicht stört, die in der Loggia stattfinden, oder wirklich auf die\nTreppe.”\n© Bernardo di Marcho: „Ich stütze mich auf Giuliano da San Gallo\nund scheint mir von gutem Verstand und ich gehe mit besagtem Giuliano\naus den Gründen, die er gesagt hat.” 8\n© Leonardo di Ser Piero da Vinci: „Ich bestätige, daß die Figur in"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.15", "texte": "der Loggia stehen muß, dort, wo es genannter Giuliano gesagt hat, auf dem\nMäuerchen, wo sich neben der Wand die Spaliere anlehnen, mit schick-\nlichem Ornament und so, daß es die Ceremonien der Ämtern nicht verdirbt ”\n© Salvestro: „Man hat alle Orte hergenommen und besprochen und\nsind so viel Sachen gesehen und gesagt worden. Ich meine, der sie ge-\nmacht hat, ist da, ihr den besten Platz zu geben. Ich für mich erachte den\nvor dem Palast als den besten, und daß der sie gemacht hat, nichtsdesto-\nweniger, wie ich schon gesagt habe, besser als irgendwer den Platz wissen\nwird, nach dem Aussehen und der Art der ganzen Figur.” ©©©\n© Philippe diPhilippo: „Ich: von allen ist ausgezeichnet geredet wor-\nden und glaube doch, daß der Meister einen noch besseren Platz habe und\nlänger den Platz bedacht und daß man von ihm es hören muß, bekräftigend\ndas Reden derer, die gesprochen: daß es nämlich weise gesprochen war.”\n© Gallieno der Sticker: „Was mich anlangt, nach meiner Einsicht\nund in Anbetracht der Qualität der Statue, bezeichne, daß sie gut stünde\nwo der Löwe von der Piazza ist, mit einem ornamentierten Unterbau: als'\nwelcher Ort für solche Statue passend ist, und indem man den Löwen\nneben das Tor des Palastes setzt, auf den Rand des Mäuerchens.” 00\n© David der Maler: „Mir kommt vor, Gallieno habe einen Ort genannt\nso würdig wie irgend ein anderer Ort, und daß gerade dies der angemes-\nsene und bequeme Ort sei; und den Löwen nur anderswohin setzen dort-\nhin, wo er gesagt hat, oder auf einen anderen Platz, den man für besser hält.”\n© Antonio Zimmermann da San Gallo: „Wenn der Marmor nicht\nso empfindlich wäre, der Platz des Löwen ist ein guter Platz, glaube aber\nnicht, daß sie ihn vertragen könnte, wenn sie lange Zeit dort stünde. Da-\nher, nachdem der Marmor empfindlich ist, meine ich ihm den Platz in der\nLoggia zu geben, und wenn das nicht wäre, litten die auf der Straße Vor-\nübergehenden zu viel Mühe, um sie so weithin zu sehen.” ©©©\n© Michelangelo der Goldschmied: „Diese weisen Männer haben\nsehr gut gesagt und besonders Giuliano da San Gallo. Mir kommt vor, daß\nder Platz an der Loggia gut sei, und wenn der nicht gefiele, dann in der\nMitte des Ratsales.” ©©©\n© Giovanni der Pfeifer: „Nachdem ich Euer Erachten sehe, bestätige\nich den Ausspruch des Giuliano, im Falle man so sie ganz sehen könnte,"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.16", "texte": "aber man sieht sie nicht ganz; doch muß man an den Grund denken, an\nihr Aussehen, an die Öffnung (Bogenstellung?), an die Wand, an das Dach;\ndeswegen muß man um sie rings herum gehen können; doch andererseits\nkönnte irgend ein Elender ihr mit einer Stange eins versetzen. Mir scheint,\nsie wäre gut im Hofe des Palastes, wo es Messer Francesco der Herold\nsagte, und wird dem Autor ein großer Trost sein, weil es ein Ort wäre,\nwürdig solcher Statue.” ©©©\n0 Giovanni Carnuole: „Ich war geneigt sie hinzusetzen, wo der Löwe\nist, hatte aber nicht gedacht, daß der Marmor zart ist und von Regen und\nKälte verdorben würde: deswegen urteile ich, daß sie in der Loggia gut\nstünde, wo Giuliano da San Gallo gesagt hat.” ©©©\n0 Guasparre di Simone; „Ich hatte gemeint, sie auf die Piazza di San\nGiovanni zu setzen; aber mir scheint die Loggia ein passenderer Ort, da\nsie empfindlich ist.” ©OO\n© Pietro di Cosimo, Maler: „Ich bestätige den Ausspruch des Giuliano\nda San Gallo und überdies, daß jener zustimme, der die Figur gemacht hat,\nweil er besser weiß, wie sie zu stehen hat.” ©o©\n0 Diesem fügt der protokollführende Schreiber italienisch bei: „Die\nübrigen oben Genannten und Geladenen werden mit ihren Aussprüchen der\ngrößeren Kürze wegen nicht aufgeschrieben. Aber ihre Rede war, daß sie\nsich auf die Aussage von jenen oben bezögen, und der eine auf den einen\nund der andere auf den anderen der obigen Aussprüche, ohne Abweichung.”\n0 So endete, ohne rechte Entscheidung, die denkwürdige Beratung, die\nschon durch die erlauchten Namen der Teilnehmer uns ehrfürchtige\nSchauer abringt. Und trotz der Verdunkelung, die der Sinn der meisten\nAussagen durch das Ungeschick des Protokollführers erfahren, glaubt man\nallerlei Charakteristisches darin noch herauszufühlen. So frappiert einen\nder trockene Ton im Gutachten Leonardo da Vincis. Man kann sich als\nmöglich denken, daß ihm, dem subtilsten Künstler, den die Erde je trug,\nder effektvolle Akt seines jung aufstrebenden Nebenbuhlers nicht gefallen\nhat, zum mindesten weist er der Statue keinen sehr „ehrenvollen” Platz\nden rückwärts an der Wand der Loggia an, wo sie sicher nicht sehr zur\nGeltung gekommen wäre. Vasari schreibt diese etwas unfreundliche Be-\nhandlung der Angelegenheit von Seiten Leonardos dem Ärger zu, den"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.17", "texte": "dieser etwa empfunden habe, weil der Block ihm entgangen war- allein\nsolche Kleinlichkeit ist dem hohen Sinn Leonardos, der über ganz andere\nDinge noch das Gleichmaß der Seele nicht verloren hat, gänzlich fremd\ngewesen. ~ irjr\n© Es scheint, daß man, bei der Verschiedenheit der einzelnen MeinSSrf\nsich zuletzt an Michelangelo selbst gewendet; zum mindesten berichtet\ndie Chronik des Marco Parenti: „schließlich nach verschiedenen Pa-\nreres, auf den Rat des Meisters, mit Hilfe des Simone del Pollajuolo führte\nman sie auf die Piazza dei Signori”, worauf auch das folgende lateinische\nDokument anspielt: © ©\n© „i. April 1504.” = „Haben beschlossen und aufgenommen den Simone\ndi Pollajuolo in dessen Anwesenheit und mit seiner Zustimmung sowie\nin Gegenwart des Michelangelo Buonarroti, Bildhauers, zur Überführung\nder Marmorstatue in den Palast der Signoria, so er überführt haben muß\nim Laufe des 25. Tages gegenwärtigen Monats.” ©©©\n© Hierauf folgender Erlaß in italienischer Sprache: „MDIV, 30. April ”\n„Von Seiten der durchlauchtigsten und erhabenen Signori’ der Herren\nPrioren etc. etc. wird Euch befohlen: Euch ehrenfesten Operai von der\nBauhütte von Santa Maria del Fiore in Florenz, daß auf jegliches Ver-\nlangen des Simone del Pollajuolo, des Antonio da San Gallo, des Zimmer-\nmanns Bartolomeo und des Bernardo della Ciecha = der Architekten die\nvon obbemeldeten durchlauchtigen Herren beauftragt sind, den Giganten\nso in Euerer Bauhütte steht, im Laufe des kommenden Maimonates in die\nLoggia genannter durchlauchtigen Herren zu führen, = Euere Spektabili-\ntäten besagten Architekten jegliches und welche Sache immer geben und\ngewähren möget, die ihnen notwendig und nützlich ist, besagten Giranten\nzu führen und die von genannten Architekten begehrt werden. Und über-\ndies, richten es Euere Spektabilitäten derartig ein, daß selbiger Gigant an\nden oben angegebenen Ort und in bemeldeter Zeit gebracht werde hei\nStrafe ihrer Ungnade.” ©©©\n© Wie dieses Dokument erweist, hat man in der Frage, wohin der Gi-\ngant zu stellen sei, auch bei den obersten Behörden Widersprechendes\nbefohlen, eine Zeit doch wieder an die Loggia gedacht und sich schließ-\nlich wie folgt entschieden: ©©©"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.18", "texte": "0 „28. Mai 1504.” =„. . . Desgleichen haben die genannten Signori\nbeschlossen, daß die Marmorstatue des Giganten, so gegenwärtig auf deren\nPiazza steht, gestellt und gesetzt werde auf jenen Ort, wo jetzt die Erz-\nstatue Judith ist, vor dem Tore ihres Palastes, und daß jene Judith von\ndort entfernt werde. Ebenso haben sie beschlossen, daß aufgetragen werde\nden ehrenfesten Operai der Bauhütte von Santa Maria del Fiore in Florenz,\ndaß sie, so schnell es geschehen kann, jedoch auf Kosten und zu Lasten\nbesagter Bauhütte, bestelle und zu Verfügung stelle Meister und Hand-\nlanger und Rüstzeug und alles sonst Geeignete an Menschen und Dingen,\num zu führen und aufzustellen die Marmorstatue, die auf der Piazza ist,\nzu dem Platz, beziehungsweise auf den Platz, wo sie aufgestellt wer-\nden soll.” ©©©\n0 Welche Beratung zu folgendem Erlasse führt: „MDI V, 29, maii” =\n„Von Seiten der durchlauchtigen und erhabenen Signori, der Herren Prio-\nren etc. etc. wird befohlen; Euch, den ehrenfesten Operai der Bauhütte\nvon Santa Maria del Fiore in Florenz, daß, so schnell es sich machen läßt,\nauf Kosten genannter Bauhütte, Ihr anordnet und beistellt Meister und\nHandlanger und jegliche sonstige Sache, so nützlich ist um fortzuführen\nund wegzubringen die Statue aus Marmor des Giganten, die gegenwärtig\nauf ihrer Piazza ist, und nach jenem Ort, auf den sie gebracht werden soll.”\n0 Der gute Apotheker Luca Landucci, der überall dabei ist und alles\naufs genaueste weiß, erzählt den Transport in seinem Tagebuch wie folgt;\n„Und am 14. Tage des Mai zog man aus der Opera den marmornen Gi-\nganten; er kam heraus um 24 Uhr, und wurde über dem Tor von der\nMauer soviel weggebrochen, daß er heraus konnte. Und in dieser Nacht\nwurden gewisse Steine nach dem Giganten geworfen, um Schaden anzu-\nrichten; man mußte des Nachts Wache halten. Und ging sehr langsam\nvorwärts, so aufrecht festgebunden, daß er schwebte, daß er mit den Füßen\nnicht berührte; mit sehr starkem Gerüst und großem Scharfsinn; und\nmühte sich 4 Tage, um auf die Piazza zu gelangen, kam am 18. um 12 Uhr\nan: hatte mehr als 40 Mann, um ihn gehen zu machen; hatte unter sich\n14 geölte Balken und die sich von Hand zu Hand weiter bewegten. Und\nman mühte sich bis zum 8. Tage des Juni 1504, um ihn auf die Ringhiera\n(eigentlich „Geländer”, hier „Rednertribüne”) zu setzen, wo die Judith war,"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.19", "texte": "die man wegheben mußte und im Palast auf die Erde stellen. Und ge-\nnannten Giganten hatte Michelangelo Buonarrotti gemacht.” © 0 ©\n© Hierauf noch folgenden Erlaß: „MDIV, n. Juni.” = „Die erlauchten\netc. Herren Prioren etc. schreiben und tragen auf Euch, ehrenfesten Operai\nvon Santa Maria del Fiore in Florenz, daß Ihr auf Kosten und zu Lasten\nder genannten Bauhütte so schnell als möglich eine marmorne Basis unter\nund rings um die Füße des Giganten, der gegenwärtig vor dem Tore ihres\nPalastes steht, machen lasset, nach Art und Gestalt, wie es bestimmt wer-\nden wird durch die Baumeister Simone di Pollajuolo und Antonio da San\nGallo.” ©o©\n© Einige Jahrhunderte stand nun der David als riesiger Torwächter in\nseiner weißen Pracht vor dem finsteren Palazzo vecchio. In einem der\nStraßenkämpfe wurde ihm durch einen Steinwurf einer der Arme in drei\nStücke geschlagen. Regen, Wind und Kälte zernagten allmählich den feinen\nMarmor und zerstörten fast die reine Form. Endlich, nach langem Zaudern,\nÜberlegen, entschloß man sich, ihn ins Sichere zu bringen; nun steht er,\ngereinigt und restauriert, seit 1876 in einem Saale der Akademie der Künste\nin Florenz, wo ihn keine Unbilden mehr treffen können. Und wir trösten\nuns, wie schon der gute Riccio getan: „ist ganz schicklich, daß wir hin-\nkommen, sie anzusehen, und nicht so ein Ding uns auf den Markt ent-\ngegenkommt.”\n\nMARIE HERZFELD."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.21", "texte": "fl\nm\nm\nDER BESTE ALLER BLEISTIFTE\n□ □ IST UNBESTRITTEN □ □\n„KOH-I-NOOR”\nVON L. & C. HARDTMUTH.\nEXISTIERT IN 17 HÄRTEGRADEN.\nZU HABEN IN JEDER BESSEREN\n□ □ PAPIERHANDLUNG □ □"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.22", "texte": "• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n§••••••••••\nJOH. BACKHAUSEN\n& SÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\nFABRIKEN FÜR TEPPICHE, MÖBEL=\nSTOFFE, TISCH= UND BETTDECKEN\n□ IN WIEN UND HOHENEICH □\nNIEDERLAGE;\n□ □ WIEN, I. OPERNRING 2 □ □\n(HEINRICHSHOF)\n• ••••••••••\n□ «\n□ «\n□ «\n□ <\n□ '\n□ '\n□ '\n□\n□\n□\n□\n□\n'□\n*□\n»□\n»□"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.23", "texte": "■UUUBUUUBUUUBUUUBUU\nW AUERLICHT.\n□□L\nnun\nTELEPHON 1063\nZENTRALE: IV. SCHLEIFMÜHLGASSE\nVERKAUFSSTELLEN:\n□ 1., FISCHHOF 3, Telephon Nr. 12465 □\n11., TABORSTRASZE 4, Telephon Nr. 15080\n□ □ □ 111., HAUPTSTRASZE □ □\nVII., ANDREASGASSE 9, Telephon Nr. 9122\n□ VIII., JOSEFSTÄDTERSTRASZE 64 □\nIX., NUSZDORFERSTR. 19, Teleph. Nr. 12797\n□ sowie bei den meisten Gasinstallateuren □\n□□L\n□or\nI MI I LAMPE exklusive Montage und Bedachung K 3.50 | Ul |\nSPARLAMPE exkl. Montage und Bedachung K 3. 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KÄRNTNERSTRASZE 12\n□ SPIEGEL, KRISTALLÜSTER, □\n□ TRINKSERVICES, PHANTASIE: □\n□ OBJEKTE ETC. □\n9 9 9"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030501-01.1.28", "texte": "fpw\n\nFür die REDAKTION verantwortlich: MAX KURZWEIL in WIEN\nHerausgeber; VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\nDruck vonADOLF HOLZHAUSEN, k.u. k. Hof-u.Univ.-Buchdrucker in Wien\nvon der „GRAPHISCHEN UNION” in Wien"}]}