{"numero_id": "bm-bmtnabf-1903-07-15-01", "volume": "bmtnabf_1903-07-15_01", "ocr_sha256": "21f0768252498f6589519513c858e1c00cb2dcd5eee59e77c8e0597bf5c85af3", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabf/issues/1903/07/15_01/bmtnabf_1903-07-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabf/issues/1903/07/15_01/bmtnabf_1903-07-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabf-1903-07-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-07-15_01#c003", "volume": "bmtnabf_1903-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "245", "page_fin": "245", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.2.3", "titre_corps": "AUF UNSERER XV. AUSSTELLUNG ERREGTEN IM POLNISCHEN SAALE", "titre_sommaire": "AUF UNSERER XV. AUSSTELLUNG ERREGTEN IM POLNISCHEN SAALE", "signature_source": "Red. V. S. 1903", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.5", "debut_caractere": 42, "fin_caractere_exclue": 1226, "texte": "AUF UNSERER XV. AUSSTELLUNG ERREGTEN\nIM POLNISCHEN SAALE DIE TREFFLICHEN ENTWÜRFE, WELCHE UNSER\nRed. V. S.\nordentliches Mitglied Jözef Edler von\nMehoffer in Krakau für die Ausmalung\nder Kathedrale zu Plock gemacht hatte,\ndie freudige Bewunderung aller Künstler\nund urteilsberechtigten Kunstfreunde.\n0 Die Skizzen waren über Auftrag der\nzuständigen Stelle gemacht und durch die\nJuty zur Ausführung acceptiert worden.\n0 Da veröffentlichte Graf Lanckorohski\neinen Brief, der gegen diese Entwürfe gerichtet war und zur Folge hatte,\ndaß die Geistlichkeit von Flock an dem bereits gefällten Juryvotum irre\nwurde und den Auftrag widerrief. Erfreulicherweise hüllte sich der, durch\ndie Vernichtung der Möglichkeit, ein monumentales Werk zu schaffen,\nschwer getroffene Künstler nicht in stumme Resignation, sondern fühlte\nsich verpflichtet, der Kundgebung des Grafen Lanckorohski öffentlich ent-\ngegenzutreten und so die schädliche Wirkung dieser gänzlich unberech-\ntigten Enunciation womöglich aufzuheben. = ©©©\n© Wir bringen die treffenden und nicht nur ausschließlich auf die pol-\nnischen Verhältnisse passenden Ausführungen unseres hochgeschätzten\nKollegen im Folgenden zur Kenntnis. 1903."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-07-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-07-15_01#c005", "volume": "bmtnabf_1903-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "245", "page_fin": "245", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.2.3.2", "titre_corps": "Original-Holzschnitt", "titre_sommaire": "Original-Holzschnitt", "signature_source": "Rud. 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VON JÖZEF MEHOFFER, KRAKAU.\n© Tatsächlich betritt niemand gerne diese Arena der Anklagen und\nunangenehmer Polemiken,” sagt Graf Lanckorohski in seinem Briefe be-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2329, "texte": "züglich der Wawelrestaurierung. Auch ich würde es gerne unterlassen,\neine Antwort auf diesen Brief zu veröffentlichen. Aber unser Publikum\nbesitzt wenig Selbstvertrauen und ist umso ängstlicher, als es sich um\neine so wichtige Sache wie die Restaurierung der Kathedrale auf dem\nWawel handelt. So hat der Brief eine Wirkung ausgeübt, deren nachteilige\nFolgen sich bereits empfindlich fühlbar machen. © © 0\n© Die Wirkung des Briefes war nicht in allen Teilen meiner Heimat die\ngleiche. Krakau, das seit einer Reihe von Jahren Erfahrungen über Restau-\nrierungen sammelte, das ein Mickiewicz-Denkmal errichtet hat, Krakau,\ndas mit kritischer Teilnahme die Restaurierungsarbeiten an der Kathedrale\nverfolgt, das mit der üblichen Art des Meinungsaustausches vertraut ist, das\nmit einem Wort das Bewußtsein hat, Worte, die in diesem die Leiden-\nschaften erregenden Streite fallen, dürften nicht kritiklos hingenommen\nwerden = Krakau nahm diesen Brief vor allem mit Verwunderung auf.\n© Man fragt sich hier namentlich, warum Graf Lanckorohski erst jetzt\nseine Stimme erhebe, erst jetzt, wo so vieles Schlechte nicht mehr gutzu-\nmachen ist und da die Teilnahme des Briefverfassers an dem Werke der\nbisherigen Restaurierung bekannt ist, so fragt man ferner, wie wohl der\nSarkophag der Königin Jadwiga von Madejski und das Denkmal für\nKardinal Oiesnicki von Kaspar Zumbusch mit den in dem Briefe kund-\ngegebenen Anschauungen in Einklang zu bringen seien. ©o©\n© Aber in anderen Teilen unseres Landes, die von der zeitgenössischen\nKunstbewegung mehr abgeschnitten sind, bewirkte diese von der Höhe\ndes Auslandes kommende Stimme ein vollständiges Kapitulieren vor der\nAutorität. Dort dachte man, daß die Worte des Grafen Lanckorohski,\neines Polen, der in Deutschland als Kunstkenner anerkannt wird, maß-\ngebend sind und daß man dieselben als Weisung ohne Einschränkung an-\nnehmen darf, um allen Schäden und Gefahren dadurch entgehen zu können.\n© Und hier liegt die verderbliche Bedeutung dieses Briefes, denn er\nbeschränkt die künstlerische Arbeit, welche ohnedies unter den schwersten\nBedingungen ausgeführt wird, und unterbindet jede freie Bewegung. 0\n© Diese Antwort soll also eine oratio pro domo mea sein. Ich will von\nder Kunst und von mir sprechen. Dies ist unvermeidlich, denn die Fragen,\ndie zur Diskussion stehen, sind brennend. © © ©"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2242, "texte": "& Graf Lanckoronski schreibt auf Grund dessen, was er gesehen und ge-\nlesen hat ich aber auf Grund dessen, was ich gemacht und erfahren habe.\n& Zunächst sollen die Kunstverhältnisse erörtert werden, da sie die\nGrundlage der zu behandelnden Vorkommnisse bilden. ©©©\nBei uns ist vieles geradezu anormal. So ist unsere Kultur nicht voll-\nkommen nicht genug eigen und seit einem halben Jahrhundert wohl\nfremdartiger als für Zeit, da man französische Madrigale deklamierte. Es\nfällTsofort auf wenn zwei Polen aus der Mitte der gebildeten Gesellschaft\n“ a—kommen und mit strahlenden Gesichtern sich die erlebten Ein-\ndrücke im Auslande erzählen. Sie tauschen sofort Erinnerungen an jene\nbesseren idealen Momente, die sie in Rom, Florenz durchlebt haben, sie\nfüh en jenes gleißende Gespräch, in dem in rascher Aufeinanderfolge die\nNamen aller europäischen Hauptstädte Vorkommen, mit ihrer fernen\nKultur ihren gesellschaftlichen Beziehungen, ihren Theatern, ihren\nKünstlern und Schriftstellern. . ©o©\nUnd unsere Kunst muß notwendigerweise mit diesen raffinierten, höf-\nlichen und wohlerzogenen Feinschmeckern von Impressionen liebäugeln,\nsie darf ihnen gegenüber nicht polnisch sein, durch und durch polnisch\nwie sie sdn will und sein könnte. Sie darf also nicht durch ihre Frische,\nUrwüchsigkeit und elementare Kraft einen so hohen Standpunkt erstreben,\nwie ihn heute etwa die russische Literatur einnimmt, neben deren mäch-\ntigen Schöpfungen unsere höflichen Romane blaß erscheinen. So unter-\nst s chh der polnische Künstler bei jedem seiner Schritte einer Prüfung,\nob se ne Absicht schon irgend anderswo verwirklicht wurde = auf der\nVia Nazionale in Rom oder m Beuron oder m Venedig. Er muß sich\nglücklich schätzen, wenn es ihm gelingt, eine Idee unter dem Deckmantel,\ndaß so etwas schon dort und dort, womöglich vor einigen Jahrhunderten\np-emacht worden ist, durchzuschmuggeln; besser gesagt, wenn er mit\nder Literatur nachhilft, sei es durch die Wahl des Sujets oder durch\neine Erklärung oder auch nur durch einen wohlklingenden Titel seines\nWhrkes1 ©©©\nfr Gerade mir ist es gelungen, durch eine entsprechende Belehrung eine\nmeiner Skizzen vor drohender Ablehnung zu retten. © © ©\n© Gewöhnlich verwandeln bittere Erfahrungen den zum öffentlichen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2199, "texte": "Wirken berufenen Künstler in einen Diplomaten und lehren ihn die erfolg-\nreiche Art, unsere Leute zu behandeln. © © ©\n© Anderseits möchte man bei uns gerne in künstlerischen Dingen allen\nanderen Nationen gleichkommen, und da unsere Kunst wenig Tradition\nhat, meint man diese durch Vorsicht und verstandesmäßiges Erwägen\naller Umstände ersetzen zu können. ©©©\n© Hat das Werk, um das es sich handelt, noch dazu nationale Bedeu-\ntung, so steigert sich die allgemeine Spannung, die Dissertationen werden\nendlos und wir sind endlich geneigt, unseren Glauben allem zu schenken =\nnur nicht dem Talent und der Festigkeit der Gesinnung. Wir möchten\ndann um jeden Preis ein über alle Kritik stehendes, absolut gutes Werk\nhaben. So beginnen denn allgemach die Köpfe zu wirbeln und die Fähig-\nkeit des naiven Urteils ist dahin. Dafür aber bekommen wir in jedem\neinzelnen Falle die sonderbarsten Raisonnements und philosophisch-\nästhetischen Systeme aufgetischt, in denen die Formel an die Stelle des\nNachempfindungsvermögens und künstlerischen Verständnisses gesetzt\nwird. = = © © ©\n© Unter diesen wirklich heiklen Verhältnissen darf man wohl ent-\nschieden verlangen, daß eine, trotz der bescheidenen Einleitung, durch-\nwegs in apodiktischem Tone gehaltene Enunciation von solcher Stelle\nsich durch unangreifbare Richtigkeit auszeichnen soll. © © ©\n© Der Verfasser des Briefes lebt im Auslande, in der großen Welt\nWiens, genießt das Ansehen eines mächtigen Kunstmäcens = wie vernich-\ntend wird seine Kundgebung auf jede selbständige künstlerische Entwick-\nlung wirken müssen, wenn sie falsche Lehren predigt! Wie sollte der polni-\nsche Künstler diesem Unheil erfolgreich trotzen? Ein künstlerischer, im\nAuslande errungener Erfolg wäre vielleicht das einzige wirksame Mittel.\nAber ist das nicht ein circulus vitiosus? ©©©\n0 Graf Lanckorohski sagt in seinem Briefe vieles Richtige, dem man\numso lieber Beifall zollt, da es sich auf die Kathedrale und die dort vor-\ngenommenen Neuerungen bezieht. ©©©\n0 Er stellt den Grundsatz jenes „bon sens” auf, den ich, wie oben be-\nmerkt, bei uns so oft vermisse. Er spricht von Pseudostilen, falschem Ro-\nmanismus, falscher Gotik, vom Leben alter Bauten, den Spuren, die die"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2315, "texte": "Jahrhunderte ihnen eingedrückt haben, und davon, daß die Spuren mit\nEhrfurcht zu behandeln seien wie die Runzeln, die das Leiden menschlichen\nGesichtern eingegraben hat. Er findet daneben Worte der Anerkennung\nfür die kräftig vorwärtsschreitende polnische Kunst, in der er einen Beweis\nnicht zu vernichtender nationaler Lebenskraft” erblickt. ©OO\n© Man erwartet, daß diese Prämissen zu einer Ermutigung der heimi-\nschen Kunst führen werden. Aber gefehlt! Den Grafen Lanckoronski führen\nsie dazu, die malerischen Dekorationen der Kathedrale bedingungslos zu\nverwerfen Zwar seien sie von begabten Leuten geschaffen, doch hätten sich\ndiese nicht zu der ernsten Atmosphäre dieser Mauern emporzustimmen\nvermocht. Er selbst sieht bei diesem Urteil den Vorwurf der Inkonsequenz\nvoraus und begegnet ihm im vorhinein mit zwei Antworten, die beide auf\nseltsam irrigen Behauptungen und einem kardinalen Mißverstehen der\nKunst unserer Epoche aufgebaut sind. . , ©OO\n© Die erste lautet: Wir besaßen eine solche Erkenntnis der Kunst-\ngeschichte, uns wohne ein derartiger Eklektizismus inne, daß wir der\nNaivität vergangener Epochen bar seien, die glaubten, ihre Kunst sei die\neinzig richtige. Daher sei es uns nicht gestattet, wahrhaft neue, außerhalb\nder Tradition stehende Werke neben alles bis zum XVIII. Jahrhundert\nherauf Geschaffene hinzustellen. . .Q®®\n© Darauf antworte ich, daß die Allgememherrschaft des Eklektizismus\nheute schon etwas zweifelhaft erscheint, wenigstens dann, wenn man\nunter Eklektizismus jenen Grad von ausschließlicher Anerkennung der\nVergangenheit versteht, der etwa die Architektur des XIX. Jahrhunderts\nbeherrscht und sie zur besinnungslosen, selbst sinnlosen Nachahmung\ngeführt hat Auch jene Art von Kennerschaft, die der Eklektizismus des\nvorigen Jahrhunderts erschuf, die nicht auf verständnisvollem, entspre-\nchend geschultem Nachempfinden des Kunstwerkes, sondern auf dem\nAuswendigwissen von Stilgesetzen, Regeln und historischen Daten be-\nruhte und Eigentum eingeweihter, oft mehr als der Schöpfer des Kunst-\nwerkes routinierter Leute war, beginnt ihre Herrschaft zu verlieren. 0\n© Wir Künstler der Jetztzeit aber fühlen in uns die kraftvolle Naivität\nvergangener Epochen neu erstehen und gerade sie befähigt uns zu einer\nfreudigeren Achtung und zu weit tieferem Verständnis der Schönheit des"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2290, "texte": "uns Überkommenen. Das ist das erste Mißverständnis zwischen dem\nGrafen Lanckorohski und der Kunst. © O ©\n© Meine Antwort auf sein zweites Argument ergibt sich aus dieser Dar-\nlegung von selbst. Er sagt, der linke Flügel neuester Malerei entferne sich\nso riesenweit von der Malerei früherer Zeiten, daß er neben ihr nicht Platz\nfinden dürfe. Ich staune, daß Graf Lanckorohski, der doch Gelegenheit\nhat, die Kunstentwicklung zu verfolgen, nicht spürt, wie sehr sich auch\ndie neue Kunst von dem Schönen früherer Epochen anregen ließ- sie\nbildete sich anfangs an diesen Epochen so wie einst die Renaissance am\nAltertume und schuf endlich so Neues, daß es dem oberflächlichen Be-\nurteiler ganz traditionslos entstanden zu sein scheint. © © ©\n© Organisch verbunden mit diesen beiden Einwänden ist beim Grafen\nLanckorohski der Wunsch nach einer modernen religiösen Kunst. Er\ndenkt, daß diese so entstehen wird wie einst bei Flandrin, Führich\nCornelius -und Overbeck durch den Einklang der Tradition alter germani-\nscher und italienischer Meister mit den Empfindungen ihrer eigenen Zeit.\nWomit hatten denn diese alten Meister ihre Empfindungen in Einklang zii\nbringen? = Sie hatten eine große Kunst, denn es zwang sie niemand zum\nKompromiß mit etwas früherem. © © ©\n© Als Rezept zeigt Graf Lanckorohski selbst jene Tradition, welche die\nGemälde in den gewöhnlichen russischen Kirchen besitzen. Ich füge nur\nhinzu, daß die ungezählten Massen von Klecksereien, welche das XIX, Jahr-\nhundert in solcher Fülle hervorbrachte, daß sie endlich selbst den Priestern\nzu einer Plage wurden = dennoch jene schätzenswerte Tradition nach\nihrer Art pflegten. © © ©\n© Auch unter ihnen hat bereits eine Bewegung gegen diese „bondieu-\nserie” platzgegriffen, welche die Place St. Sulpice und die Offizinen von\nDüsseldorf und München hervorgebracht hatten. Ich erlaube mir hier nur\ndie Worte des P, Berthier anzuführen, der allerdings Universitätsprofessor\naber dabei auch Ordensgeistlicher ist. Da er ein großes Werk über Dante\nherausgab, studierte er die Kunst einer unleugbar sehr katholischen Epoche\n= doch nahm er gleichzeitig keinen Anstand, folgende Sätze auszusprechen-\n© „II a raison de precher hart vivant. Nous aussi nous aimons l’antique-\nnous aussi nous condamnons comme un sacrilege tout ce qui atteint*"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2429, "texte": "meme sous pretexte de restauration, une expression de la vie passee; mais\nnous n’avons pas moins de repugnance pour l’impuissant producteur de\npastiches, qui supprime la manifestation de la vie, en lui interdisant tonte\nexpression nouvelle et personnelle. Les archeologues exclusifs qui nous\nrendent pourtant de si admirables Services en nous rendant les formes\npassees de l’art, sont parfois d’irreductibles bornes ä la vie artistique. Ils\nne voient plus que le temps de jadis, ne comprennent que leur specialite,\net toute forme qui n’est pas vieille ou vieillie ne saurait les interesser. Si\nces hommes vont au progres, c’est malgre eux et ä reculons. Ils oublient\nque la vie est mouvement et que comme teile eile doit marcher . . . Or il\nen est ainsi de toute Science, de tout art. II faut regarder en arriere pour\nconnaitre le passe, sa vie, les formes et les expressions de sa vie; pour\ns’en inspirer et creer aujourd’hui des formes modernes, comme il crea ä\nson heure lui aussi des formes alors modernes: mais non point pour ne\nvivre que des formes de sa vie. Il faut regarder en avant, pour deviner ce\nqui est ä voir et ä faire comme evolution dans un monde qui evolue.”\n© Diese Stimme klingt echt katholisch und westlich und doch herzlich\nanders als der Brief des Grafen Lanckorohski. Noch vor nicht langer Zeit\nhatte ich ein umfangreiches Werk über kirchliche Ikonographie in der\nHand welches ein Riesenmaterial umfaßt und in zahlreichen Illustrationen\nals Beispiele für Kirchenstil, für jenen nicht in Frage gestellten Kirchen-\nstil der mit dem Gebete auf den Lippen beginnt, wie sich die Priester\nausdrücken = die scheußlichen Fabrikate von Mayer, Zeichnungen des\nRegensburger Psalters etc. etc. bietet. Nebenbei füge ich hinzu, daß les\nbeaux esprits se rencontrent, und daß gerade diese Firmen, deren An-\ndenken gebe es Gott, in der wahren religiösen Kunst verlöschen möge,\nm denselben erhabenen Worten ihre Reklamen schreiben, von ihrer auf-\nopfernden Tätigkeit um die Gotteshäuser erzählend. 0 © ©\n© In dieser Ikonographie finde ich auch Illustrationen, die Werke der\nbyzantinischen Epoche darstellen. Da seit dem Entstehen dieser Werke\nJahrhunderte vergangen sind, spricht der geistliche Autor von ihnen mit\nHochachtung. Aber einem Angriff gegenüber gesteht er, daß ihm diese\naus dem Dämmer der goldenen Apsiden hervorleuchtenden Christus-\no-esichter widerwärtig sind. Und das sagt man von einer christlichen, erz-"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2248, "texte": "christlichen Kunst, wohl der einzigen, die es vermocht hat, mit den eitlen\nirdischen Mitteln der Malerei und durch die schwache Hand des Menschen-\nwurmes unergründliche Tiefen, Schauer der Gottheit und Menschheit und\ndie bis ins innerste Mark erschütternden Visionen der Apokalypse wieder-\nzugeben. 000\n© Freilich sind diese Bilder nicht vereinbar mit jener seichten Art von\nKatholizismus, die die Religion der Salons und wohldurchwärmten Kirchen\ndes billigen Gewissensfriedens und der Lektüre verbotener Bücher nach\neingeholter geistlicher Erlaubnis bildet. © © ©\n© Der Typus unseres offiziell-religiösen Bildes stammt geradewegs von\nder dem Zerrbild nahen Engelssüße der Spätrenaissance- und Barock-\nitaliener ab. Was durch die Hände Murillos und Carlo Dolces gefiltert\nworden war, das bietet uns dann jener Overbeck, „der die Tradition mit\ndem ihm eigenen Empfinden in Einklang brachte”. Die auf diese Weise\naufgefaßte religiöse Kunst hat es nicht unterlassen, ihren geistlichen\nGönnern einen Streich zu spielen und unter dem Deckmantel der bis zur\näußersten Grenze getriebenen „Milde” führte sie eine gemeine Sinnlichkeit\nein; dies fiel niemandem auf. ©©©\n© Die Hypokrisie in der Kunst jedoch ist es, die in der Kirche Werke\ndie über das angenommene Schema hinausgehen, nicht dulden will, die\nden Künstler, der solche schafft, als einen Frevler gegen die Würde des\nheiligen Ortes verdammt. © © ©\n© Ja, die Kunst soll dazu „dienen”, in trägen Gemütern religiöse Extasen\nzu erwecken; vorher verbietet man ihr aber, in naiver und stark empfun-\ndener Weise die individuelle Extase des Künstlers auszusprechen! Aber\ndie raufenden Hunde und Affen, die sich in alten gotischen Kirchen hart\nneben dem pathetischen Kaiserdenkmal finden? Und die Kröten, die über\ndie Kanzelballustrade auf und ab wandern? Und dies war keine Schän-\ndung der Kirche und des heiligen Wortes, das von der Kanzel tönt\nDerartige naive Symbolik verdammt die Hypokrisie in der heutigen offi-\nziellen Auffassung der religiösen Kunst ebenso, wie sie es nicht zum Ver-\nständnis des Nackten bringen kann, trotzdem die Existenz der reinen\nNacktheit in der Kunst heute wohl nicht mehr bestritten werden kann Und\ndiese Hypokrisie in der Kunst sollte schon endlich einmal ein Ende finden"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2219, "texte": "0 Dann würde wahrscheinlich auch der rein mechanisch immer wieder-\nholte Hinweis auf Fra Angelico, dessen Name so schön in der Kunst-\ngeschichte klingt, einer ehrlichen Bewunderung dieses großen Künstlers\nvon Gottes Gnaden Platz machen. 0 © ©\n0 Die Schöpfungen dieses großen Künstlers sind von ungleichem Werte.\nNeben kühnen und reichen Farbenharmonien, wie z. B. die Kreuzigung in\nS. Marco in Florenz, finden wir waschblaufarbene Mäntel von Heiligen.\nDoch die Jahrhunderte alte Tradition und die anerkannte Marke benehmen\nden geistlichen Kennern das unbefangene Urteil über gute und schlechte\nWerke. Fra Angelico wird als Muster hingestellt und zeitgenössischen\nKünstlern Barbarei zum Vorwurfe gemacht. Nicht stoßen sie sich an den\nbuhlenden Bewegungen der tanzenden Engel und Heiligen inmitten der\nSchauer des jüngsten Gerichtes und der sich öffnenden Gräber, nicht an den\norangegelben Reflexen auf den Gesichtern, die man so schön mit der\nSonnenglut der italienischen Malerei und mit dem Abglanze himmlischer\nSeligkeit erklären kann = es ist ja Fra Angelico. © © ©\n0 Und Fra Angelico war ein großer und individueller Künstler, wie\nsollte aber in demselben Atem die Schule der Benediktiner in Beuron\ngenannt werden? Mag diese immerhin gewisse Verdienste haben: den Abt\nWalter genial zu nennen bedeutet ein Unrecht und Fra Angelico wird\nsich da wohl eine andere Gesellschaft suchen müssen, wer weiß ob nicht\nbei uns den Exkommunizierten. Geht es also an, den Typus des religiösen\nBildes zu konstruieren und dabei lediglich „die germanischen und italie-\nnischen” Meister im Sinne zu haben? ©©©\n© Der Katholizismus ist doch eine Religion von Jahrhunderten, von\nVölkern von Rassen. Seine ewig dauernden Gestalten werden immer\nneue Formen gewinnen, so wie sie bisher ihre Formen fortwährend ge-\nwechselt haben. Kann der christlichen Ikonographie, für die der gelehrte\nAutor schon den Schlußpunkt gemacht hat, etwas anderes übrig bleiben\nals zu folgen?\n© Daß der Typus der religiösen Malerei sich weiter bilden muß, steht\nfest Ebenso, daß die Traditionen der Kirche und der Kunst sich von\nGeschlecht auf Geschlecht vererben. Und auch, daß sie in der Kunst der\nGegenwart nicht verklungen sind, ist nicht zu bezweifeln. © © ©"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2215, "texte": "© Nicht minder sicher ist es aber, daß Graf Lanckorohski Kathedralen\nund, wie ich annehme, auch andere Kirchen vor „Experimenten” geschützt\nwissen will und daß ihm hierin eine Reihe gefügiger Geister nachfolgt.\n© Eine solche Ausschließung ist für das Entstehen einer monumentalen\nKunst verhängnisvoll; sie nimmt ihr jeden Boden. ©©©\n© Die Kunst kennt doch keine Unterscheidung zwischen,,Experimenten”\nund gelungenen Werken. Die Kunstgeschichte lehrt uns, daß jedes bedeu-\ntende Werk beim Entstehen mit Widrigkeiten zu kämpfen hatte, daß\ngerade die epochalen Leistungen als „Experimente” entstanden sind. Nur\nbei uns ist man zu vorsichtig, um die lebenskräftige Kunst zu öffentlichen\nDiensten zuzulassen, und bevorzugt die Schablone, die schon alle Winkel\nder Welt ausgekehrt hat = denn: „diese ist sicher”, „diese braucht man\nnicht zu fürchten”. ©©©\n© Ich erinnere mich, mit welchem Bedauern ich die ersten großen\nKartons für Glasmalerei für die Schweiz, für Freiburg machte. Ich habe\nviel Energie, die doch in jedem von uns ihre bestimmten Grenzen hat, in\ndiese Arbeiten gelegt. Aber im eigenen Lande fand ich kein Arbeitsfeld.\nMit Schmerzen mußte ich erkennen, daß ich daheim für einen gefährlichen\nMenschen galt. ©©©\n© Graf Lanckorohski behauptet, die modernen Malereien würden in der\nKathedrale ähnlich störend wirken wie englische Möbel in der Alhambra\noder eine wertvolle chinesische Vase in der Markuskirche, Von der\nAlhambra mit englischen Möbeln rede ich nicht = ein Unsinn, den wohl\nniemand verwirklichen wollen wird. Eher vereinen sich in meinem Ge-\ndanken eine chinesische Porzellanvase in der Markuskirche oder die alter-\ntümliche, über deren Portale aufgestellte Quadriga, an die ich zu erinnern\nmir erlaube, als der elend gemachte Zumbuschsche Kardinal Oiesnicki in\nder Wawelkathedrale, der aussieht wie ein verkleidetes altes Weib und\ndessen Umgebung pseudogotische, abgedroschene Granatblumenorna-\nmente bilden. Und seine Nachbarschaft sind authentische Bronzeplatten\nvon Sebaldus Vischer! = ©©©\n© Graf Lanckorohski meint, die malerische Ausschmückung der Wawel-\nkathedrale müsse von Leuten minderer Fähigkeiten, nicht von großen\nTalenten besorgt werden, denn hier komme es vorwiegend auf Geschick-"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2330, "texte": "lichkeit an, ähnlich wie beim Restaurieren alter Bilder oder dem Ausbessern\nzerfallender Gobelins. (2>(o> ©\n© Nun da besteht doch ein Unterschied! Dieser Bau hat Jahrhunderte\nlang- gelebt und sich nicht überlebt. Bis jetzt noch stehen die Menschen\nmit ihm in lebendigem Zusammenhänge und er ist nicht in die Reihe der\ntoten Denkmale, der griechischen und römischen Tempel und Theater\nübergangen bei denen Konservierung tatsächlich das einzige Angezeigte ist.\n© Die Kathedrale aber ist ein lebendiges Denkmal eines lebendigen\nVolkes und wir haben ein Recht darauf, auch unsererseits ihrem Bestände\netwas aus unserem Eigenen hinzuzufügen, widrigenfalls würde sie ja un-\nvorteilhaft von der Gesellschaft und von ihrer Lebensfähigkeit zeugen.\n© Wenn es richtig wäre, was Graf Lanckorohski sagt, daß mit der Aus-\nschmückung der Kathedrale, „die eine große Dame ist und der man mit\nEhrfurcht begegnen soll”, nur talentlose Leute betraut werden dürften,\ndann müßte sie ja jetzt, nachdem dieser Grundsatz solange gewahrt wor-\nden ist einen höchst erfreulichen Anblick bieten. Aber das Gegenteil ist\neingetroffen Sie wurde zum Modell einer überzivilisierten Kirche, wo der\nStil den modernen Bedürfnissen angepaßt wurde, wo die Erfindungsarmut\ndurch eine Ausführung erster Klasse ersetzt werden soll, wo es nichts\nUnverziertes nichts Anspruchsloses gibt. Wie seufzt man m ihr nach der\ngraziösen Nachlässigkeit in der Ausführung italienischer Kirchenkunst!\nWelch eine malerische Ungezwungenheit zeigt diese Kunst m der Be-\nhandlung des Marmors im Vergleiche z. B. zu der Öden, spiegelnden\nGlätte des Stukkos in den Wiener Hofmuseen. = © © ©\n© Die Kathedrale auf dem Wawel besitzt ein ungewöhnliches Geheim-\nnis das Geheimnis des Malerischen und des Zaubers einer polnischen\nKirche Solche Innenräume wie in Polen gibt es nirgends: einen Raum\nwie den zwischen dem riesigen Barockaltar, dem Grabmal des Kardinals\nFnVHnrh des Tae-ellonen,dem Bischofsthron und der Kapelle des heil. Stanis-\nlaus^Solche Chorstühle wie diese, die wir mit verblaßtem Samt und gold-\nbestickter Seide zu sehen gewohnt waren, findet man nirgendwo wieder.\n© Welch ein Glück, daß die Tumba des heil. Stanislaus noch nicht be-\nseitigt wurde, daß die einzige königliche Kirche in Polen so noch erhalten\ngeblieben ist das Pantheon polnischen Ruhmes, unerhört in seiner Wir-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2189, "texte": "kung auf die Phantasie als ein unerhörter Bau, der in seinem Innern einen\nzweiten goldenen mit dem Silbersarg umschließt. Aller aufgeklebter Flitter\nkonnte bis heute diesen Zauber der Kathedrale nicht brechen. Und dieser\nZauber, das ist das Große, das man zu schonen, zu erhalten, zu\nwürdigen, zu begreifen trachten sollte. Und dazu gehört in aller-\nerster Linie Talent, künstlerisches Empfindungsvermögen, dazu ist es\nnotwendig, daß man sich klar bewußt darüber wird, was man wert-\nschätzen, was erhalten soll. ©©©\n© Wir aber haben uns bei der Restaurierung der Kathedrale benommen\nwie Leute, die von Sitte, Konvenienz, Etikette gehört haben und jetzt\nnicht genug davon an den unpassendsten Stellen anwenden können. Wir\nhatten von der „historischen Methode” gehört und, indem wir nun Un-\nwesentliches sorgfältig schonten, die zarten Ursachen der künstlerischen\nWirkung aber achtlos angriffen, bildeten wir uns ein, die „historische Me-\nthode” angewendet zu haben. „Ist dies gleich Tollheit, hat es doch Me-\nthode.” ©©©\n© Unerquicklich im höchsten Grade, anders kann ein mit treme aus-\ngeführtes Kunstwerk nicht wirken. Das hundertmal korrigierte Bild des\nschwachen Talentes, das Musikwerk, das mit vor ängstlicher Erregung\nzitternden Händen und bebender Stimme ausgeführt wird, sind quälende\nPeinlichkeiten. Aber Graf Lanckorohski warnt vor dem Talent! = ©©\n© Ich stehe also am Schlüsse dieser Glossen genau auf dem entgegen-\ngesetzten Standpunkte: © © ©\n© „Niemand kann aus Büchern lernen, wie Werke der Vorzeit zu be-\nhandeln seien, sondern diese Erkenntnis kann nur dann erfolgen, wenn\nsich dem Respekt vor der Vergangenheit noch die Fähigkeit, den innersten\nSinn der alten Kunstwerke nachempfindend zu erfassen, mit einem Worte\ndas Talent hinzugesellt.” = ©©©\n© Von der Schatzkammer will ich nur so viel bemerken, daß sie ein\nvon der Kathedrale so streng geschiedener, verborgener Winkel war, daß\nich es für möglich gehalten habe, sie als ein Ganzes für sich zu behandeln.\nDie Vergangenheit hat dort nichts außer den nackten Wanden von einer\nübrigens sehr unregelmäßigen Struktur und einem hölzernen halbmorschen\nChor aus dem XVIII. Jahrhundert zurückgelassen. Graf Lanckorohski stößt"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.21", "debut_caractere": 42, "fin_caractere_exclue": 1171, "texte": "sich daran daß die Säulchen des Chores hellblau bemalt wurden, um sie\nmit der ereilen Dekoration in Harmonie zu bringen, und daraus schmiedet\ner seinen Haupteinwand. Er sagt, daß „dies eine symbolische Art vorzu-\n„ehen ist denn die Künstler passen sich in ihren Schöpfungen nicht den\nIlten Überresten an, sondern verändern sie eben so lange, bis sie diese\nhalhwep's daran angepaßt haben, was sie selbst schaffen . Diesen Chor\nnun habe ich fast ganz aus frischem, hellgelbem Holze, mit dem man ihn\n«flickt hatte vorglfunden. Ich glaube nicht, daß die Art meiner Bemalung\nlefner Epoche Gewalt angetan hatte, denn man braucht sich nur etwa\nflorentinischer Spätrenaissancekästchen und Möbeln zu erinnern, d.e mit\nkräftio- farbigen Steinen und Mosaiken aus Lapislazuli ausgelegt und da-\nbei retchvergoldet sind. Nebenbei erwähne ich, daß sehr elende Bilder aus\ndem XVIII Jahrhundert, die auf der Front des Chores angebracht waren\näch sobald man sie ohne mein Wissen gereinigt hatte, als so schreiend\nerwiesen haben sogar inmitten dieser „grellen” Dekoration der ganzen\nSchatzkammer daß Sie künstlich wieder verdunkelt werden mußten. ©"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-07-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-07-15_01#c007", "volume": "bmtnabf_1903-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "261", "page_fin": "261", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.2.4.1", "titre_corps": "Original-Holzschnitt", "titre_sommaire": "Original-Holzschnitt", "signature_source": "Rud. 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BACKHAUSEN\n& SÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\nFABRIKEN FÜR TEPPICHE, MÖBEL=\nSTOFFE, TISCH= UND BETTDECKEN\n□ IN WIEN UND HOHENEICH Q\nNIEDERLAGE:\n□ □ WIEN, I. OPERNRING 2 Q Q\n(HEINRICHSHOF)\n«••••••••••\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-07-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-07-15_01#c014", "volume": "bmtnabf_1903-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "267", "page_fin": "267", "image_debut": 27, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 27, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 638, "texte": "np^BnHnHnHDHDHUHUHUHUHUHUHUHU\nAUERLICHT.\n'T'TTT T7PHnKT infiß\nTELEPHON 1063\nZENTRALE: IV. SCHLEIFMÜHLGASSE 4\n\"HD\nVERKAUFSSTELLEN;\n□ 1., FISCHHOF 3, Telephon Nr. 12465 □\n11. TABORSTRASZE 4, Telephon Nr. 15080\n[-jpg XXI., HAUPTSTRASZE 23 ü D D\nVII ANDREASGASSE 9, Telephon Nr. 9122\n□ VIII., JOSEFSTÄDTERSTRASZE 64 □\nIX., NUSZDORFERSTR. 19, Teleph. Nr. 12797\n□ sowie bei den meisten Gasinstallateuren □\nm\n~ □□\nZHIZI LAMPE exklusive Montage und Bedachung K 3.50\n-ini SPARLAMPE exkl. 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WINDMÜHLGASSE\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□□□□□□□□□□□□□□□nnnnnnnnnnnn"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-07-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-07-15_01#c016", "volume": "bmtnabf_1903-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "269", "page_fin": "269", "image_debut": 29, "image_fin": 29, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 29, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.29", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 373, "texte": "nnnnnnODDOÜDÜOODDDD □□ □□□\nu 6RHNKPRIX * F \"r~r\"T==\nPARIS :1900\n«\n□\n□\nsl\n-\n□\n■\n□\n¥\n□\n%\n□\nx¥\n□\n□\n□\n□\n□\n□\no\n□\n□\n□\n□\nD\n□\n□\n□\n□\n□ □□\n□\n□\n□\n□\n■\nERSTE ÜSTERR. ACHEN • OE:\nSEILSCHAFT ZUR ERZEUGUNG\n(lON n'°BELN fIUSGEB°GCNEn\nHOLZE\nimrm m\nWIEhJ.BURGRING N » 3.\nscHiflFzinnEß.SPciseiinnEß\nSflL°H nöBELIN MoDERMEM STILE.\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□□□□ddodddüoddddddddddddddd"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabf-1903-07-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabf_1903-07-15_01#c017", "volume": "bmtnabf_1903-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "270", "page_fin": "270", "image_debut": 30, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 30, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.30", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 150, "texte": "E. BAKALOWITS\nSÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\nWIEN, I. KÄRNTNERSTRASZE 12\n□ SPIEGEL, KRISTALLÜSTER, □\n□ TRINKSERVICES, PHANTASIE= □\n□ OBJEKTE ETC. n"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.1", "texte": "MITTEILUNGEN DER VEREINIGUNG\nBILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\nHEFT 14\n19 0 3\nVER SACRUM"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[243]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.3", "texte": "SECESSION\nMITTEILUNG\nGENDERVERg\nEINIGUNG\nBILDENDER\nKÜN STLER\nÖSTERREICHS\nVER SACRUM\nHEFT 14\n15. JULI\n1903\nDAS REDAKTIONS-\nKOMITEE:\nMAX KURZWEIL\nKOLOMAN MOSER\nALFRED ROLLER\nLEOPOLD STOLBA"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.5", "texte": "Original-Holzschnitt\nv. Rud. Jettmar OM.\n\nAUF UNSERER XV. AUSSTELLUNG ERREGTEN\nIM POLNISCHEN SAALE DIE TREFFLICHEN ENTWÜRFE, WELCHE UNSER\nRed. V. S.\nordentliches Mitglied Jözef Edler von\nMehoffer in Krakau für die Ausmalung\nder Kathedrale zu Plock gemacht hatte,\ndie freudige Bewunderung aller Künstler\nund urteilsberechtigten Kunstfreunde.\n0 Die Skizzen waren über Auftrag der\nzuständigen Stelle gemacht und durch die\nJuty zur Ausführung acceptiert worden.\n0 Da veröffentlichte Graf Lanckorohski\neinen Brief, der gegen diese Entwürfe gerichtet war und zur Folge hatte,\ndaß die Geistlichkeit von Flock an dem bereits gefällten Juryvotum irre\nwurde und den Auftrag widerrief. Erfreulicherweise hüllte sich der, durch\ndie Vernichtung der Möglichkeit, ein monumentales Werk zu schaffen,\nschwer getroffene Künstler nicht in stumme Resignation, sondern fühlte\nsich verpflichtet, der Kundgebung des Grafen Lanckorohski öffentlich ent-\ngegenzutreten und so die schädliche Wirkung dieser gänzlich unberech-\ntigten Enunciation womöglich aufzuheben. = ©©©\n© Wir bringen die treffenden und nicht nur ausschließlich auf die pol-\nnischen Verhältnisse passenden Ausführungen unseres hochgeschätzten\nKollegen im Folgenden zur Kenntnis. 1903.\n\nGLOSSEN ÜBER DIE KUNST.\nÜbersetzung\naus dem\nPolnischen.\nANTWORT AUF DEN BRIEF DES GRAFEN LANCKORONSKI\nIN ANGELEGENHEIT OER RESTAURIERUNG DER KÄTHE-\nDRALE AUF DEM WAWEL. VON JÖZEF MEHOFFER, KRAKAU.\n© Tatsächlich betritt niemand gerne diese Arena der Anklagen und\nunangenehmer Polemiken,” sagt Graf Lanckorohski in seinem Briefe be-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.6", "texte": "züglich der Wawelrestaurierung. Auch ich würde es gerne unterlassen,\neine Antwort auf diesen Brief zu veröffentlichen. Aber unser Publikum\nbesitzt wenig Selbstvertrauen und ist umso ängstlicher, als es sich um\neine so wichtige Sache wie die Restaurierung der Kathedrale auf dem\nWawel handelt. So hat der Brief eine Wirkung ausgeübt, deren nachteilige\nFolgen sich bereits empfindlich fühlbar machen. © © 0\n© Die Wirkung des Briefes war nicht in allen Teilen meiner Heimat die\ngleiche. Krakau, das seit einer Reihe von Jahren Erfahrungen über Restau-\nrierungen sammelte, das ein Mickiewicz-Denkmal errichtet hat, Krakau,\ndas mit kritischer Teilnahme die Restaurierungsarbeiten an der Kathedrale\nverfolgt, das mit der üblichen Art des Meinungsaustausches vertraut ist, das\nmit einem Wort das Bewußtsein hat, Worte, die in diesem die Leiden-\nschaften erregenden Streite fallen, dürften nicht kritiklos hingenommen\nwerden = Krakau nahm diesen Brief vor allem mit Verwunderung auf.\n© Man fragt sich hier namentlich, warum Graf Lanckorohski erst jetzt\nseine Stimme erhebe, erst jetzt, wo so vieles Schlechte nicht mehr gutzu-\nmachen ist und da die Teilnahme des Briefverfassers an dem Werke der\nbisherigen Restaurierung bekannt ist, so fragt man ferner, wie wohl der\nSarkophag der Königin Jadwiga von Madejski und das Denkmal für\nKardinal Oiesnicki von Kaspar Zumbusch mit den in dem Briefe kund-\ngegebenen Anschauungen in Einklang zu bringen seien. ©o©\n© Aber in anderen Teilen unseres Landes, die von der zeitgenössischen\nKunstbewegung mehr abgeschnitten sind, bewirkte diese von der Höhe\ndes Auslandes kommende Stimme ein vollständiges Kapitulieren vor der\nAutorität. Dort dachte man, daß die Worte des Grafen Lanckorohski,\neines Polen, der in Deutschland als Kunstkenner anerkannt wird, maß-\ngebend sind und daß man dieselben als Weisung ohne Einschränkung an-\nnehmen darf, um allen Schäden und Gefahren dadurch entgehen zu können.\n© Und hier liegt die verderbliche Bedeutung dieses Briefes, denn er\nbeschränkt die künstlerische Arbeit, welche ohnedies unter den schwersten\nBedingungen ausgeführt wird, und unterbindet jede freie Bewegung. 0\n© Diese Antwort soll also eine oratio pro domo mea sein. Ich will von\nder Kunst und von mir sprechen. Dies ist unvermeidlich, denn die Fragen,\ndie zur Diskussion stehen, sind brennend. © © ©"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.7", "texte": "& Graf Lanckoronski schreibt auf Grund dessen, was er gesehen und ge-\nlesen hat ich aber auf Grund dessen, was ich gemacht und erfahren habe.\n& Zunächst sollen die Kunstverhältnisse erörtert werden, da sie die\nGrundlage der zu behandelnden Vorkommnisse bilden. ©©©\nBei uns ist vieles geradezu anormal. So ist unsere Kultur nicht voll-\nkommen nicht genug eigen und seit einem halben Jahrhundert wohl\nfremdartiger als für Zeit, da man französische Madrigale deklamierte. Es\nfällTsofort auf wenn zwei Polen aus der Mitte der gebildeten Gesellschaft\n“ a—kommen und mit strahlenden Gesichtern sich die erlebten Ein-\ndrücke im Auslande erzählen. Sie tauschen sofort Erinnerungen an jene\nbesseren idealen Momente, die sie in Rom, Florenz durchlebt haben, sie\nfüh en jenes gleißende Gespräch, in dem in rascher Aufeinanderfolge die\nNamen aller europäischen Hauptstädte Vorkommen, mit ihrer fernen\nKultur ihren gesellschaftlichen Beziehungen, ihren Theatern, ihren\nKünstlern und Schriftstellern. . ©o©\nUnd unsere Kunst muß notwendigerweise mit diesen raffinierten, höf-\nlichen und wohlerzogenen Feinschmeckern von Impressionen liebäugeln,\nsie darf ihnen gegenüber nicht polnisch sein, durch und durch polnisch\nwie sie sdn will und sein könnte. Sie darf also nicht durch ihre Frische,\nUrwüchsigkeit und elementare Kraft einen so hohen Standpunkt erstreben,\nwie ihn heute etwa die russische Literatur einnimmt, neben deren mäch-\ntigen Schöpfungen unsere höflichen Romane blaß erscheinen. So unter-\nst s chh der polnische Künstler bei jedem seiner Schritte einer Prüfung,\nob se ne Absicht schon irgend anderswo verwirklicht wurde = auf der\nVia Nazionale in Rom oder m Beuron oder m Venedig. Er muß sich\nglücklich schätzen, wenn es ihm gelingt, eine Idee unter dem Deckmantel,\ndaß so etwas schon dort und dort, womöglich vor einigen Jahrhunderten\np-emacht worden ist, durchzuschmuggeln; besser gesagt, wenn er mit\nder Literatur nachhilft, sei es durch die Wahl des Sujets oder durch\neine Erklärung oder auch nur durch einen wohlklingenden Titel seines\nWhrkes1 ©©©\nfr Gerade mir ist es gelungen, durch eine entsprechende Belehrung eine\nmeiner Skizzen vor drohender Ablehnung zu retten. © © ©\n© Gewöhnlich verwandeln bittere Erfahrungen den zum öffentlichen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.8", "texte": "Wirken berufenen Künstler in einen Diplomaten und lehren ihn die erfolg-\nreiche Art, unsere Leute zu behandeln. © © ©\n© Anderseits möchte man bei uns gerne in künstlerischen Dingen allen\nanderen Nationen gleichkommen, und da unsere Kunst wenig Tradition\nhat, meint man diese durch Vorsicht und verstandesmäßiges Erwägen\naller Umstände ersetzen zu können. ©©©\n© Hat das Werk, um das es sich handelt, noch dazu nationale Bedeu-\ntung, so steigert sich die allgemeine Spannung, die Dissertationen werden\nendlos und wir sind endlich geneigt, unseren Glauben allem zu schenken =\nnur nicht dem Talent und der Festigkeit der Gesinnung. Wir möchten\ndann um jeden Preis ein über alle Kritik stehendes, absolut gutes Werk\nhaben. So beginnen denn allgemach die Köpfe zu wirbeln und die Fähig-\nkeit des naiven Urteils ist dahin. Dafür aber bekommen wir in jedem\neinzelnen Falle die sonderbarsten Raisonnements und philosophisch-\nästhetischen Systeme aufgetischt, in denen die Formel an die Stelle des\nNachempfindungsvermögens und künstlerischen Verständnisses gesetzt\nwird. = = © © ©\n© Unter diesen wirklich heiklen Verhältnissen darf man wohl ent-\nschieden verlangen, daß eine, trotz der bescheidenen Einleitung, durch-\nwegs in apodiktischem Tone gehaltene Enunciation von solcher Stelle\nsich durch unangreifbare Richtigkeit auszeichnen soll. © © ©\n© Der Verfasser des Briefes lebt im Auslande, in der großen Welt\nWiens, genießt das Ansehen eines mächtigen Kunstmäcens = wie vernich-\ntend wird seine Kundgebung auf jede selbständige künstlerische Entwick-\nlung wirken müssen, wenn sie falsche Lehren predigt! Wie sollte der polni-\nsche Künstler diesem Unheil erfolgreich trotzen? Ein künstlerischer, im\nAuslande errungener Erfolg wäre vielleicht das einzige wirksame Mittel.\nAber ist das nicht ein circulus vitiosus? ©©©\n0 Graf Lanckorohski sagt in seinem Briefe vieles Richtige, dem man\numso lieber Beifall zollt, da es sich auf die Kathedrale und die dort vor-\ngenommenen Neuerungen bezieht. ©©©\n0 Er stellt den Grundsatz jenes „bon sens” auf, den ich, wie oben be-\nmerkt, bei uns so oft vermisse. Er spricht von Pseudostilen, falschem Ro-\nmanismus, falscher Gotik, vom Leben alter Bauten, den Spuren, die die"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.9", "texte": "ORIGINAL-HOLZSCHNITT\nVON RUDOLF JETTMAR OM."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.11", "texte": "Jahrhunderte ihnen eingedrückt haben, und davon, daß die Spuren mit\nEhrfurcht zu behandeln seien wie die Runzeln, die das Leiden menschlichen\nGesichtern eingegraben hat. Er findet daneben Worte der Anerkennung\nfür die kräftig vorwärtsschreitende polnische Kunst, in der er einen Beweis\nnicht zu vernichtender nationaler Lebenskraft” erblickt. ©OO\n© Man erwartet, daß diese Prämissen zu einer Ermutigung der heimi-\nschen Kunst führen werden. Aber gefehlt! Den Grafen Lanckoronski führen\nsie dazu, die malerischen Dekorationen der Kathedrale bedingungslos zu\nverwerfen Zwar seien sie von begabten Leuten geschaffen, doch hätten sich\ndiese nicht zu der ernsten Atmosphäre dieser Mauern emporzustimmen\nvermocht. Er selbst sieht bei diesem Urteil den Vorwurf der Inkonsequenz\nvoraus und begegnet ihm im vorhinein mit zwei Antworten, die beide auf\nseltsam irrigen Behauptungen und einem kardinalen Mißverstehen der\nKunst unserer Epoche aufgebaut sind. . , ©OO\n© Die erste lautet: Wir besaßen eine solche Erkenntnis der Kunst-\ngeschichte, uns wohne ein derartiger Eklektizismus inne, daß wir der\nNaivität vergangener Epochen bar seien, die glaubten, ihre Kunst sei die\neinzig richtige. Daher sei es uns nicht gestattet, wahrhaft neue, außerhalb\nder Tradition stehende Werke neben alles bis zum XVIII. Jahrhundert\nherauf Geschaffene hinzustellen. . .Q®®\n© Darauf antworte ich, daß die Allgememherrschaft des Eklektizismus\nheute schon etwas zweifelhaft erscheint, wenigstens dann, wenn man\nunter Eklektizismus jenen Grad von ausschließlicher Anerkennung der\nVergangenheit versteht, der etwa die Architektur des XIX. Jahrhunderts\nbeherrscht und sie zur besinnungslosen, selbst sinnlosen Nachahmung\ngeführt hat Auch jene Art von Kennerschaft, die der Eklektizismus des\nvorigen Jahrhunderts erschuf, die nicht auf verständnisvollem, entspre-\nchend geschultem Nachempfinden des Kunstwerkes, sondern auf dem\nAuswendigwissen von Stilgesetzen, Regeln und historischen Daten be-\nruhte und Eigentum eingeweihter, oft mehr als der Schöpfer des Kunst-\nwerkes routinierter Leute war, beginnt ihre Herrschaft zu verlieren. 0\n© Wir Künstler der Jetztzeit aber fühlen in uns die kraftvolle Naivität\nvergangener Epochen neu erstehen und gerade sie befähigt uns zu einer\nfreudigeren Achtung und zu weit tieferem Verständnis der Schönheit des"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.12", "texte": "uns Überkommenen. Das ist das erste Mißverständnis zwischen dem\nGrafen Lanckorohski und der Kunst. © O ©\n© Meine Antwort auf sein zweites Argument ergibt sich aus dieser Dar-\nlegung von selbst. Er sagt, der linke Flügel neuester Malerei entferne sich\nso riesenweit von der Malerei früherer Zeiten, daß er neben ihr nicht Platz\nfinden dürfe. Ich staune, daß Graf Lanckorohski, der doch Gelegenheit\nhat, die Kunstentwicklung zu verfolgen, nicht spürt, wie sehr sich auch\ndie neue Kunst von dem Schönen früherer Epochen anregen ließ- sie\nbildete sich anfangs an diesen Epochen so wie einst die Renaissance am\nAltertume und schuf endlich so Neues, daß es dem oberflächlichen Be-\nurteiler ganz traditionslos entstanden zu sein scheint. © © ©\n© Organisch verbunden mit diesen beiden Einwänden ist beim Grafen\nLanckorohski der Wunsch nach einer modernen religiösen Kunst. Er\ndenkt, daß diese so entstehen wird wie einst bei Flandrin, Führich\nCornelius -und Overbeck durch den Einklang der Tradition alter germani-\nscher und italienischer Meister mit den Empfindungen ihrer eigenen Zeit.\nWomit hatten denn diese alten Meister ihre Empfindungen in Einklang zii\nbringen? = Sie hatten eine große Kunst, denn es zwang sie niemand zum\nKompromiß mit etwas früherem. © © ©\n© Als Rezept zeigt Graf Lanckorohski selbst jene Tradition, welche die\nGemälde in den gewöhnlichen russischen Kirchen besitzen. Ich füge nur\nhinzu, daß die ungezählten Massen von Klecksereien, welche das XIX, Jahr-\nhundert in solcher Fülle hervorbrachte, daß sie endlich selbst den Priestern\nzu einer Plage wurden = dennoch jene schätzenswerte Tradition nach\nihrer Art pflegten. © © ©\n© Auch unter ihnen hat bereits eine Bewegung gegen diese „bondieu-\nserie” platzgegriffen, welche die Place St. Sulpice und die Offizinen von\nDüsseldorf und München hervorgebracht hatten. Ich erlaube mir hier nur\ndie Worte des P, Berthier anzuführen, der allerdings Universitätsprofessor\naber dabei auch Ordensgeistlicher ist. Da er ein großes Werk über Dante\nherausgab, studierte er die Kunst einer unleugbar sehr katholischen Epoche\n= doch nahm er gleichzeitig keinen Anstand, folgende Sätze auszusprechen-\n© „II a raison de precher hart vivant. Nous aussi nous aimons l’antique-\nnous aussi nous condamnons comme un sacrilege tout ce qui atteint*"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.13", "texte": "meme sous pretexte de restauration, une expression de la vie passee; mais\nnous n’avons pas moins de repugnance pour l’impuissant producteur de\npastiches, qui supprime la manifestation de la vie, en lui interdisant tonte\nexpression nouvelle et personnelle. Les archeologues exclusifs qui nous\nrendent pourtant de si admirables Services en nous rendant les formes\npassees de l’art, sont parfois d’irreductibles bornes ä la vie artistique. Ils\nne voient plus que le temps de jadis, ne comprennent que leur specialite,\net toute forme qui n’est pas vieille ou vieillie ne saurait les interesser. Si\nces hommes vont au progres, c’est malgre eux et ä reculons. Ils oublient\nque la vie est mouvement et que comme teile eile doit marcher . . . Or il\nen est ainsi de toute Science, de tout art. II faut regarder en arriere pour\nconnaitre le passe, sa vie, les formes et les expressions de sa vie; pour\ns’en inspirer et creer aujourd’hui des formes modernes, comme il crea ä\nson heure lui aussi des formes alors modernes: mais non point pour ne\nvivre que des formes de sa vie. Il faut regarder en avant, pour deviner ce\nqui est ä voir et ä faire comme evolution dans un monde qui evolue.”\n© Diese Stimme klingt echt katholisch und westlich und doch herzlich\nanders als der Brief des Grafen Lanckorohski. Noch vor nicht langer Zeit\nhatte ich ein umfangreiches Werk über kirchliche Ikonographie in der\nHand welches ein Riesenmaterial umfaßt und in zahlreichen Illustrationen\nals Beispiele für Kirchenstil, für jenen nicht in Frage gestellten Kirchen-\nstil der mit dem Gebete auf den Lippen beginnt, wie sich die Priester\nausdrücken = die scheußlichen Fabrikate von Mayer, Zeichnungen des\nRegensburger Psalters etc. etc. bietet. Nebenbei füge ich hinzu, daß les\nbeaux esprits se rencontrent, und daß gerade diese Firmen, deren An-\ndenken gebe es Gott, in der wahren religiösen Kunst verlöschen möge,\nm denselben erhabenen Worten ihre Reklamen schreiben, von ihrer auf-\nopfernden Tätigkeit um die Gotteshäuser erzählend. 0 © ©\n© In dieser Ikonographie finde ich auch Illustrationen, die Werke der\nbyzantinischen Epoche darstellen. Da seit dem Entstehen dieser Werke\nJahrhunderte vergangen sind, spricht der geistliche Autor von ihnen mit\nHochachtung. Aber einem Angriff gegenüber gesteht er, daß ihm diese\naus dem Dämmer der goldenen Apsiden hervorleuchtenden Christus-\no-esichter widerwärtig sind. Und das sagt man von einer christlichen, erz-"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.14", "texte": "christlichen Kunst, wohl der einzigen, die es vermocht hat, mit den eitlen\nirdischen Mitteln der Malerei und durch die schwache Hand des Menschen-\nwurmes unergründliche Tiefen, Schauer der Gottheit und Menschheit und\ndie bis ins innerste Mark erschütternden Visionen der Apokalypse wieder-\nzugeben. 000\n© Freilich sind diese Bilder nicht vereinbar mit jener seichten Art von\nKatholizismus, die die Religion der Salons und wohldurchwärmten Kirchen\ndes billigen Gewissensfriedens und der Lektüre verbotener Bücher nach\neingeholter geistlicher Erlaubnis bildet. © © ©\n© Der Typus unseres offiziell-religiösen Bildes stammt geradewegs von\nder dem Zerrbild nahen Engelssüße der Spätrenaissance- und Barock-\nitaliener ab. Was durch die Hände Murillos und Carlo Dolces gefiltert\nworden war, das bietet uns dann jener Overbeck, „der die Tradition mit\ndem ihm eigenen Empfinden in Einklang brachte”. Die auf diese Weise\naufgefaßte religiöse Kunst hat es nicht unterlassen, ihren geistlichen\nGönnern einen Streich zu spielen und unter dem Deckmantel der bis zur\näußersten Grenze getriebenen „Milde” führte sie eine gemeine Sinnlichkeit\nein; dies fiel niemandem auf. ©©©\n© Die Hypokrisie in der Kunst jedoch ist es, die in der Kirche Werke\ndie über das angenommene Schema hinausgehen, nicht dulden will, die\nden Künstler, der solche schafft, als einen Frevler gegen die Würde des\nheiligen Ortes verdammt. © © ©\n© Ja, die Kunst soll dazu „dienen”, in trägen Gemütern religiöse Extasen\nzu erwecken; vorher verbietet man ihr aber, in naiver und stark empfun-\ndener Weise die individuelle Extase des Künstlers auszusprechen! Aber\ndie raufenden Hunde und Affen, die sich in alten gotischen Kirchen hart\nneben dem pathetischen Kaiserdenkmal finden? Und die Kröten, die über\ndie Kanzelballustrade auf und ab wandern? Und dies war keine Schän-\ndung der Kirche und des heiligen Wortes, das von der Kanzel tönt\nDerartige naive Symbolik verdammt die Hypokrisie in der heutigen offi-\nziellen Auffassung der religiösen Kunst ebenso, wie sie es nicht zum Ver-\nständnis des Nackten bringen kann, trotzdem die Existenz der reinen\nNacktheit in der Kunst heute wohl nicht mehr bestritten werden kann Und\ndiese Hypokrisie in der Kunst sollte schon endlich einmal ein Ende finden"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.15", "texte": "ORIGINAL-HOLZSCHNITT\nVON RUDOLF JETTMAR OM."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.17", "texte": "0 Dann würde wahrscheinlich auch der rein mechanisch immer wieder-\nholte Hinweis auf Fra Angelico, dessen Name so schön in der Kunst-\ngeschichte klingt, einer ehrlichen Bewunderung dieses großen Künstlers\nvon Gottes Gnaden Platz machen. 0 © ©\n0 Die Schöpfungen dieses großen Künstlers sind von ungleichem Werte.\nNeben kühnen und reichen Farbenharmonien, wie z. B. die Kreuzigung in\nS. Marco in Florenz, finden wir waschblaufarbene Mäntel von Heiligen.\nDoch die Jahrhunderte alte Tradition und die anerkannte Marke benehmen\nden geistlichen Kennern das unbefangene Urteil über gute und schlechte\nWerke. Fra Angelico wird als Muster hingestellt und zeitgenössischen\nKünstlern Barbarei zum Vorwurfe gemacht. Nicht stoßen sie sich an den\nbuhlenden Bewegungen der tanzenden Engel und Heiligen inmitten der\nSchauer des jüngsten Gerichtes und der sich öffnenden Gräber, nicht an den\norangegelben Reflexen auf den Gesichtern, die man so schön mit der\nSonnenglut der italienischen Malerei und mit dem Abglanze himmlischer\nSeligkeit erklären kann = es ist ja Fra Angelico. © © ©\n0 Und Fra Angelico war ein großer und individueller Künstler, wie\nsollte aber in demselben Atem die Schule der Benediktiner in Beuron\ngenannt werden? Mag diese immerhin gewisse Verdienste haben: den Abt\nWalter genial zu nennen bedeutet ein Unrecht und Fra Angelico wird\nsich da wohl eine andere Gesellschaft suchen müssen, wer weiß ob nicht\nbei uns den Exkommunizierten. Geht es also an, den Typus des religiösen\nBildes zu konstruieren und dabei lediglich „die germanischen und italie-\nnischen” Meister im Sinne zu haben? ©©©\n© Der Katholizismus ist doch eine Religion von Jahrhunderten, von\nVölkern von Rassen. Seine ewig dauernden Gestalten werden immer\nneue Formen gewinnen, so wie sie bisher ihre Formen fortwährend ge-\nwechselt haben. Kann der christlichen Ikonographie, für die der gelehrte\nAutor schon den Schlußpunkt gemacht hat, etwas anderes übrig bleiben\nals zu folgen?\n© Daß der Typus der religiösen Malerei sich weiter bilden muß, steht\nfest Ebenso, daß die Traditionen der Kirche und der Kunst sich von\nGeschlecht auf Geschlecht vererben. Und auch, daß sie in der Kunst der\nGegenwart nicht verklungen sind, ist nicht zu bezweifeln. © © ©"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.18", "texte": "© Nicht minder sicher ist es aber, daß Graf Lanckorohski Kathedralen\nund, wie ich annehme, auch andere Kirchen vor „Experimenten” geschützt\nwissen will und daß ihm hierin eine Reihe gefügiger Geister nachfolgt.\n© Eine solche Ausschließung ist für das Entstehen einer monumentalen\nKunst verhängnisvoll; sie nimmt ihr jeden Boden. ©©©\n© Die Kunst kennt doch keine Unterscheidung zwischen,,Experimenten”\nund gelungenen Werken. Die Kunstgeschichte lehrt uns, daß jedes bedeu-\ntende Werk beim Entstehen mit Widrigkeiten zu kämpfen hatte, daß\ngerade die epochalen Leistungen als „Experimente” entstanden sind. Nur\nbei uns ist man zu vorsichtig, um die lebenskräftige Kunst zu öffentlichen\nDiensten zuzulassen, und bevorzugt die Schablone, die schon alle Winkel\nder Welt ausgekehrt hat = denn: „diese ist sicher”, „diese braucht man\nnicht zu fürchten”. ©©©\n© Ich erinnere mich, mit welchem Bedauern ich die ersten großen\nKartons für Glasmalerei für die Schweiz, für Freiburg machte. Ich habe\nviel Energie, die doch in jedem von uns ihre bestimmten Grenzen hat, in\ndiese Arbeiten gelegt. Aber im eigenen Lande fand ich kein Arbeitsfeld.\nMit Schmerzen mußte ich erkennen, daß ich daheim für einen gefährlichen\nMenschen galt. ©©©\n© Graf Lanckorohski behauptet, die modernen Malereien würden in der\nKathedrale ähnlich störend wirken wie englische Möbel in der Alhambra\noder eine wertvolle chinesische Vase in der Markuskirche, Von der\nAlhambra mit englischen Möbeln rede ich nicht = ein Unsinn, den wohl\nniemand verwirklichen wollen wird. Eher vereinen sich in meinem Ge-\ndanken eine chinesische Porzellanvase in der Markuskirche oder die alter-\ntümliche, über deren Portale aufgestellte Quadriga, an die ich zu erinnern\nmir erlaube, als der elend gemachte Zumbuschsche Kardinal Oiesnicki in\nder Wawelkathedrale, der aussieht wie ein verkleidetes altes Weib und\ndessen Umgebung pseudogotische, abgedroschene Granatblumenorna-\nmente bilden. Und seine Nachbarschaft sind authentische Bronzeplatten\nvon Sebaldus Vischer! = ©©©\n© Graf Lanckorohski meint, die malerische Ausschmückung der Wawel-\nkathedrale müsse von Leuten minderer Fähigkeiten, nicht von großen\nTalenten besorgt werden, denn hier komme es vorwiegend auf Geschick-"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.19", "texte": "lichkeit an, ähnlich wie beim Restaurieren alter Bilder oder dem Ausbessern\nzerfallender Gobelins. (2>(o> ©\n© Nun da besteht doch ein Unterschied! Dieser Bau hat Jahrhunderte\nlang- gelebt und sich nicht überlebt. Bis jetzt noch stehen die Menschen\nmit ihm in lebendigem Zusammenhänge und er ist nicht in die Reihe der\ntoten Denkmale, der griechischen und römischen Tempel und Theater\nübergangen bei denen Konservierung tatsächlich das einzige Angezeigte ist.\n© Die Kathedrale aber ist ein lebendiges Denkmal eines lebendigen\nVolkes und wir haben ein Recht darauf, auch unsererseits ihrem Bestände\netwas aus unserem Eigenen hinzuzufügen, widrigenfalls würde sie ja un-\nvorteilhaft von der Gesellschaft und von ihrer Lebensfähigkeit zeugen.\n© Wenn es richtig wäre, was Graf Lanckorohski sagt, daß mit der Aus-\nschmückung der Kathedrale, „die eine große Dame ist und der man mit\nEhrfurcht begegnen soll”, nur talentlose Leute betraut werden dürften,\ndann müßte sie ja jetzt, nachdem dieser Grundsatz solange gewahrt wor-\nden ist einen höchst erfreulichen Anblick bieten. Aber das Gegenteil ist\neingetroffen Sie wurde zum Modell einer überzivilisierten Kirche, wo der\nStil den modernen Bedürfnissen angepaßt wurde, wo die Erfindungsarmut\ndurch eine Ausführung erster Klasse ersetzt werden soll, wo es nichts\nUnverziertes nichts Anspruchsloses gibt. Wie seufzt man m ihr nach der\ngraziösen Nachlässigkeit in der Ausführung italienischer Kirchenkunst!\nWelch eine malerische Ungezwungenheit zeigt diese Kunst m der Be-\nhandlung des Marmors im Vergleiche z. B. zu der Öden, spiegelnden\nGlätte des Stukkos in den Wiener Hofmuseen. = © © ©\n© Die Kathedrale auf dem Wawel besitzt ein ungewöhnliches Geheim-\nnis das Geheimnis des Malerischen und des Zaubers einer polnischen\nKirche Solche Innenräume wie in Polen gibt es nirgends: einen Raum\nwie den zwischen dem riesigen Barockaltar, dem Grabmal des Kardinals\nFnVHnrh des Tae-ellonen,dem Bischofsthron und der Kapelle des heil. Stanis-\nlaus^Solche Chorstühle wie diese, die wir mit verblaßtem Samt und gold-\nbestickter Seide zu sehen gewohnt waren, findet man nirgendwo wieder.\n© Welch ein Glück, daß die Tumba des heil. Stanislaus noch nicht be-\nseitigt wurde, daß die einzige königliche Kirche in Polen so noch erhalten\ngeblieben ist das Pantheon polnischen Ruhmes, unerhört in seiner Wir-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.20", "texte": "kung auf die Phantasie als ein unerhörter Bau, der in seinem Innern einen\nzweiten goldenen mit dem Silbersarg umschließt. Aller aufgeklebter Flitter\nkonnte bis heute diesen Zauber der Kathedrale nicht brechen. Und dieser\nZauber, das ist das Große, das man zu schonen, zu erhalten, zu\nwürdigen, zu begreifen trachten sollte. Und dazu gehört in aller-\nerster Linie Talent, künstlerisches Empfindungsvermögen, dazu ist es\nnotwendig, daß man sich klar bewußt darüber wird, was man wert-\nschätzen, was erhalten soll. ©©©\n© Wir aber haben uns bei der Restaurierung der Kathedrale benommen\nwie Leute, die von Sitte, Konvenienz, Etikette gehört haben und jetzt\nnicht genug davon an den unpassendsten Stellen anwenden können. Wir\nhatten von der „historischen Methode” gehört und, indem wir nun Un-\nwesentliches sorgfältig schonten, die zarten Ursachen der künstlerischen\nWirkung aber achtlos angriffen, bildeten wir uns ein, die „historische Me-\nthode” angewendet zu haben. „Ist dies gleich Tollheit, hat es doch Me-\nthode.” ©©©\n© Unerquicklich im höchsten Grade, anders kann ein mit treme aus-\ngeführtes Kunstwerk nicht wirken. Das hundertmal korrigierte Bild des\nschwachen Talentes, das Musikwerk, das mit vor ängstlicher Erregung\nzitternden Händen und bebender Stimme ausgeführt wird, sind quälende\nPeinlichkeiten. Aber Graf Lanckorohski warnt vor dem Talent! = ©©\n© Ich stehe also am Schlüsse dieser Glossen genau auf dem entgegen-\ngesetzten Standpunkte: © © ©\n© „Niemand kann aus Büchern lernen, wie Werke der Vorzeit zu be-\nhandeln seien, sondern diese Erkenntnis kann nur dann erfolgen, wenn\nsich dem Respekt vor der Vergangenheit noch die Fähigkeit, den innersten\nSinn der alten Kunstwerke nachempfindend zu erfassen, mit einem Worte\ndas Talent hinzugesellt.” = ©©©\n© Von der Schatzkammer will ich nur so viel bemerken, daß sie ein\nvon der Kathedrale so streng geschiedener, verborgener Winkel war, daß\nich es für möglich gehalten habe, sie als ein Ganzes für sich zu behandeln.\nDie Vergangenheit hat dort nichts außer den nackten Wanden von einer\nübrigens sehr unregelmäßigen Struktur und einem hölzernen halbmorschen\nChor aus dem XVIII. Jahrhundert zurückgelassen. Graf Lanckorohski stößt"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "261", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.21", "texte": "Original-Holzschnitt\nv. Rud. Jettmar OM.\n\nsich daran daß die Säulchen des Chores hellblau bemalt wurden, um sie\nmit der ereilen Dekoration in Harmonie zu bringen, und daraus schmiedet\ner seinen Haupteinwand. Er sagt, daß „dies eine symbolische Art vorzu-\n„ehen ist denn die Künstler passen sich in ihren Schöpfungen nicht den\nIlten Überresten an, sondern verändern sie eben so lange, bis sie diese\nhalhwep's daran angepaßt haben, was sie selbst schaffen . Diesen Chor\nnun habe ich fast ganz aus frischem, hellgelbem Holze, mit dem man ihn\n«flickt hatte vorglfunden. Ich glaube nicht, daß die Art meiner Bemalung\nlefner Epoche Gewalt angetan hatte, denn man braucht sich nur etwa\nflorentinischer Spätrenaissancekästchen und Möbeln zu erinnern, d.e mit\nkräftio- farbigen Steinen und Mosaiken aus Lapislazuli ausgelegt und da-\nbei retchvergoldet sind. Nebenbei erwähne ich, daß sehr elende Bilder aus\ndem XVIII Jahrhundert, die auf der Front des Chores angebracht waren\näch sobald man sie ohne mein Wissen gereinigt hatte, als so schreiend\nerwiesen haben sogar inmitten dieser „grellen” Dekoration der ganzen\nSchatzkammer daß Sie künstlich wieder verdunkelt werden mußten. ©"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "262", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.22", "texte": "ORIGINAL-HOLZSCHNITT\nVON R. JETTMAR OM."}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "264", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.24", "texte": "GÜNTHER\nWAGNER”\nPELIKAN-\nFARBEN\nFEINSTE MARKE FÜR KÜNSTLER\nGEGRÜNDET 1838. 25 AUSZEICHNUNGEN\nPREISLISTEN UND MUSTER AUF\nWUNSCH DIREKT VOM FABRIKANTEN\nGÜNTHER WAGNER, HANNOVER UND\n©© 0 ©© © WIEN ©© © ©© q"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.25", "texte": "DER BESTE ALLER BLEISTIFTE\n□ □ IST UNBESTRITTEN □ □\n„KOH-I-NOOR”\nVON L. & C. HARDTMUTH.\nEXISTIERT IN 17 HÄRTEGRADEN.\nZU HABEN IN JEDER BESSEREN\n|—j [ [ PAPIERHANDLUNG Q EU"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.26", "texte": "• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• ••••••••••\nJOH. BACKHAUSEN\n& SÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\nFABRIKEN FÜR TEPPICHE, MÖBEL=\nSTOFFE, TISCH= UND BETTDECKEN\n□ IN WIEN UND HOHENEICH Q\nNIEDERLAGE:\n□ □ WIEN, I. OPERNRING 2 Q Q\n(HEINRICHSHOF)\n«••••••••••\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •\n• •"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.27", "texte": "np^BnHnHnHDHDHUHUHUHUHUHUHUHU\nAUERLICHT.\n'T'TTT T7PHnKT infiß\nTELEPHON 1063\nZENTRALE: IV. SCHLEIFMÜHLGASSE 4\n\"HD\nVERKAUFSSTELLEN;\n□ 1., FISCHHOF 3, Telephon Nr. 12465 □\n11. TABORSTRASZE 4, Telephon Nr. 15080\n[-jpg XXI., HAUPTSTRASZE 23 ü D D\nVII ANDREASGASSE 9, Telephon Nr. 9122\n□ VIII., JOSEFSTÄDTERSTRASZE 64 □\nIX., NUSZDORFERSTR. 19, Teleph. Nr. 12797\n□ sowie bei den meisten Gasinstallateuren □\nm\n~ □□\nZHIZI LAMPE exklusive Montage und Bedachung K 3.50\n-ini SPARLAMPE exkl. Montage und Bedachung K 3.— ——_\n~lHn GLÜHKÖRPER kostenfrei ins Haus gestellt 60 Heller UHU\nSPAR-GLÜHKÖRPER 55 Heller □ □ □ □ □\n□□□■□□□■□□□■DDDBC:]DaBDC:IDBDDD\""}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.28", "texte": "□□□□□□□□□□□□□□□nnnnnnnnnnnn\n□\n■B\n□\n□\n_□\n□\n□\n□\n□\nGLASMALEREI\nCARL GEYLING3 ERBEN\nGEGRÜNDET 1841\nWIEN,\nVI. WINDMÜHLGASSE\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□I\n□I\n□\n□□□□□□□□□□□□□□□nnnnnnnnnnnn"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.29", "texte": "nnnnnnODDOÜDÜOODDDD □□ □□□\nu 6RHNKPRIX * F \"r~r\"T==\nPARIS :1900\n«\n□\n□\nsl\n-\n□\n■\n□\n¥\n□\n%\n□\nx¥\n□\n□\n□\n□\n□\n□\no\n□\n□\n□\n□\nD\n□\n□\n□\n□\n□ □□\n□\n□\n□\n□\n■\nERSTE ÜSTERR. ACHEN • OE:\nSEILSCHAFT ZUR ERZEUGUNG\n(lON n'°BELN fIUSGEB°GCNEn\nHOLZE\nimrm m\nWIEhJ.BURGRING N » 3.\nscHiflFzinnEß.SPciseiinnEß\nSflL°H nöBELIN MoDERMEM STILE.\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□\n□□□□ddodddüoddddddddddddddd"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.30", "texte": "E. BAKALOWITS\nSÖHNE\n□ K. U. K. HOFLIEFERANTEN □\nWIEN, I. KÄRNTNERSTRASZE 12\n□ SPIEGEL, KRISTALLÜSTER, □\n□ TRINKSERVICES, PHANTASIE= □\n□ OBJEKTE ETC. n"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabf19030715-01.1.32", "texte": "Für die REDAKTION verantwortlich: MAX KURZWEIL in WIEN\nHerausgeber: VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLER ÖSTERREICHS\nDruck vonADOLF HOLZHAUSEN, k.u.k. Hof- u.Univ.-Buchdrucker in Wien\nZmk-Chch«ss von der „GRAPHISCHEN UNION\" in Wien"}]}