{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_sha256": "3aed8435ba03d02c070453b5213381d54149689cedb0ae33092c83da83296610", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/04/21_01/bmtnabg_1910-04-21_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/04/21_01/bmtnabg_1910-04-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.1", "debut_caractere": 565, "fin_caractere_exclue": 938, "texte": "INHALT:\nOTTO SOYKA: Der neue Ruhm/ALFRED\nDÖBLIN: Gespräche mitKalypsoüberdieMusik/CHAM-\nMAY PINSKY: Ich sandte meine Lieder / RUDOLF\nKURTZ: E. T. A. Hoff mann / ROBERT SCHEU: Leit-\nfaden der Weltgeschichte / R. R.: Königstreue und Äther-\nnarkose/ MINIMAX: Der Räuberhauptmann / A. D.: Herr\nFritz Mauthner/ MYNONA: Musik und Schüttelfrost/\nKARIKATUR: Wilamowitz-Moellendorff"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.2", "titre_corps": "Der neue Ruhm", "titre_sommaire": "Der neue Ruhm", "signature_source": "Otto Soyka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.1", "debut_caractere": 940, "fin_caractere_exclue": 8241, "texte": "Der neue Ruhm\nVon Otto Soyka\nDie Zahl der Berühmtheiten unserer Tage\nnähert sich in den einzelnen Ländern immer mehr\ndem Resultate der Volkszählung. Es ist unserer\nGegenwart endlich gelungen, den oft zitierten\nDornenpfad des Ruhmes in einen bequemen Spa-\nzierweg für jedermann umzugestalten, und eine\nbunte Menge von Menschen wrälzt sich die neue\nChaussee entlang. Zum guten Tone der Zeit\ngehört es, in irgend einer Kunst Hervorragendes\ngeleistet zu haben. Wer nicht literarische Lor-\nbeeren pflücken kann, nennt eine persönliche Note\nim Denken sein eigen, oder eine zarte Nuance im\nTon, oder eine unvergleichliche Feinheit im Aus-\ndruck, oder er leistet wenigstens in der Art, das\nalles zu entbehren, höchst Beachtenswertes.\nBeachtet zu werden, ist eine Anforderung, die\nmit naiver Selbstverständlichkeit vom kleinen\nMann des Geistes an die Oeffentlichkeit gestellt\nwird. Diese wird mit solchen Gesuchen um „Kennt-\nnisnahme\" überlaufen. Die literarische und künst-\nlerische Kritik wird immer mehr zum Vorschuß-\nverein, und Frau Fama ist bedeutend leistungs-\nfähiger geworden, seitdem sie an Stelle der Posaune\ndie Rotationsdruckerpresse benützt und statt hun-\ndert Zungen einige hunderttausend Stahlfedern im\nDienste hat. Und so kam man in die Lage, den\nRuhm, einen seltenen und kostbaren Artikel\nfrüherer Zeit, in großen Quantitäten herzustellen\nund Anteile von ihm für minimale Anzahlung aus-\nzugeben.\nDieses Verfahren hat Aehnlichkeit mit schwin-\ndelhaften Operationen schlechter Banken. Denn\nder Ruhm, den die Weltgeschichte bewahrt und\nzeigt, ist aus Arbeit entstanden, ist nichts anderes\nals umgesetzte Arbeit selbst. Wenn eine Zeit, wie\ndie unsere, in unbegrenztem Maße Ruhmesnoten\nausgibt, ohne im entferntesten für diese An-\nweisungen Deckung in reellen Arbeitswerten zu\nhaben, so werden diese Anweisungen bedeutungs-\nlose Zettel und jene tragen eben den Schaden, die\ndie echte Anwartschaft auf das Kapital der öffent-\nlichen Anerkennung besitzen.\nEchter Ruhm war stets nur ein Schatten, den\nvollbrachte menschliche Handlungen in das Ge-\ndächtnis von Mit- und Nachwelt warfen. Unsere\nZeit hat neben so vielen industriellen Gedanken\nauch den gehabt, diesen Schatten künstlich zu er-\nzeugen, ohne die Leistungen und Mühen, die ihn\nhervorriefen. Verhieß doch die künstliche Her-\nStellung von Ruhm ein glänzendes Geschäft zu\nwerden, er war zu allen Zeiten sehr begehrt und\nnicht etwa die oft recht anstrengende Tätigkeit, der\ner entsprang. Und man brachte in der Retorte der\nJournale wirklich etwas zustande, das dem Ruhm\nähnlich sieht. Eine Art Homunkulus von Ruhm ist\nes, ein billiges Fabrikat; dieser neue Ruhm ist nicht\neben dauerhaft, es fehlt ihm auch etwas an be-\nsonderen Aroma, aoer zu einem recht angenenmen\nRausche verhilft er doch und unser modernes\nLeben zeigt Unzählige, die diesem Genüsse leiden-\nschaftlich fröhnen.\nJeder liebevolle Vater ist in der Lage, seinem\nSöhnchen zum fünfzehnten Geburtstage einen\nnetten, kleinen Knabenruhm zu kaufen. Die Ge-\ndichte des Jungen genügen meist vollkommen dazu,\nwenn das aber nicht der Fall sein sollte, so lassen\nsich die verbesserten Hausarbeiten zu einem gut\naussehenden Bändchen zusammenfügen. Der Bei-\ntrag zu den Druckkosten ist selbst für kleinbüger-\nliche Verhältnisse leicht zu erschwingen. In Be-\nkanntenkreisen wird das Büchlein viel besprochen,\nbei einer Tante liegt es im Salon,,die andere muß\nes, der erwachsenen Tochter wegen, unter Schloß\nund Riegel halten. Es gibt zwar immer einzelne\nSchulkameraden, die boshafte Rezensionen\nschreiben, aber dafür loben andere, die nicht die-\nselbe Anstalt besuchen, umsomehr. Das ist immer-\nhin noch harmloser als der nur zweideutige Miß-\nerfolg einer durchaus reifen und ernst zu\nnehmenden Talentlosigkeit. Krüppel können sich\nheute kaum eine bessere Pflege wünschen, als\ndurch deutsche Kritik. Da wird sorgfältig unter-\nsucht, und mit Jubel wird es verkündet, wenn ein\noder das andere Glied nicht krumm ist. Da wird\nan Aufmunterung nicht gespart, mühselig wird mit\nKrücken auf die Beine gebracht, was von selbst\nnie stehen könnte. Die Atmoshäre in der deutschen\nKritik hat Spitalstemperatur. Talente, die gerade\ngewachsen sind und sich kräftig bewegen wollen,\nstoßen allerorten an. Was sollte man diesen gegen-\nüber auch mit den ängstlich bereitgehaltenen\nKrücken tun, wenn man sie glücklicherweise nicht\nebensogut zum Dreinschlagen benützen könnte?\nDer Ruhm ist zum festgesetzten Normalpreis\nzu haben, und wer den Kurs nicht beachtet und zu\nviel bietet, der läuft Gefahr, nicht ernst genommen\nzu werden. So kommt es, daß auch die Wohl-\nhabenden des Geistes nur kleine Münze in Verkehr\nbringen. Stimmungsmalerei und Detail florieren.\nDie Starken unter den Erzählern holt sich das\ndeutsche Publikum lieber aus Rußland und Frank-\nreich, die Phantasievollen aus England. Der\ndeutsche Literat aber hat in erster. Linie seine\nlyrischen Pflichten zu erfüllen und im Detail seine\nKunst zu zeigen. Das ist das traditionelle Poeten-\ntum, das deutsche Gauen bevölkert. Ein Unglück\nbraucht man es nicht zu nennen, „im Gegenteil, es\nwird auf diese Weise wirklich eine neue Seite der\nWelt erschlossen, in die sich auch der noch mit\nVergnügen einlebt, der über dem Moos, trotz seiner\nZierlichkeit, den Eichbaum nicht vergißt, auf dem\nes wächst, und über dem Eichbaum nicht den Wald,\nzu dem er gehört. Schlimm ist nur, daß die Grenze\nleicht überschritten und das Maß verrückt wild,\nund das geschieht immer, früher oder später. Weil\ndas Moos sich viel ansehnlicher ausnimmt, wenn\nder Maler sich um den Baum nicht bekümmert,\nund der Baum ganz anders hervortritt, wenn der\nWald verschwindet, so entsteht ein allgemeiner\nJubel, und Kräfte, die eben für das Kleinleben der\nNatur ausreichen und sich auch instinktiv die Auf-\ngabe nicht höher stellen, werden weit über andere\nerhoben, die den Mückentanz schon darum nicht\nschildern, weil er neben dem Planetentanz gar nicht\nsichtbar ist.\" Diese Worte, mit denen im Jahre\n1858 Friedrich Hebbel zu ähnlichen Verhältnissen\nStellung nahm, gelten uneingeschränkt für unsere\nTage.\nFreilich nimmt die Nachwelt mit derben\nStrichen ihre Korrekturen vor und der Zensurstift\nder Kulturgeschichte ist erbarmungslos. Man lese\neinmal die literarischen Notizen, die in zurück-\nliegenden Jahrgängen einer Revue enthalten sind.\nWelcher Lärm um Autoren und Werke, die prompt\nvergessen wurden! Fast soviel Lärm als nichts.\nHerr N. ist ein Wunderkind für die Eltern, der große\nMann für die Gattin gewesen, und das alles, weil ei-\nsernen Teil von der Ueberproduktion an Ruhm\nabbekam, und er ist zeitlebens so stolz und zu-\nfrieden gewesen wie die Frau jenes Weisen, die\nglaubt, ihre Lampe sei Gold, und in diesem Glauben\nselig lebte und verschied. Wer wollte so grausam\nsein, diesen idyllischen Zustand zu stören?\nZwei Dinge sprechen für ein Einschränken des\nmodernen Ruhmesvertriebes. Einmal: daß Herr\nN. jemand besseren den Platz fortnehmen könnte,\nund ferner: das gut begründete, durchaus unan-\nfechtbare Recht des Publikums, von Herrn N. nichts\nzu hören. Das scheint mir ein angeborenes Recht\nvon höchster Wichtigkeit, von solcher Existenz\nnichts, absolu . nichts zu erfahren. Und doch ist nur\nverboten, in menschliches Fleisch Fremdkörper, etwa\nMesser oder Bleikugeln einzutreiben. In mensch-\nliche Gehirne mit Hammerschlägen die Keile der\nReklame zu pressen, ist gestattet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "59", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.3", "titre_corps": "Viertes Gespräch: Die Meerfahrt / Von den Tönen und Geräuschen : Ueber die Musik", "titre_sommaire": "Viertes Gespräch: Die Meerfahrt / Von den Tönen und Geräuschen : Ueber die Musik", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.1", "debut_caractere": 8243, "fin_caractere_exclue": 8766, "texte": "Gespräche mit Kalypso\nViertes Gespräch: Die Meerfahrt / Von den\nTönen und Geräuschen\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\n(Die Meerfahrt. Das offene graugrüne Meer.\nStarker Wind. In einem Vielruderer mit schlagen-\ndem Segel lugt Kalypso am Steuer. Der Musiker\nhält ein Tau, springt lavierend herum; er ist jetzt\nohne Nasenkette.)\nMusiker:\n(Kalypso zujubelnd.) Kalypso, oi«&e«mv!\n— Die nun, welche dem jähen Verderben entronnen\nwaren, —\nMusiker:\nKrochen auf der Erde herum und holten sich den\nTod.\nKalypso:\nUnd taten gut daran."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 12131, "texte": "Musiker:\n(In gleichem Ton.) Andere aber wandelten sich in\nGetier, in Vögel und Kröten.\nKalypso:\n(Gelassen.) Liebes Kind, Du bist noch nicht reif\ndazu. —Gestern Abend soll einer stundenlang am\nStrand gestanden, die Hände gerungen haben; er\nschluchzte und predigte — den Fischen,\nMusiker:\n(Wirft sich auf die Steuerbank.) So laß ihn pre-\ndigen. Ich glaube Dir nicht mehr und Deinem Ge-\nsicht. Du wärst mir zwar schuldig, zu verraten,\nwas um Dich und so um mich ist. Aber nun beginnt\nmich Dein Schweigen zu beruhigen. Ich habe\nmanchmal Lust, Dich zu trösten.\nKalypso:\nWeil Dich Narren nichts vor dem Grabe des Olym-\npiers anpackte, in der Klippe, weil ich noch immer\nDeiner schone, um — mit Dir zu plaudern.\nMusiker:\nDie Säule auf dem Grabe dröhnte, der Rauch stieg\nzwischen den Steinquadern auf.\nKajypso:\nEr brennt unten, nichts verbrennt ihn, nichts erstickt\nihn. Wohl Dir, daß Du vor ihm betetest.\nMusiker:\nDer Mund seines Bildes auf der Säule- war in\nschrecklicher Wut verzogen. Aber Du sähest auch\ndie lange Schmerzfalte, die sich zwischen den\nweitoffenen Augen aufstellte; und darum, Kalypso,\nweintest Du und wandtest Dich wortlos.\nKalypso:\n(Kalt) Du Weiser. (Legt sich, die scharfe Seeluft\neinziehend, weit zurück.) Es gibt größere Rätsel,\nals Deines der Musik. (Steht auf, ruft hart in den\nSchiffsraum.) Zieht an! Ihr schlaft! Wind, Wind\noh Meer, Meer! (Sie reckt sich.) Die Fische be-\nneide ich, die Algen auf dem Wasser; am meisten\ndie Sturmmöven. Ich möchte ein Segel sein, oder\nein scharfes Schiffskiel. Nicht sachte und hündisch\nvorwärts traben, durch die fließenden Wellen\ndrängen, den bittren Wind zerschneiden. (Ueber\ndas Deck hinjauchzend.) Kastor, steh mir nimmer\nbei, reiß meine Masten in Stücke, leg die Bretter\nauf's Wasser. Kastor! Kastor mein Schwester-\nkind! (Sie sitzt wieder lachend am Steuer, zum\nMusiker.) Auf der der starrste Tod ruht.\nMusiker:\n(Küßt inbrünstig ihre Füße.)\nKalypso:\nSieh dieses steife, schwere Rot dort. Es gibt\nSturm.\nMusiker:\nWas brauche ich Musik?\nKalypso:\n(Nachdem sie lange geschwiegen haben, schwer-\natmend.) So sprechen wir. Ich war nicht immer\nso wie jetzt; ich schwamm sonst meines Wegs, wie\nam glatten Himmel ein federleichtes Wölkchen.\nNur zu wissen gelüstete mich schon sonst. Wenn\ndie Masten sich biegen, die Segel heulen und\nscharren, mein Gewand sich wie ein Hengst wirft\nund aufbäumt, bebt in mir die Lust, vieles zu be-\ngreifen, und die Sucht mich in die Dinge einzufinden.\nAber manchmal glaubte ich: in dessen Knieen alle\nBestimmung ruht, habe eifersüchtig und furchtsam\nalles für sich behalten; in kleine Gärtchen habe er\nuns gesperrt.\nMusiker:\nDas Ungeheuer, das diese Welt ist, hat ein gar\nweiches Fell; wir sinken ein und können über kein\nHärlein schauen. (Das Schiff schlingert stark. Ein\nauf- und abschwellendes Rollen, Pfeifen und Brüllen\ngeht über das Meer.)\nKalypso:\n(Freudig lauschend.) Meine Festmusik! Verstehst\nDu sie? — Wer kann sprechen von ihr, wer muß\nnicht singen? — Wer ist es, der so wild über mein\nMeer jauchzt?!\nMusiker:\nKalypso, ja, es jauchzt!\nKalypso:\nOh, meine Festmusik. Das Meer singt. Es sind die\nTöne des Meeres, die herüberkommen.\nMusiker:\n— Auch ich habe nie ohne Erschütterung dem Meere\nzugehört. Um dieses, um das Singen der Dinge bin\nich schon manchmal geschlichen. Aber die Dinge\nenthüllen sich nicht gern. — Wie unendlich sie\nverbreitet sind, die Töne in der Welt. An Masten,\nGiebeln, scharfen Halmen, Dachfenstern hängen die\nTöne wie Schwalbenscharen; die Luft scheucht sie\nda auf. Die Luft ist eine schamlose Diebin, wo sie\nsich durch Spalten stiehlt, erhebt sie noch laut ihre\nStimme. Die Luft steigt auf und schwimmt mit den\nMeeresströmen. Wärme und Kälte sind ihre\nHerrinnen; sie führen sie, heben, senken sie; im\nRollen der Erde wird sie umgeschleudert und gleitet\nfort. Wärme und Schwingen der Erde wirft die\nLuft herum und gegen Masten. Giebel, scharfe\nHalme, scheucht die Schwalben auf.\nLetzten Endes muß ich den heißen Stern, die Sonne,\nMutter der Töne nennen.\nKalypso: \\\nWohl gleitet die Luft hin; die schweren Gemische\nschüttern, die die Unrast treibt. Sie schlitzen sich,\nwie Haifische an Korallen den Leib auf, an Schiffen\nund Klippen, ringen noch mit sich und wimmern vor\nSchmerz. Während wir sitzen, geht die Luft, die\nriesige Wanderin, über das Weltmeer, mit bloßen\nFüßen, naß schleppenden Gewändern. — Aber ver-\ngißt Du nicht das Kind über der Mutter? Vielleicht\nklingt kein Ton ohne die Luft, aber der Ton ist\netwas anderes, als die Luft. Wenn meine Perlen\nzusammenschlagen, so klirren sie; die Barke dröhnt\nvom Ruderschlag. Die Dinge sind es, die an der\nLuft tönen. Eines ist der Ton, das andere das Ding,\ndas tönt. Wo die Dinge rasch gegeneinander\ndringen, „entsteht\" der Ton, — das Geräusch, wie\nDu es nennen magst. Und kein Laut fällt, wenn sie\nruhen. Vielleicht sogar, daß auch das Ruhende\ntönt, daß alles tönt, weil alles gegeneinander drängt\n— wenn auch zu fein für unser Ohr. Das müssen\nseltsame Geräusche sein, in denen das wachsende\nGras erklingt. Ach, was mag hören, wessen Ohr\nsich stark bewaffnete, also wie das Auge mit\nscharfen Linsen.\nMusiker:\nWir hören wenig. Du nanntest das Gehör\neinen geselligen Sinn; so nenn ich ihn, darum\nweil er ein beschränkter, enger Sinn ist, der sich in\nnahen Grenzen ergeht. Es muß verschiedene weite\nund enge Gehörsbezirke geben, gleich Terrassen,\ndie trichterförmig in die Tiefe führen; und so er-\nscheinen auf jeder Stufe aufwärts größere um-\nfassendere Klänge und breitere dickere Töne, viel-\nfach eigentümliche Musiken auch, unfaßbare,\nfremde Musiken.\nKalypso:\n— Der Ton ist etwas anderes, als die Luft und die\nDinge. Wie aber sind die Töne mit den Dingen ver-\nbunden? Die Dinge bewegen einander, drängen\neinander; da summt d#r Ton auf, aber er — er be-\nwegt nichts; eine Todgeburt, aus der Vermählung\ndes Lebendigen erzeugt. Er ändert nichts, ist ohn-\nmächtig. Die Luit dreht Mühlen, der Ton leistet\nnichts. Ich dachte mir einmal, ein Teil der Kraft,\nmit dem ich das Ruder auf den Bord schlage, geht\nin das Dröhnen auf, aber der Ton paßt in keine\nRechnung, keine Kraft wird in den Tönen frei. So\nkönnen die kraftvollen, rüstigen Dinge, schloß ich,\nwenn auch verbunden mit den Tönen, nicht Ursache\nder Töne sein. Wenngleich sie so innig unlöslich\nmit den Dingen verbunden sind, wenngleich es doch\ndie Dinge sind, die tönen. Die Wellen schlagen\ngegen die Bretter, es klatscht, meine Ketten klirren,\nwo ich mich erhebe; ich stoße mit der Faust auf das\nSteuer; nun dumpft es. Mit also erstaunlichen\nGaben sind die Dinge ausgestattet; wunderbares\nlauert hinter ihnen. —\n(Die Schiffer im Bug des Vielruderers singen eine\nkurze sich unendlich wiederholende Tonreihe im\nTakt der Ruder. Die Windbewegung läßt nun\nnach. Kalypso und der Musiker lauschen eine lange\nZeit. Kalypso sinnt mit rückwärts geworfenem\nKopf.) Weit trägt ein Ton; löst die Enge des\nRaums, sprengt eherne Mauern. Regsam ist er, ein\nFeind des Todes, haucht seinen Geist kühl hin über\ndie Landschaft, ehe er versinkt in das Leblose des\nungeheuren Schweigens. — Ich will mich nicht\ndaran verlieren. Wo eine Kraft gegen die andere\nsich spannt, reißt sich der Laut los. Nichts tönt\nselbstwillig. aus sich heraus. Nur in Wehr und\nGegenwehr; der Laut ist ein Begleiter des Kampfes.\nDer Schlegel hämmert gegen das Fell, der Bogen\nsägt und reißt an der Saite, die Luft schüttelt an den\nStäbchen; und wo die Zerstörung sich rüstig ans\nWerk gibt, spreizt sich der Laut. Er wächst nicht\nmit der Wut des Kampfes. Das machtlose Blech\nlärmt, schwere Taten geschehen lautlos. So lose\nalso bindet sich Ton an Kampf. —\nDie Kämpfer selbst, ja das ist es, der Stoff, der\nStoff, er tönt. Das Meer tönt in seiner Art, der\nStein, das Holz, das Silberblech. Es ändert nichts\nam Ton, ob der Olympier auf dem Metall gezeichnet\nist, oder Sophokles oder Räuber. Wie für das\nAuge nur Farbe und Form gilt, so für das Ohr nur\nder Stoff — und seine Bewegung, Der Ton zeigt\nhinter das Sichtbare, das Fühlbare, enthüllt ohne\nScham tief Verborgenes. Verrät uns nicht die\nStimme, erröten wir nicht, wenn wir uns hören?\nEinbegriffen, hineingerissen in das Zeitliche und Ge-\nschehen ist der Stoff selbst; hineingerissen ist unser\nWesen selbst und kann sich nicht zurückhalten. Wir\nliegen hell bestrahlt an der Sonne, gestreckt und\nnackt liegen wir da; gefordert, gejagt aus unseren\nHütten und Höhlen. Blühen geschehend in das Ge-\nschehen hinein. — Das Formlose, Ungestaltete, die\nWasser, die Steine, die Lüfte haben kein Werkzeug\nzum Tönen, sie tönen selbst und ganz hingegeben.\nNur das formvoll Lebendige, Weiche, hält sich zu-\nrück; nun hat sich sein Eigenton in eigenen Ort ge-\nflüchtet und schwingt in der Stimme. Soll ich staunen,\ndaß die unirdischste der Künste, die Musik, die Kunst\nauch der plumpen, rohen Stoffe ist? Das Selbst-\ngeständnis der Stoffe höre ich aus den Tönen. —\nSieh, mein Freund, ich glaube, daß viele Rätsel der\nMusik auch leicht wiegen gegen dies: das Tönen\nder Dinge, und sind wenige lockender. — Wir hören\nden Eigenton der Dinge nicht, denn zwischen zwei\nDingen lallt er auf, und immer ist jedes Bewegte\nzugleich tönend und tonerzeugend. Alles Stoffliche\nist tonbegabt; aber die Einsamkeit hat keine\nStimme; immer ist der Ton das Zeichen der Ge-\nmeinsamkeit. Wir hören nie einen Ton, sondern\neinen Tonverband. Und dies besagt, daß der\nStoff und die Einsamkeit nicht ist, daß das Tote\nnicht ist; gut und licht sind die Wege, die der\nTon uns führt. In der Bewegung, im Kampf, in der\nBeziehung erweisen die Stoffe ihre Wirklichkeit, da\nlallt der Ton auf, flattern die Schwalben. Der Stoff\nist nicht und die Kraft, es sei denn der Stoff als\nKraft, das heißt im Kampf; das sagt der Ton.\nMusiker:\nAber wie wenig wünschen wir zu hören. Wir\nsinnen mehr über die Sinne, als über die Dinge.\nWir suchen das Wissen auf so wenigen Wegen.\nDas Leben huscht an uns vorüber, ein süßer, köst-\nlicher Knabe, nach dem niemand gegriffen hat.\nKalypso:\nSeh ich recht, so sind es auch nicht diese zwei\nallein, die sich berühren, zwischen denen der Ton\naufhaucht; nicht Einsamkeit, nicht Zweisamkeitist\nder Boden, auf dem Töne blühen. Ein gestoßenes\nBlech tönt anders, wenn es an einem Faden hängt,\nanders, wenn meine Hand auf ihm liegt, anders,\nwenn es platt gegen die Erde drückt. All diese Um-\nwelt stimmt und bestimmt den Ton.\nEr ist ein großer Realist, der alle Umstände und\nNebendinge in Betracht zieht. Wie scharf er viele\nBeziehungen aufdeckt. Kürzer begreift der Ton,\nals der Begriff. Streng und fein geben die Dinge\nüber sich Auskunft. Unbestechlich, ohne zu irren\nsprechen sie die Wahrheit. Man nennt zwar die\nDinge stumm, und weniger sprechen sie freilich als\ndie Weisen, aber eindeutiger, klar hallt ihre\nSprache. Nicht wahr, ich verstehe Eure Musik; Ihr\nMusiker sucht jedem Lebendigen, das Euch lockt,\nHörbarkeit; was Euch bewegt, sucht Ihr in Töne zu\nfassen. Nun sieh, ein Wort bezeichnet die Bewe-\ngung, doch hat der Wortton nichts mit der Be-\nwegung zu tun; ein Lied folgt einer Lebensweise,\ndoch bezeichnet, begreift es nichts; ein Geräusch\nist beides: Wort und Lied zugleich; Geräusche, so\nseltsam es klingt, — sind vollendete Musik.\nMusiker:\nWohl, der Blütenkranz und die Krone der Musik\nsind sie. Das ist die weiteste und tiefste Musi-\nkantin, die Welt. — Ja, es ist die Lebendigkeit\nselber, die den Ton bildet. Im Ton erscheint\nBeziehung nicht als Begriff, sondern leibhaftig. Was\nzwischen den Dingen ist, tritt selbst als*Dmg aut:\nMehr von Gedankenart ist das Tönen, als von Ding-\nart. Die Art des Dinges ist nicht Art des Lebens und\nnicht der Wirklichkeit. Dies sah ich noch nie so\nzuvor. „In Tönen denkt die Welt.\" Noch kann ich\nnicht fassen, wie viel aus diesem Satze folgt. Doch\nlächelst Du so arnst und so ahne ich manches.\nUnd wenn die Dinge tausendfach, streng in sich ge-\nzogen, abgequadert gegeneinanderstoßen, so nicht\nder Ton, der nie von einem stammt: er philo-\nsophiert, erkennt die Grenzen an, doch blickt er\ndrüber weg; sagen die Dinge, Formen, Farben und\nGestalten: „Ich\", so der Ton: „Du\" „Wir\" und\n„Sie\", und höhnt jener kindlichen Besessenheit.\nKalypso:\nIch mühe mich, zu wissen, wie die Töne sich mit\nden Dingen verbinden. Doch wie verstehe ich\n\\diese Bindung, und was will diese Bindung? Was"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6389, "texte": "bedeutet das Tönen der Dinge? Und das Tönen\nin der Welt? Keine Kraft der bewegten Dinge\ngeht in ihnen auf, sie leisten nichts, heben keine\nLasten. Wenn ich müde träume, und meine Hände\nmit den Steinen spielen, wie mit kleinen Tieren,\nund sie klirren und lärmen, drängt es mich un-\nsäglich, zu fragen: „Was wollt ihr, kleines Volk?'4\nKraftlos ist auch die Farbe. Die Farbe hängt auf\nallen Dingen, ein fadenscheiniger dünner Mantel;\ndie Dinge wissen kaum, wie sie zu ihnen kommt;\nLug. Bosheit ist in ihr; sie flattert ratlos und\nspöttisch. Doch der Ton nicht so; streng und fein\nspricht er die Wahrheit, beichtet. Was soll dies?\nWarum, warum? Der farbige, tönende Punkt, der\nin keine Rechnung paßt! Warum seufzen wir\nKörper, singen, warum jubeln wir? Wenn ich dies\nweiß, so weiß ich vielleicht, was das Tönen der\nDinge, das Tönen in der Welt soll. Dinge gibt es,\ndie beben glücklich auf, wenn ich sie berühre,\nandere scharren, murren und grunzen, manche\nschreien schmerzlich gell, manche ducken sich wider-\nwillig mit den Schultern und bleiben unzugänglich\nstumm; und einige rascheln auf, als warteten sie\nnur auf die Berührung. Verschieden ist die Emp-\nfindlichkeit der Dinge. Kaum vermöchte es einer,\ndies zu deuten, hinter das Geheimnis der Töne zu\nkommen. — Wie vielfach ist die Welt, wie quälend\ntief ihre Rätselhaftigkeit.\nMusiker:\nOh, Kalypso, dies wirst Du nicht rasch lösen. In\ndiesen Garten läßt uns Zeus nicht gern ein. Viel-\nfach ist die Welt und seltsam ausgestattet. Das\nIneinander des Vielfältigen, Gereihten, die Wurzel\nder Verflochtenheit ist gut verschüttet, kein Dich-\nter hat sie je berührt. —\n(Das Schiff hat gewendet und rudert langsam dem\nLande zu; die Schiffer singen noch immer.)\nKa'ypso, ich will froh sein, daß ch Dir von meiner\nKunst sprechen darf. — Oft wollte ich Dich Mär-\nchenerzählerin schelten und Fabulantin. Doch ich\ntäte Dir Unrecht; Du gehst ja aufrecht, wo ich\nstolpern müßte. Man verlernt zu denken, wenn\nman, wie ich, über das Denken denkt, und sieht\nnichts. Du sähest gar nicht den Balken, mit dem\nmeinesgleichen sich den Weg breit verlegt. Nicht\nDeine Frage nach der Verbindung der Töne\nmit den Dingen hätte mich gequält, sondern nach\nder Verbindung mit — mir. O der endlosen Wirriiis\nund Falten, in die fällt, wer sich hier des Mutes\nbegibt. Ich und die Töne! Sieh, ich sage: Der\nTon ist nichts dem „Ich\" Fremdes; er gehört zu\nmeiner Lebendigkeit. Ich bewege die Glieder, ich\nrufe in die Luft, ich höre den Donner: dies ist alles\neinerlei und — ich. Die Weisen, die sich um die\nFrage quälten, was den Dingen gehört und was\nmir, haben den Dingen alles geraubt und alle Herr-\nlichkeit der Welt über das Ich gehäuft. Aber es\nereignete sich da etwas Wunderbares. Es machte\neiner das Maul auf, einer, das Ich, sie sättigten es,\nimmer mehr; es schluckte mit tiefen Zügen die\nganze Welt ein; die füllte es bald bis auf die Haut\naus, so daß das Ich nur noch eine dünne Schale\num seinen Magen war; gespannt platzte sie; die\nWelt sprang wieder heraus, leckte die armseligen\nReste mit der Zunge auf. — Was lebendig an mir\nist, ist in der Welt; wenn alles in dies Ich gezogen\nwird, so wird wohl alles Empfindung des Ich; das\nIch sitzt dann auf dem Schemel und bläst die Solo-\nflöte — wie einst im Mai. Aber dann wird schließ-\nlich auch das Empfindende selber empfunden.\nDann ist auch der Mensch kein denkendes Wesen,\nsondern selber ein Gedachtes. Und hier hört der\nSinn auf. Das Empfindende kann nicht das Emp-\nfundene zugleich sein, weil dies heißt: Empfindun-\ngen sind da, ehe sie da sein können; erst das Emp-\nfindende macht ja etwas zur Empfindung. Es war\nvorauszusehen, wohin der übertriebene Hochmut\nführen würde, sich in dem Andern, statt im Ich das\nAndere zu erkennen; das Schauspiel mußte sich\nvollenden, in dem das Ich Stufe um Stufe erstieg,\ndie Welt in die Luft blasend, keinen anderen Gott\nzurücklassend, als diesen einen: „Ich44 den düste-\nren Selbstherrscher, den Gott von eigenen Gnaden,\nden betrogensten aller Betrüger und den stummen\nfolgerichtigen Selbstmörder. Jenes denkende,\ndas formende Ich ist zerschlagen, aufgelöst in\neinen ungeheuren schimmernden Spiegel. Nun\nsättigt sich die ganze Welt an dem alten Ich, das\nUmwelt und Mitwelt geworden ist, jetzt nicht\nmehr Ueberwelt. Wir sind von dieser Welt, sie\nist mit ihren Formen kein Lug und kein Schein, sie\nist nicht nur unsere Welt. Vom Ich bleibt nichts zu-\nrück als das Wort und vielleicht ein Gedanke, ein\ngedachter Standpunkt über das Leben. — Dir,\nKalypso, hängen nicht solche Ketten an den\nKnöcheln. IDu gehst schwesterlich unter den\nTönen und Dingen, dem Anderen, und furchtbarer,\nrätselhafter erscheint Dir das Andere dieses An-\nderen, das Eine, das Ich.\nKalypso:\nDu verzeihst mir: nicht ganz konnte ich Dir fol-\ngen. Auch höre — und wie schön und trauervoll\ndie Ruderer singen. — Was sprachst Du von den\nTönen und jenem Ich?\nMusiker:\nVielmehr muß ja ich Dich um Verzeihung bitten.\nAber nicht leichte Worte finden sich für die stren-\ngen Meinungen. Laß mich lieber einfach fragen:\nWas ist eher: das Hören oder der Ton? Offen-\nbar das Hören; denn man wüßte nichts Vom Ton,\nwenn man nichts hörte. Aber doch denkt wohl zu\nkurz, wer so denkt; denn das Hören erweist sein\nVorhandensein doch erst am Gehörten! Ohne daß\nich ein Etwas höre, ohne den Ton — höre ich\nnicht. Das Tönen ist alles,was wir haben; das\nHören haben wir nicht, sondern machen wir. Das\nGehör ist nicht eher als das Gehörte. Denn das\nHören ist — überhaupt nicht. Es gibt keine Emp-\nfindungen. Der Ton ist alles —.\nKalypso:\nUnd wie nützt ihr solche Kenntnis, die ich nur\nschwer durchschaue; denn ich weiß nichts von den\nKämpfen, aus denen sie sich erhob?\nMusiker:\nWir sind bald am Land. So ist unsere schöne\nFahrt zu Ende. Auch mir und Dir bedeutet diese\nKenntnis etwas; und Du bist, wenn Du nicht auf\nDeinen Reisen meinem Pärchen „Hören\" und\n„Tönen44 begegnet bist, einem Andern begegnet,\naus demselben Geschlechte, wallfahrend gemein-\nsam, mächtiger anzusehen als jene, und auch\nreicher gekleidet, fesselnd in jedem Schritt: dem\nMenschen und der Musik. Dies ist die Erkennt-\nnistheorie der Musik.\nKalypso:\n(Lächelnd.) So werde ich noch den Wert so un-\nterirdischer Maulwurfsarbeit begreifen. (Erhebt\nsich und äugt über das fast glatte Meer.) Jetzt\nist die schamlose Diebin, die Wanderin mit den\nbloßen Füßen von uns gegangen.\nMusiker:\n(Auch lächelnd.) Unsere Segel hängen schlaff.\nDie Schwalben sind eingeschlafen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "59", "page_fin": "59", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.4", "titre_corps": "Ich sandte meine Lieder", "titre_sommaire": "Ich sandte meine Lieder", "signature_source": "Chammay Pinsky", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.3", "debut_caractere": 9816, "fin_caractere_exclue": 11450, "texte": "Ich sandte meine Lieder\nVon Chammay Pinsky\nIch sandte meine Lieder Dich zu Stichen:\nIch könnt' nicht mehr allein auf meinen Schultern\nDie schweren Nächte tragen,\nAllein die vielen Träume zählen,\nDie großen Träume* meines Blutleibs — '\nIch sandte meine Lieder Dich*zu suchen.\nIch sitz* alleine — sprach ich — ohne Königin\nAuf meinem Dichterthrone — wie ein Halbmond . .\nEin kranker König!\nDie Sterne lieb ich nicht, die falschen Schimmer,\nDie um mich her den alten Reigen tanzen:\nIch komme von der Sonne!\nSie hat mein Blut getrunken, ließ mich blaß\nUnd krank durch Himmelwüsten wändern.\nIhr sollt in allen Ländern\nDes Auf- und Unterganges suchen,\nUnd wenn Ihr s i e nicht findet,\nSo bringt mir eine Wolke,\nDeren Schwärze\nSo tief ist wie das Licht der Sonne ...\nSo bringt mir eine schwarze Negerin,\nDie Schwester meines Qrabes —\nDaß s i e mein blasses Leben küsse.\nIch sandte meine Lieder Dich zu suchen,\nSie wanderten von Land zu Land\nVon Nacht zu Nacht.\nAn jedem Fenster, wo ein Mädchen lacht,\nAn jeder Tür, wo eine Frau sich sehnt\nDa sangen sie sich selber, sangen betend,\nUnd weinten.\nUnd jedes Mädchen sog einen Blutvers\nFür seine Jugend;\nUnd jede Frau zog einen Faden\nDer Seide meiner Lieder.\nUnd jeden Morgen kamen sie zerrissen\nUnd leer zu meinem Thron zurück.\nDann kam die Nacht, da ich mein großes Lied\nsang — —\nAls stiegen alle Nächte\nAus den Gräbern der Ewigkeit\nUnd sammelten sich um mich her,\nWie alte Mumien und Leichen\nUm einen Jüngling, der noch lebt . . .\nUnd knieten vor meinem Liede.\nDann kam die Nacht, da ich mein großes Lied\nsang —\nUnd als der Morgen kam,\nLagst D u zu Füßen meines Thrones —\nDu Königin, Du Sonne!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "59", "page_fin": "60", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.5", "titre_corps": "E. 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In\nden Salons gähnte der schlaffe Ennui: schmach-\ntendes Lächeln überlief zärtlich gespitzte Lippen,\nIn leeren Posen erstarrte Hände berührten formlose\nGefäße voll dünnen Tees, und dazwischen rieselten\nschmale Bäche preziöser Gespräche unterbrochen\nvon Musik und Deklamation stilloser Dilettanten.\nSie hatten an der Romantik das Experiment über-\nsehen und sich nur mit dem stofflichen amal-\ngamiert, die Leerheit des Gehirns mit phan-\ntastischen Mohnträftken reizend, um sich im\nSpiegel ihrer Ekstasen zu bewundern. Eine Lite-\nratur war gefordert und sie hatten sie erhalten:\nneben dem unbegriffenen Jean Paul stand Ludwig\nTieck, in dessen Alter die Jugend wie ein Meteor\nnoch leuchtet, und zahllos um sie geschart die\nkleinen Götter der Fouque und Freunde, deren\nfragwürdige Phantasie in ungeistigen Abenteuern\nspielte. Sicherer Materialismus überall, zwischen\nseinen Polen Aberglauben und Maschinismus pen-\ndelnd. In diesen Karneval wirbelnder Glieder, die\nsich nie zu einem Körper finden, tritt fremd der\nKapellmeister Kreisler, über dessen Antlitz die\nTräume gleiten, als es schon in der Grimasse er-\nstarrt. Da erkennen ihn alle: es ist E. T. A.\nHoffmann.\nDie Zeit hatte ihn mit ihren Marken ge-\nzeichnet: anekdotischer Reichtum, trübe Magie,\nOperettenromantik. Der gewandte Novellist fand\nsich in den Begleiterscheinungen der Romantik: in\nder Apologie der Kunst und des Künstlers. Die\nAnnäherung bleibt peripherisch, der Stilist Hoff-\nmann ist ungeistig, er weiß gleich alles zu sagen,\nes prunkvoll und dekoriert zu sagen; er hat keine\nHemmungen zu überwinden. Seine Prosa ist den\nInhalten um einige Akkorde voraus; sie schwimmt\nüber Dinge, die sich noch bewegen. Aber das\nTemperament, das diese Sprachfetzen wie Eis auf\nden Flüssen zusammentreibt, mit unzulänglichen\nund undurchsichtigen Wortbildern Seelenzustände\nvon reinster Luzidität zeichnet, das ist der\nKünstler. Sein Ausdrucksmittel ist zu lose in\nseiner Hand; er dilettiert Jahrzehnte, ehe ihm die\nSprache das fügsamste wurde. Noch mit zwei-\nunddreißig Jahren war er sich im unklaren, ob er\nzum Musiker, Maler oder Schriftsteller bestimmt\nsei. Er hatte wenig Gefühl für die Besonderheiten\nder Künste: seine Zeichnungen sind graphische\nDarstellungen von Anekdoten, seine Musik hält\nsich eng an die Illustrierung des Textes, und in der\nSprache sucht er die Gefühlsskalen der Musik mit\nWorten zu imitieren. Diese illustrative Begabung\ndistanziert ihn weit von der zarten Kultur der Ro-\nmantik; aber er besaß, was den andern fremd blieb,\nund was die Romantiker in Formeln und Versen sich\nimmer auszudrücken bemühten; die geheimnisvolle\nKraft der künstlerischen Clairvoyance, einer\neigentlichen Hellseherei, in der die Dinge in\nwechselnden Formen schillern; lebendige Masken\nder ewigen Ideen, Symbole. Die Anekdote des\nCauseürs wurde dem Dichter zum Problem. Das\nist das Land Kreislers, das Hoffmann nur in seinen\nbesten Stunden betritt. Kreisler fühlte in seiner\nSeele das Spiel der Kontraste, das Hoffmann ent-\nsetzte. In den Stunden, in denen er die Leser ver-\ngaß, in den fliegenden Notizen seines Tagebuchs"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9687, "texte": "zittert eine wehrlose und geängstigte Seele, steigt\nauf in tollen Kurven und sinkt in schauerlichen Ge-\nsichten: ein vorwegnehmender Psychologe erlebt\nburleske Tragödien, kuppelt Entsetzen und Hoch-\nmut, Verzückung und jähen Hohn. Ein Delirant,\nder seine Fieberkurve zeichnet. Die Psychologie,,\ndas war eine Zeitkrankheit und ein Mittel materia-\nlistischer Bemühungen, das Gehirn als ein Räder-\nwerk von dürrer Selbstverständlichkeit zu zeigen,\nGrotesken und Visionen als notwendige Folgen ge-\nwisser Dispositionen zu erklären: diese „historische\nReinlichkeit\" war ihm „mehr als alles zuwider.\"\nEr war Psychologe wie es unsere besten Zeit-\ngenossen sind: Analytiker mit bebenden Sinnen,\ndie im Echo ihrer Seele die Welt wiederfinden; be-\ngierig jeden Fiebertraum nachzuerleben, ihr Da-\nseinsgefühl durch alle Möglichkeiten zu steigern.\nSeine Sensibilität sah die Dinge in den Schatten\nihrer Entstehung, in der schöpferischen Bewegung\nihrer Beziehungen, das Leben schien ein wunder-\nvolles Spiel der Motive, nur auf ein Künstlerproblem\nhinausführend. Sein Gehirn war ihm bis in die ver-\nborgensten Windungen zugänglich; und er ver-\nsenkte sich in das Wunder der Gedankenbildung,\nin den Kampf der Eindrücke und den Antworten der\nSeele. Die Wissenschaft dringt nur bis an die\nPeripherie; die Erkenntnis wird nur der Intuition,\ndie die Erscheinungen von ihren Bedingungen\nbefreit sieht.\nUnd diese intuitive Seelenanalyse ist Hoff-\nmanns Leidenschaft; seine Berichte über dunkle\nKriminalprozesse operieren mit klinischen Hypo-\nthesen, alle Raffinements der ihm zugänglichen\nMittel bietet der Psychologe auf, um sich dieses Ge-\nhirns, dessen Tat er zu beschreiben hat, zu be-\nmächtigen. Das steigt bis zum intellektuellen Hoch-\nmut des Puppenspielers, der die Drähte führt,\nEuphemia in den Elixieren des Teufels theoretisiert\ndieses Gefühl. Es ist eine Leidenschaft, die ver-\nwegen mit dem eigenen Gehirn spielt. Auf einem\nBall fühlt er sich vervielfacht, die Menschen, die ihn\numgeben, sind Splitter seines Ichs, und aller Ge-\nhirne sind Teile des seinen, das aller Gedanken und\nTaten mitfühlen muß. Differenzierungen und\nSpekulationen, die das Gehirn, sich selbst objek-\ntivieren; eine endlose Kette von Spiegelungen, die\ndie Reflexe multiplizieren, durcheinanderschütteln,\nverwandeln, bis das Bewußtsein ein glühendes\nChaos ist, Rausch des Wahnsinns. Dieses Vor-\ngefühl schwächt und reizt seine Nerven; die leiseste\nAnspannung umgibt ihn mit Erscheinungen, er ver-\nliert das Gefühl der Einheit, der Individualität. Und\ndurch das Konzert der Impressionen dringt immer\nwieder das Motiv des Wahnsinns: „Warum denke\nich schlafend und wachend so viel an den Wahn-\nsinn?\" Und ein anderes Mal notiert er in sein\nTagebuch: „Alle Nerven exzitiert von dem ge-\nsüßten Wein. Anwandlung von Todesgedanken.\nDoppelgänger.\" Er kannte die Psychologenfreude\nfür eine ganz flüchtige, undeutliche Stimmung ein\nklares durchsichtiges Wort zu finden, und fast\nminutiös malt er die Dämmerzustände in seinen\nWerken aus. Die Momente, in denen das Gehirn ein\nwüster Flammenkreis ist. beherrscht von phy-\nsischen und psychischen Störungen, Zustände, die\nan der Grenze des Wahnsinns schwanken: das\nsind seine objets d'art. ' In den Elixieren des\nTeufels hat kein äußeres Geschehnis die Realität\nund Deutlichkeit dieser geistigen Zersetzungen.\nDer Psychologe ist der Visionär und die Vision die\nVersenkung in die imaginäre Welt, die einzige\nRealität.\nDieser Weltanschauung korrespondiert die\nkunstphilosophische Hoffmanns: die Imagination ist\ndie symbolische Erkenntnis des inneren Lebens. Er\nist der begeisterte Apologet des Geistigen und sein\nRigorismus behauptet, daß der Körper nur als\nMöglichkeit des Geistes Berechtigung habe. Doch\ndiese Mißachtung des Körperlichen entspringt noch\neiner anderen Quelle: der Inkongruenz des inneren\nLebens und der äußeren Erscheinung. Dem Pathos\nder berauschten Seele war zur Auswirkung ein un-\nscheinbarer Körper gegeben, und diese Gewißheit\nprägte der Seele Hoffmanns ihr Mal auf. Er, dessen\ninneres Leben strömender Gesang war, mußte un-\nfehlbar lächerlich werden, wenn er seinem Tem-\nperament folgte. Wie eine stechende Flamme ver-\nbrennt das die leichtbeschwingten Gefühle. Ein-\ngestellt auf die Beobachtung jeder Nervenfaser, sah\ner immer sein Spiegelbild neben sich und fühlte mit\nbitterem Haß den Kontrast des begeisterten\nMusikers mit dem häßlichen Menschen, dessen\ngroteske Beweglichkeit ein seltsames Gegenspiel zu\nden feierlichen Worten seiner Kunst bildete. Dieses\nGefühl ist heimisch unter den europäischen\nDichtern des neunzehnten Jahrhunderts, und die Er-\nscheinung Stendhals wäre ein Rätsel ohne Beachtung\ndieser Motive. Um sich vor der eigenen Ver-\nachtung zu retten, bleibt die einzige Möglichkeit das\nKörperliche durch überlegene Qeistigkeit zu paraly-\nsieren, sich durch Ironie über den schmerzhaften\nKontrast hinwegzusetzen. Hoffmann hat diese Er-\nkenntnis von Jugend an begleitet. Wie schwer sie\nwar, mögen die Worte bezeugen, die eine frühe,\nschamhafte Liebe begleiten: „Da ich sie einmal\nnicht durch ein angenehmes Aeußere interessieren\nkann, so wollte ich, daß ich ein Ausbund von\nHäßlichkeit wäre, damit ich ihr auffiele, und sie mich\nwenigstens ansehe.\" In den Tagebüchern, die No-\ntizen über seine Bamberger Zeit und seine Liebe zu\nJuliabringen, knistern tollelronieen über blutige Ge-\nfühle; man spürt die Scham des alternden Mannes,\nder ein junges Mädchen anschwärmt und die\nLächerlichkeit dieser Situation in allen Nuancen\nspürt. Er spricht sich Mut zu, dieses Leben zu er-\ntragen und spielt den Schwerpunkt auf das Geistige\nhinaus, seine Unfähigkeit scheu umgehend in der\nreflexlosen Sinnlichkeit des naiven Menschen zu\nleben, die ihm roher Stoff scheint, Erscheinungsform\nfür ein Geistiges, das nur durch die Imagination, den\nTraum, erschaut werden kann.\nDer geistige Mensch haßt das Anekdotische des\nLebens, also im eigentlichen Sinne alle erhebenden\nEreignisse des bürgerlichen Daseins, vor allem die\nBrennpunkte des normalen Vegetierens: die lauten\nGefühle. Sie verletzen seine Scham und reizen\nseinen Intellekt, sie durch Ironieen aufzuheben.\nZur Zeit der stärksten Gefühlsanspannung notiert er:\n„Göttliche Ironie, herrliches Mittel, Verrücktheiten\nzu bemänteln, stehe mir bei!\" Und wie uner-\nträglich der Druck der Sehnsucht war, deutet die\nFortsetzung an: „Jetzt ist es Zeit in literis zu\narbeiten.\" Geistige Ausleerungen waren für ihn\neine körperliche Befreiung: das Ringelspiel der\nLeiden zerrann in herrlichen Träumen, imaginären\nHeldenfahrten.\nDie Sphäre seiner Erlebnisse war das Außer-\nordentliche; und das ist seine Kunst, daß er es nicht\nin der Anekdote, sondern in jedem elementaren\nLebensvorgang sah. Er schaute an: so definierte\ner sich. Schaute so rein und unbefangen an wie\nGoethe: nur wies sein Spiegel eine besondere\nKrümmung auf. Schopenhauer bezeichnet dieses\nals die philosophische Stimmung, daß die Dinge\nihre absolute Starrheit verlieren; Hoffmann hätte\nden Moment des Schauens so bezeichnet. Ein Ge-\nlehrter, der die Leiter auf und ab steigt, um Bücher\nzu suchen, wird ihm leicht zum Magier, der in\neiner ungeheuren Bibliothek von Sprosse zu Sprosse\nspringt; das Beängstigende dieses Auf und Ab und\nder zahllosen Folianten wird ihm zum Erlebnis. Er\nempfindet das Grauen an den Dingen, wie Knut\nHamsun oder Arthur Rimbaud, der aus dem Erleb-\nnis eines kleinen verärgerten Schreibers eine\ngrauenvolle Vision formt: Lesassis.\nDie Angst an den Dingen, das ist Hoffmanns\nErlebnis. Nicht das physische Erschrecken des\nFeigen, sondern das Erahnen einer unsichtbaren\nWelt, deren Erscheinungen die Dinge sind, mit denen\nwir leben müssen, ohne ihr Wesen und ihre Bedeu-\ntung zu kennen. Die Doppelheit der Erscheinung\nwird sinnfällig in den mechanischen Apparaten.\nDiese besonders erregten Hoffmanns Einbildungs-\nkraft bis zu Orgien des Grauens und der Grausam-\nkeit. Er spürt, daß das Schöpferische dieser toten\nDinge die höchste Potenz des Artifiziellen ist. Der\nAutomat ist ungefährlich, ein spielendes Räder-\nwerk: er war ein Freund der Automaten. Aber so\neinfache Dinge wie Brillen, Ferngläser, Spiegel: in\ndiesem scheinbar Primitiven ist das Entsetzen. Das\nErlebnis seiner Menschen ist die Furcht vor den\ngrauenvollen Ueberraschungen des Lebens. „Etwas\nEntsetzliches ist in mein Leben getreten. Dunkle\nAhnungen eines gräßlichen mir drohenden Ge-\nschickes breiten sich wie schwarze Wolkenschat-\nten über mich aus, undurchdringlich jedem freund-\nlichen Sonnenstrahl.\" Im Gespräch erblickt er\nVisionen, er zittert vor Aufregung und Angst und\nspielt in allen Ironieen, um sich vor der Verzweif-\nlung zu schützen. Wie jeder Künstler empfindet er\nseine Reizbarkeit als Vorzug, glorifiziert sein Lei-\nden, denn „solcher Kopfschmerz gebärt das Exoti-\nsche.\" Der Künstler ist die Blüte der Möglichkeiten,\nund diese Gewißheit stilisiert seine Gebärde. Es ist\nin ihm die entmaterialisierte Entzückung Wacken-\nroders und die überzeugte Kunstsentimentalität des\nSternbald, den es das wahre Künstlerbuch nennt.\nEr empfindet stärker als die Zeitgenossen die\nBesonderheit der künstlerischen Tat, nur Kunst und\nnichts anderes zu sein. „Alles soll noch außer dem,\nwas es ist, was anderes bedeuten, alles soll zu einem\naußerhalb liegenden Zweck führen, den man gleich\nvor Augen hat, ja selbst jede Lust soll zu etwas\nanderem werden als zur Lust, und so noch irgend\neinem anderen leiblichen oder moralischen Nutzen\ndienen, damit nach der alten Küchenregel immer das\nAngenehme mit dem Nützlichen verbunden bleibe.\"\nKunst ist Moral, weil es außer ihr nichts gibt, sie\nist die wahre Metaphysik des Lebens, und mehr\nhat Nietzsche damit nicht gemeint, als dieses Wort\nHoffmanns es sagt: „Der Musiker sieht die ganze\nWelt im Widerschein seiner Kunst.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "60", "page_fin": "62", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.6", "titre_corps": "Leitfaden der Weltgeschichte", "titre_sommaire": "Leitfaden der Weltgeschichte", "signature_source": "Van Robert Scheu", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.4", "debut_caractere": 9689, "fin_caractere_exclue": 12905, "texte": "Bei Erschaffung der Welt herrschten geradezu\nvorsintflutliche Zustände. Zum Glück begann da-\nmals erst die prähistorische Zeit, die merkwürdig\nrasch verging. Die Ichthyosaurier, Mammute et\ncetera übersiedelten meistens nach Sibirien, wo\nsie im Interesse der Wissenschaft einfroren.\nStreng nach Darwin entwickelten sich die Lebe-\nwesen, und mit affenartiger Geschwindigkeit ent-\nstanden aus dem Urschlamm unsere Stammväter,\ndie Schimpanse, welche sich durch starken Haar-\nausfall und zunehmende Arroganz immer mehr\ndem Menschentypus näherten, bis sie endlich als\nAdam und Eva die Welt betraten.\nDie Sintflut war leider für die Katz. Es\nwurde sehr bald der status quo wieder hergestellt,\nInfolge einer eigentümlichen Gewohnheit der ge-\nschichtlichen Ereignisse beginnen diese gewöhnlich\nin der Umgebung von Aegypten. Dortselbst war\neine starke Ueberproduktion an Pyramiden. Es\nblieben daher sehr viele unverkäuflich und sine!\nnoch jetzt zu sehen. Die größte Arbeit an den\nPyramiden verursachte der untere Teil, während\nganz oben immer weniger zu tun blieb und die\nKosten an der Spitze sehr gering waren. Es ging\n•daher das Bestreben der ägyptischen Kaiser dahin,\nmöglichst rasch die Pyramiden auf die Spitze zu\ntreiben. Infolgedessen bekam ganz Aegypten ein\ngespitztes Aussehen. Man drückte sich damals\ngerne in Hieroglyphen aus, was den Vorteil\nbrachte, daß man an einem Brief oft tagelang zu\nlesen hatte, da die Schrift ungemein schwer zu\nentziffern war. Kein Wunder, daß sich die ägyp-\ntische Augenkrankheit daher immer mehr ausbrei-\ntete. Nach ihrem Tode hatten die meisten Aegyp-\nter etwas Mumienhaftes; sie zogen sich in die\nPyramiden zurück, deren Volumen und Flächen-\ninhalt vorher sorgfältig ausgerechnet wurde.\nAuch Babylonien und Assyrien machen sieh\nin der vorderen Partie der Weltgeschichte bemerk-\nbar. Sehr rasch verfiel auch die zu diesem Zwecke\nvon Nebukadnezar gegründete Dynastie.\nLeider zeigten die Juden schon damals eine\ngewisse Vordringlichkeit und drängten sich so\nschnell als möglich in die Weltgeschichte. Sie\nnisteten sich von da an fest ein und sind noch heute\nin der Wiener Leopoldstadt zu treffen. Auch das\nlydische Reich ging zu Grunde, ein Verlust, den\nwir -unendlich bedauern. Die Inder waren sehr\ngutmütig, es war die höchste Zeit, daß Buddha\nauftrat und alles reformierte. Unter den Perser-\nkönigen war Kambyses sehr jähzornig; der Magier\nGaumata gleichfalls, weshalb es ihm ein Leichtes\nwar, sich für Kambyses auszugeben. Er wurde\naber gestürzt, da ihm die Ohren abgeschnitten\nwaren und er sie daher nicht rechtzeitig spitzen\nkonnte.\nUnter den Griechen fiel Herakles durch seinen\nkrankhaften Reinlichkeitssinn auf, der ihn veran-\nlaßte, den Augiasstall aufs gründlichste zu säu-\nbern. Oedipus war so gewissenhaft, streng\nnach der Anordnung des Orakels seinen Vater\nzu töten und seine Mutter zu heiraten. Diese\nHeirat stellte sich später als Uebereilung heraus,\nund er giftete sich zu Tode. Furchtbar zog\nsich der trojanische Krieg in die Länge. Er\ndauerte vierdunzwanzig Gesänge und spielte sich\ngrößtenteils in Hexametern ab. Einen recht\nhölzernen Eindruck machte das Pferd, durch\ndas Odysseus in das Innere der Stadt eindrang. In\nSparta gab es eine Verfassung, bei der sich insbe-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.4", "debut_caractere": 12934, "fin_caractere_exclue": 12979, "texte": "Leitfaden der Weltgeschichte\nVan Robert Scheu"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6102, "texte": "sondere die Heloten lebhaft langweilten. Die\nSpartaner waren arm, doch erlaubte man ihnen\nglücklicherweise das Stehlen. Eine ausgezeichnete\nIdee war die Gründung eines Orakels, das von\nzweideutigen Personen verwaltet wurde. Inzwi-\nschen kam Athen infolge der drakonischen Gesetz-\ngebung immer mehr empor. Noch intelligenter\nwar die Verfassung Solons, der die Schulden ab-\nschaffte und sodann auf zehn Jahre verreiste, um\nvon seinen Gesetzen verschont zu sein.\nDie Perserkriege benutzte Miltiades, um die\nPerser nach Marathon zu locken. Die Perser\nwurden geschlagen, da sie sich infolge ihrer Ueber-\nzahl nicht rühren konnten. Aristides war gerade-\nzu ekelhaft gerecht, weshalb er auch im Wege von\nScherberln verbannt wurde. Themistokles übte\nsich inzwischen in der Schlauheit, und bereitete\nsich auf den dritten Perserkrieg vor. Die Grie-\nchen verteidigten die Thermopylen mit ausge-\nrechnet dreihundert Mann, von denen je hundert\nfielen. Es war den Griechen ein Leichtes, die Per-\nser, die durch das Lernen des Griechischen ermü-\ndet waren, in der Schlacht bei Salamis zu be-\nsiegen. Sie beobachteten dabei die Taktik, den\nPersern in den Rücken zu fallen. Bald begann die\nBlütezeit Athens, durch die Sokrates ein schönes\nStück Geld verdiente.\n%\nIm Jahre 431 vor oder nach Christi Geburt\nbrach der peloponnesische Krieg aus. Ursachen\nhatte er eigentlich nicht. Er zog sich wie ein\nStrudelteig hin und endete zu Gunsten der\nsiegenden Partei. Es folgte die Herrschaft der\ndreißig Tyrannen, die sich gegenseitig auf das\ngrausamste tyrannisierten. Inzwischen wuchs\nPhilipp von Macedonien heran, der Erfinder der\nPhalanx, mit der es ein Leichtes war, die ver-\nschiedensten Völker zu besiegen. Diesen fiel es\nzu spät ein, die Phalanx ebenfalls einzuführen.\nDemosthenes konnte die Phalanx nicht sprengen,\nda er mit der Zunge anstieß. So fügte er sich denn\nachselzuckend in die Verhältnisse, wobei er sich\nan dem über ihm aufgehängten Schwert seines\nFreundes Damokles verletzte. Noch ärger wurde\nes, als Alexander der Große zur Welt kam, dessen\nVerdienst es war, den gordischen Knoten in zwei\ngleiche Hälften zu spalten. Die ihm folgenden\nDiadochen sind leicht zu verwechseln, weshalb wir\nsie lieber übergehen. Bald darauf bricht die\ngriechische Geschichte ab.\nEs finden jetzt nur mehr hauptsächlich\nrömische Ereignisse statt. Die sieben Könige,\nwelche Rom mit Hilfe einer Wölfin gründeten,\nteilten das Volk nach den verschiedensten Cen-\nturien ein, doch war das Resultat immer das\ngleiche. Ungemein energisch ging am Ende der\nsieben Könige Brutus vor, der sich so dumm stellte,\ndaß dem Tarquinius Superbus nichts anderes übrig\nblieb, als in die nahe gelegene Verbannung zu\ngehen. Auffallend ist es, daß Servius die Fußgänger\nnach Hufen einteilte. Die sogenannten De-\ncemvirn oder Zehnmänner entwarfen die Zwölftafel-\nGesetze, so daß auf jeden 1,2 Tafel kam. In-\nfolge ihrer Vergesslichkeit blieben sie auch im fol-\ngenden Jahr im Amt, was den alten Verginius in\nsolche Wut versetzte, daß er seiner Tochter Vir-\nginia den Bauch aufschlitzte.\nDie inzwischen in Vergessenheit geratenen\nGallier eroberten Rom, nahmen aber beim Friedens-\nschluß ein so miserables Gewicht, daß sie sich un-\nmöglich machten und zurückziehen mußten. Von\nden folgenden Kriegen ist hauptsächlich die\nSchlacht am Vesuv zu erwähnen, dessen Hitze die\nRömer geschickt gegen die Latiner auszunützen\nverstanden und dadurch den Sieg erfochten. Die\nSamniter-Kriege waren von da an die Regel. In\nihrem Verlauf erfocht Pyrrhus einen Pyrrhus-Sieg\nnach dem andern. Er verblutete sich dabei. Die\nRömer wurden zwar wiederholt geschlagen, lachten\nsich aber ins Fäustchen, weil sie durch die Nieder-\nlagen immer stärker wurden. Nach der letzten\nNiederlage war ihre Macht auf dem Höhepunkt,\nwährend Pyrrhus in Bescheidenheit zerfloß.\nSchließlich erkannte er, daß er ruiniert war, bog\num eine Ecke und ward nicht mehr gesehen.\nLeider war auch an punischen Kriegen kein\nMangel. Sie fingen ganz gemütlich an, wurden\naber allmählig infolge der vielen Jahreszahlen\näußerst unpopulär.\nDie Ursache war äußerst geringfügig. Es ist\ngeradezu unbegreiflich, warum sich die Karthager\nüber die Besetzung von Messina so aufregten. Im\nNu veranstalteten die Römer ihren ersten Seesieg\nbei Mylae. Jeder, der schon eine Enterbrücke ge-\nsehen hat, wird begreifen, daß die Römer siegen\nmußten. Die Römer enterten einfach alles, was\nihnen in den Weg kam.\nDer zweite punische Krieg ist dadurch berühmt,\ndaß Hannibal gelegentlich eines Uebergangs über\ndie Alpen nach Italien gelangte. Die Aussicht auf\ndem kleinen Bernhardt war ungemein lohnend.\nSein Plan war, sich rasch in die Ebene hinunter-\nzurollen und dadurch die Römer auf die Seite zu\nwälzen. Er verlor bald darauf ein Auge und war\nnunmehr unter den Blinden König. Er schlug die\nRömer gewohnheitsmäßig, bis diese in Fabius\nCunctator den richtigen Mann fanden. Dieser hatte\nden Plan, den Krieg so lange hinzuziehen, bis Han-\nnibal durch Altersschwäche verenden würde.\nHannibal lief in die Falle und schlug Fabius bei\nCannae, ohne zu bemerken, daß dies der Wende-\npunkt war. Von jetzt an ging es mit ihm rasch ab-\nwärts. Seine Truppen vergaßen, den Sieg auszu-\nnützen, und ließen sich von den Römern nach\nCapua locken, wo die Schlemmerei zum guten Ton\ngehörte. Bald darauf sehen wir Hannibal in Afrika.\nScipio, der ihm wie eine Gewandlaus nachging,\ndrängte sich gleichfalls dort ein, Hannibal war\nganz zahm und bat den Scipio, ihm die Schlacht bei\nZama zu schenken. Scipio konnte ihm aber nur\nGehör schenken und lud ihn zu einer zwecklosen\nUnterredung ein. Erst im dritten punischen Krieg\nwurde Karthago definitiv zerstört. Die über-\nlebenden Einwohner wurden als Sklaven verkauft.\nDie Römer mußten daher beim Gemetzel sehr acht\ngeben, daß nicht zu viele Karthager fielen. Kaum\nwar diese Plage vorüber, als die Gracchen auf-\ntraten. Diese eigneten sich ausgezeichnet zu ver-\nschiedenen Tragödien, die einen ungemein traurigen\nEindruck machen. Im Jahre 111 brach der Jugur-\nthinische Krieg aus, bei welchem beide Parteien in-\nfolge der ungeheuren Bestechungen, die nur selten\nvon Schlachten unterbrochen wurden, ein glän-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3051, "texte": ".zend.es Geschäft machten. Es gelang dem Marius\ndurch seine Tapferkeit, die Feinde so zu bestechen,\ndaß sie Jugurtha auslieferten. Dieser überlebte\nseine Ermordung nicht lange. Von da an ließ sich\nMarius immer häufiger zum Konsul wählen. Um\ndie römischen Truppen an die Cimbern und Teu-\ntonen zu gewöhnen, ließ er sie diese durch ein Ver-\ngrößerungsglas betrachten; dadurch gewöhnten\nsie sich an den Anblick, waren in der Schlacht bei\nAquae Sextiae von dem kleinen Wuchs der Ger-\nmanen geradezu überrascht und besiegten sie\nspielend. Als sich Marius zum siebentenmal zum\nKonsul wählen ließ, fühlten sich die Römer so ge-\nlangweilt, daß sie den Sulla um den Ausbruch eines\nBürgerkrieges ersuchten.\nMarius stirbt und Sulla erwirbt sich um Mithri-\ndates die größten Verdienste, indem es ihm lange\nnicht gelingt, diesen zu besiegen. Zu großer Be-\nrühmtheit bringt es Pompejus, der die Seeräuber\nzur Tugend zurückführt und diese, welche wegen\nihrer Unreinlichkeit verhaßt waren, sorgfältig\nsäubert. Inzwischen sah Catilina, daß es höchste\nZeit sei, sich zu verschwören. Es zeigte sich auch\nhier wieder, daß man nichts verschwören soll. Es\nblieb ihm jedoch infolge seiner bleichen Gesichts-\nfarbe kein anderer Beruf übrig. Die Verschworenen\nbeabsichtigten, einen großen Brand zu legen, bei\ndein sämtliche Schneiderrechnungen verbrennen\nsollten. Cicero, der schon lange einen Stoff zu einer\nlängern Rede suchte, brachte die Sache vor den\nSenat. Catilina räumte das Feld und rächte sich\nam Senat durch drei weitere Reden, die er Cicero\nhalten ließ.\nCäsar benützte die Betäubung des Senats zur\nGründung des Triumvirats, eines aus drei Mit-\ngliedern bestehenden Vereins, der bald an Mit-\ngliederschwund zugrunde ging. Bei einem Spazier-\ngang kam Cäsar auch an den Rubicon, den er aus\nVersehen überschritt, Pompejus wurde darüber so\nwütend, daß er dem Cäsar seine Tochter zur Frau\ngab. Nun war der Krieg unvermeidlich. Zuerst\nhachelten sie sich bei Dirrhachium, dann bei Phar-\nsalus, Pompejus nahm ein schlechtes Ende und ver-\nwandelte sich in eine Bildsäule, die man im Senat\ngenau an der Stelle aufstellte, wo Cäsar später er-\nmordet wurde. Im Jahre 48 eröffnete Cäsar den\nKrieg gegen die alexandrinische Bibliothek. Er\nsteckte sie in Brand, indem er die egyptische Flotte\nals Fidibus verwandte. Cäsar schlug mit Vorliebe\ndie doppelte Ueberzahl. Trotzdem blieben die\nPompejaner so unvorsichtig, ihn auch weiterhin mit\nUeberzahl anzugreifen. So kam es zur Schlacht\nvon Thapsus, bei welcher fünfzigtausend Pom-\npejaner an Altersschwäche zugrunde gingen.\nHierauf verbesserte Cäsar den Kalender. Er\nschaltete im Jahre 46 volle siebenundsechzig Tage\nein, was eine außerordentliche Verbesserung be-\ndeutet. Es gelang ihm dadurch auch, das Jahr 44,\ndas Jahr seiner Ermordung, hinauszuschieben.\nLeider versäumte er es, die Iden des März auszu-\nmärzen. Ein Wahrsager hatte ihn zwar gewarnt,\naber nach der Gewohnheit dieser Gewerkschaft\nsich so undeutlich ausgedrückt, daß Cäsar ihn nicht\nbeachtete. 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Daher\nerkannte man mit Recht in ihm einen wahrhaften\nRäuberhauptmann, den die Feuerwehr suchen ging.\nNach den Tintenkulis braucht keine Feuerwehr\nsuchen gehen; s'e laufen frei herum; man kann sie\njederzeit auf offener Straße totfahren. In un-\nlauterem Wettbewerb schrieb May mit der linken\nHand kathoüscheTraktätchen, während seine rechte\nangenehme Unsittlichkeiten produzierte; für seine\nabenteuerliche Verlogenheit zeugte auch der Um-\nstand, daß er den Orient beschrieb, ohne je Preußen\nund die anderen Zuchthäuser verlassen zu haben\nWährend ein guter Journalist nur das beschreibt,\nwas er sieht und auch das nicht beschreiben kann.\nMays Verhalten ist demnach glattweg als ge-\nsinnungslos zu bezeichnen. Dies erwiesen bleibt\nnichts weiter übrig, als erstens festzustellen, daß er\noffenbar ein medizinisches Kuriosum darstellt,\" indem\nseine recht und linke Großhirnhemisphäre getrennt\narbeiten; sicherer Schwund der Balkenkommissur\n(bei den meisten andern ist nur eine Hemisphäre\nvorhanden und mit dem eigenen Gesäß und dem\nMastdarm des Verlegers verbunden). Zweitens\nüber sein Geschick nachzudenken, und wie es sich\nvielleicht besser gestaltet hätte. Zum Journalisten\nund Minister eignet sich May garnicht; der Mann\nscheint einige Begabung zu haben. Vielleicht hätte\ner sich besser gemacht als liberaler Abgeordneter,\nder mit der rechten Hand von einem regierungs-\nolfiziellen Diner ißt und die linke beteuernd auf das\ndemokratische Herz drückt. Oder als Geistlicher,\nder seine Schafe segnet und ihnen gleichzeitig die\nWolle abschneidet (der Geldschrankknacker als\nSeelsorger). Das Beste freilich ist: er wäre\nRäuberhauptmann geblieben, hätte sich eines Tages\nan die Spitze der Kückenmühler Feuerwehr gesetzt\nund wäre bimmelnd und spritzend am letzten Freitag\nin das preußische Abgeordnetenhaus eingedrungen:\ner hätte für Ordnung und Gerechtigkeit sicher nicht\nschlechter gesorgt als der derzeitige Präsident."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "62", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.9", "titre_corps": "Herr Fritz Manthner", "titre_sommaire": "Herr Fritz Manthner", "signature_source": "A. 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Ein Philosoph\nist sicher kein Witzbold; wie Kürze des Wrzcs\nWürze, so macht Breite den Philosophen. Und in\ndem Sinn 1 ist Herr Fr tz Mauthner ein wahrhaft ge-\npfefferter Philosoph. Die „Zukunft\" des Herrn\nHarden, welche Sprachkritisches ebenso oft ab-\ndruckt wie sie Gedankenkritisches vermissen läßt,\nbringt aus der fünften Lieferung des Wörterbuches\nder Philosophie von /Vautmer einen Au satz iiber\nEnergetik. Ein andermal mehr über das Buch.\nWir erfahren aus dem beigelegten Prospekt mit Ge-\nnugtuung, daß „aus den erschütternden Ergebnissen\nder Sprachkritik für Mauthner und jeden guten\nLeser keine lähmende Angst folgte\", daß es vielmehr\nnunmehr nötig ist, „die Grundbegriffe der Geistes-\nund Naturwissenschaft mit dem Hammer der\nsprachkritischen Idee auf ihre Festigkeit zu prüfen.\"\nEs folgt Schlag auf Schlag. Die Geschichte des\nmenschlichen Geistes ist eine Geschichte der\nSprache. Die „Energie\" ist eine Kausalität, eine\nRelation zwischen Ursache und Wirkung. Eine\nParanthese wirft uns zu, daß Mauthner es auf eich\nberuhen lassen wolle, ob „unbewußtes Gedächhii - '\nnicht ein Selbstwiderspruch sei. Wir stehen er-\nschüttert vor solcher Neuigkeit. Die Energetik\nkriegt die Platze. Wenn Maufhner auch mein Ge-\ndächtnis auf seine Festigkeit prüfen will, so bläkt\nes bei jedem Schlag: „Bah! Olle Kamellen.\" Im\nSpezialfälle Mauthners selbst hin ich ganz seiner\nMeinung, daß die Geschichte des Geistes eine Ge-\nschichte, der Sprachfähigkeit ist. Man kann aber\nwitzig und breit sprechen, auch Dilettant sein und\nehrlich leidenschaftlich bemüht, ohne Philosoph\nzu werden, auch nicht, wenn man an den Podensee\ngeht und Berliner Feuilletons meidet. 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Gunimar, der eitelste\nMann der Welt, suchte hier Erlösung vom ganzen\nSüden seiner Gefühle. Hingelagert in seinem Pelz\nauf einen Eisblock intonierte er den Strafgesang auf\nden Menschen. „Der Mensch ist eine Art Staub\naus lauter Gedanken, dieses Subjekt sträubt sich\ngegen jede präzise Definition. Da ist das Weib,\nein famoses Filter, ein Destillierapparat, eine Ge-\nbärerin, Wiederkäuerin, Reinigerin; aber über und\nüber mit dem Unflat ihres Materials besudelt. Wehe\nAllem, das vom Weibe kommt, es ist reiner, aber\nschwächlich.\" Gunimar seufzte, die ganze Musik\ndes Eises und Nordens heulte schauerlich mit, aus\ndem Eisblock hauchte durch den Pelz eine ironische\nKälte; Gunimar zitterte. „Der Mensch\", wimmerte\ner einsam, „liegt aller übrigen Natur wie eine\nschwere Unverdaulichkeit, wie ein zersetzendes\nGift im Magen. Mit seiner Dummheit, welche er\nGeist nennt, steckt er die ganze Natur an; die ganze\nNatur beginnt wahrhaftig zu grimassieren wie ich,\nwenn ich das Monokel in's Auge stecke.\" Der\nBlock, auf dem Gunimar lag, zersprang mit einem\nTon wie klirrende Glasscherben; Gunimar rollte\nmit seinem Pelz in eine Schneegrube. „Ich bin so\neitel,\" jappte Gunimar, der am ganzen Leibe zuckte,\n„daß ich mein Rheuma noch unterstreiche und\nstilisiere. Mir ekelt es vor mir, und ich bin auf\ndiesen Ekel so eitel! Ich würde eine kokette Leiche\nabzugeben wissen. Und doch bin ich in diese Eis-\nmusik eingegangen, um mich zu entmenschen:\nEis, dachte ich, streitet mit Eitelkeit? — Wehe,\ndreimal wehe der Eitelkeit, welche dem Schüttel-\nfrost widersteht!\" „Gunimar schlotterte vor Kälte,\nbestieg seinen geheizten Automobilsclitten, der von\ninnen her zu lenken war, und sauste über weite\nEisflächen. Der Schneesturm brauste und sang\ngegen die Scheiben. Gunimar griff in eine Harfe,\ndie in der Ecke lehnte, und begleitete das Geheul\nmit grellen Akkorden. Warm geworden, begab er\nsich wieder in's Freie. „Was den Menschen\nschüttelt,\" sprach er rauh, „ist immer doch bloß der\nKrampf des Lebens, den die Kälte so wahr, den die\nMusik so schön offenbart. Und was geschüttelt\nwird, sind immer Bäume. Muß der Tod nicht eine\nFrucht sein?\" Der Orkan antwortete ihm ein\nschauerliches Ja. Gunimar. am Schlitten stehend,\nzog ein Pistol aus der Tasche, besah es lange, warf\nes schließlich weg. Ein Nordlicht loderte auf und\nließ seine Strahlen spielen. Die kalte Wüstenei\ndes Polartages schien zu lächeln. An Gunimar's\nWimpern gefroren Tränen. Die Musik der Ver-\nzweiflung durchdrang sein Herz. Der Frost\nschüttelte ihn von neuem, aber Gunimar ver-\nstand ihn jetzt: er begann zu tanzen — wilder,\nimmer wilder. Der Schnee leuchtete gelber, der\nSturm beruhigte sich. Gunimar raste um den\nSchlitten herum, bis ihn der Schwindel ergriff, und\ner hintaumelte; neben ihm lag das Pistol. Wie die\nNatur mit Zufällen wie mit Zeigefingern zu winken\nversteht, dachte er, und wollte danach greifen, aber\ner fand sich von Steifheit und Starre ergriffen, bloß\nsein Gedanke ward scharf, rege, deutlich. Die\nGlasscheiben des Schlittens vor ihm spiegelten leb-\nhaft in allen Farben des Lichtes.\n„Könnte ich mich sehen!\" dachte Gunimar;\n„vielleicht ist es eine Verwechslung? Ich scheine\nstarr, mein Gedanke ist frei wie Rausch und\nTraum. Dieser Wüste gehört das strahlende\nGeisterlicht zu. Der Schüttelfrost wurde Tanz; die\nVerzweiflung Musik. Was mir gefror, war eine\nTräne der Rührung. Was mag die Eitelkeit sein,\ndie noch mit dem letzten Atemzuge nach Spiegeln\ndürstet? —\" Gunimar verröchelte. Der Sturm\nbrach los wie auf ein Signal, er schleuderte das\nstarre Pelzjacket auf die Pistole, sie ging los, fuhr\nin den Schlitten, die Saiten der Harfe klangen und\ndröhnten wie das Finale eines Liedes von Grieg."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "63", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.7", "debut_caractere": 67, "fin_caractere_exclue": 924, "texte": "Schone Kiassiker\nAusgaben 'mTempei-\n2 V erlag in\nLeipzig-, den S. 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Sprache zu besonders billigen Preisen\nDemnachsterscheint: Katalog XXI / Kunst-\nblatter: Portrats, Stadteansichten, Berliner\nBlatter, Karrikaturen, FlugblStter, neuere\nund altere Genrebilder, Blatter von\nMenzel, Beardsley, Rops, Stammbiicher\nSilhouetten, Japanblatter etc. etc.\nKatalog-e/ gratis und franko /\nbitte direkt zu verlangen\nAngabe von Desideraten erbeten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "63", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.7", "debut_caractere": 5126, "fin_caractere_exclue": 5825, "texte": "selbst oder geben Sie ihm Backhausmilch, d. i. trink-\nfertige Kindermilch nach Prof. Dr. Backhaus in Einzel-\nportionsflaschen, (dies sind die zwei besten Arten der\nSauglingsernahrung, die es iiberhaupt gibt), dann hat\ndas Nachfolgende fur Sie kein Interesse. Wenn Sie\naber durchaus die Bereitung von Sauglingsnahrung im\nHaushalt selbst vornehmen wollen, so raten wir Ihnen\ndringend, dazu den bewahrten 11 ' 11\nNutricia~Nahrzucker\n(Maltosana) zu nehmen, der auch von den Aerzten\ndem bisher iiblichen Milchzucker vorgezogen wird.\nSie verabreichen dadurch gleichzeitig einen Kraft-\nnahrungszusatz. Die Pfund-Dose kostet 1,50 Mk.\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien\n■■■IIiaiBIBSIBBHBBBBIBBIBIIHIHB"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 265, "texte": "Julius Rosenthal Filiate\nGeschfiftsbiicher und Kontorbedarf G. m. b. H.\nRF PI IM W BEHRENSTRASSE 30\nDJL* I\\Lail W ECKE CHAKLOTTENSTR.\nG E SCHAFTS B UCH E R-F AB RIK\nBuchdruckerei Papier- n. Schreibwaren\n:: :: :: :: SPEZIALITAT: :: :: :: ::\nMl- nil Maiuskriptpapitre"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c029", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.8", "debut_caractere": 267, "fin_caractere_exclue": 802, "texte": "aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaiii\na\na\na\na\nKeine Zahnschmerzen\nKein Zahnziehen mehr\nAuf Anfrag-e gebe\nich Jedermann Aus-\nkunft iiber ein Mittel\ngegen sch warze,hohle\nund lockere Zahne\nErfolg garantiert\n0. Berger, Berlin W35\nPotsdamer Strasse 111\nAbschrift: Sehr g-eehrter Herr!\nVon vielen Zahnschmerzen bin\nich nung-anzlich befreit durch die\nAnwendung- Ihres preiswerten\nMittels. Daher empfehle ich es\nJedem, der von Zahnschmerzen\ngeplagt ist. Mit herzlichem\nDank bescheinigt dies Helene\nKleemann, Rosengarten,\n:: Frankfurt an der Oder ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c030", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.8", "debut_caractere": 804, "fin_caractere_exclue": 1599, "texte": "Die sparsame Hausfrau Xf323.«2E?\nsich aus, was Sie im Jahre fur den Bedarf an Oliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daB der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-Gluhkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusaramen-\ndriicken konnen, ohne dafl der Korper darunter leidet. Hartalin-GlGhkfirper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Oasersparnis von\n50%. Brenndauer gar. I Jahr. REFERENZ! Fiir die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits iiber Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Prels p. Stek. 50 Wg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. und Techn. Nenheiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c032", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.8", "debut_caractere": 1601, "fin_caractere_exclue": 1792, "texte": ":\n■\n■\n:\nDieFackel j,\nHerausgeber • ■\nKarl Kraus\n1 | |\n| ■ Ist erschienen\n■ | :: Preis 30 Pfg. ::\n2 : !\nOberall erhiUtlich\nS S Werbeband der Fackef 50 Pfg. 5\n8 S 210 Seiten stark £\n5 ■ ■\n• ■ ■"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c033", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.8", "debut_caractere": 1794, "fin_caractere_exclue": 4792, "texte": "it\nKinder\nirinKferfi\ne\nZur Bekampfung der\n«Kindersterblichkeit■\nEine der Hauptursachen der übergrassen Sterblichkeit im ersten Lebensjahre\nliegt in der Mangelhaftigkeit einer angemessenen ErnShrung der Sauglinge. —\nUnter den vielen Ersatzmitteln der Mutterbrust hat in letzter Zeit eines immer\nmelir und mehr infolge seiner hervorragenden Eigenschaften die Aufmerksamkeit\nder Aerzte und Laien auf sich gezogen und behauptet heute den ersten Rang\nunter denjenigen Sauglings-Nahrmitteln, welche aus frischer Kuhmilch hergestellt\nwerden: die Baekhamsmllcli. Die Backhausmftich entspricht in physio-\nlogischer und hygienischer Hinsicht dem Vorbild, wie es uns die Frauenmilch\niarbietet und ermoglicht, wie diese, eine regelmaßige, von außeren Storungen\nunabhangige Entwickelung des gemnden Kindes. — Dann aber steilt sie im Falle\nvon Magen- und Darmkrankheiten des SSuglings ein Diatetikum von entschiedener\nHeilkraft dar, welches die Behandlung mit Medikamenten wesentlich unterstutzt,\nja manchmal ganz entbehrlich macht. — Sie bildet, als das ausschliessliche\nNahrungsmittel wahrend der ersten 9-10 Monate, ein durch kein anderes\nPraparat mit gleicher Sicherheit zu ersetzendes Vorbeugungsmittel gegen die\nh_ so ungemein verderblichen und haufigen BrechdurchfSlle. Vielfache Versuche\nI I an Kliniken, Krankenhausern etc. haben Vorstehendes zur Geniige erhSrtet.\nn,v R z*/~bhauQmilrh ist die besie> vom ersten Le ben stage\nLs/e tSaCKnaUSmilCn an bekbmmliche S&uglingsnahrung.\n:: Die Herren Arzte werden gebeten, Proben und Literatur zu verlangen von folgenden ::\n1 Backhaus-Mi/chansta/ten ==================\nAachen-Burtscheid: Stadt. Milchanstalt.\nBrunn (Mahren): Centralmolkerei. — Breslau\nAssenheim b. Fried berg: L. Reif. — Berlin NW., lagowstr. 20: Dr. Cybulski.\niu, Moritzstr. 48: Nutricia — Cassel, ob. Carlstr. 3/4: A. Mul\"\nMiiller, Milchkuranstalt.\n— Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: JR. Oumprecht. — Dresden: Nutricia, Grunaerstr. 12. — Drulingen i. E. (be^Strassburg):\n~ \" ~ ~ ilk.\n*5\nGutsmolkerei Ketnpf. — Elberfeld, Dorotheenstr. 32: H. A. Sauer. — Frankfurt a. M., Gienheimer Landstr. 74: F. GottschaL.\n— Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Halle a. S., Glickstr. 21: Nutricia. — Hamburg, Guntherstr. 6/8: G. Hildebrandt.\n— Hannover-Linden, Deisterstr. 31 :Dr. Friedel Nachf. — Heilbronn, Herbststr. 26: Ferd. Marx — Karlsruhe, Gerwigstr. 31 :\nNutrica. — Kaiserslautern: Emil Andre, Dampf molkerei. — Kolna. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schiirmann Nachf. —\nKrefeld, Inratherstr. 191: H. Bogelmann. — Leipzig: Nutricia, Johannisplatz 4 5. — Magdeburg: Magdeburger Molkerei. —\nOlmtitz (MSbren): W. Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbuttel bei Berne (Bremen-Olden-\nburg): Stedinger Molkerei. — Stettin, Hohenzollernstr. 50: Nutricia. — Stutigart, Lerchenstr. 24 a: Nutricia. — Teplitz-\nSchonau (Bohmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwinkel: Nutricia, Otto Volkmann. —' Wiesbaden, Bleichstr. 26:\nWiesbadener Molkerei. — Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c034", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.8", "debut_caractere": 4794, "fin_caractere_exclue": 4996, "texte": "HOHENZOLLERN\nKunstgewerbehaus\nFriedmann & Weber\nHOFLIEFERANT IHRER MAJESTAT\nDER KAISERIN UND KONIGJN\nWB-BERLIN-W 8\nLeipzigerstrasse 13\nWOHNUNGSEINRICHTUNGEN\nn n KUNSTGEWERBEII II\nANTIQUITATEN UND STOFFE"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c035", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.8", "debut_caractere": 4998, "fin_caractere_exclue": 5415, "texte": "5 BUCH- UND KUNSTDRUCKEREI :\nSIEGFRIED SEEGER\n[ BERLINS42,RITTERSTRASSE26 j\nS TELEPHON AMT IV, 1045 ■■ TELEPHON AMT IV, 1045 5\ni s\nS ILLUSTRATIONSDRUCK, SETZ- j\n8 MASCHINEN, BUCHBINDEREI •\n• STEREOTYPIE, MODERNSTES j\n5 :::: schriften material :::: :\nI I\n■ Spezialitat: Druck von Broschuren, Katalogen, S\nS Zeitschriften, Werken, Massenauflagen ■ Buntdruck S\n■■Baiaa8aaiaaH8a8ii8iHiiiiiiiiaiag|||ICB|BliaaHMIIIIIiaiMlg"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-21-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-21_01#c036", "volume": "bmtnabg_1910-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.2.35", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.8", "debut_caractere": 5417, "fin_caractere_exclue": 6056, "texte": "1000 Kronen erhalt\nwer im\nHcht\"\ni\nStande 1st, ein unentbehrlich Ding fiir die Nacht: „Mond-\nin jedem Hause, ein Wunder der Chemie, auszublasen\nMein Mondlichtapparat, ein wunderbar sinnreich konstr. inter-\nessanter Wirrschaftsartike!, besitzt unbegrenzt hallbar die F&hig-\nkeit, vollstandig kostenlos zu leuchten, da hierzu keinerlei Brenn-\nstoffe angewendet werden. Vieljahr. Garantie fiir tadeil. Funktion.\nP|*P|CP* fttr Grttsse M. I. II. III. IV.\nrrCIaC, Kronen 3,GO 4,HO 7,- 11,— I6t—\nFranko iiDerall hin gegen Vorauszahlung (auch in Briefmarken)\nm Oder Nachnahme 30 Heller mehr. Verpackung gratis ::\nMondlichtwerk A. 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Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: BerlinW3s, Potsdamerstr. 111 /AmtVl 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark / Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nERSTER JAHRGANG\nBERLIN/DONNERSTAG/DEN 21. APRIL 1910/ WIEN\nNUMMER 8\n\nINHALT:\nOTTO SOYKA: Der neue Ruhm/ALFRED\nDÖBLIN: Gespräche mitKalypsoüberdieMusik/CHAM-\nMAY PINSKY: Ich sandte meine Lieder / RUDOLF\nKURTZ: E. T. A. Hoff mann / ROBERT SCHEU: Leit-\nfaden der Weltgeschichte / R. R.: Königstreue und Äther-\nnarkose/ MINIMAX: Der Räuberhauptmann / A. D.: Herr\nFritz Mauthner/ MYNONA: Musik und Schüttelfrost/\nKARIKATUR: Wilamowitz-Moellendorff\n\nDer neue Ruhm\nVon Otto Soyka\nDie Zahl der Berühmtheiten unserer Tage\nnähert sich in den einzelnen Ländern immer mehr\ndem Resultate der Volkszählung. Es ist unserer\nGegenwart endlich gelungen, den oft zitierten\nDornenpfad des Ruhmes in einen bequemen Spa-\nzierweg für jedermann umzugestalten, und eine\nbunte Menge von Menschen wrälzt sich die neue\nChaussee entlang. Zum guten Tone der Zeit\ngehört es, in irgend einer Kunst Hervorragendes\ngeleistet zu haben. Wer nicht literarische Lor-\nbeeren pflücken kann, nennt eine persönliche Note\nim Denken sein eigen, oder eine zarte Nuance im\nTon, oder eine unvergleichliche Feinheit im Aus-\ndruck, oder er leistet wenigstens in der Art, das\nalles zu entbehren, höchst Beachtenswertes.\nBeachtet zu werden, ist eine Anforderung, die\nmit naiver Selbstverständlichkeit vom kleinen\nMann des Geistes an die Oeffentlichkeit gestellt\nwird. Diese wird mit solchen Gesuchen um „Kennt-\nnisnahme\" überlaufen. Die literarische und künst-\nlerische Kritik wird immer mehr zum Vorschuß-\nverein, und Frau Fama ist bedeutend leistungs-\nfähiger geworden, seitdem sie an Stelle der Posaune\ndie Rotationsdruckerpresse benützt und statt hun-\ndert Zungen einige hunderttausend Stahlfedern im\nDienste hat. Und so kam man in die Lage, den\nRuhm, einen seltenen und kostbaren Artikel\nfrüherer Zeit, in großen Quantitäten herzustellen\nund Anteile von ihm für minimale Anzahlung aus-\nzugeben.\nDieses Verfahren hat Aehnlichkeit mit schwin-\ndelhaften Operationen schlechter Banken. Denn\nder Ruhm, den die Weltgeschichte bewahrt und\nzeigt, ist aus Arbeit entstanden, ist nichts anderes\nals umgesetzte Arbeit selbst. Wenn eine Zeit, wie\ndie unsere, in unbegrenztem Maße Ruhmesnoten\nausgibt, ohne im entferntesten für diese An-\nweisungen Deckung in reellen Arbeitswerten zu\nhaben, so werden diese Anweisungen bedeutungs-\nlose Zettel und jene tragen eben den Schaden, die\ndie echte Anwartschaft auf das Kapital der öffent-\nlichen Anerkennung besitzen.\nEchter Ruhm war stets nur ein Schatten, den\nvollbrachte menschliche Handlungen in das Ge-\ndächtnis von Mit- und Nachwelt warfen. Unsere\nZeit hat neben so vielen industriellen Gedanken\nauch den gehabt, diesen Schatten künstlich zu er-\nzeugen, ohne die Leistungen und Mühen, die ihn\nhervorriefen. Verhieß doch die künstliche Her-\nStellung von Ruhm ein glänzendes Geschäft zu\nwerden, er war zu allen Zeiten sehr begehrt und\nnicht etwa die oft recht anstrengende Tätigkeit, der\ner entsprang. Und man brachte in der Retorte der\nJournale wirklich etwas zustande, das dem Ruhm\nähnlich sieht. Eine Art Homunkulus von Ruhm ist\nes, ein billiges Fabrikat; dieser neue Ruhm ist nicht\neben dauerhaft, es fehlt ihm auch etwas an be-\nsonderen Aroma, aoer zu einem recht angenenmen\nRausche verhilft er doch und unser modernes\nLeben zeigt Unzählige, die diesem Genüsse leiden-\nschaftlich fröhnen.\nJeder liebevolle Vater ist in der Lage, seinem\nSöhnchen zum fünfzehnten Geburtstage einen\nnetten, kleinen Knabenruhm zu kaufen. Die Ge-\ndichte des Jungen genügen meist vollkommen dazu,\nwenn das aber nicht der Fall sein sollte, so lassen\nsich die verbesserten Hausarbeiten zu einem gut\naussehenden Bändchen zusammenfügen. Der Bei-\ntrag zu den Druckkosten ist selbst für kleinbüger-\nliche Verhältnisse leicht zu erschwingen. In Be-\nkanntenkreisen wird das Büchlein viel besprochen,\nbei einer Tante liegt es im Salon,,die andere muß\nes, der erwachsenen Tochter wegen, unter Schloß\nund Riegel halten. Es gibt zwar immer einzelne\nSchulkameraden, die boshafte Rezensionen\nschreiben, aber dafür loben andere, die nicht die-\nselbe Anstalt besuchen, umsomehr. Das ist immer-\nhin noch harmloser als der nur zweideutige Miß-\nerfolg einer durchaus reifen und ernst zu\nnehmenden Talentlosigkeit. Krüppel können sich\nheute kaum eine bessere Pflege wünschen, als\ndurch deutsche Kritik. Da wird sorgfältig unter-\nsucht, und mit Jubel wird es verkündet, wenn ein\noder das andere Glied nicht krumm ist. Da wird\nan Aufmunterung nicht gespart, mühselig wird mit\nKrücken auf die Beine gebracht, was von selbst\nnie stehen könnte. Die Atmoshäre in der deutschen\nKritik hat Spitalstemperatur. Talente, die gerade\ngewachsen sind und sich kräftig bewegen wollen,\nstoßen allerorten an. Was sollte man diesen gegen-\nüber auch mit den ängstlich bereitgehaltenen\nKrücken tun, wenn man sie glücklicherweise nicht\nebensogut zum Dreinschlagen benützen könnte?\nDer Ruhm ist zum festgesetzten Normalpreis\nzu haben, und wer den Kurs nicht beachtet und zu\nviel bietet, der läuft Gefahr, nicht ernst genommen\nzu werden. So kommt es, daß auch die Wohl-\nhabenden des Geistes nur kleine Münze in Verkehr\nbringen. Stimmungsmalerei und Detail florieren.\nDie Starken unter den Erzählern holt sich das\ndeutsche Publikum lieber aus Rußland und Frank-\nreich, die Phantasievollen aus England. Der\ndeutsche Literat aber hat in erster. Linie seine\nlyrischen Pflichten zu erfüllen und im Detail seine\nKunst zu zeigen. Das ist das traditionelle Poeten-\ntum, das deutsche Gauen bevölkert. Ein Unglück\nbraucht man es nicht zu nennen, „im Gegenteil, es\nwird auf diese Weise wirklich eine neue Seite der\nWelt erschlossen, in die sich auch der noch mit\nVergnügen einlebt, der über dem Moos, trotz seiner\nZierlichkeit, den Eichbaum nicht vergißt, auf dem\nes wächst, und über dem Eichbaum nicht den Wald,\nzu dem er gehört. Schlimm ist nur, daß die Grenze\nleicht überschritten und das Maß verrückt wild,\nund das geschieht immer, früher oder später. Weil\ndas Moos sich viel ansehnlicher ausnimmt, wenn\nder Maler sich um den Baum nicht bekümmert,\nund der Baum ganz anders hervortritt, wenn der\nWald verschwindet, so entsteht ein allgemeiner\nJubel, und Kräfte, die eben für das Kleinleben der\nNatur ausreichen und sich auch instinktiv die Auf-\ngabe nicht höher stellen, werden weit über andere\nerhoben, die den Mückentanz schon darum nicht\nschildern, weil er neben dem Planetentanz gar nicht\nsichtbar ist.\" Diese Worte, mit denen im Jahre\n1858 Friedrich Hebbel zu ähnlichen Verhältnissen\nStellung nahm, gelten uneingeschränkt für unsere\nTage.\nFreilich nimmt die Nachwelt mit derben\nStrichen ihre Korrekturen vor und der Zensurstift\nder Kulturgeschichte ist erbarmungslos. Man lese\neinmal die literarischen Notizen, die in zurück-\nliegenden Jahrgängen einer Revue enthalten sind.\nWelcher Lärm um Autoren und Werke, die prompt\nvergessen wurden! Fast soviel Lärm als nichts.\nHerr N. ist ein Wunderkind für die Eltern, der große\nMann für die Gattin gewesen, und das alles, weil ei-\nsernen Teil von der Ueberproduktion an Ruhm\nabbekam, und er ist zeitlebens so stolz und zu-\nfrieden gewesen wie die Frau jenes Weisen, die\nglaubt, ihre Lampe sei Gold, und in diesem Glauben\nselig lebte und verschied. Wer wollte so grausam\nsein, diesen idyllischen Zustand zu stören?\nZwei Dinge sprechen für ein Einschränken des\nmodernen Ruhmesvertriebes. Einmal: daß Herr\nN. jemand besseren den Platz fortnehmen könnte,\nund ferner: das gut begründete, durchaus unan-\nfechtbare Recht des Publikums, von Herrn N. nichts\nzu hören. Das scheint mir ein angeborenes Recht\nvon höchster Wichtigkeit, von solcher Existenz\nnichts, absolu . nichts zu erfahren. Und doch ist nur\nverboten, in menschliches Fleisch Fremdkörper, etwa\nMesser oder Bleikugeln einzutreiben. In mensch-\nliche Gehirne mit Hammerschlägen die Keile der\nReklame zu pressen, ist gestattet.\n\nGespräche mit Kalypso\nViertes Gespräch: Die Meerfahrt / Von den\nTönen und Geräuschen\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\n(Die Meerfahrt. Das offene graugrüne Meer.\nStarker Wind. In einem Vielruderer mit schlagen-\ndem Segel lugt Kalypso am Steuer. Der Musiker\nhält ein Tau, springt lavierend herum; er ist jetzt\nohne Nasenkette.)\nMusiker:\n(Kalypso zujubelnd.) Kalypso, oi«&e«mv!\n— Die nun, welche dem jähen Verderben entronnen\nwaren, —\nMusiker:\nKrochen auf der Erde herum und holten sich den\nTod.\nKalypso:\nUnd taten gut daran."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.2", "texte": "Musiker:\n(In gleichem Ton.) Andere aber wandelten sich in\nGetier, in Vögel und Kröten.\nKalypso:\n(Gelassen.) Liebes Kind, Du bist noch nicht reif\ndazu. —Gestern Abend soll einer stundenlang am\nStrand gestanden, die Hände gerungen haben; er\nschluchzte und predigte — den Fischen,\nMusiker:\n(Wirft sich auf die Steuerbank.) So laß ihn pre-\ndigen. Ich glaube Dir nicht mehr und Deinem Ge-\nsicht. Du wärst mir zwar schuldig, zu verraten,\nwas um Dich und so um mich ist. Aber nun beginnt\nmich Dein Schweigen zu beruhigen. Ich habe\nmanchmal Lust, Dich zu trösten.\nKalypso:\nWeil Dich Narren nichts vor dem Grabe des Olym-\npiers anpackte, in der Klippe, weil ich noch immer\nDeiner schone, um — mit Dir zu plaudern.\nMusiker:\nDie Säule auf dem Grabe dröhnte, der Rauch stieg\nzwischen den Steinquadern auf.\nKajypso:\nEr brennt unten, nichts verbrennt ihn, nichts erstickt\nihn. Wohl Dir, daß Du vor ihm betetest.\nMusiker:\nDer Mund seines Bildes auf der Säule- war in\nschrecklicher Wut verzogen. Aber Du sähest auch\ndie lange Schmerzfalte, die sich zwischen den\nweitoffenen Augen aufstellte; und darum, Kalypso,\nweintest Du und wandtest Dich wortlos.\nKalypso:\n(Kalt) Du Weiser. (Legt sich, die scharfe Seeluft\neinziehend, weit zurück.) Es gibt größere Rätsel,\nals Deines der Musik. (Steht auf, ruft hart in den\nSchiffsraum.) Zieht an! Ihr schlaft! Wind, Wind\noh Meer, Meer! (Sie reckt sich.) Die Fische be-\nneide ich, die Algen auf dem Wasser; am meisten\ndie Sturmmöven. Ich möchte ein Segel sein, oder\nein scharfes Schiffskiel. Nicht sachte und hündisch\nvorwärts traben, durch die fließenden Wellen\ndrängen, den bittren Wind zerschneiden. (Ueber\ndas Deck hinjauchzend.) Kastor, steh mir nimmer\nbei, reiß meine Masten in Stücke, leg die Bretter\nauf's Wasser. Kastor! Kastor mein Schwester-\nkind! (Sie sitzt wieder lachend am Steuer, zum\nMusiker.) Auf der der starrste Tod ruht.\nMusiker:\n(Küßt inbrünstig ihre Füße.)\nKalypso:\nSieh dieses steife, schwere Rot dort. Es gibt\nSturm.\nMusiker:\nWas brauche ich Musik?\nKalypso:\n(Nachdem sie lange geschwiegen haben, schwer-\natmend.) So sprechen wir. Ich war nicht immer\nso wie jetzt; ich schwamm sonst meines Wegs, wie\nam glatten Himmel ein federleichtes Wölkchen.\nNur zu wissen gelüstete mich schon sonst. Wenn\ndie Masten sich biegen, die Segel heulen und\nscharren, mein Gewand sich wie ein Hengst wirft\nund aufbäumt, bebt in mir die Lust, vieles zu be-\ngreifen, und die Sucht mich in die Dinge einzufinden.\nAber manchmal glaubte ich: in dessen Knieen alle\nBestimmung ruht, habe eifersüchtig und furchtsam\nalles für sich behalten; in kleine Gärtchen habe er\nuns gesperrt.\nMusiker:\nDas Ungeheuer, das diese Welt ist, hat ein gar\nweiches Fell; wir sinken ein und können über kein\nHärlein schauen. (Das Schiff schlingert stark. Ein\nauf- und abschwellendes Rollen, Pfeifen und Brüllen\ngeht über das Meer.)\nKalypso:\n(Freudig lauschend.) Meine Festmusik! Verstehst\nDu sie? — Wer kann sprechen von ihr, wer muß\nnicht singen? — Wer ist es, der so wild über mein\nMeer jauchzt?!\nMusiker:\nKalypso, ja, es jauchzt!\nKalypso:\nOh, meine Festmusik. Das Meer singt. Es sind die\nTöne des Meeres, die herüberkommen.\nMusiker:\n— Auch ich habe nie ohne Erschütterung dem Meere\nzugehört. Um dieses, um das Singen der Dinge bin\nich schon manchmal geschlichen. Aber die Dinge\nenthüllen sich nicht gern. — Wie unendlich sie\nverbreitet sind, die Töne in der Welt. An Masten,\nGiebeln, scharfen Halmen, Dachfenstern hängen die\nTöne wie Schwalbenscharen; die Luft scheucht sie\nda auf. Die Luft ist eine schamlose Diebin, wo sie\nsich durch Spalten stiehlt, erhebt sie noch laut ihre\nStimme. Die Luft steigt auf und schwimmt mit den\nMeeresströmen. Wärme und Kälte sind ihre\nHerrinnen; sie führen sie, heben, senken sie; im\nRollen der Erde wird sie umgeschleudert und gleitet\nfort. Wärme und Schwingen der Erde wirft die\nLuft herum und gegen Masten. Giebel, scharfe\nHalme, scheucht die Schwalben auf.\nLetzten Endes muß ich den heißen Stern, die Sonne,\nMutter der Töne nennen.\nKalypso: \\\nWohl gleitet die Luft hin; die schweren Gemische\nschüttern, die die Unrast treibt. Sie schlitzen sich,\nwie Haifische an Korallen den Leib auf, an Schiffen\nund Klippen, ringen noch mit sich und wimmern vor\nSchmerz. Während wir sitzen, geht die Luft, die\nriesige Wanderin, über das Weltmeer, mit bloßen\nFüßen, naß schleppenden Gewändern. — Aber ver-\ngißt Du nicht das Kind über der Mutter? Vielleicht\nklingt kein Ton ohne die Luft, aber der Ton ist\netwas anderes, als die Luft. Wenn meine Perlen\nzusammenschlagen, so klirren sie; die Barke dröhnt\nvom Ruderschlag. Die Dinge sind es, die an der\nLuft tönen. Eines ist der Ton, das andere das Ding,\ndas tönt. Wo die Dinge rasch gegeneinander\ndringen, „entsteht\" der Ton, — das Geräusch, wie\nDu es nennen magst. Und kein Laut fällt, wenn sie\nruhen. Vielleicht sogar, daß auch das Ruhende\ntönt, daß alles tönt, weil alles gegeneinander drängt\n— wenn auch zu fein für unser Ohr. Das müssen\nseltsame Geräusche sein, in denen das wachsende\nGras erklingt. Ach, was mag hören, wessen Ohr\nsich stark bewaffnete, also wie das Auge mit\nscharfen Linsen.\nMusiker:\nWir hören wenig. Du nanntest das Gehör\neinen geselligen Sinn; so nenn ich ihn, darum\nweil er ein beschränkter, enger Sinn ist, der sich in\nnahen Grenzen ergeht. Es muß verschiedene weite\nund enge Gehörsbezirke geben, gleich Terrassen,\ndie trichterförmig in die Tiefe führen; und so er-\nscheinen auf jeder Stufe aufwärts größere um-\nfassendere Klänge und breitere dickere Töne, viel-\nfach eigentümliche Musiken auch, unfaßbare,\nfremde Musiken.\nKalypso:\n— Der Ton ist etwas anderes, als die Luft und die\nDinge. Wie aber sind die Töne mit den Dingen ver-\nbunden? Die Dinge bewegen einander, drängen\neinander; da summt d#r Ton auf, aber er — er be-\nwegt nichts; eine Todgeburt, aus der Vermählung\ndes Lebendigen erzeugt. Er ändert nichts, ist ohn-\nmächtig. Die Luit dreht Mühlen, der Ton leistet\nnichts. Ich dachte mir einmal, ein Teil der Kraft,\nmit dem ich das Ruder auf den Bord schlage, geht\nin das Dröhnen auf, aber der Ton paßt in keine\nRechnung, keine Kraft wird in den Tönen frei. So\nkönnen die kraftvollen, rüstigen Dinge, schloß ich,\nwenn auch verbunden mit den Tönen, nicht Ursache\nder Töne sein. Wenngleich sie so innig unlöslich\nmit den Dingen verbunden sind, wenngleich es doch\ndie Dinge sind, die tönen. Die Wellen schlagen\ngegen die Bretter, es klatscht, meine Ketten klirren,\nwo ich mich erhebe; ich stoße mit der Faust auf das\nSteuer; nun dumpft es. Mit also erstaunlichen\nGaben sind die Dinge ausgestattet; wunderbares\nlauert hinter ihnen. —\n(Die Schiffer im Bug des Vielruderers singen eine\nkurze sich unendlich wiederholende Tonreihe im\nTakt der Ruder. Die Windbewegung läßt nun\nnach. Kalypso und der Musiker lauschen eine lange\nZeit. Kalypso sinnt mit rückwärts geworfenem\nKopf.) Weit trägt ein Ton; löst die Enge des\nRaums, sprengt eherne Mauern. Regsam ist er, ein\nFeind des Todes, haucht seinen Geist kühl hin über\ndie Landschaft, ehe er versinkt in das Leblose des\nungeheuren Schweigens. — Ich will mich nicht\ndaran verlieren. Wo eine Kraft gegen die andere\nsich spannt, reißt sich der Laut los. Nichts tönt\nselbstwillig. aus sich heraus. Nur in Wehr und\nGegenwehr; der Laut ist ein Begleiter des Kampfes.\nDer Schlegel hämmert gegen das Fell, der Bogen\nsägt und reißt an der Saite, die Luft schüttelt an den\nStäbchen; und wo die Zerstörung sich rüstig ans\nWerk gibt, spreizt sich der Laut. Er wächst nicht\nmit der Wut des Kampfes. Das machtlose Blech\nlärmt, schwere Taten geschehen lautlos. So lose\nalso bindet sich Ton an Kampf. —\nDie Kämpfer selbst, ja das ist es, der Stoff, der\nStoff, er tönt. Das Meer tönt in seiner Art, der\nStein, das Holz, das Silberblech. Es ändert nichts\nam Ton, ob der Olympier auf dem Metall gezeichnet\nist, oder Sophokles oder Räuber. Wie für das\nAuge nur Farbe und Form gilt, so für das Ohr nur\nder Stoff — und seine Bewegung, Der Ton zeigt\nhinter das Sichtbare, das Fühlbare, enthüllt ohne\nScham tief Verborgenes. Verrät uns nicht die\nStimme, erröten wir nicht, wenn wir uns hören?\nEinbegriffen, hineingerissen in das Zeitliche und Ge-\nschehen ist der Stoff selbst; hineingerissen ist unser\nWesen selbst und kann sich nicht zurückhalten. Wir\nliegen hell bestrahlt an der Sonne, gestreckt und\nnackt liegen wir da; gefordert, gejagt aus unseren\nHütten und Höhlen. Blühen geschehend in das Ge-\nschehen hinein. — Das Formlose, Ungestaltete, die\nWasser, die Steine, die Lüfte haben kein Werkzeug\nzum Tönen, sie tönen selbst und ganz hingegeben.\nNur das formvoll Lebendige, Weiche, hält sich zu-\nrück; nun hat sich sein Eigenton in eigenen Ort ge-\nflüchtet und schwingt in der Stimme. Soll ich staunen,\ndaß die unirdischste der Künste, die Musik, die Kunst\nauch der plumpen, rohen Stoffe ist? Das Selbst-\ngeständnis der Stoffe höre ich aus den Tönen. —\nSieh, mein Freund, ich glaube, daß viele Rätsel der\nMusik auch leicht wiegen gegen dies: das Tönen\nder Dinge, und sind wenige lockender. — Wir hören\nden Eigenton der Dinge nicht, denn zwischen zwei\nDingen lallt er auf, und immer ist jedes Bewegte\nzugleich tönend und tonerzeugend. Alles Stoffliche\nist tonbegabt; aber die Einsamkeit hat keine\nStimme; immer ist der Ton das Zeichen der Ge-\nmeinsamkeit. Wir hören nie einen Ton, sondern\neinen Tonverband. Und dies besagt, daß der\nStoff und die Einsamkeit nicht ist, daß das Tote\nnicht ist; gut und licht sind die Wege, die der\nTon uns führt. In der Bewegung, im Kampf, in der\nBeziehung erweisen die Stoffe ihre Wirklichkeit, da\nlallt der Ton auf, flattern die Schwalben. Der Stoff\nist nicht und die Kraft, es sei denn der Stoff als\nKraft, das heißt im Kampf; das sagt der Ton.\nMusiker:\nAber wie wenig wünschen wir zu hören. Wir\nsinnen mehr über die Sinne, als über die Dinge.\nWir suchen das Wissen auf so wenigen Wegen.\nDas Leben huscht an uns vorüber, ein süßer, köst-\nlicher Knabe, nach dem niemand gegriffen hat.\nKalypso:\nSeh ich recht, so sind es auch nicht diese zwei\nallein, die sich berühren, zwischen denen der Ton\naufhaucht; nicht Einsamkeit, nicht Zweisamkeitist\nder Boden, auf dem Töne blühen. Ein gestoßenes\nBlech tönt anders, wenn es an einem Faden hängt,\nanders, wenn meine Hand auf ihm liegt, anders,\nwenn es platt gegen die Erde drückt. All diese Um-\nwelt stimmt und bestimmt den Ton.\nEr ist ein großer Realist, der alle Umstände und\nNebendinge in Betracht zieht. Wie scharf er viele\nBeziehungen aufdeckt. Kürzer begreift der Ton,\nals der Begriff. Streng und fein geben die Dinge\nüber sich Auskunft. Unbestechlich, ohne zu irren\nsprechen sie die Wahrheit. Man nennt zwar die\nDinge stumm, und weniger sprechen sie freilich als\ndie Weisen, aber eindeutiger, klar hallt ihre\nSprache. Nicht wahr, ich verstehe Eure Musik; Ihr\nMusiker sucht jedem Lebendigen, das Euch lockt,\nHörbarkeit; was Euch bewegt, sucht Ihr in Töne zu\nfassen. Nun sieh, ein Wort bezeichnet die Bewe-\ngung, doch hat der Wortton nichts mit der Be-\nwegung zu tun; ein Lied folgt einer Lebensweise,\ndoch bezeichnet, begreift es nichts; ein Geräusch\nist beides: Wort und Lied zugleich; Geräusche, so\nseltsam es klingt, — sind vollendete Musik.\nMusiker:\nWohl, der Blütenkranz und die Krone der Musik\nsind sie. Das ist die weiteste und tiefste Musi-\nkantin, die Welt. — Ja, es ist die Lebendigkeit\nselber, die den Ton bildet. Im Ton erscheint\nBeziehung nicht als Begriff, sondern leibhaftig. Was\nzwischen den Dingen ist, tritt selbst als*Dmg aut:\nMehr von Gedankenart ist das Tönen, als von Ding-\nart. Die Art des Dinges ist nicht Art des Lebens und\nnicht der Wirklichkeit. Dies sah ich noch nie so\nzuvor. „In Tönen denkt die Welt.\" Noch kann ich\nnicht fassen, wie viel aus diesem Satze folgt. Doch\nlächelst Du so arnst und so ahne ich manches.\nUnd wenn die Dinge tausendfach, streng in sich ge-\nzogen, abgequadert gegeneinanderstoßen, so nicht\nder Ton, der nie von einem stammt: er philo-\nsophiert, erkennt die Grenzen an, doch blickt er\ndrüber weg; sagen die Dinge, Formen, Farben und\nGestalten: „Ich\", so der Ton: „Du\" „Wir\" und\n„Sie\", und höhnt jener kindlichen Besessenheit.\nKalypso:\nIch mühe mich, zu wissen, wie die Töne sich mit\nden Dingen verbinden. Doch wie verstehe ich\n\\diese Bindung, und was will diese Bindung? Was"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.3", "texte": "bedeutet das Tönen der Dinge? Und das Tönen\nin der Welt? Keine Kraft der bewegten Dinge\ngeht in ihnen auf, sie leisten nichts, heben keine\nLasten. Wenn ich müde träume, und meine Hände\nmit den Steinen spielen, wie mit kleinen Tieren,\nund sie klirren und lärmen, drängt es mich un-\nsäglich, zu fragen: „Was wollt ihr, kleines Volk?'4\nKraftlos ist auch die Farbe. Die Farbe hängt auf\nallen Dingen, ein fadenscheiniger dünner Mantel;\ndie Dinge wissen kaum, wie sie zu ihnen kommt;\nLug. Bosheit ist in ihr; sie flattert ratlos und\nspöttisch. Doch der Ton nicht so; streng und fein\nspricht er die Wahrheit, beichtet. Was soll dies?\nWarum, warum? Der farbige, tönende Punkt, der\nin keine Rechnung paßt! Warum seufzen wir\nKörper, singen, warum jubeln wir? Wenn ich dies\nweiß, so weiß ich vielleicht, was das Tönen der\nDinge, das Tönen in der Welt soll. Dinge gibt es,\ndie beben glücklich auf, wenn ich sie berühre,\nandere scharren, murren und grunzen, manche\nschreien schmerzlich gell, manche ducken sich wider-\nwillig mit den Schultern und bleiben unzugänglich\nstumm; und einige rascheln auf, als warteten sie\nnur auf die Berührung. Verschieden ist die Emp-\nfindlichkeit der Dinge. Kaum vermöchte es einer,\ndies zu deuten, hinter das Geheimnis der Töne zu\nkommen. — Wie vielfach ist die Welt, wie quälend\ntief ihre Rätselhaftigkeit.\nMusiker:\nOh, Kalypso, dies wirst Du nicht rasch lösen. In\ndiesen Garten läßt uns Zeus nicht gern ein. Viel-\nfach ist die Welt und seltsam ausgestattet. Das\nIneinander des Vielfältigen, Gereihten, die Wurzel\nder Verflochtenheit ist gut verschüttet, kein Dich-\nter hat sie je berührt. —\n(Das Schiff hat gewendet und rudert langsam dem\nLande zu; die Schiffer singen noch immer.)\nKa'ypso, ich will froh sein, daß ch Dir von meiner\nKunst sprechen darf. — Oft wollte ich Dich Mär-\nchenerzählerin schelten und Fabulantin. Doch ich\ntäte Dir Unrecht; Du gehst ja aufrecht, wo ich\nstolpern müßte. Man verlernt zu denken, wenn\nman, wie ich, über das Denken denkt, und sieht\nnichts. Du sähest gar nicht den Balken, mit dem\nmeinesgleichen sich den Weg breit verlegt. Nicht\nDeine Frage nach der Verbindung der Töne\nmit den Dingen hätte mich gequält, sondern nach\nder Verbindung mit — mir. O der endlosen Wirriiis\nund Falten, in die fällt, wer sich hier des Mutes\nbegibt. Ich und die Töne! Sieh, ich sage: Der\nTon ist nichts dem „Ich\" Fremdes; er gehört zu\nmeiner Lebendigkeit. Ich bewege die Glieder, ich\nrufe in die Luft, ich höre den Donner: dies ist alles\neinerlei und — ich. Die Weisen, die sich um die\nFrage quälten, was den Dingen gehört und was\nmir, haben den Dingen alles geraubt und alle Herr-\nlichkeit der Welt über das Ich gehäuft. Aber es\nereignete sich da etwas Wunderbares. Es machte\neiner das Maul auf, einer, das Ich, sie sättigten es,\nimmer mehr; es schluckte mit tiefen Zügen die\nganze Welt ein; die füllte es bald bis auf die Haut\naus, so daß das Ich nur noch eine dünne Schale\num seinen Magen war; gespannt platzte sie; die\nWelt sprang wieder heraus, leckte die armseligen\nReste mit der Zunge auf. — Was lebendig an mir\nist, ist in der Welt; wenn alles in dies Ich gezogen\nwird, so wird wohl alles Empfindung des Ich; das\nIch sitzt dann auf dem Schemel und bläst die Solo-\nflöte — wie einst im Mai. Aber dann wird schließ-\nlich auch das Empfindende selber empfunden.\nDann ist auch der Mensch kein denkendes Wesen,\nsondern selber ein Gedachtes. Und hier hört der\nSinn auf. Das Empfindende kann nicht das Emp-\nfundene zugleich sein, weil dies heißt: Empfindun-\ngen sind da, ehe sie da sein können; erst das Emp-\nfindende macht ja etwas zur Empfindung. Es war\nvorauszusehen, wohin der übertriebene Hochmut\nführen würde, sich in dem Andern, statt im Ich das\nAndere zu erkennen; das Schauspiel mußte sich\nvollenden, in dem das Ich Stufe um Stufe erstieg,\ndie Welt in die Luft blasend, keinen anderen Gott\nzurücklassend, als diesen einen: „Ich44 den düste-\nren Selbstherrscher, den Gott von eigenen Gnaden,\nden betrogensten aller Betrüger und den stummen\nfolgerichtigen Selbstmörder. Jenes denkende,\ndas formende Ich ist zerschlagen, aufgelöst in\neinen ungeheuren schimmernden Spiegel. Nun\nsättigt sich die ganze Welt an dem alten Ich, das\nUmwelt und Mitwelt geworden ist, jetzt nicht\nmehr Ueberwelt. Wir sind von dieser Welt, sie\nist mit ihren Formen kein Lug und kein Schein, sie\nist nicht nur unsere Welt. Vom Ich bleibt nichts zu-\nrück als das Wort und vielleicht ein Gedanke, ein\ngedachter Standpunkt über das Leben. — Dir,\nKalypso, hängen nicht solche Ketten an den\nKnöcheln. IDu gehst schwesterlich unter den\nTönen und Dingen, dem Anderen, und furchtbarer,\nrätselhafter erscheint Dir das Andere dieses An-\nderen, das Eine, das Ich.\nKalypso:\nDu verzeihst mir: nicht ganz konnte ich Dir fol-\ngen. Auch höre — und wie schön und trauervoll\ndie Ruderer singen. — Was sprachst Du von den\nTönen und jenem Ich?\nMusiker:\nVielmehr muß ja ich Dich um Verzeihung bitten.\nAber nicht leichte Worte finden sich für die stren-\ngen Meinungen. Laß mich lieber einfach fragen:\nWas ist eher: das Hören oder der Ton? Offen-\nbar das Hören; denn man wüßte nichts Vom Ton,\nwenn man nichts hörte. Aber doch denkt wohl zu\nkurz, wer so denkt; denn das Hören erweist sein\nVorhandensein doch erst am Gehörten! Ohne daß\nich ein Etwas höre, ohne den Ton — höre ich\nnicht. Das Tönen ist alles,was wir haben; das\nHören haben wir nicht, sondern machen wir. Das\nGehör ist nicht eher als das Gehörte. Denn das\nHören ist — überhaupt nicht. Es gibt keine Emp-\nfindungen. Der Ton ist alles —.\nKalypso:\nUnd wie nützt ihr solche Kenntnis, die ich nur\nschwer durchschaue; denn ich weiß nichts von den\nKämpfen, aus denen sie sich erhob?\nMusiker:\nWir sind bald am Land. So ist unsere schöne\nFahrt zu Ende. Auch mir und Dir bedeutet diese\nKenntnis etwas; und Du bist, wenn Du nicht auf\nDeinen Reisen meinem Pärchen „Hören\" und\n„Tönen44 begegnet bist, einem Andern begegnet,\naus demselben Geschlechte, wallfahrend gemein-\nsam, mächtiger anzusehen als jene, und auch\nreicher gekleidet, fesselnd in jedem Schritt: dem\nMenschen und der Musik. Dies ist die Erkennt-\nnistheorie der Musik.\nKalypso:\n(Lächelnd.) So werde ich noch den Wert so un-\nterirdischer Maulwurfsarbeit begreifen. (Erhebt\nsich und äugt über das fast glatte Meer.) Jetzt\nist die schamlose Diebin, die Wanderin mit den\nbloßen Füßen von uns gegangen.\nMusiker:\n(Auch lächelnd.) Unsere Segel hängen schlaff.\nDie Schwalben sind eingeschlafen.\n\nE. T. A. Hoffmann\nVon Rudolf Kurtz\nEine Zeit der Schwäche und ästhetischen\nDegeneration. Von den imaginären Prunkfesten\nder Romantik war nur die Anekdote geblieben.\nDie Schrecken der Nachromantik überfielen das\nLand; dumpfe Gehirne webten die Fetzen der Er-\nlebnisse anderer zusammen, um den allegorischen\nTeppich als romantische Kunst zu verhandeln. In\nden Salons gähnte der schlaffe Ennui: schmach-\ntendes Lächeln überlief zärtlich gespitzte Lippen,\nIn leeren Posen erstarrte Hände berührten formlose\nGefäße voll dünnen Tees, und dazwischen rieselten\nschmale Bäche preziöser Gespräche unterbrochen\nvon Musik und Deklamation stilloser Dilettanten.\nSie hatten an der Romantik das Experiment über-\nsehen und sich nur mit dem stofflichen amal-\ngamiert, die Leerheit des Gehirns mit phan-\ntastischen Mohnträftken reizend, um sich im\nSpiegel ihrer Ekstasen zu bewundern. Eine Lite-\nratur war gefordert und sie hatten sie erhalten:\nneben dem unbegriffenen Jean Paul stand Ludwig\nTieck, in dessen Alter die Jugend wie ein Meteor\nnoch leuchtet, und zahllos um sie geschart die\nkleinen Götter der Fouque und Freunde, deren\nfragwürdige Phantasie in ungeistigen Abenteuern\nspielte. Sicherer Materialismus überall, zwischen\nseinen Polen Aberglauben und Maschinismus pen-\ndelnd. In diesen Karneval wirbelnder Glieder, die\nsich nie zu einem Körper finden, tritt fremd der\nKapellmeister Kreisler, über dessen Antlitz die\nTräume gleiten, als es schon in der Grimasse er-\nstarrt. Da erkennen ihn alle: es ist E. T. A.\nHoffmann.\nDie Zeit hatte ihn mit ihren Marken ge-\nzeichnet: anekdotischer Reichtum, trübe Magie,\nOperettenromantik. Der gewandte Novellist fand\nsich in den Begleiterscheinungen der Romantik: in\nder Apologie der Kunst und des Künstlers. Die\nAnnäherung bleibt peripherisch, der Stilist Hoff-\nmann ist ungeistig, er weiß gleich alles zu sagen,\nes prunkvoll und dekoriert zu sagen; er hat keine\nHemmungen zu überwinden. Seine Prosa ist den\nInhalten um einige Akkorde voraus; sie schwimmt\nüber Dinge, die sich noch bewegen. Aber das\nTemperament, das diese Sprachfetzen wie Eis auf\nden Flüssen zusammentreibt, mit unzulänglichen\nund undurchsichtigen Wortbildern Seelenzustände\nvon reinster Luzidität zeichnet, das ist der\nKünstler. Sein Ausdrucksmittel ist zu lose in\nseiner Hand; er dilettiert Jahrzehnte, ehe ihm die\nSprache das fügsamste wurde. Noch mit zwei-\nunddreißig Jahren war er sich im unklaren, ob er\nzum Musiker, Maler oder Schriftsteller bestimmt\nsei. Er hatte wenig Gefühl für die Besonderheiten\nder Künste: seine Zeichnungen sind graphische\nDarstellungen von Anekdoten, seine Musik hält\nsich eng an die Illustrierung des Textes, und in der\nSprache sucht er die Gefühlsskalen der Musik mit\nWorten zu imitieren. Diese illustrative Begabung\ndistanziert ihn weit von der zarten Kultur der Ro-\nmantik; aber er besaß, was den andern fremd blieb,\nund was die Romantiker in Formeln und Versen sich\nimmer auszudrücken bemühten; die geheimnisvolle\nKraft der künstlerischen Clairvoyance, einer\neigentlichen Hellseherei, in der die Dinge in\nwechselnden Formen schillern; lebendige Masken\nder ewigen Ideen, Symbole. Die Anekdote des\nCauseürs wurde dem Dichter zum Problem. Das\nist das Land Kreislers, das Hoffmann nur in seinen\nbesten Stunden betritt. Kreisler fühlte in seiner\nSeele das Spiel der Kontraste, das Hoffmann ent-\nsetzte. In den Stunden, in denen er die Leser ver-\ngaß, in den fliegenden Notizen seines Tagebuchs\n\nIch sandte meine Lieder\nVon Chammay Pinsky\nIch sandte meine Lieder Dich zu Stichen:\nIch könnt' nicht mehr allein auf meinen Schultern\nDie schweren Nächte tragen,\nAllein die vielen Träume zählen,\nDie großen Träume* meines Blutleibs — '\nIch sandte meine Lieder Dich*zu suchen.\nIch sitz* alleine — sprach ich — ohne Königin\nAuf meinem Dichterthrone — wie ein Halbmond . .\nEin kranker König!\nDie Sterne lieb ich nicht, die falschen Schimmer,\nDie um mich her den alten Reigen tanzen:\nIch komme von der Sonne!\nSie hat mein Blut getrunken, ließ mich blaß\nUnd krank durch Himmelwüsten wändern.\nIhr sollt in allen Ländern\nDes Auf- und Unterganges suchen,\nUnd wenn Ihr s i e nicht findet,\nSo bringt mir eine Wolke,\nDeren Schwärze\nSo tief ist wie das Licht der Sonne ...\nSo bringt mir eine schwarze Negerin,\nDie Schwester meines Qrabes —\nDaß s i e mein blasses Leben küsse.\nIch sandte meine Lieder Dich zu suchen,\nSie wanderten von Land zu Land\nVon Nacht zu Nacht.\nAn jedem Fenster, wo ein Mädchen lacht,\nAn jeder Tür, wo eine Frau sich sehnt\nDa sangen sie sich selber, sangen betend,\nUnd weinten.\nUnd jedes Mädchen sog einen Blutvers\nFür seine Jugend;\nUnd jede Frau zog einen Faden\nDer Seide meiner Lieder.\nUnd jeden Morgen kamen sie zerrissen\nUnd leer zu meinem Thron zurück.\nDann kam die Nacht, da ich mein großes Lied\nsang — —\nAls stiegen alle Nächte\nAus den Gräbern der Ewigkeit\nUnd sammelten sich um mich her,\nWie alte Mumien und Leichen\nUm einen Jüngling, der noch lebt . . .\nUnd knieten vor meinem Liede.\nDann kam die Nacht, da ich mein großes Lied\nsang —\nUnd als der Morgen kam,\nLagst D u zu Füßen meines Thrones —\nDu Königin, Du Sonne!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.4", "texte": "zittert eine wehrlose und geängstigte Seele, steigt\nauf in tollen Kurven und sinkt in schauerlichen Ge-\nsichten: ein vorwegnehmender Psychologe erlebt\nburleske Tragödien, kuppelt Entsetzen und Hoch-\nmut, Verzückung und jähen Hohn. Ein Delirant,\nder seine Fieberkurve zeichnet. Die Psychologie,,\ndas war eine Zeitkrankheit und ein Mittel materia-\nlistischer Bemühungen, das Gehirn als ein Räder-\nwerk von dürrer Selbstverständlichkeit zu zeigen,\nGrotesken und Visionen als notwendige Folgen ge-\nwisser Dispositionen zu erklären: diese „historische\nReinlichkeit\" war ihm „mehr als alles zuwider.\"\nEr war Psychologe wie es unsere besten Zeit-\ngenossen sind: Analytiker mit bebenden Sinnen,\ndie im Echo ihrer Seele die Welt wiederfinden; be-\ngierig jeden Fiebertraum nachzuerleben, ihr Da-\nseinsgefühl durch alle Möglichkeiten zu steigern.\nSeine Sensibilität sah die Dinge in den Schatten\nihrer Entstehung, in der schöpferischen Bewegung\nihrer Beziehungen, das Leben schien ein wunder-\nvolles Spiel der Motive, nur auf ein Künstlerproblem\nhinausführend. Sein Gehirn war ihm bis in die ver-\nborgensten Windungen zugänglich; und er ver-\nsenkte sich in das Wunder der Gedankenbildung,\nin den Kampf der Eindrücke und den Antworten der\nSeele. Die Wissenschaft dringt nur bis an die\nPeripherie; die Erkenntnis wird nur der Intuition,\ndie die Erscheinungen von ihren Bedingungen\nbefreit sieht.\nUnd diese intuitive Seelenanalyse ist Hoff-\nmanns Leidenschaft; seine Berichte über dunkle\nKriminalprozesse operieren mit klinischen Hypo-\nthesen, alle Raffinements der ihm zugänglichen\nMittel bietet der Psychologe auf, um sich dieses Ge-\nhirns, dessen Tat er zu beschreiben hat, zu be-\nmächtigen. Das steigt bis zum intellektuellen Hoch-\nmut des Puppenspielers, der die Drähte führt,\nEuphemia in den Elixieren des Teufels theoretisiert\ndieses Gefühl. Es ist eine Leidenschaft, die ver-\nwegen mit dem eigenen Gehirn spielt. Auf einem\nBall fühlt er sich vervielfacht, die Menschen, die ihn\numgeben, sind Splitter seines Ichs, und aller Ge-\nhirne sind Teile des seinen, das aller Gedanken und\nTaten mitfühlen muß. Differenzierungen und\nSpekulationen, die das Gehirn, sich selbst objek-\ntivieren; eine endlose Kette von Spiegelungen, die\ndie Reflexe multiplizieren, durcheinanderschütteln,\nverwandeln, bis das Bewußtsein ein glühendes\nChaos ist, Rausch des Wahnsinns. Dieses Vor-\ngefühl schwächt und reizt seine Nerven; die leiseste\nAnspannung umgibt ihn mit Erscheinungen, er ver-\nliert das Gefühl der Einheit, der Individualität. Und\ndurch das Konzert der Impressionen dringt immer\nwieder das Motiv des Wahnsinns: „Warum denke\nich schlafend und wachend so viel an den Wahn-\nsinn?\" Und ein anderes Mal notiert er in sein\nTagebuch: „Alle Nerven exzitiert von dem ge-\nsüßten Wein. Anwandlung von Todesgedanken.\nDoppelgänger.\" Er kannte die Psychologenfreude\nfür eine ganz flüchtige, undeutliche Stimmung ein\nklares durchsichtiges Wort zu finden, und fast\nminutiös malt er die Dämmerzustände in seinen\nWerken aus. Die Momente, in denen das Gehirn ein\nwüster Flammenkreis ist. beherrscht von phy-\nsischen und psychischen Störungen, Zustände, die\nan der Grenze des Wahnsinns schwanken: das\nsind seine objets d'art. ' In den Elixieren des\nTeufels hat kein äußeres Geschehnis die Realität\nund Deutlichkeit dieser geistigen Zersetzungen.\nDer Psychologe ist der Visionär und die Vision die\nVersenkung in die imaginäre Welt, die einzige\nRealität.\nDieser Weltanschauung korrespondiert die\nkunstphilosophische Hoffmanns: die Imagination ist\ndie symbolische Erkenntnis des inneren Lebens. Er\nist der begeisterte Apologet des Geistigen und sein\nRigorismus behauptet, daß der Körper nur als\nMöglichkeit des Geistes Berechtigung habe. Doch\ndiese Mißachtung des Körperlichen entspringt noch\neiner anderen Quelle: der Inkongruenz des inneren\nLebens und der äußeren Erscheinung. Dem Pathos\nder berauschten Seele war zur Auswirkung ein un-\nscheinbarer Körper gegeben, und diese Gewißheit\nprägte der Seele Hoffmanns ihr Mal auf. Er, dessen\ninneres Leben strömender Gesang war, mußte un-\nfehlbar lächerlich werden, wenn er seinem Tem-\nperament folgte. Wie eine stechende Flamme ver-\nbrennt das die leichtbeschwingten Gefühle. Ein-\ngestellt auf die Beobachtung jeder Nervenfaser, sah\ner immer sein Spiegelbild neben sich und fühlte mit\nbitterem Haß den Kontrast des begeisterten\nMusikers mit dem häßlichen Menschen, dessen\ngroteske Beweglichkeit ein seltsames Gegenspiel zu\nden feierlichen Worten seiner Kunst bildete. Dieses\nGefühl ist heimisch unter den europäischen\nDichtern des neunzehnten Jahrhunderts, und die Er-\nscheinung Stendhals wäre ein Rätsel ohne Beachtung\ndieser Motive. Um sich vor der eigenen Ver-\nachtung zu retten, bleibt die einzige Möglichkeit das\nKörperliche durch überlegene Qeistigkeit zu paraly-\nsieren, sich durch Ironie über den schmerzhaften\nKontrast hinwegzusetzen. Hoffmann hat diese Er-\nkenntnis von Jugend an begleitet. Wie schwer sie\nwar, mögen die Worte bezeugen, die eine frühe,\nschamhafte Liebe begleiten: „Da ich sie einmal\nnicht durch ein angenehmes Aeußere interessieren\nkann, so wollte ich, daß ich ein Ausbund von\nHäßlichkeit wäre, damit ich ihr auffiele, und sie mich\nwenigstens ansehe.\" In den Tagebüchern, die No-\ntizen über seine Bamberger Zeit und seine Liebe zu\nJuliabringen, knistern tollelronieen über blutige Ge-\nfühle; man spürt die Scham des alternden Mannes,\nder ein junges Mädchen anschwärmt und die\nLächerlichkeit dieser Situation in allen Nuancen\nspürt. Er spricht sich Mut zu, dieses Leben zu er-\ntragen und spielt den Schwerpunkt auf das Geistige\nhinaus, seine Unfähigkeit scheu umgehend in der\nreflexlosen Sinnlichkeit des naiven Menschen zu\nleben, die ihm roher Stoff scheint, Erscheinungsform\nfür ein Geistiges, das nur durch die Imagination, den\nTraum, erschaut werden kann.\nDer geistige Mensch haßt das Anekdotische des\nLebens, also im eigentlichen Sinne alle erhebenden\nEreignisse des bürgerlichen Daseins, vor allem die\nBrennpunkte des normalen Vegetierens: die lauten\nGefühle. Sie verletzen seine Scham und reizen\nseinen Intellekt, sie durch Ironieen aufzuheben.\nZur Zeit der stärksten Gefühlsanspannung notiert er:\n„Göttliche Ironie, herrliches Mittel, Verrücktheiten\nzu bemänteln, stehe mir bei!\" Und wie uner-\nträglich der Druck der Sehnsucht war, deutet die\nFortsetzung an: „Jetzt ist es Zeit in literis zu\narbeiten.\" Geistige Ausleerungen waren für ihn\neine körperliche Befreiung: das Ringelspiel der\nLeiden zerrann in herrlichen Träumen, imaginären\nHeldenfahrten.\nDie Sphäre seiner Erlebnisse war das Außer-\nordentliche; und das ist seine Kunst, daß er es nicht\nin der Anekdote, sondern in jedem elementaren\nLebensvorgang sah. Er schaute an: so definierte\ner sich. Schaute so rein und unbefangen an wie\nGoethe: nur wies sein Spiegel eine besondere\nKrümmung auf. Schopenhauer bezeichnet dieses\nals die philosophische Stimmung, daß die Dinge\nihre absolute Starrheit verlieren; Hoffmann hätte\nden Moment des Schauens so bezeichnet. Ein Ge-\nlehrter, der die Leiter auf und ab steigt, um Bücher\nzu suchen, wird ihm leicht zum Magier, der in\neiner ungeheuren Bibliothek von Sprosse zu Sprosse\nspringt; das Beängstigende dieses Auf und Ab und\nder zahllosen Folianten wird ihm zum Erlebnis. Er\nempfindet das Grauen an den Dingen, wie Knut\nHamsun oder Arthur Rimbaud, der aus dem Erleb-\nnis eines kleinen verärgerten Schreibers eine\ngrauenvolle Vision formt: Lesassis.\nDie Angst an den Dingen, das ist Hoffmanns\nErlebnis. Nicht das physische Erschrecken des\nFeigen, sondern das Erahnen einer unsichtbaren\nWelt, deren Erscheinungen die Dinge sind, mit denen\nwir leben müssen, ohne ihr Wesen und ihre Bedeu-\ntung zu kennen. Die Doppelheit der Erscheinung\nwird sinnfällig in den mechanischen Apparaten.\nDiese besonders erregten Hoffmanns Einbildungs-\nkraft bis zu Orgien des Grauens und der Grausam-\nkeit. Er spürt, daß das Schöpferische dieser toten\nDinge die höchste Potenz des Artifiziellen ist. Der\nAutomat ist ungefährlich, ein spielendes Räder-\nwerk: er war ein Freund der Automaten. Aber so\neinfache Dinge wie Brillen, Ferngläser, Spiegel: in\ndiesem scheinbar Primitiven ist das Entsetzen. Das\nErlebnis seiner Menschen ist die Furcht vor den\ngrauenvollen Ueberraschungen des Lebens. „Etwas\nEntsetzliches ist in mein Leben getreten. Dunkle\nAhnungen eines gräßlichen mir drohenden Ge-\nschickes breiten sich wie schwarze Wolkenschat-\nten über mich aus, undurchdringlich jedem freund-\nlichen Sonnenstrahl.\" Im Gespräch erblickt er\nVisionen, er zittert vor Aufregung und Angst und\nspielt in allen Ironieen, um sich vor der Verzweif-\nlung zu schützen. Wie jeder Künstler empfindet er\nseine Reizbarkeit als Vorzug, glorifiziert sein Lei-\nden, denn „solcher Kopfschmerz gebärt das Exoti-\nsche.\" Der Künstler ist die Blüte der Möglichkeiten,\nund diese Gewißheit stilisiert seine Gebärde. Es ist\nin ihm die entmaterialisierte Entzückung Wacken-\nroders und die überzeugte Kunstsentimentalität des\nSternbald, den es das wahre Künstlerbuch nennt.\nEr empfindet stärker als die Zeitgenossen die\nBesonderheit der künstlerischen Tat, nur Kunst und\nnichts anderes zu sein. „Alles soll noch außer dem,\nwas es ist, was anderes bedeuten, alles soll zu einem\naußerhalb liegenden Zweck führen, den man gleich\nvor Augen hat, ja selbst jede Lust soll zu etwas\nanderem werden als zur Lust, und so noch irgend\neinem anderen leiblichen oder moralischen Nutzen\ndienen, damit nach der alten Küchenregel immer das\nAngenehme mit dem Nützlichen verbunden bleibe.\"\nKunst ist Moral, weil es außer ihr nichts gibt, sie\nist die wahre Metaphysik des Lebens, und mehr\nhat Nietzsche damit nicht gemeint, als dieses Wort\nHoffmanns es sagt: „Der Musiker sieht die ganze\nWelt im Widerschein seiner Kunst.\"\n\nBei Erschaffung der Welt herrschten geradezu\nvorsintflutliche Zustände. Zum Glück begann da-\nmals erst die prähistorische Zeit, die merkwürdig\nrasch verging. Die Ichthyosaurier, Mammute et\ncetera übersiedelten meistens nach Sibirien, wo\nsie im Interesse der Wissenschaft einfroren.\nStreng nach Darwin entwickelten sich die Lebe-\nwesen, und mit affenartiger Geschwindigkeit ent-\nstanden aus dem Urschlamm unsere Stammväter,\ndie Schimpanse, welche sich durch starken Haar-\nausfall und zunehmende Arroganz immer mehr\ndem Menschentypus näherten, bis sie endlich als\nAdam und Eva die Welt betraten.\nDie Sintflut war leider für die Katz. Es\nwurde sehr bald der status quo wieder hergestellt,\nInfolge einer eigentümlichen Gewohnheit der ge-\nschichtlichen Ereignisse beginnen diese gewöhnlich\nin der Umgebung von Aegypten. Dortselbst war\neine starke Ueberproduktion an Pyramiden. Es\nblieben daher sehr viele unverkäuflich und sine!\nnoch jetzt zu sehen. Die größte Arbeit an den\nPyramiden verursachte der untere Teil, während\nganz oben immer weniger zu tun blieb und die\nKosten an der Spitze sehr gering waren. Es ging\n•daher das Bestreben der ägyptischen Kaiser dahin,\nmöglichst rasch die Pyramiden auf die Spitze zu\ntreiben. Infolgedessen bekam ganz Aegypten ein\ngespitztes Aussehen. Man drückte sich damals\ngerne in Hieroglyphen aus, was den Vorteil\nbrachte, daß man an einem Brief oft tagelang zu\nlesen hatte, da die Schrift ungemein schwer zu\nentziffern war. Kein Wunder, daß sich die ägyp-\ntische Augenkrankheit daher immer mehr ausbrei-\ntete. Nach ihrem Tode hatten die meisten Aegyp-\nter etwas Mumienhaftes; sie zogen sich in die\nPyramiden zurück, deren Volumen und Flächen-\ninhalt vorher sorgfältig ausgerechnet wurde.\nAuch Babylonien und Assyrien machen sieh\nin der vorderen Partie der Weltgeschichte bemerk-\nbar. Sehr rasch verfiel auch die zu diesem Zwecke\nvon Nebukadnezar gegründete Dynastie.\nLeider zeigten die Juden schon damals eine\ngewisse Vordringlichkeit und drängten sich so\nschnell als möglich in die Weltgeschichte. Sie\nnisteten sich von da an fest ein und sind noch heute\nin der Wiener Leopoldstadt zu treffen. Auch das\nlydische Reich ging zu Grunde, ein Verlust, den\nwir -unendlich bedauern. Die Inder waren sehr\ngutmütig, es war die höchste Zeit, daß Buddha\nauftrat und alles reformierte. Unter den Perser-\nkönigen war Kambyses sehr jähzornig; der Magier\nGaumata gleichfalls, weshalb es ihm ein Leichtes\nwar, sich für Kambyses auszugeben. Er wurde\naber gestürzt, da ihm die Ohren abgeschnitten\nwaren und er sie daher nicht rechtzeitig spitzen\nkonnte.\nUnter den Griechen fiel Herakles durch seinen\nkrankhaften Reinlichkeitssinn auf, der ihn veran-\nlaßte, den Augiasstall aufs gründlichste zu säu-\nbern. Oedipus war so gewissenhaft, streng\nnach der Anordnung des Orakels seinen Vater\nzu töten und seine Mutter zu heiraten. Diese\nHeirat stellte sich später als Uebereilung heraus,\nund er giftete sich zu Tode. Furchtbar zog\nsich der trojanische Krieg in die Länge. Er\ndauerte vierdunzwanzig Gesänge und spielte sich\ngrößtenteils in Hexametern ab. Einen recht\nhölzernen Eindruck machte das Pferd, durch\ndas Odysseus in das Innere der Stadt eindrang. In\nSparta gab es eine Verfassung, bei der sich insbe-\n\nSchluss folgt in Nummer 9\n\nLeitfaden der Weltgeschichte\nVan Robert Scheu"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.5", "texte": "sondere die Heloten lebhaft langweilten. Die\nSpartaner waren arm, doch erlaubte man ihnen\nglücklicherweise das Stehlen. Eine ausgezeichnete\nIdee war die Gründung eines Orakels, das von\nzweideutigen Personen verwaltet wurde. Inzwi-\nschen kam Athen infolge der drakonischen Gesetz-\ngebung immer mehr empor. Noch intelligenter\nwar die Verfassung Solons, der die Schulden ab-\nschaffte und sodann auf zehn Jahre verreiste, um\nvon seinen Gesetzen verschont zu sein.\nDie Perserkriege benutzte Miltiades, um die\nPerser nach Marathon zu locken. Die Perser\nwurden geschlagen, da sie sich infolge ihrer Ueber-\nzahl nicht rühren konnten. Aristides war gerade-\nzu ekelhaft gerecht, weshalb er auch im Wege von\nScherberln verbannt wurde. Themistokles übte\nsich inzwischen in der Schlauheit, und bereitete\nsich auf den dritten Perserkrieg vor. Die Grie-\nchen verteidigten die Thermopylen mit ausge-\nrechnet dreihundert Mann, von denen je hundert\nfielen. Es war den Griechen ein Leichtes, die Per-\nser, die durch das Lernen des Griechischen ermü-\ndet waren, in der Schlacht bei Salamis zu be-\nsiegen. Sie beobachteten dabei die Taktik, den\nPersern in den Rücken zu fallen. Bald begann die\nBlütezeit Athens, durch die Sokrates ein schönes\nStück Geld verdiente.\n%\nIm Jahre 431 vor oder nach Christi Geburt\nbrach der peloponnesische Krieg aus. Ursachen\nhatte er eigentlich nicht. Er zog sich wie ein\nStrudelteig hin und endete zu Gunsten der\nsiegenden Partei. Es folgte die Herrschaft der\ndreißig Tyrannen, die sich gegenseitig auf das\ngrausamste tyrannisierten. Inzwischen wuchs\nPhilipp von Macedonien heran, der Erfinder der\nPhalanx, mit der es ein Leichtes war, die ver-\nschiedensten Völker zu besiegen. Diesen fiel es\nzu spät ein, die Phalanx ebenfalls einzuführen.\nDemosthenes konnte die Phalanx nicht sprengen,\nda er mit der Zunge anstieß. So fügte er sich denn\nachselzuckend in die Verhältnisse, wobei er sich\nan dem über ihm aufgehängten Schwert seines\nFreundes Damokles verletzte. Noch ärger wurde\nes, als Alexander der Große zur Welt kam, dessen\nVerdienst es war, den gordischen Knoten in zwei\ngleiche Hälften zu spalten. Die ihm folgenden\nDiadochen sind leicht zu verwechseln, weshalb wir\nsie lieber übergehen. Bald darauf bricht die\ngriechische Geschichte ab.\nEs finden jetzt nur mehr hauptsächlich\nrömische Ereignisse statt. Die sieben Könige,\nwelche Rom mit Hilfe einer Wölfin gründeten,\nteilten das Volk nach den verschiedensten Cen-\nturien ein, doch war das Resultat immer das\ngleiche. Ungemein energisch ging am Ende der\nsieben Könige Brutus vor, der sich so dumm stellte,\ndaß dem Tarquinius Superbus nichts anderes übrig\nblieb, als in die nahe gelegene Verbannung zu\ngehen. Auffallend ist es, daß Servius die Fußgänger\nnach Hufen einteilte. Die sogenannten De-\ncemvirn oder Zehnmänner entwarfen die Zwölftafel-\nGesetze, so daß auf jeden 1,2 Tafel kam. In-\nfolge ihrer Vergesslichkeit blieben sie auch im fol-\ngenden Jahr im Amt, was den alten Verginius in\nsolche Wut versetzte, daß er seiner Tochter Vir-\nginia den Bauch aufschlitzte.\nDie inzwischen in Vergessenheit geratenen\nGallier eroberten Rom, nahmen aber beim Friedens-\nschluß ein so miserables Gewicht, daß sie sich un-\nmöglich machten und zurückziehen mußten. Von\nden folgenden Kriegen ist hauptsächlich die\nSchlacht am Vesuv zu erwähnen, dessen Hitze die\nRömer geschickt gegen die Latiner auszunützen\nverstanden und dadurch den Sieg erfochten. Die\nSamniter-Kriege waren von da an die Regel. In\nihrem Verlauf erfocht Pyrrhus einen Pyrrhus-Sieg\nnach dem andern. Er verblutete sich dabei. Die\nRömer wurden zwar wiederholt geschlagen, lachten\nsich aber ins Fäustchen, weil sie durch die Nieder-\nlagen immer stärker wurden. Nach der letzten\nNiederlage war ihre Macht auf dem Höhepunkt,\nwährend Pyrrhus in Bescheidenheit zerfloß.\nSchließlich erkannte er, daß er ruiniert war, bog\num eine Ecke und ward nicht mehr gesehen.\nLeider war auch an punischen Kriegen kein\nMangel. Sie fingen ganz gemütlich an, wurden\naber allmählig infolge der vielen Jahreszahlen\näußerst unpopulär.\nDie Ursache war äußerst geringfügig. Es ist\ngeradezu unbegreiflich, warum sich die Karthager\nüber die Besetzung von Messina so aufregten. Im\nNu veranstalteten die Römer ihren ersten Seesieg\nbei Mylae. Jeder, der schon eine Enterbrücke ge-\nsehen hat, wird begreifen, daß die Römer siegen\nmußten. Die Römer enterten einfach alles, was\nihnen in den Weg kam.\nDer zweite punische Krieg ist dadurch berühmt,\ndaß Hannibal gelegentlich eines Uebergangs über\ndie Alpen nach Italien gelangte. Die Aussicht auf\ndem kleinen Bernhardt war ungemein lohnend.\nSein Plan war, sich rasch in die Ebene hinunter-\nzurollen und dadurch die Römer auf die Seite zu\nwälzen. Er verlor bald darauf ein Auge und war\nnunmehr unter den Blinden König. Er schlug die\nRömer gewohnheitsmäßig, bis diese in Fabius\nCunctator den richtigen Mann fanden. Dieser hatte\nden Plan, den Krieg so lange hinzuziehen, bis Han-\nnibal durch Altersschwäche verenden würde.\nHannibal lief in die Falle und schlug Fabius bei\nCannae, ohne zu bemerken, daß dies der Wende-\npunkt war. Von jetzt an ging es mit ihm rasch ab-\nwärts. Seine Truppen vergaßen, den Sieg auszu-\nnützen, und ließen sich von den Römern nach\nCapua locken, wo die Schlemmerei zum guten Ton\ngehörte. Bald darauf sehen wir Hannibal in Afrika.\nScipio, der ihm wie eine Gewandlaus nachging,\ndrängte sich gleichfalls dort ein, Hannibal war\nganz zahm und bat den Scipio, ihm die Schlacht bei\nZama zu schenken. Scipio konnte ihm aber nur\nGehör schenken und lud ihn zu einer zwecklosen\nUnterredung ein. Erst im dritten punischen Krieg\nwurde Karthago definitiv zerstört. Die über-\nlebenden Einwohner wurden als Sklaven verkauft.\nDie Römer mußten daher beim Gemetzel sehr acht\ngeben, daß nicht zu viele Karthager fielen. Kaum\nwar diese Plage vorüber, als die Gracchen auf-\ntraten. Diese eigneten sich ausgezeichnet zu ver-\nschiedenen Tragödien, die einen ungemein traurigen\nEindruck machen. Im Jahre 111 brach der Jugur-\nthinische Krieg aus, bei welchem beide Parteien in-\nfolge der ungeheuren Bestechungen, die nur selten\nvon Schlachten unterbrochen wurden, ein glän-\n\nProfessor Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff\nwurde durch sein persönliches Eintreten für den Iängst entschlafenen euripides im April des Jahres 1910 aktuell\nAufführung der noch Immer nicht verstorbenen Akademischen Bühne bei Kroll"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.6", "texte": ".zend.es Geschäft machten. Es gelang dem Marius\ndurch seine Tapferkeit, die Feinde so zu bestechen,\ndaß sie Jugurtha auslieferten. Dieser überlebte\nseine Ermordung nicht lange. Von da an ließ sich\nMarius immer häufiger zum Konsul wählen. Um\ndie römischen Truppen an die Cimbern und Teu-\ntonen zu gewöhnen, ließ er sie diese durch ein Ver-\ngrößerungsglas betrachten; dadurch gewöhnten\nsie sich an den Anblick, waren in der Schlacht bei\nAquae Sextiae von dem kleinen Wuchs der Ger-\nmanen geradezu überrascht und besiegten sie\nspielend. Als sich Marius zum siebentenmal zum\nKonsul wählen ließ, fühlten sich die Römer so ge-\nlangweilt, daß sie den Sulla um den Ausbruch eines\nBürgerkrieges ersuchten.\nMarius stirbt und Sulla erwirbt sich um Mithri-\ndates die größten Verdienste, indem es ihm lange\nnicht gelingt, diesen zu besiegen. Zu großer Be-\nrühmtheit bringt es Pompejus, der die Seeräuber\nzur Tugend zurückführt und diese, welche wegen\nihrer Unreinlichkeit verhaßt waren, sorgfältig\nsäubert. Inzwischen sah Catilina, daß es höchste\nZeit sei, sich zu verschwören. Es zeigte sich auch\nhier wieder, daß man nichts verschwören soll. Es\nblieb ihm jedoch infolge seiner bleichen Gesichts-\nfarbe kein anderer Beruf übrig. Die Verschworenen\nbeabsichtigten, einen großen Brand zu legen, bei\ndein sämtliche Schneiderrechnungen verbrennen\nsollten. Cicero, der schon lange einen Stoff zu einer\nlängern Rede suchte, brachte die Sache vor den\nSenat. Catilina räumte das Feld und rächte sich\nam Senat durch drei weitere Reden, die er Cicero\nhalten ließ.\nCäsar benützte die Betäubung des Senats zur\nGründung des Triumvirats, eines aus drei Mit-\ngliedern bestehenden Vereins, der bald an Mit-\ngliederschwund zugrunde ging. Bei einem Spazier-\ngang kam Cäsar auch an den Rubicon, den er aus\nVersehen überschritt, Pompejus wurde darüber so\nwütend, daß er dem Cäsar seine Tochter zur Frau\ngab. Nun war der Krieg unvermeidlich. Zuerst\nhachelten sie sich bei Dirrhachium, dann bei Phar-\nsalus, Pompejus nahm ein schlechtes Ende und ver-\nwandelte sich in eine Bildsäule, die man im Senat\ngenau an der Stelle aufstellte, wo Cäsar später er-\nmordet wurde. Im Jahre 48 eröffnete Cäsar den\nKrieg gegen die alexandrinische Bibliothek. Er\nsteckte sie in Brand, indem er die egyptische Flotte\nals Fidibus verwandte. Cäsar schlug mit Vorliebe\ndie doppelte Ueberzahl. Trotzdem blieben die\nPompejaner so unvorsichtig, ihn auch weiterhin mit\nUeberzahl anzugreifen. So kam es zur Schlacht\nvon Thapsus, bei welcher fünfzigtausend Pom-\npejaner an Altersschwäche zugrunde gingen.\nHierauf verbesserte Cäsar den Kalender. Er\nschaltete im Jahre 46 volle siebenundsechzig Tage\nein, was eine außerordentliche Verbesserung be-\ndeutet. Es gelang ihm dadurch auch, das Jahr 44,\ndas Jahr seiner Ermordung, hinauszuschieben.\nLeider versäumte er es, die Iden des März auszu-\nmärzen. Ein Wahrsager hatte ihn zwar gewarnt,\naber nach der Gewohnheit dieser Gewerkschaft\nsich so undeutlich ausgedrückt, daß Cäsar ihn nicht\nbeachtete. Die Ermordung Cäsars wurde nach\neiner ganz falschen Methode vollzogen.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nMusik und Schüttelfrost\nVon Mynona\nEs war gar keine Landschaft, es war Musik\naus Schnee und Schlaf. Gunimar, der eitelste\nMann der Welt, suchte hier Erlösung vom ganzen\nSüden seiner Gefühle. Hingelagert in seinem Pelz\nauf einen Eisblock intonierte er den Strafgesang auf\nden Menschen. „Der Mensch ist eine Art Staub\naus lauter Gedanken, dieses Subjekt sträubt sich\ngegen jede präzise Definition. Da ist das Weib,\nein famoses Filter, ein Destillierapparat, eine Ge-\nbärerin, Wiederkäuerin, Reinigerin; aber über und\nüber mit dem Unflat ihres Materials besudelt. Wehe\nAllem, das vom Weibe kommt, es ist reiner, aber\nschwächlich.\" Gunimar seufzte, die ganze Musik\ndes Eises und Nordens heulte schauerlich mit, aus\ndem Eisblock hauchte durch den Pelz eine ironische\nKälte; Gunimar zitterte. „Der Mensch\", wimmerte\ner einsam, „liegt aller übrigen Natur wie eine\nschwere Unverdaulichkeit, wie ein zersetzendes\nGift im Magen. Mit seiner Dummheit, welche er\nGeist nennt, steckt er die ganze Natur an; die ganze\nNatur beginnt wahrhaftig zu grimassieren wie ich,\nwenn ich das Monokel in's Auge stecke.\" Der\nBlock, auf dem Gunimar lag, zersprang mit einem\nTon wie klirrende Glasscherben; Gunimar rollte\nmit seinem Pelz in eine Schneegrube. „Ich bin so\neitel,\" jappte Gunimar, der am ganzen Leibe zuckte,\n„daß ich mein Rheuma noch unterstreiche und\nstilisiere. Mir ekelt es vor mir, und ich bin auf\ndiesen Ekel so eitel! Ich würde eine kokette Leiche\nabzugeben wissen. Und doch bin ich in diese Eis-\nmusik eingegangen, um mich zu entmenschen:\nEis, dachte ich, streitet mit Eitelkeit? — Wehe,\ndreimal wehe der Eitelkeit, welche dem Schüttel-\nfrost widersteht!\" „Gunimar schlotterte vor Kälte,\nbestieg seinen geheizten Automobilsclitten, der von\ninnen her zu lenken war, und sauste über weite\nEisflächen. Der Schneesturm brauste und sang\ngegen die Scheiben. Gunimar griff in eine Harfe,\ndie in der Ecke lehnte, und begleitete das Geheul\nmit grellen Akkorden. Warm geworden, begab er\nsich wieder in's Freie. „Was den Menschen\nschüttelt,\" sprach er rauh, „ist immer doch bloß der\nKrampf des Lebens, den die Kälte so wahr, den die\nMusik so schön offenbart. Und was geschüttelt\nwird, sind immer Bäume. Muß der Tod nicht eine\nFrucht sein?\" Der Orkan antwortete ihm ein\nschauerliches Ja. Gunimar. am Schlitten stehend,\nzog ein Pistol aus der Tasche, besah es lange, warf\nes schließlich weg. Ein Nordlicht loderte auf und\nließ seine Strahlen spielen. Die kalte Wüstenei\ndes Polartages schien zu lächeln. An Gunimar's\nWimpern gefroren Tränen. Die Musik der Ver-\nzweiflung durchdrang sein Herz. Der Frost\nschüttelte ihn von neuem, aber Gunimar ver-\nstand ihn jetzt: er begann zu tanzen — wilder,\nimmer wilder. Der Schnee leuchtete gelber, der\nSturm beruhigte sich. Gunimar raste um den\nSchlitten herum, bis ihn der Schwindel ergriff, und\ner hintaumelte; neben ihm lag das Pistol. Wie die\nNatur mit Zufällen wie mit Zeigefingern zu winken\nversteht, dachte er, und wollte danach greifen, aber\ner fand sich von Steifheit und Starre ergriffen, bloß\nsein Gedanke ward scharf, rege, deutlich. Die\nGlasscheiben des Schlittens vor ihm spiegelten leb-\nhaft in allen Farben des Lichtes.\n„Könnte ich mich sehen!\" dachte Gunimar;\n„vielleicht ist es eine Verwechslung? Ich scheine\nstarr, mein Gedanke ist frei wie Rausch und\nTraum. Dieser Wüste gehört das strahlende\nGeisterlicht zu. Der Schüttelfrost wurde Tanz; die\nVerzweiflung Musik. Was mir gefror, war eine\nTräne der Rührung. Was mag die Eitelkeit sein,\ndie noch mit dem letzten Atemzuge nach Spiegeln\ndürstet? —\" Gunimar verröchelte. Der Sturm\nbrach los wie auf ein Signal, er schleuderte das\nstarre Pelzjacket auf die Pistole, sie ging los, fuhr\nin den Schlitten, die Saiten der Harfe klangen und\ndröhnten wie das Finale eines Liedes von Grieg.\n\nHerr Fritz Manthner\nA. D.\nIch stehe nicht an, mich mit Herrn Fritz\nMauthner, dem Sprachkritiker, dahin solidariscfvzu\nerklären, daß ich den Besitz eines Professortitels\nals nicht erforderlich für die Ausübung der Philo-\nsophie erachte, andererseits das Fehlen des Pro-\nfessortitels als Beweismittel für philosophische Be-\ngabung anzusehen, Herr Fritz Mauthner hat viel-\nbeachtete, außerordentlich kühle und „verständige1'\nKritiken geschrieben, hat einige weniger geist- als\nbelanglose Romane verfaßt, und ist, nachdem er\nschon lange derart in Produktivität sich ergangen\nhatte, zur Weltweisheit gekommen. Ein Philosoph\nist sicher kein Witzbold; wie Kürze des Wrzcs\nWürze, so macht Breite den Philosophen. Und in\ndem Sinn 1 ist Herr Fr tz Mauthner ein wahrhaft ge-\npfefferter Philosoph. Die „Zukunft\" des Herrn\nHarden, welche Sprachkritisches ebenso oft ab-\ndruckt wie sie Gedankenkritisches vermissen läßt,\nbringt aus der fünften Lieferung des Wörterbuches\nder Philosophie von /Vautmer einen Au satz iiber\nEnergetik. Ein andermal mehr über das Buch.\nWir erfahren aus dem beigelegten Prospekt mit Ge-\nnugtuung, daß „aus den erschütternden Ergebnissen\nder Sprachkritik für Mauthner und jeden guten\nLeser keine lähmende Angst folgte\", daß es vielmehr\nnunmehr nötig ist, „die Grundbegriffe der Geistes-\nund Naturwissenschaft mit dem Hammer der\nsprachkritischen Idee auf ihre Festigkeit zu prüfen.\"\nEs folgt Schlag auf Schlag. Die Geschichte des\nmenschlichen Geistes ist eine Geschichte der\nSprache. Die „Energie\" ist eine Kausalität, eine\nRelation zwischen Ursache und Wirkung. Eine\nParanthese wirft uns zu, daß Mauthner es auf eich\nberuhen lassen wolle, ob „unbewußtes Gedächhii - '\nnicht ein Selbstwiderspruch sei. Wir stehen er-\nschüttert vor solcher Neuigkeit. Die Energetik\nkriegt die Platze. Wenn Maufhner auch mein Ge-\ndächtnis auf seine Festigkeit prüfen will, so bläkt\nes bei jedem Schlag: „Bah! Olle Kamellen.\" Im\nSpezialfälle Mauthners selbst hin ich ganz seiner\nMeinung, daß die Geschichte des Geistes eine Ge-\nschichte, der Sprachfähigkeit ist. Man kann aber\nwitzig und breit sprechen, auch Dilettant sein und\nehrlich leidenschaftlich bemüht, ohne Philosoph\nzu werden, auch nicht, wenn man an den Podensee\ngeht und Berliner Feuilletons meidet. Und das\nBeste wäre: man täte dem Mann ein Leids an und\nernennte ihn zwangsweise zum Professor.\n\nKönigstreue und Aethernarkose\nNeugierige\nR. R.\nBetrübende Szenen spielten sich im preußischen\nÄbgeordnetenhause ab. Bei dem Versuche einige\nMitglieder hinauszuwerfen, sollen diese tätlichen\nWiderstand geleistet haben. Es muß auf ein königs-\ntreues Herz einen geradezu widerwärtigen, pein-\nlichen Eindruck machen, wenn Männer bei einem\nernsthaft gemeinten Stoß gegen den Magen sich\nwehren. Im Interesse des parlamentarischen An-\nstandes sollen diese Mitglieder in Zukunft vor jeder\nSitzung in Aethernarkose versetzt werden. Die\nRechte des Volkes werden am besten in Aether-\nnarkose vertreten. Der Seniorenkonvent plant so\neinheitliche Ruhe ins Haus zu bringen und beim Ge-\nlingen des Versuches ihn allmählich auf weitere\ndemonstrierende Volksmassen auszudehnen. Poli-\nzeipräsident schon benachrichtigt,\ngewarnt.\n\nDer Räuberhauptmann\nMinimax\nAlle Tintenkulis, Belletristen und das sonstige\nGewerbe hielten sich den Bauch vor moralischem\nLeibweh, als in Karl May ein geborener Verbrecher\nentlarvt wurde Er war zu übermütig geworden\nund bezog zweifellos die größten Einnahmen. Daher\nerkannte man mit Recht in ihm einen wahrhaften\nRäuberhauptmann, den die Feuerwehr suchen ging.\nNach den Tintenkulis braucht keine Feuerwehr\nsuchen gehen; s'e laufen frei herum; man kann sie\njederzeit auf offener Straße totfahren. In un-\nlauterem Wettbewerb schrieb May mit der linken\nHand kathoüscheTraktätchen, während seine rechte\nangenehme Unsittlichkeiten produzierte; für seine\nabenteuerliche Verlogenheit zeugte auch der Um-\nstand, daß er den Orient beschrieb, ohne je Preußen\nund die anderen Zuchthäuser verlassen zu haben\nWährend ein guter Journalist nur das beschreibt,\nwas er sieht und auch das nicht beschreiben kann.\nMays Verhalten ist demnach glattweg als ge-\nsinnungslos zu bezeichnen. Dies erwiesen bleibt\nnichts weiter übrig, als erstens festzustellen, daß er\noffenbar ein medizinisches Kuriosum darstellt,\" indem\nseine recht und linke Großhirnhemisphäre getrennt\narbeiten; sicherer Schwund der Balkenkommissur\n(bei den meisten andern ist nur eine Hemisphäre\nvorhanden und mit dem eigenen Gesäß und dem\nMastdarm des Verlegers verbunden). Zweitens\nüber sein Geschick nachzudenken, und wie es sich\nvielleicht besser gestaltet hätte. Zum Journalisten\nund Minister eignet sich May garnicht; der Mann\nscheint einige Begabung zu haben. Vielleicht hätte\ner sich besser gemacht als liberaler Abgeordneter,\nder mit der rechten Hand von einem regierungs-\nolfiziellen Diner ißt und die linke beteuernd auf das\ndemokratische Herz drückt. Oder als Geistlicher,\nder seine Schafe segnet und ihnen gleichzeitig die\nWolle abschneidet (der Geldschrankknacker als\nSeelsorger). Das Beste freilich ist: er wäre\nRäuberhauptmann geblieben, hätte sich eines Tages\nan die Spitze der Kückenmühler Feuerwehr gesetzt\nund wäre bimmelnd und spritzend am letzten Freitag\nin das preußische Abgeordnetenhaus eingedrungen:\ner hätte für Ordnung und Gerechtigkeit sicher nicht\nschlechter gesorgt als der derzeitige Präsident."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.7", "texte": "Aaalieferun* Ifir ögtcrrdcfa.Uoyifn A. Mfihlhani»Smitnl Wten I* /\n\nSchone Kiassiker\nAusgaben 'mTempei-\n2 V erlag in\nLeipzig-, den S. Fischer, Diede-\nrichs u. a. zwecks Herausgabe\nkiinstlerischauso-estatteter Kias-\nsiker begrundethaben,beginnen\njetzt die ersten Bande zu er-\nscheinen, von Goethe dieWahl-\nverwandschaften und Kleinere\nErzahlungen sowie der Faust\nund Urfaust, von der Kleist-\nAusgabe die vier Bande der\nWerke, von der Heine-Aus-\ngabe die Gedichte und die Tra-\ng'odien in zwei Banden. In der\nWeißfraktur und in der gleich-\nfalls von dem beriihmten Buch-\nkunstler E. R. Weifi besorgten\nGesamt-Ausstattung- zeichnen\nsich die Ausgaben durch Ge-\ndiegenheit und Vollkommen-\nheit aus Als Einzelausgaben\nprasentieren sich die Bande\nebenfalls sehr vorteilhaft. □\nSZIBIIIBHIIBIIIIIIIIIIIMIII\nJederßandkostet: Inmodernem\nenglischen Leinenband M 3.—.\nIn Halblederband im Stil der\nZeit M 3.75. In\nin Halblederband M 3.75. □\n\nMALUTENSILIEN\n—i i—\nMai- und Zeichenbedarf\nW. & J. AMLER\nCharlottenburg'\nSTEINPLATZ 2\nTelephon 1839 Telephon 1839\nLEOPOLD HESS\nspezialgeschAft\nfur Kunstmaterialien\nBERUN W 35 tr;\n\nK\n«r\nVerlag „Der Sturm\"\nWirubernahmeninunsernVerlao-\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesang- u. Klavier /' 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlung-en oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee / Katharinenstrasse 5\n\n:: VERSANDHAUS FUR ::\nDAMENKLEIDERSTOFFE\nGUSTAV CORDS\nCOLN a. 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Kostiim-\nmodell\nAb end: Dauerakt\nAtelier Berlin W / Liitzowstr. 82\nVormittag-: Akt\nNachmittag-: Portrat\nAb end: Skizzieriibungen nach\ndem Akt\n(2 Stunden 50 Pfg.)\nAnfragen nach Schillerstr. 3\nBerlin W. 35 / Potsdamerstr. 121 a\nAtelier\nClara Elisabeth Fischer\n:: MALEN :: ZEICHNEN ::\nNeu seit l. November\nPlakatkunst :: Graphik :: Eintritt\njederzeit :: Naheres Prospekte\nHANS BALUSCHEK\nMaler\nSchulatelier fiir Damen ::\nBERLIN W., Liilzow=Strasse 82\nAtelierhaus, linker Aufgang\nProspekte Brief-Adresse:\nSchtineberg - Berlin, Vorberg - Strasse 15\nSchulefiirgraphischeKunst\n■ ■\nPotsdamer Strasse\nPrivatstrasse 121 G\nMALSCHULE\nSystem L.v. 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Die Pfund-Dose kostet 1,50 Mk.\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien\n■■■IIiaiBIBSIBBHBBBBIBBIBIIHIHB"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100421-01.1.8", "texte": "Julius Rosenthal Filiate\nGeschfiftsbiicher und Kontorbedarf G. m. b. H.\nRF PI IM W BEHRENSTRASSE 30\nDJL* I\\Lail W ECKE CHAKLOTTENSTR.\nG E SCHAFTS B UCH E R-F AB RIK\nBuchdruckerei Papier- n. Schreibwaren\n:: :: :: :: SPEZIALITAT: :: :: :: ::\nMl- nil Maiuskriptpapitre\n\naaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaiii\na\na\na\na\nKeine Zahnschmerzen\nKein Zahnziehen mehr\nAuf Anfrag-e gebe\nich Jedermann Aus-\nkunft iiber ein Mittel\ngegen sch warze,hohle\nund lockere Zahne\nErfolg garantiert\n0. Berger, Berlin W35\nPotsdamer Strasse 111\nAbschrift: Sehr g-eehrter Herr!\nVon vielen Zahnschmerzen bin\nich nung-anzlich befreit durch die\nAnwendung- Ihres preiswerten\nMittels. Daher empfehle ich es\nJedem, der von Zahnschmerzen\ngeplagt ist. Mit herzlichem\nDank bescheinigt dies Helene\nKleemann, Rosengarten,\n:: Frankfurt an der Oder ::\n\nDie sparsame Hausfrau Xf323.«2E?\nsich aus, was Sie im Jahre fur den Bedarf an Oliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daB der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-Gluhkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusaramen-\ndriicken konnen, ohne dafl der Korper darunter leidet. Hartalin-GlGhkfirper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Oasersparnis von\n50%. Brenndauer gar. I Jahr. REFERENZ! Fiir die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits iiber Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Prels p. Stek. 50 Wg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. und Techn. Nenheiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72\n\n:\n■\n■\n:\nDieFackel j,\nHerausgeber • ■\nKarl Kraus\n1 | |\n| ■ Ist erschienen\n■ | :: Preis 30 Pfg. ::\n2 : !\nOberall erhiUtlich\nS S Werbeband der Fackef 50 Pfg. 5\n8 S 210 Seiten stark £\n5 ■ ■\n• ■ ■\n\nit\nKinder\nirinKferfi\ne\nZur Bekampfung der\n«Kindersterblichkeit■\nEine der Hauptursachen der übergrassen Sterblichkeit im ersten Lebensjahre\nliegt in der Mangelhaftigkeit einer angemessenen ErnShrung der Sauglinge. —\nUnter den vielen Ersatzmitteln der Mutterbrust hat in letzter Zeit eines immer\nmelir und mehr infolge seiner hervorragenden Eigenschaften die Aufmerksamkeit\nder Aerzte und Laien auf sich gezogen und behauptet heute den ersten Rang\nunter denjenigen Sauglings-Nahrmitteln, welche aus frischer Kuhmilch hergestellt\nwerden: die Baekhamsmllcli. Die Backhausmftich entspricht in physio-\nlogischer und hygienischer Hinsicht dem Vorbild, wie es uns die Frauenmilch\niarbietet und ermoglicht, wie diese, eine regelmaßige, von außeren Storungen\nunabhangige Entwickelung des gemnden Kindes. — Dann aber steilt sie im Falle\nvon Magen- und Darmkrankheiten des SSuglings ein Diatetikum von entschiedener\nHeilkraft dar, welches die Behandlung mit Medikamenten wesentlich unterstutzt,\nja manchmal ganz entbehrlich macht. — Sie bildet, als das ausschliessliche\nNahrungsmittel wahrend der ersten 9-10 Monate, ein durch kein anderes\nPraparat mit gleicher Sicherheit zu ersetzendes Vorbeugungsmittel gegen die\nh_ so ungemein verderblichen und haufigen BrechdurchfSlle. Vielfache Versuche\nI I an Kliniken, Krankenhausern etc. haben Vorstehendes zur Geniige erhSrtet.\nn,v R z*/~bhauQmilrh ist die besie> vom ersten Le ben stage\nLs/e tSaCKnaUSmilCn an bekbmmliche S&uglingsnahrung.\n:: Die Herren Arzte werden gebeten, Proben und Literatur zu verlangen von folgenden ::\n1 Backhaus-Mi/chansta/ten ==================\nAachen-Burtscheid: Stadt. Milchanstalt.\nBrunn (Mahren): Centralmolkerei. — Breslau\nAssenheim b. Fried berg: L. Reif. — Berlin NW., lagowstr. 20: Dr. Cybulski.\niu, Moritzstr. 48: Nutricia — Cassel, ob. Carlstr. 3/4: A. Mul\"\nMiiller, Milchkuranstalt.\n— Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: JR. Oumprecht. — Dresden: Nutricia, Grunaerstr. 12. — Drulingen i. E. (be^Strassburg):\n~ \" ~ ~ ilk.\n*5\nGutsmolkerei Ketnpf. — Elberfeld, Dorotheenstr. 32: H. A. Sauer. — Frankfurt a. M., Gienheimer Landstr. 74: F. GottschaL.\n— Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Halle a. S., Glickstr. 21: Nutricia. — Hamburg, Guntherstr. 6/8: G. Hildebrandt.\n— Hannover-Linden, Deisterstr. 31 :Dr. Friedel Nachf. — Heilbronn, Herbststr. 26: Ferd. Marx — Karlsruhe, Gerwigstr. 31 :\nNutrica. — Kaiserslautern: Emil Andre, Dampf molkerei. — Kolna. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schiirmann Nachf. —\nKrefeld, Inratherstr. 191: H. Bogelmann. — Leipzig: Nutricia, Johannisplatz 4 5. — Magdeburg: Magdeburger Molkerei. —\nOlmtitz (MSbren): W. Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbuttel bei Berne (Bremen-Olden-\nburg): Stedinger Molkerei. — Stettin, Hohenzollernstr. 50: Nutricia. — Stutigart, Lerchenstr. 24 a: Nutricia. — Teplitz-\nSchonau (Bohmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwinkel: Nutricia, Otto Volkmann. —' Wiesbaden, Bleichstr. 26:\nWiesbadener Molkerei. — Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl.\n\nHOHENZOLLERN\nKunstgewerbehaus\nFriedmann & Weber\nHOFLIEFERANT IHRER MAJESTAT\nDER KAISERIN UND KONIGJN\nWB-BERLIN-W 8\nLeipzigerstrasse 13\nWOHNUNGSEINRICHTUNGEN\nn n KUNSTGEWERBEII II\nANTIQUITATEN UND STOFFE\n\n5 BUCH- UND KUNSTDRUCKEREI :\nSIEGFRIED SEEGER\n[ BERLINS42,RITTERSTRASSE26 j\nS TELEPHON AMT IV, 1045 ■■ TELEPHON AMT IV, 1045 5\ni s\nS ILLUSTRATIONSDRUCK, SETZ- j\n8 MASCHINEN, BUCHBINDEREI •\n• STEREOTYPIE, MODERNSTES j\n5 :::: schriften material :::: :\nI I\n■ Spezialitat: Druck von Broschuren, Katalogen, S\nS Zeitschriften, Werken, Massenauflagen ■ Buntdruck S\n■■Baiaa8aaiaaH8a8ii8iHiiiiiiiiaiag|||ICB|BliaaHMIIIIIiaiMlg\n\n1000 Kronen erhalt\nwer im\nHcht\"\ni\nStande 1st, ein unentbehrlich Ding fiir die Nacht: „Mond-\nin jedem Hause, ein Wunder der Chemie, auszublasen\nMein Mondlichtapparat, ein wunderbar sinnreich konstr. inter-\nessanter Wirrschaftsartike!, besitzt unbegrenzt hallbar die F&hig-\nkeit, vollstandig kostenlos zu leuchten, da hierzu keinerlei Brenn-\nstoffe angewendet werden. Vieljahr. Garantie fiir tadeil. Funktion.\nP|*P|CP* fttr Grttsse M. I. II. III. IV.\nrrCIaC, Kronen 3,GO 4,HO 7,- 11,— I6t—\nFranko iiDerall hin gegen Vorauszahlung (auch in Briefmarken)\nm Oder Nachnahme 30 Heller mehr. Verpackung gratis ::\nMondlichtwerk A. Selb Warnsdorf 337\n\nPreis 1 Mark Preis 1 Mark\nMenthol-Malz- Dragees\n■ m\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungs\norgane / ermoglicht Schauspielern und Sangern\nsofortigen Gebrauch der erkrankten Organe\nZAHLRE1CHE ANERKENNUNGEN\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Alleinige Fabrikantln\n„Pharmacia\" / Fabrik fur pharmaceutischen Bedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend\n■ ■\n■ «"}]}