{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_sha256": "3136af69d7720e27cfdd136b314701312a67a909adbc0c2fdd211b40d69bbdda", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/04/28_01/bmtnabg_1910-04-28_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/04/28_01/bmtnabg_1910-04-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.1", "debut_caractere": 586, "fin_caractere_exclue": 963, "texte": "INHALT:\nMINIMAX: Aus Preussen/ KARL KRAUS:\nDie Forum-Szene/RUDOLF KURTZ: E. T. A. Hoff-\nmann / OTTO STOESSL: Die Hackinger Allee / AL-\nFRED DÖBLIN: Gespräche mit Kalypso über die\nMusik/MYNONA: Fondants aus der spirituellen Kon-\nfiserie / ELSE LASKER-SCHÜLER: Gedichte / R. 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Abgeordnete, die dreimal von Sitzungen\nausgeschlossen wurden, sollen gut eingeseift, in\neinen ledernen Sack eingenäht, in die Panke ge-\nworfen werden, wo sie am tiefsten ist. Sollte die\nPanke gerade nicht vorüberfließen, will man die\nHerren solange in den Rauchfang hängen. Das\nZentrum wird mit einigen vertrockneten Liberalen\neinheizen. Raben, Hexen und Ministerien sind\nfreundlichst eingeladen.\nDer Bremer Unratskeller\nDreißig Lehrer Bremens haben dem alten Bebel\nzu seinem Geburtstage ein Glückwunschtelegramm\ngeschickt. Drei wurden sofort gefaßt und gejagt;\nzur Feststellung und baldgefälligen Chassierung\nder restierenden siebenundzwanzig schweben Zeug-\nriiszwangsverfahren. Um in Zukunft allen Offen-\nherzigkeiten der Lehrer vorzubeugen, werden sie\njetzt nur auf Vorbehalt angestellt. Das ist gut-\nzuheißen. Man gratuliert nicht so aufs Geratewohl.\nDem Senat z. B. hat niemand zu seinem sieben-\nzigsten Geburtstage gratuliert. Vielmehr schon im\nfünfzigsten gewünscht, daß ihm der Teufel den Rost\nund Grünspahn heiß abpoliere und daß er zu jenen\nweißen Schimmelpilzen gepflanzt werde, die in den\nEcken von Unratskellern so muffig und so iiächen-\nhaft üppig gedeihen.\nNeubau des preussischen Kultusministeriums\nTageszeitungen berichten, daß ein großes Ber-\nliner Museum nach dem Vorort Dahlem verlegt\nwird. Die Angabe beruht auf einem Irrtum. Das\nMuseum, für dessen Ausgestaltung und Benützung\nfreie Lage und Ruhe Vorbedingung ist, soll aller-\ndings von Berlin fort, und zwar auf eine möglichst\nallseitig isolierte Insel der Südsee geschafft werden;\nKaraiben und Hawai-Insel stehen zur Konkurrenz;\nüber den Transport von etwaigen Besuchern dahin\nschweben noch Differenzen im Ministerium (wahr-\nscheinlich Dalldorfer Schiffahrtslinie). Doch dürfte\nwichtiger der Neubau des preußischen Kultus-\nministeriums sein. Die Religiosität erfordert, was\nder Verstand billig heißt: es wird in den ruhigen,\nnur etwas feuchten Kellereien der Berliner Gar-\nnisonkirche untergebracht werden. Mit Hilfe eines\nbewährten, nur halbseitig gelähmten, äußerst\nfrommen Küsters wird man von hier aus sich aufs\nleichteste einen Ueberblick über die königlich\npreußischen Kulturbewegungen verschaffen können.\nDas Kriegsschiff wider Willen\nAuf den englischen Kriegsschiffen hat sich im\nLaufe der Jahre die Sitte eingebürgert, das Deck\nzum Rollschuhlaufen zu benutzen. Bei einer\nletzthin erfolgten feindlichen Aktion englischer\nKriegsschiffe gegen deutsche, kam es infolgedessen\nzu keinem kriegerischen Zusammenstoß, weil die\nbeiderseitigen Mannschaften im Moment der Be-\ngegnung mit Tennis und Hockey vollauf beschäftigt\nwaren; man zog unverrichteter Dinge ab. Die Wut\nder Behörde ist unsäglich, aber die Leidenschaft hat\nschon zu weite Kreise erfaßt. Ein Krieg ist un-\nmöglich gemacht; Bertha Suttner ist vom Hansa-\nbund ein Rollschuh am blauen Bande verliehen\nworden. Wenn sie sich noch den anderen kauft\nund Rollschuh läuft, wird jeder Krieg im Keim er-\nstickt, weil ganz Europa vor Lachen platzt. Man\nrodelt von Kirchtürmen herunter, die Regierung\nmuß den Konservativen den Buckel rauf und runter\nrutschen; zu derselben Handlung suchen die Sozial-\ndemokraten die bürgerlichen Parteien zu bewegen.\nMan tanzt Plattschuh in den öffentlichen Land-\ntagen auf Verfassungsgarantieen und Gesetzes-\nparagraphen: Bethmann-Hollweg, der garnichts\nkann, dünkt sich ein Philosoph. Gebe Gott, daß\ndieser Spielleidenschaft bald Einhalt geboten wird.\nDenn es könnte geschehen, daß die goldene Göttin\nüberdrüssig des Stehens von der Siegessäule her-\nunterstiege, auf der Quadriga des branüeiiburger\nTores nach Potsdam rasselte und im Garten von\nSanssouci mit den heidnischen Stein-Nymphen ein\nMenuett aufführte, derart, daß die Schloßfenster vor\nHeiterkeit aufspringen, einlassend die Luft des\ngroßen Fritz, welcher auch die Großen mit seinem\nKrückstock zu ducken wagte und sich getraute. —"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.3", "titre_corps": "Die Forum-Szene", "titre_sommaire": "Die Forum-Szene", "signature_source": "Karl Kraus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.1", "debut_caractere": 5039, "fin_caractere_exclue": 8972, "texte": "Die Forum-Szene\nVon Karl Kraus\nNach einer Satire, die in dem Buche von Karl Kraus „Die\nchinesische Mauer\" (Verlag Albert Langen) enthalten sein wird\nMark Anton spricht in einem Stil, der deutschen\nHörern bekannter sein dürfte, als den römischen. Es\nscheint sich, soweit man den Sinn der Rede versteht,\num Vorfälle in der Umgebung Cäsars zu handeln, die\nan die Affäre Eulenburg erinnern, und durch die es an\nden Tag gekommen ist, dass sie alle, alle normwidrig\nsind. Anklänge an den Text Shakespeares fallen manch-\nmal recht prosaisch in die feierliche Sprache dieses Mark\nAnton ein.\n„Mitbürger! Freunde! Nachfahren der im\nTiberbezirk von der Wölfin Gesäugten! hört mich\nan: Cäsarn in die Grube zu senken, nicht mit blin-\nkender Rede ihm seines Wirkens bleibende Spur\nzu zeichnen, bin ich vor euch, die der Volkheit\nWollen eint, getreten. Was Menschen Uebles tun,\nträgt ins Gedenken noch die Viruskraft, wenn mit\ndem längst verdorrten Leib frommen Handelns\nErinnerung die Scholle fühllos deckt. (Fühllos?\nDie im Frühlenz erneute läßt menschlicher Kurz-\nsicht den mit leiser Tröstung sänftigenden Kinder-\nglauben der Wiederkehr.) So sei es auch mit\nCäsarn! Der edle Brutus hat euch, da er mit\nflinkem Finger den Schwichtigunggrund erraffte,\ngesagt, daß Herrschsucht ihm, der gleißende\nWurm, am Ziel noch ungesättigt aus dem Auge\nsah. Wenn dies erweislich wahr ist, kein Rüge-\nwort könnte den sichtbaren Fehl so schmerzend\ntreffen, wie ers trotz einem Tag vor Tag an die\nres publica gebundenen Daseinsinhalt verdiente.\nUnd das grause Ende, das diesem Leben ein\nGrüppchen der vom Volk Abgeordneten bereitet\nhat, würde auch den im politischen Handlungdrang\nnoch nicht völlig gewirrten Sinn ein von Dike\nselbst befohlnes Werk dünken. Hier, mit des\nCajus Titus Aemilius Marcus Brutus Willen und\nder Andern (denn Brutus ist, soweit das Urteil der\nim Geltungbereich der Sitte Wohnenden zum\nAnsehn hilft, ein der Ehren, die in der Siebenhügel-\nstadt auch geringem Könnern heut die Stirn be-\nglänzen, werter Mann; und neben ihm, mit ihm,\nsind alle, die gleiches Hoffen bindet, gleicher Er-\nfüllung wert) \"\nZwischenrufe: „Das Testament! Das Testa-\nment!\" werden schon an dieser Stelle laut. In dem\nlosbrechenden Lärm versucht Redner vergebens\nsich unverständlich zu machen. Man merkt nur,\nwie er sich um die kürzeste Bezeichnung der Stadt\nRom herumdrückt, und hört eine Geschichte von\nder dem Hirtengott bereiteten Wolfsfeier, worun-\nter das schon bekannte Lupercusfest verstanden\nsein will. Endlich verschafft er sich Ruhe, nennt\nCassius einen stillen Mächler und behauptet, daß\ndas Plänchen zur Beseitigung Cäsars von Män-\nnern geschmiedet sei, die diesen Namen nicht ver-\ndienten, weil ihnen ein kränkliches Wesen eigne,\nund die politisch gefährlich seien, weil sie, denen\nder Willenskanal doch nicht völlig verstopft sei,\nauf ihren warmen Plätzchen flink ein Weltrühm-\nchen haschen möchten. Da diese Anspielungen\nniemand versteht, halten alle den Redner für den\nRetter des Vaterlands und ahnen nicht, daß eine\nenttäuschte Frau hinter ihm steht, eine von jenen,\ndie in der Politik schon einmal ohne Dank sich be-\ntätigt haben, als sie nämlich das Kapitol retteten.\nDarum entschließt sich Mark Anton zu einer deut-\nlicheren Sprache. Von einem der römischen Feld-\nherren werde offiziell zugegeben, er habe seinen\nBurschen Lucius „unzüchtig berührt\". Solch be-\nschönigender Darstellung gegenüber hält er es für\nseine Pflicht, nicht nur anzudeuten, sondern „aus-\nzusprechen, was ist\", und ruft: „Nur berührt? Er hat\nihn geküßt und versucht, ihm den Chiton herunter-\nzureißen!\" . . . Das Volk von Rom merkt jetzt, daß\nman es hier mit einem Willensmenschen von säku-\nlarer Größe zu tun habe, der aus eigenem Antrieb\ndie ganze Arbeit zu leisten imstande ist, für die ein\nDutzend Staatsanwälte bezahlt werden müssen\nRedner kandidiert schliesslich auf das politische\nProgramm: „Nun wirk' es fort, Unheil, du bist im\nZuge, nimm welchen Lauf du willst!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "66", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.4", "titre_corps": "E. T. A. Hoffmann", "titre_sommaire": "E. T. A. Hoffmann", "signature_source": "Rudolf Kurtz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8378, "texte": "E. T. A. Hoffmann\nVon Rudolf Kurtz\nDie Kunstmetaphysik projiziert sich auf ein\nwillfähriges Temperament, das mit ungewöhnlicher\nLeichtigkeit Stoffliches findet und die Anekdote mit\nsicherer Virtuosität zu erzählen weiß. Hoffmann\nschrieb gern und leicht. Aber die wirklichen Kunst-\nwerke entstanden unter der hypnotischen Kraft\neines nicht zu ertragenden Schmerzes, sind empor-\ngewirbelt aus Rausch und Qual, Traum und Tod,\nleuchtende Formen, von hämischer Selbstverach-\ntung verzerrt. Es verlangt Weltfremde oder große\nSchamlosigkeit, einen Zarathustra zu schreiben:\nund Hoffmann hatte immer einen Beruf. Das Zeit-\ngemäße in ihm zwang ihn in die Atmosphäre der\nGeheimräte und Aktuare, er hatte den schlechten\nUmgang des Schriftstellers, der in seinem Milieu\neingeschlossen ist. Ihre Schwächen erfaßt sein\nBlick am sichersten. Es gibt keine schärferen Por-\nträts des Salonverkehrs als die Novellen Hoff-\nmanns. Er sah weit genug, um moralische Wer-\ntungen zu vermeiden: er sagt nicht gut und böse,\nsondern gute und schlechte Musikanten. Der farb-\nlose Bürger ist ihm fremd; er vergröbert, er sieht\nihn unter der Optik des Exzentriks. Diese absolu-\nten Kontrastierungen vei mindern den Fonds seiner\nTypen; eigentlich sind es nur zwei: Anseimus, der\nnaive Künstler, und Julia, „die Liebe des Künstlers\".\nIn diesen Situationen fühlte er sich stets: als Ansel-\nmus unter den Philistern und zur Julia wurde ihm\njede Geliebte. Er erlebte sie wie ein Kunstwerk:\nin den Tagebüchern sind tolle Sprünge, Stimmun-\ngen sinken in hohen Wellenbergen, schwanken in\ngroßen Kurven, die entlegensten Punkte der Seele\nberührend. Die Stunde der Verzweiflung zersplit-\ntert in helle Ironieen, die plötzliche Trauer ablöst.\nAnsätze zu hohen Begeisterungen, die in zucken-\nden Mundwinkeln untergehen. Die einzige Rettung\nist die Musik. Er notiert die seltsamen Stunden vor\ndem Schaffen, vor dem Träumen, wo die Erschei-\nnungen in unmeßbarem Tempo sich in Landschaf-\nten umsetzen und wieder in ein magisches concert\nspirituel.\nIn diesem Chaos fabelhafter Korrespondenzen\nvertiefen sich die Gesichte; ein kleines Fräulein\nMarc aus Bamberg wird Julia, wird Donna Anna,\ndieser Traum aus Musik und Vision, wird Aurelia,\ndie Gnadenvolle, die den verlorenen Mönch mit\nihrer reinen Liebe rettet, wird Julia und Hedwiga,\ndie Schmerzensreiche, unsere liebe Frau mit den\nsieben Schwertern: Sancta Caecilia in Glorien\nschwebend über den Passionsweg des kleinen\nRats. Sie allein wecken die Kunst im Menschen,\nund der Künstler ist der Sieger im Leben; wer\nphantasielos genug ist, in jedem Symbol die Alle-\ngorie zu suchen, wird diesen Triumph des Musikers\nleicht aus seinen Worten herauslesen: in einem sei-\nner feinsten und programmatischsten Bücher, Klein\nZaches, ist es eindeutig gesagt, daß die transzen-\ndentale Erkenntnis nur ein Surrogat ist, nur die in-\ntuitive, musikalische ist durch keinen Schleier der\nMaja zu täuschen. Das innere Leben erkennt\ntraumhaft; wenn ein Anseimus eine Serpentina\nfindet, so ist die äußere Welt eine Flut von Me-\ntaphern, blüht unter Leuchten und Musik, und in\ndiesem inspirierten Zustande erkennt er das Urbild\nder Dinge. Hoffmann der Künstler überrascht den\nSchriftsteller immer, die geschickt gefundene Anek-\ndote vergeistigt sich unbewußt, und endlich sind\nnur noch ihre Konturen, von einem fremden, musi-\nkalischen Geist gefüllt. Die Kunst war ihm nur als\nSymbol denkbar: so zeigt sich ihm Mozarts Don\nJuan, den er zu dem Typus stilisiert, wie er in un-\nserer Anschauung lebt. Die Vergeistigung der\nSinnlichkeit fordert der Künstler von seinen Men-\nschen. Anseimus heiratet die schöne, aber ma-\nterielle Veronica nicht, und Eduard nicht Michae-\nline (in der Brautwahl).\nDas Leben des Künstlers, wie es Hoffmann in\nder Imagination lebte: das war sein tiefstes Erlebnis.\nEs ist vielleicht das Größte an ihm, daß nächst\nGoethe kein Dichter sein Leben so künstlerisch ge-\nlebt hat, sein Werk so kristallisierter Niederschlag\nder inneren Abenteuer ist. Er stellt den eigenen\nSchmerz und die Leiden mit der Unmittelbarkeit\ngroßen Künstlers heraus, und dies adelt sein Werk\nüber die Zeiten. Und weil ihn die Welt mit ihren\nFremdheiten beunruhigte, rang er mit dem Grauen\ndes Ekstatikers. Seine Menschen kämpften in\nhohen Spannungen der Lebensangst: alle Dinge er-\nstarrten in den farblosen Grimassen des Entsetzens,\ndie Seele taucht von inneren Schauern zu tieferen\nGefahren, Visionen gebärden sich wie Philister, und\nPhilister haben die Gebärde schattenhafter Fakire:\ndurch die hohlen Löcher der Masken strahlen immer\nandersfarbige Lichter; der graue Archivarius Lind-\nhorst wird zum leuchtenden Salamanderkönig,\nProsper Alpanus steht im kaiserlichen Mantel des\nMagiers, und Peregrinus Thyß blüht weiß und\nherrlich empor, und dunkelrot blutet sein Rubinherz.\nIn Ekstasen der Angst versinkt das Gefühl der Per-\nsönlichkeit, die Glieder funktionieren automatisch,\ndas Gehirn ist sich seiner tödlichen Angst bewußt,\nund hinter dieser Erkenntnis schielt das träge Auge\ndes Wahnsinns. In diesem Schrecken krümmt sich\nder fanatische Analytiker. Der Schriftsteller sucht\ndie Qual der Nächte in sichere Metapher aufzu-\nfangen, zu verdeutlichen; etwa durch ein Messer,\ndas sich durch Generationen vererbt und immer\nUnheil anrichtet: ein beliebtes Requisit der Schick-\nsalsdramen. Hoffmarm weiß die Atmosphäre sei-\nner Werke so wundervoll abzustimmen, daß Traum\nin Tat und Tat in Traum verrinnt: es ist nie sicher,\nob etwas Wirklichkeit oder Fiebertraum ist. Die\nkleinen Novellen sind technisch unübertrefflich und\nenthalten des Köstlichen mehr als die gesamte\nNachromantik. Psychologische Parforceleistungen\nwie das Fräulein von Scuderi, auf deren buntem\nGrunde die schimmernden Juwelenorgien des Gold-\nschmieds Cardillac kreisen, grauenhafte Landschaf-\nten im Ignaz Denner, Spätherbstabende über dunk-\nlen Fichten und verrufenen Wegen, in denen der\nrote Mantel wie eine Fahne in einsamen Nächten\nsaust, spielen mit großer Gewandtheit auf der\nBühne seiner Leiden. Glänzend komponierte Detail-\ngemälde wie die Brautwahl, Signor Formica, Das\nMajorat: das leuchtet in hellen Farben und fabel-\nhafter Bewegtheit. Dann die Offenbarungen seines\ntiefen Kunstenthusiasmus: Der goldene Topf, Klein\nZaches, die Musikantenstücke. Und die unver-\ngleichliche Brambilla, dieser Traum aus Musik und\nlichten Wolken, der berauschte Karneval der Mathe-\nmatik. Oft vernachlässigt stehen die Elixiere des\nTeufels auf dem Gipfel seines Werkes. Visionen\nim rapiden Tempo durch unglaubliche Landschaf-\nten wirbelnd, Menschen wie fliegende Nebel\nskizziert, Genrestücke von präziser Energie,\nAbende, die Grausen mit Lyrismus mischen, ent-\nsetzliche Kommunionen von Purpur und Nacht.\nUnd sein stärkstes Werk, die Kreislerbiographie,\ndie Ausstellung der lebenden Automaten, der blu-\ntende Mechanismus, Seelen so klar wie bläulicher\nStahl, über den der Mond fährt, blutige Strudel, in\ndenen Menschen wirbeln: dunkle Gewitternächte,\nschwarz von goldenem Stahl durchzuckt und das\ngelassene Dröhnen einer Wetterharfe. Das sollte\nnoch stärker in den „Lichten Stunden eines wahn-\nsinnigen Musikers\" klingen, deren Plan sein ganzes\nLeben begleitet. Ein Buch für Kenner sollte es\nwerden; für alle und keinen, wie der Zarathustra.\nEine Disposition ist erhalten: „Die Liebe des Künst-\nlers — der kühle Augenblick — Klang aus dem Nor-\nden — Klang aus dem Süden — Mystik der Instru-\nmente — musikalisches Helldunkel — Tonarten.\"\nDas ist sein Leben, in Musik umgesetzt. Die\nMenschen entmaterialisieren sich, und die Musik\nist eine bessere Moral als die ungewissen Worte.\nDie Musik ist ohne Maske, und sie ist Kreisler und\nJulia, Medardus und Aurelie. In ihr darf die Scham\ndeutlich werden, die er im Leben „als Hieroglyphe\"\ngeachtet wissen will. Unbewußt erwachen die\nlichten Stunden, ein hingebendes Phantasieren auf\neinem imaginären Flügel. Bis die Sehnsucht in\ntoller Ironie stirbt. Dann sinken die Vorhänge, der\nMusikant unterrichtet, er gehört den andern. Der\nkleine Musikmeister begleitet den Gesang seiner\nJulia, einer hübschen sechzehnjährigen Dame aus\nguter Familie. Der schon gealterte Herr gefällt\nsich in den affektiertesten Posen, folgt ihr mit ge-\nspitztem Munde und verzücktem Augenaufschlag:\nein etwas undeutlicher Ausdruck für eine Inbrunst,\ndie sich im Mittag ihres Glückes fühlt. Mühsam\nwird ein Gelächter unterdrückt.\nEine Neuausgabe der Werke von E. T. A. 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Von ihr geht keine Sage, und doch\nmöchte ein großer wandernder Musikant auch unter\nihren Wipfeln die innige Melodie der Natur haben\nvernehmen können, welche in einer schaffenden\nSeele den Funken der eigenen Musik entfacht.\nVon der Hackinger Allee wird nichts berichtet, und\ndoch war sie sicherlich schon vor einem halben\nJahrhundert längst so stattlich, wie heute und noch\num eins stiller, feierlicher und bedeutender durch\nihre unverwirrte Einsamkeit.\nVielleicht kommt ihr ruhmloses Heldentum\ndaher, daß auch die Erinnerung lieber einen\nstill verharrenden, in sich geschlossenen Raum,\ngleichsam einen dauernden Wohnort aufsucht,\nals eine Straße, auf der man von einem\nfremden Ziele zurückkehrt oder fernerhin nach\neinem erhofften wandert. Man geht wohl gerne\ndurch einen so tiefdunkel schattenden Weg, aber\nläßt, rechts und links und nach vorn ausschauend,\nunwillkürlich die Betrachtung weiterschweifen, so\ndaß der schönste Anblick, kaum aufgenommen, auch\nschon wieder — im Wortsinne — verloren „ge-\ngangen\" ist, wie im Leben so oft die kleinen Freuden\nder Stunde über den erträumten einer weiten Zu-\nkunft oder den schmerzlich wunderbaren einer\nfernen Vergangenheit. Man blickt zumeist auf ein\ngoldenes Morgen- oder Abendrot der Einbildung.\nDer kurze Tag aber, in dessen Lichte wir wandern,\nscheint uns gering unter der gleichen Reihe seiner\nGeschwister, nur ein Durchgang, kein Aufenthalt.\nSo eilen durch diese Allee, die den wallenden\nLärm der Stadt im Rücken, in die ländlichen\nWienerwaldorte führt, tagaus und -ein viele\nMenschen, während sie selbst, das schönste Ziel,\nals solches kaum oder nur von wenigen geachtet\nwird.\nDie „Auhofstraße\" beginnt in Hietzing, zieht in\ngroßem, seichten Bogen an Unter- und Ober-\nst. Veit vorüber, endlich durch das schmale, an den\nHimmelberg gelehnte Qartenörtchen Hacking,\ndessen letzte Häuser am Rande der Tiergarten-\nmauer sozusagen einschlafen und setzt sich nun als\nmächtige Allee noch ein gutes Stück fort bis zu\nihrem Ziel: dem Auhofe.\nDas ist ein sorgfältig gehaltenes großes Jagd-\nhaus, einer der Haupteingänge des Lainzer Tier-\ngartens, halb bürgerlich und bäuerlich, wie ein lieb-\nliches Landanwesen im Weichbild der Stadt, in-\nmitten von schön gepflegten Obstbäumen und Rosen-\nstöcken, überschattet von weiten runden Linden,\nhalb vornehmen Ansehens als ein Schlößchen. Der\nHauptförster des Wildparkes, der es bewohnt, die\nSchar der untergebenen Jäger, Holzknechte, Fuhr-\nleute und Handlanger geben ihm nach der Art ihrer\nBeschäftigung, die sich der Umgebung aufprägt, den\nAnschein einer rüstig betriebenen, schlichten Wirt-\nschaft, der weite, abgeschlossene Tiergarten-\nhintergrund aber, und die reichlichen Verhältnisse\nseiner großräumigen und bis ins Letzte gepflegten\nAnlage, das den kaiserlichen Bauten eigentümliche\nGelb des Anstriches, die zugleich einfachen und an-\nmutigen Formen rücken es wieder in seinen höheren\nRang. Sind doch eben diese bescheiden alther-\ngebrachten, durchaus tüchtigen und auf dauernde\nBrauchbarkeit eingerichteten Jagd- und Land-\nhäuser vielleicht die letzten Zeugen der stilbildenden\nKraft des Absolutismus, während die Gegenwart,\nselbst wenn sie das Alte nachbildet, innerlich un-\nsicher in ihrer Bauweise, ihrer selbst ebensowenig\nfroh wird, wie in manch anderem Belange.\nGleich sicher, fest, verläßlich, würdig und an-\nmutig wie dieses Ziel ist auch der Weg: unsere\nAllee. Nur ein bescheidenes Stück, wenn man\nganz bedächtig geht, vom letzten Hackinger Hause\nbis zum Auhofe vielleicht höchstens eine halbe\nStunde lang, aber welch ein unverhofftes, liebes\nund vertrautes Wunder bei jedem Schritt, in jeder\nStunde, bei jedem Wetter, in jeder Jahreszeit!\nFast täglich wandere ich diesen Weg und staune\ntäglich über seine neuen Schönheiten oder über die\nalten unerschöpflichen. Ist ja jeder Naturanblick\nüberhaupt durchaus unergründlich, wie die Tiefe\ndes gestirnten Himmels, des dunklen Wassers, wie\nder Umriß eines blauen Höhenzuges oder die Form\neines geschlossenen Wipfels, oder auch nur wie die\nunwissende Bewegung eines Tieres oder der helle\nAufflug eines Vogelschwarmes.\nSo erscheint die reizende Vielfältigkeit einer\nGegend gleichsam in den Rahmen dieser Allee ge-\nfaßt, wie der Mensch als Landschaftskünstler gerne\nsolche Versuche und mit Glück unternommen hat,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7347, "texte": "gelegentlich die Menge der Naturdinge scheinbar\neinzuschließen und in einem gesammelten Anblick\ndem Qenusse darzubieten. Aus einem solchen un-\nwillkürlichen Trieb mag auch die Pflanzung dieser\nAllee hervorgegangen sein, denn nicht nur der\nSchatten der hundertjährigen Kastanien und der be-\ndeutende Anblick ihrer Reihe, sondern die, wie aus\neiner grünen Halle gewonnenen Bilder der um-\ngebenden Landschaft machen den Zauber dieser\nStraße aus.\nZu ihrer Linken dehnt sich in einiger, von Rasen\nbesetzter Entfernung die niedrige graue Tiergarten-\nrnauer, über welche man leicht hinausblickt und\ndas eingehegte Gebiet wohl überschaut: eine unbe-\nrührte frische Gegend, voll unbekannter Hügel, von\naltem und jungem Wald bestanden, teilweis ge-\nlichtet, in der Wegmitte sich weit öffnend zu einem\ngrünen sanft abfallenden Wiesenhange, wohin als\nzum gemeinsamen Futterplatze täglich die gehegten\nTiere hinaustreten: Hirsche, Rehe und breite,\ndaherstampfende Wildschweinfamilien. Am Abend\nist der ganze Raum von den zutraulichen Rudeln\nerfüllt und still belebt.\nMan sieht die Tiere unbekümmert, scheinbar\neins vom andern nichts wissend, noch begehrend,\nweiden, folgt allen ihren Bewegungen, wie die Rehe\nbesonnen ausschreiten, zierlich verweilen, den\nschönen Kopf zu Boden senken, wieder spürend er-\nheben, in die klare Luft ausschauen, mit kurzen\nSprüngen enteilen und wiederkehren. Und an\nkühlen, früh dunkelnden Herbstabenden vernimmt\nman nicht ohne einen gewissen Schauer das in-\nbrünstige Röhren der Hirsche, das mächtig durch\ndie Ruhe der Dämmerung hallt: der Notschrei der\nKreatur, die sonst schweigt und duldet, bis einmal\nund nicht für lange Taumel und Glück, Freiheit und\nQual Ihres Daseins sich mächtig entladen.\nZur Rechten der Allee zieht, früher eine wild-\ngewachsene feuchte Au, das sorgfältig geweitete\nund ausgebaute Bett der Wien mit seinen rein-\nlichen Zementanlagen, jenseits führt das Geleise der\nWestbahn brausende Eisenbahnzüge vorbei, deren\nRollen und Stampfen gedämpft herüberdringt, deren\nDampf, nächtliche Lichter und lange Leiber ohne-\nweiters Wundertieren zu gehören scheinen, die\naus der Ferne in die Ferne tauchen und jezuweilen\nihre Pfiffe auch wie Notschreie gejagter Fabelwesen\nhören lassen.\nGegen Westen schließen blaue Höhen das Tal\nab, und in der Abendsonne liegt friedlich und anmut-\nvoll die Kirche von Mariabrunn in einem heiteren,\nbewohnten und lichten Landgebiete.\nBeim Schlendern, das kein Ziel kennt, als die\nAllee selbst, keine Sehnsucht weiter, als den Genuß\ndes Verweilens, sieht man indessen von all den Aus-\nblicken ab und schaut die Halle dieser zusammen-\nschließenden Wipfel hinauf, den gleichmäßigen\ndunklen Säulengang dieser runden breiten Stämme\nentlang und faßt wohl einen einzelnen ins Auge, der\nallein wieder eine ganze Welt für sich ausmacht\nneben all seinen Genossen, kein totes Stück Stein\nin einem gemauerten, sondern ein atmendes Wesen\nin einem gewachsenen Gewölbe. Wahrlich, jeder\ndieser Bäume voll selbstverständlicher Großheit,\nruhigen Selbstgenügens ist eine Welt, oder doch ein\nGleichnis ihrer Fülle, Einfalt, ihres Sinnreichem *\nder Erhabenheit wird. Wie ehrwürdig scheint im\nFrühjahr, in den feuchten, farbigen verheißungs-\nvollen Tagen die Gewalt dieser greisen Formen,\ndie sich zugleich demütig und würdig mit den weiten\nAesten fast bis zur Erde niederbeugen, während die\njungen Säfte in die äußersten Spitzen steigen, die\nbraunwolligen, glänzenden Knospen bis zum\nBersten füllen, die lichten sich auswickelnden\nBlätter mit jubelnder Unzahl, und wie ein mystisches\nGeheimnis ewiger Wiederkunft die fleisch- und\npurpurfarbenen Blütensträuße entwachsen lassen,\nderer jeder selbst einem krönenden Bäumchen\ngleicht, wie er auch Ziel und Zukunft: die dauernde\nUnendlichkeit seines Geschlechts strahlend aus-\ndrückt.\nEin Regentag macht die dienende Weisheit\njedes dieser Bäume offenbar: denn jedes Blatt\nneigt sich hinab und die sieben an einem Stiele bilden\neinen offenen Schirm. Von den obersten Teilen\ndes Wipfels fließt das Wasser gleichsam über viele\nBlattdächer gegen den Umfang der Krone, um erst\nvon deren Rand zu Boden zu tropfen. In einem\nweiten Kreis sammelt es sich um den Stamm und\nsickert mählich unter die Erde, wo die feinen Wür-\nzelchen einen ebenso weiten Umkreis mit ihrem\nGeflecht beschreiben, das vom Wasser ernährt,\nEmpfangenes in Saft und Gestalt verwandelt und\nan das Licht emportreibt. Und dieses Baum-\ngeschöpf ist wieder Herberge allerhand Getiers,\nseine gefleckten Blüten sind von Bienen und Hum-\nmeln umschwärmt, die hineintauchen und Gewinn\nsuchend wieder Gewinn bringen: Die Befruchtung\nund damit die Erhaltung und Erneuerung. So dient\nein Leben dem anderen, und eines Daseins Glück ist\nDienstbarkeit einem höheren Ganzen gegenüber.\nAn einem solchen Baume wird das Auf- und Nieder-\nsteigen alles elementaren Daseins, aller unwill-\nkürlichen Ordnung sichtbar: eine Himmelsleiter\nvom braunen Erdboden zur blauen Luft, vom ab-\nfließenden Regentropfen zum aufsteigenden Saft-\nstrom, und man begreift wohl, daß die Völker in\nihren Urzeiten, wo sie selber in Wäldern und an\nStrömen wild wuchsen, in einem Urbaume das\nGleichnis der lebendigen Welt erblickten, die\nzwischen Wurzel und Krone in aller Vielgestalt und\nMöglichkeit beschlossen schien.\nDurch diese rauschende Säulenhalle geht nun der\nStrom des täglichen Lebens, selbst in so unmittel-\nbarer Beziehung zu diesen Bäumen, wie Luft.\nVögel, Bienen, Regen und Wind: schön gebaute\nWagen, knatternde Automobile, wandernde Fuß-\ngänger, junge Frauen mit ihren Kindern, die im\nSchatten spielen, alte Männer mit grauen Haaren\nund sachtem Gang — die Säulenhallen sind eben\nden Greisen am willkommensten, sie genießen den\ngegebenen Tag als freundliches Geschenk — und\nabends natürlich Liebende.\nImmer suchen zwei Wesen den Schatten, darin\nein kurzes Glück, eine ganze Sehnsucht, ein volles\nHerz zu bergen, denn das Gefühl, das zwei Ge-\nschöpfe über sich selbst hinaus zum überwallenden\nTriebe der Gattung hebt, begehrt mit jener ur-\nsprünglichen Keuschheit, die der schaffenden Natur\neigen ist: das Dunkel, die Stille und die Einsamkeit\nals Schutz.\nSo antwortet das leise Flüstern und glückliche\nLachen der Liebenden dem Summen der Bienen in\nden Aesten und dem lauteren Rauschen der Blätter;\nunter einem grünen Dache ist so der ganze Um-\nkreis des waltenden und zugleich dienenden, des\nselbstsüchtigen, eigenwilligen und doch von einer\ngrößeren Gesamtheit ganz umfaßten Daseins ge-\nschlossen. Indem man in die Weite durchblickt,\nweilt man in scheinbar begrenztem Räume in einer\npurpurnen Unendlichkeit, man glaubt in einem\nDurchgang zu stehen, dessen Anfang und Ende erst\ndas Ziel zeigt, indessen ist er es selbst, nicht der\nMorgen und Abend, nicht das Kommende, sondern\ndas allgegenwärtige, sonnbeglänzte, grünschattende\nDasein jedes wandernden Tages ist unser aller Auf-\nenthalt und Ziel. Ueber den Bäumen gehen die\nleichten und schweren Wolken, die Farben des\nwechselnden Himmels vorüber, die dunkelblaue\nNacht schlägt ihre golddurchblitzten Flügel auf und\nruht, und der volle Mond fällt und steigt wie ein\nsilberner Taler durch die Zweige. Ein verlorner\nVogelruf ängstet durch die Stille, drüben braust ein\nZug vorbei, die Schritte eines späten Fußgängers\nhallen nach. Wo sind unsere Ziele! Wohl uns, wenn\nunser aller Wanderschaft zeitlebens so schön, so\nruhevoll ginge und sanft in den vertrauten Schatten\ntauchte!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "67", "page_fin": "69", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.6", "titre_corps": "Fünftes Gespräch : Die Fischpredigt / Von der Tonleiter : Ueber die Musik", "titre_sommaire": "Fünftes Gespräch : Die Fischpredigt / Von der Tonleiter : Ueber die Musik", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.3", "debut_caractere": 7349, "fin_caractere_exclue": 12641, "texte": "Gespräche mit Kalypso\nFünftes Gespräch : Die Fischpredigt / Von der\nTonleiter\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\n\n(Der Musiker am Strande, allein. Es ist morgens.)\nIch weiß nicht, was sie jetzt schaffen mag, ob sie\nbetet, singt, oder im Arm eines ihrer sonderbaren\nFreunde liegt. Sie ist zwar göttlich, aber sie ist\nein Weib, und ich — ich fange an, alles Mensch-\nliche von mir abzulegen; die Unsterbliche färbt\nauf mich ab. Ich bebe nicht, doch ich singe, pfeife\nund liege, wenn ich mag, im Sand. Ich spiele ihren\nHofnarren und Verlustierer. Was nützt auch das\nGreinen! Ich stelle mich sacht und fest auf meine\nzwei Beine und erwarte, wie ein alter Mann, das\nEnde.\nLieben Fische, seid gut zu mir, laßt uns die letzte Zeit\nmit einander vertreiben. Ein neuer, sehr unheiliger\nAntonius, will ich Euch predigen. Ihr seid taub\nund stumm; herzlich gewogen bin ich Euch. Ihr\nseid ja Fleisch von meinem Fleisch, Blut von mei-\nnem Blut, denn Ihr habt meine Freunde gefressen.\nIch weiß, Ihr liebt mich nicht, weil ich Euch ent-\ngangen bin, und war doch so schmackhaft, wie\nKalypso findet. Nun, ich will mir Eure Liebe er-\nwerben, indem ich zu Euch rede, von Dingen, die\nEuer Innerstes treffen; zu Euren Fischherzen rede\nich von dem Zusammenhang der Töne. Ihr seid\ntaub und stumm; Euch sage ich etwas Neues, Be-\nfremdliches, innig Rührendes.\nEin Ton, seht, das ist vieles auf einmal. Ich will\nEuch nicht sagen, wie er zu den Dingen steht, —\ndenn das weiß nur Kalypso. Aber er ist eine be-\nstimmte Höhe, eine bestimmte Stärke, von einem\nbestimmten Stoffklang, von einer bestimmten\nLänge. Vielleicht weiß einer unter Euch noch\netwas. Ihr mögt mich unterbrechen, denn ich er-\ntrage ruhig jeden Widerspruch von Euch, meine\nFreunde und Totengräber. Was eine bestimmte\nLänge, eine bestimmte Stärke ist, wißt Ihr. Ich\nkann Euch aber nicht sagen, was eine Höhe und\nStoffklang ist — und so habt Ihr zu staunen.\n„Was ist blau\"? — Und solch Unbeschreibliches\nsind auch die Töne. Da sperrt Ihr die Mäuler auf;\nja lauscht meiner Märe, werft Eure Beschränkt-\nheit von Euch, geht in Euch! Ach, in Euch, da\nruhen meine Freunde; grüßt sie auch herzlich,\nwenn Ihr sie trefft.\nDies melde ich von einem Ton; ganz anders steht\nes mit zweien und vielen. Ein Ton, ein Pfiff hängt\neinen Augenblick lang in der Luft, stürzt im Mo-\nment haltlos, wie getroffen zur Erde. Doch sind\nviele, so beginnt der Reigen der Töne, und wie der\nTon aufhört, hebt schon der nächste an, folgt der\ndritte, und so drängen sie sich und schlüpfen eng\nbeieinander, daß des Steigens und Sinkens kein\nEnde ist, und ein Strömen entsteht, ein sicheres\nFliegen. Was bindet die Töne an einander, die vie-\nlen Töne, wie kommen sie zusammen? Denn sie\nfolgen nicht fremd aufeinander, sonst würde jeder,\nwie der einzelne, ohne Halt leblos zur Erde stürzen.\nIch frage nach der Ordnung und Fesselung der\nTöne, die den Namen Musik führt. Wenn ich davon\nsprach, wie lebensnah dieses tönende Ab und Auf\nsei, wie es sich fast gebärde als Auftakt der Schöp-\nfung, so stelle ich die bestimmte Frage, die Vor-\nfrage: was reiht die Töne aneinander? Wie werden\nTöne zu Musik? —\nEs gibt Bilder und Vorbilder des Zusammen-\nhanges in der Zeit. Das Leben selbst tritt macht-\nvoll hervor. Die Zeit, die Bewegung, das Werden\nkommt nicht von außen zu den Dingen hinzu; kein\nPunkt im Dasein, keine Gegenwart läßt sich ver-\neinzeln. Die Gegenwart ist unvollständig, die\nDinge sind lebendig. Das Wirken und Verursachen\ndrängt niemand den Dingen auf. Es ist die Wirk-\nsamkeit und Ursächlichkeit dem Wesen der Dinge\nso wenig fremd, daß das Wesen sich vielmehr erst\nim Ablauf erweist, die Beziehungen es bestimmen.\nDarum darf ich jener Lehre lachen, die von der Un-\nfreiheit in der Welt, von Zwang und Notwendig-\nkeit spricht. Das Wesen bestimmt sich in den\nzeitlichen Beziehungen, in Ursachen und Wir-\nkungen, wird nicht bestimmt. Niemand tut uns\nGewalt an; von Ewigkeit her sind wir davor ge-\nschützt. Nichts kann uns geschehen. Wie soll\nich trennen: Leiden und Tun? Schnellzüngige\nmeinen, eins zwinge das andere, töte es, be-\nreichere sich. Ich habe schon viele Menschen,\nTiere und Pflanzen welken sehn; aber war ihr\nVergehen etwas anderes als eine Lebensweise?\nDer Tod ist eine Lebensäußerung, nicht unterschie-\nden von jeder früheren, von Essen, Springen,\nLachen. Ich leide Tod? Ich tue Tod. Aber diese\nWorte haben Schnellzüngige erfunden. Es gibt nur\nein Geschehen. Keins greift in die Sphäre des an-\ndern störend ein; nichts ist, jedes erweist sich\nerst. Sie laufen alle glatt wie geölte Scheiben\nnebeneinander. Das „Größte\" und „Kleinste\" ist\ngleich. Keine Sklaven leben und keine Herren. Es\ngibt keine Macht über das Andere, und deshalb gibt\nes keinen Kampf in der Welt und keinen Frieden.\nDenn wie soll Kampf und Frieden sein, zwischen\ndem, was sich nie berührt; die Welt ist nicht auf-\nzuhalten, sie ist nicht fertig, immer unwirklich; sie\nwächst. Während ich hier stehe, lodert die Welt,\neine grelle Brandfackel, durch alle Räume. —\nJedem zeitlichen Zusammenhang dient das\nLeben zum Vorbild. Doch wenn in der Welt die\nDinge sich selbst lebendig entwickeln, so nicht die\nTöne in der Musik. Der Ton ist fertig, rund, glatt,\naufzuhalten; er klingt auf, vergeht, und ist spurlos\nverschwunden; er ist satt, eine4eblose Masse, weist\nnicht hin auf Vergangenheit noch Zukunft, hat"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 13210, "texte": "weder Eltern noch Kinder. Der Ton ist ein Atom.\nDie Aufgabe, mit der sich Weise quälen, wie\naus gleichartigen ruhenden Atomen die bunt-\nscheckige, rastlose Welt sich bilde, erwächst\ndarum dem Schöpfer der Tonwelt. Ist der Ton\nverklungen, so hat er ausgelebt, spurlos: die\nMusik muß den Tod des Tones aufheben, um zu\nsein; der Spur des Lebens folgend, muß sie ihn mit\nWirksamkeit und Ursächlichkeit ausstatten, ihn\nseiner Einsamkeit entreißen.\n— Etwas Seltsames, höchst Erstaunliches be-\ngiebt sich hier; denn im Ton ist, wie mich Kalypso\nlehrte, das Zueinander der Dinge leibhaftig ge-\nworden; der Ton stellt selber Lebendigkeit dar;\ndarum eben unterliegt er nicht mehr den Ursachen\nund Wirkungen, darum hebt er keine Lasten, dreht\nkeine Mühlenräder. Und so begibt sich das Er-\nstaunliche, nun Begreifliche, daß er, der Träger\nder Beziehlichkeit und des Lebens, tot erscheint,\nweil kraftlos und kein Packträger. Die Musik\nmuß aber, will sie ihn lebendig machen, ganz miß-\nverstehen, zurückbilden, unter die Dinge stoßen! —\nAuf dem Zwang zu diesem Mißverständnis wächst\ndie Musik. Es gilt, die Unvollständigkeit des gegen-\nwärtigen Tones zu erzeugen. Echte Unvoll-\nständigkeit, nämlich das Wesen entwickelnde,\nbleibt dem Ton versagt, dem fertigen, runden,\nglatten. Die falsche Unvollständigkeit preist das\nVolk überall; sie tritt auf in der Ursache, als in einer\nwirklichen Sache, welche wesensfremd, das andere\nDing von außen stößt und bewegt; „Ursache\":\nDas ist schon „erste Sache\".\nWie nun kann ein Ton gleich einem Ding\nmit solcher äußeren Ursächlichkeit ausgestattet\nwerden? Ich will mir solchen Versuch er-\ndenken. Es „bewegt\" der Ton, der die andern\nlibertöttt und beendet: dies erweckt nämlich den\nAnschein, als hätte er sie zum Schweigen gebracht,\nzum Schweigen bewegt. Ein Nach-Bild, ein\nSchein des Zusammenhangs muß geschaffen\nwerden. Denn da die echte Unvollständigkeit den\nTönen versagt ist, kann Musik nur menschen-\nherrlich sein. Und der Zusammenhang der Töne\nbestimmt sich nicht als Schöpfung und Zeugung,\nsondern als Satzung und Ordnung. Dies ist nun\neins und sehr wichtig: die Uebertragung der Schein-\nGesetze der Wirklichkeit auf die Töne, — der Ver-\nsuch einer wirklichen Nachschöpfung zum Zweck der\nKunst. Es findet hier kein blindes freies Spielen\nmit den Tönen statt, sondern man schafft sorgsam,\nstreng und ernst; man sucht den Tönen dasselbe\neigentümliche Leben einzuflößen wie den wirk-\nlichen Dingen. Man lauscht ängstlich: gelingt es\noder gelingt es nicht? Man erwartet schon glück-\nvoll die Geburt der Musik. Der Tonschöpfer setzt\neinen Ton und nennt ihn Herrscherton, Grundton.\nDer ist bewegend, selbst unbewegt. Neben dem\nmächtigen Ton ist dann für einen Andern kein\nPlatz. — Denn eben in der Unduldsamkeit, etwa\nder Länge, der Stärke, der Höhe, zeigt er seine\nWürde und den Anspruch seiner Macht — es sei\ndenn, der andere nehme seinen Willen an. Dies\nheißt: er ende oder er werde ihm gleich. Der\nHerrscherton hat ein großes Maul; Kunst übt, wer\nsich von ihm verschlingen läßt. Die Unverträglich-\nkeit und Ueberwertigkeit des Grundtons zwingt\njeden Nebenton zum Enden, oder was dasselbe ist,\nzu einem zweiten, der die Unterwerfung des\nSklaventons anzeigt, sofern er dem Machtton nicht\nschon von vornherein glich. So erzeugt er den\ndritten Ton; der Grundton bildet das Ende der\nTonbewegung, die er so verursacht hat, selbst un-\nbeweglich. Dies ist der Grundriß einer Musik, die\neinfachste Bestimmung der Musik, als einer ton-\nerzeugenden, tonverschlingenden Mascnine.\nNiemand kann König sein, ohne Land; die Unter-\nwerfung des Nebentons setzt das Vorhandensein\neines Nebentons voraus. Es müssen unabhängig\nvon dem Grundton Töne fließen, fremdwillig, den\nMusikstoff zu bilden. Jene andern Töne, die der\nHerrscherton beherrscht, treten, wie er selbst, aus\nder Freude hervor. Wenn nun diese fremdwillige\nReihe der Töne einsetzt, so muß ich mich ent-\nschließen, einen Herrscher zu ernennen, damit\ndas tönende Auf und Ab schwinde, damit die Reihe\naufhöre, und die Ordnung, der Zusammenhang, die\nMusik entstünde. Mit jenem, sehr lauten, oder sehr\nlangen Königston muß ich mich in den Kampf\nstürzen, ihn festhalten und schützen gegen alle An-\ngriffe. Fällt er, so schwankt der Boden, und das\nChaos bricht herein! „Halt, halt!\" muß ich über\ndie Reihe rufen. Mit einer Meute hetzt der stark-\nknochige Jäger sein Wild und macht das Feld frei.\nStatt eines Bewegers und Belebers ist er Beender\nund Mörder. Der Grundton herrscht nicht über die\nTöne, sondern erdrückt sie; folgen fremdwillig viele\nunterschiedene Töne aufeinander, so herrscht letzt-\nlich diese wirre Reihe, und Grundton heißt das\nEnde der Reihe, das er erzwingt durch seine Stärke\nund Dauer. Er nützt seine Macht von Menschen\nGnaden schlecht, wenn er sich nicht selbst an den\nfliehenden Tönen mißt, sie angreift, sich ihrer be-\ndient und sie sich unterordnet. So wäre nur wenig\ngeschehen mit der Ueberwertung eines einzigen\nTones, um das Chaos zu beenden, und aus Tönen\nMusik zu machen.\nEs gilt die Unvollständigkeit des gegen-\nwärtigen Tones zu erzeugen: dieser Satz steht\nüber allen, die einen Zusammenhang forden,; 1e\nWelt ist nicht aufzuhalten; sie ist nicht fertig,\nimmer unwirklich, sie wächst. Während ich hier\nstehe, lodert die Welt, eine grelle Brandfackel,\ndurch alle Räume. So wenig sich der innere Zu-\nsammenhang in Tönen geben läßt, läßt sich\nder äußerliche, scheinbare der Ursächlichkeit\nnachbilden. Die Fähigkeit jedes Fortschrittes, jede\nStoßfähigkeit und Schwerkraft, ist den Tönen ver-\nsagt; die Töne hier, von einem fremden Willen ge-\nreiht, gelangen bisher nachbildend zu keiner Ord-\nnung. Wir steigen vom Himmel zur Erde.\nDer Königston, der Grundton stellte an die\nTöne den runden, klaren Anspruch, ihm gleich\nzu werden, und dies war die einzige Handlung, in\nder sich der Wille zur Musik erklären konnte: der\nGrundton konnte nur enden. Die große Fülle der\nanderen Töne trat dem Königston gegenüber, nur\nals andere, schwächere Töne. In der Machtlosig-\nkeit auf den einzelnen Ton einzugehen, ihre Ver-\nschiedenheit zu erfassen und sie nach ihrer Ver-\nschiedenheit verschieden zu bewegen, lag die töt-\nliche Schwäche des Ursachentons. Herrschen nun\nmuß ein Ton, denn nur in der Echtheit liegt Ord-\nnung und Zusammenhang. Aber damit Musik ent-\nstehe, die sich im Tonverbinden, nicht im Beenden,\nerweist, muß der Herrscherton dem unter-\nschiedenen Reichtum und der Mannigfaltigkeit der\nTöne gerecht werden, sich den Tönen nähern.\nMacht darf dann nicht allein der Königston be-\nsitzen, sondern es muß Stärke auch den anderen\nin unterschiedener Größe innewohnen, damit sie\nsich ihm vergleichen können. Ein Adelsgeschlecht\nmuß geschaffen werden. Wenn aber von\nHerrschen und Stärke die Rede geht, so gilt es\nwohl zu bedenken, daß niemand stark heißen kann\nin sich, sondern nur gegen anderes, weil sich\nStärke in den Leistungen beweist und danach\nbemißt. Die unterschiedene Kraftgröße der ver-\nschiedenen Töne wird musikalisch nur darum ge-\nfordert, weil die Töne sich vergleichen sollen, damit\nso eine Herrschaft, das ist Zusammenhang, ent-\nstehen möge. Gefordert wird hier die Kraft über-\nhaupt nur um des Kraftverhältnisses willen, ge-\nfordert wird das Kraftverhältnis. Zusammenhang\nsoll geschaffen werden; nicht also kann er schon\ndadurch erreicht werden, daß den einzelnen Tönen\nverschiedener Wert verliehen wird. Der Zu-\nsammenhang der Töne liegt ganz in der Bewegung\neines auf den andern; der einzelne Ton hat nur\nSinn als Träger und Uebermittler einer Bewegung.\nDie Frage: „wie läßt sich die Beziehung der Töne\nregeln?\" verdichtet sich jetzt zu der: „welches\nMaß läßt sich für die Bewegungsgröße finden?\"\nUm die Bewegungsgröße von Tönen zu messen,\nbedarf es eines Tonmaßes, denn die Töne kann man\nso wenig mit der Elle messen, wie eine Dichtung\nmit dem Steingewicht. Es gibt nun wohl ein festes\nMaß, um genau das Beziehungsverhältnis der Töne\nvon einander zu bestimmen, das Verhältnis der sie\nerzeugenden Schwingungen; doch ist dies kein\nMaß der Töne, sondern eben der Schwingungen.\nIch weiß also, wenn ich frage: „wie ordnet man\ndie Töne hintereinander, wie mißt man ihre Be-\nwegungsgröße?\", daß daran alles Messen im\nTönenden seine Grenze findet, daß nur das Greif-\nbare, Sichtbare sich willig der Zahl unterwirft. Es\nkann nur Spielerei bedeuten, sagt man, dieser Ton-\nfortschritt klinge wie 1:1 oder 1:2. Es gibt kein\nTonmaß.\nDie Weisen und Durchforscher der Natur\nhaben ihre Stimme erhoben und vermeint, es gäbe\nein solches Maß der Bewegungsgröße, man brauche\nes nicht schaffen, sondern nur finden, — in der\nNatur; eben dass Maß sei die Zahl der Bewegungs-\ngröße des tonerzeugenden Stoffes. Sie reden\ndavon, daß jeder Ton „entstehe\" durch eine Anzahl\nvon Schwingungen des Stoffes, daß derjenige Ton\neinem andern nahestände, der doppelt so viel\nschwinge, als der andere, näher als einer, der drei-\nmal so oft schwinge, und so ähnlich weiter. Je\neinfacher das Verhältnis ihrer Schwingungszahlen\nsei, um so näher ständen sich die Töne an musi-\nkalischem Werte. Ich weiß, der Ton ist ein\nanderes, das harte Ding und die Schwingung ein\nanderes, — doch sind sie verbunden: es sind die\nDinge, die tönen. Und wunderbar erscheint mir\ndarum, daß doppelt so rasche Dingbewegung einen\nTon erzeugt, der dem aus einfacher Schwingung\nähnlicher klingt, als dem aus dreifacher und fünf-\nfacher. Auf dfe Innigkeit der Verbindung von Ton\nund Ding deutet weniges so scharf, wie die alte\nBemerkung: je einfacher die Beziehung der\nSchwingungszahlen, um so übereinstimmender die\nTöne. Doch ist solche Beziehung von Ton und\nDing weit entfernt, die Musik zu einer Kunst des\nunbewußten Zählens zu erniedrigen.\nDie Einfachheit und Uebereinstimmung ist\nschon keine Tatsache, sondern ein menschliches\nUrteil; es ist keine Tatsache, daß 1:1 einfacher ist\nals 1:2. Ob Töne nahe beieinander stehen oder\nübereinstimmen, sich ähneln, liegt nicht an den\nTönen selbst, sondern am Menschen, der sie hört\nund vergleicht. Wenn ich so spreche, und meine,\ndies liege nicht an den Tönen, so muß ich jetzt noch\nklarer unterscheiden. In dem, was vorhanden ist,\ngegeben ist, was sich darbietet als Weltablauf,\nliegt etwas wie eine Aufforderung, jn ein Zwang zu\nurteilen, es sei so gegeben und nicht anders ge-\ngeben. Das Dargebotene verlangt Anerkennung.\nEin Blatt fällt vom Wind gestoßen vom Baume;\ndas geschieht ohne mich; ich erleide gleichsam\nden Anblick. In sich gezogen grübelt ja das Ge-\ngebene, läßt sich nicht gern am Aermel streifen,\nblickt nur scheu von der Seite den Vorüber-\ngehenden an, der es auf dem Stein am Wege sitzen\nsieht. So scheu blickt mich das Gegebene an,\nwenn ein Blatt vom Aste flattert. Doch freilich:\nich bin es, der dies erleidet, an dem dies geschieht.\nDies ist zwar in gewissem Hinblick Leiden, aber\neine Beziehungsweise zu mir; von mir auch; gehört\nauch zu meiner Bestimmtheit; ich bin im Fallen des\nLaubes: Blick um Blick. — Solches drückt die An-\nerkennung aus. Wenn ich auch deren, die die Welt\nan den Menschen binden, nicht beistimmen kann,\n— sie machen die Welt so zur Lüge — so gebe ich\ndoch dies zu: die Welt wird mir nur zugänglich in\nder Weise der Anerkennung. Sie bedarf eines\nWeges, auf dem sie zu mir schreitet; wenn ich von\nihr spreche, so darf ich nicht vergessen, daß ich es\nbin, der von ihr spricht, das ist: einer, der über den\nandern redet; ich ergehe mich in Urteilen über sie.\nSolche Beziehungs- und Urteilsweise, doch jene\nder Anerkennung spricht in dem Satze: Das Blatt\nflattert vom Baum, dieser Ton klingt so hoch, so\nlang, so laut, jener so hoch, so lang, so laut. Wenn\nich nun aber sage, ein Ton sei so oder so hoch, so\nhabe ich damit noch nicht gesagt, dieser Ton sei\nhöher als jener, diese Bewegungsgröße ähnele jener.\nDer Ton steht da für sich in seiner Bestimmtheit;\nnichts in ihm weist auf die Umgebung und über ihn\nhinaus; was an ihm vorhanden ist, was er ist, ist\neben die Bestimmtheit, die rund, gewölbt auf eignen\nPfeilern ruht. Ich höre ihn wohl anders als den\nandern, doch ist er nicht anders. Die Muschel hier\nwird auch nicht zur Muschel durch den Sand, das\nBlau wird nicht durch das Grün; die Welt würde\nsonst ins blaß Unendliche verschwimmen und ver-\nlöre die Bestimmtheit. Nicht also kommt solche Be-\nziehlichkeit den Dingen zu, sondern sie kommt zu\nihnen hinzu, — durch mich. Erst die Beziehung zu\nmir läßt die Dinge so bezogen sein. Alle Musik aber\nruht nicht darauf, daß dieser Ton so hoch, jener so\nhoch ist, sondern daß die Töne verschieden und wie\nverschieden sie von einander sind, ruht auf der Be-\nwegungsgröße. So zeigt sich die Musik, im Augen-\nblick, wo sie auf den Plan tritt, von Gedankenart,\nund obzwar auch in der echten Beziehlichkeit des\nGeschehens sich der Gedanke in der Welt selbst\nerweist, so bildet der Mensch hier, seine eigen-\ntümlichen Gedanken, die den Kreis seiner be-\nsonderen und einzelnen Bestimmtheit malen. Ich\nkann nun nicht zur Erklärung dieser Gedanken\nsagen, er raffe so einheitlich die Welt zusammen,\nmachte sie sich handlich; sein Tun ist selbst eine\nWelthandlung. Abgesehen von solchen Einzel-\nbestimmtheiten und Handlungen seh ich keine Welt.\nDaß er aber seinen „Lebensbedingungen\" mit\nsolchen Urteilen und Handlungen genüge, daß er so\netwa sehr sparsam über seine „Kräfte\" verfüge,\noder sich bereichere, sage ich nicht, denn dies hieße"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.5", "debut_caractere": 115, "fin_caractere_exclue": 1046, "texte": "menschlich von der Welt, statt weltlich vom\nMenschen denken; und mit solcher Aeußerung sagte\nich entweder nichts oder zuviel. Nichts gebe ich\nmit „Lebensbedingung\" „Willen zum Leben,\" weil\nWille eine Vorwegnahme und bloße Verdoppelung\ndes wirklich Geschehenden ist, zu viel mit „Wille\nzur Sparsamkeit\" oder „größten Aneignung\" und\n„Macht.\" Tief, aber anscheinend sehr schwer, lehrt\nder einfache Satz und seine Bescheidenheit, die kein\nVerzicht ist: „der Mensch fällt nicht aus der Welt\nheraus; die Welt ist; — sie ist so und nichts\nanders.\" Der Schöpfer der Musik erkennt zwar in\ndem Dargebotenen die Höhe des Einzeltons an, doch\nurteilt er ferner, ob Töne übereinstimmen, sich\nähneln, fremd klingen. Er findet das Wunderbare,\ndas mich jetzt nicht quält, daß die Töne, welche nach\njenen einfachen Zahlenverhältnissen sich beziehen,\nnahe, verschieden nah bis zur Uebereinstimmung\nklingen.\nSchluss des fünften Gespräches in Nummer 10"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "69", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.6.1", "titre_corps": "Max Liebermann: Kunst is Handwerk! Det Malen is ne janz eenfache Sache. Machen Se n Strich und de Düne is fertig!", "titre_sommaire": "Max Liebermann: Kunst is Handwerk! Det Malen is ne janz eenfache Sache. 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Wir haben\neine Perspektive von unergründlicher Ironie. Die\nUnendlichkeit ist ein göttlicher Witz. Na ja ja.\"\nEin junger Mathematiker brüllte aus Leibes-\nkräften: „Ich bin ein Preuße! kennt ihr meine\nFarben?\" — War das nicht eine stark politische\nReplik?\n*\nZehn Leute, fünf Männer und fünf Damen, ent-\nschlossen sich zu einer gemeinsamen Reise. Als es\nzur Ausführung kam, stießen sich die Damen an\nder Bezeichnung: „Schlafwagen\". In welche\nwunderlichen Ecken retiriert. doch zuweilen der\nRest des Schamgefühls!\n*\nEin schönes Mädchen bog seinen Arm und\nzeigte seinen Verehrern den Bizeps. „Meine\nGnädigste,\" rief ein Schmeichler, „wie glücklich\nder, der diesen Ellbogen einst zu seinem Triumph-\nbogen macht!\" „Wenn ich Ihnen,\" sagte die\nSchöne, „Plastik vorzeige, so verbitte ich mir, daß\nSie Architektur daraus machen.\"\n*\nAls ein gewisser Mauthner die menschliche\nSprache in Grund und Boden hineinkritisiert hatte,\nverteuerte sich dieser Grund und Boden be-\nträchtlich. Was soll das bedeuten?\n*\nDer weiseste Mann der Erde schwieg sechs-\nundzwanzig Jahre. 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Ein anderer, ich\nglaube aus Lublinskis Weimarer Umgebung, be-\nklagte darauf den Mangel an journalistischen Ehren-\ngerichten, mehrere stimmten in die Klage ein, und\nes kam zu einer öffentlichen Verurteilung des\njournalistischen Rüpels seitens angesehener Schrift-\nsteller. Zwei Tagesblätter, die erfreulicherweise nur\nam Montag erscheinen, moquieren sich jetzt in\ncharakteristischer Weise über die Angelegenheft.\nIch will Lublinski nicht beleidigen, wenn ich seinen\nNamen in so kläglicher Gesellschaft ausspreche; es\nist mir begreiflich, daß der Verfasser mehrerer\nliterarischer Werke, welche um ihrer Originalität,\nSchärfe und Eindringlichkeit willen sogar in fach-\nphilologischen Kreisen Ansehen genießen, nichts\ngemeinsam hat mit professionellen Schwätzern; doch\nerfordert die Deutlichkeit, ihre Namen zu nennen:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1766, "texte": "Der Rüpel war ein Herr Lessing, die beiden Mo-\nqueure ein Herr Schlaikjer und ein Herr Schneidt.\nHerrn Schlaikjers üble Wendungen auf Lu-\nblinski werden durch einige Zitate aus Lublinskis\n„Bilanz der Moderne\" leicht aufgeklärt. (Seite 201).\n„Wenn der etwas später — als Sudermann — auf-\ngetretene Otto Ernst und Erich Schlaikjer an dieser\nStelle erwähnt wird, so nur deshalb, weil sich die\nwunderbare Legende verbreitet hat, daß diese\nbeiden greulich schlechten Theaterdichter besser\nwaren als Sudermann. Das ist einfach nicht wahr.\"\nEin andermal wird Herr Schlaikjer unter den „Volks-\nerziehern und Gartenlaubepoeten siebenten Ranges\"\ngenannt; er heißt „der sehr gesunde und sehr über-\nflüssige Herr Schlaikjer.\"\nHerr Schneidt bedarf , keiner Zitate. Wenn\nHerr Schneidt schimpft, so bedarf er überhaupt\nkeines besonderen Grundes; der Mann schimpft,\nwie der liebe Gott regnet, wie die Hunde bellen, wie\ndie Kater mauzen. Es ist zum Steinerweichen, aber\nman muß es hinnehmen. Besonders in dem totalen\nQuatsch, den er als „Ragout fin\" seinen bemit-\nleidenswerten Lesern serviert, gibt er sich ent-\nsetzlich seinen Gefühlen hin. Er spricht dann ein\nsonderbares Deutsch, wodurch er auch das Recht\ngewinnt, Lublinski einen „Deutschverderber\" zu\nnennen. Zum Beispiel fällt die Wendung, daß\nirgendetwas „für es\" wichtig wäre; „für es\". Oder\nHerr Schlaikjer wird demonstriert als „ein auf-\nloderndes Temperament, das — felsenfest—\". Wenn\nHerr Schlaikjer felsenfest auflodert, seh ich zu,\n— werde ihm aber in seiner widernatürlichen Not\nhelfen.\nGenug aus der Sudelküche des Herrn Schneivit.\nWen gehen im Grunde die Herren an und ihre Pro-\nduktionen?\nGoethe sagt:\nZehnmal gelesne Gedanken auf zehnmal bedrucktem\nPapiere;\nAuf zerriebenem Blei stumpfer und bleierner Witz.\n\nR R."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "70", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.10", "titre_corps": "Theoretische Dichter", "titre_sommaire": "Theoretische Dichter", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.6", "debut_caractere": 1768, "fin_caractere_exclue": 5324, "texte": "Theoretische Dichter\nEin Herr Julius Bab begeht seit fünfhundert\nJahren dieselben trostlosen „Wege zum Drama\".\nEr wird es nie finden, auch wenn er noch so be-\nbrillt durch die Spalten des kleinen ihm zur Ver-\nfügung stehenden Theaterblättchens lugt. Auf\nseinen Wanderungen aber pflückte er jüngst ein\nPapierblümchen am Rande, das ein gütiger Re-\ndakteur ihn durch den Weltspiegel beschauen ließ.\nDer Sturm vernichtet die Jammerblüte durc i\nDruck.\nFrühling in der Fremde\nFrühling, komm' und trage\nMich mit sanfter Hand,\nDaß ich nicht mehr frage,\nWo mein Heimatland.\nLaß in weichen Winden,\nDie auf Feldern geh'n,\nDu mich Wohnung finden —\nLaß mein Haus ersteh'n!\nWenn in Sonnenwellen\nSich die Erde löst,\nWird der Zorn sich hellen,\nDer ihr Kind verstösst.\nWird sie still sich neigen:\nKon m', Verlorner du! —\nBlüht aus allen Zweigen\nMir die Heimat zu.\nWege zur Lyrik\nDer edle Satiriker Dr. Theodor Lessing for-\nderte den Dichter Thomas Mann, weil ihm dieser\nwegen seiner groben Rüpeleien gegen den Kritiker\nLublinski energisch übers Maul fuhr. Herr\nDr. Lessing hat offenbar das richtige Gefühl, daß\nman ihm nur mit einer Revolverkugel sein Mund-\nwerk stopfen kann. Er nimmt sogar mit einer ge-\nwissen Befriedigung von der Parallele Kenntnis,\ndie einige Schriftsteller überflüssiger Weise und\nnatürlich ironisch mit Gotthold Ephraim Lessing ge-\nzogen haben. Herr Lessing beruft sich wiederholt\nin seinen jämmerlichen Verteidigungen auf sein an-\ngestammtes Dichtertum. Ich will so gerecht\nsein, hier einige Verse aus seiner Klage „Kirchen-\nglocken'4 der Oeffentlichkeit nicht vorzuenthalten:\nGar wohl gefiel mir der freundliche Inn,\nDie Martinswand und der Isel.\nIch lief durch die Straßen mit fröhlichem Sinn,\nGar froh erregt wie ein Wiesel.\nEs ist keine Stadt der modernen Zeit,\nIst mittelalters Verstecke,\nVoll österreichischer Frömmigkeit\nUnd italienischem Drecke.\nEin echter Heinrich Heine. Ich bin überzeugt,\nHerr Lessing wird sich auf ihn berufen. Die beiden\nSchlußstrophen sollen ihm Recht geben:\nIch machte sogleich meine Reverenz\nDem Herrn von der Vogelweiden,\nEr sang von deutscher Freiheit Lenz,\nDen könnt ich immer gut leiden.\n0 Lenz!\nTrank dann im Mohren Terlanerwein,\nKam heim im Morgenrot,\nUnd legte mich ins Bett hinein\nKreuzherrgottschwerenot.\nHimmeldoniierwetternocheinmal!\nDas Weitere möge man in der Zeitschrift des\nHerrn Lessing Der „Antirüpel\" Monatsblätter zum\nKampf gegen Lärm, Roheit und Unkultur nicht nach-\nlesen. Ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam,\ndaß die herrlichen Verse überall kostenlos nachge-\ndruckt werden dürfen, falls dabei auf den Antilärm-\nverein, Büro: Hannover, Stolzestr., hingewiesen\nwird. Da der Antilärmverein das „Recht auf Stille\"\nverteidigt, wird er sich wohl bald nach einem Vor-\nsitzenden umsehen müssen, der nicht über die sämt-\nlichen Untugenden sämtlicher Untertitel seines offi-\nziellen Organs verfügt.\nNoch eine Rechtfertigung für Herrn Lessing:\nVielleicht wundert sich ein Leser über das sym-\npathische Wiesel, das Herr Lessing flink unter\nseine Kirchenglocken steckte. Christian Morgen-\nstern hat es bereits in seinen famosen Galgen-\n-1 i e d e r n für die deutsche Literatur gerechtfertigt.\nUnd zwar durch folgende klassische Verse:\nDas aesthetischc Wiesel\nEin Wiesel\nSaß auf einem Kiese!\nInmitten Bachgeriescl.\nWißt ihr\nWeshalb?\nDas Mondkalb\nVerriet es mir\nIm Stillen:\nDas raffinier\nte Tier\nTats um des Reimes willen.\nHerr Dr. Theodor Lessing ist im Nebenberuf\nPrivatdozent der Philosophie und Pädagogik an der\nTechnischen Hochschule zu Hannover. Ein Glück,\ndaß er nicht dort Technik lehrt.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "70", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.11", "titre_corps": "Dr. Rudolf Breitscheid / Demokratische Vereinigung /", "titre_sommaire": "Dr. Rudolf Breitscheid / Demokratische Vereinigung /", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.6", "debut_caractere": 5326, "fin_caractere_exclue": 5575, "texte": "Dr. Rudolf Breitscheid / Demokratische Vereinigung / Aus einer Wahlrechtsrede im April 1910:\n.... diese Caféhausanarchisten, die immer im Café sitzen und spintisieren und denken, sie können die Welt verbessern!\n... 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OEHLER: Nietzsches Werk und das Nietzsche-Archiv\nLeipzig, Verlag Alfred Kröner\nOTTO STOESSL: Sonjas letzter Name / Eine Schelmen-\ngeschichte / München, Verlag Georg Müller\nOTTO STOESSL: Negerkönigs Tochter / Erzählung\nMünchen, Verlag Georg Müller\nELSE LASKER-SCHÜLER: Das Peter Hille-Buch / Ver-\nlag Axel Juncker, Berlin\nHEINRICH MANN: Im Schlaraffenland / Roman / Verlag\nAlbert Langen, München\nCHARLES BAUDELAIRE: Gesammelte Werke / Verlag\nJ. C. C. Bruns, Minden i. W.\nALFRED MOMBERT: Der Sonne-Geist / Verlag Schuster\nund Loeffler, Berlin\nPAUL SCHEERBART: Immer mutig! Ein Nilpferdroman\nVerlag J. C. C. Bruns, Minden i. 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Akt, Landschaft an der See\nProspekt durch Moritz Melzer\nMalschule\nIVluUer-Schoenefeid\nAtelier Charlottenburg1 111\nSchillerstr. 3\nVormittag: Portrat u. Kostum-\nmodell\nAb end: Dauerakt\nAtelier Berlin W / Liitzowstr. 82\nVormittag: Akt\nNachmittag-: Portrat\nAb end: Skizzieriibung-en nach\ndem Akt\n(2 Stunden 50 Pfg.)\nAnfragen nach Schillerstr. 3\nBerlin W. 35 / Potsdamerstr. 121 a\nAtelier\nClara Elisabeth Fischer\n:: MALEN :: ZEICHNEN ::\nNeu seit l. 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HARNISCH & Co., Berlin V/ 57\n„Spielend\"lernt man Sprachen durch\nDr. Rebajoli's Autodidakt\nA. Italienisch, elegant gebunden Mk. 10\nB. Franzdsisch, elegant gebunden Mk. 10\n„Ein monumentales WerK, das jedem, der es ernst nimmt mit\ndem Lernen eincrSprache, denStoff zu intensiver Durchdringung\nund zur volligen Beherrschung des Sprachschatzes in an\"\nsprcchendcr Form und in methodischem Fortschritt bietet.\"\nSelbstunterrichtS'Methode mit Hiilfe des Gramroophons.\nJeder Lchrcr, jede Lehrerin, Jcdermann mu sjs Dr. Rebajoli's Autodidakt\ngebrauchen um leicht und griindlich Fremdsprachen zu lernen.\nDie darin enthaltenen 33 fremdsprachlichen GesprSche sind auf 33doppel-\nseitige „Odeon'4-Schallplatten von uniibertroffener Ftille und Klarheit der\nStimme durch den Autor tibertragen worden.\nWiedergabe der Aussprache in hochster Vollendung. Vorfuhrung auf\nWunsch beim Autor oder im Verlag. Einzelne Unterrichtsbriefe 50 Ff.,\nFlatte dazu H3. Preis der 33 Flatten mit Lehrbuch ,AutodidaKt' nur M ICO\nZur Wiedergabe der Gespr2che eignet sich jedes, auch das kleinste\nGrammophon; jedoch hat der Verlag hierzu eine trichterlose „Autodidakt\"-\nSprechmaschine konstruierenlassen, die sich durch besonders deutliche\nWiedergabe auszeichnet. 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V erlagf in\nLeipzig-, den S. Fischer, Diede-\nrichs u. a. zwecks Herausgabe\nkiinstlerisch ausg-estatteter Klas-\nsiker begriindet haben, beg-innen\njetzt die ersten Bande zu er-\nscheinen, von Goethe die Wahl-\nverwandschaften und Kleinere\nErzahlungen sowie der Faust\nund Urfaust, von der Kleist-\nAusg-abe die vier Bande der\nWerke, von der Heine-Aus-\ngabe die Gedichte und die Tra-\ngodien in zvvei Banden. In der\nWeiflfraktur und in der g-leich-\nfalls von dem beruhmten Buch-\nkiinstler E. R. Weifi besorgten\nGesamt-Ausstattung zeichnen\nsich die Ausgaben durch Ge-\ndiegfenheit und Vollkommen-\nheit aus Als Einzelausgaben\nprasentieren sich die Bande\nebenfalls sehr vorteilhaft. □\nJederßandkostet: Inmodernem\neng-lischen Leinenband M 3.—.\nIn Halblederband im Stil der\nZeit M 3.75. 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Wenn Sie\naber durchaus die Bereitung von Sauglingsnahrung im\nHaushalt selbst vornehmen wollen, so raten wir Ihnen\ndringend, dazu den bewahrten I I T1\nNutricia-Nahrzuoker\n(Maltosana) zu nehmen, der auch von den Aerzten\ndem bisher iiblichen Milchzucker vorgezogen wird.\nSie verabreichen dadurch gleichzeitig einen Kraft-\nnahrungszusatz. 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Klavier / 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee / Katharinenstrasse 5\n8"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "71", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.7", "debut_caractere": 5032, "fin_caractere_exclue": 5636, "texte": "EDMUND MEYER\nBuchhandler und Antiquar\n§B§§3g BERLIN W 35 38S§g\nAnkauf einzelner Werke\nund ganzer Bibliotheken\nSoeben erschien: Katalog XVIII: Literatur\nGeschichte, Kunstgeschichte, illustrierte\nWerke in deutscher, englischer, fran-\nzos. 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AMLER\nCharlottenburg\nSTEINPLATZ 2\nTelephon 1839 Telephon 1839\nLEOPOLD HESS\nS PEZIALGESCH AFT\nfiir Kunstmaterialien\nBERLIN W 35"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "71", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.7", "debut_caractere": 5817, "fin_caractere_exclue": 6012, "texte": "Landeserziehungsheim Schlofi Drebkau l:\n■ Zwei Stunden von Berlin »\nErziehung und Unterricht nach modernen Crundsatzen\nAufnahme von Knaben und Madchen jederzeit\nGrofier Park Turn- und Tennisplatz"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "71", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.7", "debut_caractere": 6014, "fin_caractere_exclue": 6701, "texte": "CSntrAtimnkla Sanatorium and firholangsheim\nrinKenmiinie Post Mellenbach bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral- Allseit. Reformbestrebungen,\nheizung und elektrisches Licht, komfortable G sell- insbes. der Pflege personlicher\nschaftsraume. Individuelle arztliche Behandlung Kultur und gesunder Lebens-\nDie Kiiohe steht unter Aufsicht des Arztes. Bei anschauungen, dient unsere\nNervenschwache, Magen- und Darmleiden, Gicht Monatsschrift „<*esundes\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best- lieben\", von der wir Probe-\ngeeigneter Aufenthalt nummern auf Wunsch sr^is\nBesitzc-r und Leier: JDr of. m<*d. W. Hotz versend. Abonn.M 3,60 p. 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Fahrzeit vom Alexanderplatz)\nHauptgebaude mit Zentralheizung- und elektrischem Licht, grofte,\nhelle Zimmer, mitten im Garten gelegen. 20 200 Quadrat merer\nfrofier, herrlicher Park, grofier Obstreichtum, Lauben, orofter\neich usw. Das ganze Jahr geoffnet. Den Besuchern Berlins als\nherrlicher Aufenthaltsort empfohlen. Fern von dem Larm und dem\nStaub der Stadt. Bequemste Verbindung- mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire „Leben\"\n:: :: kommen vom Besitzer und Leiter Emil Peters :: ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c030", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "71", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.7", "debut_caractere": 7312, "fin_caractere_exclue": 8676, "texte": "Handelswissen- Vitiofltl MflcfoP t •\nschaftl. Kurse von FIIcUI. IVICMCi Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachteute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in ftihrender Steliung). Oriindliche\nEinfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium aer Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur em rneiir-\njShriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fiir Anfanger (Damen und Herren) die fiir Stenographie,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjiihrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenvvart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeanite, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonosnen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung vvirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gestl'schaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel,\nProspekte gratis durch die Direktion, Joliannisplatz 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c031", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 16, "fin_caractere_exclue": 301, "texte": "THRICHOPHIL\n■ Fl. M.3,00 F1.M.3,00 ■\n■ saaaaaaaaaßßßß nur beim Fabrikatiten: == ■■■■■■■■■■■&■■■ gj\nJj Otto Teutscher/Friseur 5\nI. Geschaft: 106 a Potsdamerstr., Eing. 63 Steglitzerstr.,Tel.Vl, 6735\nJ 11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamin, Tel. AmtCh.,63B7 5\n■IIIiOOOOOOOOOIIBBI"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c032", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 303, "fin_caractere_exclue": 1167, "texte": "rv* — ii- t , leet großen Wert auf die Woh-\nDie sparsame Hausfrau nungsleleuchtung! Rechnen Sie\nsich aus, was Sie im Jahre fur den Bedarf an Oluhkorpern ausgeben.\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbreniien entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-GlQhkSrper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daB Sie dieselhen wie ein Tuch zusdtnmen-\ndrucken konnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Harfalin-Gluhkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Oasersparnis von\n50°/o. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 30 Kg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chetn. und Techn. Nenlteiten\nBERLIN SW. 68 Kochstrafie 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c033", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 1169, "fin_caractere_exclue": 1869, "texte": "Berliner Konsenratorium fur Theater und Musik\nniDPvrni? r* A QAPHQF\nBERLIN N 39 :: Mullerstrasse 178 (Weddingplatz)\nIHEATER-SCHULE\nVollstandige Ausbildung fur Schausplel,\nOper, Operette, Posse und Ballett\nV ARIETE-THE ATER-SCHULE\nKomiker-, Soubretten- und Artisten-Schule\n12 Facklehi-er\nBisher 3000 Schiiler (Herren, Damen und Kinder) mit bestem\nErfolg ausgebildet\nz. B. Ernst Kleinert, Walter BShrmann, Willy Walde (Damen-Imitator), Emil Kante,\nHellon Angerie, Bellini, GrXff, Pieper, Direktor Lucas-Schwleger, Pohlei etc. etc.\nDie Damen: Mile. Nanon, Blatter, Neumann, Captive, Hardinis, Mazonl, Clare\nLorma etc. etc.\nEintritt jederzeit Kulante Beding-ung-en\nNach erfolg-ter Ausbildung-: Engagement"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c034", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 1871, "fin_caractere_exclue": 2382, "texte": "Keine Zahnschmerzen\nKein Zahnziehen mehr\n■\nAuf Anfrage gebe\nich Jedermann Aus-\n| kunft iiber ein Mittel\ngeg-en sch warze,hohle\n® und lockere Zahne\nWB\nM\n■ Erfolg garantiert\n£ O.Berger, Berlin W35\n\\ Potsdamer Strasse 111\nAbschrift: Sehr geehrter Herr!\nVon vielen Zahnschmerzen bin\nich nung-anzlich befreit durch die\nAnwendung- Ihres preiswerten\nMittels. Daher empfehle ich es\nJedem, der von Zahnschmerzen\nSeplagt ist. Mit herzlichem\n►ank bescheinig-t dies Helene\nKleemann, Rosengarten,\n:: Frankfurt an der Oder ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c035", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 2384, "fin_caractere_exclue": 2461, "texte": ":t PROBENUMMERN ::\numsonst u. portofrei durch die\nGesch&ftsstelle „DER STURM\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c036", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 2463, "fin_caractere_exclue": 2835, "texte": "ModerneHaararbeiten\nfinden Sie in jeder Preislage im Sp ezial-Haargeschaft von\nOtto Teutscher und Friseur\nI. GeschSft: Berlin, 106 a Potsdamerstr,, Eing. 63 Steglitzerstr , Tel. VI, 6735\n11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Telephon Amt Charl., 6387\nElegante Shampooing rpn Champooing mit Frisur 1,50 Mark\nund Frisier-Salons : :: I—Manicure 1,50 Mark\nOOQOOOOOOKHH"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c037", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 2837, "fin_caractere_exclue": 4044, "texte": "Billige Weinel\nNicht immer sind teure Weine gut. Auch billige Weine\nkftnnen gut sein. Durch Tausende Nachbestellungen und\nzahlreiche Anerkentningen -ius dem Reiche beweisen wir,\ndass wir wirklich gut und dabei doch billig liefern.\nWir offerieren (alle Preise verstehen sich rait Flaschen):\nChampagner\nin Deutschland auf Flaschen gefiillt\nexkl. Steuer:\nKaiserstkt 1,10 M.\nLorraine 1,25 ~\nDauhail Fils, franzosisches\nOewachs 2,50 „\nG. Kupferberg & Co.. Cabi-\nnet Gold 2,60 „\nSchloss Vaux 2,50 „\nRotweine\n1508 er Montagnac, natur-\nrein 0,75 M.\n1905 er CastiUon ft,Bo\n1904 er Ainbis 0,90\n1904*r Saint Andrg de\nCubzac 1,00\nS&dweiii©\nPortwein, vorziiglich\nSherry ~\nMadeira ~\nUngarwein ~\nSamos ~\n0,90 M.\n0,90 „\n0,90 „\n0,80 „\n0,90 „\nft\nSpirituosen\nCognac, fein und mild\nRum, aromat. krSftig\nA rra c\nEi-Cognac-Likor\nPrunier-Cognac\n1,30 M.\n1,25 „\n1,25 ~\n1,50 „\n4,00 „\nVoile Garanfie fits* tadellose Beschaffenbeit\nLieferung frei Haus in Berlin, nach ausserhalb frei zur Bahn\ngegen Nachnahme oderVoreinsendung. Preislisten kostenlos\nWeinvertriebsgeseiischaft von Malotlki\nvorm. Toermer & iftichaelis Nachf. G. m. b. H.\nBERLIN Auguststrasse 60\nFernspr. 11l 8192, 15 jShr. GeschSftsbestehen. Postscheckkonto: Berlin 3083"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c038", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 4046, "fin_caractere_exclue": 4199, "texte": "DIE TAT\nWEGE ZU FREIEM\nMENSCHENTUM\nVIERTELJAHRL.M.2 HEFT M.0,80\nEINE M0 N ATS SCH RI FT\nHERAUSOEOEBEN VON\nERNST HORNEFFER\nVERL. 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Die Baekhausmlleli entspricht in physio-\nlogischer und hygienischer Hinsicht dem Vorbild, wie es uns die Frauenmilch\ndarbietet und ermoglicht, wie diese, eine regelmafiige, von Sußeren StSrungen\nunabh&ngige Entwickelung des gesunden Kindes. — Dann aber stellt sie im Falle\nvon Magen- und Darmkrankheiten des S&uglings ein DisLtetikum von entschiedener\nHeilkraft dar, welches die Behandlung mit Medikamenten wesentlich unterstutzt,\nja manchmal ganz entbehrlich macht. — Sie bildet, als das ausschliessliche\nNahrungsmittel wahrend der ersten 9-10 Monate, ein durch kein anderes\nPr&parat mit gleicher Sicherheit zu ersetzendes Vorbeugungsmittel gegen die\nso ungemein verderblichen und haufigen Brechdurchfalle. Vielfache Versuche\nan Kliniken, Krankenhausern etc. haben Vorstehendes zur Genuge erhSrtet.\nDie Backhausmilch\nan bekommliche Sauglingsnahrung.\n:: Die Herren Arzte werden gebeten, Proben und Literatur zu verlangen von folgenden ::\n- Backhaus-Mi/chansta/ten ======\nAachen-Burtscheid: Stadt. Milchanstait. — Assenheim b. Fried berg: L. Reif. — Berlin NW., Jagowstr. 20: Dr. Cybulski. —\nBrfinn (Mahren): Centralmolkerei. — Breslau, Moritzstr. 48: Nutricia. — Cassel, ob. Carlstr. 3/4; A. Muller, Milchkuranstalt.\n— Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: R. Gumprecht. — Dresden: Nutricia, Grunaerstr. 12. — Drulingen I. E. (bei Strassburg):\nGutsmolkerei Kempf. — Elberfeld, Dorotheenstr. 32: H.A. Sauer. — Frankfurt a. M., Ginnheimer Landstr. 74: F. Gottschalk.\n— Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Halle a. S., Dessauerstr. 5: Nutricia. — Hamburg, Guntherstr. 6/8: G. Hildebrandt.\n— Hannover-Linden, Deisterstr. 31 :Dr. Friedel Nachf. — Heilbronn, Herbststr. 26: Ferd. Marx — Karlsruhe, Gerwigstr. 31:\nNutrica. — Kaiserslautern: Emil Andre, Dampfmolkerei. — Kolna. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schiirmann Nachf. —\nKrefeld, Inratherstr. 191: H. Bogelmann. — Leipzig: Nutricia, Kronprinzenstr. 52. — Magdeburg: Magdeburger Molkerei. —\nOlmfitz (Mahren): W. Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbuttel bei Berne (Bremen-Olden-\nburg): Stedinger Molkerei. — Stettin, Hohenzollernstr. 50: Nutricia. — Stutig'art, Lerchenstr. 24a: Nutricia.: — Teplitz-\nSchonau (Bohmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwinkel: Nutricia, Otto Volkmann. — Wiesbaden, Bleichstr. 26:\nWiesbadener Molkerei. — Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl.\ni\\"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c040", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.36", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 7118, "fin_caractere_exclue": 7545, "texte": "BIBKIBBCQIBKBIIIIIBISIBI9 888 CD B BBSetS 888888888888 BBBBBBBBBBBN\nB B\n\\ BUCH- UND KUNSTDRUCKEREI I\nSIEGFRIED SEEGER\nj BERLINS42,RITTERSTRASSE26 |\na TELEPHON AMT IV, 1045 aa TELEPHON AMT IV, 1C45 5\na a\n| ILLUSTRATIONSDRUCK, SETZ- [\n• MASCHINEN, BUCHBINDEREI ;\n■ STEREOTYPIE, MODERNSTES :\ns :::: schriftenmaterial :::: :\na a\n■ Spezialitat: Druck von Broschuren, Katalogen, ■\nS Zeitschriften, Werken, Massenauflagfen ■ Buntdruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-04-28-01-c041", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-04-28_01#c041", "volume": "bmtnabg_1910-04-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.2.37", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "debut_caractere": 7547, "fin_caractere_exclue": 8162, "texte": "1000 Kronen erhalt\nwer im Stande ist, ein unentbehrlich Ding filr die Nacht: „Mond-\nlicht\" in jedem Hause, ein Wunder der Chemie, auszublasen\nMein Mondlichtapparat, ein wunderbar sinnreich konst'. inter-\nessanter Wirtschaftsartike!, besitzt unbegrenzt haltbar die Fahig-\nkeit, vollstandig kostenlos zu leuchten, da hierzu keinerlei Brenn-\nstoffe angewendet werden. Vieljahr. Garantiefurtadell.funktion.\na . M. I. 11. 111. IV*.\nrrCISC, Kronen 3,60 4,M0 7,— 11,—\nFranko iiberall hin gegen Vorauszahlung (auch in Briefmarken)\nOder Nachnahme 30 Helle mehr. Verpackung gratis :: ::\nMondltchtwerk A. 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T. A. Hoff-\nmann / OTTO STOESSL: Die Hackinger Allee / AL-\nFRED DÖBLIN: Gespräche mit Kalypso über die\nMusik/MYNONA: Fondants aus der spirituellen Kon-\nfiserie / ELSE LASKER-SCHÜLER: Gedichte / R. R.:\nDie Schreihälse / TRU ST: Theoretische Dichter / KARI-\nKATUR EN / Beachtenswerte Bücher und Tonwerke\n\nAus Preussen\nMinimax\nTürkisches aus der Geschäftsordnungs-\nkommission\nIn der letzten Geheimsitzung beschloß man ein-\nstimmig, die vorüberfließende Panke in größerem\nUmfange zu den Regierungsverhandlungen hinzu-\nzuziehen. Abgeordnete, die dreimal von Sitzungen\nausgeschlossen wurden, sollen gut eingeseift, in\neinen ledernen Sack eingenäht, in die Panke ge-\nworfen werden, wo sie am tiefsten ist. Sollte die\nPanke gerade nicht vorüberfließen, will man die\nHerren solange in den Rauchfang hängen. Das\nZentrum wird mit einigen vertrockneten Liberalen\neinheizen. Raben, Hexen und Ministerien sind\nfreundlichst eingeladen.\nDer Bremer Unratskeller\nDreißig Lehrer Bremens haben dem alten Bebel\nzu seinem Geburtstage ein Glückwunschtelegramm\ngeschickt. Drei wurden sofort gefaßt und gejagt;\nzur Feststellung und baldgefälligen Chassierung\nder restierenden siebenundzwanzig schweben Zeug-\nriiszwangsverfahren. Um in Zukunft allen Offen-\nherzigkeiten der Lehrer vorzubeugen, werden sie\njetzt nur auf Vorbehalt angestellt. Das ist gut-\nzuheißen. Man gratuliert nicht so aufs Geratewohl.\nDem Senat z. B. hat niemand zu seinem sieben-\nzigsten Geburtstage gratuliert. Vielmehr schon im\nfünfzigsten gewünscht, daß ihm der Teufel den Rost\nund Grünspahn heiß abpoliere und daß er zu jenen\nweißen Schimmelpilzen gepflanzt werde, die in den\nEcken von Unratskellern so muffig und so iiächen-\nhaft üppig gedeihen.\nNeubau des preussischen Kultusministeriums\nTageszeitungen berichten, daß ein großes Ber-\nliner Museum nach dem Vorort Dahlem verlegt\nwird. Die Angabe beruht auf einem Irrtum. Das\nMuseum, für dessen Ausgestaltung und Benützung\nfreie Lage und Ruhe Vorbedingung ist, soll aller-\ndings von Berlin fort, und zwar auf eine möglichst\nallseitig isolierte Insel der Südsee geschafft werden;\nKaraiben und Hawai-Insel stehen zur Konkurrenz;\nüber den Transport von etwaigen Besuchern dahin\nschweben noch Differenzen im Ministerium (wahr-\nscheinlich Dalldorfer Schiffahrtslinie). Doch dürfte\nwichtiger der Neubau des preußischen Kultus-\nministeriums sein. Die Religiosität erfordert, was\nder Verstand billig heißt: es wird in den ruhigen,\nnur etwas feuchten Kellereien der Berliner Gar-\nnisonkirche untergebracht werden. Mit Hilfe eines\nbewährten, nur halbseitig gelähmten, äußerst\nfrommen Küsters wird man von hier aus sich aufs\nleichteste einen Ueberblick über die königlich\npreußischen Kulturbewegungen verschaffen können.\nDas Kriegsschiff wider Willen\nAuf den englischen Kriegsschiffen hat sich im\nLaufe der Jahre die Sitte eingebürgert, das Deck\nzum Rollschuhlaufen zu benutzen. Bei einer\nletzthin erfolgten feindlichen Aktion englischer\nKriegsschiffe gegen deutsche, kam es infolgedessen\nzu keinem kriegerischen Zusammenstoß, weil die\nbeiderseitigen Mannschaften im Moment der Be-\ngegnung mit Tennis und Hockey vollauf beschäftigt\nwaren; man zog unverrichteter Dinge ab. Die Wut\nder Behörde ist unsäglich, aber die Leidenschaft hat\nschon zu weite Kreise erfaßt. Ein Krieg ist un-\nmöglich gemacht; Bertha Suttner ist vom Hansa-\nbund ein Rollschuh am blauen Bande verliehen\nworden. Wenn sie sich noch den anderen kauft\nund Rollschuh läuft, wird jeder Krieg im Keim er-\nstickt, weil ganz Europa vor Lachen platzt. Man\nrodelt von Kirchtürmen herunter, die Regierung\nmuß den Konservativen den Buckel rauf und runter\nrutschen; zu derselben Handlung suchen die Sozial-\ndemokraten die bürgerlichen Parteien zu bewegen.\nMan tanzt Plattschuh in den öffentlichen Land-\ntagen auf Verfassungsgarantieen und Gesetzes-\nparagraphen: Bethmann-Hollweg, der garnichts\nkann, dünkt sich ein Philosoph. Gebe Gott, daß\ndieser Spielleidenschaft bald Einhalt geboten wird.\nDenn es könnte geschehen, daß die goldene Göttin\nüberdrüssig des Stehens von der Siegessäule her-\nunterstiege, auf der Quadriga des branüeiiburger\nTores nach Potsdam rasselte und im Garten von\nSanssouci mit den heidnischen Stein-Nymphen ein\nMenuett aufführte, derart, daß die Schloßfenster vor\nHeiterkeit aufspringen, einlassend die Luft des\ngroßen Fritz, welcher auch die Großen mit seinem\nKrückstock zu ducken wagte und sich getraute. —\n\nDie Forum-Szene\nVon Karl Kraus\nNach einer Satire, die in dem Buche von Karl Kraus „Die\nchinesische Mauer\" (Verlag Albert Langen) enthalten sein wird\nMark Anton spricht in einem Stil, der deutschen\nHörern bekannter sein dürfte, als den römischen. Es\nscheint sich, soweit man den Sinn der Rede versteht,\num Vorfälle in der Umgebung Cäsars zu handeln, die\nan die Affäre Eulenburg erinnern, und durch die es an\nden Tag gekommen ist, dass sie alle, alle normwidrig\nsind. Anklänge an den Text Shakespeares fallen manch-\nmal recht prosaisch in die feierliche Sprache dieses Mark\nAnton ein.\n„Mitbürger! Freunde! Nachfahren der im\nTiberbezirk von der Wölfin Gesäugten! hört mich\nan: Cäsarn in die Grube zu senken, nicht mit blin-\nkender Rede ihm seines Wirkens bleibende Spur\nzu zeichnen, bin ich vor euch, die der Volkheit\nWollen eint, getreten. Was Menschen Uebles tun,\nträgt ins Gedenken noch die Viruskraft, wenn mit\ndem längst verdorrten Leib frommen Handelns\nErinnerung die Scholle fühllos deckt. (Fühllos?\nDie im Frühlenz erneute läßt menschlicher Kurz-\nsicht den mit leiser Tröstung sänftigenden Kinder-\nglauben der Wiederkehr.) So sei es auch mit\nCäsarn! Der edle Brutus hat euch, da er mit\nflinkem Finger den Schwichtigunggrund erraffte,\ngesagt, daß Herrschsucht ihm, der gleißende\nWurm, am Ziel noch ungesättigt aus dem Auge\nsah. Wenn dies erweislich wahr ist, kein Rüge-\nwort könnte den sichtbaren Fehl so schmerzend\ntreffen, wie ers trotz einem Tag vor Tag an die\nres publica gebundenen Daseinsinhalt verdiente.\nUnd das grause Ende, das diesem Leben ein\nGrüppchen der vom Volk Abgeordneten bereitet\nhat, würde auch den im politischen Handlungdrang\nnoch nicht völlig gewirrten Sinn ein von Dike\nselbst befohlnes Werk dünken. Hier, mit des\nCajus Titus Aemilius Marcus Brutus Willen und\nder Andern (denn Brutus ist, soweit das Urteil der\nim Geltungbereich der Sitte Wohnenden zum\nAnsehn hilft, ein der Ehren, die in der Siebenhügel-\nstadt auch geringem Könnern heut die Stirn be-\nglänzen, werter Mann; und neben ihm, mit ihm,\nsind alle, die gleiches Hoffen bindet, gleicher Er-\nfüllung wert) \"\nZwischenrufe: „Das Testament! Das Testa-\nment!\" werden schon an dieser Stelle laut. In dem\nlosbrechenden Lärm versucht Redner vergebens\nsich unverständlich zu machen. Man merkt nur,\nwie er sich um die kürzeste Bezeichnung der Stadt\nRom herumdrückt, und hört eine Geschichte von\nder dem Hirtengott bereiteten Wolfsfeier, worun-\nter das schon bekannte Lupercusfest verstanden\nsein will. Endlich verschafft er sich Ruhe, nennt\nCassius einen stillen Mächler und behauptet, daß\ndas Plänchen zur Beseitigung Cäsars von Män-\nnern geschmiedet sei, die diesen Namen nicht ver-\ndienten, weil ihnen ein kränkliches Wesen eigne,\nund die politisch gefährlich seien, weil sie, denen\nder Willenskanal doch nicht völlig verstopft sei,\nauf ihren warmen Plätzchen flink ein Weltrühm-\nchen haschen möchten. Da diese Anspielungen\nniemand versteht, halten alle den Redner für den\nRetter des Vaterlands und ahnen nicht, daß eine\nenttäuschte Frau hinter ihm steht, eine von jenen,\ndie in der Politik schon einmal ohne Dank sich be-\ntätigt haben, als sie nämlich das Kapitol retteten.\nDarum entschließt sich Mark Anton zu einer deut-\nlicheren Sprache. Von einem der römischen Feld-\nherren werde offiziell zugegeben, er habe seinen\nBurschen Lucius „unzüchtig berührt\". Solch be-\nschönigender Darstellung gegenüber hält er es für\nseine Pflicht, nicht nur anzudeuten, sondern „aus-\nzusprechen, was ist\", und ruft: „Nur berührt? Er hat\nihn geküßt und versucht, ihm den Chiton herunter-\nzureißen!\" . . . Das Volk von Rom merkt jetzt, daß\nman es hier mit einem Willensmenschen von säku-\nlarer Größe zu tun habe, der aus eigenem Antrieb\ndie ganze Arbeit zu leisten imstande ist, für die ein\nDutzend Staatsanwälte bezahlt werden müssen\nRedner kandidiert schliesslich auf das politische\nProgramm: „Nun wirk' es fort, Unheil, du bist im\nZuge, nimm welchen Lauf du willst!\""}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.2", "texte": "E. T. A. Hoffmann\nVon Rudolf Kurtz\nDie Kunstmetaphysik projiziert sich auf ein\nwillfähriges Temperament, das mit ungewöhnlicher\nLeichtigkeit Stoffliches findet und die Anekdote mit\nsicherer Virtuosität zu erzählen weiß. Hoffmann\nschrieb gern und leicht. Aber die wirklichen Kunst-\nwerke entstanden unter der hypnotischen Kraft\neines nicht zu ertragenden Schmerzes, sind empor-\ngewirbelt aus Rausch und Qual, Traum und Tod,\nleuchtende Formen, von hämischer Selbstverach-\ntung verzerrt. Es verlangt Weltfremde oder große\nSchamlosigkeit, einen Zarathustra zu schreiben:\nund Hoffmann hatte immer einen Beruf. Das Zeit-\ngemäße in ihm zwang ihn in die Atmosphäre der\nGeheimräte und Aktuare, er hatte den schlechten\nUmgang des Schriftstellers, der in seinem Milieu\neingeschlossen ist. Ihre Schwächen erfaßt sein\nBlick am sichersten. Es gibt keine schärferen Por-\nträts des Salonverkehrs als die Novellen Hoff-\nmanns. Er sah weit genug, um moralische Wer-\ntungen zu vermeiden: er sagt nicht gut und böse,\nsondern gute und schlechte Musikanten. Der farb-\nlose Bürger ist ihm fremd; er vergröbert, er sieht\nihn unter der Optik des Exzentriks. Diese absolu-\nten Kontrastierungen vei mindern den Fonds seiner\nTypen; eigentlich sind es nur zwei: Anseimus, der\nnaive Künstler, und Julia, „die Liebe des Künstlers\".\nIn diesen Situationen fühlte er sich stets: als Ansel-\nmus unter den Philistern und zur Julia wurde ihm\njede Geliebte. Er erlebte sie wie ein Kunstwerk:\nin den Tagebüchern sind tolle Sprünge, Stimmun-\ngen sinken in hohen Wellenbergen, schwanken in\ngroßen Kurven, die entlegensten Punkte der Seele\nberührend. Die Stunde der Verzweiflung zersplit-\ntert in helle Ironieen, die plötzliche Trauer ablöst.\nAnsätze zu hohen Begeisterungen, die in zucken-\nden Mundwinkeln untergehen. Die einzige Rettung\nist die Musik. Er notiert die seltsamen Stunden vor\ndem Schaffen, vor dem Träumen, wo die Erschei-\nnungen in unmeßbarem Tempo sich in Landschaf-\nten umsetzen und wieder in ein magisches concert\nspirituel.\nIn diesem Chaos fabelhafter Korrespondenzen\nvertiefen sich die Gesichte; ein kleines Fräulein\nMarc aus Bamberg wird Julia, wird Donna Anna,\ndieser Traum aus Musik und Vision, wird Aurelia,\ndie Gnadenvolle, die den verlorenen Mönch mit\nihrer reinen Liebe rettet, wird Julia und Hedwiga,\ndie Schmerzensreiche, unsere liebe Frau mit den\nsieben Schwertern: Sancta Caecilia in Glorien\nschwebend über den Passionsweg des kleinen\nRats. Sie allein wecken die Kunst im Menschen,\nund der Künstler ist der Sieger im Leben; wer\nphantasielos genug ist, in jedem Symbol die Alle-\ngorie zu suchen, wird diesen Triumph des Musikers\nleicht aus seinen Worten herauslesen: in einem sei-\nner feinsten und programmatischsten Bücher, Klein\nZaches, ist es eindeutig gesagt, daß die transzen-\ndentale Erkenntnis nur ein Surrogat ist, nur die in-\ntuitive, musikalische ist durch keinen Schleier der\nMaja zu täuschen. Das innere Leben erkennt\ntraumhaft; wenn ein Anseimus eine Serpentina\nfindet, so ist die äußere Welt eine Flut von Me-\ntaphern, blüht unter Leuchten und Musik, und in\ndiesem inspirierten Zustande erkennt er das Urbild\nder Dinge. Hoffmann der Künstler überrascht den\nSchriftsteller immer, die geschickt gefundene Anek-\ndote vergeistigt sich unbewußt, und endlich sind\nnur noch ihre Konturen, von einem fremden, musi-\nkalischen Geist gefüllt. Die Kunst war ihm nur als\nSymbol denkbar: so zeigt sich ihm Mozarts Don\nJuan, den er zu dem Typus stilisiert, wie er in un-\nserer Anschauung lebt. Die Vergeistigung der\nSinnlichkeit fordert der Künstler von seinen Men-\nschen. Anseimus heiratet die schöne, aber ma-\nterielle Veronica nicht, und Eduard nicht Michae-\nline (in der Brautwahl).\nDas Leben des Künstlers, wie es Hoffmann in\nder Imagination lebte: das war sein tiefstes Erlebnis.\nEs ist vielleicht das Größte an ihm, daß nächst\nGoethe kein Dichter sein Leben so künstlerisch ge-\nlebt hat, sein Werk so kristallisierter Niederschlag\nder inneren Abenteuer ist. Er stellt den eigenen\nSchmerz und die Leiden mit der Unmittelbarkeit\ngroßen Künstlers heraus, und dies adelt sein Werk\nüber die Zeiten. Und weil ihn die Welt mit ihren\nFremdheiten beunruhigte, rang er mit dem Grauen\ndes Ekstatikers. Seine Menschen kämpften in\nhohen Spannungen der Lebensangst: alle Dinge er-\nstarrten in den farblosen Grimassen des Entsetzens,\ndie Seele taucht von inneren Schauern zu tieferen\nGefahren, Visionen gebärden sich wie Philister, und\nPhilister haben die Gebärde schattenhafter Fakire:\ndurch die hohlen Löcher der Masken strahlen immer\nandersfarbige Lichter; der graue Archivarius Lind-\nhorst wird zum leuchtenden Salamanderkönig,\nProsper Alpanus steht im kaiserlichen Mantel des\nMagiers, und Peregrinus Thyß blüht weiß und\nherrlich empor, und dunkelrot blutet sein Rubinherz.\nIn Ekstasen der Angst versinkt das Gefühl der Per-\nsönlichkeit, die Glieder funktionieren automatisch,\ndas Gehirn ist sich seiner tödlichen Angst bewußt,\nund hinter dieser Erkenntnis schielt das träge Auge\ndes Wahnsinns. In diesem Schrecken krümmt sich\nder fanatische Analytiker. Der Schriftsteller sucht\ndie Qual der Nächte in sichere Metapher aufzu-\nfangen, zu verdeutlichen; etwa durch ein Messer,\ndas sich durch Generationen vererbt und immer\nUnheil anrichtet: ein beliebtes Requisit der Schick-\nsalsdramen. Hoffmarm weiß die Atmosphäre sei-\nner Werke so wundervoll abzustimmen, daß Traum\nin Tat und Tat in Traum verrinnt: es ist nie sicher,\nob etwas Wirklichkeit oder Fiebertraum ist. Die\nkleinen Novellen sind technisch unübertrefflich und\nenthalten des Köstlichen mehr als die gesamte\nNachromantik. Psychologische Parforceleistungen\nwie das Fräulein von Scuderi, auf deren buntem\nGrunde die schimmernden Juwelenorgien des Gold-\nschmieds Cardillac kreisen, grauenhafte Landschaf-\nten im Ignaz Denner, Spätherbstabende über dunk-\nlen Fichten und verrufenen Wegen, in denen der\nrote Mantel wie eine Fahne in einsamen Nächten\nsaust, spielen mit großer Gewandtheit auf der\nBühne seiner Leiden. Glänzend komponierte Detail-\ngemälde wie die Brautwahl, Signor Formica, Das\nMajorat: das leuchtet in hellen Farben und fabel-\nhafter Bewegtheit. Dann die Offenbarungen seines\ntiefen Kunstenthusiasmus: Der goldene Topf, Klein\nZaches, die Musikantenstücke. Und die unver-\ngleichliche Brambilla, dieser Traum aus Musik und\nlichten Wolken, der berauschte Karneval der Mathe-\nmatik. Oft vernachlässigt stehen die Elixiere des\nTeufels auf dem Gipfel seines Werkes. Visionen\nim rapiden Tempo durch unglaubliche Landschaf-\nten wirbelnd, Menschen wie fliegende Nebel\nskizziert, Genrestücke von präziser Energie,\nAbende, die Grausen mit Lyrismus mischen, ent-\nsetzliche Kommunionen von Purpur und Nacht.\nUnd sein stärkstes Werk, die Kreislerbiographie,\ndie Ausstellung der lebenden Automaten, der blu-\ntende Mechanismus, Seelen so klar wie bläulicher\nStahl, über den der Mond fährt, blutige Strudel, in\ndenen Menschen wirbeln: dunkle Gewitternächte,\nschwarz von goldenem Stahl durchzuckt und das\ngelassene Dröhnen einer Wetterharfe. Das sollte\nnoch stärker in den „Lichten Stunden eines wahn-\nsinnigen Musikers\" klingen, deren Plan sein ganzes\nLeben begleitet. Ein Buch für Kenner sollte es\nwerden; für alle und keinen, wie der Zarathustra.\nEine Disposition ist erhalten: „Die Liebe des Künst-\nlers — der kühle Augenblick — Klang aus dem Nor-\nden — Klang aus dem Süden — Mystik der Instru-\nmente — musikalisches Helldunkel — Tonarten.\"\nDas ist sein Leben, in Musik umgesetzt. Die\nMenschen entmaterialisieren sich, und die Musik\nist eine bessere Moral als die ungewissen Worte.\nDie Musik ist ohne Maske, und sie ist Kreisler und\nJulia, Medardus und Aurelie. In ihr darf die Scham\ndeutlich werden, die er im Leben „als Hieroglyphe\"\ngeachtet wissen will. Unbewußt erwachen die\nlichten Stunden, ein hingebendes Phantasieren auf\neinem imaginären Flügel. Bis die Sehnsucht in\ntoller Ironie stirbt. Dann sinken die Vorhänge, der\nMusikant unterrichtet, er gehört den andern. Der\nkleine Musikmeister begleitet den Gesang seiner\nJulia, einer hübschen sechzehnjährigen Dame aus\nguter Familie. Der schon gealterte Herr gefällt\nsich in den affektiertesten Posen, folgt ihr mit ge-\nspitztem Munde und verzücktem Augenaufschlag:\nein etwas undeutlicher Ausdruck für eine Inbrunst,\ndie sich im Mittag ihres Glückes fühlt. Mühsam\nwird ein Gelächter unterdrückt.\nEine Neuausgabe der Werke von E. T. A. Hoff mann erschien im Verlag\nGeorg Müller / München\n\nSchluß\n\nDie Hackinger Allee\nVon Otto Stoessl\nOft wenn ich an schönen Abenden durch die\nHackinger Allee allein oder mit guten Gefährten\ngehe, wundert es mich, daß sie eigentlich in der\nWiener Landschaft, deren jeder Winkel seinen hei-\nmatlichen Patron hat, nicht so berühmt ist, wie sie\nes verdient. Von ihr geht keine Sage, und doch\nmöchte ein großer wandernder Musikant auch unter\nihren Wipfeln die innige Melodie der Natur haben\nvernehmen können, welche in einer schaffenden\nSeele den Funken der eigenen Musik entfacht.\nVon der Hackinger Allee wird nichts berichtet, und\ndoch war sie sicherlich schon vor einem halben\nJahrhundert längst so stattlich, wie heute und noch\num eins stiller, feierlicher und bedeutender durch\nihre unverwirrte Einsamkeit.\nVielleicht kommt ihr ruhmloses Heldentum\ndaher, daß auch die Erinnerung lieber einen\nstill verharrenden, in sich geschlossenen Raum,\ngleichsam einen dauernden Wohnort aufsucht,\nals eine Straße, auf der man von einem\nfremden Ziele zurückkehrt oder fernerhin nach\neinem erhofften wandert. Man geht wohl gerne\ndurch einen so tiefdunkel schattenden Weg, aber\nläßt, rechts und links und nach vorn ausschauend,\nunwillkürlich die Betrachtung weiterschweifen, so\ndaß der schönste Anblick, kaum aufgenommen, auch\nschon wieder — im Wortsinne — verloren „ge-\ngangen\" ist, wie im Leben so oft die kleinen Freuden\nder Stunde über den erträumten einer weiten Zu-\nkunft oder den schmerzlich wunderbaren einer\nfernen Vergangenheit. Man blickt zumeist auf ein\ngoldenes Morgen- oder Abendrot der Einbildung.\nDer kurze Tag aber, in dessen Lichte wir wandern,\nscheint uns gering unter der gleichen Reihe seiner\nGeschwister, nur ein Durchgang, kein Aufenthalt.\nSo eilen durch diese Allee, die den wallenden\nLärm der Stadt im Rücken, in die ländlichen\nWienerwaldorte führt, tagaus und -ein viele\nMenschen, während sie selbst, das schönste Ziel,\nals solches kaum oder nur von wenigen geachtet\nwird.\nDie „Auhofstraße\" beginnt in Hietzing, zieht in\ngroßem, seichten Bogen an Unter- und Ober-\nst. Veit vorüber, endlich durch das schmale, an den\nHimmelberg gelehnte Qartenörtchen Hacking,\ndessen letzte Häuser am Rande der Tiergarten-\nmauer sozusagen einschlafen und setzt sich nun als\nmächtige Allee noch ein gutes Stück fort bis zu\nihrem Ziel: dem Auhofe.\nDas ist ein sorgfältig gehaltenes großes Jagd-\nhaus, einer der Haupteingänge des Lainzer Tier-\ngartens, halb bürgerlich und bäuerlich, wie ein lieb-\nliches Landanwesen im Weichbild der Stadt, in-\nmitten von schön gepflegten Obstbäumen und Rosen-\nstöcken, überschattet von weiten runden Linden,\nhalb vornehmen Ansehens als ein Schlößchen. Der\nHauptförster des Wildparkes, der es bewohnt, die\nSchar der untergebenen Jäger, Holzknechte, Fuhr-\nleute und Handlanger geben ihm nach der Art ihrer\nBeschäftigung, die sich der Umgebung aufprägt, den\nAnschein einer rüstig betriebenen, schlichten Wirt-\nschaft, der weite, abgeschlossene Tiergarten-\nhintergrund aber, und die reichlichen Verhältnisse\nseiner großräumigen und bis ins Letzte gepflegten\nAnlage, das den kaiserlichen Bauten eigentümliche\nGelb des Anstriches, die zugleich einfachen und an-\nmutigen Formen rücken es wieder in seinen höheren\nRang. Sind doch eben diese bescheiden alther-\ngebrachten, durchaus tüchtigen und auf dauernde\nBrauchbarkeit eingerichteten Jagd- und Land-\nhäuser vielleicht die letzten Zeugen der stilbildenden\nKraft des Absolutismus, während die Gegenwart,\nselbst wenn sie das Alte nachbildet, innerlich un-\nsicher in ihrer Bauweise, ihrer selbst ebensowenig\nfroh wird, wie in manch anderem Belange.\nGleich sicher, fest, verläßlich, würdig und an-\nmutig wie dieses Ziel ist auch der Weg: unsere\nAllee. Nur ein bescheidenes Stück, wenn man\nganz bedächtig geht, vom letzten Hackinger Hause\nbis zum Auhofe vielleicht höchstens eine halbe\nStunde lang, aber welch ein unverhofftes, liebes\nund vertrautes Wunder bei jedem Schritt, in jeder\nStunde, bei jedem Wetter, in jeder Jahreszeit!\nFast täglich wandere ich diesen Weg und staune\ntäglich über seine neuen Schönheiten oder über die\nalten unerschöpflichen. Ist ja jeder Naturanblick\nüberhaupt durchaus unergründlich, wie die Tiefe\ndes gestirnten Himmels, des dunklen Wassers, wie\nder Umriß eines blauen Höhenzuges oder die Form\neines geschlossenen Wipfels, oder auch nur wie die\nunwissende Bewegung eines Tieres oder der helle\nAufflug eines Vogelschwarmes.\nSo erscheint die reizende Vielfältigkeit einer\nGegend gleichsam in den Rahmen dieser Allee ge-\nfaßt, wie der Mensch als Landschaftskünstler gerne\nsolche Versuche und mit Glück unternommen hat,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.3", "texte": "gelegentlich die Menge der Naturdinge scheinbar\neinzuschließen und in einem gesammelten Anblick\ndem Qenusse darzubieten. Aus einem solchen un-\nwillkürlichen Trieb mag auch die Pflanzung dieser\nAllee hervorgegangen sein, denn nicht nur der\nSchatten der hundertjährigen Kastanien und der be-\ndeutende Anblick ihrer Reihe, sondern die, wie aus\neiner grünen Halle gewonnenen Bilder der um-\ngebenden Landschaft machen den Zauber dieser\nStraße aus.\nZu ihrer Linken dehnt sich in einiger, von Rasen\nbesetzter Entfernung die niedrige graue Tiergarten-\nrnauer, über welche man leicht hinausblickt und\ndas eingehegte Gebiet wohl überschaut: eine unbe-\nrührte frische Gegend, voll unbekannter Hügel, von\naltem und jungem Wald bestanden, teilweis ge-\nlichtet, in der Wegmitte sich weit öffnend zu einem\ngrünen sanft abfallenden Wiesenhange, wohin als\nzum gemeinsamen Futterplatze täglich die gehegten\nTiere hinaustreten: Hirsche, Rehe und breite,\ndaherstampfende Wildschweinfamilien. Am Abend\nist der ganze Raum von den zutraulichen Rudeln\nerfüllt und still belebt.\nMan sieht die Tiere unbekümmert, scheinbar\neins vom andern nichts wissend, noch begehrend,\nweiden, folgt allen ihren Bewegungen, wie die Rehe\nbesonnen ausschreiten, zierlich verweilen, den\nschönen Kopf zu Boden senken, wieder spürend er-\nheben, in die klare Luft ausschauen, mit kurzen\nSprüngen enteilen und wiederkehren. Und an\nkühlen, früh dunkelnden Herbstabenden vernimmt\nman nicht ohne einen gewissen Schauer das in-\nbrünstige Röhren der Hirsche, das mächtig durch\ndie Ruhe der Dämmerung hallt: der Notschrei der\nKreatur, die sonst schweigt und duldet, bis einmal\nund nicht für lange Taumel und Glück, Freiheit und\nQual Ihres Daseins sich mächtig entladen.\nZur Rechten der Allee zieht, früher eine wild-\ngewachsene feuchte Au, das sorgfältig geweitete\nund ausgebaute Bett der Wien mit seinen rein-\nlichen Zementanlagen, jenseits führt das Geleise der\nWestbahn brausende Eisenbahnzüge vorbei, deren\nRollen und Stampfen gedämpft herüberdringt, deren\nDampf, nächtliche Lichter und lange Leiber ohne-\nweiters Wundertieren zu gehören scheinen, die\naus der Ferne in die Ferne tauchen und jezuweilen\nihre Pfiffe auch wie Notschreie gejagter Fabelwesen\nhören lassen.\nGegen Westen schließen blaue Höhen das Tal\nab, und in der Abendsonne liegt friedlich und anmut-\nvoll die Kirche von Mariabrunn in einem heiteren,\nbewohnten und lichten Landgebiete.\nBeim Schlendern, das kein Ziel kennt, als die\nAllee selbst, keine Sehnsucht weiter, als den Genuß\ndes Verweilens, sieht man indessen von all den Aus-\nblicken ab und schaut die Halle dieser zusammen-\nschließenden Wipfel hinauf, den gleichmäßigen\ndunklen Säulengang dieser runden breiten Stämme\nentlang und faßt wohl einen einzelnen ins Auge, der\nallein wieder eine ganze Welt für sich ausmacht\nneben all seinen Genossen, kein totes Stück Stein\nin einem gemauerten, sondern ein atmendes Wesen\nin einem gewachsenen Gewölbe. Wahrlich, jeder\ndieser Bäume voll selbstverständlicher Großheit,\nruhigen Selbstgenügens ist eine Welt, oder doch ein\nGleichnis ihrer Fülle, Einfalt, ihres Sinnreichem *\nder Erhabenheit wird. Wie ehrwürdig scheint im\nFrühjahr, in den feuchten, farbigen verheißungs-\nvollen Tagen die Gewalt dieser greisen Formen,\ndie sich zugleich demütig und würdig mit den weiten\nAesten fast bis zur Erde niederbeugen, während die\njungen Säfte in die äußersten Spitzen steigen, die\nbraunwolligen, glänzenden Knospen bis zum\nBersten füllen, die lichten sich auswickelnden\nBlätter mit jubelnder Unzahl, und wie ein mystisches\nGeheimnis ewiger Wiederkunft die fleisch- und\npurpurfarbenen Blütensträuße entwachsen lassen,\nderer jeder selbst einem krönenden Bäumchen\ngleicht, wie er auch Ziel und Zukunft: die dauernde\nUnendlichkeit seines Geschlechts strahlend aus-\ndrückt.\nEin Regentag macht die dienende Weisheit\njedes dieser Bäume offenbar: denn jedes Blatt\nneigt sich hinab und die sieben an einem Stiele bilden\neinen offenen Schirm. Von den obersten Teilen\ndes Wipfels fließt das Wasser gleichsam über viele\nBlattdächer gegen den Umfang der Krone, um erst\nvon deren Rand zu Boden zu tropfen. In einem\nweiten Kreis sammelt es sich um den Stamm und\nsickert mählich unter die Erde, wo die feinen Wür-\nzelchen einen ebenso weiten Umkreis mit ihrem\nGeflecht beschreiben, das vom Wasser ernährt,\nEmpfangenes in Saft und Gestalt verwandelt und\nan das Licht emportreibt. Und dieses Baum-\ngeschöpf ist wieder Herberge allerhand Getiers,\nseine gefleckten Blüten sind von Bienen und Hum-\nmeln umschwärmt, die hineintauchen und Gewinn\nsuchend wieder Gewinn bringen: Die Befruchtung\nund damit die Erhaltung und Erneuerung. So dient\nein Leben dem anderen, und eines Daseins Glück ist\nDienstbarkeit einem höheren Ganzen gegenüber.\nAn einem solchen Baume wird das Auf- und Nieder-\nsteigen alles elementaren Daseins, aller unwill-\nkürlichen Ordnung sichtbar: eine Himmelsleiter\nvom braunen Erdboden zur blauen Luft, vom ab-\nfließenden Regentropfen zum aufsteigenden Saft-\nstrom, und man begreift wohl, daß die Völker in\nihren Urzeiten, wo sie selber in Wäldern und an\nStrömen wild wuchsen, in einem Urbaume das\nGleichnis der lebendigen Welt erblickten, die\nzwischen Wurzel und Krone in aller Vielgestalt und\nMöglichkeit beschlossen schien.\nDurch diese rauschende Säulenhalle geht nun der\nStrom des täglichen Lebens, selbst in so unmittel-\nbarer Beziehung zu diesen Bäumen, wie Luft.\nVögel, Bienen, Regen und Wind: schön gebaute\nWagen, knatternde Automobile, wandernde Fuß-\ngänger, junge Frauen mit ihren Kindern, die im\nSchatten spielen, alte Männer mit grauen Haaren\nund sachtem Gang — die Säulenhallen sind eben\nden Greisen am willkommensten, sie genießen den\ngegebenen Tag als freundliches Geschenk — und\nabends natürlich Liebende.\nImmer suchen zwei Wesen den Schatten, darin\nein kurzes Glück, eine ganze Sehnsucht, ein volles\nHerz zu bergen, denn das Gefühl, das zwei Ge-\nschöpfe über sich selbst hinaus zum überwallenden\nTriebe der Gattung hebt, begehrt mit jener ur-\nsprünglichen Keuschheit, die der schaffenden Natur\neigen ist: das Dunkel, die Stille und die Einsamkeit\nals Schutz.\nSo antwortet das leise Flüstern und glückliche\nLachen der Liebenden dem Summen der Bienen in\nden Aesten und dem lauteren Rauschen der Blätter;\nunter einem grünen Dache ist so der ganze Um-\nkreis des waltenden und zugleich dienenden, des\nselbstsüchtigen, eigenwilligen und doch von einer\ngrößeren Gesamtheit ganz umfaßten Daseins ge-\nschlossen. Indem man in die Weite durchblickt,\nweilt man in scheinbar begrenztem Räume in einer\npurpurnen Unendlichkeit, man glaubt in einem\nDurchgang zu stehen, dessen Anfang und Ende erst\ndas Ziel zeigt, indessen ist er es selbst, nicht der\nMorgen und Abend, nicht das Kommende, sondern\ndas allgegenwärtige, sonnbeglänzte, grünschattende\nDasein jedes wandernden Tages ist unser aller Auf-\nenthalt und Ziel. Ueber den Bäumen gehen die\nleichten und schweren Wolken, die Farben des\nwechselnden Himmels vorüber, die dunkelblaue\nNacht schlägt ihre golddurchblitzten Flügel auf und\nruht, und der volle Mond fällt und steigt wie ein\nsilberner Taler durch die Zweige. Ein verlorner\nVogelruf ängstet durch die Stille, drüben braust ein\nZug vorbei, die Schritte eines späten Fußgängers\nhallen nach. Wo sind unsere Ziele! Wohl uns, wenn\nunser aller Wanderschaft zeitlebens so schön, so\nruhevoll ginge und sanft in den vertrauten Schatten\ntauchte!\n\nGespräche mit Kalypso\nFünftes Gespräch : Die Fischpredigt / Von der\nTonleiter\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\n\n(Der Musiker am Strande, allein. Es ist morgens.)\nIch weiß nicht, was sie jetzt schaffen mag, ob sie\nbetet, singt, oder im Arm eines ihrer sonderbaren\nFreunde liegt. Sie ist zwar göttlich, aber sie ist\nein Weib, und ich — ich fange an, alles Mensch-\nliche von mir abzulegen; die Unsterbliche färbt\nauf mich ab. Ich bebe nicht, doch ich singe, pfeife\nund liege, wenn ich mag, im Sand. Ich spiele ihren\nHofnarren und Verlustierer. Was nützt auch das\nGreinen! Ich stelle mich sacht und fest auf meine\nzwei Beine und erwarte, wie ein alter Mann, das\nEnde.\nLieben Fische, seid gut zu mir, laßt uns die letzte Zeit\nmit einander vertreiben. Ein neuer, sehr unheiliger\nAntonius, will ich Euch predigen. Ihr seid taub\nund stumm; herzlich gewogen bin ich Euch. Ihr\nseid ja Fleisch von meinem Fleisch, Blut von mei-\nnem Blut, denn Ihr habt meine Freunde gefressen.\nIch weiß, Ihr liebt mich nicht, weil ich Euch ent-\ngangen bin, und war doch so schmackhaft, wie\nKalypso findet. Nun, ich will mir Eure Liebe er-\nwerben, indem ich zu Euch rede, von Dingen, die\nEuer Innerstes treffen; zu Euren Fischherzen rede\nich von dem Zusammenhang der Töne. Ihr seid\ntaub und stumm; Euch sage ich etwas Neues, Be-\nfremdliches, innig Rührendes.\nEin Ton, seht, das ist vieles auf einmal. Ich will\nEuch nicht sagen, wie er zu den Dingen steht, —\ndenn das weiß nur Kalypso. Aber er ist eine be-\nstimmte Höhe, eine bestimmte Stärke, von einem\nbestimmten Stoffklang, von einer bestimmten\nLänge. Vielleicht weiß einer unter Euch noch\netwas. Ihr mögt mich unterbrechen, denn ich er-\ntrage ruhig jeden Widerspruch von Euch, meine\nFreunde und Totengräber. Was eine bestimmte\nLänge, eine bestimmte Stärke ist, wißt Ihr. Ich\nkann Euch aber nicht sagen, was eine Höhe und\nStoffklang ist — und so habt Ihr zu staunen.\n„Was ist blau\"? — Und solch Unbeschreibliches\nsind auch die Töne. Da sperrt Ihr die Mäuler auf;\nja lauscht meiner Märe, werft Eure Beschränkt-\nheit von Euch, geht in Euch! Ach, in Euch, da\nruhen meine Freunde; grüßt sie auch herzlich,\nwenn Ihr sie trefft.\nDies melde ich von einem Ton; ganz anders steht\nes mit zweien und vielen. Ein Ton, ein Pfiff hängt\neinen Augenblick lang in der Luft, stürzt im Mo-\nment haltlos, wie getroffen zur Erde. Doch sind\nviele, so beginnt der Reigen der Töne, und wie der\nTon aufhört, hebt schon der nächste an, folgt der\ndritte, und so drängen sie sich und schlüpfen eng\nbeieinander, daß des Steigens und Sinkens kein\nEnde ist, und ein Strömen entsteht, ein sicheres\nFliegen. Was bindet die Töne an einander, die vie-\nlen Töne, wie kommen sie zusammen? Denn sie\nfolgen nicht fremd aufeinander, sonst würde jeder,\nwie der einzelne, ohne Halt leblos zur Erde stürzen.\nIch frage nach der Ordnung und Fesselung der\nTöne, die den Namen Musik führt. Wenn ich davon\nsprach, wie lebensnah dieses tönende Ab und Auf\nsei, wie es sich fast gebärde als Auftakt der Schöp-\nfung, so stelle ich die bestimmte Frage, die Vor-\nfrage: was reiht die Töne aneinander? Wie werden\nTöne zu Musik? —\nEs gibt Bilder und Vorbilder des Zusammen-\nhanges in der Zeit. Das Leben selbst tritt macht-\nvoll hervor. Die Zeit, die Bewegung, das Werden\nkommt nicht von außen zu den Dingen hinzu; kein\nPunkt im Dasein, keine Gegenwart läßt sich ver-\neinzeln. Die Gegenwart ist unvollständig, die\nDinge sind lebendig. Das Wirken und Verursachen\ndrängt niemand den Dingen auf. Es ist die Wirk-\nsamkeit und Ursächlichkeit dem Wesen der Dinge\nso wenig fremd, daß das Wesen sich vielmehr erst\nim Ablauf erweist, die Beziehungen es bestimmen.\nDarum darf ich jener Lehre lachen, die von der Un-\nfreiheit in der Welt, von Zwang und Notwendig-\nkeit spricht. Das Wesen bestimmt sich in den\nzeitlichen Beziehungen, in Ursachen und Wir-\nkungen, wird nicht bestimmt. Niemand tut uns\nGewalt an; von Ewigkeit her sind wir davor ge-\nschützt. Nichts kann uns geschehen. Wie soll\nich trennen: Leiden und Tun? Schnellzüngige\nmeinen, eins zwinge das andere, töte es, be-\nreichere sich. Ich habe schon viele Menschen,\nTiere und Pflanzen welken sehn; aber war ihr\nVergehen etwas anderes als eine Lebensweise?\nDer Tod ist eine Lebensäußerung, nicht unterschie-\nden von jeder früheren, von Essen, Springen,\nLachen. Ich leide Tod? Ich tue Tod. Aber diese\nWorte haben Schnellzüngige erfunden. Es gibt nur\nein Geschehen. Keins greift in die Sphäre des an-\ndern störend ein; nichts ist, jedes erweist sich\nerst. Sie laufen alle glatt wie geölte Scheiben\nnebeneinander. Das „Größte\" und „Kleinste\" ist\ngleich. Keine Sklaven leben und keine Herren. Es\ngibt keine Macht über das Andere, und deshalb gibt\nes keinen Kampf in der Welt und keinen Frieden.\nDenn wie soll Kampf und Frieden sein, zwischen\ndem, was sich nie berührt; die Welt ist nicht auf-\nzuhalten, sie ist nicht fertig, immer unwirklich; sie\nwächst. Während ich hier stehe, lodert die Welt,\neine grelle Brandfackel, durch alle Räume. —\nJedem zeitlichen Zusammenhang dient das\nLeben zum Vorbild. Doch wenn in der Welt die\nDinge sich selbst lebendig entwickeln, so nicht die\nTöne in der Musik. Der Ton ist fertig, rund, glatt,\naufzuhalten; er klingt auf, vergeht, und ist spurlos\nverschwunden; er ist satt, eine4eblose Masse, weist\nnicht hin auf Vergangenheit noch Zukunft, hat"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.4", "texte": "weder Eltern noch Kinder. Der Ton ist ein Atom.\nDie Aufgabe, mit der sich Weise quälen, wie\naus gleichartigen ruhenden Atomen die bunt-\nscheckige, rastlose Welt sich bilde, erwächst\ndarum dem Schöpfer der Tonwelt. Ist der Ton\nverklungen, so hat er ausgelebt, spurlos: die\nMusik muß den Tod des Tones aufheben, um zu\nsein; der Spur des Lebens folgend, muß sie ihn mit\nWirksamkeit und Ursächlichkeit ausstatten, ihn\nseiner Einsamkeit entreißen.\n— Etwas Seltsames, höchst Erstaunliches be-\ngiebt sich hier; denn im Ton ist, wie mich Kalypso\nlehrte, das Zueinander der Dinge leibhaftig ge-\nworden; der Ton stellt selber Lebendigkeit dar;\ndarum eben unterliegt er nicht mehr den Ursachen\nund Wirkungen, darum hebt er keine Lasten, dreht\nkeine Mühlenräder. Und so begibt sich das Er-\nstaunliche, nun Begreifliche, daß er, der Träger\nder Beziehlichkeit und des Lebens, tot erscheint,\nweil kraftlos und kein Packträger. Die Musik\nmuß aber, will sie ihn lebendig machen, ganz miß-\nverstehen, zurückbilden, unter die Dinge stoßen! —\nAuf dem Zwang zu diesem Mißverständnis wächst\ndie Musik. Es gilt, die Unvollständigkeit des gegen-\nwärtigen Tones zu erzeugen. Echte Unvoll-\nständigkeit, nämlich das Wesen entwickelnde,\nbleibt dem Ton versagt, dem fertigen, runden,\nglatten. Die falsche Unvollständigkeit preist das\nVolk überall; sie tritt auf in der Ursache, als in einer\nwirklichen Sache, welche wesensfremd, das andere\nDing von außen stößt und bewegt; „Ursache\":\nDas ist schon „erste Sache\".\nWie nun kann ein Ton gleich einem Ding\nmit solcher äußeren Ursächlichkeit ausgestattet\nwerden? Ich will mir solchen Versuch er-\ndenken. Es „bewegt\" der Ton, der die andern\nlibertöttt und beendet: dies erweckt nämlich den\nAnschein, als hätte er sie zum Schweigen gebracht,\nzum Schweigen bewegt. Ein Nach-Bild, ein\nSchein des Zusammenhangs muß geschaffen\nwerden. Denn da die echte Unvollständigkeit den\nTönen versagt ist, kann Musik nur menschen-\nherrlich sein. Und der Zusammenhang der Töne\nbestimmt sich nicht als Schöpfung und Zeugung,\nsondern als Satzung und Ordnung. Dies ist nun\neins und sehr wichtig: die Uebertragung der Schein-\nGesetze der Wirklichkeit auf die Töne, — der Ver-\nsuch einer wirklichen Nachschöpfung zum Zweck der\nKunst. Es findet hier kein blindes freies Spielen\nmit den Tönen statt, sondern man schafft sorgsam,\nstreng und ernst; man sucht den Tönen dasselbe\neigentümliche Leben einzuflößen wie den wirk-\nlichen Dingen. Man lauscht ängstlich: gelingt es\noder gelingt es nicht? Man erwartet schon glück-\nvoll die Geburt der Musik. Der Tonschöpfer setzt\neinen Ton und nennt ihn Herrscherton, Grundton.\nDer ist bewegend, selbst unbewegt. Neben dem\nmächtigen Ton ist dann für einen Andern kein\nPlatz. — Denn eben in der Unduldsamkeit, etwa\nder Länge, der Stärke, der Höhe, zeigt er seine\nWürde und den Anspruch seiner Macht — es sei\ndenn, der andere nehme seinen Willen an. Dies\nheißt: er ende oder er werde ihm gleich. Der\nHerrscherton hat ein großes Maul; Kunst übt, wer\nsich von ihm verschlingen läßt. Die Unverträglich-\nkeit und Ueberwertigkeit des Grundtons zwingt\njeden Nebenton zum Enden, oder was dasselbe ist,\nzu einem zweiten, der die Unterwerfung des\nSklaventons anzeigt, sofern er dem Machtton nicht\nschon von vornherein glich. So erzeugt er den\ndritten Ton; der Grundton bildet das Ende der\nTonbewegung, die er so verursacht hat, selbst un-\nbeweglich. Dies ist der Grundriß einer Musik, die\neinfachste Bestimmung der Musik, als einer ton-\nerzeugenden, tonverschlingenden Mascnine.\nNiemand kann König sein, ohne Land; die Unter-\nwerfung des Nebentons setzt das Vorhandensein\neines Nebentons voraus. Es müssen unabhängig\nvon dem Grundton Töne fließen, fremdwillig, den\nMusikstoff zu bilden. Jene andern Töne, die der\nHerrscherton beherrscht, treten, wie er selbst, aus\nder Freude hervor. Wenn nun diese fremdwillige\nReihe der Töne einsetzt, so muß ich mich ent-\nschließen, einen Herrscher zu ernennen, damit\ndas tönende Auf und Ab schwinde, damit die Reihe\naufhöre, und die Ordnung, der Zusammenhang, die\nMusik entstünde. Mit jenem, sehr lauten, oder sehr\nlangen Königston muß ich mich in den Kampf\nstürzen, ihn festhalten und schützen gegen alle An-\ngriffe. Fällt er, so schwankt der Boden, und das\nChaos bricht herein! „Halt, halt!\" muß ich über\ndie Reihe rufen. Mit einer Meute hetzt der stark-\nknochige Jäger sein Wild und macht das Feld frei.\nStatt eines Bewegers und Belebers ist er Beender\nund Mörder. Der Grundton herrscht nicht über die\nTöne, sondern erdrückt sie; folgen fremdwillig viele\nunterschiedene Töne aufeinander, so herrscht letzt-\nlich diese wirre Reihe, und Grundton heißt das\nEnde der Reihe, das er erzwingt durch seine Stärke\nund Dauer. Er nützt seine Macht von Menschen\nGnaden schlecht, wenn er sich nicht selbst an den\nfliehenden Tönen mißt, sie angreift, sich ihrer be-\ndient und sie sich unterordnet. So wäre nur wenig\ngeschehen mit der Ueberwertung eines einzigen\nTones, um das Chaos zu beenden, und aus Tönen\nMusik zu machen.\nEs gilt die Unvollständigkeit des gegen-\nwärtigen Tones zu erzeugen: dieser Satz steht\nüber allen, die einen Zusammenhang forden,; 1e\nWelt ist nicht aufzuhalten; sie ist nicht fertig,\nimmer unwirklich, sie wächst. Während ich hier\nstehe, lodert die Welt, eine grelle Brandfackel,\ndurch alle Räume. So wenig sich der innere Zu-\nsammenhang in Tönen geben läßt, läßt sich\nder äußerliche, scheinbare der Ursächlichkeit\nnachbilden. Die Fähigkeit jedes Fortschrittes, jede\nStoßfähigkeit und Schwerkraft, ist den Tönen ver-\nsagt; die Töne hier, von einem fremden Willen ge-\nreiht, gelangen bisher nachbildend zu keiner Ord-\nnung. Wir steigen vom Himmel zur Erde.\nDer Königston, der Grundton stellte an die\nTöne den runden, klaren Anspruch, ihm gleich\nzu werden, und dies war die einzige Handlung, in\nder sich der Wille zur Musik erklären konnte: der\nGrundton konnte nur enden. Die große Fülle der\nanderen Töne trat dem Königston gegenüber, nur\nals andere, schwächere Töne. In der Machtlosig-\nkeit auf den einzelnen Ton einzugehen, ihre Ver-\nschiedenheit zu erfassen und sie nach ihrer Ver-\nschiedenheit verschieden zu bewegen, lag die töt-\nliche Schwäche des Ursachentons. Herrschen nun\nmuß ein Ton, denn nur in der Echtheit liegt Ord-\nnung und Zusammenhang. Aber damit Musik ent-\nstehe, die sich im Tonverbinden, nicht im Beenden,\nerweist, muß der Herrscherton dem unter-\nschiedenen Reichtum und der Mannigfaltigkeit der\nTöne gerecht werden, sich den Tönen nähern.\nMacht darf dann nicht allein der Königston be-\nsitzen, sondern es muß Stärke auch den anderen\nin unterschiedener Größe innewohnen, damit sie\nsich ihm vergleichen können. Ein Adelsgeschlecht\nmuß geschaffen werden. Wenn aber von\nHerrschen und Stärke die Rede geht, so gilt es\nwohl zu bedenken, daß niemand stark heißen kann\nin sich, sondern nur gegen anderes, weil sich\nStärke in den Leistungen beweist und danach\nbemißt. Die unterschiedene Kraftgröße der ver-\nschiedenen Töne wird musikalisch nur darum ge-\nfordert, weil die Töne sich vergleichen sollen, damit\nso eine Herrschaft, das ist Zusammenhang, ent-\nstehen möge. Gefordert wird hier die Kraft über-\nhaupt nur um des Kraftverhältnisses willen, ge-\nfordert wird das Kraftverhältnis. Zusammenhang\nsoll geschaffen werden; nicht also kann er schon\ndadurch erreicht werden, daß den einzelnen Tönen\nverschiedener Wert verliehen wird. Der Zu-\nsammenhang der Töne liegt ganz in der Bewegung\neines auf den andern; der einzelne Ton hat nur\nSinn als Träger und Uebermittler einer Bewegung.\nDie Frage: „wie läßt sich die Beziehung der Töne\nregeln?\" verdichtet sich jetzt zu der: „welches\nMaß läßt sich für die Bewegungsgröße finden?\"\nUm die Bewegungsgröße von Tönen zu messen,\nbedarf es eines Tonmaßes, denn die Töne kann man\nso wenig mit der Elle messen, wie eine Dichtung\nmit dem Steingewicht. Es gibt nun wohl ein festes\nMaß, um genau das Beziehungsverhältnis der Töne\nvon einander zu bestimmen, das Verhältnis der sie\nerzeugenden Schwingungen; doch ist dies kein\nMaß der Töne, sondern eben der Schwingungen.\nIch weiß also, wenn ich frage: „wie ordnet man\ndie Töne hintereinander, wie mißt man ihre Be-\nwegungsgröße?\", daß daran alles Messen im\nTönenden seine Grenze findet, daß nur das Greif-\nbare, Sichtbare sich willig der Zahl unterwirft. Es\nkann nur Spielerei bedeuten, sagt man, dieser Ton-\nfortschritt klinge wie 1:1 oder 1:2. Es gibt kein\nTonmaß.\nDie Weisen und Durchforscher der Natur\nhaben ihre Stimme erhoben und vermeint, es gäbe\nein solches Maß der Bewegungsgröße, man brauche\nes nicht schaffen, sondern nur finden, — in der\nNatur; eben dass Maß sei die Zahl der Bewegungs-\ngröße des tonerzeugenden Stoffes. Sie reden\ndavon, daß jeder Ton „entstehe\" durch eine Anzahl\nvon Schwingungen des Stoffes, daß derjenige Ton\neinem andern nahestände, der doppelt so viel\nschwinge, als der andere, näher als einer, der drei-\nmal so oft schwinge, und so ähnlich weiter. Je\neinfacher das Verhältnis ihrer Schwingungszahlen\nsei, um so näher ständen sich die Töne an musi-\nkalischem Werte. Ich weiß, der Ton ist ein\nanderes, das harte Ding und die Schwingung ein\nanderes, — doch sind sie verbunden: es sind die\nDinge, die tönen. Und wunderbar erscheint mir\ndarum, daß doppelt so rasche Dingbewegung einen\nTon erzeugt, der dem aus einfacher Schwingung\nähnlicher klingt, als dem aus dreifacher und fünf-\nfacher. Auf dfe Innigkeit der Verbindung von Ton\nund Ding deutet weniges so scharf, wie die alte\nBemerkung: je einfacher die Beziehung der\nSchwingungszahlen, um so übereinstimmender die\nTöne. Doch ist solche Beziehung von Ton und\nDing weit entfernt, die Musik zu einer Kunst des\nunbewußten Zählens zu erniedrigen.\nDie Einfachheit und Uebereinstimmung ist\nschon keine Tatsache, sondern ein menschliches\nUrteil; es ist keine Tatsache, daß 1:1 einfacher ist\nals 1:2. Ob Töne nahe beieinander stehen oder\nübereinstimmen, sich ähneln, liegt nicht an den\nTönen selbst, sondern am Menschen, der sie hört\nund vergleicht. Wenn ich so spreche, und meine,\ndies liege nicht an den Tönen, so muß ich jetzt noch\nklarer unterscheiden. In dem, was vorhanden ist,\ngegeben ist, was sich darbietet als Weltablauf,\nliegt etwas wie eine Aufforderung, jn ein Zwang zu\nurteilen, es sei so gegeben und nicht anders ge-\ngeben. Das Dargebotene verlangt Anerkennung.\nEin Blatt fällt vom Wind gestoßen vom Baume;\ndas geschieht ohne mich; ich erleide gleichsam\nden Anblick. In sich gezogen grübelt ja das Ge-\ngebene, läßt sich nicht gern am Aermel streifen,\nblickt nur scheu von der Seite den Vorüber-\ngehenden an, der es auf dem Stein am Wege sitzen\nsieht. So scheu blickt mich das Gegebene an,\nwenn ein Blatt vom Aste flattert. Doch freilich:\nich bin es, der dies erleidet, an dem dies geschieht.\nDies ist zwar in gewissem Hinblick Leiden, aber\neine Beziehungsweise zu mir; von mir auch; gehört\nauch zu meiner Bestimmtheit; ich bin im Fallen des\nLaubes: Blick um Blick. — Solches drückt die An-\nerkennung aus. Wenn ich auch deren, die die Welt\nan den Menschen binden, nicht beistimmen kann,\n— sie machen die Welt so zur Lüge — so gebe ich\ndoch dies zu: die Welt wird mir nur zugänglich in\nder Weise der Anerkennung. Sie bedarf eines\nWeges, auf dem sie zu mir schreitet; wenn ich von\nihr spreche, so darf ich nicht vergessen, daß ich es\nbin, der von ihr spricht, das ist: einer, der über den\nandern redet; ich ergehe mich in Urteilen über sie.\nSolche Beziehungs- und Urteilsweise, doch jene\nder Anerkennung spricht in dem Satze: Das Blatt\nflattert vom Baum, dieser Ton klingt so hoch, so\nlang, so laut, jener so hoch, so lang, so laut. Wenn\nich nun aber sage, ein Ton sei so oder so hoch, so\nhabe ich damit noch nicht gesagt, dieser Ton sei\nhöher als jener, diese Bewegungsgröße ähnele jener.\nDer Ton steht da für sich in seiner Bestimmtheit;\nnichts in ihm weist auf die Umgebung und über ihn\nhinaus; was an ihm vorhanden ist, was er ist, ist\neben die Bestimmtheit, die rund, gewölbt auf eignen\nPfeilern ruht. Ich höre ihn wohl anders als den\nandern, doch ist er nicht anders. Die Muschel hier\nwird auch nicht zur Muschel durch den Sand, das\nBlau wird nicht durch das Grün; die Welt würde\nsonst ins blaß Unendliche verschwimmen und ver-\nlöre die Bestimmtheit. Nicht also kommt solche Be-\nziehlichkeit den Dingen zu, sondern sie kommt zu\nihnen hinzu, — durch mich. Erst die Beziehung zu\nmir läßt die Dinge so bezogen sein. Alle Musik aber\nruht nicht darauf, daß dieser Ton so hoch, jener so\nhoch ist, sondern daß die Töne verschieden und wie\nverschieden sie von einander sind, ruht auf der Be-\nwegungsgröße. So zeigt sich die Musik, im Augen-\nblick, wo sie auf den Plan tritt, von Gedankenart,\nund obzwar auch in der echten Beziehlichkeit des\nGeschehens sich der Gedanke in der Welt selbst\nerweist, so bildet der Mensch hier, seine eigen-\ntümlichen Gedanken, die den Kreis seiner be-\nsonderen und einzelnen Bestimmtheit malen. Ich\nkann nun nicht zur Erklärung dieser Gedanken\nsagen, er raffe so einheitlich die Welt zusammen,\nmachte sie sich handlich; sein Tun ist selbst eine\nWelthandlung. Abgesehen von solchen Einzel-\nbestimmtheiten und Handlungen seh ich keine Welt.\nDaß er aber seinen „Lebensbedingungen\" mit\nsolchen Urteilen und Handlungen genüge, daß er so\netwa sehr sparsam über seine „Kräfte\" verfüge,\noder sich bereichere, sage ich nicht, denn dies hieße"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.5", "texte": "Max Liebermann:\nKunst is Handwerk! Det Malen is ne janz eenfache Sache. Machen Se n Strich und de Düne is fertig!\n\nmenschlich von der Welt, statt weltlich vom\nMenschen denken; und mit solcher Aeußerung sagte\nich entweder nichts oder zuviel. Nichts gebe ich\nmit „Lebensbedingung\" „Willen zum Leben,\" weil\nWille eine Vorwegnahme und bloße Verdoppelung\ndes wirklich Geschehenden ist, zu viel mit „Wille\nzur Sparsamkeit\" oder „größten Aneignung\" und\n„Macht.\" Tief, aber anscheinend sehr schwer, lehrt\nder einfache Satz und seine Bescheidenheit, die kein\nVerzicht ist: „der Mensch fällt nicht aus der Welt\nheraus; die Welt ist; — sie ist so und nichts\nanders.\" Der Schöpfer der Musik erkennt zwar in\ndem Dargebotenen die Höhe des Einzeltons an, doch\nurteilt er ferner, ob Töne übereinstimmen, sich\nähneln, fremd klingen. Er findet das Wunderbare,\ndas mich jetzt nicht quält, daß die Töne, welche nach\njenen einfachen Zahlenverhältnissen sich beziehen,\nnahe, verschieden nah bis zur Uebereinstimmung\nklingen.\nSchluss des fünften Gespräches in Nummer 10\n\nFondants\naus der spirituellen Konfiserie\nVon Mynona\nDer alte Mathematiker sagte lächelnd und zer-\nstreut: . „Gewißlich ist auch der ganze astro-\nnomische Himmel in der Erde enthalten, deren\nOberfläche ihn — konvex — umschließt. Wir haben\neine Perspektive von unergründlicher Ironie. Die\nUnendlichkeit ist ein göttlicher Witz. Na ja ja.\"\nEin junger Mathematiker brüllte aus Leibes-\nkräften: „Ich bin ein Preuße! kennt ihr meine\nFarben?\" — War das nicht eine stark politische\nReplik?\n*\nZehn Leute, fünf Männer und fünf Damen, ent-\nschlossen sich zu einer gemeinsamen Reise. Als es\nzur Ausführung kam, stießen sich die Damen an\nder Bezeichnung: „Schlafwagen\". In welche\nwunderlichen Ecken retiriert. doch zuweilen der\nRest des Schamgefühls!\n*\nEin schönes Mädchen bog seinen Arm und\nzeigte seinen Verehrern den Bizeps. „Meine\nGnädigste,\" rief ein Schmeichler, „wie glücklich\nder, der diesen Ellbogen einst zu seinem Triumph-\nbogen macht!\" „Wenn ich Ihnen,\" sagte die\nSchöne, „Plastik vorzeige, so verbitte ich mir, daß\nSie Architektur daraus machen.\"\n*\nAls ein gewisser Mauthner die menschliche\nSprache in Grund und Boden hineinkritisiert hatte,\nverteuerte sich dieser Grund und Boden be-\nträchtlich. Was soll das bedeuten?\n*\nDer weiseste Mann der Erde schwieg sechs-\nundzwanzig Jahre. Sein erstes Wort nach dieser\nFrist war: Silentium!\n\nGedichte\nVon Else Lasker-Schüler\n\nIch träume so leise von dir\nImmer kommen am Morgen schmerzliche Farben,\nDie sind, wie deine Seele.\nO, ich muß an dich denken\nUnd überall blühen so traurige Augen.\nUnd ich habe dir doch von großen Sternen erzählt,\nAber du hast zur Erde gesehn.\nNächte wachsen aus meinem Kopf,\nIch weiß nicht wo ich hin soll.\nIch träume so leise von* dir,\nWeiß hängt die Seide schon über meinen Andren.\nWarum hast du nicht um mich\nDie Erde gelassen — sage?\n\nDie Liebe\nVerstecke mich in deinem Süßblut\nNähe mich in den Saum deiner Haut ein.\nImmer tragen wir Herz vom Herzen uns zu.\nPochende Naht\nHält unsere Schwellen vereint.\nWo \"mag der Tod mein Herz lassen?\nIn einem Brunnen, der fremd rauscht —\nIn einem Garten, der steinern stellt —\nEr wird es in einen reißenden Fluß werfen.\nMir bangt vor der Nacht\nDaran kein Stern hängt.\nDenn unzählige Sterne meines Herzens\nVergolden deinen Blutspiegel.\nLiebe ist aus unserer Liebe vielfältig erblüht.\nWo mag der Tod mein Herz lassen?\n% » „\n%\n\nStreiter\nUnd deine hellen Augen heben sich im Zorn,\nSchwarz, wie die lange Nacht, und morgenlose,\nDes Eitlen Stimme brüllt in toter Pose,\nWie durch ein enggebogenes Horn.\nUnd im übermütigen Tausendlachen\nDer Einen und der Zweiten und der Vielen\nZerbersten Wort an Worten sich aus Wetter-\nschwielen\nWie reife Härten auf den lauten Schwachen.\nUnd Abendwinde, die von her und dort sich trafen\nUnd schrill in Kreiseleile sich beschielen,\nAufpfiffen fröstelnd über die gehöhnten Dielen —\nIch konnte nachts vor Träumerei nicht schlafen.\nUnd meine Seele liegt wie eine bleiche Weite\nUnd hört das Leben mahlen in der Mühle,\nEs löst sich auf in schwere Kühle,\nUnd ballt sich wieder heiß zum Streite.\n\nDie Schreihälse\n\nWie wenigen bekannt sein dürfte, hat in einem\nöffentlich aufliegenden Bühnenblättchen irgend\njemand den Literarhistoriker Lublinski in schmie-\nriger Weise angepöbelt, mit antisemitischen Witz-\nlosigkeiten und geradezu peinlichen Hinweisen auf\nseine körperliche Gebrechen. Ein anderer, ich\nglaube aus Lublinskis Weimarer Umgebung, be-\nklagte darauf den Mangel an journalistischen Ehren-\ngerichten, mehrere stimmten in die Klage ein, und\nes kam zu einer öffentlichen Verurteilung des\njournalistischen Rüpels seitens angesehener Schrift-\nsteller. Zwei Tagesblätter, die erfreulicherweise nur\nam Montag erscheinen, moquieren sich jetzt in\ncharakteristischer Weise über die Angelegenheft.\nIch will Lublinski nicht beleidigen, wenn ich seinen\nNamen in so kläglicher Gesellschaft ausspreche; es\nist mir begreiflich, daß der Verfasser mehrerer\nliterarischer Werke, welche um ihrer Originalität,\nSchärfe und Eindringlichkeit willen sogar in fach-\nphilologischen Kreisen Ansehen genießen, nichts\ngemeinsam hat mit professionellen Schwätzern; doch\nerfordert die Deutlichkeit, ihre Namen zu nennen:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.6", "texte": "Der Rüpel war ein Herr Lessing, die beiden Mo-\nqueure ein Herr Schlaikjer und ein Herr Schneidt.\nHerrn Schlaikjers üble Wendungen auf Lu-\nblinski werden durch einige Zitate aus Lublinskis\n„Bilanz der Moderne\" leicht aufgeklärt. (Seite 201).\n„Wenn der etwas später — als Sudermann — auf-\ngetretene Otto Ernst und Erich Schlaikjer an dieser\nStelle erwähnt wird, so nur deshalb, weil sich die\nwunderbare Legende verbreitet hat, daß diese\nbeiden greulich schlechten Theaterdichter besser\nwaren als Sudermann. Das ist einfach nicht wahr.\"\nEin andermal wird Herr Schlaikjer unter den „Volks-\nerziehern und Gartenlaubepoeten siebenten Ranges\"\ngenannt; er heißt „der sehr gesunde und sehr über-\nflüssige Herr Schlaikjer.\"\nHerr Schneidt bedarf , keiner Zitate. Wenn\nHerr Schneidt schimpft, so bedarf er überhaupt\nkeines besonderen Grundes; der Mann schimpft,\nwie der liebe Gott regnet, wie die Hunde bellen, wie\ndie Kater mauzen. Es ist zum Steinerweichen, aber\nman muß es hinnehmen. Besonders in dem totalen\nQuatsch, den er als „Ragout fin\" seinen bemit-\nleidenswerten Lesern serviert, gibt er sich ent-\nsetzlich seinen Gefühlen hin. Er spricht dann ein\nsonderbares Deutsch, wodurch er auch das Recht\ngewinnt, Lublinski einen „Deutschverderber\" zu\nnennen. Zum Beispiel fällt die Wendung, daß\nirgendetwas „für es\" wichtig wäre; „für es\". Oder\nHerr Schlaikjer wird demonstriert als „ein auf-\nloderndes Temperament, das — felsenfest—\". Wenn\nHerr Schlaikjer felsenfest auflodert, seh ich zu,\n— werde ihm aber in seiner widernatürlichen Not\nhelfen.\nGenug aus der Sudelküche des Herrn Schneivit.\nWen gehen im Grunde die Herren an und ihre Pro-\nduktionen?\nGoethe sagt:\nZehnmal gelesne Gedanken auf zehnmal bedrucktem\nPapiere;\nAuf zerriebenem Blei stumpfer und bleierner Witz.\n\nR R.\n\nTheoretische Dichter\nEin Herr Julius Bab begeht seit fünfhundert\nJahren dieselben trostlosen „Wege zum Drama\".\nEr wird es nie finden, auch wenn er noch so be-\nbrillt durch die Spalten des kleinen ihm zur Ver-\nfügung stehenden Theaterblättchens lugt. Auf\nseinen Wanderungen aber pflückte er jüngst ein\nPapierblümchen am Rande, das ein gütiger Re-\ndakteur ihn durch den Weltspiegel beschauen ließ.\nDer Sturm vernichtet die Jammerblüte durc i\nDruck.\nFrühling in der Fremde\nFrühling, komm' und trage\nMich mit sanfter Hand,\nDaß ich nicht mehr frage,\nWo mein Heimatland.\nLaß in weichen Winden,\nDie auf Feldern geh'n,\nDu mich Wohnung finden —\nLaß mein Haus ersteh'n!\nWenn in Sonnenwellen\nSich die Erde löst,\nWird der Zorn sich hellen,\nDer ihr Kind verstösst.\nWird sie still sich neigen:\nKon m', Verlorner du! —\nBlüht aus allen Zweigen\nMir die Heimat zu.\nWege zur Lyrik\nDer edle Satiriker Dr. Theodor Lessing for-\nderte den Dichter Thomas Mann, weil ihm dieser\nwegen seiner groben Rüpeleien gegen den Kritiker\nLublinski energisch übers Maul fuhr. Herr\nDr. Lessing hat offenbar das richtige Gefühl, daß\nman ihm nur mit einer Revolverkugel sein Mund-\nwerk stopfen kann. Er nimmt sogar mit einer ge-\nwissen Befriedigung von der Parallele Kenntnis,\ndie einige Schriftsteller überflüssiger Weise und\nnatürlich ironisch mit Gotthold Ephraim Lessing ge-\nzogen haben. Herr Lessing beruft sich wiederholt\nin seinen jämmerlichen Verteidigungen auf sein an-\ngestammtes Dichtertum. Ich will so gerecht\nsein, hier einige Verse aus seiner Klage „Kirchen-\nglocken'4 der Oeffentlichkeit nicht vorzuenthalten:\nGar wohl gefiel mir der freundliche Inn,\nDie Martinswand und der Isel.\nIch lief durch die Straßen mit fröhlichem Sinn,\nGar froh erregt wie ein Wiesel.\nEs ist keine Stadt der modernen Zeit,\nIst mittelalters Verstecke,\nVoll österreichischer Frömmigkeit\nUnd italienischem Drecke.\nEin echter Heinrich Heine. Ich bin überzeugt,\nHerr Lessing wird sich auf ihn berufen. Die beiden\nSchlußstrophen sollen ihm Recht geben:\nIch machte sogleich meine Reverenz\nDem Herrn von der Vogelweiden,\nEr sang von deutscher Freiheit Lenz,\nDen könnt ich immer gut leiden.\n0 Lenz!\nTrank dann im Mohren Terlanerwein,\nKam heim im Morgenrot,\nUnd legte mich ins Bett hinein\nKreuzherrgottschwerenot.\nHimmeldoniierwetternocheinmal!\nDas Weitere möge man in der Zeitschrift des\nHerrn Lessing Der „Antirüpel\" Monatsblätter zum\nKampf gegen Lärm, Roheit und Unkultur nicht nach-\nlesen. Ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam,\ndaß die herrlichen Verse überall kostenlos nachge-\ndruckt werden dürfen, falls dabei auf den Antilärm-\nverein, Büro: Hannover, Stolzestr., hingewiesen\nwird. Da der Antilärmverein das „Recht auf Stille\"\nverteidigt, wird er sich wohl bald nach einem Vor-\nsitzenden umsehen müssen, der nicht über die sämt-\nlichen Untugenden sämtlicher Untertitel seines offi-\nziellen Organs verfügt.\nNoch eine Rechtfertigung für Herrn Lessing:\nVielleicht wundert sich ein Leser über das sym-\npathische Wiesel, das Herr Lessing flink unter\nseine Kirchenglocken steckte. Christian Morgen-\nstern hat es bereits in seinen famosen Galgen-\n-1 i e d e r n für die deutsche Literatur gerechtfertigt.\nUnd zwar durch folgende klassische Verse:\nDas aesthetischc Wiesel\nEin Wiesel\nSaß auf einem Kiese!\nInmitten Bachgeriescl.\nWißt ihr\nWeshalb?\nDas Mondkalb\nVerriet es mir\nIm Stillen:\nDas raffinier\nte Tier\nTats um des Reimes willen.\nHerr Dr. Theodor Lessing ist im Nebenberuf\nPrivatdozent der Philosophie und Pädagogik an der\nTechnischen Hochschule zu Hannover. Ein Glück,\ndaß er nicht dort Technik lehrt.\nTrust\n\nDr. Rudolf Breitscheid / Demokratische Vereinigung / Aus einer Wahlrechtsrede im April 1910:\n.... diese Caféhausanarchisten, die immer im Café sitzen und spintisieren und denken, sie können die Welt verbessern!\n... Wir aber sind die Männer der Tat!\"\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nA. OEHLER: Nietzsches Werk und das Nietzsche-Archiv\nLeipzig, Verlag Alfred Kröner\nOTTO STOESSL: Sonjas letzter Name / Eine Schelmen-\ngeschichte / München, Verlag Georg Müller\nOTTO STOESSL: Negerkönigs Tochter / Erzählung\nMünchen, Verlag Georg Müller\nELSE LASKER-SCHÜLER: Das Peter Hille-Buch / Ver-\nlag Axel Juncker, Berlin\nHEINRICH MANN: Im Schlaraffenland / Roman / Verlag\nAlbert Langen, München\nCHARLES BAUDELAIRE: Gesammelte Werke / Verlag\nJ. C. C. Bruns, Minden i. W.\nALFRED MOMBERT: Der Sonne-Geist / Verlag Schuster\nund Loeffler, Berlin\nPAUL SCHEERBART: Immer mutig! Ein Nilpferdroman\nVerlag J. C. C. Bruns, Minden i. W.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nDer Stadtauflage dieser Nummer Hegt ein Prospekt der Dampf-\nwäschereibetriebe Elite bei."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.7", "texte": "Auslieferung für Österreich-Ungarn A. Miihlhans-Smital Wien IX / Für den Buchhandel: M* Braunschweig Wien IX / Verantworte für die Schriftleitnng in Österrefch-licggro; Oao So>ka\n\nMALSCHULEN\n' i==\nStudien=Atelier\nBerlin W. 30, Habsburgerstr. 11\nAkt-Kopf-Kostiini :: Zeichnen ::\nMalen :: Modellieren Stilleben\n:: (Composition :: Abendakt ::\nAb Jul! Akt, Landschaft an der See\nProspekt durch Moritz Melzer\nMalschule\nIVluUer-Schoenefeid\nAtelier Charlottenburg1 111\nSchillerstr. 3\nVormittag: Portrat u. Kostum-\nmodell\nAb end: Dauerakt\nAtelier Berlin W / Liitzowstr. 82\nVormittag: Akt\nNachmittag-: Portrat\nAb end: Skizzieriibung-en nach\ndem Akt\n(2 Stunden 50 Pfg.)\nAnfragen nach Schillerstr. 3\nBerlin W. 35 / Potsdamerstr. 121 a\nAtelier\nClara Elisabeth Fischer\n:: MALEN :: ZEICHNEN ::\nNeu seit l. November\nPlakatkunst :: Graphik :: Eintritt\njederzeit :: Naheres Prospekte\nHANS BALUSCHEK\nMaler\n:: Schulatelier fiir Damen ::\nBERLIN W., Liitzow-Sfrasse 82\nAtelierhaus, linker Aufgang\nProspekte Brief-Adresse:\nSchdneberg - Berlin, Vorberg - Strasse 15\n■■■■■■■■■■■■■•■■■■■■■■■■■■■sac\nDER DEMOKRAT\nWochenschrift fiir freiheitliche\nPolitik / Kunst und Wissenschaft\nErscheint jeden Mittwoch\nNummer 10 Pf. / Quartal M 1\nProbenummern frei d. den Verlag-\nGr.-Lichterfelde, Manteuffelstr. 16\nD\n\nVerlag F. HARNISCH & Co., Berlin V/ 57\n„Spielend\"lernt man Sprachen durch\nDr. Rebajoli's Autodidakt\nA. Italienisch, elegant gebunden Mk. 10\nB. Franzdsisch, elegant gebunden Mk. 10\n„Ein monumentales WerK, das jedem, der es ernst nimmt mit\ndem Lernen eincrSprache, denStoff zu intensiver Durchdringung\nund zur volligen Beherrschung des Sprachschatzes in an\"\nsprcchendcr Form und in methodischem Fortschritt bietet.\"\nSelbstunterrichtS'Methode mit Hiilfe des Gramroophons.\nJeder Lchrcr, jede Lehrerin, Jcdermann mu sjs Dr. Rebajoli's Autodidakt\ngebrauchen um leicht und griindlich Fremdsprachen zu lernen.\nDie darin enthaltenen 33 fremdsprachlichen GesprSche sind auf 33doppel-\nseitige „Odeon'4-Schallplatten von uniibertroffener Ftille und Klarheit der\nStimme durch den Autor tibertragen worden.\nWiedergabe der Aussprache in hochster Vollendung. Vorfuhrung auf\nWunsch beim Autor oder im Verlag. Einzelne Unterrichtsbriefe 50 Ff.,\nFlatte dazu H3. Preis der 33 Flatten mit Lehrbuch ,AutodidaKt' nur M ICO\nZur Wiedergabe der Gespr2che eignet sich jedes, auch das kleinste\nGrammophon; jedoch hat der Verlag hierzu eine trichterlose „Autodidakt\"-\nSprechmaschine konstruierenlassen, die sich durch besonders deutliche\nWiedergabe auszeichnet. Preis derselben nur 50 MarK\nfcatfa\nBBBBE\n\nSchone Klassiker\nAusgaben I?1 Tempei-\n53. V erlagf in\nLeipzig-, den S. Fischer, Diede-\nrichs u. a. zwecks Herausgabe\nkiinstlerisch ausg-estatteter Klas-\nsiker begriindet haben, beg-innen\njetzt die ersten Bande zu er-\nscheinen, von Goethe die Wahl-\nverwandschaften und Kleinere\nErzahlungen sowie der Faust\nund Urfaust, von der Kleist-\nAusg-abe die vier Bande der\nWerke, von der Heine-Aus-\ngabe die Gedichte und die Tra-\ngodien in zvvei Banden. In der\nWeiflfraktur und in der g-leich-\nfalls von dem beruhmten Buch-\nkiinstler E. R. Weifi besorgten\nGesamt-Ausstattung zeichnen\nsich die Ausgaben durch Ge-\ndiegfenheit und Vollkommen-\nheit aus Als Einzelausgaben\nprasentieren sich die Bande\nebenfalls sehr vorteilhaft. □\nJederßandkostet: Inmodernem\neng-lischen Leinenband M 3.—.\nIn Halblederband im Stil der\nZeit M 3.75. In Einzelausg-abe\nin Halblederband M 3.75. □\n\nsir,v; Cafe Continental\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAlle bedeutenden Zeltungen und Zeitschriften\n\nDARLEHEN\nreellen Leuten jeden Standes. 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Wenn Sie\naber durchaus die Bereitung von Sauglingsnahrung im\nHaushalt selbst vornehmen wollen, so raten wir Ihnen\ndringend, dazu den bewahrten I I T1\nNutricia-Nahrzuoker\n(Maltosana) zu nehmen, der auch von den Aerzten\ndem bisher iiblichen Milchzucker vorgezogen wird.\nSie verabreichen dadurch gleichzeitig einen Kraft-\nnahrungszusatz. Die Pfund-Dose kostet 1,50 Mk.\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien\n\n.♦ V\nVerlag „Der Sturm\"\n?\nWir ubernahmen inunsernV erlag-\nHerwarth Waid en\nDAFNISLIEDER\nFur Gesang u. Klavier / 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee / Katharinenstrasse 5\n8\n\nEDMUND MEYER\nBuchhandler und Antiquar\n§B§§3g BERLIN W 35 38S§g\nAnkauf einzelner Werke\nund ganzer Bibliotheken\nSoeben erschien: Katalog XVIII: Literatur\nGeschichte, Kunstgeschichte, illustrierte\nWerke in deutscher, englischer, fran-\nzos. 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Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fiir Anfanger (Damen und Herren) die fiir Stenographie,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjiihrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenvvart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeanite, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonosnen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung vvirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gestl'schaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel,\nProspekte gratis durch die Direktion, Joliannisplatz 5"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100428-01.1.8", "texte": "fgfgffgfgfgfgf\n\nTHRICHOPHIL\n■ Fl. M.3,00 F1.M.3,00 ■\n■ saaaaaaaaaßßßß nur beim Fabrikatiten: == ■■■■■■■■■■■&■■■ gj\nJj Otto Teutscher/Friseur 5\nI. Geschaft: 106 a Potsdamerstr., Eing. 63 Steglitzerstr.,Tel.Vl, 6735\nJ 11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamin, Tel. AmtCh.,63B7 5\n■IIIiOOOOOOOOOIIBBI\n\nrv* — ii- t , leet großen Wert auf die Woh-\nDie sparsame Hausfrau nungsleleuchtung! Rechnen Sie\nsich aus, was Sie im Jahre fur den Bedarf an Oluhkorpern ausgeben.\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbreniien entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-GlQhkSrper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daB Sie dieselhen wie ein Tuch zusdtnmen-\ndrucken konnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Harfalin-Gluhkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Oasersparnis von\n50°/o. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 30 Kg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chetn. und Techn. Nenlteiten\nBERLIN SW. 68 Kochstrafie 72\n\nBerliner Konsenratorium fur Theater und Musik\nniDPvrni? r* A QAPHQF\nBERLIN N 39 :: Mullerstrasse 178 (Weddingplatz)\nIHEATER-SCHULE\nVollstandige Ausbildung fur Schausplel,\nOper, Operette, Posse und Ballett\nV ARIETE-THE ATER-SCHULE\nKomiker-, Soubretten- und Artisten-Schule\n12 Facklehi-er\nBisher 3000 Schiiler (Herren, Damen und Kinder) mit bestem\nErfolg ausgebildet\nz. B. 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Steuer:\nKaiserstkt 1,10 M.\nLorraine 1,25 ~\nDauhail Fils, franzosisches\nOewachs 2,50 „\nG. Kupferberg & Co.. Cabi-\nnet Gold 2,60 „\nSchloss Vaux 2,50 „\nRotweine\n1508 er Montagnac, natur-\nrein 0,75 M.\n1905 er CastiUon ft,Bo\n1904 er Ainbis 0,90\n1904*r Saint Andrg de\nCubzac 1,00\nS&dweiii©\nPortwein, vorziiglich\nSherry ~\nMadeira ~\nUngarwein ~\nSamos ~\n0,90 M.\n0,90 „\n0,90 „\n0,80 „\n0,90 „\nft\nSpirituosen\nCognac, fein und mild\nRum, aromat. krSftig\nA rra c\nEi-Cognac-Likor\nPrunier-Cognac\n1,30 M.\n1,25 „\n1,25 ~\n1,50 „\n4,00 „\nVoile Garanfie fits* tadellose Beschaffenbeit\nLieferung frei Haus in Berlin, nach ausserhalb frei zur Bahn\ngegen Nachnahme oderVoreinsendung. Preislisten kostenlos\nWeinvertriebsgeseiischaft von Malotlki\nvorm. Toermer & iftichaelis Nachf. G. m. b. H.\nBERLIN Auguststrasse 60\nFernspr. 11l 8192, 15 jShr. GeschSftsbestehen. 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Die Baekhausmlleli entspricht in physio-\nlogischer und hygienischer Hinsicht dem Vorbild, wie es uns die Frauenmilch\ndarbietet und ermoglicht, wie diese, eine regelmafiige, von Sußeren StSrungen\nunabh&ngige Entwickelung des gesunden Kindes. — Dann aber stellt sie im Falle\nvon Magen- und Darmkrankheiten des S&uglings ein DisLtetikum von entschiedener\nHeilkraft dar, welches die Behandlung mit Medikamenten wesentlich unterstutzt,\nja manchmal ganz entbehrlich macht. — Sie bildet, als das ausschliessliche\nNahrungsmittel wahrend der ersten 9-10 Monate, ein durch kein anderes\nPr&parat mit gleicher Sicherheit zu ersetzendes Vorbeugungsmittel gegen die\nso ungemein verderblichen und haufigen Brechdurchfalle. Vielfache Versuche\nan Kliniken, Krankenhausern etc. haben Vorstehendes zur Genuge erhSrtet.\nDie Backhausmilch\nan bekommliche Sauglingsnahrung.\n:: Die Herren Arzte werden gebeten, Proben und Literatur zu verlangen von folgenden ::\n- Backhaus-Mi/chansta/ten ======\nAachen-Burtscheid: Stadt. Milchanstait. — Assenheim b. Fried berg: L. Reif. — Berlin NW., Jagowstr. 20: Dr. Cybulski. —\nBrfinn (Mahren): Centralmolkerei. — Breslau, Moritzstr. 48: Nutricia. — Cassel, ob. Carlstr. 3/4; A. Muller, Milchkuranstalt.\n— Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: R. Gumprecht. — Dresden: Nutricia, Grunaerstr. 12. — Drulingen I. E. (bei Strassburg):\nGutsmolkerei Kempf. — Elberfeld, Dorotheenstr. 32: H.A. Sauer. — Frankfurt a. M., Ginnheimer Landstr. 74: F. Gottschalk.\n— Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Halle a. S., Dessauerstr. 5: Nutricia. — Hamburg, Guntherstr. 6/8: G. Hildebrandt.\n— Hannover-Linden, Deisterstr. 31 :Dr. Friedel Nachf. — Heilbronn, Herbststr. 26: Ferd. Marx — Karlsruhe, Gerwigstr. 31:\nNutrica. — Kaiserslautern: Emil Andre, Dampfmolkerei. — Kolna. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schiirmann Nachf. —\nKrefeld, Inratherstr. 191: H. Bogelmann. — Leipzig: Nutricia, Kronprinzenstr. 52. — Magdeburg: Magdeburger Molkerei. —\nOlmfitz (Mahren): W. Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbuttel bei Berne (Bremen-Olden-\nburg): Stedinger Molkerei. — Stettin, Hohenzollernstr. 50: Nutricia. — Stutig'art, Lerchenstr. 24a: Nutricia.: — Teplitz-\nSchonau (Bohmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwinkel: Nutricia, Otto Volkmann. — Wiesbaden, Bleichstr. 26:\nWiesbadener Molkerei. — Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl.\ni\\\n\nBIBKIBBCQIBKBIIIIIBISIBI9 888 CD B BBSetS 888888888888 BBBBBBBBBBBN\nB B\n\\ BUCH- UND KUNSTDRUCKEREI I\nSIEGFRIED SEEGER\nj BERLINS42,RITTERSTRASSE26 |\na TELEPHON AMT IV, 1045 aa TELEPHON AMT IV, 1C45 5\na a\n| ILLUSTRATIONSDRUCK, SETZ- [\n• MASCHINEN, BUCHBINDEREI ;\n■ STEREOTYPIE, MODERNSTES :\ns :::: schriftenmaterial :::: :\na a\n■ Spezialitat: Druck von Broschuren, Katalogen, ■\nS Zeitschriften, Werken, Massenauflagfen ■ Buntdruck\n\n1000 Kronen erhalt\nwer im Stande ist, ein unentbehrlich Ding filr die Nacht: „Mond-\nlicht\" in jedem Hause, ein Wunder der Chemie, auszublasen\nMein Mondlichtapparat, ein wunderbar sinnreich konst'. inter-\nessanter Wirtschaftsartike!, besitzt unbegrenzt haltbar die Fahig-\nkeit, vollstandig kostenlos zu leuchten, da hierzu keinerlei Brenn-\nstoffe angewendet werden. 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