{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_sha256": "bdc8317070146ecd2bb1079144550647c462a74376e7bb548750fa9646435e92", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/05/05_01/bmtnabg_1910-05-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/05/05_01/bmtnabg_1910-05-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.1", "debut_caractere": 556, "fin_caractere_exclue": 992, "texte": "INHALT:\nROBERT SCHEU: Radikalismus /\nPAUL LEPPIN: Daniel Jesus / Roman / HERBERT\nIHERING: Gedichte / ELSE LASKER-SCHÜLER:\nDer Kreuzfahrer/ ALFRED DÖBLIN: Gespräche mit\nKalypso über die Musik/OTTO STOESSL: Eine Vor-\nrede/WILHELM ALTMANN: Indianeroper / TRUST:\nAraberpantomime / MINIMAX: Politik und Luftschiff-\nfahrt/R. 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Die\nSumme der Grundsätze, Methoden und Allüren, die\nsich aus diesen beiden mächtigen Quellen ableiten\nlassen, bilden den Zeitgeist. Die letzten faktischen\nErfolge, wie beispielsweise glänzend gelungene\nkommerzielle Operationen, überwältigende Waffen-\nsiege, überraschende Verbreitung eines Buches in\nvielen Auflagen, durchschlagende Wirkung eines\nTheaterstückes — diese stellen den variablen,\nschwankenden, den psychologischen Bestandteil\ndes Zeitgeistes dar. Der letzte Standard der\nWissenschaft ist sozusagen die fixe Größe, die\nUnterlage, das Kapital des Zeitgeistes. Die gegen-\nseitige Durchdringung dieser Elemente schafft jene\neigentümliche Atmosphäre, deren Gewalt sich nie-\nmand zu entziehen vermag, die über der ganzen\nProduktion der Zeitgenossen wie ein Schicksal\nwaltet. Sie schafft eine natürliche Zuchtwahl, die\nnur Gleichartiges und Verwandtes durchdringen\nläßt, indem sie auf der einen Seite Hemmungen er-\nzeugt, auf der andern hinwegräumt.\nDas in den feinsten und vorgeschrittensten\nKöpfen geistig Errungene setzt sich in Volksbewe-\ngung um und wird in entsprechend verflachter\nForm populär. Die allgemeine Volks- und Zeit-\nstimmung ist das nachhallende Echo der Gipfel-\nerscheinungen und entsteht nach denselben Ge-\nsetzen wie der ästhetische Geschmack. Genau so\nwie die üppigen Frauen Makarts, die schlanken Ge-\nstalten Burne Jones, ursprünglich gewählt von\neinem individuellen malerischen Geschmack aus der\nsexuellen Notwendigkeit einer eigenartigen Per-\nsönlichkeit, eines Tages auf dem Straßenkorso\nFleisch und Blut gewinnen, — oder wie das Volk\nseine Toiletten von der Aristokratie, dem Theater\nund einzelnen führenden Beautes aus zweiter und\ndritter Hand bezieht, — wobei Mißverständnis und\nUebertreibung ihre verzerrende Rolle spielen —,\ngenau so wird die Denkleistung der führenden\nKöpfe im Wege der Nachahmung und Auslese in\nden allgemeinen Volksgebrauch übergeleitet.\nWie vollzieht sich das? Zuerst, indem ein ge-\nlungenes Werk, ein schöpferischer Gedanke durch\ndas starke Wohlgefallen, das er auslöst, zur Nach-\nzeugung reizt. In jedem produzierenden Menschen\nringen die verschiedenen Impulse, Geschmacks-\nrichtungen, Ausdrucksmöglichkeiten miteinander\nund hemmen sich gegenseitig. Das wohlgestalte\nVorbild bringt die gleichgestimmten Nerven zum\nKlingen. So kommt es, daß beispielsweise lite-\nrarische und malerische Moden wie Epidemien um\nsich greifen. Alle diese Schriftsteller könnten eben-\nsowohl klassisch als romantisch schreiben. Eines\nTages schreiben sie alle romantisch. Warum?\nWeil das siegreiche Vorbild als Stimmungsreiz den\nromantischen Neigungen und Regungen das Ueber-\ngewicht leiht. Eine ähnliche Erscheinung wie in der\nNatur. Auf einem Hügel streiten junges Laub und\nNadelholz. Eine einzige Nacht des Frostes — das\nweniger widerstandsfähige weiche Laubholz geht\nein und nach zwanzig Jahren erhebt sich dort ein\nprächtiger Nadelwald. Wäre der Frost um einige\nTage später gekommen, so hätte das Laub gesiegt.\nHat sich einmal die Mode in den oberen Re-\ngionen durchgesetzt, so wirkt sie weiterhin auf den\nbewußten Geschmack, es gilt alsdann für unelegant,\ndie anderen Stimmungswerte durchbrechen zu\nlassen, sie hat ihre Alleinherrschaft etabliert. Jetzt\nkann es so weit kommen, daß schwächere Be-\ngabungen zurückgedrängt und in ihrer produktiven\nKraft gelähmt werden, weil sie in der Zeitstimmung\nden ihrem Talent günstigen Stimmungsreiz nicht\nvorfinden.\nDie Gesamtsumme des geistigen Materials in\neinem bestimmten Zeitmoment läßt nur eine be-\nstimmte ideale Zusammenfassung zu. Nicht jede\nZeit ist in der Lage, einen beliebigen Denkprozeß\nauszuführen, die jeweils mögliche Synthese hängt\nvon dem erreichten Standard der Erkenntnisse und\nMethoden ab. Der Gedankenreichtum der Mensch-\nheit gleicht einem großen Anlagekapital, dessen\nRente nur zu gewissen Terminen fällig wird. Das\nin einer bestimmten Zeit Erreichte begünstigt\njeweils eine ganz bestimmte Kristallisation. So\nhat beispielsweise die in der ersten Hälfte des\nvorigen Jahrhunderts einsetzende historische\nRechtsbetrachtung das Erscheinen konservativer\nKöpfe angekündigt. Die anders veranlagten Köpfe\nwerden entweder nicht erzeugt oder finden in dem\nvorhandenen Zeitinhalte kein Auslangen, sie sind in\nsich zerfallen, fühlen sich unglücklich. Ein be-\nstimmtes geistiges Materiale des Zeitalters gibt den\nNährboden und die Unterlage für das Emportauchen\nder adäquaten Persönlichkeiten, deren Anlagen\ngerade auf die Ausbeutung des vorhandenen Denk-\nstoffes zugeschnitten sind. So wird beispielsweise\nin Zeiten, wo die Naturwissenschaft noch kindlich\nstammelt, selbst ein starkes naturwissenschaftliches\nTalent nicht die Zeitherrschaft an sich reißen\nkönnen, sondern innerhalb seiner Wissenschaft\nkünftige Siege vorbereiten. Damit eine Persön-\nlichkeit und Begabung zeitbeherrschende Gewalt\nerlange, muß sie das nötige Rüstzeug vorfinden,\nmuß sie einen solchen Stand der Erkenntnis an-\ntreffen, daß sie durch deren Zusammenraffung und\nVereinigung überhaupt produktiv werden kann.\nDie Entwicklung der Menschheit, der Wissen-\nschaft und der Geschichte schafft abwechselnd\nKonstellationen, die einen bestimmten Typus der\nGeister in ihrer Fruchtbarkeit und Herrschafts-\nmöglichkeit begünstigen oder hemmen.\nInsofern verlangt das Volk instinktiv und mit\nvollem Recht, daß eine Idee ihre macht- und blut-\nvollen Repräsentanten entsende, sich durch solche\nerweise. Mit Recht werden Ideen an ihren Re-\npräsentanten gemessen. Denn die jeweilige Phase\nder Entwicklung eines geistigen Systems drückt\nsich mit verräterischer Klarheit in seiner Fähigkeit\naus, Vollpersönlichkeiten zusammenzuballen; der\nGeist erweist sich erst durch seine Fleischwerdung,\ndurch seine Apostel. Darum verlangt das Volk\neinerseits Zeugen, Blutzeugen, andererseits Per-\nsönlichkeiten, die durch ihre Vollkommenheit die\nKristallisation des Gedankens zur plastischen Er-\nscheinung bringen. Selbst Stil und Sprache müssen\nBeweis machen. Wenn der Zeitpunkt für eine be-\nstimmte Kristallisation reif ist, dann schafft er sich\nseine markigen Repräsentanten und verleiht ihnen\neine mit rotem Wein gefüllte Sprache, eine pralle\ngesunde Haut, unter der das heiße Blut pocht.\nDas Anschwellen konservativer oder reak-\ntionärer Volksgesinnungen wird sich daher auch\nstets in dem Erscheinen machtvoller und frucht-\nbarer Persönlichkeiten nachweisen lassen, die den\nAkkord angeschlagen haben. Das Steigen der\nradikalen Welle hat das vorhergehende Auftreten\nsynthetischer Freigeister zur Voraussetzung, die\nihrerseits wieder von dem Vorhandensein aufge-\nspeicherter unverwerteter Materialrückstände be-\ndingt sind. Nicht die Persönlichkeiten machen den\nZeitgeist, auch nicht umgekehrt, sondern sie sind\nder lebendige Zeitgeist, die sichtbare Inkarnation,\ndie Sprachrohre der Idee.\nIn dem ewigen Widerstreit der konservativen\nund freien Geister wallt auf und ab, webt hin und\nher wie Ebbe und Flut das Leben der Geschichte.\nDie wechselnde Regierung der Whigs und Tories\nhat ihre allgemeinen ewigen Gründe.\nEin Voltaire, Rousseau, Diderot, Helvetius\nwaren der volle restlose Ausdruck ihres Zeitalters,\nsie fanden in dem Gesamtmaterial ihrer Zeit\nkeinerlei innere Hemungen vor, sie konnten mit\nfröhlicher Energie die Kristallisation ihrer Zeit voll-\nziehen und sich Enzyklopädisten nennen. Sie\nkonnten bezaubern und siegen; aber das Hochzeits-\nkleid kann man nicht an jedem Tag anziehen. Es\nmüssen feierliche Zeiten da sein, es muß hoch an\nder Zeit sein. Aber der Schatz der Zeit erschöpft\nsich, er läßt nur eine gewisse Ausbeute zu, die\nsilberne Ader gibt nur während einer begrenzten\nPeriode blinkende Stufen, später verarmt sie, der\nfeurige Strom erkaltet und erstarrt. In geistigen\nDingen haben feste Resultate keinen Wert und\nkeine Berechtigung, der Geist besteht nur in der\nBewegung, im Gegensatz. Darum kann uns der\nRationalismus eines Voltaire hinreißen, weil er\nnoch vom Gegensatz gespeist ist und seinen\nstrahlenden Regenbogen auf der purpurnen Wand\ndes Ancien Regime spannt. Heute denselben gei-\nstigen Inhalt einfach wiedergeben wollen, ist kein\nVerdienst, es bedeutet Flachheit.\nDenn gerade von der höchsten Perspektive aus\nmuß gesagt werden, daß die konservativen Mächte"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3817, "texte": "die Vermutung für sich haben, daß sie geistiger sind\nals der Rationalismus. Es geht dies eigentlich aus\ndem Vordersatz hervor, daß die revolutionären\nMächte die materiellen, die ökonomischen Not-\nwendigkeiten durchsetzen, während die konser-\nvativen ihnen entgegentreten. Diese müssen, da\nsie nicht materielle sein können, eben geistige sein.\nJe leidenschaftlicher die Reaktion vordringt, desto\ngeistiger müssen ihre Motive sein, weil sie sich im\nWiderspruch zu Lebensforderungen behaupten\nkönnen. Wäre dies nicht der Fall, so wäre der\nRückschritt nur ein scheinbarer, würde sich ein\ntieferer Fortschritt darin verbergen. Es ist demzu-\nfolge für den fortschrittlichen Gedanken viel\nschwieriger, sich zu vergeistigen. Er siegt daher\nnur fallweise, wenn ihm dies gelingt. Es ist dies\nder letzte Grund, warum die konservativen Ideale\ngerade viele tieferen Geister — wie beispielsweise\ndie Romantiker — anziehen; in der Krankheit steckt\neben mehr Geist als in der Gesundheit, sie verfügt\nüber eine kompliziertere Dialektik. Nur durch das\nErscheinen tieferer farbenprächtiger Persönlich-\nkeiten kann daher die Reaktion besiegt werden,\ndurch Persönlichkeiten, die das Prinzip der Revo-\nlution dem Rationalismus entreißen.\nDer Fortschritt beruht allerdings auf der Ver-\nnunft, aber die Vernunft allein vermag nicht zu\nsiegen, einzig der Geist vermag dies. Aber die\nVernunft ist oft geistlos. Rationalismus und\nLiberalismus können heute keinen Zauber mehr\nausüben, keine imponierende Vornehmheit mehr\nentfalten, keine Vollblutpersönlichkeiten mehr\nkristallisieren, sie sind, kurz gesagt, unfruchtbar\ngeworden.\nDie Frage der Niederwerfung der Reaktion ist\ndaher eine Frage des Aufkommens freier Per-\nsönlichkeiten, die den großen konservativen Er-\nscheinungen ebenbürtig sind. Solche Persönlich-\nkeiten können aber weder zufallsweise noch über\neinfachen Wunsch entstehen, sondern nur infolge\nder entsprechenden Konstellation, die sie ge-\nschichtlich fordert.\nIst eine solche Konstellation in Sicht? Es hat\nden Anschein.\nDie Zeit lechzt nach solchen Persönlichkeiten,\ndie an die Stelle der ausgeleerten, schaal ge-\nwordenen Tory-Herrschaft die Führung über-\nnehmen.\nDie letzte Reaktionsepoche, die wir erlebt\nhaben, entstand dadurch, daß sich der Fortschritt\nauf die positive Arbeit geworfen und dabei zer-\nsplittert hat. Heute marschieren die Truppen der\nKultur auf hundert Linien der Walstatt zu. Ein im-\nponierender Aufmarsch! Was ist in Kunst, Natur-\nwissenschaft, Sozialpolitik erarbeitet worden!\nEngster Anschluß an das Material, Stoffbe-\nherrschung war die Devise. Auf diesen Linien\nmarschiert die Kultur, in viele Korps geteilt, aber\nsicher, wie am Wasserlauf der Flüsse, die alle im\ngroßen Meer zusammenmünden. Die Reaktion hat\ngesiegt wie die Oesterreicher bei Königgrätz,\nnämlich solange als nicht die gesamte preußische\nArmee auf dem Schauplatz stand. Als aber, wie\ngenau vorausberechnet, der preußische Kronprinz\neintraf, verwandelte sich der vermeintliche Sieg in\neine Niederlage. Die Renaissance des Freigeistes\nwird umso vollkommener sein, je schwieriger die\nSynthese ist, je spannkräftigere Persönlichkeiten\nsie daher erfordert und infolgedessen erzeugen\nwird.\nDie Kultur darf nicht schlafen, sie darf sich\nnicht auf vergangene Verdienste berufen, sie hat die\nVerpflichtung, ihre produktive Kraft gegenüber der\nkonservativen Weltanschauung immer wieder neu\nzu beweisen. Die konservative Weltanschauung\nhat ihr Schwergewicht in sich. Aber die Kultur ist\nwertlos, weil geistlos, wenn sie nicht in ihrer\nFruchtbarkeit unerschöpflich ist. Die Reaktion\nwird an dem Tage geschlagen sein, wo das gesamte\nMaterial der Zeit in seinem unerhörten Reichtum,\nin seinen blendenden Widersprüchen, in seiner\ntraumhaften Entfaltung innerlich bezwungen,\ngeistig bewältigt und in blutvollen Persönlichkeiten\nverkörpert sein wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "74", "page_fin": "75", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.3", "titre_corps": "Daniel Jesus : Roman", "titre_sommaire": "Daniel Jesus : Roman", "signature_source": "Paul Leppin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.2", "debut_caractere": 3819, "fin_caractere_exclue": 12616, "texte": "Daniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nEs war eine lange und ziellose Straße, in der\nDaniel Jesus hinter einem häßlichen Abend ging.\nDer war immer vor ihm, und er konnte ihn nicht\nerreichen mit seinen dünnen, schmerzhaften Beinen,\ndie einen hastigen und flackernden Schatten auf die\nnassen Steine des Pflasters streuten, der ihn ärgerte\nund verdrießlich stimmte. Der Abend lief vor ihm\nher wie ein tolles und boshaftes Tier, und er konnte\nihn mit seinen magern Fingern nicht greifen und\nkonnte ihn nicht bei den wirren Haaren fassen und\nihm in die zuchtlosen Augen starren, lange und\nnahe, so daß sein heißer Atem über seine zuckenden\nWimpern fahren müßte. Das war sein lieber Ge-\ndanke und seine sehnsüchtigste Sehnsucht seit\nJahren. Wer so den Abend erwürgen könnte!\nDenn der Abend war böse. Natürlich müßte man\nvorsichtig sein. Sich nicht belauern lassen und mit\neinfachen und gütigen Worten sich ihm nähern und\nlächeln und ihn liebkosen wie ein Weib. O, er\nwürde schon klug sein! Der Haß würde wie eine\nInspiration in ihm leuchten, daß er die richtige\nWeise fände, den Abend zu bändigen und zu töten.\nEr gäbe sich ihm hin wie ein Knabe, der gestern ins\nLeben kam, und wäre sanft und leidenschaftlich und\nwollüstig. Er würde mit verlangenden Händen den\nglatten Leib dieser Metze betasten und sie schläfrig\nund gierig machen. Bis er unter seinen Fingern\ndie schwarzen Adern an ihrem Halse klopfen\nfühlte, in denen ihr Herzblut brannte. Da würde er\nzudrücken, plötzlich und krampfhaft und ohne Er-\nbarmen. Dann bekäme sie jenes furchtbare Ant-\nlitz, von dem er jede Nacht träumte. O Gott, daß er\nimmer daran denken mußte! Aber er konnte diesem\nBilde nicht entrinnen! In jedem Spiegel war es, in\nden er hineinsah, und hinter jedem Fenster, an dem\ner vorbeiging, hing es wie eine Larve. Es war ein\nbleiches und angstvolles Gesicht, das eine arge\nKrankheit mit Eiter und Aussatz grausam gezeich-\nnet hatte. Und unter seinen drosselnden Gelenken\nwar ein hilfloser Schrecken in dieses Gesicht ge-\nkommen, der seine Augen aus den Höhlen trieb.\nUnd aus dem keuchenden Halse kroch die verfaulte\nZunge wie ein Eingeweide heraus und wollte kein\nEnde nehmen und wurde länger und länger und\nwuchs und stieß die Glasscheiben der Fenster ein,\nan denen er vorüber mußte. Die Straße war ziellos\nund lang, und die giftige Zunge leckte nach ihm und\nhaschte sein Kleid, und sie kam näher und nahe. Du\ngroßer Gott! Jetzt war sie da, nur vorwärts, und\nsich nicht umschaun um Gotteswillen!\nDaniel Jesus lief. Er lief in kurzen, zappelnden\nSprüngen, und der Schweiß rann ihm in blassen\nTropfen in seinen schüttern Bart. Er lief, bis ihm\nseine kranke Lunge den Dienst versagte und er\nröchelnd stehn blieb. Da lehnte er sich an einen\nLaternenstock und ruhte aus. Gott sei Dank! Die\nAngst war vorüber, und er fürchtete sich nicht\nmehr. Er mußte wirklich zum Arzt gehn in den\nnächsten Tagen, denn er hatte Visionen. Der\nAbend war ja nicht tot, der ging vor ihm her und\ntanzte einen Polkaschritt um jede elektrische\nLampe und hüpfte spöttisch von einer Seite der\nStraße auf die andere hinüber und schielte in die\nParterre-Wohnungen hinein, und er hatte ihn noch\nnicht erwürgt, und darum brauchte er dieses Ge-\nsicht nicht so zu scheun! Trotzdem! Und wenn\nes ihn zu Tode quälen sollte. Denn er haßte den\nAbend. Weil er sich lustig über seinen Buckel\nmachte und ihn hundertmal nachäffte an den Häu-\nserwänden, verzerrt und grotesk, komisch und\ngemein.\nJedesmal, wenn eine Laterne kam, sah er sei-\nnen spitzigen, schiefen Buckel an der Wand und\nauf der Erde, zwei-, dreimal, in vielen Schattierun-\ngen und Längen. Die Sonne war ehrlich und zeigte\nihm sein Gebrechen, aber der Abend verhöhnte es.\nEr ließ sich nicht verhöhnen, er, der reiche Daniel\nJesus, dem die Leute die Hand küßten, wenn er\nwollte.\nVerbittert und ächzend ging er weiter. Es war\ndoch eine Miserabilität dieses Lebens, das er führte.\nEs hatte kein Ziel und kein Ende, genau so wie die\nStraße, die er vor sich sah. Es war nichts darin,\nals wüste, verlogne Gaukeleien, in denen sich sein\nstarkes, hungriges Herz verlor. Diese Orgie, die\ner in seiner Villa gestern veranstaltet hatte,\nweil der junge Baron Sterben zwanzig\nJahre alt geworden war. War das groß\nund grausam, und war darin nur ein Stückchen von\nder großen Gloria der Missetat? War darin Glut\nund Sünde? War darin ein * Untergang?\nNicht einmal schamlos war es: Ein paar nackte\nMädchen, die sich mit Champagner betranken und\nsich dann auf seinen wunderschönen, blutroten\nTeppich übergaben, der ein Vermögen wert war.\nWo war da jener blinde und ruchlose Zug, der\nseiner würdig wäre? Eine Fürstin hätte er finden\nmüssen! Aber eine Fürstin der Seele, keusch und\ngut, damit ein wenig Tragik dabei sei, ein wenig\nKampf und Schande und Sünde. Eine Heilige hätte\nauf seinen Knien sitzen müssen und Rosen auf\nseinen häßlichen Buckel streun und seine ver-\nkrüppelten Füße küssen und dem Baron Sterben\nsplitternackt den Champagner reichen. So war es\ndumm und langweilig gewesen. Diese Bürgers-\ntöchter hatten keine Seelen. Es rührte und packte\nsie nichts, und sie schauerten niemals unter einem\nsolchen Abend. Es fror und schrie nichts in ihnen,\nkein Verbrechen und keine große Uebeltat, keine\nWollust der Selbsterniedrigung, kein Rausch und\nkeine Sehnsucht.\nEr mußte Seelen sehn, wenn sie nackt und be-\ntrunken waren. Das liebte er. Brünstig und in-\nbrünstig, ekstatisch und irre. Von einer großen\nKraft verwirrt, von einem Gott oder einem Tiere.\nDarum ging er jetzt auch wieder in das kleine\nHaus neben dem Eisenbahnviadukt, wo er schon so\nlange nicht gewesen war. Sie würden ihn frostig\nempfangen, Schuster Anton und seine Beter. Sie\nwußten ja immer alles, was er tat. Sie waren wie\ndas böse Gewissen. Und sie wußten sicher schon,\ndaß er gestern abend wieder gesündigt, daß\ner dem Teufel seine Türe geöffnet habe. Er konnte\nnicht ersinnen, wo Schuster Anton alle diese Dinge\nerfuhr. Aber sie waren ihm alle bekannt.\nFurchtsam und fiebernd ging Daniel Jesus die\nfinstre Holztreppe hinauf. Ganz leise öffnete er die\nTür und stand im Zimmer.\nSie sangen gerade das Marienlied vom\nschmerzlichen Herzen. Um einen langen, kahlen\nHolztisch herum standen eine Menge Menschen mit\nGesangbüchern in den heißen Händen, und ihre\nStimmen stiegen wie ein herber zerbrochner Schrei\nin die Höhe und stießen sich an der niedrigen\nZimmerdecke wund. Und alle dachten nur das eine\nLied. Es war kein Raum in ihren Seelen für die\nGeschehnisse der Stunde. Am Ende des Tisches\nstand Schuster Anton. Er kannte das Lied schon\nauswendig und hatte seine harten, ungeheuern roten\nHände zum Gebet gefaltet und sang. Es klang wie\nein Notruf auf See. In Nacht und Sünde war sein\nSchiff gescheitert und trieb jetzt umher und suchte\nGott. Und er rief ins Dunkle hinaus, stetig und\nimmer lauter, sinnlos und gläubig. Ein wilder\nund stolzer Kopf saß auf seinem riesenhaften\nLeib. Bartlos in trotziger Askese, mit einem\nMund, der wie ein Säbelhieb in seinem narbigen\nGesicht geblieben war.\nNeben ihm stand sein Weib. Groß und riesen-\nhaft wie der Schuster, mit einem wundervollen,\nbrandroten, glutenden Haar. Sie dehnte und bog\nihren mächtigen Leib im Gesang und rang mit der\nSünde. Sie schrie das Lied in die Stube, daß es wie\nein verirrtes und erdrosseltes Schluchzen auf die\nGasse fiel und die alten Frauen schauernd ein Kreuz\nschlugen. Aber es half nichts. Sie konnte ihr Blut\nnicht töten, und das Lied füllte ihr Herz nicht aus\nwie die Herzen der andern. Sie suchte mitten\nzwischen den Strophen nach einem Brand und einer\nVerheerung. Denn die Liebe zu Gott war klein und\narm und kein Sturm wie bei Schuster Anton.\nDer war ein Messias und ein Erlöser und sie ein\narmes Weib. Aber sie mußte auch eine Glut in\nihrer Seele haben, die ihr Blut verdorren ließ wie\neinen Tümpel in der Sonne. Sie war ein Mensch,\nin dem es viel zu verbrennen gab. Sie haßte ihr\nBlut und ihren großen Leib, den sie nicht bändigen\nkonnte. Sie hatte eine stumpfe und gierige Angst\nvor ihrem Leib. Sie sang. Und es war wie ein\nNotruf auf See.\nChristus! Christus! schrie es in ihr.\nSie schob ihre weiten, verheerenden Augen an\nden verräucherten Wänden weiter und an den ver-\nzerrten Gesichtern der Menschen. Aber das Lied\nfüllte ihre Seele nicht aus.\nDa sah sie mit einem Male zwischen den\nTräumen und den Visionen, zwischen den Gaukelein\nund den Flammen ihres Gesanges plötzlich, und wie\nden Schatten hinter einem Licht, Daniel Jesus in dei\nStube stehn. Er sah sie an. Und ihre Augen vei-\nloren sich. Ihre Augen gingen nackt und schamlos\nin die seinen, wie eine Frau in das Bett ihres Ge-\nliebten steigt. Und groß und häßlich, so wie dei\nAbend draußen, den Daniel Jesus nicht erreichen\nkonnte, trat zwischen das Lied die Sünde. Daniel\nJesus war es, als ob eine eisige Hand über seinen\nBuckel führe. Und er trank diesen Blick dei\nBüßerin wie eine schöne und ruchlose Missetat."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 616, "texte": "Und er wußte, daß eine Fürstin auf dem Wege zu\nihm war. Sie war noch weit, und ihre Pferde\ngingen langsam.\nAber der Abend wird uns schon zusammen-\nführen, Schuster Anton! Denn der Abend ist bös.\nUnd keiner hatte den schamlosen Blick gesehn\nals die röchelnde Zigeunerin, die vor dem Schuster\nam Boden lag und ihre Knie an den Dielen blutig\nriß. Sie küßte die Füße des Schusters, und der\nSchaum stand vor ihrem Mund und flog hinauf zu\nden harten Händen des Mannes und war heiß wie\nsiedender Schnee.\nAber seine Hände zuckten nicht, und er hob sie\nhoch und einsam über all die Leute, hoch und höher,\nweit hinauf zu Gott."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "75", "page_fin": "75", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Herbert Ihering", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.3", "debut_caractere": 639, "fin_caractere_exclue": 1437, "texte": "Gedichte\nVon Herbert Ihering\n\nDer Tod\nGlühender Panzer\nWühlt Deine Schönheit\nMeine Glieder unter die Erde.\nAb sengt er das Fleisch von den Knochen.\nMein mürbes Gerippe sinkt in bleiernen Sarg.\nAufgestört hämmern gehetzte Schläfen\nAn sengenden Helm.\nMeine erblindeten Gedanken\nSchlagen die schlaftrunkenen Flügel\nAn feurige Wände.\nEin Aschenhäufchen flattert noch auf.\nImmer aber brandet mein Atem\nIn bäumenden Wellen gegen glührote Mauern\nUnd verbläst meinen Staub\nIn das All.\n\nWallfahrt\nMeiner Pilgerfahrten verirrte Straßen\nHinblut ich mit nacktem Fuß.\nSchreiend drück ich ihn ein\nIn gläserne Splitter zerschlagener Seligkeiten.\nSchleif ihn erblindend\nUeber glühende Kiesel verbrannter Herzen.\nSchwarzer Leidmantel\nScheuert meinen brandigen Leib.\nAufsaugt mich Finsternis.\nNacht bin ich in Nacht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "75", "page_fin": "75", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ich zerblättere die Sünde\nwo ich sie finde, die heimlichen Knospen des\nChristen, der mich einlud zu seinen Töchtern in den\nGarten. Die haben blaue Augen und gelbe Haare\nund sie sagen, der Schnee ist auch gelb. Und es\nwird schneien in ihrem Garten, denn Bäume mit\nkühlem Laub stehen darin: wie nennen doch die\nSchwestern die Blumen auf den Beeten? Es läutet •\nwieder, immer wenn neue Kreuzfahrer durch das\nTor in die Stadt ziehen. Schön sind die und groß,\nwie Türme aufgerichtet. Auf ihren Helmhauben\nsteht das Kreuz. Ich trage, seitdem ich in Jeru-\nsalem im Garten des reichen Kaufmanns bin, das\nheilige Kriegskleid meiner Heimat, im Gürtel den\nDolch, der ist gebogen und unentwendbar, wie die\nMondsichel. Die Schwestern meinen, so sei es\nSitte bei uns in der Stadt. Sie schwärmen für mich\nund bedauern, daß ich kein Prinz bin; streuen Ver-\ngißmeinnicht den Kreuzfahrern über den Pfad, die\nsehen die kleinen himmlischen Tropfen nicht;\nmanchmal jedoch streifen ihre Blicke die Engels-\ngesichter mit tapferer Andacht. In Betten schlafen\ndie beiden Blauäugigen in der Nacht und sie lachten\nüber mich, als ich sie fragte, zu was die wären.\nUeber ihre Betten schwebt ein Vergißmeinnicht-\nhimmel unser Jenseits ist verschleiert.\nWenn ich eine der Töchter des Christen wäre, ich\nschenkte dem Kreuzfahrer, der am Morgen durch\ndas Tor in die Stadt zog, ein Bett aus atmendem\nHolz, wie ihre Haut so weiß, denn er fror in der\nmilden Frühsonne. Ich drohe mir mit meiner\nblitzenden Sichel, seitdem er über den Zaun in den\nGarten blickte, und mähe das süße Gegold meines\nHerzens. Seinen Namen weiß ich zu nennen, die\nSchwestern lasen ihn im Kirchenbuch über seiner\nSchulter hinweg — getürmt und steil ist seine\nSchrift — ich folge den Ungläubigen in die\nKirche. Seitdem dämpfen Wölbungen der Moscheen\nmeine aufgerichteten Träume. Es sind nur zehn-\ntausend Christen in Jerusalem, wollen die Sünde\nausrotten es kann nicht soviel wachsen. Und\nKreuze sticken des Kaufmanns Töchter auf zarten\nLiebesbändern, die keimen auf, wie die glatten\nWege der Heimlichkeit. Aber die Kreuzfahrer\nküssen der Engelhände Kreuzarbeit mit siegreichem\nLächeln. Ihn sehe ich nie unter den Beschenkten;\nsucht er doch meinen Mund im Frühstern.\nDas heilige Kriegskleid meiner Heimat trägt nun\nmein Vetter Ichneumon von Uesküb, aber seine\nArme zittern vor Liebe und können sich nicht gegen\nden Feind halten. Sein ganzes Heer rauscht, wie\nein Herz, wie mein Herz und sie alle sind geliefert\nden Christenhunden. Ich liege unter dem Himmel\nder beiden Schwestern, ich habe die asiatische\nDistel; Stacheln sitzen in meinen Gliedern, und die\nunbarmherzigste bohrt sich in mein Herz. Engel,\nzwei sehen blau über mein Angesicht und\nkämpfen mit der Taube Mohameds, die will meinen\nSchleier zerpflücken. Ich mag aber die Engelguten\nnicht leiden, weil sie Christinnen sind. Und steige\ndoch in der Nacht heimlich über den Zaun des\nGartens in das Kirchenschiff. Dort auf dem Balkon\nsitzt der Ritter und spielt die Orgel, im langen,\nfeierlichen Hemd, Choräle, Totenbalsam dringt\naus den sterbenden Tönen. „Ritter, die Könige von\nSinai ließen Klageweiber für ihre Toten heulen und\nzu den Freudenfesten ihrer Harfen färbten sich die\nLippen der Greise rot und ungeborene Knaben\npochten an leibgoldene Tore. Als ich vor dem\nKirchenaltar anhub nach deinem Choral zu tanzen,\nsank mein Leib ein: grämige Mondscheibe, der eben\nnoch der spielendste Stern war inmitten der\nSterne.\" Da fiel Schnee auf die Wangen des Ritters\nund ich sah, daß der Schnee weiß war, nicht der\nSchwestern Haarfarbe gleich. Stehn immer am\nZaun mit ihren gefärbten Schneehaaren und be-\nscheeren die Kreuzfahrer mit süßer Frömmigkeit.\nUnd sie möchten ihnen ein Bett bereiten aus\natmendem Holz, wie ihre Haut geglättet. Du aber\nRitter sollst auf einem tanzenden Stern schlafen in\nder Nacht! Und ich klettere mühsam über den\nZaun des Gartens, aus meinem Zeh wächst ein\nkleiner Distelstrauch. Und der Krieg wütet in\nBagdad. Die Wüste ist unserer Krieger Schild.\nAber mein Vetter verliert jede Schlacht. Eine Ab-\ntrünnige ist das heilige Gewand der Stadt, sein\nKriegskleid dem Feinde zugetan. Ich werde halb-\ngenesen in meine Heimat getragen, Bagdad des\nheiligen Kleides wegen Rede zu stehen. Mein\nVater hält meine beiden Hände umschmeichelt, ihre\nFinger sind wie müde Strahlen. Aber Kriegslust\nblendet meine Augen. Ichneumon von Uesküb steht\nschon vor unserem Palast. Ich ziehe den letzten\nDistelsplitter aus meinem Zeh abbarebbi,\nlachajare, lachajare! Begeisterte Kriegsmusik trägt\nmich auf ihren Schultern durch die Straßen. Ich\nschlage die Christenhunde noch in derselben Nacht.\nMein Vater hütet meinen Mut und meine Tapfer-\nkeit, wie zwei Enkelkinder. Nie zog eine Prinzessin\nvon Bagdad in die Schlacht. Nur der Vetter läßt\nseine schnüffelnde Lippe hängen: er habe sich im\nZitronenwald aufgehangen und konnte nur morgens\nden Baum nicht wiederfinden. Wenn der Mond\nrund ist, wollen wir nach Jerusalem. Aber die\nhohen Krieger im Kriegsgebäude sind nicht einver-\nstanden mit den Aufzeichnungen meiner Feldpläne.\nIhre Sinne verwirren sich auf der Tafel; doch der\nGroßwesier belehrt sie: Allah's Geist sei über mich\ngekommen. — Manchmal fühle ich, meine Blicke\nsind blau und fliehen meines Vaters Angesicht. In\nmeinem Auge steht der junge Kaiser Conradin in\nder Helmhaube und dem Kreuz. Aber mein Vater\nprüft täglich meine Ausrüstung und die Fußgelenke\nmeines Dromedars: alt ist er geworden. Ismael\nHamed der Sohn des Großwesiers wird ihm, in der\nZeit, wo wir die Eindringlinge der Hauptstadt ver-\ntreiben werden, Gesellschaft leisten. Der versteht\nseine Sonderlichkeiten zu verzärteln. Und mein\nVater wünscht, daß ich vor der großen Schlacht mit\nIsmael Hamed Hochzeit feiere. Ich erkläre aber\nmeinem ehrwürdigen Pascha, die Mumien im Ge-\nwölbe seines jungen Freundes entsprächen nicht der\nZahl, die einer Prinzessin von Bagdad zukämen.\nMeine Dienerin hatte einen Traum, ich saß hoch-\nzeitlich gekleidet in der Prachtsänfte Ismael\nHamed-Mordercheis, Ismael Hamed sein Sohn lag\nim Gewölbe. Der Großwesier wüßte schon meine\nringende Seele um die Schulter zu tragen, aber\nmeine Küsse schließen sich vor Spätsommerlichem.\nEr beschenkt mich mit den eigenartigsten Ge-\nschenken: Einen Ring, in seinem Stein spiegelt sich\nder Sinai und Ohrgeschmeide, in ihrem Qehang\nläutet eine winzige Uhr alle zwei Stunden zum\nGebet. Und zwei Albinoneger, die mich in den Krieg\nbegleiten sollen, daß mich die Schwermut nicht be-\nfalle. Immer wenn mich die vier weißäugigen Aug-\näpfel mit den roten Punkten anglotzen, lache ich,\ndaß meines Dromedars Buckel wackelt. Abbarebbi,\nabbarebbi, lachajare! Mein Träger setzt mit mir\nüber die weitesten Schluchten, trabt dem Heere\nvoraus über frühbeschienene, üppige Pfade, über\nLippen rotentlang. Schon sehen wir die Tore der\nStadt. Meine Krieger fallen zur Erde und murmeln\nSprüche des Korans. O, wie ich den schlichten\nTurm des Kreuzes hasse! Die frommen Musel-\nmänner aus Mekka und Medina, die Leute aus\nJemen, aus Tyrus, Beduinen, die Bewohner von\nNinive und den anderen Eufratländern, die Egypter,\ndie Philister, die Edominiter, Amoniter, Hethiter,\ndie Stämme der Juden: Chaldäer, Saduccäer, Judäer,\ndie Urenkel Davids, die Söhne der Leviten und ihre\nVäter, die hohen Jehovapriester, Talmudgelehrte\naus Damaskus stehen auf mit mir wider das\nChristentum. Ich blicke über mein stolzes Heer,\nabbarebbi, lachajare auch Ismael\nHamed Morderchei folgt meinem Zuge\nLachajare!\nDie beiden Töchter des reichen Kaufmanns\nwerfen sich vor die Füße meines Dromedars, be-\nschwören mich um Christi willen. Ihre Vergiß-\nmeinnichthimmel bluten, wie die Wunden der Ritter.\nHinter den Hügeln der Stadt kam es zum Kampf.\nWir drangen in die lästigen Kirchen der Ungläubigen\nein. Ich und meine Krieger zerschmetterten die\nAltare und Heiligtümer; oben auf des Turmes Kreuz\nspießte Ichneumon von Uesküb den Knappen des\njungen Kaisers auf. Ließ dem Vetter zur Strafe\nfür seine Grausamkeit den Turban nehmen. Ich\nträume des Nachts verborgen hinter der Wimper\ndes Ritters; ich hörte ihn Choräle spielen in der\nZeit seines Gottes Häuser starben, stand uner-\nmüdlich mit dem Rücken an der kleinen Pforte des\nBalkons gelehnt, hinter der er im langen feierlichen\nHemde saß. Ich küßte ihm die Kniee, ich die Prin-\nzessin von Bagdad blutige Zeichen hinter-\nließen meine Küsse. Ich muß so sanft weinen, ich,\nAllah's Kriegerin; auf toten Worten legte ich meine\nHand zum Schwur. Ismael Hamed Morderchei tritt\nin mein prunkendes Zelt, er ist europäisch gekleidet\nwie die Herren des fremden Amtes unserer Stadt;\nstreicht er über die erwägende Stirn, tritt eine\nhöfliche Erkühlung zwischen ihm und dem Sprecher\nein. -Sein Bart ist keine Wolke, wie der meines\nVaters; durch den Scheitel seines Kinnhaars\nleuchten Steine aus Edeltrunk. Mit wohlgepflegter\nGebärde nimmt er aus meiner Hand das Schreiben\ndes jungen Kaisers Conradin entgegen, der um\nFrieden bittet. Seine beiden Abgesandten halten\nsich staunend umschlungen. Sie glauben, ich bin\naus Tausend und einer Nacht. Den Großvesier er-\ngötzt es, ihre Vorstellungen zu bestärken. Auf das\nGefunkel meiner Stirne weist er, auf meine Hände,\ndie Bilder des Mondes sind; nichts destoweniger\nden Speer zu werfen verstehen. Mich überrascht\nsein Spott, mit dem er das königliche Schreiben\ndurchfliegt, ich kann es nicht glauben, daß die hell-\nlockigen Boten von meinem Vetter bestochen sind,\naber der Großwesier liefert sie nach abendländischer\nSitte wieder dem feindlichen Heere aus. Vielleicht\nsind sie am Abend schon tot. Ichneumon von\nUesküb meldet sich krank. Des Feindes Schwert\nzerspaltete an seinem eigensinnigen Gesäß; aber ich\nhöre durch das Schreien des vergossenen Blutes\nseine Lockrufe und ich vermisse meine glotzäugigen\nScheusäler; die lieben ihn, er läßt sie zur Belusti-\ngung wie zwei Hunde über seinen Arm springen.\nEr weiß, ohne sie kann ich das Herz des Kaisers\nnicht durchbohren. Der naht in der vordersten\nReihe des Feindes. Das heilige Kriegskleid umhüllt\nmich, wie eine erstickende Sonne, meine Arme be-\nginnen zu vertrocknen, und mein Atem qualmt in\ndie Augen meiner Krieger. Mag doch der Sinai zer-\nrinnen dem Sande gleich. Meine Sterne trat\nich tot, will ihre Blässe streicheln .... Aber\nwie nie Dagewesenes öffnet sich mein\nAngesicht über späte Tanzleiber und Tempel; in\nmeiner Schläfe stirbt ein Gott. Wider mich stehn\nseine Meere aus ihren Betten auf, aber ein Tropfen\nmeines Blutes färbt ihr Rauschen verwirrt. Könige\nund Königinnen zittern vor meinem bangen Reich-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 558, "texte": "tum. Meine beiden Neger trillern ihren gellenden\nKriegsschrei, immer wenn mein Speer die Brust\neines Ritters durchbohrt. Der Großvesier treibt\ndie Spaßmacher vor meinem Dromedar her, sie\nschlagen mit ihren Zähnen harte betäubende Musik,\nund tanzen dazu: Abbarebbi, abbarebbi, abbarebbi,\nabbarebbi, lachajare! Huhuuuuuuuu u\nAls Conradin der junge Ritter und Kaiser be-\ngraben war, kam seine Mutter zur Pilgerfahrt nach\nJerusalem, und wie sie meinen Negern begegnete,\nlachte sie über die Unnatur. 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In einer Tonreihe wird der Ab-\nstand eines Tones zu einem folgenden in anerkannter\nWeise festgelegt; diese Tonleiter, — deren es viele\ngeben kann, — erlaubt die Gesamtheit der anwend-\nbaren Töne einzureihen und ihre wechselnde Bewe-\ngungsgröße zu messen. Nicht gibt die Tonleiter we-\nsentlich die verwendbaren musikfähigen Töne, son-\ndern sie tut dies nur, um eine Meßmöglichkeit der\nTöne zu gewähren,— da es, wie ich schon sagte, ja\nbei der Musik nicht auf die Töne, sondern die Tonbe-\nziehungen ankommt. Sie gibt überhaupt blos eine\nMeßmöglichkeit; ermöglicht nur das Vergleichen\nvon Tonfolgen; es wird keineswegs damit, daß ein\nTon um einen, ein anderer um zwei Töne von einem\ndritten entfernt in der Leiter steht, gesagt, jener sei\ndem dritten „näher\", „verwandter\", sei „stärker\",\nals dieser; solchen Anspruch erhebt die Leiter\nkeineswegs. Die Bewegungsgröße wird durch die\nTonleiter nur gemessen, nicht bewertet. Sondern,\nwas macht, daß Tonbeziehungen näher, ähnlicher,\nübereinstimmender und wie sonst klingen, be-\nstimmt sich anderswoher; und dies geht\nüber die Grundlegung der Musik hinaus. Diese\nGröße ist keine feste Größe, sie wechselt, ist ja\nein Urteil, das von vielen Werten abhängt; ein und\ndieselbe Tonfolge und Bewegung klingt nicht gleich\nin verschiedenem Zusammenhang, bedeutet anderes,\nklingt Dir nicht so wie sie mir klingt: vieles wirkt\nhier Es gibt weder ein abgezogenes\nMaß für die Größe der Bewegung, noch weniger für\nden Wert der Bewegung.\nWelche Rolle spielt jetzt noch der herrische\nTon, der Grundton, der Königston? Er wurde\nentthront. Die Gesetzlichkeit und Einheit liegt\nverteilt über den ganzen Ablauf, sie ist unper-\nsönlich geworden, bestimmt sich als die ge-\nmessene Bewegungsgröße eines Tons auf den\nandern, — König ist dies Gesetz. Besser rede ich\ndarum von einer Tonrepublik. Wenn hier ein ein-\nzelner Ton hervorspringen will, so kann er es\nvielleicht als Mittelpunktston oder Anfangston oder\nEndton, — aber alles dieses ist wertlos und un-\nwesentlich; weil sich ja nicht der einzelne Ton\nwertet, sondern seine Stellung in der Folge, seine\nBewegungsgröße in dem Ablauf.\nGanz unsachlich ist damit die Musik geworden,\nganz, so seltsam es klingt, löst sie sich von den\nTönen. Die Tonleiter wird so zum wichtigsten mu-\nsikalischen Gebilde. Folgen unter der Geltung die-\nses Tongesetzes, dieser Musikform Töne in einer\nReihe aufeinander, so gilt als musikalisch an der\nReihe die Möglichkeit der Aufstellung einer solchen\nWertformel eines Tonmittelpunktes, dem die Kraft\ninnewohnt, die Töne auf ihn zu beziehen. Damitsie\ndie Grundlage der Musik vollzogen.\nWas sich reiht, muß, um als Musik zu gelten,\nso geeint erscheinen. Demnach ist durch die Ton-\nleiter nicht das Hintereinander der Töne musikalisch\ngebunden, — vielmehr betätigt sich hier die Fremd-\nwilligkeit, die Freiheit — sondern ihr Zueinander. Da-\nmit aber eine Reihe musikalisch wird, tritt nicht erst\nzu der bloß gereihten nachträglich auswählend die\nWertbeziehungszauberformel hinzu; die Reihe kann\nnicht mit der Formel gesondert und gesiebt werden.\nSchon bei der Auswahl der Töne, welche die Reihen\nbilden, muß sie ja zugegen und wirksam sein. Nicht\nin dieser Weise ist die Tonleiter Form zu neuem\nvöllig fremdwilligen Stoffe; sondern es wird kein\n„Stoff\" erzeugt; tief in die Erzeugung hinein greift\ndie musizierende Gewalt. Die Reihe erscheint so-\nfort in diesem Hinblick als Musik. In der Welt eines\nDenkers, der wie wenig andere scharf zu schneiden\nverstand, fallen gestaltende Formen und ein Stoff\nauseinander; der Stoff tritt nur als gestalteter auf,\nso daß man auf sein Vorhandensein nur schließen\nkann; das sinnlich Gestaltete hat alle und alleinige\nWirklichkeit, wenngleich das Ding an sich ein not-\nwendig zu denkendes ist. Dies gilt für meine\nKunst. Wenn ich sagte, es bliebe der zusammen-\nhangbildenden Gewalt keine weitere Aufgabe, als\ndie fremdwillig bewegten Töne zu ordnen, so muß\nich jetzt die Geringschätzung von der Aufgabe\nnehmen.\nDas Hintereinander der Töne ist hier bloß musika-\nlisch nicht gebunden, nicht ist der Zusammenhang\nder Aufeinanderfolgenden geregelt, sondern nur ihr\nIneinander, ihr überzeitliches Zueinander. Und so be-\ngreift es sich, daß hier auch das Nebeneinander der\nTöne, der gleichzeitig anklingenden, ihre Regel und\nOrdnung finden kann.\nIhr Nebeneinander in Harmonien, die Bestimmung\ndieser Harmonien als Konsonanzen, Dissonanzen\nverschiedenen Grades, spricht das enge Gebunden-\nsein an die Tonleiter, den jeweiligen, fließenden\nWert der Tonstufe augenblicklich aufs Schärfste\naus, arbeitet die Einheit des Ablaufs Schritt um\nSchritt heraus, — mögen sich die Harmonien auch\noft befreien, sich eigenwertig gebärden, weder kon-\nsonant sein noch dissonant und wie Schatten um\ndie Tonleiter irren. Sie überwinden da beinahe die\nTonleiter, scheint es. Vielmehr seh* ich: sie feiern\nden Triumph der Ordnung, der unbedingten Sicher-\nheit und sind Krieger, die in Feindesland ohne\nWaffen Siegestänze tanzen. Ein Schwanken\nkommt über alles, Schwelgerei und Ueppigkeit tut\nsich auf, weil ja der Boden der großen Erde sich so\nunerschütterlich gründet\nIst einmal der gröbste Tatbestand der Musik ge-\ngeben, tritt die Musik in ihren äußerlichsten Zeichen\nhervor, so tritt nun gleichzeitig mit Tonfolge und\nHarmonie, in ihr die Eigenwertigkeit der Aufein-\nanderfolge hervor.\nWie das Meer sich wirft und aufstöhnt. Habe ich\nEuch vergessen, meine Freunde, Ihr lieben Fische?\nO, Ihr schwiegt so andächtig. Laßt auch mich jetzt\nschweigen, wo ich an die Fremdwilligkeit, Eigen-\nwertigkeit, das Jenseits der Kunst rühren will. Ihr\nkennt dieses Jenseits, ich will Euch aber nur Neues\nsagen. Auch ahnt Ihr, daß es nur ein Jenseits\nscheint. Ihr kennt das Alte, wenngleich nie\nVollendete, das ruhelos sich wälzt, Sehnen ohne\nEnde ist, Begehren ohne Ziel, die Brandfackel die\ndurch alle Räume lodert, kennt das Singen und\nZirpen der Möven, das Toben des Meeres.\nAn Masten, Giebeln, scharfen Halmen hängen die\nSchwalben. Die riesige Wanderin geht mit bloßen\nFüßen, naß schleppenden Gewändern über das\nMeer."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "76", "page_fin": "77", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.7", "titre_corps": "Eine Vorrede : Aus dem Manuskript eines Romans „Morgenrot”", "titre_sommaire": "Eine Vorrede : Aus dem Manuskript eines Romans „Morgenrot”", "signature_source": "Otto StoessI", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.4", "debut_caractere": 7437, "fin_caractere_exclue": 12288, "texte": "Eine Vorrede\nAus dem Manuskript eines Romans „Morgenrot”\nVon Otto StoessI\n\nHöre Leser, ein paar Worte an, bevor Du meine\nErzählung mißverstehst, denn ich wünsche Deiner\nTorheit gleichsam einen Weg zu zeigen, wo sie die\nmeinige trifft und ein paar Stunden eben mit ihr aus-\nhalten kann, wie ja unser aller Leben eine not-\nwendige Narrenbegegnung ist, in die man sich\nschicken muß.\nWas Du hören willst, kann ich Dir leider nicht\nsagen und was ich Dir sagen kann, willst Du viel-\nleicht nicht hören. So besteht zwischen uns kein\nanderes Verhältnis, als sonst zwischen den\nMenschen im Leben und warum sollten wir es also\nnicht eingehen! Du verlangst himmelschreiende Be-\ngebenheiten, zuckersüße Einbildungen, wohlge-\nschraubte Worte, großartige Empfindungen und\nwillst, wie Du so schön zu sagen pflegst, über Dich\nerhoben sein.\nIch habe irdische, einfältige, gewöhnliche Zu-\nstände, Menschen und Ereignisse von heute und\ngestern und alletage, das Spiel von Geschicken, dem\nDu so gern fremd tust, weil Du selbst es treibst und\ndann Dich dessen schämst. Ich will Dich zu Dir zu-\nrückführen: Siehe, Du bist Dein höchstes Wunder.\nEs ist meine Schuld nicht, wenn Du das nicht ein-\nsehen kannst.\nIch mag, beim allmächtigen Gott, nichts er-\nfinden. Mein Hirn ist stumpf, mein Wort ohn-\nmächtig, wenn ich Fabeln auftragen und Menschen\nhervorrufen soll, die beim Maskenhändler, im Kon-\nversationslexikon, im historischen Seminar zu\nkaufen sind, aber nicht auf jeder Straße herum-\nlaufen, was ich durchaus von Fabeln, Menschen,\nTrachten verlange.\nGerade das muß aber der Dichter: mit den erhabe-\nnen Geschöpfen einer gebildeten Phantasie das arm-\nselige Leben übertreffen und bevölkern und ein\nhöheres Dasein über dem gemeinen großartig hin-\nstellen. — Wenn er das muß, bedaure ich ihn wegen\nseiner Bemühung, Dich, weil Du derlei schwierige\nGestalten verstehen sollst, Leser, der Du nicht ein-\nmal Dich selber verstehst, einen gewöhnlichen Hinz\nund Kunz. Aber wir wollen uns im Mißverständnis\neinigen. Ich wandere durch die Gassen und feldein-\nwärts, gesellig und doch so einsam, wie jeder\nMensch, nur daß ich mich bei mir selbst und fern von\nden Menschen am allergeselligsten weiß, während\nDu, mein Leser, Alleinsein auch als Einsamkeit, Ge-\nsellschaft auch als Gemeinschaft fühlst und meinst\nund Dich überhaupt mit der Bedeutung der Worte\neins weißt, was Deiner gesunden Vernunft alle Ehre\nmacht. Ich aber lege den Worten gerne ihren\nanderen Sinn bei und bringe sie zu neuen, wunder-\nlichen Ehen und Nachkommenschaften. Doch das\nführt zu weit und zu allerhand moralischen Frag-\nwürdigkeiten meiner Worte und Deiner. Wir wollen\nuns ja im Mißverständnis einigen. Also: ich wandere\ndurch meine Tage und werfe das Netz meiner Auf-\nmerksamkeit in den Strom der Dinge und fische\nWirklichkeiten. Ist der Tag günstig, dann liegt eine\nzappelnde, vielschuppige, herzhafte, eratmende\nMenschlichkeit im Netz und ein großes Menschen-\nauge blickt bebend in das meinige: verstehst Du\nmich auch, Du Fischer von stummen Schicksalen?\nIch hoffe es! Wir alle sind auf unsere Art Fischer\nund Fische, wir spannen Reusen und fangen uns in\nReusen.\nKurz: das ist meine Ware, das kann ich Dir\nbieten! Menschen, Menschlichkeiten, Schicksale,\nmeine, Deine, unser aller tägliche Erlebnisse im\nStrom der Welt. Aber diese Dinge sehe ich strah-\nlend, tausendfarbig im verschiedenen Licht der Be-\ngebenheiten. Mir ist dies Wirkliche das einzige\nWunder, ich träume den Traum der Wirklichkeit,\nden Du mein Lieber wachend verschläfst. Ich er-\nfinde nichts, ich kann nur finden. Willst Du Fabeln\nund ersonnene Großartigkeiten, so begib Dich in\neinen anderen Laden, es wird immer viel mit\nKatzengold gehandelt. Ich habe keinen andern\nSinn, als den für Dich und mich, und unsere arme,\ntägliche Existenz ist mir das einzige, wahrhafte\nFabelreich der Wunder. Täglich ziehen sie mit dem\nMorgenrot auf und leben im Mittag und verglühen\nam Abend, unerschöpflich, unzählbar und herrlich.\nDiesmal will ich Dir Dein Morgenrot vorstellen.\nEine Geschichte der Jugend fing sich in meinem\nNetz und die treuherzigen erwartungsvollen Augen\nzweier Knaben blickten mich an: Verstehst Du\nuns auch, Du Fischer von stummen Schicksalen?\nIch kenne Deine literarisch-gebildete Antwort,\nmißgünstiger Leser: Ach, wieder einmal ein Ent-\nwicklungsroman!\nNein, mein Neunmaldummer, dies wird kein\nsolcher Roman. Sondern bloß eine Geschichte von\neinem Menschenmorgen, die vom nachfolgenden\nMittag und vom schließlichen Abend gar nichts weiß\nnoch wissen will. Das Knabenfrührot eines ganz\ngewöhnlichen, darum ganz wunderbaren Schick-\nsals, ist alles, was ich Dir zeigen will.\nKeine Entwicklung zum großen Dichter, Staats-\nmann, Helden oder Schwärmer oder Selbstmörder.\nDie Jugend, die zu sich selbst aufgeht, an der\nLuft, im hellen Tageslicht sich aufschließt und das\nLeben mit offenem Kindermunde einatmet, das ist\nmein Gegenstand."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.5", "debut_caractere": 83, "fin_caractere_exclue": 2718, "texte": "Aber ich kann gleichwohl Deinen Drang nach\ndem Wunderbaren einigermaßen befriedigen: Die\nJugend eines rechten Menschen ist ein ganzes\nLeben, enthält alle künftigen Erkenntnisse, alle un-\nvermeidlichen Geschicke in ihrem strotzenden\nKeim, mehr, die Jugend eines reinen, freien, schuld-\nlosen Gemütes lebt die Geschicke der Völker selbst,\nalle Heldenereignisse, Schlachten, Weltbegeben-\nheiten, die Geheimnisse der werdenden Gesittung,\nder aufwachsenden Staatsordnung und der zer-\nstörenden Revolutionen . in einem zierlichen,\nknospenhaften, unbewußten Gleichnis voraus und\nnach. In jeder Jugend wird die ganze Menschheit\nwiedergeboren und findet sich in ihr wieder mit\nallen ihren erhabenen, unschuldigen Selbst-\ntäuschungen und Hoffnungen. Die Knospe ist mehr,\nals der Baum. Die Erfüllung und Vollendung ward\nin Enttäuschung und Verzicht groß, aber die Ver-\nheißung ruht sündelos in ihrem Keim.\nIst die Jugend um, dann hat der Ernst des\nLebens meist die ganze holde Weisheit verdorben,\nder Blick ist auf die Nützlichkeiten gerichtet\nworden, der Mensch marschiert im Regiment und\nherrscht und dient, was immer die gleiche Knecht-\nschaft bedeutet. Wir spannen Reusen und fangen\nuns in Reusen. Diese Entwicklung erspare ich Dir,\nDu kennst sie gut genug, unglücklicher Leser.\nIch zeige Dir zwei junge Leutchen, zwei Helden\nim Morgenrot, mit allen Zeichen ihrer hohen Würde:\nmit edler, tatenverlangender, unverwirrbarer Ge-\nsinnung, mit heldischer Zuversicht und Lebensbereit-\nschaft zu jeder Stunde des Daseins, im Kampf mit\ndieser Welt so feurig und unbeugsam, wie nur ein\nDon-Quixote unter den Erwachsenen, so wahrhaftig\nund einfältig, wie nur die Großen es bleiben, die vom\nFormer der Wesen die Gabe fortdauernder Kind-\nheit erhielten, als welche das Geheimnis des\nGenies ist.\nVerzeih, Du bist gewiß kein Genie, erhabener\nLeser, aber wenn Du ein rechtes Kind warst, dann\nwarst Du eines. Und dieses Wunder der auf-\ngehenden Menschlichkeit, dies Morgenrot will ich\nDir zeigen. Ich will Dich in Dich selbst versenken,\nauch das ist eine Art, Dich zu erheben.\nSo wollen wir uns im Mißverständnis einigen.\nNimm aber diesen Fischfang hin, wie Du anderwärts\nDir anderes Futter für Deine Bildung einhandelst\nund laß Dir diese Heldengeschichte nicht allzusehr\nmißfallen, ob sie gleich ganz und gar wahrhaftig,\nalltäglich und wirklich ist.\nAber es ist eine Geschichte vom Morgenrot!\nDu verlangst freilich in immer veränderter\nForm die Großartigkeit fabelhafter trojanischer\nKriege, ich gebe Dir eine Geschichte von zwei\nwienerischen Bürschlein. Aber auf Treu und\nGlauben versichere ich Dir, in ihrer Art gleichen\nauch sie dem Achill und Patroklos."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "77", "page_fin": "77", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.7.1", "titre_corps": "Herr Professor Max Reinhardt auf dem Blumenweg / An der Schleppe: Die Dramaturgen", "titre_sommaire": "Herr Professor Max Reinhardt auf dem Blumenweg / An der Schleppe: Die Dramaturgen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 81, "texte": "Herr Professor Max Reinhardt auf dem Blumenweg / An der Schleppe: Die Dramaturgen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "77", "page_fin": "78", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.8", "titre_corps": "Die Indianeroper", "titre_sommaire": "Die Indianeroper", "signature_source": "Wilhelm Altmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.5", "debut_caractere": 2720, "fin_caractere_exclue": 4862, "texte": "Die Indianeroper\n\nWäre diese große Oper „Poia\" ein wirkliches\nMeisterwerk, so wäre ich der letzte, der sich über\ndie Bevorzugung eines ausländischen Komponisten\naufregte; aber auch ein Wohlmeinender kann von\nder Musik Nevins nichts Besseres sagen, als daß\nsie die anständige, keineswegs hinreißende Arbeit\neines in der ausgezeichneten Schule Engelbert\nHumperdincks herangebildeten Tonsetzers ist,\nder sich in bewußter Nachahmung Richard Wagners\ngefällt oder in süßlicher Melodik schwelgt, ohne\nauch hierin frei von Vorbildern zu sein. Originell\nan dem Werke, das auf die Dauer langweilig wirkt,\nist nur, daß sieben dem reichen Schatze der alten\nIndianergesänge entnommene Melodien Verwer-\ntung gefunden haben, die natürlich der Oper ein\ngewisses Kolorit verleihen.\n„Poia\" ist eine Oper alten Zuschnitts mit En-\nsembles, großen Chören, teilweise hinter der\nSzene, und Ballett. Wenn „Poia\" sich wirklich\nkurze Zeit auf dem Spielplan halten sollte, was ich\naber bezweifle, so wird dies weniger der Musik\nwegen geschehen, als weil man die überaus kost-\nbare Ausstattung bewundern und einmal eine\nOper sehen will, in der Indianer die Szene be-\nherrschen.\nDie wohl vollständig erschienenen Spitzen der\namerikanischen Kolonie feierten ihren Landsmann\num so mehr, als eine in dieser brüsken Form wohl\"\nnicht ganz berechtigte Opposition sich geltend\nmachte. Sicherlich wollten die Demonstranten gegen\ndie von der General-Intendantur beliebte Bevor-\nzugung des unbedeutenden Werkes eines Auslän-\nders Front machen, da man sich sagen mußte, daß\nfür die enormen und vergeblich aufgewandten\nKosten bequem drei, vier andere neue Opern\nhätten ausgestattet werden können. Da das könig-\nliche Opernhaus so wie so mit einem großen De-\nfizit arbeitet, hätte „Poia\" allein nur wegen der\nkostspieligen Ausstattung von der General-Inten-\ndantur abgelehnt werden müssen. Wer ist für die\nAnnahme überhaupt verantwortlich? Wer sind\ndie Persönlichkeiten, die so manches deutsche\nder amerikanischen Oper weit überlegene Musik-\ndrama abgelehnt haben und seit Jahren dafür sor-\ngen, daß die Opernbühne, die in Deutschland die\nFührung haben sollte, inbezug auf Auswahl der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 161, "texte": "Neuheiten von jedem kleinen Stadttheater in\nSchatten gestellt wird? 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Professor Max-\nReinhardt hofft bald sich die Brust mit einem\nexotischen Orden schmücken zu dürfen, und Viktor\nHollaender, der Dramaturgenbruder, wird höchst\neinfach durch Darbietung seiner Meisterwerke\ndie gesamte deutsche Musik in jene bessere Gegend\neinführen. Daß man Hollaender überhaupt disku-\ntirt, wird niemand erwarten. Trotzdem dieser so-\ngenannte Komponist, der nach berühmtem Muster\nnur die „Melodien\" erfindet, alles aufgeboten hat,\nwas anderen Leuten seit zweihundert Jahren ein-\ngefallen ist. Aber auch bei dieser Tätigkeit versagt\nsein schlechtes Gedächtnis allzu häufig. Es bedarf\neiner erheblichen Anstrengung, die Originale wie-\nderzuerkennen. Warum hat Reinhardt nicht wenig-\nstens unseren Paul Lincke mit der Musik betraut,\nder sich in der letzten Metropolrevue viel orienta-\nlischer vorkommt und wenigstens an Gedächtnis-\nhypertrophie leidet. Bleibt die Aufführung. Sie\nerwies einwandsfrei, daß Reinhardt nicht gestalten\nkann. Da ihm die Gesten fehlen, stellt sich zur un-\nrechten Zeit ein Lachen, Weinen, Räuspern, Husten,\nKlappern ein. So wurde Originalität in der Pan-\ntomime Sumurun hörbar markiert. Die Plastik\nmit „echten\" Haaren. Das Sprechen des Schwei-\ngens durch „Naturlaute\" ausgedrückt: Offenbarung\nder Unfähigkeit. Reinhardts System: Er gibt statt\ndes Ungewöhnlichen das Ungewohnte, und der\nBluff für Publikum und Kritik ist erreicht. (Alfred\nKerr bildet die einzige, rühmliche Ausnahme.)\nNamentlich, wenn man noch Bretter durch das\nganze Parkett legt, sie symmetrisch mit Papier-\nblumen behängt, und diese langen Latten „Blumen-\nweg\" tauft. (Sie verstehen: Japan!) Man bietet\ndadurch zugleich dem Publikum Gelegenheit, die\nunteren Extremitäten seiner Lieblinge aus nächster\nNähe bewundern zu können. So wurden die pan-\ntomimischen Schwierigkeiten zwar nicht spielend,\naber wenigstens laufend überwunden. Wieder ein\nBeweis, daß Reinhardt Einfälle hat. Aber auch\nhunderttausend Einfälle geben keinen Bau,\nworauf es doch schließlich ankommt; nur in Potern-\nkinschen Dörfern entstehen Häuser ohne Grund und\nGrundriß.\nEs ist schwer, unter solchen Umständen den\nLeistungen der einzelnen Darsteller gerecht zu\nwerden. Das Ganze war nun einmal durch die\nRegie total verzeichnet. Dazu Bühnenbilder in\nmodernem Kitsch, dem famosen „Jugendstil\". Der\nOrient mit Aschingerphantasie gesehen, durch\nhollaenderische Potpourris gehört, und von den\nSchwestern Wiesenthal wirklich ganz ent-\nzückend wienerisch getanzt. Sie sollten sich nie\nwieder in diese babylonische Verwirrung begeben.\nDas sind sie ihrem Künstlertum schuldig. Das Be-\nwußtsein, in einer Pantomime aufzutreten, be-\nsaßen nur Rudolfßlümner, Fritzßichard\nund Ernst Matray, Blümner war geradezu\nschöpferisch in Mimik und Gestik. Sie hatte die\nRegie mit den kleinsten Rollen bedacht, sich hin-\ngegen der Herren Wegener, Schildkraut und Moissi\noffenbar so angenommen, daß ich nicht zu entschei-\nden wage, ob die Herren unbeschlagnahmt anders\ngehandelt hätten. Unangenehm fiel Richard Groß-\nmann durch zirkusmäßige Vordringlichkeit auf, die\ner auch sonst bei unpassenden Gelegenheiten reich-\nlich betätigt. Trust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "78", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.10", "titre_corps": "Politik und Luftschiffahrt", "titre_sommaire": "Politik und Luftschiffahrt", "signature_source": "Minimax", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.6", "debut_caractere": 3301, "fin_caractere_exclue": 5093, "texte": "Politik und Luftschiffahrt\nMinimax\nGraf Zeppelin\nDer Tag von Echterdingen brachte eine unge-\nheure Gefühlswolke über ganz Deutschland. Man\nhatte einem dramatischen Vorgang beigewohnt,\nund die Erschütterung, welche der tragische Aus-\ngang geweckt hatte, löste sich in klingenden Millio-\nnen Mark. Man nannte diesen Erfolg einer drama-\ntischen Handlung ein nationales Werk. Graf\nZeppelin aber genoß von da ab das Glück, Liebling\ndes Volks zu sein. Parseval und Groß waren völlig\ngeschlagen, nachdem sich gezeigt hatte, wie gänz-\nlieh das Luftschiff bei Echterdingen verbrannte.\nDer Streit der Systeme war durch den Untergang\ndes Zeppelin eindeutig in des Grafen Sinne entschie-\nden. Als Heros zog er in Berlin ein. Abermals\nliegt ein starres Luftschiff bei Weilburg. Man\nkönnte jetzt lange die Trommel rühren, ehe einer\ndie Hand zum Portemonnaie führt. Denn jeder hat\ndas Gefühl: Es ist eine herrliche Sache um die\nHeroen, und eine faule um ihre Luftschiffe.\nDie Vorweltmenschen\nIn Le Monstre in der Dordogne und in Combe\nCapelle wurden Menschenskelette aus # dem Di-\nluvium gefunden. Wie uns mitgeteilt wird, — wir\nüberlassen aber die Verantwortung unserem Be-\nrichterstatter — sollen in der vergangenen Woche\ndiese Diluvianer aus dem Völkerkundemuseum ver-\nschwunden und, ohne daß sie irgendwie auffielen,\nim Herrenhause erschienen sein.\nDas patriotische Aeroplan\nDer serbische Thronfolger nahm letzthin an\neinem Flug im Whrightschen Apparat teil. Beim\nzweiten Flug machte die Maschine jenseits der\nserbischen Grenze plötzlich halt, landete und war\ndurch keine Maßnahmen zu bewegen, den Thron-\nfolger wieder nach Serbien hineinzubringen. Erst\nals Vertreter der österreichischen und russischen\nRegierung im Aeroplan Platz genommen hatten,\nschwirrte der Apparat in sehr gehobener Stim-\nmung ab."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "78", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.11", "titre_corps": "Eröffnung : der Berliner Kunstausstellung", "titre_sommaire": "Eröffnung : der Berliner Kunstausstellung", "signature_source": "R. 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Wie warmes Wasser im Kessel in\ndie Höhe steigt, sich an der Oberfläche abkühlt und\ndann wieder zurücksinkt, so drängten die Hinteren\nauf meiner Seite gegen das Seil, prallten, sobald\nsie in Hörweite des Redners gekommen waren, zu-\nrück und standen nunmehr apathisch hinten herum.\nIch hielt mich, sobald ich das Phänomen studiert\nhatte, sorgsam in der Ecke. Einmal hörte ich, der\nAbfluß deutschen Geldes an ausländische Maler\nwerde seitens des Vereins Berliner Künstler be-\ndauert; ich begriff unbewegt beides: das Bedauern\nund den Abfluß. Um drei riefen sie auf den Bret-\ntern plötzlich: „Hoch!\"; da wandte ich mich be-\nfriedigt, denn nun war die Ausstellung eröffnet.\nWas soll ich von den Bildern sagen? Es sind sehr\nviele; einige bunt, andere weniger, die meisten ganz\nohne Seele; wesentlich unterscheiden sie sich aber\nim Format von einander. Da ich kein Zentimeter-\nmaß bei mir hatte, kann ich mir kein Urteil über\ndie Ausstellung erlauben. Gegen ein viertel vier\nging ich in den Garten. Hier war keine Leine. Es\ngab warme Würstchen mit sauren Kartoffeln. Der\nKellner sagte bewundernd: „Die Menge Bilder\nmännlichen und weiblichen Geschlechts.\" Ich tat\nMostrich zu meinen Würstchen und wärmte sie\nvorsichtig über einem Streichholz."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "78", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.12", "titre_corps": "Achtung! Dichter!", "titre_sommaire": "Achtung! Dichter!", "signature_source": "A. 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Am siebenten Tage aber, dem\nachzehnten April 1910 ging er — infolge einer gött-\nlichen Eingebung — in das Bureau des Berliner\nLokalanzeigers, legte vierhundert Mark auf den\nTisch und bemerkte, er wäre der Internationale\nLiteraturbund und müsse unbedingt eine halbe\nSeite für sein großes Preisausschreiben haben.\n„Aber gern\" sagte der Lokalanzeiger.\nDies Preisausschreiben kann niemand lesen,\nohne daß ihm die Augen naß werden vor so viel\nHochherzigkeit. Dreißigtausend Mark, noch dazu\nin bar, will der prächtige Mann für alle möglichen,\nnetten Sachen, wie Erzählungen, Gedichte, kleine\nAbhandlungen, auch Malereien und Photographien\nverteilen. Und mit biblischer Weisheit bestimmter:\n„Entgegen der Gewohnheit, aus vielen guten\nWerken ein paar sehr gute auszuwählen, hat der\nInternationale Literaturbund die Absicht, sämtliche\nWerke abzudrucken.\" Dies, meint der wunderbare\nMensch, ist das schönste und wirkungsvollste\nMittel zur Bekämpfung der Schundliteratur. Bei\nsolcher Güte wird überhaupt keiner wagen, etwas\nschlechtes zu schicken. Die Einteilung der Preise\nwird noch nicht bekannt gemacht. Natürlich! Um\ndie werten Schriftsteller, Gelehrten, Künstler und\nPhotographen nicht durch schnöde Geldgedanken\nunkünstlerisch abzulenken oder gar zu beunruhigen.\nAuch die Namen der kunstverständigen Preisrichter\nwerden nicht genannt — damit nur niemand Kor-\nruptionsgelüste verspüre. Und daß den Einsendern\nfür die Drucklegung keine Kosten erwachsen, ist\nbei diesem Adelsmenschen schlechthin selbstver-\nständlich. Erinnert er nicht wahrhaft an jene\nfanatischen Märtyrer zu Beginn des Christentums?\nDoch halt, fast hätte ich durch eine Vergeßlich-\nkeit dem edlen Philantropen wehe getan. Denn der\nInternationale Literaturbund glaubt, daß es noch\nStolz unter den Menschen gibt. Er weiß, daß ein\nEhrenmann nichts geschenkt nimmt und daß zu viel\nGüte beschämt. Viele Menschen haben sich schon\naus Scham umgebracht! Eines solchen Ver-\nbrechens darf man sich nicht schuldig machen.. In\nwie dezenter Weise der liebe Kerl das einkleidet!:\n„Jeder Einsender darf nur eine Arbeit zum Druck\ngeben. Um vorzubeugen, daß von einem Autor ein\nDutzend Werke unter falscher Flagge zum Druck\ngelangen und somit anderen Preisbewerbern der\nRaum gekürzt wird, muß außerdem jede Arbeit die\nBuchstabennummer der Mitgliedskarte des\nInternationalen Literaturbundes tragen\". Der\nJahresbeitrag für 1910 beträgt allerdings nur\nzwanzig Mark.\nViele Leser des Lokalanzeigers konnten vor\nRührung über so viel Herzensgüte nur bis hierher\nlesen. Sie schluchzten heftig. Das böse Berliner\nTageblatt aber nannte die ganze Geschichte\n„mystisch\". (Ach, Herr Doktor, das halten Sie\nschon für Mystik? Meinen Sie, daß dieser Gute\nnicht wußte, wie viele Leutchen gern einmal was\ndran wenden, um ihre Sonntagnachmittagausgeh-\ngedichte gedruckt zu sehen?) Und nun will gar\nder Herr Staatsanwalt bei der Preisverteilung zu-\ngucken! Pfui, wie gehässig! Ist Dir doch nicht\nunangenehm, Du herziges Literaturbündle? 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HARNISCH & Co., Berlin W57\n„Spielend\" lernt man Sprachen dttrch A\nDr» Rebajoli's Autodidakt^^S\nA. Italienisch, elegant gebunden Mk, 10\nB» Franzosisch, elegant gebunden Mk» 10\n„Ein monumentales WerK, das jedem, der es ernst nimmt mit\ndemLernen einer Sprache, den Stoff zu intensiverDurchdringung\nund zur volligen Beherrschung des Sprachschatzes in an'\nsprechender Form und in methodischem Fortschritt bietet.\"\nSelbstunterrichtS'Methode mit Htilfe des Grammophons.\nJeder Lehrer, jede Lehrerin, Jedermann muss Dr. Rebajoli's Autodidakt\ngebrauchen um leicht und grundlich Fremdsprachen zu lcrnen.\nDie darin enthaltenen 33 fremdsprachlichen Gesprache sindauf 33doppel-\nseitige „Odeon\"-Schallplatten von uniibertroffener Fiille und Klarheit der\nStimme durch den Autor tibertragen worden.\nWiedergabe der Aussprache in hochster Vollendong. Vorfuhrung auf\nWunsch beim Autor oder im Verlag. Einzelne Unterrichtsbriefe 50 Pf.,\nPlatte daztt M3. Preis der 33 Platten mit Lehrbuch ,AutodidaKt' nur M 100\nZur Wiedergabe der Gesprache eignet sich jedes, auch das kleinste\nGrammophon; jedoch hat der Verlag hierzu eine trichterlose „Autodidakt\"*\nSprechmaschine konstruierenlassen, die sich durch besonders deutliche\nWiedergabe auszeichnet. 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Auch gegen Mobelbeleihung, Kunst-Gegenstanden,\nohne abzuholen. — Offizieren, Kavalieren, Beamten Geld in jeder Hohe. —\nBeschaffung von Hy po the ken auf berliner und auswartige Grundstiicke. — Kauf\nund Beleihungvon Hypot'neken, Erbschaften, Sparkassenbiichern, Lombardscheinen,\nMietzessionen. — Schnelle, grundreelle, diskrete Erledigung :\nWILHELM MEYER \" Bank - Kommission\nBERLIN S 14 Stallschreiberstrasse 56 II\nSprechzeit 10—12 und 4—7 Fernsprecher: Amt IV 6785"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c022", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "79", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.7", "debut_caractere": 3262, "fin_caractere_exclue": 3869, "texte": "EDMUND MEYER\nBuchhandler und Antiquar\n§§§§§§ BERLIN W 35 BSSiSE\nAnkauf einzelner Werke\nund ganzer Bibliotheken\nSoeben erschien: Katalog XVIII: Literatur\nGeschichte, Kunstgeschichte, illustrierte\nWerke in deutscher, englischer, fran-\nzos. Sprache zu besonders billigen Preisen\nDemniichst erscheint: Katalog XXI / Kunst-\nblatter: Portr&ts, Stadteansichten, Berliner\nBlatter, Karrikaturen, Flugblatter, neuere\nund altere Genrebilder, Blatter von\nMenzel, Beardsley, Rods, Stammbiicher\nSilhouetten, Japanblatter etc. etc.\nKataloge / gratis und 112 ranko /\nbitte direkt zu verlangen\nAngabe von Desideraten erbeten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c023", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "79", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.7", "debut_caractere": 3871, "fin_caractere_exclue": 3973, "texte": "M\nTv MAXIMILIAN\nIVIACHT—\n<9\nMartin Brandenburg\nJakob Plessnerjnz\nEntree Mk. t. —\nJahteskarfe Mk. 5r\nKH"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c024", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "79", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.7", "debut_caractere": 3975, "fin_caractere_exclue": 4153, "texte": "MALUTENSILIEN\n=i i—\nMai- und Zeichenbedarf\nW. & J. 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Wenn Sie\naber durchaus die Bereitung von Sauglingsnahrung im\nHaushalt selbst vornehmen wollen, so raten wir Ihnen\ndringend, dazu den bewahrten II II\nBBBBBBBBBBBBSSnaSBS BBBBQBSBBBaBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB\nutricia-Nahrzucker\n18881\nIBBCI\n(Maltosana) zu nehmen, der auch von den Aerzten\ndem bisher iiblichen Milchzucker vorgezogen wird.\nSie verabreichen dadurch gleichzeitig einen Kraft-\nnahrungszusatz. 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Fahrzeit vom Alexanderplatz)\nHauptgebaude mit Zentralheizung und elektrischem Licht, grofie,\nhelle Zimmer, mitten im Garten gelegen. 20 200 Quadratmeter\ngrofter, herrlicher Park, grofier Obstreichtum, Lauben, grofler\nTeich usw. Das ganze Jahr geoffnet. Den Besuchern Berlins als\nherrlicher Aufenthaltsort empfohlen. Fern von dem Larm und dem\nStaub der Stadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschure „Leben\"\n:: :: kommen vom Besitzer und Leiter Emit Peters :: ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c030", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.8", "debut_caractere": 184, "fin_caractere_exclue": 561, "texte": "Modernehaararbeiten\nfinden Sie in jeder Preislage im Spezial-Haargeschaft von\nOtto Teutscher und Priseur\nI. 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Eine hervorragende Neuerscheinung aul dem Gebiete der Miidclien-\nbildung: ist das Buch\n„Hrauclien wir noch Tocliterpensionate?\"\nvon Prof. D. Dr. Friedrioh Zimmer. Preis Mb. }8—\nWichtigr fiir Eltern heranwaclisender Tochter, Padagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „l>ie Knabenpensionate, deren Einrichtanff, ihr Inneres\nand &usser*s lieben.\" Yon L. Daniel. Ein Ratgeber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. 1,80.\n3. „Das Tochtcrpensionat\" ist die einzige Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorsteherinnen vertritt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis ftir die Praxis. Pro Halbjahr 91k. SO.\nDureh samtliche Buchhdlg. 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Bew&hrte Bowlenrezepte der Firma kostenlos. Voile\nGarantie fiir tadellose Beschaffenheit; Nichtgefallendes wird auf\nunsere Kosten zuriickgenommen. Verlangen Sie kostenlos\nPreislfsten. Bestellangen sind zu richten an die\nWeinvertriebsgesellschaft von Malottki\nvorm. Toermer & Michaelis Nachf. €*. m. b. H.\nBERLIN Auguststrasse 60\nFernspr. 111, 8192,15jahr. Geschaftsbestehen. Postscheckkonto: Berlin 3085"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c033", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.8", "debut_caractere": 2282, "fin_caractere_exclue": 2477, "texte": "Landerziehungsheim Schlofi Drebkau N L\n■ Zwei Stunden von Berlin ■\nErziehung und Unterricht nach modernen Crundsatzen\nAufnahme von Knaben u. 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Mk. B (stall Mk. 15) ) (\nS zu liefern.\n5 S Dieser Apparat ist aus dem aHerfeinsten Material\n\" herg-estellt, schwer versilbert und wird in elegantem\nbbrhbmbbb Leder-Etui mit 12 vorzuglichen Schneiden versandt. *«■■■■■■■\n1 Lassen Sie sich diese gfinstige\n— J Gelegenheit nlcht entgehen !!\nBeachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Rasierapparat bietet:\ni. Qrosse Ersparnis an Geld und Zeit!\na. Stets sauber rasiert, da Schneiden und Kratzen vollstftndig aus-\ngeschlossen!\n3* Kein Warten beim Barbier!\n4. Keine Ansteckungsgefahr, wie Bartflechten usw.!\n5. Auf der Reise, auf See, im Manover usw. unentbehrlich!\nHZZ 30 mal benutzf, hat sich der Apparat bezahlt gemacht! ZZZZ\nDie in jeder Beziehung- vor2Uglichen Messer besitzen einen derartigen durch ein spezielles\nVerfahren hergestellten Harteg-rad, dass sie fur den stftrksten Bart verwendbar sind.\nBestellen Sie sofort, denn diese 5000 Rasier-Apparate werden infolge ihrer noch\nniemals gebotenen Billigkeit bald vergriffen sein.\nSie erhalten diesen tadellosen Rasier-Apparat g~egen Nachnahme von 6,30 Mk. portofrei\nWir richten nur die bescheidene Bitte an Sie, diesen Apparat in Ihrem werten Bekanntenkreise\nzu empfehlen.\nNach Absatz dieser 5000 Apparate kosten diese 15 Mark\nVersandhaus chemischer und technischer Neuheiten Hans Fredrich\n11 Berlin SW. 68 Kochstrasse 72 s:"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-05-01-c041", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-05_01#c041", "volume": "bmtnabg_1910-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.2.38", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.8", "debut_caractere": 5510, "fin_caractere_exclue": 5860, "texte": "5 BUCH- UND KUNSTDRUCKEREI :\nSIEGFRIED SEEGER\n[ BERLINS42,RITTERSTRASSE26 |\nTELEPHON AMT IV, 1045 ■■ TELEPHON AMT IV, 1045\n■ *\n■ ILLUSTRATIONSDRUCK, SETZ- |\n■ MASCHINEN, BUCHBINDEREI •\n• STEREOTYPIE, MODERNSTES ■\n: :::: schriften material :::: 5\n■ Spezialitat: Druck von Broschiiren, Katalogen, ■\n! 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MAI 1910/ WIEN\nNUMMER 10\n\nINHALT:\nROBERT SCHEU: Radikalismus /\nPAUL LEPPIN: Daniel Jesus / Roman / HERBERT\nIHERING: Gedichte / ELSE LASKER-SCHÜLER:\nDer Kreuzfahrer/ ALFRED DÖBLIN: Gespräche mit\nKalypso über die Musik/OTTO STOESSL: Eine Vor-\nrede/WILHELM ALTMANN: Indianeroper / TRUST:\nAraberpantomime / MINIMAX: Politik und Luftschiff-\nfahrt/R. R.: Eröffnung der Berliner Kunstausstellung /\nA. L.: Achtungl Dichter!/OSKAR BAUM: Ballade aus\ndem Leben der Begriffe\n\nRadikalismus\nVon Robert Scheu\nDas jeweils letzte Wort der wissenschaftlichen\nErkenntnis und die überragenden Erfolge einzelner\nZeitgenossen vereinigen sich zu jenem geheimnis-\nvollen Effekt, den man geistige Mode nennt. Die\nSumme der Grundsätze, Methoden und Allüren, die\nsich aus diesen beiden mächtigen Quellen ableiten\nlassen, bilden den Zeitgeist. Die letzten faktischen\nErfolge, wie beispielsweise glänzend gelungene\nkommerzielle Operationen, überwältigende Waffen-\nsiege, überraschende Verbreitung eines Buches in\nvielen Auflagen, durchschlagende Wirkung eines\nTheaterstückes — diese stellen den variablen,\nschwankenden, den psychologischen Bestandteil\ndes Zeitgeistes dar. Der letzte Standard der\nWissenschaft ist sozusagen die fixe Größe, die\nUnterlage, das Kapital des Zeitgeistes. Die gegen-\nseitige Durchdringung dieser Elemente schafft jene\neigentümliche Atmosphäre, deren Gewalt sich nie-\nmand zu entziehen vermag, die über der ganzen\nProduktion der Zeitgenossen wie ein Schicksal\nwaltet. Sie schafft eine natürliche Zuchtwahl, die\nnur Gleichartiges und Verwandtes durchdringen\nläßt, indem sie auf der einen Seite Hemmungen er-\nzeugt, auf der andern hinwegräumt.\nDas in den feinsten und vorgeschrittensten\nKöpfen geistig Errungene setzt sich in Volksbewe-\ngung um und wird in entsprechend verflachter\nForm populär. Die allgemeine Volks- und Zeit-\nstimmung ist das nachhallende Echo der Gipfel-\nerscheinungen und entsteht nach denselben Ge-\nsetzen wie der ästhetische Geschmack. Genau so\nwie die üppigen Frauen Makarts, die schlanken Ge-\nstalten Burne Jones, ursprünglich gewählt von\neinem individuellen malerischen Geschmack aus der\nsexuellen Notwendigkeit einer eigenartigen Per-\nsönlichkeit, eines Tages auf dem Straßenkorso\nFleisch und Blut gewinnen, — oder wie das Volk\nseine Toiletten von der Aristokratie, dem Theater\nund einzelnen führenden Beautes aus zweiter und\ndritter Hand bezieht, — wobei Mißverständnis und\nUebertreibung ihre verzerrende Rolle spielen —,\ngenau so wird die Denkleistung der führenden\nKöpfe im Wege der Nachahmung und Auslese in\nden allgemeinen Volksgebrauch übergeleitet.\nWie vollzieht sich das? Zuerst, indem ein ge-\nlungenes Werk, ein schöpferischer Gedanke durch\ndas starke Wohlgefallen, das er auslöst, zur Nach-\nzeugung reizt. In jedem produzierenden Menschen\nringen die verschiedenen Impulse, Geschmacks-\nrichtungen, Ausdrucksmöglichkeiten miteinander\nund hemmen sich gegenseitig. Das wohlgestalte\nVorbild bringt die gleichgestimmten Nerven zum\nKlingen. So kommt es, daß beispielsweise lite-\nrarische und malerische Moden wie Epidemien um\nsich greifen. Alle diese Schriftsteller könnten eben-\nsowohl klassisch als romantisch schreiben. Eines\nTages schreiben sie alle romantisch. Warum?\nWeil das siegreiche Vorbild als Stimmungsreiz den\nromantischen Neigungen und Regungen das Ueber-\ngewicht leiht. Eine ähnliche Erscheinung wie in der\nNatur. Auf einem Hügel streiten junges Laub und\nNadelholz. Eine einzige Nacht des Frostes — das\nweniger widerstandsfähige weiche Laubholz geht\nein und nach zwanzig Jahren erhebt sich dort ein\nprächtiger Nadelwald. Wäre der Frost um einige\nTage später gekommen, so hätte das Laub gesiegt.\nHat sich einmal die Mode in den oberen Re-\ngionen durchgesetzt, so wirkt sie weiterhin auf den\nbewußten Geschmack, es gilt alsdann für unelegant,\ndie anderen Stimmungswerte durchbrechen zu\nlassen, sie hat ihre Alleinherrschaft etabliert. Jetzt\nkann es so weit kommen, daß schwächere Be-\ngabungen zurückgedrängt und in ihrer produktiven\nKraft gelähmt werden, weil sie in der Zeitstimmung\nden ihrem Talent günstigen Stimmungsreiz nicht\nvorfinden.\nDie Gesamtsumme des geistigen Materials in\neinem bestimmten Zeitmoment läßt nur eine be-\nstimmte ideale Zusammenfassung zu. Nicht jede\nZeit ist in der Lage, einen beliebigen Denkprozeß\nauszuführen, die jeweils mögliche Synthese hängt\nvon dem erreichten Standard der Erkenntnisse und\nMethoden ab. Der Gedankenreichtum der Mensch-\nheit gleicht einem großen Anlagekapital, dessen\nRente nur zu gewissen Terminen fällig wird. Das\nin einer bestimmten Zeit Erreichte begünstigt\njeweils eine ganz bestimmte Kristallisation. So\nhat beispielsweise die in der ersten Hälfte des\nvorigen Jahrhunderts einsetzende historische\nRechtsbetrachtung das Erscheinen konservativer\nKöpfe angekündigt. Die anders veranlagten Köpfe\nwerden entweder nicht erzeugt oder finden in dem\nvorhandenen Zeitinhalte kein Auslangen, sie sind in\nsich zerfallen, fühlen sich unglücklich. Ein be-\nstimmtes geistiges Materiale des Zeitalters gibt den\nNährboden und die Unterlage für das Emportauchen\nder adäquaten Persönlichkeiten, deren Anlagen\ngerade auf die Ausbeutung des vorhandenen Denk-\nstoffes zugeschnitten sind. So wird beispielsweise\nin Zeiten, wo die Naturwissenschaft noch kindlich\nstammelt, selbst ein starkes naturwissenschaftliches\nTalent nicht die Zeitherrschaft an sich reißen\nkönnen, sondern innerhalb seiner Wissenschaft\nkünftige Siege vorbereiten. Damit eine Persön-\nlichkeit und Begabung zeitbeherrschende Gewalt\nerlange, muß sie das nötige Rüstzeug vorfinden,\nmuß sie einen solchen Stand der Erkenntnis an-\ntreffen, daß sie durch deren Zusammenraffung und\nVereinigung überhaupt produktiv werden kann.\nDie Entwicklung der Menschheit, der Wissen-\nschaft und der Geschichte schafft abwechselnd\nKonstellationen, die einen bestimmten Typus der\nGeister in ihrer Fruchtbarkeit und Herrschafts-\nmöglichkeit begünstigen oder hemmen.\nInsofern verlangt das Volk instinktiv und mit\nvollem Recht, daß eine Idee ihre macht- und blut-\nvollen Repräsentanten entsende, sich durch solche\nerweise. Mit Recht werden Ideen an ihren Re-\npräsentanten gemessen. Denn die jeweilige Phase\nder Entwicklung eines geistigen Systems drückt\nsich mit verräterischer Klarheit in seiner Fähigkeit\naus, Vollpersönlichkeiten zusammenzuballen; der\nGeist erweist sich erst durch seine Fleischwerdung,\ndurch seine Apostel. Darum verlangt das Volk\neinerseits Zeugen, Blutzeugen, andererseits Per-\nsönlichkeiten, die durch ihre Vollkommenheit die\nKristallisation des Gedankens zur plastischen Er-\nscheinung bringen. Selbst Stil und Sprache müssen\nBeweis machen. Wenn der Zeitpunkt für eine be-\nstimmte Kristallisation reif ist, dann schafft er sich\nseine markigen Repräsentanten und verleiht ihnen\neine mit rotem Wein gefüllte Sprache, eine pralle\ngesunde Haut, unter der das heiße Blut pocht.\nDas Anschwellen konservativer oder reak-\ntionärer Volksgesinnungen wird sich daher auch\nstets in dem Erscheinen machtvoller und frucht-\nbarer Persönlichkeiten nachweisen lassen, die den\nAkkord angeschlagen haben. Das Steigen der\nradikalen Welle hat das vorhergehende Auftreten\nsynthetischer Freigeister zur Voraussetzung, die\nihrerseits wieder von dem Vorhandensein aufge-\nspeicherter unverwerteter Materialrückstände be-\ndingt sind. Nicht die Persönlichkeiten machen den\nZeitgeist, auch nicht umgekehrt, sondern sie sind\nder lebendige Zeitgeist, die sichtbare Inkarnation,\ndie Sprachrohre der Idee.\nIn dem ewigen Widerstreit der konservativen\nund freien Geister wallt auf und ab, webt hin und\nher wie Ebbe und Flut das Leben der Geschichte.\nDie wechselnde Regierung der Whigs und Tories\nhat ihre allgemeinen ewigen Gründe.\nEin Voltaire, Rousseau, Diderot, Helvetius\nwaren der volle restlose Ausdruck ihres Zeitalters,\nsie fanden in dem Gesamtmaterial ihrer Zeit\nkeinerlei innere Hemungen vor, sie konnten mit\nfröhlicher Energie die Kristallisation ihrer Zeit voll-\nziehen und sich Enzyklopädisten nennen. Sie\nkonnten bezaubern und siegen; aber das Hochzeits-\nkleid kann man nicht an jedem Tag anziehen. Es\nmüssen feierliche Zeiten da sein, es muß hoch an\nder Zeit sein. Aber der Schatz der Zeit erschöpft\nsich, er läßt nur eine gewisse Ausbeute zu, die\nsilberne Ader gibt nur während einer begrenzten\nPeriode blinkende Stufen, später verarmt sie, der\nfeurige Strom erkaltet und erstarrt. In geistigen\nDingen haben feste Resultate keinen Wert und\nkeine Berechtigung, der Geist besteht nur in der\nBewegung, im Gegensatz. Darum kann uns der\nRationalismus eines Voltaire hinreißen, weil er\nnoch vom Gegensatz gespeist ist und seinen\nstrahlenden Regenbogen auf der purpurnen Wand\ndes Ancien Regime spannt. Heute denselben gei-\nstigen Inhalt einfach wiedergeben wollen, ist kein\nVerdienst, es bedeutet Flachheit.\nDenn gerade von der höchsten Perspektive aus\nmuß gesagt werden, daß die konservativen Mächte"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.2", "texte": "die Vermutung für sich haben, daß sie geistiger sind\nals der Rationalismus. Es geht dies eigentlich aus\ndem Vordersatz hervor, daß die revolutionären\nMächte die materiellen, die ökonomischen Not-\nwendigkeiten durchsetzen, während die konser-\nvativen ihnen entgegentreten. Diese müssen, da\nsie nicht materielle sein können, eben geistige sein.\nJe leidenschaftlicher die Reaktion vordringt, desto\ngeistiger müssen ihre Motive sein, weil sie sich im\nWiderspruch zu Lebensforderungen behaupten\nkönnen. Wäre dies nicht der Fall, so wäre der\nRückschritt nur ein scheinbarer, würde sich ein\ntieferer Fortschritt darin verbergen. Es ist demzu-\nfolge für den fortschrittlichen Gedanken viel\nschwieriger, sich zu vergeistigen. Er siegt daher\nnur fallweise, wenn ihm dies gelingt. Es ist dies\nder letzte Grund, warum die konservativen Ideale\ngerade viele tieferen Geister — wie beispielsweise\ndie Romantiker — anziehen; in der Krankheit steckt\neben mehr Geist als in der Gesundheit, sie verfügt\nüber eine kompliziertere Dialektik. Nur durch das\nErscheinen tieferer farbenprächtiger Persönlich-\nkeiten kann daher die Reaktion besiegt werden,\ndurch Persönlichkeiten, die das Prinzip der Revo-\nlution dem Rationalismus entreißen.\nDer Fortschritt beruht allerdings auf der Ver-\nnunft, aber die Vernunft allein vermag nicht zu\nsiegen, einzig der Geist vermag dies. Aber die\nVernunft ist oft geistlos. Rationalismus und\nLiberalismus können heute keinen Zauber mehr\nausüben, keine imponierende Vornehmheit mehr\nentfalten, keine Vollblutpersönlichkeiten mehr\nkristallisieren, sie sind, kurz gesagt, unfruchtbar\ngeworden.\nDie Frage der Niederwerfung der Reaktion ist\ndaher eine Frage des Aufkommens freier Per-\nsönlichkeiten, die den großen konservativen Er-\nscheinungen ebenbürtig sind. Solche Persönlich-\nkeiten können aber weder zufallsweise noch über\neinfachen Wunsch entstehen, sondern nur infolge\nder entsprechenden Konstellation, die sie ge-\nschichtlich fordert.\nIst eine solche Konstellation in Sicht? Es hat\nden Anschein.\nDie Zeit lechzt nach solchen Persönlichkeiten,\ndie an die Stelle der ausgeleerten, schaal ge-\nwordenen Tory-Herrschaft die Führung über-\nnehmen.\nDie letzte Reaktionsepoche, die wir erlebt\nhaben, entstand dadurch, daß sich der Fortschritt\nauf die positive Arbeit geworfen und dabei zer-\nsplittert hat. Heute marschieren die Truppen der\nKultur auf hundert Linien der Walstatt zu. Ein im-\nponierender Aufmarsch! Was ist in Kunst, Natur-\nwissenschaft, Sozialpolitik erarbeitet worden!\nEngster Anschluß an das Material, Stoffbe-\nherrschung war die Devise. Auf diesen Linien\nmarschiert die Kultur, in viele Korps geteilt, aber\nsicher, wie am Wasserlauf der Flüsse, die alle im\ngroßen Meer zusammenmünden. Die Reaktion hat\ngesiegt wie die Oesterreicher bei Königgrätz,\nnämlich solange als nicht die gesamte preußische\nArmee auf dem Schauplatz stand. Als aber, wie\ngenau vorausberechnet, der preußische Kronprinz\neintraf, verwandelte sich der vermeintliche Sieg in\neine Niederlage. Die Renaissance des Freigeistes\nwird umso vollkommener sein, je schwieriger die\nSynthese ist, je spannkräftigere Persönlichkeiten\nsie daher erfordert und infolgedessen erzeugen\nwird.\nDie Kultur darf nicht schlafen, sie darf sich\nnicht auf vergangene Verdienste berufen, sie hat die\nVerpflichtung, ihre produktive Kraft gegenüber der\nkonservativen Weltanschauung immer wieder neu\nzu beweisen. Die konservative Weltanschauung\nhat ihr Schwergewicht in sich. Aber die Kultur ist\nwertlos, weil geistlos, wenn sie nicht in ihrer\nFruchtbarkeit unerschöpflich ist. Die Reaktion\nwird an dem Tage geschlagen sein, wo das gesamte\nMaterial der Zeit in seinem unerhörten Reichtum,\nin seinen blendenden Widersprüchen, in seiner\ntraumhaften Entfaltung innerlich bezwungen,\ngeistig bewältigt und in blutvollen Persönlichkeiten\nverkörpert sein wird.\n\nDaniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nEs war eine lange und ziellose Straße, in der\nDaniel Jesus hinter einem häßlichen Abend ging.\nDer war immer vor ihm, und er konnte ihn nicht\nerreichen mit seinen dünnen, schmerzhaften Beinen,\ndie einen hastigen und flackernden Schatten auf die\nnassen Steine des Pflasters streuten, der ihn ärgerte\nund verdrießlich stimmte. Der Abend lief vor ihm\nher wie ein tolles und boshaftes Tier, und er konnte\nihn mit seinen magern Fingern nicht greifen und\nkonnte ihn nicht bei den wirren Haaren fassen und\nihm in die zuchtlosen Augen starren, lange und\nnahe, so daß sein heißer Atem über seine zuckenden\nWimpern fahren müßte. Das war sein lieber Ge-\ndanke und seine sehnsüchtigste Sehnsucht seit\nJahren. Wer so den Abend erwürgen könnte!\nDenn der Abend war böse. Natürlich müßte man\nvorsichtig sein. Sich nicht belauern lassen und mit\neinfachen und gütigen Worten sich ihm nähern und\nlächeln und ihn liebkosen wie ein Weib. O, er\nwürde schon klug sein! Der Haß würde wie eine\nInspiration in ihm leuchten, daß er die richtige\nWeise fände, den Abend zu bändigen und zu töten.\nEr gäbe sich ihm hin wie ein Knabe, der gestern ins\nLeben kam, und wäre sanft und leidenschaftlich und\nwollüstig. Er würde mit verlangenden Händen den\nglatten Leib dieser Metze betasten und sie schläfrig\nund gierig machen. Bis er unter seinen Fingern\ndie schwarzen Adern an ihrem Halse klopfen\nfühlte, in denen ihr Herzblut brannte. Da würde er\nzudrücken, plötzlich und krampfhaft und ohne Er-\nbarmen. Dann bekäme sie jenes furchtbare Ant-\nlitz, von dem er jede Nacht träumte. O Gott, daß er\nimmer daran denken mußte! Aber er konnte diesem\nBilde nicht entrinnen! In jedem Spiegel war es, in\nden er hineinsah, und hinter jedem Fenster, an dem\ner vorbeiging, hing es wie eine Larve. Es war ein\nbleiches und angstvolles Gesicht, das eine arge\nKrankheit mit Eiter und Aussatz grausam gezeich-\nnet hatte. Und unter seinen drosselnden Gelenken\nwar ein hilfloser Schrecken in dieses Gesicht ge-\nkommen, der seine Augen aus den Höhlen trieb.\nUnd aus dem keuchenden Halse kroch die verfaulte\nZunge wie ein Eingeweide heraus und wollte kein\nEnde nehmen und wurde länger und länger und\nwuchs und stieß die Glasscheiben der Fenster ein,\nan denen er vorüber mußte. Die Straße war ziellos\nund lang, und die giftige Zunge leckte nach ihm und\nhaschte sein Kleid, und sie kam näher und nahe. Du\ngroßer Gott! Jetzt war sie da, nur vorwärts, und\nsich nicht umschaun um Gotteswillen!\nDaniel Jesus lief. Er lief in kurzen, zappelnden\nSprüngen, und der Schweiß rann ihm in blassen\nTropfen in seinen schüttern Bart. Er lief, bis ihm\nseine kranke Lunge den Dienst versagte und er\nröchelnd stehn blieb. Da lehnte er sich an einen\nLaternenstock und ruhte aus. Gott sei Dank! Die\nAngst war vorüber, und er fürchtete sich nicht\nmehr. Er mußte wirklich zum Arzt gehn in den\nnächsten Tagen, denn er hatte Visionen. Der\nAbend war ja nicht tot, der ging vor ihm her und\ntanzte einen Polkaschritt um jede elektrische\nLampe und hüpfte spöttisch von einer Seite der\nStraße auf die andere hinüber und schielte in die\nParterre-Wohnungen hinein, und er hatte ihn noch\nnicht erwürgt, und darum brauchte er dieses Ge-\nsicht nicht so zu scheun! Trotzdem! Und wenn\nes ihn zu Tode quälen sollte. Denn er haßte den\nAbend. Weil er sich lustig über seinen Buckel\nmachte und ihn hundertmal nachäffte an den Häu-\nserwänden, verzerrt und grotesk, komisch und\ngemein.\nJedesmal, wenn eine Laterne kam, sah er sei-\nnen spitzigen, schiefen Buckel an der Wand und\nauf der Erde, zwei-, dreimal, in vielen Schattierun-\ngen und Längen. Die Sonne war ehrlich und zeigte\nihm sein Gebrechen, aber der Abend verhöhnte es.\nEr ließ sich nicht verhöhnen, er, der reiche Daniel\nJesus, dem die Leute die Hand küßten, wenn er\nwollte.\nVerbittert und ächzend ging er weiter. Es war\ndoch eine Miserabilität dieses Lebens, das er führte.\nEs hatte kein Ziel und kein Ende, genau so wie die\nStraße, die er vor sich sah. Es war nichts darin,\nals wüste, verlogne Gaukeleien, in denen sich sein\nstarkes, hungriges Herz verlor. Diese Orgie, die\ner in seiner Villa gestern veranstaltet hatte,\nweil der junge Baron Sterben zwanzig\nJahre alt geworden war. War das groß\nund grausam, und war darin nur ein Stückchen von\nder großen Gloria der Missetat? War darin Glut\nund Sünde? War darin ein * Untergang?\nNicht einmal schamlos war es: Ein paar nackte\nMädchen, die sich mit Champagner betranken und\nsich dann auf seinen wunderschönen, blutroten\nTeppich übergaben, der ein Vermögen wert war.\nWo war da jener blinde und ruchlose Zug, der\nseiner würdig wäre? Eine Fürstin hätte er finden\nmüssen! Aber eine Fürstin der Seele, keusch und\ngut, damit ein wenig Tragik dabei sei, ein wenig\nKampf und Schande und Sünde. Eine Heilige hätte\nauf seinen Knien sitzen müssen und Rosen auf\nseinen häßlichen Buckel streun und seine ver-\nkrüppelten Füße küssen und dem Baron Sterben\nsplitternackt den Champagner reichen. So war es\ndumm und langweilig gewesen. Diese Bürgers-\ntöchter hatten keine Seelen. Es rührte und packte\nsie nichts, und sie schauerten niemals unter einem\nsolchen Abend. Es fror und schrie nichts in ihnen,\nkein Verbrechen und keine große Uebeltat, keine\nWollust der Selbsterniedrigung, kein Rausch und\nkeine Sehnsucht.\nEr mußte Seelen sehn, wenn sie nackt und be-\ntrunken waren. Das liebte er. Brünstig und in-\nbrünstig, ekstatisch und irre. Von einer großen\nKraft verwirrt, von einem Gott oder einem Tiere.\nDarum ging er jetzt auch wieder in das kleine\nHaus neben dem Eisenbahnviadukt, wo er schon so\nlange nicht gewesen war. Sie würden ihn frostig\nempfangen, Schuster Anton und seine Beter. Sie\nwußten ja immer alles, was er tat. Sie waren wie\ndas böse Gewissen. Und sie wußten sicher schon,\ndaß er gestern abend wieder gesündigt, daß\ner dem Teufel seine Türe geöffnet habe. Er konnte\nnicht ersinnen, wo Schuster Anton alle diese Dinge\nerfuhr. Aber sie waren ihm alle bekannt.\nFurchtsam und fiebernd ging Daniel Jesus die\nfinstre Holztreppe hinauf. Ganz leise öffnete er die\nTür und stand im Zimmer.\nSie sangen gerade das Marienlied vom\nschmerzlichen Herzen. Um einen langen, kahlen\nHolztisch herum standen eine Menge Menschen mit\nGesangbüchern in den heißen Händen, und ihre\nStimmen stiegen wie ein herber zerbrochner Schrei\nin die Höhe und stießen sich an der niedrigen\nZimmerdecke wund. Und alle dachten nur das eine\nLied. Es war kein Raum in ihren Seelen für die\nGeschehnisse der Stunde. Am Ende des Tisches\nstand Schuster Anton. Er kannte das Lied schon\nauswendig und hatte seine harten, ungeheuern roten\nHände zum Gebet gefaltet und sang. Es klang wie\nein Notruf auf See. In Nacht und Sünde war sein\nSchiff gescheitert und trieb jetzt umher und suchte\nGott. Und er rief ins Dunkle hinaus, stetig und\nimmer lauter, sinnlos und gläubig. Ein wilder\nund stolzer Kopf saß auf seinem riesenhaften\nLeib. Bartlos in trotziger Askese, mit einem\nMund, der wie ein Säbelhieb in seinem narbigen\nGesicht geblieben war.\nNeben ihm stand sein Weib. Groß und riesen-\nhaft wie der Schuster, mit einem wundervollen,\nbrandroten, glutenden Haar. Sie dehnte und bog\nihren mächtigen Leib im Gesang und rang mit der\nSünde. Sie schrie das Lied in die Stube, daß es wie\nein verirrtes und erdrosseltes Schluchzen auf die\nGasse fiel und die alten Frauen schauernd ein Kreuz\nschlugen. Aber es half nichts. Sie konnte ihr Blut\nnicht töten, und das Lied füllte ihr Herz nicht aus\nwie die Herzen der andern. Sie suchte mitten\nzwischen den Strophen nach einem Brand und einer\nVerheerung. Denn die Liebe zu Gott war klein und\narm und kein Sturm wie bei Schuster Anton.\nDer war ein Messias und ein Erlöser und sie ein\narmes Weib. Aber sie mußte auch eine Glut in\nihrer Seele haben, die ihr Blut verdorren ließ wie\neinen Tümpel in der Sonne. Sie war ein Mensch,\nin dem es viel zu verbrennen gab. Sie haßte ihr\nBlut und ihren großen Leib, den sie nicht bändigen\nkonnte. Sie hatte eine stumpfe und gierige Angst\nvor ihrem Leib. Sie sang. Und es war wie ein\nNotruf auf See.\nChristus! Christus! schrie es in ihr.\nSie schob ihre weiten, verheerenden Augen an\nden verräucherten Wänden weiter und an den ver-\nzerrten Gesichtern der Menschen. Aber das Lied\nfüllte ihre Seele nicht aus.\nDa sah sie mit einem Male zwischen den\nTräumen und den Visionen, zwischen den Gaukelein\nund den Flammen ihres Gesanges plötzlich, und wie\nden Schatten hinter einem Licht, Daniel Jesus in dei\nStube stehn. Er sah sie an. Und ihre Augen vei-\nloren sich. Ihre Augen gingen nackt und schamlos\nin die seinen, wie eine Frau in das Bett ihres Ge-\nliebten steigt. Und groß und häßlich, so wie dei\nAbend draußen, den Daniel Jesus nicht erreichen\nkonnte, trat zwischen das Lied die Sünde. Daniel\nJesus war es, als ob eine eisige Hand über seinen\nBuckel führe. Und er trank diesen Blick dei\nBüßerin wie eine schöne und ruchlose Missetat."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.3", "texte": "Und er wußte, daß eine Fürstin auf dem Wege zu\nihm war. Sie war noch weit, und ihre Pferde\ngingen langsam.\nAber der Abend wird uns schon zusammen-\nführen, Schuster Anton! Denn der Abend ist bös.\nUnd keiner hatte den schamlosen Blick gesehn\nals die röchelnde Zigeunerin, die vor dem Schuster\nam Boden lag und ihre Knie an den Dielen blutig\nriß. Sie küßte die Füße des Schusters, und der\nSchaum stand vor ihrem Mund und flog hinauf zu\nden harten Händen des Mannes und war heiß wie\nsiedender Schnee.\nAber seine Hände zuckten nicht, und er hob sie\nhoch und einsam über all die Leute, hoch und höher,\nweit hinauf zu Gott.\n\n7\nFortsetzung folgt\n\nGedichte\nVon Herbert Ihering\n\nDer Tod\nGlühender Panzer\nWühlt Deine Schönheit\nMeine Glieder unter die Erde.\nAb sengt er das Fleisch von den Knochen.\nMein mürbes Gerippe sinkt in bleiernen Sarg.\nAufgestört hämmern gehetzte Schläfen\nAn sengenden Helm.\nMeine erblindeten Gedanken\nSchlagen die schlaftrunkenen Flügel\nAn feurige Wände.\nEin Aschenhäufchen flattert noch auf.\nImmer aber brandet mein Atem\nIn bäumenden Wellen gegen glührote Mauern\nUnd verbläst meinen Staub\nIn das All.\n\nWallfahrt\nMeiner Pilgerfahrten verirrte Straßen\nHinblut ich mit nacktem Fuß.\nSchreiend drück ich ihn ein\nIn gläserne Splitter zerschlagener Seligkeiten.\nSchleif ihn erblindend\nUeber glühende Kiesel verbrannter Herzen.\nSchwarzer Leidmantel\nScheuert meinen brandigen Leib.\nAufsaugt mich Finsternis.\nNacht bin ich in Nacht.\n\nDer Kreuzfahrer\nEine Kriegsgeschichte\nVon Else Lasker-Schüler\nDie Kreuzfahrer bringen Geläut in die Stadt\nJerusalem und die Sünde überwuchert die stolzen\nMuselblumen der Wege. Ich zerblättere die Sünde\nwo ich sie finde, die heimlichen Knospen des\nChristen, der mich einlud zu seinen Töchtern in den\nGarten. Die haben blaue Augen und gelbe Haare\nund sie sagen, der Schnee ist auch gelb. Und es\nwird schneien in ihrem Garten, denn Bäume mit\nkühlem Laub stehen darin: wie nennen doch die\nSchwestern die Blumen auf den Beeten? Es läutet •\nwieder, immer wenn neue Kreuzfahrer durch das\nTor in die Stadt ziehen. Schön sind die und groß,\nwie Türme aufgerichtet. Auf ihren Helmhauben\nsteht das Kreuz. Ich trage, seitdem ich in Jeru-\nsalem im Garten des reichen Kaufmanns bin, das\nheilige Kriegskleid meiner Heimat, im Gürtel den\nDolch, der ist gebogen und unentwendbar, wie die\nMondsichel. Die Schwestern meinen, so sei es\nSitte bei uns in der Stadt. Sie schwärmen für mich\nund bedauern, daß ich kein Prinz bin; streuen Ver-\ngißmeinnicht den Kreuzfahrern über den Pfad, die\nsehen die kleinen himmlischen Tropfen nicht;\nmanchmal jedoch streifen ihre Blicke die Engels-\ngesichter mit tapferer Andacht. In Betten schlafen\ndie beiden Blauäugigen in der Nacht und sie lachten\nüber mich, als ich sie fragte, zu was die wären.\nUeber ihre Betten schwebt ein Vergißmeinnicht-\nhimmel unser Jenseits ist verschleiert.\nWenn ich eine der Töchter des Christen wäre, ich\nschenkte dem Kreuzfahrer, der am Morgen durch\ndas Tor in die Stadt zog, ein Bett aus atmendem\nHolz, wie ihre Haut so weiß, denn er fror in der\nmilden Frühsonne. Ich drohe mir mit meiner\nblitzenden Sichel, seitdem er über den Zaun in den\nGarten blickte, und mähe das süße Gegold meines\nHerzens. Seinen Namen weiß ich zu nennen, die\nSchwestern lasen ihn im Kirchenbuch über seiner\nSchulter hinweg — getürmt und steil ist seine\nSchrift — ich folge den Ungläubigen in die\nKirche. Seitdem dämpfen Wölbungen der Moscheen\nmeine aufgerichteten Träume. Es sind nur zehn-\ntausend Christen in Jerusalem, wollen die Sünde\nausrotten es kann nicht soviel wachsen. Und\nKreuze sticken des Kaufmanns Töchter auf zarten\nLiebesbändern, die keimen auf, wie die glatten\nWege der Heimlichkeit. Aber die Kreuzfahrer\nküssen der Engelhände Kreuzarbeit mit siegreichem\nLächeln. Ihn sehe ich nie unter den Beschenkten;\nsucht er doch meinen Mund im Frühstern.\nDas heilige Kriegskleid meiner Heimat trägt nun\nmein Vetter Ichneumon von Uesküb, aber seine\nArme zittern vor Liebe und können sich nicht gegen\nden Feind halten. Sein ganzes Heer rauscht, wie\nein Herz, wie mein Herz und sie alle sind geliefert\nden Christenhunden. Ich liege unter dem Himmel\nder beiden Schwestern, ich habe die asiatische\nDistel; Stacheln sitzen in meinen Gliedern, und die\nunbarmherzigste bohrt sich in mein Herz. Engel,\nzwei sehen blau über mein Angesicht und\nkämpfen mit der Taube Mohameds, die will meinen\nSchleier zerpflücken. Ich mag aber die Engelguten\nnicht leiden, weil sie Christinnen sind. Und steige\ndoch in der Nacht heimlich über den Zaun des\nGartens in das Kirchenschiff. Dort auf dem Balkon\nsitzt der Ritter und spielt die Orgel, im langen,\nfeierlichen Hemd, Choräle, Totenbalsam dringt\naus den sterbenden Tönen. „Ritter, die Könige von\nSinai ließen Klageweiber für ihre Toten heulen und\nzu den Freudenfesten ihrer Harfen färbten sich die\nLippen der Greise rot und ungeborene Knaben\npochten an leibgoldene Tore. Als ich vor dem\nKirchenaltar anhub nach deinem Choral zu tanzen,\nsank mein Leib ein: grämige Mondscheibe, der eben\nnoch der spielendste Stern war inmitten der\nSterne.\" Da fiel Schnee auf die Wangen des Ritters\nund ich sah, daß der Schnee weiß war, nicht der\nSchwestern Haarfarbe gleich. Stehn immer am\nZaun mit ihren gefärbten Schneehaaren und be-\nscheeren die Kreuzfahrer mit süßer Frömmigkeit.\nUnd sie möchten ihnen ein Bett bereiten aus\natmendem Holz, wie ihre Haut geglättet. Du aber\nRitter sollst auf einem tanzenden Stern schlafen in\nder Nacht! Und ich klettere mühsam über den\nZaun des Gartens, aus meinem Zeh wächst ein\nkleiner Distelstrauch. Und der Krieg wütet in\nBagdad. Die Wüste ist unserer Krieger Schild.\nAber mein Vetter verliert jede Schlacht. Eine Ab-\ntrünnige ist das heilige Gewand der Stadt, sein\nKriegskleid dem Feinde zugetan. Ich werde halb-\ngenesen in meine Heimat getragen, Bagdad des\nheiligen Kleides wegen Rede zu stehen. Mein\nVater hält meine beiden Hände umschmeichelt, ihre\nFinger sind wie müde Strahlen. Aber Kriegslust\nblendet meine Augen. Ichneumon von Uesküb steht\nschon vor unserem Palast. Ich ziehe den letzten\nDistelsplitter aus meinem Zeh abbarebbi,\nlachajare, lachajare! Begeisterte Kriegsmusik trägt\nmich auf ihren Schultern durch die Straßen. Ich\nschlage die Christenhunde noch in derselben Nacht.\nMein Vater hütet meinen Mut und meine Tapfer-\nkeit, wie zwei Enkelkinder. Nie zog eine Prinzessin\nvon Bagdad in die Schlacht. Nur der Vetter läßt\nseine schnüffelnde Lippe hängen: er habe sich im\nZitronenwald aufgehangen und konnte nur morgens\nden Baum nicht wiederfinden. Wenn der Mond\nrund ist, wollen wir nach Jerusalem. Aber die\nhohen Krieger im Kriegsgebäude sind nicht einver-\nstanden mit den Aufzeichnungen meiner Feldpläne.\nIhre Sinne verwirren sich auf der Tafel; doch der\nGroßwesier belehrt sie: Allah's Geist sei über mich\ngekommen. — Manchmal fühle ich, meine Blicke\nsind blau und fliehen meines Vaters Angesicht. In\nmeinem Auge steht der junge Kaiser Conradin in\nder Helmhaube und dem Kreuz. Aber mein Vater\nprüft täglich meine Ausrüstung und die Fußgelenke\nmeines Dromedars: alt ist er geworden. Ismael\nHamed der Sohn des Großwesiers wird ihm, in der\nZeit, wo wir die Eindringlinge der Hauptstadt ver-\ntreiben werden, Gesellschaft leisten. Der versteht\nseine Sonderlichkeiten zu verzärteln. Und mein\nVater wünscht, daß ich vor der großen Schlacht mit\nIsmael Hamed Hochzeit feiere. Ich erkläre aber\nmeinem ehrwürdigen Pascha, die Mumien im Ge-\nwölbe seines jungen Freundes entsprächen nicht der\nZahl, die einer Prinzessin von Bagdad zukämen.\nMeine Dienerin hatte einen Traum, ich saß hoch-\nzeitlich gekleidet in der Prachtsänfte Ismael\nHamed-Mordercheis, Ismael Hamed sein Sohn lag\nim Gewölbe. Der Großwesier wüßte schon meine\nringende Seele um die Schulter zu tragen, aber\nmeine Küsse schließen sich vor Spätsommerlichem.\nEr beschenkt mich mit den eigenartigsten Ge-\nschenken: Einen Ring, in seinem Stein spiegelt sich\nder Sinai und Ohrgeschmeide, in ihrem Qehang\nläutet eine winzige Uhr alle zwei Stunden zum\nGebet. Und zwei Albinoneger, die mich in den Krieg\nbegleiten sollen, daß mich die Schwermut nicht be-\nfalle. Immer wenn mich die vier weißäugigen Aug-\näpfel mit den roten Punkten anglotzen, lache ich,\ndaß meines Dromedars Buckel wackelt. Abbarebbi,\nabbarebbi, lachajare! Mein Träger setzt mit mir\nüber die weitesten Schluchten, trabt dem Heere\nvoraus über frühbeschienene, üppige Pfade, über\nLippen rotentlang. Schon sehen wir die Tore der\nStadt. Meine Krieger fallen zur Erde und murmeln\nSprüche des Korans. O, wie ich den schlichten\nTurm des Kreuzes hasse! Die frommen Musel-\nmänner aus Mekka und Medina, die Leute aus\nJemen, aus Tyrus, Beduinen, die Bewohner von\nNinive und den anderen Eufratländern, die Egypter,\ndie Philister, die Edominiter, Amoniter, Hethiter,\ndie Stämme der Juden: Chaldäer, Saduccäer, Judäer,\ndie Urenkel Davids, die Söhne der Leviten und ihre\nVäter, die hohen Jehovapriester, Talmudgelehrte\naus Damaskus stehen auf mit mir wider das\nChristentum. Ich blicke über mein stolzes Heer,\nabbarebbi, lachajare auch Ismael\nHamed Morderchei folgt meinem Zuge\nLachajare!\nDie beiden Töchter des reichen Kaufmanns\nwerfen sich vor die Füße meines Dromedars, be-\nschwören mich um Christi willen. Ihre Vergiß-\nmeinnichthimmel bluten, wie die Wunden der Ritter.\nHinter den Hügeln der Stadt kam es zum Kampf.\nWir drangen in die lästigen Kirchen der Ungläubigen\nein. Ich und meine Krieger zerschmetterten die\nAltare und Heiligtümer; oben auf des Turmes Kreuz\nspießte Ichneumon von Uesküb den Knappen des\njungen Kaisers auf. Ließ dem Vetter zur Strafe\nfür seine Grausamkeit den Turban nehmen. Ich\nträume des Nachts verborgen hinter der Wimper\ndes Ritters; ich hörte ihn Choräle spielen in der\nZeit seines Gottes Häuser starben, stand uner-\nmüdlich mit dem Rücken an der kleinen Pforte des\nBalkons gelehnt, hinter der er im langen feierlichen\nHemde saß. Ich küßte ihm die Kniee, ich die Prin-\nzessin von Bagdad blutige Zeichen hinter-\nließen meine Küsse. Ich muß so sanft weinen, ich,\nAllah's Kriegerin; auf toten Worten legte ich meine\nHand zum Schwur. Ismael Hamed Morderchei tritt\nin mein prunkendes Zelt, er ist europäisch gekleidet\nwie die Herren des fremden Amtes unserer Stadt;\nstreicht er über die erwägende Stirn, tritt eine\nhöfliche Erkühlung zwischen ihm und dem Sprecher\nein. -Sein Bart ist keine Wolke, wie der meines\nVaters; durch den Scheitel seines Kinnhaars\nleuchten Steine aus Edeltrunk. Mit wohlgepflegter\nGebärde nimmt er aus meiner Hand das Schreiben\ndes jungen Kaisers Conradin entgegen, der um\nFrieden bittet. Seine beiden Abgesandten halten\nsich staunend umschlungen. Sie glauben, ich bin\naus Tausend und einer Nacht. Den Großvesier er-\ngötzt es, ihre Vorstellungen zu bestärken. Auf das\nGefunkel meiner Stirne weist er, auf meine Hände,\ndie Bilder des Mondes sind; nichts destoweniger\nden Speer zu werfen verstehen. Mich überrascht\nsein Spott, mit dem er das königliche Schreiben\ndurchfliegt, ich kann es nicht glauben, daß die hell-\nlockigen Boten von meinem Vetter bestochen sind,\naber der Großwesier liefert sie nach abendländischer\nSitte wieder dem feindlichen Heere aus. Vielleicht\nsind sie am Abend schon tot. Ichneumon von\nUesküb meldet sich krank. Des Feindes Schwert\nzerspaltete an seinem eigensinnigen Gesäß; aber ich\nhöre durch das Schreien des vergossenen Blutes\nseine Lockrufe und ich vermisse meine glotzäugigen\nScheusäler; die lieben ihn, er läßt sie zur Belusti-\ngung wie zwei Hunde über seinen Arm springen.\nEr weiß, ohne sie kann ich das Herz des Kaisers\nnicht durchbohren. Der naht in der vordersten\nReihe des Feindes. Das heilige Kriegskleid umhüllt\nmich, wie eine erstickende Sonne, meine Arme be-\nginnen zu vertrocknen, und mein Atem qualmt in\ndie Augen meiner Krieger. Mag doch der Sinai zer-\nrinnen dem Sande gleich. Meine Sterne trat\nich tot, will ihre Blässe streicheln .... Aber\nwie nie Dagewesenes öffnet sich mein\nAngesicht über späte Tanzleiber und Tempel; in\nmeiner Schläfe stirbt ein Gott. Wider mich stehn\nseine Meere aus ihren Betten auf, aber ein Tropfen\nmeines Blutes färbt ihr Rauschen verwirrt. Könige\nund Königinnen zittern vor meinem bangen Reich-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.4", "texte": "tum. Meine beiden Neger trillern ihren gellenden\nKriegsschrei, immer wenn mein Speer die Brust\neines Ritters durchbohrt. Der Großvesier treibt\ndie Spaßmacher vor meinem Dromedar her, sie\nschlagen mit ihren Zähnen harte betäubende Musik,\nund tanzen dazu: Abbarebbi, abbarebbi, abbarebbi,\nabbarebbi, lachajare! Huhuuuuuuuu u\nAls Conradin der junge Ritter und Kaiser be-\ngraben war, kam seine Mutter zur Pilgerfahrt nach\nJerusalem, und wie sie meinen Negern begegnete,\nlachte sie über die Unnatur. Ich küßte ihr Gewand\nabbarebbi lachajare, lachajare\nabbarebbi!!\n\nGespräche mit Kalypso\nFünftes Gespräch: Die Fischpredigt / Von der\nTonleiter\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nDer Schöpfer der Musik hat aber nicht viel ge-\nwonnen, wenn er etwa so aus der Ueberfülle der\nTonbeziehungen diese wenigen herausgreift.\nWorauf es ihm ankam, war ein tonliches Einheits-\nmaß zu finden, das alle • nur möglichen Tonbe-\nziehungen auf ihren Wert zu bestimmte; so Kraft-\nund Wertunterschiede und Herrschaft ermöglicht.\nIndem dem Musiker nichts zuteil wird, was ihn\nberechtigt, zu urteilen: dieser Ton ist ein Fuß,\ndieser zwei Fuß von jenem entfernt, — indem er\nsich entschließt, zu verzichten auf eine abgezogene,\nvon Fall zu Fall nur anwendbare Größe, wird er\nschon vor die Lösung seiner Aufgabe gedrängt,\nwelche lautet, statt eines einzigen Maßes ein Ver-\ngleichsgebilde, eine Stufenleiter, eine Reihe von\nMaßen zu setzen. In einer Tonreihe wird der Ab-\nstand eines Tones zu einem folgenden in anerkannter\nWeise festgelegt; diese Tonleiter, — deren es viele\ngeben kann, — erlaubt die Gesamtheit der anwend-\nbaren Töne einzureihen und ihre wechselnde Bewe-\ngungsgröße zu messen. Nicht gibt die Tonleiter we-\nsentlich die verwendbaren musikfähigen Töne, son-\ndern sie tut dies nur, um eine Meßmöglichkeit der\nTöne zu gewähren,— da es, wie ich schon sagte, ja\nbei der Musik nicht auf die Töne, sondern die Tonbe-\nziehungen ankommt. Sie gibt überhaupt blos eine\nMeßmöglichkeit; ermöglicht nur das Vergleichen\nvon Tonfolgen; es wird keineswegs damit, daß ein\nTon um einen, ein anderer um zwei Töne von einem\ndritten entfernt in der Leiter steht, gesagt, jener sei\ndem dritten „näher\", „verwandter\", sei „stärker\",\nals dieser; solchen Anspruch erhebt die Leiter\nkeineswegs. Die Bewegungsgröße wird durch die\nTonleiter nur gemessen, nicht bewertet. Sondern,\nwas macht, daß Tonbeziehungen näher, ähnlicher,\nübereinstimmender und wie sonst klingen, be-\nstimmt sich anderswoher; und dies geht\nüber die Grundlegung der Musik hinaus. Diese\nGröße ist keine feste Größe, sie wechselt, ist ja\nein Urteil, das von vielen Werten abhängt; ein und\ndieselbe Tonfolge und Bewegung klingt nicht gleich\nin verschiedenem Zusammenhang, bedeutet anderes,\nklingt Dir nicht so wie sie mir klingt: vieles wirkt\nhier Es gibt weder ein abgezogenes\nMaß für die Größe der Bewegung, noch weniger für\nden Wert der Bewegung.\nWelche Rolle spielt jetzt noch der herrische\nTon, der Grundton, der Königston? Er wurde\nentthront. Die Gesetzlichkeit und Einheit liegt\nverteilt über den ganzen Ablauf, sie ist unper-\nsönlich geworden, bestimmt sich als die ge-\nmessene Bewegungsgröße eines Tons auf den\nandern, — König ist dies Gesetz. Besser rede ich\ndarum von einer Tonrepublik. Wenn hier ein ein-\nzelner Ton hervorspringen will, so kann er es\nvielleicht als Mittelpunktston oder Anfangston oder\nEndton, — aber alles dieses ist wertlos und un-\nwesentlich; weil sich ja nicht der einzelne Ton\nwertet, sondern seine Stellung in der Folge, seine\nBewegungsgröße in dem Ablauf.\nGanz unsachlich ist damit die Musik geworden,\nganz, so seltsam es klingt, löst sie sich von den\nTönen. Die Tonleiter wird so zum wichtigsten mu-\nsikalischen Gebilde. Folgen unter der Geltung die-\nses Tongesetzes, dieser Musikform Töne in einer\nReihe aufeinander, so gilt als musikalisch an der\nReihe die Möglichkeit der Aufstellung einer solchen\nWertformel eines Tonmittelpunktes, dem die Kraft\ninnewohnt, die Töne auf ihn zu beziehen. Damitsie\ndie Grundlage der Musik vollzogen.\nWas sich reiht, muß, um als Musik zu gelten,\nso geeint erscheinen. Demnach ist durch die Ton-\nleiter nicht das Hintereinander der Töne musikalisch\ngebunden, — vielmehr betätigt sich hier die Fremd-\nwilligkeit, die Freiheit — sondern ihr Zueinander. Da-\nmit aber eine Reihe musikalisch wird, tritt nicht erst\nzu der bloß gereihten nachträglich auswählend die\nWertbeziehungszauberformel hinzu; die Reihe kann\nnicht mit der Formel gesondert und gesiebt werden.\nSchon bei der Auswahl der Töne, welche die Reihen\nbilden, muß sie ja zugegen und wirksam sein. Nicht\nin dieser Weise ist die Tonleiter Form zu neuem\nvöllig fremdwilligen Stoffe; sondern es wird kein\n„Stoff\" erzeugt; tief in die Erzeugung hinein greift\ndie musizierende Gewalt. Die Reihe erscheint so-\nfort in diesem Hinblick als Musik. In der Welt eines\nDenkers, der wie wenig andere scharf zu schneiden\nverstand, fallen gestaltende Formen und ein Stoff\nauseinander; der Stoff tritt nur als gestalteter auf,\nso daß man auf sein Vorhandensein nur schließen\nkann; das sinnlich Gestaltete hat alle und alleinige\nWirklichkeit, wenngleich das Ding an sich ein not-\nwendig zu denkendes ist. Dies gilt für meine\nKunst. Wenn ich sagte, es bliebe der zusammen-\nhangbildenden Gewalt keine weitere Aufgabe, als\ndie fremdwillig bewegten Töne zu ordnen, so muß\nich jetzt die Geringschätzung von der Aufgabe\nnehmen.\nDas Hintereinander der Töne ist hier bloß musika-\nlisch nicht gebunden, nicht ist der Zusammenhang\nder Aufeinanderfolgenden geregelt, sondern nur ihr\nIneinander, ihr überzeitliches Zueinander. Und so be-\ngreift es sich, daß hier auch das Nebeneinander der\nTöne, der gleichzeitig anklingenden, ihre Regel und\nOrdnung finden kann.\nIhr Nebeneinander in Harmonien, die Bestimmung\ndieser Harmonien als Konsonanzen, Dissonanzen\nverschiedenen Grades, spricht das enge Gebunden-\nsein an die Tonleiter, den jeweiligen, fließenden\nWert der Tonstufe augenblicklich aufs Schärfste\naus, arbeitet die Einheit des Ablaufs Schritt um\nSchritt heraus, — mögen sich die Harmonien auch\noft befreien, sich eigenwertig gebärden, weder kon-\nsonant sein noch dissonant und wie Schatten um\ndie Tonleiter irren. Sie überwinden da beinahe die\nTonleiter, scheint es. Vielmehr seh* ich: sie feiern\nden Triumph der Ordnung, der unbedingten Sicher-\nheit und sind Krieger, die in Feindesland ohne\nWaffen Siegestänze tanzen. Ein Schwanken\nkommt über alles, Schwelgerei und Ueppigkeit tut\nsich auf, weil ja der Boden der großen Erde sich so\nunerschütterlich gründet\nIst einmal der gröbste Tatbestand der Musik ge-\ngeben, tritt die Musik in ihren äußerlichsten Zeichen\nhervor, so tritt nun gleichzeitig mit Tonfolge und\nHarmonie, in ihr die Eigenwertigkeit der Aufein-\nanderfolge hervor.\nWie das Meer sich wirft und aufstöhnt. Habe ich\nEuch vergessen, meine Freunde, Ihr lieben Fische?\nO, Ihr schwiegt so andächtig. Laßt auch mich jetzt\nschweigen, wo ich an die Fremdwilligkeit, Eigen-\nwertigkeit, das Jenseits der Kunst rühren will. Ihr\nkennt dieses Jenseits, ich will Euch aber nur Neues\nsagen. Auch ahnt Ihr, daß es nur ein Jenseits\nscheint. Ihr kennt das Alte, wenngleich nie\nVollendete, das ruhelos sich wälzt, Sehnen ohne\nEnde ist, Begehren ohne Ziel, die Brandfackel die\ndurch alle Räume lodert, kennt das Singen und\nZirpen der Möven, das Toben des Meeres.\nAn Masten, Giebeln, scharfen Halmen hängen die\nSchwalben. Die riesige Wanderin geht mit bloßen\nFüßen, naß schleppenden Gewändern über das\nMeer.\n\nSchluß\n\nEine Vorrede\nAus dem Manuskript eines Romans „Morgenrot”\nVon Otto StoessI\n\nHöre Leser, ein paar Worte an, bevor Du meine\nErzählung mißverstehst, denn ich wünsche Deiner\nTorheit gleichsam einen Weg zu zeigen, wo sie die\nmeinige trifft und ein paar Stunden eben mit ihr aus-\nhalten kann, wie ja unser aller Leben eine not-\nwendige Narrenbegegnung ist, in die man sich\nschicken muß.\nWas Du hören willst, kann ich Dir leider nicht\nsagen und was ich Dir sagen kann, willst Du viel-\nleicht nicht hören. So besteht zwischen uns kein\nanderes Verhältnis, als sonst zwischen den\nMenschen im Leben und warum sollten wir es also\nnicht eingehen! Du verlangst himmelschreiende Be-\ngebenheiten, zuckersüße Einbildungen, wohlge-\nschraubte Worte, großartige Empfindungen und\nwillst, wie Du so schön zu sagen pflegst, über Dich\nerhoben sein.\nIch habe irdische, einfältige, gewöhnliche Zu-\nstände, Menschen und Ereignisse von heute und\ngestern und alletage, das Spiel von Geschicken, dem\nDu so gern fremd tust, weil Du selbst es treibst und\ndann Dich dessen schämst. Ich will Dich zu Dir zu-\nrückführen: Siehe, Du bist Dein höchstes Wunder.\nEs ist meine Schuld nicht, wenn Du das nicht ein-\nsehen kannst.\nIch mag, beim allmächtigen Gott, nichts er-\nfinden. Mein Hirn ist stumpf, mein Wort ohn-\nmächtig, wenn ich Fabeln auftragen und Menschen\nhervorrufen soll, die beim Maskenhändler, im Kon-\nversationslexikon, im historischen Seminar zu\nkaufen sind, aber nicht auf jeder Straße herum-\nlaufen, was ich durchaus von Fabeln, Menschen,\nTrachten verlange.\nGerade das muß aber der Dichter: mit den erhabe-\nnen Geschöpfen einer gebildeten Phantasie das arm-\nselige Leben übertreffen und bevölkern und ein\nhöheres Dasein über dem gemeinen großartig hin-\nstellen. — Wenn er das muß, bedaure ich ihn wegen\nseiner Bemühung, Dich, weil Du derlei schwierige\nGestalten verstehen sollst, Leser, der Du nicht ein-\nmal Dich selber verstehst, einen gewöhnlichen Hinz\nund Kunz. Aber wir wollen uns im Mißverständnis\neinigen. Ich wandere durch die Gassen und feldein-\nwärts, gesellig und doch so einsam, wie jeder\nMensch, nur daß ich mich bei mir selbst und fern von\nden Menschen am allergeselligsten weiß, während\nDu, mein Leser, Alleinsein auch als Einsamkeit, Ge-\nsellschaft auch als Gemeinschaft fühlst und meinst\nund Dich überhaupt mit der Bedeutung der Worte\neins weißt, was Deiner gesunden Vernunft alle Ehre\nmacht. Ich aber lege den Worten gerne ihren\nanderen Sinn bei und bringe sie zu neuen, wunder-\nlichen Ehen und Nachkommenschaften. Doch das\nführt zu weit und zu allerhand moralischen Frag-\nwürdigkeiten meiner Worte und Deiner. Wir wollen\nuns ja im Mißverständnis einigen. Also: ich wandere\ndurch meine Tage und werfe das Netz meiner Auf-\nmerksamkeit in den Strom der Dinge und fische\nWirklichkeiten. Ist der Tag günstig, dann liegt eine\nzappelnde, vielschuppige, herzhafte, eratmende\nMenschlichkeit im Netz und ein großes Menschen-\nauge blickt bebend in das meinige: verstehst Du\nmich auch, Du Fischer von stummen Schicksalen?\nIch hoffe es! Wir alle sind auf unsere Art Fischer\nund Fische, wir spannen Reusen und fangen uns in\nReusen.\nKurz: das ist meine Ware, das kann ich Dir\nbieten! Menschen, Menschlichkeiten, Schicksale,\nmeine, Deine, unser aller tägliche Erlebnisse im\nStrom der Welt. Aber diese Dinge sehe ich strah-\nlend, tausendfarbig im verschiedenen Licht der Be-\ngebenheiten. Mir ist dies Wirkliche das einzige\nWunder, ich träume den Traum der Wirklichkeit,\nden Du mein Lieber wachend verschläfst. Ich er-\nfinde nichts, ich kann nur finden. Willst Du Fabeln\nund ersonnene Großartigkeiten, so begib Dich in\neinen anderen Laden, es wird immer viel mit\nKatzengold gehandelt. Ich habe keinen andern\nSinn, als den für Dich und mich, und unsere arme,\ntägliche Existenz ist mir das einzige, wahrhafte\nFabelreich der Wunder. Täglich ziehen sie mit dem\nMorgenrot auf und leben im Mittag und verglühen\nam Abend, unerschöpflich, unzählbar und herrlich.\nDiesmal will ich Dir Dein Morgenrot vorstellen.\nEine Geschichte der Jugend fing sich in meinem\nNetz und die treuherzigen erwartungsvollen Augen\nzweier Knaben blickten mich an: Verstehst Du\nuns auch, Du Fischer von stummen Schicksalen?\nIch kenne Deine literarisch-gebildete Antwort,\nmißgünstiger Leser: Ach, wieder einmal ein Ent-\nwicklungsroman!\nNein, mein Neunmaldummer, dies wird kein\nsolcher Roman. Sondern bloß eine Geschichte von\neinem Menschenmorgen, die vom nachfolgenden\nMittag und vom schließlichen Abend gar nichts weiß\nnoch wissen will. Das Knabenfrührot eines ganz\ngewöhnlichen, darum ganz wunderbaren Schick-\nsals, ist alles, was ich Dir zeigen will.\nKeine Entwicklung zum großen Dichter, Staats-\nmann, Helden oder Schwärmer oder Selbstmörder.\nDie Jugend, die zu sich selbst aufgeht, an der\nLuft, im hellen Tageslicht sich aufschließt und das\nLeben mit offenem Kindermunde einatmet, das ist\nmein Gegenstand."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.5", "texte": "Herr Professor Max Reinhardt auf dem Blumenweg / An der Schleppe: Die Dramaturgen\n\nAber ich kann gleichwohl Deinen Drang nach\ndem Wunderbaren einigermaßen befriedigen: Die\nJugend eines rechten Menschen ist ein ganzes\nLeben, enthält alle künftigen Erkenntnisse, alle un-\nvermeidlichen Geschicke in ihrem strotzenden\nKeim, mehr, die Jugend eines reinen, freien, schuld-\nlosen Gemütes lebt die Geschicke der Völker selbst,\nalle Heldenereignisse, Schlachten, Weltbegeben-\nheiten, die Geheimnisse der werdenden Gesittung,\nder aufwachsenden Staatsordnung und der zer-\nstörenden Revolutionen . in einem zierlichen,\nknospenhaften, unbewußten Gleichnis voraus und\nnach. In jeder Jugend wird die ganze Menschheit\nwiedergeboren und findet sich in ihr wieder mit\nallen ihren erhabenen, unschuldigen Selbst-\ntäuschungen und Hoffnungen. Die Knospe ist mehr,\nals der Baum. Die Erfüllung und Vollendung ward\nin Enttäuschung und Verzicht groß, aber die Ver-\nheißung ruht sündelos in ihrem Keim.\nIst die Jugend um, dann hat der Ernst des\nLebens meist die ganze holde Weisheit verdorben,\nder Blick ist auf die Nützlichkeiten gerichtet\nworden, der Mensch marschiert im Regiment und\nherrscht und dient, was immer die gleiche Knecht-\nschaft bedeutet. Wir spannen Reusen und fangen\nuns in Reusen. Diese Entwicklung erspare ich Dir,\nDu kennst sie gut genug, unglücklicher Leser.\nIch zeige Dir zwei junge Leutchen, zwei Helden\nim Morgenrot, mit allen Zeichen ihrer hohen Würde:\nmit edler, tatenverlangender, unverwirrbarer Ge-\nsinnung, mit heldischer Zuversicht und Lebensbereit-\nschaft zu jeder Stunde des Daseins, im Kampf mit\ndieser Welt so feurig und unbeugsam, wie nur ein\nDon-Quixote unter den Erwachsenen, so wahrhaftig\nund einfältig, wie nur die Großen es bleiben, die vom\nFormer der Wesen die Gabe fortdauernder Kind-\nheit erhielten, als welche das Geheimnis des\nGenies ist.\nVerzeih, Du bist gewiß kein Genie, erhabener\nLeser, aber wenn Du ein rechtes Kind warst, dann\nwarst Du eines. Und dieses Wunder der auf-\ngehenden Menschlichkeit, dies Morgenrot will ich\nDir zeigen. Ich will Dich in Dich selbst versenken,\nauch das ist eine Art, Dich zu erheben.\nSo wollen wir uns im Mißverständnis einigen.\nNimm aber diesen Fischfang hin, wie Du anderwärts\nDir anderes Futter für Deine Bildung einhandelst\nund laß Dir diese Heldengeschichte nicht allzusehr\nmißfallen, ob sie gleich ganz und gar wahrhaftig,\nalltäglich und wirklich ist.\nAber es ist eine Geschichte vom Morgenrot!\nDu verlangst freilich in immer veränderter\nForm die Großartigkeit fabelhafter trojanischer\nKriege, ich gebe Dir eine Geschichte von zwei\nwienerischen Bürschlein. Aber auf Treu und\nGlauben versichere ich Dir, in ihrer Art gleichen\nauch sie dem Achill und Patroklos.\n\nDie Indianeroper\n\nWäre diese große Oper „Poia\" ein wirkliches\nMeisterwerk, so wäre ich der letzte, der sich über\ndie Bevorzugung eines ausländischen Komponisten\naufregte; aber auch ein Wohlmeinender kann von\nder Musik Nevins nichts Besseres sagen, als daß\nsie die anständige, keineswegs hinreißende Arbeit\neines in der ausgezeichneten Schule Engelbert\nHumperdincks herangebildeten Tonsetzers ist,\nder sich in bewußter Nachahmung Richard Wagners\ngefällt oder in süßlicher Melodik schwelgt, ohne\nauch hierin frei von Vorbildern zu sein. Originell\nan dem Werke, das auf die Dauer langweilig wirkt,\nist nur, daß sieben dem reichen Schatze der alten\nIndianergesänge entnommene Melodien Verwer-\ntung gefunden haben, die natürlich der Oper ein\ngewisses Kolorit verleihen.\n„Poia\" ist eine Oper alten Zuschnitts mit En-\nsembles, großen Chören, teilweise hinter der\nSzene, und Ballett. Wenn „Poia\" sich wirklich\nkurze Zeit auf dem Spielplan halten sollte, was ich\naber bezweifle, so wird dies weniger der Musik\nwegen geschehen, als weil man die überaus kost-\nbare Ausstattung bewundern und einmal eine\nOper sehen will, in der Indianer die Szene be-\nherrschen.\nDie wohl vollständig erschienenen Spitzen der\namerikanischen Kolonie feierten ihren Landsmann\num so mehr, als eine in dieser brüsken Form wohl\"\nnicht ganz berechtigte Opposition sich geltend\nmachte. Sicherlich wollten die Demonstranten gegen\ndie von der General-Intendantur beliebte Bevor-\nzugung des unbedeutenden Werkes eines Auslän-\nders Front machen, da man sich sagen mußte, daß\nfür die enormen und vergeblich aufgewandten\nKosten bequem drei, vier andere neue Opern\nhätten ausgestattet werden können. Da das könig-\nliche Opernhaus so wie so mit einem großen De-\nfizit arbeitet, hätte „Poia\" allein nur wegen der\nkostspieligen Ausstattung von der General-Inten-\ndantur abgelehnt werden müssen. Wer ist für die\nAnnahme überhaupt verantwortlich? Wer sind\ndie Persönlichkeiten, die so manches deutsche\nder amerikanischen Oper weit überlegene Musik-\ndrama abgelehnt haben und seit Jahren dafür sor-\ngen, daß die Opernbühne, die in Deutschland die\nFührung haben sollte, inbezug auf Auswahl der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.6", "texte": "Neuheiten von jedem kleinen Stadttheater in\nSchatten gestellt wird? Sollte es nicht möglich\nsein, die Annahmekommission zu reorganisieren?\n\nProf. Wilhelm Altmann\n\nAraberpantomime\nDer Orient bricht sich Bahn. Professor Max-\nReinhardt hofft bald sich die Brust mit einem\nexotischen Orden schmücken zu dürfen, und Viktor\nHollaender, der Dramaturgenbruder, wird höchst\neinfach durch Darbietung seiner Meisterwerke\ndie gesamte deutsche Musik in jene bessere Gegend\neinführen. Daß man Hollaender überhaupt disku-\ntirt, wird niemand erwarten. Trotzdem dieser so-\ngenannte Komponist, der nach berühmtem Muster\nnur die „Melodien\" erfindet, alles aufgeboten hat,\nwas anderen Leuten seit zweihundert Jahren ein-\ngefallen ist. Aber auch bei dieser Tätigkeit versagt\nsein schlechtes Gedächtnis allzu häufig. Es bedarf\neiner erheblichen Anstrengung, die Originale wie-\nderzuerkennen. Warum hat Reinhardt nicht wenig-\nstens unseren Paul Lincke mit der Musik betraut,\nder sich in der letzten Metropolrevue viel orienta-\nlischer vorkommt und wenigstens an Gedächtnis-\nhypertrophie leidet. Bleibt die Aufführung. Sie\nerwies einwandsfrei, daß Reinhardt nicht gestalten\nkann. Da ihm die Gesten fehlen, stellt sich zur un-\nrechten Zeit ein Lachen, Weinen, Räuspern, Husten,\nKlappern ein. So wurde Originalität in der Pan-\ntomime Sumurun hörbar markiert. Die Plastik\nmit „echten\" Haaren. Das Sprechen des Schwei-\ngens durch „Naturlaute\" ausgedrückt: Offenbarung\nder Unfähigkeit. Reinhardts System: Er gibt statt\ndes Ungewöhnlichen das Ungewohnte, und der\nBluff für Publikum und Kritik ist erreicht. (Alfred\nKerr bildet die einzige, rühmliche Ausnahme.)\nNamentlich, wenn man noch Bretter durch das\nganze Parkett legt, sie symmetrisch mit Papier-\nblumen behängt, und diese langen Latten „Blumen-\nweg\" tauft. (Sie verstehen: Japan!) Man bietet\ndadurch zugleich dem Publikum Gelegenheit, die\nunteren Extremitäten seiner Lieblinge aus nächster\nNähe bewundern zu können. So wurden die pan-\ntomimischen Schwierigkeiten zwar nicht spielend,\naber wenigstens laufend überwunden. Wieder ein\nBeweis, daß Reinhardt Einfälle hat. Aber auch\nhunderttausend Einfälle geben keinen Bau,\nworauf es doch schließlich ankommt; nur in Potern-\nkinschen Dörfern entstehen Häuser ohne Grund und\nGrundriß.\nEs ist schwer, unter solchen Umständen den\nLeistungen der einzelnen Darsteller gerecht zu\nwerden. Das Ganze war nun einmal durch die\nRegie total verzeichnet. Dazu Bühnenbilder in\nmodernem Kitsch, dem famosen „Jugendstil\". Der\nOrient mit Aschingerphantasie gesehen, durch\nhollaenderische Potpourris gehört, und von den\nSchwestern Wiesenthal wirklich ganz ent-\nzückend wienerisch getanzt. Sie sollten sich nie\nwieder in diese babylonische Verwirrung begeben.\nDas sind sie ihrem Künstlertum schuldig. Das Be-\nwußtsein, in einer Pantomime aufzutreten, be-\nsaßen nur Rudolfßlümner, Fritzßichard\nund Ernst Matray, Blümner war geradezu\nschöpferisch in Mimik und Gestik. Sie hatte die\nRegie mit den kleinsten Rollen bedacht, sich hin-\ngegen der Herren Wegener, Schildkraut und Moissi\noffenbar so angenommen, daß ich nicht zu entschei-\nden wage, ob die Herren unbeschlagnahmt anders\ngehandelt hätten. Unangenehm fiel Richard Groß-\nmann durch zirkusmäßige Vordringlichkeit auf, die\ner auch sonst bei unpassenden Gelegenheiten reich-\nlich betätigt. Trust\n\nPolitik und Luftschiffahrt\nMinimax\nGraf Zeppelin\nDer Tag von Echterdingen brachte eine unge-\nheure Gefühlswolke über ganz Deutschland. Man\nhatte einem dramatischen Vorgang beigewohnt,\nund die Erschütterung, welche der tragische Aus-\ngang geweckt hatte, löste sich in klingenden Millio-\nnen Mark. Man nannte diesen Erfolg einer drama-\ntischen Handlung ein nationales Werk. Graf\nZeppelin aber genoß von da ab das Glück, Liebling\ndes Volks zu sein. Parseval und Groß waren völlig\ngeschlagen, nachdem sich gezeigt hatte, wie gänz-\nlieh das Luftschiff bei Echterdingen verbrannte.\nDer Streit der Systeme war durch den Untergang\ndes Zeppelin eindeutig in des Grafen Sinne entschie-\nden. Als Heros zog er in Berlin ein. Abermals\nliegt ein starres Luftschiff bei Weilburg. Man\nkönnte jetzt lange die Trommel rühren, ehe einer\ndie Hand zum Portemonnaie führt. Denn jeder hat\ndas Gefühl: Es ist eine herrliche Sache um die\nHeroen, und eine faule um ihre Luftschiffe.\nDie Vorweltmenschen\nIn Le Monstre in der Dordogne und in Combe\nCapelle wurden Menschenskelette aus # dem Di-\nluvium gefunden. Wie uns mitgeteilt wird, — wir\nüberlassen aber die Verantwortung unserem Be-\nrichterstatter — sollen in der vergangenen Woche\ndiese Diluvianer aus dem Völkerkundemuseum ver-\nschwunden und, ohne daß sie irgendwie auffielen,\nim Herrenhause erschienen sein.\nDas patriotische Aeroplan\nDer serbische Thronfolger nahm letzthin an\neinem Flug im Whrightschen Apparat teil. Beim\nzweiten Flug machte die Maschine jenseits der\nserbischen Grenze plötzlich halt, landete und war\ndurch keine Maßnahmen zu bewegen, den Thron-\nfolger wieder nach Serbien hineinzubringen. Erst\nals Vertreter der österreichischen und russischen\nRegierung im Aeroplan Platz genommen hatten,\nschwirrte der Apparat in sehr gehobener Stim-\nmung ab.\n\nEröffnung\nder Berliner Kunstausstellung\nR. R.\nAm Sonnabend half ich die Berliner Kunstaus-\nstellung miteröffnen. Zu dem Zwecke war eine\nLeine schräg durch die Kuppelhalle gezogen, auf\nderen einer Seite Bretter mit Ehrengästen, Präsidial-\nbeamten lagen, was die Menschen auf der anderen\nSeite mit Operngläsern scharf beobachteten. Einige\nältliche Damen, die das lange Stehen nicht vertragen\nkonnten, schnörkelten sich zum Erstaunen der Um-\nwelt auf einen Brunnenrand hin und lächelten fort-\ngesetzt; nämlich sie hatten den Zweck des Brunnens\nerkannt. Wir standen und blieben ernst\nUm ein halb drei fing einer auf der Bretterseite\nzu reden an. Wie warmes Wasser im Kessel in\ndie Höhe steigt, sich an der Oberfläche abkühlt und\ndann wieder zurücksinkt, so drängten die Hinteren\nauf meiner Seite gegen das Seil, prallten, sobald\nsie in Hörweite des Redners gekommen waren, zu-\nrück und standen nunmehr apathisch hinten herum.\nIch hielt mich, sobald ich das Phänomen studiert\nhatte, sorgsam in der Ecke. Einmal hörte ich, der\nAbfluß deutschen Geldes an ausländische Maler\nwerde seitens des Vereins Berliner Künstler be-\ndauert; ich begriff unbewegt beides: das Bedauern\nund den Abfluß. Um drei riefen sie auf den Bret-\ntern plötzlich: „Hoch!\"; da wandte ich mich be-\nfriedigt, denn nun war die Ausstellung eröffnet.\nWas soll ich von den Bildern sagen? Es sind sehr\nviele; einige bunt, andere weniger, die meisten ganz\nohne Seele; wesentlich unterscheiden sie sich aber\nim Format von einander. Da ich kein Zentimeter-\nmaß bei mir hatte, kann ich mir kein Urteil über\ndie Ausstellung erlauben. Gegen ein viertel vier\nging ich in den Garten. Hier war keine Leine. Es\ngab warme Würstchen mit sauren Kartoffeln. Der\nKellner sagte bewundernd: „Die Menge Bilder\nmännlichen und weiblichen Geschlechts.\" Ich tat\nMostrich zu meinen Würstchen und wärmte sie\nvorsichtig über einem Streichholz.\n\nAchtung! Dichter!\nA. L.\nIn dieser schlechten Welt lebt ein Mann, der so\ngut ist wie der heilige Antonius und so mitleidig\nwie die Hirschkuh der Genofeva. Als nun der edle\nMensch sah, wie das arme Volk von den berufs-\nmäßigen Schriftstellern durch die Schundliteratur\nberufsmäßig verdorben wurde, weinte er sechs\nTage und Nächte. Am siebenten Tage aber, dem\nachzehnten April 1910 ging er — infolge einer gött-\nlichen Eingebung — in das Bureau des Berliner\nLokalanzeigers, legte vierhundert Mark auf den\nTisch und bemerkte, er wäre der Internationale\nLiteraturbund und müsse unbedingt eine halbe\nSeite für sein großes Preisausschreiben haben.\n„Aber gern\" sagte der Lokalanzeiger.\nDies Preisausschreiben kann niemand lesen,\nohne daß ihm die Augen naß werden vor so viel\nHochherzigkeit. Dreißigtausend Mark, noch dazu\nin bar, will der prächtige Mann für alle möglichen,\nnetten Sachen, wie Erzählungen, Gedichte, kleine\nAbhandlungen, auch Malereien und Photographien\nverteilen. Und mit biblischer Weisheit bestimmter:\n„Entgegen der Gewohnheit, aus vielen guten\nWerken ein paar sehr gute auszuwählen, hat der\nInternationale Literaturbund die Absicht, sämtliche\nWerke abzudrucken.\" Dies, meint der wunderbare\nMensch, ist das schönste und wirkungsvollste\nMittel zur Bekämpfung der Schundliteratur. Bei\nsolcher Güte wird überhaupt keiner wagen, etwas\nschlechtes zu schicken. Die Einteilung der Preise\nwird noch nicht bekannt gemacht. Natürlich! Um\ndie werten Schriftsteller, Gelehrten, Künstler und\nPhotographen nicht durch schnöde Geldgedanken\nunkünstlerisch abzulenken oder gar zu beunruhigen.\nAuch die Namen der kunstverständigen Preisrichter\nwerden nicht genannt — damit nur niemand Kor-\nruptionsgelüste verspüre. Und daß den Einsendern\nfür die Drucklegung keine Kosten erwachsen, ist\nbei diesem Adelsmenschen schlechthin selbstver-\nständlich. Erinnert er nicht wahrhaft an jene\nfanatischen Märtyrer zu Beginn des Christentums?\nDoch halt, fast hätte ich durch eine Vergeßlich-\nkeit dem edlen Philantropen wehe getan. Denn der\nInternationale Literaturbund glaubt, daß es noch\nStolz unter den Menschen gibt. Er weiß, daß ein\nEhrenmann nichts geschenkt nimmt und daß zu viel\nGüte beschämt. Viele Menschen haben sich schon\naus Scham umgebracht! Eines solchen Ver-\nbrechens darf man sich nicht schuldig machen.. In\nwie dezenter Weise der liebe Kerl das einkleidet!:\n„Jeder Einsender darf nur eine Arbeit zum Druck\ngeben. Um vorzubeugen, daß von einem Autor ein\nDutzend Werke unter falscher Flagge zum Druck\ngelangen und somit anderen Preisbewerbern der\nRaum gekürzt wird, muß außerdem jede Arbeit die\nBuchstabennummer der Mitgliedskarte des\nInternationalen Literaturbundes tragen\". Der\nJahresbeitrag für 1910 beträgt allerdings nur\nzwanzig Mark.\nViele Leser des Lokalanzeigers konnten vor\nRührung über so viel Herzensgüte nur bis hierher\nlesen. Sie schluchzten heftig. Das böse Berliner\nTageblatt aber nannte die ganze Geschichte\n„mystisch\". (Ach, Herr Doktor, das halten Sie\nschon für Mystik? Meinen Sie, daß dieser Gute\nnicht wußte, wie viele Leutchen gern einmal was\ndran wenden, um ihre Sonntagnachmittagausgeh-\ngedichte gedruckt zu sehen?) Und nun will gar\nder Herr Staatsanwalt bei der Preisverteilung zu-\ngucken! Pfui, wie gehässig! Ist Dir doch nicht\nunangenehm, Du herziges Literaturbündle? Nein?\n. . . . kleiner Schäker!\n\nBallade aus dem Leben der Begriffe\nVon Oskar Baum\nAuf gelbem Rosse ritt der Neid\nUnd über Ritters Behagen;\nDie Hufe, immer mordbereit,\nMit hartem Hohne beschlagen.\nMan hörte keinen Klagelaut,\nKein Röcheln und kein Stöhnen;\nDie Hoffnung auch, die alte Braut,\nGing heim zu ihren Söhnen.\nVerschämt gesteht sie ihnen nun,\nDaß sie Bastarde wären,\nDie Zukunft würde kaum geruh'n,\nSie amtlich zu gebären. —\nDer Wille hatte sie betört,\nEr war so gar nicht rüde,\nDie Arme hatte ihn erhört,\nSie war vom Warten müde.\n„Ergieb Dich nur der Liebe froh!\"\nSo hatte er gesprochen,\n„Statt Deiner kommt ja so wie so\nDie Zukunft in die Wochen.\"\nDoch leider war das ein Betrug;\nSie sagt's mit bleichem Munde.\nDie Söhne kränkt es, ach genug,\nSie gehen daran zu Grunde.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100505-01.1.7", "texte": "Auslieferung für Österreich-Ungarn A. Miihlbans-Smital Wien IX / Für den Buchhandel: M. Braunschweig Wien iX / Verantwortl. für die Schrittleitnng in Österreich-Ungarn: Otto Soyka\n\nMALSCHULEN\nusiwra. \\mv irl»<WMiJKya\nStudien=Atelier\nBerlin W. 30, Habsburgerstr. 11\nAkt-Kopf-Kostiim :: Zeichnen ::\nMalen :: Modellieren Stilleben\n:: Komposition :: Abendakt ::\nAb Juli Akt, Landschaft an der See\nProspekt durch Morltz Melzer\nMalsclmle\nMiiller-Schoenefeld\nAtelier Charlottenburg* III\nSchillerstr. 3\nVormittag: Portrat u. Kostiim-\nmodell\nAbend: Dauerakt\nAtelier Berlin W / Lutzowstr. 82\nVormittag: Akt\nNachmittag: Portrat\nAb end: Skizzieriibungen nach\ndem Akt\n(2 Stunden 50 Pfg.)\nAnfragen nach Schillerstr. 3\nBerlin W.35 / Potsdamerstr. 121a\nAtelier\nClara Elisabeth Fischer\n:: MALEN :: ZEICHNEN ::\nNeu seit l. November\nPlakatkunst :: Graphik :: Eintritt\njederzeit :: Naheres Prospekte\nHANS BALUSCHEK\nMaler\n:: Schulatelier fur Damen ::\nBERLIN W., Liitzow=Strasse 82\nAtellerhaus, linker Aufgang\nProspekte Brief-Adresse:\nSchoneberg - Berlin, Vorberg • Strasse 15\n\n■■■■■BRiiiaaißaßißsiHißaßMSßeaHß\n| DER DEMOKRAT j\na\na\nWochenschrift fiir freiheitliche\nPolitik / Kunst und Wissenschaft\n■\n■\nB\nErscheint jeden Mittwoch\no H\n■ a\na a\na a\nS Nummer 10 Pf. / Quartal Mia\nK 8\n| Probenummern frei d. G. Zepler g\nb Charlottenburg Bismarckstr. 103 \"\na a\nBBBtiaBBeBBasaBBBBB9BBBngBaaB9BaBB\n\nVerlag F. HARNISCH & Co., Berlin W57\n„Spielend\" lernt man Sprachen dttrch A\nDr» Rebajoli's Autodidakt^^S\nA. Italienisch, elegant gebunden Mk, 10\nB» Franzosisch, elegant gebunden Mk» 10\n„Ein monumentales WerK, das jedem, der es ernst nimmt mit\ndemLernen einer Sprache, den Stoff zu intensiverDurchdringung\nund zur volligen Beherrschung des Sprachschatzes in an'\nsprechender Form und in methodischem Fortschritt bietet.\"\nSelbstunterrichtS'Methode mit Htilfe des Grammophons.\nJeder Lehrer, jede Lehrerin, Jedermann muss Dr. Rebajoli's Autodidakt\ngebrauchen um leicht und grundlich Fremdsprachen zu lcrnen.\nDie darin enthaltenen 33 fremdsprachlichen Gesprache sindauf 33doppel-\nseitige „Odeon\"-Schallplatten von uniibertroffener Fiille und Klarheit der\nStimme durch den Autor tibertragen worden.\nWiedergabe der Aussprache in hochster Vollendong. Vorfuhrung auf\nWunsch beim Autor oder im Verlag. Einzelne Unterrichtsbriefe 50 Pf.,\nPlatte daztt M3. Preis der 33 Platten mit Lehrbuch ,AutodidaKt' nur M 100\nZur Wiedergabe der Gesprache eignet sich jedes, auch das kleinste\nGrammophon; jedoch hat der Verlag hierzu eine trichterlose „Autodidakt\"*\nSprechmaschine konstruierenlassen, die sich durch besonders deutliche\nWiedergabe auszeichnet. Preis derselben nur 50 MarK\n\nCafe Continental KSE\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAlle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften\n\nDARLEHEN\nreellen Lenten jeden Standes. 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Wenn Sie\naber durchaus die Bereitung von Sauglingsnahrung im\nHaushalt selbst vornehmen wollen, so raten wir Ihnen\ndringend, dazu den bewahrten II II\nBBBBBBBBBBBBSSnaSBS BBBBQBSBBBaBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB\nutricia-Nahrzucker\n18881\nIBBCI\n(Maltosana) zu nehmen, der auch von den Aerzten\ndem bisher iiblichen Milchzucker vorgezogen wird.\nSie verabreichen dadurch gleichzeitig einen Kraft-\nnahrungszusatz. Die Pfund-Dose kostet 1,50 Mk.\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien\n\n■r 3i\nVerlag „Der Sturm\"\n4\"\n> A*\n«\nWir übernahmen inunsernV erlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesangu.Klavier/52 Seiten b\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag- DER STURM\nHalensee / Katharinenstrasse 5\n■ DBHaSGIIBBBDBIIBBIIBBIBaiiaaaBI\n\nDie fackel j\n■\na\nB\nR\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nHummer dreihundert\nist erschienen\nPreis 30 Pfg.\nOBERALL erhAltlich\nWerbeband der Fackel\n50 Pfg. 210 Seiten stark\n■BBBBaBBBaaaiBaBaBBaasBBSBaaa\nB B\nBBBBBBBBBaaBBBBBBBBBBBB9BBSBBBB\n\nWer den Inhait dieses Blattes „goutiert\",\n2;\nC.\nH-'\nQ-\n•-t\nC\n9r\np\nc\nS-\na>\n«\na>\n55'\nCP\nin-\nert\na>\ns-\n<\na>\n3,\no\nweiss auch, welch ho hen Wert die\nMitarbeit des Reklame-Fachmannes\nfur Industrielle und Kaufleute hatj!\nEiner der bekanntesten Reklame-\nAnwalte ist Oms, Berlin-Steglitz.\nVerlangen Sie — unter gleichzeitiger\nEinsendung von Unterlagen —\nFlugblatt ~209\" =====\n\n:: Kurhaus und Erholungsheim ::\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Alin. 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