{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_sha256": "4abb81aaf7fdeb932f56cb7695796aa72bd9f199254d3dc6b332a826c48bec41", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/05/26_01/bmtnabg_1910-05-26_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/05/26_01/bmtnabg_1910-05-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.1", "titre_corps": "Dr. Richard Moses Meyer : Professor für Literatur an der Berliner Universität Teilte die Literatur mit grösster Entschiedenheit in Dezennien ein und gelangte zu weiteren Unterschieden aus der Analyse von Haartracht, Kleidung und Knochenbau der betroffenen Dichter", "titre_sommaire": "Dr. Richard Moses Meyer : Professor für Literatur an der Berliner Universität Teilte die Literatur mit grösster Entschiedenheit in Dezennien ein und gelangte zu weiteren Unterschieden aus der Analyse von Haartracht, Kleidung und Knochenbau der betroffenen Dichter", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.1", "debut_caractere": 558, "fin_caractere_exclue": 821, "texte": "Dr. Richard Moses Meyer / Professor für Literatur an der Berliner Universität\nTeilte die Literatur mit grösster Entschiedenheit in Dezennien ein und gelangte zu weiteren Unterschieden\naus der Analyse von Haartracht, Kleidung und Knochenbau der betroffenen Dichter"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.2", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.1", "debut_caractere": 823, "fin_caractere_exclue": 1160, "texte": "INHALT:\nKARL KRAUS: Perversität / PAULLEP-\nPIN: Daniel Jesus / Roman /ELSE LASKER-SCHÜLER:\nGedichte / OTTO STOESSL: Die Schwestern Wiesen-\nthal/ALFRED DÖBLIN: Gespräche mit Kalypso über\ndie Musik/RICHARD SCHAUKAL: Geistige Land-\nschaft/TRUST: Kunstreferate/MINIMAX: Haare, aus\ndem Kometenschwanz gezupft/KARIKATUR: Herr Pro-\nfessor Meyer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "98", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.3", "titre_corps": "Perversität", "titre_sommaire": "Perversität", "signature_source": "Karl Kraus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.1", "debut_caractere": 1162, "fin_caractere_exclue": 3589, "texte": "Perversität\nVon Karl Kraus\nNervenärzte und andere Laien schwätzen jetzt\nüber Homosexualismus. Es hat sich im Lauf der\nBegebenheiten so viel Verständnis für die Sache ent-\nwickelt, daß die Einteilung in solche, die nicht anders\nund in solche die auch anders können, zum Gemein-\nplatz geworden ist, von dem aus die Vertreter von\nGesetz und Sitte, also die, die überhaupt nicht\nkönnen, Mitleid und Verachtung ausgeben. Die\nMenschheit wird sich mit der Zeit — so etwa in 129\nbis 175 Jahren — wahrscheinlich zur schwindelnden\nHöhe jener Erkenntnis emporschwingen, die die\nangeborene Homosexualität für eine Krankheit er-\nklärt, die sie definitiv verzeiht, und die „erworbene\"\nfür ein Laster, das sie nach wie vor der strafrecht-\nlichen Verfolgung, der sozialen Acht und dem Er-\npressertum überantwortet. Sie wird die Unter-\nscheidung den psychiatrischen Schergen überlassen,\ndie durch die bekannte Bordellprobe —- vergleichbar\nder Wasserprobe des Hexenglaubens — untrüglich\nfestzustellen vermögen, ob einer ein Kranker oder\nein sogenannter „Wüstling\" ist. Der Paragraph\nwird den „unwiderstehlichen Zwang\" anerkennen,\nalso wenigstens der Krankheit gegenüber Gnade für\nRecht ergehen lassen, aber die Schmach einer\nMenschheit vermehren, die sich von der Juris-\nprudenz an die Genitalien greifen läßt. Nie wird\nsich das Gesetz dazu entschließen, das Einver-\nständnis zweier mündigen Menschen unbehelligt zu\nlassen, und wenn es schon anerkennen muß, daß\nKrankheit kein Verbrechen ist, so wird es dafür das\n„Laster\" für ein um so größeres halten. Die unbe-\nfleckte Ahnungslosigkeit, die Gesetze macht, wird\nhöchstens jenem Naturdrang ein Opfer bringen, vor\ndem es kein Entrinnen gibt. Aber sie würde sich\ndreimal bekreuzigen vor einer Meinung, die ihr ins\nGesicht zu sagen wagte, daß eher die Krankheit ein\nVerbrechen ist als das Laster. Solche Meinung darf\nman heutzutage nicht einmal bei sich behalten, ge-\nschweige denn aussprechen. Darum tu ich's. Ueber\nden Wert des Mitleids kann man verschiedener\nMeinung sein. Ich sage, daß man die geborenen\nHomosexuellen, nicht weil sie Kranke sind, frei-\nsprechen soll, sondern weil uns ihre Krankhaftigkeit\nkeinen Schaden zufügt. Mag man aber die mil-\ndernden Umstände, auf die sie selbst plädieren, aus\nwelcher Einsicht immer gelten lassen, das Interesse\neiner Kulturfrage kann die Behandlung patho-\nlogischer Formen nicht in Anspruch nehmen. Die\nNatur und Herr Dr. Magnus Hirschfeld mögen was"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8161, "texte": "immer für Pläne mit diesen Geschöpfen vorhaben,\neine tiefere Anteilnahme kann der Einzelfall, nie das\nProblem beanspruchen. Der Mischmasch, den die\nNatur erschaffen und Herr Dr. Hirschfeld kategori-\nsiert hat, kann auch Talente haben: seine kriminelle\nBehandlung, so verabscheuenswert sie ist, berührt\ndie Freiheit nicht in einem tieferen Begriffe. Anders\ndie Verfolgung der „Perversität\" als solcher, anders\nder stupide Haß, der der Persönlichkeit in die Rechte\nihres Nervenlebens folgt. Auf die Gefahr hin, sich\nselbst dem Verdacht der „erworbenen Homo-\nsexualität\" preiszugeben, müßte jeder denkende\nMensch laut aufschreien über die Schändlichkeit, die\neine staatliche Norm für die Betätigung des Ge-\nschlechtstriebs vorschreibt, und laut und ver-\nnehmlich das Recht auf erworbene Homosexualität\nproklamieren. Der fromme Blödsinn hat jede\nNuancierung der Lust, jede Erweiterung der Genuß-\nfähigkeit und die Eroberung neuer erotischer\nSphären, die in allen Kulturen, nicht bloß in der\ngriechischen, das ureigenste Recht des Künstlers\nund den Vorzug jedes höher organisierten Menschen\ngebildet haben, als Wüstlingslaster verfehmt, und\ndie Staatsidioten sind der Ansicht, daß der Mann, der\ndie Homosexualität „erworben\" hat, sich in keinem\nWesenszug von jenem unterscheidet, der nichts\ndafür kann. Die männlichsten, geistig und ethisch\nvollkommensten Männer, die seit Sokrates dem\n„Laster\" gefröhnt haben, sehen demnach zum Ver-\nwechseln den weiblichsten Weiberseelen ähnlich,\ndie ein vertrackter Zufall in einen männlichen Leib\ngesperrt hat. Daß sie dort ihre peinlichsten Exzesse\ntreiben, und daß die Nichtanderskönner eine soziale\nUnbequemlichkeit sind, wer könnte es leugnen?\nDie Einschaltung eines sexuellen Stroms zwischen\nMann und Mann, also eine zweite „Norm\", schafft\nunnötige Komplizierung der Lebensverhältnisse.\nEs ist beschwerlich, mit einem Mann ein männliches\nGespräch zu führen, wenn er nur deshalb an\nunserem Munde hängt, weil ihm unser Mund ge-\nfällt, und statt mit den Ohren, mit den Augen zuhört.\nAber glaubt einer ernstlich, daß in solchem Gespräch\nauch der andere Typus, dessen verfeinerte Gei-\nstigkeit zur homosexuellen Handlung führen kann,\ndie Besinnungsfähigkeit verliert? Man muß der\nMenschheit solange mit „Paradoxen\" auf den\nSchädel hämmern, bis sie merkt, daß es die einzigen\nWahrheiten sind, und daß witzige Antithesen bloß\ndann entstehen, wenn eine frühreife Wahrheit mit\ndem Blödsinn der Zeit zusammenprallt. Man muß\nihr sagen: Perversität kann eine Krankheit, sie\nkann aber auch eine Gesundheit sein. Das Wider-\nspiel der Norm, aber auch die letzte untrügliche\nProbe der Norm. Unappetitlich an der Sache ist\nhöchstens die Terminologie. Wer das Weibliche so-\ngar im Mann sucht, ist nicht „homosexuell\", sondern\nin der homosexuellen Handlung, „heterosexuell\".\nPervers ist vielmehr, wer das Männliche sogar im\nWeib sucht. Der „Wüstling\" kann der ent-\nschiedenste Bejaher einer Norm sein. Der geborene\nHomosexuelle, dem die simple Männlichkeit nicht\nmehr genügt, könnte als letztes Raffinement, wenn\ner eines solchen überhaupt fähig ist, das Mannweib\nin Männerkleidern wählen. Der Normale den\nKnaben im Weiberkleide. Wenn ich die Wahl\nzwischen einem Antinous und einer Frauenrechtlerin\nhabe, — ich bin nicht pervers genug, um zu\nschwanken, und ich bin nicht Heuchler genug, um\nnicht zu bekennen, daß bloß der Gesetzeswahnsinn,\ndem ich die Freiheit außerhalb des Kerkers opfern\nmuß, mir die Praxis meiner Wahl verwehrt Alle\nErotik beruht auf der Ueberwindung von Hem-\nmungen. Eine stärkere Hemmung für den Mann\nals das Merkmal des eigenen Geschlechtes gibt es\nnicht; gelingt es, sie zu überwinden, so ist die Zu-\nneigung zum andern Geschlecht, die erlaubte, offen-\nbart. Der Anormale sucht die Zeichen der Männ-\nlichkeit; der Normale flieht sie oder besiegt sie auf\nder sicheren Spur femininer Anziehung. Der Sieg\nwird erleichtert durch die Hemmung des Verbots,\ndie gleichfalls erogen wirkt. Der Künstler, der das\nGebiet der Weiblichkeit schneller abgehaust hat als\nder Philister, hat vermöge der Gnadengabe einer\nregenerierenden Phantasie die Kraft, seinen Bedarf\nam Weib auch beim Mann zu decken. Der volle\nMann, dem die Möglichkeiten der doppelgeschlecht-\nlichen Naturanlage nie versperrt sind und der die\nLust am Weibe nicht nur beweist, sondern vermehrt,\nwenn er die Lust am Manne versucht, steht dem\npathologischen Homosexuellen ungleich ferner als\ndieser dem Weib. Wie der Magnet die Eisenfeil-\nspäne im Holzstaub, so zieht er das Weibliche im\nMann an sich. Der Magnet ist also pervers, weil er\nsich mit dem Holzstaub einläßt. Die Dummheit\neiner ganzen Welt stellt sich das Geschlechtsleben\nals eine Sache der Einteilung oder als die gerad-\nlinigen Resultate ethischer Entschließungen vor.\nMan weiß wirklich nicht, wovon man fett wird.\nDaß die süße Speise in einem Hexenkessel bereitet\nwird, — wer uns das sagte, verdiente gesteinigt zu\nwerden. Wer einem Dummkopf sagte, daß die\nWürze der Kost jede beliebige Widerwärtigkeit sein\nkann. Daß ihn ein Hindernis zu seiner Geliebten\nführt. Und daß der Geschmack, je kultivierter er\nist, desto mehr Würzen braucht. Der Wissende ver-\nmag alle Hemmungen, die er als solche empfindet,\nals erotische Hilfen zu nützen. Ihm dient die Phan-\ntasie, wie dem echten Weib die Sinnlichkeit dient.\nAlles, was sich neben der Liebe begibt, fließt, ihn zu\nverstärken, in den Hauptstrom der Sexualität. Von\nallen Höhen und aus allen Rinnsalen des Geistes\nkommt Sukkurs; aber der Strom weiblichen Ge-\nnießens hat vom Ursprung bis zur Mündung keine\nNebenflüsse. Der Ueberschuß an Sexualität beim\nManne kann sich in einheitlichem Lauf und er kann\nsich in geistiger Differenziertheit ausleben.\nZwischen einem Holzknecht und einem Denker be-\nsteht immerhin dieser Unterschied. Dem Weib gibt\ndie gerade Linie die Bedeutung, gibt ihm die einzige\nPersönlichkeit, deren das Weib teilhaftig werden\nkann, und Differenzierung schafft die pathologischen\nFormen der Hysterie. „Perversität\" gibts nicht.\nKonversionsfähigkeit ist ein Vorzug des Mannes, ein\ninteressanter Mangel der Frau, deren Unvoll-\nkommenheit der Mann wieder zu konvertieren ver-\nmag. Das Weib braucht die Persönlichkeit des\nMannes, aber der Mann kann die Persönlichkeit des\nWeibes eher anbeten als brauchen, nur von ihr ge-\nbraucht werden. Er kann ein Weib verschmähen,\nohne daß sie es ahnt. Sie glaubt, daß er bei ihr ist,\nund er betrügt sie mit einer Situation, mit einem\nHindernis, mit einer Erinnerung. Beginnt aber sie\naus Begleitumständen erotischen Genuß zu ziehen,\nso wird sie bedenklich. Die ewig wachen Sinne des\nMannes vermag seine Sinnlichkeit nicht zu be-\ntäuben. Phantasie eilt ihr zur Hilfe und wird mit\nden Sinnen fertig. Sie verarbeitet den Rest, der zu-\nrückblieb, und läßt den Mann aus der vertracktesten\nWiderwärtigkeit, die er einmal bei der Liebe ge-\nfunden hat, erotischen Genuß ziehen. Die Erinnerung\nan ein Klaviergeklimper, das er nicht ausstehen\nkonnte, treibt ihn zurück, er sehnt sich nach dem\nungelüfteten Schlafzimmer, aus dem er geflohen ist,\nund alles, was ihn abstößt, zieht ihn an. Der Frauen-\nleib ist ein Imaginiertes, real und enttäuschungslos\nsind nur die Vorstellungen. Phantasie anästhesiert,\nmacht häßliche Hände schön und ein Weib be-\ngehrenswert, das mit der Andern nichts als eine\nhäßliche Hand gemein hat. Aesthetisch wertet nur\nder Mann ohne Einbildungskraft oder die Frau ohne\nSinnlichkeit. Sie ist noch immer objektiver, wenn\nsie an dem Busen einer Rivalin etwas auszusetzen\nhat, als er, wenn er ihn preist. Er führt meisterlich\nRegie über ein Ensemble der Defekte und kom-\nmandiert allen Hindernissen, daß es ein Vergnügen\nist. Beliebte Hemmungen sind, — o Romantik! —\ndas Nichtzuhausesein einer Frau, das Verreistsein,\ndas Verheiratetsein, die christliche Sündenlehre und\ndas Strafgesetz. Wer ohne Hemmungen lebt, ist ein\nSchwein. Wer sie im Kampf überwindet, ist ein\nKünstler. Das Weib trägt aus solchem Kampf die\nTrophäen der Hysterie davon und bleibt die Ge-\nfangene ihres Sieges. Sie ist in ihrer Gebundenheit\nso normwidrig wie der Mann als Sexualtier. Aber\ndie freie Sinnlichkeit des Weibes ist der volle Wert,\ndurch den es die Natur entschädigt hat, als sie dem\nMann die Phantasie gab."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "99", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.4", "titre_corps": "Daniel Jesus : Roman", "titre_sommaire": "Daniel Jesus : Roman", "signature_source": "Paul Leppin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.2", "debut_caractere": 8163, "fin_caractere_exclue": 13047, "texte": "Daniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nDer Schuster Anton hatte einen Sohn. Als der\nnoch ein Kind war, nannte er ihn Josef, aber\ner hatte nun schon seit sieben Jahren kein Wort\nmehr zu ihm gesagt.\nEr ließ den Knaben studieren und wollte\neinen tüchtigen und gescheiten Menschen aus ihm\nmachen. Er wurde ein Strolch. Vor einigen\nWochen erst war er wieder aus dem Zuchthause\ngekommen. Er schlich sich leise und unhörbar in\nsein Zimmer und zeigte sich niemandem. Sein\nVater und seine Mutter Margarete duldeten ihn in\nihrem Hause, weil er ihr Sohn war, und sie beteten\nin den Nächten für seine Seele, während er in\nwüsten Lokalen sein Geld vertrank.\nJosef war den Tag über Schreiber bei einem\nkleinen Advokaten. Bleich und wortkarg tat ei-\nserne Pflicht und steckte finster den kargen Lohn\nein, den ihm der Monat brachte. Daniel Jesus hatte\nihm diese Stelle verschafft, weil ihn dieser junge\nMensch mit dem schmutzigen Schlapphut, dem\ngrünen Stein in der grellen Kravatte und dem\nDiebsgesicht interessierte. Daniel Jesus hatte einen\nweiten und einen stahlharten Blick für die Seele.\nEr nahm die Leute nicht nach ihrem Nutzen und\nihrem Wert fürs Leben, er sah und scheute in ihnen\nzumeist die latenten Kräfte des Geschicks, das sie\nerfüllten. In Josef hatte er gleich beim ersten Male\njene blindwütige und grandiose, stumpfe Energie\nerkannt, die seine Jugend in Dunkelheit und Kot\nhinunterführen mußte. Er wußte, daß Josef einer\nder seltnen Menschen sei, die man dazu gebrauchen\nkönne, Schicksale zu beschleunigen und bange Ent-\nwicklungen gewaltsam zu schmerzlicher Blüte\naufzureißen. Josef hätte eine Stadt angezündet\nund tausend Leute verbrennen lassen, wenn er be-\ntrunken war und ihm jemand diesen Gedanken ein-\nblies. Ein schwacher, aber gewalttätiger Mensch,\nunsicher und unselbständig, aber eigensinnig und\ngrausam in seinem Herzen.\nDiesen Menschen entdeckte Daniel Jesus mit\nFreude und Graun. Er unterstützte ihn mit seinem\nGeld und seinem Einfluß und hielt die Polizei von\nihm fern, so lang es ging. Er bewahrte ihn, wie er\nzuweilen leise schauernd dachte, für einen großen,\nroten Augenblick seines Lebens, wo zwischen Glut\nund Staub und Asche die trunkne Hand des Diebes\neine Stunde oder ein Wort zu ihm brächte, das viel-\nleicht ohne ihn niemals oder sehr lange nicht ge-\nkommen wäre. Allmählich fühlte er, daß diese\nStunde nahe war zum Greifen. Er sah die blasse,\nzerrissne Stirn des Schustersohnes, auf der die\nruchlosen Gedanken eines feigen und unbesonnenen\nHerzens krochen, und sah die Schatten und Flecke\nin seinem Gesichte, die von den wilden Flüchen\nseiner betäubten Seele sprachen. Und er wußte\nnun, daß dieser Mensch reif für ihn war. Fast kams\nwie eine Angst zu ihm bei dieser Erkenntnis.\nDaniel Jesus war reich. Er streute das Geld\nmit fiebernden Händen aus wie einer, der nur für\neinige Minuten Kaiser ist. Darum ging es wie ein\nZauber und wie ein Bann von ihm aus. Oft mußte\ner an den Rattenfänger von Hameln denken. Sein\nGeld zog um ihn einen gespensterhaften unsicht-\nbaren Kreis, dem jeder erliegen mußte. Viele\nMenschen waren seinetwegen schon verraten\nworden und manches Glück verkauft. Aber es war\ntrotzdem immer wie ein Rausch und eine willenlose\nHingabe um ihn her. Wenn die Musikanten für ihn\nspielten, dann schien es, als ob die Instrumente\nlebendig würden und Hände bekämen. In tausend\nFiguren sprachen und schrieen sie zu ihm hin und\nfolgten ihm nach und haschten ihn mit den Fingern\nund baten und lachten und kicherten immer um ihn\nherum, wenn sie rückwärts an seinem Buckel vor-\nüberkamen, hell und impertinent wie die Buben,\ndie über ihn auf der Straße lachten.\nDaniel Jesus saß auf den schmutzigen Dielen\nund schrie. Er wollte ein andres Lied haben, ein\nehrliches oder ein schuftiges, aber keins das mit Gri-\nmassen hinter ihm herschlich und mit seinem eignen\nGelde so höllisch gell klimperte. Die schwarze\nCarmen saß vor ihm auf einem leeren Fasse und\nhatte fingerdicke Goldringe in den Ohren und darin\nlinks und rechts je einen echten Diamanten. Die\nSteine schenkte ihr Daniel Jesus im letzten\nSommer, weil sie ihn eine Viertelstunde lang\namüsiert hatte. Sie war in seiner Equipage eines\nMittags splitternackt hoch aufgerichtet im Kutsch-\nbock mit seinen zwei tollsten Pferden wie eine\nRasende durch die Stadt gefahren, und niemand\nhatte gewagt, die wahnsinnige Fahrt aufzu-\nhalten. Wie durch einen Zufall geschah kein\nUnglück, und die Polizei hatte das Nachsehn. Zwar\nhatte man den Wagen Daniels erkannt, aber nie-\nmand vermochte mit Bestimmtheit etwas auszu-\nsagen. So fuhr die schwarze Carmen, die nackte\nHure, jauchzend und wild im geöffneten Tore der\nVilla „Jesus\" ein, wo weit draußen vor der Stadt\ndie alte Bettlerin auf der Straße und der Leiermann\nmit seinem Holzbein dem seltsamen Wagen und\nseinem seltenen Führer wie einem Spuk nach-\nstarrten.\nHeute dachte Daniel Jesus gar nicht mehr an\ndieses Abenteuer. Er sah in das rote, verzerrte Ge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6164, "texte": "sieht des Schreibers Josef hinein, der zwischen\nDirnen und Kupplern mit der seidnen Rosa tanzte.\nSie befanden sich tief unter der Erde in einem ver-\nrufenen Wein- und Schnapskeller, gerade in dem-\nselben Hause, wo Schuster Anton wohnte. Wenn\nman ein wenig hinaustrat aus dem niedrigen Raum,\nin dem der Petroleumdampf zwischen den\nschreienden Menschen wie eine gelbe Mauer stand,\nkonnte man im Finstern die feuchte Treppe sehn,\ndie hoch hinauf bis zu Schuster Antons Türe führte.\nAnton war nicht zu Hause. Er war mit einer Schar\nvon Betern in ein Dorf gegangen, wo ein Mädchen\njeden Tag die Mutter Gottes sah. Das Mädchen\nmußte er sprechen, und noch in der Nacht waren\ndie Männer aufgebrochen, es zu suchen.\nFrau Margarete lag allein zu Bett im Dunkeln\nund rang mit ihrem Leib. Ihre Hände hatten\ndas eiserne Kruzifix, das sie umklammerten,\nbeinahe glühend gemacht, und wie damals, als sie\nneben ihrem Mann in der Stube das Marienlied\nsang, rief sie in der Marter des Streites nach Gott.\nUnd ihre Brust war heiß und naß vom Schweiße der\nAngst. Sie fürchtete sich vor der Sünde, die alle\ndie Jahre neben ihr gestanden hatte und in ihre\nGebete und in ihr Tun die glühende Asche des Un-\nfriedens blies. Immer hatte sie gesiegt, und Anton,\nihr Mann, stützte ihren Arm, wenn sie schwankte\nund den Weg nicht mehr vor Augen sah. Und nun\nsollte sie erliegen? Wo sie alt geworden war und\nihr Sohn schon fast vierundzwanzig Jahre zählte!\nIhr Sohn! — Sie schauderte. — O Gott, warum\nhatte er sie so gestraft! Das war die Sünde, die in\nihr fraß und ihren mächtigen Leib wie im Krämpfe\nin die Höhe warf.\nFrau Margarete horchte nach unten. Tief, tief\naus dem Keller kam es manchmal herauf wie der\nmurrende Atem eines Tieres. Oder der Ruf einer\nVioline, der keinen Ausweg fand aus den Mauern\ndes Hauses, floh schreckhaft und gehetzt die\ndunkeln Treppen hinauf und fiel vor Frau Mar-\ngaretens Bett wie ein müder Mensch zu Boden.\nDort also hielt er sich jeden Abend auf. Er fand es\nnicht der Mühe wert, seine Schande aus dem Hause\nseiner Mutter zu tragen, und sie konnte das Keuchen\nseiner Seele, für die sie in Qualen betete, aus Dunst\nund Qualm bis in ihre Stube hören.\nUnd plötzlich schloß sie die Augen, und in der\nschwarzen Finsternis des Abends wurde ihr Gesicht\nweiß wie ein Traum. Er, er war auch unten! Sie\nhatte seinen Wagen vor dem Hause stehn sehn,\nund das Scharren der Hufe klang zu ihr. Daniel\nJesus! Mutter Maria! schrie es in ihr — hilf, hilf\nmir vor der Sünde. Er ist ja ein Krüppel und\nhäßlich wie sie, aber ich habe Furcht vor der Liebe\nzu ihm, und niemand ist bei mir, der mir die Hand\ngibt in meiner Not.\n❖\nIm Keller unten war die Trunkenheit über die\nMenschen gekommen. Sie lachte und stürzte über\ndie eignen Knie und blickte in die Fensterscheiben\nmit blöden, bunten und verglasten Augen, als suche\nsie etwas für ihre heimliche und verhaltne Wut.\nDaniel Jesus sah dem berauschten Josef ins\nGesicht. Er hatte der seidnen Rosa das Mieder\naufgenestelt und biß in ihre roten, verschwitzten\nBrüste, während sie ihn kreischend von sich stieß.\nEr sah den giftgrünen Stein an seinem Halse blinken\nund sah die versteckte, willenlose Gebärde seiner\nAugenlider und seinen ungebändigten, sinnlichen\nMund.\nDas ist die letzte Stunde — dachte er und rief\nden Schreiber.\nDu hast eine schöne Mutter, Josef, sagte er.\nJa, Herr, willst du sie haben, ich hole sie dir\nlallte der Trunkne.\nDa ging es wie ein großes, zwingendes Erleben\nüber die Züge Daniels. Ein Aufatmen und ein Zu-\nsammenfallen von hundert alten und bleichen Ge-\ndanken. Im letzten Winkel seiner Seele hatte er\nsich doch stets vor dem Schreiber geängstigt, den\ner sich vielleicht für sein eignes Verhängnis be-\nreitete, wie man sich einen tückischen Trank\nfür den eignen Tod mischt. Aber nun war alles frei\ngeworden in ihm. Jetzt wußte er, daß nichts mehr\ndie Erfüllung aufhalten konnte. Ein stolzes Lächeln\nverzog seinen Mund.\nGeh, hole sie! sagte er. Sie schläft allein in\nihrem Bett. Ich will ihren Leib ohne Kleider sehn.\nSag ihr das. Und wenn sie nicht gehorcht, so bring\nsie mit Gewalt. Ich will Dir ein Vermögen\nschenken. Aber sieh Dich vor: sie ist eine starke\nFrau.\nDie Augen des Trunkenen wurden groß und\ntief und ziellos wie die eines Blinden. Ein Zucken\nging durch seinen Körper und ein Schrei. Dann\nflog er die Treppe hinauf.\nUnd auf einmal, wie auf eine Gebärde, schwieg\ndie Musik. Die Instrumente krochen zusammen\nund duckten sich. Die schwarze Carmen riß noch\neinmal den Mund auf und fiel mit gespreizten Beinen\nbewußtlos zur Erde.\nUnd mitten unter ihnen, fest und sicher wie ein\nKönig, trotz seines Buckels, stand Daniel Jesus.\nEine Viertelstunde und noch mehr stand er\nund schaute zur Tür: ein Kampf — dachte er.\nDann plötzlich, mitten in der Stille, in der selbst\ndie Petroleumlampen scheu erblaßten und lauschten,\nkam es die Treppe herunter. Langsam und schwer\nund hartnäckig und sinnlos. Wie eine plumpe,\nklebrige Masse, die nicht von der Stelle will.\nDie Tür sprang auf, weit und kreischend,\nwie im Schreck, und herein kam Josef, die Haare\nvon Blut und Schweiß verklebt, eine zackige Wunde\nüber der ganzen Wange, aus der das Blut wie aus\neinem zerbrochnen Gefäße floß.\nAn den Haaren hatte er seine nackte Mutter\ngefaßt und warf sie Daniel Jesus zu Füßen.\nDa sprang sie auf. Mit schönem flammenden\nGesicht stand sie und das Haar umflocht ihren\nKopf wie eine rote Krone. Den mächtigen, nackten\nKörper reckte sie und zeigte den Trunknen rings-\numher ihre herrliche, leuchtende Haut und die\nNarben der Geburt, die ihren Leib zerrissen hatten.\nIhre Augen erstarben fast in ihrem großen Glänze,\nals sie fragte: Wer hat das getan?\nEine weite, flüsternde Pause entstand, in der\ndie schwarze Carmen aufstöhnte und ihre rechte\nHand erhob.\nIch — sagte Daniel Jesus.\nDa ging ein Schauer durch Frau Margaretens\nLeib und ein unbarmherziger, schüttelnder Frost.\nUnd Daniel Jesus kniete nieder und küßte ihre\nFüße und sagte dann:\nIch liebe Dich. Ich bin der Herr über Dein\nLeben, denn ich weiß, daß auch Du mich liebst. Du\nkannst nicht gegen mich streiten, ich bin stärker\nals Du.\nSieben Tage will ich warten. Dann komm in\ndie Villa Jesus vor der Stadt, wenn es Abend ge-\nworden ist. 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Zwei blütenjunge\nMädchen und ein Kind, dessen verträumtes Ge-\nsicht noch vom Schlummer der ungeweckten Jahre\numfangen ist, indes die feinen Glieder in allen Ge-\nlenken schon erwacht, sich unter dem Ruf der Mu-\nsik auf das anmutigste lösen und regen, noch nicht\nbewußt, sondern gleichsam dem Beispiele der älte-\nren Schwestern gehorsam. Diese dritte tanzt noch\nden bloßen Reigen, wie sich eben ein Kind in dem\nMärchen seiner Existenz, wie in einem beginnen-\nden Traume bewegt. Die zwei anderen aber tan-\nzen eigenes Leben, Schicksal, Gestalten und ver-\nkörpern sinnvolle Kunst des Leibes, beherrscht von\ninneren Impulsen, die nach dieser Darstellung ver-\nlangen als nach der Erlösung durch die Form.\nGrete Wiesenthal tanzt wie der Genius der\nLeidenschaft selbst, als schlügen aus ihrer Seele,\naus ihrem schmächtigen, schlanken und durch den\nRhythmus und Klang der Musik zugleich entfach-\nten und gebundenen Körper Flammen, deren Pracht\nsie ausströmt, in deren Glut sie lebt, wie der Urgeist\ndes Elements.\nDer Ruf der Musik entzündet den Glanz die-\nses Willens, der seinen starken, künstlerisch stren-\ngen Instinkt wahrt und nicht wahllos sich dem Ge-\nbot der Bewegung unterwirft. Sie gestaltet im\nTanz sich selbst, er ist der einzige Ausdruck einer\nbesonderen, dem eigenen Wesen mit tragischer\nGröße und Qual hingegebenen Natur, von der Mu-\nsik empfängt sie die ersehnte Stimme und Deu-\ntung ihrer eigenen Seele und strahlt diese\nwieder in den kühnen, einfachen, zuweilen\ngroßartigen, beschwingten und geflügelten Schrit-\nten, in den sehnsüchtigen Bewegungen des zar-\ntesten Körpers, in den Armen, die wie Fittige sie\nzu tragen scheinen und wie wortlose Rufe nach\ndem Unfaßbaren jauchzen. Sie tanzt, sie erlebt\nBeethovensche Allegretti. Es ist nicht zu fragen:\nwas meint sie, was sieht sie, was will sie bei die-\nser Musik? Auch der Tanz ist, wie die Musik,\nsein Zwillingsgeschwister, kein begriffliches Werk,\ner arbeitet nicht mit Gedanken, wenn er gleich eine\nWelt von Gedanken erlöst und erweckt, er entbin-\ndet Vorstellungen nicht von begrenzter Deutlich-\nkeit, sondern von ahnender Fülle und schweben-\nder Unsagbarkeit. Ebenso wird der Tanz auch\nnicht von klaren Vorstellungen eingegeben, son-\ndern von dunklen Trieben und vorschwebenden\nBildern, von der geheimnisvollen Rhythmik, des\nBlutes, von dem Willen des ganzen flugbereiten\nund fähigen Körpers, der eine unendlich vielstim-\nmige Musik in seinem Schweigen umfaßt, die durch\ndas Aufschimmern des Klanges von außen mit\neinem Male mitzuschwingen, zu fragen, zu ant-\nworten und zu wachsen beginnt wie eine Flamme.\nBeethovens Allegretto: Musik, was sagst du, was\nwillst du, was weckst du und rufst du? Da ist\nSehnsucht über alle Worte, eine ungeheure Last\ndes Schicksals, die sich in Tönen entladet, wel-\nche alle Tat und Untat des Menschenlebens zu\nbergen und zu entsühnen scheinen, ohne die irdi-\nsche Schwere der begrenzten Gedanken, der un-\ndurchdringlichen Tatsachen doch alles, was ge-\ndacht werden kann und was geschehen mag, in\nunsagbarer Fülle vervielfachen, in tiefster Einfalt\nauf eine große, strahlende Einheit rückführen und\nabklären, so daß eine Welt wie in das Kristall\neines erklingenden, umkreisenden, in sich zurück-\nströmenden und beschlossenen Motivs gefaßt ist.\nDiese Musik tanzt sie: sich selbst, Beethovens\nAllegretto, eine Welt, eingeschlossen und ausge-\ndrückt in dem Kristall einer entfachten, ernst aus-\nschreitenden, leidenschaftlich aufstürmenden, in\nsich selbst und in den schließenden Rhythmus groß-\nartig rückkehrenden Bewegung eines Körpers, der\nZiel und Mittel, Wille und Werkzeug, Seele und\nForm dieses Kunstwerkes ist. Der Tanz ent-\nflammt sich an dem großen reinen Feuer der Musik\nund nimmt sie so auf, löst sie so völlig in seine\nKraft, daß sie in ihm vergeht, er ist selbst Musik\ngeworden. In gleicher Weise aber zieht die Glut\ndieses Impulses auch alle Schönheit des Sichtbaren\nin sich ein: die Farbe des Gewandes in seiner\nlaunischen, dem Körper folgenden Bewegung, die\nLinien des ruhenden, gemessen gehenden, verzückt\ntaumelnden, eilenden, fliehenden, sehnsüchtig schlei-\nfenden, befreit sich schwingenden Leibes, der seh-\nnigen, muskulösen, mageren, zugleich nach ge-\nwissen Begriffen unschönen, nach denen künstle-\nrischer Charakteristik jedoch wunderbar aus-\ndrucksvollen Beine, der zarten Arme, des Ge-\nsichtes, der Haare. Und ein Spiel dreier Mächte\nhebt an, welche in diesem tanzenden Leibe als in\neinem triumphierenden Reigen vereint sind: Far-\nbige Erscheinung, tönende Musik, seelische Bewe-\ngung. Das ist das Geheimnis des Tanzes, dieser"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6219, "texte": "langvergessenen und verhaltenen Kunst, die einem\nUrinstinkt der Menschheit entsprungen, vielleicht\ndie erste Aeußerung des gestaltenden schöpferi-\nschen Willens war und wie alle treibenden Ur-\ninstinkte in den gesellschaftlichen Mißformen ent-\nstellt, ja verschüttet blieb, um zu Zeiten allmäh-\nlich, unversehens und unbesiegbar aufzuwachen.\nZuweilen schlagen aus dem geordneten, langweili-\ngen Treiben unserer Tage die alten, großen Flam-\nmen des Urmenschlichen auf, welches immer auch\ndas wahrhafte Urwunder bleibt, denn was wir Ge-\nsellschaft nennen, ist doch bloß ein wunderliches\nuntermenschliches Gemenge beherrschter Tierheit.\nDie Flammen brechen zuweilen auf: ein Bild, eine\nMusik, ein Gedicht und der Flammen brennend-\nste: ein Tanz.\nSo empfängt Grete Wiesenthal ihren Impuls,\nso entatmet sie ihn, vom Klang erfaßt, in seinem\nRhythmus bewegt, von seinem Takt und Gang ge-\nbunden und befreit: innerliches wie die Seele eines\nTonstückes erscheint gleichnishaft verkörpert im\nsinnvollen Spiel ihrer Glieder und dieses erweckt\nwieder die Unzahl der Visionen bei der Einheit der\nschönsten Erscheinung.\nAm deutlichsten wird dieses Ineinandertauchen\nder empfangenden und weiterreichenden Kräfte\nan dem „Donauwalzer\". Langsam, fragend be-\nginnen die ersten Takte, da kniet sie in sich zu-\nsammengekauert, das blonde, dunkelkupfrig auf-\nleuchtende Haar verhüllt ihr Gesicht und strömt\nüber die Schultern. Mit dem bewegteren Fort-\ngang des Motivs erhebt sie sich langsam, scheint\nlauschend erst ihrer inne zu werden, bis die ganze,\nvon einem anschließenden, stumpf grünen Gewände\nverratene zarte Gestalt aufgerichtet, wie von der\nMusik erst gezeugt, dasteht, schon aber auch zu\nbeben, zu atmen, zu schwingen beginnt; die Miene,\nein schmales, mageres, starres Kindergesicht, fängt\nleise zu leuchten an, die goldbraunen Augen schim-\nmern und lächeln, lachen und strahlen endlich, der\nscharfgezeichnete Mund über dem langen Kinn\nöffnet sich mit der schimmernden Reihe der Zähne,\neine siegreiche Heiterkeit leuchtet über dem Fluß\nder fortziehenden Musik, allmählich hebt der Kör-\nper sich empor und er hat fast mehr noch zu sagen,\nals das Gesicht allein, er erlebt das Spiel der\nWellen und zeigt es, immer im Dreitakt des Wal-\nzers: die naive Geberde des Schwimmens, des\nTrinkens, des Badens, alles Treibens eines beselig-\nten Geschöpfes, einer Nixe im wallenden Element,\naber jede Geste nur eine von untrüglichem Stilge-\nfühl gleichsam vergeistigte und verklärte Andeu-\ntung des Realen; in der wachsenden Bewegung\nsteigert sich der jubelnde Taumel zu einer über-\nströmenden Lust, zu einem Triumph körperlicher\nMelodik und eines herrlichen Augenwohlklanges in\nund über dem der Töne.\nElse Wiesenthal, die stillere, sanftere lebt in\neiner zärtlichen träumerischen Romantik; das\nBacchantische, völlig aufgelöste und brennend Ver-\nzehrende, das der Leidenschaft der Schwester ge-\nmäß ist, liegt ihr ferne, die weniger den tragischen\nGenius, als die selige Harmonie und Verklärung\nder Musik verkörpert, schon durch ihre Erschei-\nnung allein, von ebenmäßiger Schlankheit, von\neiner knospenden Anmut; ihr Gesicht zeigt die\nreinsten Linien, den sanftesten Umriß, der Mund\nmit einem unvergleichlichen Sinnen und Lächeln\ndrückt den ganzen Zauber ihres Geschlechtes aus;\nin dem Schwung dieser Lippen, der schweigenden,\nder fragend halb geöffneten, der lachend erschlos-\nsenen, scheint alles weibliche Schicksal vorge-\ndeutet, Lust und Leid. Sehnsucht, Liebe, Güte, alle\nreinen, den wahren Wohlklang, die sittliche und\nsinnliche Harmonie des Frauenwesens bezeichnen-\nden Züge spricht dieser stumme Mund wie eine\nVerheißung und Erfüllung aus. Und unter einer\nschwarzen, schimmernden Haarflut leuchtet die\nweiße Stirne, strahlen zwei ernste, feierliche,\nmilde Augen eine klare Tiefe aus. Auch sie tanzt,\nwas ihr gemäß ist, Musik, die von verwandtem\nWesen eingegeben, die zärtliche, innig träume-\nrische Romantik vergegenwärtigt: Mondlicht über\nWiesen wallend, den schönen Harm der sehnen-\nden, die Schwermut der verlorenen, die keusche\nFreude der gewonnenen Liebe. Schumanns Karne-\nval. Eben wegfen der harmonischen Gefaßtheit\nihres rnhig geschlossenen Wesens, ihrer seelen-\nvollen Einfalt und Sicherheit vermag sie im Tanze,\nwas der flammenden Persönlichkeit der Schwester\nversagt ist: deutliche, obiektive Gestaltung und\nCharakterisierung, sie hebt typische Figuren her-\naus, den stürmischen Florestan, den unglücklichen\nPierrot. Wie entzückend ist die Grazie, die den\nungelenken, schwerfälligen, mondsüchtigen, un-\nseligen Hanswurst aufs anmutigste ungraziös er-\nscheinen läßt, die mit der charakteristischen Musik\ntaumelt, hinkt, nach Halt sucht, indessen, wie in\nden Tönen der leise Spott des beherrschten harmo-\nnischen Gleichgewichts in ihren Gliedern lächelt,\nwährend darauf der triumphierende Harlekin in\nseiner Freude die kindlichsten Sprünge, ein Lachen\nam ganzen Leibe offenbart. „Valse noble\": in\neinem schimmernden Seidenkleide mit bloßen\nSchultern die schöne Frau, die sich im eigenen Zau-\nber, halb schamvoll, halb bewußt neigt und beugt\nund badet, den Reiz ihrer verhaltenen, schweben-\nden Bewegung genießt und sich im Wohllaut ihres\nLeibes gleichsam bespiegelt.\nAuch Else Wiesenthal tanzt einen Walzer:\n„Rosen aus* dem Süden\", in einem feuerfarbenen\nGewände, das wie ein üppiger Blütenkelch die\nschlanke Gestalt umgibt, die daraus hervorleuchtet\nund wieder sich darein hüllt, einen Kranz von\nRosen um das Haupt, die Lippen verheißend wie\nRosen selbst und die rings um sie blühende Musik\nvom sanften Schwung des Beginnes bis zur höch-\nsten Lust des Schlusses in das volle Glück der Er-\nscheinung wandelnd: ein Bild, das sich selber ge-\nstaltet, ein Geschöpf, das all seinen und unseren\nTraum erfüllt.\nNicht ohne ein zwingendes Gebot ihrer Natur\nantworten diese Tänzerinnen am innigsten dem\nRufe der Wienerischen Musik, drücken sie selbst\ndoch den Reiz ihrer Heimat mit unwillkürlicher\nKraft aus, als hätte diese Natur, der Wienerwald,\nwelcher die allerschönste Stadt bekränzt, dieses\nLand, das in unversieglichem Reichtum Wunder\nder Erscheinungen hervorbringt, auch diese Mäd-\nchen erschaffen, so recht um die innewohnende\nMusik, den ganzen, steten Wohlklang seiner Schön-\nheit im Tanze zu versinnlichen und zu verklären."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "101", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.7", "titre_corps": "Siebentes Gespräch: Giesst Wein in meinen Becher / Von den unteren Tonordnungen : Ueber die Musik", "titre_sommaire": "Siebentes Gespräch: Giesst Wein in meinen Becher / Von den unteren Tonordnungen : Ueber die Musik", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.4", "debut_caractere": 6221, "fin_caractere_exclue": 11859, "texte": "Gespräche mit Kalypso\nSiebentes Gespräch: Giesst Wein in meinen\nBecher / Von den unteren Tonordnungen\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nAbend. Violette und gelbe Wolkenzüge am Himmel.\nDas Meer liegt ganz glatt da.\nMusiker:\nUnser Nachmittag war so still. Magst Du nun\nwieder plaudern?\nKalyp s o : *\nIch hab Dich zwar einmal gebeten, mir, wenn ich\nstill bin, von ihr zu plaudern, von der Musik.\nGesteh', auch Dich ekelt's jetzt vor ihr. Es ist ein\nlangweiliges Ding um die Musik.\nMusiker:\nWenn Du mir erlaubst, Kalypso, so schau ich\nheute den Möven dort zu. Ich denke mir eine zu\nholen.\nKalypso :\nSie ist langweilig. Käme jetzt einer, womit er\nwollte, mit dem schönsten Liede Apollos, ich —\nwürfe ihn nieder.\nMusiker:\n(Lachend.) So kriegerisch ketzerisch flucht meine\nhohe Gönnerin, die Schutzgöttin meiner armen\nSeele, die Vorgängerin der heiligen Cäcilie. Doch\nist es nicht lange her, da kanntest Du Dir und mir\nkeinen Trost als die Musik.\nKalypso :\nEin leeres Gestammel ist sie. Ich rede nicht ohne\nNot von ihr. Aber eine Bettlerkunst ist sie. — Sieh,\nhier lieg ich, nicht müde, aber ohne Glut und Lust,\nstumpf, völlig ausgeleert, blöden Herzens. Haucht\nsie in meine Not, so häuft sie Elend klafterhoch über\nmich, denn ich sehe sie, die ungeschickte Aerztin,\ndie die Leiden mehrt, wo sie lindern will und gleich\neiner Qualle ist, schleimig und ohne Hände.\nMusiker:\nUnd, nicht wahr, Hände, Hände! — Reißt mich auf,\ngebt mir etwas, ein Anderes, ein Schäumendes,\ngießt meine Schale voll.\nKalypso:\nUnd darum, trotz Deines Spottes, veracht ich sie\nals eine Bettelkunst. Stell mir einen blinden\nMärchenerzähler her und flöte Du, ich will Dir\nsagen, was Du flöten magst: ich lache Dir in's Ge-\nsicht und frage kalt: was schafft der Narr?\nMusiker:\nMir ginge das zu Herzen.\nKalypso :\n(Aufbrausend.) Laß das Höhnen! Ich werf' Dich\nin's Meer vor die Fische. — Was nützt Du mir,\nwas nützen mir alle Prächte und Wunder, wenn\nsie versagen, wo ich sie brauch'. Ich sitze hier,\nwie nie eine Göttliche, gefesselt; ja, sieh' mich nur\nan. Die schlechteste, ärmste, schwächste der\nHimmlischen blieb an der Sonne und muß die Bar-\nbarei des Gottes der Neuen anschauen. Wir hatten\nden Krieg und die Frömmigkeit und jedes Glück,\ner hat die Gewalt und die Heuchelei, und unten\nlodern die Flammen um den Olympier. Ich quäle\nMenschen; ich will sie nicht sehen, die betrogenen,\nseellosen von heute. — Ich bin unsterblich. Ich\nhatte verstanden, was die Künste gaben;\nknirschend mußte ich es jetzt ganz lernen; mir\nmußten sie mehr werden, als sie einem sind. Und\nmir haben — sie ihre Armut gezeigt.\nMusiker:\nIch schweige vor dem, was Du fühlst, Kalypso;\nkaum sollte ich es wagen, Dich zu belehren. — Darf\nich sprechen? (Kalypso bleibt stumm.) Ich will\nDich erinnern an Deine eigenen Worte. Ich will\nDein Liebstes verteidigen. Daß unsere Kunst der\nDuft einer Blüte sei, — nichts als das, — daß sie der\nAtem des Lebens sei, — nichts als das. Eine ge-\nhobene, fürstliche Kunst, die Tonkunst, deren\nEigenstes mit ist, daß sie schweigen kann über\nvieles, die sich des Kleinlichen, Peinlichen entheben\ndarf. — Nun willst Du sie anders sehen; jetzt ent-\nbehrst Du des Kleinlichen, nicht mehr Peinlichen,\njetzt willst Du die Blüte und bläst den Duft fort und\nmühst Dich um die toten, harten Dinge der Welt.\nKalypso, der Uebel größtes ist die Langeweile.\n(Kalypso liegt im Sande ausgestreckt mit ge-\nschlossenen Augen.) Wer schöpfte wie im zittern-\nden Rausch atemlos den Rahm von der Welt ab?\nWer raffte ungeduldig alles Glück, Stolz, Leid,\nAngst, Qual zusammen und genoß es in einem\nHeben der Lider, ein achter Tag?\nKalypso :\nEs schleicht um mich herum, das Gespenst.\nEs murmelt Totengebete, für mich, für mich. Die\nglasigen Augen, der verzerrte Mund. Es lupft den\nFuß, es zuckt, es schreitet an; wirres Geschrei.\nBringt Totenopfer. Gegen meine Brust drängt die\nSchlange, entschlüpft mir, wo ich sie fassen möchte,\nwindet sich um mich herum, legt sich voll und ekel\nüber meinen Mund. Laß mich los; ab. Laufen,\nkeuchen, ans Meer, daß mein blauer Mantel sich\nbäumt. Fischlein, ich hab' zwei kalte Lippen, ich\nmuß Deine Kiemen küssen.\nMusiker:\n(Schüttelt an ihren Händen, schlingt die Arme um\nihren Hals.) Kalypso! Soll ich Wasser\nbringen? Was quält Dich? Du! (Kalypso richtet\nsich murmelnd auf). Wir fahren heim.\nKalypso:\n(Wieder erwachend.) Hier ist's gut. Heut wird\nein schöner Abend. — Was sprachen wir? — Ach,\ndas tönende Ungeheuer. — Welch scheußliches\nTier: Die Brust reckt sich weit über die Erde, die\nNüstern schnüffeln in die Höhe und unten schlürfen\ndie dicken Füße, wälzt sich der grünschillernde\nSchweif, wulstig, schupoig, dick besät mit Würmern\nund Ungeziefer, durch die Straßen und den Mist.\nMusiker:\nEntsetzlich! Welche Leiden siehst Du? Du bist\nerregt. Dies ist nicht Musik, wovon Du sprichst.\n— Du denkst Fehlgeburten.\nKalypso:\n(Still.) Vieles kann man nur mit Abscheu be-\ntrachten. Das hat der Walter über uns gerichtet,\ndamit wir nicht übermütig werden. Aber es gibt\nDinge, so beschämender Art. Das Wollen, das\nkraftlose Wollen ergreift mich so. Ihr wißt ja nicht,\nwie arm Ihr seid. Man sollte nur weinen und sich\nEurer erbarmen. Und nichts ähnelt Euch so als\nEure Musik. Wenn Ihr wüßtet, wie sich die Himm-\nlischen den Leib halten und die Schenkel schlagen,\nwenn Ihr das Schluchzen und Gelächter hören\nwürdet, wo unten das Volk einem prahlenden Held\nzujubelt. Wie sie dem Olympier die Kniee küssen:\n„bravo, gut gemacht!\" Und das weite Haus dröhnt\nvor Dank.\nMusiker:\n(Nach einer stummen Weile.) Die Himmlischen\nsteigen oft zu den Menschen herab, sei es um sich\nzu verstecken, sei es um einiger Menschen willen.\nHimmlisch und beispiellos scheint manchen die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3621, "texte": "Musik. Viele Dinge und Wesen gibt es auf Erden\nund in der Luft, die tönen, zu ihnen senkt sich die\nMusik und macht ihr Tönen zu Gedanken; und auch\nstummen Dingen und Bewegungen schaut sie zu,\nverliert sich an ihnen nicht, sucht ihren Klang zu\nlocken: so glauben manche. Und wohl ist\nzweierlei an ihr: die Ordnung der Töne, das\nHimmlische, das aber nichts als Liebe, Umfassung\nund Umarmung ist; und das Geliebte, sich Hebende,\nGehobene, die Welt.\nKalypso :\nSo ist zweierlei an ihr, sage ich: ihre Eigenschön-\nheit, die behängt sie mit fremden Pomp, mit Raub-\nschöne, — und satt schreitet sie heran, mächtig, eine\nBarbarin, mit klirrendem Schmuck, eine laubge-\nschmückte, stampfende, lallende Bacchantin der\nBerge. — Es ist ein leeres Klingen die Eigenschön-\nheit der Musik, es ist eine qualvolle Ohnmacht ihre\nRaubschöne. Denn die Dinge lassen sich nichts\nrauben, nicht ihren ureigenen Schrei, nicht ihren\nTanz, nicht ihre Schwere, ihre Härte, ihren Glanz.\nDich begreife ich nicht; ich sah nichts von Liebe\nund Geliebten; mir treten in der wirklichen Musik\nzwei Mächte entgegen, die sich hassen, und ich\nheiße sie Dieb und Beute, aber einen Dieb, der seiner\nBeute nicht gewachsen ist. — Schau hin: der\ngroße, ungeheure Reichtum der Welt, der furcht-\nbare Wandel der Geschicke, die Kämpfe der\nHelden, Untergang der Reiche, seltsame Fahrten,\nSprießen der Bäume, Feuer und Flammen, Felsen,\nTäler und Ströme, — all dies bleibt der Musik ver-\nloren, — und was bleibt ihr, als der Wunsch zu\nrauben? Und die Ohnmacht, es nicht zu können.\nMusiker:\n— Glaubst Du, Kalypso, daß eine Katze ein Stier\nist, oder eine Heuschrecke ein Veilchen?\nKalypso :\nMein Freund, ich will Dich doch heimschicken.\nMusiker:\nSo ist also die Heuschrecke kein Veilchen. Aber der\nSchluß lautet: Dann ist auch die Musik kein Stier.\n(Ernst.) Das große Geheimnis der Musik will ich\nausplaudern; ich will auf den Dreifuß steigen und\nohne Falten und Qualm sagen: Die Musik kann nur\ntönen. — Ich sage „ja\" zu allem, was Du meintest;\nsie fühlt sich nie hart an, kein Sonnstrahl wird je in\nihr aufleuchten, sie'fegt kein Blatt vom Baume; sie\nist unfähig zu alledem: denn sie kann nur tönen.\nKalypso :\nSie gleicht einem Priester, der tiefsinnig und er-\nmüdend redet und mir nur Sehnsucht nach dem\nLeben weckt. — Hinter einem Schleier, schatten-\nhaft tauchen in ihr — die lebenden Dinge auf, ich\nhöre das Wispern und das Aechzen ihrer Atemnot.\nDas Wasser da, mein Meer, schau, wie es sich regt,\nwie es stampft und rennt. Hier, nimm die Muschel\nauf, die blaue, eine Handvoll kleiner Kiesel: ach wie\ngut ist es, unter ihnen zu sein, die Salzluft zu\ntrinken!\nSieh doch, die Musik ist arm, aber schlimmer als\nein Armer dünkt mich ein Bettler. Was muß die\nMusik betteln? Ja, die Musik tönt, tönt nur, aber\ndaß sie sich nicht darin sättigt, daß sie dieses „Nur\"\nwimmert, hungrig die Augen verdreht und ihre\ntrockene Zunge zeigt, widert mich an. So tut keine\nKunst. Unverwechselbar, unvergleichbar sind die\nTöne, keine andre Kunst macht ihr diesen Schatz\nstrittig. So blühe sie aus, so werde sie reich in\nihrer Armut. Wär ich nicht eine Närrin, suchte ich\nden Tönen ein Gleichnis? Sind sie sich nicht\ngenug, mehr als genug, eine runde, glatte Welt für\nsich? Jede Kunst soll ihre Wege gehen, ihrem\nStoffe, dem Ton, der Farbe, dem Stein nachgehen\nund sie belauschen; die Eigentümlichkeit, Selbst-\nwilligkeit und Freiheit des Stoffes erfassen und zur\nKunst gedeihen lassen. Du sagst: Die Heu-\nschrecke ist kein Veilchen; die Musik kann nicht\nmalen, nicht sprechen, nur tönen. Dies sage auch\nich und höhne ihr doppelt und dreifach, weil sie arm\nist, bettlerhaft und wahnsinnig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "102", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.8", "titre_corps": "Geistige Landschaft : mit vereinzelter Figur im Vordergrund", "titre_sommaire": "Geistige Landschaft : mit vereinzelter Figur im Vordergrund", "signature_source": "Richard Schaukal", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.5", "debut_caractere": 3674, "fin_caractere_exclue": 12644, "texte": "Geistige Landschaft\nmit vereinzelter Figur im Vordergrund\nVon Richard Schaukal\nWien ist die Stadt des liebenswürdigen Dilet-\ntantismus. Da der Oesterreicher aus den Trüm-\nmern seiner historischen Kultureinheit (der Dok-\ntrinarismus hatte die Fundamente des Gebäudes\nunterwühlt) den Geschmack gerettet hat, trägt hier\nalles, selbst das Verwerfliche, gewinnende Züge.\nNeben marklosem Leichtsinn, unbedenklicher Hin-\ngabe an Launen und Stimmung fristet sich eine un-\ntiefe Nörgelei, die verblassend an die einstens\ntypische Grillparzersche Raunzerei gemahnt. Sie\nfordert den Mutwillen, gutmütigen Spott heraus.\nDie wechselnde Farbe des öffentlichen Lebens\nist bedingt durch zahlreiche unkontrollierbare\nStrömungen, Stimmungen unter der Oberfläche.\nAlle Gegenstände ordnen sich symphonisch in den\nnachgiebigen Rahmen ein. Selbst der politische\nund soziale Haß enträt nicht der — so leicht in die\nRoheit umzuschlagen geneigten — Gemütlichkeit.\nUnd alles, bis auf das Schlendern der Bummler —\nman sieht hier selten Menschen, die eilen — hat ein\nleicht künstlerisches Gepräge.\nIn dieser anmutigen, hellen Stadt gedeiht der\nSnobismus. Es ist nicht der kaltherzige des be-\nrechnenden Strebers, dessen Weg über Leichen\ngeht; es ist der warmblütige des Neugierigen.\nAlle Welt tut hier bereitwillig überall „mit\".\nMan versammelt sich immer wieder zu Komitees,\nzeigt sich und zeigt sich einander. Die Presse\nschlägt gern den Familienton an. Der Lokalrepor-\nter schwelgt in geduldeten Indiskretionen. Der\nPersonenkult, besonders der Kult der Bretterhel-\nden, erbt sich als ewige Gemütskrankheit fort. Man\nneckt einander, läßt sich aber auch immer wieder\ndüpieren; denn man staunt gern, und vor allem:\nman erzählt gern Erstaunliches.\nWien ist die Stadt der Bestrebungen, (nicht so\nsehr — als Gesamtorganismus — der Streberei,\ndie in Klassen und Schichten freilich um so ärger\nwütet). Hier haben's die Leute gut, die „neu\" sind.\nAlle Welt beschäftigt sich mit ihnen. Nicht allzu\nlange freilich. Man hätschelt das „Originelle\".\nAber eines verträgt man nicht: Konsequenz,\nStrenge, die unbeirrbare Entwicklungslinie. Wer\nsich nicht modeln lassen mag, an dem schwankt der\nfröhliche Schwärm der Bereitwilligen vorbei. Und\nwer gar zu erziehen unternimmt, steht bald allein.\nPublikum ist hier immer zu finden und für alles,\nauch für jeden Blödsinn und G'schnas. Das Geld\nsitzt nicht fest. Man hört taktwiegend leichte\nMusik und trinkt dazu mehr, als man sollte. In\ndieser lauen Atmosphäre ist das heimisch, was man\nals falsche „Sezession\" kennt und nach Gebühr haßt.\n„Sezession\" heißt seit einigen Jahren alles, was\nmodern, halbschlächtig, äußerlich, hohl ist. Daß\neine Gruppe von unabhängigen, zum Teil sicherlich\nmerkwürdigen Künstlern, die heut so übel ver-\nrufene Benennung in einer Epoche der behaglich\nstarrenden Unfähigkeit in Schwung gebracht hat,\nkann an der leidigen Tatsache nichts ändern, daß\ndie Talmi-Sezession einen jetzt wie das Marl-\nborough-Liedchen „den reisenden Briten\" auf Schritt\nund Tritt belästigt. Jeder Schmarren der Galan-\nteriewarenhändler, der sich von dem früher üb-\nlichen Kitsch durch Schlangenlinien oder sonst eine\nrezente Faselei unterscheidet, wird einem Publi-\nkum, das man in den meisten Fällen mit vollem\nRecht urteilslos wähnt, als „sezessionistisch\" an-\ngepriesen. Wie sehr alles echte „sezedierende\" Be-\nstreben unter diesem Unfug leidet, braucht nicht erst\nbetont zu werden.\nUeber das, was auf der Hand liegt,\" soll hier\nnicht die Rügerede ergehen. Aber eine Erscheinung\ninnerhalb des größeren Ganzen muß einmal ge-\nbrandmarkt werden, die sicherlich bereits aus allen\nsoiegelnden Flächen der „besseren Umgebung\"\nerinst: die Komödie der sogenannten angewandten\nKunst. Wien ist ein wahrhafter Nährboden dieser\nSeuche. Eine Gemeinde von aufdringlichen „höhe-\nren Snobs\", nüsternblähenden Kunstwitterern ver-\nkündet stündlich das Neueste. Beweglich schlän-\ngelnde Begabungen liefern das jeweils „aktuelle\"\nMaterial. Die Sache wäre vielleicht harmlos,\nschlüge die künstliche „Bewegung\" nicht so auf-\nschäumende Wellen. Man muß ja im sonst be-\nwohnten Europa wirklich glauben, wir alle in der\ngeistigen Heimat der Canaletto. Mozart, Faimund,\nDannhauser, Nestrov. Schwind. Beethoven, Bauern-\nfeld, Grillnarzer, Hebbel, wir alle lebten nur mehr\nvon der Kinderei des dekorativen Elements. Hier\nzu widersprechen im Namen einer ehrlich angeekel-\nten Mehrheit ist dem stillen Beobachter des Ge-\ntriebes Bedürfnis.\nWir haben uns in Wien seit je gefügig dem\nExperiment hingegeben. Ausliefern aber lassen wir\nuns denn doch nicht. In widerlicher Erinnerung\nbleibt der als Sturm im Wasserglase inszenierte\nRummel der Reinhardtbegeisterung. Man glaube\nder Versicherung eines klarblickenden Zeitgenos-\nsen und Mitbürgers, daß die wirkliche „Elite\"\ndes schöngeistigen Wien diesen Rummel nicht mit-\ngemacht hat. Das, was sich so beflissen und laut\nimmer wieder selbst das „geistige Wien\" nennt,\ntäuscht sich und andere stets gern darüber, wel-\nchen kümmerlichen Zusammenhang es eigentlich\nmit den Schichten der Gesellschaft hat, die dem\ndiskreten „Welt\"menschen einzig und allein die Re-\npräsentanz der organischen Kultur bedeuten. Nicht\nder Wiener „Jour\" und sein Stammpublikum prägen\nGott sei Dank der Stadt der großen Erinnerungen\nund der glänzenden Begabungen, dem Mittelpunkt\neiner erlauchten höfischen Tradition, der Residenz\nder historischen Familien, dem Zentrum ernster,\ntüchtiger geistiger Arbeit, der Stätte eines eminent\nkunstverständigen und kunstfrohen Publikums, die\nangenehme Physiognomie. Im breiten Schlag-\nschatten dieser reich konturierten Potenz ver-\nschwindet der dünne einer zwar zählebigen, aber\nnicht wurzelverankerten Partikel.\nAber eines ist leider wahr: wer sich zurück-\nzieht aus der Gegend, wo die „öffentliche Meinung\"\ngebraut, die Reklame gerüstet wird, von dem hört\ndie auf Kunde angewiesene Mitwelt wenig oder\nnichts. Und wer gar unternimmt, in tollkühner Ver-\nmessenheit sich gegen die rumorende Cöterie zu\nstellen, der kann zur Eissäule gefrieren im Todes-\nschweigeri, das frostig um ihn sich schließt.\nVon so einem offiziell vereisten wollen diese\nZeilen sprechen, einem Mann, der berufen wäre,\nRatlose aus der Afterkultur herauszuführen. Adolf\nL o o s heißt der starke Einsame. Er ist ein Archi-\ntekt, der keine Häuser zu bauen hat, ein beredter\nLehrer, dem die Schüler mangeln, ein enthusiastischer\nKämpfer, dem der Feind immer auf Tagreisen weit\nausweicht. Eine helle Stimme, der das Echo abge-\ngraben worden ist. Ein reicher Erfinder, den das\nbehutsam Fertiggestellte von flink zugreifenden\nHänden alsbald zur Karrikatur verhunzt wird.\nLoos, ein gebürtiger Brünner, der sich mit\nscharfen kalten Augen in andern Ländern seine Zeit\nangesehen hat, richtet Wohnungen und Geschäfts-\nstätten ein. Das tun bei uns nur zu viele. Loos\naber war einer der ersten. Ferner hat er über\nFragen der Kultur geschrieben. Auch das tun un-\nzählige. Loos aber war einer der ersten. Endlich\nkämpft dieser unbeschäftigte Architekt gegen die\nPräpotenz des „dekorativen Elements\". Das tut\nbei uns wohl kaum jemand. Er ist hierin der einzige\ngeblieben ; denn die scheinbar Gleichgesinnten tun\nim besten Fall eben mit, aber ohne Charakter, das\nheißt nicht aus Natur, sondern „auch\".\nSeine Wohnungen und Geschäftsstätten hat er\nkürzlich in „Wanderungen\" denen gezeigt, die\ndarauf halbwegs neugierig waren. Das wäre nichts\nbesonderes. Aber besonders ist der Geist, der sich\ndem verständigen Wanderer hier enthüllte. Und\nüber den Geist dieser Wohnungskultur wird hier\netwas zu sagen sein.\nSeit einigen Jahren geht man bei uns und\nanderwärts in Ausstattungsnöten nicht mehr\nzum Möbeltischler und Tapezierer, sondern zum\n„Künstler\". Der Künstler ist auf diese Art rasch\nzum Orakel gesteigert worden.\nDer Gegensatz des Künstlers scheint so etwas\nwie „unkünstlerische Nüchternheit\". Aehnlich war\nMakart vor vierzig Jahren der „Herold der Farbe\".\nMan weiß das erbärmliche Fiasko seiner Atelier-\nKitschphraseologie. Heute ist „Sezession\" Trumpf.\nKein Handwerker in Wohnungsutensilien darf nach\nden reinen Prinzipien seines Handwerks Gebilde zu-\nsammenfügen. Der Künstler steht hinter dem Be-\nfangenen und richtet ihm die Hand. Was heraus\nkommt, ist „angewandte Kunst\". Angewandte\nKunst, das sind Nacht- und Nähtischchen mit Por-\nphyrplatten und schmiedeeisernen Beschlägen, in\nallen Farben gebeizte Kasten mit Intarsien und Spie-\ngeln, Büffets mit messinggerahmten kassettierten\nFenstern und angeschraubten Beleuchtungskörpern\nund ähnliches. Man kennt den Klimbim zur Genüge.\nEs ist so fad, daß man schon beim Gedanken daran\ngähnt. — Loos fragt höhnisch, warum der Künstler\nnicht auch dem Schuster, dem Sattler, dem Hand-\nschuhmacher unter die Arme greifen wolle. Und\nda niemand antwortet, fährt er, der schon vor zehn\nJahren (in der „Neuen Freien Presse\") und später\nin einem gleich wieder eingegangenen Blatte „Das\nAndere\" „radikale\" Anschauungen entwickelt hat,\nfort: Unsere Zeit braucht das Ornament nicht, sie\nverzichtet darauf. Sie lebt vom ästhetischen Wesen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4486, "texte": "ihrer praktischen Zwecken dienlichen Erzeugnisse.\nDer Handwerker ist noch immer da und kann, was\ner gelernt hat. Der Schuster macht Stiefel, der\nSchneider Röcke nach dem Bedürfnis des Bestellers.\nUnd was für prachtvoll solide Ware! Loos hat\nallen Ernstes seine Beteiligung an den gewerb-\nlichen Ausstellungen der Künstlervereinigung\n„Sezession\" erst für die fortgeschrittene Zeit in\nAussicht gestellt, wenn diese den hervorragenden\nWiener Schneidern und Lederwarenerzeugern ihre\nSchranken zu eröffnen sich bemüßigt sehen solle.\nAber nicht nur der Schuster und Schneider sind da,\nauch der Tischler kann sicherlich noch Stühle und\nBettstätten machen. Schafft nur den Künstler ab,\nder ihn daran hindert. Man kolportiert ein be-\nzeichnendes Wort: „Ich habe mit Kammerdienern\nund Bienenzüchtern mehr innere Zusammenhänge\nals mit Architekten.4' Das heißt: Ich fühle mich\nallen Menschen verwandt, die in ihrer Beschäftigung\nganz drin stecken, mit ihr identisch sind. Diese sind\ndie Förderer.\nUnd also naturgemäß, elementar, klar, zweck-\ndienlich, ein Dirigent der echten Aeußerungen des\ntüchtigen Handwerks, richtet Loos einigen\nMenschen, die sichs gefallen lassen, ihre Zimmer\nein. Er sagt: Man gibt mir den Auftrag, eine Woh-\nnung zu gestalten. Ich will nichts neues erfinden.\nDas ist doch nicht meine Aufgabe. Ich brauche zum\nBeispiel gute Stühle. Wozu sollte ich da plötzlich\nStühle erfinden. Sie sind ja da. Es sind die alten\nenglischen. Und so weiter. Manches Prinzip\nfreilich ist verschüttet. Laßt uns dem Gedanken\nnachgehen. Er hört uns schon und zeigt sich\nschüchtern. Heraus mit Dir. Ich halte den Künstler\nab, der dich, beim Genick packen will. Er tut dir\nnichts, solang ich da bin. Sieh her, da bist du,\nherrlichprimitiver, nackter Gedanke, „des\" Tisches,\n„des\" Vorhangs, „des\" Spiegels. Wir wollen dich\nin gutem Material verlebendigen. Nichts weiter.\nHandwerker, zeige was du kannst. Du darfst\narbeiten.\nSo einfach ist diese „Theorie\", daß man sie er-\nklären muß. Die Leute suchen ja immer etwas\n„dahinter\". Sie sind das von den hinterhältigen\nKünstlern gewohnt. Es ist nichts „anderes\" da-\nhinter, liebe Leute. Adolf Loos will nichts apartes.\nWenn ihm auch manches — apart gerät. Freilich,\ner selbts ist ja ein Künstler, ein Mensch mit künst-\nlerischem Gewissen, mit künstlerischer Bildung.\nAber weder ist sie ihm wie den armen Eklektikern\nvon rechts nach links kollernder Ballast, noch hält\ner sonderlich viel auf die Tatsache ihrer Existenz.\nDiese „künstlerische Bildung\" belehrt ihn über die\nWege der Entwicklung. Und sein scharfer logischer\nVerstand zeigt ihm die Stationen, die Etappen sind.\nIn unserer Zeit, der Aera der Maschinen, sieht er\ndas Ornament an Entkräftung gestorben. Er\ntrauert darüber nicht. Im Gegenteil: er jubelt. Er\npreist unsere Zeit ob dieser grandiosen Kargheit.\nEr schätzt die historischen, schätzt die organischen\nOrnamente, die Arabesken der üppigen dekadenten\nAuslaufzeiten wie die großartigen Hieroglyphen der\nUranfänge. Aber er verweist kaltlbütig auf das\nWesen unsres modernen Materials, und meint ihm\ngenügende Wirkung durch seine unbefangene\nExistenz zuschreiben zu dürfen. Silber- und\nMessingplatten, Holz- und Glasflächen: Loos ver-\nneigt sich vor ihrer ungeminderten Tatsächlichkeit.\nWie reich sind wir, sagt er. Wir haben die Steine,\ndie Metalle, die Hölzer. Weg mit den kribbligen\nHänden, die alles unbegründeter Weise bekritzeln,\nverbiegen, zacken wollen. Das Buch, das Hemd,\nder Knopf; laßt alle diese guten Dinge durch sich\nselbst wirken, laßt sie nur zu Wort kommen, ge-\nbietet dem dreinschwätzenden Künstler Schweigen:\neine Harmonie der großen einfachen Stücke, der\nDinge breitet sich rauschend aus. Und eines ver-\nrate ich euch; sagt der stille unermüdliche Werber\nfür das Echte: alle wahre Kultur hat seit jeher das\nGanze, das Tüchtige, das Einheitliche bevorzugt.\nIn dieser Kampfstellung gegen das Ornament\nliegt mehr als die Neigung zu einer geschmackvollen\nVariante des Gerätes. Die Devise „Los vom Orna-\nment\" ist die Oriflamme einer neuen großen Idee,\ndie wie alle großen Ideen Ahnenzusammenhänge\nhat. Die Idee dient der Gesellschaft. Man nehme\nsie nur einmal rein praktisch, wenn das Ornament\nfällt, fällt ein mühsames Plus an Kleinarbeit (abge-\nsehen vom ekeln Cliche des Fabrikornaments).\nMan zahlt nicht weniger (heute sogar noch mehr)\nfür eine glatte Zigarrentasche als für eine verzierte.\nDer Zierrat wird überflüssig, die Herstellungs-\nmühsal also geringer, der Verdienst größer — das\nZeitgemäße dient den Zeitgenossen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "102", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.9", "titre_corps": "Kunstreferate", "titre_sommaire": "Kunstreferate", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.6", "debut_caractere": 4488, "fin_caractere_exclue": 6741, "texte": "Kunstreferate\nDie Vossische Zeitung von Staats- und ge-\nlehrten Sachen berichtet unter dem 12. Mai aus\nWien:\nReinhardt eröffnete gestern mit dem „Kauf-\nmann von Venedig\" ein Gesamtgastspiel im\nTheater an der Wien Das anfangs etwas spröde\nPublikum erwärmte sich zusehends, zumal für\nSchildkrauts Shylock und die Gerichtsszene. Von\neinem leichten Erdbeben während der\nTheaterzeit war im Schauspielhaus nichts\nverspürbar.\nDas ist dreideutig. Versagte hier ein neuer\nRegietrick Reinhardts, oder wirkte das erwärmte\nPublikum so anregend auf die Erde, daß unserer\nguten Mutter nichts zu tun übrig lieb, als zu beben,\noder will der eigene Korrespondent das Entsetzen\nder Wiener Erde über den zurückkehrenden Sohn\ndurchbeben lassen? Das glaube ich nicht. Die\nVossische Zeitung ist durchaus unsymbolisch und\nfür das Gemeinverständliche. Besonders in der\nbildenden Kunst. Sie stellte bekanntlich vor un-\ngefähr dreißig Jahren einen Jubelgreis als Kunst-\nberichterstatter an, der mit tragischer Notwendig-\nkeit immer älter wurde, ohne auf diese Weise die\nTragik seiner Kunstfremdheit und die Notwendig-\nkeit seiner Existenz zu beweisen. Er begnügte sich,\nMeister wie Hodler, Klimt, Van Gogh, Gauguin\nahnungslos und pietschvergnügt zu beschimpfen.\nJetzt scheint er zu einem letzten entscheidenden\nSchlag auszuholen. Zur Eröffnung der neuen\nSezession sandte er zunächst einmal einen Vor-\nschimpfer, offenbar seinen Meisterschüler. Denn\ndieser Herr ist gleichfalls total ahnungslos und seine\nWitze stammen aus den Gründungsjahren der Vos-\nsischen Zeitung. Es bleibt überhaupt erstaunlich,\nmit welcher Dreistigkeit jeder Laie über Bilder\nurteilt. Der Laie der Vossischen Zeitung ver-\nwechselt selbstverständlich wieder einmal Malerei\nmit Photographie. Daß er nicht sehen kann, ist\nverzeihlich. Weniger, daß er dann über Bilder\nschreibt. Am wenigsten, daß er nicht einmal\nschreiben kann. Ueber die sehr gute Ausstellung\nder Neuen Sezession soll hier noch ausführlich ge-\nsprochen werden. Aber auch der angestammte\nSchimpfer der Vossischen Zeitung wird bestimmt\nzu seinem Rechte kommen, trotz seiner weißen\nHaare. Davor soll ihn auch der Flor wohl-\nriechender Damen nicht schützen, von denen nach\nZeitungsberichten der „lichtvolle Historiograph\"\nstets umgeben ist. Trust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "102", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.10", "titre_corps": "Haare aus dem Kometenschwanz gezupft", "titre_sommaire": "Haare aus dem Kometenschwanz gezupft", "signature_source": "Minimax", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.6", "debut_caractere": 6743, "fin_caractere_exclue": 8848, "texte": "Haare aus dem Kometen-\nschwanz gezupft\nMinimax\nHerr Löwevelt\nDer Leiter des Berliner Zoologischen Gartens\nüberreichte einem gewissen Theodor Roosevelt, der\naus Amerika zugereist war, einen Brief in Suaheli-\nsprache: „Salaam, Bwana Mkubwa, Salaam!\nDu großer Herrscher unserer Tierwelt, der Du so\nmächtigen Einfluß über uns hast und auch über die\nMenschheit, Dich bitten wir, uns gegen die Aus-\nrottung zu schützen. Unterschrieben: Löwe,\nGiraffe, Hyäne, Nashorn.\" Der Adressat bestätigte\nden Empfang des Briefes und setzte hinzu, daß er\nihn zwar nicht lesen könne, daß aber nach seinem\nEmpfinden sämtliche Ochsen den Brief ungelesen\nmitunterschreiben würden.\nWeltkonferenz der Jungfrauen in Berlin\nDie Jungfrauen der ganzen Welt sind in Berlin\neingetroffen, wo ein fühlbarer Mangel an diesem\nArtikel eingetreten war. Die nötigen Informationen\nerteilte der Bund für Mutterschutz; er hat die\nMädchen insbesondere belehrt, daß man in Berlin\nnur glauben brauche; die Liebe und die Hoffnung\nkämen unfehlbar von selbst. Die Französinnen\nwaren erstaunt, wie schön alles auf deutsch ver-\nlief dank dem Entgegenkommen der Ortsansässigen;\nauch die Engländerinnen paßten sich den neuen\nVerhältnissen aufs leichteste an. Drei kleine\nNegerinnen hatten sich mitversammelt; es war zum\nEntzücken, wie wohl, wie geradezu angeheimelt sie\nsich fühlten, als die Pfarrer ihre Reden aus-\nschwitzten. Sonderbare Resolutionen wurden am\nSchlüsse des Kongresses von den offiziellen Ver-\ntretern gefaßt; für die Jungfrauen: „Jede ihr\neigner Mann,\" für die männlichen Vereine: „Jeder\nJüngling seine eigene Jungfrau.\" Und so trennten\nsie sich unter Absingen des Liedes: „Ich hatt keinen\nKameraden\" zu allgemeiner Befriedigung.\nWahlrechtsresolutionen\nEin Geheimrat brachte dem Minister ein Paket\nder zuletzt eingelaufenen Wahlrechtsresolutionen;\nder Minister legte es auf den Boden und ließ unacht-\nsam seine frisch angesteckte Zigarette herunter-\nfallen, so daß das Papier im Nu brannte. Der Ge-\nheimrat löschte krampfhaft: „Exzellenz, der\nSchaden, der große Schaden.\" Der Minister sah\nnachdenklich zu: „Ja, — die Zigarette ist futsch.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "102", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.6", "debut_caractere": 8924, "fin_caractere_exclue": 8993, "texte": "Das Beste vom Besten!\nEr schmeckt sehr gut und\nbekommt ausgezeichnet,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "102", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.6", "debut_caractere": 8995, "fin_caractere_exclue": 9321, "texte": "Gegeniiber Pichels werder in Pichelsdorf\nGrundstucke an der Havel idyllisch gelegen\nneben dem Schlosspark, nahe der Doberitzer Heerstrasse\n(Kaiserdamm), preiswert verkauflich. Naheres durch die\nBodengesellschaft des Westens\n— mit beschrankter Haftung\nBERLIN W 66, MAUERSTRASSE 86-88\n■ ■■■■■ Fernsprecher Amt I, No. 7497 ■■■■■■"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "102", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.6", "debut_caractere": 9323, "fin_caractere_exclue": 9509, "texte": "Teppiche\nPrachtstiicke 3,75,6,-, 10,bi5.300 M.\nGardinen, Portieren, Mobelstoffe,\nSteppdecken usw.\nbl'mgst Spezialhaas\nOranienstrasse 158\nKatalog (450 Illustr.) gratis u. fr.\nEMIL LEFEVRE"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "102", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.6", "debut_caractere": 9511, "fin_caractere_exclue": 9693, "texte": "MALUTENSILIEN\n—i — r~=\nMai- und Zeichenbedarf\nW. & J. 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JVL 3,00 Star ung des Haarbodens Tl. M. 0,00 ■\n3 ■■■■■■■■■■■aaaa == nur oeim Fabrikanten: == ■■■■■■■■■■■■■■■ Hjj\n2 Otto Teutscher/Friseur 5\nI. Geschaft: 106 a Potsdamerstr., Eing. 63 Steglitzerstr.,Tel.Vl, 6735 ■\n11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Tel. 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C. A. Rittner, Kongrefibeamter, Berlin N37"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "103", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.7", "debut_caractere": 980, "fin_caractere_exclue": 2002, "texte": "BOWLENWEINE\nTausonde Nachbestellangen und zahlreiche Anerkenoungen aus\ndem Reiche beweisen, dass unsere Weine gut und preiswert sind!\nWir empfehlen zu Beginn der Bowlonsaison unsere beliebten billigen\nBowlen-Weine als\n0,70 M\n0,75\n0,80\n0,75\n0,80\n1,10\n1,10\n1,25\n»»\ni*\n1*\n>*\n1908 er Wellensteiner (Mosel)\n1908er Remicher „\n1907 er Ellenzer „\n1907 er Elsheimer (Rhein)\n1907 er Gaubickelheimer „\nBowlensekt, Frucht-Champagner\nmit Steuer\nKaisersekt, ohne Steuer . . .\nLorraine, „ „ ...\nAll© Preis© \\-©rstehen »ich mit Flasclien frei Haus in Berlin,\nnach ausserhalb frei zur Bahn, gegen Kasse, Nachnahme oder Vor-\neinsendung. Bewahrte Bowlenrezepte der Firma kostenlos. Voile\nGarantie fiir tadellose Beschaffenheit; Nichtgefallendes wird auf\nunsere Kosten zuriickgenommen. V©rlanu©n Sie kostenlos\nPreislisten. Bestellungen sind zu richten an die\nWeinvertriebsgesellschaft von Malottki\nTorm. Toermer & Michaells STachf. G. m. b. H.\nBERLIN Auguststrasse 60\nFernspr. 111, 8192,15jahr. Geschaftsbestehen. Postscheckkonto: Berlin 3085"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c021", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "103", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.7", "debut_caractere": 2004, "fin_caractere_exclue": 2717, "texte": "Stiilen Sie Ihr Baby\n-z.\nm\n5*\nis?\ny\"..\nw\nass\n»«\nselbst oder geben Sie ihm Backhausmilch, d. i. trink-\nfertige Kindermilch nach Prof. Dr. Backhaus in Einzel-\nportionsflaschen, (dies sind die zwei besten Arten der\nSauglingsernahrung, die es iiberhaupt gibt), dann hat\ndas Nachfolgende fur Sie kein Interesse. Wenn Sie\naber durchaus die Bereitung von Sauglingsnahrung im\nHaushalt selbst vornehmen wollen, so raten wir Ihnen\ndringend, dazu den bewahrten 11 >1\nNutricia-Nahrzucker\n(Maltosana) zu nehmen, der auch von den Aerzten\ndem bisher iiblichen Milchzucker vorgezogen wird.\nSie verabreichen dadurch gleichzeitig einen Kraft-\nnahrungszusatz. 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Rechnen Sie\nsich aus, was Sie im Jahre fur den Bedarf an Gliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, dafi der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-GlUhkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, dafi Sie dieselhen wie ein Tuch zusdmmen-\ndrucken konnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Hartalin-Gluhkorper\nliaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50°/o. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits iiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesenaung von\n3 Stck., Preis p. Stck 50 Pfg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhau* Chem und Techn. Nenheiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c023", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "103", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.7", "debut_caractere": 3541, "fin_caractere_exclue": 4236, "texte": "Berliner Konservatorium fur Theater und Musik\nDIREKTOR C. A. SACHSE\nBERLIN N 39 :: Mullerstrasse 178 (Weddingplatz)\nTHEATER-SCHULE\nVollstandige Ausbildung fur Schauspiel9\nOper, Operette, Posse und Ballett\nV ARIETE-THE ATER=SCHULE\nKomiker-, Soubretten- und Artisten-Schule\n12 Fachlehrer\nBisher 3000 Sch uler (Herren, Damen und Kinder) mit bestem\nErfolg ausgebildet\nz. B. Ernst Klelnert, Walter Bahrmann, Willy Walde (Damen-Imltator), Emll Kante,\nHellon Angerie, Bellini, Graff, Pieper, Direktor Lucas-Schwieger, Pohlei etc. etc.\nDie Damen: Mile. 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Sprache zu besonders billigen Preisen\nDemnachst erscheint: Katalog XXI / Kunst-\nblatter: Portrats, Stadteansichten, Berliner\nBlatter, Karrikaturen, Flugblatter, neuere\nund Sltere Genrebilder, Blatter von\nMenzel, Beardsley, Rops, Stammbiicher\nSilhouetten, Japanblatter etc. etc.\nKataloge / gratis und franko /\nbitte direkt zu verlangen\nAngabe von Desideraten erbeten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c029", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "103", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.7", "debut_caractere": 6174, "fin_caractere_exclue": 6426, "texte": "Masenleiden\nVerdaimngs- and Stnhlbe-\nschwerden, H&morrhoiden.\nIch teile jedem gerne kostenlos mit,\nwie zahlreiche Patienten, die oft\niahrelang mit solchen Leiden be-\nhaftet waren, davon befreit wurden.\nKrankenschwester Marie\nWlotbaden Nicolasstrafi© 0."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c030", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "103", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.7", "debut_caractere": 6428, "fin_caractere_exclue": 7036, "texte": "Privatbeamte und Ange=\nhorige der freien Berufe'\nSorget fur Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Vertretung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und rechtllchen Interessen der Privat-Beamten gegriindeten,\ndurch landesherrl. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nIEITSCHEI ZD VIGIEBDB6\nZirka 28 000 Mitgliedtr in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waisen-\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohllabrtseinrichtungen\nQesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M.:: Man verl. 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VieliShr. Qarantie fiir tadell. Funktion.\nn | fiir Orttsse M. I. 11. 111. IV.\nJrPGISe; Kronen 3,«0 4,80 7,- 11,- 1«-\nFranko tiberall hin gegen Vorauszahlung (auch in Briefmarken)\nOder Nachnahme 30 Heller mehr. Verpackung gratis :: ::\nMondlichtwerk A. 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Kostiim-\nmodell\nAbend: Dauerakt\nAtelier Berlin W / Liitzowstr. 82\nVormittag: Akt\nNachmittag: Portrat\nAbend: Skizzieriibungen nach\ndem Akt\n(2 Stunden 50 Pfg.)\nAnfragen nach Schillerstr. 3\nBerlin W. 35 / Potsdamerstr. 121 a\nAtelier\nClara Elisabeth Fischer\n:: MALEN :: ZEICHNEN ::\nNeu seit 1. November\nPlakatkunst :: Graphik :: Eintritt\njederzeit :: Naheres Prospekte\nHANS BALUSCHEK\nMaler\nSchulatelier fiir Damen ::\nBERLIN W., Liitzow-Strasse 82\nAtelierhaus, linker Aufgang\nProspekte Brief-Adresse:\nSchoneberg - Berlin, Vorbero - Strasse 15"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c035", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "104", "page_fin": "104", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.8", "debut_caractere": 1028, "fin_caractere_exclue": 1222, "texte": "DERDEMOKRAT\nWochenschrift fiir freiheitliche\nPolitik / Kunst und Wissenschaft\nErscheint jeden Mittwoch\nNummer 10 Pf. / Quartal M 1\nProbenummern frei d. 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HARNISCH & Co., Berlin W57\n„Spielend\" lernt man Sprachen durch\nDr. Rebajoli's Autodidakt\nA. Italienisch, elegant gebunden Mk. 10\nB. Franzosisch, elegant gebunden Mk. 10\n„Ein monumentales WerK, das jedem, der es ernst nimmt mit\ndem Lernen einer Sprache, den Stoff zu intensiver Durchdringung\nund zur volligen Beherrschung des Sprachschatzes in\nsprechender Form und in methodischem Fortschritt bietet*\nSelbstunterrichtsz-Methode mit Htilfe des Grammophons.\nLehrer, jede Lehrerin, Jedermannmuss Dr. Rebajoli s Autodidalct\ngebrauchen um leicht und griindlich Frcmdsprachen zu lernen.\nDie darin enthaltenen 33 fremdsprachlichen Gesprache sind auf 33doppel«\nseitige „Odeon\"-Schallplatten von uniibertroffener Fulle und Klarheit der\nStimme durch den Autor iibertragen worden.\nWiedergabe der Aassprache in hochster Vollendung. Vorfuhrung auf\nWunsch beim Autor oder im Verlag. Einzelne Unterrichtsbriefe 50 ?f.,\nFlatte dazu M3. Preis der 33 Flatten mit Lehrbuch ,AutodidaKt* nur MlOO\nZur Wiedcrgabe der Gesprache eignet sich jedes, auch das kleinste\nGrammophon; jedoch hat der Verlag hierzu eine trichterlose „ Autodidakt\"-\nSprechmaschine konstruierenlassen, die sich durch besonders deutliche\nWiedergabe auszeichnet. Preis nur 50 Mark\npvia\nilia\n— ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c037", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "104", "page_fin": "104", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.35", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.8", "debut_caractere": 2476, "fin_caractere_exclue": 2655, "texte": "DIE NEUE\nSECESSION\nV\nAusstellung abgewiesener\nKiinstler der Berliner\nSecession 1910\nin der\nGalerie MAXIMILIAN\nMACHT Rankestrasse 1\nan der Kaiser Wilhelm\nGedachtnis-Kirche :: :: ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c038", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "104", "page_fin": "104", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.36", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.8", "debut_caractere": 2657, "fin_caractere_exclue": 2783, "texte": "sST\"; Cafe Continental\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kunstler - Konzert\nAlie bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c039", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "104", "page_fin": "104", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.37", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.8", "debut_caractere": 2785, "fin_caractere_exclue": 3282, "texte": "DARLEHEN\nreellen Leuten jeden Standes. Auch gegen Mobelbeleihung, Kunst-Gegenstanden,\nohne abzuholen. — Offizieren, Kavalieren, Beamten Geld in jeder Hohe. —\nBeschaffung von Hypotheken auf berliner und auswSrtige Grundstucke. — Kauf\nund Beleihungvon Hypotheken, Erbschaften, Sparkassenbiichern, Lombardscheinen,\nMietzessionen. — Schnelle, grundreelle, diskrete Erledigung :\nWILHELM MEYER :: Bank-Kommission\nBERLIN S 14 Stallschreiberstrasse 56 II\nSprechzeit 10—12 und 4—7 Fernsprecher: Amt IV 6785"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c040", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "104", "page_fin": "104", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.38", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.8", "debut_caractere": 3284, "fin_caractere_exclue": 4002, "texte": "Bebr. Staph,Pforzheim\n3\nen\na\nto\n55 8\n•o\nCD\n—< c\nor-r\nJO\no\n-r\nN\n\"T\n~ cj\n~ Cfl\nWh\nt-\n-5C\nsO\nr\nBez. 56. Langj. Liefer. Hunderter furstl. u.\nadel. hauser empfehl. ihre allerl. Neuh.\nin Bestecken, Gold- u. Silberwaren zu\nbilligst. Preisen. Versand\ngeg. bar od. Nachnahme.\n11311. Brosche, 14 k. Gold,\n3 Perlen, M. 24.—\n10 175.\nRing m.Mixt,\n14 k. Gold,\nM. 13.80.\n8 k. Gold,\nM. 9.-.\n£\n§sl\nJ\n£\nS\no\nT3\nQ\n■o\nXI\nro\nt- T3\n—i O\nli 344. Sportsbrosche, 14 k. Gold.\n1 Rubin, Griff Platina, M. 18.70.\nNur tadellose Arbeit unter Gara/itie fur Feingehalt. — Alte Schmucksachen ar-\nbeiten wir zu modernsten StUcken, nehmen Gold, Silber, Edelsteine in Zahlung.\nKataloge m. Tausenden Abbildg. gratis u. franko. 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Die „A. N.\" bilden daher\n1 eines der ersten und =====\nzweckentsprechendsten Auslands - Insertionsorgane\nHerausgeber: F. Kohler KaifO, Postfach 1315 Probenummern gratis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-05-26-01-c043", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-05-26_01#c043", "volume": "bmtnabg_1910-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "104", "page_fin": "104", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.2.41", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.8", "debut_caractere": 5266, "fin_caractere_exclue": 5527, "texte": "Julius Rosenthal Filiale\nGeschaftsbucher und Kontorbedarf G. m. b. 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MAI 1910/ WIEN\nNUMMER 13\n\nDr. Richard Moses Meyer / Professor für Literatur an der Berliner Universität\nTeilte die Literatur mit grösster Entschiedenheit in Dezennien ein und gelangte zu weiteren Unterschieden\naus der Analyse von Haartracht, Kleidung und Knochenbau der betroffenen Dichter\n\nINHALT:\nKARL KRAUS: Perversität / PAULLEP-\nPIN: Daniel Jesus / Roman /ELSE LASKER-SCHÜLER:\nGedichte / OTTO STOESSL: Die Schwestern Wiesen-\nthal/ALFRED DÖBLIN: Gespräche mit Kalypso über\ndie Musik/RICHARD SCHAUKAL: Geistige Land-\nschaft/TRUST: Kunstreferate/MINIMAX: Haare, aus\ndem Kometenschwanz gezupft/KARIKATUR: Herr Pro-\nfessor Meyer\n\nPerversität\nVon Karl Kraus\nNervenärzte und andere Laien schwätzen jetzt\nüber Homosexualismus. Es hat sich im Lauf der\nBegebenheiten so viel Verständnis für die Sache ent-\nwickelt, daß die Einteilung in solche, die nicht anders\nund in solche die auch anders können, zum Gemein-\nplatz geworden ist, von dem aus die Vertreter von\nGesetz und Sitte, also die, die überhaupt nicht\nkönnen, Mitleid und Verachtung ausgeben. Die\nMenschheit wird sich mit der Zeit — so etwa in 129\nbis 175 Jahren — wahrscheinlich zur schwindelnden\nHöhe jener Erkenntnis emporschwingen, die die\nangeborene Homosexualität für eine Krankheit er-\nklärt, die sie definitiv verzeiht, und die „erworbene\"\nfür ein Laster, das sie nach wie vor der strafrecht-\nlichen Verfolgung, der sozialen Acht und dem Er-\npressertum überantwortet. Sie wird die Unter-\nscheidung den psychiatrischen Schergen überlassen,\ndie durch die bekannte Bordellprobe —- vergleichbar\nder Wasserprobe des Hexenglaubens — untrüglich\nfestzustellen vermögen, ob einer ein Kranker oder\nein sogenannter „Wüstling\" ist. Der Paragraph\nwird den „unwiderstehlichen Zwang\" anerkennen,\nalso wenigstens der Krankheit gegenüber Gnade für\nRecht ergehen lassen, aber die Schmach einer\nMenschheit vermehren, die sich von der Juris-\nprudenz an die Genitalien greifen läßt. Nie wird\nsich das Gesetz dazu entschließen, das Einver-\nständnis zweier mündigen Menschen unbehelligt zu\nlassen, und wenn es schon anerkennen muß, daß\nKrankheit kein Verbrechen ist, so wird es dafür das\n„Laster\" für ein um so größeres halten. Die unbe-\nfleckte Ahnungslosigkeit, die Gesetze macht, wird\nhöchstens jenem Naturdrang ein Opfer bringen, vor\ndem es kein Entrinnen gibt. Aber sie würde sich\ndreimal bekreuzigen vor einer Meinung, die ihr ins\nGesicht zu sagen wagte, daß eher die Krankheit ein\nVerbrechen ist als das Laster. Solche Meinung darf\nman heutzutage nicht einmal bei sich behalten, ge-\nschweige denn aussprechen. Darum tu ich's. Ueber\nden Wert des Mitleids kann man verschiedener\nMeinung sein. Ich sage, daß man die geborenen\nHomosexuellen, nicht weil sie Kranke sind, frei-\nsprechen soll, sondern weil uns ihre Krankhaftigkeit\nkeinen Schaden zufügt. Mag man aber die mil-\ndernden Umstände, auf die sie selbst plädieren, aus\nwelcher Einsicht immer gelten lassen, das Interesse\neiner Kulturfrage kann die Behandlung patho-\nlogischer Formen nicht in Anspruch nehmen. Die\nNatur und Herr Dr. Magnus Hirschfeld mögen was"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.2", "texte": "immer für Pläne mit diesen Geschöpfen vorhaben,\neine tiefere Anteilnahme kann der Einzelfall, nie das\nProblem beanspruchen. Der Mischmasch, den die\nNatur erschaffen und Herr Dr. Hirschfeld kategori-\nsiert hat, kann auch Talente haben: seine kriminelle\nBehandlung, so verabscheuenswert sie ist, berührt\ndie Freiheit nicht in einem tieferen Begriffe. Anders\ndie Verfolgung der „Perversität\" als solcher, anders\nder stupide Haß, der der Persönlichkeit in die Rechte\nihres Nervenlebens folgt. Auf die Gefahr hin, sich\nselbst dem Verdacht der „erworbenen Homo-\nsexualität\" preiszugeben, müßte jeder denkende\nMensch laut aufschreien über die Schändlichkeit, die\neine staatliche Norm für die Betätigung des Ge-\nschlechtstriebs vorschreibt, und laut und ver-\nnehmlich das Recht auf erworbene Homosexualität\nproklamieren. Der fromme Blödsinn hat jede\nNuancierung der Lust, jede Erweiterung der Genuß-\nfähigkeit und die Eroberung neuer erotischer\nSphären, die in allen Kulturen, nicht bloß in der\ngriechischen, das ureigenste Recht des Künstlers\nund den Vorzug jedes höher organisierten Menschen\ngebildet haben, als Wüstlingslaster verfehmt, und\ndie Staatsidioten sind der Ansicht, daß der Mann, der\ndie Homosexualität „erworben\" hat, sich in keinem\nWesenszug von jenem unterscheidet, der nichts\ndafür kann. Die männlichsten, geistig und ethisch\nvollkommensten Männer, die seit Sokrates dem\n„Laster\" gefröhnt haben, sehen demnach zum Ver-\nwechseln den weiblichsten Weiberseelen ähnlich,\ndie ein vertrackter Zufall in einen männlichen Leib\ngesperrt hat. Daß sie dort ihre peinlichsten Exzesse\ntreiben, und daß die Nichtanderskönner eine soziale\nUnbequemlichkeit sind, wer könnte es leugnen?\nDie Einschaltung eines sexuellen Stroms zwischen\nMann und Mann, also eine zweite „Norm\", schafft\nunnötige Komplizierung der Lebensverhältnisse.\nEs ist beschwerlich, mit einem Mann ein männliches\nGespräch zu führen, wenn er nur deshalb an\nunserem Munde hängt, weil ihm unser Mund ge-\nfällt, und statt mit den Ohren, mit den Augen zuhört.\nAber glaubt einer ernstlich, daß in solchem Gespräch\nauch der andere Typus, dessen verfeinerte Gei-\nstigkeit zur homosexuellen Handlung führen kann,\ndie Besinnungsfähigkeit verliert? Man muß der\nMenschheit solange mit „Paradoxen\" auf den\nSchädel hämmern, bis sie merkt, daß es die einzigen\nWahrheiten sind, und daß witzige Antithesen bloß\ndann entstehen, wenn eine frühreife Wahrheit mit\ndem Blödsinn der Zeit zusammenprallt. Man muß\nihr sagen: Perversität kann eine Krankheit, sie\nkann aber auch eine Gesundheit sein. Das Wider-\nspiel der Norm, aber auch die letzte untrügliche\nProbe der Norm. Unappetitlich an der Sache ist\nhöchstens die Terminologie. Wer das Weibliche so-\ngar im Mann sucht, ist nicht „homosexuell\", sondern\nin der homosexuellen Handlung, „heterosexuell\".\nPervers ist vielmehr, wer das Männliche sogar im\nWeib sucht. Der „Wüstling\" kann der ent-\nschiedenste Bejaher einer Norm sein. Der geborene\nHomosexuelle, dem die simple Männlichkeit nicht\nmehr genügt, könnte als letztes Raffinement, wenn\ner eines solchen überhaupt fähig ist, das Mannweib\nin Männerkleidern wählen. Der Normale den\nKnaben im Weiberkleide. Wenn ich die Wahl\nzwischen einem Antinous und einer Frauenrechtlerin\nhabe, — ich bin nicht pervers genug, um zu\nschwanken, und ich bin nicht Heuchler genug, um\nnicht zu bekennen, daß bloß der Gesetzeswahnsinn,\ndem ich die Freiheit außerhalb des Kerkers opfern\nmuß, mir die Praxis meiner Wahl verwehrt Alle\nErotik beruht auf der Ueberwindung von Hem-\nmungen. Eine stärkere Hemmung für den Mann\nals das Merkmal des eigenen Geschlechtes gibt es\nnicht; gelingt es, sie zu überwinden, so ist die Zu-\nneigung zum andern Geschlecht, die erlaubte, offen-\nbart. Der Anormale sucht die Zeichen der Männ-\nlichkeit; der Normale flieht sie oder besiegt sie auf\nder sicheren Spur femininer Anziehung. Der Sieg\nwird erleichtert durch die Hemmung des Verbots,\ndie gleichfalls erogen wirkt. Der Künstler, der das\nGebiet der Weiblichkeit schneller abgehaust hat als\nder Philister, hat vermöge der Gnadengabe einer\nregenerierenden Phantasie die Kraft, seinen Bedarf\nam Weib auch beim Mann zu decken. Der volle\nMann, dem die Möglichkeiten der doppelgeschlecht-\nlichen Naturanlage nie versperrt sind und der die\nLust am Weibe nicht nur beweist, sondern vermehrt,\nwenn er die Lust am Manne versucht, steht dem\npathologischen Homosexuellen ungleich ferner als\ndieser dem Weib. Wie der Magnet die Eisenfeil-\nspäne im Holzstaub, so zieht er das Weibliche im\nMann an sich. Der Magnet ist also pervers, weil er\nsich mit dem Holzstaub einläßt. Die Dummheit\neiner ganzen Welt stellt sich das Geschlechtsleben\nals eine Sache der Einteilung oder als die gerad-\nlinigen Resultate ethischer Entschließungen vor.\nMan weiß wirklich nicht, wovon man fett wird.\nDaß die süße Speise in einem Hexenkessel bereitet\nwird, — wer uns das sagte, verdiente gesteinigt zu\nwerden. Wer einem Dummkopf sagte, daß die\nWürze der Kost jede beliebige Widerwärtigkeit sein\nkann. Daß ihn ein Hindernis zu seiner Geliebten\nführt. Und daß der Geschmack, je kultivierter er\nist, desto mehr Würzen braucht. Der Wissende ver-\nmag alle Hemmungen, die er als solche empfindet,\nals erotische Hilfen zu nützen. Ihm dient die Phan-\ntasie, wie dem echten Weib die Sinnlichkeit dient.\nAlles, was sich neben der Liebe begibt, fließt, ihn zu\nverstärken, in den Hauptstrom der Sexualität. Von\nallen Höhen und aus allen Rinnsalen des Geistes\nkommt Sukkurs; aber der Strom weiblichen Ge-\nnießens hat vom Ursprung bis zur Mündung keine\nNebenflüsse. Der Ueberschuß an Sexualität beim\nManne kann sich in einheitlichem Lauf und er kann\nsich in geistiger Differenziertheit ausleben.\nZwischen einem Holzknecht und einem Denker be-\nsteht immerhin dieser Unterschied. Dem Weib gibt\ndie gerade Linie die Bedeutung, gibt ihm die einzige\nPersönlichkeit, deren das Weib teilhaftig werden\nkann, und Differenzierung schafft die pathologischen\nFormen der Hysterie. „Perversität\" gibts nicht.\nKonversionsfähigkeit ist ein Vorzug des Mannes, ein\ninteressanter Mangel der Frau, deren Unvoll-\nkommenheit der Mann wieder zu konvertieren ver-\nmag. Das Weib braucht die Persönlichkeit des\nMannes, aber der Mann kann die Persönlichkeit des\nWeibes eher anbeten als brauchen, nur von ihr ge-\nbraucht werden. Er kann ein Weib verschmähen,\nohne daß sie es ahnt. Sie glaubt, daß er bei ihr ist,\nund er betrügt sie mit einer Situation, mit einem\nHindernis, mit einer Erinnerung. Beginnt aber sie\naus Begleitumständen erotischen Genuß zu ziehen,\nso wird sie bedenklich. Die ewig wachen Sinne des\nMannes vermag seine Sinnlichkeit nicht zu be-\ntäuben. Phantasie eilt ihr zur Hilfe und wird mit\nden Sinnen fertig. Sie verarbeitet den Rest, der zu-\nrückblieb, und läßt den Mann aus der vertracktesten\nWiderwärtigkeit, die er einmal bei der Liebe ge-\nfunden hat, erotischen Genuß ziehen. Die Erinnerung\nan ein Klaviergeklimper, das er nicht ausstehen\nkonnte, treibt ihn zurück, er sehnt sich nach dem\nungelüfteten Schlafzimmer, aus dem er geflohen ist,\nund alles, was ihn abstößt, zieht ihn an. Der Frauen-\nleib ist ein Imaginiertes, real und enttäuschungslos\nsind nur die Vorstellungen. Phantasie anästhesiert,\nmacht häßliche Hände schön und ein Weib be-\ngehrenswert, das mit der Andern nichts als eine\nhäßliche Hand gemein hat. Aesthetisch wertet nur\nder Mann ohne Einbildungskraft oder die Frau ohne\nSinnlichkeit. Sie ist noch immer objektiver, wenn\nsie an dem Busen einer Rivalin etwas auszusetzen\nhat, als er, wenn er ihn preist. Er führt meisterlich\nRegie über ein Ensemble der Defekte und kom-\nmandiert allen Hindernissen, daß es ein Vergnügen\nist. Beliebte Hemmungen sind, — o Romantik! —\ndas Nichtzuhausesein einer Frau, das Verreistsein,\ndas Verheiratetsein, die christliche Sündenlehre und\ndas Strafgesetz. Wer ohne Hemmungen lebt, ist ein\nSchwein. Wer sie im Kampf überwindet, ist ein\nKünstler. Das Weib trägt aus solchem Kampf die\nTrophäen der Hysterie davon und bleibt die Ge-\nfangene ihres Sieges. Sie ist in ihrer Gebundenheit\nso normwidrig wie der Mann als Sexualtier. Aber\ndie freie Sinnlichkeit des Weibes ist der volle Wert,\ndurch den es die Natur entschädigt hat, als sie dem\nMann die Phantasie gab.\n\nDaniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nDer Schuster Anton hatte einen Sohn. Als der\nnoch ein Kind war, nannte er ihn Josef, aber\ner hatte nun schon seit sieben Jahren kein Wort\nmehr zu ihm gesagt.\nEr ließ den Knaben studieren und wollte\neinen tüchtigen und gescheiten Menschen aus ihm\nmachen. Er wurde ein Strolch. Vor einigen\nWochen erst war er wieder aus dem Zuchthause\ngekommen. Er schlich sich leise und unhörbar in\nsein Zimmer und zeigte sich niemandem. Sein\nVater und seine Mutter Margarete duldeten ihn in\nihrem Hause, weil er ihr Sohn war, und sie beteten\nin den Nächten für seine Seele, während er in\nwüsten Lokalen sein Geld vertrank.\nJosef war den Tag über Schreiber bei einem\nkleinen Advokaten. Bleich und wortkarg tat ei-\nserne Pflicht und steckte finster den kargen Lohn\nein, den ihm der Monat brachte. Daniel Jesus hatte\nihm diese Stelle verschafft, weil ihn dieser junge\nMensch mit dem schmutzigen Schlapphut, dem\ngrünen Stein in der grellen Kravatte und dem\nDiebsgesicht interessierte. Daniel Jesus hatte einen\nweiten und einen stahlharten Blick für die Seele.\nEr nahm die Leute nicht nach ihrem Nutzen und\nihrem Wert fürs Leben, er sah und scheute in ihnen\nzumeist die latenten Kräfte des Geschicks, das sie\nerfüllten. In Josef hatte er gleich beim ersten Male\njene blindwütige und grandiose, stumpfe Energie\nerkannt, die seine Jugend in Dunkelheit und Kot\nhinunterführen mußte. Er wußte, daß Josef einer\nder seltnen Menschen sei, die man dazu gebrauchen\nkönne, Schicksale zu beschleunigen und bange Ent-\nwicklungen gewaltsam zu schmerzlicher Blüte\naufzureißen. Josef hätte eine Stadt angezündet\nund tausend Leute verbrennen lassen, wenn er be-\ntrunken war und ihm jemand diesen Gedanken ein-\nblies. Ein schwacher, aber gewalttätiger Mensch,\nunsicher und unselbständig, aber eigensinnig und\ngrausam in seinem Herzen.\nDiesen Menschen entdeckte Daniel Jesus mit\nFreude und Graun. Er unterstützte ihn mit seinem\nGeld und seinem Einfluß und hielt die Polizei von\nihm fern, so lang es ging. Er bewahrte ihn, wie er\nzuweilen leise schauernd dachte, für einen großen,\nroten Augenblick seines Lebens, wo zwischen Glut\nund Staub und Asche die trunkne Hand des Diebes\neine Stunde oder ein Wort zu ihm brächte, das viel-\nleicht ohne ihn niemals oder sehr lange nicht ge-\nkommen wäre. Allmählich fühlte er, daß diese\nStunde nahe war zum Greifen. Er sah die blasse,\nzerrissne Stirn des Schustersohnes, auf der die\nruchlosen Gedanken eines feigen und unbesonnenen\nHerzens krochen, und sah die Schatten und Flecke\nin seinem Gesichte, die von den wilden Flüchen\nseiner betäubten Seele sprachen. Und er wußte\nnun, daß dieser Mensch reif für ihn war. Fast kams\nwie eine Angst zu ihm bei dieser Erkenntnis.\nDaniel Jesus war reich. Er streute das Geld\nmit fiebernden Händen aus wie einer, der nur für\neinige Minuten Kaiser ist. Darum ging es wie ein\nZauber und wie ein Bann von ihm aus. Oft mußte\ner an den Rattenfänger von Hameln denken. Sein\nGeld zog um ihn einen gespensterhaften unsicht-\nbaren Kreis, dem jeder erliegen mußte. Viele\nMenschen waren seinetwegen schon verraten\nworden und manches Glück verkauft. Aber es war\ntrotzdem immer wie ein Rausch und eine willenlose\nHingabe um ihn her. Wenn die Musikanten für ihn\nspielten, dann schien es, als ob die Instrumente\nlebendig würden und Hände bekämen. In tausend\nFiguren sprachen und schrieen sie zu ihm hin und\nfolgten ihm nach und haschten ihn mit den Fingern\nund baten und lachten und kicherten immer um ihn\nherum, wenn sie rückwärts an seinem Buckel vor-\nüberkamen, hell und impertinent wie die Buben,\ndie über ihn auf der Straße lachten.\nDaniel Jesus saß auf den schmutzigen Dielen\nund schrie. Er wollte ein andres Lied haben, ein\nehrliches oder ein schuftiges, aber keins das mit Gri-\nmassen hinter ihm herschlich und mit seinem eignen\nGelde so höllisch gell klimperte. Die schwarze\nCarmen saß vor ihm auf einem leeren Fasse und\nhatte fingerdicke Goldringe in den Ohren und darin\nlinks und rechts je einen echten Diamanten. Die\nSteine schenkte ihr Daniel Jesus im letzten\nSommer, weil sie ihn eine Viertelstunde lang\namüsiert hatte. Sie war in seiner Equipage eines\nMittags splitternackt hoch aufgerichtet im Kutsch-\nbock mit seinen zwei tollsten Pferden wie eine\nRasende durch die Stadt gefahren, und niemand\nhatte gewagt, die wahnsinnige Fahrt aufzu-\nhalten. Wie durch einen Zufall geschah kein\nUnglück, und die Polizei hatte das Nachsehn. Zwar\nhatte man den Wagen Daniels erkannt, aber nie-\nmand vermochte mit Bestimmtheit etwas auszu-\nsagen. So fuhr die schwarze Carmen, die nackte\nHure, jauchzend und wild im geöffneten Tore der\nVilla „Jesus\" ein, wo weit draußen vor der Stadt\ndie alte Bettlerin auf der Straße und der Leiermann\nmit seinem Holzbein dem seltsamen Wagen und\nseinem seltenen Führer wie einem Spuk nach-\nstarrten.\nHeute dachte Daniel Jesus gar nicht mehr an\ndieses Abenteuer. Er sah in das rote, verzerrte Ge-\n\nDri„« Forts«tzunt"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.3", "texte": "sieht des Schreibers Josef hinein, der zwischen\nDirnen und Kupplern mit der seidnen Rosa tanzte.\nSie befanden sich tief unter der Erde in einem ver-\nrufenen Wein- und Schnapskeller, gerade in dem-\nselben Hause, wo Schuster Anton wohnte. Wenn\nman ein wenig hinaustrat aus dem niedrigen Raum,\nin dem der Petroleumdampf zwischen den\nschreienden Menschen wie eine gelbe Mauer stand,\nkonnte man im Finstern die feuchte Treppe sehn,\ndie hoch hinauf bis zu Schuster Antons Türe führte.\nAnton war nicht zu Hause. Er war mit einer Schar\nvon Betern in ein Dorf gegangen, wo ein Mädchen\njeden Tag die Mutter Gottes sah. Das Mädchen\nmußte er sprechen, und noch in der Nacht waren\ndie Männer aufgebrochen, es zu suchen.\nFrau Margarete lag allein zu Bett im Dunkeln\nund rang mit ihrem Leib. Ihre Hände hatten\ndas eiserne Kruzifix, das sie umklammerten,\nbeinahe glühend gemacht, und wie damals, als sie\nneben ihrem Mann in der Stube das Marienlied\nsang, rief sie in der Marter des Streites nach Gott.\nUnd ihre Brust war heiß und naß vom Schweiße der\nAngst. Sie fürchtete sich vor der Sünde, die alle\ndie Jahre neben ihr gestanden hatte und in ihre\nGebete und in ihr Tun die glühende Asche des Un-\nfriedens blies. Immer hatte sie gesiegt, und Anton,\nihr Mann, stützte ihren Arm, wenn sie schwankte\nund den Weg nicht mehr vor Augen sah. Und nun\nsollte sie erliegen? Wo sie alt geworden war und\nihr Sohn schon fast vierundzwanzig Jahre zählte!\nIhr Sohn! — Sie schauderte. — O Gott, warum\nhatte er sie so gestraft! Das war die Sünde, die in\nihr fraß und ihren mächtigen Leib wie im Krämpfe\nin die Höhe warf.\nFrau Margarete horchte nach unten. Tief, tief\naus dem Keller kam es manchmal herauf wie der\nmurrende Atem eines Tieres. Oder der Ruf einer\nVioline, der keinen Ausweg fand aus den Mauern\ndes Hauses, floh schreckhaft und gehetzt die\ndunkeln Treppen hinauf und fiel vor Frau Mar-\ngaretens Bett wie ein müder Mensch zu Boden.\nDort also hielt er sich jeden Abend auf. Er fand es\nnicht der Mühe wert, seine Schande aus dem Hause\nseiner Mutter zu tragen, und sie konnte das Keuchen\nseiner Seele, für die sie in Qualen betete, aus Dunst\nund Qualm bis in ihre Stube hören.\nUnd plötzlich schloß sie die Augen, und in der\nschwarzen Finsternis des Abends wurde ihr Gesicht\nweiß wie ein Traum. Er, er war auch unten! Sie\nhatte seinen Wagen vor dem Hause stehn sehn,\nund das Scharren der Hufe klang zu ihr. Daniel\nJesus! Mutter Maria! schrie es in ihr — hilf, hilf\nmir vor der Sünde. Er ist ja ein Krüppel und\nhäßlich wie sie, aber ich habe Furcht vor der Liebe\nzu ihm, und niemand ist bei mir, der mir die Hand\ngibt in meiner Not.\n❖\nIm Keller unten war die Trunkenheit über die\nMenschen gekommen. Sie lachte und stürzte über\ndie eignen Knie und blickte in die Fensterscheiben\nmit blöden, bunten und verglasten Augen, als suche\nsie etwas für ihre heimliche und verhaltne Wut.\nDaniel Jesus sah dem berauschten Josef ins\nGesicht. Er hatte der seidnen Rosa das Mieder\naufgenestelt und biß in ihre roten, verschwitzten\nBrüste, während sie ihn kreischend von sich stieß.\nEr sah den giftgrünen Stein an seinem Halse blinken\nund sah die versteckte, willenlose Gebärde seiner\nAugenlider und seinen ungebändigten, sinnlichen\nMund.\nDas ist die letzte Stunde — dachte er und rief\nden Schreiber.\nDu hast eine schöne Mutter, Josef, sagte er.\nJa, Herr, willst du sie haben, ich hole sie dir\nlallte der Trunkne.\nDa ging es wie ein großes, zwingendes Erleben\nüber die Züge Daniels. Ein Aufatmen und ein Zu-\nsammenfallen von hundert alten und bleichen Ge-\ndanken. Im letzten Winkel seiner Seele hatte er\nsich doch stets vor dem Schreiber geängstigt, den\ner sich vielleicht für sein eignes Verhängnis be-\nreitete, wie man sich einen tückischen Trank\nfür den eignen Tod mischt. Aber nun war alles frei\ngeworden in ihm. Jetzt wußte er, daß nichts mehr\ndie Erfüllung aufhalten konnte. Ein stolzes Lächeln\nverzog seinen Mund.\nGeh, hole sie! sagte er. Sie schläft allein in\nihrem Bett. Ich will ihren Leib ohne Kleider sehn.\nSag ihr das. Und wenn sie nicht gehorcht, so bring\nsie mit Gewalt. Ich will Dir ein Vermögen\nschenken. Aber sieh Dich vor: sie ist eine starke\nFrau.\nDie Augen des Trunkenen wurden groß und\ntief und ziellos wie die eines Blinden. Ein Zucken\nging durch seinen Körper und ein Schrei. Dann\nflog er die Treppe hinauf.\nUnd auf einmal, wie auf eine Gebärde, schwieg\ndie Musik. Die Instrumente krochen zusammen\nund duckten sich. Die schwarze Carmen riß noch\neinmal den Mund auf und fiel mit gespreizten Beinen\nbewußtlos zur Erde.\nUnd mitten unter ihnen, fest und sicher wie ein\nKönig, trotz seines Buckels, stand Daniel Jesus.\nEine Viertelstunde und noch mehr stand er\nund schaute zur Tür: ein Kampf — dachte er.\nDann plötzlich, mitten in der Stille, in der selbst\ndie Petroleumlampen scheu erblaßten und lauschten,\nkam es die Treppe herunter. Langsam und schwer\nund hartnäckig und sinnlos. Wie eine plumpe,\nklebrige Masse, die nicht von der Stelle will.\nDie Tür sprang auf, weit und kreischend,\nwie im Schreck, und herein kam Josef, die Haare\nvon Blut und Schweiß verklebt, eine zackige Wunde\nüber der ganzen Wange, aus der das Blut wie aus\neinem zerbrochnen Gefäße floß.\nAn den Haaren hatte er seine nackte Mutter\ngefaßt und warf sie Daniel Jesus zu Füßen.\nDa sprang sie auf. Mit schönem flammenden\nGesicht stand sie und das Haar umflocht ihren\nKopf wie eine rote Krone. Den mächtigen, nackten\nKörper reckte sie und zeigte den Trunknen rings-\numher ihre herrliche, leuchtende Haut und die\nNarben der Geburt, die ihren Leib zerrissen hatten.\nIhre Augen erstarben fast in ihrem großen Glänze,\nals sie fragte: Wer hat das getan?\nEine weite, flüsternde Pause entstand, in der\ndie schwarze Carmen aufstöhnte und ihre rechte\nHand erhob.\nIch — sagte Daniel Jesus.\nDa ging ein Schauer durch Frau Margaretens\nLeib und ein unbarmherziger, schüttelnder Frost.\nUnd Daniel Jesus kniete nieder und küßte ihre\nFüße und sagte dann:\nIch liebe Dich. Ich bin der Herr über Dein\nLeben, denn ich weiß, daß auch Du mich liebst. Du\nkannst nicht gegen mich streiten, ich bin stärker\nals Du.\nSieben Tage will ich warten. Dann komm in\ndie Villa Jesus vor der Stadt, wenn es Abend ge-\nworden ist. Komm, denn ich will es.\n\nGedichte\nVon Else Lasker-Schüler\n\nNun schlummert meine Seele —\nDer Sturm hat ihre Stämme gefällt\nO, meine Seele war ein Wald.\nHast du mich weinen gehört?\nWeil deine Augen bang geöffnet stehn.\nSterne streuen Nacht\nIn mein vergossenes Blut.\nNun schlummert meine Seele\nZagend auf Zehen.\nO, meine Seele war ein Wald;\nPalmen schatteten,\nAn den Aesten hing die Liebe.\nTröste meine Seele im Schlummer.\n\nAnkunft\nIch bin am Ziel meines Herzens angelangt\nWeiter führt kein Strahl.\nHinter mir laß ich die Welt\nFliegen die Sterne auf: Qoldene Vögel.\nHißt der Mondturm die Dunkelheit —\n. . . . O, wie mich leise eine süße Weise betönt...\nAber meine Schultern heben sich, hochmütige\nKuppeln.\n\nDie Schwestern\nWiesenthal\nVon Otto Stoessl\nDrei Schwestern tanzen. Zwei blütenjunge\nMädchen und ein Kind, dessen verträumtes Ge-\nsicht noch vom Schlummer der ungeweckten Jahre\numfangen ist, indes die feinen Glieder in allen Ge-\nlenken schon erwacht, sich unter dem Ruf der Mu-\nsik auf das anmutigste lösen und regen, noch nicht\nbewußt, sondern gleichsam dem Beispiele der älte-\nren Schwestern gehorsam. Diese dritte tanzt noch\nden bloßen Reigen, wie sich eben ein Kind in dem\nMärchen seiner Existenz, wie in einem beginnen-\nden Traume bewegt. Die zwei anderen aber tan-\nzen eigenes Leben, Schicksal, Gestalten und ver-\nkörpern sinnvolle Kunst des Leibes, beherrscht von\ninneren Impulsen, die nach dieser Darstellung ver-\nlangen als nach der Erlösung durch die Form.\nGrete Wiesenthal tanzt wie der Genius der\nLeidenschaft selbst, als schlügen aus ihrer Seele,\naus ihrem schmächtigen, schlanken und durch den\nRhythmus und Klang der Musik zugleich entfach-\nten und gebundenen Körper Flammen, deren Pracht\nsie ausströmt, in deren Glut sie lebt, wie der Urgeist\ndes Elements.\nDer Ruf der Musik entzündet den Glanz die-\nses Willens, der seinen starken, künstlerisch stren-\ngen Instinkt wahrt und nicht wahllos sich dem Ge-\nbot der Bewegung unterwirft. Sie gestaltet im\nTanz sich selbst, er ist der einzige Ausdruck einer\nbesonderen, dem eigenen Wesen mit tragischer\nGröße und Qual hingegebenen Natur, von der Mu-\nsik empfängt sie die ersehnte Stimme und Deu-\ntung ihrer eigenen Seele und strahlt diese\nwieder in den kühnen, einfachen, zuweilen\ngroßartigen, beschwingten und geflügelten Schrit-\nten, in den sehnsüchtigen Bewegungen des zar-\ntesten Körpers, in den Armen, die wie Fittige sie\nzu tragen scheinen und wie wortlose Rufe nach\ndem Unfaßbaren jauchzen. Sie tanzt, sie erlebt\nBeethovensche Allegretti. Es ist nicht zu fragen:\nwas meint sie, was sieht sie, was will sie bei die-\nser Musik? Auch der Tanz ist, wie die Musik,\nsein Zwillingsgeschwister, kein begriffliches Werk,\ner arbeitet nicht mit Gedanken, wenn er gleich eine\nWelt von Gedanken erlöst und erweckt, er entbin-\ndet Vorstellungen nicht von begrenzter Deutlich-\nkeit, sondern von ahnender Fülle und schweben-\nder Unsagbarkeit. Ebenso wird der Tanz auch\nnicht von klaren Vorstellungen eingegeben, son-\ndern von dunklen Trieben und vorschwebenden\nBildern, von der geheimnisvollen Rhythmik, des\nBlutes, von dem Willen des ganzen flugbereiten\nund fähigen Körpers, der eine unendlich vielstim-\nmige Musik in seinem Schweigen umfaßt, die durch\ndas Aufschimmern des Klanges von außen mit\neinem Male mitzuschwingen, zu fragen, zu ant-\nworten und zu wachsen beginnt wie eine Flamme.\nBeethovens Allegretto: Musik, was sagst du, was\nwillst du, was weckst du und rufst du? Da ist\nSehnsucht über alle Worte, eine ungeheure Last\ndes Schicksals, die sich in Tönen entladet, wel-\nche alle Tat und Untat des Menschenlebens zu\nbergen und zu entsühnen scheinen, ohne die irdi-\nsche Schwere der begrenzten Gedanken, der un-\ndurchdringlichen Tatsachen doch alles, was ge-\ndacht werden kann und was geschehen mag, in\nunsagbarer Fülle vervielfachen, in tiefster Einfalt\nauf eine große, strahlende Einheit rückführen und\nabklären, so daß eine Welt wie in das Kristall\neines erklingenden, umkreisenden, in sich zurück-\nströmenden und beschlossenen Motivs gefaßt ist.\nDiese Musik tanzt sie: sich selbst, Beethovens\nAllegretto, eine Welt, eingeschlossen und ausge-\ndrückt in dem Kristall einer entfachten, ernst aus-\nschreitenden, leidenschaftlich aufstürmenden, in\nsich selbst und in den schließenden Rhythmus groß-\nartig rückkehrenden Bewegung eines Körpers, der\nZiel und Mittel, Wille und Werkzeug, Seele und\nForm dieses Kunstwerkes ist. Der Tanz ent-\nflammt sich an dem großen reinen Feuer der Musik\nund nimmt sie so auf, löst sie so völlig in seine\nKraft, daß sie in ihm vergeht, er ist selbst Musik\ngeworden. In gleicher Weise aber zieht die Glut\ndieses Impulses auch alle Schönheit des Sichtbaren\nin sich ein: die Farbe des Gewandes in seiner\nlaunischen, dem Körper folgenden Bewegung, die\nLinien des ruhenden, gemessen gehenden, verzückt\ntaumelnden, eilenden, fliehenden, sehnsüchtig schlei-\nfenden, befreit sich schwingenden Leibes, der seh-\nnigen, muskulösen, mageren, zugleich nach ge-\nwissen Begriffen unschönen, nach denen künstle-\nrischer Charakteristik jedoch wunderbar aus-\ndrucksvollen Beine, der zarten Arme, des Ge-\nsichtes, der Haare. Und ein Spiel dreier Mächte\nhebt an, welche in diesem tanzenden Leibe als in\neinem triumphierenden Reigen vereint sind: Far-\nbige Erscheinung, tönende Musik, seelische Bewe-\ngung. Das ist das Geheimnis des Tanzes, dieser"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.4", "texte": "langvergessenen und verhaltenen Kunst, die einem\nUrinstinkt der Menschheit entsprungen, vielleicht\ndie erste Aeußerung des gestaltenden schöpferi-\nschen Willens war und wie alle treibenden Ur-\ninstinkte in den gesellschaftlichen Mißformen ent-\nstellt, ja verschüttet blieb, um zu Zeiten allmäh-\nlich, unversehens und unbesiegbar aufzuwachen.\nZuweilen schlagen aus dem geordneten, langweili-\ngen Treiben unserer Tage die alten, großen Flam-\nmen des Urmenschlichen auf, welches immer auch\ndas wahrhafte Urwunder bleibt, denn was wir Ge-\nsellschaft nennen, ist doch bloß ein wunderliches\nuntermenschliches Gemenge beherrschter Tierheit.\nDie Flammen brechen zuweilen auf: ein Bild, eine\nMusik, ein Gedicht und der Flammen brennend-\nste: ein Tanz.\nSo empfängt Grete Wiesenthal ihren Impuls,\nso entatmet sie ihn, vom Klang erfaßt, in seinem\nRhythmus bewegt, von seinem Takt und Gang ge-\nbunden und befreit: innerliches wie die Seele eines\nTonstückes erscheint gleichnishaft verkörpert im\nsinnvollen Spiel ihrer Glieder und dieses erweckt\nwieder die Unzahl der Visionen bei der Einheit der\nschönsten Erscheinung.\nAm deutlichsten wird dieses Ineinandertauchen\nder empfangenden und weiterreichenden Kräfte\nan dem „Donauwalzer\". Langsam, fragend be-\nginnen die ersten Takte, da kniet sie in sich zu-\nsammengekauert, das blonde, dunkelkupfrig auf-\nleuchtende Haar verhüllt ihr Gesicht und strömt\nüber die Schultern. Mit dem bewegteren Fort-\ngang des Motivs erhebt sie sich langsam, scheint\nlauschend erst ihrer inne zu werden, bis die ganze,\nvon einem anschließenden, stumpf grünen Gewände\nverratene zarte Gestalt aufgerichtet, wie von der\nMusik erst gezeugt, dasteht, schon aber auch zu\nbeben, zu atmen, zu schwingen beginnt; die Miene,\nein schmales, mageres, starres Kindergesicht, fängt\nleise zu leuchten an, die goldbraunen Augen schim-\nmern und lächeln, lachen und strahlen endlich, der\nscharfgezeichnete Mund über dem langen Kinn\nöffnet sich mit der schimmernden Reihe der Zähne,\neine siegreiche Heiterkeit leuchtet über dem Fluß\nder fortziehenden Musik, allmählich hebt der Kör-\nper sich empor und er hat fast mehr noch zu sagen,\nals das Gesicht allein, er erlebt das Spiel der\nWellen und zeigt es, immer im Dreitakt des Wal-\nzers: die naive Geberde des Schwimmens, des\nTrinkens, des Badens, alles Treibens eines beselig-\nten Geschöpfes, einer Nixe im wallenden Element,\naber jede Geste nur eine von untrüglichem Stilge-\nfühl gleichsam vergeistigte und verklärte Andeu-\ntung des Realen; in der wachsenden Bewegung\nsteigert sich der jubelnde Taumel zu einer über-\nströmenden Lust, zu einem Triumph körperlicher\nMelodik und eines herrlichen Augenwohlklanges in\nund über dem der Töne.\nElse Wiesenthal, die stillere, sanftere lebt in\neiner zärtlichen träumerischen Romantik; das\nBacchantische, völlig aufgelöste und brennend Ver-\nzehrende, das der Leidenschaft der Schwester ge-\nmäß ist, liegt ihr ferne, die weniger den tragischen\nGenius, als die selige Harmonie und Verklärung\nder Musik verkörpert, schon durch ihre Erschei-\nnung allein, von ebenmäßiger Schlankheit, von\neiner knospenden Anmut; ihr Gesicht zeigt die\nreinsten Linien, den sanftesten Umriß, der Mund\nmit einem unvergleichlichen Sinnen und Lächeln\ndrückt den ganzen Zauber ihres Geschlechtes aus;\nin dem Schwung dieser Lippen, der schweigenden,\nder fragend halb geöffneten, der lachend erschlos-\nsenen, scheint alles weibliche Schicksal vorge-\ndeutet, Lust und Leid. Sehnsucht, Liebe, Güte, alle\nreinen, den wahren Wohlklang, die sittliche und\nsinnliche Harmonie des Frauenwesens bezeichnen-\nden Züge spricht dieser stumme Mund wie eine\nVerheißung und Erfüllung aus. Und unter einer\nschwarzen, schimmernden Haarflut leuchtet die\nweiße Stirne, strahlen zwei ernste, feierliche,\nmilde Augen eine klare Tiefe aus. Auch sie tanzt,\nwas ihr gemäß ist, Musik, die von verwandtem\nWesen eingegeben, die zärtliche, innig träume-\nrische Romantik vergegenwärtigt: Mondlicht über\nWiesen wallend, den schönen Harm der sehnen-\nden, die Schwermut der verlorenen, die keusche\nFreude der gewonnenen Liebe. Schumanns Karne-\nval. Eben wegfen der harmonischen Gefaßtheit\nihres rnhig geschlossenen Wesens, ihrer seelen-\nvollen Einfalt und Sicherheit vermag sie im Tanze,\nwas der flammenden Persönlichkeit der Schwester\nversagt ist: deutliche, obiektive Gestaltung und\nCharakterisierung, sie hebt typische Figuren her-\naus, den stürmischen Florestan, den unglücklichen\nPierrot. Wie entzückend ist die Grazie, die den\nungelenken, schwerfälligen, mondsüchtigen, un-\nseligen Hanswurst aufs anmutigste ungraziös er-\nscheinen läßt, die mit der charakteristischen Musik\ntaumelt, hinkt, nach Halt sucht, indessen, wie in\nden Tönen der leise Spott des beherrschten harmo-\nnischen Gleichgewichts in ihren Gliedern lächelt,\nwährend darauf der triumphierende Harlekin in\nseiner Freude die kindlichsten Sprünge, ein Lachen\nam ganzen Leibe offenbart. „Valse noble\": in\neinem schimmernden Seidenkleide mit bloßen\nSchultern die schöne Frau, die sich im eigenen Zau-\nber, halb schamvoll, halb bewußt neigt und beugt\nund badet, den Reiz ihrer verhaltenen, schweben-\nden Bewegung genießt und sich im Wohllaut ihres\nLeibes gleichsam bespiegelt.\nAuch Else Wiesenthal tanzt einen Walzer:\n„Rosen aus* dem Süden\", in einem feuerfarbenen\nGewände, das wie ein üppiger Blütenkelch die\nschlanke Gestalt umgibt, die daraus hervorleuchtet\nund wieder sich darein hüllt, einen Kranz von\nRosen um das Haupt, die Lippen verheißend wie\nRosen selbst und die rings um sie blühende Musik\nvom sanften Schwung des Beginnes bis zur höch-\nsten Lust des Schlusses in das volle Glück der Er-\nscheinung wandelnd: ein Bild, das sich selber ge-\nstaltet, ein Geschöpf, das all seinen und unseren\nTraum erfüllt.\nNicht ohne ein zwingendes Gebot ihrer Natur\nantworten diese Tänzerinnen am innigsten dem\nRufe der Wienerischen Musik, drücken sie selbst\ndoch den Reiz ihrer Heimat mit unwillkürlicher\nKraft aus, als hätte diese Natur, der Wienerwald,\nwelcher die allerschönste Stadt bekränzt, dieses\nLand, das in unversieglichem Reichtum Wunder\nder Erscheinungen hervorbringt, auch diese Mäd-\nchen erschaffen, so recht um die innewohnende\nMusik, den ganzen, steten Wohlklang seiner Schön-\nheit im Tanze zu versinnlichen und zu verklären.\n\nGespräche mit Kalypso\nSiebentes Gespräch: Giesst Wein in meinen\nBecher / Von den unteren Tonordnungen\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nAbend. Violette und gelbe Wolkenzüge am Himmel.\nDas Meer liegt ganz glatt da.\nMusiker:\nUnser Nachmittag war so still. Magst Du nun\nwieder plaudern?\nKalyp s o : *\nIch hab Dich zwar einmal gebeten, mir, wenn ich\nstill bin, von ihr zu plaudern, von der Musik.\nGesteh', auch Dich ekelt's jetzt vor ihr. Es ist ein\nlangweiliges Ding um die Musik.\nMusiker:\nWenn Du mir erlaubst, Kalypso, so schau ich\nheute den Möven dort zu. Ich denke mir eine zu\nholen.\nKalypso :\nSie ist langweilig. Käme jetzt einer, womit er\nwollte, mit dem schönsten Liede Apollos, ich —\nwürfe ihn nieder.\nMusiker:\n(Lachend.) So kriegerisch ketzerisch flucht meine\nhohe Gönnerin, die Schutzgöttin meiner armen\nSeele, die Vorgängerin der heiligen Cäcilie. Doch\nist es nicht lange her, da kanntest Du Dir und mir\nkeinen Trost als die Musik.\nKalypso :\nEin leeres Gestammel ist sie. Ich rede nicht ohne\nNot von ihr. Aber eine Bettlerkunst ist sie. — Sieh,\nhier lieg ich, nicht müde, aber ohne Glut und Lust,\nstumpf, völlig ausgeleert, blöden Herzens. Haucht\nsie in meine Not, so häuft sie Elend klafterhoch über\nmich, denn ich sehe sie, die ungeschickte Aerztin,\ndie die Leiden mehrt, wo sie lindern will und gleich\neiner Qualle ist, schleimig und ohne Hände.\nMusiker:\nUnd, nicht wahr, Hände, Hände! — Reißt mich auf,\ngebt mir etwas, ein Anderes, ein Schäumendes,\ngießt meine Schale voll.\nKalypso:\nUnd darum, trotz Deines Spottes, veracht ich sie\nals eine Bettelkunst. Stell mir einen blinden\nMärchenerzähler her und flöte Du, ich will Dir\nsagen, was Du flöten magst: ich lache Dir in's Ge-\nsicht und frage kalt: was schafft der Narr?\nMusiker:\nMir ginge das zu Herzen.\nKalypso :\n(Aufbrausend.) Laß das Höhnen! Ich werf' Dich\nin's Meer vor die Fische. — Was nützt Du mir,\nwas nützen mir alle Prächte und Wunder, wenn\nsie versagen, wo ich sie brauch'. Ich sitze hier,\nwie nie eine Göttliche, gefesselt; ja, sieh' mich nur\nan. Die schlechteste, ärmste, schwächste der\nHimmlischen blieb an der Sonne und muß die Bar-\nbarei des Gottes der Neuen anschauen. Wir hatten\nden Krieg und die Frömmigkeit und jedes Glück,\ner hat die Gewalt und die Heuchelei, und unten\nlodern die Flammen um den Olympier. Ich quäle\nMenschen; ich will sie nicht sehen, die betrogenen,\nseellosen von heute. — Ich bin unsterblich. Ich\nhatte verstanden, was die Künste gaben;\nknirschend mußte ich es jetzt ganz lernen; mir\nmußten sie mehr werden, als sie einem sind. Und\nmir haben — sie ihre Armut gezeigt.\nMusiker:\nIch schweige vor dem, was Du fühlst, Kalypso;\nkaum sollte ich es wagen, Dich zu belehren. — Darf\nich sprechen? (Kalypso bleibt stumm.) Ich will\nDich erinnern an Deine eigenen Worte. Ich will\nDein Liebstes verteidigen. Daß unsere Kunst der\nDuft einer Blüte sei, — nichts als das, — daß sie der\nAtem des Lebens sei, — nichts als das. Eine ge-\nhobene, fürstliche Kunst, die Tonkunst, deren\nEigenstes mit ist, daß sie schweigen kann über\nvieles, die sich des Kleinlichen, Peinlichen entheben\ndarf. — Nun willst Du sie anders sehen; jetzt ent-\nbehrst Du des Kleinlichen, nicht mehr Peinlichen,\njetzt willst Du die Blüte und bläst den Duft fort und\nmühst Dich um die toten, harten Dinge der Welt.\nKalypso, der Uebel größtes ist die Langeweile.\n(Kalypso liegt im Sande ausgestreckt mit ge-\nschlossenen Augen.) Wer schöpfte wie im zittern-\nden Rausch atemlos den Rahm von der Welt ab?\nWer raffte ungeduldig alles Glück, Stolz, Leid,\nAngst, Qual zusammen und genoß es in einem\nHeben der Lider, ein achter Tag?\nKalypso :\nEs schleicht um mich herum, das Gespenst.\nEs murmelt Totengebete, für mich, für mich. Die\nglasigen Augen, der verzerrte Mund. Es lupft den\nFuß, es zuckt, es schreitet an; wirres Geschrei.\nBringt Totenopfer. Gegen meine Brust drängt die\nSchlange, entschlüpft mir, wo ich sie fassen möchte,\nwindet sich um mich herum, legt sich voll und ekel\nüber meinen Mund. Laß mich los; ab. Laufen,\nkeuchen, ans Meer, daß mein blauer Mantel sich\nbäumt. Fischlein, ich hab' zwei kalte Lippen, ich\nmuß Deine Kiemen küssen.\nMusiker:\n(Schüttelt an ihren Händen, schlingt die Arme um\nihren Hals.) Kalypso! Soll ich Wasser\nbringen? Was quält Dich? Du! (Kalypso richtet\nsich murmelnd auf). Wir fahren heim.\nKalypso:\n(Wieder erwachend.) Hier ist's gut. Heut wird\nein schöner Abend. — Was sprachen wir? — Ach,\ndas tönende Ungeheuer. — Welch scheußliches\nTier: Die Brust reckt sich weit über die Erde, die\nNüstern schnüffeln in die Höhe und unten schlürfen\ndie dicken Füße, wälzt sich der grünschillernde\nSchweif, wulstig, schupoig, dick besät mit Würmern\nund Ungeziefer, durch die Straßen und den Mist.\nMusiker:\nEntsetzlich! Welche Leiden siehst Du? Du bist\nerregt. Dies ist nicht Musik, wovon Du sprichst.\n— Du denkst Fehlgeburten.\nKalypso:\n(Still.) Vieles kann man nur mit Abscheu be-\ntrachten. Das hat der Walter über uns gerichtet,\ndamit wir nicht übermütig werden. Aber es gibt\nDinge, so beschämender Art. Das Wollen, das\nkraftlose Wollen ergreift mich so. Ihr wißt ja nicht,\nwie arm Ihr seid. Man sollte nur weinen und sich\nEurer erbarmen. Und nichts ähnelt Euch so als\nEure Musik. Wenn Ihr wüßtet, wie sich die Himm-\nlischen den Leib halten und die Schenkel schlagen,\nwenn Ihr das Schluchzen und Gelächter hören\nwürdet, wo unten das Volk einem prahlenden Held\nzujubelt. Wie sie dem Olympier die Kniee küssen:\n„bravo, gut gemacht!\" Und das weite Haus dröhnt\nvor Dank.\nMusiker:\n(Nach einer stummen Weile.) Die Himmlischen\nsteigen oft zu den Menschen herab, sei es um sich\nzu verstecken, sei es um einiger Menschen willen.\nHimmlisch und beispiellos scheint manchen die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.5", "texte": "Musik. Viele Dinge und Wesen gibt es auf Erden\nund in der Luft, die tönen, zu ihnen senkt sich die\nMusik und macht ihr Tönen zu Gedanken; und auch\nstummen Dingen und Bewegungen schaut sie zu,\nverliert sich an ihnen nicht, sucht ihren Klang zu\nlocken: so glauben manche. Und wohl ist\nzweierlei an ihr: die Ordnung der Töne, das\nHimmlische, das aber nichts als Liebe, Umfassung\nund Umarmung ist; und das Geliebte, sich Hebende,\nGehobene, die Welt.\nKalypso :\nSo ist zweierlei an ihr, sage ich: ihre Eigenschön-\nheit, die behängt sie mit fremden Pomp, mit Raub-\nschöne, — und satt schreitet sie heran, mächtig, eine\nBarbarin, mit klirrendem Schmuck, eine laubge-\nschmückte, stampfende, lallende Bacchantin der\nBerge. — Es ist ein leeres Klingen die Eigenschön-\nheit der Musik, es ist eine qualvolle Ohnmacht ihre\nRaubschöne. Denn die Dinge lassen sich nichts\nrauben, nicht ihren ureigenen Schrei, nicht ihren\nTanz, nicht ihre Schwere, ihre Härte, ihren Glanz.\nDich begreife ich nicht; ich sah nichts von Liebe\nund Geliebten; mir treten in der wirklichen Musik\nzwei Mächte entgegen, die sich hassen, und ich\nheiße sie Dieb und Beute, aber einen Dieb, der seiner\nBeute nicht gewachsen ist. — Schau hin: der\ngroße, ungeheure Reichtum der Welt, der furcht-\nbare Wandel der Geschicke, die Kämpfe der\nHelden, Untergang der Reiche, seltsame Fahrten,\nSprießen der Bäume, Feuer und Flammen, Felsen,\nTäler und Ströme, — all dies bleibt der Musik ver-\nloren, — und was bleibt ihr, als der Wunsch zu\nrauben? Und die Ohnmacht, es nicht zu können.\nMusiker:\n— Glaubst Du, Kalypso, daß eine Katze ein Stier\nist, oder eine Heuschrecke ein Veilchen?\nKalypso :\nMein Freund, ich will Dich doch heimschicken.\nMusiker:\nSo ist also die Heuschrecke kein Veilchen. Aber der\nSchluß lautet: Dann ist auch die Musik kein Stier.\n(Ernst.) Das große Geheimnis der Musik will ich\nausplaudern; ich will auf den Dreifuß steigen und\nohne Falten und Qualm sagen: Die Musik kann nur\ntönen. — Ich sage „ja\" zu allem, was Du meintest;\nsie fühlt sich nie hart an, kein Sonnstrahl wird je in\nihr aufleuchten, sie'fegt kein Blatt vom Baume; sie\nist unfähig zu alledem: denn sie kann nur tönen.\nKalypso :\nSie gleicht einem Priester, der tiefsinnig und er-\nmüdend redet und mir nur Sehnsucht nach dem\nLeben weckt. — Hinter einem Schleier, schatten-\nhaft tauchen in ihr — die lebenden Dinge auf, ich\nhöre das Wispern und das Aechzen ihrer Atemnot.\nDas Wasser da, mein Meer, schau, wie es sich regt,\nwie es stampft und rennt. Hier, nimm die Muschel\nauf, die blaue, eine Handvoll kleiner Kiesel: ach wie\ngut ist es, unter ihnen zu sein, die Salzluft zu\ntrinken!\nSieh doch, die Musik ist arm, aber schlimmer als\nein Armer dünkt mich ein Bettler. Was muß die\nMusik betteln? Ja, die Musik tönt, tönt nur, aber\ndaß sie sich nicht darin sättigt, daß sie dieses „Nur\"\nwimmert, hungrig die Augen verdreht und ihre\ntrockene Zunge zeigt, widert mich an. So tut keine\nKunst. Unverwechselbar, unvergleichbar sind die\nTöne, keine andre Kunst macht ihr diesen Schatz\nstrittig. So blühe sie aus, so werde sie reich in\nihrer Armut. Wär ich nicht eine Närrin, suchte ich\nden Tönen ein Gleichnis? Sind sie sich nicht\ngenug, mehr als genug, eine runde, glatte Welt für\nsich? Jede Kunst soll ihre Wege gehen, ihrem\nStoffe, dem Ton, der Farbe, dem Stein nachgehen\nund sie belauschen; die Eigentümlichkeit, Selbst-\nwilligkeit und Freiheit des Stoffes erfassen und zur\nKunst gedeihen lassen. Du sagst: Die Heu-\nschrecke ist kein Veilchen; die Musik kann nicht\nmalen, nicht sprechen, nur tönen. Dies sage auch\nich und höhne ihr doppelt und dreifach, weil sie arm\nist, bettlerhaft und wahnsinnig.\n\nFortsetzung des siebenten Gespräches in Nummer 14\n\nGeistige Landschaft\nmit vereinzelter Figur im Vordergrund\nVon Richard Schaukal\nWien ist die Stadt des liebenswürdigen Dilet-\ntantismus. Da der Oesterreicher aus den Trüm-\nmern seiner historischen Kultureinheit (der Dok-\ntrinarismus hatte die Fundamente des Gebäudes\nunterwühlt) den Geschmack gerettet hat, trägt hier\nalles, selbst das Verwerfliche, gewinnende Züge.\nNeben marklosem Leichtsinn, unbedenklicher Hin-\ngabe an Launen und Stimmung fristet sich eine un-\ntiefe Nörgelei, die verblassend an die einstens\ntypische Grillparzersche Raunzerei gemahnt. Sie\nfordert den Mutwillen, gutmütigen Spott heraus.\nDie wechselnde Farbe des öffentlichen Lebens\nist bedingt durch zahlreiche unkontrollierbare\nStrömungen, Stimmungen unter der Oberfläche.\nAlle Gegenstände ordnen sich symphonisch in den\nnachgiebigen Rahmen ein. Selbst der politische\nund soziale Haß enträt nicht der — so leicht in die\nRoheit umzuschlagen geneigten — Gemütlichkeit.\nUnd alles, bis auf das Schlendern der Bummler —\nman sieht hier selten Menschen, die eilen — hat ein\nleicht künstlerisches Gepräge.\nIn dieser anmutigen, hellen Stadt gedeiht der\nSnobismus. Es ist nicht der kaltherzige des be-\nrechnenden Strebers, dessen Weg über Leichen\ngeht; es ist der warmblütige des Neugierigen.\nAlle Welt tut hier bereitwillig überall „mit\".\nMan versammelt sich immer wieder zu Komitees,\nzeigt sich und zeigt sich einander. Die Presse\nschlägt gern den Familienton an. Der Lokalrepor-\nter schwelgt in geduldeten Indiskretionen. Der\nPersonenkult, besonders der Kult der Bretterhel-\nden, erbt sich als ewige Gemütskrankheit fort. Man\nneckt einander, läßt sich aber auch immer wieder\ndüpieren; denn man staunt gern, und vor allem:\nman erzählt gern Erstaunliches.\nWien ist die Stadt der Bestrebungen, (nicht so\nsehr — als Gesamtorganismus — der Streberei,\ndie in Klassen und Schichten freilich um so ärger\nwütet). Hier haben's die Leute gut, die „neu\" sind.\nAlle Welt beschäftigt sich mit ihnen. Nicht allzu\nlange freilich. Man hätschelt das „Originelle\".\nAber eines verträgt man nicht: Konsequenz,\nStrenge, die unbeirrbare Entwicklungslinie. Wer\nsich nicht modeln lassen mag, an dem schwankt der\nfröhliche Schwärm der Bereitwilligen vorbei. Und\nwer gar zu erziehen unternimmt, steht bald allein.\nPublikum ist hier immer zu finden und für alles,\nauch für jeden Blödsinn und G'schnas. Das Geld\nsitzt nicht fest. Man hört taktwiegend leichte\nMusik und trinkt dazu mehr, als man sollte. In\ndieser lauen Atmosphäre ist das heimisch, was man\nals falsche „Sezession\" kennt und nach Gebühr haßt.\n„Sezession\" heißt seit einigen Jahren alles, was\nmodern, halbschlächtig, äußerlich, hohl ist. Daß\neine Gruppe von unabhängigen, zum Teil sicherlich\nmerkwürdigen Künstlern, die heut so übel ver-\nrufene Benennung in einer Epoche der behaglich\nstarrenden Unfähigkeit in Schwung gebracht hat,\nkann an der leidigen Tatsache nichts ändern, daß\ndie Talmi-Sezession einen jetzt wie das Marl-\nborough-Liedchen „den reisenden Briten\" auf Schritt\nund Tritt belästigt. Jeder Schmarren der Galan-\nteriewarenhändler, der sich von dem früher üb-\nlichen Kitsch durch Schlangenlinien oder sonst eine\nrezente Faselei unterscheidet, wird einem Publi-\nkum, das man in den meisten Fällen mit vollem\nRecht urteilslos wähnt, als „sezessionistisch\" an-\ngepriesen. Wie sehr alles echte „sezedierende\" Be-\nstreben unter diesem Unfug leidet, braucht nicht erst\nbetont zu werden.\nUeber das, was auf der Hand liegt,\" soll hier\nnicht die Rügerede ergehen. Aber eine Erscheinung\ninnerhalb des größeren Ganzen muß einmal ge-\nbrandmarkt werden, die sicherlich bereits aus allen\nsoiegelnden Flächen der „besseren Umgebung\"\nerinst: die Komödie der sogenannten angewandten\nKunst. Wien ist ein wahrhafter Nährboden dieser\nSeuche. Eine Gemeinde von aufdringlichen „höhe-\nren Snobs\", nüsternblähenden Kunstwitterern ver-\nkündet stündlich das Neueste. Beweglich schlän-\ngelnde Begabungen liefern das jeweils „aktuelle\"\nMaterial. Die Sache wäre vielleicht harmlos,\nschlüge die künstliche „Bewegung\" nicht so auf-\nschäumende Wellen. Man muß ja im sonst be-\nwohnten Europa wirklich glauben, wir alle in der\ngeistigen Heimat der Canaletto. Mozart, Faimund,\nDannhauser, Nestrov. Schwind. Beethoven, Bauern-\nfeld, Grillnarzer, Hebbel, wir alle lebten nur mehr\nvon der Kinderei des dekorativen Elements. Hier\nzu widersprechen im Namen einer ehrlich angeekel-\nten Mehrheit ist dem stillen Beobachter des Ge-\ntriebes Bedürfnis.\nWir haben uns in Wien seit je gefügig dem\nExperiment hingegeben. Ausliefern aber lassen wir\nuns denn doch nicht. In widerlicher Erinnerung\nbleibt der als Sturm im Wasserglase inszenierte\nRummel der Reinhardtbegeisterung. Man glaube\nder Versicherung eines klarblickenden Zeitgenos-\nsen und Mitbürgers, daß die wirkliche „Elite\"\ndes schöngeistigen Wien diesen Rummel nicht mit-\ngemacht hat. Das, was sich so beflissen und laut\nimmer wieder selbst das „geistige Wien\" nennt,\ntäuscht sich und andere stets gern darüber, wel-\nchen kümmerlichen Zusammenhang es eigentlich\nmit den Schichten der Gesellschaft hat, die dem\ndiskreten „Welt\"menschen einzig und allein die Re-\npräsentanz der organischen Kultur bedeuten. Nicht\nder Wiener „Jour\" und sein Stammpublikum prägen\nGott sei Dank der Stadt der großen Erinnerungen\nund der glänzenden Begabungen, dem Mittelpunkt\neiner erlauchten höfischen Tradition, der Residenz\nder historischen Familien, dem Zentrum ernster,\ntüchtiger geistiger Arbeit, der Stätte eines eminent\nkunstverständigen und kunstfrohen Publikums, die\nangenehme Physiognomie. Im breiten Schlag-\nschatten dieser reich konturierten Potenz ver-\nschwindet der dünne einer zwar zählebigen, aber\nnicht wurzelverankerten Partikel.\nAber eines ist leider wahr: wer sich zurück-\nzieht aus der Gegend, wo die „öffentliche Meinung\"\ngebraut, die Reklame gerüstet wird, von dem hört\ndie auf Kunde angewiesene Mitwelt wenig oder\nnichts. Und wer gar unternimmt, in tollkühner Ver-\nmessenheit sich gegen die rumorende Cöterie zu\nstellen, der kann zur Eissäule gefrieren im Todes-\nschweigeri, das frostig um ihn sich schließt.\nVon so einem offiziell vereisten wollen diese\nZeilen sprechen, einem Mann, der berufen wäre,\nRatlose aus der Afterkultur herauszuführen. Adolf\nL o o s heißt der starke Einsame. Er ist ein Archi-\ntekt, der keine Häuser zu bauen hat, ein beredter\nLehrer, dem die Schüler mangeln, ein enthusiastischer\nKämpfer, dem der Feind immer auf Tagreisen weit\nausweicht. Eine helle Stimme, der das Echo abge-\ngraben worden ist. Ein reicher Erfinder, den das\nbehutsam Fertiggestellte von flink zugreifenden\nHänden alsbald zur Karrikatur verhunzt wird.\nLoos, ein gebürtiger Brünner, der sich mit\nscharfen kalten Augen in andern Ländern seine Zeit\nangesehen hat, richtet Wohnungen und Geschäfts-\nstätten ein. Das tun bei uns nur zu viele. Loos\naber war einer der ersten. Ferner hat er über\nFragen der Kultur geschrieben. Auch das tun un-\nzählige. Loos aber war einer der ersten. Endlich\nkämpft dieser unbeschäftigte Architekt gegen die\nPräpotenz des „dekorativen Elements\". Das tut\nbei uns wohl kaum jemand. Er ist hierin der einzige\ngeblieben ; denn die scheinbar Gleichgesinnten tun\nim besten Fall eben mit, aber ohne Charakter, das\nheißt nicht aus Natur, sondern „auch\".\nSeine Wohnungen und Geschäftsstätten hat er\nkürzlich in „Wanderungen\" denen gezeigt, die\ndarauf halbwegs neugierig waren. Das wäre nichts\nbesonderes. Aber besonders ist der Geist, der sich\ndem verständigen Wanderer hier enthüllte. Und\nüber den Geist dieser Wohnungskultur wird hier\netwas zu sagen sein.\nSeit einigen Jahren geht man bei uns und\nanderwärts in Ausstattungsnöten nicht mehr\nzum Möbeltischler und Tapezierer, sondern zum\n„Künstler\". Der Künstler ist auf diese Art rasch\nzum Orakel gesteigert worden.\nDer Gegensatz des Künstlers scheint so etwas\nwie „unkünstlerische Nüchternheit\". Aehnlich war\nMakart vor vierzig Jahren der „Herold der Farbe\".\nMan weiß das erbärmliche Fiasko seiner Atelier-\nKitschphraseologie. Heute ist „Sezession\" Trumpf.\nKein Handwerker in Wohnungsutensilien darf nach\nden reinen Prinzipien seines Handwerks Gebilde zu-\nsammenfügen. Der Künstler steht hinter dem Be-\nfangenen und richtet ihm die Hand. Was heraus\nkommt, ist „angewandte Kunst\". Angewandte\nKunst, das sind Nacht- und Nähtischchen mit Por-\nphyrplatten und schmiedeeisernen Beschlägen, in\nallen Farben gebeizte Kasten mit Intarsien und Spie-\ngeln, Büffets mit messinggerahmten kassettierten\nFenstern und angeschraubten Beleuchtungskörpern\nund ähnliches. Man kennt den Klimbim zur Genüge.\nEs ist so fad, daß man schon beim Gedanken daran\ngähnt. — Loos fragt höhnisch, warum der Künstler\nnicht auch dem Schuster, dem Sattler, dem Hand-\nschuhmacher unter die Arme greifen wolle. Und\nda niemand antwortet, fährt er, der schon vor zehn\nJahren (in der „Neuen Freien Presse\") und später\nin einem gleich wieder eingegangenen Blatte „Das\nAndere\" „radikale\" Anschauungen entwickelt hat,\nfort: Unsere Zeit braucht das Ornament nicht, sie\nverzichtet darauf. Sie lebt vom ästhetischen Wesen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100526-01.1.6", "texte": "ihrer praktischen Zwecken dienlichen Erzeugnisse.\nDer Handwerker ist noch immer da und kann, was\ner gelernt hat. Der Schuster macht Stiefel, der\nSchneider Röcke nach dem Bedürfnis des Bestellers.\nUnd was für prachtvoll solide Ware! Loos hat\nallen Ernstes seine Beteiligung an den gewerb-\nlichen Ausstellungen der Künstlervereinigung\n„Sezession\" erst für die fortgeschrittene Zeit in\nAussicht gestellt, wenn diese den hervorragenden\nWiener Schneidern und Lederwarenerzeugern ihre\nSchranken zu eröffnen sich bemüßigt sehen solle.\nAber nicht nur der Schuster und Schneider sind da,\nauch der Tischler kann sicherlich noch Stühle und\nBettstätten machen. Schafft nur den Künstler ab,\nder ihn daran hindert. Man kolportiert ein be-\nzeichnendes Wort: „Ich habe mit Kammerdienern\nund Bienenzüchtern mehr innere Zusammenhänge\nals mit Architekten.4' Das heißt: Ich fühle mich\nallen Menschen verwandt, die in ihrer Beschäftigung\nganz drin stecken, mit ihr identisch sind. Diese sind\ndie Förderer.\nUnd also naturgemäß, elementar, klar, zweck-\ndienlich, ein Dirigent der echten Aeußerungen des\ntüchtigen Handwerks, richtet Loos einigen\nMenschen, die sichs gefallen lassen, ihre Zimmer\nein. Er sagt: Man gibt mir den Auftrag, eine Woh-\nnung zu gestalten. Ich will nichts neues erfinden.\nDas ist doch nicht meine Aufgabe. Ich brauche zum\nBeispiel gute Stühle. Wozu sollte ich da plötzlich\nStühle erfinden. Sie sind ja da. Es sind die alten\nenglischen. Und so weiter. Manches Prinzip\nfreilich ist verschüttet. Laßt uns dem Gedanken\nnachgehen. Er hört uns schon und zeigt sich\nschüchtern. Heraus mit Dir. Ich halte den Künstler\nab, der dich, beim Genick packen will. Er tut dir\nnichts, solang ich da bin. Sieh her, da bist du,\nherrlichprimitiver, nackter Gedanke, „des\" Tisches,\n„des\" Vorhangs, „des\" Spiegels. Wir wollen dich\nin gutem Material verlebendigen. Nichts weiter.\nHandwerker, zeige was du kannst. Du darfst\narbeiten.\nSo einfach ist diese „Theorie\", daß man sie er-\nklären muß. Die Leute suchen ja immer etwas\n„dahinter\". Sie sind das von den hinterhältigen\nKünstlern gewohnt. Es ist nichts „anderes\" da-\nhinter, liebe Leute. Adolf Loos will nichts apartes.\nWenn ihm auch manches — apart gerät. Freilich,\ner selbts ist ja ein Künstler, ein Mensch mit künst-\nlerischem Gewissen, mit künstlerischer Bildung.\nAber weder ist sie ihm wie den armen Eklektikern\nvon rechts nach links kollernder Ballast, noch hält\ner sonderlich viel auf die Tatsache ihrer Existenz.\nDiese „künstlerische Bildung\" belehrt ihn über die\nWege der Entwicklung. Und sein scharfer logischer\nVerstand zeigt ihm die Stationen, die Etappen sind.\nIn unserer Zeit, der Aera der Maschinen, sieht er\ndas Ornament an Entkräftung gestorben. Er\ntrauert darüber nicht. Im Gegenteil: er jubelt. Er\npreist unsere Zeit ob dieser grandiosen Kargheit.\nEr schätzt die historischen, schätzt die organischen\nOrnamente, die Arabesken der üppigen dekadenten\nAuslaufzeiten wie die großartigen Hieroglyphen der\nUranfänge. Aber er verweist kaltlbütig auf das\nWesen unsres modernen Materials, und meint ihm\ngenügende Wirkung durch seine unbefangene\nExistenz zuschreiben zu dürfen. Silber- und\nMessingplatten, Holz- und Glasflächen: Loos ver-\nneigt sich vor ihrer ungeminderten Tatsächlichkeit.\nWie reich sind wir, sagt er. Wir haben die Steine,\ndie Metalle, die Hölzer. Weg mit den kribbligen\nHänden, die alles unbegründeter Weise bekritzeln,\nverbiegen, zacken wollen. Das Buch, das Hemd,\nder Knopf; laßt alle diese guten Dinge durch sich\nselbst wirken, laßt sie nur zu Wort kommen, ge-\nbietet dem dreinschwätzenden Künstler Schweigen:\neine Harmonie der großen einfachen Stücke, der\nDinge breitet sich rauschend aus. Und eines ver-\nrate ich euch; sagt der stille unermüdliche Werber\nfür das Echte: alle wahre Kultur hat seit jeher das\nGanze, das Tüchtige, das Einheitliche bevorzugt.\nIn dieser Kampfstellung gegen das Ornament\nliegt mehr als die Neigung zu einer geschmackvollen\nVariante des Gerätes. Die Devise „Los vom Orna-\nment\" ist die Oriflamme einer neuen großen Idee,\ndie wie alle großen Ideen Ahnenzusammenhänge\nhat. Die Idee dient der Gesellschaft. Man nehme\nsie nur einmal rein praktisch, wenn das Ornament\nfällt, fällt ein mühsames Plus an Kleinarbeit (abge-\nsehen vom ekeln Cliche des Fabrikornaments).\nMan zahlt nicht weniger (heute sogar noch mehr)\nfür eine glatte Zigarrentasche als für eine verzierte.\nDer Zierrat wird überflüssig, die Herstellungs-\nmühsal also geringer, der Verdienst größer — das\nZeitgemäße dient den Zeitgenossen.\n\nKunstreferate\nDie Vossische Zeitung von Staats- und ge-\nlehrten Sachen berichtet unter dem 12. Mai aus\nWien:\nReinhardt eröffnete gestern mit dem „Kauf-\nmann von Venedig\" ein Gesamtgastspiel im\nTheater an der Wien Das anfangs etwas spröde\nPublikum erwärmte sich zusehends, zumal für\nSchildkrauts Shylock und die Gerichtsszene. Von\neinem leichten Erdbeben während der\nTheaterzeit war im Schauspielhaus nichts\nverspürbar.\nDas ist dreideutig. Versagte hier ein neuer\nRegietrick Reinhardts, oder wirkte das erwärmte\nPublikum so anregend auf die Erde, daß unserer\nguten Mutter nichts zu tun übrig lieb, als zu beben,\noder will der eigene Korrespondent das Entsetzen\nder Wiener Erde über den zurückkehrenden Sohn\ndurchbeben lassen? Das glaube ich nicht. Die\nVossische Zeitung ist durchaus unsymbolisch und\nfür das Gemeinverständliche. Besonders in der\nbildenden Kunst. Sie stellte bekanntlich vor un-\ngefähr dreißig Jahren einen Jubelgreis als Kunst-\nberichterstatter an, der mit tragischer Notwendig-\nkeit immer älter wurde, ohne auf diese Weise die\nTragik seiner Kunstfremdheit und die Notwendig-\nkeit seiner Existenz zu beweisen. Er begnügte sich,\nMeister wie Hodler, Klimt, Van Gogh, Gauguin\nahnungslos und pietschvergnügt zu beschimpfen.\nJetzt scheint er zu einem letzten entscheidenden\nSchlag auszuholen. Zur Eröffnung der neuen\nSezession sandte er zunächst einmal einen Vor-\nschimpfer, offenbar seinen Meisterschüler. Denn\ndieser Herr ist gleichfalls total ahnungslos und seine\nWitze stammen aus den Gründungsjahren der Vos-\nsischen Zeitung. Es bleibt überhaupt erstaunlich,\nmit welcher Dreistigkeit jeder Laie über Bilder\nurteilt. Der Laie der Vossischen Zeitung ver-\nwechselt selbstverständlich wieder einmal Malerei\nmit Photographie. Daß er nicht sehen kann, ist\nverzeihlich. Weniger, daß er dann über Bilder\nschreibt. Am wenigsten, daß er nicht einmal\nschreiben kann. Ueber die sehr gute Ausstellung\nder Neuen Sezession soll hier noch ausführlich ge-\nsprochen werden. Aber auch der angestammte\nSchimpfer der Vossischen Zeitung wird bestimmt\nzu seinem Rechte kommen, trotz seiner weißen\nHaare. Davor soll ihn auch der Flor wohl-\nriechender Damen nicht schützen, von denen nach\nZeitungsberichten der „lichtvolle Historiograph\"\nstets umgeben ist. Trust\n\nHaare aus dem Kometen-\nschwanz gezupft\nMinimax\nHerr Löwevelt\nDer Leiter des Berliner Zoologischen Gartens\nüberreichte einem gewissen Theodor Roosevelt, der\naus Amerika zugereist war, einen Brief in Suaheli-\nsprache: „Salaam, Bwana Mkubwa, Salaam!\nDu großer Herrscher unserer Tierwelt, der Du so\nmächtigen Einfluß über uns hast und auch über die\nMenschheit, Dich bitten wir, uns gegen die Aus-\nrottung zu schützen. Unterschrieben: Löwe,\nGiraffe, Hyäne, Nashorn.\" Der Adressat bestätigte\nden Empfang des Briefes und setzte hinzu, daß er\nihn zwar nicht lesen könne, daß aber nach seinem\nEmpfinden sämtliche Ochsen den Brief ungelesen\nmitunterschreiben würden.\nWeltkonferenz der Jungfrauen in Berlin\nDie Jungfrauen der ganzen Welt sind in Berlin\neingetroffen, wo ein fühlbarer Mangel an diesem\nArtikel eingetreten war. Die nötigen Informationen\nerteilte der Bund für Mutterschutz; er hat die\nMädchen insbesondere belehrt, daß man in Berlin\nnur glauben brauche; die Liebe und die Hoffnung\nkämen unfehlbar von selbst. Die Französinnen\nwaren erstaunt, wie schön alles auf deutsch ver-\nlief dank dem Entgegenkommen der Ortsansässigen;\nauch die Engländerinnen paßten sich den neuen\nVerhältnissen aufs leichteste an. Drei kleine\nNegerinnen hatten sich mitversammelt; es war zum\nEntzücken, wie wohl, wie geradezu angeheimelt sie\nsich fühlten, als die Pfarrer ihre Reden aus-\nschwitzten. Sonderbare Resolutionen wurden am\nSchlüsse des Kongresses von den offiziellen Ver-\ntretern gefaßt; für die Jungfrauen: „Jede ihr\neigner Mann,\" für die männlichen Vereine: „Jeder\nJüngling seine eigene Jungfrau.\" Und so trennten\nsie sich unter Absingen des Liedes: „Ich hatt keinen\nKameraden\" zu allgemeiner Befriedigung.\nWahlrechtsresolutionen\nEin Geheimrat brachte dem Minister ein Paket\nder zuletzt eingelaufenen Wahlrechtsresolutionen;\nder Minister legte es auf den Boden und ließ unacht-\nsam seine frisch angesteckte Zigarette herunter-\nfallen, so daß das Papier im Nu brannte. Der Ge-\nheimrat löschte krampfhaft: „Exzellenz, der\nSchaden, der große Schaden.\" Der Minister sah\nnachdenklich zu: „Ja, — die Zigarette ist futsch.\"\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nDas Beste vom Besten!\nEr schmeckt sehr gut und\nbekommt ausgezeichnet,\n\nGegeniiber Pichels werder in Pichelsdorf\nGrundstucke an der Havel idyllisch gelegen\nneben dem Schlosspark, nahe der Doberitzer Heerstrasse\n(Kaiserdamm), preiswert verkauflich. Naheres durch die\nBodengesellschaft des Westens\n— mit beschrankter Haftung\nBERLIN W 66, MAUERSTRASSE 86-88\n■ ■■■■■ Fernsprecher Amt I, No. 7497 ■■■■■■\n\nTeppiche\nPrachtstiicke 3,75,6,-, 10,bi5.300 M.\nGardinen, Portieren, Mobelstoffe,\nSteppdecken usw.\nbl'mgst Spezialhaas\nOranienstrasse 158\nKatalog (450 Illustr.) gratis u. fr.\nEMIL LEFEVRE\n\nMALUTENSILIEN\n—i — r~=\nMai- und Zeichenbedarf\nW. & J. 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AmtCh.,63B7 j\n1111800000000011111\n\nQno7i!ilQrirQccon vornehmer Kreise fUr ::\nU|JCLIaIuUI Cudull Geschafte vornehmen Genres\nFiirstlichkeiten :: Diplomaten :: Hohe Militars und Offiziere\nHofstaaten :: Mitglieder feudaler Klubs :: Geburts-, Geistes-\n:: und Geldaristokraten :: Buhnenmitglieder etc. etc. ::\n■■■■■■ Gut durchgesiebtes, erstklassiges Material\nErmittelungen in diesen Kreisen diskret und zuverlassig-\nS. C. A. Rittner, Kongrefibeamter, Berlin N37\n\nBOWLENWEINE\nTausonde Nachbestellangen und zahlreiche Anerkenoungen aus\ndem Reiche beweisen, dass unsere Weine gut und preiswert sind!\nWir empfehlen zu Beginn der Bowlonsaison unsere beliebten billigen\nBowlen-Weine als\n0,70 M\n0,75\n0,80\n0,75\n0,80\n1,10\n1,10\n1,25\n»»\ni*\n1*\n>*\n1908 er Wellensteiner (Mosel)\n1908er Remicher „\n1907 er Ellenzer „\n1907 er Elsheimer (Rhein)\n1907 er Gaubickelheimer „\nBowlensekt, Frucht-Champagner\nmit Steuer\nKaisersekt, ohne Steuer . . .\nLorraine, „ „ ...\nAll© Preis© \\-©rstehen »ich mit Flasclien frei Haus in Berlin,\nnach ausserhalb frei zur Bahn, gegen Kasse, Nachnahme oder Vor-\neinsendung. Bewahrte Bowlenrezepte der Firma kostenlos. Voile\nGarantie fiir tadellose Beschaffenheit; Nichtgefallendes wird auf\nunsere Kosten zuriickgenommen. V©rlanu©n Sie kostenlos\nPreislisten. Bestellungen sind zu richten an die\nWeinvertriebsgesellschaft von Malottki\nTorm. Toermer & Michaells STachf. G. m. b. 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Siedried leeger, Bertis 141\n\nMALSCHULEN\n—i ■—^\nStudien* Atelier\nBerlin W. 30, Habsburgerstr. 11\nAkt-Kopf-Kostum :: Zeichnen ::\nMalen :: Modellieren Stilleben\n:: Komposition :: Abendakt ::\nAb Juli Akt, Landschaft an der See\nProspekt durch Moritz Melzer\nMalschule\nMtiller=Schoenefeld\nAtelier Charlottenburg- 111\nSchillerstr. 3\nVormittag: Portrat u. Kostiim-\nmodell\nAbend: Dauerakt\nAtelier Berlin W / Liitzowstr. 82\nVormittag: Akt\nNachmittag: Portrat\nAbend: Skizzieriibungen nach\ndem Akt\n(2 Stunden 50 Pfg.)\nAnfragen nach Schillerstr. 3\nBerlin W. 35 / Potsdamerstr. 121 a\nAtelier\nClara Elisabeth Fischer\n:: MALEN :: ZEICHNEN ::\nNeu seit 1. November\nPlakatkunst :: Graphik :: Eintritt\njederzeit :: Naheres Prospekte\nHANS BALUSCHEK\nMaler\nSchulatelier fiir Damen ::\nBERLIN W., Liitzow-Strasse 82\nAtelierhaus, linker Aufgang\nProspekte Brief-Adresse:\nSchoneberg - Berlin, Vorbero - Strasse 15\n\nDERDEMOKRAT\nWochenschrift fiir freiheitliche\nPolitik / Kunst und Wissenschaft\nErscheint jeden Mittwoch\nNummer 10 Pf. / Quartal M 1\nProbenummern frei d. G. Zepler\nCharlottenburg- Bismarckstr. 103\n\nVerlag F. HARNISCH & Co., Berlin W57\n„Spielend\" lernt man Sprachen durch\nDr. Rebajoli's Autodidakt\nA. Italienisch, elegant gebunden Mk. 10\nB. 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Preis der 33 Flatten mit Lehrbuch ,AutodidaKt* nur MlOO\nZur Wiedcrgabe der Gesprache eignet sich jedes, auch das kleinste\nGrammophon; jedoch hat der Verlag hierzu eine trichterlose „ Autodidakt\"-\nSprechmaschine konstruierenlassen, die sich durch besonders deutliche\nWiedergabe auszeichnet. Preis nur 50 Mark\npvia\nilia\n— .\n\nDIE NEUE\nSECESSION\nV\nAusstellung abgewiesener\nKiinstler der Berliner\nSecession 1910\nin der\nGalerie MAXIMILIAN\nMACHT Rankestrasse 1\nan der Kaiser Wilhelm\nGedachtnis-Kirche :: :: ::\n\nsST\"; Cafe Continental\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kunstler - Konzert\nAlie bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften\n\nDARLEHEN\nreellen Leuten jeden Standes. 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