{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_sha256": "1fa046bd5bc88de47421e634c6efccd626af096bad6392a50d45c1c07d98fdcf", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/06/02_01/bmtnabg_1910-06-02_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/06/02_01/bmtnabg_1910-06-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.1", "titre_corps": "Professor Adolf Wagner : protestiert in Chemnitz vom evangelisch-sozialen Standpunkt aus gegen grosse Damenhüte und durchbrochene Strümpfe, die sich eine gesunde Volkswirtschaft nicht in die Schuhe schieben lässt", "titre_sommaire": "Professor Adolf Wagner : protestiert in Chemnitz vom evangelisch-sozialen Standpunkt aus gegen grosse Damenhüte und durchbrochene Strümpfe, die sich eine gesunde Volkswirtschaft nicht in die Schuhe schieben lässt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.1", "debut_caractere": 554, "fin_caractere_exclue": 764, "texte": "Professor Adolf Wagner protestiert in Chemnitz vom evangelisch-sozialen Standpunkt aus gegen\ngrosse Damenhüte und durchbrochene Strümpfe, die sich eine gesunde Volkswirtschaft nicht in die\nSchuhe schieben lässt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.2", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.1", "debut_caractere": 766, "fin_caractere_exclue": 1202, "texte": "INHALT:\nR. LAUDON: Robert Koch / HEINRICH\nMANN: Alt / PAUL LEPPIN: Daniel Jesus / Roman /\nWALTER HEYMANN: Der Fliederstrauch / LUDWIG\nRUBINER: Dichter der Unwirklichkeit / ALFRED\nDÖBLIN: Gespräche mit Kalypso über die Musik /\nDr. B.WERNER: Prinzipien moderner Therapie / R. R.:\nRussisches Ballett/TRUST: Schwanensang / Die Kunst\nzu komponieren / MINI MAX: Vermischtes / PAUL\nSCHEERBART: Wir maken allens dot!/KARIKATUR:\nProfessor Wagner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "106", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.3", "titre_corps": "Robert Koch", "titre_sommaire": "Robert Koch", "signature_source": "R. Laudon", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.1", "debut_caractere": 1204, "fin_caractere_exclue": 3448, "texte": "Robert Koch\nVon R. Laudon\nDer Haß des Niveaus gegen die eigenwillige Be-\ngabung, der alte Haß, der in diesen Tagen durch die\namerikanische Schmeichelei: Der Durchschnitts-\nmensch sei doch der beste Kerl, neu gesegnet\nwurde, verstummt vor dem Qrabe eines Arztes.\nRobert Koch gehört zu den Kolossen, die sich über\ndie Jahrhunderte hinweg verständigen. Ihn kenn-\nzeichnete nicht die Umfänglichkeit und Universalität\ndes Geistes, er hatte nicht die PseudoVielseitigkeit\njener Gelehrten und Staatsmänner, welche nach\nrechts und links hin schwatzen und ihren Spezialruf\ndurch das Ausbrüllen ihrer allgemeinen Unbildung\ndiskreditieren, sondern lebte seinem scharf um-\nrissenen Genie mit instinktiver Sicherheit. Wenn\npoetische Naturen die Trockenheit und Weltfremde\ndes Gelehrten belächeln, so mögen sie von Koch\nlernen: die Intensität, die Leidenschaftlichkeit der\nBemühung, die kraftstrotzende Größe auf an-\nscheinend kleinem Gebiet. Er wuchs nicht in die\nBreite, sondern in die Tiefe. .\nMan versetzt sich schwer in die medizinische\nZeit vor Koch. Man hört mit Staunen von der pein-\nlichen Verwirrung, in welche kleine probierende\nKöpfe die Medizin gestürzt hatten. Den maje-\nstätischen Todeszug der Seuchen hatte man viele\nMale beobachtet; man ahnte, worum es sich handle,\naber es ließ sich nicht fassen. Koch brachte mit\nseinen ersten Mitteilungen Methoden von über-\nraschender Einfachheit, er lehrte die Aussaat der\nKrankheitserreger auf feste Nährböden, zeigte\ndie Erreger mehrerer Seuchen, wies auf das exakte\nTierexperiment. Ihm und seiner Schule gelang es,\ndie meisten Infektionskrankheiten zu enthüllen. Es\nwurde ihm nicht zuteil, die finsteren Prächte dieses\nTodeszuges aufzuhalten, aber er hat sich dem un-\nnahbaren Vorgang wie keiner vor ihm genähert und\nseine Musik mit allen Instrumenten aufgezeichnet.\nWir leben mit all den Bazillen, Kokken, Spi-\nrillen; wir sind nicht allein. Wir würden nicht sein\nkönnen ohne die Mitarbeit der Milliarden Lebewesen\nin und auf unserem Körper. Wie ein Korallenstock\nwachsen wir Menschen. Aber von Zeit zu Zeit\ndurchbrechen einige unserer Helfer den freund-\nschaftlich geordneten Zusammenhang, überwuchern,\ndringen in den Organismus ein, entwickeln giftige\nArten; es kommt zur Krankheit. Diese giftigen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 826, "texte": "Arten zogen Koch an. Er reiste den zauberhaften\nDingen in einem unbezwinglichen Drange nach weit\nbis in afrikanische Wüsten, spürte ihrer unheimlich\nhinterhältigen und verschlungenen Lebensweise\nnach. Er schwamm ihnen schweigend in die Tiefe\nnach, bis er sie hatte und wie ein klirrendes Torpedo\naufwarf.\nEr liebte gerade scharfe Gedankengänge, lehnte\ndas Nebenbeiliegende und Theoretisierende ab. Er\nwar ein Gegenstück zu dem anderen lebenden Klas-\nsiker der Medizin, Paul Ehrlich, der, ein phantastisch\nstrenger Logiker, von Schluß zu Schluß schreitet\nund sich von hier aus der Tatsache bemächtigt.\nKoch blieb keinen Augenblick ohne Fühlung mit der\ngreifbaren Wirklichkeit; er ging von Wirklichkeit\nzu Wirklichkeit. Er war ein Nichts vor ihr, ein\nOrgan, ein Mund. Ein Gott gab ihn der Mensch-\nheit, zu sagen, was sie leidet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "107", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.4", "titre_corps": "Alt", "titre_sommaire": "Alt", "signature_source": "Heinrich Mann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.2", "debut_caractere": 828, "fin_caractere_exclue": 12816, "texte": "Alt\nVon Heinrich Mann\nLeonhard schloß die Tür und wünschte sich,\nsie nie wieder zu öffnen; die Straße, die er nun\nging, zum letzten Mal zu beschreiten. Er fand, diese\nFrau habe ihm den bitteren Becher wieder einmal\nvoll genug gegossen, auf die Neigen, die noch von\nden anderen darin waren. Ihrer Aller Herrsch-\nbegier, ihre Sucht, einen auf die Probe zu stellen,\ndie Ruhelosigkeit ihrer Empfindungsart und ihre\nUnfähigkeit, uns Freund zu sein: ihm deuchte, er\nhabe von alledem, um die Mitte der Vierzig, zum\nSterben genug. Er erinnerte sich eines einsamen\nHauses am Wege nach Süden; weiß stand es vor\ntiefem Wald; — dort ließ sich ruhen: er wollte hin!\nNoch Nachts packte er ein. Schloß er die Lider,\nstand das Haus darin. Vor Jahren hatte er's be-\nsichtigt; es hatte Wasser an den Grundmauern.\nEr fand es noch immer leer und kaufte es.\nDie Vorderseite sah weiß besonnt ins Hügel-\nland. Aber hinten stieg Leonhard von der feucht-\ngrünen Terrasse in den Wald hinein, der ihn in\nstarke Arme nahm, besänftigte und kühlte. Leon-\nhard ging barhäuptig, ließ die Zweige ihre Tropfen\nan seinem Gesicht abstreifen, legte sich in Bäche,\nsaß lange regungslos auf einem Baumstumpf, und\nnichts war zu hören in dieser Schattentiefe, als der\nLaut des von Rehen abgerupften Grases. Eins der\nRehe weidete so nahe, daß er es mit seinem Stock\nhätte berühren können. Nun hob es seine großen,\nschwachsinnigen Augen auf ihn, ganz unwissend, in\neiner Haltung, wie wenn es fröre; — und auf ein-\nmal begriff es und tat, um zu fliehen, einen Ruck,\nals risse es sich los . . . Allmählich gewöhnten sie\nsich an seine stille Form; und ihm war, wenn sie\num ihn her die sanften Hälse wendeten, wie bei\nWesen, die er behütete und die ihm vertrauten.\nDen Winter erwartete er unschlüssig in seinem\nZimmer; aber als er kam, war er gut und fruchtbar.\nDurch die Gänge, die leeren Säle klapperte, stieß\nund schleppte der Wind bis an Leonhards Tür.\nDrinnen hatte er's warm, hatte sein Bett, seine\nFelle, seinen Tisch mit Büchern, — und sah er auf,\nkrümmte drunten, hinter den fünf hohen Fenstern,\ndas eisige Hügelland sich unter Sturmschlägen. Nur\nunwirtliche Straßen führten in die entbehrliche\nWelt. Leonhard beglückte es, daß er sie entbehren\nkonnte. Er staunte, wie er nicht früher gemerkt\nhabe, Landschaften und Bücher ersetzen die\nMenschen. Scham und Grauen berührten ihn bei\ndem Gedanken, er hätte imer weiter, unabsehbar\nweiter Alles was sein war, an das Lächeln und die\nLaunen von Frauen gehängt, an die regellosen\nDinge, die in ihren Köpfen geschahen. Er fühlte\nsich aus großer Unordnung gezogen, befestigt und\nverjüngt. Es ward wieder Sommer und nochmals\nWinter. Leonhard gab sich frei, er erlaubte sich:\n„kehre zurück, du bist geheilt und vernünftig\".\nAber er blieb und wollte das Verdienst, daß er um\nsich erwarb, das Verdienst, entsagt zu haben, nicht\nvorschnell vergeuden. Er sammelte Einsamkeit\nund geizte mit ihr.\nSchließlich bedrückte sie ihn, wie ein allzu\nschwerer Schatz. Er lernte wünschen, ihn\nJemandem hinzuschütten, sich mitzuteilen, die\nSicherheit und Weisheit, die geklärte Menschlich-\nkeit, allen Segen dieser fünf Jahre auf ein Anderes\nzu übertragen, nicht eigensüchtig und unnütz einst\nzu enden. Ein Kind ersehnte er.\nVon fahrenden Leuten nahm er eins an, ein\nsiebenjähriges Mädchen, schwarzlockig und fein-\nknochig, mit Augen, die der Hunger schwermütig\numrändert hatte. Die Kleine wußte nur von\nHunger und Schlägen, von den Kniffen, womit man\nSchlägen entging, und der Kunst, Essen zu er-\ngattern. Leonhard lehrte sie menschliche Güte\nkennen und versuchte, von den großen Harmonien\nder Natur einen schwachen, spielerischen Widerhall\nin ihr zu bewirken. Sie öffnete weit die Augen und\nschmiegte sich an ihn. Er war glücklich. Als er\nsie betroffen hatte, wie sie jungen Vögeln die Hälse\numdrehte, weinte sie vor Reue, bis ihm bange ward.\nKurz darauf sah er sie ein Kätzchen quälen. Sie\nlächelte dabei naschhaft. Wie er dann hervortrat,\ntrug sie plötzlich eine innig versunkene Miene und\ndrückte sich das Tier gegen die Wange. Vor Bestür-\nzung schwieg er; auch vor Scham und beinahe vor\nFurcht.\nEr lobte sie für ihre Freundschaft zu der\nkleinen Idiotin, die in der Küche diente. Ueberall\nkamen sie ihm zusammen entgegen; und Vinella\nhielt die Andere umschlungen, als wäre sie ihr sonst\nentlaufen, und küßte ihr das Gesicht, das jene offen-\nbar gern versteckt hätte. Leonhard fand sie ein-\nmal, wie sie auf ihre Hände weinte, und sah die\nFingerspitzen alle verbrannt. Sie wollte nicht\nsagen, wie es geschehen sei. Da gewahrte sie Vi-\nnella und lief davon. Unruhig befragte Leonhard\nVinella. Sie antwortete sicher. Sie hatte einen\nkleinen entschiedenen, nachsichtigen Ton und ein\nLächeln, als sagte sie: „Ich weiß, was du denkst.\"\nEr fühlte selbst sich betreten und machtlos.\nSelten bat sie, und nur um Dinge, die er sicher\nbewilligte und an denen ihr nichts lag. Die andern\nnahm sie heimlich. Auf weiten Umwegen erreichte\nsie die Erfüllung von Wünschen, die sie nur faßte,\nweil sie den seinen entgegen waren. Nie ver-\nschmähte sie Ausflüchte, führten sie nur von dem\nSpazierwege fort, den er sich vorgenommen hatte.\nVerschwörungen zettelte sie an, damit ein von ihm\nbestelltes Gericht nicht auf den Tisch komme. Und\ner mochte erschrecken, er mochte sich fragen, was\ner tue: ihr Streich machte ihm größeres Ver-\ngnügen, als wenn sie ihm folgte. Ihre Schlauheit,\nihre Lügen um der Kunst des Täuschens willen,\nunterhielten ihn. Wenn sie ihm am Halse hing,\nwußte er dennoch, daß er ihren Liebkosungen\nglauben dürfe; und daß sie ihn ehrlich hasse, kam\ner ihr irgendwo in die Quere. Schon war er ganz\nin dies Wesen eingesponnen, das versteckt und\ndoch wahr, und das unschuldig in der Tücke war.\nJe mehr sie heranwuchs, desto deutlicher erinnerte\nsie ihn an lauter schon Erlittenes. Bei ihr schien\nAlles runder, entschiedener; er ließ in ihr noch ein-\nmal etwas über sich ergehen wie eine Zusammen-\nfassung aller Anderen; und er erlebte sie ein wenig\naus der Ferne, mit einem nachprüfenden Lächeln.\nEr entschuldigte sich: „War es etwas Anderes\nals Selbstsucht, da ich sie zu meinen seelischen Nei-\ngungen drängen, sie meiner Persönlichkeit unter-\njochen wollte? Vielleicht hätte eher sie das Recht,\nweil sie vollständige* und stärker ist als ich?\nWirklich gehört ihr in meinem Leben ein gewisser\nPlatz; und ich bin nicht sicher, daß ich einen in\nihrem habe. Erziehung? Was für einen\nSchwärmer damals die Einsamkeit aus mir gemacht\nhaben muß! Ich hätte also eine Tigerin zum\nDroschkengaul zähmen sollen?\"\nNoch immer, obwohl sie nun groß war, über-\nnachtete sie oft im Walde. In ihren flatternden\nseidenen Kleidern setzte sie Tieren nach und\nkletterte auf Bäume. Ihr Zimmer war kokett\nmöbliert; und Spuren waren auf den weißen Fellen,\ndem weißen Lack, wie von Tieren, die sich gewälzt\nhätten. Wochenlang mochte sie nur Haselnüsse\nund Beeren; plötzlich kamen ihrem Gaumen die\nschwierigsten Gelüste, und das Haus roch früh und\nspät nach Festen. Vinella hockte sich beim Essen\nauf Leonhards Kniee; schob ihm Bissen in den\nMund, den sie küßte, während er kaute; gab ihm\nden schwarzen Wein zu trinken, in den sie kindlich\nihre rote Zunge getaucht hatte; fächelte ihn mit\nihrem parfümierten Fächer, bis er einschlief.\nErwachte er und sah sie nicht mehr, ward ihm\nbeklommen und leer zu Sinn. Kein Buch ersetzte\nihre Gegenwart. Er rief nach ihr, unter dem Vor-\nwand von Geschenken. Um sie fünf Minuten länger\nbei sich zurückzuhalten, tat er, was er nie getan\nhätte. Er entließ, weil ihre Laune es wollte, seinen\nalten Diener. Er schoß auf die Rehe, die einst nahe\num ihn her, wie in seiner Hut, geweidet hatten.\nDas Geld, das er seinen Neffen schicken wollte, ver-\nlangte sie für sich, und er gab ihr's. Sie hatte nie\num Kostbarkeiten gebeten, außer um glitzernde. Es\nwar ihr gleich, wem das Haus gehören sollte, durch\ndas sie wie ein Windstoß ein- und ausflog. Nur er\nund seine Selbstachtung, fühlte er, galten ihr als\nBeute. Feige, sah er, hatte sie ihn gemacht, wie\njemals eine ihn feige gemacht hatte. Er tröstete\nsich damit, daß er's sein wolle. „Warum war ich\nehedem anders? Weil es zu meinem Glück diente.\nZiel ist immer nur das Glück.\"\n... In dieser Herbstnacht schlief er nicht. Die\nFenster klirrten im Sturm. Fahrende Leute waren\nheute dagewesen. Noch spät war das Tor ge-\ngangen. Was tat jetzt sie? War sie im Walde?\nHatte sie bei sich im Zimmer den zerlumpten\nBurschen, mit dem sie, den Handrücken auf die\nHüfte, geplaudert hatte? Leonhard drückte die\nAugen zu und keuchte in sein Kissen. Sie war nun\nsiebzehn. Längst schon ängstigte er sich,, so oft sie\ndas Haus verließ. Sie hing an nichts, sie war\nherrenlos und gesetzlos. „Eines Tages wird sie\nnicht zurückkommen; und dann, was dann?\"\nLieber noch — er hielt den Atem an — hätte er ge-\nwollt, der Bursche wäre in ihrem Zimmer und sie\nzu Haus. Aber als er dies zu Ende gedacht hatte,\nsprang er auf, legte zitternd Kleider an, nahm den\nLeuchter. Die Tür flog zu, das Licht verlosch, er\ntastete sich über die weiten, wankenden Dielen bis\nan ihr Zimmer, horchte, spähte durchs Schlüssel-\nloch und sah drinnen das Mondlicht sich auf den\nBoden werfen und wieder aufspringen, gleich einem\nGespenst, das tanzte. Er öffnete: sie war fort.\nEr stieg die Terrasse hinab, stürzte sich in den\nWald, der in Aufruhr war, wie ein Meer. Die\nBäume knarrten, wie Masten untergehender Schiffe.\nHundert tolle Lichter, kreuz und quer, zuckten. Die\nLuft brannte einem die Haut und trieb einen zu\nrasendem Laufen und Schreien an. Leonhard\nschrie den Namen Vinella, schrie ihn, unerlösbar, in\nden Sturm, Als er sich wiederfand, saß er auf\neinem Baumstumpf, starrte wirr um sich und merkte\nam Ende, daß er erwartet habe, ihn würden Rehe\nansehen.\nEr kehrte um und betraf sich dabei, daß er\nbetete: laut betete, noch einmal möchte sie wieder-\nkommen. „Dann lasse ich sie nicht mehr. Ich\nführe sie in die Welt. Sie soll den Reichtum kennen\nlernen. Er wird sie fesseln. Sie wird begreifen,\nwas sie an mir hat. Sie wird mich lieben.\"\nIm Hause wehten alle Türen hin und her; es\nwar ganz durchtobt. Er schloß keine, auch die\nseines Zimmers nicht, und zündete Lichter an, so\nviele da waren. Und in ihrem Schein stand dort\nim Spiegel zum ersten Mal ein Alter! Leonhard\ntrat schaudernd auf ihn zu, dem weißes Haar wirr\num das gerötete Gesicht hing. Er blickte ihm in\ndie wilden Augen. „Ein greiser Wüstling\", dachte\ner. „Ich habe nicht gewußt, wie man das wird.\nIch hatte von mir ein anderes Bild. Wie die Namen\nihren Sinn ändern, wenn sie uns selbst meinen, und\ndie Dinge, sobald wir drinstecken!\" Noch eben, er-\ninnerte er sich, hatte er gehofft, sie werde ihn um\nseinen Reichtum lieben. „Ist das schimpflich? Es\nkommt so sehr von selbst.\" Er bedachte auch:\n„Nun ich wieder liebe, stellt sich's heraus, daß ich\nalt bin, — und da steht es nun, das Alter! Unver-\nmittelt: denn ich war so lange schon ausgeschieden\nund ohne Ansprüche, zeitlos vor Einsamkeit!\nWarum habe ich nicht, wie Andere, nach Ehren\ngegeizt? Sie würden mich in schmeichelhafter\nWeise von der Jugend entfernt haben. Unter den\nVerbeugungen der Welt würde ich das Alter lang-\nsam bestiegen haben wie einen Thron, — anstatt\njetzt darin zu erwachen wie in einem Straßen-\ngraben. Aber ich war immer nur ein Sinnlicher.\nAußer den bitteren Bechern, die mir Frauen füllten,\nschien keiner mir trinkbar. Und wenn dieser der\nletzte wäre! Vinella!\"\nSchon merkte er nicht mehr, daß er laut ge-\nrufen hatte; — und wie er an das Tischchen beim\nFenster trat und das Glas mit Wein an den Mund\nhob, wich die Gardine zurück vor Vinella. Ihr\nnächsichtiges Lächeln bedeutete ihm, sie wisse,\nwas Alles er getrieben und gedacht habe. Er reckte\ndie Arme aus: „Vinella!\" Da sagte sie ruhig, ein\nwenig spöttisch, und als wäre es nichts: „Ich\nbin dein\".\nLeonhard wich zurück; ihm schwindelte; ihm\nward kalt. Er schloß, und tastete dabei mit dem\nGlas nach den Lippen, die Augen. Er öffnete sie\nwieder, als der Wein heiß in ihn hineinrann. Dumpf\nwar er versichert, Vinella habe, aus der Gardine\nhervor, in sein Glas ein Pulver fallen lassen, und er"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 308, "texte": "sterbe an dem Trank. Jeder Schluck brannte ihm\nungeheure Wonnen ins Fleisch. Bei dem letzten\nstürzte er. Noch sah er sie erschreckt seinem\nKörper ausweichen. Er sah noch, wie sie, im Be-\ngriff zu entfliehen, ihre großen Augen über ihn hin-\nschickte, ganz unschuldig und in einer Haltung, als\nob es sie fröre."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.5", "titre_corps": "Daniel Jesus : Roman", "titre_sommaire": "Daniel Jesus : Roman", "signature_source": "Paul Leppin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.3", "debut_caractere": 310, "fin_caractere_exclue": 8557, "texte": "Daniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nMarta Bianka hatte die Geschichte der armen\nValeska dennoch gehört. Keiner wußte, daß sie\nlautlos und starr in der halbgeöffneten Tür des\nNebenzimmers gestanden hatte und daß die Worte\nvom Munde Daniels wie große, blühende Tropfen in\nihre wunde Sehnsucht gefallen waren.\nSeit dieser Stunde ging seine Erzählung nicht\nvon ihr. Lag sie auf ihrer Seele und spann sie in\nein dichtes, schimmerndes Netz ein und ließ sie nicht\nlos. Es war ihr mitunter, daß jenes Geschehnis groß\nund unbestimmt sie bedrückte und sie mitnahm auf\nlangen Irrfahrten und Träumen der Liebe, von denen\nihr niemand gesprochen hatte, die sie aber trotzdem\nhell und deutlich kannte, wie die Geschichte einer\nVision.\nMarta Bianka war eine Phantastin. In der\nscheuen Stille ihrer Kinderjahre, die ihre Mutter um\nihr Leben legte wie ein Kleid, war langsam und\nsonderbar ein roter Rauch in ihrer Seele aufge-\nstiegen, in dem sie wunderliche Gestalten und Dinge\nsah. Und wenn sie am Spätnachmittag in dem\ndunkeln Salon saß und die Gräfin in einem Buche\nlas, dann sah sie zu den großen Fensterscheiben\nhin, die die müde Sonne klar und glühend brannte\nund hinter denen die kalte Gasse und ihre Abenteuer\nlagen. Da sp-ann sich allmählich ein fremdes Dasein\nvor ihr weiter, das ihr neu war und dem sie zusah.\nMit hundert Begebenheiten und Wünschen, die in-\neinander griffen und sich vollendeten wie in einem\nRoman. Leute, mit denen sie schon einmal irgend-\nwo zusammengekommen war, tauchten wieder\nauf, aber sie hatten andre Gesichter, wenn sie näher\nhinschaute. Sie waren alt geworden unterdessen,\noder es lag etwas in ihrem Wesen, das überraschte\nund staunen machte. Eine herrische und wilde Art,\nin plötzlichen Gebärden Reue und Haß, Liebe und\nFalschheit zu zeigen. Dann kam es wohl auch zu-\nweilen vor, daß Marta Bianka ihr Leben und ihre\nMutter und das einsame Zimmer vergaß, in dem sie\nwohnte, und in die Welt giijg mit einem von den\nMenschen, die sie vor sich sah und die mit ernsten\nund drohenden Händen in die rote Luft redeten, als\nob noch jemand hinter ihr stände. Oder daß sie\nselber einer dieser Leute wurde und mit drängendem\nHerzen irgend ein Schicksal erlebte, das jemand\nlistig oder gewaltsam schuf und in dem sie ging\nund tat wie in einem Spiel.\nSo war auch die Geschichte des Daniel Jesus\nin ihr Herz wie ein funkelndes Messer gedrungen\nund hatte ihr eignes Erleben und alle seine Reflexe\nin einem wirren Traume getötet, in dem sie auf ein-\nmal von Marta Bianka hinweg und stumm und hilf-\nlos auf einem Wege lief, der hinter Steinen und\nblutigen Schatten in den Tod Valeskas führte.\nDie dumpfen trostlosen Stunden der Entsagung\nund der Angst wuchsen in ihr zu einer Kraft der\nSehnsucht und der Erlösung, die sie hineinreifen ließ\nin die Liebe, wie einen Baum, in dem der Atem\nGottes schlief. Diese Liebe verwirrte ihr Gedächt-\nnis und trug sie hinüber bis über das Ende und die\nTraurigkeit der Geschichte Daniels. Sie wußte noch\nleise und schmerzlich erschrocken, daß Valeska ge-\nstorben war, aber ihre Augen bohrten ungläubig in\nden sammtnen Vorhang der Nächte, und ihre Seele\nkonnte nicht schweigen. Jene große, kostbare\nStunde stand vor ihr, wo Daniel Jesus zwischen\nTränen und Glück ihren weinenden Mund geküßt\nhatte. In der alles offenbar wurde und das Wunder\nin ihr Leben gekommen war, zum ersten Male seit\nJahren.\nVielleicht auch in sein Leben — dachte Valeska.\nMit bunten Schlacken hatte er gespielt und mit dem\nflackernden Zauber seines Herzens. Er war nicht\nglücklich dabei geworden. Aber er mußte es\nwerden. Sie mußte ihm die Liebe bringen, die ihm\ngehörte, heute noch. Sie war nicht gestorben, wer\nlog das nur? Sie hatte einen bösen Traum ge-\nhabt, und der war jetzt vorüber.\nEs stieg eine hohe und leuchtende Nacht, gerade\nso wie jene, von der Daniel Jesus erzählt hatte. Der\nMond hatte über den Boden ihres Schlafgemachs\neinen wundervollen, sehnsüchtigen Teppich gerollt,\nund nur noch ihr Bett stand im Dunkeln. Sie erhob\nsich und sprang im Hemde in die Stube. Ihre\nschönen, weißen Füße standen im Licht, und ihr\nbernsteingelbes Haar verdeckte zur Hälfte ihr Ge-\nsicht, das bleich und regungslos auf jemanden\nwartete. Da ging sie zögernd mit kleinen kindischen\nSchritten zu der alten Rokokotruhe und nahm einen\nschimmernden, weichen Mantel heraus, eine ruhige,\nträumende Seide, und ihre Füße flohn vor dem\nMond in zwei tiefblaue, winzige Pantoffel. Dann\nschlug sie den Mantel um ihr Hemd und drückte die\nTür auf. Unhörbar schlich sie durchs Haus und\ntappte die Stiegen hinunter und öffnete mit dem\nschweren, eisernen Schlüssel das Haustor.\nDurch die weiße, glänzende Gasse flog der\nWind. Es war warm und wollüstig, und der Früh-\nling goß einen rieselnden Schauer auf die Kirchen\nund Dächer der Stadt, und der Spätmärz rief mit-\nunter laut und vernehmbar irgend ein Wort aus der\nFerne. Und oben auf dem Rücken des schauernden\nWindes schwamm der Mond wie eine Braut, die auf\ndie Hochzeit harrt.\nMarta Bianka lief. Sie wußte nicht, wohin, und\nsie dachte nur dunkel und unbestimmt an ein helles,\nschlankes Haus, das sie einmal gesehn hatte, als sie\nmit ihrer Mutter im Wagen vorüberfuhr und\ndie Gräfin etwas sagte, däs sie vergessen hatte.\nUnd dann — das war sie ja gar nicht, jenes Mädchen\nim Wagen. — Wer war das nur? — War das\nnicht Marta Bianka? — Marta Bianka — natürlich.\nSie hatte sie einmal sehr lieb gehabt, es war eine\nstille Träumerin, aber sie war noch jung, viel zu\njung für die Liebe.\nWohin ging sie denn eigentlich? Sie war doch\nValeska und mußte die Liebe zu jemandem bringen,\nheute nacht. Er wußte noch gar nicht, was sie ihm\nbrachte.\nSie lächelte.\nEr wird staunen, dachte sie und merkte es gar\nnicht, daß die Straße ihre beiden kostbaren Pantoffel\nmit den traurigen Perlen gestohlen hatte und daß sie\njetzt mit bloßen Füßen über die Steine lief.\nEr wird glücklich sein und wird sie küssen.\nUnd sie wird niemals mehr fortgehen und sich den\nKopf zerschmettern wie in jener Nacht. Sie wird\nbei ihm bleiben und nicht von ihm gehn. Er war\ngut und hatte Augen wie ein Kind, er würde den\nWeg zum Frieden finden.\nEr — ja, wer war es nur? — Ein Windstoß blies\nsie an, und eisiger Frost durchrann sie. Großer\nGott, das hatte sie ganz vergessen! Sie war so ver-\nwirrt und irr durch die Liebe. Und die Tränen\nstiegen in ihre Kehle. Sie suchte hastig und angst-\nvoll in ihren Träumen und weinte. letzt stand sie\ndraußen auf der Straße barfuß und in Hemd und\nMantel und wußte nicht, zu wem sie ging.\nWar sie denn nicht Valeska? Und da mußte sie\ndoch zu Daniel Jesus gehn —. Sie erinnerte\nsich jetzt ganz genau. Der hatte es ja ihrer Mutter\nerzählt, und sie stand in der Tür und hörte zu.\nIhre Füße wurden müde und schleppend wie die\neiner Kranken.\nZu Daniel Jesus also — dachte sie. Aber wie\nwar das nur? Das konnte gar nicht sein. Den\nliebte sie gar nicht. Der, den sie liebte, war\nanders. Er war jung und schön und hatte einen\nsehnsüchtigen Mund. Manchmal, da ging ein Fie-\nber über sein Gesicht, und seine Augen blieben\nstehn wie im Traum.\nMarta Bianka sah auf. Vor ihr stand hell und\nschlank mit silbernen Fenstern ein Haus. Sie\ndrückte das Schloß, und die Tür sprang auf. Sie\nwunderte sich, daß sie nicht verriegelt war, und\nmußte dann wieder daran denken, daß es nicht\nanders hätte sein können, und daß ihr Leben em\nZauber war.\nDiese Nacht und ihre Liebe mußten so sein.\nUnd leise stieg sie die Treppe hinauf und trat ein.\nZu wem geh ich eigentlich? — dachte sie ver-\ngrämt und schloß die Türe hinter sich zu.\nDann stand sie schön und schweigend in .lern\nweißen Zimmer und sah dem Baron von Sterben in\ndie großen Augen, in denen vor kurzem noch ein\nwilder und banger Traum geglüht hatte.\nSie stand auf dem Eisbärenfell vor seinem Bett,\nund ihr nackter Fuß zertrat das Blut von .rs\nMunde, das unter den Küssen des Barons aus\nden zerrissnen Lippen getaumelt war. Ihr wei-\ncher, zärtlicher Mantel tat sich auf, und Baron Ster-\nben sah, daß sie mit bloßen Füßen im Hemde zu\nihm gekommen war. Ihr gelbes Haar verdeckte\nihre Augen, und sie sagte:\nDas Tor von der Straße stand offen, und r h\nging hinauf. Aber wie kommt es, daß Du Deine\nTür nicht verschließest, wenn Du schläfst?\nDa ging ein Lachen durch die Seele des\nBarons.\nMarta Bianka — rief er.\nMarta Bianka — ich hab sie seit Jahren of: n\ngelassen — für das Glück."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.6", "titre_corps": "Der Fliederstrauch", "titre_sommaire": "Der Fliederstrauch", "signature_source": "Walther Heymann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.3", "debut_caractere": 8579, "fin_caractere_exclue": 9471, "texte": "Der Fliederstrauch\nVon Walther Heymann\nNoch ein Mal sucht\nJugend Dich mit blütetrunknem Hauche.\nJeden Frühling\nwächst so her der Duft vom Fliederstrauche.\nImmer wieder\nwehen werden alle Seufzer süße,\nSehnsucht\nreizt mit Ueberschüttung Deine Rührung.\nUnd Verführung\nstreift vorüber von Verhüllung zu Zerrüttung.\nFrühe Liebe\nspendet leuchtend bunte Grüße.\nViel zu müde\nmacht den Mut uns Honig stummer Tränen.\nDoch nun lehnen\nzitternd wir in Sonnenhaar\nund greifen schon\n— umfassen Wölkchen uns, die streifend zärtlich\nlassen.\nSo erheben\nWedeldolden sich, die quellend sprühen:\nhingegeben,\ndie von Düften überschwellen\nund mit allen Winden blühen,\nHimmelsröte webend uns umglühen.\nSo vergehen, so zertauchen\nlila sie vom grünen Berg, vom Strauche:\n— heiße Wölkchen, Liebeshauche,\ndie ins Gold des fernen Lichtes wehen,\nauch, wie Du, Raub raschen Traumes —\nroter Sternenstaub ins Blau des Raumes."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "108", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.7", "titre_corps": "Dichter : der Unwirklichkeit Anmerkungen zu Büchern des Max Brod", "titre_sommaire": "Dichter : der Unwirklichkeit Anmerkungen zu Büchern des Max Brod", "signature_source": "Ludwig Rubiner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.3", "debut_caractere": 9473, "fin_caractere_exclue": 10943, "texte": "Dichter\nder Unwirklichkeit\nAnmerkungen zu Büchern des Max Brod\nVon Ludwig Rubiner\nAlle paar Jahrhunderte einmal sind die großen\nEntdeckungsreisen auf dieser Erdkugel zu Ende,\nund die Wirklichkeit ist abgesucht. Große und\nunterscheidenden Dinge der Qreifbarkeit und Sicht-\nbarkeit sind gefunden und beschrieben, und es gilt,\nwahrzunehmen, daß von neuem die Jahre einer\ngroßen Epoche abgelaufen sind, die das Wirkliche\nzu Geist machen will. In Heinrich Manns Wer-\nken verdampfte die deutsche Sprache noch einmal\ndie Erfahrungen dieser Augenwelt zu Gefühls-\nsymbolen von einer enthusiastischen Sachlichkeit.\nUnd da die Vokabularien der Mode schnell\nwechseln, so weiß heute jeder, wie lächerlich man\nsich macht, wenn man aus dem Lehrbuch solcher\nWissenschaft zitierte: Naturalismus, Impressionis-\nmus, Neuklassizismus! Eine Variation von Tech-\nniken, die stets nur über dasselbe Stoffgebiet ge-\nspannt wurden, die Wirklichkeit.\nWer wagte an die Ebene der Wirklichkeit zu\nstoßen? In unseren guten Dichtbüchern stecken\ndie vollkommenen Perspektiven hingebungsvoll\nillusionierender Bühnendekorationen. Auf diesem\nStoff der Wirklichkeit kann nur die wechselnde\nBeleuchtung neu und ungewöhnlich wirken, und\ndie Psychologie ist der Scheinwerfer.\n*\nUnser Leben wird in jedem Sinne von Raum-\nfragen erfüllt. Der Raum, den wir verdrängen,\nstürzt sich wieder auf uns mit der Wucht von Fa-\nbrikshämmern, und die Schläge, mit denen die Kör-\nperwirklichkeit uns auf den Schädel trommelt,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8272, "texte": "öffnen unser Bewußtsein für die Wahrnehmung der\nneuen Geographie innerer Räume. Aber müssen\nwir durchaus in die Terminologie der Erkenntnis-\ntheorie abbiegen? Der Raum des Innern ist nicht\neine Projektion unseres Ich: nichts Trennendes\neiner Differenziierung, nichts Unterscheidendes\noder Nuancenfähiges, nichts durch Besonderheiten\nEntwicklungsbegabtes. Die Stetigkeit seines Vor-\nhandenseins kommt uns sehr oft zur Bewußtheit.\nWir wagen es manchmal, uns ein Theater zu\ndenken, auf dessen Bühne eine Bühne steht, und\nauf ihr wieder eine Bühne, und so fort bis zu dem\ngleich schrecklichen wie lächerlichen Gefühl „Un-\nendlichkeit\". Und warum ist unsere Vorstellung\nvon Gott, (kein Denkprozeß) mit der Gewißheit\n„riesengroß\" verknüpft? — da uns das Wort „un-\nendlich\" hier nur als schnelle und allzu bequeme\nErledigung eines bestimmten Raumgefühls durch\neine bloße Definition erscheinen würde. Wir er-\nkennen das himmlische Jerusalem hoch entrückt\nüber den steinernen Schatten unserer steinernen\nStadt. Vielleicht erinnern wir uns an die Opferung\neines Suchers: Baudelaires, der die Raumgefühle\nspäterer und ihm noch fremder Zeiten in die dämo-\nnische Starrheit der reinen Betrachtung sammeln\nmußte. Ueber dem stinkenden Unrat der Straßen\nlag ihm das große Himmels-Paris, in dem Notre-\nDame gigantischer, fratzenhafter und berliozhafter\nist als auf Erden, und wo die sanften Farben-\nbrechungen einer fauligen Hundeleiche zu dem ele-\nmentaren Trompetenschillern neuer Grundfarben\n— in der „Charogne\" — werden. Zwischen den\nunsichtbar sausenden Kreisen der Empfindungs-\ngegensätze zweier Zeiten wurde er zermahlen.\nUnd fünfzig Jahre darauf sind seine Werke schon\nein Katalog sublimer Verse über nichtvorhandene\nGedichte.\n*\nDie Dichtung hat mit der vorläufigen Vernich-\ntung des Wirklichkeitswertes kein Ende erreicht,\nsondern die Perspektiven neuer Ebenen des Be-\nwußtseins gefunden. Brod hat das Glück, in einer\nZeit zu leben, die den Sinn für die Bedeutung des\nWirklichkeitsbewußtseins durch eine außerordent-\nliche Konzentration auf die Form schärft. Die\nDichtung Brods kann daher aller Versuche entbeh-\nren, die nur einen höchst privaten Sinn hätten:\nheftiges Ueberspringen von jenen Grenzmauern der\nForm, die durch die Bedürfnisse nach den Wirkun-\ngen allgemein-menschlicher Grundgefühle in jedem\nKunstwerk stehen; durch sichtbar gemachtes Zer-\nbrechen dieser Kunstformen, oder Niederlassungen\nauf verschleiernden Zwischengebieten eines „Ge-\nsamtkunstwerkes\". Wir alle haben schon längst\ngeahnt, daß ein Kunstwerk möglich sein muß ganz\naus dem Empfinden der Form heraus. Szenen, die\ngeschrieben werden, weil sie ein Kontrapunkt in\nder Polyphonie der Dichtung sind. Für Brod sind\ndie Empfindungserlebnisse, die während des Schaf-\nfens bei der starken Vorstellung der Form erschei-\nnen, zu den Richtlinien eines neuen Raums inner-\nhalb des produktiven Bewußtseins geworden. In\nseinem Roman „Schloß Nornepygge\" schafft er Ge-\nstalten, die eine Funktion der Form sind. Es\nkönnte noch bloße Technik sein. Nun aber wird\ndas Dichtung, wenn die Form als eine Wirklichkeit\ngenommen ist, und Brod sieht diese neue Wirk-\nlichkeit des Lebens als eine riesenhafte und uner-\nschöpfliche Raumsphäre mit neuen Straßen und\nihren neuen Abenteuern vor sich. Er schildert\nin der Novelle „Das tschechische Dienst-\nmädchen\" jenes Bewußtwerden der Trans-\nsubstantation von scheinbar abstrakten Dingen zu\nräumlichen: „. . . Begriffe . . . diese herrlichen un-\nirdischen Formen . . . die sich eben aus der Welt\ngebildet haben, und jetzt frei wie leuchtende klin-\ngende Schalen vor einer reinen seidenen Luft auf\nund nieder schweben.\"\nIn aller Unauffälligkeit liegen da Voraus-\nsetzungen beschlossen, die weit mehr sind als Denk-\nprinzipien eines bloß privaten Kopfes. Von hier\ngehen die Wege durch die Länder des Absoluten:\nman kommt zu einer Kunst, die Werte kennt, und\nden Stoff zu schätzen versteht. Doch wären dies\nnoch Angelegenheiten der Technik. Es ist aber zu\nbemerken, daß jetzt Gott unmöglich mehr eine bloße\nRelation ist. Die Zweifellosigkeit am absoluten\nund persönlichen Wesen Gottes zersplittert das\nnuancenfarbene Wogen des Relativismus zur\ndumpfen Erinnerung an den letzten bunten Wieder-\nschein einer Hölle brutaler Erlebnisse, die irgend-\neinrnal auf der Haut gebrannt hat. Entwicklung\nerscheint nur noch als Jongleurspiel eines Welt-\nvarietes. Uebrigens ist die Welt garnicht so alt,\ndenn die Jahrtausende erscheinen zusammen-\ngedrängt um die wenigen großen Fakta, die die\nGrundgefühle des ganzen menschlichen Lebens\nbilden, und die sich nie verändern. Es kommt\ndarauf an, die Formen der Gefühle abzuwandern,\nund die Variationen, die menschliche Leben bei\nihrem Zusammenprall erfahren.\nEs bestätigt sich auch bei Brod, daß das große\nMittlere aller Ebenen des Lebendigen die Erotik\nist, diese wilde dunkle Höhle der Fremdheit und\nVerwandschaft, der Ort für die Peripherien aller\ngemeinsamen Lebensexistenzen. Erotik als La-\nboratorium der Erkenntnis. Ein Raum für sich. —\n*\nIm Leben der Gestalten solcher Kunstwerke,\ndie aus dieser Verwirklichung des Geistigen er-\nstehen, muß das Notwendige und Unbedingte ganz\nanders sein als unter den Figuren der Realität. Die\nStellung, die jede Gestalt in der Welt der Kunst-\nform einnimmt, wird Voraussetzung und selbstver-\nständliche Bedingung für ihr Geschick, und darum\nauch — für ihr Benehmen. Die Psychologie steht\nnicht im Werk, sondern bleibt beim Leser. Alles\nruht auf der Deutung des Lesers von der Geste\nder Gestalten. Daher ist die Darstellung dieses\nRaumes des Unrealen mit seinem Gewimmel eines\nneuen Lebens, nicht nur als Denkvorgang des Autors\nsondern auch als der des Lesers von außerordent-\nlichster Allgemeingültigkeit. Abstrakte Dinge\nwurden hier Stimmungen. Stimmungen gehen als\nPersonen umher, Gedanken wachsen körperhaft auf\nwie wuchernde Urwälder. Doch könnte dies nicht\nnoch System sein, Manier und bloße Originalität?\nAber Brod schreitet auf dem Kreise, den die Idee der\nForm um die Realität des Lebens zieht als auf einem\nmaßlos großen Wege, von dem man stets beide\nLänder überschaut, die Gebiete der Realität und die\nReiche der Abstraktion. Er weiß immer alles, was\nsich in der Wirklichkeit begibt, aber er ersieht sofort\naas neue und ganz andere, eigene Leben, das sich\nneben den Tatsachen des Realen in den Ländern der\nIdee entwickelt. Darum ist er ganz raffiniert und\nganz einfach. Sein Stil erscheint oft wie eine\nEssenz aus unzähligen Büchern, aber ebenso oft hat\ner merkwürdig simple Wendungen, wie man sie bei\nden wichtigsten Angelegenheiten des Lebens in aller\nEile gebraucht, die Klischees der Not, die alle\nMenschen aussprechen, und deren Wahl nicht mehr\nfreizustehen scheint.\n*■\nDas wichtigste Problem unserer Zeit, das einzig\nwichtige in unserem geistigen Leben, ist das von den\nBeziehungen der Außenwelt zu uns. Nur daher rührt\nalle Beunruhigung in unseren Köpfen, und hier liegt\ndie Culmination eines ganz ungeheuren Komplexes\nvon untergeordneten Fragen, die das Geistesleben\nunserer Zeit alle für wichtig hielt. Alle Angelegen-\nheiten der Kunst ordnen sich um das Erklingenlassen\ndieser Dominante, die: Beziehung der Außenwelt zum\nIch heißt. Im Kunstwerk steckt der Koefficient dieses\nVerhältnisses, und gibt ihm jene größere oder ge-\nringere metaphysische Schwingung, die uns das\nWerk als mehr oder weniger bedeutend erscheinen\nläßt. — Aber in den erzählenden Werken Brods er-\nscheint dieses Problem nicht mehr wie bisher als\nHintergrund der Willensstimmung, sondern es ist\nzum eigentlichen Stoff der Dichtung selbst ge-\nworden. Alles Ringen ist die Reibung dieser beiden\nWelten. Der Roman des „Nornepygge\" ist ein\nphantastischer Riesenmonolog, in dem alle Ent-\nladungen aus den Kämpfen des Ichraumes mit den\nFremdheiten der Außenwelt zur Willensmusik fabel-\nhafter Geschehnisse zusammenblitzen. Das Un-\nwirkliche ist zum Leben seiner Bilder erweckt, Der\nRaum des Realen baut keine Mauer mehr vor die\nweiten Landschaften in den Räumen des Innern.\nUnd ein Dichter gestattet seiner Zeit, zu erkennen,\ndaß die Abenteuer der Wirklichkeit und die Aben-\nteuer der Seele nicht verschiedene Werte haben,\nsondern nur Unterschiede in der Struktur ihrer\nFormen.\nDer Roman „Schloss Nornepygge\" und die Erzählung „Das tschechische\nDienstmädchen\" von Max Brod sind im Verlage Axel Juncker zu Berlin\nerschienen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "109", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.8", "titre_corps": "Gespräche mit Kalypso : Ueber die Musik", "titre_sommaire": "Gespräche mit Kalypso : Ueber die Musik", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.4", "debut_caractere": 8274, "fin_caractere_exclue": 12563, "texte": "Gespräche mit Kalypso\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nMusiker:\nDu bewegst mich nicht, rührst mich nicht von\nmeinem Dreifuß; unbeweglich sitze ich und spreche\nohne Qualm: die Musik kann nur tönen. Nicht ich\nverteidige und begreife die, welche sehnsüchtig nach\ndem Leben haschen, dem harten, vielgeformten, die\nMusik zu einer Bettlerin zu machen. Was solche\nnachahmende verlangende Musik tut, heiße ich zwar\n„tönen\", aber nicht Kunst. Ich glaube wie Du an die\nUnvergleichbarkeit und die strotzende Wertfülle der\nTöne. Aber daß sie eine geistige Kunst, keine blöd\ntönende ist, sagt schon dies: Musik macht nicht ein\nTon, noch viele Töne; sondern sie liegt in den Be-\nziehungen von Ton zu Ton, hängt brückenartig\nzwischen ihnen. Wenn, wie Du fandest, der Ton\naufflattert zwischen den bewegten Dingen, so\ngeistet die Musik zwischen den bewegten Tönen.\nUnd nun mußt Du, ja Du, o Kalypso, schon\nDeinen Platz verlassen, — denn nachdem Du dies\nselbst gestanden hast, bist Du entwurzelt. Auf ein\nMehr oder Weniger kommt es dann nicht an. Die\nMusik ist von Geistes Gnaden, und als Menschen-\nkunst von Menschengeistes Gnaden. Dann trat\nder Mensch und sein Geist vor die Töne, und\nmit ihm alle Wirklichkeit, die sein ist; dann kann\nauch die „Tiefe\" das Grauen bezeichnen, und alles\nmuß geschehen, was Du kennst. Wie Du, sage ich:\ndie Musik bleibt begrenzt auf die Töne, — manch-\nmal dachte ich freilich, — zu Unrecht, —es täte\nnicht Not, dies erst zu sagen, — und sage und frage\nweiter, wie der Menschengeist sich der Töne be-\ndient in den Grenzen und anerkennend die eigen-\ntümliche Bestimmtheit der Töne; wie es so zur\nKunst der Musik kommt.\nWiderstrebe mir einmal nicht, folge mir, Ich\nwill Dir weisen, wie dies geschieht. Sieh:\nMit dem Menschengeist tritt alle Wirklichkeit,\ndie er erlebt, vor die Töne. Er vergleicht das\nKunstwerk mit mancher Wirklichkeit, findet\ndas Kunstwerk arm, wie Du klagtest; ja, da\nderselbe Mensch lebt und musiziert, so findet er die\nKunst bettelhaft. Alles im Menschen wächst ja,\nwächst ineinander, dient sich, stützt sich, zerstört\nsich. Alle Kunst ist Stückwerk, gegen die Wirk-\nlichkeit ist sie Stückwerk. Einiges von der Welt\nkann sie bringen, vieles, einen Nachhall und ein Ent-\nzücken. Aber das meiste bleibt ihr versagt; sie\nbleibt hierin trümmerhaft, verkrüppelt. Sieht man\nes so an, so geschieht auch Peinliches und Ekel-\nhaftes in den Werkstätten der Künstler; es ist, als\nob ein Armloser in der Jahrmarktsbude mit den\nZehen malt und sich dessen rühmt. Die Musik kann\nnur tönen; wohl, aber dann sind die Künste Miß-\ngeburten, von denen man fortblicken sollte, denn\nauf diesem Zwange, mit dem Fuß zu malen, wächst\njede Kunst. Sie geben einen Henkel in die Hand\nund verlangen, man solle sich die Vase mit dem\nFlieder hinzudenken; sie können nur den Henkel\ngeben und müssen doch den Flieder meinen. Aber\nmaßlos, Grenzzerstörer müssen sie sein, Selbst-\nverächter, da sie früher oder später vergebens dem\nReichtum des Lebens gerecht werden wollen; maß-\nlos, — ohne Kunst ist die Kunst. Was braucht es\norphische Musik, damit sich die Säulen bewegen;\ndie Quadern sich zu Toren schließen? Jede Musik\nwill die Säulen anrufen, hebt die Steine in ihrem\nTakt, bringt Blumen zum Duften, die Sonne zum\nLeuchten. Ich verstehe Dich; ohnmächtiger und\nvermessener ist kein Mensch als der Künstler. Und\ndie Himmlischen lachen und schlagen sich die\nSchenkel. — Doch faß ich schwer, daß gerade Du\ndie Musik höhnst, weil sie den Dingen nichts rauben\nkönne, nicht ihre Härte, nicht ihre Form, daß gerade\nDu schmerzlich die Krüppelhaftigkeit der Kunst er-\nkennst, Du, die sich auf einer Meerfahrt mühte um\ndie Dinge und Töne, aufs innigste ihre Brüderung\nund jede Verflochtenheit empfandest: es will sich\nnichts vereinsamen lassen. — Gerade Du wirst\nwissen, wie viel aus sich die Musik kann, die dann\nnicht „nur\" tönt. (Kalypso lächelt.) Willst Du\netwas?\nKalypso :\nSprich nur, sprich nur zu. — Bist mir ein schlechter\nMenschenkenner, mein gutes Musikantchen. Du\nwiderlegst mich; Oder bist im Begriff es zu tun.\nIch brauch' mir nicht Recht geben lassen von\nGründen. — Wollen wir heimfahren?\nMusiker:\nGern, Kalypso, wie Du magst.\nKalypso :\nEr hat das Herz voll und grollt mir, weil ich ihm\nRecht gebe. „Gern\": Gesteh', Du möchtest lieber\nUnrecht haben?\nMusiker:\nWas willst Du von mir?"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5227, "texte": "Kalypso :\nNun, laß uns näher an den Schlag fahren; die Wellen\nmöchte ich an den Füßen spüren. Mir ist heiß und\nkalt, —So herrschsüchtig ist Deine Musik. Oder\nso umarmend liebevoll. Ich trieb Musik immer\ngern, aber ich war ahnungslos bis heut, mit wem ich\nda Umgang pflog.\nMusiker:\nLaß uns hier halten.\nKalypso:\nNun?\nMusiker :\nKalypso?\nKalypso :\nDie Liebe und Umarmung der Musik?\nMusiker:\nIch will Dir von dem Ding an sich der Musik er-\nzählen, von den Eigenwertigkeiten erzählen, die in\ndie Musik eingehen, und von der Beziehung der\nMusik zu der Wirklichkeit. — Wir haben einen so\nsanften Abend. Laß uns sehen, daß wir uns zurecht\nfinden. — Als wir damals auf dem Meere fuhren\nund an die Riesenwanderin dachten, die mit nackten\nFüßen und schleppendem Gewände über das Meer\nzog, Schwalben von unseren Masten und Segeln\naufscheuchte, daß ein Jauchzen und Heulen in der\nLuft stand, wundertest Du Dich über manches, was\nich sagte, und Du verstandest den Nutzen meiner\nBetrachtungen nicht.\nKalypso:\nAh, das Pärchen.\nMusiker:\nEs spricht sich leicht aus, daß die Musik und was in\nsie eingeht, zweierlei ist, vielleicht: Musik und ihr\n„Stoff\", oder sachliche Musik und Tonballast, oder\nDieb und Beute, — doch denkt es sich schwer.\nJene Musikfreunde, die so sprechen, erinnern mich\nan Anatomen, die den Menschen zu kennen glauben,\nweil sie seine Muskeln und Adern trennen und be-\nnennen können. Du verzeihst mir; die Leichen-\nbeschauer und Totengräber der Musik wissen\nnicht, was sie wissen. Laß mich Dir sagen: diese\n€igenschöne, reine Musik ist mehr als tot, ist un-\nwirklich, erdacht; das Fremdwillige, aus der\nWirklichkeit Stammende, das auch unter der Wir-\nkung jener Ton- und Zeitsatzung steht, ist die\nwirkliche Musik. Nicht jene himmlische Musik lebt,\nsondern die geordnete Wirklichkeit der Töne.\nIn der Welt eines großen Denkers treten gestaltende\nFormgesetze und ihr Stoff auseinander, und der\nStoff erscheint nur gestaltet, so daß man auf\nsein Vorhandensein nur schließen kann; das sinnlich\nGestaltete hat alle und alleinige Wirklichkeit; das\nDing an sich aber bleibt vielleicht ein notwendig zu\ndenkender Begriff. Und so auch in der Musik: es\nsind nicht zwei fremde Gewalten, die in ihr kämpfen\noder paktieren; sondern viele Bestimmungen,\nSatzung, — welches Bestimmungen sind am Ton-\nstoff. Der blöde, weil außermusikalische, eigen-\nwertige Stoff, von dem ich bald sprechen will, er-\nscheint als Kunst, als Musik, wo er sich in der ge-\nsetzten Weise ordnet. Die Musik ist nicht ohne\nihn; ohne ihn ist sie ein Gedankending. Etwas\nanderes, Kalypso, ist Vorbild aber, etwas\nanderes Gesetz.\nKalypso :\nNun, laß hören Deine blöden Eigenwertigkeiten.\nMusiker:\nIch fürchte zwar, wir sind uns noch nicht begegnet.\nDoch meinetwegen. Du kennst sie ja, Du nanntest\nsie ja, die Kämpfe der Helden, die Schreie, die\nJagden, die grausigen Schicksale. Der Künstler ist\nin der Welt, ein Teilchen der Welt; sein wunsch-\nvollstes Sinnen und Sehnen durchbricht diese Welt\nnicht; es ist derselbe Mensch, der lebt, ißt, trinkt,\nsich müht und lacht; und der musiziert. Die Er-\nklärung aller Musik fließt aus dem Musiker. Sein\nGeist bindet so die Töne zusammen, wie er die Folgen\nmit Wirklichkeitswerten überlastet. Darum handelt\nes sich in jeder Kunst auch mehr oder weniger um\nWiederholung eines Weltablaufs. Nun aber ist es\nunmöglich, ein Ding wahrhaft zu wiederholen, wie\nDu begreifst; dieses Ziel bleibt jeder Nachahmung\nversagt. Am nächsten der Weltwirklichkeit steht\nnoch jene Nachahmung, die sich mit allem Schein\nder Wirklichkeit belädt, sich der Körperlichkeit,\nder Bewegung, vielleicht auch des Tönens bedient,\num als Abbild jenes Vorbildes zu gelten, — die\ndramatische Kunst des Theaters, der Tanz, die\nPantomime; schon weiter ab verliert sich die Bild-\nhauerkunst, die des Lebens, des Tönens, meist auch\nder Farbe entraten muß; noch weiter die wirklich-\nkeitsgetreue Musik, welche naturalistisch heißen\nmag, die aber der Körperlichkeit, der Farbe ent-\nbehrt. Diese Künste nähern sich einer Ver-\ndoppelung an; ich will sie Nachformungen nennen;\nsie sind unter diesem Gesichtswinkel wohl die\nniedrigsten Künste. — Die Bestimmtheit dieser\nKünste, oder bequem umschrieben, die Mittel, mit\ndenen sie arbeiten, gestatten ihnen die Wirklich-\nkeitsnähe. — Unvergleichbar schon mit jeder Wirk-\nlichkeit ist das gemalte Bild. Es gibt keinen sol-\nchen Querschnitt, solchen Flächenschnitt durch die\nWelt, wie ihn die Leinwand verlangen müßte; hier,\nwo der Weg zur Nachformung von vornherein ver-\nsperrt ist, erhebt sich der Zwang zu Kunst im\nengeren Verstände, zur Erfindung eigener Ersatz-\nmittel. Schembildungen werden hier erzeugt. —\nSie geben einen Henkel in die Hand und bitten, die\nVase mit der Blume hinzu zu denken. Schließlich\nwird die meiste Musik, das geordnete Tönen, selbst\nhierzu versagen; was Musik an ihr ist, die Ordnung\nund Wrertung der Töne, bewirkt dies. Sie wird\nernsthaft nicht einmal den Versuch zu einer Schein-\nbildung machen und sich ganz an Neubildungen be-\ngnügen, oder gar stolz damit tun; gebärdet sich als\nAuftakt der Schöpfung. Wenngleich in diesen Neu-\nbildungen in vielfacher Wandlung und Maskierung\nnoch die Wirklichkeit sich hervordrängt, und so\nUmbildungen erscheinen, oder Stellvertretungen\nder Wirklichkeit. —"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.9", "titre_corps": "Prinzipien moderner Therapie", "titre_sommaire": "Prinzipien moderner Therapie", "signature_source": "B. Werner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.5", "debut_caractere": 5276, "fin_caractere_exclue": 9195, "texte": "Prinzipien moderner\nTherapie\nVon Dr. B. Werner\nDie gegenwärtige Medizin wird in ihren Inter-\nessen, Arbeiten und Publikationen völlig beherrscht\nvon der Serologie, das ist der Lehre von dem Blute\nrespektive dem Blutserum. Die pathologische Ana-\ntomie, welche unter Virchow glorifizierte, ist zurück-\ngetreten; die mikroskopische Betrachtung der Zellen\nhat nicht weiter geführt, wie die Zellularpathologie\nsich rasch verzettelte in vieler unwesentlicher Klein-\narbeit, erschöpfte sich die Bakteriologie. Es stehen\nzwar noch wichtige Entdeckungen aus: die Züch-\ntung des Syphiliserregers ist noch nicht gelungen, die\nAuffindung des Erregers der Masern, des Scharlachs\nnoch nicht geglückt; aber diesem Gebiet fehlt an-\nscheinend die Zukunft und fruchtbare Gedanken.\nDie Serologie befaßt sich mit der Untersuchung\nder Wirksamkeit eingeführter Bakterien und Gift-\nstoffe im Organismus, soweit diese Fremdkörper\nSerumveränderungen machen. Die Medizin bemüht\nsich, die so gewonnenen Erfahrungen für die\nTherapie dienstbar zu machen; und ein Hauptzug\nder gegenwärtigen Therapie ist, dieselben Wege in\nder Heilung zu gehen, wie die Natur, der Organis-\nmus selbst. Sie sucht dem Körper mit denselben\nStoffen zu helfen, mittels derer er sich der Giftstoffe\nerwehrt. Der Serologe findet im Blute vieler In-\nfektionskranker Stoffe, die man als Gegengift auf-\nfassen kann und die der Gesunde nicht hat,\nspezifische Stoffe, welche wesentlich in der Milz\nund im Knochenmark erzeugt werden. Diese Stoffe\nneutralisieren die zugehörigen Giftstoffe, lähmen\nund lösen die zugehörigen Bakterien auf. Man- ge-\nwinnt also aus großen Tieren, die man systematisch\nmit den Krankheitsstoffen behandelt, hochwertige\nGegengifte, Sera für vielerlei Infektionskrankheiten,\nwelche heilende Wirkung auf die zugehörige Krank-\nheit nach ihrer Einverleibung ausüben. Der Krank-\nheitserreger ist in manchen Fällen ein lebendes\nBakterium, in manchen sind es seine Zerfalls-\nprodukte und toten Leiber, in manchen ein abge-\nsondertes Gift. Solche Heilform kennen wir bei\nDiphtherie, Genickstarre, Typhus, manchen Tier-\nkrankheiten.\nVorbeugend und heilend kann man den\nSchutzkörper im Organismus erzeugen, indem\nman mit vorsichtigen kleinen Dosen des Krankheits-\nstoffes den Organismus zur kräftigen Produktion\ndes Heilstoffes anregt, ohne selbst stärkere Krank-\nheit hervorzurufen (Wrights Vaccinbehandlung,\nKochs Tuberkulintherapie, Pockenimpfung).\nHier geht die Therapie indirekt gegen die Krank-\nheit vor, indem sie sich vom Organismus den\nSchutz- und Heilstoff verschafft. Direkt greift sie\ndie Krankheit dann an, wenn sie einen gegebenen\nStoff chemischer Art nimmt und mit ihm den Krank-\nheitserreger vernichtet Die Antisepsis arbeitet seit\nihrem Beginn derart, daß sie die oberflächlich\nliegenden Keime mit Desinficientien abtötet; gegen\ndie Eingeweidewürmer geht man ähnlich vor.\nSchwer angreifbar sind aber die im Blut und in\nden Geweben bei den Infektionskrankheiten aufge-\nspeicherten Bakterien, weil ihre Vernichtung mit\nschweren Desinficientien auch die Vernichtung des\nOrganismus nach sich ziehen muß. Ehrlich in Frank-\nfurt am Main nennt die Therapie, welche eine un-\nschädliche direkte chemische Abtötung der Krank-\nheitsstoffe im Körper bezweckt, Chemotherapie und\ntherapia magna sterilisans. Durch ein- oder mehr-\nmalige Einspritzung bestimmter chemischer Sub-\nstanzen sollen die Krankheitserreger ein- für allemal\nohne Schädigung des Körpers vernichtet, die Krank-\nheiten geheilt werden. Die experimentellen Ver-\nsuche und die tatsächlichen Heilresultate bei dieser\nMethode sind sehr vielversprechend. Hauptsächlich\nTrypanosomenkrankheiten. Syphilis, Rückfallfieber\nsind studiert. Bei Rückfallfieber sind schon einige\nStunden nach Infektion einer Arsenverbindung keine\nBakterien mehr im Blut zu finden.\nDiese beiden Prinzipien also, die der Serum-\ntherapie und der Chemotherapie, stellen die Grund-\nlage moderner rationeller Heilbemühung dar."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.10", "titre_corps": "Russisches Ballett", "titre_sommaire": "Russisches Ballett", "signature_source": "R. R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.5", "debut_caractere": 9197, "fin_caractere_exclue": 10432, "texte": "Russisches Ballett\nR. R.\nIm Vestibül des Theaters des Westens stand\nals Vertreter der russischen Regierung Herr\nBarchan oder Barches, der eigens aus dem Cafe\ndes Westens herbeigereist war, aus welchem er\nPetersburger Briefe an das Berliner Tageblatt\nschreibt. Ich verneigte mich vor seinem Schatten,\nging in den dritten Rang. Dies ist sehr hoch; ich\nkonnte aber nicht höher kommen. Im Haus saßen\nviele Menschen; sie lobten laut die russischen Zu-\nstände auf der Bühne, so daß ich sehr gespannt war.\nKleopatra, Sylphiden und eine Nationaltanz-\nserie gab es. Eins immer schöner als das andere;\nich lüge Sie nicht an. Die greisenhaften Dinge des\nBerliner Hofballets vergaß ich gern; man läßt dort\naus Achtung vor der Tradition Damen aus den\nFreiheitskriegen tanzen, die zu allgemeiner Freude\nnoch gut auf dem Posten sind. Unter Hern Fo -\nkine ein hohes Tanzniveau. Prächtige Gestalten,\njunge Gesichter, persönliche heiße Temperamente.\nPantomime wie bei uns: gelingt nicht, gar nicht.\nWundervolle Gruppen, die sich lösten und\nschlössen; oft schien es mir gesehene Musik. Gute,\nnicht zu viele tänzerische Einfälle. Ich war sehr\nfroh über alles, was ich sah. Mögen die Russen oft\nwiederkommen. Aber Herrn Barchent im Cafe des\nWestens lassen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "110", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.11", "titre_corps": "Schwanensang", "titre_sommaire": "Schwanensang", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.5", "debut_caractere": 10434, "fin_caractere_exclue": 12052, "texte": "Schwanensang\nNun ist sein letztes Lied verklungen. Man\nfühlt: Er hat sich ausgetobt. Professor Pietsch,\ndieser „Schmierer und nichts gelernt habende talent-\nlose Nichtskönner\" entschimpfte sich an der Neuen\nSezession. Am Sonntag, den 22. Mai. Denn man\nwird nicht annehmen, daß eine Redaktion es noch-\nmals wagt, nur eine Zeile solches unsinnigen senilen\nGelalles je wiederdrucken zu lassen. Dieser\nPietsch, der über die dümmsten und langweiligsten\nBilder in dilettantisches Entzücken gerät, erlaubt\nsich von den „greulichen Schmierereien eines\nMünch\" und den „armseligen Machwerken eines\nManet\" zu sprechen. Dieser Pietsch erlaubt sich\nein Talent wie Max Pechstein einen armseligen\nKleckser zu nennen. Dieser Pietsch, der offenbar\ndie Welt bisher nur mit Oeldruckaugen gesehen hat,\nerlaubt sich von der Natur zu faseln, deren Farben-\nreichtum seinen Blicken allerdings stets ver-\nschlossen blieb. Der alte Mann operiert mit den\nAnschauungsbegriffen der Fiebel: Der Baum ist\ngrün, der Himmel ist blau, der Mensch ist schön.\nFür ihn sind Farben mathematische Werte, wobei\ner noch das kleine Einmaleins mit der Arithmetik\nverwechselt. Aber der alte Mann ist eine glückliche\nNatur. Er sieht alles grün und blau und schön, und\närgert sich maßlos, wenn jemand seine Glasglocke\nvon den Gegenständen aufhebt und sie der Wirkung\nvon Luft und Licht aussetzt. Mit einem Mal ist die\nGrünheit, die Blauheit, die Schönheit fort, unendliche\nFarben leuchten auf und Herr Pietsch vermißt\nprompt die Natur, die er mit Präparaten in Spiritus\noder im luftleeren Raum verwechselt. Aber die\nKunst läßt sich ebensowenig begrifflich festlegen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1098, "texte": "wie die Natur. Ich möchte Max Pechstein emp-\nfehlen, den guten Pietsch bei Abfassung seiner soge-\nnannten Kritiken zu malen. Der „lichtvolle Histo-\nriograph\" wird sich wundern, wie gelb sein Gesicht\nvor Aerger geworden ist und wie giftgrün seine\nAugen scheinen, trotzdem er objektiv vermutlich\nüber rosige Wangen und blaue Augen verfügt. Und\nwenn man ihn noch gar impressionistisch in Punkte\nauflösen würde, so wären wir endlich von seinen\njämmerlichen Sudeleien befreit. Bemerkenswert\nist noch die neue Lynchjustiz, die Herr Pietsch den\nDamen empfiehlt: „Der Maler dieses ekelhaften\nScheusals verdiente es, daß die Frauen, deren\nganzes Geschlecht darin schmählich beleidigt ist,\nsich zusammentäten, um an diesem Frauenmaler\ndie verdiente Strafe zu verrichten.\" Dasselbe Mittel\nwird den Malern gegenüber ihrem Kritiker\nwärmstens empfohlen.\nDoch es ist überflüssig. Professor Pietsch,\n„dieser Schmierer und nichts gelernt habende talent-\nlose Nichtskönner\" entschimpfte sich an der neuen\nSezession. Am Sonntag, den 22. Mai. Er hat sich\nausgetobt. Sein letztes Lied verklang. Sein\nSchwanensang.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "110", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.12", "titre_corps": "Die Kunst zu komponieren", "titre_sommaire": "Die Kunst zu komponieren", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.6", "debut_caractere": 1100, "fin_caractere_exclue": 4473, "texte": "Die Kunst zu komponieren\nNichts macht das deutsche Volk glücklicher, als\nseine Künstler bei der „Arbeit zu belauschen.\" Des-\nhalb muß Herr Holzbock unter anderem jedes Jahr\ndie „nicht gepflegte Landstraße passieren, um zu\ndem Sommersitz von Richard Strauß zu gelangen.\"\nAber der „Spezialberichterstatter\" trifft es diesmal\nbesonders gut. Schon im Garten begegnet er dem\nKomponisten. „Er hält ein dünnes schwarzes Heft\nin der linken Hand, in der rechten einen Schreib-\nstift.\" Offenbar lauert der Photograph der „Woche\"\nim Hintergrund. Und Herr Holzbock überrascht den\nKünstler richtig im Schaffen: „Jetzt komponiere\nich wieder halt a bissei.\" Mit diesen schlichten\nWorten begrüßt Strauß auf seinem Sommersitz den\nSendboten des Volkes. Aber zu Ehren des Gastes\nunterbricht er seine Tätigkeit und plaudert halt\na bissei über die komplizierte Art des Vertonens:\n„Hier bin ich am glücklichsten, hier habe ich\ndank meiner lieben Frau, die mir ja auch eine wahr-\nhafte Geistesgefährtin ist, dank meinem herzigen\nBuben jenes ruhige Glück, das ich ersehne, das ich\nnötig habe. Hier geht mir das Komponieren am\nleichtesten von der Hand, hier arbeite ich auch am\nliebsten auch zur Winterszeit. Im übrigen komponiere\nich überall, in meinem schönen trauten Heim und im\ngeräuschvoll internationalen Hotel, in meinem Garten\nund im Eisenbahncoupe, mein Skizzenbuch verläßt\nmich niemals, beim Gehen und Fahren, beim Essen\nund Trinken, immer ist es bei mir, und sobald mir\nein für das mich beschäftigende Thema geeignetes\nMotiv einfällt, wird es meinem treuesten Begleiter,\ndem Notenskizzenbuch, anvertraut. Eine der wich-\ntigsten Melodien für meine neue Oper fiel mir während\ndes Schafskopfspieles ein, zu dem ich mich mit den\nHonoratioren von Garmisch verbunden habe. Die\nEinfälle, die ich notiere, sind eigentlich nur Vorskizzen,\ndie dann erst verarbeitet werden, aber, bevor ich zu\neiner Oper auch nur die kleinste Vorskizze impro-\nvisiere, beschäftige ich mich mit dem Text sech«\nMonate lang. Ich lasse ihn förmlich in mir kochen;\nSituationen und Charaktere müssen in mir bis in«\nletzte Detail durchgearbeitet sein, dann erst lasse\nich die musikalischen Gedanken an mich herantreten.\nAus den Vorskizzen werden Skizzen, dann kommt\ndie Reinschrift der Skizzen, dann die gesamte Ver-\narbeitung, der Klavierauszug, den ich viermal ändere\nund redigiere. Das ist die Anstrengung; was jetzt\nkommt, die? Partitur, die grosse Farbenstimmung\ndurch das Orchester, das ist für mich die Erholung,\nDie Partitur schreibe ich hintereinander ohne Mühe\nin meinem Arbeitszimmer, in dem ich bis zwölf\nStunden ohne Unterbrechung arbeite. So gebe ich\ndem Ganzen die einheitliche Form, und das ist die\nHauptsache.\nDie Kunst zu komponieren. Es besticht zunächst\ndas Dreieinigkeitsidyll: die wahrhafte Geistes-\ngefährtin, der herzige Bube, das treuste Noten-\nskizzenbuch. Vereinigt zur „Winterszeit im\nschönen trauten Heim. Wer es so gut hat, kann\nleicht den Text sechs Monate förmlich in sich\nkochen lassen. Aber dem originellen System zu\nschaffen läßt sich auch ohne diesen Luxus nacheifern.\nVor allem vergesse man nicht, den Klavierauszug\nviermal zu ändern. Und im übrigen: andauernd\nkomponieren, beim Wachen und Schlafen, beim\nEssen und Trinken, beim Gehen und Fahren.\nIngredienzien: a bissei Lieb und a bissei Treu und\na bissei Falschheit. Alles förmlich gekocht und die\nWassersuppe ist halt fertig. Trust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "110", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.13", "titre_corps": "Vermischtes", "titre_sommaire": "Vermischtes", "signature_source": "Minimax", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.6", "debut_caractere": 4475, "fin_caractere_exclue": 7579, "texte": "Vermischtes\nMinimax\nNoch einmal Herr Löwevelt\nBei einem der beliebten Versuche europäischer\nGroßmächte, Herrn Theodor Roosevelt ihre Nicht-\nachtung zu bezeigen, indem sie ihn zum Doktor er-\nnennen lassen, kam es während der letzten Woche\nin Cambridge zu einem bemerkenswerten Zwischen-\nfall. Nachdem Roosevelt behauptet hatte, der Mut\nbei Tigerjagden ließe sich ungezwungen mit der Ab-\nwesenheit der Feigheit erklären, meinte er, man\nsolle mit derselben Ruhe auf einen Löwenkopf\nzielen als wäre es die Wasserkaraffe vor ihm.\nDarauf zog der Student John Murxly auf der\nzweiten Galerie seinen zerrissenen Halbschuh aus\nund warf ihn dem Gleichnisredner an den Kopf. Er\ntraf. Das Wasser lief stromweis. Herr Professor\nKnownot komprimierte die Wunde, füllte mit\nBrausepulver nach, verschloß mit Gummiarabikum.\nDer Student sagte aus, er wollte die Probe auf das\nExempel machen, ob Teddy selbst ein Löwe wär.\nDie Professoren erklärten den Beweis für erbracht\nund gaben den Schuh zurück. Teddy redete er-\nstaunt weiter.\nDas Lessingzimmer\nTietz benötigt zur Arrondierung seines Waren-\nhauses am Alexanderplatz das Wohnhaus G. E.\nLessings; er hat der Besitzerin versprochen, an der-\nselben Stelle pietätvoll ein Lessingzimmer einzu-\nrichten. Das Zimmer wird im zweiten Stock liegen,\nleicht mit Fahrstuhl erreichbar, zwischen den be-\nliebten Abteilungen für Grammophone und Früh-\nstückscafe. Es wird luxuriös eingerichtet werden\n— mit allem Komfort der Neuzeit, so daß sich der\nleider verstorbene Poet zu seinen Lebzeiten dort\nsehr wohl gefühlt hätte. Seine eigenen Möbel, noch\ngut erhalten, repariert und neupoliert, stehen ver-\nkaufsfertig vorrätig. Bedienung seitens eines Herrn\naus dem Lande Nathans des Weisen. Es findet\ndort auch der Alleinverkauf der berühmten Lessing-\nKakes statt, welche der feinsinnige Poet stets ge-\ngessen haben soll, wenn er das nahgelegene Waren-\nhaus besuchte.\nDer Komet\nDie Transvaaler Sternwarte schreibt, daß die\nErde südlich vom Schweif vorbeigegangen sei;\nHerr Professor Rokka aus Mailand sah in aber im\nWesten, nicht wie erwartet im Osten. In Kopen-\nhagen Herr Strömgreen bemerkte nur drei Sonnen-\nflecke, die er vergeblich von seinem Fernrohr abzu-\ntupfen versuchte; der anspruchsvolle Herr hält\nauch den Schweif für zu kurz. Die Berliner Stern-\nwarte sah ihn garnicht, konstatierte aber Rechen-\nfehler in der sechzehnten Dezimale; vielleicht habe\nder Komet überhaupt zwei Schweife. Ich enthalte\nmich jedes Urteils angesichts so autoritativer Be-\nhauptungen; glaube aber, daß das Vieh mit einge-\nzogenem Schweife davongeschlichen ist und daß\ndie dabei entstandene Biegung zu den Unstimmig-\nkeiten geführt hat. Es läßt sich nicht mehr fest-\nstellen, ob der Komet zwei Schweife, wohl aber,\ndaß die Astronomie zwei Hörner hat. Und ich\nmöchte als Unparteiischer die Meinungsverschieden-\nheiten derart beseitigen, daß ich sage:\nErstens: Wenn man gerecht sein will, muß\nman zugeben, daß der Schweif in gleicher Weise\nzu lang war, wie er zu kurz war.\nZweitens: Der Schweif ist allerdings im Osten\nerschienen; wenn man sich aber umdrehte, könnte\nman die Gegend auch für Westen halten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "110", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.14", "titre_corps": "Wir maken Allens dot! : Clownerie", "titre_sommaire": "Wir maken Allens dot! : Clownerie", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.6", "debut_caractere": 7581, "fin_caractere_exclue": 10902, "texte": "Wir maken Allens dot!\nClownerie\nVon Paul Scheerbart\nHopp! Hopp! Hopp!\nDa is er — zieht Zylinder — verbeugt sich und\nsagt ernst wie Staatsanwalt:\n„Dramatuschek!\"\nDer Andre lächelt, klopft sich auf dickes Bauch,\nnickt mit kahles Kopp und sagt schmunzelnd:\n„Serr erfreut, mein Lieber! Ick bin der Ka-\npitalski.\" Händegeschüttel — Schmunzelei — zwei\nStühle — Zylinder vergraben — Männer rauchen\njleich Ziehgarn — bald serr viel Dampf in Luft.\n„Ick bin,\" spricht Dramatuschek, „wie Sie woll\nwissen — ein Schenie!\"\n„Weeß ick längst!\" erwidert Kapitalski.\n„Ick will\", fährt Dramatuschek fort, „bauen\njroßes Theater mit neistes Brimborium und aller-\nscheenstes Humbug (speak: Hömböck!). Wir\nmaken allens dot. Jiebst Du Kapital? Speak, Ka-\npitalski!\"\nJast legt rechtes Bein auf linkes Bein, raucht\nwie Schornstein und kickt jradaus wie Tatmensch,\nKapitalski steckt rechtes Hand in sei Rocktasch,\n— zieht aber jleich wieder Hand raus.\nDramatuschek kriegt Courage, redet feste:\n„Mensch — jutes! Denk an! Ick hab jroßes Je-\ndanke mit jroßes Mond — das schwebt auf Podium\nund quiekt: Au!\"\n„Jroßes Narr — kei Schenie!\" murmelt Kapi-\ntalski — Jast seiniges jleich serr hitzig.\nDramatuschek, das jroße Schenie, erhebt sich\nvon Stuhl und hält wildes Red:\n„Du hast kei Ahnung, Kapitalski! Weißt Du„\nwas ick will maken? Ick will maken jroßes Theater\n— serr jroßes und auch serr kleines. Da sollen\nSterns vons Himmel auftreten als Aktors, sollen\nsein tiefsinnik wie altes Sokrates — noch merr tief-\nsinnik. Jrosse Riesendame sollen ooch kommen in\nschlackerndes Feuer und buntes Pfaulicht. Tanzen\nsollen Panthers und Kameeis, Oxen und Schenies.\nJanzes Welt soll werden gekrempelt um. Allens\nmaken wir dot! Siehste, Kapitalski?\"\n„Nix seh ick!\" schreit der Herr mits Port-\nmonnee.\n,0 du Eichkatz!\" kreischt nu Drama-\ntuschek, „hast Du kei Fantasie? Mal Dir aus ein\njroßes Kunst mit Blitz und Donner — mit jroßes\nKrieg mit herzzerdrückendes Jejammer und bom-\nbastisches Seligkeit. Wir maken Allens dot!\"\n„Kei Kunst!\" repliziert Kapitalski, „dotmaken\nkann jedes Mörder. Aechtes Kunst muß maken\njutes Appetit — aber nich dickes Kopp.\"\nDramatuschek flennt wie trauriges Mutter und\nsagt dazu:\n„Materialiste biste — kei Schenie! Aber jieb\nKapital — dann biste Ober-Schenie — Erz-Schenie\n— Qold-Schenie — General-Schenie! Jieb Kapital!\nSei Freund!\"\nJutes Mensch janz jerührt — umarmt Kapitalski\n—- der steckt wieder Hand in Hosentasch — zieht\nraus blankes Ding — ächtes deutsches Pfefinig —\njiebts an jutes jerührtes Mensch.\nUih\nBumm!\nDramatuschek springt hoch in die Höh, schreit\nwie Schwein bei Schlächters — makt immerzu Sal-\ntomortals und packt altes dummes Kapitalski an\nGurgel — dreht — dreht — dreht ab das Kopp.\nWie Kopp in Dramatuscheks langes schmales\nHand, steht Kapitalski ohne Blut und ohne Kopp\njanz ruhig auf — und — redet Bauch sagt\ndunkel:\n„Kapitalski kann leben ohne Kopp\nbraucht kei Kopp.\" Kopplos jeht das harte Mensch\nin sei Stall.\nDramatuschek heult wie Wolf, schmeißt Kapi-\ntalski-Kopp mang Publikum, daß alle Menschen\nquietschen und fällt steif wie trocknes Brett\nauf sei Nas.\nPublikum janz dumm.\nSchenie Dramatuschek weint blutijes Trän\nSand wird naß und rot immer merr nass —\nwird rotes Strom — und armes Kerl schwimmt\nfort auch in sei Stall ....\nArmes Dramatuschek!\nArmes Kerl!\nRotes Strom wird rotes Meer!\nArmes Publikus! _"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "110", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.15", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.6", "debut_caractere": 10904, "fin_caractere_exclue": 11119, "texte": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nSAMUEL LUBLINSKI\nDie Entstehung des Christentums aus der\nantiken Kultur\nVerlag Eugen Diederichs Leipzig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "110", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.16", "titre_corps": "Berichtigung", "titre_sommaire": "Berichtigung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.6", "debut_caractere": 11121, "fin_caractere_exclue": 11392, "texte": "Berichtigung\nIn dem Beitrag von Karl Kraus Perversität (Nr. 1 ;\nist zu lesen auf der zweiten Spalte 37. Zeile von unte\nHandlung „heterosexuell\" statt Handlung, „heterosexuell ,\nin der dritten Spalte 3. Zeile von oben gradlinige Resu -\ntante statt gradlinigen Resultate. _"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 176, "fin_caractere_exclue": 756, "texte": "or\n6 Prozent Rabatt!\nEhrenpreis der Stadt\nBerlin 1906\nEhrenkreuz und goldene\nMedaille 1908\n„Mulvoss\"\nMULHAN & VOSS\n6 Prozent Rabat!!\nD. R. Patent ::::::::\n:::::::: D. R, Q4 M.\n:: Auslandspatente ::\nKochstrasse 75 BERLIN SW Ecke Wilhelmstrasse\nChaiselongue\n:: Kein Umbetten! ::\nKein Abriicken von der Wand!\nJedes Zimmer kann in ya Minute\nals Schlafzimmer benutzt werden\nVerwandlung\n11. Geschaft: Liitzowstr. 91, an der Pots-\ndamerstr.:: Fernspr. Amt 6, 7197\nm\niniOiiiiilllMOTiiiiiiiliiliiliii\nSofa\nBett\nVerwandlung\n111. Geschaft: Konigstrasse 7, neben\nIsrael:: Fernspr. Amt I, 7364"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 758, "fin_caractere_exclue": 1662, "texte": "Gustav Z., 48 Jahre\nPhotogr. am\n10. Juni 1908\nrr\nGustav Z.t 48 Jahre\nPhotogr. am\n11. Nov. 1908\nGebrauchen Sie\nZubeils Rossmark-Pomade a Mark . . 1,—, 2,—\nZubeils Haarmilch zur Haarpflege .... 1,75\nZubeils Crinol-Creme 3,—\nzur Gesichtspflege. Gesichtsfalten (Runzeln) verschwinden unter\nGarantie la elner Nacht.\nZubeils Rossmark. - Einreibung a Mark 1,50, 2,50\nwird von Aerzten empfohlen and bei Reissen, Rheumatismus, Glcht\nverordnet, beseitigt die Schmerzen sofort. Verlangen sie aber\noar unsere Artikel, wo unser Reklame=Plakat im Schaufenster hangt.\nDurch 5 jahrige Erfahrung sind wir in der Lage,\nIhnen auch bei vollst&ndiger Kahlkopfigkeit fiir\nErsatz zu garantieren. Wir zahlen Ihnen den Be-\ntrag zurilck, wenn Sie nach Gebrauchsanweisung\nverfahren, und keinen Erlolg haben. Wo nicht erhSlt-\nlich durch Boten frei Haus oder per Nachnahme\nGUSTAV ZUBEIL U. SOHN\nBerlin NW. Wiclefstrasse 24 (11, 2347)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c019", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 1664, "fin_caractere_exclue": 2079, "texte": "Internal Patentbureau,gegr. 1993, Fitte&Theune\nBerlin S.W. 48 Friedrichstr. 230 Tel. 6a. 18981\nlusarb. ?on Erlindungsideen. Patentanmeldung i. all. Miss. Preis\nNie Naehzahlungen. Sehnelle Yerwertung tod Patenten 0. jegl. Yorsehuss\nit . I 1. * welches. 112. Beteiligung an d. Ausbeutung von Pa-\nKail m mPII tGtGn interess- bitten wir um Ihre Hdresse um\nUUpilUllulUll| kostenlos. unverbindl. Hngebote machenz.konnnen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 2081, "fin_caractere_exclue": 2223, "texte": "JEDE FRAU\nlese die Stoning der Periode zur\nSelbstbehandlung- von Dr. Lewis\nStatt 1 Mk. nur 50 Pf. in Briefm.\nH.Streubel, Berlin 16 Franzstr.l4"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c021", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 2225, "fin_caractere_exclue": 2373, "texte": "DIE TAT\nWEGE ZU FREIEM\nMENSCHENTUM\nVIERTELjAHRL.M.2 HEFT M.0,80\nEINE MONATSSCHRIFT\nHERAUSOEGEBEN VON\nERNST HORNEFFER\nVERL. DIE TAT 0.m.b.H., LEIPZIG"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c022", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 2375, "fin_caractere_exclue": 3118, "texte": "Gebr.Staph, Pforzheim\ns\nrO\net-\n-a <\"\n5: cd\no —\no-s\neS\n535\n■<r\nc-i\n2 6\nO 3\nCO\nflOE-\nw\nvO\nF\nBez. 56. Langj. Liefer. Hunderter furstl. u.\nadel. Il&user empfehl. ihre allerl. Neuh.\nin Bestecken, Gold- u. Silberwaren zu\nbilligst, Preisen. Versand\ngeg. bar od. Nachnahme.\n11311. Brosche, 14 k. Gold,\n3 Perlen, M. 24.—\n10 175.\nRing m.Mixt,\n14 k. Gold,\nM. 13.80.\n8 k. Gold,\nM. 9.—.\n8»\n£? ci\n=q io\n£\n0»\nWWTS\nOS\nm\n\"O\nV) N\nQ\n® cx\n\"S3\nXI\nO\ni-\nco\nC--0\n11 344. Sportsbrosche, 14 k. Gold.\n1 Rubin, Griff Platina, M. 18.70.\nNur tadellose Arbeit unter Garantie fur Feingehalt. — Alt® Schmucksachen ar-\nbeiten wir zu modernsten Stlicken, nehmen Gold, Silber, Edelsteine in Zahlung.\nKataloge m. Tausenden Abbildg. gratis u. franko. Ansichtssendungen zu Diensten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c023", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 3120, "fin_caractere_exclue": 3817, "texte": "Berliner Konservatorium fur Theater und Musik\nDIREKTOR C. A. SACHSE\nBERLIN N 39 :: Mullerstrasse 178 (Weddingplatz)\nTHEATER-SCHULE\nVollstandige Ausbildung fiir Schauspiel,\nOper, Operette, Posse und Ballett\nVARIETE-THE ATER=SCHULE\nKomiker-, Soubretten- und Artisten-Schule\n12 Fachlehrer\nBisher 3000 Schuler (H erren, Damen und Kinder) mit bestem\nErfolg- ausgebildet\nz. B. Ernst Kleinert, Walter Bahrmann, Willy Walde (Damen-Imitator), Emil Kante,\nHellon Angerie, Bellini, Graff, Pieper, Direktor Lucas-Schwieger, Pohlei etc. etc.\nDie Damen: Mile. Nanon, Blatter, Neumann, Captive, Hardinis, Mazoni, Cltre\nLorma etc. etc.\nEintritt jederzeit Kulante Bedingung-en\nNach erfolgter Ausbildung: Engagement"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c024", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 3819, "fin_caractere_exclue": 4707, "texte": "flip QHflfCjltTlP Hfllicffflfl großen Wert auf die Woh-\nLf lC opctioctillC 1 IttUMTUU nungsbeleuchtung! Rechnen Sie\nsich aus, was Sie im Jahre fiir den Bedarf an Gluhkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie eineß guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-Gliihkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusammen-\ndrficken konnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Hartalin-Gliihkorper\nhaben eine Leuehtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50°/fl. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fiir die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Prels p. Stck. 50 Pfg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. und Techn. Nenheiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 4709, "fin_caractere_exclue": 5231, "texte": "Akustik=Sprechmaschinen\nvon der einfachsten bis zur vornehmsten Ausstattung in kulanter und durchaus\ndiskreter Bequeme Zahlweise, geringe Anzahlung,\nWeise : «*UI 1 CIUaIHUUg Rest in wochentlichen oder Monatsraten\n©\nFrovlßiongrelgende and Vertreter gresucht\nI I Hoher Nebenverdienst £\nfUr Personen jeden Standes durch Vertrieb oder Nachweis von Kaufern\nAkustik-Sprechmaschinenwerke Berlin W 66\nMauerstrasse 86—88 :: Fahrstuhl :: Tel.: I, 7497\nSpetialitat: Akuatophone. Trichterlose Apparate in Schatnllen- and Schrankform\n©"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 5233, "fin_caractere_exclue": 7929, "texte": "Jtl\nJ\n3\nZur Bekampfung der\n»Kindersterblichkeit«\nEine der Hauptursachen der iibergrossen Sterblichkeit im ersten Lebensjahre\nliegt in der Mangelhaftigkeit einer angemessenen Ernahrung der Sauglinge. —\nUnter den vielen Ersatzmitteln der Mutterbrust hat in letzter Zeit eines immer\nmehr und mehr infolge seiner hervorragenden Eigenschaften die Aufmerksamkeit\nder Aerzte und Laien auf sich gezogen und behauptet heute den ersten Rang\nunter denjenigen Sauglings-Nahrmitteln, welche aus frischer Kuhmilch hergestellt\nwerden: die Backhausmilch. Die Backhausmiicli entspricht in physio-\nlogischer und hygienischer Hinsicht dem Vorbild, wie es uns die Frauenmilch\ndarbietet und ermoglicht, wie diese, eine regelmaßige, von außeren Storungen\nunabMngige Entwickelung des gesunden Kindes. — Dann aber stellt sie im Falle\nvon Magen- und Darmkrankheiten des Sauglings ein Diatetikum von entschiedener\nHeilkraft dar, welches die Behandlung mit Medikamenten wesentlich unterstutzt,\nja manchmal ganz entbehrlich macht. — Sie bildet, als das ausschliessliche\nNahrungsmittel wahrend der ersten 9-10 Monate, ein durch kein anderes\nPraparat mit gleicher Sicherheit zu ersetzendes Vorbeugungsmittel gegen die\nso ungemein verderblichen und haufigen Brechdurchfaile. Vielfache Versuche\nan Kliniken, Krankenhausern etc. haben Vorstehendes zur Geniige erhartet.\nfrwKferfioe Kinicr\nMitch _\n£? Ijhzs//c/T?sI112 h die b&si&112 vow crston LGbGnstsgg\nWte DdCmiaUSmuC// an bGkHmmUche Saugl/ngsnahrung.\nDie Herren Arzte werden gebetenj Proben und Literatur zu verlangen von folgenden\nBackhaus-Milchansta/ten\nAachen-Burtscheid: Stadt. Miichanstalt.\nBrunn (Mahren): Centralmolkerei. — B\n— Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: R.\nGutsmolkerei Kempf. — Elberfeld, Doroiuccnsu. n.n.oauci. — rrauKiurt a. m., vjinnneimer Lanastr. 74: r. cjottschalk.\n— Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Halle a. S., Dessauerstr. 5: Nutricia. — Hamburg, Guntherstr. 6/8: G. Hildebrandt.\n— Hannover-Linden, Deisterstr. 31 :Dr. Friedel Nachf. — Heilbronn, Herbststr. 26: Ferd. Marx — Karlsruhe, Gerwigstr. 31 :\nNutrica. — Kalserslautern: Emil Andre, Dampfmolkerei. — Kolna. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schiirmann Nachf. —\nKrefeld, Inratherstr. 191: H. Bogelmann. — Leipzig: Nutricia, Kronprinzenstr. 52. — Magdeburg: Magdeburger Molkerei.\nOlmutz (Mahren): W. Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbuttel bei Berne (Bremen-Olden-\nburg): Stedinger Molkerei. — Stettin, Hohenzollernstr. 50: Nutricia. — Stuttgart, Lerchenstr. 24 a: Nutricia. —J Teplitz-\nSchonau (Bohmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwinkel: Nutricia, Otto Volkmann. - Wiesbaden, Bleichstr. 26:\nI Wiesbadener Molkerei. — Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl.\nrv"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 7931, "fin_caractere_exclue": 8328, "texte": "ModerneHaararbeiten\n| finden Sie in jeder Preislage im Spezial-Haargeschaft von ||\n2 Otto Teutscher und Friseur 5\na l.Oeschaft: Berlin, 106 a Potsdamerstr., Eing. 63 StegHtzerstr., Tel. VI, 6735 5\n11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Telephon Amt Charl., 6387\nElegante Shampooing- nrj Champooing mit Frisur 1,50 Mark fl\nund Frisier-Salons ::: l_*_J Manicure 1,50 Mark j\n■■■■■OOOOOOOOOIHII"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "debut_caractere": 8330, "fin_caractere_exclue": 8956, "texte": "Privatbeamte und Ange=\nhorige der freien Berate'\nSorget fur Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Vertretung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und rechtlichen Interessen der Privat»Beamten gegriindeten,\ndurch landesherrl. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nBEirttlEl riIfiMEIKTEI-TglEm ZD IMGDEMMC\nZirka 28 000 Mitgliedtr in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahistellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waisen°\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohlfabrtseinricktungen\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjShrl. Beitr. 3 M.:: Man verl, Prospekt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c029", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "114", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.8", "debut_caractere": 170, "fin_caractere_exclue": 730, "texte": "A. Jandorf & Co.\nSpittelmarkt Belle-Alliancestr. Gp.Frankfurterstr. Bpunnenstp. Kottbusep Damm\nGarten- und Balkon ■ Wlobel\nHolz-Klappmobel\nm\nit*\ntill\n/f'\nflach zusammenlegbar\nSessel 3.851 Tisch ca ss-wcm 4.751 Bank 6.251 Siuhl 1.95,2.25\nFeldsttthle 48, 95,1.25 »« Lehne\nTriumphsttihle 2.25\n1.25\nmit\nArmlehne\n2oe mitArmlehne Qnr\niOd u. FussstUtze 0./O\nMr QC\nKinder Uvl Pf.\nji&b,\nM\nI\nv J\nt'u\nuflti\n>UL\n□\n4ft!\nmm,\nn\nZusammenlegbarer Wag en\nmahagonifarbig lackiert, mit bordeaux 112 O n/|\nLedertuch, Gummir&der IW.Uv\nKorbsessel\nPolsterung mit\nKretonnebezug ..\n4.85"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c030", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "114", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.8", "debut_caractere": 732, "fin_caractere_exclue": 956, "texte": "HOHER GEWINN\nbietet sich Kapitalisten,\ndie sich mit >:\n20 BIS 30 000 MARK\nan einem originellen Zei-\ntungsunternehmen auf\nsicherer Grundlage\nstill oder aktiv beteiligen\nOfferten an die Annoncen-Annahme ALFRED BOTS, BERLIN W35"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c031", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "114", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.8", "debut_caractere": 958, "fin_caractere_exclue": 2304, "texte": "Handelswissen- EVioHr Mocfpp t •\nschaftl. Kurse von ITieUI. IVIBMCI Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theone und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung). Griindliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\niahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntmssen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tStig waren und den\nForderungen der Oegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder .\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Junsten, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder VerbSnde,\nAktien- oder Shnlicher Oesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c032", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "114", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.8", "debut_caractere": 2306, "fin_caractere_exclue": 2689, "texte": "Spezlaladressen Geschafte vornehmen Genres\nFiirstlichkeiten :: Diplomaten :: Hohe Militars und Offiziere\nHofstaaten :: Mitglieder feudaler Klubs :: Geburts-, Geistes-\n:: und Geldaristokraten :: Biihnenmitglieder etc. etc. ::\n52525! Gut durchgesiebtes, erstklassiges Material 2SSSSS\nErmittelungen in diesen Kreisen diskret und zuverlassig\nS« C. A. Rittner, Kongrefibeamter, Berlin N37"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c033", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "114", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.8", "debut_caractere": 2691, "fin_caractere_exclue": 2913, "texte": "FORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteranenstrasse 19 Telephon Amt HI, 8164\nDETECTIVABTEILUNO: Ermittelungen, Beobachtungen,\nHeranschaffung von Material in Civil- und Strafsachen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-02-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-02_01#c034", "volume": "bmtnabg_1910-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "114", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.8", "debut_caractere": 2915, "fin_caractere_exclue": 3677, "texte": "FF\nn\nE\np\nP\ni\nt.\nin\nf-\ni\nS\n4-\n;:1P\nE\nfx\nft\nttt\nVt\nt\nr\n;v\nr:!£.\n*r.\niA<\\*\nera\n»\nVvw<\"\n&■».\nhH «**\nWr\n•J :»\n2\nT troCKC11\nCAN\nPDPFERBER6 RIESLING!\n' »\n• ntsn /r # r\nJUUfi*> j;\nHOriiKFE^\n11 Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schon\nals solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hochste Voll-\nkommenheit erlangen muß. —\ntfUnsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad' Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundci 1850\n: Ueber Bedeutung von \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten AufschluJS."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: 10 Pfennig\nDER STURM\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: BerlinW3s, Potsdamerstr. 111/AmtVl 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark j Halbjahresbezug 2,50 Mark/\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 2. JUNI 1910/ WIEN\nNUMMER 14\n\nProfessor Adolf Wagner protestiert in Chemnitz vom evangelisch-sozialen Standpunkt aus gegen\ngrosse Damenhüte und durchbrochene Strümpfe, die sich eine gesunde Volkswirtschaft nicht in die\nSchuhe schieben lässt\n\nINHALT:\nR. LAUDON: Robert Koch / HEINRICH\nMANN: Alt / PAUL LEPPIN: Daniel Jesus / Roman /\nWALTER HEYMANN: Der Fliederstrauch / LUDWIG\nRUBINER: Dichter der Unwirklichkeit / ALFRED\nDÖBLIN: Gespräche mit Kalypso über die Musik /\nDr. B.WERNER: Prinzipien moderner Therapie / R. R.:\nRussisches Ballett/TRUST: Schwanensang / Die Kunst\nzu komponieren / MINI MAX: Vermischtes / PAUL\nSCHEERBART: Wir maken allens dot!/KARIKATUR:\nProfessor Wagner\n\nRobert Koch\nVon R. Laudon\nDer Haß des Niveaus gegen die eigenwillige Be-\ngabung, der alte Haß, der in diesen Tagen durch die\namerikanische Schmeichelei: Der Durchschnitts-\nmensch sei doch der beste Kerl, neu gesegnet\nwurde, verstummt vor dem Qrabe eines Arztes.\nRobert Koch gehört zu den Kolossen, die sich über\ndie Jahrhunderte hinweg verständigen. Ihn kenn-\nzeichnete nicht die Umfänglichkeit und Universalität\ndes Geistes, er hatte nicht die PseudoVielseitigkeit\njener Gelehrten und Staatsmänner, welche nach\nrechts und links hin schwatzen und ihren Spezialruf\ndurch das Ausbrüllen ihrer allgemeinen Unbildung\ndiskreditieren, sondern lebte seinem scharf um-\nrissenen Genie mit instinktiver Sicherheit. Wenn\npoetische Naturen die Trockenheit und Weltfremde\ndes Gelehrten belächeln, so mögen sie von Koch\nlernen: die Intensität, die Leidenschaftlichkeit der\nBemühung, die kraftstrotzende Größe auf an-\nscheinend kleinem Gebiet. Er wuchs nicht in die\nBreite, sondern in die Tiefe. .\nMan versetzt sich schwer in die medizinische\nZeit vor Koch. Man hört mit Staunen von der pein-\nlichen Verwirrung, in welche kleine probierende\nKöpfe die Medizin gestürzt hatten. Den maje-\nstätischen Todeszug der Seuchen hatte man viele\nMale beobachtet; man ahnte, worum es sich handle,\naber es ließ sich nicht fassen. Koch brachte mit\nseinen ersten Mitteilungen Methoden von über-\nraschender Einfachheit, er lehrte die Aussaat der\nKrankheitserreger auf feste Nährböden, zeigte\ndie Erreger mehrerer Seuchen, wies auf das exakte\nTierexperiment. Ihm und seiner Schule gelang es,\ndie meisten Infektionskrankheiten zu enthüllen. Es\nwurde ihm nicht zuteil, die finsteren Prächte dieses\nTodeszuges aufzuhalten, aber er hat sich dem un-\nnahbaren Vorgang wie keiner vor ihm genähert und\nseine Musik mit allen Instrumenten aufgezeichnet.\nWir leben mit all den Bazillen, Kokken, Spi-\nrillen; wir sind nicht allein. Wir würden nicht sein\nkönnen ohne die Mitarbeit der Milliarden Lebewesen\nin und auf unserem Körper. Wie ein Korallenstock\nwachsen wir Menschen. Aber von Zeit zu Zeit\ndurchbrechen einige unserer Helfer den freund-\nschaftlich geordneten Zusammenhang, überwuchern,\ndringen in den Organismus ein, entwickeln giftige\nArten; es kommt zur Krankheit. Diese giftigen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.2", "texte": "Arten zogen Koch an. Er reiste den zauberhaften\nDingen in einem unbezwinglichen Drange nach weit\nbis in afrikanische Wüsten, spürte ihrer unheimlich\nhinterhältigen und verschlungenen Lebensweise\nnach. Er schwamm ihnen schweigend in die Tiefe\nnach, bis er sie hatte und wie ein klirrendes Torpedo\naufwarf.\nEr liebte gerade scharfe Gedankengänge, lehnte\ndas Nebenbeiliegende und Theoretisierende ab. Er\nwar ein Gegenstück zu dem anderen lebenden Klas-\nsiker der Medizin, Paul Ehrlich, der, ein phantastisch\nstrenger Logiker, von Schluß zu Schluß schreitet\nund sich von hier aus der Tatsache bemächtigt.\nKoch blieb keinen Augenblick ohne Fühlung mit der\ngreifbaren Wirklichkeit; er ging von Wirklichkeit\nzu Wirklichkeit. Er war ein Nichts vor ihr, ein\nOrgan, ein Mund. Ein Gott gab ihn der Mensch-\nheit, zu sagen, was sie leidet.\n\nAlt\nVon Heinrich Mann\nLeonhard schloß die Tür und wünschte sich,\nsie nie wieder zu öffnen; die Straße, die er nun\nging, zum letzten Mal zu beschreiten. Er fand, diese\nFrau habe ihm den bitteren Becher wieder einmal\nvoll genug gegossen, auf die Neigen, die noch von\nden anderen darin waren. Ihrer Aller Herrsch-\nbegier, ihre Sucht, einen auf die Probe zu stellen,\ndie Ruhelosigkeit ihrer Empfindungsart und ihre\nUnfähigkeit, uns Freund zu sein: ihm deuchte, er\nhabe von alledem, um die Mitte der Vierzig, zum\nSterben genug. Er erinnerte sich eines einsamen\nHauses am Wege nach Süden; weiß stand es vor\ntiefem Wald; — dort ließ sich ruhen: er wollte hin!\nNoch Nachts packte er ein. Schloß er die Lider,\nstand das Haus darin. Vor Jahren hatte er's be-\nsichtigt; es hatte Wasser an den Grundmauern.\nEr fand es noch immer leer und kaufte es.\nDie Vorderseite sah weiß besonnt ins Hügel-\nland. Aber hinten stieg Leonhard von der feucht-\ngrünen Terrasse in den Wald hinein, der ihn in\nstarke Arme nahm, besänftigte und kühlte. Leon-\nhard ging barhäuptig, ließ die Zweige ihre Tropfen\nan seinem Gesicht abstreifen, legte sich in Bäche,\nsaß lange regungslos auf einem Baumstumpf, und\nnichts war zu hören in dieser Schattentiefe, als der\nLaut des von Rehen abgerupften Grases. Eins der\nRehe weidete so nahe, daß er es mit seinem Stock\nhätte berühren können. Nun hob es seine großen,\nschwachsinnigen Augen auf ihn, ganz unwissend, in\neiner Haltung, wie wenn es fröre; — und auf ein-\nmal begriff es und tat, um zu fliehen, einen Ruck,\nals risse es sich los . . . Allmählich gewöhnten sie\nsich an seine stille Form; und ihm war, wenn sie\num ihn her die sanften Hälse wendeten, wie bei\nWesen, die er behütete und die ihm vertrauten.\nDen Winter erwartete er unschlüssig in seinem\nZimmer; aber als er kam, war er gut und fruchtbar.\nDurch die Gänge, die leeren Säle klapperte, stieß\nund schleppte der Wind bis an Leonhards Tür.\nDrinnen hatte er's warm, hatte sein Bett, seine\nFelle, seinen Tisch mit Büchern, — und sah er auf,\nkrümmte drunten, hinter den fünf hohen Fenstern,\ndas eisige Hügelland sich unter Sturmschlägen. Nur\nunwirtliche Straßen führten in die entbehrliche\nWelt. Leonhard beglückte es, daß er sie entbehren\nkonnte. Er staunte, wie er nicht früher gemerkt\nhabe, Landschaften und Bücher ersetzen die\nMenschen. Scham und Grauen berührten ihn bei\ndem Gedanken, er hätte imer weiter, unabsehbar\nweiter Alles was sein war, an das Lächeln und die\nLaunen von Frauen gehängt, an die regellosen\nDinge, die in ihren Köpfen geschahen. Er fühlte\nsich aus großer Unordnung gezogen, befestigt und\nverjüngt. Es ward wieder Sommer und nochmals\nWinter. Leonhard gab sich frei, er erlaubte sich:\n„kehre zurück, du bist geheilt und vernünftig\".\nAber er blieb und wollte das Verdienst, daß er um\nsich erwarb, das Verdienst, entsagt zu haben, nicht\nvorschnell vergeuden. Er sammelte Einsamkeit\nund geizte mit ihr.\nSchließlich bedrückte sie ihn, wie ein allzu\nschwerer Schatz. Er lernte wünschen, ihn\nJemandem hinzuschütten, sich mitzuteilen, die\nSicherheit und Weisheit, die geklärte Menschlich-\nkeit, allen Segen dieser fünf Jahre auf ein Anderes\nzu übertragen, nicht eigensüchtig und unnütz einst\nzu enden. Ein Kind ersehnte er.\nVon fahrenden Leuten nahm er eins an, ein\nsiebenjähriges Mädchen, schwarzlockig und fein-\nknochig, mit Augen, die der Hunger schwermütig\numrändert hatte. Die Kleine wußte nur von\nHunger und Schlägen, von den Kniffen, womit man\nSchlägen entging, und der Kunst, Essen zu er-\ngattern. Leonhard lehrte sie menschliche Güte\nkennen und versuchte, von den großen Harmonien\nder Natur einen schwachen, spielerischen Widerhall\nin ihr zu bewirken. Sie öffnete weit die Augen und\nschmiegte sich an ihn. Er war glücklich. Als er\nsie betroffen hatte, wie sie jungen Vögeln die Hälse\numdrehte, weinte sie vor Reue, bis ihm bange ward.\nKurz darauf sah er sie ein Kätzchen quälen. Sie\nlächelte dabei naschhaft. Wie er dann hervortrat,\ntrug sie plötzlich eine innig versunkene Miene und\ndrückte sich das Tier gegen die Wange. Vor Bestür-\nzung schwieg er; auch vor Scham und beinahe vor\nFurcht.\nEr lobte sie für ihre Freundschaft zu der\nkleinen Idiotin, die in der Küche diente. Ueberall\nkamen sie ihm zusammen entgegen; und Vinella\nhielt die Andere umschlungen, als wäre sie ihr sonst\nentlaufen, und küßte ihr das Gesicht, das jene offen-\nbar gern versteckt hätte. Leonhard fand sie ein-\nmal, wie sie auf ihre Hände weinte, und sah die\nFingerspitzen alle verbrannt. Sie wollte nicht\nsagen, wie es geschehen sei. Da gewahrte sie Vi-\nnella und lief davon. Unruhig befragte Leonhard\nVinella. Sie antwortete sicher. Sie hatte einen\nkleinen entschiedenen, nachsichtigen Ton und ein\nLächeln, als sagte sie: „Ich weiß, was du denkst.\"\nEr fühlte selbst sich betreten und machtlos.\nSelten bat sie, und nur um Dinge, die er sicher\nbewilligte und an denen ihr nichts lag. Die andern\nnahm sie heimlich. Auf weiten Umwegen erreichte\nsie die Erfüllung von Wünschen, die sie nur faßte,\nweil sie den seinen entgegen waren. Nie ver-\nschmähte sie Ausflüchte, führten sie nur von dem\nSpazierwege fort, den er sich vorgenommen hatte.\nVerschwörungen zettelte sie an, damit ein von ihm\nbestelltes Gericht nicht auf den Tisch komme. Und\ner mochte erschrecken, er mochte sich fragen, was\ner tue: ihr Streich machte ihm größeres Ver-\ngnügen, als wenn sie ihm folgte. Ihre Schlauheit,\nihre Lügen um der Kunst des Täuschens willen,\nunterhielten ihn. Wenn sie ihm am Halse hing,\nwußte er dennoch, daß er ihren Liebkosungen\nglauben dürfe; und daß sie ihn ehrlich hasse, kam\ner ihr irgendwo in die Quere. Schon war er ganz\nin dies Wesen eingesponnen, das versteckt und\ndoch wahr, und das unschuldig in der Tücke war.\nJe mehr sie heranwuchs, desto deutlicher erinnerte\nsie ihn an lauter schon Erlittenes. Bei ihr schien\nAlles runder, entschiedener; er ließ in ihr noch ein-\nmal etwas über sich ergehen wie eine Zusammen-\nfassung aller Anderen; und er erlebte sie ein wenig\naus der Ferne, mit einem nachprüfenden Lächeln.\nEr entschuldigte sich: „War es etwas Anderes\nals Selbstsucht, da ich sie zu meinen seelischen Nei-\ngungen drängen, sie meiner Persönlichkeit unter-\njochen wollte? Vielleicht hätte eher sie das Recht,\nweil sie vollständige* und stärker ist als ich?\nWirklich gehört ihr in meinem Leben ein gewisser\nPlatz; und ich bin nicht sicher, daß ich einen in\nihrem habe. Erziehung? Was für einen\nSchwärmer damals die Einsamkeit aus mir gemacht\nhaben muß! Ich hätte also eine Tigerin zum\nDroschkengaul zähmen sollen?\"\nNoch immer, obwohl sie nun groß war, über-\nnachtete sie oft im Walde. In ihren flatternden\nseidenen Kleidern setzte sie Tieren nach und\nkletterte auf Bäume. Ihr Zimmer war kokett\nmöbliert; und Spuren waren auf den weißen Fellen,\ndem weißen Lack, wie von Tieren, die sich gewälzt\nhätten. Wochenlang mochte sie nur Haselnüsse\nund Beeren; plötzlich kamen ihrem Gaumen die\nschwierigsten Gelüste, und das Haus roch früh und\nspät nach Festen. Vinella hockte sich beim Essen\nauf Leonhards Kniee; schob ihm Bissen in den\nMund, den sie küßte, während er kaute; gab ihm\nden schwarzen Wein zu trinken, in den sie kindlich\nihre rote Zunge getaucht hatte; fächelte ihn mit\nihrem parfümierten Fächer, bis er einschlief.\nErwachte er und sah sie nicht mehr, ward ihm\nbeklommen und leer zu Sinn. Kein Buch ersetzte\nihre Gegenwart. Er rief nach ihr, unter dem Vor-\nwand von Geschenken. Um sie fünf Minuten länger\nbei sich zurückzuhalten, tat er, was er nie getan\nhätte. Er entließ, weil ihre Laune es wollte, seinen\nalten Diener. Er schoß auf die Rehe, die einst nahe\num ihn her, wie in seiner Hut, geweidet hatten.\nDas Geld, das er seinen Neffen schicken wollte, ver-\nlangte sie für sich, und er gab ihr's. Sie hatte nie\num Kostbarkeiten gebeten, außer um glitzernde. Es\nwar ihr gleich, wem das Haus gehören sollte, durch\ndas sie wie ein Windstoß ein- und ausflog. Nur er\nund seine Selbstachtung, fühlte er, galten ihr als\nBeute. Feige, sah er, hatte sie ihn gemacht, wie\njemals eine ihn feige gemacht hatte. Er tröstete\nsich damit, daß er's sein wolle. „Warum war ich\nehedem anders? Weil es zu meinem Glück diente.\nZiel ist immer nur das Glück.\"\n... In dieser Herbstnacht schlief er nicht. Die\nFenster klirrten im Sturm. Fahrende Leute waren\nheute dagewesen. Noch spät war das Tor ge-\ngangen. Was tat jetzt sie? War sie im Walde?\nHatte sie bei sich im Zimmer den zerlumpten\nBurschen, mit dem sie, den Handrücken auf die\nHüfte, geplaudert hatte? Leonhard drückte die\nAugen zu und keuchte in sein Kissen. Sie war nun\nsiebzehn. Längst schon ängstigte er sich,, so oft sie\ndas Haus verließ. Sie hing an nichts, sie war\nherrenlos und gesetzlos. „Eines Tages wird sie\nnicht zurückkommen; und dann, was dann?\"\nLieber noch — er hielt den Atem an — hätte er ge-\nwollt, der Bursche wäre in ihrem Zimmer und sie\nzu Haus. Aber als er dies zu Ende gedacht hatte,\nsprang er auf, legte zitternd Kleider an, nahm den\nLeuchter. Die Tür flog zu, das Licht verlosch, er\ntastete sich über die weiten, wankenden Dielen bis\nan ihr Zimmer, horchte, spähte durchs Schlüssel-\nloch und sah drinnen das Mondlicht sich auf den\nBoden werfen und wieder aufspringen, gleich einem\nGespenst, das tanzte. Er öffnete: sie war fort.\nEr stieg die Terrasse hinab, stürzte sich in den\nWald, der in Aufruhr war, wie ein Meer. Die\nBäume knarrten, wie Masten untergehender Schiffe.\nHundert tolle Lichter, kreuz und quer, zuckten. Die\nLuft brannte einem die Haut und trieb einen zu\nrasendem Laufen und Schreien an. Leonhard\nschrie den Namen Vinella, schrie ihn, unerlösbar, in\nden Sturm, Als er sich wiederfand, saß er auf\neinem Baumstumpf, starrte wirr um sich und merkte\nam Ende, daß er erwartet habe, ihn würden Rehe\nansehen.\nEr kehrte um und betraf sich dabei, daß er\nbetete: laut betete, noch einmal möchte sie wieder-\nkommen. „Dann lasse ich sie nicht mehr. Ich\nführe sie in die Welt. Sie soll den Reichtum kennen\nlernen. Er wird sie fesseln. Sie wird begreifen,\nwas sie an mir hat. Sie wird mich lieben.\"\nIm Hause wehten alle Türen hin und her; es\nwar ganz durchtobt. Er schloß keine, auch die\nseines Zimmers nicht, und zündete Lichter an, so\nviele da waren. Und in ihrem Schein stand dort\nim Spiegel zum ersten Mal ein Alter! Leonhard\ntrat schaudernd auf ihn zu, dem weißes Haar wirr\num das gerötete Gesicht hing. Er blickte ihm in\ndie wilden Augen. „Ein greiser Wüstling\", dachte\ner. „Ich habe nicht gewußt, wie man das wird.\nIch hatte von mir ein anderes Bild. Wie die Namen\nihren Sinn ändern, wenn sie uns selbst meinen, und\ndie Dinge, sobald wir drinstecken!\" Noch eben, er-\ninnerte er sich, hatte er gehofft, sie werde ihn um\nseinen Reichtum lieben. „Ist das schimpflich? Es\nkommt so sehr von selbst.\" Er bedachte auch:\n„Nun ich wieder liebe, stellt sich's heraus, daß ich\nalt bin, — und da steht es nun, das Alter! Unver-\nmittelt: denn ich war so lange schon ausgeschieden\nund ohne Ansprüche, zeitlos vor Einsamkeit!\nWarum habe ich nicht, wie Andere, nach Ehren\ngegeizt? Sie würden mich in schmeichelhafter\nWeise von der Jugend entfernt haben. Unter den\nVerbeugungen der Welt würde ich das Alter lang-\nsam bestiegen haben wie einen Thron, — anstatt\njetzt darin zu erwachen wie in einem Straßen-\ngraben. Aber ich war immer nur ein Sinnlicher.\nAußer den bitteren Bechern, die mir Frauen füllten,\nschien keiner mir trinkbar. Und wenn dieser der\nletzte wäre! Vinella!\"\nSchon merkte er nicht mehr, daß er laut ge-\nrufen hatte; — und wie er an das Tischchen beim\nFenster trat und das Glas mit Wein an den Mund\nhob, wich die Gardine zurück vor Vinella. Ihr\nnächsichtiges Lächeln bedeutete ihm, sie wisse,\nwas Alles er getrieben und gedacht habe. Er reckte\ndie Arme aus: „Vinella!\" Da sagte sie ruhig, ein\nwenig spöttisch, und als wäre es nichts: „Ich\nbin dein\".\nLeonhard wich zurück; ihm schwindelte; ihm\nward kalt. Er schloß, und tastete dabei mit dem\nGlas nach den Lippen, die Augen. Er öffnete sie\nwieder, als der Wein heiß in ihn hineinrann. Dumpf\nwar er versichert, Vinella habe, aus der Gardine\nhervor, in sein Glas ein Pulver fallen lassen, und er"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.3", "texte": "sterbe an dem Trank. Jeder Schluck brannte ihm\nungeheure Wonnen ins Fleisch. Bei dem letzten\nstürzte er. Noch sah er sie erschreckt seinem\nKörper ausweichen. Er sah noch, wie sie, im Be-\ngriff zu entfliehen, ihre großen Augen über ihn hin-\nschickte, ganz unschuldig und in einer Haltung, als\nob es sie fröre.\n\nDaniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nMarta Bianka hatte die Geschichte der armen\nValeska dennoch gehört. Keiner wußte, daß sie\nlautlos und starr in der halbgeöffneten Tür des\nNebenzimmers gestanden hatte und daß die Worte\nvom Munde Daniels wie große, blühende Tropfen in\nihre wunde Sehnsucht gefallen waren.\nSeit dieser Stunde ging seine Erzählung nicht\nvon ihr. Lag sie auf ihrer Seele und spann sie in\nein dichtes, schimmerndes Netz ein und ließ sie nicht\nlos. Es war ihr mitunter, daß jenes Geschehnis groß\nund unbestimmt sie bedrückte und sie mitnahm auf\nlangen Irrfahrten und Träumen der Liebe, von denen\nihr niemand gesprochen hatte, die sie aber trotzdem\nhell und deutlich kannte, wie die Geschichte einer\nVision.\nMarta Bianka war eine Phantastin. In der\nscheuen Stille ihrer Kinderjahre, die ihre Mutter um\nihr Leben legte wie ein Kleid, war langsam und\nsonderbar ein roter Rauch in ihrer Seele aufge-\nstiegen, in dem sie wunderliche Gestalten und Dinge\nsah. Und wenn sie am Spätnachmittag in dem\ndunkeln Salon saß und die Gräfin in einem Buche\nlas, dann sah sie zu den großen Fensterscheiben\nhin, die die müde Sonne klar und glühend brannte\nund hinter denen die kalte Gasse und ihre Abenteuer\nlagen. Da sp-ann sich allmählich ein fremdes Dasein\nvor ihr weiter, das ihr neu war und dem sie zusah.\nMit hundert Begebenheiten und Wünschen, die in-\neinander griffen und sich vollendeten wie in einem\nRoman. Leute, mit denen sie schon einmal irgend-\nwo zusammengekommen war, tauchten wieder\nauf, aber sie hatten andre Gesichter, wenn sie näher\nhinschaute. Sie waren alt geworden unterdessen,\noder es lag etwas in ihrem Wesen, das überraschte\nund staunen machte. Eine herrische und wilde Art,\nin plötzlichen Gebärden Reue und Haß, Liebe und\nFalschheit zu zeigen. Dann kam es wohl auch zu-\nweilen vor, daß Marta Bianka ihr Leben und ihre\nMutter und das einsame Zimmer vergaß, in dem sie\nwohnte, und in die Welt giijg mit einem von den\nMenschen, die sie vor sich sah und die mit ernsten\nund drohenden Händen in die rote Luft redeten, als\nob noch jemand hinter ihr stände. Oder daß sie\nselber einer dieser Leute wurde und mit drängendem\nHerzen irgend ein Schicksal erlebte, das jemand\nlistig oder gewaltsam schuf und in dem sie ging\nund tat wie in einem Spiel.\nSo war auch die Geschichte des Daniel Jesus\nin ihr Herz wie ein funkelndes Messer gedrungen\nund hatte ihr eignes Erleben und alle seine Reflexe\nin einem wirren Traume getötet, in dem sie auf ein-\nmal von Marta Bianka hinweg und stumm und hilf-\nlos auf einem Wege lief, der hinter Steinen und\nblutigen Schatten in den Tod Valeskas führte.\nDie dumpfen trostlosen Stunden der Entsagung\nund der Angst wuchsen in ihr zu einer Kraft der\nSehnsucht und der Erlösung, die sie hineinreifen ließ\nin die Liebe, wie einen Baum, in dem der Atem\nGottes schlief. Diese Liebe verwirrte ihr Gedächt-\nnis und trug sie hinüber bis über das Ende und die\nTraurigkeit der Geschichte Daniels. Sie wußte noch\nleise und schmerzlich erschrocken, daß Valeska ge-\nstorben war, aber ihre Augen bohrten ungläubig in\nden sammtnen Vorhang der Nächte, und ihre Seele\nkonnte nicht schweigen. Jene große, kostbare\nStunde stand vor ihr, wo Daniel Jesus zwischen\nTränen und Glück ihren weinenden Mund geküßt\nhatte. In der alles offenbar wurde und das Wunder\nin ihr Leben gekommen war, zum ersten Male seit\nJahren.\nVielleicht auch in sein Leben — dachte Valeska.\nMit bunten Schlacken hatte er gespielt und mit dem\nflackernden Zauber seines Herzens. Er war nicht\nglücklich dabei geworden. Aber er mußte es\nwerden. Sie mußte ihm die Liebe bringen, die ihm\ngehörte, heute noch. Sie war nicht gestorben, wer\nlog das nur? Sie hatte einen bösen Traum ge-\nhabt, und der war jetzt vorüber.\nEs stieg eine hohe und leuchtende Nacht, gerade\nso wie jene, von der Daniel Jesus erzählt hatte. Der\nMond hatte über den Boden ihres Schlafgemachs\neinen wundervollen, sehnsüchtigen Teppich gerollt,\nund nur noch ihr Bett stand im Dunkeln. Sie erhob\nsich und sprang im Hemde in die Stube. Ihre\nschönen, weißen Füße standen im Licht, und ihr\nbernsteingelbes Haar verdeckte zur Hälfte ihr Ge-\nsicht, das bleich und regungslos auf jemanden\nwartete. Da ging sie zögernd mit kleinen kindischen\nSchritten zu der alten Rokokotruhe und nahm einen\nschimmernden, weichen Mantel heraus, eine ruhige,\nträumende Seide, und ihre Füße flohn vor dem\nMond in zwei tiefblaue, winzige Pantoffel. Dann\nschlug sie den Mantel um ihr Hemd und drückte die\nTür auf. Unhörbar schlich sie durchs Haus und\ntappte die Stiegen hinunter und öffnete mit dem\nschweren, eisernen Schlüssel das Haustor.\nDurch die weiße, glänzende Gasse flog der\nWind. Es war warm und wollüstig, und der Früh-\nling goß einen rieselnden Schauer auf die Kirchen\nund Dächer der Stadt, und der Spätmärz rief mit-\nunter laut und vernehmbar irgend ein Wort aus der\nFerne. Und oben auf dem Rücken des schauernden\nWindes schwamm der Mond wie eine Braut, die auf\ndie Hochzeit harrt.\nMarta Bianka lief. Sie wußte nicht, wohin, und\nsie dachte nur dunkel und unbestimmt an ein helles,\nschlankes Haus, das sie einmal gesehn hatte, als sie\nmit ihrer Mutter im Wagen vorüberfuhr und\ndie Gräfin etwas sagte, däs sie vergessen hatte.\nUnd dann — das war sie ja gar nicht, jenes Mädchen\nim Wagen. — Wer war das nur? — War das\nnicht Marta Bianka? — Marta Bianka — natürlich.\nSie hatte sie einmal sehr lieb gehabt, es war eine\nstille Träumerin, aber sie war noch jung, viel zu\njung für die Liebe.\nWohin ging sie denn eigentlich? Sie war doch\nValeska und mußte die Liebe zu jemandem bringen,\nheute nacht. Er wußte noch gar nicht, was sie ihm\nbrachte.\nSie lächelte.\nEr wird staunen, dachte sie und merkte es gar\nnicht, daß die Straße ihre beiden kostbaren Pantoffel\nmit den traurigen Perlen gestohlen hatte und daß sie\njetzt mit bloßen Füßen über die Steine lief.\nEr wird glücklich sein und wird sie küssen.\nUnd sie wird niemals mehr fortgehen und sich den\nKopf zerschmettern wie in jener Nacht. Sie wird\nbei ihm bleiben und nicht von ihm gehn. Er war\ngut und hatte Augen wie ein Kind, er würde den\nWeg zum Frieden finden.\nEr — ja, wer war es nur? — Ein Windstoß blies\nsie an, und eisiger Frost durchrann sie. Großer\nGott, das hatte sie ganz vergessen! Sie war so ver-\nwirrt und irr durch die Liebe. Und die Tränen\nstiegen in ihre Kehle. Sie suchte hastig und angst-\nvoll in ihren Träumen und weinte. letzt stand sie\ndraußen auf der Straße barfuß und in Hemd und\nMantel und wußte nicht, zu wem sie ging.\nWar sie denn nicht Valeska? Und da mußte sie\ndoch zu Daniel Jesus gehn —. Sie erinnerte\nsich jetzt ganz genau. Der hatte es ja ihrer Mutter\nerzählt, und sie stand in der Tür und hörte zu.\nIhre Füße wurden müde und schleppend wie die\neiner Kranken.\nZu Daniel Jesus also — dachte sie. Aber wie\nwar das nur? Das konnte gar nicht sein. Den\nliebte sie gar nicht. Der, den sie liebte, war\nanders. Er war jung und schön und hatte einen\nsehnsüchtigen Mund. Manchmal, da ging ein Fie-\nber über sein Gesicht, und seine Augen blieben\nstehn wie im Traum.\nMarta Bianka sah auf. Vor ihr stand hell und\nschlank mit silbernen Fenstern ein Haus. Sie\ndrückte das Schloß, und die Tür sprang auf. Sie\nwunderte sich, daß sie nicht verriegelt war, und\nmußte dann wieder daran denken, daß es nicht\nanders hätte sein können, und daß ihr Leben em\nZauber war.\nDiese Nacht und ihre Liebe mußten so sein.\nUnd leise stieg sie die Treppe hinauf und trat ein.\nZu wem geh ich eigentlich? — dachte sie ver-\ngrämt und schloß die Türe hinter sich zu.\nDann stand sie schön und schweigend in .lern\nweißen Zimmer und sah dem Baron von Sterben in\ndie großen Augen, in denen vor kurzem noch ein\nwilder und banger Traum geglüht hatte.\nSie stand auf dem Eisbärenfell vor seinem Bett,\nund ihr nackter Fuß zertrat das Blut von .rs\nMunde, das unter den Küssen des Barons aus\nden zerrissnen Lippen getaumelt war. Ihr wei-\ncher, zärtlicher Mantel tat sich auf, und Baron Ster-\nben sah, daß sie mit bloßen Füßen im Hemde zu\nihm gekommen war. Ihr gelbes Haar verdeckte\nihre Augen, und sie sagte:\nDas Tor von der Straße stand offen, und r h\nging hinauf. Aber wie kommt es, daß Du Deine\nTür nicht verschließest, wenn Du schläfst?\nDa ging ein Lachen durch die Seele des\nBarons.\nMarta Bianka — rief er.\nMarta Bianka — ich hab sie seit Jahren of: n\ngelassen — für das Glück.\n\nVierte Fortsetzung\n\nDer Fliederstrauch\nVon Walther Heymann\nNoch ein Mal sucht\nJugend Dich mit blütetrunknem Hauche.\nJeden Frühling\nwächst so her der Duft vom Fliederstrauche.\nImmer wieder\nwehen werden alle Seufzer süße,\nSehnsucht\nreizt mit Ueberschüttung Deine Rührung.\nUnd Verführung\nstreift vorüber von Verhüllung zu Zerrüttung.\nFrühe Liebe\nspendet leuchtend bunte Grüße.\nViel zu müde\nmacht den Mut uns Honig stummer Tränen.\nDoch nun lehnen\nzitternd wir in Sonnenhaar\nund greifen schon\n— umfassen Wölkchen uns, die streifend zärtlich\nlassen.\nSo erheben\nWedeldolden sich, die quellend sprühen:\nhingegeben,\ndie von Düften überschwellen\nund mit allen Winden blühen,\nHimmelsröte webend uns umglühen.\nSo vergehen, so zertauchen\nlila sie vom grünen Berg, vom Strauche:\n— heiße Wölkchen, Liebeshauche,\ndie ins Gold des fernen Lichtes wehen,\nauch, wie Du, Raub raschen Traumes —\nroter Sternenstaub ins Blau des Raumes.\n\nDichter\nder Unwirklichkeit\nAnmerkungen zu Büchern des Max Brod\nVon Ludwig Rubiner\nAlle paar Jahrhunderte einmal sind die großen\nEntdeckungsreisen auf dieser Erdkugel zu Ende,\nund die Wirklichkeit ist abgesucht. Große und\nunterscheidenden Dinge der Qreifbarkeit und Sicht-\nbarkeit sind gefunden und beschrieben, und es gilt,\nwahrzunehmen, daß von neuem die Jahre einer\ngroßen Epoche abgelaufen sind, die das Wirkliche\nzu Geist machen will. In Heinrich Manns Wer-\nken verdampfte die deutsche Sprache noch einmal\ndie Erfahrungen dieser Augenwelt zu Gefühls-\nsymbolen von einer enthusiastischen Sachlichkeit.\nUnd da die Vokabularien der Mode schnell\nwechseln, so weiß heute jeder, wie lächerlich man\nsich macht, wenn man aus dem Lehrbuch solcher\nWissenschaft zitierte: Naturalismus, Impressionis-\nmus, Neuklassizismus! Eine Variation von Tech-\nniken, die stets nur über dasselbe Stoffgebiet ge-\nspannt wurden, die Wirklichkeit.\nWer wagte an die Ebene der Wirklichkeit zu\nstoßen? In unseren guten Dichtbüchern stecken\ndie vollkommenen Perspektiven hingebungsvoll\nillusionierender Bühnendekorationen. Auf diesem\nStoff der Wirklichkeit kann nur die wechselnde\nBeleuchtung neu und ungewöhnlich wirken, und\ndie Psychologie ist der Scheinwerfer.\n*\nUnser Leben wird in jedem Sinne von Raum-\nfragen erfüllt. Der Raum, den wir verdrängen,\nstürzt sich wieder auf uns mit der Wucht von Fa-\nbrikshämmern, und die Schläge, mit denen die Kör-\nperwirklichkeit uns auf den Schädel trommelt,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.4", "texte": "öffnen unser Bewußtsein für die Wahrnehmung der\nneuen Geographie innerer Räume. Aber müssen\nwir durchaus in die Terminologie der Erkenntnis-\ntheorie abbiegen? Der Raum des Innern ist nicht\neine Projektion unseres Ich: nichts Trennendes\neiner Differenziierung, nichts Unterscheidendes\noder Nuancenfähiges, nichts durch Besonderheiten\nEntwicklungsbegabtes. Die Stetigkeit seines Vor-\nhandenseins kommt uns sehr oft zur Bewußtheit.\nWir wagen es manchmal, uns ein Theater zu\ndenken, auf dessen Bühne eine Bühne steht, und\nauf ihr wieder eine Bühne, und so fort bis zu dem\ngleich schrecklichen wie lächerlichen Gefühl „Un-\nendlichkeit\". Und warum ist unsere Vorstellung\nvon Gott, (kein Denkprozeß) mit der Gewißheit\n„riesengroß\" verknüpft? — da uns das Wort „un-\nendlich\" hier nur als schnelle und allzu bequeme\nErledigung eines bestimmten Raumgefühls durch\neine bloße Definition erscheinen würde. Wir er-\nkennen das himmlische Jerusalem hoch entrückt\nüber den steinernen Schatten unserer steinernen\nStadt. Vielleicht erinnern wir uns an die Opferung\neines Suchers: Baudelaires, der die Raumgefühle\nspäterer und ihm noch fremder Zeiten in die dämo-\nnische Starrheit der reinen Betrachtung sammeln\nmußte. Ueber dem stinkenden Unrat der Straßen\nlag ihm das große Himmels-Paris, in dem Notre-\nDame gigantischer, fratzenhafter und berliozhafter\nist als auf Erden, und wo die sanften Farben-\nbrechungen einer fauligen Hundeleiche zu dem ele-\nmentaren Trompetenschillern neuer Grundfarben\n— in der „Charogne\" — werden. Zwischen den\nunsichtbar sausenden Kreisen der Empfindungs-\ngegensätze zweier Zeiten wurde er zermahlen.\nUnd fünfzig Jahre darauf sind seine Werke schon\nein Katalog sublimer Verse über nichtvorhandene\nGedichte.\n*\nDie Dichtung hat mit der vorläufigen Vernich-\ntung des Wirklichkeitswertes kein Ende erreicht,\nsondern die Perspektiven neuer Ebenen des Be-\nwußtseins gefunden. Brod hat das Glück, in einer\nZeit zu leben, die den Sinn für die Bedeutung des\nWirklichkeitsbewußtseins durch eine außerordent-\nliche Konzentration auf die Form schärft. Die\nDichtung Brods kann daher aller Versuche entbeh-\nren, die nur einen höchst privaten Sinn hätten:\nheftiges Ueberspringen von jenen Grenzmauern der\nForm, die durch die Bedürfnisse nach den Wirkun-\ngen allgemein-menschlicher Grundgefühle in jedem\nKunstwerk stehen; durch sichtbar gemachtes Zer-\nbrechen dieser Kunstformen, oder Niederlassungen\nauf verschleiernden Zwischengebieten eines „Ge-\nsamtkunstwerkes\". Wir alle haben schon längst\ngeahnt, daß ein Kunstwerk möglich sein muß ganz\naus dem Empfinden der Form heraus. Szenen, die\ngeschrieben werden, weil sie ein Kontrapunkt in\nder Polyphonie der Dichtung sind. Für Brod sind\ndie Empfindungserlebnisse, die während des Schaf-\nfens bei der starken Vorstellung der Form erschei-\nnen, zu den Richtlinien eines neuen Raums inner-\nhalb des produktiven Bewußtseins geworden. In\nseinem Roman „Schloß Nornepygge\" schafft er Ge-\nstalten, die eine Funktion der Form sind. Es\nkönnte noch bloße Technik sein. Nun aber wird\ndas Dichtung, wenn die Form als eine Wirklichkeit\ngenommen ist, und Brod sieht diese neue Wirk-\nlichkeit des Lebens als eine riesenhafte und uner-\nschöpfliche Raumsphäre mit neuen Straßen und\nihren neuen Abenteuern vor sich. Er schildert\nin der Novelle „Das tschechische Dienst-\nmädchen\" jenes Bewußtwerden der Trans-\nsubstantation von scheinbar abstrakten Dingen zu\nräumlichen: „. . . Begriffe . . . diese herrlichen un-\nirdischen Formen . . . die sich eben aus der Welt\ngebildet haben, und jetzt frei wie leuchtende klin-\ngende Schalen vor einer reinen seidenen Luft auf\nund nieder schweben.\"\nIn aller Unauffälligkeit liegen da Voraus-\nsetzungen beschlossen, die weit mehr sind als Denk-\nprinzipien eines bloß privaten Kopfes. Von hier\ngehen die Wege durch die Länder des Absoluten:\nman kommt zu einer Kunst, die Werte kennt, und\nden Stoff zu schätzen versteht. Doch wären dies\nnoch Angelegenheiten der Technik. Es ist aber zu\nbemerken, daß jetzt Gott unmöglich mehr eine bloße\nRelation ist. Die Zweifellosigkeit am absoluten\nund persönlichen Wesen Gottes zersplittert das\nnuancenfarbene Wogen des Relativismus zur\ndumpfen Erinnerung an den letzten bunten Wieder-\nschein einer Hölle brutaler Erlebnisse, die irgend-\neinrnal auf der Haut gebrannt hat. Entwicklung\nerscheint nur noch als Jongleurspiel eines Welt-\nvarietes. Uebrigens ist die Welt garnicht so alt,\ndenn die Jahrtausende erscheinen zusammen-\ngedrängt um die wenigen großen Fakta, die die\nGrundgefühle des ganzen menschlichen Lebens\nbilden, und die sich nie verändern. Es kommt\ndarauf an, die Formen der Gefühle abzuwandern,\nund die Variationen, die menschliche Leben bei\nihrem Zusammenprall erfahren.\nEs bestätigt sich auch bei Brod, daß das große\nMittlere aller Ebenen des Lebendigen die Erotik\nist, diese wilde dunkle Höhle der Fremdheit und\nVerwandschaft, der Ort für die Peripherien aller\ngemeinsamen Lebensexistenzen. Erotik als La-\nboratorium der Erkenntnis. Ein Raum für sich. —\n*\nIm Leben der Gestalten solcher Kunstwerke,\ndie aus dieser Verwirklichung des Geistigen er-\nstehen, muß das Notwendige und Unbedingte ganz\nanders sein als unter den Figuren der Realität. Die\nStellung, die jede Gestalt in der Welt der Kunst-\nform einnimmt, wird Voraussetzung und selbstver-\nständliche Bedingung für ihr Geschick, und darum\nauch — für ihr Benehmen. Die Psychologie steht\nnicht im Werk, sondern bleibt beim Leser. Alles\nruht auf der Deutung des Lesers von der Geste\nder Gestalten. Daher ist die Darstellung dieses\nRaumes des Unrealen mit seinem Gewimmel eines\nneuen Lebens, nicht nur als Denkvorgang des Autors\nsondern auch als der des Lesers von außerordent-\nlichster Allgemeingültigkeit. Abstrakte Dinge\nwurden hier Stimmungen. Stimmungen gehen als\nPersonen umher, Gedanken wachsen körperhaft auf\nwie wuchernde Urwälder. Doch könnte dies nicht\nnoch System sein, Manier und bloße Originalität?\nAber Brod schreitet auf dem Kreise, den die Idee der\nForm um die Realität des Lebens zieht als auf einem\nmaßlos großen Wege, von dem man stets beide\nLänder überschaut, die Gebiete der Realität und die\nReiche der Abstraktion. Er weiß immer alles, was\nsich in der Wirklichkeit begibt, aber er ersieht sofort\naas neue und ganz andere, eigene Leben, das sich\nneben den Tatsachen des Realen in den Ländern der\nIdee entwickelt. Darum ist er ganz raffiniert und\nganz einfach. Sein Stil erscheint oft wie eine\nEssenz aus unzähligen Büchern, aber ebenso oft hat\ner merkwürdig simple Wendungen, wie man sie bei\nden wichtigsten Angelegenheiten des Lebens in aller\nEile gebraucht, die Klischees der Not, die alle\nMenschen aussprechen, und deren Wahl nicht mehr\nfreizustehen scheint.\n*■\nDas wichtigste Problem unserer Zeit, das einzig\nwichtige in unserem geistigen Leben, ist das von den\nBeziehungen der Außenwelt zu uns. Nur daher rührt\nalle Beunruhigung in unseren Köpfen, und hier liegt\ndie Culmination eines ganz ungeheuren Komplexes\nvon untergeordneten Fragen, die das Geistesleben\nunserer Zeit alle für wichtig hielt. Alle Angelegen-\nheiten der Kunst ordnen sich um das Erklingenlassen\ndieser Dominante, die: Beziehung der Außenwelt zum\nIch heißt. Im Kunstwerk steckt der Koefficient dieses\nVerhältnisses, und gibt ihm jene größere oder ge-\nringere metaphysische Schwingung, die uns das\nWerk als mehr oder weniger bedeutend erscheinen\nläßt. — Aber in den erzählenden Werken Brods er-\nscheint dieses Problem nicht mehr wie bisher als\nHintergrund der Willensstimmung, sondern es ist\nzum eigentlichen Stoff der Dichtung selbst ge-\nworden. Alles Ringen ist die Reibung dieser beiden\nWelten. Der Roman des „Nornepygge\" ist ein\nphantastischer Riesenmonolog, in dem alle Ent-\nladungen aus den Kämpfen des Ichraumes mit den\nFremdheiten der Außenwelt zur Willensmusik fabel-\nhafter Geschehnisse zusammenblitzen. Das Un-\nwirkliche ist zum Leben seiner Bilder erweckt, Der\nRaum des Realen baut keine Mauer mehr vor die\nweiten Landschaften in den Räumen des Innern.\nUnd ein Dichter gestattet seiner Zeit, zu erkennen,\ndaß die Abenteuer der Wirklichkeit und die Aben-\nteuer der Seele nicht verschiedene Werte haben,\nsondern nur Unterschiede in der Struktur ihrer\nFormen.\nDer Roman „Schloss Nornepygge\" und die Erzählung „Das tschechische\nDienstmädchen\" von Max Brod sind im Verlage Axel Juncker zu Berlin\nerschienen\n\nGespräche mit Kalypso\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nMusiker:\nDu bewegst mich nicht, rührst mich nicht von\nmeinem Dreifuß; unbeweglich sitze ich und spreche\nohne Qualm: die Musik kann nur tönen. Nicht ich\nverteidige und begreife die, welche sehnsüchtig nach\ndem Leben haschen, dem harten, vielgeformten, die\nMusik zu einer Bettlerin zu machen. Was solche\nnachahmende verlangende Musik tut, heiße ich zwar\n„tönen\", aber nicht Kunst. Ich glaube wie Du an die\nUnvergleichbarkeit und die strotzende Wertfülle der\nTöne. Aber daß sie eine geistige Kunst, keine blöd\ntönende ist, sagt schon dies: Musik macht nicht ein\nTon, noch viele Töne; sondern sie liegt in den Be-\nziehungen von Ton zu Ton, hängt brückenartig\nzwischen ihnen. Wenn, wie Du fandest, der Ton\naufflattert zwischen den bewegten Dingen, so\ngeistet die Musik zwischen den bewegten Tönen.\nUnd nun mußt Du, ja Du, o Kalypso, schon\nDeinen Platz verlassen, — denn nachdem Du dies\nselbst gestanden hast, bist Du entwurzelt. Auf ein\nMehr oder Weniger kommt es dann nicht an. Die\nMusik ist von Geistes Gnaden, und als Menschen-\nkunst von Menschengeistes Gnaden. Dann trat\nder Mensch und sein Geist vor die Töne, und\nmit ihm alle Wirklichkeit, die sein ist; dann kann\nauch die „Tiefe\" das Grauen bezeichnen, und alles\nmuß geschehen, was Du kennst. Wie Du, sage ich:\ndie Musik bleibt begrenzt auf die Töne, — manch-\nmal dachte ich freilich, — zu Unrecht, —es täte\nnicht Not, dies erst zu sagen, — und sage und frage\nweiter, wie der Menschengeist sich der Töne be-\ndient in den Grenzen und anerkennend die eigen-\ntümliche Bestimmtheit der Töne; wie es so zur\nKunst der Musik kommt.\nWiderstrebe mir einmal nicht, folge mir, Ich\nwill Dir weisen, wie dies geschieht. Sieh:\nMit dem Menschengeist tritt alle Wirklichkeit,\ndie er erlebt, vor die Töne. Er vergleicht das\nKunstwerk mit mancher Wirklichkeit, findet\ndas Kunstwerk arm, wie Du klagtest; ja, da\nderselbe Mensch lebt und musiziert, so findet er die\nKunst bettelhaft. Alles im Menschen wächst ja,\nwächst ineinander, dient sich, stützt sich, zerstört\nsich. Alle Kunst ist Stückwerk, gegen die Wirk-\nlichkeit ist sie Stückwerk. Einiges von der Welt\nkann sie bringen, vieles, einen Nachhall und ein Ent-\nzücken. Aber das meiste bleibt ihr versagt; sie\nbleibt hierin trümmerhaft, verkrüppelt. Sieht man\nes so an, so geschieht auch Peinliches und Ekel-\nhaftes in den Werkstätten der Künstler; es ist, als\nob ein Armloser in der Jahrmarktsbude mit den\nZehen malt und sich dessen rühmt. Die Musik kann\nnur tönen; wohl, aber dann sind die Künste Miß-\ngeburten, von denen man fortblicken sollte, denn\nauf diesem Zwange, mit dem Fuß zu malen, wächst\njede Kunst. Sie geben einen Henkel in die Hand\nund verlangen, man solle sich die Vase mit dem\nFlieder hinzudenken; sie können nur den Henkel\ngeben und müssen doch den Flieder meinen. Aber\nmaßlos, Grenzzerstörer müssen sie sein, Selbst-\nverächter, da sie früher oder später vergebens dem\nReichtum des Lebens gerecht werden wollen; maß-\nlos, — ohne Kunst ist die Kunst. Was braucht es\norphische Musik, damit sich die Säulen bewegen;\ndie Quadern sich zu Toren schließen? Jede Musik\nwill die Säulen anrufen, hebt die Steine in ihrem\nTakt, bringt Blumen zum Duften, die Sonne zum\nLeuchten. Ich verstehe Dich; ohnmächtiger und\nvermessener ist kein Mensch als der Künstler. Und\ndie Himmlischen lachen und schlagen sich die\nSchenkel. — Doch faß ich schwer, daß gerade Du\ndie Musik höhnst, weil sie den Dingen nichts rauben\nkönne, nicht ihre Härte, nicht ihre Form, daß gerade\nDu schmerzlich die Krüppelhaftigkeit der Kunst er-\nkennst, Du, die sich auf einer Meerfahrt mühte um\ndie Dinge und Töne, aufs innigste ihre Brüderung\nund jede Verflochtenheit empfandest: es will sich\nnichts vereinsamen lassen. — Gerade Du wirst\nwissen, wie viel aus sich die Musik kann, die dann\nnicht „nur\" tönt. (Kalypso lächelt.) Willst Du\netwas?\nKalypso :\nSprich nur, sprich nur zu. — Bist mir ein schlechter\nMenschenkenner, mein gutes Musikantchen. Du\nwiderlegst mich; Oder bist im Begriff es zu tun.\nIch brauch' mir nicht Recht geben lassen von\nGründen. — Wollen wir heimfahren?\nMusiker:\nGern, Kalypso, wie Du magst.\nKalypso :\nEr hat das Herz voll und grollt mir, weil ich ihm\nRecht gebe. „Gern\": Gesteh', Du möchtest lieber\nUnrecht haben?\nMusiker:\nWas willst Du von mir?\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.5", "texte": "Kalypso :\nNun, laß uns näher an den Schlag fahren; die Wellen\nmöchte ich an den Füßen spüren. Mir ist heiß und\nkalt, —So herrschsüchtig ist Deine Musik. Oder\nso umarmend liebevoll. Ich trieb Musik immer\ngern, aber ich war ahnungslos bis heut, mit wem ich\nda Umgang pflog.\nMusiker:\nLaß uns hier halten.\nKalypso:\nNun?\nMusiker :\nKalypso?\nKalypso :\nDie Liebe und Umarmung der Musik?\nMusiker:\nIch will Dir von dem Ding an sich der Musik er-\nzählen, von den Eigenwertigkeiten erzählen, die in\ndie Musik eingehen, und von der Beziehung der\nMusik zu der Wirklichkeit. — Wir haben einen so\nsanften Abend. Laß uns sehen, daß wir uns zurecht\nfinden. — Als wir damals auf dem Meere fuhren\nund an die Riesenwanderin dachten, die mit nackten\nFüßen und schleppendem Gewände über das Meer\nzog, Schwalben von unseren Masten und Segeln\naufscheuchte, daß ein Jauchzen und Heulen in der\nLuft stand, wundertest Du Dich über manches, was\nich sagte, und Du verstandest den Nutzen meiner\nBetrachtungen nicht.\nKalypso:\nAh, das Pärchen.\nMusiker:\nEs spricht sich leicht aus, daß die Musik und was in\nsie eingeht, zweierlei ist, vielleicht: Musik und ihr\n„Stoff\", oder sachliche Musik und Tonballast, oder\nDieb und Beute, — doch denkt es sich schwer.\nJene Musikfreunde, die so sprechen, erinnern mich\nan Anatomen, die den Menschen zu kennen glauben,\nweil sie seine Muskeln und Adern trennen und be-\nnennen können. Du verzeihst mir; die Leichen-\nbeschauer und Totengräber der Musik wissen\nnicht, was sie wissen. Laß mich Dir sagen: diese\n€igenschöne, reine Musik ist mehr als tot, ist un-\nwirklich, erdacht; das Fremdwillige, aus der\nWirklichkeit Stammende, das auch unter der Wir-\nkung jener Ton- und Zeitsatzung steht, ist die\nwirkliche Musik. Nicht jene himmlische Musik lebt,\nsondern die geordnete Wirklichkeit der Töne.\nIn der Welt eines großen Denkers treten gestaltende\nFormgesetze und ihr Stoff auseinander, und der\nStoff erscheint nur gestaltet, so daß man auf\nsein Vorhandensein nur schließen kann; das sinnlich\nGestaltete hat alle und alleinige Wirklichkeit; das\nDing an sich aber bleibt vielleicht ein notwendig zu\ndenkender Begriff. Und so auch in der Musik: es\nsind nicht zwei fremde Gewalten, die in ihr kämpfen\noder paktieren; sondern viele Bestimmungen,\nSatzung, — welches Bestimmungen sind am Ton-\nstoff. Der blöde, weil außermusikalische, eigen-\nwertige Stoff, von dem ich bald sprechen will, er-\nscheint als Kunst, als Musik, wo er sich in der ge-\nsetzten Weise ordnet. Die Musik ist nicht ohne\nihn; ohne ihn ist sie ein Gedankending. Etwas\nanderes, Kalypso, ist Vorbild aber, etwas\nanderes Gesetz.\nKalypso :\nNun, laß hören Deine blöden Eigenwertigkeiten.\nMusiker:\nIch fürchte zwar, wir sind uns noch nicht begegnet.\nDoch meinetwegen. Du kennst sie ja, Du nanntest\nsie ja, die Kämpfe der Helden, die Schreie, die\nJagden, die grausigen Schicksale. Der Künstler ist\nin der Welt, ein Teilchen der Welt; sein wunsch-\nvollstes Sinnen und Sehnen durchbricht diese Welt\nnicht; es ist derselbe Mensch, der lebt, ißt, trinkt,\nsich müht und lacht; und der musiziert. Die Er-\nklärung aller Musik fließt aus dem Musiker. Sein\nGeist bindet so die Töne zusammen, wie er die Folgen\nmit Wirklichkeitswerten überlastet. Darum handelt\nes sich in jeder Kunst auch mehr oder weniger um\nWiederholung eines Weltablaufs. Nun aber ist es\nunmöglich, ein Ding wahrhaft zu wiederholen, wie\nDu begreifst; dieses Ziel bleibt jeder Nachahmung\nversagt. Am nächsten der Weltwirklichkeit steht\nnoch jene Nachahmung, die sich mit allem Schein\nder Wirklichkeit belädt, sich der Körperlichkeit,\nder Bewegung, vielleicht auch des Tönens bedient,\num als Abbild jenes Vorbildes zu gelten, — die\ndramatische Kunst des Theaters, der Tanz, die\nPantomime; schon weiter ab verliert sich die Bild-\nhauerkunst, die des Lebens, des Tönens, meist auch\nder Farbe entraten muß; noch weiter die wirklich-\nkeitsgetreue Musik, welche naturalistisch heißen\nmag, die aber der Körperlichkeit, der Farbe ent-\nbehrt. Diese Künste nähern sich einer Ver-\ndoppelung an; ich will sie Nachformungen nennen;\nsie sind unter diesem Gesichtswinkel wohl die\nniedrigsten Künste. — Die Bestimmtheit dieser\nKünste, oder bequem umschrieben, die Mittel, mit\ndenen sie arbeiten, gestatten ihnen die Wirklich-\nkeitsnähe. — Unvergleichbar schon mit jeder Wirk-\nlichkeit ist das gemalte Bild. Es gibt keinen sol-\nchen Querschnitt, solchen Flächenschnitt durch die\nWelt, wie ihn die Leinwand verlangen müßte; hier,\nwo der Weg zur Nachformung von vornherein ver-\nsperrt ist, erhebt sich der Zwang zu Kunst im\nengeren Verstände, zur Erfindung eigener Ersatz-\nmittel. Schembildungen werden hier erzeugt. —\nSie geben einen Henkel in die Hand und bitten, die\nVase mit der Blume hinzu zu denken. Schließlich\nwird die meiste Musik, das geordnete Tönen, selbst\nhierzu versagen; was Musik an ihr ist, die Ordnung\nund Wrertung der Töne, bewirkt dies. Sie wird\nernsthaft nicht einmal den Versuch zu einer Schein-\nbildung machen und sich ganz an Neubildungen be-\ngnügen, oder gar stolz damit tun; gebärdet sich als\nAuftakt der Schöpfung. Wenngleich in diesen Neu-\nbildungen in vielfacher Wandlung und Maskierung\nnoch die Wirklichkeit sich hervordrängt, und so\nUmbildungen erscheinen, oder Stellvertretungen\nder Wirklichkeit. —\n\nSchluss des siebenten Gespräches in Nummer 15\n\nPrinzipien moderner\nTherapie\nVon Dr. B. Werner\nDie gegenwärtige Medizin wird in ihren Inter-\nessen, Arbeiten und Publikationen völlig beherrscht\nvon der Serologie, das ist der Lehre von dem Blute\nrespektive dem Blutserum. Die pathologische Ana-\ntomie, welche unter Virchow glorifizierte, ist zurück-\ngetreten; die mikroskopische Betrachtung der Zellen\nhat nicht weiter geführt, wie die Zellularpathologie\nsich rasch verzettelte in vieler unwesentlicher Klein-\narbeit, erschöpfte sich die Bakteriologie. Es stehen\nzwar noch wichtige Entdeckungen aus: die Züch-\ntung des Syphiliserregers ist noch nicht gelungen, die\nAuffindung des Erregers der Masern, des Scharlachs\nnoch nicht geglückt; aber diesem Gebiet fehlt an-\nscheinend die Zukunft und fruchtbare Gedanken.\nDie Serologie befaßt sich mit der Untersuchung\nder Wirksamkeit eingeführter Bakterien und Gift-\nstoffe im Organismus, soweit diese Fremdkörper\nSerumveränderungen machen. Die Medizin bemüht\nsich, die so gewonnenen Erfahrungen für die\nTherapie dienstbar zu machen; und ein Hauptzug\nder gegenwärtigen Therapie ist, dieselben Wege in\nder Heilung zu gehen, wie die Natur, der Organis-\nmus selbst. Sie sucht dem Körper mit denselben\nStoffen zu helfen, mittels derer er sich der Giftstoffe\nerwehrt. Der Serologe findet im Blute vieler In-\nfektionskranker Stoffe, die man als Gegengift auf-\nfassen kann und die der Gesunde nicht hat,\nspezifische Stoffe, welche wesentlich in der Milz\nund im Knochenmark erzeugt werden. Diese Stoffe\nneutralisieren die zugehörigen Giftstoffe, lähmen\nund lösen die zugehörigen Bakterien auf. Man- ge-\nwinnt also aus großen Tieren, die man systematisch\nmit den Krankheitsstoffen behandelt, hochwertige\nGegengifte, Sera für vielerlei Infektionskrankheiten,\nwelche heilende Wirkung auf die zugehörige Krank-\nheit nach ihrer Einverleibung ausüben. Der Krank-\nheitserreger ist in manchen Fällen ein lebendes\nBakterium, in manchen sind es seine Zerfalls-\nprodukte und toten Leiber, in manchen ein abge-\nsondertes Gift. Solche Heilform kennen wir bei\nDiphtherie, Genickstarre, Typhus, manchen Tier-\nkrankheiten.\nVorbeugend und heilend kann man den\nSchutzkörper im Organismus erzeugen, indem\nman mit vorsichtigen kleinen Dosen des Krankheits-\nstoffes den Organismus zur kräftigen Produktion\ndes Heilstoffes anregt, ohne selbst stärkere Krank-\nheit hervorzurufen (Wrights Vaccinbehandlung,\nKochs Tuberkulintherapie, Pockenimpfung).\nHier geht die Therapie indirekt gegen die Krank-\nheit vor, indem sie sich vom Organismus den\nSchutz- und Heilstoff verschafft. Direkt greift sie\ndie Krankheit dann an, wenn sie einen gegebenen\nStoff chemischer Art nimmt und mit ihm den Krank-\nheitserreger vernichtet Die Antisepsis arbeitet seit\nihrem Beginn derart, daß sie die oberflächlich\nliegenden Keime mit Desinficientien abtötet; gegen\ndie Eingeweidewürmer geht man ähnlich vor.\nSchwer angreifbar sind aber die im Blut und in\nden Geweben bei den Infektionskrankheiten aufge-\nspeicherten Bakterien, weil ihre Vernichtung mit\nschweren Desinficientien auch die Vernichtung des\nOrganismus nach sich ziehen muß. Ehrlich in Frank-\nfurt am Main nennt die Therapie, welche eine un-\nschädliche direkte chemische Abtötung der Krank-\nheitsstoffe im Körper bezweckt, Chemotherapie und\ntherapia magna sterilisans. Durch ein- oder mehr-\nmalige Einspritzung bestimmter chemischer Sub-\nstanzen sollen die Krankheitserreger ein- für allemal\nohne Schädigung des Körpers vernichtet, die Krank-\nheiten geheilt werden. Die experimentellen Ver-\nsuche und die tatsächlichen Heilresultate bei dieser\nMethode sind sehr vielversprechend. Hauptsächlich\nTrypanosomenkrankheiten. Syphilis, Rückfallfieber\nsind studiert. Bei Rückfallfieber sind schon einige\nStunden nach Infektion einer Arsenverbindung keine\nBakterien mehr im Blut zu finden.\nDiese beiden Prinzipien also, die der Serum-\ntherapie und der Chemotherapie, stellen die Grund-\nlage moderner rationeller Heilbemühung dar.\n\nRussisches Ballett\nR. R.\nIm Vestibül des Theaters des Westens stand\nals Vertreter der russischen Regierung Herr\nBarchan oder Barches, der eigens aus dem Cafe\ndes Westens herbeigereist war, aus welchem er\nPetersburger Briefe an das Berliner Tageblatt\nschreibt. Ich verneigte mich vor seinem Schatten,\nging in den dritten Rang. Dies ist sehr hoch; ich\nkonnte aber nicht höher kommen. Im Haus saßen\nviele Menschen; sie lobten laut die russischen Zu-\nstände auf der Bühne, so daß ich sehr gespannt war.\nKleopatra, Sylphiden und eine Nationaltanz-\nserie gab es. Eins immer schöner als das andere;\nich lüge Sie nicht an. Die greisenhaften Dinge des\nBerliner Hofballets vergaß ich gern; man läßt dort\naus Achtung vor der Tradition Damen aus den\nFreiheitskriegen tanzen, die zu allgemeiner Freude\nnoch gut auf dem Posten sind. Unter Hern Fo -\nkine ein hohes Tanzniveau. Prächtige Gestalten,\njunge Gesichter, persönliche heiße Temperamente.\nPantomime wie bei uns: gelingt nicht, gar nicht.\nWundervolle Gruppen, die sich lösten und\nschlössen; oft schien es mir gesehene Musik. Gute,\nnicht zu viele tänzerische Einfälle. Ich war sehr\nfroh über alles, was ich sah. Mögen die Russen oft\nwiederkommen. Aber Herrn Barchent im Cafe des\nWestens lassen.\n\nSchwanensang\nNun ist sein letztes Lied verklungen. Man\nfühlt: Er hat sich ausgetobt. Professor Pietsch,\ndieser „Schmierer und nichts gelernt habende talent-\nlose Nichtskönner\" entschimpfte sich an der Neuen\nSezession. Am Sonntag, den 22. Mai. Denn man\nwird nicht annehmen, daß eine Redaktion es noch-\nmals wagt, nur eine Zeile solches unsinnigen senilen\nGelalles je wiederdrucken zu lassen. Dieser\nPietsch, der über die dümmsten und langweiligsten\nBilder in dilettantisches Entzücken gerät, erlaubt\nsich von den „greulichen Schmierereien eines\nMünch\" und den „armseligen Machwerken eines\nManet\" zu sprechen. Dieser Pietsch erlaubt sich\nein Talent wie Max Pechstein einen armseligen\nKleckser zu nennen. Dieser Pietsch, der offenbar\ndie Welt bisher nur mit Oeldruckaugen gesehen hat,\nerlaubt sich von der Natur zu faseln, deren Farben-\nreichtum seinen Blicken allerdings stets ver-\nschlossen blieb. Der alte Mann operiert mit den\nAnschauungsbegriffen der Fiebel: Der Baum ist\ngrün, der Himmel ist blau, der Mensch ist schön.\nFür ihn sind Farben mathematische Werte, wobei\ner noch das kleine Einmaleins mit der Arithmetik\nverwechselt. Aber der alte Mann ist eine glückliche\nNatur. Er sieht alles grün und blau und schön, und\närgert sich maßlos, wenn jemand seine Glasglocke\nvon den Gegenständen aufhebt und sie der Wirkung\nvon Luft und Licht aussetzt. Mit einem Mal ist die\nGrünheit, die Blauheit, die Schönheit fort, unendliche\nFarben leuchten auf und Herr Pietsch vermißt\nprompt die Natur, die er mit Präparaten in Spiritus\noder im luftleeren Raum verwechselt. Aber die\nKunst läßt sich ebensowenig begrifflich festlegen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.6", "texte": "wie die Natur. Ich möchte Max Pechstein emp-\nfehlen, den guten Pietsch bei Abfassung seiner soge-\nnannten Kritiken zu malen. Der „lichtvolle Histo-\nriograph\" wird sich wundern, wie gelb sein Gesicht\nvor Aerger geworden ist und wie giftgrün seine\nAugen scheinen, trotzdem er objektiv vermutlich\nüber rosige Wangen und blaue Augen verfügt. Und\nwenn man ihn noch gar impressionistisch in Punkte\nauflösen würde, so wären wir endlich von seinen\njämmerlichen Sudeleien befreit. Bemerkenswert\nist noch die neue Lynchjustiz, die Herr Pietsch den\nDamen empfiehlt: „Der Maler dieses ekelhaften\nScheusals verdiente es, daß die Frauen, deren\nganzes Geschlecht darin schmählich beleidigt ist,\nsich zusammentäten, um an diesem Frauenmaler\ndie verdiente Strafe zu verrichten.\" Dasselbe Mittel\nwird den Malern gegenüber ihrem Kritiker\nwärmstens empfohlen.\nDoch es ist überflüssig. Professor Pietsch,\n„dieser Schmierer und nichts gelernt habende talent-\nlose Nichtskönner\" entschimpfte sich an der neuen\nSezession. Am Sonntag, den 22. Mai. Er hat sich\nausgetobt. Sein letztes Lied verklang. Sein\nSchwanensang.\nTrust\n\nDie Kunst zu komponieren\nNichts macht das deutsche Volk glücklicher, als\nseine Künstler bei der „Arbeit zu belauschen.\" Des-\nhalb muß Herr Holzbock unter anderem jedes Jahr\ndie „nicht gepflegte Landstraße passieren, um zu\ndem Sommersitz von Richard Strauß zu gelangen.\"\nAber der „Spezialberichterstatter\" trifft es diesmal\nbesonders gut. Schon im Garten begegnet er dem\nKomponisten. „Er hält ein dünnes schwarzes Heft\nin der linken Hand, in der rechten einen Schreib-\nstift.\" Offenbar lauert der Photograph der „Woche\"\nim Hintergrund. Und Herr Holzbock überrascht den\nKünstler richtig im Schaffen: „Jetzt komponiere\nich wieder halt a bissei.\" Mit diesen schlichten\nWorten begrüßt Strauß auf seinem Sommersitz den\nSendboten des Volkes. Aber zu Ehren des Gastes\nunterbricht er seine Tätigkeit und plaudert halt\na bissei über die komplizierte Art des Vertonens:\n„Hier bin ich am glücklichsten, hier habe ich\ndank meiner lieben Frau, die mir ja auch eine wahr-\nhafte Geistesgefährtin ist, dank meinem herzigen\nBuben jenes ruhige Glück, das ich ersehne, das ich\nnötig habe. Hier geht mir das Komponieren am\nleichtesten von der Hand, hier arbeite ich auch am\nliebsten auch zur Winterszeit. Im übrigen komponiere\nich überall, in meinem schönen trauten Heim und im\ngeräuschvoll internationalen Hotel, in meinem Garten\nund im Eisenbahncoupe, mein Skizzenbuch verläßt\nmich niemals, beim Gehen und Fahren, beim Essen\nund Trinken, immer ist es bei mir, und sobald mir\nein für das mich beschäftigende Thema geeignetes\nMotiv einfällt, wird es meinem treuesten Begleiter,\ndem Notenskizzenbuch, anvertraut. Eine der wich-\ntigsten Melodien für meine neue Oper fiel mir während\ndes Schafskopfspieles ein, zu dem ich mich mit den\nHonoratioren von Garmisch verbunden habe. Die\nEinfälle, die ich notiere, sind eigentlich nur Vorskizzen,\ndie dann erst verarbeitet werden, aber, bevor ich zu\neiner Oper auch nur die kleinste Vorskizze impro-\nvisiere, beschäftige ich mich mit dem Text sech«\nMonate lang. Ich lasse ihn förmlich in mir kochen;\nSituationen und Charaktere müssen in mir bis in«\nletzte Detail durchgearbeitet sein, dann erst lasse\nich die musikalischen Gedanken an mich herantreten.\nAus den Vorskizzen werden Skizzen, dann kommt\ndie Reinschrift der Skizzen, dann die gesamte Ver-\narbeitung, der Klavierauszug, den ich viermal ändere\nund redigiere. Das ist die Anstrengung; was jetzt\nkommt, die? Partitur, die grosse Farbenstimmung\ndurch das Orchester, das ist für mich die Erholung,\nDie Partitur schreibe ich hintereinander ohne Mühe\nin meinem Arbeitszimmer, in dem ich bis zwölf\nStunden ohne Unterbrechung arbeite. So gebe ich\ndem Ganzen die einheitliche Form, und das ist die\nHauptsache.\nDie Kunst zu komponieren. Es besticht zunächst\ndas Dreieinigkeitsidyll: die wahrhafte Geistes-\ngefährtin, der herzige Bube, das treuste Noten-\nskizzenbuch. Vereinigt zur „Winterszeit im\nschönen trauten Heim. Wer es so gut hat, kann\nleicht den Text sechs Monate förmlich in sich\nkochen lassen. Aber dem originellen System zu\nschaffen läßt sich auch ohne diesen Luxus nacheifern.\nVor allem vergesse man nicht, den Klavierauszug\nviermal zu ändern. Und im übrigen: andauernd\nkomponieren, beim Wachen und Schlafen, beim\nEssen und Trinken, beim Gehen und Fahren.\nIngredienzien: a bissei Lieb und a bissei Treu und\na bissei Falschheit. Alles förmlich gekocht und die\nWassersuppe ist halt fertig. Trust\n\nVermischtes\nMinimax\nNoch einmal Herr Löwevelt\nBei einem der beliebten Versuche europäischer\nGroßmächte, Herrn Theodor Roosevelt ihre Nicht-\nachtung zu bezeigen, indem sie ihn zum Doktor er-\nnennen lassen, kam es während der letzten Woche\nin Cambridge zu einem bemerkenswerten Zwischen-\nfall. Nachdem Roosevelt behauptet hatte, der Mut\nbei Tigerjagden ließe sich ungezwungen mit der Ab-\nwesenheit der Feigheit erklären, meinte er, man\nsolle mit derselben Ruhe auf einen Löwenkopf\nzielen als wäre es die Wasserkaraffe vor ihm.\nDarauf zog der Student John Murxly auf der\nzweiten Galerie seinen zerrissenen Halbschuh aus\nund warf ihn dem Gleichnisredner an den Kopf. Er\ntraf. Das Wasser lief stromweis. Herr Professor\nKnownot komprimierte die Wunde, füllte mit\nBrausepulver nach, verschloß mit Gummiarabikum.\nDer Student sagte aus, er wollte die Probe auf das\nExempel machen, ob Teddy selbst ein Löwe wär.\nDie Professoren erklärten den Beweis für erbracht\nund gaben den Schuh zurück. Teddy redete er-\nstaunt weiter.\nDas Lessingzimmer\nTietz benötigt zur Arrondierung seines Waren-\nhauses am Alexanderplatz das Wohnhaus G. E.\nLessings; er hat der Besitzerin versprochen, an der-\nselben Stelle pietätvoll ein Lessingzimmer einzu-\nrichten. Das Zimmer wird im zweiten Stock liegen,\nleicht mit Fahrstuhl erreichbar, zwischen den be-\nliebten Abteilungen für Grammophone und Früh-\nstückscafe. Es wird luxuriös eingerichtet werden\n— mit allem Komfort der Neuzeit, so daß sich der\nleider verstorbene Poet zu seinen Lebzeiten dort\nsehr wohl gefühlt hätte. Seine eigenen Möbel, noch\ngut erhalten, repariert und neupoliert, stehen ver-\nkaufsfertig vorrätig. Bedienung seitens eines Herrn\naus dem Lande Nathans des Weisen. Es findet\ndort auch der Alleinverkauf der berühmten Lessing-\nKakes statt, welche der feinsinnige Poet stets ge-\ngessen haben soll, wenn er das nahgelegene Waren-\nhaus besuchte.\nDer Komet\nDie Transvaaler Sternwarte schreibt, daß die\nErde südlich vom Schweif vorbeigegangen sei;\nHerr Professor Rokka aus Mailand sah in aber im\nWesten, nicht wie erwartet im Osten. In Kopen-\nhagen Herr Strömgreen bemerkte nur drei Sonnen-\nflecke, die er vergeblich von seinem Fernrohr abzu-\ntupfen versuchte; der anspruchsvolle Herr hält\nauch den Schweif für zu kurz. Die Berliner Stern-\nwarte sah ihn garnicht, konstatierte aber Rechen-\nfehler in der sechzehnten Dezimale; vielleicht habe\nder Komet überhaupt zwei Schweife. Ich enthalte\nmich jedes Urteils angesichts so autoritativer Be-\nhauptungen; glaube aber, daß das Vieh mit einge-\nzogenem Schweife davongeschlichen ist und daß\ndie dabei entstandene Biegung zu den Unstimmig-\nkeiten geführt hat. Es läßt sich nicht mehr fest-\nstellen, ob der Komet zwei Schweife, wohl aber,\ndaß die Astronomie zwei Hörner hat. Und ich\nmöchte als Unparteiischer die Meinungsverschieden-\nheiten derart beseitigen, daß ich sage:\nErstens: Wenn man gerecht sein will, muß\nman zugeben, daß der Schweif in gleicher Weise\nzu lang war, wie er zu kurz war.\nZweitens: Der Schweif ist allerdings im Osten\nerschienen; wenn man sich aber umdrehte, könnte\nman die Gegend auch für Westen halten.\n\nWir maken Allens dot!\nClownerie\nVon Paul Scheerbart\nHopp! Hopp! Hopp!\nDa is er — zieht Zylinder — verbeugt sich und\nsagt ernst wie Staatsanwalt:\n„Dramatuschek!\"\nDer Andre lächelt, klopft sich auf dickes Bauch,\nnickt mit kahles Kopp und sagt schmunzelnd:\n„Serr erfreut, mein Lieber! Ick bin der Ka-\npitalski.\" Händegeschüttel — Schmunzelei — zwei\nStühle — Zylinder vergraben — Männer rauchen\njleich Ziehgarn — bald serr viel Dampf in Luft.\n„Ick bin,\" spricht Dramatuschek, „wie Sie woll\nwissen — ein Schenie!\"\n„Weeß ick längst!\" erwidert Kapitalski.\n„Ick will\", fährt Dramatuschek fort, „bauen\njroßes Theater mit neistes Brimborium und aller-\nscheenstes Humbug (speak: Hömböck!). Wir\nmaken allens dot. Jiebst Du Kapital? Speak, Ka-\npitalski!\"\nJast legt rechtes Bein auf linkes Bein, raucht\nwie Schornstein und kickt jradaus wie Tatmensch,\nKapitalski steckt rechtes Hand in sei Rocktasch,\n— zieht aber jleich wieder Hand raus.\nDramatuschek kriegt Courage, redet feste:\n„Mensch — jutes! Denk an! Ick hab jroßes Je-\ndanke mit jroßes Mond — das schwebt auf Podium\nund quiekt: Au!\"\n„Jroßes Narr — kei Schenie!\" murmelt Kapi-\ntalski — Jast seiniges jleich serr hitzig.\nDramatuschek, das jroße Schenie, erhebt sich\nvon Stuhl und hält wildes Red:\n„Du hast kei Ahnung, Kapitalski! Weißt Du„\nwas ick will maken? Ick will maken jroßes Theater\n— serr jroßes und auch serr kleines. Da sollen\nSterns vons Himmel auftreten als Aktors, sollen\nsein tiefsinnik wie altes Sokrates — noch merr tief-\nsinnik. Jrosse Riesendame sollen ooch kommen in\nschlackerndes Feuer und buntes Pfaulicht. Tanzen\nsollen Panthers und Kameeis, Oxen und Schenies.\nJanzes Welt soll werden gekrempelt um. Allens\nmaken wir dot! Siehste, Kapitalski?\"\n„Nix seh ick!\" schreit der Herr mits Port-\nmonnee.\n,0 du Eichkatz!\" kreischt nu Drama-\ntuschek, „hast Du kei Fantasie? Mal Dir aus ein\njroßes Kunst mit Blitz und Donner — mit jroßes\nKrieg mit herzzerdrückendes Jejammer und bom-\nbastisches Seligkeit. Wir maken Allens dot!\"\n„Kei Kunst!\" repliziert Kapitalski, „dotmaken\nkann jedes Mörder. Aechtes Kunst muß maken\njutes Appetit — aber nich dickes Kopp.\"\nDramatuschek flennt wie trauriges Mutter und\nsagt dazu:\n„Materialiste biste — kei Schenie! Aber jieb\nKapital — dann biste Ober-Schenie — Erz-Schenie\n— Qold-Schenie — General-Schenie! Jieb Kapital!\nSei Freund!\"\nJutes Mensch janz jerührt — umarmt Kapitalski\n—- der steckt wieder Hand in Hosentasch — zieht\nraus blankes Ding — ächtes deutsches Pfefinig —\njiebts an jutes jerührtes Mensch.\nUih\nBumm!\nDramatuschek springt hoch in die Höh, schreit\nwie Schwein bei Schlächters — makt immerzu Sal-\ntomortals und packt altes dummes Kapitalski an\nGurgel — dreht — dreht — dreht ab das Kopp.\nWie Kopp in Dramatuscheks langes schmales\nHand, steht Kapitalski ohne Blut und ohne Kopp\njanz ruhig auf — und — redet Bauch sagt\ndunkel:\n„Kapitalski kann leben ohne Kopp\nbraucht kei Kopp.\" Kopplos jeht das harte Mensch\nin sei Stall.\nDramatuschek heult wie Wolf, schmeißt Kapi-\ntalski-Kopp mang Publikum, daß alle Menschen\nquietschen und fällt steif wie trocknes Brett\nauf sei Nas.\nPublikum janz dumm.\nSchenie Dramatuschek weint blutijes Trän\nSand wird naß und rot immer merr nass —\nwird rotes Strom — und armes Kerl schwimmt\nfort auch in sei Stall ....\nArmes Dramatuschek!\nArmes Kerl!\nRotes Strom wird rotes Meer!\nArmes Publikus! _\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nSAMUEL LUBLINSKI\nDie Entstehung des Christentums aus der\nantiken Kultur\nVerlag Eugen Diederichs Leipzig\n\nBerichtigung\nIn dem Beitrag von Karl Kraus Perversität (Nr. 1 ;\nist zu lesen auf der zweiten Spalte 37. Zeile von unte\nHandlung „heterosexuell\" statt Handlung, „heterosexuell ,\nin der dritten Spalte 3. Zeile von oben gradlinige Resu -\ntante statt gradlinigen Resultate. _\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.7", "texte": "——— I - -\nfür Osterreich-Unearn A. MShlhans-SmlUI Wien IX / FBr den Buchhandel: M. Brauu«chwei* Wien IX / Verantworte ffir die Schriftleitonj in Oslerrelch-Unrarn: Otto Sovka\n\nor\n6 Prozent Rabatt!\nEhrenpreis der Stadt\nBerlin 1906\nEhrenkreuz und goldene\nMedaille 1908\n„Mulvoss\"\nMULHAN & VOSS\n6 Prozent Rabat!!\nD. R. Patent ::::::::\n:::::::: D. R, Q4 M.\n:: Auslandspatente ::\nKochstrasse 75 BERLIN SW Ecke Wilhelmstrasse\nChaiselongue\n:: Kein Umbetten! ::\nKein Abriicken von der Wand!\nJedes Zimmer kann in ya Minute\nals Schlafzimmer benutzt werden\nVerwandlung\n11. Geschaft: Liitzowstr. 91, an der Pots-\ndamerstr.:: Fernspr. Amt 6, 7197\nm\niniOiiiiilllMOTiiiiiiiliiliiliii\nSofa\nBett\nVerwandlung\n111. Geschaft: Konigstrasse 7, neben\nIsrael:: Fernspr. Amt I, 7364\n\nGustav Z., 48 Jahre\nPhotogr. am\n10. Juni 1908\nrr\nGustav Z.t 48 Jahre\nPhotogr. am\n11. Nov. 1908\nGebrauchen Sie\nZubeils Rossmark-Pomade a Mark . . 1,—, 2,—\nZubeils Haarmilch zur Haarpflege .... 1,75\nZubeils Crinol-Creme 3,—\nzur Gesichtspflege. Gesichtsfalten (Runzeln) verschwinden unter\nGarantie la elner Nacht.\nZubeils Rossmark. - Einreibung a Mark 1,50, 2,50\nwird von Aerzten empfohlen and bei Reissen, Rheumatismus, Glcht\nverordnet, beseitigt die Schmerzen sofort. Verlangen sie aber\noar unsere Artikel, wo unser Reklame=Plakat im Schaufenster hangt.\nDurch 5 jahrige Erfahrung sind wir in der Lage,\nIhnen auch bei vollst&ndiger Kahlkopfigkeit fiir\nErsatz zu garantieren. Wir zahlen Ihnen den Be-\ntrag zurilck, wenn Sie nach Gebrauchsanweisung\nverfahren, und keinen Erlolg haben. Wo nicht erhSlt-\nlich durch Boten frei Haus oder per Nachnahme\nGUSTAV ZUBEIL U. SOHN\nBerlin NW. Wiclefstrasse 24 (11, 2347)\n\nInternal Patentbureau,gegr. 1993, Fitte&Theune\nBerlin S.W. 48 Friedrichstr. 230 Tel. 6a. 18981\nlusarb. ?on Erlindungsideen. Patentanmeldung i. all. Miss. Preis\nNie Naehzahlungen. Sehnelle Yerwertung tod Patenten 0. jegl. Yorsehuss\nit . I 1. * welches. 112. Beteiligung an d. Ausbeutung von Pa-\nKail m mPII tGtGn interess- bitten wir um Ihre Hdresse um\nUUpilUllulUll| kostenlos. unverbindl. Hngebote machenz.konnnen.\n\nJEDE FRAU\nlese die Stoning der Periode zur\nSelbstbehandlung- von Dr. Lewis\nStatt 1 Mk. nur 50 Pf. in Briefm.\nH.Streubel, Berlin 16 Franzstr.l4\n\nDIE TAT\nWEGE ZU FREIEM\nMENSCHENTUM\nVIERTELjAHRL.M.2 HEFT M.0,80\nEINE MONATSSCHRIFT\nHERAUSOEGEBEN VON\nERNST HORNEFFER\nVERL. DIE TAT 0.m.b.H., LEIPZIG\n\nGebr.Staph, Pforzheim\ns\nrO\net-\n-a <\"\n5: cd\no —\no-s\neS\n535\n■<r\nc-i\n2 6\nO 3\nCO\nflOE-\nw\nvO\nF\nBez. 56. Langj. Liefer. Hunderter furstl. u.\nadel. Il&user empfehl. ihre allerl. Neuh.\nin Bestecken, Gold- u. Silberwaren zu\nbilligst, Preisen. Versand\ngeg. bar od. Nachnahme.\n11311. Brosche, 14 k. Gold,\n3 Perlen, M. 24.—\n10 175.\nRing m.Mixt,\n14 k. Gold,\nM. 13.80.\n8 k. Gold,\nM. 9.—.\n8»\n£? ci\n=q io\n£\n0»\nWWTS\nOS\nm\n\"O\nV) N\nQ\n® cx\n\"S3\nXI\nO\ni-\nco\nC--0\n11 344. Sportsbrosche, 14 k. Gold.\n1 Rubin, Griff Platina, M. 18.70.\nNur tadellose Arbeit unter Garantie fur Feingehalt. — Alt® Schmucksachen ar-\nbeiten wir zu modernsten Stlicken, nehmen Gold, Silber, Edelsteine in Zahlung.\nKataloge m. Tausenden Abbildg. gratis u. franko. Ansichtssendungen zu Diensten.\n\nBerliner Konservatorium fur Theater und Musik\nDIREKTOR C. A. SACHSE\nBERLIN N 39 :: Mullerstrasse 178 (Weddingplatz)\nTHEATER-SCHULE\nVollstandige Ausbildung fiir Schauspiel,\nOper, Operette, Posse und Ballett\nVARIETE-THE ATER=SCHULE\nKomiker-, Soubretten- und Artisten-Schule\n12 Fachlehrer\nBisher 3000 Schuler (H erren, Damen und Kinder) mit bestem\nErfolg- ausgebildet\nz. B. Ernst Kleinert, Walter Bahrmann, Willy Walde (Damen-Imitator), Emil Kante,\nHellon Angerie, Bellini, Graff, Pieper, Direktor Lucas-Schwieger, Pohlei etc. etc.\nDie Damen: Mile. Nanon, Blatter, Neumann, Captive, Hardinis, Mazoni, Cltre\nLorma etc. etc.\nEintritt jederzeit Kulante Bedingung-en\nNach erfolgter Ausbildung: Engagement\n\nflip QHflfCjltTlP Hfllicffflfl großen Wert auf die Woh-\nLf lC opctioctillC 1 IttUMTUU nungsbeleuchtung! Rechnen Sie\nsich aus, was Sie im Jahre fiir den Bedarf an Gluhkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie eineß guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-Gliihkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusammen-\ndrficken konnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Hartalin-Gliihkorper\nhaben eine Leuehtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50°/fl. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fiir die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Prels p. Stck. 50 Pfg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. und Techn. Nenheiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72\n\nAkustik=Sprechmaschinen\nvon der einfachsten bis zur vornehmsten Ausstattung in kulanter und durchaus\ndiskreter Bequeme Zahlweise, geringe Anzahlung,\nWeise : «*UI 1 CIUaIHUUg Rest in wochentlichen oder Monatsraten\n©\nFrovlßiongrelgende and Vertreter gresucht\nI I Hoher Nebenverdienst £\nfUr Personen jeden Standes durch Vertrieb oder Nachweis von Kaufern\nAkustik-Sprechmaschinenwerke Berlin W 66\nMauerstrasse 86—88 :: Fahrstuhl :: Tel.: I, 7497\nSpetialitat: Akuatophone. Trichterlose Apparate in Schatnllen- and Schrankform\n©\n\nJtl\nJ\n3\nZur Bekampfung der\n»Kindersterblichkeit«\nEine der Hauptursachen der iibergrossen Sterblichkeit im ersten Lebensjahre\nliegt in der Mangelhaftigkeit einer angemessenen Ernahrung der Sauglinge. —\nUnter den vielen Ersatzmitteln der Mutterbrust hat in letzter Zeit eines immer\nmehr und mehr infolge seiner hervorragenden Eigenschaften die Aufmerksamkeit\nder Aerzte und Laien auf sich gezogen und behauptet heute den ersten Rang\nunter denjenigen Sauglings-Nahrmitteln, welche aus frischer Kuhmilch hergestellt\nwerden: die Backhausmilch. Die Backhausmiicli entspricht in physio-\nlogischer und hygienischer Hinsicht dem Vorbild, wie es uns die Frauenmilch\ndarbietet und ermoglicht, wie diese, eine regelmaßige, von außeren Storungen\nunabMngige Entwickelung des gesunden Kindes. — Dann aber stellt sie im Falle\nvon Magen- und Darmkrankheiten des Sauglings ein Diatetikum von entschiedener\nHeilkraft dar, welches die Behandlung mit Medikamenten wesentlich unterstutzt,\nja manchmal ganz entbehrlich macht. — Sie bildet, als das ausschliessliche\nNahrungsmittel wahrend der ersten 9-10 Monate, ein durch kein anderes\nPraparat mit gleicher Sicherheit zu ersetzendes Vorbeugungsmittel gegen die\nso ungemein verderblichen und haufigen Brechdurchfaile. Vielfache Versuche\nan Kliniken, Krankenhausern etc. haben Vorstehendes zur Geniige erhartet.\nfrwKferfioe Kinicr\nMitch _\n£? Ijhzs//c/T?sI112 h die b&si&112 vow crston LGbGnstsgg\nWte DdCmiaUSmuC// an bGkHmmUche Saugl/ngsnahrung.\nDie Herren Arzte werden gebetenj Proben und Literatur zu verlangen von folgenden\nBackhaus-Milchansta/ten\nAachen-Burtscheid: Stadt. Miichanstalt.\nBrunn (Mahren): Centralmolkerei. — B\n— Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: R.\nGutsmolkerei Kempf. — Elberfeld, Doroiuccnsu. n.n.oauci. — rrauKiurt a. m., vjinnneimer Lanastr. 74: r. cjottschalk.\n— Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Halle a. S., Dessauerstr. 5: Nutricia. — Hamburg, Guntherstr. 6/8: G. Hildebrandt.\n— Hannover-Linden, Deisterstr. 31 :Dr. Friedel Nachf. — Heilbronn, Herbststr. 26: Ferd. Marx — Karlsruhe, Gerwigstr. 31 :\nNutrica. — Kalserslautern: Emil Andre, Dampfmolkerei. — Kolna. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schiirmann Nachf. —\nKrefeld, Inratherstr. 191: H. Bogelmann. — Leipzig: Nutricia, Kronprinzenstr. 52. — Magdeburg: Magdeburger Molkerei.\nOlmutz (Mahren): W. Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbuttel bei Berne (Bremen-Olden-\nburg): Stedinger Molkerei. — Stettin, Hohenzollernstr. 50: Nutricia. — Stuttgart, Lerchenstr. 24 a: Nutricia. —J Teplitz-\nSchonau (Bohmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwinkel: Nutricia, Otto Volkmann. - Wiesbaden, Bleichstr. 26:\nI Wiesbadener Molkerei. — Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl.\nrv\n\nModerneHaararbeiten\n| finden Sie in jeder Preislage im Spezial-Haargeschaft von ||\n2 Otto Teutscher und Friseur 5\na l.Oeschaft: Berlin, 106 a Potsdamerstr., Eing. 63 StegHtzerstr., Tel. VI, 6735 5\n11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Telephon Amt Charl., 6387\nElegante Shampooing- nrj Champooing mit Frisur 1,50 Mark fl\nund Frisier-Salons ::: l_*_J Manicure 1,50 Mark j\n■■■■■OOOOOOOOOIHII\n\nPrivatbeamte und Ange=\nhorige der freien Berate'\nSorget fur Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Vertretung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und rechtlichen Interessen der Privat»Beamten gegriindeten,\ndurch landesherrl. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nBEirttlEl riIfiMEIKTEI-TglEm ZD IMGDEMMC\nZirka 28 000 Mitgliedtr in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahistellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waisen°\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohlfabrtseinricktungen\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjShrl. Beitr. 3 M.:: Man verl, Prospekt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100602-01.1.8", "texte": "fersntwortl. f. ä. Acieifenteil: H. (Sintber / Verlar Der Stern Berlla-Haleaeee deicbiftssttlle oad Aateiiea-Anaabme: Berlin W35 / Druck v. Siegfried Seeger. Bertis S «\n\nA. Jandorf & Co.\nSpittelmarkt Belle-Alliancestr. Gp.Frankfurterstr. Bpunnenstp. Kottbusep Damm\nGarten- und Balkon ■ Wlobel\nHolz-Klappmobel\nm\nit*\ntill\n/f'\nflach zusammenlegbar\nSessel 3.851 Tisch ca ss-wcm 4.751 Bank 6.251 Siuhl 1.95,2.25\nFeldsttthle 48, 95,1.25 »« Lehne\nTriumphsttihle 2.25\n1.25\nmit\nArmlehne\n2oe mitArmlehne Qnr\niOd u. FussstUtze 0./O\nMr QC\nKinder Uvl Pf.\nji&b,\nM\nI\nv J\nt'u\nuflti\n>UL\n□\n4ft!\nmm,\nn\nZusammenlegbarer Wag en\nmahagonifarbig lackiert, mit bordeaux 112 O n/|\nLedertuch, Gummir&der IW.Uv\nKorbsessel\nPolsterung mit\nKretonnebezug ..\n4.85\n\nHOHER GEWINN\nbietet sich Kapitalisten,\ndie sich mit >:\n20 BIS 30 000 MARK\nan einem originellen Zei-\ntungsunternehmen auf\nsicherer Grundlage\nstill oder aktiv beteiligen\nOfferten an die Annoncen-Annahme ALFRED BOTS, BERLIN W35\n\nHandelswissen- EVioHr Mocfpp t •\nschaftl. Kurse von ITieUI. IVIBMCI Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theone und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung). Griindliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\niahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntmssen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tStig waren und den\nForderungen der Oegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder .\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Junsten, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder VerbSnde,\nAktien- oder Shnlicher Oesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5\n\nSpezlaladressen Geschafte vornehmen Genres\nFiirstlichkeiten :: Diplomaten :: Hohe Militars und Offiziere\nHofstaaten :: Mitglieder feudaler Klubs :: Geburts-, Geistes-\n:: und Geldaristokraten :: Biihnenmitglieder etc. etc. ::\n52525! Gut durchgesiebtes, erstklassiges Material 2SSSSS\nErmittelungen in diesen Kreisen diskret und zuverlassig\nS« C. A. Rittner, Kongrefibeamter, Berlin N37\n\nFORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteranenstrasse 19 Telephon Amt HI, 8164\nDETECTIVABTEILUNO: Ermittelungen, Beobachtungen,\nHeranschaffung von Material in Civil- und Strafsachen\n\nFF\nn\nE\np\nP\ni\nt.\nin\nf-\ni\nS\n4-\n;:1P\nE\nfx\nft\nttt\nVt\nt\nr\n;v\nr:!£.\n*r.\niA<\\*\nera\n»\nVvw<\"\n&■».\nhH «**\nWr\n•J :»\n2\nT troCKC11\nCAN\nPDPFERBER6 RIESLING!\n' »\n• ntsn /r # r\nJUUfi*> j;\nHOriiKFE^\n11 Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schon\nals solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hochste Voll-\nkommenheit erlangen muß. —\ntfUnsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad' Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundci 1850\n: Ueber Bedeutung von \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten AufschluJS."}]}