{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_sha256": "7426cfb1d04372af9b8013e7307c83b7aa7a855e2363ee93b57fa1f314cf2afe", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/06/09_01/bmtnabg_1910-06-09_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/06/09_01/bmtnabg_1910-06-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.1", "titre_corps": "Oskar Fried", "titre_sommaire": "Oskar Fried", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.1", "debut_caractere": 3140, "fin_caractere_exclue": 3151, "texte": "Oskar Fried"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.2", "titre_corps": "INHALT", "titre_sommaire": "INHALT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.1", "debut_caractere": 566, "fin_caractere_exclue": 849, "texte": "INHALT\n: OTTO WEININGER: Der Hund/THAD-\nDÄUS RITTNER: Th<§atre par£ / PAUL LEPPIN:\nDaniel Jesus / Roman / ELSE LASKER-SCHÜLER:\nGedichte/ALFRED DÖBLIN: Gespräche mit Kalypso\nüber die Musik/ PAUL SCHEERBART: Das neue\nKriegsinstrument / TRUST: Die blaue Blume / KARI-\nKATUR: Oskar Fried"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "116", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.3", "titre_corps": "Der Hund", "titre_sommaire": "Der Hund", "signature_source": "Otto Weininger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.1", "debut_caractere": 851, "fin_caractere_exclue": 3138, "texte": "Der Hund\nVon Otto Weininger\nDas Auge des Hundes ruft unwiderstehlich den\nEindruck hervor, daß der Hund etwas verloren\nhabe: es spricht aus ihm (wie übrigens aus dem\nganzen Wesen des Hundes) eine gewisse rätsel-\nhafte Beziehung zur Vergangenheit. Was er ver-\nloren hat, ist das Ich, der Eigenwert, die Freiheit\nDer Hund hat eine merkwürdig tiefe Beziehung\nzum Tode. Monate bevor mir der Hund ein Pro-\nblem geworden war, saß ich eines Nachmittags\ngegen fünf Uhr in einem Zimmer des Münchener\nGasthofes, in welchem ich abgestiegen war, und\ndachte an Verschiedenes und über Verschiedenes.\nPlötzlich hörte ich einen Hund in einer ganz eigen-\ntümlichen, mir neuen, durchdringenden Weise\nbellen und hatte im gleichen Momente unwider-\nstehlich das Gefühl, daß gerade im Augenblick\njemand sterbe.\nMonate nachher hörte ich, daß in der furcht-\nbarsten Nacht meines Lebens, da ich, ohne krank\nzu sein, buchstäblich mit dem Tode rang, — denn\nes gibt für größere Menschen den seelischen Tod\nnicht ohne den physischen Tod, — weil bei ihnen\nLeben und Tod am gewaltigsten und intensivsten\nals Möglichkeiten sich gegenüberstehen\ndreimal, gerade als ich zu unterliegen dachte, einen\nHund in ähnlicher Weise bellen, wie damals in\nMünchen; dieser Hund bellte die ganze Nacht; aber\nin diesen drei Malen anders. Ich bemerkte, daß ich\nin diesem Momente mit den Zähnen mich ins Lein-\ntuch festbiß eben wie ein Sterbender.\nAehnliche Erlebnisse müssen auch andere\nMenschen gehabt haben. In der letzten Strophe\nvon Heines bedeutendstem und schönstem Gedichte\n„Die Wallfahrt nach Kevlaar\" heißt es, wie die\nvom Leben erlösende Mutter Gottes dem Kranken\nsich naht:\n„Die Hunde bellten so laut.\"\nIch weiß nicht, ob der Zug bei Heine originell oder\nder Volkssage entnommen ist. Wenn ich nicht\nirre, spielt auch irgendwo bei Maeterlinck der\nHund eine ähnliche Rolle.\nKurze Zeit vor dieser erwähnten Nacht hatte\nich mehrfach dieselbe Vision, die Goethe nach dem\nFaust zu schließen gehabt haben muß, einige Male,\nwenn ich einen schwarzen Hund sah, schien mir ein\nFeuerschein ihn zu begleiten.\nAusschlaggebend aber ist das Bellen des\nHundes: die absolut verneinende Ausdrucksbe-\nwegung. Sie beweist, daß der Hund ein Symbol\ndes Verbrechers ist. Goethe hat dies, wenn es ihm\nauch vielleicht nicht ganz klar geworden ist, doch"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4290, "texte": "sehr deutlich empfunden. Der Teufel wählt bei ihm\nden Leib eines Hundes. Während Faust im Evan-\ngelium laut liest, bellt der Hund immer heftiger: der\nHaß gegen Christus, gegen das Gute und Wahre.\nIch bin, wie ich bemerke, gar nicht von Goethe\nbeeinflußt. Die Heftigkeit jener Eindrücke, Erre-\ngungen und Gedanken war so groß, daß ich mich\nan den Faust erinnerte, jene Stellen hervorsuchte\nund nun zum ersten Male, vielleicht als erster\nüberhaupt, ganz verstand.\nIch führe nun weiteres an:\nDer Hund handelt, als ob er die eigene Wert-\nlosigkeit fühlen würde; er läßt sich vom Menschen\nschlagen, an den er sich gleich wieder herandrängt,\nwie stets der böse Mensch an den guten. Diese\nZudringlichkeit des Hundes, das Hinaufspringen am\nMenschen, ist der Funktionalismus der Sklaven.\nIn der Tat haben Menschen, welche rasch für sich\nzu gewinnen suchen, und doch sogleich so sich\nschützen gegen Angriffe, Menschen, die man nicht\nabschütteln kann, Hundegesichter, Hundeaugen.\nHier erwähne ich zum ersten Male jene große Be-\nstätigung meines Gedankensystems. Es gibt\nwenige Menschen, die nicht ein oder mehrere Tier-\ngesichter haben; und jene Tiere, denen sie ähneln,\ngleichen ihnen auch im Benehmen.\nDie Furcht vor dem Hunde ist ein Problem;\nwarum gibt es keine Furcht vor dem Pferde, vor\nder Taube? Sie ist Furcht vor dem Verbrecher.\nDer Feuerschein, der dem schwarzen Hunde (viel-\nleicht dem bösartigsten) folgt, ist das Feuer, die\nVernichtung, die Strafe, das Schicksal des Bösen.\nDas Schweifwedeln des Hundes bedeutet, daß\ner jedes andere Ding als wertvoller anerkennt als\nsich selbst.\nDie Treue des Hundes, welche so gerühmt\nwird, und die viele den Hund für ein moralisches\nTier halten läßt, kann mit Recht nur als Symbol\nder Gemeinheit gefaßt v/erden: der Sklavensinn\n(das Zurückkehren nach den Schlägen ist kein\nVorzug).\nInteressant ist es, was der Hund anbellt; es\nsind im allgemeinen gute Menschen, die er anbellt,\ngemeine, hündische Naturen nicht. Ich habe an mir\nselbst beobachtet, daß ich von Hunden umsomehr\nangebellt wurde, je weniger Aehnlichkeit ich\npsychisch mit ihnen hatte. Merkwürdig ist nur, daß\ndie Dienste des Haushundes gerade gegen den Ver-\nbrecher in Anspruch genommen werden.\nDie Hundswut ist ein sehr merkwürdiges Phä-\nnomen, vielleicht der Epilepsie verwandt, in welcher\ndem Menschen ebenfalls Schaum aus dem Munde\ntritt. Beide werden von der Hitze begünstigt.\nWenn der Hund nicht wedelt, sondern den\nSchweif starr und gerade hält, dann ist Gefahr, daß\ner beißt: das ist die verbrecherische Tat, alles\nandere, auch das Bellen, nur Zeichen der bösen Ge-\nsinnung.\nHunde unter den Menschen in der Literatur sind\nder alte Ekdal in Ibsens „Wildente\" und am groß-\nartigsten Minutte in Knut Hamsuns Roman „My-\nsterien\". Viele sogenannte „alte Magister\" reprä-\nsentieren den Hundetypus unter den menschlichen\nVerbrechern.\nDenn daß es noch andere Verbrecher gibt, das\nbeweisen die Schlange, das Schwein.\nSehr bedeutend ist auch das Schnüffeln des\nHundes. Hierin liegt nämlich Unfähigkeit zur\nApperzeption. Ganz wie der Hund, so wird auch\ndie Aufmerksamkeit des Verbrechers durch einzelne\nSachen ganz passiv angezogen, ohne daß er weiß,\nwarum er sich ihnen nähert oder sie berührt: er hat\neben keine Freiheit mehr.\nDaß er auf die Wahl überhaupt verzichtet hat,\nkommt auch in der Regellosigkeit der Kreuzung\ndes Hundes mit irgend welcher Hündin zum Aus-\ndruck. Diese wahllose Vermischung ist vor allem\neminent plebejisch und der Hund ist der plebejische\nVerbrecher: der Sklave.\nIch wiederhole nochmals: es ist Blindheit, den\nHund als ethisches Symbol zu betrachten; selbst\nR. Wagner soll einen Hund geliebt haben (Goethe\nscheint in diesem Punkt tiefer geblickt zu haben)\nDarwin erklärt das Wedeln des Hundes als „Ab-\nleitung der Erregung\" („Ausdruck der Gemütsbe-\nwegungen\"). Es ist natürlich der Ausdruck der\närgsten Gemeinheit, der unterwürfigsten Devotion,\ndie auf jeden Fußtritt gefaßt ist und um alles nur\nmehr bettelt.\nAus dem nachgelassenen Band von Otto Weininger: Ueber\ndie letzten Dinge / Verlag Wilhelm Braumüller Wien. Geschlecht\nund Charakter/Eine prinzipielle Untersuchung, das Lebenswerk\ndes Autors erschien soeben in zwölfter Auflage beim selben Verlag.\nOtto Weininger und seine Schriften sollen demnächst an dieser\nStelle ausführlich geehrt und gewürdigt werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "117", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.4", "titre_corps": "Théatre paré", "titre_sommaire": "Théatre paré", "signature_source": "Thaddäus Rittner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.2", "debut_caractere": 4292, "fin_caractere_exclue": 9747, "texte": "Théatre paré\nVon Thaddäus Rittner\nVier kleine Szenen\nOrt der Handlung: Die Hölle. Zuschauer-\nraum des Königlich Beelzebubschen Hoftheaters\nwährend einer aus Anlaß des Geburtstages der\nKöniglichen Favoritin, Mala, veranstalteten Gala-\nvorstellung. Logen und Fauteuils des ein wenig\nkonventionell eingerichteten, in dem üblichen\nDunkelrot gehaltenen Saales sind von dem vor-\nnehmsten, ausschließlich geladenen Publikum\nbesetzt.\nErste Szene\nIm Parterre: Zweiter Zwischenakt. In der zehnten\nReihe sitzt der Direktor der Königlichen Milch-\nmeiereien (zu Lebzeiten Reporter des „New York\nHerald\"), neben diesem der Rezensent des „roten\nCouriers\" (zu Lebzeiten Dragonerleutnant); hinter\nihnen (elfte Reihe) der Polizeipräsident (zu Leb-\nzeiten bekannter Lebemann) und der Inspektor der\nstädtischen Wasserleitung (zu Lebzeiten impressio-\nnistischer Maler)\nDirektor\nSie stimmen schon die Instrumente. Gleich beginnt\ndie Vorstellung.\nRezensent\nUnsinn. Die Vorstellung hat vor anderthalb Stunden\nbegonnen.\nPolizeipräsident\nIst der Direktor taub und blind?\nInspektor\nEigentlich nicht. Vor seinem Tode war er der\npfiffigste Reporter in Amerika. Er wußte die Gegen-\nwart und die Zukunft. Er hörte in New-York wie in\nAthen das Gras wachsen.\nPolizeipräsident lächelnd\nBeelzebub straft ganz witzig.\nRezensent zum Polizeipräsidenten; schadenfroh\nUnterhalten Sie sich?\nPolizeipräsident mürrisch\nDanke.\nRezensent\nSie haben nämlich am meisten gestöhnt.\nPolizeipräsident\nWir alle haben gestöhnt.\nRezensent\nStreng genommen sind wir ja nicht zu unserem Ver-\ngnügen hier.\nEine D a m e\nDas Stück ist übertrieben.\nRezensent\nEs ist lebenswahr. Es ist nüchtern wie ein\nRegentag.\nInspektor zögernd\nIch bin nicht sehr für den Naturalismus.\nPolizeipräsident schmerzlich\nDas Stück ist meine Privatangelegenheit. Ich be-\ngreife nicht wie meine ehemaligen Charakterfehler\ndie anderen amüsieren können.\nRezensent lächelnd\nMir scheint, die Technik des Höllen-Dramas ist Ihnen\nheute noch ein Rätsel.\nInspektor\nDas Stück hat mein ehemaliges Leben zum Inhalt.\nIhr amüsiert euch auf meine Kosten.\nPolizeipräsident\nIhr Leben hat mit meiner traurigen Affäre, die der\nAutor zu einem Drama gestaltet, nichts zu tun.\nInspektor\nErlauben Sie freundlichst . . .\nRezensent\nDer Autor behandelt in seiner genial rücksichts-\nlosen Weise meine Streichung aus der Offiziersliste.\nPolizeipräsident erstaunt\nWelcher Autor?\nRezensent ungeduldig\nBeelzebub — selbstverständlich. Haben Sie hier ein\nStück gesehen, das nicht von Beelzebub wäre?\nInspektor\nUm aber auf die heutige Komödie zurückzukommen.\nRezensent\nEs ist dumm Wechsel zu fälschen.\nInspektor\n... So schäme ich mich jetzt umsomehr meiner\nalkoholischen Leidenschaft als das Trinken für mich,\njeden Reiz verloren hat. Es ist sinnlos und tragisch,\ndaß der französische Rotwein mein großes Talent\ngetötet hat.\nPolizeipräsident\nIch habe den Mann meiner Geliebten mit Cyankali\ngetötet. Aber das kommt erst im nächsten Akt.\nEine Dame\nDer Autor ist ungerecht . . .\nInspektor\nEr ist leider die Gerechtigkeit selbst.\nEine Dame\n. . . Ich war niemals so herzlos, wie ich in dem\nStück geschildert werde.\nPolizeipräsident\nIch werde von dem besten Schauspieler des Per-\nsonals kreiert. .Er faßt mich ganz richtig als Idioten\nauf. Und darauf ergibt sich zugleich die Moral des\nGanzen; das größte Uebel ist die Dummheit. Haben\nSie bemerkt, wie dem Darsteller des Mannes meiner\nGeliebten alle Extremitäten zitterten? Er war ein\nKrüppel; ich hätte ihn zum Duell fordern sollen, an-\nstatt ihn zu vergiften.\nInspektor leise\nDer Vorhang geht wieder auf. Mein Atelier. Die\nTapeten sind rot wie Chateau Lafitte . . . Pfui . . .\nIch war ein Selbstmörder. Stöhnt\nRezensent leise\nDie Bühne stellt das Militärgericht dar. . . Stöhnt\nE i n e D a m e leise\nUeber die Straße geht eine zerlumpte Dirne\nmeine Tochter. — Weil ich sie angeblich aus dem\nHause gejagt habe. Der Autor übertreibt\nMehrere Stimmen leise\nAch, unerträglich . . .\nRezensent leise\nIch werde das Stück verreißen. Ich lasse mich nicht\nso unbarmherzig quälen.\nDirektor ganz laut\nWann beginnt denn endlich die Vorstellung?\nMehrere Stimmen\nRuhe, Ruhe! . . .\nZweite Szene\nIm Foyer: Dritter Zwischenakt. Beim Büffet\nsteht eine korpulente, dekolletierte Hofdame im leb-\nhaften Gespräch mit dem Rezensenten\nHofdame seufzend\nDrei Akte der entsetzlichen Posse sind vorüber . .\nRezensent\nFrau Gräfin gestatten, es ist eine Tragödie.\nHofdame\nJedenfalls ist sie schlecht. So ist nicht das Leben.\nRezensent\nSo ist das Leben. Und darum ist sie schlecht.\nHofdame\nDer Autor ist parteiisch.\nRezensent\nDas behaupten nur die Frauen in der Hölle. Die\nDamen sind in dem Punkt ein wenig farbenblind.\nHofdame\nAuf jeden Fall habe ich niemals so gelogen ... Es\nist gemein, wie ich in dem Stück lüge.\nRezensent\nIch hatte leider nicht die Ehre, Frau Gräfin auf der\nBühne zu sehen. Meines Wissens treten in der\nTragödie nur die Offiziere des fünfzehnten Dragoner-\nregiments auf.\nHofdame\nHie und da im Leben habe ich natürlich die\nUnwahrheit gesprochen. Aber, ich bitte Sie, um\nwas handelt es sich eigentlich im Leben?\nRezensent\nIch kann es zu meinem größten Bedauern nicht\nsagen, hochverehrte Frau Gräfin.\nHofdame\nUm die allgemeine Harmonie.\nRezensent\nAh — sehr hübsch. Aber diese Harmonie wird eben\ndurch Ihre kleinen Unwahrheiten zerstört.\nHofdame\nSie wird durch alle möglichen Unwahrheiten zer-\nstört. Kommt es auf mich allein an? Lächerlich.\nHalte ich mich noch so streng an die Wahrheit, so\nlügen dafür Millionen Andere. Ein einziger Bock —"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6605, "texte": "und die ganze Rechnung stimmt nicht mehr. Warum\nstraft man nicht alle Irrtümer der Gelehrten, Aerzte,\nAdvokaten —? Rechenfehler bleibt Rechenfehler;\ndie Absicht kommt dabei nicht in Betracht Es\nist infam, daß der Autor gerade gegen mich seine\nAngriffe richtet.\nRezensent höflich lächelnd\n. . . Sehr geistreiche Paradoxe.\nHofdame zornig-weinerlich\nBitte, lachen Sie nicht ich leide entsetzlich\ndarunter, daß der Autor so ungerecht ist.\nRezensent\n— Und wir Männer leiden, weil er so gerecht ist.\nEs ist schließlich nicht von Belang, weshalb man\neigentlich leidet Glauben Sie mir, Frau Gräfin,\nIhnen zu Liebe würde ich sofort die ganze Hölle zer-\ntrümmern . . . Bemerkt plötzlich den Leibjäger Beelze-\nbubs, der sich dem Büffet nähert, schnell:\nNatürlich — bildlich gesprochen.\nLei b j äg e r zum Rezensenten\nSeine Majestät lassen in die Allerhöchste Loge\nbitten.\nRezensent mit einer unwillkürlichen Ver-\nbeugung\nIch stehe Seiner Majestät sogleich zu Diensten.\nHofdame ironich\nSie, Revolutionär.\nRezensent zerstreut\nSchon gut.\nHofdame\nHöllen-Zertrümmerer.\nRezensent\nIst meine Kravatte ordentlich gebunden?\nDie elektrische Glocke ertönt; das Publikum eilt\nauf seine Plätze, der Rezensent zur Hofloge.\nDritte Szene\nIn der Hofloge: Im Vordergrund sitzt Beelzebub,\nglattrasierter Herr im schwarzen Frack, etwas ver-\nlebtes, aschgraues, nicht unsympathisches Gesicht;\ndie auffallend großen Augen sind ungemein treu-\nherzig und so schreiend blau wie das adriatische\nMeer. Im dunkelroten Schatten des Hintergrundes\nverbirgt sich die Königliche Geliebte Mala. Nur\nvon Zeit zu Ze;it taucht ihr Gesicht aus dem Dunkel\nauf; es ist wie ein Blatt Papier, mit einem blutroten\nMund und mit den Augen einer Toulouse-Lautrec-\nschen Kokotte. In die Loge tritt der Rezensent ein\nRezensent stotternd\nSire, meinen alleruntertänigsten Dank für . . .\nBeelzebub unterbricht ihn gemütlich\nIch weiß, ich weiß. Nehmen Sie nur Platz. Neben\nmir, bitte, damit Sie die Vorgänge auf der Bühne be-\nquem verfolgen können.\nRezensent setzt sich, gleich darauf aber zuckt\ner zusammen und blickt nervös nach dem Hinter-\ngrund\nBeelzebub milde-vorwurfsvoll\nWas haben Sie nur? Es ist nicht klug von Ihnen,\nsich umzusehen. Schauen Sie hinunter. Wenn Sie\ngut aufpassen, so wird Ihr ewiger Schmerz eine\nkleine Linderung erfahren und die Ordnung auf\nmeiner Bühne wird Sie entzücken. Wie gefallen\nIhnen meine Dramen?\nRezensent\nVon dieser Loge aus — über alle Maßen.\nBeelzebub\nSchreiben Sie heute Nacht auf Ihrer Redaktion alles,\nwas Sie darüber denken.\nRezensent unwillkürlich aufrichtig\nMajestät, ich habe mir schon öfters vorgenommen,\nIhre grausamen Stücke möglichst abfällig zu beur-\nteilen aber nur so lange ich dort unten, im\nParterre saß Von dieser Loge aus erscheint\nmir Alles ganz anders.\nBeelzebub\nAuch von hier aus sehen Sie ja sich selbst auf der\nBühne.\nRezensent\nJa, mich selbst, aber auch — die Anderen. Das ist\nder Unterschied zwischen dem Parterre und dieser\nLoge. Jetzt sehe ich die Gemeinheiten aller Per-\nsonen im Theater — nicht nur, wie früher im Par-\nterre, meine eigenen. Und das beruhigt mich un-\nsäglich.\nBeelzebub\nIch kann es mir vorstellen. Aber . . . ungeduldig\nSie drehen sich wieder um. Haben Sie noch nie-\nmals meine Freundin gesehen?!\nRezensent schmerzlich\nMajestät, ich bitte tausendmal um Vergebung. Ich\nkann nichts dafür . Ich fühle unausgesetzt den\nbrennenden Blick der Prinzessin.\nMala lachend\nIch tu ihm ja gar nichts.\nBeelzebub zum Rezensenten\nRedakteur, seien Sie doch ein bischen vernünftig.\n.Hüten Sie sich vor Mala . . . Ich warne Sie väter-\nich. (Seufzt) Meine Freundin straft meine Unter-\ntanen auf eigene Faust. Sie straft auf ihre be-\nsondere, ganz konfuse Art. Ich habe ihr schon oft\nverboten, sich in meine Amtsgeschäfte einzu-\nmengen ....\nMala lachend\n. . . Aber es nützt nichts.\nBeelzebub zum Rezensenten\nSitjzen Sie nur ganz ruhig, drehen Sie sich nicht um.\nMala straft schrecklich unvernünftig. Sie straft mit\nihrer verrückten Schönheit. Sehen Sie lieber auf die\nBühne. Dort haben Sie meine prächtige Ordnung,\nmein logisches Strafsystem.\nPlötzlich unruhig, verwirrt . . .\nJa, was ist das? Unerhört! — Mala ist unten,\nsie spielt mit . . .\nMala lachend; in der Loge\nJa, ich bin unten.\nRezensent entsetzt\nUnbegreiflich — Sie ist unter den Schauspielern und\ngleichzeitig bei uns.\nBeelzebub zornig; zu Mala\nVerdammtes Mädel! Nicht einmal an Deinem Ge-\nburtstag benimmst Du Dich anständig. Wie kannst\nDu Dich unterstehen, die Bühne zu betreten?\nRezensent wie oben; auf die Bühne blickend\nSie hat alles drunter und drüber geworfen.\nDie ganze Welt auf den Kopf gestellt. Sonne, Mond\nund Sterne liegen blutend neben dem Souffleur-\nkasten. Alle Schauspieler haben den Veitstanz\nFurchtbar . . .\nMala lachend\nDa haben Sie's. Ohne mich gibt's kein rechtes\nTheater.\nBeelzebub steht auf; mit erhobener Stimme\nGenug! Aufhören! Vorhang herunter!\nRezensent bebend\nAlle Lampen sind erloschen. Es ist kalt. Nur auf\nder Bühne tanzt ein weißes Gespenst und sein\nMund ist wie ein rotes Licht.\nMala\nHurrah, ich tanze . . .\nRezensent\nMala ich liebe Dich. Ich liebe qualvoll Deinen Mund\n. . . den roten Abgrund der Lust . . .\nBeelzebub donnernd\nVorhang herunter!\nVierte Szene\nIm Parterre: Es ist dunkel und leer. Nur\nBilleteure laufen geschäftig von Platz zu Platz und\nverhüllen die Fauteuils mit schwarzen\nIn der zehnten Reihe sitzt noch immer ganz ruhig\nund geduldig der Direktor der Königlichen Milch-\nmeiereien (zu Lebzeiten Reporter des „New York\nHerald\") und putzt eifrig sein Opernglas. In die\nelfte Reihe stürzt der Rezensent und sucht echauf-\nfiert nach seinem Hut und seinen Handschuhen\nRezensent zum ersten Billeteur\nHaben Sie nicht einen Hut und ein paar dunkelgelbe\nHandschuhe gesehen?\nDirektor mit dem Putzen der Gläser beschäftigt\nIch finde, die Beleuchtung läßt ein wenig zu\nwünschen übrig.\nErster Billeteur zum Rezensenten\nNein, Herr. Aber vielleicht gehören Ihnen die sechs\nSeufzer, die ich soeben aus der Luft gefischt habe.\nZweiter Billeteur\n. . . Oder die Flüche, die hier unter dem Fauteuil\nliegen.\nDritter Billeteur\nDie Luft ist ganz dick von dem Tränendunst, den\ndie Herrschaften zurückgelassen haben.\nRezensent zum Direktor\nGibt es etwas unheimlicheres als ein leeres\nTheater?\nDirektor zufrieden\nJa . . . das Haus ist gut besucht.\nErster Billeteur zum Rezensenten\nBeeilen Sie sich, sonst schließen wir die Türen und\nSie können nicht mehr heraus.\nRezensent fast schreiend\nWo ist der Ausgang?\nDirektor milde ;\nFehlt Ihnen etwas, mein Freund?\nRezensent\nKretin, Sie sitzen auf meinem Hut.\nDirektor\nHaben Sie doch ein wenig Geduld. lyian stimmt\nbereits die Instrumente. Gleich beginnt die Vor-\nstellung.\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "118", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.5", "titre_corps": "Daniel Jesus : Roman", "titre_sommaire": "Daniel Jesus : Roman", "signature_source": "Paul Leppin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.3", "debut_caractere": 6607, "fin_caractere_exclue": 9906, "texte": "Daniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nSchuster Anton hatte ein seltsames, wunderbar\nverwirrtes Mädchen aus dem Dorfe mitgebracht, in\njener Nacht, als Daniel Jesus sein großes und ver-\nwegnes Gauklerspiel mit der Liebe Margaretens\nspielte. Blond und dünn wie eine Heilige sprach sie\nmit keinem und tat auch nichts. Die Leute im Dorfe,\ndie an ihre Träume nicht glaubten, waren froh, als\nder Schuster sie mitnahm, denn sie war eine Waise,\nund sie wußten nicht, was sie mit ihr beginnen soll-\nten. Jetzt wohnte sie in seinem Hause, und seine\nkleine Gemeinde liebte sie und lauschte andächtig\nund scheu ihren inneren Geschehnissen, wenn sie\nan langen Gebetabenden zwischen Liedern und den\ntollen ekstatischen Schreien der Schustersfrau\nlächelnd und heiter in einen schönen und heißen\nSchlaf kam und dann mit hartem, zersprungnem\nMunde von dem Bilde redete, das Tag um Tag in\nihre Seele fiel wie das Licht von einem leuchtenden\nSpiegel. Oft ging es auch wie eine Wolke über\nihren Traum, wenn dann der Schuster zu ihr kam\nund ihre fliegenden Hände hielt. Dann sprach sie\nheiser und stockend von einem bösen und gewalti-\ngen Messias der Sünde, der sein Reich neben dem\nseinen gebaut habe und das Reich Gottes zerstören\nwerde. Von bunten und zerbrochnen Tagen, die\nvor der Türe ständen und in der nächsten Stunde\nkämen, wo sie alle unter der Peitsche des Satans\nkeuchen würden, als ob ein Wind ihnen alle Gebete\ngenommen hätte. Dann wird der böse Feind das\nReich seines Herzens über euch werfen wie einen\nFluch. Und keiner wird fehlen in seinem Gefolge.\nKeiner.\nAuch Du nicht —\nAuch Du nicht —\nSie rief es dem Schuster in das totenbleiche Ge-\nsicht und sank bewußtlos in seine Hände.\nAn diesen Abenden ging ein Graun durch die\nSeele der Beter. Sie fürchteten sich unsagbar vor\ndiesen Dingen, von denen das verzückte Mädchen\nredete und vor dem Tag, der ihnen den Weg zum\nFrieden aufs neue nahm. Wo sie wieder arm und\ngehetzt im Dunkeln taumelten, trunken vor Angst\nund vor der Verzweiflung. Wo ist der Feind?\nschrie es in ihnen — daß wir ihn töten!\nUnd langsam, wie ein schwarzer, gurgelnder\nBlutstrom, der über ihre Augen und ihre Hände floß,\nrang sich ein Name von den Lippen wie ein letztes\nStöhnen:\nChristus! Christus!\nFrau Margarete wußte, wer der Feind war. Sie\nsah auch das Reich, gerade so wie es das ohnmäch-\ntige Mädchen schaute, sein Reich, wie es groß und\nherrlich und finster in ihre Herzen fiel, daß sie nim-\nmer dagegen kämpfen konnten. Es kam und kam,\nund sie alle waren müde und mutlos. Sie vermoch-\nten nichts mehr. In ihm aber war eine Kraft, stahl-\nhart und ungebändigt, die hoch und siegreich aus\nseiner Seele kam, ruchlos und ohne Scham, die sich\nberauschte an der eignen Missetat und die Glut und\nSünde hatte und Schönheit. Sie wußte nicht, ob\ndiese Seele einmal im Leben aus dem irren,\nflackernden Tanz seiner Begierde in eine Stunde\nhineingeflüchtet war, die mit ruhigen, guten Händen\nsein jagendes Herz ergriff und ihm die Straße zeigte,\nnach der sie alle suchten, über die Liebe vielleicht\noder über Gott zum Frieden. Das aber mußte eine\nheilige und schmerzhafte Liebe sein, aus Wunden\nund Schlacken geboren und jählings offenbar. Frau\nMargarete glaubte nicht an eine solche Stunde in\nseinem Leben, denn die Geschichte Valeskas kannte\nsie nicht. 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Es hatte\neinen sonderbaren und großen Reiz für seine Seele,\ndaß sie nicht wußte, wohin sie fuhr, und wo das\nRiff war, das das Schiff der Meerfrau verschlänge.\nDamals, in jener hellen, kostbaren Mondnacht, in\nder Nacht Valeskas, war es ihm unter den suchen-\nden Augen wie die Barke des fliegenden Holländers\nin der Weite verschwunden. Es wäre niemals\nwiedergekommen, und er hätte in dem Hause mit\ndem weißen Fenster lange und lange gelebt und\nseine abenteuernde Sehnsucht — die wäre wie ein\nTraum von ihm gegangen. Aber das Blut Valeskas\nwollte es nicht. So fuhr er denn weiter ins Dunkle\nhinein. Und er erhellte seinen Weg mit den roten\nBränden seiner Wünsche und Taten. Sein Herz war\nstark, und er vermochte viele Menschen damit zu\nbezwingen. Er konnte das Reich Schuster Antons\nwegblasen wie der Sturm ein Boot. Was ging ihn\nihr Notruf und ihr Schrei nach Hilfe an. Die\nalternde Frau des Schusters wollte er mitnehmen\nein kurzes Stückchen seiner Fahrt. Er wollte ihr\nbrandrotes Haar wie eine Leuchte durch den Abend\nführen, der voll von den stumpfen, glotzenden\nFischen und wunderlichen Wolken war.\nFrau Margarete sah umher. Sie sah die Men-\nschen feige und geknickt auf der Erde liegen und\natmen. Ihre Gebete kamen wie ein Schluchzen zu\nihr hinauf und rannen über ihren Leib beinahe wie\neine sinnliche Berührung. Sie stand und schaute\nzu ihnen hinunter. In viermal zwölf Stunden waren\nes sieben Tage, seit Daniel Jesus ihr befohlen hatte,\nzu kommen. Sie mußte sich schmücken und schön\nsein. Ihr blühendes, glutrotes Haar mußte sie käm-\nmen und wieder um ihren Kopf wie eine Krone\nbinden. Und ihren wilden Leib wollte sie kastein\nfür ihn, damit seine Lüste ihr Blut nicht leer und\nohne Flammen fänden, damit sie eine rote Stunde\num einen Körper legen könnte wie ein brennendes\nTuch. — Auch der Schuster stand aufrecht und ge-\nrade wie ein Baum. Er wußte nichts von dem\nKampfe Margaretens und ahnte nur alles, was sie\nlitt, wenn er ihre Stimme in den frommen Liedern\ntaumeln hörte, die sie abends sangen. Es kam eine\nTraurigkeit und eine barmherzige Strenge über ihn.\nVon den Erlebnissen jenes Abends, da sie in Scham\nund Liebe zitternd vor Daniel Jesus stand, nackt\nund voll Demut, hatte ihm niemand ein Wort gesagt,\nund er fragte auch nicht danach. Er hatte damals\neinen großen Schrecken in den Augen seiner Frau\ngefunden und gewartet, bis sie zu ihm käme, um\nihm alles zu erzählen. Sie kam nicht und schwieg,\nund er überließ sie ihren Zweifeln. So ein bischen\nVerachtung erhob sich in ihm für diese Menschen,\ndie mit Gott und dem Teufel zankten, die nicht\nbeten und nicht sündigen konnten und mit tastenden\nHänden im Finstern standen ohne Licht. Auch Mar-\ngarete war so eine. Nur besser als die andern und\nsie lag nicht auf der Erde wie jene. Sie stand\naufrecht wie er und ließ sich schütteln. Wie hatte\ner sich früher groß gefühlt neben diesen allen! Er\nwar stark, und seine Seele hatte kein Fieber. Er\nhob seine Hände weit empor, hoch über alle andern\nund rief zu Gott. Und Gott war immer gekommen\nbisher und hatte ihm geholfen, seinen Glauben zu\ntragen. Er hatte gemeint, daß er wirklich der\nMessias dieser Armen und Kranken sei, die zu sei-\nnen Füßen weinten wie die Kinder. Nicht Christus\nund kein Prophet, aber ein starker und ruhiger\nMensch, der sie durchs Leben hätte führen können\nbis zum Ende. —\nUnd nun kam dieses Mädchen da, diese blonde\nHeilige, deren Verstand von Visionen zerrüttet war,\nund sagte ihm, es sei alles umsonst gewesen. Es\nsei ein andrer und schlimmer Prophet gekommen,\num sie zu züchtigen. Und sie alle würden unter\nseiner Peitsche den Rücken krümmen, hilflos und\nbereit, ihm zu dienen.\nAuch er! Auch er!\nSchuster Anton sah umher. Ueberall sah er\nLippen, die Gebete sprachen, und Hände, die sich\nfalten wollten vor der Gnade. Wo war nur der\nFeind? fragte er sich wie jene, wo war er nur? Und\nsein totenbleiches Gesicht zuckte vor Qual.\nIhm zu Füßen lag Hagar, die Zigeunerin. Seit\ndem Abend, da sie dem Baron mit der Hand ins\nGesicht geschlagen hatte, war das Gift in ihrem\nBlute wie ein böses Kraut toll und verderblich ge-\nworden. Es wuchs und blühte unter ihrer Haut und\nnahm ihr das Lachen aus der Kehle und quoll unter\nihren heißen Nägeln hervor, wenn sie in Gier und\nEntsetzen ihre Zähne in die Finger grub. Sie war\ndamals noch am selben Abend aus dem Hause des\nBarons gegangen, und keiner wußte, wo sie seit\njener Zeit aß und schlief, und was sie tat. Jeden\nAbend kam sie zu dem Schuster Anton, wenn alle\ndie Menschen da waren, um zu beten, und legte sich\nneben ihn zu Boden. Sie sah ihm zu, wenn er sprach\nund sang, und ihre Augen tranken seine Geberden.\nIhr Mund sprach wie im Irrsinn alle Worte mit, die\ner zu seinem Gotte sagte, und keuchte nach seiner\nLiebe. —\nSchuster Anton sah die Zigeunerin. Er sah, wie\nsie den Kopf zurückwarf und aus ihrem klopfenden,\ngespannten Halse ein Röcheln kam. Er sah ihren\nmagern Leib, der sich zu ihm hinaufbog wie der\neiner Katze. Da war es ihm, als ob er heute zum\nerstenmal in ihre Augen schaute. Tief und schim-\nmernd brannten sie auf seiner Wange, auf seiner\nStirn und seinem breiten, häßlichen Mund. Sie\nkletterten an seinem Körper empor und machten\nihn zittern. Sie brachten ihm Glut und Kälte und\nmachten seine Gebete lahm wie die seines\nWeibes. —\nDa kam ein Entsetzen über ihn, sinnlos und un-\ngeheuer, daß er schrie. Die röchelnde Zigeuneiin\nwand sich am Boden und küßte, seine Füße. Der\nSchaum stand vor ihrem Munde und flog hinauf zu\nden harten Händen des Schusters und war heiß wie\nsiedender Schnee. —\nEr schleuderte sie mit einem einzigen Tritte\nweit in die Stube, daß sie mitten unter die Beter fiel.\nDas war der Feind — ging es durch seine Seele,\ndie voll Angst und Schrecken hing. Jetzt war er\nverloren, das fühlte er, und er hob noch einmal\nhoch und mächtig seinen Leib und trug seine\ngroßen, roten Fäuste in die Höhe und rief:\nKomm niemals wieder, Zigeunerin, komm nie-\nmals wieder.\nScheu und geduckt schlich Hagar aus der Tür.\nUnd alle wußten, daß sie trotzdem kommen werde,\ndenn alle hatten ihre Augen gesehen und fürchte-\nten sich."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "118", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.4", "debut_caractere": 6653, "fin_caractere_exclue": 9206, "texte": "Gedichte\nVon Else Lasker-Schüler\n\nAbend\nHauche über den Frost meines Herzens\nUnd wenn du es zwitschern hörst\nFürchte dich nicht vor seinem schwarzen Lenz.\nImmer dachte das kalte Wundergespenst an mich\nUnd säte unter meinen Füßen — Schierling.\nNun prägt in Sternen auf meine Leibessäule\nEin weinender Engel die Inschrift.\n\nEin Lied der Liebe\nSeit du nicht da bist\nIst die Stadt dunkel.\nIch sammle die Schatten\nDer Palmen auf,\nDarunter du wandeltest.\nImmer muß ich eine Melodie summen\nDie hängt lächelnd an den Aesten.\nDu liebst mich wieder —\nWem soll ich mein Entzücken sagen?\nEiner Waise oder einem Hochzeitler,\nDer im Widerhall das Glück hört.\nIch weiß immer\nWann du an mich denkst.\nDann wird mein Herz ein Kind\nUnd schreit.\nAn jedem Tor der Straße\nVerweile ich und träume;\nIch helfe der Sonne deine Schönheit malen\nAn allen Wänden der Häuser.\nAber ich magere\nAn deinem Bilde.\nUm schlanke Säulen schlinge ich mich\nBis sie schwanken.\nUeberall steht Wildedel\nDie Blüten unseres Blutes.\nWir tauchen in heilige Moose,\nDie aus der Wolle goldener Lämmer sind.\nWenn doch ein Tiger\nSeinen Leib streckte\nUeber die Ferne, die uns trennt\nWie zu einem nahen Stern.\nAuf meinem Angesicht\nLiegt früh dein Hauch.\n\nDie Stimme Edens\nWilder, Eva, bekenne schweifender,\nDeine Sehnsucht war die Schlange,\nIhre Stimme wand sich über deine Lippe,\nUnd biß in den Saum deiner Wange.\nWilder, Eva, bekenne reißender,\nDen Tag, den du Gott abrangst,\nDa du zu früh das Licht sahst\nUnd in den blinden Kelch der Scham sankst.\nRiesengroß\nSteigt aus deinem Schoß\nZuerst wie Erfüllung zagend,\nDann sich ungestüm raffend,\nSich selbst schaffend,\nQottseele\nUnd sie wächst\nUeber die Welt hinaus,\nIhren Anfang verlierend,\nUeber alle Zeit hinaus,\nUnd zurück um dein Tausendherz.\nEnde überragend\nSinge, Eva, dein banges Lied einsam,\nEinsamer, tropfenschwer wie dein Herz schlägt,\nLöse die düstere Tränenschnur,\nDie sich um den Nacken der Welt legt.\nWie das Mondlicht wandle dein Antlitz\nDu bist schön ....\nSinge, singe, horch den Rauscheton\nSpielt die Nacht und weiß nichts vom Geschehn.\nUeberall das taube Getöse —\nDeine Angst rollt über die Erdstufen\nDen Rücken Gottes herab.\nKaum rastet eine Spanne zwischen ihm und dir.\nBirg dich tief in das Auge der Nacht,\nDaß dein Tag nachtdunkel trage.\nHimmel ersticken, die sich nach Sternen bücken —\nEva, Hirtin, es gurren\nDie blauen Tauben in Eden.\nEva, kehre um vor der letzten Hecke noch!\nWirf nicht Schatten mit dir,\nBlühe aus, Verführerin.\nEva, du heiße Lauscherin,\nO du schaumweiße Traube\nFlüchte um vor der Spitze deiner schmälsten\nWimper noch!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "118", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Verlangten die\nTonreihen, um Musik zu bilden, eine Satzung, so\nheischt hier jedes einzelne Glied seine besondere\nSatzung, das heißt, seinen Zeichenwert; Zeichen\nist das Wort den Menschen, das heißt: es erinnert\nihn, — es löst in ihm einen umschriebenen, wenig\nveränderlichen Erinnerungsverband aus, wenn ich\ngelehrt sprechen soll. Damit hat die Sprache den\nWeg vollendet, den die Kunst gehen mußte, da sie\nnicht verdoppeln konnte, den Weg von der Nach-\nbildung über die Scheinbildung und Umbildung zum\nbloßen Zeichen.\nUnd der Sprung gelang; denn die Sprechkunst, sich\nso an die Spitze, fast außerhalb der anderen Künste\nstellend, vermag nun fast alles. — wenn nur der\nMensch, der sie hört, fast alles vermag. Immer\nweniger gibt die Kunst, immer ärmlicher wird sie.\nMit wie wenigem begnügt sie sich schließlich! Das\nwill nicht sagen, sie verschmähe die Tausend-\nfältigkeit der Wirklichkeit, sondern alles Zerstreute,\nplanlos Hingeworfene des Lebens will sie auf einmal\nhaben, in eins haben, und spottet doch die Unzuläng-\nlichkeit des Materials schon der zaghaften Ver-\ndoppelung. So drängt es den Künstler auf das\nblöde selbstgemachte Zeichen, drängt es ihn\nmönchisch, der Wirklichkeit zu entraten, die ihm\nzu dünn ist, im kahlen Zeichen die Ueberschweng-\nlichkeit der Genüsse zu bannen.\nMusiker:\nSo also verhält sich die Kunst zur Wirklichkeit. —\nWas lachst Du?\nKalypso :\nSollte nicht vielleicht die Kunst noch einen Schritt\nweiter machen können, noch über das Zeichen\nhinaus?\nMusiker:\nUnd wie? Und was nützt solch spielerischer Ge-\ndanke?\nKalypso:\nIch meine die Kunst könnte sich auch jenes fein-\nsten Zeichenwertes begeben und völlig bezuglos\nin selbstherrlichen Neubildungen ergehen. Die\nWirklichkeit überwinden, ihre Herrin, und ihrer\nspotten.\nMusiker:\nDu zielst auf Deine reine Kunst, die himmlische.\nKalypso :\nWenn irdische wirkliche Dinge denen der Kunst\nähneln, könnte es nicht der Fall sein, daß jene der\nGeformtheit, der Kunstähnlichkeit ihren Wert zu-\nschreiben müssen? Eher als umgekehrt? Ich\nmöchte nicht fragen, wie die Künste zur Nach-\nahmung und Verdoppelung befähigt sind, sondern\nwie breit hin sich das Gebiet der Eigenwertigkeit\nder Kunst erstreckt, und wie viel herrische Fremd-\nlinge aus der Wirklichkeit sich im Kunstwerk ein-\nnisten.\nMusiker:\nHast Du gesprochen?\nKalypso :\nUnd warte Deiner Antwort.\nMusiker:\nDu wirfst ein weißes Licht, oh Kalypso, auf die\nWerte, auf den Ursprung der Wirklichkeits- und\nKunstwerte, und zeigst, daß beide nur Menschen-\nperte sind, daß so die Kunst neu, selbstherrlich, auf\neigenen Füßen läuft, sich der Wirklichkeit vielleicht\nbedient, vielleicht aber gar ihr alle Wärme erst ver-\nleiht. Und wenn Du „Kunstwert\" so weit faßt, daß\ner Dir überhaupt gleich „Wert\" wird, so vermag\nDir niemand zu widerstreiten. Sicherlich aber\nmeinst Du aber damit nicht, daß die Wirklichkeit\nall ihre Wärme erst von einer Kunst empfange, von\neiner vorbildlichen, reinen Kunst. — Du sagst mit\nRecht, die Kunst will gar nicht verdoppeln. Was\ndie Verdoppelung verhindert, ist keine Schwäche\nund Armut der Kunst, sondern ihr eigentümliches\nWesen. Die Kunst ergeht sich in Regeln und Be-\nstimmungen am Matrial; — es ist weder Plan und\nAbsicht der Kunst, zu verdoppeln noch nicht zu\nverdoppeln. Aber was die Kunst, oder besser der\nMensch mit der Kunst will und plant, laß uns jetzt\nvernachlässigen. Vielmehr laß uns weiter das Tat-\nsächliche vergleichen, die Merkmale der Kunst auf-\nzeigen.\nSieh, die Musik hat ein Material: die Töne. Zu\nden Tönen tritt hinzu eine Summe von Ordnungs-\nregeln; in den Ordnungsregeln liegt die Bestimmt-\nheit der Musik oder: die Musik bestimmt sich als\neine Ordnungsweise der Töne. In dem, was ich den\nZusammenhang der Töne nannte, erklärt sich die\nMusik.\nForm nenne ich diesen Zusammenhang nicht; das\nWort verführt, an Vorbild zu denken. Ich rede von\nBestimmungen, von Ordnungsregeln, vom Gesetze,\nvon Satzung, die für etwas oder über etwas ge-\nsetzt ist. Weder Material noch Satzung allein,\nnoch gemeinsam, machen schon die Musik aus,\nwelche Wirklichkeit hat; sondern welche bestimm-\nten Töne des geordneten Materials im Einzelwerk\nauftreten, ist das Letzte, das hinzukommt. Diese\ndrei auseinandergelegeten, auseinajidergedachten\nGrößen finde ich dann in der wirklichen Musik:\nMaterial, Satzung, Stoff. Satzung und Material\ngeben die verwendbaren Töne; aber wonach wer-\nden die Töne ausgewählt und hintereinander ge-\nreiht? Wenn die Satzung einen Zusammenhang\nzwischen allen Tönen bestimmte, die auftreten\nkönnen, welcher Zusammenhang besteht zwischen\ndiesen bestimmten aufeinanderfolgenden Tönen des\nTonwerkes? Hier wird eine neue Ordnung, die\ndes Stoffes gefordert. Und diese Frage, Kalypso,\nlaß uns recht bedenken. Die Antwort muß unsern\nZwiespalt schlichten.\nKalypso:\nSo sprich nur fort. Ich fasse Deine Frage.\nMusiker:\nDas Vorbild alles zeitlichen Zusammenhangs ist\ndas Leben; den eigentlichen Zusammenhang stellt\ndie Ursächlichkeit dar; die engste Bindung ist die\nErzeugung. Es kann auf keine Weise ein Ton von\neinem andern hervorgebracht werden; kein Ton\nfolgt also auch notwendig auf einen andern.\nSondern die Dinge tönen; und so: der Mensch\nmusiziert, er ist der Schöpfer der Musik. Er setzt\ndie überzeitlichen Werte der Tonleiter. Der Rhyth-\nmus nun hat schon eine Ordnung im Zeitlichen zu\nschaffen; während ihm *aber das losgelöst Zeit-\nliche, die nackte Bewegung und Abfolge zufällt,\nsoll die Stoffordnung das Bewegte, das Ge-\nschehende, das Gegenständliche ordnen. Und sie\nbefaßt sich nicht mit den einzelnen Tönen, welche\nschon gesetzt und gewertet sind durch die Ton-\nleiter, auch nicht mit der Beziehung zwischen den\nabfolgenden Tönen. Sie sieht auf das Spannungsver-\nhältnis der Töne; sie kennt den Satz: was Musik\nan den Tönen ist, ist stumm; die Zwischenräume\nder Töne sind die Räume der Musik. Es stehen aber\ndiese Ordnungen nicht gleichgültig und beziehungs-\nlos nebeneinander; ich kann sagen: jene Ordnun-\ngen der Töne zu musikalisch bewerteten und rhyth-\nmischen werden Vorordnungen für die Stoffordnung;\nfür die Stoffordnung sind diese Ordnungen selbst\n— Stoff; sie sind Voraussetzung, nicht mehr und\nnicht weniger. — Wie nun wird der Stoff geordnet?\nDa ein Zusammenhang nicht von den Tönen ge-\nschaffen werden kann, muß er mit den Tönen ge-\nschaffen werden; der Zusammenhang liegt nicht\nin der Verbindung dieses Tones mit jenen, sondern\ndieser Tonfolge mit etwas anderm. Diese Tonfolge\nist in sich zusammenhangslos; dadurch, daß etwas\nanderes an sie herantritt, mit dem sie zusammen-\nhängt, wird der Schein ihres eigenen Zusammen-\nhangs erzeugt.\nDies darfst Du nicht wunderlich und ohne\nGleichnis heißen: ebenso kennen wir zunächst\nnichts von dem oder einem Zusammenhang des\nGeschehens; dadurch aber, daß sich derselbe Vor-\ngang wiederholt, erscheint er als zusammenhän-\ngend, wo er doch zunächst nur mit der Erinnerung,\nnicht aber mit sich oder in sich zusammenhängt.\nKalypso :\nSo mußt Du jetzt erklären, wie die Tonfolge mit\njenem „andern\" zusammenhängen soll, und was\njenes „andere\" ist.\nMusiker:\nWohl, Kalypso. Wieder das Beispiel des Lebens\nzeigt Dir, wie ein Schein des Zusammenhangs er-\nreicht wird: die Wiederkehr desselben Vorgangs\nläßt den Vorgang selbst als zusammenhängend er-\nscheinen. Eine Tonfolge wird als zusammen-\nhängend gelten, wenn sie wiederkehrt. Du zuckst\ndie Achsel; Du meinst, etwas Falsches wird nicht\nwahr, wenn es zweimal gesagt wird; aber ich sage\nDir: etwas wahrer wird es dadurch schon. Immer-\nhin: ich bezeichne so nur das Sachliche, Tatsäch-\nliche, gleichsam Aeußere der tönenden Musik, —\naber die Musik tönt nicht — und setze etwas\nvoraus.\nDamit nämlich die wiederkehrende Tonfolge an\ndie erste, deren Wiederkehr sie ist, herantrete und\nden Schein des Zusammenhangs erzeuge, muß die\nerste noch irgendwie vorhanden sein. Sie darf\nnicht spurlos verschwinden; es wird eine Möglich-\nkeit verlangt, die das Hintereinander des Zeit-\nlichen in ein Nebeneinander verwandelt.\nIch weiß nicht, wie die Verwandlung geschieht;\ndoch heißt das, was die Gegenwart des in der\nWirklichkeit nicht Gegenwärtigen ermöglicht, Ge-\ndächtnis. So wird die wiederkehrende Tonfolge im\nAugenblick, wo sie wiederkehrt, mit einem Zeichen\nversehen, das besagt: „bekannt\", und dies eben\nverleiht dem Wiederkehrenden den Schein des Zu-\nsammenhanges.\nKalypso :\nJene erste Tonfolge also ist unzusammenhängend.\nMusiker:\nWohl. Aber begreife: damit die erste Tonfolge\nhafte oder irgendwie im Gedächnisträger eine Spur\nhinterlasse, muß sie den Ansprüchen, den Lebens-\ngewohnheiten des Gedächtnisses genügen. Ich\nwerde noch fragen müssen: wann haftet eine erste\nTonfolge? Was macht eine Tonfolge gedächtnis-\nfähig? Du hast Recht, wenn Du zu zweifeln\nscheinst, ob nicht auch der ersten Tonfolge wenig-\nstens eine Bestimmung zukomme, eine Beschrän-\nkung ihrer Willkür. Kurz ist es die, — daß die\nerste Tonfolge wenig ausgedehnt sei und näher\noder ferner verwandt sei in Teilen oder im Ganzen\nmit älteren Erfahrungen aus dem Erinnerungs-\nschatz; ganz neue werden als beziehungslos sehr\nschwer oder gar nicht erinnert.\nKalypso :\nUnd wie hafteten jene alten Tonfolgen?\nMusiker:\nWie Du mich bedrängst. Wenn es ein ganz leeres\nGedächtnis geben sollte, Kalypso, so könnte jede\nwillkürliche Tonfolge und Tonfolgen den Grund\nseines Schatzes bilden. Aber solch leeres Gedächt-\nnis gibt es nirgends. Der Erinnerungsschatz wird\nnicht vergrößert wie ein Steinhaufen, sondern er\nwächst. So wichtig und entscheidend ist die\nRolle, die die Ueberlieferung in der Musik spielt,\nunendlich langsam wird ein wirklicher Fortschritt\nsein. In diesem Hinblick erscheint überhaupt nichts\nNeues in den stets neuen Tonfolgen; die Musik, bei\nder Besorgung ihrer wichtigsten Angelegenheit, der\nBewahrung des Ueberlieferten, wird sich vielmehr\nbemühen, gesetzte Tonfolgen zu vererbbaren For-\nmeln erstarren zu lassen, um einen unverlierbaren\nBoden zu besitzen. In den versteinerten Tonfolgen,\nden Kadenzen, Harmonieregeln, Tonleiterbildun-\ngen, erscheint dann, was sich sonst nie erreichen\nließ, — die Tonverbindung als geradezu notwen-\ndig und natürlich. — Aber ich will Dich im voraus\nauch erinnern, daß die musikalischen Tonfolgen\nauch aus der Beziehung zu Tonfolgen der Wirk-\nlichkeit, zu tonlosen Vorgängen der Wirklichkeit\nZusammenhang gewinnen und so jene erste Ton-\nfolge eine weitere Bestimmung erfahren kann. —\nZusammenhang setzt die Gleichheit oder Wieder-\nkehr. Und auch da wird er erzielt, wo die zweite\nTonfolge statt der Gleichheit Aehnlichkeit, statt\nder Wiederholung und Nachahmung, Abänderung\nund Umformung bietet.\nIn dieser unscheinbaren Bestimmung der Wie-\nderkehr, sei es in Wiederholung und Nachahmung,\nsei es in Abänderung, liegt die Quelle des reichen\nmusikalischen Zusammenhangs. — Du schaust\nmich an, Kalypso, und nickst, als wärst gar Du nun\ngerechtfertigt, und die eigenschöne Musik bewie-\nsen. Nur langsam; wir stehen erst im Beginn un-\nserer Wanderung. Ich kann mir wohl denken, daß\nehemals die Töne streng selbstherrlich aufein-\nanderfolgten, nichts waren als ein Steigen und\nFallen, Eilen und Stocken, ganz darin aufgingen,\ndie Eigenwerte des Eigentones zu entwickeln. Dies\nmußte so sein, damals, als Satzung auf Satzung\nerst die Musik schuf, als man sich erst vertraut\nmachte mit den eigentümlichen Regeln, die dieser\neigentümliche Stoff forderte; hölzern steife, herbe,\nsehr gleichartige Gebilde stellten den befremdeten\nHörern eine reine, absolute Musik."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.8", "titre_corps": "Das neue Kriegsinstrument : Eine zeitgemässe Betrachtung", "titre_sommaire": "Das neue Kriegsinstrument : Eine zeitgemässe Betrachtung", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8439, "texte": "Das neue Kriegs-\ninstrument\nEine zeitgemässe Betrachtung\nVon Paul Scheerbart\nDer Graf Zeppelin hat vor einem Jahr in Köln er-\nklärt, daß das von ihm nach Köln gebrachte Militär-\nluftschiff ein Kriegsinstrument sei und vor allem da-\nzu diene, unser Heer noch wehrfähiger zu machen.\n„In welchem Maße dies geschieht,\" sagte er, „das\nwird die Zeit wohl lehren. Doch habe ich die Ge-\nnugtuung und Befriedigung, daß mein Werk, das der\nStärke des Heeres gilt, gleichzeitig dem Frieden\ndienen wird.\"\nDaß das Werk des Grafen Zeppelin dem Frie-\nden dienen wird, kann nicht bezweifelt werden.\nAber es wird ihm noch ganz anders dienen, als man\ndenkt. Das lenkbare Luftschiff macht aber unser\nHeer keineswegs „wehrfähiger\"; es wird eben die\nStärke des Heeres nicht vermehren.\nWir können heute doch sehr wohl überschauen,\n„in welchem Maße\" die Lenkbaren in die Entwick-\nlung des Militarismus eingreifen. Es muß dem\nwidersprochen werden, der behauptet, daß erst die\nZeit lehren kann, wie sich alles entwickelt. Wir\nkönnen das heute schon ganz klar vor uns sehen,\nwenn wir folgerichtig darüber nachdenken.\nAls Kriegsinstrument ist das Lenkbare das ein-\nfachste Ding in der ganzen Welt. Das Lenkbare\nwird eben einfach mit Dynamit bepackt, und das\nDynamit wird nachts auf die Festungen, Städte\nund Kriegsschiffe des Feindes geworfen. Die\nKriegswissenschaft erfährt eine ungeheure Verein-\nfachung. Darum ist das Kriegsministe-\nrium in Berlin heute dem Grafen Zep-\npelin gegenüber so merkwürdig kühl.\nDie Beschlüsse der Haager Konferenz werden\nnichts an der Sachlage ändern. Wenn die Men-\nschen behaupten, daß sie sich in Lebensgefahr be-\nfinden, so sind ihnen alle moralischen und ethischen\nBedenken ganz gleichgültig. Die Lenkbaren hätten\nfür das Militär im Kriege gar keinen Zweck, wenn\nsie nicht mit den allerbesten Sprengstoffen be-\npackt würden.\nDer Gedanke, daß wir in zwei bis drei Jahren\nhunderte von Lenkbaren haben werden, wird heute\nnicht mehr als phantastisch bezeichnet werden\nkönnen; die Lenkbaren werden eben zu hunder-\nten da sein — und die Gleit- und Drachenflieger\nebenfalls.\nFür den Militarismus bedeutet das aber keine\nStärkung — das Gegenteil ist der Fall.\nZunächst müssen sich die Führer unserer gro-\nßen Volksheere darüber klar sein, daß das neue\nKriegsinstrument allen anderen Instrumenten des\nKrieges vollkommen überlegen ist.\nEine Festung ist von den Lenkbaren sehr\nschnell ruiniert. Und eine Flotte kann den Lenk-\nbaren auch nicht widerstehen. Kasernen, Pulver-\nvorräte und marschierende Fußtruppen sind von\nden Lenkbaren ebenfalls sehr leicht zu vernichten\n— so leicht, daß man die Existenzberechtigung aller\nmilitärischen Arrangements, die auf der Erdrinde\nverbleiben, ganz energisch bestreiten muß — sie\nsind einer Luftflotte gegenüber einfach ausgeliefert,\nund man muß darauf dringen, daß sie baldigst auf-\ngelöst werden. . . . Das hab ich nun schon minde-\nstens fünftausend Mal gesagt. . . .\nDer militaristische Fachmann wird zunächst\neinfach ablehnen, die Frage der Auflösung unsrer\nbisherigen Armeen und Flotten zu erörtern. Er\nwird die Sache für so abenteuerlich halten, daß er\ndas Ganze für einen schlechten Witz erklären dürfte.\nAber — sobald erst das erste Hundert von Zeppe-\nlins da sein wird — dürfte er nicht mehr in der\nLage sein, auch fürderhin die Auflösungsfrage als\nbelanglos hinzustellen; sie ist tatsächlich nur eine\nFrage der Zeit.\nZunächst dürften also die Zeppelins keinesfalls\nin der Lage sein, unser Heer noch wehrfähiger zu\nmachen. Der Graf Zeppelin hat alle Veran-\nlassung, diese seine Bemerkung zurückzunehmen.\nNun ist aber das Lenkbare und der Gleit- und\nDrachenflieger als neues Kriegsinstrument näher zu\nbetrachten.\nEine gemeingefährlichere Waffe haben wir bis-\nlang noch nicht gehabt. Diesem neuen Kriegs-\ninstrument gegenüber sind alle Panzerschiffe\nSpielerei. Auch die stärksten Festungen wirken\ndagegen kleinlich; sie sind schlechterdings nicht zu\nschützen. Um eine einzige Festung gegen Nacht-\nangriffe einer feindlichen Luftflotte zu schützen,\nmüßten in jeder Nacht ein paar Dutzend Lenkbare\nmit Scheinwerfern immerzu die Festung umkreisen.\nUnd wenn dann die feindliche Luftflotte mehr Lenk-\nbare und Gleitflieger oder Drachenflieger zur Ver-\nfügung hat, so bringt sie auch die die Festung\nschützenden Luftschiffe um — und dann ist die\nFestung doch verloren.\nWenn man nun bedenkt, daß sehr viele\nFestungen, Flotten, Hafenanlagen, Pulvermagazine,\nKasernen zu schützen wären in der ange-\ngebenen Weise, so kann man sehr leicht aus-\nrechnen, daß kein Staat jemals in der Lage sein\nkönnte, so viele Luftschiffe herzustellen, um alle\nseine militärischen Arrangements, die auf der Erd-\nrinde verblieben, gegen Luftangriffe zu schützen.\nEs geht eben nicht. Und deshalb ist der Staat, der\nauf der Erdrinde nur sehr wenig zu\nschützen hat, am ehesten in der Lage,\naggressiv zu werden.\nUnd darum muß man in allem Ernste daran\ndenken, die bisher verwandten Kriegsinstrumente\nallmählich auszurangieren — und dafür die Luft-\nflotte so rasch wie möglich auszubauen. Auch\nSeeschiffe sind beim besten Willen nicht gegen\nDynamitmassen, die nachts von oben kommen, zu\nschützen. Man braucht nicht Militärwissenschatten\nstudiert zu haben, um daseinzusehen. Es ist alles\nsehr einfach — wohl z u einfach. Ein Intelligenz-\naufwand ist für den Luftkrieger beinahe gänzlich\nüberflüssig.\nJedoch — gesetzt, die Staaten Europas hätten\ndas an der Erdrinde haftende Kriegsarrangement\ngänzlich beseitigt und hätten nur noch Luftflotten\nmit vielen Lenkbaren und Tausenden von Gleit-\nfliegern — würde dadurch der Luftkrieg einen\ngrößeren Aufwand von geistigen Fähigkeiten bean-\nspruchen?\nIch erlaube mir, diese Frage zu verneinen.\nWorauf kann es denn bei einem derartigen\nLuftkriege ankommen? Doch nur darauf, dem\nFeinde so viel zu zerstören, daß er wirtschaftlich\nruiniert wird.\nUm das zu erreichen, werden die Luftschiffe\nwahrlich nicht Schulter an Schulter kämpfen; sie\nwerden eben einzeln ausgesandt werden — und\nhaben nur die simple Aufgabe, ihr Dynamit dort\nfallen zu lassen, wo etwas zerstörenswert er-\nscheint. Und die Gleit- und Drachenflieger haben\ndie Tätigkeit der Lenkbaren als Kundschafter zu\nunterstützen und außerdem die feindlichen Luft-\nschiffe und Gleit- und Drachenflieger so oft wie\nmöglich anzugreifen — und zwar immer des Nachts\naus dem Hinterhalt heraus.\nIch glaube doch, daß sich die Militaristen Eu-\nropas ein wenig besinnen werden, bevor sie sich\nbereit dazu erklären, derartige Luftkriege vorzu-\nbereiten. Wenn eine Sache dumm wird, dann macht\nsie nicht mehr Spaß.\nIch weiß wirklich nicht, was dem Gesagten\nnoch hinzuzufügen wäre. Das Thema reicht kaum\nfür ein Feuilleton in der üblichen Länge aus. Es ist\nwahrlich die ganze Geschichte z u einfach — so\neinfach, daß sich viele Militaristen genieren werden,\nsich mit derartigem „Kriegsspiel\" weiter zu be-\nfassen.\nUnd so sehe ich denn das Ende des Militarismus\nherannahen. . . .\nDer Graf Zeppelin hat durchaus Recht, wenn\ner sagt, daß sein Werk dem Frieden dienen wird.\nAber daß dieses Werk nur dem Frieden dienen\nwird — und nicht mehr dem Kriege — das wird\nder Graf Zeppelin wohl nicht geahnt haben.\nMan will natürlich niemals gern an rasche Ent-\nwicklungen glauben. Aber in den letzten hundert\nJahren sollten wir uns doch schon an rasche Ent-\nwicklungen gewöhnt haben; vor hundert Jahren\ngabs noch keine allgemeine Wehrpflicht, keine\nVolksheere im Sinne unsrer Zeit — die Dampfbahn\nexistierte auch noch nicht — und die Zahl der Groß-\nstädte war eine minimale. Wie rasch hat sich aber\nVolksheer, Dampfbahn und Großstadt entwickelt!\nDas sollte man nicht vergessen, wenn man an die\nZukunft der Luftschiffahrt denkt — da wird sich\nauch alles viel rascher entwickeln, als man denkt.\nMan vergesse auch nicht, wie schnell sich die\nFahrräder und die Automobile entwickelten.\nIch kann mir aber nicht denken, daß sich der\nLuftmilitarismus in der oben angegebenen Art ent-\nwickeln wird; ich denke doch, man wird sich bei\nZeiten besinnen und einen Zusammenschluß der\neuropäischen Kriegsstaaten nicht fürderhin für ein\nUnding halten\nDann hätte das neue Kriegsinstrument des\nGrafen Zeppelin mehr für den Frieden getan als die\nHaager Konferenz und der Nobelpreis zusammen.\nUnd ich glaube, der Graf Zeppelin könnte mit\nseinem Erfolge zufrieden sein — wenn er ihn auch\nnicht so beabsichtigt hat.\nEs wäre sehr wünschenswert, daß sich die\nMilitärschriftsteller zu dieser zeitgemäßen Be-\ntrachtung baldigst äußerten.\nAllerdings: Ich weiß, daß sie das nicht tun\nwerden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.9", "titre_corps": "Die blaue Blume", "titre_sommaire": "Die blaue Blume", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.6", "debut_caractere": 8441, "fin_caractere_exclue": 11624, "texte": "Die blaue Blume\nJulius Wolff ist gestorben. 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Man\nberuft sich auf die „Klassiker\", liest sie nicht, fordert\nzum Kampf gegen die wenigen selbständigen Dichter\nund Künstler auf und tritt mannhaft für die\nschlimmsten Epigonen und ärgsten Kitscher ein.\nDie deutsche Familie trinkt soviel Bier, daß sie in\nder Kunst nur noch für Zuckerwasser zu haben ist.\nDieses Getränk wirkt auf sie unwahrscheinlich,\nmärchenhaft, „romantisch\". Es erregt keinen\nDurchfall, sondern verstopft das Gehirn, das Gefühl,\ndie sinnliche Anschauung. Mit diesem Rezept be-\nhandelte Herr Wolff die deutschen Sagen und der\nverblüffende Erfolg auf die Patienten blieb nicht aus.\nAber er wandte auch sein Zuckerwasser äußerlich\nan und die blaue Blume ging nicht auf. Sie dankte\nfür solche Behandlung. 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A SACHSE\nBERLIN N 39 :: Miillerstrasse 178 (Weddingplatz)\nTHEATER-SCHULE\nVollstandige Ausbildung fur Schauspiel,\nOper, Operette, Posse und Ballett\nVARIETE-THEATER=SCHULE\nKomiker-, Soubretten- und Artisten-Schule\n12 Fachlehrer\nBisher 3000 Schiller (Herren, Damen und Kinder) mit bestem\nErfolg- ausg-ebildet\nz. B. Ernst Kleinert, Walter Bahrmann, Willy Walde (Damen-Imitator), Emil Kante,\nHellon Angerie, Bellini, OrUff, Pieper, Direktor Lucas-Schwleger, Pohlei etc. etc.\nDie Damen: Mile. 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Rechnen Sie\nsich aus, was Sie im Jahre fur den Bedarf an Gliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngelit. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-Gliihkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusdmmen-\ndrucken konnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Hartalin-Gliihkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50 %. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits iiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Pfg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem* und Techn. Nenheiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c024", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.7", "debut_caractere": 4671, "fin_caractere_exclue": 5304, "texte": "1000 Kronen erhalt\nwer im Stande ist, ein unentbehrlich Ding fiir die Nacht: „Mond-\nlicht\" in jedem Hause, ein Wunder der Chemie, auszublasen\nMein Mondlichtapparat, ein wunderbar sinnreich konstr. inter-\nessanter Wirtschaftsartike!, besitzt unbegrenzt haltbar die Fahig-\nkeit, vollstandig kostenlos zu leuchten, da hierzu keinerlei Brenn-\nstoffe angewendet werden. Vieljahr. Garantie fiir tadell. Funktion.\nfar Orttsee M. I. 11. 111. TV.\n* * • Kronen 3,60 4,8© 7,— 11,— 16,—\nFranko iiberall hin gegen Vorauszahlung (auch in Briefmarken)\nOder Nachnahme 30 Heller mehr. Verpackung gratis :: ::\nMondlichtwerk A. 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Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nIEITSEIEIPIIIIT-BEIITEI-VEIEIII ZD (MMfid\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waisen-\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohlfahrtseinrichtungen >: :■»:\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M.:: Man yerl. 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Jandorf & Co.\nSpittelmarkt Belle-Alliancestp. Gp. Frankfurtepstr. Bpunnenstp. Kottbusep Damm\nGarten- und Balkon • Mobel\nHolz-Kiappmdhel\nm\nfit-\nflach zusammenlegbar\nSessel 3.851 Tisch ca. 85—50 cm 4.751 Bank 6.251 Stuhl 1.95,2.25\nFeldsttthle 48, 95,1.25 mit Lehne 1.25\nTriumphsttihle 2.25\nmit ooc mitArmlehne Q fttr QC\nArmlehne m*o3 u. Fusssttttze 0»/0 Kinder uvl Pf.\ns\n*//\nm\nM\nIUIiM,\nMUi\nMM\nZusammenlegbarer Wagen\nmahagonifarbig lackiert, mit bordeaux 10\nLedertuoh, Gummir&der JLO.OU\nKorbsessel\nPolsterung mit\nKretonnebezug ..\n4.85"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c029", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "122", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.8", "debut_caractere": 706, "fin_caractere_exclue": 927, "texte": "Hoher Oewinn\nbietet sich Kapitalisten,\ndie sich mit\n20 bis 30000 Mark\nan einem originellenVer-\nlagsunternehmen auf\nsicherer Grundlage\nstill oder aktiv beteiligen\nOffert.unter A.Z.256an die Annoncen-AnnahmeßOTS, BERLIN W35"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c030", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "122", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.8", "debut_caractere": 929, "fin_caractere_exclue": 1616, "texte": "r* I. _„_;; U 112 y> Sanatorium und\nrinKenmunie Post Mellenbach bei Schwarzburg im Thuringer Wald\n— — -•*.*-!— Allseit. Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege personlieher\nKultur und gesunder Lebens-\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral-\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. Individuelle arztliche Behandlung.\nDie Kiiche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervenschwache, Magen- und Darmleiden, Gicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Leber: I>r of. med. W. Hotz\nanschauungen, dient unsere\nMonatsschrift „<xesimdes\nlieben\", von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. 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Vorleb., Lebensweise, Ruf, Charakter,\nUQIPQTO-AIIOk linTlO Vermogen, Einkommen, Gesundheit etc.\nflull UlO MUOIVUIIIIU von Personen an alien Platzen der Erde\n. Dlskrete ft©«chHft»-ItP©dit-AuBkttiift© 1 ■ ■\nff. 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Auch gegen Mobelbeleihung, Kunst-Gegenstanden,\nohne abzuholen. — Offizieren, KavalTeren, Beamten Geld in jeder Hohe. —\nBeschaf 112 u ng von Hypotheken auf bcrliner und auswartige Grundstucke. — Kauf\nund Beleihung von Hypotheken, Erbschaften, Sparkassenbuchern, Lombardscheinen,\nMietzessionen. — Schnelle, grundreelle, diskrete Erledigung. : :—: :\nWILHELM MEYER \" Bank-Kommission\nBERLIN S 14 Stallschreiberstrasse 56 II\nSprechzeit 10—12 und 4—7 Fernsprecher: Amt IV 6785"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c033", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "122", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.8", "debut_caractere": 2593, "fin_caractere_exclue": 2816, "texte": "FORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteranenstrasse 19 Telephon Amt 111, 8164\nDETECTIVABTEILUNG: Ermittelungen, Beobachtungen,\nHeranschaffung von Material in Civil- und Strafsachen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-09-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-09_01#c034", "volume": "bmtnabg_1910-06-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "122", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.8", "debut_caractere": 2818, "fin_caractere_exclue": 3467, "texte": "iHm\nH\nw\n%\nEn1'\ni\nsi,,\no AHl\nr«OCKC»\nRIESLING |\n•I Es ist nicht mehr als logisch, daB ein Stillwein, welcher schoil\nals solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hochste Voll-\nkommenheit erlangen muB. —\nCI Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt WeiBweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad4 Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegriindet 1850\n| Ueber Bedeutung von \"Riesling\" gibt unsere neue Broschure interessanten AufschluJS.\nft'-\n\"0^11 BPS\nif I"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: iö Pfennig\nS JHr 99 n\nJHL JHL w SA\nWOCHENSCHWT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: BerlinW3s, Potsdamerstr. 111/AmtVl 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark ) Halbjahresbezug 2,50 Mark/\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 9. JUNI 1910/ WIEN\nNUMMER 15\n\nINHALT\n: OTTO WEININGER: Der Hund/THAD-\nDÄUS RITTNER: Th<§atre par£ / PAUL LEPPIN:\nDaniel Jesus / Roman / ELSE LASKER-SCHÜLER:\nGedichte/ALFRED DÖBLIN: Gespräche mit Kalypso\nüber die Musik/ PAUL SCHEERBART: Das neue\nKriegsinstrument / TRUST: Die blaue Blume / KARI-\nKATUR: Oskar Fried\n\nDer Hund\nVon Otto Weininger\nDas Auge des Hundes ruft unwiderstehlich den\nEindruck hervor, daß der Hund etwas verloren\nhabe: es spricht aus ihm (wie übrigens aus dem\nganzen Wesen des Hundes) eine gewisse rätsel-\nhafte Beziehung zur Vergangenheit. Was er ver-\nloren hat, ist das Ich, der Eigenwert, die Freiheit\nDer Hund hat eine merkwürdig tiefe Beziehung\nzum Tode. Monate bevor mir der Hund ein Pro-\nblem geworden war, saß ich eines Nachmittags\ngegen fünf Uhr in einem Zimmer des Münchener\nGasthofes, in welchem ich abgestiegen war, und\ndachte an Verschiedenes und über Verschiedenes.\nPlötzlich hörte ich einen Hund in einer ganz eigen-\ntümlichen, mir neuen, durchdringenden Weise\nbellen und hatte im gleichen Momente unwider-\nstehlich das Gefühl, daß gerade im Augenblick\njemand sterbe.\nMonate nachher hörte ich, daß in der furcht-\nbarsten Nacht meines Lebens, da ich, ohne krank\nzu sein, buchstäblich mit dem Tode rang, — denn\nes gibt für größere Menschen den seelischen Tod\nnicht ohne den physischen Tod, — weil bei ihnen\nLeben und Tod am gewaltigsten und intensivsten\nals Möglichkeiten sich gegenüberstehen\ndreimal, gerade als ich zu unterliegen dachte, einen\nHund in ähnlicher Weise bellen, wie damals in\nMünchen; dieser Hund bellte die ganze Nacht; aber\nin diesen drei Malen anders. Ich bemerkte, daß ich\nin diesem Momente mit den Zähnen mich ins Lein-\ntuch festbiß eben wie ein Sterbender.\nAehnliche Erlebnisse müssen auch andere\nMenschen gehabt haben. In der letzten Strophe\nvon Heines bedeutendstem und schönstem Gedichte\n„Die Wallfahrt nach Kevlaar\" heißt es, wie die\nvom Leben erlösende Mutter Gottes dem Kranken\nsich naht:\n„Die Hunde bellten so laut.\"\nIch weiß nicht, ob der Zug bei Heine originell oder\nder Volkssage entnommen ist. Wenn ich nicht\nirre, spielt auch irgendwo bei Maeterlinck der\nHund eine ähnliche Rolle.\nKurze Zeit vor dieser erwähnten Nacht hatte\nich mehrfach dieselbe Vision, die Goethe nach dem\nFaust zu schließen gehabt haben muß, einige Male,\nwenn ich einen schwarzen Hund sah, schien mir ein\nFeuerschein ihn zu begleiten.\nAusschlaggebend aber ist das Bellen des\nHundes: die absolut verneinende Ausdrucksbe-\nwegung. Sie beweist, daß der Hund ein Symbol\ndes Verbrechers ist. Goethe hat dies, wenn es ihm\nauch vielleicht nicht ganz klar geworden ist, doch\n\nOskar Fried"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.2", "texte": "sehr deutlich empfunden. Der Teufel wählt bei ihm\nden Leib eines Hundes. Während Faust im Evan-\ngelium laut liest, bellt der Hund immer heftiger: der\nHaß gegen Christus, gegen das Gute und Wahre.\nIch bin, wie ich bemerke, gar nicht von Goethe\nbeeinflußt. Die Heftigkeit jener Eindrücke, Erre-\ngungen und Gedanken war so groß, daß ich mich\nan den Faust erinnerte, jene Stellen hervorsuchte\nund nun zum ersten Male, vielleicht als erster\nüberhaupt, ganz verstand.\nIch führe nun weiteres an:\nDer Hund handelt, als ob er die eigene Wert-\nlosigkeit fühlen würde; er läßt sich vom Menschen\nschlagen, an den er sich gleich wieder herandrängt,\nwie stets der böse Mensch an den guten. Diese\nZudringlichkeit des Hundes, das Hinaufspringen am\nMenschen, ist der Funktionalismus der Sklaven.\nIn der Tat haben Menschen, welche rasch für sich\nzu gewinnen suchen, und doch sogleich so sich\nschützen gegen Angriffe, Menschen, die man nicht\nabschütteln kann, Hundegesichter, Hundeaugen.\nHier erwähne ich zum ersten Male jene große Be-\nstätigung meines Gedankensystems. Es gibt\nwenige Menschen, die nicht ein oder mehrere Tier-\ngesichter haben; und jene Tiere, denen sie ähneln,\ngleichen ihnen auch im Benehmen.\nDie Furcht vor dem Hunde ist ein Problem;\nwarum gibt es keine Furcht vor dem Pferde, vor\nder Taube? Sie ist Furcht vor dem Verbrecher.\nDer Feuerschein, der dem schwarzen Hunde (viel-\nleicht dem bösartigsten) folgt, ist das Feuer, die\nVernichtung, die Strafe, das Schicksal des Bösen.\nDas Schweifwedeln des Hundes bedeutet, daß\ner jedes andere Ding als wertvoller anerkennt als\nsich selbst.\nDie Treue des Hundes, welche so gerühmt\nwird, und die viele den Hund für ein moralisches\nTier halten läßt, kann mit Recht nur als Symbol\nder Gemeinheit gefaßt v/erden: der Sklavensinn\n(das Zurückkehren nach den Schlägen ist kein\nVorzug).\nInteressant ist es, was der Hund anbellt; es\nsind im allgemeinen gute Menschen, die er anbellt,\ngemeine, hündische Naturen nicht. Ich habe an mir\nselbst beobachtet, daß ich von Hunden umsomehr\nangebellt wurde, je weniger Aehnlichkeit ich\npsychisch mit ihnen hatte. Merkwürdig ist nur, daß\ndie Dienste des Haushundes gerade gegen den Ver-\nbrecher in Anspruch genommen werden.\nDie Hundswut ist ein sehr merkwürdiges Phä-\nnomen, vielleicht der Epilepsie verwandt, in welcher\ndem Menschen ebenfalls Schaum aus dem Munde\ntritt. Beide werden von der Hitze begünstigt.\nWenn der Hund nicht wedelt, sondern den\nSchweif starr und gerade hält, dann ist Gefahr, daß\ner beißt: das ist die verbrecherische Tat, alles\nandere, auch das Bellen, nur Zeichen der bösen Ge-\nsinnung.\nHunde unter den Menschen in der Literatur sind\nder alte Ekdal in Ibsens „Wildente\" und am groß-\nartigsten Minutte in Knut Hamsuns Roman „My-\nsterien\". Viele sogenannte „alte Magister\" reprä-\nsentieren den Hundetypus unter den menschlichen\nVerbrechern.\nDenn daß es noch andere Verbrecher gibt, das\nbeweisen die Schlange, das Schwein.\nSehr bedeutend ist auch das Schnüffeln des\nHundes. Hierin liegt nämlich Unfähigkeit zur\nApperzeption. Ganz wie der Hund, so wird auch\ndie Aufmerksamkeit des Verbrechers durch einzelne\nSachen ganz passiv angezogen, ohne daß er weiß,\nwarum er sich ihnen nähert oder sie berührt: er hat\neben keine Freiheit mehr.\nDaß er auf die Wahl überhaupt verzichtet hat,\nkommt auch in der Regellosigkeit der Kreuzung\ndes Hundes mit irgend welcher Hündin zum Aus-\ndruck. Diese wahllose Vermischung ist vor allem\neminent plebejisch und der Hund ist der plebejische\nVerbrecher: der Sklave.\nIch wiederhole nochmals: es ist Blindheit, den\nHund als ethisches Symbol zu betrachten; selbst\nR. Wagner soll einen Hund geliebt haben (Goethe\nscheint in diesem Punkt tiefer geblickt zu haben)\nDarwin erklärt das Wedeln des Hundes als „Ab-\nleitung der Erregung\" („Ausdruck der Gemütsbe-\nwegungen\"). Es ist natürlich der Ausdruck der\närgsten Gemeinheit, der unterwürfigsten Devotion,\ndie auf jeden Fußtritt gefaßt ist und um alles nur\nmehr bettelt.\nAus dem nachgelassenen Band von Otto Weininger: Ueber\ndie letzten Dinge / Verlag Wilhelm Braumüller Wien. Geschlecht\nund Charakter/Eine prinzipielle Untersuchung, das Lebenswerk\ndes Autors erschien soeben in zwölfter Auflage beim selben Verlag.\nOtto Weininger und seine Schriften sollen demnächst an dieser\nStelle ausführlich geehrt und gewürdigt werden.\n\nThéatre paré\nVon Thaddäus Rittner\nVier kleine Szenen\nOrt der Handlung: Die Hölle. Zuschauer-\nraum des Königlich Beelzebubschen Hoftheaters\nwährend einer aus Anlaß des Geburtstages der\nKöniglichen Favoritin, Mala, veranstalteten Gala-\nvorstellung. Logen und Fauteuils des ein wenig\nkonventionell eingerichteten, in dem üblichen\nDunkelrot gehaltenen Saales sind von dem vor-\nnehmsten, ausschließlich geladenen Publikum\nbesetzt.\nErste Szene\nIm Parterre: Zweiter Zwischenakt. In der zehnten\nReihe sitzt der Direktor der Königlichen Milch-\nmeiereien (zu Lebzeiten Reporter des „New York\nHerald\"), neben diesem der Rezensent des „roten\nCouriers\" (zu Lebzeiten Dragonerleutnant); hinter\nihnen (elfte Reihe) der Polizeipräsident (zu Leb-\nzeiten bekannter Lebemann) und der Inspektor der\nstädtischen Wasserleitung (zu Lebzeiten impressio-\nnistischer Maler)\nDirektor\nSie stimmen schon die Instrumente. Gleich beginnt\ndie Vorstellung.\nRezensent\nUnsinn. Die Vorstellung hat vor anderthalb Stunden\nbegonnen.\nPolizeipräsident\nIst der Direktor taub und blind?\nInspektor\nEigentlich nicht. Vor seinem Tode war er der\npfiffigste Reporter in Amerika. Er wußte die Gegen-\nwart und die Zukunft. Er hörte in New-York wie in\nAthen das Gras wachsen.\nPolizeipräsident lächelnd\nBeelzebub straft ganz witzig.\nRezensent zum Polizeipräsidenten; schadenfroh\nUnterhalten Sie sich?\nPolizeipräsident mürrisch\nDanke.\nRezensent\nSie haben nämlich am meisten gestöhnt.\nPolizeipräsident\nWir alle haben gestöhnt.\nRezensent\nStreng genommen sind wir ja nicht zu unserem Ver-\ngnügen hier.\nEine D a m e\nDas Stück ist übertrieben.\nRezensent\nEs ist lebenswahr. Es ist nüchtern wie ein\nRegentag.\nInspektor zögernd\nIch bin nicht sehr für den Naturalismus.\nPolizeipräsident schmerzlich\nDas Stück ist meine Privatangelegenheit. Ich be-\ngreife nicht wie meine ehemaligen Charakterfehler\ndie anderen amüsieren können.\nRezensent lächelnd\nMir scheint, die Technik des Höllen-Dramas ist Ihnen\nheute noch ein Rätsel.\nInspektor\nDas Stück hat mein ehemaliges Leben zum Inhalt.\nIhr amüsiert euch auf meine Kosten.\nPolizeipräsident\nIhr Leben hat mit meiner traurigen Affäre, die der\nAutor zu einem Drama gestaltet, nichts zu tun.\nInspektor\nErlauben Sie freundlichst . . .\nRezensent\nDer Autor behandelt in seiner genial rücksichts-\nlosen Weise meine Streichung aus der Offiziersliste.\nPolizeipräsident erstaunt\nWelcher Autor?\nRezensent ungeduldig\nBeelzebub — selbstverständlich. Haben Sie hier ein\nStück gesehen, das nicht von Beelzebub wäre?\nInspektor\nUm aber auf die heutige Komödie zurückzukommen.\nRezensent\nEs ist dumm Wechsel zu fälschen.\nInspektor\n... So schäme ich mich jetzt umsomehr meiner\nalkoholischen Leidenschaft als das Trinken für mich,\njeden Reiz verloren hat. Es ist sinnlos und tragisch,\ndaß der französische Rotwein mein großes Talent\ngetötet hat.\nPolizeipräsident\nIch habe den Mann meiner Geliebten mit Cyankali\ngetötet. Aber das kommt erst im nächsten Akt.\nEine Dame\nDer Autor ist ungerecht . . .\nInspektor\nEr ist leider die Gerechtigkeit selbst.\nEine Dame\n. . . Ich war niemals so herzlos, wie ich in dem\nStück geschildert werde.\nPolizeipräsident\nIch werde von dem besten Schauspieler des Per-\nsonals kreiert. .Er faßt mich ganz richtig als Idioten\nauf. Und darauf ergibt sich zugleich die Moral des\nGanzen; das größte Uebel ist die Dummheit. Haben\nSie bemerkt, wie dem Darsteller des Mannes meiner\nGeliebten alle Extremitäten zitterten? Er war ein\nKrüppel; ich hätte ihn zum Duell fordern sollen, an-\nstatt ihn zu vergiften.\nInspektor leise\nDer Vorhang geht wieder auf. Mein Atelier. Die\nTapeten sind rot wie Chateau Lafitte . . . Pfui . . .\nIch war ein Selbstmörder. Stöhnt\nRezensent leise\nDie Bühne stellt das Militärgericht dar. . . Stöhnt\nE i n e D a m e leise\nUeber die Straße geht eine zerlumpte Dirne\nmeine Tochter. — Weil ich sie angeblich aus dem\nHause gejagt habe. Der Autor übertreibt\nMehrere Stimmen leise\nAch, unerträglich . . .\nRezensent leise\nIch werde das Stück verreißen. Ich lasse mich nicht\nso unbarmherzig quälen.\nDirektor ganz laut\nWann beginnt denn endlich die Vorstellung?\nMehrere Stimmen\nRuhe, Ruhe! . . .\nZweite Szene\nIm Foyer: Dritter Zwischenakt. Beim Büffet\nsteht eine korpulente, dekolletierte Hofdame im leb-\nhaften Gespräch mit dem Rezensenten\nHofdame seufzend\nDrei Akte der entsetzlichen Posse sind vorüber . .\nRezensent\nFrau Gräfin gestatten, es ist eine Tragödie.\nHofdame\nJedenfalls ist sie schlecht. So ist nicht das Leben.\nRezensent\nSo ist das Leben. Und darum ist sie schlecht.\nHofdame\nDer Autor ist parteiisch.\nRezensent\nDas behaupten nur die Frauen in der Hölle. Die\nDamen sind in dem Punkt ein wenig farbenblind.\nHofdame\nAuf jeden Fall habe ich niemals so gelogen ... Es\nist gemein, wie ich in dem Stück lüge.\nRezensent\nIch hatte leider nicht die Ehre, Frau Gräfin auf der\nBühne zu sehen. Meines Wissens treten in der\nTragödie nur die Offiziere des fünfzehnten Dragoner-\nregiments auf.\nHofdame\nHie und da im Leben habe ich natürlich die\nUnwahrheit gesprochen. Aber, ich bitte Sie, um\nwas handelt es sich eigentlich im Leben?\nRezensent\nIch kann es zu meinem größten Bedauern nicht\nsagen, hochverehrte Frau Gräfin.\nHofdame\nUm die allgemeine Harmonie.\nRezensent\nAh — sehr hübsch. Aber diese Harmonie wird eben\ndurch Ihre kleinen Unwahrheiten zerstört.\nHofdame\nSie wird durch alle möglichen Unwahrheiten zer-\nstört. Kommt es auf mich allein an? Lächerlich.\nHalte ich mich noch so streng an die Wahrheit, so\nlügen dafür Millionen Andere. Ein einziger Bock —"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.3", "texte": "und die ganze Rechnung stimmt nicht mehr. Warum\nstraft man nicht alle Irrtümer der Gelehrten, Aerzte,\nAdvokaten —? Rechenfehler bleibt Rechenfehler;\ndie Absicht kommt dabei nicht in Betracht Es\nist infam, daß der Autor gerade gegen mich seine\nAngriffe richtet.\nRezensent höflich lächelnd\n. . . Sehr geistreiche Paradoxe.\nHofdame zornig-weinerlich\nBitte, lachen Sie nicht ich leide entsetzlich\ndarunter, daß der Autor so ungerecht ist.\nRezensent\n— Und wir Männer leiden, weil er so gerecht ist.\nEs ist schließlich nicht von Belang, weshalb man\neigentlich leidet Glauben Sie mir, Frau Gräfin,\nIhnen zu Liebe würde ich sofort die ganze Hölle zer-\ntrümmern . . . Bemerkt plötzlich den Leibjäger Beelze-\nbubs, der sich dem Büffet nähert, schnell:\nNatürlich — bildlich gesprochen.\nLei b j äg e r zum Rezensenten\nSeine Majestät lassen in die Allerhöchste Loge\nbitten.\nRezensent mit einer unwillkürlichen Ver-\nbeugung\nIch stehe Seiner Majestät sogleich zu Diensten.\nHofdame ironich\nSie, Revolutionär.\nRezensent zerstreut\nSchon gut.\nHofdame\nHöllen-Zertrümmerer.\nRezensent\nIst meine Kravatte ordentlich gebunden?\nDie elektrische Glocke ertönt; das Publikum eilt\nauf seine Plätze, der Rezensent zur Hofloge.\nDritte Szene\nIn der Hofloge: Im Vordergrund sitzt Beelzebub,\nglattrasierter Herr im schwarzen Frack, etwas ver-\nlebtes, aschgraues, nicht unsympathisches Gesicht;\ndie auffallend großen Augen sind ungemein treu-\nherzig und so schreiend blau wie das adriatische\nMeer. Im dunkelroten Schatten des Hintergrundes\nverbirgt sich die Königliche Geliebte Mala. Nur\nvon Zeit zu Ze;it taucht ihr Gesicht aus dem Dunkel\nauf; es ist wie ein Blatt Papier, mit einem blutroten\nMund und mit den Augen einer Toulouse-Lautrec-\nschen Kokotte. In die Loge tritt der Rezensent ein\nRezensent stotternd\nSire, meinen alleruntertänigsten Dank für . . .\nBeelzebub unterbricht ihn gemütlich\nIch weiß, ich weiß. Nehmen Sie nur Platz. Neben\nmir, bitte, damit Sie die Vorgänge auf der Bühne be-\nquem verfolgen können.\nRezensent setzt sich, gleich darauf aber zuckt\ner zusammen und blickt nervös nach dem Hinter-\ngrund\nBeelzebub milde-vorwurfsvoll\nWas haben Sie nur? Es ist nicht klug von Ihnen,\nsich umzusehen. Schauen Sie hinunter. Wenn Sie\ngut aufpassen, so wird Ihr ewiger Schmerz eine\nkleine Linderung erfahren und die Ordnung auf\nmeiner Bühne wird Sie entzücken. Wie gefallen\nIhnen meine Dramen?\nRezensent\nVon dieser Loge aus — über alle Maßen.\nBeelzebub\nSchreiben Sie heute Nacht auf Ihrer Redaktion alles,\nwas Sie darüber denken.\nRezensent unwillkürlich aufrichtig\nMajestät, ich habe mir schon öfters vorgenommen,\nIhre grausamen Stücke möglichst abfällig zu beur-\nteilen aber nur so lange ich dort unten, im\nParterre saß Von dieser Loge aus erscheint\nmir Alles ganz anders.\nBeelzebub\nAuch von hier aus sehen Sie ja sich selbst auf der\nBühne.\nRezensent\nJa, mich selbst, aber auch — die Anderen. Das ist\nder Unterschied zwischen dem Parterre und dieser\nLoge. Jetzt sehe ich die Gemeinheiten aller Per-\nsonen im Theater — nicht nur, wie früher im Par-\nterre, meine eigenen. Und das beruhigt mich un-\nsäglich.\nBeelzebub\nIch kann es mir vorstellen. Aber . . . ungeduldig\nSie drehen sich wieder um. Haben Sie noch nie-\nmals meine Freundin gesehen?!\nRezensent schmerzlich\nMajestät, ich bitte tausendmal um Vergebung. Ich\nkann nichts dafür . Ich fühle unausgesetzt den\nbrennenden Blick der Prinzessin.\nMala lachend\nIch tu ihm ja gar nichts.\nBeelzebub zum Rezensenten\nRedakteur, seien Sie doch ein bischen vernünftig.\n.Hüten Sie sich vor Mala . . . Ich warne Sie väter-\nich. (Seufzt) Meine Freundin straft meine Unter-\ntanen auf eigene Faust. Sie straft auf ihre be-\nsondere, ganz konfuse Art. Ich habe ihr schon oft\nverboten, sich in meine Amtsgeschäfte einzu-\nmengen ....\nMala lachend\n. . . Aber es nützt nichts.\nBeelzebub zum Rezensenten\nSitjzen Sie nur ganz ruhig, drehen Sie sich nicht um.\nMala straft schrecklich unvernünftig. Sie straft mit\nihrer verrückten Schönheit. Sehen Sie lieber auf die\nBühne. Dort haben Sie meine prächtige Ordnung,\nmein logisches Strafsystem.\nPlötzlich unruhig, verwirrt . . .\nJa, was ist das? Unerhört! — Mala ist unten,\nsie spielt mit . . .\nMala lachend; in der Loge\nJa, ich bin unten.\nRezensent entsetzt\nUnbegreiflich — Sie ist unter den Schauspielern und\ngleichzeitig bei uns.\nBeelzebub zornig; zu Mala\nVerdammtes Mädel! Nicht einmal an Deinem Ge-\nburtstag benimmst Du Dich anständig. Wie kannst\nDu Dich unterstehen, die Bühne zu betreten?\nRezensent wie oben; auf die Bühne blickend\nSie hat alles drunter und drüber geworfen.\nDie ganze Welt auf den Kopf gestellt. Sonne, Mond\nund Sterne liegen blutend neben dem Souffleur-\nkasten. Alle Schauspieler haben den Veitstanz\nFurchtbar . . .\nMala lachend\nDa haben Sie's. Ohne mich gibt's kein rechtes\nTheater.\nBeelzebub steht auf; mit erhobener Stimme\nGenug! Aufhören! Vorhang herunter!\nRezensent bebend\nAlle Lampen sind erloschen. Es ist kalt. Nur auf\nder Bühne tanzt ein weißes Gespenst und sein\nMund ist wie ein rotes Licht.\nMala\nHurrah, ich tanze . . .\nRezensent\nMala ich liebe Dich. Ich liebe qualvoll Deinen Mund\n. . . den roten Abgrund der Lust . . .\nBeelzebub donnernd\nVorhang herunter!\nVierte Szene\nIm Parterre: Es ist dunkel und leer. Nur\nBilleteure laufen geschäftig von Platz zu Platz und\nverhüllen die Fauteuils mit schwarzen\nIn der zehnten Reihe sitzt noch immer ganz ruhig\nund geduldig der Direktor der Königlichen Milch-\nmeiereien (zu Lebzeiten Reporter des „New York\nHerald\") und putzt eifrig sein Opernglas. In die\nelfte Reihe stürzt der Rezensent und sucht echauf-\nfiert nach seinem Hut und seinen Handschuhen\nRezensent zum ersten Billeteur\nHaben Sie nicht einen Hut und ein paar dunkelgelbe\nHandschuhe gesehen?\nDirektor mit dem Putzen der Gläser beschäftigt\nIch finde, die Beleuchtung läßt ein wenig zu\nwünschen übrig.\nErster Billeteur zum Rezensenten\nNein, Herr. Aber vielleicht gehören Ihnen die sechs\nSeufzer, die ich soeben aus der Luft gefischt habe.\nZweiter Billeteur\n. . . Oder die Flüche, die hier unter dem Fauteuil\nliegen.\nDritter Billeteur\nDie Luft ist ganz dick von dem Tränendunst, den\ndie Herrschaften zurückgelassen haben.\nRezensent zum Direktor\nGibt es etwas unheimlicheres als ein leeres\nTheater?\nDirektor zufrieden\nJa . . . das Haus ist gut besucht.\nErster Billeteur zum Rezensenten\nBeeilen Sie sich, sonst schließen wir die Türen und\nSie können nicht mehr heraus.\nRezensent fast schreiend\nWo ist der Ausgang?\nDirektor milde ;\nFehlt Ihnen etwas, mein Freund?\nRezensent\nKretin, Sie sitzen auf meinem Hut.\nDirektor\nHaben Sie doch ein wenig Geduld. lyian stimmt\nbereits die Instrumente. Gleich beginnt die Vor-\nstellung.\nEnde\n\nDaniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nSchuster Anton hatte ein seltsames, wunderbar\nverwirrtes Mädchen aus dem Dorfe mitgebracht, in\njener Nacht, als Daniel Jesus sein großes und ver-\nwegnes Gauklerspiel mit der Liebe Margaretens\nspielte. Blond und dünn wie eine Heilige sprach sie\nmit keinem und tat auch nichts. Die Leute im Dorfe,\ndie an ihre Träume nicht glaubten, waren froh, als\nder Schuster sie mitnahm, denn sie war eine Waise,\nund sie wußten nicht, was sie mit ihr beginnen soll-\nten. Jetzt wohnte sie in seinem Hause, und seine\nkleine Gemeinde liebte sie und lauschte andächtig\nund scheu ihren inneren Geschehnissen, wenn sie\nan langen Gebetabenden zwischen Liedern und den\ntollen ekstatischen Schreien der Schustersfrau\nlächelnd und heiter in einen schönen und heißen\nSchlaf kam und dann mit hartem, zersprungnem\nMunde von dem Bilde redete, das Tag um Tag in\nihre Seele fiel wie das Licht von einem leuchtenden\nSpiegel. Oft ging es auch wie eine Wolke über\nihren Traum, wenn dann der Schuster zu ihr kam\nund ihre fliegenden Hände hielt. Dann sprach sie\nheiser und stockend von einem bösen und gewalti-\ngen Messias der Sünde, der sein Reich neben dem\nseinen gebaut habe und das Reich Gottes zerstören\nwerde. Von bunten und zerbrochnen Tagen, die\nvor der Türe ständen und in der nächsten Stunde\nkämen, wo sie alle unter der Peitsche des Satans\nkeuchen würden, als ob ein Wind ihnen alle Gebete\ngenommen hätte. Dann wird der böse Feind das\nReich seines Herzens über euch werfen wie einen\nFluch. Und keiner wird fehlen in seinem Gefolge.\nKeiner.\nAuch Du nicht —\nAuch Du nicht —\nSie rief es dem Schuster in das totenbleiche Ge-\nsicht und sank bewußtlos in seine Hände.\nAn diesen Abenden ging ein Graun durch die\nSeele der Beter. Sie fürchteten sich unsagbar vor\ndiesen Dingen, von denen das verzückte Mädchen\nredete und vor dem Tag, der ihnen den Weg zum\nFrieden aufs neue nahm. Wo sie wieder arm und\ngehetzt im Dunkeln taumelten, trunken vor Angst\nund vor der Verzweiflung. Wo ist der Feind?\nschrie es in ihnen — daß wir ihn töten!\nUnd langsam, wie ein schwarzer, gurgelnder\nBlutstrom, der über ihre Augen und ihre Hände floß,\nrang sich ein Name von den Lippen wie ein letztes\nStöhnen:\nChristus! Christus!\nFrau Margarete wußte, wer der Feind war. Sie\nsah auch das Reich, gerade so wie es das ohnmäch-\ntige Mädchen schaute, sein Reich, wie es groß und\nherrlich und finster in ihre Herzen fiel, daß sie nim-\nmer dagegen kämpfen konnten. Es kam und kam,\nund sie alle waren müde und mutlos. Sie vermoch-\nten nichts mehr. In ihm aber war eine Kraft, stahl-\nhart und ungebändigt, die hoch und siegreich aus\nseiner Seele kam, ruchlos und ohne Scham, die sich\nberauschte an der eignen Missetat und die Glut und\nSünde hatte und Schönheit. Sie wußte nicht, ob\ndiese Seele einmal im Leben aus dem irren,\nflackernden Tanz seiner Begierde in eine Stunde\nhineingeflüchtet war, die mit ruhigen, guten Händen\nsein jagendes Herz ergriff und ihm die Straße zeigte,\nnach der sie alle suchten, über die Liebe vielleicht\noder über Gott zum Frieden. Das aber mußte eine\nheilige und schmerzhafte Liebe sein, aus Wunden\nund Schlacken geboren und jählings offenbar. Frau\nMargarete glaubte nicht an eine solche Stunde in\nseinem Leben, denn die Geschichte Valeskas kannte\nsie nicht. Sie kannte nicht den tiefen, moortiefen\n\nFünfte Fortsetzung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.4", "texte": "Grund seines Herzens, in dem zwischen grünen,\nfelsigen Kerkern und wilden Korallenschlössern,\nzwischen den schwarzen, gespenstischen Schatten\nder Steine und den schaurigen Fahrten der Meer-\nfrau seit vielen vergeudeten Jahren in einem klei-\nnen Haus ein blasses, wunderbar verhärmtes Ge-\nsicht mit den verlöschenden Augen der Sehnsucht\nsich an die Fensterscheiben drückte und nach dem\nSchiffe der Meerfrau sah. An dieses Haus und an\ndieses Fenster hatte Daniel Jesus fast schon ver-\ngessen. Jene andere große und törichte Sehnsucht\nführte ihn durch die Wunder und die blinden Lichter\nder Täuschung steuerlos irgendwohin. Es hatte\neinen sonderbaren und großen Reiz für seine Seele,\ndaß sie nicht wußte, wohin sie fuhr, und wo das\nRiff war, das das Schiff der Meerfrau verschlänge.\nDamals, in jener hellen, kostbaren Mondnacht, in\nder Nacht Valeskas, war es ihm unter den suchen-\nden Augen wie die Barke des fliegenden Holländers\nin der Weite verschwunden. Es wäre niemals\nwiedergekommen, und er hätte in dem Hause mit\ndem weißen Fenster lange und lange gelebt und\nseine abenteuernde Sehnsucht — die wäre wie ein\nTraum von ihm gegangen. Aber das Blut Valeskas\nwollte es nicht. So fuhr er denn weiter ins Dunkle\nhinein. Und er erhellte seinen Weg mit den roten\nBränden seiner Wünsche und Taten. Sein Herz war\nstark, und er vermochte viele Menschen damit zu\nbezwingen. Er konnte das Reich Schuster Antons\nwegblasen wie der Sturm ein Boot. Was ging ihn\nihr Notruf und ihr Schrei nach Hilfe an. Die\nalternde Frau des Schusters wollte er mitnehmen\nein kurzes Stückchen seiner Fahrt. Er wollte ihr\nbrandrotes Haar wie eine Leuchte durch den Abend\nführen, der voll von den stumpfen, glotzenden\nFischen und wunderlichen Wolken war.\nFrau Margarete sah umher. Sie sah die Men-\nschen feige und geknickt auf der Erde liegen und\natmen. Ihre Gebete kamen wie ein Schluchzen zu\nihr hinauf und rannen über ihren Leib beinahe wie\neine sinnliche Berührung. Sie stand und schaute\nzu ihnen hinunter. In viermal zwölf Stunden waren\nes sieben Tage, seit Daniel Jesus ihr befohlen hatte,\nzu kommen. Sie mußte sich schmücken und schön\nsein. Ihr blühendes, glutrotes Haar mußte sie käm-\nmen und wieder um ihren Kopf wie eine Krone\nbinden. Und ihren wilden Leib wollte sie kastein\nfür ihn, damit seine Lüste ihr Blut nicht leer und\nohne Flammen fänden, damit sie eine rote Stunde\num einen Körper legen könnte wie ein brennendes\nTuch. — Auch der Schuster stand aufrecht und ge-\nrade wie ein Baum. Er wußte nichts von dem\nKampfe Margaretens und ahnte nur alles, was sie\nlitt, wenn er ihre Stimme in den frommen Liedern\ntaumeln hörte, die sie abends sangen. Es kam eine\nTraurigkeit und eine barmherzige Strenge über ihn.\nVon den Erlebnissen jenes Abends, da sie in Scham\nund Liebe zitternd vor Daniel Jesus stand, nackt\nund voll Demut, hatte ihm niemand ein Wort gesagt,\nund er fragte auch nicht danach. Er hatte damals\neinen großen Schrecken in den Augen seiner Frau\ngefunden und gewartet, bis sie zu ihm käme, um\nihm alles zu erzählen. Sie kam nicht und schwieg,\nund er überließ sie ihren Zweifeln. So ein bischen\nVerachtung erhob sich in ihm für diese Menschen,\ndie mit Gott und dem Teufel zankten, die nicht\nbeten und nicht sündigen konnten und mit tastenden\nHänden im Finstern standen ohne Licht. Auch Mar-\ngarete war so eine. Nur besser als die andern und\nsie lag nicht auf der Erde wie jene. Sie stand\naufrecht wie er und ließ sich schütteln. Wie hatte\ner sich früher groß gefühlt neben diesen allen! Er\nwar stark, und seine Seele hatte kein Fieber. Er\nhob seine Hände weit empor, hoch über alle andern\nund rief zu Gott. Und Gott war immer gekommen\nbisher und hatte ihm geholfen, seinen Glauben zu\ntragen. Er hatte gemeint, daß er wirklich der\nMessias dieser Armen und Kranken sei, die zu sei-\nnen Füßen weinten wie die Kinder. Nicht Christus\nund kein Prophet, aber ein starker und ruhiger\nMensch, der sie durchs Leben hätte führen können\nbis zum Ende. —\nUnd nun kam dieses Mädchen da, diese blonde\nHeilige, deren Verstand von Visionen zerrüttet war,\nund sagte ihm, es sei alles umsonst gewesen. Es\nsei ein andrer und schlimmer Prophet gekommen,\num sie zu züchtigen. Und sie alle würden unter\nseiner Peitsche den Rücken krümmen, hilflos und\nbereit, ihm zu dienen.\nAuch er! Auch er!\nSchuster Anton sah umher. Ueberall sah er\nLippen, die Gebete sprachen, und Hände, die sich\nfalten wollten vor der Gnade. Wo war nur der\nFeind? fragte er sich wie jene, wo war er nur? Und\nsein totenbleiches Gesicht zuckte vor Qual.\nIhm zu Füßen lag Hagar, die Zigeunerin. Seit\ndem Abend, da sie dem Baron mit der Hand ins\nGesicht geschlagen hatte, war das Gift in ihrem\nBlute wie ein böses Kraut toll und verderblich ge-\nworden. Es wuchs und blühte unter ihrer Haut und\nnahm ihr das Lachen aus der Kehle und quoll unter\nihren heißen Nägeln hervor, wenn sie in Gier und\nEntsetzen ihre Zähne in die Finger grub. Sie war\ndamals noch am selben Abend aus dem Hause des\nBarons gegangen, und keiner wußte, wo sie seit\njener Zeit aß und schlief, und was sie tat. Jeden\nAbend kam sie zu dem Schuster Anton, wenn alle\ndie Menschen da waren, um zu beten, und legte sich\nneben ihn zu Boden. Sie sah ihm zu, wenn er sprach\nund sang, und ihre Augen tranken seine Geberden.\nIhr Mund sprach wie im Irrsinn alle Worte mit, die\ner zu seinem Gotte sagte, und keuchte nach seiner\nLiebe. —\nSchuster Anton sah die Zigeunerin. Er sah, wie\nsie den Kopf zurückwarf und aus ihrem klopfenden,\ngespannten Halse ein Röcheln kam. Er sah ihren\nmagern Leib, der sich zu ihm hinaufbog wie der\neiner Katze. Da war es ihm, als ob er heute zum\nerstenmal in ihre Augen schaute. Tief und schim-\nmernd brannten sie auf seiner Wange, auf seiner\nStirn und seinem breiten, häßlichen Mund. Sie\nkletterten an seinem Körper empor und machten\nihn zittern. Sie brachten ihm Glut und Kälte und\nmachten seine Gebete lahm wie die seines\nWeibes. —\nDa kam ein Entsetzen über ihn, sinnlos und un-\ngeheuer, daß er schrie. Die röchelnde Zigeuneiin\nwand sich am Boden und küßte, seine Füße. Der\nSchaum stand vor ihrem Munde und flog hinauf zu\nden harten Händen des Schusters und war heiß wie\nsiedender Schnee. —\nEr schleuderte sie mit einem einzigen Tritte\nweit in die Stube, daß sie mitten unter die Beter fiel.\nDas war der Feind — ging es durch seine Seele,\ndie voll Angst und Schrecken hing. Jetzt war er\nverloren, das fühlte er, und er hob noch einmal\nhoch und mächtig seinen Leib und trug seine\ngroßen, roten Fäuste in die Höhe und rief:\nKomm niemals wieder, Zigeunerin, komm nie-\nmals wieder.\nScheu und geduckt schlich Hagar aus der Tür.\nUnd alle wußten, daß sie trotzdem kommen werde,\ndenn alle hatten ihre Augen gesehen und fürchte-\nten sich.\n\nGedichte\nVon Else Lasker-Schüler\n\nAbend\nHauche über den Frost meines Herzens\nUnd wenn du es zwitschern hörst\nFürchte dich nicht vor seinem schwarzen Lenz.\nImmer dachte das kalte Wundergespenst an mich\nUnd säte unter meinen Füßen — Schierling.\nNun prägt in Sternen auf meine Leibessäule\nEin weinender Engel die Inschrift.\n\nEin Lied der Liebe\nSeit du nicht da bist\nIst die Stadt dunkel.\nIch sammle die Schatten\nDer Palmen auf,\nDarunter du wandeltest.\nImmer muß ich eine Melodie summen\nDie hängt lächelnd an den Aesten.\nDu liebst mich wieder —\nWem soll ich mein Entzücken sagen?\nEiner Waise oder einem Hochzeitler,\nDer im Widerhall das Glück hört.\nIch weiß immer\nWann du an mich denkst.\nDann wird mein Herz ein Kind\nUnd schreit.\nAn jedem Tor der Straße\nVerweile ich und träume;\nIch helfe der Sonne deine Schönheit malen\nAn allen Wänden der Häuser.\nAber ich magere\nAn deinem Bilde.\nUm schlanke Säulen schlinge ich mich\nBis sie schwanken.\nUeberall steht Wildedel\nDie Blüten unseres Blutes.\nWir tauchen in heilige Moose,\nDie aus der Wolle goldener Lämmer sind.\nWenn doch ein Tiger\nSeinen Leib streckte\nUeber die Ferne, die uns trennt\nWie zu einem nahen Stern.\nAuf meinem Angesicht\nLiegt früh dein Hauch.\n\nDie Stimme Edens\nWilder, Eva, bekenne schweifender,\nDeine Sehnsucht war die Schlange,\nIhre Stimme wand sich über deine Lippe,\nUnd biß in den Saum deiner Wange.\nWilder, Eva, bekenne reißender,\nDen Tag, den du Gott abrangst,\nDa du zu früh das Licht sahst\nUnd in den blinden Kelch der Scham sankst.\nRiesengroß\nSteigt aus deinem Schoß\nZuerst wie Erfüllung zagend,\nDann sich ungestüm raffend,\nSich selbst schaffend,\nQottseele\nUnd sie wächst\nUeber die Welt hinaus,\nIhren Anfang verlierend,\nUeber alle Zeit hinaus,\nUnd zurück um dein Tausendherz.\nEnde überragend\nSinge, Eva, dein banges Lied einsam,\nEinsamer, tropfenschwer wie dein Herz schlägt,\nLöse die düstere Tränenschnur,\nDie sich um den Nacken der Welt legt.\nWie das Mondlicht wandle dein Antlitz\nDu bist schön ....\nSinge, singe, horch den Rauscheton\nSpielt die Nacht und weiß nichts vom Geschehn.\nUeberall das taube Getöse —\nDeine Angst rollt über die Erdstufen\nDen Rücken Gottes herab.\nKaum rastet eine Spanne zwischen ihm und dir.\nBirg dich tief in das Auge der Nacht,\nDaß dein Tag nachtdunkel trage.\nHimmel ersticken, die sich nach Sternen bücken —\nEva, Hirtin, es gurren\nDie blauen Tauben in Eden.\nEva, kehre um vor der letzten Hecke noch!\nWirf nicht Schatten mit dir,\nBlühe aus, Verführerin.\nEva, du heiße Lauscherin,\nO du schaumweiße Traube\nFlüchte um vor der Spitze deiner schmälsten\nWimper noch!\n\nGespräche mit Kalypso\nSiebentes Gespräch: Giesst Wein in meinen\nBecher / Von den unteren Tonordnungen\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nKalypso :\nDu stockst; und ich versteh' es. Deine Liste\ndünkt uns beiden nicht ganz vollständig; nicht\nwahr? Ich vermisse das Wort; wie die Sprach-\nkunst zur Wirklichkeit steht, hast Du verschwiegen,\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.5", "texte": "Du Schlauer? Wohl, ist da Grund zu stocken? —\nSie wetteifert nicht m itjenen Künsten, die doch\nwenigstens etwas von der Wirklichkeit überneh-\nmen, Deinen Stoff, die Körperlichkeit, oder die\nFarbe, oder den Ton. Das Tönen aber ist nicht\nwesentlich an der Sprache, scheint mir. Hier ver-\nsagt der Stoff vollständig; nicht einmal in Masken\nkann die Wirklichkeit hier durchscheinen, denn das\nWgrt, die Silbenverbindung hat nichts mit dem ge-\nmeinsam, das sie bezeichnet. Sie muß sogar auf\nden Henkel verzichten. Hier macht die Kunst\neinen Todeflsprung, er gelingt, will mich bedünken,\nDu brauchtest nicht zu stocken. Verlangten die\nTonreihen, um Musik zu bilden, eine Satzung, so\nheischt hier jedes einzelne Glied seine besondere\nSatzung, das heißt, seinen Zeichenwert; Zeichen\nist das Wort den Menschen, das heißt: es erinnert\nihn, — es löst in ihm einen umschriebenen, wenig\nveränderlichen Erinnerungsverband aus, wenn ich\ngelehrt sprechen soll. Damit hat die Sprache den\nWeg vollendet, den die Kunst gehen mußte, da sie\nnicht verdoppeln konnte, den Weg von der Nach-\nbildung über die Scheinbildung und Umbildung zum\nbloßen Zeichen.\nUnd der Sprung gelang; denn die Sprechkunst, sich\nso an die Spitze, fast außerhalb der anderen Künste\nstellend, vermag nun fast alles. — wenn nur der\nMensch, der sie hört, fast alles vermag. Immer\nweniger gibt die Kunst, immer ärmlicher wird sie.\nMit wie wenigem begnügt sie sich schließlich! Das\nwill nicht sagen, sie verschmähe die Tausend-\nfältigkeit der Wirklichkeit, sondern alles Zerstreute,\nplanlos Hingeworfene des Lebens will sie auf einmal\nhaben, in eins haben, und spottet doch die Unzuläng-\nlichkeit des Materials schon der zaghaften Ver-\ndoppelung. So drängt es den Künstler auf das\nblöde selbstgemachte Zeichen, drängt es ihn\nmönchisch, der Wirklichkeit zu entraten, die ihm\nzu dünn ist, im kahlen Zeichen die Ueberschweng-\nlichkeit der Genüsse zu bannen.\nMusiker:\nSo also verhält sich die Kunst zur Wirklichkeit. —\nWas lachst Du?\nKalypso :\nSollte nicht vielleicht die Kunst noch einen Schritt\nweiter machen können, noch über das Zeichen\nhinaus?\nMusiker:\nUnd wie? Und was nützt solch spielerischer Ge-\ndanke?\nKalypso:\nIch meine die Kunst könnte sich auch jenes fein-\nsten Zeichenwertes begeben und völlig bezuglos\nin selbstherrlichen Neubildungen ergehen. Die\nWirklichkeit überwinden, ihre Herrin, und ihrer\nspotten.\nMusiker:\nDu zielst auf Deine reine Kunst, die himmlische.\nKalypso :\nWenn irdische wirkliche Dinge denen der Kunst\nähneln, könnte es nicht der Fall sein, daß jene der\nGeformtheit, der Kunstähnlichkeit ihren Wert zu-\nschreiben müssen? Eher als umgekehrt? Ich\nmöchte nicht fragen, wie die Künste zur Nach-\nahmung und Verdoppelung befähigt sind, sondern\nwie breit hin sich das Gebiet der Eigenwertigkeit\nder Kunst erstreckt, und wie viel herrische Fremd-\nlinge aus der Wirklichkeit sich im Kunstwerk ein-\nnisten.\nMusiker:\nHast Du gesprochen?\nKalypso :\nUnd warte Deiner Antwort.\nMusiker:\nDu wirfst ein weißes Licht, oh Kalypso, auf die\nWerte, auf den Ursprung der Wirklichkeits- und\nKunstwerte, und zeigst, daß beide nur Menschen-\nperte sind, daß so die Kunst neu, selbstherrlich, auf\neigenen Füßen läuft, sich der Wirklichkeit vielleicht\nbedient, vielleicht aber gar ihr alle Wärme erst ver-\nleiht. Und wenn Du „Kunstwert\" so weit faßt, daß\ner Dir überhaupt gleich „Wert\" wird, so vermag\nDir niemand zu widerstreiten. Sicherlich aber\nmeinst Du aber damit nicht, daß die Wirklichkeit\nall ihre Wärme erst von einer Kunst empfange, von\neiner vorbildlichen, reinen Kunst. — Du sagst mit\nRecht, die Kunst will gar nicht verdoppeln. Was\ndie Verdoppelung verhindert, ist keine Schwäche\nund Armut der Kunst, sondern ihr eigentümliches\nWesen. Die Kunst ergeht sich in Regeln und Be-\nstimmungen am Matrial; — es ist weder Plan und\nAbsicht der Kunst, zu verdoppeln noch nicht zu\nverdoppeln. Aber was die Kunst, oder besser der\nMensch mit der Kunst will und plant, laß uns jetzt\nvernachlässigen. Vielmehr laß uns weiter das Tat-\nsächliche vergleichen, die Merkmale der Kunst auf-\nzeigen.\nSieh, die Musik hat ein Material: die Töne. Zu\nden Tönen tritt hinzu eine Summe von Ordnungs-\nregeln; in den Ordnungsregeln liegt die Bestimmt-\nheit der Musik oder: die Musik bestimmt sich als\neine Ordnungsweise der Töne. In dem, was ich den\nZusammenhang der Töne nannte, erklärt sich die\nMusik.\nForm nenne ich diesen Zusammenhang nicht; das\nWort verführt, an Vorbild zu denken. Ich rede von\nBestimmungen, von Ordnungsregeln, vom Gesetze,\nvon Satzung, die für etwas oder über etwas ge-\nsetzt ist. Weder Material noch Satzung allein,\nnoch gemeinsam, machen schon die Musik aus,\nwelche Wirklichkeit hat; sondern welche bestimm-\nten Töne des geordneten Materials im Einzelwerk\nauftreten, ist das Letzte, das hinzukommt. Diese\ndrei auseinandergelegeten, auseinajidergedachten\nGrößen finde ich dann in der wirklichen Musik:\nMaterial, Satzung, Stoff. Satzung und Material\ngeben die verwendbaren Töne; aber wonach wer-\nden die Töne ausgewählt und hintereinander ge-\nreiht? Wenn die Satzung einen Zusammenhang\nzwischen allen Tönen bestimmte, die auftreten\nkönnen, welcher Zusammenhang besteht zwischen\ndiesen bestimmten aufeinanderfolgenden Tönen des\nTonwerkes? Hier wird eine neue Ordnung, die\ndes Stoffes gefordert. Und diese Frage, Kalypso,\nlaß uns recht bedenken. Die Antwort muß unsern\nZwiespalt schlichten.\nKalypso:\nSo sprich nur fort. Ich fasse Deine Frage.\nMusiker:\nDas Vorbild alles zeitlichen Zusammenhangs ist\ndas Leben; den eigentlichen Zusammenhang stellt\ndie Ursächlichkeit dar; die engste Bindung ist die\nErzeugung. Es kann auf keine Weise ein Ton von\neinem andern hervorgebracht werden; kein Ton\nfolgt also auch notwendig auf einen andern.\nSondern die Dinge tönen; und so: der Mensch\nmusiziert, er ist der Schöpfer der Musik. Er setzt\ndie überzeitlichen Werte der Tonleiter. Der Rhyth-\nmus nun hat schon eine Ordnung im Zeitlichen zu\nschaffen; während ihm *aber das losgelöst Zeit-\nliche, die nackte Bewegung und Abfolge zufällt,\nsoll die Stoffordnung das Bewegte, das Ge-\nschehende, das Gegenständliche ordnen. Und sie\nbefaßt sich nicht mit den einzelnen Tönen, welche\nschon gesetzt und gewertet sind durch die Ton-\nleiter, auch nicht mit der Beziehung zwischen den\nabfolgenden Tönen. Sie sieht auf das Spannungsver-\nhältnis der Töne; sie kennt den Satz: was Musik\nan den Tönen ist, ist stumm; die Zwischenräume\nder Töne sind die Räume der Musik. Es stehen aber\ndiese Ordnungen nicht gleichgültig und beziehungs-\nlos nebeneinander; ich kann sagen: jene Ordnun-\ngen der Töne zu musikalisch bewerteten und rhyth-\nmischen werden Vorordnungen für die Stoffordnung;\nfür die Stoffordnung sind diese Ordnungen selbst\n— Stoff; sie sind Voraussetzung, nicht mehr und\nnicht weniger. — Wie nun wird der Stoff geordnet?\nDa ein Zusammenhang nicht von den Tönen ge-\nschaffen werden kann, muß er mit den Tönen ge-\nschaffen werden; der Zusammenhang liegt nicht\nin der Verbindung dieses Tones mit jenen, sondern\ndieser Tonfolge mit etwas anderm. Diese Tonfolge\nist in sich zusammenhangslos; dadurch, daß etwas\nanderes an sie herantritt, mit dem sie zusammen-\nhängt, wird der Schein ihres eigenen Zusammen-\nhangs erzeugt.\nDies darfst Du nicht wunderlich und ohne\nGleichnis heißen: ebenso kennen wir zunächst\nnichts von dem oder einem Zusammenhang des\nGeschehens; dadurch aber, daß sich derselbe Vor-\ngang wiederholt, erscheint er als zusammenhän-\ngend, wo er doch zunächst nur mit der Erinnerung,\nnicht aber mit sich oder in sich zusammenhängt.\nKalypso :\nSo mußt Du jetzt erklären, wie die Tonfolge mit\njenem „andern\" zusammenhängen soll, und was\njenes „andere\" ist.\nMusiker:\nWohl, Kalypso. Wieder das Beispiel des Lebens\nzeigt Dir, wie ein Schein des Zusammenhangs er-\nreicht wird: die Wiederkehr desselben Vorgangs\nläßt den Vorgang selbst als zusammenhängend er-\nscheinen. Eine Tonfolge wird als zusammen-\nhängend gelten, wenn sie wiederkehrt. Du zuckst\ndie Achsel; Du meinst, etwas Falsches wird nicht\nwahr, wenn es zweimal gesagt wird; aber ich sage\nDir: etwas wahrer wird es dadurch schon. Immer-\nhin: ich bezeichne so nur das Sachliche, Tatsäch-\nliche, gleichsam Aeußere der tönenden Musik, —\naber die Musik tönt nicht — und setze etwas\nvoraus.\nDamit nämlich die wiederkehrende Tonfolge an\ndie erste, deren Wiederkehr sie ist, herantrete und\nden Schein des Zusammenhangs erzeuge, muß die\nerste noch irgendwie vorhanden sein. Sie darf\nnicht spurlos verschwinden; es wird eine Möglich-\nkeit verlangt, die das Hintereinander des Zeit-\nlichen in ein Nebeneinander verwandelt.\nIch weiß nicht, wie die Verwandlung geschieht;\ndoch heißt das, was die Gegenwart des in der\nWirklichkeit nicht Gegenwärtigen ermöglicht, Ge-\ndächtnis. So wird die wiederkehrende Tonfolge im\nAugenblick, wo sie wiederkehrt, mit einem Zeichen\nversehen, das besagt: „bekannt\", und dies eben\nverleiht dem Wiederkehrenden den Schein des Zu-\nsammenhanges.\nKalypso :\nJene erste Tonfolge also ist unzusammenhängend.\nMusiker:\nWohl. Aber begreife: damit die erste Tonfolge\nhafte oder irgendwie im Gedächnisträger eine Spur\nhinterlasse, muß sie den Ansprüchen, den Lebens-\ngewohnheiten des Gedächtnisses genügen. Ich\nwerde noch fragen müssen: wann haftet eine erste\nTonfolge? Was macht eine Tonfolge gedächtnis-\nfähig? Du hast Recht, wenn Du zu zweifeln\nscheinst, ob nicht auch der ersten Tonfolge wenig-\nstens eine Bestimmung zukomme, eine Beschrän-\nkung ihrer Willkür. Kurz ist es die, — daß die\nerste Tonfolge wenig ausgedehnt sei und näher\noder ferner verwandt sei in Teilen oder im Ganzen\nmit älteren Erfahrungen aus dem Erinnerungs-\nschatz; ganz neue werden als beziehungslos sehr\nschwer oder gar nicht erinnert.\nKalypso :\nUnd wie hafteten jene alten Tonfolgen?\nMusiker:\nWie Du mich bedrängst. Wenn es ein ganz leeres\nGedächtnis geben sollte, Kalypso, so könnte jede\nwillkürliche Tonfolge und Tonfolgen den Grund\nseines Schatzes bilden. Aber solch leeres Gedächt-\nnis gibt es nirgends. Der Erinnerungsschatz wird\nnicht vergrößert wie ein Steinhaufen, sondern er\nwächst. So wichtig und entscheidend ist die\nRolle, die die Ueberlieferung in der Musik spielt,\nunendlich langsam wird ein wirklicher Fortschritt\nsein. In diesem Hinblick erscheint überhaupt nichts\nNeues in den stets neuen Tonfolgen; die Musik, bei\nder Besorgung ihrer wichtigsten Angelegenheit, der\nBewahrung des Ueberlieferten, wird sich vielmehr\nbemühen, gesetzte Tonfolgen zu vererbbaren For-\nmeln erstarren zu lassen, um einen unverlierbaren\nBoden zu besitzen. In den versteinerten Tonfolgen,\nden Kadenzen, Harmonieregeln, Tonleiterbildun-\ngen, erscheint dann, was sich sonst nie erreichen\nließ, — die Tonverbindung als geradezu notwen-\ndig und natürlich. — Aber ich will Dich im voraus\nauch erinnern, daß die musikalischen Tonfolgen\nauch aus der Beziehung zu Tonfolgen der Wirk-\nlichkeit, zu tonlosen Vorgängen der Wirklichkeit\nZusammenhang gewinnen und so jene erste Ton-\nfolge eine weitere Bestimmung erfahren kann. —\nZusammenhang setzt die Gleichheit oder Wieder-\nkehr. Und auch da wird er erzielt, wo die zweite\nTonfolge statt der Gleichheit Aehnlichkeit, statt\nder Wiederholung und Nachahmung, Abänderung\nund Umformung bietet.\nIn dieser unscheinbaren Bestimmung der Wie-\nderkehr, sei es in Wiederholung und Nachahmung,\nsei es in Abänderung, liegt die Quelle des reichen\nmusikalischen Zusammenhangs. — Du schaust\nmich an, Kalypso, und nickst, als wärst gar Du nun\ngerechtfertigt, und die eigenschöne Musik bewie-\nsen. Nur langsam; wir stehen erst im Beginn un-\nserer Wanderung. Ich kann mir wohl denken, daß\nehemals die Töne streng selbstherrlich aufein-\nanderfolgten, nichts waren als ein Steigen und\nFallen, Eilen und Stocken, ganz darin aufgingen,\ndie Eigenwerte des Eigentones zu entwickeln. Dies\nmußte so sein, damals, als Satzung auf Satzung\nerst die Musik schuf, als man sich erst vertraut\nmachte mit den eigentümlichen Regeln, die dieser\neigentümliche Stoff forderte; hölzern steife, herbe,\nsehr gleichartige Gebilde stellten den befremdeten\nHörern eine reine, absolute Musik.\n\nSchluß des siebenten Gespräches in Nummer 16"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.6", "texte": "Das neue Kriegs-\ninstrument\nEine zeitgemässe Betrachtung\nVon Paul Scheerbart\nDer Graf Zeppelin hat vor einem Jahr in Köln er-\nklärt, daß das von ihm nach Köln gebrachte Militär-\nluftschiff ein Kriegsinstrument sei und vor allem da-\nzu diene, unser Heer noch wehrfähiger zu machen.\n„In welchem Maße dies geschieht,\" sagte er, „das\nwird die Zeit wohl lehren. Doch habe ich die Ge-\nnugtuung und Befriedigung, daß mein Werk, das der\nStärke des Heeres gilt, gleichzeitig dem Frieden\ndienen wird.\"\nDaß das Werk des Grafen Zeppelin dem Frie-\nden dienen wird, kann nicht bezweifelt werden.\nAber es wird ihm noch ganz anders dienen, als man\ndenkt. Das lenkbare Luftschiff macht aber unser\nHeer keineswegs „wehrfähiger\"; es wird eben die\nStärke des Heeres nicht vermehren.\nWir können heute doch sehr wohl überschauen,\n„in welchem Maße\" die Lenkbaren in die Entwick-\nlung des Militarismus eingreifen. Es muß dem\nwidersprochen werden, der behauptet, daß erst die\nZeit lehren kann, wie sich alles entwickelt. Wir\nkönnen das heute schon ganz klar vor uns sehen,\nwenn wir folgerichtig darüber nachdenken.\nAls Kriegsinstrument ist das Lenkbare das ein-\nfachste Ding in der ganzen Welt. Das Lenkbare\nwird eben einfach mit Dynamit bepackt, und das\nDynamit wird nachts auf die Festungen, Städte\nund Kriegsschiffe des Feindes geworfen. Die\nKriegswissenschaft erfährt eine ungeheure Verein-\nfachung. Darum ist das Kriegsministe-\nrium in Berlin heute dem Grafen Zep-\npelin gegenüber so merkwürdig kühl.\nDie Beschlüsse der Haager Konferenz werden\nnichts an der Sachlage ändern. Wenn die Men-\nschen behaupten, daß sie sich in Lebensgefahr be-\nfinden, so sind ihnen alle moralischen und ethischen\nBedenken ganz gleichgültig. Die Lenkbaren hätten\nfür das Militär im Kriege gar keinen Zweck, wenn\nsie nicht mit den allerbesten Sprengstoffen be-\npackt würden.\nDer Gedanke, daß wir in zwei bis drei Jahren\nhunderte von Lenkbaren haben werden, wird heute\nnicht mehr als phantastisch bezeichnet werden\nkönnen; die Lenkbaren werden eben zu hunder-\nten da sein — und die Gleit- und Drachenflieger\nebenfalls.\nFür den Militarismus bedeutet das aber keine\nStärkung — das Gegenteil ist der Fall.\nZunächst müssen sich die Führer unserer gro-\nßen Volksheere darüber klar sein, daß das neue\nKriegsinstrument allen anderen Instrumenten des\nKrieges vollkommen überlegen ist.\nEine Festung ist von den Lenkbaren sehr\nschnell ruiniert. Und eine Flotte kann den Lenk-\nbaren auch nicht widerstehen. Kasernen, Pulver-\nvorräte und marschierende Fußtruppen sind von\nden Lenkbaren ebenfalls sehr leicht zu vernichten\n— so leicht, daß man die Existenzberechtigung aller\nmilitärischen Arrangements, die auf der Erdrinde\nverbleiben, ganz energisch bestreiten muß — sie\nsind einer Luftflotte gegenüber einfach ausgeliefert,\nund man muß darauf dringen, daß sie baldigst auf-\ngelöst werden. . . . Das hab ich nun schon minde-\nstens fünftausend Mal gesagt. . . .\nDer militaristische Fachmann wird zunächst\neinfach ablehnen, die Frage der Auflösung unsrer\nbisherigen Armeen und Flotten zu erörtern. Er\nwird die Sache für so abenteuerlich halten, daß er\ndas Ganze für einen schlechten Witz erklären dürfte.\nAber — sobald erst das erste Hundert von Zeppe-\nlins da sein wird — dürfte er nicht mehr in der\nLage sein, auch fürderhin die Auflösungsfrage als\nbelanglos hinzustellen; sie ist tatsächlich nur eine\nFrage der Zeit.\nZunächst dürften also die Zeppelins keinesfalls\nin der Lage sein, unser Heer noch wehrfähiger zu\nmachen. Der Graf Zeppelin hat alle Veran-\nlassung, diese seine Bemerkung zurückzunehmen.\nNun ist aber das Lenkbare und der Gleit- und\nDrachenflieger als neues Kriegsinstrument näher zu\nbetrachten.\nEine gemeingefährlichere Waffe haben wir bis-\nlang noch nicht gehabt. Diesem neuen Kriegs-\ninstrument gegenüber sind alle Panzerschiffe\nSpielerei. Auch die stärksten Festungen wirken\ndagegen kleinlich; sie sind schlechterdings nicht zu\nschützen. Um eine einzige Festung gegen Nacht-\nangriffe einer feindlichen Luftflotte zu schützen,\nmüßten in jeder Nacht ein paar Dutzend Lenkbare\nmit Scheinwerfern immerzu die Festung umkreisen.\nUnd wenn dann die feindliche Luftflotte mehr Lenk-\nbare und Gleitflieger oder Drachenflieger zur Ver-\nfügung hat, so bringt sie auch die die Festung\nschützenden Luftschiffe um — und dann ist die\nFestung doch verloren.\nWenn man nun bedenkt, daß sehr viele\nFestungen, Flotten, Hafenanlagen, Pulvermagazine,\nKasernen zu schützen wären in der ange-\ngebenen Weise, so kann man sehr leicht aus-\nrechnen, daß kein Staat jemals in der Lage sein\nkönnte, so viele Luftschiffe herzustellen, um alle\nseine militärischen Arrangements, die auf der Erd-\nrinde verblieben, gegen Luftangriffe zu schützen.\nEs geht eben nicht. Und deshalb ist der Staat, der\nauf der Erdrinde nur sehr wenig zu\nschützen hat, am ehesten in der Lage,\naggressiv zu werden.\nUnd darum muß man in allem Ernste daran\ndenken, die bisher verwandten Kriegsinstrumente\nallmählich auszurangieren — und dafür die Luft-\nflotte so rasch wie möglich auszubauen. Auch\nSeeschiffe sind beim besten Willen nicht gegen\nDynamitmassen, die nachts von oben kommen, zu\nschützen. Man braucht nicht Militärwissenschatten\nstudiert zu haben, um daseinzusehen. Es ist alles\nsehr einfach — wohl z u einfach. Ein Intelligenz-\naufwand ist für den Luftkrieger beinahe gänzlich\nüberflüssig.\nJedoch — gesetzt, die Staaten Europas hätten\ndas an der Erdrinde haftende Kriegsarrangement\ngänzlich beseitigt und hätten nur noch Luftflotten\nmit vielen Lenkbaren und Tausenden von Gleit-\nfliegern — würde dadurch der Luftkrieg einen\ngrößeren Aufwand von geistigen Fähigkeiten bean-\nspruchen?\nIch erlaube mir, diese Frage zu verneinen.\nWorauf kann es denn bei einem derartigen\nLuftkriege ankommen? Doch nur darauf, dem\nFeinde so viel zu zerstören, daß er wirtschaftlich\nruiniert wird.\nUm das zu erreichen, werden die Luftschiffe\nwahrlich nicht Schulter an Schulter kämpfen; sie\nwerden eben einzeln ausgesandt werden — und\nhaben nur die simple Aufgabe, ihr Dynamit dort\nfallen zu lassen, wo etwas zerstörenswert er-\nscheint. Und die Gleit- und Drachenflieger haben\ndie Tätigkeit der Lenkbaren als Kundschafter zu\nunterstützen und außerdem die feindlichen Luft-\nschiffe und Gleit- und Drachenflieger so oft wie\nmöglich anzugreifen — und zwar immer des Nachts\naus dem Hinterhalt heraus.\nIch glaube doch, daß sich die Militaristen Eu-\nropas ein wenig besinnen werden, bevor sie sich\nbereit dazu erklären, derartige Luftkriege vorzu-\nbereiten. Wenn eine Sache dumm wird, dann macht\nsie nicht mehr Spaß.\nIch weiß wirklich nicht, was dem Gesagten\nnoch hinzuzufügen wäre. Das Thema reicht kaum\nfür ein Feuilleton in der üblichen Länge aus. Es ist\nwahrlich die ganze Geschichte z u einfach — so\neinfach, daß sich viele Militaristen genieren werden,\nsich mit derartigem „Kriegsspiel\" weiter zu be-\nfassen.\nUnd so sehe ich denn das Ende des Militarismus\nherannahen. . . .\nDer Graf Zeppelin hat durchaus Recht, wenn\ner sagt, daß sein Werk dem Frieden dienen wird.\nAber daß dieses Werk nur dem Frieden dienen\nwird — und nicht mehr dem Kriege — das wird\nder Graf Zeppelin wohl nicht geahnt haben.\nMan will natürlich niemals gern an rasche Ent-\nwicklungen glauben. Aber in den letzten hundert\nJahren sollten wir uns doch schon an rasche Ent-\nwicklungen gewöhnt haben; vor hundert Jahren\ngabs noch keine allgemeine Wehrpflicht, keine\nVolksheere im Sinne unsrer Zeit — die Dampfbahn\nexistierte auch noch nicht — und die Zahl der Groß-\nstädte war eine minimale. Wie rasch hat sich aber\nVolksheer, Dampfbahn und Großstadt entwickelt!\nDas sollte man nicht vergessen, wenn man an die\nZukunft der Luftschiffahrt denkt — da wird sich\nauch alles viel rascher entwickeln, als man denkt.\nMan vergesse auch nicht, wie schnell sich die\nFahrräder und die Automobile entwickelten.\nIch kann mir aber nicht denken, daß sich der\nLuftmilitarismus in der oben angegebenen Art ent-\nwickeln wird; ich denke doch, man wird sich bei\nZeiten besinnen und einen Zusammenschluß der\neuropäischen Kriegsstaaten nicht fürderhin für ein\nUnding halten\nDann hätte das neue Kriegsinstrument des\nGrafen Zeppelin mehr für den Frieden getan als die\nHaager Konferenz und der Nobelpreis zusammen.\nUnd ich glaube, der Graf Zeppelin könnte mit\nseinem Erfolge zufrieden sein — wenn er ihn auch\nnicht so beabsichtigt hat.\nEs wäre sehr wünschenswert, daß sich die\nMilitärschriftsteller zu dieser zeitgemäßen Be-\ntrachtung baldigst äußerten.\nAllerdings: Ich weiß, daß sie das nicht tun\nwerden.\n\nDie blaue Blume\nJulius Wolff ist gestorben. Man war bei den\nNachrufen der Presse auf Schlimmeres gefaßt. Nur\nder Lokalanzeiger kann sich nicht fassen. „Seine\nDichtungen erlebten Auflage um Auflage, sie sind\nwahre Hausbücher der deutschen Familie geworden,\nBücher vor allem auch für die Jugend, die immer\nnoch die blaueBlume derRomantik liebt und sucht\".\nImmer noch. Trotz Geschäft und Sport. Selbst der\nHerr vom Lokalanzeiger bestätigt es. Und diesen\nunglücklichen jungen Leuten wird zugleich immer\nnoch Julius Wolff angelegentlich empfohlen. Es ist\nerstaunlich, wie wenig eine literarische, eine künst-\nlerische Bewegung in Deutschland bedeutet. Man\nberuft sich auf die „Klassiker\", liest sie nicht, fordert\nzum Kampf gegen die wenigen selbständigen Dichter\nund Künstler auf und tritt mannhaft für die\nschlimmsten Epigonen und ärgsten Kitscher ein.\nDie deutsche Familie trinkt soviel Bier, daß sie in\nder Kunst nur noch für Zuckerwasser zu haben ist.\nDieses Getränk wirkt auf sie unwahrscheinlich,\nmärchenhaft, „romantisch\". Es erregt keinen\nDurchfall, sondern verstopft das Gehirn, das Gefühl,\ndie sinnliche Anschauung. Mit diesem Rezept be-\nhandelte Herr Wolff die deutschen Sagen und der\nverblüffende Erfolg auf die Patienten blieb nicht aus.\nAber er wandte auch sein Zuckerwasser äußerlich\nan und die blaue Blume ging nicht auf. Sie dankte\nfür solche Behandlung. Der Lokalanzeiger sieht sie\ntrotzdem prangen: „Eine bewundernswerte Wort-\nkunst, ein staunenswerter Reichtum der Sprach-\nmelodie, eine mit unzähligen Bildern spielende Ver-\ntrautheit mit der Natur wirkten in diesen Ge-\nmälden mit, in denen sich wie in prachtvollen Go-\nbelins unzählige bunte Fäden kreuzen.\"\nAber Herr Wolff malte nicht einmal mit Zwirn, wie\nder Lokalanzeiger, er malte überhaupt nicht. Er\nvergewaltigte einfach die Sprache und streckte sie\nin ein unglaublich langes Versbett („bewunderns-\nwerte Wortkunst\", „staunenswerter Reichtum\").\nDeutsche Jugend, die immer noch die blaue\nBlume der Romantik liebt und sucht, laß dir keine\nfalschen Wege zeigen. Der Lokalanzeiger weiß in\nder Gegend der Romantik nicht Bescheid, seine\n„Spezialberichterstatter\" kennen sie nur vom Hören-\nsagen. Der D-Zug hält dort nicht. Und glaube also\nnicht, die blaue Blume bei Julius Wolff zu finden.\nAuf seiner Wiese wachsen nur Butterblumen. Zum\nBeweis pflückte ich eine ab:\nAuch in dieser Linde Wipfel\nWar zur Stund ein Bild zu schauen,\nHehr und herrlich wie die Götter,\nDie in dunklen Hainen wohnten.\nWie des Epheus grüne Ranke\nAn den sturmerprobten Waldbaum\nSich mit tausend Fasern klammert,\nHielt Regina mit den Armen\nUnd mit Sinnen und Gedanken\nIhren Heribert umfangen,\nSchmiegte sich an den Geliebten\nLehnte sich in seinen Arm auch,\nDen er wie zu Schutz und Stütze\nUm die Schulter ihr geschlungen.\nAlso standen sie und schauten\nBeide in die offne Landschaft,\nEr in edler Mild' und Mannheit,\nBild der Kraft von hohem Wüchse,\nSie in voller Jugendschöne\nBlühend, schwellend, wonneatmend.\nUeber ihren Häupten grade,\nEinem Baldachin vergleichbar,\nSpannte sich ein Zweig der Linde,\nUnd der helle Glanz der Sonne\nGab ein Funkeln und ein Blitzen,\nWie von goldner Luft umsponnen\nWaren die zwei Lichtgestalten.\nVastehste! Trust\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.7", "texte": "Verantworte ffir die Schriftleitnng in Österreich-Ungarn: Otto Soyka / Auslieferung für Österreich-Ungarn A. Mfihlhans-Smital Wien IX / PSr den Buchhandel: M. Braunschweig Wien IX\n\n6 Prozent Rabat!! 6 Prozent Rabat!!\nD. R. Patent ::::::::\n:::::::: D. R. G. M.\n:: Auslaodspatente ::\nKochstrasse 75 BERLIN SW Ecke Wilhelmstrasse\nEhrenpreis der Stadt\nBerlin 1906\nEhrenkreuz und goldene\nMedaille 1908\n„Mulvoss\"\nmOlhan & voss\nm\\r\\\nU.I-\n-• •\n• •\nKein Umbetten! ::\nChaiselongue\nKein Abriicken von der Wand!\nJedes Zimmer kann in 1/2 Minute\nals Schlafzimmer benutzt werden\nVerwandlung\n11. Geschaft: Lutzowstr. 91, an der Pots-\ndamerstr.:: Fernspr. Amt 6, 7197\nSofa\nfiiiiiafeiiirriiiijiiiiiii r,..... WaWiß®\nBett\nVerwandlung\n111. Geschaft: Konigstrasse 7, neben\nIsrael:: Fernspr. Amt I, 7364\n\nIU\na\nGustav Z., 48 Jahre\nPhotogr. am\n10. Juni 1908\n«•\nGustav Z., 48 Jahre\nPhotogr. am\n11. Nov. 1908\nGebrauchen Sie\nZubeils Rossmark-Pomade a Mark . . 1,—, 2,—\nZubeils Haarmilch zur Haarpflege .... 1,75\nZubeils Crinol-Creme 3,—\nzur Gesichtspfiege. Gesichtsfalten (Runzeln) verschwinden unter\nGarantie in einer Nacht.\n> Zubeils Rossmark. - Einreibung & Mark 1,50, 2,50\nwird von Aerzten empfohlen and bei Reissen, Rbeumatismus, Gicht\nverordnet, beseitigt die Schmerzen sofort. Verlangen sie aber\nour unsere Artikel, wo unser Reklame=Plakat im Schaufenster hangt.\nDurch 5 jahrige Erfahrung sind wir in der Lage,\nIhnen auch bei vollstandiger Kahlkopfigkeit flir\nErsatz zu garantieren. Wir zahlen Ihnen den Be-\ntrag zuriick, wenn Sie nach Gebrauchsanweisung\nverfahren, und keinen Erfolg haben. Wo nicht erhMlt-\nlich durch Boten frei Haus oder per Nachnahme\nGUSTAV ZUBEIL U. SOHN\nBerlin NW. Wiclefstrasse 24 (11, 2347)\n\nInternal Patentbureau, gegr. 1893, Fitte&Theune\nBerlin S.W. 48 Friedrichstr. 230 Tel. 6a. 18981\nAusarb. ?on Erfindungsideen. Patentanmeldung i. all. Llndern. Mass. Preise\nKeine Haehzablungen. Sehnelle Yerwertung you Patenten o. jegl. Yorsehuss\n*r . | i. | welches. 112. Beteiligung an d. Husbeutung von Pa-\nKail a S PH tenten interess., bitten wir um Ihre Rdresse, um\nlillJJi 111 110 lull; kostenlos. unvcrbindl. flngebote machen z.konnnen.\n\nWer den Inhalt dieses Blattes „goutiert\",\nweiss auch, welch hohen Wert die\nMitarbeit des Reklame-Fachmannes\nfur Industrielle und Kaufleute hat!\nEiner der bekanntesten Reklame-\nAnwalte ist Oms, Berlin -Steglitz.\nVerlangen Sie — unter gleichzeitiger\nEinsendung von Unterlagen —\n=— Flugblatt ~209\" =—\n\nDie fackel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nMummer 303/4\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\nOberall erhAltlich\nWerbeband der Fackel\n50 Pfg. 210 Seiten stark\n\nJEDE FRAU\nlese die Stoning der Periode\nSelbstbehandlung von Dr. Lewis\nStatt 1 Mk. nur 50 Pf. in Briefm.\nH. Streubel, Berlin 16 F ranzstr.\n\nDER DEMOKRAT\nWochenschrift fur freiheitliche\nPolitik / Kunst und Wissenschaft\nErscheint jeden Mittwoch\nNummer 10 Pf. / Quartal M 1\nProbenummern frei d. G. Zepler\nCharlottenburg Bismarckstr. 103\n\nDIE NEUE\nSECESSION\nV\nAusstellung- abg-ewiesener\nKiinstler der Berliner\nSecession 1910\nin der\nGalerie MAXIMILIAN\nMACHT Rankestrasse 1\nan der Kaiser Wilhelm\nGedachtnis-Kirche :: :: ::\n\n1\n*y\\nouje o/HJ\n■#\n(Xaajxu\n02\nSuJLtX* J\n- 4|\nHI\n\nBerliner Konservatorium fur Theater und Musik\nDIREKTOR C. A SACHSE\nBERLIN N 39 :: Miillerstrasse 178 (Weddingplatz)\nTHEATER-SCHULE\nVollstandige Ausbildung fur Schauspiel,\nOper, Operette, Posse und Ballett\nVARIETE-THEATER=SCHULE\nKomiker-, Soubretten- und Artisten-Schule\n12 Fachlehrer\nBisher 3000 Schiller (Herren, Damen und Kinder) mit bestem\nErfolg- ausg-ebildet\nz. B. Ernst Kleinert, Walter Bahrmann, Willy Walde (Damen-Imitator), Emil Kante,\nHellon Angerie, Bellini, OrUff, Pieper, Direktor Lucas-Schwleger, Pohlei etc. etc.\nDie Damen: Mile. 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Prospekt.\n\nBerufen Sie sicH\nbitte bei Einkaufen auf die\nAnzeigen dieser Zeitschrift"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100609-01.1.8", "texte": "V«ranfw«rtl. f. i Aai«if enteil: H. oBather / Vertat Der Stara Berlia-Hateasee Qewkiftutelle and Aaxeifea-Aaaahaie: Berlin W3S I Druck v. Sieffried Seerer. Barlla 142\n\n\\\nA. Jandorf & Co.\nSpittelmarkt Belle-Alliancestp. Gp. Frankfurtepstr. Bpunnenstp. Kottbusep Damm\nGarten- und Balkon • Mobel\nHolz-Kiappmdhel\nm\nfit-\nflach zusammenlegbar\nSessel 3.851 Tisch ca. 85—50 cm 4.751 Bank 6.251 Stuhl 1.95,2.25\nFeldsttthle 48, 95,1.25 mit Lehne 1.25\nTriumphsttihle 2.25\nmit ooc mitArmlehne Q fttr QC\nArmlehne m*o3 u. 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