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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.3", "titre_corps": "Schutz den Schaffenden", "titre_sommaire": "Schutz den Schaffenden", "signature_source": "Heinrich Pudor", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7061, "texte": "Schutz den Schaffenden\nVon Heinrich Pudor\nBekanntlich gehen nicht nur die Krebse rück-\nwärts, sondern die Blicke der heutigen Kulturwelt\nsind sogar vorzugsweise nach rückwärts gerichtet.\nDie Techniker, die Männer der Erfindungen, die Zep-\npelin und Bl6riot, vor allem der unvergeßliche Lilien-\nthal blickten vorwärts und suchten das Land der Zu-\nkunft. Aber die Vertreter der geistigen Kultur\ntreiben einen regelrechten Vergangenheitskultus.\nEinmal in der Form der historischen Forschung und\nWissenschaft, die nicht oder viel zu wenig ihrem\neigentlichen Zwecke, dem Verständnis der Gegen-\nwart und Zukunft zu dienen, nutzbar gemacht wird.\nSie will um ihrer selbst willen bestehen, und zwar\nschon auf den Schulen — hier vorzugsweise als\nKriegsgeschichte. Der geistige Blick des Volkes\nwendet sich in unorganischer und unfruchtbarer\nWeise rückwärts. Und nicht nur innerhalb der\nhistorischen Zunft, sondern auf vielen Gebieten auch\nallgemein im Leben. Die Kultusstätten dieses\nKulturunfuges sind die Museen, — aber mehr und\nmehr in das Werktagleben frißt er sich ein: junge\nLeute, die heiraten und sich einrichten, kaufen alter-\ntümliche Möbel und Porzellane, alte Stiche und Ra-\ndierungen und Gemälde, statt produktiv sich selbst\nins Land der Zukunft zu wagen und zum mindesten\nfür die Produktion der Besten ihrer Zeit das regste\nInteresse zu haben. Dem Schaffenden unserer Zeit\nund unserer Heimat verekeln wir das Leben, ver-\nsagen wir die Anerkennung und warten, bis er ge-\nstorben ist — dann fallen wir wie die Wölfe über\nden zurückgelassenen Proviant her, als ob wir jetzt\nweder Furcht noch Brotneid mehr zu empfinden\nbrauchen, und sagen und schreiben und melden in\nalle Welt: „ein Großer ist gestorben — wir haben\nviel verloren\". Und nun kommen die Hyänen des\nSchlachtfeldes und entreißen den Hinterbliebenen\ndie zurückgelassenen Manuskripte oder Zeich-\nnungen oder Gemälde und wetteifern, den besten\nNekrolog zu schreiben. Denn der Große ist jetzt\ntot, also unschädlich, und die Konkurrenz hat nichts\nmehr von ihm zu fürchten. Im Gegenteil, er ist nun\nder Geschichte eingegliedert, und der historische\nFruchtacker, auf dem man sein Korn und seine\nKartoffeln bauen kann, ist wieder um! ein\nkleines Stück vergrößert worden. Ist es nicht\nekelhaft und widerlich, dieses Treiben, dieses\nStehen und Stoßen auf dem Friedhof, dieses Fest-\nreden und Feiern am Grabe, dieses In-den-Himmel-\nheben? Fatal und peinlich wird die Sache dadurch\nnoch, daß nach dem Tode sehr häufig die öffent-\nliche Meinung ins entgegengesetzte Extrem verfällt\nund einen Kleinen für groß und einen Großen für\nein riesenhaftes Genie ausposaunt. Bei einem wirk-\nlich Großen vermag sie selbst am offenen Grabe\nden Brotneid noch nicht zu unterdrücken, und es\ndauert oft Jahre und Jahrzehnte, ehe die kleinen\nForscher und Alltagskrüppel zugeben, daß da und\ndann ein Genie verblutet ist. Wie hat man\nNietzsche bei seinen Lebzeiten behandelt! In der\nMalerei und in den anderen freien Künsten ver-\nhält es sich ebenso.\nAber das Beklagenswerte ist, daß wir den Sinn\nund das Verständnis für produktive Werte verloren\nhaben, daß auf der einen Seite nur technische, auf\nder anderen nur reproduktive oder distributive\nWerte gewürdigt werden. Die Ueberschätzung des\nTechnischen wurde schon erwähnt. Gegen die\nUeberschätzung des Reproduktiven bin ich seit Jahr-\nzehnten zu Felde gezogen; in der Tat, wir leben in\neinem reproduktiven Zeitalter. Die Ueberschätzung\ndes Distributiven aber, also der Verteilung ge-\ngebener Werte seitens des Handels habe ich in jüng-\nster Zeit zum Ziel meiner Arbeit gemacht; sie zeigt\nsich in charakteristischer Weise, daß wir gemeinhin\nHandel und Industrie zusammenwerfen, als ob sie\nwesensgleich, nicht aber wesensentgegengesetzt\nwären. Der Deutsche aber ist seinem innersten\nWesen nach produktiv veranlagt, und Deutschland\nmuß infolgedessen zu dem Lande der (landwirt-\nschaftlichen und industriellen) Pr o d u k ti o n par\nexcellence gemacht werden, während heute der\nHandel das große Wort führt.\nAuch deshalb sollten wir statt Nekrologe der\nAusgebluteten und Ausgeatmeten Prologe der\nLebenden schreiben. Kultus der Lebenden, der\nSchaffenden unter den Lebenden sollten wir treiben!\nSo lange noch Zeit ist, sollten wir den um ihr Schaf-\nfensheü Bangenden Mut zusprechen, ihnen Stim-\nmung machen, ihnen freie Bahn schaffen und\nihnen von dem Erfolg, der Wunden heilt\nund Saatkörner künftigen Werken legt, so viel\nals möglich rechtzeitig gönnen und geben! Er-\nfolge können zwar auch berauschen und die Selbst-\nkritik lähmen, aber der nicht auszurottende Kon-\nkurrenzneid sorgt schon dafür, daß die Erfolge nicht\nin den Himmel wachsen. Ich kenne nur ein Land,\ndas seinen Dichtern bei Lebzeit und Schaffenszeit\nPensionen aussetzt; das ist Schweden, dieses Land\nder Zukunft. In Deutschland hörte ich noch nicht\ndavon, daß der Kaiser oder der König oder der Staat\noder die Kommune einem Schaffenden eine ein-\nmalige oder eine regelmäßige Prämie zugebilligt\nhätte, damit er der Sorge um das tägliche Brot ent-\nrissen wäre. Die meisten Schaffenden müssen für\nsich und die Ihrigen den Platz für das Bett und den\nHerd erkämpfen. Weil schaffende Arbeit aber heute\nihren Lohn nicht findet und nur Kärrnerarbeit be-\nzahlt wird, kommen sie vor lauter Frohnarbeit nicht\nzu sich selbst. Welcher Schaffende wüßte es nicht,\ndaß er, je höher er strebt, je Besseres er schafft,\ndesto weniger auf klingenden Lohn rechnen kann.\nHinabgezogen wird er auf die Straße, in den Rinn-\nstein, durch den Zwang, Geld zu verdienen. Sollten\nwir nicht alles tun, um Palmen und Lorbeeren,\nEhrensold, Ehrenprämien, Ehrenpensionen auf Ta-\nlente zu häufen? Haben wir den Stolz verlernt,\nMäzene zu sein? Die Ehre, einem Schaffenden eine\nStätte zu bereiten, wo er arbeiten kann? Die Ver-\npflichtung, es zu tun, wenn man mehr hat, als man\nbraucht und selbst nicht schaffen kann? Wenn\nheute ein Schaffender protegiert und unterstützt\nwird, kann man fast immer sagen: Cherchez la\nfemme. Ausgehalten werden ist freilich noch\nschlimmer als zu hungern oder Frohnarbeit zu\nleisten. Es ist richtig, daß die geborenen Geistes-\nfürsten so viel Stolz haben sollen, um „Unter-\nstützungen\" zurückzuweisen — aber ein Ehrensold\nvom Staate oder Landesfürsten, ein Unkostenbei-\ntrag für ein großes Werk, ein Ehrenhonorar, ein\nReisestipendium, das verletzt nicht den Stolz, es\nhebt ihn. Ebenso ist es mit den Biographien und\nMonographien, die nicht beeinflußt und nicht be-\nzahlt dem Verdienste nachspüren.\nStatt des Vergangenheits- und Totenkultus\nmüssen wir einen Kultus des Lebenden und der\nLebenden treiben, für die Zeugenden unserer Kunst\nmüssen wir Heimstätten schaffen. Wirklich — wie\nwäre es mit Dichter- und Künstler-Heimstätten?\nVorausgesetzt, daß sie Freiheit ließen. Für die re-\nproduzierenden Schauspieler und Musiker gibt es\nsolche Heimstätten, nur nicht für die Schaffenden.\nWir haben den Tierschutz seit langen Jahren. Wir\nhaben seit junger Zeit den Naturschutz, Land-\nschaftsschutz, Waldschutz, Denkmälerschutz und\nMutterschutz. Wollen wir nicht auch einmal an\nMenschenschutz denken? An den Schutz der Schaf-\nfenden?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "140", "page_fin": "142", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.4", "titre_corps": "Sühne", "titre_sommaire": "Sühne", "signature_source": "Oskar Baum", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.2", "debut_caractere": 7063, "fin_caractere_exclue": 12151, "texte": "Sühne\nVon Oskar Baum\n\nIm verzweifelten Zorn, in der dunkeln Wut über\nden Tod seines Weibes zog der edle Herr von\nArmpach mit dem Rotbart gegen Rom. Sein ein-\nziges, den kleinen Ulmar, ließ er seinem Vetter\nauf Gallersberg. Für immer, wie es sich dann ergab.\n_ Der Junge hatte frauenhafte Augen und Haar\nvon mattgoldener Seide. Aber er lief, sprang, focht\nund ritt so viel und wild wie alle, bekam wuchtige\nKnochen und trank bald mannhaft wie des Papstes\nKellermeister am Sonntag.\nDa wurde der Vetter des lärmenden Gastes satt,\nder mit allen Freunden Händel hatte und auch zur\nBrutzeit hinter dem Wild her war, und wenn der\nGallersberg selber vor Aerger geborsten wäre.\n„Zeit ist, daß du dich um Armpach kümmerst,\nUlmar! Die Nachbarn wollen sich darein teilen\nund es wäre schade drum.\"\nAber Ulmarn gefiel es hier, und ihm graute\nvor den verrosteten Felsennestern, wo sicher die\nKeller leer waren und die Bauern das Gehorchen\nvergessen hatten. Er fing an, sich mit Vetters\nHilde zu vertragen. Mit der zwölfjährigen Hilde,\ndie leise und gut war und das ganze Schloß regierte,\nweil sie zu jedem demütig sprach, so daß sich alle\nsputeten, zu erraten und zu tun, was sie sich wün-\nschen könnte.\nEr ließ sich an einem Seil in den tiefen Teich,\num einen Ball für sie heraufzuholen, und er tauschte\nsich für ein heiliges Amulet, das ihm vom Vater\ngeblieben war, ein goldgewirktes Tuch ein, weil\nes ihr bei einer Freundin gefallen hatte.\nDas Ende von der Sache war, daß der Vetter\nsich zufrieden gab; die beiden miteinander ver-\nlobte und dem Junker zusagte, sie werde sein Ge-\nmahl, wenn er in vier oder fünf Jahren als Herr\nauf wohlversehenem Erbe sie zu holen käme.\nViel blutige Arbeit fand er wohl, aber sein\nVetter hatte ihm einen tüchtigen Haufen eiserner\nKnechte mitgegeben, und einige schwächere Nach-\nbarn boten ihm Freundeshilfe.\nHart und lange war eigentlich nur die Fehde\nmit dem Pellsteiner. Sein Weib, hieß es, wollte\nnicht nachgeben; sein schönes Weib, von dem so\nkitzliche Geschichten umgingen. Ganz weiß und\nbiegsam wie Kirschblütenzweige im Wind waren\nihre Glieder und ihre Haut war so heiß wie Eisen\nunterm Schleifstein. Einen, der die Mauer hinauf-\nkletterte und durch die Spalten im Fensterladen\nzusah, wie sie zu Bette stieg, ließ sie ins Verließ\nwerfen, und Nacht für Nacht mußte man ihn an\nihr Bett fesseln. Der Pelisteiner, ihr Mann, zog\neine krause Stirn; aber sie zuckte mit den Schul-\ntern, und er schwieg. Der junge Waffenknecht\nstand Nacht für Nacht von abend bis früh an ihr\nBett gefesselt, bis er von Sinnen kam und einmal\nbeim Losschnallen mit allen Vieren ausschlug,\nSchaum vor seinem Munde floß und seine Zähne\nsich festbissen in die Holzlehne des Bettes; die\nNägel aber krallte er sich ins Fleisch und entmannte\nsich mit den eigenen Fingern. Es wäre vielleicht\nmit klugen Verhandlungen alles beigelegt worden,\naber Ulmar fühlte sich als der Stärkere, und es\nfreute ihn, mit seinem rauflustigen Fähnlein die\nBurg zu berennen. So ein wildes Weib, und jetzt\nzitterte sie vor ihm.\nLange Wochen berannte man umsonst. Viel\njunges Blut spritzte gegen Fels und Mauer. End-\nlich konnte man mit dem Hunger in der Feste\nrechnen. Ein gerüstetes Pferd und ein Kettenhemd\nversprach Ulmar dem, der die Pellsteinerin wohl-\nbehalten gefangen brächte.\nEines Nachts, als unverhofft das Feuer atis den\nBurgfenstern schlug und Ulmars Leute zu leichter\nArbeit aus dem Schlaf weckte, verdiente einer den\nPreis. Den Pellsteiner hatten die eigenen Leute\nerschlagen, weil sein Weib sich mit dem Mehl die\nWangen weißte, das er ihnen vom Munde absparte.\nZwei Knappen ritten zum Hofe herein, vom\nHuf bis zur Sturmhaube weißgrau von Reisestaub\nund müde; sonst aber jung und stattlich, und mit\nWämsern in gleichem Rot. Ulmar lehnte am weiß-\nblühenden Lindenbaum beim Brunnen und befahl\nden Knechten, welche die vom Winter gerissenen\nSprünge und Löcher in der Burgmauer mit Stein\nund Lehm flickten.\n„Vom edlen Herrn zu Gallersberg Gruß und\nBrief.\"\nDer Armpacher wurde glutrot vor Freude.\n„Wie? Der Vetter? Lebt er noch? Wie geht es\nihm und den andern allen? Was macht der Raben-\negg> der zornige Kerl mit der Judennase? Erzählt\nmir doch! Seid Ihr schon lange in der Gegend\ndort?\"\nDie Knappen erzählten ehrerbietig, was sie\nwußten; darunter, daß der Vetter todesmatt von\neiner bösen Krankheit sei. Der Teufel würge ihn\nvon Zeit zu Zeit, daß er zu ersticken glaube, und\nder Junker Rolf kam vom Königshof ausi Prag,\nsein Erbland zu wahren und dem Vater die Augen\nzuzudrücken.\n„Jetzt ist er vielleicht nicht mehr\", murmelte\nUlmar und blickte finster vor Schmerz.\n„Wir sollen auf Antwort warten, weil es Eile\nhat.\"\nDer Armpacher las dasl Stück Pergament, das\nnicht verschlossen war, weil es kein Geistlicher\nbrachte und kein gelehrter Ritter, der es hätte lesen\nkönnen. Er atmete mühsam, reckte sich aber\nstählern und wandte den Kopf ein paar Augen-\nblicke zur Kemenate der Pellsteinerin hinauf. Dann\nholte er einiges ailte Frauengeschmeide von seiner\nseligen Mutter oder vielleicht schon von der Ahne\nund ließ Rolf bitten, ihm Hilde, seine Braut, mit\nritterlichem Geleit zu senden. Et würde ihr auf"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9456, "texte": "halbem Weg entgegenziehen und sie mit Prunk\nins Armpacher Erbschloß führen.\n„Und ich?\" fragte sie ohne Betonung, aber ihre\nAugenlider zuckten und sie schlug mit dem Horn-\ngriff ihrer Reitgerte immer grimmiger auf den\nEichentisch, gegen den sie den Rücken stemmte.\nKnapp vor ihr Ulmar, der standfest und unanfecht-\nbar auf ihr Haar sah. Das war rabendunkel und\nglänzend.\n„Ich werde mein Gelübde dem Kind nicht\nbrechen; der Rolf und seine Freunde sind mir auch\nzu gefährlich.\"\n„Und ich?!! Drei Jahre meiner Schönheit habe\nich mit dir vergessen. Meine Verwandten werden\nmich nicht als niedrigste Magd um dich dulden.\nWohin soll ich?\"\n„Ich habe niemandem etwas versprochen. Ich\nlasse meine Gefangene ohne Lösegeld ziehen, von\nmeinen Leuten ritterlich über das Gebirge führen\nzu irgend einem Vetter oder Geschwister.\"\nSie schlug mit ihrem Gertengriff gegen einen\nBierkrug, daß er in Scherben und Splittern zu Boden\nklirrte.\n„Wäre es dir lieber?\" brauste er auf, „wenn\nsie mich irgendwo in der Fehde erschlagen und\ndu von ihnen davongejagt wirst?!\"\n„Aber Narrheit!\" brummte sie und wurde nach-\ndenklich. „Schließlich ist sie noqh nicht hier. Ein\nBlitz kann sie erschlagen oder ein verschmähter\nLiebhaber. Sie kann krank werden. Man könnte\neine Krankheit übrigens auch zubereiten. — Nein!\"\nSie hatte es gefunden und ging mit Schritten durch\ndas Zimmer, die von Siegerhochmut dröhnten. „Du\nkannst sie kommen lassen, ja. Du wirst sie kommen\nlassen.\"\n„Und??\"\n„Und . . . irgendwo lauert ihr ein Räuber auf,\nder das Visier nicht hebt und mit seinem getreuen\nHaufen die ganze Reisegesellschaft zusammenhaut.\nDas könnte nicht schwer sein, weil man sich den\nOrt aussuchen kann.\"\nUlmar bekreuzigte sich. „Was, wenn ich lieber\ndidi erschlüge?!\"\n„Mich?\" Verblüfft blieb sie stehen. „Von mir\nweißt du, was man zu wissen braucht, und daß wir\nsehr vergnügt miteinander auskommen, bisher be-\nhaglich zusammenblieben und in allen Stücken zu-\nfrieden waren. Was tust du, mein Lieber, wenn\nes dir so geschieht wie dem Tannwarter, der eine\nFrau bekam, die keine Frau war, oder dem Wilfer-\ndingen, mit seinem Ehegesponst, dem auch die\nKnechte genügten. Oder denk an die Gräfin von\nWolfenrot, die sterbebleich zu weinen nicht auf-\nhörte, wenn er sie mal um den Leib nahm. Und\ndie Luxenhorn, die vorgequollene Augen bekam,\nweil sie kein Kind hatte, und die Liebenfeld mit\nder tollwütigen Eifersucht, und die . . . .\"\nBlutiges Gewimmel und Kampfgeklirr durch das\nDoppeldunkel einer Wildnis im Walde. Pferde\nwälzen sich in letzten Schmerzen; Lanzensplitter\nreißen schlafende Mädchenherzen auf; mit Todes-\naugen liegen die Schützen starr im Gras umher.\nDarüber hin tobt die Kampfwut der verzweifelten\nLetzten. Es schwirrt und gellt von blutnassen\nSchwertern und Befehlen, die niemand versteht.\nEin Knirschen berstender Helme — — gestöhnte\nFlüche. Vom Haufen gesprengt flüchten und ver-\nfolgen Vereinzelte dort und da durch das Dickicht.\nUlmar wußte nicht viel vom Strauß. Die Seinen\nhieben ihm die Bahn frei und die er suchte, war\nbald gefunden. Er hob sie vor sich aufs Roß.\nEilig ging's tiefer in den Wald.\nGern fühlte er den Druck der jungen Leibes-\nlast auf seinen Knien. . . . Dies zitternde zarte\nDing wäre also mein Eheweib geworden! Weich\nund eckenlos kam sie ihm vor wie eine Aprikose\nohne Kern. Was sie wohl von ihm dachte?! Ob\nsie ihn in diesem unwahrscheinlichen Zusammen-\nhang erkennen würde?\nIn voller Nacht hielt er vor einer kleinen Lich-\ntung. Das Mondsilber sickerte hier nur in schlanken\nStreifen zwischen den Wipfeln durch.\n„Wenn Ihr mich nicht zu sehr fürchtet, hoch-\ngeborenes Fräulein, will ich hier absteigen, wo wir\nnicht völlig im Dunkeln sind. Ich möchte Euch dar-\nüber aufklären, daß ich kein Räuber bin, wie es\nscheinen könnte, sondern wohlgeehrter Lehensritter\ndes Reiches. Ich habe Euch einen größeren Dienst\nerwiesen, als Euere Mutter vor sechzehn oder acht-\nzehn Jahren. Ich kenne den Armpacher besser als\ndie, welche Euch ihm angelobten. Ich mußte Euch\nretten, setzte ich mir vor, und ich vergönnt Euch\nihm auch gar nicht. Er ist ein wüster Gesell,\nbei meinem Eid, und hat Jahr und Tag ein gif-\ntiges Weib bei sich, die Euch nicht lebendig in ihr\nBett gelassen hätte. So stand es um Euer Glück!\"\nEr hielt die Hand auf dem Hals des Pferdes,\ndas er an einen Baum band, und sah scheu zu dem\nstummen Schleier auf, der sie weiß umwallte. Sie\nsaß noch immer ohne Regung, wie aus Stein ge-\nhauen. Da zog er sein Schwert, faßte es an der\nSpitze und reichte ihr den Knauf. „Es ist nur\nbillig, wenn Ihr mir nicht traut.\"\nMit beiden Händen hielt sie den Schwertgriff\nfest, sonst aber rührte sie sich nicht. Da faßten\nUlmar Schauer der Erwartung, auch prickelnde\nBegier nach Ueberraschung, und die Sehnsucht, das\nGesicht hinter dem Schleier zu erblicken. Er hob\ndas Visier.\n„Ich glaube, daß Ihr mir wohlwollt; aber warum\nbringt Ihr mich dann nicht unter Dach?!\"\n„Das kann ich nur, wenn Ihr mich Euerem\nBräutigam vorzieht.\"\n„Ihr seid mir fremd.\"\n„Erkennt Ihr mich nicht?!\" Er reißt ihr den\nSchleier vom Haupt und wirft ihn mit dem Schwert\nweit fort. „Wir sollen beide ohne Wehr sein!\"\nEr faßt sie kraftvoll um die Seite ....\nAls er in Schlaf verfiel, entwand sie sich ihm,\nkroch durch das Moos und suchte das Schwert.\nOb er auch so mannhaft und liebevoll, so stürmisch\nund ehrerbietig war; derj dem sie nun den hei-\nligsten Eid gebrochen, den sie um sein Gemahl\nbetrogen hatte ?! Sie fand das Schwert. Wäre\ner gesühnt, der andere, den sie gar nicht mehr\nkannte, der Vetter Ulmar? Wäre er gesühnt, wenn\nsie diesen Herrlichen hergab, dem sie das Höchste,\ndas Einzige war? Der ihr sein Schwert, sein Leben\nin die Hand gab, als sie ganz in seiner Gewalt\nstand. Sie kniete und betete: „Gott, sieh auf mich!\"\nDann beugte sie sich über ihn. Sein Hals glänzte\nmädchenhaft neben den sonnbraunen Wangen und\ndem dunkeln Bart.\n„So straf ich mich für deine Sünde!\" Bitter\ngellt der Schrei zu ihrem wilden Schluchzen. Er\nschlägt die Augen auf, sie stößt zu.\nGott hat ein Zeichen getan, daß ich die Kraft\nhatte, dachte sie, als sie bis zum Morgen durch den\nWald ritt und sich an Dörfern und Meierhöfen\nvorbei zum Armpacher durchfragte. „Es war bei\nGott geschworen, wem ich zugehören soll, und\nder dagegen frevelte, der Kühne, den hat Gott\ngeschlagen um seines heiligen Namens willen!\" —\nWeißgrau von Reisestaub ritt sie zum Hof\nherein. Am Brunnen vorbei und an den blüten-\nschweren Linden.\n„Zum Ritter wollt Ihr? Eine wichtige Mel-\ndung? — Ja, er ist taub und stumm. Die Leiche\nliegt dort drüben in der Burgkapelle. Dort könnt\nIhr auch die Herrin finden, die jetzt hier befiehlt.\"\nEin kühler Dämmer durchfröstelte den niedern\nRaum. Die Fliesen klangen unbeweglich stumpf\nund steinern unter den Sohlen. Unbeweglich stumpf\nund steinern wie das bleiche Weib mit den roten\nAugen, das auf dem Fußboden neben der Bahre\nkauerte. Sie regte sich nicht und Hilde trat schon\nnahe heran: „Was für ein Höllentrug!? Das ist er\nnicht. — Das kann er doch nicht sein!\"\nDie roten Augen bohrten sich in ihr Gesicht:\n„Wer nicht? Wer, glaubst du, nicht?\"\n„Den Mann habe ich mit diesen Händen doch1\nerschlagen. — War es nicht Gott?!\"\nDas Weib am Boden nickte: „Gott.\"\n„So war er 's selbst, und Gott hat mich ver-\nsucht. So unbezwinglich heftig zog es mich zu\nihm! Und seine Liebe schlug um mich; so süß,\nso süß! Wie konnte ich das für Sünde halten?!\"\n„Es war auch Sünde,\" nickte das Weib am\nBoden. 1 r i i\n„Du giftiges Weib! Dich nannte er giftiges\nWeib! Wir waren mit jedem Kuß in Gottes Recht.\"\nDas Weib am Boden nickte: „Und allen ge-\nschah recht, Gottes Recht uns allen!\"\n„Warum nur hat er sich verstellt ?f\"\nDie roten Augen hoben sich wieder: „Höre,\ndummes Kind! Warum du jammerst, frage doch!\nHat dir die Liebe wohlgeschmeckt? Nur zu! Sie\nwird dir immer süßer schmecken. Die schönsten\nJunker aller Welt werden sich die Kniee wund\nknien, um dir dies Glück bereiten zu dürfen. Du\nglaubst, das ist Sünde? — Alles ist Sünde, viel-\nleicht auch das Beten, wenn es wohltut. Aber sün-\ndigt nur zuletzt, wenn's Euch zu viel wird, kommt\nein Mönch und alles ist, als wäre es nicht ge-\nschehen, wenn Ihr nur wollt; und dann, wenn Ihr\nermüdet seid, dann wollt Ihr schon, und in den\nfrommen Häusern ist es kühl! Du glaubst mir\nnicht?! Ich habe diesen Mann hier hingeschickt,\num dich zu morden; hab' dich zur Mörderin ge-\nmacht und ihn gemordet. Ich gehe in ein Kloster,\nbete ein wenig, und ehe ich sterbe, bin ich eine\nHeilige!\"\n„Du hast ihn in den Wald geschickt, um mich\nzu . . .\"\nMit Todesgrauen schrie sie es und hielt die\nHände mit gespreizten Fingern starr vor sich, nach\nrückwärts fliehend, die furchtgebannten Blicke den\nroten Augen zugekehrt, die zornig zitterten:\n„Schreie nicht, schreie nicht! Sie schlagen mich\ntot, wenn sie es hören.\"\nSie aber schrie und lief zum1 Brunnen, wo die\nblütenweißen Linden standen. „Gott hat gesündigt!\nDie ihm blind gehorchen, sind gestraft.\" Wie hin-\ngeworfen fiel sie auf den Boden, wand sich in\nheißem Weinen und in Krämpfen. Immer mehr\nBurggesinde umstand sie, flüsternd und ratlos.\nAm nächsten Morgen wurde die Pellsteinerin\nverbrannt, weil es sich erwies, daß sie durch1\nHexentrank den Armpacher gezwungen hatte, das\nSchwert in den eigenen Hals zu stoßen.\nAber die junge Braut und Herrin jetzt ließ bald\nnachher die unvermählten Ritter im ganzen Lande\nzu sich laden, damit sie unter ihnen wähle. Und\ndie Bedingung stellte sie, daß jeder einzeln und\nvöllig unbekleidet sich ihr in ihrem Prunkgemach\nerkläre, weil sie nur so entscheiden könnte, wer\nder schönste sei."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "141", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.4.1", "titre_corps": "Menschenköpfe", "titre_sommaire": "Menschenköpfe", "signature_source": "Oskar Kokoschka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 165, "texte": "Menschenköpfe / Zeichnungen von Oskar Kokoschka\nII Adolf Loos / Wien / Über die Bedeutung dieses Architekten spricht Richard Schaukai in Nummer 13 dieser Zeitschrift"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "143", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.5", "titre_corps": "Eine Begegnung", "titre_sommaire": "Eine Begegnung", "signature_source": "Berthold Viertel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.4", "debut_caractere": 9458, "fin_caractere_exclue": 11250, "texte": "Eine Begegnung\nVon Berthold Viertel\nEs war an einem unklaren Vorfrühlingstage.\nDie Atmosphäre, voll dumpfer Erwartung, quälte\nmich. Ich ging planlos, der inneren Stadt zu, und\ndrang, Beruhigung suchend, in das Gewirre der alten\nGassen.\nIn den alten Gassen war es anders. Nichts von\nErwartung, nicht die Unruhe des Vorfrühlings. Der\nungewisse Himmel schien hier, über all dieser zu-\nsammengekauerten Enge, vom Leben vergessen,\nvon Gegenwart und Zukunft endgültig abgeschieden.\nGierig tastete sich mein Gefühl in den feuchtkühlen\nSpleen der Vergangenheit, der leise und stetig aus\nden zusammengeschrumpften Häusern aufstieg.\nDa kam mir, plötzlich aus einem Gäßchen\nbiegend, eine alte Dame entgegen.\nThr gelbes, spitzes Gesicht war abgestorben,\nmondeskalt. An den Mundwinkeln waren zwei\nfamose Falten, voll toten Kummers, die sich mir ins\nHerz fraßen, als ich sie sah. Auch lächelte der\nMund, ohne sich zu regen, im Lächeln erstarrt.\nAber die Aug:en bewegten sich. Diese hellen,\nwie farblosen Augen wanderten umher, schnell und\nsinnlos. Verirrte. 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Und wenn der Wind\nan den Fenstern der Gräfin Regina vorbeiflog,\nstockte er eine Weile und suchte in dem Dämmer\ndes Salons nach den gelben Haaren Marta-Biankas\nund nach ihren Augen. Die standen groß und\nschimmernd im Hintergrunde, dort, wo es am dun-\nkelsten und stillsten war, und sahen zu den Wol-\nken, die mit Seide und Damast den Himmel ver-\nbargen. Die Augen Marta-Biankas waren wie eine\nTür in einem hellen Saal. Nicht tief, wie die der\nGräfin. Aber sie blieben lange Stunden treu an\neinem Bilde oder einem Munde und konnten wun-\ndervoll leuchten. Sie hatten einen Grund wie ein\nBach mit kleinen Kronen und winzigen Zacken,\nals hätte dort jemand goldnen Lack verstreut.\nJetzt blickten sie starr und schimmerten, und woll-\nten nicht von den Wolken fort, und blieben dort\nbeinah den ganzen Tag. Sie zuckten nicht und\nließen es ruhig geschehen, wenn aus der Weite\nihres Herzens, fern, ganz fern, eine Träne aufstieg,\ndie auf den Teppich niederfiel und glühte. Marta-\nBianka weinte. Sie weinte in einer verwunderten,\nheftigen Traurigkeit, die sich in ihre Seele verirrt\nhatte, wie ein Kind, in einem unsagbaren Staunen,\ndaß sie daran nicht zerbrach wie ein Spiegel. Sie\nwußte nicht, wie lange sie schon weinen mußte.\nSie dachte nicht, sie fühlte nur, wie ihre Tränen\nfielen, mühselig und nach einem langen Weg,\nbrennend wie heiße Steine, die ihr den Hals ver-\nsengten.\nDie Gräfin Regina ging an den bitteren Tränen\nMarta-Biankas vorüber, ohne ein Wort. Aber ihre\nSeele war weiß geworden wie der Schnee und\nwie die Haare an ihrer Schläfe, die ihr der kleine\nSpiegel hinter dem Vorhang zeigte, wenn sie beim\nFenster saß und fror. Ihre Liebe zu Valentin pei-\nnigte sie, und sie litt unter ihr. Darum kam es wie\ngroße Bangnis, ein zärtlicher, unsagbarer Schmerz\nin ihr Leben, als sie das Glück ihres Kindes in\nden bebenden Tränen zerrinnen sah, die in das\ndunkle Gewebe des Teppichs silberne Schnüre\nstickten. Sie durfte nicht fragen, weil sie die Seele\nMarta-Biankas kannte und wußte, wie scheu und\nschreckhaft sie sich fürchtete. Sie mußte dabei\nsein, wenn unter dem gelbgoldenen Haar das blasse\nGesicht mit den weiten hilflosen Augen wie ein\nBildnis wurde, ernst und reglos und ohne Freude.\nSie mußte dabei sein und schweigen. Sie sah die\nDunkelheit im Herzen ihres Kindes und klagte\njenen an, der die Lichter zerblies, die fromm und\nsehnsüchtig darin brannten. Ihn, den jungen Baron,\nden sie unter Zweifel und Zagen eine Zeitlang\nfast geliebt hatte, weil er soviel Trunkenheit und\nGlück, und ein heißes, vergeßnes Lachen in den\nAugen Marta-Biankas entzünden konnte, daß sie\nam Beginne fast gestorben wäre. Und am Glücke\nzu sterben, wenn es zu groß, zu wild und schmerz-\nhaft für den Leib geworden ist, wenn es die Seele\ntötet und das Herz verzehrt wie einen Lappen,\ndas müßte der schönste Tod sein im Leben. Daran\nhatte die Gräfin oft und lange gedacht, wenn die\nWangen Biankas weiß und durchsichtig schienen\nwie die Flamme einer Kerze, und ihre Haare ver-\nlöschten und hell und trocken wurden in einem\nseligen Fieber. Die Gräfin wußte, wie es ent-\nstanden war mit dem Baron und ihrem Kind.\nValentin hatte es ihr wohl hundertmal erzählt, wenn\nsie in Angst um diese fremde Liebe in seinen Armen\nlag, und er sprach immer wieder davon, zwischen\nKüssen und den lüsternen Wunden, die er mit\ngrausamen Zähnen in ihren Leib graben konnte,\nweil es sie quälte. Nun wuchs ein Gram und ein\nGroll in ihr gegen den jungen Räuber, der das\nLeben Marta-Biankas in die Hände nahm wie eine\nSchachfigur, der ihr die Liebe aus der kindlichen\nSeele gezerrt hatte mit dem verwegnen und ge-\nfährlichen Spiel seines Mundes, der diese Liebe\njetzt folterte und ihr wehe tat — Gott wußte,\nwas er damit begann. Sie hatte schon seit langem\nnichts mehr von den Beiden erfahren, sie blieb\neinsam und abgeschieden, und niemand besuchte\nmehr den roten Salon, weder Daniel Jesus, noch\nder Baron Sterben, noch sonst wer. Nur Valentin\nbetrat täglich ihr Zimmer, und ihre Kniee zitterten,\nwenn sie seinen Schritt vor der Türe hörte. Er\nwar böse und gewalttätig. Er schlug sie mit seinen\ngroßen, knochigen Händen, daß tiefe Striemen ihre\nfeine, gelbe Haut durchschnitten und sie die Zähne\nzusammenbeißen mußte, um nicht laut zu schreien.\nAber sie konnte ihm nicht mehr entrinnen, er war\nihr Herr, und sie kniete vor seinen Füßen und\nbat um Barmherzigkeit. Dann hob er sie zu sich\nin die Höhe und riß ihr den Kopf ins Genick und\nküßte sie, daß sie alles vergaß, daß ihre Zunge\nschwer und zischend in ihrem Halse hing wie\nglühendes Eisen, daß ihre Besinnung zerfiel wie\nein Kartenhaus, und sie wie ein Gewicht mit\nstöhnendem Schrei zu Boden sank.\nAuch Valentin hörte nichts mehr von Marta-\nBianka und dem Baron. Ihre Liebe war von Tag\nzu Tag immer heimlicher und versteckter geworden.\nUnd die Gräfin stand wortlos und voll Schrecken\nvor einem Rätsel, dessen Lösung sie bange er-\nwartete. Schon sieben Tage flössen die Tränen\nMarta-Biankas in den Teppich mit den phantasti-\nschen Linien und den dunklen Farben, der den\nBoden des Salons wie ein Wunder bedeckte. Und\nsie wurden immer glühender und schmerzlicher.\nEs war in ihnen ein Glanz von Blut und Traurig-\nkeit, daß sie zuweilen niederfielen wie seltene,\nschöne, purpurne Steine. Ihre Augen, die groß\nund schimmernd im Dunkel des Hintergrundes\nstanden, sahen nun schon eine Woche starr und\nunbeweglich zu den Wolken hinaus und ihre Hände\nzitterten wie die Blätter des Gartens im Wind.\nHerb und angstvoll wuchs die Sorge der Gräfin\num ihr Kind. Sie wurde krank und häßlich im\nKummer, und ihre Geberden alterten. Und jede\nTräne, die Marta-Bianka weinte, grub eine Linie\num ihren Mund.\nMarta-Bianka erwachte in einer Mainacht wieder\nvor dem Mond, der in ihr Zimmer wie ein blü-\nhender Baum schien, hell und silbern. Sie hatte\nvon dem Abend geträumt, als sie in bloßem Hemd,\nmit Mantel und ohne Schuhe durch die Straßen\ngelaufen war, um das Haus des Geliebten zu finden.\nSie schlug die Augen auf und sah die Mutter vor\nihrem Bett knien und beten. Der Mondschein\nflackerte auf den weißen Haaren und dem bleichen\nGesicht. Und Marta-Bianka erkannte, daß tausend\nSchmerzen und Bitterkeit und Angst darüber hin-\nweggegangen waren, seit sie zum letztenmal hin-\neingeblickt hatte, vor wenigen Tagen erst, bevor\nsie in die roten Wolken zu schauen begann. Da\nzog eine große, ausschweifende und weite Sehn-\nsucht in ihr Herz. Sie schlang die Arme um den\nschönen Hals der Gräfin, über den eine arge blu-\ntige Schramme lief. Sie küßte die Hände, die für\nsie beten wollten, den Mund, der so häßlich ge-\nworden war in wenigen Tagen, sie weinte wieder\nund wieder ihre großen, schimmernden Tränen, in\ndenen ihre Traurigkeit und ihr Blut, ihre arme ge-\ntäuschte Liebe, ihr hohes, klingendes Herz sich\nfanden und die sich im Lichte des Mondes zu-\nsammenflochten wie zu einem Strauß. Und sie\nerzählte der Mutter alles. —\nBaron Sterben war tot. Gestorben in den\nArmen Hagars, der Zigeunerin. Seit die der\nSchuster aus seinem Haus gestoßen hatte, war sie\nzu dem Baron zurückgekehrt. Er versteckte sie\nvor Marta-Bianka, und während er mit törichten\nLügen ihren kindischen Mund verschloß, während\nseine Hände ihr bernsteingelbes Haar streichelten,\nstand nebenan im Zimmer die Zigeunerin und war-\ntete auf die Stunde, die ihn wieder ihrem Leibe\nschenkte und seinen hungrigen Lüsten. Er hatte\nHagar verboten, sich zu zeigen, wenn die andere\nbei ihm weilte, und ihre trotzige Widerrede mit\neinem Blick zersägt, vor dem sie verstummte. So\nbelog er Marta-Bianka wochenlang, und ihr ein-\nfaches, großes Herz glaubte ihm und blickte rot\nund selig wie die Sträucher in seinem Garten. Bis\nsie dann eines Tages vor ihm stand und in seine\ntoten Augen sah. Da wußte sie alles. Er lag\nim Bett, die Zigeunerin neben ihm, und ihre Augen\nwaren in namenlosem Entsetzen stehen geblieben\nwie eine Uhr. Marta-Bianka war eine Stunde früher\ngekommen als sonst und ohne zu fragen einge-\ntreten, wie sie es immer tat. Auf seinem Gesicht\nstand noch das Entzücken der Liebe, an der er\ngestorben war. Im wirren Taumel zerbrach sein\nfeines und nervöses Herz zwischen der Lust und\nder Glut der jungen Zigeunerin, die ihn mit ihrem\nmagern Körper getötet hatte wie mit einem Messer-\nschnitt. Die Liebe hatte sein Herz zersprengt und\nseine Seele zerrissen wie ein Tuch. Die Zigeunerin\nkniete neben ihm im Bett, ihr Hemd war herab-\ngeglitten und zeigte ihre kleinen, gefahrvollen\nBrüste. Sie kniete stumm neben seiner Leiche. In\nwirrem Schrecken starrte sie auf Marta-Bianka, die\nweiß wie eine Blüte zum Bett des Geliebten trat\nund ihm in die gebrochenen Augen schaute. Das\nEntzücken, das ihr daraus entgegenstarrte, ver-\nglast und trüb geworden im Sterben, verbrannte\nin heißem Leid ihr Herz wie eine Flamme. Sie\nwar plötzlich kein Kind mehr. Sie wußte und ver-\nstand alles. Ihre Liebe war ein Traum gewesen,\neine Lüge von Anbeginn. An einer fremden Liebe\nwar der da gestorben. Das Märchen war vorüber.\nEr hatte mit ihr gespielt wie mit einem Lächeln.\nWeil sie Augen wie eine Ampel hatte und bern-\nsteingoldenes Haar. Er hatte ihre Seele und ihren\ndreizehnjährigen Leib genommen, der beinahe zer-\nbrochen wäre im Glück, wie nun sein Herz an\nder Liebe der Zigeunerin. Doch er hatte Raum\ngehabt neben ihr für fremde Augen und fremde\nKüsse, während ihr Leben voll war bis zum Rand\nvon dem seinigen. Er hatte Platz gehabt neben\nihrem Herzen für eine fremde und heftige, zehrende\nund blinde Leidenschaft, für die er gestorben war,\nohne sich an Bianka zu erinnern, fern von ihrem\nNamen und ganz erfüllt von dem schäumenden\nGlück einer anderen Stunde, in der er ertrank.\nMarta-Bianka schämte sich. Sie schämte sich, daß\nsie ihm angehört hatte und seine Geliebte gewesen\nwar. Sie schämte sich, daß sie sich selbst und ihr\nganzes Leben ihm geschenkt hatte, für den sie\nnicht mehr bedeutete, wie ein Spiel oder eine kleine,\nlächelnde, verliebte Laune.\nIhre Liebe verflog wie die Staubkrone des\nLöwenzahns im Spätsommer, wenn der Sturm sie\nzerstört. Nur das Gift der Traurigkeit blieb in ihr,\nder großen, unendlichen Traurigkeit, die nur ein-\nmal im Leben kommt, wenn unsere besten Stunden\nvorüber sind und niemals wiederkehren.\nSie sah mit einem langen Blick auf die Zigeu-\nnerin, die noch immer von Entsetzen gefesselt neben\nder Leiche des Barons Sterben kniete. Sie wandte\nden Kopf und ging nach Hause. Ihr Herz war\nverdorrt und ihre Seele in Nöten. Und ihre Tränen\nfielen endlos wie ihr Kummer. Sie schämte sich1\nund bereute. —\nSo erzählte Marta-Bianka der Mutter die Ge-\nschichte ihrer Liebe. Mit großen Augen hörte die\nGräfin zu und mit zuckendem Munde. Die Ge-\nschichte seines Todes erschütterte sie. Sie mußte\nan sich und Valentin denken und fühlte das duf-\ntende Licht der Nacht auf der Narbe an ihrem\nHalse spielen. So war die Liebe von Anbeginn,\nimmer und immer wieder, seitdem sie sie kannte,\nTränen und Wunden, und Trauer und Grausam-\nkeit. Und sie nahm den Kopf ihres Kindes mit\nihren weißen und schönen Händen, zwischen deren\nFingern eine bunte Sinnlichkeit flackerte, und be-\ndeckte die Wunde an ihrem Hals mit den Haaren\nund den Tränen Marta-Biankas. Und sie weinten\nbeide zusammen in dieser Frühlingsnacht und hielten\nsich mit den Händen und weinten, bis der Mond\nblaß wurde und am Ende verschwand, und bis\ndrunten im Garten ein Vogel im Schlaf von den\nRosen des Sommers zu sprechen begann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.7", "titre_corps": "Labyrinth", "titre_sommaire": "Labyrinth", "signature_source": "Chammay Pinsky", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1903, "texte": "Labyrinth\nVon Chammay Pinsky\nAus Deinem Schlafe schöpf ich meine Träume,\nIch singe wie Dein Leib, wie Deine Nächte —\nIch singe wie Dein Blut.\nWenn ich in einem Lied, in einem Märchen\nVon einer Königin erzähle,\nDie einen armen Sänger liebte —\nSo sind wir's beide.\nUnd wenn ich dann von einer braunen Hirtin,\nDie einen großen König liebte, singe —\nSo sind wir's wieder.\nWenn nachts ein Engel, auf dem Monde reitend,\nZu meinem Bette kommt und meine Träume\nstreichelt\nUnd meine Lieder singt, damit ich schlafe —\nIch weiß — Du bist es!\nIn einer Urgewitternacht —\nWenn aus dem Herz des Donners mir entgegen\nEin großes Schauer wunder, eine Lilith,\nHervorblitzt —\nMit Armen und mitFüßen mich umschlingend,\nAls wolle sie mein krankes Haupt\nMit Blutgewalt der Donner ihrer Brüste\nZerstürmen —\nDu bist es wieder!\nIch seh Dich in Jerusalem\nAuf Gipfeln heiliger Berge,\nWo einst Propheten standen,\nVor Augen scharfer Sonne\nDen schönsten Jüngling küssend —\nUnd seh Dich in den Tempeln\nDer alten großen Heiden\nAls kindlich schöne Priesterin\nIm heiligen Irrtum\nDen Weihrauch, statt dem Abgott,\nDem jungen Priester reichend . . .\nUnd in Aegyptens Labyrinthen\nNach einem Wandertage, einen Ausgang suchend,\nDann kommt am Abend, wie ein Rest der Sonne,\nEin Mädchen plötzlich, das mir leise\nRasch eine urgeheime Tür zeigt,\nDie rechts zu einem Paradies führt\nUnd links zu einem wilden Brunnen,\nWo es mit mir die ganze Nacht bleibt,\nDamit wir morgens beide sähen,\nWie dort am Nil die Sonne aussieht —\nUnd morgens bei dem Brunnen\nDa lacht das Mädchen lustig\nUnd ich erkenne Deine Augen —\nDie Labyrinthe.\nUnd überall, wo meine Lieder wandern,\nWo meines Blutes Geist mich tollreißt,\nDa find ich Dich, Du braune Hirtin,\nDu, meines Lied's Prinzessin,\nDu Nachtcherub, Du schwarze Lilith,\nDu Labyrinthenwächterin,\nDu Kind Jerusalems, Du schöne Heidin —\nDa find ich Dich,\nMir Deine großen Augen,\nWie zwei Prophetinnen,\nEntgegentragend."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.8", "titre_corps": "Ein Amen", "titre_sommaire": "Ein Amen", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.6", "debut_caractere": 1905, "fin_caractere_exclue": 3558, "texte": "Ein Amen\nElse Lasker-Schüler.\nEinmal, als ich sie besuchte, malte jemand ihre\nHand — eine schmale Dolde am Ast, eine Seele,\ndie blühte. Ellen Neustädter spielt nicht zur Schau;\nihr Spiel ist eine tiefe Dichtung. Die Bühne fängt\ndie Geschehnisse ihres Herzens auf und reicht sie\ndem Besucher, ein vielköpfiges Ganzes. Sie gibt\ndem Gemach oder der Landschaft die Farbe und ihr\nOdem ist überall. Die Damen vom künstlerischen\nTheater in Moskau könnten ihre Schwestern sein;\ndie haben allerdings ihre Partner, ihre Zugehörig-\nkeit. Ellen Neustädter hat nur einen gleichwertigen\nBruder in Berlin: Oskar Sauer. Warum trennt man\ndas rechtmäßige Spielerpaar? Klein Eyolfs Eltern\nsind sie. Schwere, hehre Paradiesstimmung, düstere\nErnte. Eine Engeline: Ellen Neustädter; der Erz-\nengel unter den Schauspielern ist Oskar Sauer. Was\nihre Lippen bringen, ist Kunst aus Segen gewölbt.\nSein Spiel straft, ihr Spiel belohnt; ist ihr Wesen\naus Glas, sein Wort aus Stahl. Immer erzwingt die\nGabe der beiden Wunderkünstler ehrfürchtige An-\nbetung. Es schneite draußen weiße Sterne. Oskar\nSauer war seinen Leiden erlegen in „Nora\".\nStand noch lange nach Schluß der Vorstellung am\nTheatertor — ich bildete mir ein, er sei wirklich\ngestorben. Auch heute wagte ich mich nicht stür-\nmisch zu begeistern. Ellen Neustädters Seele ist\neine zagende Dolde. Durch die lange Theater-\nabendstraße ging ich1 auf Zehen heimwärts, denn\ntaiein Herz träumte noch. Genial ist das Unantast-\nbare, erzengel ist alles Genie, es erlöst vom Täg-\nlichen, bringt Verlorenheit und Seligkeit zugleich.\nBei Gelegenheit einer Aufführung- des Schauspiels Liebes-\nwal z c r in den Kammerspielen zu Berlin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.9", "titre_corps": "Die Nestroy – Charade : Joab . . . Guido Ilerzfeld Judith. . . ***?", "titre_sommaire": "Die Nestroy – Charade : Joab . . . 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Biere und div. besttemperierte\nBöwlchen und lenkt den Verdacht, daß die all-\ngemeine Volksverblödung durch die Lektüre seiner\nFeuilletons gefördert werde, umständlich auf zu\nreichlichen Genuß von Zitronenlimonade.\nAm Abend des 24. Juni dieses Jahres war die\nTemperatur selbst im Deutschen Theater, wo sich\nHerr K. A. als referierender Beobachter aufhielt,\ndurchaus erträglich. Eine Vermutung, was für Ge-\ntränke etwa Herr K. A. an diesem Abend zu sich\ngenommen haben könnte, ließe sich daher auf den\nThermometerstand des 24. Juni doch nur recht vage\nbasieren, wenn nicht sein in derselben Nacht ent-\nstandenes Referat den Verdacht erwedde, daß Herr\nK. A. bisweilen selbst im Genuß von Zitronen-\nlimonade über die Schnur haut. Ja, der kritische\nTheaterbesucher und der aufmerksame Leser K. A.-\nscher Feuilletons kann sogar feststellen, daß die\nüberreichliche Limonaden-Libation in der Pause\nzwischen Goethe und Nestroy stattgefunden hat.\nZwar war K. A. noch fähig zu erkennen, daß „die\nLaune des Verliebten\" miserabel wie Limonade ge-\nspielt wurde, aber der Nestroyschen Judith-Parodie\nwar er nicht mehr imstande zu folgen. Er möchte\ngern ein lobendes Gliche an den Darsteller der\nJudith vergeuden. Aber auf dem Theaterzettel\nfindet er dessen Namen verschwiegen und durch\ndrei Sternchen ersetzt. Daß Joab, der Judith Bru-\nder, unter den Frauenkleidern steckt, entgeht ihm.\nIm zweiten Akt tritt der Kerl als Soldat auf und\nals Judith verstellt er seine Stimme. Aber K. A.\nhat recht. Wenn Nestroy die Judith, die gar nicht\nauftritt, sondern von ihrem Bruder Joab gemimt\nwird, im Personenverzeichnis besonders aufführt,\nist das kein Grund für die Theaterleitung den Refe-\nrenten eines einflußreichen Blattes durch drei Stern-\nchen in die schaudervollste Verlegenheit zu bringen.\nEr ist nun einmal gegen die Symbolik. 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Er\nhatte gemeinsam mit drei anderen bronzenen Löwen\ndarüber zu wachen, daß die umwohnenden Christen\nregelmäßig in die Kirche gingen, und von seinem\nStandpunkt auf dem Turm sich die Säumigen zu\ninerken. Der Nachlaß des Kirchenbesuches im\nletzten Jahrzehnt hatte den Löwen schon sehr\ndeprimiert; das in Ehren halbverblödete Tier war\nnun durch die neue Kulturkampfbewegung in hohe\nErregung geraten. Am Sonnabend nachts 11 Uhr\nstellte sich der Schutzmann Paul Schnauzbart vom\n57. Revier zur Kontrolle auf dem Kirchplatz auf;\nder Löwe hielt den Mann, der in großer Pose im\nDunkeln neben einer Pumpe stand, für den leib-\nhaftigen Papst, sprang herunter, auf ihn zu, und\nkam elendiglich um. Unter großer Beteiligung der\nganzen protestantischen Bevölkerung dieser Ge-\nmeinde, nach Absendung einer flammenden, un-\nfrankierten Ansichtspostkarle an den Papst, trug\nman den Löwen zu Grabe, der übrigens, wie sich\nerst jetzt herausstellte, nur aus Blei war."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.11", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.6", "debut_caractere": 6943, "fin_caractere_exclue": 7201, "texte": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nELSE LASKER-SCHUELER\nStyx / Gedichte\nVerlag Axel Juncker Stuttgart-Berlin\nOTTO WEININGER\nUeber die letzten Dinge / Nachlass\nVerlag Braumüller Wien"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.6", "debut_caractere": 7278, "fin_caractere_exclue": 7395, "texte": "g I=3l =}!=3oC=l\\ II Ig\nSalon Cassirer / Viktoriastr. 35\nJt- \" ' T n 9\nOskar Kokoschka\nEintritt 1 Mark\nKM If ' , H ll"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.6", "debut_caractere": 7397, "fin_caractere_exclue": 7593, "texte": "Landerziehungsheim Schlofi Drebkau N L\n■ Zwei Stunden von Berlin ■\nErziehung und Unterricht nach modernen Grundsatzen\nAufnahme von Knaben u. 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Patentbureau, gegr. 1393, Fstte & Theune\nBERLIN SW 48 Friedrichstrasse 230 Tel. 6a, 18 981\nJlusarbeitung von €rfindungsideen. Patentanmeldung in\nalien Candern. Ifldsslge Preise. Heine nacbzal)lungen.\nSd)nelle Verwertung von Patenten oftne jeglieben Vorsdjuss.\nwelches. 112. Beteiligung an d. Ausbeutung von Pa-\ntenten interess., bitten wir um ihre Adresse, um\nkostenlos. unverbindl. 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Vieljahr. Garantie fiir tadell. 112 unktioo.\np • fttr tJr»s»e M. I. 11. 111. IV.\nrreise: Kronen 3,G0 4,50 7,- 11,- 10,-\nFranko fiberaU hin gegen Vorauszahlung (auch in Briefmarken)\nOder Nacbnahme 30 Heller mehr. Verpackung gratis :: ::\nMontilichtwerk A. Selb Warnsdorf 337 ■\nm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.7", "debut_caractere": 2038, "fin_caractere_exclue": 2189, "texte": "■ ii^wwim—il MI muhmmlß»\"\nCafe Continental s'JTm\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachtss\nGrosses Kunstler - Konzert\nAUe bedeutenden Zcitungen und Zeitschriften"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.7", "debut_caractere": 2191, "fin_caractere_exclue": 2755, "texte": "I\nft\nflegyptiscbe DacbricDtcn\n:: in deutscher und franztfsischer Sprache erscheint ::\nDas Zentralblatt der Deutschen im Orient\nWerden von samtlichen (100 DeutschsPrechenden\n■ Aegyptens eifrigst ge- W UUU lesen und finden ihre\nVerbreitung tiber ganz Nordafrika, Kleinasien u. den Orient\nliegen in alien grOsseren Hotels, Cafes und Re-\nstaurants und den das Mittelmeer befahrenden\nDampfern aus. Die ~A. N\" bilden daher\n1 eines der ersten und ======\n_ zweckentsprechendsten Auslands - Insertionsorgane\nHerausgeber: P. Kdfalcr Kairo, Postfach 1315 Probcnannncrn gratis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.7", "debut_caractere": 2757, "fin_caractere_exclue": 3267, "texte": "DARLEHE.N\nreellen Uutcn jeden Standes. Auch gegen JMbelbelelhung, Kanst-Gegens&nden,\nohne abzuholen. — Offizleren, Kavalleren, leamten Geld in jeder Hohe. —\nBeschaff nng von Hypotheken anf berliner und auswartlge Grundstucke. — Kaaf\nund Beleihung von Hypotheken, Erbschaften, Sparkassenbuchern, Lombardscheinen,\nMietzessionen. — Schnelle, grundreelle, di»krete Erledignng. : i—: s—:\nWILHELM MEYER :: Bank - Kommission\nBERLIN S 14 Stallschreibers trass e 56 II\nSprechzeit 10—12 und 4—7 Fernsprecher: Amt IV 6785"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.7", "debut_caractere": 3269, "fin_caractere_exclue": 3779, "texte": ">\n-\n• i\n\"l\nIU\nUs\nA#\n(?S>\nw*\nI*,'&/**\"*• «••' •\nft\n71\n■ t >/()!,\nvf-n\nrv*\nDie hervorragende Wirkung des Kosmin auf\nZahne und Zahnfleisch und sein ungewohnlich erfrischender '1\nWohlgeschmack machen dieses Mundwasser schoii nach kurzem Ge-\nbrauche unentbehrlich. Allen, die Wert auf schSne und gesunde Zahne legen, sei\ndaher Kosmin zu taglichen Mundspulungen bestens empfohlen. Ein Versuch ffihrt erfah-\nrungsgemass zu dauerndem Oebrauche. Preis pro Flasche lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich.\n>■ -<\n%"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c029", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "146", "page_fin": "146", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.8", "debut_caractere": 173, "fin_caractere_exclue": 1727, "texte": "L©s©n und staimexi! I\nUm unseren Sicherheits-Rasierapparat ~Romileti\", welcher\nalle bis dato auf den Markt gebrachten Rasierapparate iiber-\ntrifft, schnell in alien Kreisen einzufiihren, haben wir uns\nentschlossen\n5000 Stuck zum Selbstkosten-\npreise v. Mk. 6- (stati Mk. 15-)\nzu liefern.\nDieser Apparat ist aus dem allerfeinsten Material\nhergestellt, sell wee1 versilhert und wird in elegantem\nLeder-Etui mit 12 vorziiglichen Schntiden versandt.\nI\nLassen Sie sich diese gilnstige\nGelegenheit nicht entgehen !!\ni\nBeachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Apparat bietet:\n1 Grosse Ersparnis an Zeit und Geld! ::\n2. Stets sauber rasisrt, da Schneiden und Kratzen voll-\nstandig ausgeschlossen! s\n3. Kein Warten beim Barbier! :\n4. Keine Ansteckungsgefahr, wle Bartflechten usw.! :\n5. Auf der Reise, auf See, im Manover usw. unentbehrlich!\n30 mal benutzt, hat siclt der Apparat bezahlt gemaclit\nDie in jeder Beziehung vorziiglichen Messer besitzen einen derartigen durch ein spezielles\nVerfahren hergestellten Hartegrad, dass sie fur den starksten Bart verwendbar sind.\nBesteilen Sie sofort, denn diese 5000 Rasier-Apparate werden infolge ihrer noch\nniemals gebotenen Billfgkeit bald vergriffen sein.\nSie erhalten diesen tadellosen Rasier-Apparat gegen Nachnalime von 6,30 Mk. portofrei*\nWir richten nur die bescheidene Bitte an Sie, diesen Apparat in Ihrem werten Bekanntenkreise\nzu empfehlen.\nNach Absatz dieser 5000 Apparate kosten diese 15 Mark.\nVersandhaus chemischer und techaischer Neuheiho Hans Fredrick\n:: Berlin SW. 68, Kochstrasse 72 ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c030", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "146", "page_fin": "146", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.8", "debut_caractere": 1729, "fin_caractere_exclue": 3077, "texte": "Handelswissen- (?nj nrlM MOQIOF T •\nschaftl. Kurse von NlClll. MCMCI Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatluh\ngepriifte Lehrer, AkademiWer oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung). Griindliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium aer Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. 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Eine hervorragende Neuerscheinung an! dern Gebiete der Madt'liou-\nbildnngr ist das Bueh\n„Brauchen wir noclt Tochterppnsion«tp?-k\nvon Prof. D. Dr. Fnedrich Zimmer. Preis Mk. &—\nWichtigr fiir Eltern heranwachsentfer Tochter, Padagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Die Knabenpensionate, deren Einrichtancr, ihr inneros\nand aussercs L*eben.u Von L. Daniel. Ein Ratgeber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. I,B©.\n8. „Das Toekterpensionat\" ist die einzfgre Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorsteherinnen verrritt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis fiir die Praxis. Pro Halbjahr Mk. S,s€>.\nDurch sMmtliche Buchhdlg. Oder direkt vom Yerlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-06-30-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-06-30_01#c032", "volume": "bmtnabg_1910-06-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "146", "page_fin": "146", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.8", "debut_caractere": 3771, "fin_caractere_exclue": 4447, "texte": "PinkCnmUhlC ®ana*;or*,im unC* Eirtiolnnffslietm\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral-\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. Individuelle arztliche Behandlung\nDie Kiiche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervenschwache, Magen- und Darmleiden, Gicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Leifer: I>r of. med. W. Hotz\nPost Mellenbach bei Sehwarzburg im Thiiringer Waldi\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege persdnlicher I\nKultur und gesunder Lebens-\nanschauungen, dient unsere\nMonatsschrift „o<«BandeB\nli©ben4i, von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. 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Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad4 Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundet 185^\nj. 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JUNI 1910/ WIEN\nNUMMER 18\n\nINHALT:\nHEINRICH PUDOR: Schutz den Schaffenden / OSKAR BAUM: Sühne / BERTHOLD VIERTEL: Begegnung / PAUL LEPPIN: Daniel Jesus / Roman / CHAMMAY\nPINSKY: Labyrinth / ELSE LASKER-SCHÜLER: Ein Amen / BIMINI: Nestroy-Charade / MINIMAX: Kirchliches / OSKAR KOKOSCHKA: Adolf Loos / KARIKATUR\n\nVerzweiflungsscene aus dem Drama von Allenstein\n\nKriegsgerichtsrat Jago zu Göben:\nHa Schurk, Du läufst vergnügt hier ohne Kopf,\nWir aber schwitzen uns Beweise suchend\nDen Rheumatismus in die alten Knochen.\nSei Dir's gesagt: Komm morgen zur Verhandlung\nTod oder lebend, kopflos oder köpfig\nUnd schwöre was Du weisst, so gut, Wie ich.\nEs gilt die Ehre meines Protokolls."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.2", "texte": "Schutz den Schaffenden\nVon Heinrich Pudor\nBekanntlich gehen nicht nur die Krebse rück-\nwärts, sondern die Blicke der heutigen Kulturwelt\nsind sogar vorzugsweise nach rückwärts gerichtet.\nDie Techniker, die Männer der Erfindungen, die Zep-\npelin und Bl6riot, vor allem der unvergeßliche Lilien-\nthal blickten vorwärts und suchten das Land der Zu-\nkunft. Aber die Vertreter der geistigen Kultur\ntreiben einen regelrechten Vergangenheitskultus.\nEinmal in der Form der historischen Forschung und\nWissenschaft, die nicht oder viel zu wenig ihrem\neigentlichen Zwecke, dem Verständnis der Gegen-\nwart und Zukunft zu dienen, nutzbar gemacht wird.\nSie will um ihrer selbst willen bestehen, und zwar\nschon auf den Schulen — hier vorzugsweise als\nKriegsgeschichte. Der geistige Blick des Volkes\nwendet sich in unorganischer und unfruchtbarer\nWeise rückwärts. Und nicht nur innerhalb der\nhistorischen Zunft, sondern auf vielen Gebieten auch\nallgemein im Leben. Die Kultusstätten dieses\nKulturunfuges sind die Museen, — aber mehr und\nmehr in das Werktagleben frißt er sich ein: junge\nLeute, die heiraten und sich einrichten, kaufen alter-\ntümliche Möbel und Porzellane, alte Stiche und Ra-\ndierungen und Gemälde, statt produktiv sich selbst\nins Land der Zukunft zu wagen und zum mindesten\nfür die Produktion der Besten ihrer Zeit das regste\nInteresse zu haben. Dem Schaffenden unserer Zeit\nund unserer Heimat verekeln wir das Leben, ver-\nsagen wir die Anerkennung und warten, bis er ge-\nstorben ist — dann fallen wir wie die Wölfe über\nden zurückgelassenen Proviant her, als ob wir jetzt\nweder Furcht noch Brotneid mehr zu empfinden\nbrauchen, und sagen und schreiben und melden in\nalle Welt: „ein Großer ist gestorben — wir haben\nviel verloren\". Und nun kommen die Hyänen des\nSchlachtfeldes und entreißen den Hinterbliebenen\ndie zurückgelassenen Manuskripte oder Zeich-\nnungen oder Gemälde und wetteifern, den besten\nNekrolog zu schreiben. Denn der Große ist jetzt\ntot, also unschädlich, und die Konkurrenz hat nichts\nmehr von ihm zu fürchten. Im Gegenteil, er ist nun\nder Geschichte eingegliedert, und der historische\nFruchtacker, auf dem man sein Korn und seine\nKartoffeln bauen kann, ist wieder um! ein\nkleines Stück vergrößert worden. Ist es nicht\nekelhaft und widerlich, dieses Treiben, dieses\nStehen und Stoßen auf dem Friedhof, dieses Fest-\nreden und Feiern am Grabe, dieses In-den-Himmel-\nheben? Fatal und peinlich wird die Sache dadurch\nnoch, daß nach dem Tode sehr häufig die öffent-\nliche Meinung ins entgegengesetzte Extrem verfällt\nund einen Kleinen für groß und einen Großen für\nein riesenhaftes Genie ausposaunt. Bei einem wirk-\nlich Großen vermag sie selbst am offenen Grabe\nden Brotneid noch nicht zu unterdrücken, und es\ndauert oft Jahre und Jahrzehnte, ehe die kleinen\nForscher und Alltagskrüppel zugeben, daß da und\ndann ein Genie verblutet ist. Wie hat man\nNietzsche bei seinen Lebzeiten behandelt! In der\nMalerei und in den anderen freien Künsten ver-\nhält es sich ebenso.\nAber das Beklagenswerte ist, daß wir den Sinn\nund das Verständnis für produktive Werte verloren\nhaben, daß auf der einen Seite nur technische, auf\nder anderen nur reproduktive oder distributive\nWerte gewürdigt werden. Die Ueberschätzung des\nTechnischen wurde schon erwähnt. Gegen die\nUeberschätzung des Reproduktiven bin ich seit Jahr-\nzehnten zu Felde gezogen; in der Tat, wir leben in\neinem reproduktiven Zeitalter. Die Ueberschätzung\ndes Distributiven aber, also der Verteilung ge-\ngebener Werte seitens des Handels habe ich in jüng-\nster Zeit zum Ziel meiner Arbeit gemacht; sie zeigt\nsich in charakteristischer Weise, daß wir gemeinhin\nHandel und Industrie zusammenwerfen, als ob sie\nwesensgleich, nicht aber wesensentgegengesetzt\nwären. Der Deutsche aber ist seinem innersten\nWesen nach produktiv veranlagt, und Deutschland\nmuß infolgedessen zu dem Lande der (landwirt-\nschaftlichen und industriellen) Pr o d u k ti o n par\nexcellence gemacht werden, während heute der\nHandel das große Wort führt.\nAuch deshalb sollten wir statt Nekrologe der\nAusgebluteten und Ausgeatmeten Prologe der\nLebenden schreiben. Kultus der Lebenden, der\nSchaffenden unter den Lebenden sollten wir treiben!\nSo lange noch Zeit ist, sollten wir den um ihr Schaf-\nfensheü Bangenden Mut zusprechen, ihnen Stim-\nmung machen, ihnen freie Bahn schaffen und\nihnen von dem Erfolg, der Wunden heilt\nund Saatkörner künftigen Werken legt, so viel\nals möglich rechtzeitig gönnen und geben! Er-\nfolge können zwar auch berauschen und die Selbst-\nkritik lähmen, aber der nicht auszurottende Kon-\nkurrenzneid sorgt schon dafür, daß die Erfolge nicht\nin den Himmel wachsen. Ich kenne nur ein Land,\ndas seinen Dichtern bei Lebzeit und Schaffenszeit\nPensionen aussetzt; das ist Schweden, dieses Land\nder Zukunft. In Deutschland hörte ich noch nicht\ndavon, daß der Kaiser oder der König oder der Staat\noder die Kommune einem Schaffenden eine ein-\nmalige oder eine regelmäßige Prämie zugebilligt\nhätte, damit er der Sorge um das tägliche Brot ent-\nrissen wäre. Die meisten Schaffenden müssen für\nsich und die Ihrigen den Platz für das Bett und den\nHerd erkämpfen. Weil schaffende Arbeit aber heute\nihren Lohn nicht findet und nur Kärrnerarbeit be-\nzahlt wird, kommen sie vor lauter Frohnarbeit nicht\nzu sich selbst. Welcher Schaffende wüßte es nicht,\ndaß er, je höher er strebt, je Besseres er schafft,\ndesto weniger auf klingenden Lohn rechnen kann.\nHinabgezogen wird er auf die Straße, in den Rinn-\nstein, durch den Zwang, Geld zu verdienen. Sollten\nwir nicht alles tun, um Palmen und Lorbeeren,\nEhrensold, Ehrenprämien, Ehrenpensionen auf Ta-\nlente zu häufen? Haben wir den Stolz verlernt,\nMäzene zu sein? Die Ehre, einem Schaffenden eine\nStätte zu bereiten, wo er arbeiten kann? Die Ver-\npflichtung, es zu tun, wenn man mehr hat, als man\nbraucht und selbst nicht schaffen kann? Wenn\nheute ein Schaffender protegiert und unterstützt\nwird, kann man fast immer sagen: Cherchez la\nfemme. Ausgehalten werden ist freilich noch\nschlimmer als zu hungern oder Frohnarbeit zu\nleisten. Es ist richtig, daß die geborenen Geistes-\nfürsten so viel Stolz haben sollen, um „Unter-\nstützungen\" zurückzuweisen — aber ein Ehrensold\nvom Staate oder Landesfürsten, ein Unkostenbei-\ntrag für ein großes Werk, ein Ehrenhonorar, ein\nReisestipendium, das verletzt nicht den Stolz, es\nhebt ihn. Ebenso ist es mit den Biographien und\nMonographien, die nicht beeinflußt und nicht be-\nzahlt dem Verdienste nachspüren.\nStatt des Vergangenheits- und Totenkultus\nmüssen wir einen Kultus des Lebenden und der\nLebenden treiben, für die Zeugenden unserer Kunst\nmüssen wir Heimstätten schaffen. Wirklich — wie\nwäre es mit Dichter- und Künstler-Heimstätten?\nVorausgesetzt, daß sie Freiheit ließen. Für die re-\nproduzierenden Schauspieler und Musiker gibt es\nsolche Heimstätten, nur nicht für die Schaffenden.\nWir haben den Tierschutz seit langen Jahren. Wir\nhaben seit junger Zeit den Naturschutz, Land-\nschaftsschutz, Waldschutz, Denkmälerschutz und\nMutterschutz. Wollen wir nicht auch einmal an\nMenschenschutz denken? An den Schutz der Schaf-\nfenden?\n\nSühne\nVon Oskar Baum\n\nIm verzweifelten Zorn, in der dunkeln Wut über\nden Tod seines Weibes zog der edle Herr von\nArmpach mit dem Rotbart gegen Rom. Sein ein-\nziges, den kleinen Ulmar, ließ er seinem Vetter\nauf Gallersberg. Für immer, wie es sich dann ergab.\n_ Der Junge hatte frauenhafte Augen und Haar\nvon mattgoldener Seide. Aber er lief, sprang, focht\nund ritt so viel und wild wie alle, bekam wuchtige\nKnochen und trank bald mannhaft wie des Papstes\nKellermeister am Sonntag.\nDa wurde der Vetter des lärmenden Gastes satt,\nder mit allen Freunden Händel hatte und auch zur\nBrutzeit hinter dem Wild her war, und wenn der\nGallersberg selber vor Aerger geborsten wäre.\n„Zeit ist, daß du dich um Armpach kümmerst,\nUlmar! Die Nachbarn wollen sich darein teilen\nund es wäre schade drum.\"\nAber Ulmarn gefiel es hier, und ihm graute\nvor den verrosteten Felsennestern, wo sicher die\nKeller leer waren und die Bauern das Gehorchen\nvergessen hatten. Er fing an, sich mit Vetters\nHilde zu vertragen. Mit der zwölfjährigen Hilde,\ndie leise und gut war und das ganze Schloß regierte,\nweil sie zu jedem demütig sprach, so daß sich alle\nsputeten, zu erraten und zu tun, was sie sich wün-\nschen könnte.\nEr ließ sich an einem Seil in den tiefen Teich,\num einen Ball für sie heraufzuholen, und er tauschte\nsich für ein heiliges Amulet, das ihm vom Vater\ngeblieben war, ein goldgewirktes Tuch ein, weil\nes ihr bei einer Freundin gefallen hatte.\nDas Ende von der Sache war, daß der Vetter\nsich zufrieden gab; die beiden miteinander ver-\nlobte und dem Junker zusagte, sie werde sein Ge-\nmahl, wenn er in vier oder fünf Jahren als Herr\nauf wohlversehenem Erbe sie zu holen käme.\nViel blutige Arbeit fand er wohl, aber sein\nVetter hatte ihm einen tüchtigen Haufen eiserner\nKnechte mitgegeben, und einige schwächere Nach-\nbarn boten ihm Freundeshilfe.\nHart und lange war eigentlich nur die Fehde\nmit dem Pellsteiner. Sein Weib, hieß es, wollte\nnicht nachgeben; sein schönes Weib, von dem so\nkitzliche Geschichten umgingen. Ganz weiß und\nbiegsam wie Kirschblütenzweige im Wind waren\nihre Glieder und ihre Haut war so heiß wie Eisen\nunterm Schleifstein. Einen, der die Mauer hinauf-\nkletterte und durch die Spalten im Fensterladen\nzusah, wie sie zu Bette stieg, ließ sie ins Verließ\nwerfen, und Nacht für Nacht mußte man ihn an\nihr Bett fesseln. Der Pelisteiner, ihr Mann, zog\neine krause Stirn; aber sie zuckte mit den Schul-\ntern, und er schwieg. Der junge Waffenknecht\nstand Nacht für Nacht von abend bis früh an ihr\nBett gefesselt, bis er von Sinnen kam und einmal\nbeim Losschnallen mit allen Vieren ausschlug,\nSchaum vor seinem Munde floß und seine Zähne\nsich festbissen in die Holzlehne des Bettes; die\nNägel aber krallte er sich ins Fleisch und entmannte\nsich mit den eigenen Fingern. Es wäre vielleicht\nmit klugen Verhandlungen alles beigelegt worden,\naber Ulmar fühlte sich als der Stärkere, und es\nfreute ihn, mit seinem rauflustigen Fähnlein die\nBurg zu berennen. So ein wildes Weib, und jetzt\nzitterte sie vor ihm.\nLange Wochen berannte man umsonst. Viel\njunges Blut spritzte gegen Fels und Mauer. End-\nlich konnte man mit dem Hunger in der Feste\nrechnen. Ein gerüstetes Pferd und ein Kettenhemd\nversprach Ulmar dem, der die Pellsteinerin wohl-\nbehalten gefangen brächte.\nEines Nachts, als unverhofft das Feuer atis den\nBurgfenstern schlug und Ulmars Leute zu leichter\nArbeit aus dem Schlaf weckte, verdiente einer den\nPreis. Den Pellsteiner hatten die eigenen Leute\nerschlagen, weil sein Weib sich mit dem Mehl die\nWangen weißte, das er ihnen vom Munde absparte.\nZwei Knappen ritten zum Hofe herein, vom\nHuf bis zur Sturmhaube weißgrau von Reisestaub\nund müde; sonst aber jung und stattlich, und mit\nWämsern in gleichem Rot. Ulmar lehnte am weiß-\nblühenden Lindenbaum beim Brunnen und befahl\nden Knechten, welche die vom Winter gerissenen\nSprünge und Löcher in der Burgmauer mit Stein\nund Lehm flickten.\n„Vom edlen Herrn zu Gallersberg Gruß und\nBrief.\"\nDer Armpacher wurde glutrot vor Freude.\n„Wie? Der Vetter? Lebt er noch? Wie geht es\nihm und den andern allen? Was macht der Raben-\negg> der zornige Kerl mit der Judennase? Erzählt\nmir doch! Seid Ihr schon lange in der Gegend\ndort?\"\nDie Knappen erzählten ehrerbietig, was sie\nwußten; darunter, daß der Vetter todesmatt von\neiner bösen Krankheit sei. Der Teufel würge ihn\nvon Zeit zu Zeit, daß er zu ersticken glaube, und\nder Junker Rolf kam vom Königshof ausi Prag,\nsein Erbland zu wahren und dem Vater die Augen\nzuzudrücken.\n„Jetzt ist er vielleicht nicht mehr\", murmelte\nUlmar und blickte finster vor Schmerz.\n„Wir sollen auf Antwort warten, weil es Eile\nhat.\"\nDer Armpacher las dasl Stück Pergament, das\nnicht verschlossen war, weil es kein Geistlicher\nbrachte und kein gelehrter Ritter, der es hätte lesen\nkönnen. Er atmete mühsam, reckte sich aber\nstählern und wandte den Kopf ein paar Augen-\nblicke zur Kemenate der Pellsteinerin hinauf. Dann\nholte er einiges ailte Frauengeschmeide von seiner\nseligen Mutter oder vielleicht schon von der Ahne\nund ließ Rolf bitten, ihm Hilde, seine Braut, mit\nritterlichem Geleit zu senden. Et würde ihr auf"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.3", "texte": "Menschenköpfe / Zeichnungen von Oskar Kokoschka\nII Adolf Loos / Wien / Über die Bedeutung dieses Architekten spricht Richard Schaukai in Nummer 13 dieser Zeitschrift"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.4", "texte": "halbem Weg entgegenziehen und sie mit Prunk\nins Armpacher Erbschloß führen.\n„Und ich?\" fragte sie ohne Betonung, aber ihre\nAugenlider zuckten und sie schlug mit dem Horn-\ngriff ihrer Reitgerte immer grimmiger auf den\nEichentisch, gegen den sie den Rücken stemmte.\nKnapp vor ihr Ulmar, der standfest und unanfecht-\nbar auf ihr Haar sah. Das war rabendunkel und\nglänzend.\n„Ich werde mein Gelübde dem Kind nicht\nbrechen; der Rolf und seine Freunde sind mir auch\nzu gefährlich.\"\n„Und ich?!! Drei Jahre meiner Schönheit habe\nich mit dir vergessen. Meine Verwandten werden\nmich nicht als niedrigste Magd um dich dulden.\nWohin soll ich?\"\n„Ich habe niemandem etwas versprochen. Ich\nlasse meine Gefangene ohne Lösegeld ziehen, von\nmeinen Leuten ritterlich über das Gebirge führen\nzu irgend einem Vetter oder Geschwister.\"\nSie schlug mit ihrem Gertengriff gegen einen\nBierkrug, daß er in Scherben und Splittern zu Boden\nklirrte.\n„Wäre es dir lieber?\" brauste er auf, „wenn\nsie mich irgendwo in der Fehde erschlagen und\ndu von ihnen davongejagt wirst?!\"\n„Aber Narrheit!\" brummte sie und wurde nach-\ndenklich. „Schließlich ist sie noqh nicht hier. Ein\nBlitz kann sie erschlagen oder ein verschmähter\nLiebhaber. Sie kann krank werden. Man könnte\neine Krankheit übrigens auch zubereiten. — Nein!\"\nSie hatte es gefunden und ging mit Schritten durch\ndas Zimmer, die von Siegerhochmut dröhnten. „Du\nkannst sie kommen lassen, ja. Du wirst sie kommen\nlassen.\"\n„Und??\"\n„Und . . . irgendwo lauert ihr ein Räuber auf,\nder das Visier nicht hebt und mit seinem getreuen\nHaufen die ganze Reisegesellschaft zusammenhaut.\nDas könnte nicht schwer sein, weil man sich den\nOrt aussuchen kann.\"\nUlmar bekreuzigte sich. „Was, wenn ich lieber\ndidi erschlüge?!\"\n„Mich?\" Verblüfft blieb sie stehen. „Von mir\nweißt du, was man zu wissen braucht, und daß wir\nsehr vergnügt miteinander auskommen, bisher be-\nhaglich zusammenblieben und in allen Stücken zu-\nfrieden waren. Was tust du, mein Lieber, wenn\nes dir so geschieht wie dem Tannwarter, der eine\nFrau bekam, die keine Frau war, oder dem Wilfer-\ndingen, mit seinem Ehegesponst, dem auch die\nKnechte genügten. Oder denk an die Gräfin von\nWolfenrot, die sterbebleich zu weinen nicht auf-\nhörte, wenn er sie mal um den Leib nahm. Und\ndie Luxenhorn, die vorgequollene Augen bekam,\nweil sie kein Kind hatte, und die Liebenfeld mit\nder tollwütigen Eifersucht, und die . . . .\"\nBlutiges Gewimmel und Kampfgeklirr durch das\nDoppeldunkel einer Wildnis im Walde. Pferde\nwälzen sich in letzten Schmerzen; Lanzensplitter\nreißen schlafende Mädchenherzen auf; mit Todes-\naugen liegen die Schützen starr im Gras umher.\nDarüber hin tobt die Kampfwut der verzweifelten\nLetzten. Es schwirrt und gellt von blutnassen\nSchwertern und Befehlen, die niemand versteht.\nEin Knirschen berstender Helme — — gestöhnte\nFlüche. Vom Haufen gesprengt flüchten und ver-\nfolgen Vereinzelte dort und da durch das Dickicht.\nUlmar wußte nicht viel vom Strauß. Die Seinen\nhieben ihm die Bahn frei und die er suchte, war\nbald gefunden. Er hob sie vor sich aufs Roß.\nEilig ging's tiefer in den Wald.\nGern fühlte er den Druck der jungen Leibes-\nlast auf seinen Knien. . . . Dies zitternde zarte\nDing wäre also mein Eheweib geworden! Weich\nund eckenlos kam sie ihm vor wie eine Aprikose\nohne Kern. Was sie wohl von ihm dachte?! Ob\nsie ihn in diesem unwahrscheinlichen Zusammen-\nhang erkennen würde?\nIn voller Nacht hielt er vor einer kleinen Lich-\ntung. Das Mondsilber sickerte hier nur in schlanken\nStreifen zwischen den Wipfeln durch.\n„Wenn Ihr mich nicht zu sehr fürchtet, hoch-\ngeborenes Fräulein, will ich hier absteigen, wo wir\nnicht völlig im Dunkeln sind. Ich möchte Euch dar-\nüber aufklären, daß ich kein Räuber bin, wie es\nscheinen könnte, sondern wohlgeehrter Lehensritter\ndes Reiches. Ich habe Euch einen größeren Dienst\nerwiesen, als Euere Mutter vor sechzehn oder acht-\nzehn Jahren. Ich kenne den Armpacher besser als\ndie, welche Euch ihm angelobten. Ich mußte Euch\nretten, setzte ich mir vor, und ich vergönnt Euch\nihm auch gar nicht. Er ist ein wüster Gesell,\nbei meinem Eid, und hat Jahr und Tag ein gif-\ntiges Weib bei sich, die Euch nicht lebendig in ihr\nBett gelassen hätte. So stand es um Euer Glück!\"\nEr hielt die Hand auf dem Hals des Pferdes,\ndas er an einen Baum band, und sah scheu zu dem\nstummen Schleier auf, der sie weiß umwallte. Sie\nsaß noch immer ohne Regung, wie aus Stein ge-\nhauen. Da zog er sein Schwert, faßte es an der\nSpitze und reichte ihr den Knauf. „Es ist nur\nbillig, wenn Ihr mir nicht traut.\"\nMit beiden Händen hielt sie den Schwertgriff\nfest, sonst aber rührte sie sich nicht. Da faßten\nUlmar Schauer der Erwartung, auch prickelnde\nBegier nach Ueberraschung, und die Sehnsucht, das\nGesicht hinter dem Schleier zu erblicken. Er hob\ndas Visier.\n„Ich glaube, daß Ihr mir wohlwollt; aber warum\nbringt Ihr mich dann nicht unter Dach?!\"\n„Das kann ich nur, wenn Ihr mich Euerem\nBräutigam vorzieht.\"\n„Ihr seid mir fremd.\"\n„Erkennt Ihr mich nicht?!\" Er reißt ihr den\nSchleier vom Haupt und wirft ihn mit dem Schwert\nweit fort. „Wir sollen beide ohne Wehr sein!\"\nEr faßt sie kraftvoll um die Seite ....\nAls er in Schlaf verfiel, entwand sie sich ihm,\nkroch durch das Moos und suchte das Schwert.\nOb er auch so mannhaft und liebevoll, so stürmisch\nund ehrerbietig war; derj dem sie nun den hei-\nligsten Eid gebrochen, den sie um sein Gemahl\nbetrogen hatte ?! Sie fand das Schwert. Wäre\ner gesühnt, der andere, den sie gar nicht mehr\nkannte, der Vetter Ulmar? Wäre er gesühnt, wenn\nsie diesen Herrlichen hergab, dem sie das Höchste,\ndas Einzige war? Der ihr sein Schwert, sein Leben\nin die Hand gab, als sie ganz in seiner Gewalt\nstand. Sie kniete und betete: „Gott, sieh auf mich!\"\nDann beugte sie sich über ihn. Sein Hals glänzte\nmädchenhaft neben den sonnbraunen Wangen und\ndem dunkeln Bart.\n„So straf ich mich für deine Sünde!\" Bitter\ngellt der Schrei zu ihrem wilden Schluchzen. Er\nschlägt die Augen auf, sie stößt zu.\nGott hat ein Zeichen getan, daß ich die Kraft\nhatte, dachte sie, als sie bis zum Morgen durch den\nWald ritt und sich an Dörfern und Meierhöfen\nvorbei zum Armpacher durchfragte. „Es war bei\nGott geschworen, wem ich zugehören soll, und\nder dagegen frevelte, der Kühne, den hat Gott\ngeschlagen um seines heiligen Namens willen!\" —\nWeißgrau von Reisestaub ritt sie zum Hof\nherein. Am Brunnen vorbei und an den blüten-\nschweren Linden.\n„Zum Ritter wollt Ihr? Eine wichtige Mel-\ndung? — Ja, er ist taub und stumm. Die Leiche\nliegt dort drüben in der Burgkapelle. Dort könnt\nIhr auch die Herrin finden, die jetzt hier befiehlt.\"\nEin kühler Dämmer durchfröstelte den niedern\nRaum. Die Fliesen klangen unbeweglich stumpf\nund steinern unter den Sohlen. Unbeweglich stumpf\nund steinern wie das bleiche Weib mit den roten\nAugen, das auf dem Fußboden neben der Bahre\nkauerte. Sie regte sich nicht und Hilde trat schon\nnahe heran: „Was für ein Höllentrug!? Das ist er\nnicht. — Das kann er doch nicht sein!\"\nDie roten Augen bohrten sich in ihr Gesicht:\n„Wer nicht? Wer, glaubst du, nicht?\"\n„Den Mann habe ich mit diesen Händen doch1\nerschlagen. — War es nicht Gott?!\"\nDas Weib am Boden nickte: „Gott.\"\n„So war er 's selbst, und Gott hat mich ver-\nsucht. So unbezwinglich heftig zog es mich zu\nihm! Und seine Liebe schlug um mich; so süß,\nso süß! Wie konnte ich das für Sünde halten?!\"\n„Es war auch Sünde,\" nickte das Weib am\nBoden. 1 r i i\n„Du giftiges Weib! Dich nannte er giftiges\nWeib! Wir waren mit jedem Kuß in Gottes Recht.\"\nDas Weib am Boden nickte: „Und allen ge-\nschah recht, Gottes Recht uns allen!\"\n„Warum nur hat er sich verstellt ?f\"\nDie roten Augen hoben sich wieder: „Höre,\ndummes Kind! Warum du jammerst, frage doch!\nHat dir die Liebe wohlgeschmeckt? Nur zu! Sie\nwird dir immer süßer schmecken. Die schönsten\nJunker aller Welt werden sich die Kniee wund\nknien, um dir dies Glück bereiten zu dürfen. Du\nglaubst, das ist Sünde? — Alles ist Sünde, viel-\nleicht auch das Beten, wenn es wohltut. Aber sün-\ndigt nur zuletzt, wenn's Euch zu viel wird, kommt\nein Mönch und alles ist, als wäre es nicht ge-\nschehen, wenn Ihr nur wollt; und dann, wenn Ihr\nermüdet seid, dann wollt Ihr schon, und in den\nfrommen Häusern ist es kühl! Du glaubst mir\nnicht?! Ich habe diesen Mann hier hingeschickt,\num dich zu morden; hab' dich zur Mörderin ge-\nmacht und ihn gemordet. Ich gehe in ein Kloster,\nbete ein wenig, und ehe ich sterbe, bin ich eine\nHeilige!\"\n„Du hast ihn in den Wald geschickt, um mich\nzu . . .\"\nMit Todesgrauen schrie sie es und hielt die\nHände mit gespreizten Fingern starr vor sich, nach\nrückwärts fliehend, die furchtgebannten Blicke den\nroten Augen zugekehrt, die zornig zitterten:\n„Schreie nicht, schreie nicht! Sie schlagen mich\ntot, wenn sie es hören.\"\nSie aber schrie und lief zum1 Brunnen, wo die\nblütenweißen Linden standen. „Gott hat gesündigt!\nDie ihm blind gehorchen, sind gestraft.\" Wie hin-\ngeworfen fiel sie auf den Boden, wand sich in\nheißem Weinen und in Krämpfen. Immer mehr\nBurggesinde umstand sie, flüsternd und ratlos.\nAm nächsten Morgen wurde die Pellsteinerin\nverbrannt, weil es sich erwies, daß sie durch1\nHexentrank den Armpacher gezwungen hatte, das\nSchwert in den eigenen Hals zu stoßen.\nAber die junge Braut und Herrin jetzt ließ bald\nnachher die unvermählten Ritter im ganzen Lande\nzu sich laden, damit sie unter ihnen wähle. Und\ndie Bedingung stellte sie, daß jeder einzeln und\nvöllig unbekleidet sich ihr in ihrem Prunkgemach\nerkläre, weil sie nur so entscheiden könnte, wer\nder schönste sei.\n\nEine Begegnung\nVon Berthold Viertel\nEs war an einem unklaren Vorfrühlingstage.\nDie Atmosphäre, voll dumpfer Erwartung, quälte\nmich. Ich ging planlos, der inneren Stadt zu, und\ndrang, Beruhigung suchend, in das Gewirre der alten\nGassen.\nIn den alten Gassen war es anders. Nichts von\nErwartung, nicht die Unruhe des Vorfrühlings. Der\nungewisse Himmel schien hier, über all dieser zu-\nsammengekauerten Enge, vom Leben vergessen,\nvon Gegenwart und Zukunft endgültig abgeschieden.\nGierig tastete sich mein Gefühl in den feuchtkühlen\nSpleen der Vergangenheit, der leise und stetig aus\nden zusammengeschrumpften Häusern aufstieg.\nDa kam mir, plötzlich aus einem Gäßchen\nbiegend, eine alte Dame entgegen.\nThr gelbes, spitzes Gesicht war abgestorben,\nmondeskalt. An den Mundwinkeln waren zwei\nfamose Falten, voll toten Kummers, die sich mir ins\nHerz fraßen, als ich sie sah. Auch lächelte der\nMund, ohne sich zu regen, im Lächeln erstarrt.\nAber die Aug:en bewegten sich. Diese hellen,\nwie farblosen Augen wanderten umher, schnell und\nsinnlos. Verirrte. Weiße Härchen, die sich von dem\nversteinerten Haarknoten losgelöst hatten, flatterten\num die vergilbten Schläfen und belästigten die\nAugen unbestraft.\nDen Kraben ihres Astrachanjäckchens hatte die\nDame aufgeschlagen, als ob wir im tiefsten Winter\ngingen. Wahrscheinlich hatte sie die Jahreszeit\nübersehen. Trug sie doch einen Strohhut, nachge-\ndunkeltes, wie zertretenes Stroh, mit schadhaften\nKornblumen geschmückt. Den schwarzen Rock\nzog sie mit schwarz behandschuhter Hand eng an\ndie Reine.\nUnd sie tänzelte kokett, sie tänzelte an mir vor-\nbei, ohne mich überhaupt zu bemerken, mit einer\nGrazie, die vielleicht bei den unterirdischen Festen\nder Toten üblich ist.\nTch folgte ihr. Sie ginsr zeremoniös und hob ihr\nKleid, wie sie es gelernt hatte."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.5", "texte": "War es nichts als die Maske des Alters? War\nin ihrer Seele etwas von dem, was, alle menschliche\nHoffnung verhöhnend, aus ihren Zügen sprach?\nWas tat sie alle Tage? Rastete sie? Irrte sie um-\nher? Wohnte sie bei Menschen, die zu ihr gehörten\nund sie zu ihnen, sprach sie mit jungen Leuten?\nLebte sie überhaupt? Ich wollte sie anrufen.\nAber plötzlich wandte sie den Kopf nach mir,\nblickte mich an.\nJa, zweifellos, die Maske hatte mich angeblickt.\nAls ob mich ihre Einsamkeit mit einem Pesthauch\nangeblasen hätte, war es. Die zwei schlimmen,\ntoten Falten an den Mundwinkeln wurden lebendig,\ngruben sich tief ein, wie Trotz, das verhärtete Grin-\nsen drohte mir. Die ziellosen Augen standen still\nund schössen Feindschaft\nDer Wille einer Seele hatte zu mir gesprochen,\nden ich zu respektieren hatte.\nIch sah ihr eine Weile nach, während das\nRätsel des Lebens schmerzhaft in mir bohrte. Dann\ngehorchte ich, wandte mich ab und ging.\n\nDaniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nEs zogen jetzt Abende über die Stadt, die mit\nleisen, verschüchterten Fingern an den Giebeln der\nHäuser tasteten und mit der Sonne sparten, die in\nroten Wolken verhüllt war. Und wenn der Wind\nan den Fenstern der Gräfin Regina vorbeiflog,\nstockte er eine Weile und suchte in dem Dämmer\ndes Salons nach den gelben Haaren Marta-Biankas\nund nach ihren Augen. Die standen groß und\nschimmernd im Hintergrunde, dort, wo es am dun-\nkelsten und stillsten war, und sahen zu den Wol-\nken, die mit Seide und Damast den Himmel ver-\nbargen. Die Augen Marta-Biankas waren wie eine\nTür in einem hellen Saal. Nicht tief, wie die der\nGräfin. Aber sie blieben lange Stunden treu an\neinem Bilde oder einem Munde und konnten wun-\ndervoll leuchten. Sie hatten einen Grund wie ein\nBach mit kleinen Kronen und winzigen Zacken,\nals hätte dort jemand goldnen Lack verstreut.\nJetzt blickten sie starr und schimmerten, und woll-\nten nicht von den Wolken fort, und blieben dort\nbeinah den ganzen Tag. Sie zuckten nicht und\nließen es ruhig geschehen, wenn aus der Weite\nihres Herzens, fern, ganz fern, eine Träne aufstieg,\ndie auf den Teppich niederfiel und glühte. Marta-\nBianka weinte. Sie weinte in einer verwunderten,\nheftigen Traurigkeit, die sich in ihre Seele verirrt\nhatte, wie ein Kind, in einem unsagbaren Staunen,\ndaß sie daran nicht zerbrach wie ein Spiegel. Sie\nwußte nicht, wie lange sie schon weinen mußte.\nSie dachte nicht, sie fühlte nur, wie ihre Tränen\nfielen, mühselig und nach einem langen Weg,\nbrennend wie heiße Steine, die ihr den Hals ver-\nsengten.\nDie Gräfin Regina ging an den bitteren Tränen\nMarta-Biankas vorüber, ohne ein Wort. Aber ihre\nSeele war weiß geworden wie der Schnee und\nwie die Haare an ihrer Schläfe, die ihr der kleine\nSpiegel hinter dem Vorhang zeigte, wenn sie beim\nFenster saß und fror. Ihre Liebe zu Valentin pei-\nnigte sie, und sie litt unter ihr. Darum kam es wie\ngroße Bangnis, ein zärtlicher, unsagbarer Schmerz\nin ihr Leben, als sie das Glück ihres Kindes in\nden bebenden Tränen zerrinnen sah, die in das\ndunkle Gewebe des Teppichs silberne Schnüre\nstickten. Sie durfte nicht fragen, weil sie die Seele\nMarta-Biankas kannte und wußte, wie scheu und\nschreckhaft sie sich fürchtete. Sie mußte dabei\nsein, wenn unter dem gelbgoldenen Haar das blasse\nGesicht mit den weiten hilflosen Augen wie ein\nBildnis wurde, ernst und reglos und ohne Freude.\nSie mußte dabei sein und schweigen. Sie sah die\nDunkelheit im Herzen ihres Kindes und klagte\njenen an, der die Lichter zerblies, die fromm und\nsehnsüchtig darin brannten. Ihn, den jungen Baron,\nden sie unter Zweifel und Zagen eine Zeitlang\nfast geliebt hatte, weil er soviel Trunkenheit und\nGlück, und ein heißes, vergeßnes Lachen in den\nAugen Marta-Biankas entzünden konnte, daß sie\nam Beginne fast gestorben wäre. Und am Glücke\nzu sterben, wenn es zu groß, zu wild und schmerz-\nhaft für den Leib geworden ist, wenn es die Seele\ntötet und das Herz verzehrt wie einen Lappen,\ndas müßte der schönste Tod sein im Leben. Daran\nhatte die Gräfin oft und lange gedacht, wenn die\nWangen Biankas weiß und durchsichtig schienen\nwie die Flamme einer Kerze, und ihre Haare ver-\nlöschten und hell und trocken wurden in einem\nseligen Fieber. Die Gräfin wußte, wie es ent-\nstanden war mit dem Baron und ihrem Kind.\nValentin hatte es ihr wohl hundertmal erzählt, wenn\nsie in Angst um diese fremde Liebe in seinen Armen\nlag, und er sprach immer wieder davon, zwischen\nKüssen und den lüsternen Wunden, die er mit\ngrausamen Zähnen in ihren Leib graben konnte,\nweil es sie quälte. Nun wuchs ein Gram und ein\nGroll in ihr gegen den jungen Räuber, der das\nLeben Marta-Biankas in die Hände nahm wie eine\nSchachfigur, der ihr die Liebe aus der kindlichen\nSeele gezerrt hatte mit dem verwegnen und ge-\nfährlichen Spiel seines Mundes, der diese Liebe\njetzt folterte und ihr wehe tat — Gott wußte,\nwas er damit begann. Sie hatte schon seit langem\nnichts mehr von den Beiden erfahren, sie blieb\neinsam und abgeschieden, und niemand besuchte\nmehr den roten Salon, weder Daniel Jesus, noch\nder Baron Sterben, noch sonst wer. Nur Valentin\nbetrat täglich ihr Zimmer, und ihre Kniee zitterten,\nwenn sie seinen Schritt vor der Türe hörte. Er\nwar böse und gewalttätig. Er schlug sie mit seinen\ngroßen, knochigen Händen, daß tiefe Striemen ihre\nfeine, gelbe Haut durchschnitten und sie die Zähne\nzusammenbeißen mußte, um nicht laut zu schreien.\nAber sie konnte ihm nicht mehr entrinnen, er war\nihr Herr, und sie kniete vor seinen Füßen und\nbat um Barmherzigkeit. Dann hob er sie zu sich\nin die Höhe und riß ihr den Kopf ins Genick und\nküßte sie, daß sie alles vergaß, daß ihre Zunge\nschwer und zischend in ihrem Halse hing wie\nglühendes Eisen, daß ihre Besinnung zerfiel wie\nein Kartenhaus, und sie wie ein Gewicht mit\nstöhnendem Schrei zu Boden sank.\nAuch Valentin hörte nichts mehr von Marta-\nBianka und dem Baron. Ihre Liebe war von Tag\nzu Tag immer heimlicher und versteckter geworden.\nUnd die Gräfin stand wortlos und voll Schrecken\nvor einem Rätsel, dessen Lösung sie bange er-\nwartete. Schon sieben Tage flössen die Tränen\nMarta-Biankas in den Teppich mit den phantasti-\nschen Linien und den dunklen Farben, der den\nBoden des Salons wie ein Wunder bedeckte. Und\nsie wurden immer glühender und schmerzlicher.\nEs war in ihnen ein Glanz von Blut und Traurig-\nkeit, daß sie zuweilen niederfielen wie seltene,\nschöne, purpurne Steine. Ihre Augen, die groß\nund schimmernd im Dunkel des Hintergrundes\nstanden, sahen nun schon eine Woche starr und\nunbeweglich zu den Wolken hinaus und ihre Hände\nzitterten wie die Blätter des Gartens im Wind.\nHerb und angstvoll wuchs die Sorge der Gräfin\num ihr Kind. Sie wurde krank und häßlich im\nKummer, und ihre Geberden alterten. Und jede\nTräne, die Marta-Bianka weinte, grub eine Linie\num ihren Mund.\nMarta-Bianka erwachte in einer Mainacht wieder\nvor dem Mond, der in ihr Zimmer wie ein blü-\nhender Baum schien, hell und silbern. Sie hatte\nvon dem Abend geträumt, als sie in bloßem Hemd,\nmit Mantel und ohne Schuhe durch die Straßen\ngelaufen war, um das Haus des Geliebten zu finden.\nSie schlug die Augen auf und sah die Mutter vor\nihrem Bett knien und beten. Der Mondschein\nflackerte auf den weißen Haaren und dem bleichen\nGesicht. Und Marta-Bianka erkannte, daß tausend\nSchmerzen und Bitterkeit und Angst darüber hin-\nweggegangen waren, seit sie zum letztenmal hin-\neingeblickt hatte, vor wenigen Tagen erst, bevor\nsie in die roten Wolken zu schauen begann. Da\nzog eine große, ausschweifende und weite Sehn-\nsucht in ihr Herz. Sie schlang die Arme um den\nschönen Hals der Gräfin, über den eine arge blu-\ntige Schramme lief. Sie küßte die Hände, die für\nsie beten wollten, den Mund, der so häßlich ge-\nworden war in wenigen Tagen, sie weinte wieder\nund wieder ihre großen, schimmernden Tränen, in\ndenen ihre Traurigkeit und ihr Blut, ihre arme ge-\ntäuschte Liebe, ihr hohes, klingendes Herz sich\nfanden und die sich im Lichte des Mondes zu-\nsammenflochten wie zu einem Strauß. Und sie\nerzählte der Mutter alles. —\nBaron Sterben war tot. Gestorben in den\nArmen Hagars, der Zigeunerin. Seit die der\nSchuster aus seinem Haus gestoßen hatte, war sie\nzu dem Baron zurückgekehrt. Er versteckte sie\nvor Marta-Bianka, und während er mit törichten\nLügen ihren kindischen Mund verschloß, während\nseine Hände ihr bernsteingelbes Haar streichelten,\nstand nebenan im Zimmer die Zigeunerin und war-\ntete auf die Stunde, die ihn wieder ihrem Leibe\nschenkte und seinen hungrigen Lüsten. Er hatte\nHagar verboten, sich zu zeigen, wenn die andere\nbei ihm weilte, und ihre trotzige Widerrede mit\neinem Blick zersägt, vor dem sie verstummte. So\nbelog er Marta-Bianka wochenlang, und ihr ein-\nfaches, großes Herz glaubte ihm und blickte rot\nund selig wie die Sträucher in seinem Garten. Bis\nsie dann eines Tages vor ihm stand und in seine\ntoten Augen sah. Da wußte sie alles. Er lag\nim Bett, die Zigeunerin neben ihm, und ihre Augen\nwaren in namenlosem Entsetzen stehen geblieben\nwie eine Uhr. Marta-Bianka war eine Stunde früher\ngekommen als sonst und ohne zu fragen einge-\ntreten, wie sie es immer tat. Auf seinem Gesicht\nstand noch das Entzücken der Liebe, an der er\ngestorben war. Im wirren Taumel zerbrach sein\nfeines und nervöses Herz zwischen der Lust und\nder Glut der jungen Zigeunerin, die ihn mit ihrem\nmagern Körper getötet hatte wie mit einem Messer-\nschnitt. Die Liebe hatte sein Herz zersprengt und\nseine Seele zerrissen wie ein Tuch. Die Zigeunerin\nkniete neben ihm im Bett, ihr Hemd war herab-\ngeglitten und zeigte ihre kleinen, gefahrvollen\nBrüste. Sie kniete stumm neben seiner Leiche. In\nwirrem Schrecken starrte sie auf Marta-Bianka, die\nweiß wie eine Blüte zum Bett des Geliebten trat\nund ihm in die gebrochenen Augen schaute. Das\nEntzücken, das ihr daraus entgegenstarrte, ver-\nglast und trüb geworden im Sterben, verbrannte\nin heißem Leid ihr Herz wie eine Flamme. Sie\nwar plötzlich kein Kind mehr. Sie wußte und ver-\nstand alles. Ihre Liebe war ein Traum gewesen,\neine Lüge von Anbeginn. An einer fremden Liebe\nwar der da gestorben. Das Märchen war vorüber.\nEr hatte mit ihr gespielt wie mit einem Lächeln.\nWeil sie Augen wie eine Ampel hatte und bern-\nsteingoldenes Haar. Er hatte ihre Seele und ihren\ndreizehnjährigen Leib genommen, der beinahe zer-\nbrochen wäre im Glück, wie nun sein Herz an\nder Liebe der Zigeunerin. Doch er hatte Raum\ngehabt neben ihr für fremde Augen und fremde\nKüsse, während ihr Leben voll war bis zum Rand\nvon dem seinigen. Er hatte Platz gehabt neben\nihrem Herzen für eine fremde und heftige, zehrende\nund blinde Leidenschaft, für die er gestorben war,\nohne sich an Bianka zu erinnern, fern von ihrem\nNamen und ganz erfüllt von dem schäumenden\nGlück einer anderen Stunde, in der er ertrank.\nMarta-Bianka schämte sich. Sie schämte sich, daß\nsie ihm angehört hatte und seine Geliebte gewesen\nwar. Sie schämte sich, daß sie sich selbst und ihr\nganzes Leben ihm geschenkt hatte, für den sie\nnicht mehr bedeutete, wie ein Spiel oder eine kleine,\nlächelnde, verliebte Laune.\nIhre Liebe verflog wie die Staubkrone des\nLöwenzahns im Spätsommer, wenn der Sturm sie\nzerstört. Nur das Gift der Traurigkeit blieb in ihr,\nder großen, unendlichen Traurigkeit, die nur ein-\nmal im Leben kommt, wenn unsere besten Stunden\nvorüber sind und niemals wiederkehren.\nSie sah mit einem langen Blick auf die Zigeu-\nnerin, die noch immer von Entsetzen gefesselt neben\nder Leiche des Barons Sterben kniete. Sie wandte\nden Kopf und ging nach Hause. Ihr Herz war\nverdorrt und ihre Seele in Nöten. Und ihre Tränen\nfielen endlos wie ihr Kummer. Sie schämte sich1\nund bereute. —\nSo erzählte Marta-Bianka der Mutter die Ge-\nschichte ihrer Liebe. Mit großen Augen hörte die\nGräfin zu und mit zuckendem Munde. Die Ge-\nschichte seines Todes erschütterte sie. Sie mußte\nan sich und Valentin denken und fühlte das duf-\ntende Licht der Nacht auf der Narbe an ihrem\nHalse spielen. So war die Liebe von Anbeginn,\nimmer und immer wieder, seitdem sie sie kannte,\nTränen und Wunden, und Trauer und Grausam-\nkeit. Und sie nahm den Kopf ihres Kindes mit\nihren weißen und schönen Händen, zwischen deren\nFingern eine bunte Sinnlichkeit flackerte, und be-\ndeckte die Wunde an ihrem Hals mit den Haaren\nund den Tränen Marta-Biankas. Und sie weinten\nbeide zusammen in dieser Frühlingsnacht und hielten\nsich mit den Händen und weinten, bis der Mond\nblaß wurde und am Ende verschwand, und bis\ndrunten im Garten ein Vogel im Schlaf von den\nRosen des Sommers zu sprechen begann.\n\nAchte Fortsetzung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.6", "texte": "Labyrinth\nVon Chammay Pinsky\nAus Deinem Schlafe schöpf ich meine Träume,\nIch singe wie Dein Leib, wie Deine Nächte —\nIch singe wie Dein Blut.\nWenn ich in einem Lied, in einem Märchen\nVon einer Königin erzähle,\nDie einen armen Sänger liebte —\nSo sind wir's beide.\nUnd wenn ich dann von einer braunen Hirtin,\nDie einen großen König liebte, singe —\nSo sind wir's wieder.\nWenn nachts ein Engel, auf dem Monde reitend,\nZu meinem Bette kommt und meine Träume\nstreichelt\nUnd meine Lieder singt, damit ich schlafe —\nIch weiß — Du bist es!\nIn einer Urgewitternacht —\nWenn aus dem Herz des Donners mir entgegen\nEin großes Schauer wunder, eine Lilith,\nHervorblitzt —\nMit Armen und mitFüßen mich umschlingend,\nAls wolle sie mein krankes Haupt\nMit Blutgewalt der Donner ihrer Brüste\nZerstürmen —\nDu bist es wieder!\nIch seh Dich in Jerusalem\nAuf Gipfeln heiliger Berge,\nWo einst Propheten standen,\nVor Augen scharfer Sonne\nDen schönsten Jüngling küssend —\nUnd seh Dich in den Tempeln\nDer alten großen Heiden\nAls kindlich schöne Priesterin\nIm heiligen Irrtum\nDen Weihrauch, statt dem Abgott,\nDem jungen Priester reichend . . .\nUnd in Aegyptens Labyrinthen\nNach einem Wandertage, einen Ausgang suchend,\nDann kommt am Abend, wie ein Rest der Sonne,\nEin Mädchen plötzlich, das mir leise\nRasch eine urgeheime Tür zeigt,\nDie rechts zu einem Paradies führt\nUnd links zu einem wilden Brunnen,\nWo es mit mir die ganze Nacht bleibt,\nDamit wir morgens beide sähen,\nWie dort am Nil die Sonne aussieht —\nUnd morgens bei dem Brunnen\nDa lacht das Mädchen lustig\nUnd ich erkenne Deine Augen —\nDie Labyrinthe.\nUnd überall, wo meine Lieder wandern,\nWo meines Blutes Geist mich tollreißt,\nDa find ich Dich, Du braune Hirtin,\nDu, meines Lied's Prinzessin,\nDu Nachtcherub, Du schwarze Lilith,\nDu Labyrinthenwächterin,\nDu Kind Jerusalems, Du schöne Heidin —\nDa find ich Dich,\nMir Deine großen Augen,\nWie zwei Prophetinnen,\nEntgegentragend.\n\nEin Amen\nElse Lasker-Schüler.\nEinmal, als ich sie besuchte, malte jemand ihre\nHand — eine schmale Dolde am Ast, eine Seele,\ndie blühte. Ellen Neustädter spielt nicht zur Schau;\nihr Spiel ist eine tiefe Dichtung. Die Bühne fängt\ndie Geschehnisse ihres Herzens auf und reicht sie\ndem Besucher, ein vielköpfiges Ganzes. Sie gibt\ndem Gemach oder der Landschaft die Farbe und ihr\nOdem ist überall. Die Damen vom künstlerischen\nTheater in Moskau könnten ihre Schwestern sein;\ndie haben allerdings ihre Partner, ihre Zugehörig-\nkeit. Ellen Neustädter hat nur einen gleichwertigen\nBruder in Berlin: Oskar Sauer. Warum trennt man\ndas rechtmäßige Spielerpaar? Klein Eyolfs Eltern\nsind sie. Schwere, hehre Paradiesstimmung, düstere\nErnte. Eine Engeline: Ellen Neustädter; der Erz-\nengel unter den Schauspielern ist Oskar Sauer. Was\nihre Lippen bringen, ist Kunst aus Segen gewölbt.\nSein Spiel straft, ihr Spiel belohnt; ist ihr Wesen\naus Glas, sein Wort aus Stahl. Immer erzwingt die\nGabe der beiden Wunderkünstler ehrfürchtige An-\nbetung. Es schneite draußen weiße Sterne. Oskar\nSauer war seinen Leiden erlegen in „Nora\".\nStand noch lange nach Schluß der Vorstellung am\nTheatertor — ich bildete mir ein, er sei wirklich\ngestorben. Auch heute wagte ich mich nicht stür-\nmisch zu begeistern. Ellen Neustädters Seele ist\neine zagende Dolde. Durch die lange Theater-\nabendstraße ging ich1 auf Zehen heimwärts, denn\ntaiein Herz träumte noch. Genial ist das Unantast-\nbare, erzengel ist alles Genie, es erlöst vom Täg-\nlichen, bringt Verlorenheit und Seligkeit zugleich.\nBei Gelegenheit einer Aufführung- des Schauspiels Liebes-\nwal z c r in den Kammerspielen zu Berlin\n\nDie Nestroy - Charade\nJoab . . . Guido Ilerzfeld\nJudith. . . ***?\nBimini\nBei plebejischen Totschlägen und adligen\nSchießaffairen stellt Herr K. A. unter dem Strich\ndes Berliner Tageblatts kulturelle Betrachtungen an,\nin denen sich Rudolf Lotharsche Weltkenntnis und\nHolzbodksche Weltanschauung spiegeln. Aber\nwenn die Temperatur aufs höchste steigt, bricht\ner eine Feder für ff. Biere und div. besttemperierte\nBöwlchen und lenkt den Verdacht, daß die all-\ngemeine Volksverblödung durch die Lektüre seiner\nFeuilletons gefördert werde, umständlich auf zu\nreichlichen Genuß von Zitronenlimonade.\nAm Abend des 24. Juni dieses Jahres war die\nTemperatur selbst im Deutschen Theater, wo sich\nHerr K. A. als referierender Beobachter aufhielt,\ndurchaus erträglich. Eine Vermutung, was für Ge-\ntränke etwa Herr K. A. an diesem Abend zu sich\ngenommen haben könnte, ließe sich daher auf den\nThermometerstand des 24. Juni doch nur recht vage\nbasieren, wenn nicht sein in derselben Nacht ent-\nstandenes Referat den Verdacht erwedde, daß Herr\nK. A. bisweilen selbst im Genuß von Zitronen-\nlimonade über die Schnur haut. Ja, der kritische\nTheaterbesucher und der aufmerksame Leser K. A.-\nscher Feuilletons kann sogar feststellen, daß die\nüberreichliche Limonaden-Libation in der Pause\nzwischen Goethe und Nestroy stattgefunden hat.\nZwar war K. A. noch fähig zu erkennen, daß „die\nLaune des Verliebten\" miserabel wie Limonade ge-\nspielt wurde, aber der Nestroyschen Judith-Parodie\nwar er nicht mehr imstande zu folgen. Er möchte\ngern ein lobendes Gliche an den Darsteller der\nJudith vergeuden. Aber auf dem Theaterzettel\nfindet er dessen Namen verschwiegen und durch\ndrei Sternchen ersetzt. Daß Joab, der Judith Bru-\nder, unter den Frauenkleidern steckt, entgeht ihm.\nIm zweiten Akt tritt der Kerl als Soldat auf und\nals Judith verstellt er seine Stimme. Aber K. A.\nhat recht. Wenn Nestroy die Judith, die gar nicht\nauftritt, sondern von ihrem Bruder Joab gemimt\nwird, im Personenverzeichnis besonders aufführt,\nist das kein Grund für die Theaterleitung den Refe-\nrenten eines einflußreichen Blattes durch drei Stern-\nchen in die schaudervollste Verlegenheit zu bringen.\nEr ist nun einmal gegen die Symbolik. Nun gar\nnoch auf dem Theaterzettel!\n\nKirchliches\nZu kurz gesprungen\nSelbstmord eines Löwen\nOder\nMinimax\nEin tragisches Ende fand ein bejahrter Löwe,\nder von der Berliner Parochialgemeinde vor siebzig\nJahren für die Gemeindekirche engagiert war. Er\nhatte gemeinsam mit drei anderen bronzenen Löwen\ndarüber zu wachen, daß die umwohnenden Christen\nregelmäßig in die Kirche gingen, und von seinem\nStandpunkt auf dem Turm sich die Säumigen zu\ninerken. Der Nachlaß des Kirchenbesuches im\nletzten Jahrzehnt hatte den Löwen schon sehr\ndeprimiert; das in Ehren halbverblödete Tier war\nnun durch die neue Kulturkampfbewegung in hohe\nErregung geraten. Am Sonnabend nachts 11 Uhr\nstellte sich der Schutzmann Paul Schnauzbart vom\n57. Revier zur Kontrolle auf dem Kirchplatz auf;\nder Löwe hielt den Mann, der in großer Pose im\nDunkeln neben einer Pumpe stand, für den leib-\nhaftigen Papst, sprang herunter, auf ihn zu, und\nkam elendiglich um. Unter großer Beteiligung der\nganzen protestantischen Bevölkerung dieser Ge-\nmeinde, nach Absendung einer flammenden, un-\nfrankierten Ansichtspostkarle an den Papst, trug\nman den Löwen zu Grabe, der übrigens, wie sich\nerst jetzt herausstellte, nur aus Blei war.\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nELSE LASKER-SCHUELER\nStyx / Gedichte\nVerlag Axel Juncker Stuttgart-Berlin\nOTTO WEININGER\nUeber die letzten Dinge / Nachlass\nVerlag Braumüller Wien\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHER WARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\ng I=3l =}!=3oC=l\\ II Ig\nSalon Cassirer / Viktoriastr. 35\nJt- \" ' T n 9\nOskar Kokoschka\nEintritt 1 Mark\nKM If ' , H ll\n\nLanderziehungsheim Schlofi Drebkau N L\n■ Zwei Stunden von Berlin ■\nErziehung und Unterricht nach modernen Grundsatzen\nAufnahme von Knaben u. Madchen jederzeit — Grosser Park — Turn- u. 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DER\nValerie,\n/VKIMiLIAM\n•/MCHT\nBERLIN.WSO\nRANKE $fo. 1 •\nW~\n'ft *J\nINTRITr\nTAPPe/Zr*\n\nBerufen Sie sicK\n\"\"\"« bitte bei Einkaufen auf die\nAnzeigen dieser Zeitschrift\n\nInte nat. Patentbureau, gegr. 1393, Fstte & Theune\nBERLIN SW 48 Friedrichstrasse 230 Tel. 6a, 18 981\nJlusarbeitung von €rfindungsideen. Patentanmeldung in\nalien Candern. Ifldsslge Preise. Heine nacbzal)lungen.\nSd)nelle Verwertung von Patenten oftne jeglieben Vorsdjuss.\nwelches. 112. Beteiligung an d. Ausbeutung von Pa-\ntenten interess., bitten wir um ihre Adresse, um\nkostenlos. unverbindl. Angebote machen z.konnen.\n3U;iKllt VCIWtI\n, Kapitalisten\n\nI DERDEMOKRAT |\nWochenschrift fur freiheitliche S\nS Politik / Kunst und Wissenschaft 3\n! 1\nS Erscheint jeden Mlttwoch\ni i\ni Nummer 10 Pf. / Quartal Ml a\n* Probcnummern frei d. G. Zepler i\nJ Charlottenburg Bismarckstr. 103 |\n\n:: PROBENUMMERN ::\numsonst u. portofrei durch die\nGeschaftsstelle „DER STURM\"\n\nXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX\nAuf den Hund-\nertsten Teil Ihres Reklamebudgets\nkommen Sie,\nwenn Sie die sachgemasse Bearbeitung Ihrer Propaganda\niibertragen dem\nAnnoncen-Bureau Bots, W 35\nPotsdamerstrasse 111\nxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx\n\n1000 Kronen erhalt\nwer im Stande Ist, ein unentbehrlich Ding fiir die Nacht: „Mond-\nlicht\" in jedem Hauie, ein Wunder der Chemie, auszubiasen\nMein Mondlichtapparat, ein wunderbar sinnreich konstr. inter-\ncssanter Wirischaftsartlkel, besitzt unbegrenzt haltbar die FShig-\nkeit, vollstandlg kostenlos zu leuchten, da hierzu keinerlei Brenn-\nsroffe angewendet werden. Vieljahr. Garantie fiir tadell. 112 unktioo.\np • fttr tJr»s»e M. I. 11. 111. IV.\nrreise: Kronen 3,G0 4,50 7,- 11,- 10,-\nFranko fiberaU hin gegen Vorauszahlung (auch in Briefmarken)\nOder Nacbnahme 30 Heller mehr. Verpackung gratis :: ::\nMontilichtwerk A. Selb Warnsdorf 337 ■\nm\n\n■ ii^wwim—il MI muhmmlß»\"\nCafe Continental s'JTm\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachtss\nGrosses Kunstler - Konzert\nAUe bedeutenden Zcitungen und Zeitschriften\n\nI\nft\nflegyptiscbe DacbricDtcn\n:: in deutscher und franztfsischer Sprache erscheint ::\nDas Zentralblatt der Deutschen im Orient\nWerden von samtlichen (100 DeutschsPrechenden\n■ Aegyptens eifrigst ge- W UUU lesen und finden ihre\nVerbreitung tiber ganz Nordafrika, Kleinasien u. den Orient\nliegen in alien grOsseren Hotels, Cafes und Re-\nstaurants und den das Mittelmeer befahrenden\nDampfern aus. Die ~A. N\" bilden daher\n1 eines der ersten und ======\n_ zweckentsprechendsten Auslands - Insertionsorgane\nHerausgeber: P. Kdfalcr Kairo, Postfach 1315 Probcnannncrn gratis\n\nDARLEHE.N\nreellen Uutcn jeden Standes. Auch gegen JMbelbelelhung, Kanst-Gegens&nden,\nohne abzuholen. — Offizleren, Kavalleren, leamten Geld in jeder Hohe. —\nBeschaff nng von Hypotheken anf berliner und auswartlge Grundstucke. — Kaaf\nund Beleihung von Hypotheken, Erbschaften, Sparkassenbuchern, Lombardscheinen,\nMietzessionen. — Schnelle, grundreelle, di»krete Erledignng. : i—: s—:\nWILHELM MEYER :: Bank - Kommission\nBERLIN S 14 Stallschreibers trass e 56 II\nSprechzeit 10—12 und 4—7 Fernsprecher: Amt IV 6785\n\n>\n-\n• i\n\"l\nIU\nUs\nA#\n(?S>\nw*\nI*,'&/**\"*• «••' •\nft\n71\n■ t >/()!,\nvf-n\nrv*\nDie hervorragende Wirkung des Kosmin auf\nZahne und Zahnfleisch und sein ungewohnlich erfrischender '1\nWohlgeschmack machen dieses Mundwasser schoii nach kurzem Ge-\nbrauche unentbehrlich. Allen, die Wert auf schSne und gesunde Zahne legen, sei\ndaher Kosmin zu taglichen Mundspulungen bestens empfohlen. Ein Versuch ffihrt erfah-\nrungsgemass zu dauerndem Oebrauche. Preis pro Flasche lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich.\n>■ -<\n%"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100630-01.1.8", "texte": "Verantwortl. f. d. Anzeigenteil: H. Günther / Verlag Der Sturm Berlin - Halensee / Geschäftsstelle und Anzeigen-Annahme: Berlin W. 35 / Druck v. Hans Walter, Berlin SW. 13\n\nL©s©n und staimexi! I\nUm unseren Sicherheits-Rasierapparat ~Romileti\", welcher\nalle bis dato auf den Markt gebrachten Rasierapparate iiber-\ntrifft, schnell in alien Kreisen einzufiihren, haben wir uns\nentschlossen\n5000 Stuck zum Selbstkosten-\npreise v. 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Auf der Reise, auf See, im Manover usw. unentbehrlich!\n30 mal benutzt, hat siclt der Apparat bezahlt gemaclit\nDie in jeder Beziehung vorziiglichen Messer besitzen einen derartigen durch ein spezielles\nVerfahren hergestellten Hartegrad, dass sie fur den starksten Bart verwendbar sind.\nBesteilen Sie sofort, denn diese 5000 Rasier-Apparate werden infolge ihrer noch\nniemals gebotenen Billfgkeit bald vergriffen sein.\nSie erhalten diesen tadellosen Rasier-Apparat gegen Nachnalime von 6,30 Mk. portofrei*\nWir richten nur die bescheidene Bitte an Sie, diesen Apparat in Ihrem werten Bekanntenkreise\nzu empfehlen.\nNach Absatz dieser 5000 Apparate kosten diese 15 Mark.\nVersandhaus chemischer und techaischer Neuheiho Hans Fredrick\n:: Berlin SW. 68, Kochstrasse 72 ::\n\nHandelswissen- (?nj nrlM MOQIOF T •\nschaftl. Kurse von NlClll. MCMCI Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatluh\ngepriifte Lehrer, AkademiWer oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung). Griindliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium aer Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njahriges Hochschulstudium. 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Abonn.M 3,60 p.,\"\n\nFORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteranenstrasse 19 Telephoo Amt 111, 8164\nDETECTIVABTEILUNG: Ermittelungen, Beobachtungen,\nHeranschaffung von Material In Civil- und Strafsachen\n\na\nm\na\ntt\nv\nD\n±\\\nt.\ns\n5\nit.\n-3\n*\nffi\nttt\nE\n112\n5\n3$\nK,V^7\nKf: -.&\nfyJ). .; T>\n<-„VM\nr:\\\nIV- :*\ny-_'uv;>\n»:U :\nifj\n+Y:\nm\n2\nw\n$\n* <rf-\ns\nCANZ trocke\n;/'\nBerber 6 riesling |\n«]Es ist nicht mehr als logisch, dafi ein Stillwein, welchef schon\nals solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hochste Voll-\nkommenheit erlangen muß. —\nCI Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling -Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad4 Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundet 185^\nj. Ueber Bedeutung **sit \"Riesling?* gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschluji.\n(si\nyfuuhfc i;\n\"OFLIEFERAn'EN\nE:\na"}]}