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Bei dem üppigen Auf-\nblühen des Landes, bei einem Uebermaß an\nTalenten, großen Begabungen in Technik, Wissen-\nschaft, Kunst, Kaufmannschaft und Verwaltung ein\nvölliges Brachliegen politischer Produktion. Nie-\nmand wird all den Herren oben, die wie Zeppelin\nstolz anschwirren und wie er kläglich stranden,\nden guten Willen absprechen; liebenswürdige Men-\nschen meist, tüchtige administrative Funktionäre,\nauch feine Köpfe. An der Spitze der ehrenwerte\nHerr, der alle paar Wochen einen Minister schlach-\nten muß, um seiner angeborenen Körperschwäche\nnachzuhelfen. Mit geschlossenen Augen tappen sie,\ndie willigen, so bemühten Herren sich hin, ftiit\nvöllig geschlossenen Augen, und wissen nicht,\nwarum sie nicht den Weg finden. Schuld ist: es\nfehlt der Nachwuchs in Diplomatie und Politik',\nes liegt an der geringen Politisierung größerer,\nTalente aufbringenden Massen, es liegt an dem\nAbschluß dieser Kreise von Politik und Diplomatie.\nDieselben frischen Leute brauchts, die den deutschen\nNamen in Technik und Wissenschaft groß gemacht\nhaben, die dem Leben befreundet und mit ihm\nvertraut für die Politik in Neigung und Leidenschaft\ngewachsen sind. Man scheint oben nicht zu wissen,\ndaß die höheren und höchsten Stellen der Ochsen-\ntour verschlossen bleiben müssen, daßi in dieser"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5102, "texte": "Höhe Initiative, politisier Geist und Energie seinen\nPlatz sucht und findet, und daß Verwaltungstechnik\neins und Politik das andere ist.\nNoch schlimmer fast als diese irrige Besetzung\nbekommen dem Lande die sich daraus ergebenden\nKonsequenzen. Die kleinen berufenen Köpfe sehen\nnicht, daß sie mit einem Schlage in eine ganz andere\nSphäre geraten sind. Statt zu verordnen und ver-\nfügen, gilt es hier zu planen, zu enzipieren; es\ngilt, die private Parteirichtung überwinden. Und\ndies ist der zweite wichtige Punkt: die Regierung\nhat es nicht nötig, konservativ oder liberal zu sein.\nWenn Parteien rückständig werden, so ist die Re-\ngierung schlecht zu nennen, welche mit ihnen ver-\ntrocknet. Sie wirtschaftet, frei überblickend, mit\nden Parteien, sie läßt sich nicht in ihre Händel\nverwickeln. Die Regierung hat völlige Freiheit,\nja ist im Interesse der Gesamtheit wie nicht minder\nihrer eigenen Existenz zum Gebrauch ihrer Frei-\nheit verpflichtet; sie kann sich geschmeidig jeder\nVolksbewegung anpassen und sie beherrschen. Sie\nkann herzhaft zugreifen, sonst wächst ihr das Uebel\nüber den Kopf. Will die Regierung eine Aerztin\nsein, so übt sie sonderbare Kunst, wenn sie den\nPatienten so lange vernachlässigt, bis er totschlag-\nlaunig wird. Aber immer wird sich eine mächtige\nPartei bemühen, der Regierung die Hände zu bin-\nden, und immer geht es der Regierung bald darauf\nan den Kragen.\nBei uns wächst die Opposition in keinem meß-\nbaren Umfang. Wer die schärfste Opposition ver-\ntritt, ist jetzt am besten. So drängen Ungezählte\nzur Sozialdemokratie und fast identifiziert sie sich\nmit Regierungsopposition, nimmt alle Wasser auf,\ndie nicht rechtshin fließen mögen. Zweifellos1 ist\ndiese Stärkung der Linken mit lauter Stimme zu\nbegrüßen, denn sie soll die Regierung belehren,\ndaß sie eine grundfalsche Auffassung ihres Amtes\nhat. Sie sieht einen feindlichen Körper in denselben\nMassen, die sie führen und pflegen müßte; sie\nhat längst aufgehört, Regierung zu sein. Die So-\nzialdemokraten kommen zu ungeahnter Macht, sie\nwissen selbst nicht wie. Einer Volksklasse ange-\nhörig, die sich entrechtet fühlt, weil sie, die nie-\ndrigste, dazu mit Vorliebe Gegenstand der agrarisch-\nkonservativen Fußtritte und Vergewaltigungen ist,\nunter mindestens stillschweigender Billigung der\nPseudoregierung. Leute, die es nicht nötig haben,\nsich auf Zeit und Programm m besinnen; denn\n30 Pfennig mehr Tagelohn ist ein rundes Wort, und\nder Stoß, gegen die Brust ein hartes Gefühl. Da\nbrauchts keine Stilistik und Phraseologie; das ist\nverständlich und wirkt im Handumdrehen. Gegen\ndie Plastik und Schlagkraft dieses Programms ver-\nschwindet beinahe alles, was andere Parteien pro-\nduzieren, verschwindet die Schwiächlichkeit des\nvöllig unpolitischen Beamtentums1, das national-\nliberale Seufzer ausstößt, verschwindet insbesondere\ndie Kläglichkeit des liberalen Mittelstandes, das\nseine Ruhe und keinen Pfennig Zinsverlust haben\nwill. Nur die Zentrumspartei hält es mit den Sozis\naus. Man könnte fast in diesen Tagen jammern,\ndaß man kein Katholik ist, um sich dieser mächtigen\nund soliden Partei einzufügen. Alle Stände tirrt-\nfassend, ist sie unfaßbar, will man sie auf eine\nkurze politische Formel bringen; keine Partei, son-\ndern eine Gemeinde. In ihr ist am intensivsten\nzum Ausdruck gekommen die Unabhängigkeit des\npolitischen Standpunkts vom wirtschaftlichen; nur\nsie stellt sich in Machtfülle höhnend entgegen der\nGanzlinken, der die Lohnerhöhung um drei Groschen\npolitisches1 Motiv k!at' exochen ist. —\nWer kann mit ihr, der nicht ihres Glaubens\nist? Alle regierungsabtrünnigen strömen den Sozis\nzu. Aber so sehr man mit diesen um ihrer Energie\nund Opposition willen sympathisiert, man müßte\nblind sein, um nicht zu wissen, daß, aus den tapferen\nopfermutigen Proletariern Spießbürger in dem\nMoment werden, wo sie ihre Lohnerhöhung erlangt\nhaben. Es ist eine Lächerlichkeit, von dieser Partei\ndes gröbsten einseitigen Materialismus kulturelle\nFörderung zu erwarten. Man gehe einmal mit dem\nGeiste, der Goethe liebt und sich an Piaton ge-\nnährt hat, der Beethoven nicht nur gehört hat,\nund an der Erscheinung des Nazareners nicht blind\nvorübergegangen ist, in die Versammlungen dieser\nLeute, und frage sich, was man mit ihnen teilt.\nUnd dann frage man sich aber, wohin nun? Wider-\nwillig treibt das Grosi der Wähler zu der Sozial-\ndemokratie. Wo ist die Stimme, die uns1 den Weg\nzeigt, die Partei — welche Armee und Marine an-\nerkennt und doch die Konstitution ausbauen will\nwelche jene Reformen anbahnt, die sich für ein\nhochstehendes Volk ziemen, — welche die toten\nReligionen aus der Schule verweist und so frische\nLuft und wahrhafte Gewissensfreiheit bringt —,\nwelche der lähmenden Kastenherrschaft entgegen-\ntritt, — welche, wie das Zentrum um die Fahne\ndes Katholizismus, sich sammelt um die Fahne des\nmöglichen kulturellen Fortschritts? Der alte Libe-\nralismus hat in Schönrednern, sterilen Akademikern\nund feigen Börsianern geendet. Könnte es einen\nneuen geben, der sich die uralte Macht von Ideen\nwieder zu eigen macht, der uns die widerwillig\nangetretene Verbindung mit der Sozialdemokratie\nerspart ?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "149", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.4", "titre_corps": "Über die Schönheit hässlicher Bilder : „Ach, warum ist nicht alles opereltenhaft”. Laforgue", "titre_sommaire": "Über die Schönheit hässlicher Bilder : „Ach, warum ist nicht alles opereltenhaft”. 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Schon unterwegs im rauhen Marz-\nwind der Straßen, der allen Damen längs empörter\nFrisuren die Hüte in die Höh' trieb (Balzac würde\nsagen i in diesem Wind, der für Wien ebenso cha-\nrakteristisch ist wie u. s. f.) ... schon unterwegs\nfreute ich mich auf dieses' Künstlerhaus, das ich\nmir warm und nach seinem Namen als1 einen Ver-\nsammlungsort hochgemuter Künstlerecken vor-\nstellte, ja lauter solcher Tiziane, die dort auf- und\nabgehn, patrizisch und in Prunkwämsern ohne Farb-\nflecke mit Königen Gespräche führen. Doch ich\nwar kaum enttäuscht, als ich nur Bilder vorfand,\nBilder ohne Zahl, und an manchen Stellen der Wand\nzwischen zwei Bildern diese braven Siebe der\nZentralheizung, die unversehens' mit Garben tropi-\nscher Witterung überschütten. Ich blieb immer\nzwischen den Bildern. Doch meine Gefährtin war\nvon künstlerischen Entzückungen schon umzingelt,\nattackiert, überwältigt. Die Luft deutlich gemalter\nSonnenuntergänge atmete sie, wiewohl in dieser Luft\nfettglänzende Wolken aus Himbeerlimonade hingen,\nmit Vergnügen ein, sie fuhr in sauber-wuchtige\nFjordkulissen, wurde durch Charlie Stuarts Hin-\nrichtung erschüttert zugleich und belehrt. . . „Aber\ndas ist doch lauter Klitsch! Wie kann Ihnen so\netwas gefallen?\" rief ich lächerlich-ernsthaft, indem\nich meiner durch Wärmebedürfnis erklärbaren Stel-\nlung ein satirisches Cachet zu geben bemüht war.\nSie sah mir gekränkt zu und ging in den nächsten\nSaal. Ich folgte . . . Auch hier Korbsessel, Tep-\npiche, Palmen, Oberlicht, und an den Wänden\nführten Schutzengel mit aufgereckten Gänseflügeln\nkleine Mädchen über Stege unpraktischer Bauart,\nein Lohengrin, dessen Bewegungen trotz seines\nSijüberpanzers wie unter geselligstem Frack sich\nzierten, küßte sein kokettes! Eischen, nebenan sagten\ngesund und doch1 melancholisch1 aussehende Hand-\nwerksburschen in vormärzlichen Kostümen ihrer\naber schon sehr poetischen Heimatstadt Ade, blon-\ndeste Backfische, rosarot, frisch vom Konditor,\nhatten Noten und eine Lyra und einen auch im\nSchlafe blassen Dichter, den sie amüsant bekränzten,\nauf Schneelandschäften (weiß, fraise, perlgrau) er-\nschienen krächzende Raben durch das ein für alle-\nmal feststehende Zeichen zweier aneinander ge-\nfügter Beistriche angedeutet, und dasl Exotische war\nvertreten durch Beduinen, Schwerttänzerinnen, slo-\nwakische Bauern, Szenen aus1 Buchara, Zentauren\nim Galopp, Fellahfrauen neben den bekannt\nschrägen Raen der Nilbarken. Ja, dieser Orient,\ndas ist doch noch was . . . Indes mit mehr als\nmeinem Tone der Entrüstung „Und das gefällt dir\nnicht?\" führt mich meine Gefährtin vor die rei-\nzendste Zofe der Welt, die ihr Händchen so ge-\nschickt hinter eine Kerze zu halten weiß, daß die\nheraufsteigenden Lichtstrahlen rotgelb ihr Gesicht\nschminken . . . Und nun bin ich besiegt, nun ge-\nfällt mir schon alles. Ich vergesse die Franzosen,\nden Fortschritt, Meier-Graefe, die Verpflichtungen\neines modernen Menschen. Schon zurüekgetaucht\nin Jahre unverantwortlicher Jugend, fre'ue ich mich\nüber die Zahnlosigkeit eines gutmütigen Mönches,\nder rechts-links umflochtene Weinflaschen an sich\npreßt, wie einfach-menschlich; und bin verblüfft\nvon glattlasierten Schlachten, den sbrgfältig-bluti-\ngen Kopftüchern der Verwundeten, den sauberen\nReitersäbeln. Und „Rast im Manöver\" heißt es,\nwenn auf Tournister gepackte Blechgefäße grau dem\ngrauen Straßenstaub entgegenblitzen. Und deutlich\nstrichliertes Schilf wächst „vor dem Gewitter\" aus\nzinnweißen Reflexen eines Sumpfspiegels. Am Kla-\nvier wird Abschied genommen, für ewig vielleicht.\nRosen lösen sich welkend aus Wassergläsern. Kühe\nruhen im Grünen. Miß nur, kleines Mäderl, wer\nhöher ist, du oder euer Barry . . .\nSeit damals liebe ich die Behaglichkeit, die be-\nwußtlose Grazie schlechter Bilder, diese Ironie, die\nvon sich selbst nichts weiß, diese Eleganz der un-\nbeabsichtigten Effekte. Wie ärmlich stellen sich\nseriöse Bilder daneben dar, die den Geist des Be-\nschauers in eine einzige, vom Künstler eben ge-\nwollte Richtung drängen. Sie sind so eindeutig,\nso vollkommen, so häßlich . . . Die schönen Bil-\nder. Aber Wonnen eines triebhaften Balletts, die\nunwillkürliche, unausschöpfliche Natur selbst, das\nChaos und urzeitliche Zeremonien lese ich aus\nAnnoncencliches, Reklamebildern, Briefmarken,\nKlebebogen, aus Xulisisen für Kindertheater, Ab-\nziehbildern, Vignetten; mich entzückt die\nRomantik des Geschmacklosen.\nSeit damals sind die Plakate an den Straßen-\necken meine Gemäldesammlungen. Da steht und\nzeugt für „Laurin & Clement\" ein rotes Pracht-\nautomobil, bewohnt von Herr und Dame in tot-\nchicer Dreß, steht vor einer gelben Gebirgsland-\nschaft aus aufgetürmten Rühreiern. Der Herr\nscheint mit eleganter Handbewegung dieses sel-\ntene Naturschauspiel der Dame zu präsentieren, die\nindes, ungerührt von den Blicken aus seiner impo-\nsanten Schutzbrille eines Tauchers, ihren Schleier\nmit spitzer Nase zu zerstechen sucht ... Ein Cham-\nberlain mit Monocle und imperialistisch-frechen\nMundwinkeln macht auf die Eröffnung eines Herren-\nkonfektionsgeschäftes geziemend aufmerksam . . .\nNicht ganz so glücklich führt sich „Altvater Jägern-\ndorf\" durch einen triefäugigen Greis, mit Feder-\nbarett und Grubenlampe jedoch, ein . . . Werden\nwir dieser arglos hochgeschürzten Galathea, dem\nwitzreich verzeichneten Knaben einer Variete-Affiche\nwiderstehen? . . . Und nieder auf die Knie, die\nKnie vor dem Porträt Zolas, vor seinem Stirnknit-\ntern, das dem Autor ernster Bücher wohl ansteht,\nund das ein einsichtsvoller Plakatkleber durch be-\nsonders runzliges Ankleben gerade dieses Plakates\nnoch verstärkt hat ... Falls du immer noch\ndie Wirkung dieser wahrhaft primitiven Kunst an-\nzweifelst, schwebt schon, nicht um zu strafen, nein,\num sanft zu überreden, ein Genius herbei, massiv,\ndoch jungfräulich, in ein aus Bolero und Chiffon\nkombiniertes Kleid gehüllt und mit unbeteiligt-sym-\nmetrischen Flügeln, während wilde Falten den unte-\nren Gewandsaum wegblasen. Er verkündigt „Mai-\nfestspiele\", schleudert in der Linken einen Kranz\nnach vorn und, um1 sich im Gleichgewicht m er-\nhalten, hat er den rechten Arm eingeknickt, wobei\nihm freilich das Versehen geschieht, die Posaune\nstatt an den Mund ans Ohr zu setzen, so daß sie\neinem pompösen Hörrohr ähnelt. Doch scheint dies\nkein unpassendes Symbol, da er so vortrefflichen\nOpern, die er anzeigt, auch wohl selbst zu lauschen\nLust bekommt. Und unbekümmert lim all dies,\njedenfalls dringt er in die Photographie des Theater-\ngebäudes ein, trotz sichtlichen Gegenwindes, und\nobwohl das Licht verwirrend genug ihn von links,\ndas Theater von rechts' bestrahlt.\nGlückselig darüber, daß nicht immer die Physik\ndas letzte Wort behält, wende ich mich weiteren\nKunstgenüssen zu. Sie warten in allen Auslagen,\ndiese zauberhaften Offenbachiaden des Lebens, auf\ntnich. Die Parfümerien stehen im Farbenschmuck\nso schematischer Blumen, daß man „Kinder Floras\nmit Lächeln sie zu nennen versucht ist . . . Yan\nHoutens Cacao ist schon undankbar ohne diese\netwas nördliche Dame, die im Eisenbahncoupe vor-\nnehmer Klasse einer trostlosen Winteröde den\nRücken kehrt, um desto neckischer ihr Lieblings-\ntäßchen zu schlürfen, de smakelijkste, in't Gebruk\nde vordeeligste. Klingt es' nicht wie das phan-\ntastische Deutsch eines ganz souveränen erstklassi-\ngen Schriftstellers? Lustig, lustig ... In einem\nSeidengeschäft ist die „Wiener Mode\" auf ge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3612, "texte": "schlagen. Was für seltsame, von mystischen Rhyth-\nmen beherrschte Gestalten, und die Gesichter offen,\nklug, unschuldig, wie aus der „Wiener Mode\" . . .\nPapierfirmen stellen Ansichtskarten aus, lustig,\nlustig, diese verschneiten Kapellen im Walde, die\nphotographierten Liebespaare im Fortschritt der\nSituationen, harmlose Ostergrüße, als Hasen ver-\nkleidete Kaninchen, operettenhafte Alpengletscher,\nLeid und Freud, Schusterbuben, Villa Miramara,\nhandkolorierte Unwahrscheinlichkeiten . . . Und der\nDelikatessenhändler nebenan. Wie drollig zieht das\nBaby seinen Karren voll von Chocolade Suchard,\nwie abenteuerlich und unkontrollierbar wird auf\ndiesen Päckchen der Tee gepflückt. Von einer\nWeinflasche schwingt ein Herrenreiter höflich uns\nden Zylinder entgegen, Spanierinnen verführen von\nKonservenbüchsen herab, an Bonbonnieren treten\nwie in einer Zauberposse Feen und Ritter auf, der\nKarlsbader Sprudel plätschert auf jener Kolonne\nvon Oblatenschachteln sechsfach dazu, manche\nSchriapsfabrikanten ziehen Berglandschaften, andere\nden biederen Jäger vor, der die Pfeife auf den\nHolztisch stemmt, Herolde verkünden den Ruhm\ndeutschen Schaumweins, während Bisduits Pernod\nmit ihren rothosigen piou-pious Deutschland okku-\npieren.\nIch gehe heim, verlasse das populäre Ausstat-\ntungsstück des Täglichen. Doch auch noch zu\nHause habe ich Unterhaltung genug, die Phan-\ntastik der Zigarettenschachteln, die Etiketten auf\nLikörflaschen, märchenhafte Vaudevilleszenen auf\nBriefkassetten und Wandkalendern, Diplome, Reise-\nandenken . . .\nUnd gar die geliebte Mappe japanischer Holz-\nschnitte . . .\nHalt! Zurück!. . . Japanische Holzschnitte sind\ndoch anerkannt schön! Mir scheint, da habe ich'\netwas sehr Blamables gesagt („gesagt\" ist Ziererei\n. . . nein, geschrieben) . . . Doch die Grenze zu\nziehen, das ist die Schwierigkeit dieser an sich\nso einfachen Sache.\nUnd ich sehe schon, daß die gesamte Mensch-\nheit nichts dringender bedarf, als mein neues System\nder Aesthetik, das ich gewissenhaft und mit fast\nbarbarischem Fleiß schon lange schreibe, jedoch\nan meinem fünfzigsten Geburtstage erst, das ist\nam siebenundzwanzigsten Mai 1834 herauszugeben\nfelsenfest entschlossen bin.\nIndes bin ich schon vorher für Abordnungen\nder durch diesen Aufsatz besonders in Verwirrung\nversetzten Erdstriche zu sprechen, täglich zwischen\nzwei und drei. Um diese Stunde sitze ich sehr be-\nhaglich zu Hause und spiele Karten mit zwei gleich-\ngesinnten Freunden. Ach Gott, die Feerie dieser\nBildchen auf den Spielkarten übertrifft doch alles.\nLockige Burschen mit müden, träumerisch-ver-\nschauten Augen turnen, kreuzen ein Schwert und\nein stumpfes Rapier, trommeln, flöten, tragen stolz\nihre weißen Halskrausen, die gestickten Westen.\nAuf Rot-Zehn schaut ein Amor ins Publikum und\ntrifft dennoch seitlich das zinnoberrote Herz. Wel-\nches Lied spielst du, Knabe, in merkwürdiger Tracht,\ndeinem treuen Hunde vor? Gravitätische Könige,\nwürdevoll trotz der zu kurzen Beine, wo sind eure\nUntertanen, eure chimärischen Länder? . . . Dann\nlegen wir den Skat weg. Und in den Taroks mit\nihren Sarazenen, Albanesen auf Vorposten, mit\nCsardastänzerinnen, Liebespaaren in Fes und Jäger-\nhut, jugendlichen Eheleuten, die an der Schalmei\nsich ergötzen, mit Wahrsagerinnen und edlen Rossen\numgibt uns der Zauber der Levante, Lord Byrons,\ndie abenteuerliche Luft der Türkenkriege, vielleicht\nder Kreuzzüge. Uns belustigt der heraldische Aar,\nder wütend seine altertümliche Devise in den Klauen\nhält: „Industrie und Glück\". Wir zittern für das\nSchicksal der edlen Dame, die zögernd den Gondo-\nliere nicht anblickt und so gern entführt werden\nmöchte . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "149", "page_fin": "149", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.5", "titre_corps": "Fiorenza", "titre_sommaire": "Fiorenza", "signature_source": "Frank Wedekind", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.3", "debut_caractere": 3614, "fin_caractere_exclue": 5502, "texte": "Fiorenza\nVon Frank Wedekind\nIn einem Lande, in dem kein Tag vergeht, an\ndem man nicht durch die Presse von einer neuen\nunsterblichen Großtat irgendeines über alle Maßen\ngenialen Regisseurs hört, muß die Tatsache etwas\nseltsam berühren, daß eine an plastischen Figuren,\nan Dramatik des Dialoges, an Bühnenwirkungen\njeder Art so reidie Dichtung wie die „Fiorenza\"\nvon Thomas Mann vier Jahre alt werden, und in\ndiesen vier Jahren an nicht mehr als zwei Bühnen\nzur Aufführung gelangen konnte.\nDurch ihre dichterische Größe und Schönheit\nverdiente die „Fiorenza\" längst Repertoirestück an\njeder Bühne zu sein, die sich für eine Pflegestätte\nder Kunst ausgibt. Und jeder, d€r über Regie und\nBühnentechnik überhaupt nur mitsprechen will,\nmüßte in seinem Kopfe längst seine eigene In-\nszenierung der „Fiorenza\" fix und fertig haben,\nso gut wie man als selbstverständlich dasselbe in\nbezug auf Goethes „Faust\" und Schillers „Räuber\"\nvon ihm erwartet.\nUnd was geschieht statt dessen?\nDie deutsche Bühne und Schauspielkunst\nschweigen das vornehme Stück seit vier Jahren tot,\nobschon es in seiner. letzten Szene, dem Dialog\nzwischen Savonarcola und dem sterbenden Lorenzo\ndi Medici, das Erhabenste, Geistvollste und dra-\nmatisch Wirksamste enthält, was je in deutscher\nSprache für die Bühne geschrieben wurde.\nOder fehlt es etwa den übrigen zwei Akten\nder „Fiorenza\" an dramatischen Wildungen? Der\nerste bietet als Höhepunkt die Erzählung dessen,\nwas im Dom geschehen ist. Der zweite bringt\ndie prächtige Künstlerschar, den Dialog zwischen\nden Brüdern, dann den Liebesdialog zwischen Fiore\nund Piero.\nTrotzdem liegt das Drama seit vier Jahren so\ngut wie brach und unsere Regiekunst läßt sich der-\nweile von der Kritik in alle Himmel erheben, und\nöffentlich das Elend und Sterben des deutschen\nDramas proklamiereil.\nAus dem Glossarium Schauspielkunst ron Frank Wedekind / Ver-\nlag Georg Müller München"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "149", "page_fin": "150", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.6", "titre_corps": "Daniel Jesus : Roman", "titre_sommaire": "Daniel Jesus : Roman", "signature_source": "Paul Leppin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.3", "debut_caractere": 5504, "fin_caractere_exclue": 11931, "texte": "Daniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nSchuster Anfon lag auf seiner Lagerstatt Und\nstarrte ins Finstere. Sein Gesicht war bleich im\nDunkeln wie eine Maske, und in seiner Seele ging\netwas Sonderbares und Großes, etwas Plumpes\nund Schreckliches wie ein gefesseltes Tier im Kreis\nherum, und er konnte es nicht erkennen. Seine\nAugen sahen weiter und weit durdi die Decke hin-\ndurch, durch die Wände und Dielen, sie sahen in\nsich hinein, bis sie müde wurden und bis; seine\nLider zu brennen begannen. Sie fanden nichts.\nAlles umsonst. Alles zu Ende. Er war allein und\nmußte immer wieder daran denken, daß er, ein Gott-\nsucher, jetzt nicht einmal mehr beten konnte, weil\nseine Hände vertrocknet waren in der Angst vor\ndem Bösen, das rings um ihn geschah, und daß sie\nsich nicht mehr zu falten vermochten vor der\nGnade. Wo war Gott? Wo sein Reich, das er\nerträumt hatte in den langen und wirren Gebeten,\nwenn die Menschen zu ihm ihren zerbrochenen\nGlauben trugen?\nSeit einer Woche bereits war Margarete aus\ndem Hause gegangen. Heimlich und plötzlich, wie\nein Gespräch auf einmal verstummt, und Anton\nwußte, daß sie nie wiederkehren würde. Er schaute\nmit roten Augen in die Nacht hinein, und die Dinge\nund die Menschen wurden seltsam und furchtbar\nin seinem Herzen. Sie waren zuweilen wie Glas,\nhinter dem er ihre Sehnsucht mit den heftigen,\nverzerrten Fingern erkannte, die an den gläsernen\nWänden rüttelten und pochten, bis sie wund und\neitrig wurden.\nEine irrsinnige, haltlose Angst überfiel den\nSchuster. Der Schweiß fror weiße Flecke in die\nHaut seines Gesichtes und stand wie ein schlimmer\nAussatz auf seiner Stirn. Er wußte nichts mehr.\nEr hatte alles vergessen und fürchtete sich unsäg-\nlich allein im Finstern, vor seinem Gott und vor\nder Sünde seines Weibes, die wuchs, wie ein un-\ngeheurer kahler Baum, vor dem er sich entsetzte.\nDie Streichhölzer schlotterten in seiner großen\nHand, als er die Kerze anbrannte und im Spiegel\nsein herbes, verfallenes Gesicht beschaute, weil er\nsich erinnern wollte an seine Augen, die im Gebet\noft wie zwei Lichter standen, an seinen Glauben und\nan sich selber. Ein fremdes, blasses Gesicht fand\ner im Rahmen des Spiegels1, mit tiefen Schatten und\nFurchen, die er nicht deuten konnte und nicht ver-\nstand. Er suchte in seinem Gedächtnis nach einem\nLied oder einem heiligen Vers, der ihm helfen sollte,\nseine Einsamkeit zu ertragen, und er konnte sich\nnicht besinnen. Es war alles ausgelöscht in ihm\ndurch einen geheimen, meuchlerischen der\nwie eine finstere Säule alles1 verdeckte, was er früher\ngeliebt hatte. Seitdem sein Sohn Josef mit Marietta\nzu den Sternen am Ende der Straße gegangen war,\nblieb sein Haus einsam, und keiner kam mehr wie\nfrüher, um zu beten. Eine fremde rätselhafte Macht\nhatte sein Reich zerblasen und seinen Glauben zer-\nlöchert wie ein Sieb. Sie hatte die Seele seines\nWeibes mit vergifteten Zangen gebrannt, daß sie\nvor ihren eigenen Wunden, vor dem Schauer und\nden Krämpfen ihrer Gierde irgend wohin geflohen\nwar, wo die Sünde ihren roten Mantel über sie warf,\ndaß sie sich nicht mehr schämen mußte vor sich\nund vor der Demut, um die sie Gott bestahl, wie\neine Metze. Und die sie vielleicht verschenkte und\nverwarf an einen, der darauf spie und mit dem\nFuß auf ihre letzte Würde trat.\nUnd wie im Taumel preßte Schuster Anton\nseine Fäuste in sein Gesicht und schrie und dachte,\nwie er bereits einmal in Angst und Trauer gezittert\nhatte: Wo war der Feind? Wo war jener Prophet,\nvon dem das verzückte Mädchen gesprochen hatte,\nals sie der heilige Schlaf überfiel, daß sie dann\nsprach wie die Muttergottes1 selber, die sie im\nTraume in ihrem Zimmer fand, und die sie liebte,\nwie er seinen Gott geliebt hatte, als er noch beten\nkonnte und sein Weib noch bei ihm lebte.\nUnd keiner wird sein, der sich nicht vor ihm\nbeugen wird. Auch du nicht! Auch du nicht!\nSo hatte der Schlaf Mariettas zu ihm geredet,\nund nun Wußte er, daß sich die Worte erfüllten.\nAuf der Erde lag er weithingestredkt und grub\nseine Finger in den morschen Leib der Dielen.\nSein Gesicht schlug den Boden wie im Irrsinn und\nimmer wieder schrie es in ihm:\nWo war der Feind? Wo war der Feind? Um\nGotteswillen, wo war er nur?\nUnd plötzlich stand in der halbgeöffneten Tür\ndie Zigeunerin vor dem Schuster. Lautlos, im\nDunkeln, war sie hereingeschlichen und sah ihn\nmit glimmenden Augen glanzlos an. Sie stand,\nein schlanker, unbeweglicher Stein und rührte sich\nnicht.\nDer Schuster hob den Kopf, und zwischen\nTränen und Staunen erkannte er sie. Ein feiges',\nschmerzhaftes Entsetzen kroch an seinem Riesen-\nleib empor und ein fladkernder Schrecken zeigte\nihm wie eine Vision den T3g, an dem er damals\nmit dem Fuß nach ihr stieß, weil er in ihre hellen,\nhungrigen Augen geschaut hatte. Die ihm auf ein-\nmal alles sagten wie ein Buch. Der Feind! Der\nFeind! hatte es damals in ihm gerufen, aber er\nwußte nun, daß sie es nicht sein konnte. Die\nZigeunerin war nur ein Bote, ein Rätsel des fremden\nGauklers, der ihm das Reich genommen hatte und\nmit dem er die Menschen täuschte und belog. Wer\nwar es nur? Die Zigeunerin Wußte es, und er\nwollte sie fragen.\nEr erhob sich, und sein verwüstetes; Gesicht\nsah zu Hagar hin, die reglos in einem langen Kleid\nvor ihm stand, das1 von ihrem Halse bis zur Erde\nfiel. Und bevor er noch fragen konnte, sagte sie\nihm alles in ein paar Worten, von denen jedes\nwie ein zersprungenes Glas klirrte.\n„Schuster Anton, dein Weib ist in der Villa\nJesus, im Bett des reichen Daniel, und sie küßt\nseinen Buckel wie ein Kruzifix. Sie hat die Haare\nwie eine Krone um den Kopf gebunden, und Daniel\nlacht und gibt ihr heute abend ein Fest in der\nVilla.\"\nDer Schuster wurde bleich wie ein Gestorbener.\nNur der Mund brannte in seinem breiten Gesichte.\nSein großes Herz blieb stecken wie eine Schraube.\nEr hob die Hände und warf den Kopf in den\nNacken, und schrie, schrie wieder und wieder wohl\nzwanzig Mal den einen Namen zur Decke, vor dem\ner sich so gefürchtet hatte und der nun schwarz\nund drohend in seiner Seele klebte. Der Prophet\n— der Prophet — Daniel Jesus!\nErschöpft und blind von Blut Und Entsetzen\nfiel er zu Füßen der Zigeunerin und weinte in\neinem seltsamen, wunderlichen Schmerz, der ihn\nverzehrte, der alle Sehnsucht in ihm nahm und\nseine Kehle bitter madite wie Fäulnis1. Er fühlte\ndie Hände der Zigeunerin, die seinen Hals1 betaste-\nten, und hörte ihren Atem, der sein Haar verbrannte.\nEr war wie eine Mauer, in die ein Sturm eine\nLücike gerissen wie eine Tür, die jemand auf-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 658, "texte": "gestoßen hat für die Sünde. Noch einmal raffte\ner sich auf und stieß sie in£ Dunkle. Sie hatte\nihr Kleid an den Achseln gelöst und stand nackt im\nZimmer mit Schuhen und Strümpfen. Wie eine\nKatze kroch sie zu ihm. Er wendete sein Gesicht\nund wehrte sich mit den Armen gegen sie. Sie\nhatte sein Hemd über der Brust geöffnet, und als\nder Schuster ihre heiße, lüsterne Zunge an seinem\nLeibe spürte, als ihm ihr Speichel in glühenden\nStreifen die Haut versengte, sank seine Hand wie\nMetall zu Boden und ließ es geschehen, daß die\nZigeunerin seinen großen Körper, nach dem sie\nso lange gelechzt hatte, mit ihrer ekstatischen Liebe\nverheerte wie der Hagel ein Feld."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "150", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.7", "titre_corps": "Leise sagen", "titre_sommaire": "Leise sagen", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.4", "debut_caractere": 660, "fin_caractere_exclue": 1169, "texte": "Leise sagen\nVon Else Lasker-Schüler\nDu nahinst dir alle Sterne\nUeber meinem Herzen.\nMeine Gedanken kräuseln sich\nIch muß tanzen.\nImmer tust du das, was mich aufschauen läßt,\nMein Leben zu müden.\nIch1 kann den Abend nicht mehr\nUeber die Hecken tragen.\nIm! Spiegel der Bäche\nFinde ich mein Bild nicht mehr.\nDem Erzengel hast du\nDie schwebenden Augen gestohlen.\nAber ich nasche vom1 Seim\nIhrer Bläue.\nMein Herz geht langsam unter\nIch weiß nicht wo —\nVielleicht in deiner Hand.\nUeberall greift sie an mein Gewebe."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "150", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.8", "titre_corps": "Gespräche mit Kalypso : Ueber die Musik", "titre_sommaire": "Gespräche mit Kalypso : Ueber die Musik", "signature_source": "Alfred Döblin Achtes Gespräch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.4", "debut_caractere": 1171, "fin_caractere_exclue": 8986, "texte": "Gespräche mit Kalypso\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nAchtes Gespräch\nIm Sande des Strandes, unter einem dürftigen\nHüttendache, kauern der Alte und Jüngere des\nersten Gespräches. Es ist Spätnachmittag.\nDer Junge\nWo mögen sie heut bleiben. Dies ist ihre\nStunde.\nDer Alte\nIn ihr geht etwas vor. Die ihr dienen, haben sie\ngestern aus der Grotte kommen sehen; Lachen und\nSchreien ging aus ihrem Munde, ihre Augen blitzten\nabwesend. Vor der Höhle brach sie zusammen.\nSo kalt und todfinster wie an diesem Abend, hat\nsie noch keiner gesehen. Alle zitterten, welches\nOpfer ihr brütender Geist fordern würde. Aber sie\nbetete, brünstig, hingeworfen, lange, so lange. O,\nsie liebt den Olympier. An diesem Abend, während\ndas Meer hungrig brüllte, hat nur ihr Freund ge-\nlächelt und vor sich hingeträumt, wie eine Schwalbe\nsummend.\nDer Junge\nSie kommen heute nicht. Sie nehmen uns den\nschönen, heimlichen Ort nicht.\nDer Alte\nUnd nicht wenig macht ihn sdiön, daß Kalypsos\nLeib hier gelegen hat, daß ihre Stimme in dieser\nLuft stand, vielleicht ein Rest von ihrer Stimme\nnoch schwimmt. (Der Junge schweigt.) — Die\nWelt geht unter, und sie plaudern. Sie plaudern\nvon Musik, und die Welt geht unter. Kalypso ist\nunwandelbar; einstmals blieb sie leben; wer weiß,\nwas (Jas Geschick über ihr diesmal verhängt. Sie\nscheint sich zu bangen; wo bliebe sonst ihre Süße?\nDer Junge\nLaß. Sie tun gut beide. Wie eine Flaumfeder\nam Leben hängen, ohne Schwere und Harm. Ist's\nwirklich so verblendet, vom Süßesten, Entferntesten\nzu plaudern, wo sich Ungeheures vorbereitet? Dem\nUnheimlichen den Rücken kehren und Größe be-\nweisen ?\nDer Alte\nEs ist Hochmut; ich blase mich nicht auf mit\nWorten. Wir verlieren nicht viel an uns.\nDer Junge\nDu bist viel gewandert. (Mit leiser Stimme.)\nWas ist es mit dieser Musik?\nDer Alte\n(Lächelnd.) O so, mein junger Freund. Ein\nHauch von ihr schwimmt in der Luft. (Nachdenk-\nlich ihn betrachtend.) — Aber von einer anderen\nKunst will ich zu Dir sprechen, den ich so stam-\nmeln und seufzen höre. Verehrst Du nicht die\nTanzkunst? Sie muß Deinem Herzen näher stehen;\ndenn so seid Ihr ja von heute: frauenhold, tänze-\nrinnenhold. Wir beteten keine Frauen an, wir\nspielten mit ihnen und lebten uns, gingen unseren\nklirrenden Schritt. Kam uns ein Weib sehr nahe,\nso begehrten wir es, schützten es als unser Eigen-\ntum, waren ihm dankbar, weil es kräftigte, zu\nschaffen und zu kämpfen. Daß die Künstler jetzt\nzu den Weibern herabgesunken sind und sinken\nwollen, daß sogar die Tanzkunst eine Kunst der\nTänzerinnen, besagt mir, daß die Männer des\nWeibes voll sind und nicht des Kampfes. Denn die\nTanzkunst verlangt wie eine der Männer, mein\nFreund, diese hoheitsvolle, strenge Kunst, die die\nZähmung des Willens betreibt, die Unterjochung\ndes Leibes unter den Willen, — darin eine gottvolle,\ntieffromme Kunst, — die Willenskunst. Aber Eure\nTanzkunst zeigt nicht den gezüchteten, fromm ge-\nwordenen Körper, sondern das gezüchtete Weib\noder den fraugewordenen Mann; sie zeigt Eure\nUnzucht. Von Liebe faselt Ihr, die Geschlechtlich-\nkeit wuchs Euch zu dem wichtigsten, wohligsten\nRätsel aus, wurde Euer Geheimestes, Echtes, Ern-\nstes; sogar Eure Denker säuseln von dem Brenn-\npunkt des Daseins. Ich glaube, es geht Euch zu\nüppig; Ihr durftet vieles vergessen. Ihr ließt Euch\nden Tanz aus djjn Händen reißen, kennt nur den\nTanz der Geschlechter, den Eintanz, kaum den Viel-\ntanz, den Tanz der Männer. Ihr Ueppigen,\nSchweren, Blöden!\nDerjunge\n(Hartnäckig.) Ich kenne Lieder und Werke\naller Art. Ich möchte wissen, was es mit der\nMusik ist.\nDer Alte\nIch hörte ihnen manchmal zu; vieles blieb1 mir\nunverständlich.\nDer Junge\nIch bin wohl recht töricht, denn mir ist alles\nklar. Ein Lied ist — ein Lied — ein Musikspiel,\nschön oder häßlich.\nDer Alte\nNun, merkwürdig und nachdenklich dünkt mich\ndoch manches an der Musik. Auch nicht so entlegen\nist es, wenn sie von ihr sprechen; es hängt ein\nHauch von ihr in der Luft. Denn was ist nah',\nwas entfernt? Das Unscheinbare trägt Fittige und\nstößt an die Ewigkeit. Ja, das Reich der Musik\nist gewaltig und unheimlich; denke nicht spöttisch\nan sie. Willst Du etwas von der Anbetung und Ehr-\nfurcht kennen, die wir gegen Göttliches, Unnah-\nbares tragen, willst Du von jener Ehrfurcht kennen,\nso betrachte ein Lied, mit Ernst wie einen Stein\noder ein Tierskelett. — Ich begreife es wohl, daß\nes sie beide lockt, sich hier hinein zu verstecken,\nunter die Gestalten, die der Geist tönend angenom-\nmen hat. — Schwer lassen sich die Erscheinungen\nder Musik trennen; so rund und scharf wie das\nAuge, unterscheidet das Ohr nicht. Es gibt Katzen,\nWürmer, Fische, Möven, — aber welche Arten\nMusik gibt es? Soll ich den Tanz eine Art und\nForm nennen, weil es sich dazu tanzen läßt, oder\ndas Lied, weil dazu gesungen wird, oder die Sin-\nfonie, weil nur Werkzeuge in ihr auftreten? Doch\nso wenig, wie ich die Tiere teile in solche, die\nich brate, und solche, die sich gar nicht fangen\nlassen.\nDerjunge\nSo sprich fort. Ich staune, wie sich das Tote\nin Deiner Rede verlebendigt.\nDer Alte\nO, das Tote! Ja, tot heißt, mein Freund, was\nwir nicht fassen; wir, wir sind immer tot, die\nnicht das Lebendige in uns hineinziehen.\nDer Junge\nVersteh' ich recht, so meinst Du, es sei das\nReich der Musik schier unübersehbar; wolle man\naber Grenzen in ihr setzen, so müssen diese nicht\nspielerisch gezogen werden, sondern es müssen die\nRegeln der Trennung aus der Musik selbst hervor-\ngehen.\nDer Alte\nEs gibt Tonfolgen in der Musik, längere und\nkürzere, kaum oder nicht begrenzte, die auf irgend-\neine Weise in sich zusammenhängen oder doch zu-\nsammen zu hängen scheinen. Viele Ordnungen in\nden Tönen müssen schon getroffen sein, damit nur\njener Zusammenhalt der Töne in sich oder sein\nSchein ermöglicht werde, damit nicht der einzelne\nTon haltlos wie getroffen zu Boden stürze. Aber\nihr Zusammenhalt soll nur als Bedingung und Vor-\naussetzung, als Stoff gelten, einem weiteren Anein-\nanderschluß, den der Zusammenhänge unter sich;\nsie bilden Bestandteile, Säulen, aus denen erst ein\nTempel gebaut werden soll. Ich könnte Dir ver-\ngleichsweise von Worten sprechen, aus denen die\nRede gebildet werden soll; jene Zusammenhangs-\nmöglichkeiten schaffen erst das Wörterbuch der\nMusik. Doch führen alle Bilder irr. — Sieh, wenn\ndurch jene niederen Zusammenhangsregeln die Be-\nstimmtheit, der musikalische Sinn der einzelnen Ton-\nfolgen gesetzt wird, so muß eine weitere Regel\nfestsetzen, was den Zusammenhang der so be-\nstimmten und gesinnten Tonfolgen angeben soll.\nEs müssen Verbände geschaffen werden; es müssen\nferner alle Tonfolgen umgrenzt werden zu diesem\nZwecke. — Die weiteren, umfassenderen Zusam-\nmenhänge stellen, das sagt Dir schon das Wort,\nkeine bloßen Reihungen der kleinen Bruchstücke\ndar; Zusammenhang ist Ordnung, nicht Häufung.\nBesteht aber die Möglichkeit, einer Tonfolge über-\nhaupt den Schein des Zusammenhangs zu geben,\nso ist damit auch die Möglichkeit eines Verbandes\nsolcher Tonfolgen gewährleistet. Denn jene selbe\nRegel kann, wie unter den Tönen, so unter Ton-\nfolgen Ordnung bewirken: die Wiederkehr oder\nNachahmung einer zusammenhängenden Tonreihe\nist das Urbild auch eines Tonreihenverbandes.\nDerjunge\nWofern ich Dich verstand, mödhte ich schon\nrasch eine kleine Form oder umfassenden Zu-\nsammenhang entwickeln. Der Veränderungsmög-\nlichkeiten einer Tonfolge sind ja viele; es könnte\nin einem Verbände eine begrenzte und bestimmte\nTonfolge wiederkehren, — nachdem sie allein ge-\ntönt hat, gefolgt oder begleitet von einer veränderten\nWiederkehr in einer zweiten Stimme, dann von einer\ndritten und vierten wieder veränderten Stimme, wo-\nmit schließlich der Verband enden würde. Durch\ndie stets sich erneuernde Tonfolge wäre solch Ver-\nband streng und einfach geschlossen. Wäre dies\nnicht der Weg zur Fuge? Noch einfacher möchte\nwohl der Weg zum Kanon sein, der nicht ändert,\nnur nachahmt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "151", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.9", "titre_corps": "Oskar Kokoschka", "titre_sommaire": "Oskar Kokoschka", "signature_source": "Kurt Hiller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.4", "debut_caractere": 9036, "fin_caractere_exclue": 10396, "texte": "Oskar Kokoschka\n\nEin fetter orientalischer Misant, der die Acker-\nschollen Brandenburgs karg besiegt, ungeistige\nMonotonie für ein Kriterium echter Kunst hält,\nund sich dumpf-süß aufregt an Klang, Begriff und\nAssoziationen des Wortes „Verhaltenheit\", der darf\nauf keinen Fall in die inneren Säle des Salons\nCass i r e r gehn. Denn dort umsprudeln, um-\nglotzen, umlärmen ihn exhibitionistisch Larven von\nEuropäern, Weltstadt-Antlitze der Zermürbten und\nder Famosen, Fratzen Aufgegipfelt-Verfeinerter.\nSie schwimmen in sensationenvollen Hintergründen\n(meist nicht im Tageslicht, sondern in den grellen\nDämmern künstlicher Beleuchtungen) und platzen\nvor Psychologie. Man sieht den Peter Altenberg,\ntnit sehr viel strohgelben Tönen, aber rotem, freiem\nHals; halb, wie Walder Nornepygge es formuliert\nhat: Kaffeehaus - Jesus, halb aber: Droschkenkut-\nscher in Aeonen. Man sieht, schwarz, sich ver-\nzehrend, antischnörklerisch, Adolf Loos dasitzen,\nden Asketen einer Idee. Dann: den „Trance-\nspieler\"; den „Sackgassenmenschen\"; den „Grafen\nde Montespin\". Ferner, mit Tigerzähnen, aber\nrumpflich verkrumpelt (also die Karikatur des\nBlond-Bestiösen), den „brutalen Egoisten\". Fer-\nner: Herwarth Waiden, dahineilend, als Kultur-\nkämpfer, auf dem Posten. Dann: „eine unglück-\nliche Frau\", bleich, nervious, abgehärmt, mit\ndämonischen Kuhaugen von depressiver Geschlitzt-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.5", "debut_caractere": 61, "fin_caractere_exclue": 1865, "texte": "heit. Dazwischen „ein neugeborenes Kind\", in\npetunienfarbne Nebel getaucht; und, über widrig\nhageren Professorenfingern, den Charakterkopf\nForeis, des demokratisch - monistischen Sexual-\nAugusts, der keine Skepsis kennt; und „Signor\nVerona\", einen Cabaret-Typus, degeneriert, em-\nbryonesk, mit einem Kopf von der Form eines\numgekehrten Pyramidenstumpfes, oder — wenn ich\nes gut meine — einer auf ihre Oeffnung gestellten\nWasserkaraffe. Auch Karl Kraus schaut mich an;\ner sitzt ruhig und gefährlich, mit schmaler, in-\ntellektueller Hand und spitzem Mündchen und un-\nglaublichen Aquamarin-Augen; der Stoff des zu\nzerspottenden Universums strömt auf ihn ein; er\nsitzt zierlich und amüsiert-lauernd da, irgendwie\nvon hinten still auf dem Sprung; aber üm sein\nHaupt tanzen blitzgelbe Tupfen. — Diese Vision\ndes heiter-tiefsten Polemikers wäre „der Clou\",\nwenn nicht Oskar Kokoschka noch den Buchhändler\nStein gemalt hätte. Ich weiß gar nicht, wer der\nBuchhändler Stein ist; aber dieses Bild ist eine\nsarkastische Orgie in Saphirblau; der Mensch ganz\nund gar Nasenwurzelfalte; ich kann mich nicht satt\ndaran sehen; ich schreibe in mein Katalogblatt:\nVelasquez & Cezanne! — Endlich „bemalte\nAktzeichnungen\": sehr ergötzlidh zwei Rosas auf\neine Art zerknüllten Packpapiers gesetzt.\nSoll man dieses neue Temperament nun ein-\nrangieren? Soll man den Kenner mimen, den\nZeigefinger (unter Spreizung der drei übrigen) an\ndie Spitze des Daumens legen und es geistreich\nabgrenzen gegen Manet, gegen Liebermann? Soll\nman es mit dem eisernen Maßstab „van Gogh\"\nmessen? Soll man äußern: „Kokoschka ist ein\nAntipode Klimts, er legt bei seinen Porträts mehr\nWert auf Charakteristik als auf Innenarchitektur?\"\n— All dies fruchtet gar nichts; denn man gibt\nkein Bild von einem Bildner, wenn man ihn ver-\ngleicht !\n\nKurt Hiller"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "151", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.9.1", "titre_corps": "Generalmusikdirektor Geheimer Hofrat Ernst Edler|von Schuch", "titre_sommaire": "Generalmusikdirektor Geheimer Hofrat Ernst Edler|von Schuch", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 59, "texte": "Generalmusikdirektor Geheimer Hofrat Ernst Edler|von Schuch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "151", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.10", "titre_corps": "Die Berliner Pressie schweigt sich aus. 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Um Kokoschka hat\nsich ein Kreis gebildet; und Wahrlich — nicht die\nSchlechtesten findet man darunter. Künstler von\nRuf, von anerkannter Bedeutung und erlesenen Ge-\nschmack ermuntern den neuen Mann und sehen in ihm\nein Talent allerersten Ranges. Sie begrüssen in ihm\nden Verkünder eines neuen Kunstdogmas.\nFremdenblatt Wien\nDie Begeisterung für diesen besonderen Kunstfall\nist nicht immer snobistischen Ursprungs, Sie bedeutet\nden Triumph des Grotesken überhaupt.\nNeue Freie Presse Wien\nEin Nebenraum . . . von Kokoschka ist mit Vor-\nsicht zu betreten Menschen von Geschmack sind hier\neinem Nervenchoc ausgesetzt.\nFremdenblatt Wien\nDer Oberwildling heisst Kokoschka ... Kokoschka\nist ein hübscher junger Mann und begabter Schwärme-\nnöter. Für seine drei Wandgrossen Skizen wird er in\nder Luft zerrissen werden, aber das wird ihm und\nder Luft gut tun.\n(Von einem andern Mann im Fremdenblatt ge-\nschrieben, nämlich von Herrn Ludwig Hevesi.)\nDeutsches Volks b 1 a 11 Wien\nDer Fall ist symptomatisch und erfordert energisches\nEinschreiten der Unterrichtsbehörde.\nDie Zeit, Wien\nDieses enfant terrible ist nämlich wirklich ein Kind.\nAbsolut kein Poseur . . . Hier ist etwas echtes und\nfrisches, etwas elementares, das nach Ausruck ringt...\nDen( Namen Kokoschka aber muss ich mir merken.\n(Richard xMuther).\nNeues Wiener Tagblatt\nDie ästhetischen oder besser gesagt unästhetischen\nPurzelbäume des Van Gogh und die armseligen Blätter\ndie Rodin in schwachen Stunden geliefert hat, sind\nOffenbarungen, wenn man sie mit den abscheulichen\nSachen Kokoschkas vergleicht.\nWiener Mittagszeitung\nNoch ein Wort über Herrn Oskar Kokoschka.\nEs ist garnicht möglich, das er sich selbst ernst n mmt\nKokoschka hat da eine kolorierte Plastik hingestellt,\ndie ein Öffentliches Aergernis ist, nur widerlich, garnicht\ngrauenhaft aber sehr lächerlich. Was man doch alles\ntun muss, damit ästhetische junge Damen, die sich vor\ndem Unding stauen, bewundernd mit den Riesenhüten\nwedeln, und im Trance flüstern: „Nein, der Kokoschka\".\nBerliner Lokal-Anzeiger\nDie Traumtragenden, Gobelinentwürfe von Oskar\nKokoschka Würden jeden Felsen in Amerika zur Zierde\ngereichen. (Dies schrieb Herr Rudolf Lothar in jener\nglücklichen Zeit, als er noch fern von Berlin hauste).\nWiener Mode\nKokoschka erregte mit seinem Bilde grosse\nHeiterkeit. . . . Heute ist der Jüngling schon gefeiertes\nSchulhaupt . . . sie rufen ihn für den neuen Heilbringer,\nden heraufkommenden Mann, den Kunstmessias aus.\nWas ist ihnen noch Klimt?\nOesterreichische Rundschau\nVor diesen bald ungelenken, bald absichtlich ins\nGroteske spielenden perspektivlosen und für mkh in\njed m Betracht auch sinnlosen Tafeln stockt mein\nVerständnis\nNeues Wiener Tagblatt\nWarum der Entwurf die Traumtragenden heisst,\nkann ich mir allerdings nicht erklären. Vielleicht soll\ner ausdrücken, das einem sowas nur im Schlafe ein-\nfallen kann. (Dies schrieb natürlich ein Humorist —\nder Herr Poetzl.)\nDie Zukunft\nEs müssen in seinem Talent die Manneseindrücke\nso stark, und seine formende Fähigkeit so gross sein,\ndass sich für Kokoschka keine edlere Aufgabe, als\ndie des Portraits denken liesse, das wesenhafte eir es\nMenschenantlitzes zu enthüllen. (Max Meli.)\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "152", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.11", "titre_corps": "Jugendromane", "titre_sommaire": "Jugendromane", "signature_source": "Otto Stoessl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.5", "debut_caractere": 5595, "fin_caractere_exclue": 8459, "texte": "Jugendromane\nVon Otto Stoessl\nDaß dem Esel Disteln besser schmecken, als\nHimmelschlüssel und Märzenbecher, ist von seinem\nStandpunkt durchaus begreiflich. Und wer sich von\neines Grautieres Geschmack die eigene Nahrung\nordinieren läßt . . .\nDer Yah-Ruf ist eine Kritik, aber er wird immer\nauch zur Parole. Denn selbst die einsilbigste\nDummheit muß noch nachgeahmt werden. In dem\nRezensentengeschrei ist letzthin ein ernstliches\nWiderstreben gegen Primeln und Märzenbecher\nzum Ausdruck gekommen, das graue Elend hat sich\ngegen die Jugend gewehrt, die Kritik hat sich gegen\ndie Jugendromane ausgesprochen. Immer wieder\nmüsse man — Rezensenten sind auch „man\" —\ndiese Dichter von der Jugend erzählen hören. In\nder ganzen Literatur halle es von Kinderstubenge-\nschrei, Knabentorheit und Entwicklungsschmerzen\nund ein besonders Tiefer meinte, die Schuld daran\nliege wohl in der mächtigen Bewegung unserer\nTage, „für das Kind\". Wieviel wichtiger seien doch\ndie Schicksale des Mannes, und was dergleichen\nStoßseufzer nach den Disteln mehr waren.\nNichtsdestoweniger erdreistet sich die Kunst,\nnur die Nahrung zu nehmen, die ihr zusagt. Das ist\n'das naive Problem des „Stoffes\" in der Dichtung.\nDas „Was\" ist eine höchst persönliche, geheimnis-\nvolle und selbstverständliche Sache jedes Einzelnen,\nnur das „Wie\" entscheidet über sein Recht und Un-\nrecht. Die siegende Notwendigkeit macht die ein-\nzige Moral des künstlerischen Zwanges aus. Es\ngibt keinen guten oder schlechten Stoff der Poesie\nan sich. Und vielleicht war es die großartige In-\nstinktgebundenheit der Kunst, die uns zur Einsicht\nverhalf, daß es auch keine an sich gute oder\nschlechte Handlung gibt, sondern, daß jede erst\ndurch die Persönlichkeit ihr Wortzeichen er-\nhält. Die einzige Unsittlichkeit der Kunst ist das\nvergebliche Wollen und erst beim fragwürdigen\nWerke gibt es eine gerechte Frage nach dem Stoffe.\nFreilich enthält das Leben selbst, die Quelle\nund Nahrung und Bedingung jedes Gestaltens, ge-\nwisse sich unmittelbar bietende Motive, deren Er-\ngiebigkeit unbedingt nach der schöpfenden Hand\nverlangt. Vermöge ihrer Sinnfälligkeit und Ge-\ngebenheit üben sie den stärksten Reiz, aus ihrer\ntypischen Masse das Besondere, aus ihrer Allge-\nmeinbedeutung das Individuelle zu lösen.\nZu diesen ökumenischen Motiven gehören vor-\nzüglich die Probleme der Lebensalter selbst, die\nganz geheimnisvoll mit der Natur der dichterischen\nFormen verwachsen sind. Schon in der äußer-\nlichen Unterscheidung: Epos und Drama, erkennt\nman Unterschiede von Lebensstufen selbst. Der\njedem Alter innewohnende Rhythmus, das jeweils\nveränderte Maß von Instinkt und Bewußtsein be-\ndingt diese Ausdrucksformen. Die dialektische Ge-\ngensätzlichkeit des Lebens, die dramatische Nöti-\ngung zum Austrag entspricht dem Mannesalter. Das\nunendlich wechselnde Vorüberziehen von Ereig-\nnissen und Figuren an den wahllos aufnehmenden,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5305, "texte": "lustvoll geduldigen Sinnen ist der epischen Natur\nder Jugend gemäß.\nWie selbstverständlich, daß der epische Dich-\nter vor allem die epische Zeit erfaßt. Die Erleb-\nnisse der Jugend, das ungeheure Anwachsen der\nTag um Tag sich steigernden Erscheinungswelt, die\nMacht und Willkür ihrer Deutung, das Zusammen-\ndrängen einer unermeßlichen Erfahrungsreihe in\neinen knappsten Zeitraum, die allmähliche innere\nErleuchtung und Ordnung der Bilder zu Wesen-\nheiten, Gliederungen, Notwendigkeiten, dies alles\nist eine so großartige Gegebenheit des Schicksals,\ndaß der Dichter an der Betrachtung der Jugend des\nWeltgeschehens selber und an der bewußten Nach-\nschöpfung des Jugenderlebens des Maßes der Reali-\ntäten selbst inne wird. Es ist der eigentliche Zauber\ndes Epischen: Alles menschliche Treiben und Ge-\ntriebenwerden, Tun und Leiden in seinem Neben-\nund Ineinander wird freudig umfaßt und alles\nDunkle, Grauen, Tod und Chaos erscheint als lust-\nvolle Buntheit. Die Konflikte, und führten sie bis\nzur Vernichtung, erneuen sich in unerschöpflicher\nWiedergeburt, die Pein der Erfahrungen hat nur die\nfreudige Folge immer wieder erweckter Anschau-\nlichkeit. Im Epos triumphiert alle Vielstimmigkeit\nund Unverwüstlichkeit der Existenz. Und dies alles\nist Wesen und Vorrecht der Jugend. Ihr allein ist\ndie wunderbare Widerruflichkeit und Wandelbar-\nkeit der Anschauung und Wertung gegönnt, nur\nvon ihrer Schultafel wird jedes bittere Erkennen\nhurtig ausgelöscht, während der nächste Eindruck\neine neue geduldige, reine Fläche findet, sich darauf\neinzuzeichnen. Das treueste Gedächtnis gehört\ndem flüchtigsten Gemüte an, welches aus jeder\nNahrung Gewinn zieht, aus Träumen Wahrheiten,\nHoffnungen aus Enttäuschungen, Erfüllung aus Ver-\nzichten, heiliges Ungenügen aus allem Erreichten\nschöpft. Wenn es Sache des Dichters ist, aus einer\nkleinen Wirklichkeit eine große, aus einem Tropfen\nvon Erlebnis em Weltmeer von Inhalt, aus einem\ngelegentlichen Eindruck eine Ewigkeit von Stim-\nmungen, aus einem vereinzelten Samenkorn von\nGeschehen einen Baumriesen von Schicksal er-\nwachsen zu lassen, so gehört all diese geniale Will-\nkür der Jugend zu, als der einzigen Epoche, wo\njeder Mensch, Freiheit, Unbewachtheit und Gesund-\nheit vorausgesetzt, sich schöpferisch, also genial\nbewährt. So scheint die Jugend allein und unbedingt\ndem Dichter inmitten der rationalen Dürre, auf die\nerwachende Frage nach seinem Wert und Sinn die\nheitere Bejahung zurückzugeben, deren er bedarf.\nIn ihr findet er die geheimnisvolle Rechtfertigung\nseiner Funktion, seine menschheitliche Billigung. Ist\ndieses Alter der willkürlichen und selbstherrlichen\nWertungen um, so beginnt der törichteste Ernst des\nLebens, der das gewagte Spiel des Schaffens um\nseiner selbst willen zu nehmen unfähig, fordert statt\nzu empfangen und mit Nutzbarkeiten und Zwecken\ndurch das Inkommensurable pflügt.\nKein Lebensalter hat einen so weiten Horizont\nwie die Jugend, und keines hat so wie sie die Flügel,\nihn ganz zu durchmessen. Dichtung und Dichter\nwerden in ihr eins, und mit der Sehnsucht nach der\nJugend strebt die Seele des Schaffenden gleichsam\nnach ihrem natürlichen Leibe, nach ihrer wesen-\nhaften Erfüllung zurück.\nNun ist das mit dem Namen „Jahrhundert des\nKindes\" stigmatisierte Zeitalter freilich auf dem\nbesten Wege, der Jugend ihre Seele, der Dichtung\nihr Paradies zu verleiden. Das kindische Treiben\nder Erwachsenen droht nachgerade mit einer Sen-\ntimentalität, die Roheit und Dummheit selbst ist,\ndas Kindliche auszurotten, es beleuchtet elektrisch\ndie Märchendämmerung der Kinderstube und nötigt\nder Phantasie innerer Gesichte seine eigenen Brillen\nauf, durch welche die Jugend künstlerische Bilder-\nbücher zu würdigen bekommt. Dem geheimnis-\nvollen Ringen der Seele mit den drohenden Gewal-\nten der Sprache und der Wirklichkeit antwortet das\nidiotische Lallen und Nachäffen der herablassenden\nErwachsenheit, welche den Schritt des Frühling\nhygienisch gängelt und die herrlichen Schluchten\ndes Erlebens ebnet. Human sollen die notwendigen\nSchrecknisse des Heranwachsens vermieden, aus\ndem Urwald ein ärmlicher Garten zugerodet und\neine chinesische Mauer vor die Unendlichkeit der\nWelt gebaut werden, so daß all die wahrhaften Un-\ngeheuer, denen das Kind allein mit dem gerechten\nEntsetzen der Intuition gegenübersteht, zu kümmer-\nlichen Popanzen eindorren. Mit- und wehleidig ver-\ndirbt die reife Torheit das erhabene Grauen des Er-\nlebens zum Ammenmärchen und ist drauf und dran,\naus der Geschichte des menschlichen Daseins den\nersten und letzten Traum zu vertreiben. Die\ngeistige Unzucht des Rationalismus demokratisiert\njene letzte sagenhafte Welt der adeligen Kämpfe,\nVorrechte und Freiheiten und unterwirft sie der\neklen Humanitätsfolter der Bewußtheit, Zweck-\nmäßigkeit und Spitalssterilität. Welch ein Trost, daß\nes noch Bazillen gibt! Die Bürgschaften der\nHygiene breiten das graue Leichentuch der Sekuri-\ntät über ein kindisches Jahrhundert.\nSicherlich ist es ein Zeichen dieser Zeit, daß die\nJugend als epischer Urstoff noch einmal mit solcher\nVielstimmigkeit von allen Seiten her aufklingt, wie\nein letzter Ruf, eine Frage des Schicksals. Noch\neinmal wenden die Dichter ihren Blick nach dem\nMorgenrot. Indessen weiden die Esel im Spitals-\ngarten und treten die letzten Primeln und Märzen-\nbecher als unnütze Gewächse mit den Füßen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.12", "titre_corps": "Zur subjektiven Heineforschung", "titre_sommaire": "Zur subjektiven Heineforschung", "signature_source": "J. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.6", "debut_caractere": 5307, "fin_caractere_exclue": 9392, "texte": "Zur subjektiven Heineforschung\nJ. A.\nNur um der Hoffnung willen, daßi Professor\nAdolf Bartels die Aufstellung eines Heinedenkmals\nauf einem öffentlichen Platze nicht überleben würde,\nkann man der „Lese\" beipflichten. Diese „lite-\nrarische Zeitung für das deutsche Volk\" tat der\nSchande Erwähnung, daß Heine noch immer ohne\nDenkmal sei. Sie will, daß er „sein\" Denkmal\nbekommen soll, obgleich er mit seiner ungesunden\nSentimentalität viel Schaden angerichtet hat. Kann\nman derlei auch nicht lesen, ohne an einen Bericht\nüber eine Feuersbrunst oder eine Wetterkatastrophe\nerinnert zu werden, so gibt es Professor Bartels\ndennoch Veranlassung, über eine neuentdeckte\nSchandtat des „Verwüsters des deutschen Gewis-\nsens\" sich auszulassen. Er legt der arg bedrohten\nNation die ganze VerabscheuungsWürdigkeit ihres\nLieblings klar, lindem er ihr eine neue charak-\nteristische Tatsache aus seinem Leben mitteilt. Eine\nTatsache, die dem Urteil, das sich Bartels über\nHeine gebildet hat, gewaltig recht gibt.\nIn einem Antiquariatskatalog wurde der Ori-\nginalpaß Heines zu seiner italienischen Reise aus-\ngeboten. Ausgefertigt von der Königlichen Polizei-\nDirektion in München. Er lautet auf „Dr. juris\nHeinrich Heine, gebürtig von Düsseldorf, wohn-\nhaft in Hamburg, dahier studierend, welcher zum\nVergnügen über Innsbruck nadi Genua reiset\".\nIm Jahre 1827 hat Cotta Heine nadi München\nberufen. Er wünschte seine Mitwirkung für „das\nMorgenblatt\" und „Das Ausland\". Heine verpflich-\ntete sich, bis Juli des kommenden Jahres für jedes\nHeft der Annalen einen Aufsatz zu schreiben und\nfür die beiden anderen Zeitschriften nach Mög-\nlichkeit bemüht zu sein. Cotta zahlte ihm dafür\nhundert Karolin. Es interessiert nicht, ob Heine\ndieses Einkommen in München versteuert hat, doch\ndaß er es nicht tat, steht für Bartels fest. Weshalb\nhätte sich sonst Heine als Studierender ausgegeben?\nEs ist Heine, der doch vor keiner Schandtat zurück-\nschreckte, schon zuzumuten, daß. er keine Steuern\nbezahlen wollte und auch keine bezahlt hat. Und\nein solcher Mensch soll wie wenige deutsche Dichter\ngeliebt sein. Gegen eine derartige objektive Un-\nwahrheit muß Bartels Protest erheben und kon-\nstatieren, daßi Heine wirkliche Liebe kaum' je in\nDeutschland gefunden hat. Er amüsierte nur. In\ndiesem Punkt sollte Bartels sich über Heine gar\nnicht erhaben fühlen. Als Steuerzahler — da mag\ner ihm überlegen sein. Jubeltöne entringen sich\nseiner treudeutschen Kehle, wenn ihm der Steuer-\nerheber erscheint.\nKann ein Dichter, der wie Heine den Staat um\nAbgaben betrogen hat, etwas Wertvolles' geschaffen\nhaben? Wenn für die Bedeutung eines Schrift-\nstellers sein Verhältnis zur Steuerbehörde spricht,\nmuß Bartheis als Literaturhistoriker nicht minder\ngroß als Taine oder Cartyle sein.\nErklärt Professor Bartels auch, daß Heine nicht\nangegriffen und verhöhnt wird, weil er ein Jude,\nsondern weil er ein notorischer Lu m p war,\nso meint er doch, daßi esi auch jetzt noch Juden\ngeben soll, die es durch geschickten Wechsel ihres\nAufenthaltes zu vermeiden wissen, irgendwo dem\nStaate Abgaben zu leisten.\nIch weiß sogar von einem Juden, der seinen\nAufenthaltsort gar nicht erst wechselte und keine\nSteuern bezahlen wollte. Die Tagespresse ver-\nöffentlichte nach seinem Tode eine Steuerrekla-\nmation, in der er mit bitterem Sarkasmus das\nSchicksal eines guten deutschen Schriftstellers\nschildert. Der Mann soll so arm gewesen sein,\ndaß er, hätten ihn seine Schwestern nicht liebevoll\nunterstützt, allem Elend anheimgefallen wäre.\nJedenfalls spricht Bartels nicht gern von ihm. Wäre\nin seiner Teutonenseele ein Funken Ehrgeiz, ein\nSchimmer von Schamgefühl, er hätte sidi tot-\ngeschwiegen, nachdem ihn Leo Berg, der Schreiber\nder Steuerreklamation, zertreten hat.\nDem Deutschen Staat mag allerdings ein Mann,\nund sei er selbst ein Nichtswürdiger wie Bartels,\nder seine Abgaben leistet, weitaus lieber sein als\neiner, der zu verkrüppelt war, um Soldatendienste\nleisten zu können, und den das Unglück, ein\nscharfer Kritiker unseres Zeitalters zu sein, üm die\nGenugtuung, die Wonnen und die Ehren des Steuer-\nzahlens betrogen hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.6", "debut_caractere": 9468, "fin_caractere_exclue": 9605, "texte": "[a]1 11 31 'Pi idzm —i\nn\nSalon Cassirer j Viktoriastr. 35\n>UI 't « lr\"ar\"\nOskar Kokoschka\n□cni innz\n|J Eintritt 1 Mark\n' » —***>' 11 -iii"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.6", "debut_caractere": 9607, "fin_caractere_exclue": 9826, "texte": "■ ®\n■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■snaia\nB 8\n| Die fackel\nHERAUSOEBER\n| Karl Kraus\nS Mummer 503/4\nsoeben erschienen\nPrei« 50 Pfg.\ns\nOberall erhAltlich\nr -\n■ *\nBB*aßßaaßaaaaaaaaaaaaaaai»««ns\niaßtftftiaaaaaaaßß^saßßaaaaaaaßflaaß"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.6", "debut_caractere": 9828, "fin_caractere_exclue": 10024, "texte": "Landerziehungsheim Schlofl Drebkau N L\n■ Zwei Stunden von Berlin ■\nErziehung und Unterricht nach modernen Grundsatzen\nAufnahme von Knaben u. Madchen jederzeit — Grosser Park — Turn- u. 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Patentbureau, gegr. 1893, Fitte & Theune\nBERLIN SW 48 Friedrichstrasse 230 Tel. 6a, 19 093\nHusarbeitung von Crflndungsideen. Patentanmeldung In\nalien Candern. tnassigc Prelse. Keine flacftzablungen.\nScbnelle Verwertung von Patenten ol)ne jeglidjen Vorsdjuss.\n|| welches 112. Beteiligung an d. Ausbeutung von Pa-\nn&ulla STEn tenten interess., bitten wir um ihre Adresse, um\nItup t iI4IIU 1111l kostenlos unverbindl. 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Vieljahr. Garantie fiir tadeil. Kunktion.\nfttr «rBs»e M. I. 11. 111. IV.\nKronen 3,60 4,80 7,— 11,- IG,—\nFranko tiberall hin gegen Vorauszahlung (auch in Briefmarken)\noder Nachnahme 30 Heller meh<. Verpackung gratis :: ::\nMondlichtwerk A. 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Rechnen Sie\nsich aus, was Sie 1m Jahre fur den Bedarf an Gliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-GlChkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusdmmen-\ndrQcken kdnnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Hartalin-Gliihkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50 •/(,. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Wg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem* und Techn. NenSieiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.7", "debut_caractere": 2853, "fin_caractere_exclue": 3535, "texte": "1. Eine hervorragende Neuerseheinung aul dein Gebiete der Miid<lu-ri-\nbildung- ist das Bach\n„Brauchen wir noch TBchterpensionate? •'\nvon Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer. Preis 31k. 3—\nWichtis fvir Eltern heranwaehsender Tochter, Padagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Dle Knabenpensionate, deren Einrlchtanff, ihr inneres\nand keben.\" Yon L. Daniel. Em Ratpeber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. 91k. 1,80.\n3. „Das TOfliterpensionat\"' ist die einzigre Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorstehsrinnen vemitt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis fQr die Praxis. • Pro Halbjahr Ilk. 2,10.\nDurch samtiiche Buchhdlg. Oder direkt vom Verlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.7", "debut_caractere": 3537, "fin_caractere_exclue": 4074, "texte": "D ARLE.H EN\nreellen Leuten jeden Standes. Auch gegen MSbelbeleihung, Kunst-Gegenstanden,\nohne abzuholen. — Offlzieren, Kavalieren, Beamten Geld in jeder Hdhe. —\nBeschaffung von Hypotheken auf bcrliner und auswartige Grundslticke. — Ka a 112\nund Beleihung von Hypotheken, Erbschaften, Sparkassenbiichern, Lombardscheinen,\nMietzessionen. — Schaelle, grundreelle, diskrete Erledlgung. : :—: : :—: :\nWILHELM MEYER :: Bank-Kommission\nBERLIN S 14 Stallschreiberstrasse 56 II\nSprechzeit 10—12 und 4—7 Fernsprecher: Amt IV 6785\n* n inn ■ nn ii I"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.7", "debut_caractere": 4076, "fin_caractere_exclue": 4791, "texte": "110\nri\n■V\nZA\n3ft\n&\nSs\nn\ntv\n4\\W> :\nfl?1M&&\n•II( • ■-■\nft\na\ny<f/\n4!s£>is\n. ;^a\nmi\n>*\n4\nO\ntffcSH\n'•\n.'. ';::v.:>»y';ta-\n'\" ■ ;'- i^\nv* '•' .■ *\"»2}i\nV\nWarnung!\nHohle Zahne sind, wie die meistcn aus Erfahrung wissen,\neines der unangenehmsten und schmerzhaftesten Uebel,\nunter welchen die Menschheit zu leiden hat. Man hiite\nsich daher dringend vor Vernachlassigung der Zahn-\npflege und gebrauche taglich Kosmin Mundwassepy\nwelches den denkbar besten Schutz gegen das Hohlwerden\nder Zahne bietet, gleichzeitig das Zahnfleisch kraftigt\nund den gesamten Mundorganismus erfrischt. Preis pro\nFlasche, lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich\nT3,\nI\nm\nI\n7/\nJ\nZAS\n0\n£\nc*±»\nrT*\nm\nc\na\ndr*J\nw\n«\n§\nhZ\nK.\n//\nE>\nu\n1/\nre\nI;\n4r\nm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c029", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "154", "page_fin": "154", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.8", "debut_caractere": 170, "fin_caractere_exclue": 1170, "texte": "BOWLEN WEINE\nTausende Wadibestellungen und zahlreiche Anerkennungen aus\ndem Reiche beweisen, dass unsere Weine gut und preiswert smd!\nWir emplehlen zu Begitrn der Bowlonsaison unsere beliebten billigeu\nBowlen-Weine als\n0,70 M.\n0,75\n0,80\n0,75\n0,80\n»>\n>>\n»»\n1,10\n1,10\n1,25\n»»\n)»\nit\n>>\n1908er Wellensteiner (Mosel)\n1908 er Remicher „\n1907er Elleozer „\n1907er Elsheimer (Rhein)\n1907 er Gaubickelheimer „\nBowlensekt, Frucht-Champagner\nmit Steuer\nKaisersekt, ohne Steuer . . .\nLorraine, „ „ ...\nAlle Preis© Terstehen sic*3i mit Flaschen frei Hans in Berlin,\nnach ausserhalb frei zur Bahn, gegen Kasse, Nachnahme oder Vor-\neinsendung. Bewahrte Bowlenrezepte der Firma kostenlos. Voile\nGarantie fiir tadellose wird auf\nunsere Kosten zuriickgenommen. Verlaagen Sie kostenlos\nPreislisten. Bestellungen sind zu richten an die\nWeinvertriebsgesellschaft von Malottki\nvorin. Toermer & Micliaellsi Ifachf, G. m b. H.\nBERLIN Anguststrasse 60\nFernspr. 111, 8192,15jahr. Geschaftsbestehen. 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Verleihucg m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nBEDTSCfIEIPIIVif-BEAMTEI-TEREII ZD MAGDEBURG\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waisen-\nkasse, Begrabmskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohlfabrtseinrichtungen\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjahrL Beitr. 3 M.:: Man verl. 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Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe. Redaktion:\nQeorg August Grote, Hannover,\njahrlich zwOlf staike Hefte mit Bei-\ntr&gen berlihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder desßundes deuischer\nForscher erhalten den ..Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK 6.—, fOrdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7.20. Jahresabonnement Mk. 5.50,\nbezw. 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Sprache zu besonders billigen Preisen\nDemnSchst erscheint: Katalog XXI / Kunst-\nblatter: Portrats, Stadteansichten, Berliner\nBlatter, Karrikaturen, Flugblatter, neuere\nund altere Genrebilder, Blatter von\nMenzel, Beardsley, Rops, Stammbucher\nSilnouetten, Japanbiatter etc. etc.\nKataloge / gratis und franko /\nbitte direkt zu verlangen\nAngabe von Desideraten er^eten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-07-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-07_01#c033", "volume": "bmtnabg_1910-07-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "154", "page_fin": "154", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.8", "debut_caractere": 3213, "fin_caractere_exclue": 3909, "texte": "Berliner Konservatorium fiir Theater und Musik\nDIREKTOR C. 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CliniIIIIIC Post Mellenbach bei Schwarzburg im Tl\n• • • •\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral-\nheizung und elektrisches Llcht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. Individuelle arztliche Behandlung\nDie Kiiche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervenschwache, Magen- und Darmleiden, Gicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Leiter: I>r of. med. W. Hotz\nThuringer Wald\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege persSnlicher\nKultur und gesunder Lebens-\nanschauungen, dient unsere\nMonatsschrift „Gegandeg\nIjoben\", von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. Abonn. M 3,60 p. 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Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen kdnnten. —\nChr. Ad' Kupferberg $ C°\n* Hoflieferanten MAINZ Gegriindet I85v?\nRIESLING!\nr \\ e^er Bedeutung a \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschlufi.\no AN* rnocKen\n\"OFuEFErtAMTEN\nm\n112:\nH t\ni *\nm\nrag"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: Berlin W 35, Potsdamerstr. 111 / Amt VI 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark \\ Halbjahresbezug 2,50 Mark/\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 7. JULI 1910/WIEN\nNUMMER 19\n\nINHALT:\nR. LAUDON: Wider die rote Flut / MAX BROD: Über die Schönheit hässlicher Bilder / FRANK WEDEKIND: Fiorenza / PAUL LEPPIN: Daniel Jesus / Roman\nELSE LASKER-SCHÜLER: Leise sagen — / ALFRED DÖBLIN: Gespräche mit die Musik / KURT HILLER: Oskar Kokoschka / OTTO STÖSSL: Jugend-\nromane /J. A.: Zur subjektiven Heineforschung / KARIKATUREN\n\nDeutsche Staatsmänner\nArnim Schorlemer Dallwitz Moltke\n\nWider die rote Flut\nVon R. Laudon\nZwei neue Sitze sind den Sozialdemokraten zu-\ngefallen, einer an der Ostsee, einer am Main. Und\njeder weiß: würde man Stichproben machen irgend-\nwo sonst in Deutschland, an der Elbe, an der\nrussischen Grenze, selbst am Rhein, so würde man\nüberall das gleiche rapide Anwachsen der Regie-\nrungsopposition feststellen. Leute, die nie auf\neinem Wahlgang gesehen wurden, wird man im\nkommenden Jahr an der Urne ein mehr oder\nweniger offenes „Nein\" sprechen hören zur „staats-\nerhaltenden' 'Politik. Die an der Tete wissen das;\naber ihre Not ist groß. Bei dem üppigen Auf-\nblühen des Landes, bei einem Uebermaß an\nTalenten, großen Begabungen in Technik, Wissen-\nschaft, Kunst, Kaufmannschaft und Verwaltung ein\nvölliges Brachliegen politischer Produktion. Nie-\nmand wird all den Herren oben, die wie Zeppelin\nstolz anschwirren und wie er kläglich stranden,\nden guten Willen absprechen; liebenswürdige Men-\nschen meist, tüchtige administrative Funktionäre,\nauch feine Köpfe. An der Spitze der ehrenwerte\nHerr, der alle paar Wochen einen Minister schlach-\nten muß, um seiner angeborenen Körperschwäche\nnachzuhelfen. Mit geschlossenen Augen tappen sie,\ndie willigen, so bemühten Herren sich hin, ftiit\nvöllig geschlossenen Augen, und wissen nicht,\nwarum sie nicht den Weg finden. Schuld ist: es\nfehlt der Nachwuchs in Diplomatie und Politik',\nes liegt an der geringen Politisierung größerer,\nTalente aufbringenden Massen, es liegt an dem\nAbschluß dieser Kreise von Politik und Diplomatie.\nDieselben frischen Leute brauchts, die den deutschen\nNamen in Technik und Wissenschaft groß gemacht\nhaben, die dem Leben befreundet und mit ihm\nvertraut für die Politik in Neigung und Leidenschaft\ngewachsen sind. Man scheint oben nicht zu wissen,\ndaß die höheren und höchsten Stellen der Ochsen-\ntour verschlossen bleiben müssen, daßi in dieser"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.2", "texte": "Höhe Initiative, politisier Geist und Energie seinen\nPlatz sucht und findet, und daß Verwaltungstechnik\neins und Politik das andere ist.\nNoch schlimmer fast als diese irrige Besetzung\nbekommen dem Lande die sich daraus ergebenden\nKonsequenzen. Die kleinen berufenen Köpfe sehen\nnicht, daß sie mit einem Schlage in eine ganz andere\nSphäre geraten sind. Statt zu verordnen und ver-\nfügen, gilt es hier zu planen, zu enzipieren; es\ngilt, die private Parteirichtung überwinden. Und\ndies ist der zweite wichtige Punkt: die Regierung\nhat es nicht nötig, konservativ oder liberal zu sein.\nWenn Parteien rückständig werden, so ist die Re-\ngierung schlecht zu nennen, welche mit ihnen ver-\ntrocknet. Sie wirtschaftet, frei überblickend, mit\nden Parteien, sie läßt sich nicht in ihre Händel\nverwickeln. Die Regierung hat völlige Freiheit,\nja ist im Interesse der Gesamtheit wie nicht minder\nihrer eigenen Existenz zum Gebrauch ihrer Frei-\nheit verpflichtet; sie kann sich geschmeidig jeder\nVolksbewegung anpassen und sie beherrschen. Sie\nkann herzhaft zugreifen, sonst wächst ihr das Uebel\nüber den Kopf. Will die Regierung eine Aerztin\nsein, so übt sie sonderbare Kunst, wenn sie den\nPatienten so lange vernachlässigt, bis er totschlag-\nlaunig wird. Aber immer wird sich eine mächtige\nPartei bemühen, der Regierung die Hände zu bin-\nden, und immer geht es der Regierung bald darauf\nan den Kragen.\nBei uns wächst die Opposition in keinem meß-\nbaren Umfang. Wer die schärfste Opposition ver-\ntritt, ist jetzt am besten. So drängen Ungezählte\nzur Sozialdemokratie und fast identifiziert sie sich\nmit Regierungsopposition, nimmt alle Wasser auf,\ndie nicht rechtshin fließen mögen. Zweifellos1 ist\ndiese Stärkung der Linken mit lauter Stimme zu\nbegrüßen, denn sie soll die Regierung belehren,\ndaß sie eine grundfalsche Auffassung ihres Amtes\nhat. Sie sieht einen feindlichen Körper in denselben\nMassen, die sie führen und pflegen müßte; sie\nhat längst aufgehört, Regierung zu sein. Die So-\nzialdemokraten kommen zu ungeahnter Macht, sie\nwissen selbst nicht wie. Einer Volksklasse ange-\nhörig, die sich entrechtet fühlt, weil sie, die nie-\ndrigste, dazu mit Vorliebe Gegenstand der agrarisch-\nkonservativen Fußtritte und Vergewaltigungen ist,\nunter mindestens stillschweigender Billigung der\nPseudoregierung. Leute, die es nicht nötig haben,\nsich auf Zeit und Programm m besinnen; denn\n30 Pfennig mehr Tagelohn ist ein rundes Wort, und\nder Stoß, gegen die Brust ein hartes Gefühl. Da\nbrauchts keine Stilistik und Phraseologie; das ist\nverständlich und wirkt im Handumdrehen. Gegen\ndie Plastik und Schlagkraft dieses Programms ver-\nschwindet beinahe alles, was andere Parteien pro-\nduzieren, verschwindet die Schwiächlichkeit des\nvöllig unpolitischen Beamtentums1, das national-\nliberale Seufzer ausstößt, verschwindet insbesondere\ndie Kläglichkeit des liberalen Mittelstandes, das\nseine Ruhe und keinen Pfennig Zinsverlust haben\nwill. Nur die Zentrumspartei hält es mit den Sozis\naus. Man könnte fast in diesen Tagen jammern,\ndaß man kein Katholik ist, um sich dieser mächtigen\nund soliden Partei einzufügen. Alle Stände tirrt-\nfassend, ist sie unfaßbar, will man sie auf eine\nkurze politische Formel bringen; keine Partei, son-\ndern eine Gemeinde. In ihr ist am intensivsten\nzum Ausdruck gekommen die Unabhängigkeit des\npolitischen Standpunkts vom wirtschaftlichen; nur\nsie stellt sich in Machtfülle höhnend entgegen der\nGanzlinken, der die Lohnerhöhung um drei Groschen\npolitisches1 Motiv k!at' exochen ist. —\nWer kann mit ihr, der nicht ihres Glaubens\nist? Alle regierungsabtrünnigen strömen den Sozis\nzu. Aber so sehr man mit diesen um ihrer Energie\nund Opposition willen sympathisiert, man müßte\nblind sein, um nicht zu wissen, daß, aus den tapferen\nopfermutigen Proletariern Spießbürger in dem\nMoment werden, wo sie ihre Lohnerhöhung erlangt\nhaben. Es ist eine Lächerlichkeit, von dieser Partei\ndes gröbsten einseitigen Materialismus kulturelle\nFörderung zu erwarten. Man gehe einmal mit dem\nGeiste, der Goethe liebt und sich an Piaton ge-\nnährt hat, der Beethoven nicht nur gehört hat,\nund an der Erscheinung des Nazareners nicht blind\nvorübergegangen ist, in die Versammlungen dieser\nLeute, und frage sich, was man mit ihnen teilt.\nUnd dann frage man sich aber, wohin nun? Wider-\nwillig treibt das Grosi der Wähler zu der Sozial-\ndemokratie. Wo ist die Stimme, die uns1 den Weg\nzeigt, die Partei — welche Armee und Marine an-\nerkennt und doch die Konstitution ausbauen will\nwelche jene Reformen anbahnt, die sich für ein\nhochstehendes Volk ziemen, — welche die toten\nReligionen aus der Schule verweist und so frische\nLuft und wahrhafte Gewissensfreiheit bringt —,\nwelche der lähmenden Kastenherrschaft entgegen-\ntritt, — welche, wie das Zentrum um die Fahne\ndes Katholizismus, sich sammelt um die Fahne des\nmöglichen kulturellen Fortschritts? Der alte Libe-\nralismus hat in Schönrednern, sterilen Akademikern\nund feigen Börsianern geendet. Könnte es einen\nneuen geben, der sich die uralte Macht von Ideen\nwieder zu eigen macht, der uns die widerwillig\nangetretene Verbindung mit der Sozialdemokratie\nerspart ?\n\nÜber die Schönheit hässlicher\nBilder\n„Ach, warum ist nicht alles opereltenhaft”. Laforgue\nVon Max Brod\nNoch' heute, wenn aus der bronzierten Netz-\nfläche einer Dampfheizung lauer Hauch von un-\ngefähr mich befällt (o Erinnerung, erfolgreiche\nSchmutzkonkurrentin des Gegenwärtigen!) .. »\ndann fällt mir jene Kunstausstellung im Künstler-\nhaus zu Wien ein, die mich erzogen hat. Das war\nreizend, damals. Schon unterwegs im rauhen Marz-\nwind der Straßen, der allen Damen längs empörter\nFrisuren die Hüte in die Höh' trieb (Balzac würde\nsagen i in diesem Wind, der für Wien ebenso cha-\nrakteristisch ist wie u. s. f.) ... schon unterwegs\nfreute ich mich auf dieses' Künstlerhaus, das ich\nmir warm und nach seinem Namen als1 einen Ver-\nsammlungsort hochgemuter Künstlerecken vor-\nstellte, ja lauter solcher Tiziane, die dort auf- und\nabgehn, patrizisch und in Prunkwämsern ohne Farb-\nflecke mit Königen Gespräche führen. Doch ich\nwar kaum enttäuscht, als ich nur Bilder vorfand,\nBilder ohne Zahl, und an manchen Stellen der Wand\nzwischen zwei Bildern diese braven Siebe der\nZentralheizung, die unversehens' mit Garben tropi-\nscher Witterung überschütten. Ich blieb immer\nzwischen den Bildern. Doch meine Gefährtin war\nvon künstlerischen Entzückungen schon umzingelt,\nattackiert, überwältigt. Die Luft deutlich gemalter\nSonnenuntergänge atmete sie, wiewohl in dieser Luft\nfettglänzende Wolken aus Himbeerlimonade hingen,\nmit Vergnügen ein, sie fuhr in sauber-wuchtige\nFjordkulissen, wurde durch Charlie Stuarts Hin-\nrichtung erschüttert zugleich und belehrt. . . „Aber\ndas ist doch lauter Klitsch! Wie kann Ihnen so\netwas gefallen?\" rief ich lächerlich-ernsthaft, indem\nich meiner durch Wärmebedürfnis erklärbaren Stel-\nlung ein satirisches Cachet zu geben bemüht war.\nSie sah mir gekränkt zu und ging in den nächsten\nSaal. Ich folgte . . . Auch hier Korbsessel, Tep-\npiche, Palmen, Oberlicht, und an den Wänden\nführten Schutzengel mit aufgereckten Gänseflügeln\nkleine Mädchen über Stege unpraktischer Bauart,\nein Lohengrin, dessen Bewegungen trotz seines\nSijüberpanzers wie unter geselligstem Frack sich\nzierten, küßte sein kokettes! Eischen, nebenan sagten\ngesund und doch1 melancholisch1 aussehende Hand-\nwerksburschen in vormärzlichen Kostümen ihrer\naber schon sehr poetischen Heimatstadt Ade, blon-\ndeste Backfische, rosarot, frisch vom Konditor,\nhatten Noten und eine Lyra und einen auch im\nSchlafe blassen Dichter, den sie amüsant bekränzten,\nauf Schneelandschäften (weiß, fraise, perlgrau) er-\nschienen krächzende Raben durch das ein für alle-\nmal feststehende Zeichen zweier aneinander ge-\nfügter Beistriche angedeutet, und dasl Exotische war\nvertreten durch Beduinen, Schwerttänzerinnen, slo-\nwakische Bauern, Szenen aus1 Buchara, Zentauren\nim Galopp, Fellahfrauen neben den bekannt\nschrägen Raen der Nilbarken. Ja, dieser Orient,\ndas ist doch noch was . . . Indes mit mehr als\nmeinem Tone der Entrüstung „Und das gefällt dir\nnicht?\" führt mich meine Gefährtin vor die rei-\nzendste Zofe der Welt, die ihr Händchen so ge-\nschickt hinter eine Kerze zu halten weiß, daß die\nheraufsteigenden Lichtstrahlen rotgelb ihr Gesicht\nschminken . . . Und nun bin ich besiegt, nun ge-\nfällt mir schon alles. Ich vergesse die Franzosen,\nden Fortschritt, Meier-Graefe, die Verpflichtungen\neines modernen Menschen. Schon zurüekgetaucht\nin Jahre unverantwortlicher Jugend, fre'ue ich mich\nüber die Zahnlosigkeit eines gutmütigen Mönches,\nder rechts-links umflochtene Weinflaschen an sich\npreßt, wie einfach-menschlich; und bin verblüfft\nvon glattlasierten Schlachten, den sbrgfältig-bluti-\ngen Kopftüchern der Verwundeten, den sauberen\nReitersäbeln. Und „Rast im Manöver\" heißt es,\nwenn auf Tournister gepackte Blechgefäße grau dem\ngrauen Straßenstaub entgegenblitzen. Und deutlich\nstrichliertes Schilf wächst „vor dem Gewitter\" aus\nzinnweißen Reflexen eines Sumpfspiegels. Am Kla-\nvier wird Abschied genommen, für ewig vielleicht.\nRosen lösen sich welkend aus Wassergläsern. Kühe\nruhen im Grünen. Miß nur, kleines Mäderl, wer\nhöher ist, du oder euer Barry . . .\nSeit damals liebe ich die Behaglichkeit, die be-\nwußtlose Grazie schlechter Bilder, diese Ironie, die\nvon sich selbst nichts weiß, diese Eleganz der un-\nbeabsichtigten Effekte. Wie ärmlich stellen sich\nseriöse Bilder daneben dar, die den Geist des Be-\nschauers in eine einzige, vom Künstler eben ge-\nwollte Richtung drängen. Sie sind so eindeutig,\nso vollkommen, so häßlich . . . Die schönen Bil-\nder. Aber Wonnen eines triebhaften Balletts, die\nunwillkürliche, unausschöpfliche Natur selbst, das\nChaos und urzeitliche Zeremonien lese ich aus\nAnnoncencliches, Reklamebildern, Briefmarken,\nKlebebogen, aus Xulisisen für Kindertheater, Ab-\nziehbildern, Vignetten; mich entzückt die\nRomantik des Geschmacklosen.\nSeit damals sind die Plakate an den Straßen-\necken meine Gemäldesammlungen. Da steht und\nzeugt für „Laurin & Clement\" ein rotes Pracht-\nautomobil, bewohnt von Herr und Dame in tot-\nchicer Dreß, steht vor einer gelben Gebirgsland-\nschaft aus aufgetürmten Rühreiern. Der Herr\nscheint mit eleganter Handbewegung dieses sel-\ntene Naturschauspiel der Dame zu präsentieren, die\nindes, ungerührt von den Blicken aus seiner impo-\nsanten Schutzbrille eines Tauchers, ihren Schleier\nmit spitzer Nase zu zerstechen sucht ... Ein Cham-\nberlain mit Monocle und imperialistisch-frechen\nMundwinkeln macht auf die Eröffnung eines Herren-\nkonfektionsgeschäftes geziemend aufmerksam . . .\nNicht ganz so glücklich führt sich „Altvater Jägern-\ndorf\" durch einen triefäugigen Greis, mit Feder-\nbarett und Grubenlampe jedoch, ein . . . Werden\nwir dieser arglos hochgeschürzten Galathea, dem\nwitzreich verzeichneten Knaben einer Variete-Affiche\nwiderstehen? . . . Und nieder auf die Knie, die\nKnie vor dem Porträt Zolas, vor seinem Stirnknit-\ntern, das dem Autor ernster Bücher wohl ansteht,\nund das ein einsichtsvoller Plakatkleber durch be-\nsonders runzliges Ankleben gerade dieses Plakates\nnoch verstärkt hat ... Falls du immer noch\ndie Wirkung dieser wahrhaft primitiven Kunst an-\nzweifelst, schwebt schon, nicht um zu strafen, nein,\num sanft zu überreden, ein Genius herbei, massiv,\ndoch jungfräulich, in ein aus Bolero und Chiffon\nkombiniertes Kleid gehüllt und mit unbeteiligt-sym-\nmetrischen Flügeln, während wilde Falten den unte-\nren Gewandsaum wegblasen. Er verkündigt „Mai-\nfestspiele\", schleudert in der Linken einen Kranz\nnach vorn und, um1 sich im Gleichgewicht m er-\nhalten, hat er den rechten Arm eingeknickt, wobei\nihm freilich das Versehen geschieht, die Posaune\nstatt an den Mund ans Ohr zu setzen, so daß sie\neinem pompösen Hörrohr ähnelt. Doch scheint dies\nkein unpassendes Symbol, da er so vortrefflichen\nOpern, die er anzeigt, auch wohl selbst zu lauschen\nLust bekommt. Und unbekümmert lim all dies,\njedenfalls dringt er in die Photographie des Theater-\ngebäudes ein, trotz sichtlichen Gegenwindes, und\nobwohl das Licht verwirrend genug ihn von links,\ndas Theater von rechts' bestrahlt.\nGlückselig darüber, daß nicht immer die Physik\ndas letzte Wort behält, wende ich mich weiteren\nKunstgenüssen zu. Sie warten in allen Auslagen,\ndiese zauberhaften Offenbachiaden des Lebens, auf\ntnich. Die Parfümerien stehen im Farbenschmuck\nso schematischer Blumen, daß man „Kinder Floras\nmit Lächeln sie zu nennen versucht ist . . . Yan\nHoutens Cacao ist schon undankbar ohne diese\netwas nördliche Dame, die im Eisenbahncoupe vor-\nnehmer Klasse einer trostlosen Winteröde den\nRücken kehrt, um desto neckischer ihr Lieblings-\ntäßchen zu schlürfen, de smakelijkste, in't Gebruk\nde vordeeligste. Klingt es' nicht wie das phan-\ntastische Deutsch eines ganz souveränen erstklassi-\ngen Schriftstellers? Lustig, lustig ... In einem\nSeidengeschäft ist die „Wiener Mode\" auf ge-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.3", "texte": "schlagen. Was für seltsame, von mystischen Rhyth-\nmen beherrschte Gestalten, und die Gesichter offen,\nklug, unschuldig, wie aus der „Wiener Mode\" . . .\nPapierfirmen stellen Ansichtskarten aus, lustig,\nlustig, diese verschneiten Kapellen im Walde, die\nphotographierten Liebespaare im Fortschritt der\nSituationen, harmlose Ostergrüße, als Hasen ver-\nkleidete Kaninchen, operettenhafte Alpengletscher,\nLeid und Freud, Schusterbuben, Villa Miramara,\nhandkolorierte Unwahrscheinlichkeiten . . . Und der\nDelikatessenhändler nebenan. Wie drollig zieht das\nBaby seinen Karren voll von Chocolade Suchard,\nwie abenteuerlich und unkontrollierbar wird auf\ndiesen Päckchen der Tee gepflückt. Von einer\nWeinflasche schwingt ein Herrenreiter höflich uns\nden Zylinder entgegen, Spanierinnen verführen von\nKonservenbüchsen herab, an Bonbonnieren treten\nwie in einer Zauberposse Feen und Ritter auf, der\nKarlsbader Sprudel plätschert auf jener Kolonne\nvon Oblatenschachteln sechsfach dazu, manche\nSchriapsfabrikanten ziehen Berglandschaften, andere\nden biederen Jäger vor, der die Pfeife auf den\nHolztisch stemmt, Herolde verkünden den Ruhm\ndeutschen Schaumweins, während Bisduits Pernod\nmit ihren rothosigen piou-pious Deutschland okku-\npieren.\nIch gehe heim, verlasse das populäre Ausstat-\ntungsstück des Täglichen. Doch auch noch zu\nHause habe ich Unterhaltung genug, die Phan-\ntastik der Zigarettenschachteln, die Etiketten auf\nLikörflaschen, märchenhafte Vaudevilleszenen auf\nBriefkassetten und Wandkalendern, Diplome, Reise-\nandenken . . .\nUnd gar die geliebte Mappe japanischer Holz-\nschnitte . . .\nHalt! Zurück!. . . Japanische Holzschnitte sind\ndoch anerkannt schön! Mir scheint, da habe ich'\netwas sehr Blamables gesagt („gesagt\" ist Ziererei\n. . . nein, geschrieben) . . . Doch die Grenze zu\nziehen, das ist die Schwierigkeit dieser an sich\nso einfachen Sache.\nUnd ich sehe schon, daß die gesamte Mensch-\nheit nichts dringender bedarf, als mein neues System\nder Aesthetik, das ich gewissenhaft und mit fast\nbarbarischem Fleiß schon lange schreibe, jedoch\nan meinem fünfzigsten Geburtstage erst, das ist\nam siebenundzwanzigsten Mai 1834 herauszugeben\nfelsenfest entschlossen bin.\nIndes bin ich schon vorher für Abordnungen\nder durch diesen Aufsatz besonders in Verwirrung\nversetzten Erdstriche zu sprechen, täglich zwischen\nzwei und drei. Um diese Stunde sitze ich sehr be-\nhaglich zu Hause und spiele Karten mit zwei gleich-\ngesinnten Freunden. Ach Gott, die Feerie dieser\nBildchen auf den Spielkarten übertrifft doch alles.\nLockige Burschen mit müden, träumerisch-ver-\nschauten Augen turnen, kreuzen ein Schwert und\nein stumpfes Rapier, trommeln, flöten, tragen stolz\nihre weißen Halskrausen, die gestickten Westen.\nAuf Rot-Zehn schaut ein Amor ins Publikum und\ntrifft dennoch seitlich das zinnoberrote Herz. Wel-\nches Lied spielst du, Knabe, in merkwürdiger Tracht,\ndeinem treuen Hunde vor? Gravitätische Könige,\nwürdevoll trotz der zu kurzen Beine, wo sind eure\nUntertanen, eure chimärischen Länder? . . . Dann\nlegen wir den Skat weg. Und in den Taroks mit\nihren Sarazenen, Albanesen auf Vorposten, mit\nCsardastänzerinnen, Liebespaaren in Fes und Jäger-\nhut, jugendlichen Eheleuten, die an der Schalmei\nsich ergötzen, mit Wahrsagerinnen und edlen Rossen\numgibt uns der Zauber der Levante, Lord Byrons,\ndie abenteuerliche Luft der Türkenkriege, vielleicht\nder Kreuzzüge. Uns belustigt der heraldische Aar,\nder wütend seine altertümliche Devise in den Klauen\nhält: „Industrie und Glück\". Wir zittern für das\nSchicksal der edlen Dame, die zögernd den Gondo-\nliere nicht anblickt und so gern entführt werden\nmöchte . . .\n\nFiorenza\nVon Frank Wedekind\nIn einem Lande, in dem kein Tag vergeht, an\ndem man nicht durch die Presse von einer neuen\nunsterblichen Großtat irgendeines über alle Maßen\ngenialen Regisseurs hört, muß die Tatsache etwas\nseltsam berühren, daß eine an plastischen Figuren,\nan Dramatik des Dialoges, an Bühnenwirkungen\njeder Art so reidie Dichtung wie die „Fiorenza\"\nvon Thomas Mann vier Jahre alt werden, und in\ndiesen vier Jahren an nicht mehr als zwei Bühnen\nzur Aufführung gelangen konnte.\nDurch ihre dichterische Größe und Schönheit\nverdiente die „Fiorenza\" längst Repertoirestück an\njeder Bühne zu sein, die sich für eine Pflegestätte\nder Kunst ausgibt. Und jeder, d€r über Regie und\nBühnentechnik überhaupt nur mitsprechen will,\nmüßte in seinem Kopfe längst seine eigene In-\nszenierung der „Fiorenza\" fix und fertig haben,\nso gut wie man als selbstverständlich dasselbe in\nbezug auf Goethes „Faust\" und Schillers „Räuber\"\nvon ihm erwartet.\nUnd was geschieht statt dessen?\nDie deutsche Bühne und Schauspielkunst\nschweigen das vornehme Stück seit vier Jahren tot,\nobschon es in seiner. letzten Szene, dem Dialog\nzwischen Savonarcola und dem sterbenden Lorenzo\ndi Medici, das Erhabenste, Geistvollste und dra-\nmatisch Wirksamste enthält, was je in deutscher\nSprache für die Bühne geschrieben wurde.\nOder fehlt es etwa den übrigen zwei Akten\nder „Fiorenza\" an dramatischen Wildungen? Der\nerste bietet als Höhepunkt die Erzählung dessen,\nwas im Dom geschehen ist. Der zweite bringt\ndie prächtige Künstlerschar, den Dialog zwischen\nden Brüdern, dann den Liebesdialog zwischen Fiore\nund Piero.\nTrotzdem liegt das Drama seit vier Jahren so\ngut wie brach und unsere Regiekunst läßt sich der-\nweile von der Kritik in alle Himmel erheben, und\nöffentlich das Elend und Sterben des deutschen\nDramas proklamiereil.\nAus dem Glossarium Schauspielkunst ron Frank Wedekind / Ver-\nlag Georg Müller München\n\nDaniel Jesus\nRoman\nVon Paul Leppin\nSchuster Anfon lag auf seiner Lagerstatt Und\nstarrte ins Finstere. Sein Gesicht war bleich im\nDunkeln wie eine Maske, und in seiner Seele ging\netwas Sonderbares und Großes, etwas Plumpes\nund Schreckliches wie ein gefesseltes Tier im Kreis\nherum, und er konnte es nicht erkennen. Seine\nAugen sahen weiter und weit durdi die Decke hin-\ndurch, durch die Wände und Dielen, sie sahen in\nsich hinein, bis sie müde wurden und bis; seine\nLider zu brennen begannen. Sie fanden nichts.\nAlles umsonst. Alles zu Ende. Er war allein und\nmußte immer wieder daran denken, daß er, ein Gott-\nsucher, jetzt nicht einmal mehr beten konnte, weil\nseine Hände vertrocknet waren in der Angst vor\ndem Bösen, das rings um ihn geschah, und daß sie\nsich nicht mehr zu falten vermochten vor der\nGnade. Wo war Gott? Wo sein Reich, das er\nerträumt hatte in den langen und wirren Gebeten,\nwenn die Menschen zu ihm ihren zerbrochenen\nGlauben trugen?\nSeit einer Woche bereits war Margarete aus\ndem Hause gegangen. Heimlich und plötzlich, wie\nein Gespräch auf einmal verstummt, und Anton\nwußte, daß sie nie wiederkehren würde. Er schaute\nmit roten Augen in die Nacht hinein, und die Dinge\nund die Menschen wurden seltsam und furchtbar\nin seinem Herzen. Sie waren zuweilen wie Glas,\nhinter dem er ihre Sehnsucht mit den heftigen,\nverzerrten Fingern erkannte, die an den gläsernen\nWänden rüttelten und pochten, bis sie wund und\neitrig wurden.\nEine irrsinnige, haltlose Angst überfiel den\nSchuster. Der Schweiß fror weiße Flecke in die\nHaut seines Gesichtes und stand wie ein schlimmer\nAussatz auf seiner Stirn. Er wußte nichts mehr.\nEr hatte alles vergessen und fürchtete sich unsäg-\nlich allein im Finstern, vor seinem Gott und vor\nder Sünde seines Weibes, die wuchs, wie ein un-\ngeheurer kahler Baum, vor dem er sich entsetzte.\nDie Streichhölzer schlotterten in seiner großen\nHand, als er die Kerze anbrannte und im Spiegel\nsein herbes, verfallenes Gesicht beschaute, weil er\nsich erinnern wollte an seine Augen, die im Gebet\noft wie zwei Lichter standen, an seinen Glauben und\nan sich selber. Ein fremdes, blasses Gesicht fand\ner im Rahmen des Spiegels1, mit tiefen Schatten und\nFurchen, die er nicht deuten konnte und nicht ver-\nstand. Er suchte in seinem Gedächtnis nach einem\nLied oder einem heiligen Vers, der ihm helfen sollte,\nseine Einsamkeit zu ertragen, und er konnte sich\nnicht besinnen. Es war alles ausgelöscht in ihm\ndurch einen geheimen, meuchlerischen der\nwie eine finstere Säule alles1 verdeckte, was er früher\ngeliebt hatte. Seitdem sein Sohn Josef mit Marietta\nzu den Sternen am Ende der Straße gegangen war,\nblieb sein Haus einsam, und keiner kam mehr wie\nfrüher, um zu beten. Eine fremde rätselhafte Macht\nhatte sein Reich zerblasen und seinen Glauben zer-\nlöchert wie ein Sieb. Sie hatte die Seele seines\nWeibes mit vergifteten Zangen gebrannt, daß sie\nvor ihren eigenen Wunden, vor dem Schauer und\nden Krämpfen ihrer Gierde irgend wohin geflohen\nwar, wo die Sünde ihren roten Mantel über sie warf,\ndaß sie sich nicht mehr schämen mußte vor sich\nund vor der Demut, um die sie Gott bestahl, wie\neine Metze. Und die sie vielleicht verschenkte und\nverwarf an einen, der darauf spie und mit dem\nFuß auf ihre letzte Würde trat.\nUnd wie im Taumel preßte Schuster Anton\nseine Fäuste in sein Gesicht und schrie und dachte,\nwie er bereits einmal in Angst und Trauer gezittert\nhatte: Wo war der Feind? Wo war jener Prophet,\nvon dem das verzückte Mädchen gesprochen hatte,\nals sie der heilige Schlaf überfiel, daß sie dann\nsprach wie die Muttergottes1 selber, die sie im\nTraume in ihrem Zimmer fand, und die sie liebte,\nwie er seinen Gott geliebt hatte, als er noch beten\nkonnte und sein Weib noch bei ihm lebte.\nUnd keiner wird sein, der sich nicht vor ihm\nbeugen wird. Auch du nicht! Auch du nicht!\nSo hatte der Schlaf Mariettas zu ihm geredet,\nund nun Wußte er, daß sich die Worte erfüllten.\nAuf der Erde lag er weithingestredkt und grub\nseine Finger in den morschen Leib der Dielen.\nSein Gesicht schlug den Boden wie im Irrsinn und\nimmer wieder schrie es in ihm:\nWo war der Feind? Wo war der Feind? Um\nGotteswillen, wo war er nur?\nUnd plötzlich stand in der halbgeöffneten Tür\ndie Zigeunerin vor dem Schuster. Lautlos, im\nDunkeln, war sie hereingeschlichen und sah ihn\nmit glimmenden Augen glanzlos an. Sie stand,\nein schlanker, unbeweglicher Stein und rührte sich\nnicht.\nDer Schuster hob den Kopf, und zwischen\nTränen und Staunen erkannte er sie. Ein feiges',\nschmerzhaftes Entsetzen kroch an seinem Riesen-\nleib empor und ein fladkernder Schrecken zeigte\nihm wie eine Vision den T3g, an dem er damals\nmit dem Fuß nach ihr stieß, weil er in ihre hellen,\nhungrigen Augen geschaut hatte. Die ihm auf ein-\nmal alles sagten wie ein Buch. Der Feind! Der\nFeind! hatte es damals in ihm gerufen, aber er\nwußte nun, daß sie es nicht sein konnte. Die\nZigeunerin war nur ein Bote, ein Rätsel des fremden\nGauklers, der ihm das Reich genommen hatte und\nmit dem er die Menschen täuschte und belog. Wer\nwar es nur? Die Zigeunerin Wußte es, und er\nwollte sie fragen.\nEr erhob sich, und sein verwüstetes; Gesicht\nsah zu Hagar hin, die reglos in einem langen Kleid\nvor ihm stand, das1 von ihrem Halse bis zur Erde\nfiel. Und bevor er noch fragen konnte, sagte sie\nihm alles in ein paar Worten, von denen jedes\nwie ein zersprungenes Glas klirrte.\n„Schuster Anton, dein Weib ist in der Villa\nJesus, im Bett des reichen Daniel, und sie küßt\nseinen Buckel wie ein Kruzifix. Sie hat die Haare\nwie eine Krone um den Kopf gebunden, und Daniel\nlacht und gibt ihr heute abend ein Fest in der\nVilla.\"\nDer Schuster wurde bleich wie ein Gestorbener.\nNur der Mund brannte in seinem breiten Gesichte.\nSein großes Herz blieb stecken wie eine Schraube.\nEr hob die Hände und warf den Kopf in den\nNacken, und schrie, schrie wieder und wieder wohl\nzwanzig Mal den einen Namen zur Decke, vor dem\ner sich so gefürchtet hatte und der nun schwarz\nund drohend in seiner Seele klebte. Der Prophet\n— der Prophet — Daniel Jesus!\nErschöpft und blind von Blut Und Entsetzen\nfiel er zu Füßen der Zigeunerin und weinte in\neinem seltsamen, wunderlichen Schmerz, der ihn\nverzehrte, der alle Sehnsucht in ihm nahm und\nseine Kehle bitter madite wie Fäulnis1. Er fühlte\ndie Hände der Zigeunerin, die seinen Hals1 betaste-\nten, und hörte ihren Atem, der sein Haar verbrannte.\nEr war wie eine Mauer, in die ein Sturm eine\nLücike gerissen wie eine Tür, die jemand auf-\n\nNeuste Fortsetznag"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.4", "texte": "gestoßen hat für die Sünde. Noch einmal raffte\ner sich auf und stieß sie in£ Dunkle. Sie hatte\nihr Kleid an den Achseln gelöst und stand nackt im\nZimmer mit Schuhen und Strümpfen. Wie eine\nKatze kroch sie zu ihm. Er wendete sein Gesicht\nund wehrte sich mit den Armen gegen sie. Sie\nhatte sein Hemd über der Brust geöffnet, und als\nder Schuster ihre heiße, lüsterne Zunge an seinem\nLeibe spürte, als ihm ihr Speichel in glühenden\nStreifen die Haut versengte, sank seine Hand wie\nMetall zu Boden und ließ es geschehen, daß die\nZigeunerin seinen großen Körper, nach dem sie\nso lange gelechzt hatte, mit ihrer ekstatischen Liebe\nverheerte wie der Hagel ein Feld.\n\nLeise sagen\nVon Else Lasker-Schüler\nDu nahinst dir alle Sterne\nUeber meinem Herzen.\nMeine Gedanken kräuseln sich\nIch muß tanzen.\nImmer tust du das, was mich aufschauen läßt,\nMein Leben zu müden.\nIch1 kann den Abend nicht mehr\nUeber die Hecken tragen.\nIm! Spiegel der Bäche\nFinde ich mein Bild nicht mehr.\nDem Erzengel hast du\nDie schwebenden Augen gestohlen.\nAber ich nasche vom1 Seim\nIhrer Bläue.\nMein Herz geht langsam unter\nIch weiß nicht wo —\nVielleicht in deiner Hand.\nUeberall greift sie an mein Gewebe.\n\nGespräche mit Kalypso\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nAchtes Gespräch\nIm Sande des Strandes, unter einem dürftigen\nHüttendache, kauern der Alte und Jüngere des\nersten Gespräches. Es ist Spätnachmittag.\nDer Junge\nWo mögen sie heut bleiben. Dies ist ihre\nStunde.\nDer Alte\nIn ihr geht etwas vor. Die ihr dienen, haben sie\ngestern aus der Grotte kommen sehen; Lachen und\nSchreien ging aus ihrem Munde, ihre Augen blitzten\nabwesend. Vor der Höhle brach sie zusammen.\nSo kalt und todfinster wie an diesem Abend, hat\nsie noch keiner gesehen. Alle zitterten, welches\nOpfer ihr brütender Geist fordern würde. Aber sie\nbetete, brünstig, hingeworfen, lange, so lange. O,\nsie liebt den Olympier. An diesem Abend, während\ndas Meer hungrig brüllte, hat nur ihr Freund ge-\nlächelt und vor sich hingeträumt, wie eine Schwalbe\nsummend.\nDer Junge\nSie kommen heute nicht. Sie nehmen uns den\nschönen, heimlichen Ort nicht.\nDer Alte\nUnd nicht wenig macht ihn sdiön, daß Kalypsos\nLeib hier gelegen hat, daß ihre Stimme in dieser\nLuft stand, vielleicht ein Rest von ihrer Stimme\nnoch schwimmt. (Der Junge schweigt.) — Die\nWelt geht unter, und sie plaudern. Sie plaudern\nvon Musik, und die Welt geht unter. Kalypso ist\nunwandelbar; einstmals blieb sie leben; wer weiß,\nwas (Jas Geschick über ihr diesmal verhängt. Sie\nscheint sich zu bangen; wo bliebe sonst ihre Süße?\nDer Junge\nLaß. Sie tun gut beide. Wie eine Flaumfeder\nam Leben hängen, ohne Schwere und Harm. Ist's\nwirklich so verblendet, vom Süßesten, Entferntesten\nzu plaudern, wo sich Ungeheures vorbereitet? Dem\nUnheimlichen den Rücken kehren und Größe be-\nweisen ?\nDer Alte\nEs ist Hochmut; ich blase mich nicht auf mit\nWorten. Wir verlieren nicht viel an uns.\nDer Junge\nDu bist viel gewandert. (Mit leiser Stimme.)\nWas ist es mit dieser Musik?\nDer Alte\n(Lächelnd.) O so, mein junger Freund. Ein\nHauch von ihr schwimmt in der Luft. (Nachdenk-\nlich ihn betrachtend.) — Aber von einer anderen\nKunst will ich zu Dir sprechen, den ich so stam-\nmeln und seufzen höre. Verehrst Du nicht die\nTanzkunst? Sie muß Deinem Herzen näher stehen;\ndenn so seid Ihr ja von heute: frauenhold, tänze-\nrinnenhold. Wir beteten keine Frauen an, wir\nspielten mit ihnen und lebten uns, gingen unseren\nklirrenden Schritt. Kam uns ein Weib sehr nahe,\nso begehrten wir es, schützten es als unser Eigen-\ntum, waren ihm dankbar, weil es kräftigte, zu\nschaffen und zu kämpfen. Daß die Künstler jetzt\nzu den Weibern herabgesunken sind und sinken\nwollen, daß sogar die Tanzkunst eine Kunst der\nTänzerinnen, besagt mir, daß die Männer des\nWeibes voll sind und nicht des Kampfes. Denn die\nTanzkunst verlangt wie eine der Männer, mein\nFreund, diese hoheitsvolle, strenge Kunst, die die\nZähmung des Willens betreibt, die Unterjochung\ndes Leibes unter den Willen, — darin eine gottvolle,\ntieffromme Kunst, — die Willenskunst. Aber Eure\nTanzkunst zeigt nicht den gezüchteten, fromm ge-\nwordenen Körper, sondern das gezüchtete Weib\noder den fraugewordenen Mann; sie zeigt Eure\nUnzucht. Von Liebe faselt Ihr, die Geschlechtlich-\nkeit wuchs Euch zu dem wichtigsten, wohligsten\nRätsel aus, wurde Euer Geheimestes, Echtes, Ern-\nstes; sogar Eure Denker säuseln von dem Brenn-\npunkt des Daseins. Ich glaube, es geht Euch zu\nüppig; Ihr durftet vieles vergessen. Ihr ließt Euch\nden Tanz aus djjn Händen reißen, kennt nur den\nTanz der Geschlechter, den Eintanz, kaum den Viel-\ntanz, den Tanz der Männer. Ihr Ueppigen,\nSchweren, Blöden!\nDerjunge\n(Hartnäckig.) Ich kenne Lieder und Werke\naller Art. Ich möchte wissen, was es mit der\nMusik ist.\nDer Alte\nIch hörte ihnen manchmal zu; vieles blieb1 mir\nunverständlich.\nDer Junge\nIch bin wohl recht töricht, denn mir ist alles\nklar. Ein Lied ist — ein Lied — ein Musikspiel,\nschön oder häßlich.\nDer Alte\nNun, merkwürdig und nachdenklich dünkt mich\ndoch manches an der Musik. Auch nicht so entlegen\nist es, wenn sie von ihr sprechen; es hängt ein\nHauch von ihr in der Luft. Denn was ist nah',\nwas entfernt? Das Unscheinbare trägt Fittige und\nstößt an die Ewigkeit. Ja, das Reich der Musik\nist gewaltig und unheimlich; denke nicht spöttisch\nan sie. Willst Du etwas von der Anbetung und Ehr-\nfurcht kennen, die wir gegen Göttliches, Unnah-\nbares tragen, willst Du von jener Ehrfurcht kennen,\nso betrachte ein Lied, mit Ernst wie einen Stein\noder ein Tierskelett. — Ich begreife es wohl, daß\nes sie beide lockt, sich hier hinein zu verstecken,\nunter die Gestalten, die der Geist tönend angenom-\nmen hat. — Schwer lassen sich die Erscheinungen\nder Musik trennen; so rund und scharf wie das\nAuge, unterscheidet das Ohr nicht. Es gibt Katzen,\nWürmer, Fische, Möven, — aber welche Arten\nMusik gibt es? Soll ich den Tanz eine Art und\nForm nennen, weil es sich dazu tanzen läßt, oder\ndas Lied, weil dazu gesungen wird, oder die Sin-\nfonie, weil nur Werkzeuge in ihr auftreten? Doch\nso wenig, wie ich die Tiere teile in solche, die\nich brate, und solche, die sich gar nicht fangen\nlassen.\nDerjunge\nSo sprich fort. Ich staune, wie sich das Tote\nin Deiner Rede verlebendigt.\nDer Alte\nO, das Tote! Ja, tot heißt, mein Freund, was\nwir nicht fassen; wir, wir sind immer tot, die\nnicht das Lebendige in uns hineinziehen.\nDer Junge\nVersteh' ich recht, so meinst Du, es sei das\nReich der Musik schier unübersehbar; wolle man\naber Grenzen in ihr setzen, so müssen diese nicht\nspielerisch gezogen werden, sondern es müssen die\nRegeln der Trennung aus der Musik selbst hervor-\ngehen.\nDer Alte\nEs gibt Tonfolgen in der Musik, längere und\nkürzere, kaum oder nicht begrenzte, die auf irgend-\neine Weise in sich zusammenhängen oder doch zu-\nsammen zu hängen scheinen. Viele Ordnungen in\nden Tönen müssen schon getroffen sein, damit nur\njener Zusammenhalt der Töne in sich oder sein\nSchein ermöglicht werde, damit nicht der einzelne\nTon haltlos wie getroffen zu Boden stürze. Aber\nihr Zusammenhalt soll nur als Bedingung und Vor-\naussetzung, als Stoff gelten, einem weiteren Anein-\nanderschluß, den der Zusammenhänge unter sich;\nsie bilden Bestandteile, Säulen, aus denen erst ein\nTempel gebaut werden soll. Ich könnte Dir ver-\ngleichsweise von Worten sprechen, aus denen die\nRede gebildet werden soll; jene Zusammenhangs-\nmöglichkeiten schaffen erst das Wörterbuch der\nMusik. Doch führen alle Bilder irr. — Sieh, wenn\ndurch jene niederen Zusammenhangsregeln die Be-\nstimmtheit, der musikalische Sinn der einzelnen Ton-\nfolgen gesetzt wird, so muß eine weitere Regel\nfestsetzen, was den Zusammenhang der so be-\nstimmten und gesinnten Tonfolgen angeben soll.\nEs müssen Verbände geschaffen werden; es müssen\nferner alle Tonfolgen umgrenzt werden zu diesem\nZwecke. — Die weiteren, umfassenderen Zusam-\nmenhänge stellen, das sagt Dir schon das Wort,\nkeine bloßen Reihungen der kleinen Bruchstücke\ndar; Zusammenhang ist Ordnung, nicht Häufung.\nBesteht aber die Möglichkeit, einer Tonfolge über-\nhaupt den Schein des Zusammenhangs zu geben,\nso ist damit auch die Möglichkeit eines Verbandes\nsolcher Tonfolgen gewährleistet. Denn jene selbe\nRegel kann, wie unter den Tönen, so unter Ton-\nfolgen Ordnung bewirken: die Wiederkehr oder\nNachahmung einer zusammenhängenden Tonreihe\nist das Urbild auch eines Tonreihenverbandes.\nDerjunge\nWofern ich Dich verstand, mödhte ich schon\nrasch eine kleine Form oder umfassenden Zu-\nsammenhang entwickeln. Der Veränderungsmög-\nlichkeiten einer Tonfolge sind ja viele; es könnte\nin einem Verbände eine begrenzte und bestimmte\nTonfolge wiederkehren, — nachdem sie allein ge-\ntönt hat, gefolgt oder begleitet von einer veränderten\nWiederkehr in einer zweiten Stimme, dann von einer\ndritten und vierten wieder veränderten Stimme, wo-\nmit schließlich der Verband enden würde. Durch\ndie stets sich erneuernde Tonfolge wäre solch Ver-\nband streng und einfach geschlossen. Wäre dies\nnicht der Weg zur Fuge? Noch einfacher möchte\nwohl der Weg zum Kanon sein, der nicht ändert,\nnur nachahmt.\n\nFortsetzung des achten Gespräches in Nummer 20\n\nOskar Kokoschka\n\nEin fetter orientalischer Misant, der die Acker-\nschollen Brandenburgs karg besiegt, ungeistige\nMonotonie für ein Kriterium echter Kunst hält,\nund sich dumpf-süß aufregt an Klang, Begriff und\nAssoziationen des Wortes „Verhaltenheit\", der darf\nauf keinen Fall in die inneren Säle des Salons\nCass i r e r gehn. Denn dort umsprudeln, um-\nglotzen, umlärmen ihn exhibitionistisch Larven von\nEuropäern, Weltstadt-Antlitze der Zermürbten und\nder Famosen, Fratzen Aufgegipfelt-Verfeinerter.\nSie schwimmen in sensationenvollen Hintergründen\n(meist nicht im Tageslicht, sondern in den grellen\nDämmern künstlicher Beleuchtungen) und platzen\nvor Psychologie. Man sieht den Peter Altenberg,\ntnit sehr viel strohgelben Tönen, aber rotem, freiem\nHals; halb, wie Walder Nornepygge es formuliert\nhat: Kaffeehaus - Jesus, halb aber: Droschkenkut-\nscher in Aeonen. Man sieht, schwarz, sich ver-\nzehrend, antischnörklerisch, Adolf Loos dasitzen,\nden Asketen einer Idee. Dann: den „Trance-\nspieler\"; den „Sackgassenmenschen\"; den „Grafen\nde Montespin\". Ferner, mit Tigerzähnen, aber\nrumpflich verkrumpelt (also die Karikatur des\nBlond-Bestiösen), den „brutalen Egoisten\". Fer-\nner: Herwarth Waiden, dahineilend, als Kultur-\nkämpfer, auf dem Posten. Dann: „eine unglück-\nliche Frau\", bleich, nervious, abgehärmt, mit\ndämonischen Kuhaugen von depressiver Geschlitzt-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.5", "texte": "Generalmusikdirektor Geheimer Hofrat Ernst Edler|von Schuch\n\nheit. Dazwischen „ein neugeborenes Kind\", in\npetunienfarbne Nebel getaucht; und, über widrig\nhageren Professorenfingern, den Charakterkopf\nForeis, des demokratisch - monistischen Sexual-\nAugusts, der keine Skepsis kennt; und „Signor\nVerona\", einen Cabaret-Typus, degeneriert, em-\nbryonesk, mit einem Kopf von der Form eines\numgekehrten Pyramidenstumpfes, oder — wenn ich\nes gut meine — einer auf ihre Oeffnung gestellten\nWasserkaraffe. Auch Karl Kraus schaut mich an;\ner sitzt ruhig und gefährlich, mit schmaler, in-\ntellektueller Hand und spitzem Mündchen und un-\nglaublichen Aquamarin-Augen; der Stoff des zu\nzerspottenden Universums strömt auf ihn ein; er\nsitzt zierlich und amüsiert-lauernd da, irgendwie\nvon hinten still auf dem Sprung; aber üm sein\nHaupt tanzen blitzgelbe Tupfen. — Diese Vision\ndes heiter-tiefsten Polemikers wäre „der Clou\",\nwenn nicht Oskar Kokoschka noch den Buchhändler\nStein gemalt hätte. Ich weiß gar nicht, wer der\nBuchhändler Stein ist; aber dieses Bild ist eine\nsarkastische Orgie in Saphirblau; der Mensch ganz\nund gar Nasenwurzelfalte; ich kann mich nicht satt\ndaran sehen; ich schreibe in mein Katalogblatt:\nVelasquez & Cezanne! — Endlich „bemalte\nAktzeichnungen\": sehr ergötzlidh zwei Rosas auf\neine Art zerknüllten Packpapiers gesetzt.\nSoll man dieses neue Temperament nun ein-\nrangieren? Soll man den Kenner mimen, den\nZeigefinger (unter Spreizung der drei übrigen) an\ndie Spitze des Daumens legen und es geistreich\nabgrenzen gegen Manet, gegen Liebermann? Soll\nman es mit dem eisernen Maßstab „van Gogh\"\nmessen? Soll man äußern: „Kokoschka ist ein\nAntipode Klimts, er legt bei seinen Porträts mehr\nWert auf Charakteristik als auf Innenarchitektur?\"\n— All dies fruchtet gar nichts; denn man gibt\nkein Bild von einem Bildner, wenn man ihn ver-\ngleicht !\n\nKurt Hiller\n\nDie Berliner Pressie schweigt sich aus. Keiner\nwagt, Leithammel zu sein, und ohne den gehts\nnicht. Die Kunstkritik lebt fortwährend in dop-\npelter Furcht. Anerkennung und Ablehnung be-\ndeutet die gleiche Gefahr. Ich will den Herren Mut\nmachen, und stelle ihnen einige Aeußerungen zur\nVerfügung, die die Kollegen der Wiener Presse\nvon sich gaben.\nWiener Allgemeine Zeitung\nVorerst müsste darüber Klarheit werden, ob man\nes hier überhaupt mit einem Temperament zu tun\nhabe, oder mit einer Grimasse, die auf dem Schild\neiner kleinen Begabung grinst . . . Um Kokoschka hat\nsich ein Kreis gebildet; und Wahrlich — nicht die\nSchlechtesten findet man darunter. Künstler von\nRuf, von anerkannter Bedeutung und erlesenen Ge-\nschmack ermuntern den neuen Mann und sehen in ihm\nein Talent allerersten Ranges. Sie begrüssen in ihm\nden Verkünder eines neuen Kunstdogmas.\nFremdenblatt Wien\nDie Begeisterung für diesen besonderen Kunstfall\nist nicht immer snobistischen Ursprungs, Sie bedeutet\nden Triumph des Grotesken überhaupt.\nNeue Freie Presse Wien\nEin Nebenraum . . . von Kokoschka ist mit Vor-\nsicht zu betreten Menschen von Geschmack sind hier\neinem Nervenchoc ausgesetzt.\nFremdenblatt Wien\nDer Oberwildling heisst Kokoschka ... Kokoschka\nist ein hübscher junger Mann und begabter Schwärme-\nnöter. Für seine drei Wandgrossen Skizen wird er in\nder Luft zerrissen werden, aber das wird ihm und\nder Luft gut tun.\n(Von einem andern Mann im Fremdenblatt ge-\nschrieben, nämlich von Herrn Ludwig Hevesi.)\nDeutsches Volks b 1 a 11 Wien\nDer Fall ist symptomatisch und erfordert energisches\nEinschreiten der Unterrichtsbehörde.\nDie Zeit, Wien\nDieses enfant terrible ist nämlich wirklich ein Kind.\nAbsolut kein Poseur . . . Hier ist etwas echtes und\nfrisches, etwas elementares, das nach Ausruck ringt...\nDen( Namen Kokoschka aber muss ich mir merken.\n(Richard xMuther).\nNeues Wiener Tagblatt\nDie ästhetischen oder besser gesagt unästhetischen\nPurzelbäume des Van Gogh und die armseligen Blätter\ndie Rodin in schwachen Stunden geliefert hat, sind\nOffenbarungen, wenn man sie mit den abscheulichen\nSachen Kokoschkas vergleicht.\nWiener Mittagszeitung\nNoch ein Wort über Herrn Oskar Kokoschka.\nEs ist garnicht möglich, das er sich selbst ernst n mmt\nKokoschka hat da eine kolorierte Plastik hingestellt,\ndie ein Öffentliches Aergernis ist, nur widerlich, garnicht\ngrauenhaft aber sehr lächerlich. Was man doch alles\ntun muss, damit ästhetische junge Damen, die sich vor\ndem Unding stauen, bewundernd mit den Riesenhüten\nwedeln, und im Trance flüstern: „Nein, der Kokoschka\".\nBerliner Lokal-Anzeiger\nDie Traumtragenden, Gobelinentwürfe von Oskar\nKokoschka Würden jeden Felsen in Amerika zur Zierde\ngereichen. (Dies schrieb Herr Rudolf Lothar in jener\nglücklichen Zeit, als er noch fern von Berlin hauste).\nWiener Mode\nKokoschka erregte mit seinem Bilde grosse\nHeiterkeit. . . . Heute ist der Jüngling schon gefeiertes\nSchulhaupt . . . sie rufen ihn für den neuen Heilbringer,\nden heraufkommenden Mann, den Kunstmessias aus.\nWas ist ihnen noch Klimt?\nOesterreichische Rundschau\nVor diesen bald ungelenken, bald absichtlich ins\nGroteske spielenden perspektivlosen und für mkh in\njed m Betracht auch sinnlosen Tafeln stockt mein\nVerständnis\nNeues Wiener Tagblatt\nWarum der Entwurf die Traumtragenden heisst,\nkann ich mir allerdings nicht erklären. Vielleicht soll\ner ausdrücken, das einem sowas nur im Schlafe ein-\nfallen kann. (Dies schrieb natürlich ein Humorist —\nder Herr Poetzl.)\nDie Zukunft\nEs müssen in seinem Talent die Manneseindrücke\nso stark, und seine formende Fähigkeit so gross sein,\ndass sich für Kokoschka keine edlere Aufgabe, als\ndie des Portraits denken liesse, das wesenhafte eir es\nMenschenantlitzes zu enthüllen. (Max Meli.)\nTrust\n\nJugendromane\nVon Otto Stoessl\nDaß dem Esel Disteln besser schmecken, als\nHimmelschlüssel und Märzenbecher, ist von seinem\nStandpunkt durchaus begreiflich. Und wer sich von\neines Grautieres Geschmack die eigene Nahrung\nordinieren läßt . . .\nDer Yah-Ruf ist eine Kritik, aber er wird immer\nauch zur Parole. Denn selbst die einsilbigste\nDummheit muß noch nachgeahmt werden. In dem\nRezensentengeschrei ist letzthin ein ernstliches\nWiderstreben gegen Primeln und Märzenbecher\nzum Ausdruck gekommen, das graue Elend hat sich\ngegen die Jugend gewehrt, die Kritik hat sich gegen\ndie Jugendromane ausgesprochen. Immer wieder\nmüsse man — Rezensenten sind auch „man\" —\ndiese Dichter von der Jugend erzählen hören. In\nder ganzen Literatur halle es von Kinderstubenge-\nschrei, Knabentorheit und Entwicklungsschmerzen\nund ein besonders Tiefer meinte, die Schuld daran\nliege wohl in der mächtigen Bewegung unserer\nTage, „für das Kind\". Wieviel wichtiger seien doch\ndie Schicksale des Mannes, und was dergleichen\nStoßseufzer nach den Disteln mehr waren.\nNichtsdestoweniger erdreistet sich die Kunst,\nnur die Nahrung zu nehmen, die ihr zusagt. Das ist\n'das naive Problem des „Stoffes\" in der Dichtung.\nDas „Was\" ist eine höchst persönliche, geheimnis-\nvolle und selbstverständliche Sache jedes Einzelnen,\nnur das „Wie\" entscheidet über sein Recht und Un-\nrecht. Die siegende Notwendigkeit macht die ein-\nzige Moral des künstlerischen Zwanges aus. Es\ngibt keinen guten oder schlechten Stoff der Poesie\nan sich. Und vielleicht war es die großartige In-\nstinktgebundenheit der Kunst, die uns zur Einsicht\nverhalf, daß es auch keine an sich gute oder\nschlechte Handlung gibt, sondern, daß jede erst\ndurch die Persönlichkeit ihr Wortzeichen er-\nhält. Die einzige Unsittlichkeit der Kunst ist das\nvergebliche Wollen und erst beim fragwürdigen\nWerke gibt es eine gerechte Frage nach dem Stoffe.\nFreilich enthält das Leben selbst, die Quelle\nund Nahrung und Bedingung jedes Gestaltens, ge-\nwisse sich unmittelbar bietende Motive, deren Er-\ngiebigkeit unbedingt nach der schöpfenden Hand\nverlangt. Vermöge ihrer Sinnfälligkeit und Ge-\ngebenheit üben sie den stärksten Reiz, aus ihrer\ntypischen Masse das Besondere, aus ihrer Allge-\nmeinbedeutung das Individuelle zu lösen.\nZu diesen ökumenischen Motiven gehören vor-\nzüglich die Probleme der Lebensalter selbst, die\nganz geheimnisvoll mit der Natur der dichterischen\nFormen verwachsen sind. Schon in der äußer-\nlichen Unterscheidung: Epos und Drama, erkennt\nman Unterschiede von Lebensstufen selbst. Der\njedem Alter innewohnende Rhythmus, das jeweils\nveränderte Maß von Instinkt und Bewußtsein be-\ndingt diese Ausdrucksformen. Die dialektische Ge-\ngensätzlichkeit des Lebens, die dramatische Nöti-\ngung zum Austrag entspricht dem Mannesalter. Das\nunendlich wechselnde Vorüberziehen von Ereig-\nnissen und Figuren an den wahllos aufnehmenden,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.6", "texte": "lustvoll geduldigen Sinnen ist der epischen Natur\nder Jugend gemäß.\nWie selbstverständlich, daß der epische Dich-\nter vor allem die epische Zeit erfaßt. Die Erleb-\nnisse der Jugend, das ungeheure Anwachsen der\nTag um Tag sich steigernden Erscheinungswelt, die\nMacht und Willkür ihrer Deutung, das Zusammen-\ndrängen einer unermeßlichen Erfahrungsreihe in\neinen knappsten Zeitraum, die allmähliche innere\nErleuchtung und Ordnung der Bilder zu Wesen-\nheiten, Gliederungen, Notwendigkeiten, dies alles\nist eine so großartige Gegebenheit des Schicksals,\ndaß der Dichter an der Betrachtung der Jugend des\nWeltgeschehens selber und an der bewußten Nach-\nschöpfung des Jugenderlebens des Maßes der Reali-\ntäten selbst inne wird. Es ist der eigentliche Zauber\ndes Epischen: Alles menschliche Treiben und Ge-\ntriebenwerden, Tun und Leiden in seinem Neben-\nund Ineinander wird freudig umfaßt und alles\nDunkle, Grauen, Tod und Chaos erscheint als lust-\nvolle Buntheit. Die Konflikte, und führten sie bis\nzur Vernichtung, erneuen sich in unerschöpflicher\nWiedergeburt, die Pein der Erfahrungen hat nur die\nfreudige Folge immer wieder erweckter Anschau-\nlichkeit. Im Epos triumphiert alle Vielstimmigkeit\nund Unverwüstlichkeit der Existenz. Und dies alles\nist Wesen und Vorrecht der Jugend. Ihr allein ist\ndie wunderbare Widerruflichkeit und Wandelbar-\nkeit der Anschauung und Wertung gegönnt, nur\nvon ihrer Schultafel wird jedes bittere Erkennen\nhurtig ausgelöscht, während der nächste Eindruck\neine neue geduldige, reine Fläche findet, sich darauf\neinzuzeichnen. Das treueste Gedächtnis gehört\ndem flüchtigsten Gemüte an, welches aus jeder\nNahrung Gewinn zieht, aus Träumen Wahrheiten,\nHoffnungen aus Enttäuschungen, Erfüllung aus Ver-\nzichten, heiliges Ungenügen aus allem Erreichten\nschöpft. Wenn es Sache des Dichters ist, aus einer\nkleinen Wirklichkeit eine große, aus einem Tropfen\nvon Erlebnis em Weltmeer von Inhalt, aus einem\ngelegentlichen Eindruck eine Ewigkeit von Stim-\nmungen, aus einem vereinzelten Samenkorn von\nGeschehen einen Baumriesen von Schicksal er-\nwachsen zu lassen, so gehört all diese geniale Will-\nkür der Jugend zu, als der einzigen Epoche, wo\njeder Mensch, Freiheit, Unbewachtheit und Gesund-\nheit vorausgesetzt, sich schöpferisch, also genial\nbewährt. So scheint die Jugend allein und unbedingt\ndem Dichter inmitten der rationalen Dürre, auf die\nerwachende Frage nach seinem Wert und Sinn die\nheitere Bejahung zurückzugeben, deren er bedarf.\nIn ihr findet er die geheimnisvolle Rechtfertigung\nseiner Funktion, seine menschheitliche Billigung. Ist\ndieses Alter der willkürlichen und selbstherrlichen\nWertungen um, so beginnt der törichteste Ernst des\nLebens, der das gewagte Spiel des Schaffens um\nseiner selbst willen zu nehmen unfähig, fordert statt\nzu empfangen und mit Nutzbarkeiten und Zwecken\ndurch das Inkommensurable pflügt.\nKein Lebensalter hat einen so weiten Horizont\nwie die Jugend, und keines hat so wie sie die Flügel,\nihn ganz zu durchmessen. Dichtung und Dichter\nwerden in ihr eins, und mit der Sehnsucht nach der\nJugend strebt die Seele des Schaffenden gleichsam\nnach ihrem natürlichen Leibe, nach ihrer wesen-\nhaften Erfüllung zurück.\nNun ist das mit dem Namen „Jahrhundert des\nKindes\" stigmatisierte Zeitalter freilich auf dem\nbesten Wege, der Jugend ihre Seele, der Dichtung\nihr Paradies zu verleiden. Das kindische Treiben\nder Erwachsenen droht nachgerade mit einer Sen-\ntimentalität, die Roheit und Dummheit selbst ist,\ndas Kindliche auszurotten, es beleuchtet elektrisch\ndie Märchendämmerung der Kinderstube und nötigt\nder Phantasie innerer Gesichte seine eigenen Brillen\nauf, durch welche die Jugend künstlerische Bilder-\nbücher zu würdigen bekommt. Dem geheimnis-\nvollen Ringen der Seele mit den drohenden Gewal-\nten der Sprache und der Wirklichkeit antwortet das\nidiotische Lallen und Nachäffen der herablassenden\nErwachsenheit, welche den Schritt des Frühling\nhygienisch gängelt und die herrlichen Schluchten\ndes Erlebens ebnet. Human sollen die notwendigen\nSchrecknisse des Heranwachsens vermieden, aus\ndem Urwald ein ärmlicher Garten zugerodet und\neine chinesische Mauer vor die Unendlichkeit der\nWelt gebaut werden, so daß all die wahrhaften Un-\ngeheuer, denen das Kind allein mit dem gerechten\nEntsetzen der Intuition gegenübersteht, zu kümmer-\nlichen Popanzen eindorren. Mit- und wehleidig ver-\ndirbt die reife Torheit das erhabene Grauen des Er-\nlebens zum Ammenmärchen und ist drauf und dran,\naus der Geschichte des menschlichen Daseins den\nersten und letzten Traum zu vertreiben. Die\ngeistige Unzucht des Rationalismus demokratisiert\njene letzte sagenhafte Welt der adeligen Kämpfe,\nVorrechte und Freiheiten und unterwirft sie der\neklen Humanitätsfolter der Bewußtheit, Zweck-\nmäßigkeit und Spitalssterilität. Welch ein Trost, daß\nes noch Bazillen gibt! Die Bürgschaften der\nHygiene breiten das graue Leichentuch der Sekuri-\ntät über ein kindisches Jahrhundert.\nSicherlich ist es ein Zeichen dieser Zeit, daß die\nJugend als epischer Urstoff noch einmal mit solcher\nVielstimmigkeit von allen Seiten her aufklingt, wie\nein letzter Ruf, eine Frage des Schicksals. Noch\neinmal wenden die Dichter ihren Blick nach dem\nMorgenrot. Indessen weiden die Esel im Spitals-\ngarten und treten die letzten Primeln und Märzen-\nbecher als unnütze Gewächse mit den Füßen.\n\nZur subjektiven Heineforschung\nJ. A.\nNur um der Hoffnung willen, daßi Professor\nAdolf Bartels die Aufstellung eines Heinedenkmals\nauf einem öffentlichen Platze nicht überleben würde,\nkann man der „Lese\" beipflichten. Diese „lite-\nrarische Zeitung für das deutsche Volk\" tat der\nSchande Erwähnung, daß Heine noch immer ohne\nDenkmal sei. Sie will, daß er „sein\" Denkmal\nbekommen soll, obgleich er mit seiner ungesunden\nSentimentalität viel Schaden angerichtet hat. Kann\nman derlei auch nicht lesen, ohne an einen Bericht\nüber eine Feuersbrunst oder eine Wetterkatastrophe\nerinnert zu werden, so gibt es Professor Bartels\ndennoch Veranlassung, über eine neuentdeckte\nSchandtat des „Verwüsters des deutschen Gewis-\nsens\" sich auszulassen. Er legt der arg bedrohten\nNation die ganze VerabscheuungsWürdigkeit ihres\nLieblings klar, lindem er ihr eine neue charak-\nteristische Tatsache aus seinem Leben mitteilt. Eine\nTatsache, die dem Urteil, das sich Bartels über\nHeine gebildet hat, gewaltig recht gibt.\nIn einem Antiquariatskatalog wurde der Ori-\nginalpaß Heines zu seiner italienischen Reise aus-\ngeboten. Ausgefertigt von der Königlichen Polizei-\nDirektion in München. Er lautet auf „Dr. juris\nHeinrich Heine, gebürtig von Düsseldorf, wohn-\nhaft in Hamburg, dahier studierend, welcher zum\nVergnügen über Innsbruck nadi Genua reiset\".\nIm Jahre 1827 hat Cotta Heine nadi München\nberufen. Er wünschte seine Mitwirkung für „das\nMorgenblatt\" und „Das Ausland\". Heine verpflich-\ntete sich, bis Juli des kommenden Jahres für jedes\nHeft der Annalen einen Aufsatz zu schreiben und\nfür die beiden anderen Zeitschriften nach Mög-\nlichkeit bemüht zu sein. Cotta zahlte ihm dafür\nhundert Karolin. Es interessiert nicht, ob Heine\ndieses Einkommen in München versteuert hat, doch\ndaß er es nicht tat, steht für Bartels fest. Weshalb\nhätte sich sonst Heine als Studierender ausgegeben?\nEs ist Heine, der doch vor keiner Schandtat zurück-\nschreckte, schon zuzumuten, daß. er keine Steuern\nbezahlen wollte und auch keine bezahlt hat. Und\nein solcher Mensch soll wie wenige deutsche Dichter\ngeliebt sein. Gegen eine derartige objektive Un-\nwahrheit muß Bartels Protest erheben und kon-\nstatieren, daßi Heine wirkliche Liebe kaum' je in\nDeutschland gefunden hat. Er amüsierte nur. In\ndiesem Punkt sollte Bartels sich über Heine gar\nnicht erhaben fühlen. Als Steuerzahler — da mag\ner ihm überlegen sein. Jubeltöne entringen sich\nseiner treudeutschen Kehle, wenn ihm der Steuer-\nerheber erscheint.\nKann ein Dichter, der wie Heine den Staat um\nAbgaben betrogen hat, etwas Wertvolles' geschaffen\nhaben? Wenn für die Bedeutung eines Schrift-\nstellers sein Verhältnis zur Steuerbehörde spricht,\nmuß Bartheis als Literaturhistoriker nicht minder\ngroß als Taine oder Cartyle sein.\nErklärt Professor Bartels auch, daß Heine nicht\nangegriffen und verhöhnt wird, weil er ein Jude,\nsondern weil er ein notorischer Lu m p war,\nso meint er doch, daßi esi auch jetzt noch Juden\ngeben soll, die es durch geschickten Wechsel ihres\nAufenthaltes zu vermeiden wissen, irgendwo dem\nStaate Abgaben zu leisten.\nIch weiß sogar von einem Juden, der seinen\nAufenthaltsort gar nicht erst wechselte und keine\nSteuern bezahlen wollte. Die Tagespresse ver-\nöffentlichte nach seinem Tode eine Steuerrekla-\nmation, in der er mit bitterem Sarkasmus das\nSchicksal eines guten deutschen Schriftstellers\nschildert. Der Mann soll so arm gewesen sein,\ndaß er, hätten ihn seine Schwestern nicht liebevoll\nunterstützt, allem Elend anheimgefallen wäre.\nJedenfalls spricht Bartels nicht gern von ihm. Wäre\nin seiner Teutonenseele ein Funken Ehrgeiz, ein\nSchimmer von Schamgefühl, er hätte sidi tot-\ngeschwiegen, nachdem ihn Leo Berg, der Schreiber\nder Steuerreklamation, zertreten hat.\nDem Deutschen Staat mag allerdings ein Mann,\nund sei er selbst ein Nichtswürdiger wie Bartels,\nder seine Abgaben leistet, weitaus lieber sein als\neiner, der zu verkrüppelt war, um Soldatendienste\nleisten zu können, und den das Unglück, ein\nscharfer Kritiker unseres Zeitalters zu sein, üm die\nGenugtuung, die Wonnen und die Ehren des Steuer-\nzahlens betrogen hat.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\n[a]1 11 31 'Pi idzm —i\nn\nSalon Cassirer j Viktoriastr. 35\n>UI 't « lr\"ar\"\nOskar Kokoschka\n□cni innz\n|J Eintritt 1 Mark\n' » —***>' 11 -iii\n\n■ ®\n■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■snaia\nB 8\n| Die fackel\nHERAUSOEBER\n| Karl Kraus\nS Mummer 503/4\nsoeben erschienen\nPrei« 50 Pfg.\ns\nOberall erhAltlich\nr -\n■ *\nBB*aßßaaßaaaaaaaaaaaaaaai»««ns\niaßtftftiaaaaaaaßß^saßßaaaaaaaßflaaß\n\nLanderziehungsheim Schlofl Drebkau N L\n■ Zwei Stunden von Berlin ■\nErziehung und Unterricht nach modernen Grundsatzen\nAufnahme von Knaben u. 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DER\n(DALERIE\n/VWIMILIAN\n•/nACHT\nBERLIN.WSO\nPANKE STr. 1 •\nINTRlTr\n* >*\nTAPP2RT*\n\n■■■■■\n■\nJL\nBeruien Sie sicH\nbitte bei Einkaufen auf die\nAnzeigen dieser Zeitschrift\n\nInternat. Patentbureau, gegr. 1893, Fitte & Theune\nBERLIN SW 48 Friedrichstrasse 230 Tel. 6a, 19 093\nHusarbeitung von Crflndungsideen. Patentanmeldung In\nalien Candern. tnassigc Prelse. Keine flacftzablungen.\nScbnelle Verwertung von Patenten ol)ne jeglidjen Vorsdjuss.\n|| welches 112. Beteiligung an d. Ausbeutung von Pa-\nn&ulla STEn tenten interess., bitten wir um ihre Adresse, um\nItup t iI4IIU 1111l kostenlos unverbindl. Angebote machen z.konnen.\n\nDER DEMOKRAT:\nWochenschrift fur freiheitliche i\nPolitik / Kunst und Wissenschaft S\nErscheint jeden Mittwoch £\nI\nNummer 10 Pf. / Quartal M 1 j\nProbenummern frei d. G. Zepler I\nCharlottenburg\" Bismarckstr. 103 £\n■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■a■■■■■■\n\n:: PROBENUMMERN ::\numsonst u. portofrei durch die\nGeschaftsstelle „DER STURM\"\n\nJCXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX\nAuf den Hund-\nertsten Teil Ihres Reklamebudgets\nkommen Sl@,\nwenn Sie die sachgemasse Bearbeitung Ihrer Propaganda\nübertragen dem\nAnnoncen-Bureau Bots, W 35\nPotsdamerstrasse 111\nXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX K\n\n1000 Kronen erhalt\nwer im Stande ist, ein unentbehrlich Ding fur die Nacht: „Mond-\nlicht\" in jedem Hause, ein Wunder der Chemie, auszublasen\nMein Mondlichtapparat, ein wunderbar sinnreich konstr. inter-\nessanter Winschaftsartike!, besitzt unbegrenzt haltbar die Fahig-\nkeit, vollstandig kostenlos zu leuchten, da hierzu keinerlei Brenn-\nstoffe angewendet werden. Vieljahr. Garantie fiir tadeil. Kunktion.\nfttr «rBs»e M. I. 11. 111. IV.\nKronen 3,60 4,80 7,— 11,- IG,—\nFranko tiberall hin gegen Vorauszahlung (auch in Briefmarken)\noder Nachnahme 30 Heller meh<. Verpackung gratis :: ::\nMondlichtwerk A. Sefh Warnsdorf 337 =====\n\nDie sparsame Hausfrau nungsbeleuchtung! Rechnen Sie\nsich aus, was Sie 1m Jahre fur den Bedarf an Gliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-GlChkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusdmmen-\ndrQcken kdnnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Hartalin-Gliihkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50 •/(,. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Wg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem* und Techn. NenSieiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72\n\n1. 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Man hiite\nsich daher dringend vor Vernachlassigung der Zahn-\npflege und gebrauche taglich Kosmin Mundwassepy\nwelches den denkbar besten Schutz gegen das Hohlwerden\nder Zahne bietet, gleichzeitig das Zahnfleisch kraftigt\nund den gesamten Mundorganismus erfrischt. Preis pro\nFlasche, lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich\nT3,\nI\nm\nI\n7/\nJ\nZAS\n0\n£\nc*±»\nrT*\nm\nc\na\ndr*J\nw\n«\n§\nhZ\nK.\n//\nE>\nu\n1/\nre\nI;\n4r\nm"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100707-01.1.8", "texte": "Verantworte f. d. Anzeigenteil: H. Günther / Verlag Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle and Anxeigen - Annahme: Berlin W. 35 / Druck v. Hans Walter, Berlin SW.I 3\n\nBOWLEN WEINE\nTausende Wadibestellungen und zahlreiche Anerkennungen aus\ndem Reiche beweisen, dass unsere Weine gut und preiswert smd!\nWir emplehlen zu Begitrn der Bowlonsaison unsere beliebten billigeu\nBowlen-Weine als\n0,70 M.\n0,75\n0,80\n0,75\n0,80\n»>\n>>\n»»\n1,10\n1,10\n1,25\n»»\n)»\nit\n>>\n1908er Wellensteiner (Mosel)\n1908 er Remicher „\n1907er Elleozer „\n1907er Elsheimer (Rhein)\n1907 er Gaubickelheimer „\nBowlensekt, Frucht-Champagner\nmit Steuer\nKaisersekt, ohne Steuer . . .\nLorraine, „ „ ...\nAlle Preis© Terstehen sic*3i mit Flaschen frei Hans in Berlin,\nnach ausserhalb frei zur Bahn, gegen Kasse, Nachnahme oder Vor-\neinsendung. Bewahrte Bowlenrezepte der Firma kostenlos. Voile\nGarantie fiir tadellose wird auf\nunsere Kosten zuriickgenommen. Verlaagen Sie kostenlos\nPreislisten. Bestellungen sind zu richten an die\nWeinvertriebsgesellschaft von Malottki\nvorin. Toermer & Micliaellsi Ifachf, G. m b. H.\nBERLIN Anguststrasse 60\nFernspr. 111, 8192,15jahr. Geschaftsbestehen. Postscheckkonto: Berlin 3085\n\nPrivatbeamte und Ange=\nhorige der freien Berufef\nSorget filr Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Verfrefung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und rechtlichen Interessen der Privat=Beamten gegrundeten,\ndurch landesherrf. Verleihucg m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nBEDTSCfIEIPIIVif-BEAMTEI-TEREII ZD MAGDEBURG\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waisen-\nkasse, Begrabmskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohlfabrtseinrichtungen\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjahrL Beitr. 3 M.:: Man verl. Prospekt.\n\n,Der Forscher\"\nI lustriertes Zentralblatt fllr deutsche\nForschung.\nHerausgeber: Bnnd deutscher\nForscher, Hannover, unter hoher\nEhrenprasidentschaft Sr. hoch-\nfiirstl. Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe. Redaktion:\nQeorg August Grote, Hannover,\njahrlich zwOlf staike Hefte mit Bei-\ntr&gen berlihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder desßundes deuischer\nForscher erhalten den ..Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK 6.—, fOrdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7.20. Jahresabonnement Mk. 5.50,\nbezw. K. 6.— (inclusive Porto.)\nProbenumtner gratis and Iranko.\nInserate finden im „Forschera\n/. wirksamste Verbreitung .*.\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\nO Geschaftsstelle: O\nForscher - Verlag, Hannover.\n\nEDMUND MEYER\nBuchhandler und Antiquar\nBB3BSS BERLIN W 35 §§&£§§\nAnkauf einzelner Werke\nund ganzer Bibliotheken\nSoeben erschien: Katalog XVIII: Literatur\nGeschichte, Kunstgeschichte, illustrierte\nWerke in deutscher, englischer, fran-\nzos. 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Hotz\nThuringer Wald\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege persSnlicher\nKultur und gesunder Lebens-\nanschauungen, dient unsere\nMonatsschrift „Gegandeg\nIjoben\", von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. Abonn. M 3,60 p. Jahr\n\nFORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteranenstrasse 19 Telephon Amt 111, 8164\nDETECTIVABTEILUNO: Ermittelungen, Beobachtungen,\nHeranschaffung von Material in Civil- und Strafsachen\n\na\nm\nn\ntt\nv\n0\nft\nt\n±1\n£\ntt-\ni\n112\n:j..\nE\n\\\nv>\nfiS\n'MM\niig\n%' i •—«\n;%r\n&i/J\nt»y*'r- f*r if\nI\ns\nOT\n• r.'.;\n•] Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schon\nals solcher unerreicht dasteht, als Sect seine faochste Voll«\nkommenheit erlangen muß. —\nflj Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen kdnnten. —\nChr. Ad' Kupferberg $ C°\n* Hoflieferanten MAINZ Gegriindet I85v?\nRIESLING!\nr \\ e^er Bedeutung a \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschlufi.\no AN* rnocKen\n\"OFuEFErtAMTEN\nm\n112:\nH t\ni *\nm\nrag"}]}