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Wir alle geben\nuns der Hoffnung hin, dass sie der berufene Mann\nsein werden, die Geschicke dieser fröhlich aufblühenden\nStadt zu leiten.\" —\nAlso sprach Kreuzwendedich von Rhe in-\nbab e n, Regierungspräsident zu Düsseldorf, als\ner am 14. Februar 1899 den Oberbürgermeister\nAugust Lentze in Barmen in sein Amt einführte.\n„Unter wenigen Berufenen ist die Wahl schliess-\nlich auf Sie gefallen, Herr Oberbürgermeister, und\nzwar einstimmig. — Das beste Zeichen und die beste\nGewähr für — wie wir hoffen — ein gedeihliches und\neinmütiges Znsammenwirken zwischen Ihnen und den\nstädtischen Vertretern.\"\nAugust Lentze brachte eine glänzende Ver-\nsetzungszensur (mit, und war von vornherein be-\nstrebt, auch diese Klasse, die ihn dem Reifezeugnis\nfür Berlin um den entscheidenden Schritt näher-\nbringen sollte, tnit Erfolg zu absolvieren. Seine\nLaufbahn begann im schönsten Teil Deutschlands,\nwo die Landesv&ter noch dicht gesät sind und!\nWo es ihm bei seinem Talent für staatserhaltende!\nPathetik nicht schwer geworden war, „nach1 oben\nhin\" bedeutsam aufzufallen. Jetzt aber war deü\nReuße ein Preuße geworden, der neue Gehrock ver-\nmochte Kaum die teutsche Männerbrust zu um-\nspannen, die im starken Gefühl ihrer großen Zu-\nkunft imlächtig anschWoll.\nNun kam die Reihe an August Lentze; be-\ndeutend tat er den Mund auf und redete gewaltig\nund {viel. Unter der gequaderten Stirn schmet-\nterten martialische Blicke hervor, aus! dem derbj\ngehauenen Gesicht reckte sich in breitem Reliel\nseine wuchtige Nase, drunter zuckte ein Schnauz-\nbart, wie ihn Kein Garde feldweb el zorniget dar-\nstellen kiann — und gegen den klappte sein Unter-\nkiefer, auf den das kräftigste Nürnberger Nußi-\nknackmandl mit Neid gesdxielt hätte — so stand\ner da und redete, stämmig und solide, wie nur"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9836, "texte": "ein Westfale aus Soest! Pompös wie ein Erzbild\nfür Berlin! Ganz — Staatserhaltung, jeder Zoll\nBürgermeisterstolz vor Stadtverordneten! — —\n„Und wenn ich nun, meine verehrten Herren, hier-\nmit mein neues Amt übernehme, so geschieht dieses\nmit dem Wunsche, dass der allmächtige Gott mir die\nKraft und Einsicht schenken möge, dass ich es richtig\nverwalte. Alles, was in meinen schwachen Kräften\nsteht' soll geschehen, damit, wenn ich dermaleinst von\ndiesem Posten abtreten muss, man auch von mir sagen\nkann, dass meine Amtsführung von Segen und Nutzen\nfür die Stadt Barmen gewesen ist. Das walte Gott!\"\nKreuzwendedich staunte. Dieser Mann griff\nsogar ihm ans Herz. Liebe auf den ersten Blidk,\nLiebe über das Grab hinaus! — Gewiß, jeder Re-\ngierungsassessor, der seine Ideale nicht in bürger-\nliche Horizonte eindämmt, sondern den Höhen der\nMenschheit ianpaßt, muß sich beizeiten mit dem\nlieben Gott gut stellen und bei illustren Gelegen-\nheiten dies gute Einvernehmen tunlidrst paradieren\nlassen, aber Leute, die solche Worte mit ihrer\nFigur so ausfüllen können, wie August Lentze,\nsind immer seltener geworden im Lande Preußen.\nKreuzwendedidh notierte ihn, mit drei Kreuzen.\nFür Berlin . . . irgendwie . . .\nDen guten • Barmern schlug das! Herz, die\nStadträteaugen wurden naß: Das war ein Mann!\nMit ihm vereint konnten sie getrost das kommende\nJahrhundert in die Schranken fordern. — Wie in\nden meisten alten Wuppertaler Fabriken, hatte\nirian's auch in der Stadtverwaltung bisher gut\npatriarchalisch gehalten. Der selige Herr Amts-\nvorgänger saß zwanzig Jahre lang auf dein1 Bürger-\nmeisterthron, und nur der Tod konnte ihn Ver-\ndrängen. Am hundertsten Geburtstag Kaiser Wil-\nhelms des1 Ersten war der Grundstein der Barmer\nRuhmeshalle gelegt worden; der alte totkranke\nOberbürgermeister konnte das! prächtige Fest nicht\nmitfeiern, da zog der mitwirkende Sängerchor, über\nfünfhundert Männer — in Barmen kommt auf je\ntausend Einwohner ein Musii'kverein — voml Fest-\nplatz vor die Amtswohnung des Stadtoberhaupts\nund sang: Die Himmel rühmen des! Ewigen Ehre!\nDankend grüßte er am Fenster — und tausend\nAugen draußen wurden feucht. — So hatte man\nmit dem Stadtherrscher gestanden — und so ge-\ndachte man's auch mit dem neuen Herrn zu halten.\nDen guten Barmern schlug das' Herz: der Mann\nda fand Worte, wie sie ins! Wuppertal paßten, in\ndas gelobte Land der didhtgefüllten Fabriken und\nder dichtgefüllten Kirchen, in die Metropole des\n\"deutschen Protestantisinus. — „Wenn ich dermal-\neinst von diesem Posten abtreten fnußi . . —\nNun ja, wir sind Gäste nur auf Erden, und unser\nLeben stehet in Gottes' Hand: Hunderttausend\nfromme Barmer beteten brünstig lieh, daßi der himm-\nlische Herrscher über Leben und Tod diesen herr-\nlichen Mann ihnen nicht so bald wie den Vorgänger\nentreißen und zu seinen Vätern versammeln möge.\nAugust Lentze aber hatte es' anders beschlos-\nsen. Er wollte mit diesem Satz die guten Barmer\nwarnen, ihnen auf gut irdisch andeuten, daßi wir\nhienieden keine bleibende Statt haben, sondern\nimmer eine zukünftige suchen. — Was galt ihm\nBarmen? Ein gutes Versetzungszeugnis!! Darnach1\nging sein Streben.\nUnd ein geradezu unglaubliches Glück half ihm'.\nUeber unzähligen Projekten und angefangenen Ar-\nbeiten war sein Vorgänger gestorben. August\nLentze führte sie aus oder zu Ende — und überall\nerntete er den Ruhm und eine gute Note.\nDie begonnene Wupperregulierung und die Kanali-\nsierung der Stadt brachte er zum! Abschluß, und\ndie große Barmer Talsperre konnte er einweihen.\nDer Barmer Teil der berühmten Schwebebahn wurde\nVon ihm eröffnet. Rechtzeitig brannte das Barmer\nStadttheater ab, und August Lentze ermöglichte esi\ndurch städtische Geldhille einer Aktiengesellschaft\nÖen stattlichen Neubau zu errichten. 1900\n£nthüllte er vor dem alten Rathaus ein übles! Bis-\nImarckdenkmal. 1903 wurde auf eifriges Betreiben\neiniger Wuppertaler Finanzleute und des damaligen\nBarmer Gymnasialoberlehrers Bamler, des jetzt\nrühmlich bekannten Aeronauten, der Nieder-\nrheinische Verein für Luftschiffahrt in Barmen ge-\ngründet und August Lentze zum1 eisten Vorsitzenden\nerwählt. Immer glänzte er, und meistens waren\nhohe Herren aus Düsseldorf, Coblenz oder gar\nBerlin zugegen. — Nach dem! Tode des Elberfelder\nfelder Bürgermeisters Jaeger tauchte der Plan auf,\ndie beiden großen Industriestädte unter einem1 Ober-\nhaupte zu vereinigen. Es wurde zwar nichts' draus,\naber August Lentze war während der Verhand-\nLungen sehr sympathisch aufgefallen und in Berlin\nbedeutsam' ventiliert worden.\nDann kam sein Patron Kreuzwendedich mit\nden wohlgesinnten Notizen nadh Berlin und er-\nzählte dem Kaiser von August Lentze und seiner\npatriotischen Figur. Doch schon schrieb August\nLentze selbst einen markigen Untertanenbrief, und\nMajestät möchten allergnädigst nach Bremen kom-\nmen und höchstselbst die Ruhmeshälle einweihen.\nDer Kaiser beschloß, diesen herrlichen Mann sich\nselbst einmal anzuschauen, und fuhr im Oktober\n1900 nach1 Barmen. Mit Weib und Kind, und Mann\nund Roß und Wagen. Daß den guten 'Barmern\nHören und Sehen verging! Nur August Lentze\nfand Worte — und was für Worte:\n„Möge die Ruhmeshalle stets nur hinabschauen\nauf ein der Väter und des deutschen Namens würdiges\nGeschlecht, möge sie jedem sie aufsuchenden bedrängten\nund verzagten patriotischen Herzen neuen Mut und\nneue Kraft einflössen uud möge sie sein für alle Zeiten\nder Ausgangspunkt für Bildung und Kunst, für Vater-\nlandsliebe und Königstreue in unserer Stadt! Wenn\ndas eintritt, was Gott der Herr in Gnaden fügen möge,\ndann ist die Ruhmeshalle in Wahrheit ein Kaiser-\ndenkmal im edelsten Sinne des Wortes.\"\nAugust Lentze geleitete die Majestäten in die\nRuhmeshälle und bot dem Kaiser den Ehrentrunk\n— — und schloß mit den Worten:\n„Mit diesem Gelöbnis biete ich untertänigst Euer\nMajestät den Ehrentrunk der Stadt Barmen dar und\nbitte ihn in Gnaden anzunehmen.\"\nDer Kaiser hob den Goldpokal voll edelster\nLiebfrauenmilch an die Lippen, aber zu trinken ver-\n•m'oehte er nicht: er sah nur August Lentze! —\nDieser Mann fand Worte, deren jedes' wie eine Säute\nfür Thron und Altar dastand, er hätte die rechte\nArt, vor Untertanen mit seinem König zu reden,\ner verstand die Feste zu feiern wie sie fielen, und\nKönige königlich zu empifangen. — —\nDoch die Ruhmeshalle hatte noch' einen dunklen\nPunkt. Im Hauptraum standen unter schaurig-\nbuntem Oberlicht zwei fahle Marmormänner, aber\nder dritte Platz war nodh leer: August Lentze wagte\ndie große Bitte an seinen gnädig geneigten Herr-\nscher — und erhielt die allerhöchste Genehmigung,\nan dieser Stelle das1 erste Standbild Wilhelms des\nZweiten, das je in deutschen Landen gesehen ward,\nzu errichten.\nAugust Lentze hätte den Rekord der Gottes-\nfurcht und Königstreue geschlagen. Kreuzwende-\ndich behielt Recht, und der Kaiser gelobte Siich1,\ndiesen Mann nidh't zu vergessen. — Zehn Minuten\nwaren im Programm für den Aufenthalt des Kaisers\nin der Ruhmeshälle Vorgesiehen — und über eine\nStunde dauerte er. Endlich rißi er sidi mit un-\ngemein herzlichen Abschiedsworten von August\nLentze los. — Und nadh anderthalb Jahren katn1\nder Marmorkaiser von Begas1, und die Stadt durfte\nihn teuer bezahlen, und August Lentze weihte ahn\nmit erhebenden Worten.\nIndes — Barmen ist recht weit von Berlin\nentfernt. Das fühlte August Lentze, als die patrioti-\nschen Feste in Bartnen spärlicher wurden und\nallmählich auch die restierenden Einweihungen und\nEröffnungen vollzogen waren. Sehr gelegen kam'\nda der Ruf nach Magdeburg. — „Magdeburg\" —\nsagte sich August Lentze — „das! ist dreiviertel des\nWegs nach Berlin\" — und er hätte richtig ge-\nrechnet.\nDen guten Barmern aber war's ein härter\nSchlag. Sie konnten ja nidht wissen, was alles\nAugust Lentze deinem! Ehrgeiz sdh'uldete; sie emp-\nfanden's nicht nur alis Kontraktbruch, nein, als Un-\ntreue des Vaters gegen seine unmündigen Kinder.\nSintemalen jedoch män sich freiwillig nicht gern\nin die Nesseln setzt und klugerweise einen Mann\nnicht wegtadelt, der in hohen und allerhöchsten\nNotizMchern Vorgemerkt ist, sb erhielt darum\nAugust Lentze eine Versetzungszensur, wie sie\nglänzender und schöner stilisiert nicht hätte aus-\nfallen können:\n„Ihre ungewöhnliche Sachkenntnis, Ihre klare\nUnparteilichkeit in der Führung sämtlicher Geschäfte,\nbesonders auch in der Stadtverordnetenversammlung,\nwie in den Kommissionen, Ihre Durchdringung des\ngesamten Gebietes der städtischen Verwaltung war\neine so ungewöhnliche, wie wir es nicht gehofft und\nnicht geahnt hatten, dass es in einer Persönlichkeit\nVereinigt sein könne.\"\nSo schied August Lentze von der Wiege seiner\neinstigen Größe, von der guten Stadt Barmen, die\nes unter seiner nur siebenjährigen, aber tatkräftigen\nund segensreichen Regierung auf 160 000 Ein-\nwohner und 160 Prozent Komtainalsteuern gebracht\nhätte.\nIn Magdeburg war's nicht ganz so lustig wie\nin Barmen. Aber es ging doch1 schneller als August\nLentze gehofft hätte, denn Kreuzwendedich hätte\nihn nicht vergessen. Erst im' Herrenhaus das\nReferat zum Etat, dann winkte Düsseldorf — —\noder gar sogleich ein Gehilfenpositen Jim1 Ressort\nund zu den Füßen des Meisters: Kreuzwendedich'\nsorgte treu!\nDa kracht vor ein paar Wochen der große\nEklat! Kreuzwendidich fällt — und im Sinken stam-\nmelt er — August Lentzes Namen! Der Minister-\nhenker stutzt, glaubt nicht richtig verstanden zu\nHaben: Geheimrat von Lentze? — Nein — August\nLentze! — — Da erinnert sich Majestät der No-\ntizen von 1900 — — und meuchlings ist die\nExzellenz kreiert.\nExzellenz August Lentze ist am' Ziel. — Die\nBarmer haben nicht schlecht gestaunt! Hof prediger\nhaben sie massenhaft nach Berlin geliefert, Minister\nnoch nicht. Nur schade, daß eine so windige Kon-\nstellation ihn hochgehoben hat. Exzellenz August\nLentze weiß hoffentlich, daß ein verabschiedeter\npreußischer Minister den Rekord an Ueberwunden-\nheit schlägt — und Wenn er auch Vorher den Rekord\nan Gottesfurcht und Königstreue geschlagen hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "164", "page_fin": "165", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.4", "titre_corps": "Der farblose Krieg", "titre_sommaire": "Der farblose Krieg", "signature_source": "Otto Soyka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.2", "debut_caractere": 9838, "fin_caractere_exclue": 12738, "texte": "Der farblose Krieg\nVon Otto Soyka\nDer Apparat des modernen Krieges ist das\nWerk der seltensten Vollkommenheit. Die Technik\ndes Zerstörens ist der des Schaffens voraus-\ngeeilt, die Summe von Geist und Arbeit, die in\nOrganisation und Ausrüstung der Wehrmacht zum\nAusdruck kommt, hat kaum ihresgleichen im Be-\nreiche der Kultur. Besäße die Institution keinen\npraktischen Wert, als vollendetes Produkt mensch-\nlichen Verstandes allein müßte man ihr Daseins-\nberechtigung zusprechen. Gerade diese kunst-\nvollste und befriedigendste Schöpfung des Geistes\nfindet niemanden bereit, sie objektiv zu würdigen,\nund jedes Urteil, das laut wird, ist von irgend einem1\nZweckstandpunkt aus gesprochen. Nur hier, wo\nFurcht und Argwohn dem Geiste keine Ruhepausen\ngönnten, und wo der Haßi sein Ansporn war, konnte\nein so wundervolles Kompositum von Mensch und\nTechnik entstehen, das alle natürlichen Unzuläng-\nlichkeiten der Rasse zielbewußt zu korrigieren\nscheint. Die Entwicklung der Kriegstechnik ge-\nstattet unter anderem' einen interessanten Schluß'\nauf die Fähigkeit des Menschen, zu hassen. Jene\nGeschöpfe, die dem Haß, am fernsten stehen, sind\nzweifellos dieselben, bei denen sich jeder Keim\nvon Wut und Feindschaft sofort in Klauenhiebe und\nBisse umsetzen darf. Tiger und Schlangen sind\ngewiß die gutartigsten Wesen, deren Inneres nichts!\nvon Feindschaft weiß. Den Haß kennt die Taube\nam besten. Kruppsche Kanonen und Stahlmantel-\ngeschosse konnten nur von einer hochentwickelten\nTaubenart erfunden werden.\nBei der Verbesserung aller zum1 Kampf dienen-\nden Mittel ist heute nur eine Stelle, die der Fort-\nschritt nicht berührte. Alles, Waffen, Kleidung,\nVorschriften, wurde geändert, ist verstandesmäßiger,\nzweckdienlicher geworden. Nur eines blieb. Das\nsind die altehrwürdigen Kriegs1- und Schlacht-\ngefühle, die seelischen Monturstücke, die nun ein-\nmal zur Ausrüstung des Mannes: zu gehören schei-\nnen. Da muß stets1 eine gewaltige Ration von\nBegeisterung vorhanden stein, eine ansehnliche\nMenge von rührenden Gefühlen und schönen Ueber-\nzeugungen, die alle als unantastbar gelten wollen.\nDer moderne Krieger schleppt noch immer den\nGlauben im Tornister mit, für die bessere Sache\nzu kämpfen, Haus und Herd, Weib und Kind zu\nverteidigen, für Symbole aller Art zu streiten. Ja,\ner trägt so viele Ahnen, daßi fast die Gefahr vor-\nhanden ist, er könnte das! Tragen der Waffen ver-\nnachlässigen. Und allgemein herrscht der Aber-\nglaube, daß dieser eiserne Vorrat von Gefühlen\neben mitgeführt werden muß, um die Kampfes-\ntüchtigkeit 201 nähren. Das ist ein Irrtum. Dringend\nwürde sich schon heute eine zeitgemäßere, prak-\ntischere Kriegsausrüstung für die Gemüter emp-\nfehlen; die noch geltende ist für Säbel und Lanze,\nfür Bailiste und Sturmbock komponiert. Sie paßt\nnicht mehr zum Infanteriegewehr und zur Feld-\nkanone M. 5. Was hat die Begeisterung irn mo-\ndernen Krieg zu suchen ? Als1 das Kriegführen noch"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5176, "texte": "im Dreinschlagen bestand, hätte sie ihren Zweck.\nBegeisterte Hiebe waren stärkere Hiebe, die\nWärme der Begeisterung setzte sich in Arbeit um,\nwar nach Kilogrammetern zu messen. Sie bedeu-\ntete ein Mehr an Kraft für die Armee, und zwar\neiner Kraft, deren Herstellung im Vergleich zu der\naus Fleischkost und Konserven erheblich billiger\nzu stehen kam. Aber heute? Soll der Mann mit\nBegeisterung zielen, mit Begeisterung den Hahn\ndrücken, begeistert jede Deckung benützen? Das\nwäre verfehlt, und würde die erwünschten Treff-\nresultate bedeutend vermindern. Und das1 eben ist\ndie Lehre der Zeit für den bürgerlichen Beruf und\nfür jede erfolgreiche Tätigkeit gewesen: Ruhe,\nSachlichkeit, Pflichtgefühl. Kein Rausch, kein Zu-\nviel an Wollen und Versuchen, verspricht Erfolg.\nDie Zeiten des Affektes sind vorüber, und ernste\nArbeit wird nüchtern geleistet. Es ist ein schwerer\nFehler, der Kriegsarbeit eine Ausnahmestellung an-\nzuweisen. Auf die Errungenschaften von Nüch-\nternheit und Pflichtbewußtsein bei der Erziehung\ndes Soldaten zeitweise zu verzichten und den tra-\nditionellen Rauschzustand anzustreben. Auch der\n[Beruf des Krieges erfordert heute jenen ganzen\nMann, der seine Gedanken nur auf ihn, nicht aber\nauf ideale Dinge richtet. Mögen diese nun an sich\nvorhanden und sehr wertvoll sein oder nicht. Das\nbürgerliche Leben lehrt die Erfüllung von Pflich-\nten. Die großen Leistungen unserer Zeit haben\nihren Ursprung fernab von allen Symbolen und\naller Begeisterung in der Pflicht. Es! ist Unsinn,\nfür den Krieg ein Gedankenreich zu schaffen, wo\ndie Pflichten an zweiter Stelle, und aller mögliche,\nehrwürdige Hausrat an erster steht. In jener ist\nder heute lebende Mensch zu Hause, hier hat er\ngelernt, seinen Mann zu stellen, und er wird ihn\nnur dann im Kriege stellen, wenn er merkt, daß\ner nicht plötzlich in fremden Regionen lebt, son-\ndern es mit nichts1 anderem zu tun hat, als mit\nder alten, wohlbekannten Pflicht. Soll gerade die\nArmee für das Zuviel an Nüchternheit in allen\nanderen Lebenskreisen schadlos halten ? Ueberall\nsonst: Zahlen, hier allein Gefühl. Mit einem\n$chlage steht man in einer anderen Zeit. Die\npoetische Einkleidung und der ganze Rausch, sie\nbergen die große Gefahr eines Mißverständnisses\nin sich, das folgenschwer werden kann. Sie könnten\nleicht zu der Annahme verleiten, es genüge die\nParadegefühle mit sich zu führen; jene andere\ngeistige Montur aber, die sonst im' Lebenskampf\ngetragen wird, sei nicht für den Krieg erforderlich.\nNichts ist bedenklicher, als dem Soldaten die\nSituation als fremdartig und ungewöhnlich darzu-\nstellen, den Krieg als1 einen Ausnahmezustand, der\nneue und unerhörte Anforderungen an ihn stellt.\nKrieg und Frieden dürften nicht als Gegensätze\nerscheinen, denn sie haben das Gemeinsame der\nArbeit. Es ist höchst unnötig, ihn außer mit\nMusik noch1 mit Hochgefühl marschieren zu lassen.\nWeit wichtiger wäre es, ihhil zu Bewußtsein zu\nbringen, daß der Kampf und die Selbstverteidigung\nkeine Steuer sind, die ihfri eine Regierung auf-\nerlegte, daß diese Steuer von alters! her auf jedefri1\nlebenden Wesen lastet, und die Form1, in der sie\nheute entrichtet werden kann (Einschränkung auf\ndie körperlich geeigneten Personen und bei diesen\nauf eine bestimmte Anzahl von Jahren) bereits eine\nder wertvollsten Errungenschaften des Staates, eine\nder wichtigsten Entlastungen für seine Angehörigen\nbedeutet.\nMan bemüht sich seltsamerweise einer Armee\nGutes nachzusagen, indem man ihre Gefühle lobt;\nman vergißt dabei häufig genug ihren eigentlichen\nWert: die Arbeitsleistung, die von ihr repräsentiert\nwird. Jahrzehntelang hat diese Organisation die\nArbeitsleistung von Hunderttausenden in sich auf-\ngenommen; und ein Teil von diesen, der an In-\ntelligenz und Arbeitsfähigkeit kaum einer anderen\nGesellschaftsklasse nachsteht, hat die Leistung des\nganzen Lebens in ihr niedergelegt. Diese ganze\nSumme einer ernsten Arbeit der Jahrzehnte ist in\nder Organisation der Soldaten aufgespeichert. Wie\nkann es dazu kommen, daß man übersieht und\nRauschzustände gegeneinander abzuwägen und nicht\nArbeitswerte?\nEine solche fclndlidie Verkennung von Arbeits-\nwert und der Arbeitskraft wird eicht diese Zeit\nnirgends zuschulden kommen lassen, Wo ihr die\nArbeit in minder buntem Gewände entgegentritt.\nDenn diese Verfcennung schließt ein gerade heute\nbrnpieilosee für Arfjeit In Bidi Es\nist die Folge des Fehlers, daß man den Krieg und\nalles mit ihm zusammenhängende nicht im Lichte\nder Gegenwart sieht, sondern in einem mystischen\nDunkel vergangener Zeit, und daß man, zögernd\nauch auf ihn die Lehren und das Wissen unserer\nZeit zu erstrecken, mit veralteten Maßstäben an\nseine Beurteilung herangeht. Man mag die Ver-\ngangenheit ungern schwinden sehen, mag die bis-\nherige Auffassung des Kriegswesens als letzten\nRest schönerer Zeiten bewundern, in denen die Er-\neignisse mehr Glanz und Farbe hatten. Wer heute\nden Erfolg will, wird auch die Gesetze dieses Heute\nstudieren müssen. Die Bilderbogen des! Krieges\nhaben sich stark verändert, seitdem1 in Europa die\nletzten Schlachten geschlagen wurden. Es wäre an\nder Zeit, auch an den psychologischen Bilderbogen,\ndie noch die alte Malerei tragen, die notwendigen\nKorrekturen vorzunehmen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "165", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.5", "titre_corps": "Nackte Kultur : Schwarzer Spass", "titre_sommaire": "Nackte Kultur : Schwarzer Spass", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.3", "debut_caractere": 5178, "fin_caractere_exclue": 8861, "texte": "Nackte Kultur\nSchwarzer Spass\nVon Paul Scheerbart\nSchwipp! Da flogen die schwarzen Zylinder,\ndie weißen B,äffdien, die Trikots und Chemisettes,\ndie Frackschöße und die Aermelröcke, die Strümpfe,\nKrinolinen und all die andern Höllenhüllen auf die\ngroßen Scheiterhaufen rauf.\nDie Flammen loderten majestätisch1 zum afrika-\nnischen Himmel empor, und die schwarzen Herren\nund Damen aus Afrika umtanzten die fordernden\nFlammen wie die Besessenen.\nNackt waren die schwarzen Menschen —\nsplitternackt.\nZehn Volksredner aus Europa hatten es fertig-\ngebracht, ganz Afrika zu revolutionieren.\n„Schwarze Menschen\"! hatten die Volksredner\ngesagt, „Ihr müßt eine neue Kultur begründen.\nLaßt Euch yon den Europäern nichts weiß machen.\nDie Europäer sind !mit ihrer unnatürlichen Kultur\nsehr unzufrieden, da die vielen Kleidungsstücke den\nganzen Menschen beengen. Werdet wieder nackt,\nwie ihr einstmals wäret — und Ihr werdet plötzlich\nan der Spitze einer neuen Kultur stehen — an der\nSpitze der packten Kultur — der „natürlichen\"\nKultur — die dem Menschen gestattet, frei zu leben\n— frei von allem Plunder. Es lebe hoch der nackte\nMensch' mit der splitternackten Kultur! Hört Ihr\nschon was1 jiäher kommen? Hört Ihrs noch nicht?\nEs Sind die Maler und Bildhauer, die da kommen!\nSie eilen aus allen Erdteilen herbei und wollen sich'\nbei Euch1 niederlassen — da sie im nackten Menschen\ndas echte und wahre Kulturideal erblicken. DaS\nFleisch ist der große Trumpf der Natur — die\nKulturauster — also — hodh das schwarze\nMenschenfleisch! Hoch! Hoch!''\nUnd die Schwarzen entkleideten sich allesamt\n— und standen nun da in ihrer stolzen Nacktheit\nwie Adam und Eva im Paradiese.\nDie schWarzen Leute um tanzten mit ihren\nschwarzen Weibern die Scheiterhaufen, auf denen\nall die lächerlichen Bekleidungsgegenstände end-\ngültig verbrannten.\nUnd dann arrangierten die sämtlichen nackten\nVölker des heißen schwarzen Erdteils einen gran-\ndiosen' Küstenreigen mit Pechfackeln. Die Kinder\ntrugen die PeCk fackeln.\nDie Schwarzen faßten sich1 alle gegenseitig an\ndie Hände und bildeten so eine mächtige Riesen-\nkette — und die Riesenkette hatte die Form einer\nLandkarte von Afrika — denn diese Menschenkette\ndrückte auf die sämtlichen Meeresküsten des afri-\nkanischen Kontinents. Um die unzähligen Mohren-\nfüße plätscherte das Seewässer. Die Kinder )mit\nden Fackeln jauchzten. Also zeigte sich die neue\nKulturhorde den zurückgebliebenen Erdteilen in\nihrer stolzen Nacktheit.\nDie zehn Volksredner aus1 Europa standen ganz\nnackt in dem1 Aequatorsonnenschein und gratulierten\nsich händeschüttelnd, — dem! hagersten von den\nzehn Volksrednern War allerdings die neue Kultur\nnoch lange picht nackt genug: und sie beschlossen,\nin Europia Wundert Millionen Rasiermesser an-\nfertigen zu fasSfen — jalle Haare sollten rasiert\nwerden — sogar die Augenbrauen und die Wimpern,\nDie SdiWarzen aber tanzten auf den Meeres-\nküsten wie die Besessenen; sie drückten sich dabei\nimmer fester die Sichwarzen Hände; die schwarzen\nSeelen dampften.\nDas war ein Kettentanz!\nDas war ein Befreiungstanz!\nDas war das erste nackte Kulturfest mit\nflackernden Pechfackeln und bewegten Beinen.\nAlle Mannsleute und auch die Weibsleute waren\nganz aus dem1 Häuschen.\nAlle Künstler der Erde klatschten Beifall mit un-\ngeheurem1 Eifer.\nDurch1 den kolossalen Schall entstanden yaele\nGewitter mit Blitz und Donner.\nDie Rasiermesser kamen längsam näher — auf\nreichbeflaggten Regierungsdampfern.\nIn Timbuktu sollte den schwarzen Leuten das\nkunstgerechte gegenseitige Einseifen beigebracht\nwerden; das Rasieren Verstanden sie bereits ■—\nnur mit dem Einseifen wollte es1 immer noch nicht\nso recht gehen. Die Seifensieder freuten sich so\n— wie Künstler und Barbier."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "166", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.6", "titre_corps": "Das Nilpferd", "titre_sommaire": "Das Nilpferd", "signature_source": "Rudolf Kurtz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.3", "debut_caractere": 8863, "fin_caractere_exclue": 12128, "texte": "Das Nilpferd\nVon Rudolf Kurtz\nSie gehen in einer Herbstnacht durch den Tier-\ngarten. Die kahlen Bäume berühren Sie bei Ihren\ngeordneten erotischen Verhältnissen mit keinem\nSentiment. Sie gehen, um in dem seltsamen Witte-\nrungswechsel der Uebergangszeiten die Stoff-\nverbrennung in Ihrem Körper intensiver zu\nempfinden, sich auf einem einsamen Wege als\ndynamisches Wesen von höchster Bewegungsfähig-\nkeit zu Bewußtsein zu bringen. Die Windungen:\nIhres Gehirns füllt ein überhastiger Strom farbigster\nLyrik : Da unterbricht Sie ein irrer Schrei in Ihren\neinsamen Abenteuern. Ein krächzender, ver-\ndammter, ein tropischer Schrei erhitzt Sie: die\nnordische Sentimentalität ist aufgesogen von der\nheiteren Trockenheit südlicher Provinzen — noch1\neinmal dieser ferne, wilde Schrei, und Sie denken\nan Birubunga, wo Sie hätten Tiger jagen können,\neine wirre Fabelkette heftigster, erregendster Er-\nlebnisse, die mit beängstigender Schnelligkeit vor-\nübersausen, über das Blachfeld Ihrer imaginären,\naCh' so heroischen Abenteuer zucken die Schreie\nwilder Tiere, krächzt ein zusammengekauerter\nVogel, an Erinnerung an einen hohen, ganz hohen\nFlug. Sie sind im Zauber verwilderter Vegetationen,\ngefesselt von unbeschreiblichen Tiersagen — mit\neiner jähen Bewegung fliegt der Kopf aus dem'\nsorgsam emporgeschlagenen Kragen und Sie stehen\nin der frisch empfundenen Nachtluft, die Pfeife\nmit männlicher Energie zerbeißend, vor den\nberlinisch aufgefärbten Mauern des; Zoo. Ihre Er-\nlebnisse erwachen, sorgfältig distanziert von der\nphantastischsten Meerfahrt yon vorhin. Mit Zärt-\nlichkeit gedenken Sie der Lamas, die Sie im Sommer\nin Begleitung des guten Doktors: mit Zeitungen,\nBerliner Zeitungen fütterten, mit liebevoller Hingabe\ndas langsätne Zersdhroten des Papiers betrachtend.\nVoll unsagbarer Bewunderung erinnern Sie sich1 der\nElefanten, dieser unglaublichen Türme rührender\nTreue, ihrer gemessenen Würde und der. besorgten\nHaltung ihrer nervösen Ohren. Und wie beruhigt\nes, sie schreiten zu sehen, die federnde Beweglich-\nkeit dieser trägen Fleischmässen, den sicheren\nRhythmus der Muskelbewegungen zu empfinden\nund die Reizbarkeit des gewundenen\nRüssels. Mit einem innig empfundenen Ruck sind\nSie in dem1 abgeschmackten Hause, wo das un-\nglaublichste Wunder der Tierwelt sein magisches;\nDasein führt: das1 bewunderungswürdige Nilpferd.\nDenken Sie noch an die tiefe, fast religiöse Andacht,\nmit der wir vor diesem ungeheuren phantastischen\nWesen standen? Dieses dämonisch! gewordene\nHausschWein, von einem betrunkenen Fleischerhirn\nnach ejnemi mittelalterlichen Fabelbüch stilisiert.\nO, wie erbarmungswürdig erschien uns die Phantasie\neines europäischen Karikaturisten, der dieses Ge-\nschöpf zu zeichnen begehrte, und wir dachten an\neinen flinken und doch nicht würdelosen Japaner,\nder mit ein paar heftigen deutlichen Pinselstrichen\nden breiten Kopf mit der ungeheuren JUinie des\nKinns hinsetzte, diese erregend perfiden Augen und\nden monströsen JHautlappen der Oberlippe, in dem\neine ungeheure Kraft nervös spielt. Und dieser\nschWere, fettgeschwollene Körper — wie organisch,\nSelbstverständlich1 steht er zu diesem' Kopf, der\nwie ein faulender Baumstumpf Voll grüjilidi ver-\nkrusteter Borke aus dem Wasser ragt. — Wir\nhören es Schlürfen und niesen, sehen »eine tappen-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1919, "texte": "(Jen Schritte und ungestalten Bewegungen, empfin-\nden mit Grauen und Staunen das tiefe Loch, das\nSein Hineinwerfen in das Wasser reißt, ahnen die\n(ungebärdigen, überwältigend starfeen Bewegungen\nIm Wasser und denken an die acht Linien, mit denen\nfes der Japaner hinwarf — und bewundern nun,\nplötzlich erleuchtet, die zarte Organisation dieses\nKörpers, soviel verblüffender, fremder, unnatürlicher\nlals der Elefant. Aus einem ganz dumpfigen Grunde\nkhnen wir, daß es dieses Wunderliche ist, was\nUns ergreift: dieses Künstliche, verwulstet Unzweck-\nmäßige, während wir instinktiv wissen, daß diese\natemberaubende Formlosigkeit ein subtil organi-\nsiertes Netz von Nerven durchläuft, daß ein Willens-\n-Bm£>uls die vollendetste Zweckmäßigkeit in allen;\nTeilen herstellt. Und dann werfen wir noch einen\nBlicik auf das Nilpferd, wie es mit fast schwimmen-\nÖen Schritten über die Fliesen schleicht, sich mit\nfeiner unbeholfenen Wendung in das Wasser h inein -\ntwirft, und ein Niesen und Pfeifen hören läßt, das\nflie fabelhafte Kraft ahnen macht. O wie heiter und\nfröhlich erscheint neben diesem grauenhaften und\nUnerklärbaren Wesen der Löwe, welch angenehmer\nRepräsentant der menschenfreundlichen Tiere gegen\nÖjesen unbegreiflichen Feind. Wie öelbstverständ-\nKdi die Institution des Tigers, mit seinem durchaus\nmöglichen, mathematisch sicheren Exterieur. Wer\nHoch einen so behaglichen Hund hätte, wie diesen\n(aufgerechten weißen Schneemann, der natürlich ein\nEisbär ist Fühlen Sie sich nicht erregt und in einer\ngünstigen Disposition zu scherzen? Ah, Sie haben\nfetch aus dem Irrgarten Ihres Gehirns herausgedrängt\nUnd eilen, yon plötzlichem Frost und einer unwill-\nkommenen, unmotivierten Sehnsucht ergriffen, in\nBas Cafe K., wo Sie bei einem Grog von Arrak\nUnd fünf Stückchen Zucker, aufgesogen von einem\nBeta' menschlichen Organismus wundervoll ange-\npaßten Korbstuhl, Gelegenheit finden* Ihr kleines\nAbenteuer aufzuschreiben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "166", "page_fin": "166", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.7", "titre_corps": "Oskar Kokoschka", "titre_sommaire": "Oskar Kokoschka", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.4", "debut_caractere": 1921, "fin_caractere_exclue": 4509, "texte": "Oskar Kokoschka\nElse Lasker-Schüler\nWir schreiten sofort durch den großen in den\nWeinen Zeichensaal, einen Zwinger von Barinnen,\ntäppisch tänzelnde Weibskörper ans einem altger-\nImanischen Festzuge; Meth fließt unter ihren Fell-\nhäuten. Mein Begleiter flüchtet in den großen Saal\najurück, er ist ein Troubadour; die Herzogin Von\nIMontesqiou Rohian ist lauschender nach seinem\nHede als das Bärenweib auf plumpen Knollensohlen.\nDenn Treibhäuswunder sind Kokoschkas Prin-\nzessinnen, man kann ihre feinen Staub- und Raub-\nfäden zählen. Blutsaugende Pflanzlichkeiten alle\nSeine atmenden Schöpfungen; ihre erschütternde\nÄehnlichkeitswahrheit verschleiert ein Duft aus\nHöflichkeit gewonnen. Warum denke ich plötz-\nKch an Klimt? Er ist Botaniker, Kokoschka\nPflanzer. Wo Klimt pflückt, gräbt Kokoschka die\nSVurzel aus — wo Klimt den Menschen entfaltet,\ngedeiht eine Farm Geschöpfe auß Kokoschkas Far-\nben. Ich' schaudere Vor den rissig gewordenen\nSpitzen Fangzähnen dort im bläulichten Fleisch des\nGreisenmundes, aber auf dem Bilde der lachende\nItaliener zerrt gierig am Genußi des prangenden\nLebens. Kokoschka wie Klimt oder Klimt wie Ko-\nkoschka sehen und säen das Tier im Menschen\nlind ernten es nach ihrer Farbe. Liebesmüde läßt\ndie Dame den schmeichelnden Leib aus! grausamen\nTräumen zur Erde gleiten, immer wird sie Sanft\nlauf ihren rosenweißen Krallen fallen. Das1 Gerippe\nHer männlichen Hand gegenüber dem Frauenbilde\nIst ein zeitloses Blatt, seine gewaltige Blunte ist\ndes Dalai Lamas Haupt. Auch den Wiener be-\nkannten Architekten erkenne ich am1 Lauschen seiner\nbösen Gorillenpupillen und seiner stummen Affen-\ngeschwindigkeit wieder, ein Tanz ohne Musik. Mein\nBegleiter weist mit einer Troubadourgeste auf\nImeinen blonden Hamlet; in ironischer Kriegshaltung\nkämpft Herwarth Waiden gegen den kargen argen\nGeist. Auf allen Bildern Kokoschkas steht ein\nStrahl. Aus der Schwermutfärbe desj Bethlehem-\nhimmels reichen zwei Marienhände das Kind. Viele\nWolken und Sonnen und Welten nahen, Blau tritt\nlaus Blau. Der Schnee brennt auf deiner Schnee-\nIlandschlaft. Sie ist ehrwürdig wie eine JubiläumS-\nfvergangenheit: Dürer, Grünewald.\nOskar Kokoschkas Malerei ist eine junge\nPiiestergestalt, himmelnd seine blauerfüllten Augen\nlind zögernd und hochmütig. Er berührt die Men-\nsehen wie Dinge und stellt sie, barmherzige Fi-\ngürchen, lächelnd auf seine Hand. Immer sehe ich\nihn wie durch eine Lupe, ich glaube, er ist ein\nRiese. Breite Schultern ruhen auf seinem schlan-\nkien Stamm, seine doppelt gewölbte Stirn denkt\nzweifach. Ein schweigender Hindu, erwählt und\ngeweiht — seine Zunge ungelöst."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "166", "page_fin": "167", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.8", "titre_corps": "Achtes Gespräch: Indes die Göttin krank liegt / Von den hôheren Tonordnungen : Ueber die Musik", "titre_sommaire": "Achtes Gespräch: Indes die Göttin krank liegt / Von den hôheren Tonordnungen : Ueber die Musik", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.4", "debut_caractere": 4511, "fin_caractere_exclue": 4643, "texte": "Gespräche mit Kalypso\nAchtes Gespräch: Indes die Göttin krank\nliegt / Von den hôheren Tonordnungen\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.4", "debut_caractere": 4658, "fin_caractere_exclue": 12224, "texte": "Der Junge\nMir klingt ja manches fremd und befremdlich\nan dem, was Du sägst Du hältst also jene;\ngrößere Form oder Zusammenhangsweise nicht für\neine Urform der Musik; sie ist Dir keineswegs\ndne Art Urnebel, die sinfonische Ordnung, aus dem\nsich die größeren und kleineren Welten ballen und\nlosreißen. Aber verzeih' mir: Du mußt mir da&\nschon deutlicher sagen. Ich dachte nie über Musik\nnach.\nDer Alte\nIch will Dir weisen, wie die Musik, ohne sich\nzu bannen, in die straffen, kurzen Ordnungen, und\nohne sich aufzulösen, in die Riesenreihen, wie die\ngroße liedfremde Musik sich eine Ordnung gewinnt.\nEs stellt sich Musik dar in Nachahmung, Wieder-\nkehr und veränderter Wiederkehr einer einzigen\nTonfolge; stellt sich im Lied, Fuge, Kanon dar.\nNun taucht die Frage auf : gibt es Musik zwischen\nzwei fremden Tonfolgen und beliebig vielen Ton-\nfolgen ? An dieser Frage hängt nicht gerade die\ngroße Musik, denn schon die eine Tonfolge kann\nsich unter kundigen Händen zu großer, sehr großer\nMusik entwickeln; aber der Tonfolgen gibt eg\nviele, und es hieße, diesen Reichtum verderben\nlassen und willkürlich die Musik verarmen, wollte\ntaan nur eine Tonfolge zur Musikbildnerin machen.\nSchön die Veränderung bei der Wiederkehr ruft\nauf diese Bahn und spricht, indem' sie ändert und'\nnicht gleicht, die große Formel der Künste au&(:\nvon der Gleichheit aber in der Ungleichheit, von\nder Einheit aber in der Vielheit, von dem Zu-\nsammenhang, der um so deutlicher wird, an je mehr\ner sich erweist, gegen je mehr er sich1 erweist\nund gegen je ungleicheres er sich1 durchsetzt. Die\ngroße Musik ruht auf einer Ordnung zwischen ver-\nschiedenen aufeinander folgenden Ton verbänden.\nZwar kann auch in der großen Musik der einzelne\nTonverband seiner Neigung folgen und sich aus-\ngliedern in Kanon, Fuge oder Lied, jedoch' wird\ndie umfassende Ordnungsweise die Glieder von\nsoldier Ausbildung gern fernhalten, die nicht im\nWesen der Gesamtordnung liegt und den Schein\ngereihter kleiner Musik er\\VeCkt.\nDerjunge\nAlso Du fragst, wie sich' fremde Tonfolgen\nverknüpfen können? Laß mich' denken. — Wenn\nich zwei Bilder habe und will sie an eine Wand\nhängen —, verzeih' mir: ganz fremd können und\ndürfen Deine beiden Tonfolgen nicht sein, wenn\nsie Musik schaffen wollen. Fremd, das heißt be-\nziehungslos!, gleichgiltig gegeneinander; denn\nMusik soll ja eine Zusammenhängsweise der Töne\nsein, und Du forderst unmögliches von ihr, die\ndas Beziehungslose — beziehen soll. Fremd, dies\nkann nur sein: nicht gleich, und nicht nur ver-\nändert. Aber welche Beziehung bleibt ihnen dann ?\nNicht Gleichheit, nicht Aehnlichkeit, — Gegen-\nsatz?\nDer Alte\nWohl, dies ist eins. Erfaß aber noch einmal,\nwas die Formel der Künste aussprechen wollte,\nden Gedanken von dem — Gedanken, von dem\nZusammenhang, der um so mächtiger ist, an je\nmehr er sich erweist und gegen je ungleicheres\ner sich durchsetzt. Die Vielheit der ungleichen\nTonfolgen wird ihre Grenzen haben an —\nuns; unser Gedäditnis höhnt dem Willen der\nKunst, — wo wir nichts festhalten können, setzen\nwir weder Gleichheit noch Unterschiedlichkeit an.\nUnd so findet auch das Fremde, das\nwie Du klug erfaßt, seinen Zaun und seine Mauer\nin der Kunst; — ganz Beziehungsloses kannnidit\nzusammengehängt werden. — Aber dies ist uns\nschon wichtig: der Gegensatz eint. Und auf\nEinheit fußend hat er den Vorzug, daß er\nden Unterschied des Unterschiedenen aufs\nschärfste hervorhebt. Er stellt die Grundform\ndes Fremden und doch Bezogenen dar; seine\nMacht ist darum groß in aller Kunst. Denn darin\nhängt alles: den Reichtum in satter Fülle zu zeigen\nund doch in dem Prunken der Spangen und Mäntel,\nin dem überladenen Pomp der Heerschären den\nKönig und zuerst ihn sehen zu lassen. — Es\nscheint, als ob sich hier ein Gesetz entwickelt habe,\ndas die Kunst aus sich heraus bildungsfähig macht:\nNun folgt auf das Langsame das weniger Langsame\nund Rasche, das Leise zieht das Kräftiglaute an,\nund so bei den weiteren Bestimmungen der Töne,\nwodurch die Abwechslung, besser eine Unendlich-\nkeit des Mannigfaltigen gewährleistet wird. Und\nin der Tat ist dies ein solches Gesetz, sofern über-\nhaupt Gesetze bilden. Aus sich heraus aber fließen\nTöne nicht; das Gesetz schafft keine Handlungen,\nsondern richtet sie. Vielartig sind die Bindungs-\nweisen niederer Ordnung, welche die Musik1 kennt,\ntifcerbestimint fast bis zur Unbestimmtheit sind die\neinzelnen Tonfolgen: So findet das Gesetz der\nMannigfaltigkeit als wählendes reiche Tätigkeit\nBald drängt sich diese, bald jene Bestimmung\nrichtunggebend hervor; das ist natürlich ein Narr,\nder etwa glaubt, die Musik erfolge nun aus sich',\nund nicht vielmehr aus dem Musiker. Schön weil\ner die jeweilig richtunggebende Bestimmung wählt.\nNach dem Gesetz des Gegensatzes und der\nMannigfaltigkeit, das ganz im allgemeinen herrscht,\nhebe ich eins heraus, das, ihm untergeordnet, be-\nsonders die Einheit sucht mit Hilfe des Wirfdich-\nkeitswertes der Tonfolgen. Diese Tonfolge führt\nzu einer anderen und dritten fremden, verschiedenen,\nindem sie folgerichtig gerade die Ordnungsweise,,\nwelche die Wirklichkeit stellt, entwickelt, mehr oder\nweniger epische Stimmungs-, Seelen-\nbilder entwirft. Sie führt dicht an die Reihenmüsik1.\nUnd so gibt es noch vielerlei Regeln und Gesetze,\naus den Werkzeugen und so weiter. Bald tritt die\nWirksamkeit dieses, bald jenes Gesetzes mehr in\nden Vordergrund; die Musik ist überaus zusammen-\ngesetzt, und man wird ihr mit einseitigen Bestim-\nmungen und Regeln nicht gerecht. Vieles berück-\nsichtigt der Musiker, und Alles führt ihn auf ein-\nmal; wenn auch die Musiker sich in der Bevor-\nzugung der Verschiedenen Ordnungsweisen unter-\nscheiden und gruppieren. Hier klingt eine Ton-\nfolge: Das Gehen eines Kriegers, mein' ich, dient\nihr zur Ordnungsweise, gibt ihr den schärferen Sinn,\nmiacht sie höher musikalisch; diese Folge windet\nsich zierlich mit geschnürten Hüften, schlankem\nHälschen, spitzen Füßchen, — begreiflich, daß sie\nweiter balanciert, daßi höhe, rasche Figuren leichte\nSpitzen über sie werfen, daß ein Brummbäß gegen\nsie antapert, sie zärtlich1 verdreht, verstimmt; sie\nkreischen und kichern; eine andere Folge hat\nSeufzer in sich getrunken, nun schleicht und kriecht\nes ohne Ende. Die Faust schwingt diese Folge,\nhöhnt und droht und läßt sich nicht besänftigen.\nBekümmert und schämig bleibt dieSte auf dem Flecke\nstehen, geht nach ein paar Schritten immer wieder\nzurück und im Kreise wie ein verlassenes Mäd-\nchen. Ueberblickst Du ein längeres Musikstück, so\nwirst Du finden, daß die Fortführung der Ton-\nfolgen auf sehr wechselnder Grundlage geschieht.\nJetzt wird mit einem zagsaften Zwie- und Zwitscher-\ngespräch begonnen, jetzt fordern die singenden\nSaitentöne eine Abwechslung in aufschmetternden\nTrompeten, die ihren Glanz und ihre Eigenart erst\ngegen dumpfe Holzbläser erweisen wollen, um\nwieder die Saitentöne hervorzittern zu lassen; jetzt\nladet eine kleine Tonfolge zu breiter, liedähnlicher\nAusführung ein; nachdem in wechselnder Stärke\ngespielt wurde, gilt es nun, auf gleichmäßiger Höhe\nzu bleiben und ruhig fortzuspinnen. Bei Anwen-\ndung dieser einfachen, sehr einfachen und begreif-\nlichen, doch1 wechselnden Regeln des Zusammen-\nhangs stpielt naturgemäß! der Charakter, das Tem-\nperament, die Eigenart des Musikers die Haupt-\nrolle. Du Imußt mich nicht mißverstehen, wenn ich\nsage, die Musik trüge ihre Gesetze nicht in sidh1,\nsondern im Musiker. Ich1 will mich nicht verstecken\nhinter dem1 Herrichter, — das mögen andere tun\nund schwätzen von dem' schöpferischen Willen —>\nvielmehr hat ja alles Betrachten der Kunst eben\ndiesen Sinn, Herr zu werden dieses Herrn, dieses"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.5", "debut_caractere": 72, "fin_caractere_exclue": 5687, "texte": "anscheinend unfaßbaren Herrn, den Künstler zu\nÜberwinden in der Kunst. Und wie könnte ich von\nFormen und Zusammenhangsregeln sprechen, gäbe\nies für mich nicht etwas, das über dem einzelnen\nKünstler stände, das sein Tun als Kunst erscheinen\nlaßt: das macht die Gesamtheit der gesetzten Re-\ngeln und DarstellungsWeisen seines Stoffes. Aber\ndies ist ein Schwert, das seinen Krieger verlangt.\nDieses! Herrwerden hat sein Ende und seine Grenze;\npinmal schließlich stoße ich auf den Quell, der\nImmer neu fließen muß, sollen diese Bildungen nicht\nVertrocknen, soll nicht alles zu Rätseln und toten\nHieroglyphen werden.\nDer Junge\nIch1 folge Dir gern. Wenn also dasl Wählen\näes Musikers, sein mehr oder weniger besonderes\nSeelenerlebnis, es im bestimmten Fall erklärt, warum\ndieses Langsame sich hinwendet jenem weniger\nLangsamen und so fort, wenn dies also die zwei,\nÖrei fremden Tonfolgen bindet, so müßte letzten\nEndes in der großen Musik auch' irgendein Erlebnis-\nplan gemeinsame Zusammenhangsregel aller Teile\njeines Werkes sein. Denn es bedarf einer gemein-\nsamen Ordnung für alle so verschieden geordneten\nFortführungen, die zerflattern würden. Oder wie\nSenkst Du ? Ein wirklichkeitslvoller Erlebnisplan\nwäre wohl einseitig, unelastisch und gewalttätig,\nauch gediehe Musik leicht zu einem Schatten der\nWirklichkeit.\nDer Alte\nNicht ich sprach von einem Erlebnisplan. Wirk-\nlichkeitsvoll ? Wirklichkeitsvoll nenne ich diese\nMusik. Einen sonderbaren Musikanten heiße ich\nsolchen Tollhans, der sicih Fetzen, Balken und\nBretter aus allen Ecken stiehlt, sie hinter seinen\nZaun auf einen Haufen wirft, mit seiner Leibfarbe\nbemalt; nun hat er etwas getan. So weit geht\nsein Recht über die Musik nicht. Nichts hat die\n.Wirklichkeit, die des erlebenden Musikers, von der\nidh1 sprach, mit dieser, der Schlachten und Natur-\nlaute zu tun; die niederen Zusammenhänge und\nFortführungen gibt sie, aber ein bloßer Guckkasten\nist kein Erlebnisplan. (Er geht ans Wasser und\nwirft Kiesel hinein. Pause.) — Ich bin im Zorn.\nIch hasst die, die von der Welt glauben, sie wäre\nein blindes, blödsinniges Weib, Besessene und\nBacchantin, die stückweise lalle; ich1 hasse die, die\nden Künstler einen übersprudelnden Lügner, Dichter\nund Bettler sein lassen, der die Blödsinnige in seine\nKleider hineinzwinge. Der Widerspenstigen Zäh-\nmung: Das Thema der Welt; seine Spieler: die\nBesessene und ihr Bettelmann! — (Gelassener.)\nGenug. Sieh', es sind nur Reihenbildungen, Wo\nsolch falscher „Wirklichkeitsplan\" der Musik zur\nOrdnungsregel dient. Von Bildungen, die mfchr\noder weniger reihen, führen Stufen zur wirklichen\nOrdnung, die dem Lied, der Fuge zustrebt. In\nSchauspielen, Gesängen haftet die Musik derart ganz\nan dem, was die andere Kunst mit ihren anderen\nGesetzen und Regeln geformt hat. Sie selbst komtait\nnicht zur Sprache, sie will sprechen, aber ehe sie\nden Mund auftun kann, huscht eine neue Erschei-\nnung jener fremden Kunst an ihr vorüber, daß\nihre Stimme vor Staunen erstickt. Eine magdhafte\nMusik, doch zurückhaltend kann sie auch heißen,\nkeusch, weil sie nur zögernd den Dingen naht und\nvon sich schweigt; schmiegsam schaut sie mit blin-\nden Augen auf ihren Herrn; sie erzittert bei seinen\nSchritten, weiß nicht, warum1 er poltert; lächelt,\nwenn er ein sanftes Wort spricht. Diese Musik\nwird nur ein „Ach\" und „Oh\" geben; sehr ernie-\ndrigt muß sie, kaum Kunst sein.\nDer Junge\nIch weiß eine Kunst wie diese, die sich' dienst-\nbar macht wie diese, magdhaft ihren Herrn ziert,\nkeusch heißen mag, da sie alles kennt außer sich1.\nDer Alte\nDu zielst auf die Wortkünst?\nDer Junge\nAuch auf sie könnte ich zielen, — auf m&ncWe\nWortkunst. Doch ich meine sie nicht, — nähe*\nsucht ich, — die Bühnenkunst. Sie hängen Flitter\nauf Flitter, Bretter bauen sie auf, die sie größen-\nwahnsinnig alis Welt gebärden. Sie suchen die Täu-\nschung, daß ist noch nicht die Kunst. Nun tadle ich\nnicht die, welche wahrhaft eine Wirklichkeit wieder-\nholen, — saber ladhenswert heiß idh' ihr Tun, wenn\nsie mich1 täuisdien wollen, als wäre ich der Spatz\ndes alten Meisters und sollte seine gemalten Kir-\nschen picken. Auch eine Rübe preise ich', wenn\nsie zum Verwechseln gemalt ist, nicht durchaus\nhöher, als die zerfratzte Göttin: es1 gibt viele, höhere\nund niedere Ordnungsweisen in allen Künsten, nicht\neine, nicht die; wer will eine so unbedingt hervor-\nstellen? Wohl aber muß der Künstler seine Kunst\nrecht verstehen, zunächst das Material kennen ler-\nnen, zu Satzungen gelangen, welche die einzelnen\nFähigkeiten oder Bestimmtheiten des Materials in\nanerkannter Weise regelt. Man darf zunächst niciht\nmit dem Ton malen wollen, oder mit dem Stein\nklingen; darf nicht von der Wirklichkeit, sondern\nmuß von dem Material ausgehen. So müßte die\nBühnenkunst zunächst erkennen, daß Täuschung\nnicht möglich ist, und weiter, daß> sie sinnlos ist\nund dem Stolz einer Kunst nicht entspricht. Erst\nspäter alles' andere. Da wächst dann dieser pein-\nliche, entsetzlich kinderhäfte Streit und das Gefasel\nvon einer Kunst, die zur Natur werden soll, —\nals wäre dort oben schon eine Kunst; da gibt man\nsich selbstmörderischem Bemühen hin, und statt\ndie Natur zu hassen und zu lieben, „spiegelt\" miau\nsie. Man lerne erst das Einmaleins, ehe man Kauf-\nmann wird; man mache die Bühnen nicht zu einem\nMuseum. Unnatürlich soll alles sein, das heißt:\nstoffgewachsen, nicht naturgewachsen, denn das ist\nKunst. Die Bühne bleibe Bühne, man finde der\nBühfte ihre Gesetze und ihre Natürlichkeit. Besser\nals die Flitterbühne findet sich die alte zurecht mit\nihren Täfelchen; sie tut aber wie die Rübe und die\nGöttin: hier zu viel, dort zu wenig.\nSchlnss des achten Gesprächs in Nummer 22"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "167", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.8.1", "titre_corps": "Zeichnung von Samuel Fridolin Schlechte Dichter II / Hermann Sudermann", "titre_sommaire": "Zeichnung von Samuel Fridolin Schlechte Dichter II / Hermann Sudermann", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 70, "texte": "Zeichnung von Samuel Fridolin\nSchlechte Dichter II / Hermann Sudermann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "168", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.9", "titre_corps": "Zur Tötlichkeit des Sächselns", "titre_sommaire": "Zur Tötlichkeit des Sächselns", "signature_source": "Mynona", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.5", "debut_caractere": 5689, "fin_caractere_exclue": 6455, "texte": "Zur Tötlichkeit des Sächselns\nVon Mynona\nEin V ogelverkäufer, namens Willi Ohne mann,\nein Mensch ohne alle heroischen Chärakterzüge,\naber mit starkem Geschäftssinn, so daß er längst\nnicht mehr sonderlich auf die Gefühlswirkungen\nseiner Sprech- und Singvögel achtete, sondern in\ndiesen gefiederten Gefangenen nur noch1 bloße Ge-\nschäftsgegenstände sah, war so gewohnheitsmäßig\nstark mit einer Frau aus Sachsen verheiratet, daßi\nes ihm erst wieder auffiel, als er es aufhörte zu.\nsein: Frieda geb. Ritter starb wie ein Weib stirbt,\nwelches sich sehr lange mit Vögeln wie mit Kin-\ndern abgegeben hat. Sie starb, wie wenn sie sidi\nmauserte, mit irgendwelchen Flügeln krankhaft\nzuckte; ihr letztes Röcheln klang wie: piep! Ihr\nGatte kam1 von ihrem Leichenbegängnis um die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2031, "texte": "Abendzeit in sein Geschäftslokal zurück. Er über-\ndeckte die Käfige der Vögel mit Gaze und Tüchern\nund setzte sich vor sein Pult, um1 zu rechnen. Gleich\ndarauf ließ er die Läden herunter und verschloß\ndie Türe. Als er nun mit seiner kleinen Lampe\nin der Hand sein Schlafzimmer aufsüChen wollte,\nkrächzte ein Vogel im sächsischen Tonfall seiner\nverstorbenen Frau: „Wi 11 i waeh: auf! 's} ist\nZeit!\" Willi Ohnemänn fuhr der Schreck so in\ndie Glieder, daßi er die Lampe niedersetzen mußte.\nDer taktlose Papagei hing, ohne Käfig, nur an\neiner Kette befestigt, in einem Ringe. „Willi\nwa — —\" — „Ruhe!\" brüllte Willi ihn an, es\nergriff ihn eine furchtbare Wut; wie denn die\nNatur -zuweilen Zorn mit Tränen, wie Feuer mit\nWasser gern kämpfen läßt. Ob nun hier die\nTränen, also dasl Wasser, siegte? — Willi kettete\nPapchen los und nahm ihn mit in sein Schlafgemach.\nSolche rührenden Züge an starken Geschäftsleuten\nsind recht selten, bedürfen wahrlich der Aufzeich-\nnung. Der nächste Vormittag brachte ein recht\nscheckiges! Aprilwetter, das Sonnenlicht spielte\nKuckuck mit den treibenden Wolken, der Regen\nklatschte bald nieder, bald schien er wie nach oben\ngesprüht in der Luft hängen zu bleiben. Ohne-\nmanns Läden blieb! geschlossen, die Vögel hörte\nman drinnen konzertieren. Ein gewisser Blaffke\nverlangte durchaus Einlaß und pochte dringend\ngegen die Läden! Die Vögel kreischten. Blaffke\nging durch den Flur nach hinten und klingelte\nam1 Privateingang. Ohnemann blieb stumm.\nBlaffke wurde gedankenvoll und ging zur Polizei.\nMan öffnete. Am' Fensterriegel des! Schlafzimmers\nhing Ohnemanns Leiche. Im Bett zur rechten Hand\nregte sich1 etwas mit einer Schlafhaube. Das war\nPapchen, der Frau Ohnemanns (selig) Schlafhaube\num den Kopf gewickelt trug und ihr Hemd anhätte.\nAls Blaffke ihn von diesen ihm nicht anstehenden\nWäschestücken befreit hätte, rief der Papagei mit\neiner Energie, die gar nicht schlecht war: „Willi!\nWach auf! 's ist Zeit!\" Er sächselte so\nnatürlich, daßi alles in den April geführt wurde,\nzwischen Lachen und Weinen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.10", "titre_corps": "Von Erfolgen österreichischer Literatur", "titre_sommaire": "Von Erfolgen österreichischer Literatur", "signature_source": "J. 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Und es sind\nschon mehrere ihrer Werke ins! Dänische übertragen\nworden. Aber das spricht wohl nicht nur für deren\nWert, sondern gewiß auch1 für den Bildungsdrang\nder Dänen. Vor vierzig Jahren vermittelte ihnen\nJacobsen eine genaue Kenntnis' Darwins, indem er\ndiesen in ihre Sprache übertrug, heute lesen sie\nschon die Kriminalromane der Auguste Groner.\nWelch eine Ehre für die österreichische\nLiteratur. Und die Hoffnung steigt, daß sie,\ngleich dem österreichischen Kellner und Schneider,\nin aller Welt zu großer Popularität gelangen wird;\nhat doch die amerikanische Schriftstellerin Grace\nIsabel Colbron in einem' jüngst in der Newyorkeii\nZeitschrift „The Bookman\" erschienenen Artikel\n„Der Kriminalroman in Deutschland\" der Groner\nden ersten Platz angewiesen. Mehr noch, die New-\nYorker Verleger Duffield and Cie., angeregt durch!\ndiesen Artikel, haben den Entschluß gefaßt, einen\nBand Gronerscher Kriminalromane unter dem Titel\n„Joe Müller, Detektive\" herauszugeben. Darüber\ngroße Freude im Lager all der guten Deutsch-\nOesterreicher, die in gewissen Produkten der\nschwarzgelben Literatur die nationale Eigenart und\ndas Delikate eines! Rahmstrudels oder eines Wiener\nRostbratens wieder erkennen. Namentlich ein Pro-\nfessor Kopallik, dem! gewiß) keine Zeile der Eschen-\nbach fremd ist, und der voll der Erwartung wäre,\ndaß mit Bartsch1 der österreichischen Literatur eine\nRegeneration werde, wenn sie eine solche notwendig\nhätte, begrüßt in einer Wiener Illustrierten Zeitung\nmit tiefer Genugtuung den amerikanischen Er-\nfolg. Er wünscht jedoch auch, daß' es! in Oester-\nreich zu einer patriotischen Aufgabe werde (ge-\nwohnheitsmäßig spricht er von Aufgaben) die\nausländischen Verleger und berufsmäßigen\nUebersetzer auf die heimatlichen Schriftsteller\naufmerksam zu machen. Diese hinwiider sollen im\nWege der erzählenden Kunst Orientierung ver-\nbreiten, Aufklärung schaffen, Liebe zu ihrem Lande\nwecken. Es soll jmit der Verbreitung der öster-\nreichischen Literatur im Auslande zugleich der so\nverbreiteten betrübenden Unkenntnis über die geo-\ngraphische Lage der Donauimonarchie, wie auch\nder Unterschätzung seiner hohen Kultur der Boden\nabgegraben werden. Der Herr Professor findet\nes beklagenswert, daß Oesterreich in den trans-\natlantischen Staaten vielfach als! eine Provinz;\nDeutschlands oder als entlegener Balkanstaat gilt.\n— Dieser falsche Begriff von der geographi-\nschen Mission der Donaumonarchie bestätigt\naber die Tatsache, daßi ihre Kultur zum\ngrößten Teil ein Zerrbild ist — unver-\nbrauchter germanischer Schwächen und ent-\nmannter orientalischer Kräfte. Davon wird man\nnur wenige Jd k. Professoren überzeugen können.\nGanz gewiß nicht Professor Kopallik, dessen hohe\nMeinung von einer österreichischen Schriftstellerin\nihren Gegenpol in der allerhöchsten Auszeichnung\nfindet, die auch ihrem zwanzigsten Roman zuteil\nwurde, seiner Einreihung in die Familien-Fidei-\nkommißb iblio thek.\nMan mußt gar nicht die Spürnase eines\nDetektives besitzen, um unter den Büchern der zeit-\ngenössischen österreichischen Literatur eins heraus-\nfinden zu können, das man einem Deutschen von\nGeschmack zum Lesen empfehlen kann, man darf\nsogar mit ruhigem Gewissen die Uebersetzung in\ndiverse fremde Sprachen propagieren.\nSo segelt unter der trügenden Vignette „öster-\nreichische Literatur\" die Massenware einer Unter-\nhaltungsschriftstellerin nach Amerika, begleitet von\nden Segenswünschen eines literaturanalphäbeten\nProfessors.\nBerlin und Wien liegen nur so weit auseinander,\ndaß jemand, der in Wien am frühen Morgen in\nseinem Leibblatt den Bericht über eine lumpige\nBerliner Premiere liest, am Abend des: gleichen!\nTages noch rechtzeitig genug nach Berlin kommen\nkann, um ihr auch beiwohnen zu können.\nAber während nahezu ein Jahrzehnt notwendig\nwar, daß yon Wien nach Berlin der Name Karl\nKraus dringe, eines! Mannes, der in einem Heft\nseiner Zeitschrift mehr Geist und Witz ver-\nschwendet, als! die gesamten österreichischen Roda-\ntionsliteraten abzusondern imstande sind, genügte\neine gar nidhlt viel längere Zeit, um den Yankees\nKunde zu bringen yon Joe Müller, Detektive, dem\nPhantom einer Auguste Groner."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.11", "titre_corps": "Der Fall Nissen", "titre_sommaire": "Der Fall Nissen", "signature_source": "Karl Vogt", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.6", "debut_caractere": 6806, "fin_caractere_exclue": 8466, "texte": "Der Fall Nissen\nKarl Vogt\nDie Erwiderungen, mit denen Herr Nissen die\nAnklagen meiner Broschüre zu beantworten glaubt,\nenthalten nichts weiter als1 seine beliebte Methode,\nsystematisch1 den Gegner durch nebensächliche Ein»\nwürfe zu verwirren, von den Hauptpunkten abzu-\nlenken und im übrigen dreist und gottesfürchtig\nabzuleugnen. Ich halte es deshalb überflüssig, midi\nin Polemiken über Einzelheiten einzulassen.\nHingegen: die Infinuation, idh! hätte die Bro-\nschüre auf Bestellung gegen Bezahlung geschrieben,\nerkläre ich für eine raffinierte Verleumdung,\ndie sich Herr Nissen glatt aus den Fingern gesogen'\nhat. Mit seiner bekannten Gewissenlosigkeit und\nLügenhaftigkeit sucht Herr Nisisen wieder einmal\nseinem Gegner die Ehre abzuschneiden, weil er\ndie eigene sonst nicht länger retten kann.\nIch1 habe für meine Broschüre Weder ext*\nHonorar oder etwas ähnliches' erhalten, noch' bin\nich an ihrem buchhändlerischen Erfolg pekuniär\ninteressiert. — Ich denke nun doch, daßi Herr\nNissen sich der gerichtlichen Klarstellung\nnicht länger entziehen klann.\nEinstweilen erklärt Herr Intendanzrat Ledner\nan die Zeitungen:\n„Ich beziehe mich auf die seinerzeit in der Nummer\nIhres Blattes vom 12. Dezember 1905 veröffentlichte\nErklärung des Herrn Direktors Max Reinhardt, in der\nes heisst: . . Die Direktion des „Neuen Theaters\"\nkann Herrn Nissen den Vorwurf der bewussten Unwahr-\nheit nicht ersparen und hat den lebhaften Wunsch,\ndass Herr Nissen ihr Gelegenheit gibt, diesen Vor-\nwurf vor Gericht mit Dokumenten zu erhärten . .\nDiese fünf Jahre zurückliegende Erklärung Reinhardts\ngegen Nissen mache ich heute zu meiner eigenen.\nEmil Ledner.\"\nIch1 unterschreibe mit:"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.6", "debut_caractere": 8542, "fin_caractere_exclue": 9059, "texte": "'t \"*s>\n' '.V\n_ . ' \"!-.*>/•• , .-V.»1 ■'''\"->&%*»> ■'ft j. •*•\nKOSMIN\nv 4 < ? '<■ -■■ v ■ , , • •\n—*-■ '\ny.y-.\nV\nWenn bos von Hjnen Insider 9ebraud>te CDunbwaffer 5U\n€nde iff, fo empfetyten voir lljnen, an fceffen Stelle rinen\nVerfud) mil Kmmbilii 311 madden. Sie werfcen fh&en,\nfcafe Sie fciefes in gan3 befonfccrem (Dofee befriedtgt, fcenn\nKosmln bat Überaws erfrifd>en&en Woi>lgefdjroa«N,\nkonfervtert fcie 3ai?ne unfc fcraftigt bas 3aJ>»floifcl>.\n§lafd>e CDfc. 1.50, iange ausreid>cnb, CtberaU kaufKcl>\nh < < ■ bA"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.7", "debut_caractere": 180, "fin_caractere_exclue": 345, "texte": "ea| 10 IY°\n3£Rjcin9l0\n1 Au 5 JTEIL U^l&\nHB6EIVIESE\nKONSTLER\nDER\nBERLINER\n•SECERN\nIN \"DER\n6ALERIE\n/WXIMILIAN\n•/nACHT\nBERLIN.W50\nRANKE STr. 1\nw-\n1\n- « «\nA\n«es\nTAPPeRT'"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.7", "debut_caractere": 347, "fin_caractere_exclue": 978, "texte": "Privatbeamte und Ange=\nhorige der freien Berufe!\nSorget fiir Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Vertretung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und rechtlichen Interessen der Privat-Beamten gegrHndeten,\ndurch landesherrl. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nDBBTSCIEN PII?iT-BEiHTEH-(EIEID ZD MIGDEBOKG\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Wltwenkasse, Waisen-\nka sse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohlfabrtseinrichtungen\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M.:: Man verl. 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Rechnen Sie\nsich aus, was Sie Im Jahre fur den Bedarf an Gluhkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHarfalin-Gliihkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusammen-\ndrucken kfinnen, ohne daß der Korper darunter ieidet. Kartalin-Giuhkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Oasersparnis von\n50 %. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200900 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesenaung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Rg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. und Techn. Nenßieiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c022", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.7", "debut_caractere": 2456, "fin_caractere_exclue": 2728, "texte": "Der schonste Pnnkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. 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Aach gegen MSbelbeleihung. Kanst-Gegenst&nden,\nohne abzaholen. — Offizicren, KavalTeren, Beamten Geld in jeder Hohc. —\nBeschaffung von Hypotheken auf berliner and answfirtige Grundstficke. — Kaaf\nund Beleihungvon Hypotheken, Erbschaften, Sparkassenbuchern, Lombardscheinen.\nMietzessionen. — Schnelle, grundreelle, diikrete Erledigung. : :—: :\nWILHELM MEYER « Bank - Kommission\nBERLIN S 14 Stallschreiberstrasse 56 II\nSprecbzeit 10—12 and 4—7 s-s Fernsprechers Amt IV 6785"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.7", "debut_caractere": 3321, "fin_caractere_exclue": 3544, "texte": "FORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteranenstrasse 19 Telephon Amt 111, 8164\nDETECTIVABTEILUNO: Ermittelungen, Beobachtungen,\nHeranschaffung von Material In Civil- und Strafsaehen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.7", "debut_caractere": 3546, "fin_caractere_exclue": 3653, "texte": "===== Reserviert =====\nfur die Firma\nGeorg Schmidt & Co.\nMetallwarenfabrik\nBERLIN S. 42, Brandenburgstr. 11"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-21-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-21_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-07-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "170", "page_fin": "170", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.8", "debut_caractere": 166, "fin_caractere_exclue": 409, "texte": "Fritz Gnrlitt I Hofknnsthandlnng I Berlin W\nPotsdamerstrasse 113 Villa II\nSI\n□\nAusstellung von deutschen Meisterwerken:\ngocRIin ° hieibl ° Tffotna 5 Isiebermann ° Tpiibiiei? 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Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad4 Kupferberg &C°\nHoflieferanten MAINZ Gegriindet 185J\n1 Ueber Bedeatang ><sti99 gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschlufi."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: 10 Pfennig\n£SW SA BHH juglyß HHH 9HHE B |HBjR «MB» HiSR MBBpBK\nAB . <rinYgj HR vESSBBk\nJHT 9H iflH gH |H 9 bb& Jy BH M VH lIA\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: Berlin W 35, Potsdamerstr. llf/ Amt VI 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark Halbjahresbezug 2,50 Mark/\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 21. JULI 1910/ WIEN\nNUMMER 21\n\nZeichnung von Oskar\nKokoschka zu dem\nDrama:\nMörder, Koffunng\nder frauen\n\nINHALT:\nHEINRICH REBENSBURG: Gottesfurcht —\nKönigstreue / OTTO SOYKA: Der farblose Krieg /\nPAUL SCHEERBART: Nackte Kultur / RU )OLF\nKURTZ: Das Nilpferd / ELSE LASKER-SCHÜLER:\nOskar Kokoschka / ALFRED DÖBLIN: Gespräche\nmit Kalypso über die Musik / J. A.: Von Erfolgen\nösterreichischer Literatur / KARL VOGT: Der Fall\nNissen / MYNONA: Zur Tötlichkeit des Sächseins /\nOSKAR KOKOSCHKA: Zeichnung / Karikatur:\nSudermann\n\nGottesfurcht und Königstreue\nExcellenz August Lentze\nVon Heinrich Rebensburg\n„Wir alle, die wir hier versammelt sind, die Ver-\ntreter der Stadt wie der Regierung, bringen Ihnen ein\nhohes Mass herzlichen Vertrauens entgegen, gegründet\nauf die Erkundigungen, die wir über Ihre bisherige\nDienstführung haben einziehen können. Wir alle geben\nuns der Hoffnung hin, dass sie der berufene Mann\nsein werden, die Geschicke dieser fröhlich aufblühenden\nStadt zu leiten.\" —\nAlso sprach Kreuzwendedich von Rhe in-\nbab e n, Regierungspräsident zu Düsseldorf, als\ner am 14. Februar 1899 den Oberbürgermeister\nAugust Lentze in Barmen in sein Amt einführte.\n„Unter wenigen Berufenen ist die Wahl schliess-\nlich auf Sie gefallen, Herr Oberbürgermeister, und\nzwar einstimmig. — Das beste Zeichen und die beste\nGewähr für — wie wir hoffen — ein gedeihliches und\neinmütiges Znsammenwirken zwischen Ihnen und den\nstädtischen Vertretern.\"\nAugust Lentze brachte eine glänzende Ver-\nsetzungszensur (mit, und war von vornherein be-\nstrebt, auch diese Klasse, die ihn dem Reifezeugnis\nfür Berlin um den entscheidenden Schritt näher-\nbringen sollte, tnit Erfolg zu absolvieren. Seine\nLaufbahn begann im schönsten Teil Deutschlands,\nwo die Landesv&ter noch dicht gesät sind und!\nWo es ihm bei seinem Talent für staatserhaltende!\nPathetik nicht schwer geworden war, „nach1 oben\nhin\" bedeutsam aufzufallen. Jetzt aber war deü\nReuße ein Preuße geworden, der neue Gehrock ver-\nmochte Kaum die teutsche Männerbrust zu um-\nspannen, die im starken Gefühl ihrer großen Zu-\nkunft imlächtig anschWoll.\nNun kam die Reihe an August Lentze; be-\ndeutend tat er den Mund auf und redete gewaltig\nund {viel. Unter der gequaderten Stirn schmet-\nterten martialische Blicke hervor, aus! dem derbj\ngehauenen Gesicht reckte sich in breitem Reliel\nseine wuchtige Nase, drunter zuckte ein Schnauz-\nbart, wie ihn Kein Garde feldweb el zorniget dar-\nstellen kiann — und gegen den klappte sein Unter-\nkiefer, auf den das kräftigste Nürnberger Nußi-\nknackmandl mit Neid gesdxielt hätte — so stand\ner da und redete, stämmig und solide, wie nur"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.2", "texte": "ein Westfale aus Soest! Pompös wie ein Erzbild\nfür Berlin! Ganz — Staatserhaltung, jeder Zoll\nBürgermeisterstolz vor Stadtverordneten! — —\n„Und wenn ich nun, meine verehrten Herren, hier-\nmit mein neues Amt übernehme, so geschieht dieses\nmit dem Wunsche, dass der allmächtige Gott mir die\nKraft und Einsicht schenken möge, dass ich es richtig\nverwalte. Alles, was in meinen schwachen Kräften\nsteht' soll geschehen, damit, wenn ich dermaleinst von\ndiesem Posten abtreten muss, man auch von mir sagen\nkann, dass meine Amtsführung von Segen und Nutzen\nfür die Stadt Barmen gewesen ist. Das walte Gott!\"\nKreuzwendedich staunte. Dieser Mann griff\nsogar ihm ans Herz. Liebe auf den ersten Blidk,\nLiebe über das Grab hinaus! — Gewiß, jeder Re-\ngierungsassessor, der seine Ideale nicht in bürger-\nliche Horizonte eindämmt, sondern den Höhen der\nMenschheit ianpaßt, muß sich beizeiten mit dem\nlieben Gott gut stellen und bei illustren Gelegen-\nheiten dies gute Einvernehmen tunlidrst paradieren\nlassen, aber Leute, die solche Worte mit ihrer\nFigur so ausfüllen können, wie August Lentze,\nsind immer seltener geworden im Lande Preußen.\nKreuzwendedidh notierte ihn, mit drei Kreuzen.\nFür Berlin . . . irgendwie . . .\nDen guten • Barmern schlug das! Herz, die\nStadträteaugen wurden naß: Das war ein Mann!\nMit ihm vereint konnten sie getrost das kommende\nJahrhundert in die Schranken fordern. — Wie in\nden meisten alten Wuppertaler Fabriken, hatte\nirian's auch in der Stadtverwaltung bisher gut\npatriarchalisch gehalten. Der selige Herr Amts-\nvorgänger saß zwanzig Jahre lang auf dein1 Bürger-\nmeisterthron, und nur der Tod konnte ihn Ver-\ndrängen. Am hundertsten Geburtstag Kaiser Wil-\nhelms des1 Ersten war der Grundstein der Barmer\nRuhmeshalle gelegt worden; der alte totkranke\nOberbürgermeister konnte das! prächtige Fest nicht\nmitfeiern, da zog der mitwirkende Sängerchor, über\nfünfhundert Männer — in Barmen kommt auf je\ntausend Einwohner ein Musii'kverein — voml Fest-\nplatz vor die Amtswohnung des Stadtoberhaupts\nund sang: Die Himmel rühmen des! Ewigen Ehre!\nDankend grüßte er am Fenster — und tausend\nAugen draußen wurden feucht. — So hatte man\nmit dem Stadtherrscher gestanden — und so ge-\ndachte man's auch mit dem neuen Herrn zu halten.\nDen guten Barmern schlug das' Herz: der Mann\nda fand Worte, wie sie ins! Wuppertal paßten, in\ndas gelobte Land der didhtgefüllten Fabriken und\nder dichtgefüllten Kirchen, in die Metropole des\n\"deutschen Protestantisinus. — „Wenn ich dermal-\neinst von diesem Posten abtreten fnußi . . —\nNun ja, wir sind Gäste nur auf Erden, und unser\nLeben stehet in Gottes' Hand: Hunderttausend\nfromme Barmer beteten brünstig lieh, daßi der himm-\nlische Herrscher über Leben und Tod diesen herr-\nlichen Mann ihnen nicht so bald wie den Vorgänger\nentreißen und zu seinen Vätern versammeln möge.\nAugust Lentze aber hatte es' anders beschlos-\nsen. Er wollte mit diesem Satz die guten Barmer\nwarnen, ihnen auf gut irdisch andeuten, daßi wir\nhienieden keine bleibende Statt haben, sondern\nimmer eine zukünftige suchen. — Was galt ihm\nBarmen? Ein gutes Versetzungszeugnis!! Darnach1\nging sein Streben.\nUnd ein geradezu unglaubliches Glück half ihm'.\nUeber unzähligen Projekten und angefangenen Ar-\nbeiten war sein Vorgänger gestorben. August\nLentze führte sie aus oder zu Ende — und überall\nerntete er den Ruhm und eine gute Note.\nDie begonnene Wupperregulierung und die Kanali-\nsierung der Stadt brachte er zum! Abschluß, und\ndie große Barmer Talsperre konnte er einweihen.\nDer Barmer Teil der berühmten Schwebebahn wurde\nVon ihm eröffnet. Rechtzeitig brannte das Barmer\nStadttheater ab, und August Lentze ermöglichte esi\ndurch städtische Geldhille einer Aktiengesellschaft\nÖen stattlichen Neubau zu errichten. 1900\n£nthüllte er vor dem alten Rathaus ein übles! Bis-\nImarckdenkmal. 1903 wurde auf eifriges Betreiben\neiniger Wuppertaler Finanzleute und des damaligen\nBarmer Gymnasialoberlehrers Bamler, des jetzt\nrühmlich bekannten Aeronauten, der Nieder-\nrheinische Verein für Luftschiffahrt in Barmen ge-\ngründet und August Lentze zum1 eisten Vorsitzenden\nerwählt. Immer glänzte er, und meistens waren\nhohe Herren aus Düsseldorf, Coblenz oder gar\nBerlin zugegen. — Nach dem! Tode des Elberfelder\nfelder Bürgermeisters Jaeger tauchte der Plan auf,\ndie beiden großen Industriestädte unter einem1 Ober-\nhaupte zu vereinigen. Es wurde zwar nichts' draus,\naber August Lentze war während der Verhand-\nLungen sehr sympathisch aufgefallen und in Berlin\nbedeutsam' ventiliert worden.\nDann kam sein Patron Kreuzwendedich mit\nden wohlgesinnten Notizen nadh Berlin und er-\nzählte dem Kaiser von August Lentze und seiner\npatriotischen Figur. Doch schon schrieb August\nLentze selbst einen markigen Untertanenbrief, und\nMajestät möchten allergnädigst nach Bremen kom-\nmen und höchstselbst die Ruhmeshälle einweihen.\nDer Kaiser beschloß, diesen herrlichen Mann sich\nselbst einmal anzuschauen, und fuhr im Oktober\n1900 nach1 Barmen. Mit Weib und Kind, und Mann\nund Roß und Wagen. Daß den guten 'Barmern\nHören und Sehen verging! Nur August Lentze\nfand Worte — und was für Worte:\n„Möge die Ruhmeshalle stets nur hinabschauen\nauf ein der Väter und des deutschen Namens würdiges\nGeschlecht, möge sie jedem sie aufsuchenden bedrängten\nund verzagten patriotischen Herzen neuen Mut und\nneue Kraft einflössen uud möge sie sein für alle Zeiten\nder Ausgangspunkt für Bildung und Kunst, für Vater-\nlandsliebe und Königstreue in unserer Stadt! Wenn\ndas eintritt, was Gott der Herr in Gnaden fügen möge,\ndann ist die Ruhmeshalle in Wahrheit ein Kaiser-\ndenkmal im edelsten Sinne des Wortes.\"\nAugust Lentze geleitete die Majestäten in die\nRuhmeshälle und bot dem Kaiser den Ehrentrunk\n— — und schloß mit den Worten:\n„Mit diesem Gelöbnis biete ich untertänigst Euer\nMajestät den Ehrentrunk der Stadt Barmen dar und\nbitte ihn in Gnaden anzunehmen.\"\nDer Kaiser hob den Goldpokal voll edelster\nLiebfrauenmilch an die Lippen, aber zu trinken ver-\n•m'oehte er nicht: er sah nur August Lentze! —\nDieser Mann fand Worte, deren jedes' wie eine Säute\nfür Thron und Altar dastand, er hätte die rechte\nArt, vor Untertanen mit seinem König zu reden,\ner verstand die Feste zu feiern wie sie fielen, und\nKönige königlich zu empifangen. — —\nDoch die Ruhmeshalle hatte noch' einen dunklen\nPunkt. Im Hauptraum standen unter schaurig-\nbuntem Oberlicht zwei fahle Marmormänner, aber\nder dritte Platz war nodh leer: August Lentze wagte\ndie große Bitte an seinen gnädig geneigten Herr-\nscher — und erhielt die allerhöchste Genehmigung,\nan dieser Stelle das1 erste Standbild Wilhelms des\nZweiten, das je in deutschen Landen gesehen ward,\nzu errichten.\nAugust Lentze hätte den Rekord der Gottes-\nfurcht und Königstreue geschlagen. Kreuzwende-\ndich behielt Recht, und der Kaiser gelobte Siich1,\ndiesen Mann nidh't zu vergessen. — Zehn Minuten\nwaren im Programm für den Aufenthalt des Kaisers\nin der Ruhmeshälle Vorgesiehen — und über eine\nStunde dauerte er. Endlich rißi er sidi mit un-\ngemein herzlichen Abschiedsworten von August\nLentze los. — Und nadh anderthalb Jahren katn1\nder Marmorkaiser von Begas1, und die Stadt durfte\nihn teuer bezahlen, und August Lentze weihte ahn\nmit erhebenden Worten.\nIndes — Barmen ist recht weit von Berlin\nentfernt. Das fühlte August Lentze, als die patrioti-\nschen Feste in Bartnen spärlicher wurden und\nallmählich auch die restierenden Einweihungen und\nEröffnungen vollzogen waren. Sehr gelegen kam'\nda der Ruf nach Magdeburg. — „Magdeburg\" —\nsagte sich August Lentze — „das! ist dreiviertel des\nWegs nach Berlin\" — und er hätte richtig ge-\nrechnet.\nDen guten Barmern aber war's ein härter\nSchlag. Sie konnten ja nidht wissen, was alles\nAugust Lentze deinem! Ehrgeiz sdh'uldete; sie emp-\nfanden's nicht nur alis Kontraktbruch, nein, als Un-\ntreue des Vaters gegen seine unmündigen Kinder.\nSintemalen jedoch män sich freiwillig nicht gern\nin die Nesseln setzt und klugerweise einen Mann\nnicht wegtadelt, der in hohen und allerhöchsten\nNotizMchern Vorgemerkt ist, sb erhielt darum\nAugust Lentze eine Versetzungszensur, wie sie\nglänzender und schöner stilisiert nicht hätte aus-\nfallen können:\n„Ihre ungewöhnliche Sachkenntnis, Ihre klare\nUnparteilichkeit in der Führung sämtlicher Geschäfte,\nbesonders auch in der Stadtverordnetenversammlung,\nwie in den Kommissionen, Ihre Durchdringung des\ngesamten Gebietes der städtischen Verwaltung war\neine so ungewöhnliche, wie wir es nicht gehofft und\nnicht geahnt hatten, dass es in einer Persönlichkeit\nVereinigt sein könne.\"\nSo schied August Lentze von der Wiege seiner\neinstigen Größe, von der guten Stadt Barmen, die\nes unter seiner nur siebenjährigen, aber tatkräftigen\nund segensreichen Regierung auf 160 000 Ein-\nwohner und 160 Prozent Komtainalsteuern gebracht\nhätte.\nIn Magdeburg war's nicht ganz so lustig wie\nin Barmen. Aber es ging doch1 schneller als August\nLentze gehofft hätte, denn Kreuzwendedich hätte\nihn nicht vergessen. Erst im' Herrenhaus das\nReferat zum Etat, dann winkte Düsseldorf — —\noder gar sogleich ein Gehilfenpositen Jim1 Ressort\nund zu den Füßen des Meisters: Kreuzwendedich'\nsorgte treu!\nDa kracht vor ein paar Wochen der große\nEklat! Kreuzwendidich fällt — und im Sinken stam-\nmelt er — August Lentzes Namen! Der Minister-\nhenker stutzt, glaubt nicht richtig verstanden zu\nHaben: Geheimrat von Lentze? — Nein — August\nLentze! — — Da erinnert sich Majestät der No-\ntizen von 1900 — — und meuchlings ist die\nExzellenz kreiert.\nExzellenz August Lentze ist am' Ziel. — Die\nBarmer haben nicht schlecht gestaunt! Hof prediger\nhaben sie massenhaft nach Berlin geliefert, Minister\nnoch nicht. Nur schade, daß eine so windige Kon-\nstellation ihn hochgehoben hat. Exzellenz August\nLentze weiß hoffentlich, daß ein verabschiedeter\npreußischer Minister den Rekord an Ueberwunden-\nheit schlägt — und Wenn er auch Vorher den Rekord\nan Gottesfurcht und Königstreue geschlagen hat.\n\nDer farblose Krieg\nVon Otto Soyka\nDer Apparat des modernen Krieges ist das\nWerk der seltensten Vollkommenheit. Die Technik\ndes Zerstörens ist der des Schaffens voraus-\ngeeilt, die Summe von Geist und Arbeit, die in\nOrganisation und Ausrüstung der Wehrmacht zum\nAusdruck kommt, hat kaum ihresgleichen im Be-\nreiche der Kultur. Besäße die Institution keinen\npraktischen Wert, als vollendetes Produkt mensch-\nlichen Verstandes allein müßte man ihr Daseins-\nberechtigung zusprechen. Gerade diese kunst-\nvollste und befriedigendste Schöpfung des Geistes\nfindet niemanden bereit, sie objektiv zu würdigen,\nund jedes Urteil, das laut wird, ist von irgend einem1\nZweckstandpunkt aus gesprochen. Nur hier, wo\nFurcht und Argwohn dem Geiste keine Ruhepausen\ngönnten, und wo der Haßi sein Ansporn war, konnte\nein so wundervolles Kompositum von Mensch und\nTechnik entstehen, das alle natürlichen Unzuläng-\nlichkeiten der Rasse zielbewußt zu korrigieren\nscheint. Die Entwicklung der Kriegstechnik ge-\nstattet unter anderem' einen interessanten Schluß'\nauf die Fähigkeit des Menschen, zu hassen. Jene\nGeschöpfe, die dem Haß, am fernsten stehen, sind\nzweifellos dieselben, bei denen sich jeder Keim\nvon Wut und Feindschaft sofort in Klauenhiebe und\nBisse umsetzen darf. Tiger und Schlangen sind\ngewiß die gutartigsten Wesen, deren Inneres nichts!\nvon Feindschaft weiß. Den Haß kennt die Taube\nam besten. Kruppsche Kanonen und Stahlmantel-\ngeschosse konnten nur von einer hochentwickelten\nTaubenart erfunden werden.\nBei der Verbesserung aller zum1 Kampf dienen-\nden Mittel ist heute nur eine Stelle, die der Fort-\nschritt nicht berührte. Alles, Waffen, Kleidung,\nVorschriften, wurde geändert, ist verstandesmäßiger,\nzweckdienlicher geworden. Nur eines blieb. Das\nsind die altehrwürdigen Kriegs1- und Schlacht-\ngefühle, die seelischen Monturstücke, die nun ein-\nmal zur Ausrüstung des Mannes: zu gehören schei-\nnen. Da muß stets1 eine gewaltige Ration von\nBegeisterung vorhanden stein, eine ansehnliche\nMenge von rührenden Gefühlen und schönen Ueber-\nzeugungen, die alle als unantastbar gelten wollen.\nDer moderne Krieger schleppt noch immer den\nGlauben im Tornister mit, für die bessere Sache\nzu kämpfen, Haus und Herd, Weib und Kind zu\nverteidigen, für Symbole aller Art zu streiten. Ja,\ner trägt so viele Ahnen, daßi fast die Gefahr vor-\nhanden ist, er könnte das! Tragen der Waffen ver-\nnachlässigen. Und allgemein herrscht der Aber-\nglaube, daß dieser eiserne Vorrat von Gefühlen\neben mitgeführt werden muß, um die Kampfes-\ntüchtigkeit 201 nähren. Das ist ein Irrtum. Dringend\nwürde sich schon heute eine zeitgemäßere, prak-\ntischere Kriegsausrüstung für die Gemüter emp-\nfehlen; die noch geltende ist für Säbel und Lanze,\nfür Bailiste und Sturmbock komponiert. Sie paßt\nnicht mehr zum Infanteriegewehr und zur Feld-\nkanone M. 5. Was hat die Begeisterung irn mo-\ndernen Krieg zu suchen ? Als1 das Kriegführen noch"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.3", "texte": "im Dreinschlagen bestand, hätte sie ihren Zweck.\nBegeisterte Hiebe waren stärkere Hiebe, die\nWärme der Begeisterung setzte sich in Arbeit um,\nwar nach Kilogrammetern zu messen. Sie bedeu-\ntete ein Mehr an Kraft für die Armee, und zwar\neiner Kraft, deren Herstellung im Vergleich zu der\naus Fleischkost und Konserven erheblich billiger\nzu stehen kam. Aber heute? Soll der Mann mit\nBegeisterung zielen, mit Begeisterung den Hahn\ndrücken, begeistert jede Deckung benützen? Das\nwäre verfehlt, und würde die erwünschten Treff-\nresultate bedeutend vermindern. Und das1 eben ist\ndie Lehre der Zeit für den bürgerlichen Beruf und\nfür jede erfolgreiche Tätigkeit gewesen: Ruhe,\nSachlichkeit, Pflichtgefühl. Kein Rausch, kein Zu-\nviel an Wollen und Versuchen, verspricht Erfolg.\nDie Zeiten des Affektes sind vorüber, und ernste\nArbeit wird nüchtern geleistet. Es ist ein schwerer\nFehler, der Kriegsarbeit eine Ausnahmestellung an-\nzuweisen. Auf die Errungenschaften von Nüch-\nternheit und Pflichtbewußtsein bei der Erziehung\ndes Soldaten zeitweise zu verzichten und den tra-\nditionellen Rauschzustand anzustreben. Auch der\n[Beruf des Krieges erfordert heute jenen ganzen\nMann, der seine Gedanken nur auf ihn, nicht aber\nauf ideale Dinge richtet. Mögen diese nun an sich\nvorhanden und sehr wertvoll sein oder nicht. Das\nbürgerliche Leben lehrt die Erfüllung von Pflich-\nten. Die großen Leistungen unserer Zeit haben\nihren Ursprung fernab von allen Symbolen und\naller Begeisterung in der Pflicht. Es! ist Unsinn,\nfür den Krieg ein Gedankenreich zu schaffen, wo\ndie Pflichten an zweiter Stelle, und aller mögliche,\nehrwürdige Hausrat an erster steht. In jener ist\nder heute lebende Mensch zu Hause, hier hat er\ngelernt, seinen Mann zu stellen, und er wird ihn\nnur dann im Kriege stellen, wenn er merkt, daß\ner nicht plötzlich in fremden Regionen lebt, son-\ndern es mit nichts1 anderem zu tun hat, als mit\nder alten, wohlbekannten Pflicht. Soll gerade die\nArmee für das Zuviel an Nüchternheit in allen\nanderen Lebenskreisen schadlos halten ? Ueberall\nsonst: Zahlen, hier allein Gefühl. Mit einem\n$chlage steht man in einer anderen Zeit. Die\npoetische Einkleidung und der ganze Rausch, sie\nbergen die große Gefahr eines Mißverständnisses\nin sich, das folgenschwer werden kann. Sie könnten\nleicht zu der Annahme verleiten, es genüge die\nParadegefühle mit sich zu führen; jene andere\ngeistige Montur aber, die sonst im' Lebenskampf\ngetragen wird, sei nicht für den Krieg erforderlich.\nNichts ist bedenklicher, als dem Soldaten die\nSituation als fremdartig und ungewöhnlich darzu-\nstellen, den Krieg als1 einen Ausnahmezustand, der\nneue und unerhörte Anforderungen an ihn stellt.\nKrieg und Frieden dürften nicht als Gegensätze\nerscheinen, denn sie haben das Gemeinsame der\nArbeit. Es ist höchst unnötig, ihn außer mit\nMusik noch1 mit Hochgefühl marschieren zu lassen.\nWeit wichtiger wäre es, ihhil zu Bewußtsein zu\nbringen, daß der Kampf und die Selbstverteidigung\nkeine Steuer sind, die ihfri eine Regierung auf-\nerlegte, daß diese Steuer von alters! her auf jedefri1\nlebenden Wesen lastet, und die Form1, in der sie\nheute entrichtet werden kann (Einschränkung auf\ndie körperlich geeigneten Personen und bei diesen\nauf eine bestimmte Anzahl von Jahren) bereits eine\nder wertvollsten Errungenschaften des Staates, eine\nder wichtigsten Entlastungen für seine Angehörigen\nbedeutet.\nMan bemüht sich seltsamerweise einer Armee\nGutes nachzusagen, indem man ihre Gefühle lobt;\nman vergißt dabei häufig genug ihren eigentlichen\nWert: die Arbeitsleistung, die von ihr repräsentiert\nwird. Jahrzehntelang hat diese Organisation die\nArbeitsleistung von Hunderttausenden in sich auf-\ngenommen; und ein Teil von diesen, der an In-\ntelligenz und Arbeitsfähigkeit kaum einer anderen\nGesellschaftsklasse nachsteht, hat die Leistung des\nganzen Lebens in ihr niedergelegt. Diese ganze\nSumme einer ernsten Arbeit der Jahrzehnte ist in\nder Organisation der Soldaten aufgespeichert. Wie\nkann es dazu kommen, daß man übersieht und\nRauschzustände gegeneinander abzuwägen und nicht\nArbeitswerte?\nEine solche fclndlidie Verkennung von Arbeits-\nwert und der Arbeitskraft wird eicht diese Zeit\nnirgends zuschulden kommen lassen, Wo ihr die\nArbeit in minder buntem Gewände entgegentritt.\nDenn diese Verfcennung schließt ein gerade heute\nbrnpieilosee für Arfjeit In Bidi Es\nist die Folge des Fehlers, daß man den Krieg und\nalles mit ihm zusammenhängende nicht im Lichte\nder Gegenwart sieht, sondern in einem mystischen\nDunkel vergangener Zeit, und daß man, zögernd\nauch auf ihn die Lehren und das Wissen unserer\nZeit zu erstrecken, mit veralteten Maßstäben an\nseine Beurteilung herangeht. Man mag die Ver-\ngangenheit ungern schwinden sehen, mag die bis-\nherige Auffassung des Kriegswesens als letzten\nRest schönerer Zeiten bewundern, in denen die Er-\neignisse mehr Glanz und Farbe hatten. Wer heute\nden Erfolg will, wird auch die Gesetze dieses Heute\nstudieren müssen. Die Bilderbogen des! Krieges\nhaben sich stark verändert, seitdem1 in Europa die\nletzten Schlachten geschlagen wurden. Es wäre an\nder Zeit, auch an den psychologischen Bilderbogen,\ndie noch die alte Malerei tragen, die notwendigen\nKorrekturen vorzunehmen.\n\nNackte Kultur\nSchwarzer Spass\nVon Paul Scheerbart\nSchwipp! Da flogen die schwarzen Zylinder,\ndie weißen B,äffdien, die Trikots und Chemisettes,\ndie Frackschöße und die Aermelröcke, die Strümpfe,\nKrinolinen und all die andern Höllenhüllen auf die\ngroßen Scheiterhaufen rauf.\nDie Flammen loderten majestätisch1 zum afrika-\nnischen Himmel empor, und die schwarzen Herren\nund Damen aus Afrika umtanzten die fordernden\nFlammen wie die Besessenen.\nNackt waren die schwarzen Menschen —\nsplitternackt.\nZehn Volksredner aus Europa hatten es fertig-\ngebracht, ganz Afrika zu revolutionieren.\n„Schwarze Menschen\"! hatten die Volksredner\ngesagt, „Ihr müßt eine neue Kultur begründen.\nLaßt Euch yon den Europäern nichts weiß machen.\nDie Europäer sind !mit ihrer unnatürlichen Kultur\nsehr unzufrieden, da die vielen Kleidungsstücke den\nganzen Menschen beengen. Werdet wieder nackt,\nwie ihr einstmals wäret — und Ihr werdet plötzlich\nan der Spitze einer neuen Kultur stehen — an der\nSpitze der packten Kultur — der „natürlichen\"\nKultur — die dem Menschen gestattet, frei zu leben\n— frei von allem Plunder. Es lebe hoch der nackte\nMensch' mit der splitternackten Kultur! Hört Ihr\nschon was1 jiäher kommen? Hört Ihrs noch nicht?\nEs Sind die Maler und Bildhauer, die da kommen!\nSie eilen aus allen Erdteilen herbei und wollen sich'\nbei Euch1 niederlassen — da sie im nackten Menschen\ndas echte und wahre Kulturideal erblicken. DaS\nFleisch ist der große Trumpf der Natur — die\nKulturauster — also — hodh das schwarze\nMenschenfleisch! Hoch! Hoch!''\nUnd die Schwarzen entkleideten sich allesamt\n— und standen nun da in ihrer stolzen Nacktheit\nwie Adam und Eva im Paradiese.\nDie schWarzen Leute um tanzten mit ihren\nschwarzen Weibern die Scheiterhaufen, auf denen\nall die lächerlichen Bekleidungsgegenstände end-\ngültig verbrannten.\nUnd dann arrangierten die sämtlichen nackten\nVölker des heißen schwarzen Erdteils einen gran-\ndiosen' Küstenreigen mit Pechfackeln. Die Kinder\ntrugen die PeCk fackeln.\nDie Schwarzen faßten sich1 alle gegenseitig an\ndie Hände und bildeten so eine mächtige Riesen-\nkette — und die Riesenkette hatte die Form einer\nLandkarte von Afrika — denn diese Menschenkette\ndrückte auf die sämtlichen Meeresküsten des afri-\nkanischen Kontinents. Um die unzähligen Mohren-\nfüße plätscherte das Seewässer. Die Kinder )mit\nden Fackeln jauchzten. Also zeigte sich die neue\nKulturhorde den zurückgebliebenen Erdteilen in\nihrer stolzen Nacktheit.\nDie zehn Volksredner aus1 Europa standen ganz\nnackt in dem1 Aequatorsonnenschein und gratulierten\nsich händeschüttelnd, — dem! hagersten von den\nzehn Volksrednern War allerdings die neue Kultur\nnoch lange picht nackt genug: und sie beschlossen,\nin Europia Wundert Millionen Rasiermesser an-\nfertigen zu fasSfen — jalle Haare sollten rasiert\nwerden — sogar die Augenbrauen und die Wimpern,\nDie SdiWarzen aber tanzten auf den Meeres-\nküsten wie die Besessenen; sie drückten sich dabei\nimmer fester die Sichwarzen Hände; die schwarzen\nSeelen dampften.\nDas war ein Kettentanz!\nDas war ein Befreiungstanz!\nDas war das erste nackte Kulturfest mit\nflackernden Pechfackeln und bewegten Beinen.\nAlle Mannsleute und auch die Weibsleute waren\nganz aus dem1 Häuschen.\nAlle Künstler der Erde klatschten Beifall mit un-\ngeheurem1 Eifer.\nDurch1 den kolossalen Schall entstanden yaele\nGewitter mit Blitz und Donner.\nDie Rasiermesser kamen längsam näher — auf\nreichbeflaggten Regierungsdampfern.\nIn Timbuktu sollte den schwarzen Leuten das\nkunstgerechte gegenseitige Einseifen beigebracht\nwerden; das Rasieren Verstanden sie bereits ■—\nnur mit dem Einseifen wollte es1 immer noch nicht\nso recht gehen. Die Seifensieder freuten sich so\n— wie Künstler und Barbier.\n\nDas Nilpferd\nVon Rudolf Kurtz\nSie gehen in einer Herbstnacht durch den Tier-\ngarten. Die kahlen Bäume berühren Sie bei Ihren\ngeordneten erotischen Verhältnissen mit keinem\nSentiment. Sie gehen, um in dem seltsamen Witte-\nrungswechsel der Uebergangszeiten die Stoff-\nverbrennung in Ihrem Körper intensiver zu\nempfinden, sich auf einem einsamen Wege als\ndynamisches Wesen von höchster Bewegungsfähig-\nkeit zu Bewußtsein zu bringen. Die Windungen:\nIhres Gehirns füllt ein überhastiger Strom farbigster\nLyrik : Da unterbricht Sie ein irrer Schrei in Ihren\neinsamen Abenteuern. Ein krächzender, ver-\ndammter, ein tropischer Schrei erhitzt Sie: die\nnordische Sentimentalität ist aufgesogen von der\nheiteren Trockenheit südlicher Provinzen — noch1\neinmal dieser ferne, wilde Schrei, und Sie denken\nan Birubunga, wo Sie hätten Tiger jagen können,\neine wirre Fabelkette heftigster, erregendster Er-\nlebnisse, die mit beängstigender Schnelligkeit vor-\nübersausen, über das Blachfeld Ihrer imaginären,\naCh' so heroischen Abenteuer zucken die Schreie\nwilder Tiere, krächzt ein zusammengekauerter\nVogel, an Erinnerung an einen hohen, ganz hohen\nFlug. Sie sind im Zauber verwilderter Vegetationen,\ngefesselt von unbeschreiblichen Tiersagen — mit\neiner jähen Bewegung fliegt der Kopf aus dem'\nsorgsam emporgeschlagenen Kragen und Sie stehen\nin der frisch empfundenen Nachtluft, die Pfeife\nmit männlicher Energie zerbeißend, vor den\nberlinisch aufgefärbten Mauern des; Zoo. Ihre Er-\nlebnisse erwachen, sorgfältig distanziert von der\nphantastischsten Meerfahrt yon vorhin. Mit Zärt-\nlichkeit gedenken Sie der Lamas, die Sie im Sommer\nin Begleitung des guten Doktors: mit Zeitungen,\nBerliner Zeitungen fütterten, mit liebevoller Hingabe\ndas langsätne Zersdhroten des Papiers betrachtend.\nVoll unsagbarer Bewunderung erinnern Sie sich1 der\nElefanten, dieser unglaublichen Türme rührender\nTreue, ihrer gemessenen Würde und der. besorgten\nHaltung ihrer nervösen Ohren. Und wie beruhigt\nes, sie schreiten zu sehen, die federnde Beweglich-\nkeit dieser trägen Fleischmässen, den sicheren\nRhythmus der Muskelbewegungen zu empfinden\nund die Reizbarkeit des gewundenen\nRüssels. Mit einem innig empfundenen Ruck sind\nSie in dem1 abgeschmackten Hause, wo das un-\nglaublichste Wunder der Tierwelt sein magisches;\nDasein führt: das1 bewunderungswürdige Nilpferd.\nDenken Sie noch an die tiefe, fast religiöse Andacht,\nmit der wir vor diesem ungeheuren phantastischen\nWesen standen? Dieses dämonisch! gewordene\nHausschWein, von einem betrunkenen Fleischerhirn\nnach ejnemi mittelalterlichen Fabelbüch stilisiert.\nO, wie erbarmungswürdig erschien uns die Phantasie\neines europäischen Karikaturisten, der dieses Ge-\nschöpf zu zeichnen begehrte, und wir dachten an\neinen flinken und doch nicht würdelosen Japaner,\nder mit ein paar heftigen deutlichen Pinselstrichen\nden breiten Kopf mit der ungeheuren JUinie des\nKinns hinsetzte, diese erregend perfiden Augen und\nden monströsen JHautlappen der Oberlippe, in dem\neine ungeheure Kraft nervös spielt. Und dieser\nschWere, fettgeschwollene Körper — wie organisch,\nSelbstverständlich1 steht er zu diesem' Kopf, der\nwie ein faulender Baumstumpf Voll grüjilidi ver-\nkrusteter Borke aus dem Wasser ragt. — Wir\nhören es Schlürfen und niesen, sehen »eine tappen-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.4", "texte": "(Jen Schritte und ungestalten Bewegungen, empfin-\nden mit Grauen und Staunen das tiefe Loch, das\nSein Hineinwerfen in das Wasser reißt, ahnen die\n(ungebärdigen, überwältigend starfeen Bewegungen\nIm Wasser und denken an die acht Linien, mit denen\nfes der Japaner hinwarf — und bewundern nun,\nplötzlich erleuchtet, die zarte Organisation dieses\nKörpers, soviel verblüffender, fremder, unnatürlicher\nlals der Elefant. Aus einem ganz dumpfigen Grunde\nkhnen wir, daß es dieses Wunderliche ist, was\nUns ergreift: dieses Künstliche, verwulstet Unzweck-\nmäßige, während wir instinktiv wissen, daß diese\natemberaubende Formlosigkeit ein subtil organi-\nsiertes Netz von Nerven durchläuft, daß ein Willens-\n-Bm£>uls die vollendetste Zweckmäßigkeit in allen;\nTeilen herstellt. Und dann werfen wir noch einen\nBlicik auf das Nilpferd, wie es mit fast schwimmen-\nÖen Schritten über die Fliesen schleicht, sich mit\nfeiner unbeholfenen Wendung in das Wasser h inein -\ntwirft, und ein Niesen und Pfeifen hören läßt, das\nflie fabelhafte Kraft ahnen macht. O wie heiter und\nfröhlich erscheint neben diesem grauenhaften und\nUnerklärbaren Wesen der Löwe, welch angenehmer\nRepräsentant der menschenfreundlichen Tiere gegen\nÖjesen unbegreiflichen Feind. Wie öelbstverständ-\nKdi die Institution des Tigers, mit seinem durchaus\nmöglichen, mathematisch sicheren Exterieur. Wer\nHoch einen so behaglichen Hund hätte, wie diesen\n(aufgerechten weißen Schneemann, der natürlich ein\nEisbär ist Fühlen Sie sich nicht erregt und in einer\ngünstigen Disposition zu scherzen? Ah, Sie haben\nfetch aus dem Irrgarten Ihres Gehirns herausgedrängt\nUnd eilen, yon plötzlichem Frost und einer unwill-\nkommenen, unmotivierten Sehnsucht ergriffen, in\nBas Cafe K., wo Sie bei einem Grog von Arrak\nUnd fünf Stückchen Zucker, aufgesogen von einem\nBeta' menschlichen Organismus wundervoll ange-\npaßten Korbstuhl, Gelegenheit finden* Ihr kleines\nAbenteuer aufzuschreiben.\n\nOskar Kokoschka\nElse Lasker-Schüler\nWir schreiten sofort durch den großen in den\nWeinen Zeichensaal, einen Zwinger von Barinnen,\ntäppisch tänzelnde Weibskörper ans einem altger-\nImanischen Festzuge; Meth fließt unter ihren Fell-\nhäuten. Mein Begleiter flüchtet in den großen Saal\najurück, er ist ein Troubadour; die Herzogin Von\nIMontesqiou Rohian ist lauschender nach seinem\nHede als das Bärenweib auf plumpen Knollensohlen.\nDenn Treibhäuswunder sind Kokoschkas Prin-\nzessinnen, man kann ihre feinen Staub- und Raub-\nfäden zählen. Blutsaugende Pflanzlichkeiten alle\nSeine atmenden Schöpfungen; ihre erschütternde\nÄehnlichkeitswahrheit verschleiert ein Duft aus\nHöflichkeit gewonnen. Warum denke ich plötz-\nKch an Klimt? Er ist Botaniker, Kokoschka\nPflanzer. Wo Klimt pflückt, gräbt Kokoschka die\nSVurzel aus — wo Klimt den Menschen entfaltet,\ngedeiht eine Farm Geschöpfe auß Kokoschkas Far-\nben. Ich' schaudere Vor den rissig gewordenen\nSpitzen Fangzähnen dort im bläulichten Fleisch des\nGreisenmundes, aber auf dem Bilde der lachende\nItaliener zerrt gierig am Genußi des prangenden\nLebens. Kokoschka wie Klimt oder Klimt wie Ko-\nkoschka sehen und säen das Tier im Menschen\nlind ernten es nach ihrer Farbe. Liebesmüde läßt\ndie Dame den schmeichelnden Leib aus! grausamen\nTräumen zur Erde gleiten, immer wird sie Sanft\nlauf ihren rosenweißen Krallen fallen. Das1 Gerippe\nHer männlichen Hand gegenüber dem Frauenbilde\nIst ein zeitloses Blatt, seine gewaltige Blunte ist\ndes Dalai Lamas Haupt. Auch den Wiener be-\nkannten Architekten erkenne ich am1 Lauschen seiner\nbösen Gorillenpupillen und seiner stummen Affen-\ngeschwindigkeit wieder, ein Tanz ohne Musik. Mein\nBegleiter weist mit einer Troubadourgeste auf\nImeinen blonden Hamlet; in ironischer Kriegshaltung\nkämpft Herwarth Waiden gegen den kargen argen\nGeist. Auf allen Bildern Kokoschkas steht ein\nStrahl. Aus der Schwermutfärbe desj Bethlehem-\nhimmels reichen zwei Marienhände das Kind. Viele\nWolken und Sonnen und Welten nahen, Blau tritt\nlaus Blau. Der Schnee brennt auf deiner Schnee-\nIlandschlaft. Sie ist ehrwürdig wie eine JubiläumS-\nfvergangenheit: Dürer, Grünewald.\nOskar Kokoschkas Malerei ist eine junge\nPiiestergestalt, himmelnd seine blauerfüllten Augen\nlind zögernd und hochmütig. Er berührt die Men-\nsehen wie Dinge und stellt sie, barmherzige Fi-\ngürchen, lächelnd auf seine Hand. Immer sehe ich\nihn wie durch eine Lupe, ich glaube, er ist ein\nRiese. Breite Schultern ruhen auf seinem schlan-\nkien Stamm, seine doppelt gewölbte Stirn denkt\nzweifach. Ein schweigender Hindu, erwählt und\ngeweiht — seine Zunge ungelöst.\n\nGespräche mit Kalypso\nAchtes Gespräch: Indes die Göttin krank\nliegt / Von den hôheren Tonordnungen\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\n\nFortsetzung\n\nDer Junge\nMir klingt ja manches fremd und befremdlich\nan dem, was Du sägst Du hältst also jene;\ngrößere Form oder Zusammenhangsweise nicht für\neine Urform der Musik; sie ist Dir keineswegs\ndne Art Urnebel, die sinfonische Ordnung, aus dem\nsich die größeren und kleineren Welten ballen und\nlosreißen. Aber verzeih' mir: Du mußt mir da&\nschon deutlicher sagen. Ich dachte nie über Musik\nnach.\nDer Alte\nIch will Dir weisen, wie die Musik, ohne sich\nzu bannen, in die straffen, kurzen Ordnungen, und\nohne sich aufzulösen, in die Riesenreihen, wie die\ngroße liedfremde Musik sich eine Ordnung gewinnt.\nEs stellt sich Musik dar in Nachahmung, Wieder-\nkehr und veränderter Wiederkehr einer einzigen\nTonfolge; stellt sich im Lied, Fuge, Kanon dar.\nNun taucht die Frage auf : gibt es Musik zwischen\nzwei fremden Tonfolgen und beliebig vielen Ton-\nfolgen ? An dieser Frage hängt nicht gerade die\ngroße Musik, denn schon die eine Tonfolge kann\nsich unter kundigen Händen zu großer, sehr großer\nMusik entwickeln; aber der Tonfolgen gibt eg\nviele, und es hieße, diesen Reichtum verderben\nlassen und willkürlich die Musik verarmen, wollte\ntaan nur eine Tonfolge zur Musikbildnerin machen.\nSchön die Veränderung bei der Wiederkehr ruft\nauf diese Bahn und spricht, indem' sie ändert und'\nnicht gleicht, die große Formel der Künste au&(:\nvon der Gleichheit aber in der Ungleichheit, von\nder Einheit aber in der Vielheit, von dem Zu-\nsammenhang, der um so deutlicher wird, an je mehr\ner sich erweist, gegen je mehr er sich1 erweist\nund gegen je ungleicheres er sich1 durchsetzt. Die\ngroße Musik ruht auf einer Ordnung zwischen ver-\nschiedenen aufeinander folgenden Ton verbänden.\nZwar kann auch in der großen Musik der einzelne\nTonverband seiner Neigung folgen und sich aus-\ngliedern in Kanon, Fuge oder Lied, jedoch' wird\ndie umfassende Ordnungsweise die Glieder von\nsoldier Ausbildung gern fernhalten, die nicht im\nWesen der Gesamtordnung liegt und den Schein\ngereihter kleiner Musik er\\VeCkt.\nDerjunge\nAlso Du fragst, wie sich' fremde Tonfolgen\nverknüpfen können? Laß mich' denken. — Wenn\nich zwei Bilder habe und will sie an eine Wand\nhängen —, verzeih' mir: ganz fremd können und\ndürfen Deine beiden Tonfolgen nicht sein, wenn\nsie Musik schaffen wollen. Fremd, das heißt be-\nziehungslos!, gleichgiltig gegeneinander; denn\nMusik soll ja eine Zusammenhängsweise der Töne\nsein, und Du forderst unmögliches von ihr, die\ndas Beziehungslose — beziehen soll. Fremd, dies\nkann nur sein: nicht gleich, und nicht nur ver-\nändert. Aber welche Beziehung bleibt ihnen dann ?\nNicht Gleichheit, nicht Aehnlichkeit, — Gegen-\nsatz?\nDer Alte\nWohl, dies ist eins. Erfaß aber noch einmal,\nwas die Formel der Künste aussprechen wollte,\nden Gedanken von dem — Gedanken, von dem\nZusammenhang, der um so mächtiger ist, an je\nmehr er sich erweist und gegen je ungleicheres\ner sich durchsetzt. Die Vielheit der ungleichen\nTonfolgen wird ihre Grenzen haben an —\nuns; unser Gedäditnis höhnt dem Willen der\nKunst, — wo wir nichts festhalten können, setzen\nwir weder Gleichheit noch Unterschiedlichkeit an.\nUnd so findet auch das Fremde, das\nwie Du klug erfaßt, seinen Zaun und seine Mauer\nin der Kunst; — ganz Beziehungsloses kannnidit\nzusammengehängt werden. — Aber dies ist uns\nschon wichtig: der Gegensatz eint. Und auf\nEinheit fußend hat er den Vorzug, daß er\nden Unterschied des Unterschiedenen aufs\nschärfste hervorhebt. Er stellt die Grundform\ndes Fremden und doch Bezogenen dar; seine\nMacht ist darum groß in aller Kunst. Denn darin\nhängt alles: den Reichtum in satter Fülle zu zeigen\nund doch in dem Prunken der Spangen und Mäntel,\nin dem überladenen Pomp der Heerschären den\nKönig und zuerst ihn sehen zu lassen. — Es\nscheint, als ob sich hier ein Gesetz entwickelt habe,\ndas die Kunst aus sich heraus bildungsfähig macht:\nNun folgt auf das Langsame das weniger Langsame\nund Rasche, das Leise zieht das Kräftiglaute an,\nund so bei den weiteren Bestimmungen der Töne,\nwodurch die Abwechslung, besser eine Unendlich-\nkeit des Mannigfaltigen gewährleistet wird. Und\nin der Tat ist dies ein solches Gesetz, sofern über-\nhaupt Gesetze bilden. Aus sich heraus aber fließen\nTöne nicht; das Gesetz schafft keine Handlungen,\nsondern richtet sie. Vielartig sind die Bindungs-\nweisen niederer Ordnung, welche die Musik1 kennt,\ntifcerbestimint fast bis zur Unbestimmtheit sind die\neinzelnen Tonfolgen: So findet das Gesetz der\nMannigfaltigkeit als wählendes reiche Tätigkeit\nBald drängt sich diese, bald jene Bestimmung\nrichtunggebend hervor; das ist natürlich ein Narr,\nder etwa glaubt, die Musik erfolge nun aus sich',\nund nicht vielmehr aus dem Musiker. Schön weil\ner die jeweilig richtunggebende Bestimmung wählt.\nNach dem Gesetz des Gegensatzes und der\nMannigfaltigkeit, das ganz im allgemeinen herrscht,\nhebe ich eins heraus, das, ihm untergeordnet, be-\nsonders die Einheit sucht mit Hilfe des Wirfdich-\nkeitswertes der Tonfolgen. Diese Tonfolge führt\nzu einer anderen und dritten fremden, verschiedenen,\nindem sie folgerichtig gerade die Ordnungsweise,,\nwelche die Wirklichkeit stellt, entwickelt, mehr oder\nweniger epische Stimmungs-, Seelen-\nbilder entwirft. Sie führt dicht an die Reihenmüsik1.\nUnd so gibt es noch vielerlei Regeln und Gesetze,\naus den Werkzeugen und so weiter. Bald tritt die\nWirksamkeit dieses, bald jenes Gesetzes mehr in\nden Vordergrund; die Musik ist überaus zusammen-\ngesetzt, und man wird ihr mit einseitigen Bestim-\nmungen und Regeln nicht gerecht. Vieles berück-\nsichtigt der Musiker, und Alles führt ihn auf ein-\nmal; wenn auch die Musiker sich in der Bevor-\nzugung der Verschiedenen Ordnungsweisen unter-\nscheiden und gruppieren. Hier klingt eine Ton-\nfolge: Das Gehen eines Kriegers, mein' ich, dient\nihr zur Ordnungsweise, gibt ihr den schärferen Sinn,\nmiacht sie höher musikalisch; diese Folge windet\nsich zierlich mit geschnürten Hüften, schlankem\nHälschen, spitzen Füßchen, — begreiflich, daß sie\nweiter balanciert, daßi höhe, rasche Figuren leichte\nSpitzen über sie werfen, daß ein Brummbäß gegen\nsie antapert, sie zärtlich1 verdreht, verstimmt; sie\nkreischen und kichern; eine andere Folge hat\nSeufzer in sich getrunken, nun schleicht und kriecht\nes ohne Ende. Die Faust schwingt diese Folge,\nhöhnt und droht und läßt sich nicht besänftigen.\nBekümmert und schämig bleibt dieSte auf dem Flecke\nstehen, geht nach ein paar Schritten immer wieder\nzurück und im Kreise wie ein verlassenes Mäd-\nchen. Ueberblickst Du ein längeres Musikstück, so\nwirst Du finden, daß die Fortführung der Ton-\nfolgen auf sehr wechselnder Grundlage geschieht.\nJetzt wird mit einem zagsaften Zwie- und Zwitscher-\ngespräch begonnen, jetzt fordern die singenden\nSaitentöne eine Abwechslung in aufschmetternden\nTrompeten, die ihren Glanz und ihre Eigenart erst\ngegen dumpfe Holzbläser erweisen wollen, um\nwieder die Saitentöne hervorzittern zu lassen; jetzt\nladet eine kleine Tonfolge zu breiter, liedähnlicher\nAusführung ein; nachdem in wechselnder Stärke\ngespielt wurde, gilt es nun, auf gleichmäßiger Höhe\nzu bleiben und ruhig fortzuspinnen. Bei Anwen-\ndung dieser einfachen, sehr einfachen und begreif-\nlichen, doch1 wechselnden Regeln des Zusammen-\nhangs stpielt naturgemäß! der Charakter, das Tem-\nperament, die Eigenart des Musikers die Haupt-\nrolle. Du Imußt mich nicht mißverstehen, wenn ich\nsage, die Musik trüge ihre Gesetze nicht in sidh1,\nsondern im Musiker. Ich1 will mich nicht verstecken\nhinter dem1 Herrichter, — das mögen andere tun\nund schwätzen von dem' schöpferischen Willen —>\nvielmehr hat ja alles Betrachten der Kunst eben\ndiesen Sinn, Herr zu werden dieses Herrn, dieses"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.5", "texte": "Zeichnung von Samuel Fridolin\nSchlechte Dichter II / Hermann Sudermann\n\nanscheinend unfaßbaren Herrn, den Künstler zu\nÜberwinden in der Kunst. Und wie könnte ich von\nFormen und Zusammenhangsregeln sprechen, gäbe\nies für mich nicht etwas, das über dem einzelnen\nKünstler stände, das sein Tun als Kunst erscheinen\nlaßt: das macht die Gesamtheit der gesetzten Re-\ngeln und DarstellungsWeisen seines Stoffes. Aber\ndies ist ein Schwert, das seinen Krieger verlangt.\nDieses! Herrwerden hat sein Ende und seine Grenze;\npinmal schließlich stoße ich auf den Quell, der\nImmer neu fließen muß, sollen diese Bildungen nicht\nVertrocknen, soll nicht alles zu Rätseln und toten\nHieroglyphen werden.\nDer Junge\nIch1 folge Dir gern. Wenn also dasl Wählen\näes Musikers, sein mehr oder weniger besonderes\nSeelenerlebnis, es im bestimmten Fall erklärt, warum\ndieses Langsame sich hinwendet jenem weniger\nLangsamen und so fort, wenn dies also die zwei,\nÖrei fremden Tonfolgen bindet, so müßte letzten\nEndes in der großen Musik auch' irgendein Erlebnis-\nplan gemeinsame Zusammenhangsregel aller Teile\njeines Werkes sein. Denn es bedarf einer gemein-\nsamen Ordnung für alle so verschieden geordneten\nFortführungen, die zerflattern würden. Oder wie\nSenkst Du ? Ein wirklichkeitslvoller Erlebnisplan\nwäre wohl einseitig, unelastisch und gewalttätig,\nauch gediehe Musik leicht zu einem Schatten der\nWirklichkeit.\nDer Alte\nNicht ich sprach von einem Erlebnisplan. Wirk-\nlichkeitsvoll ? Wirklichkeitsvoll nenne ich diese\nMusik. Einen sonderbaren Musikanten heiße ich\nsolchen Tollhans, der sicih Fetzen, Balken und\nBretter aus allen Ecken stiehlt, sie hinter seinen\nZaun auf einen Haufen wirft, mit seiner Leibfarbe\nbemalt; nun hat er etwas getan. So weit geht\nsein Recht über die Musik nicht. Nichts hat die\n.Wirklichkeit, die des erlebenden Musikers, von der\nidh1 sprach, mit dieser, der Schlachten und Natur-\nlaute zu tun; die niederen Zusammenhänge und\nFortführungen gibt sie, aber ein bloßer Guckkasten\nist kein Erlebnisplan. (Er geht ans Wasser und\nwirft Kiesel hinein. Pause.) — Ich bin im Zorn.\nIch hasst die, die von der Welt glauben, sie wäre\nein blindes, blödsinniges Weib, Besessene und\nBacchantin, die stückweise lalle; ich1 hasse die, die\nden Künstler einen übersprudelnden Lügner, Dichter\nund Bettler sein lassen, der die Blödsinnige in seine\nKleider hineinzwinge. Der Widerspenstigen Zäh-\nmung: Das Thema der Welt; seine Spieler: die\nBesessene und ihr Bettelmann! — (Gelassener.)\nGenug. Sieh', es sind nur Reihenbildungen, Wo\nsolch falscher „Wirklichkeitsplan\" der Musik zur\nOrdnungsregel dient. Von Bildungen, die mfchr\noder weniger reihen, führen Stufen zur wirklichen\nOrdnung, die dem Lied, der Fuge zustrebt. In\nSchauspielen, Gesängen haftet die Musik derart ganz\nan dem, was die andere Kunst mit ihren anderen\nGesetzen und Regeln geformt hat. Sie selbst komtait\nnicht zur Sprache, sie will sprechen, aber ehe sie\nden Mund auftun kann, huscht eine neue Erschei-\nnung jener fremden Kunst an ihr vorüber, daß\nihre Stimme vor Staunen erstickt. Eine magdhafte\nMusik, doch zurückhaltend kann sie auch heißen,\nkeusch, weil sie nur zögernd den Dingen naht und\nvon sich schweigt; schmiegsam schaut sie mit blin-\nden Augen auf ihren Herrn; sie erzittert bei seinen\nSchritten, weiß nicht, warum1 er poltert; lächelt,\nwenn er ein sanftes Wort spricht. Diese Musik\nwird nur ein „Ach\" und „Oh\" geben; sehr ernie-\ndrigt muß sie, kaum Kunst sein.\nDer Junge\nIch weiß eine Kunst wie diese, die sich' dienst-\nbar macht wie diese, magdhaft ihren Herrn ziert,\nkeusch heißen mag, da sie alles kennt außer sich1.\nDer Alte\nDu zielst auf die Wortkünst?\nDer Junge\nAuch auf sie könnte ich zielen, — auf m&ncWe\nWortkunst. Doch ich meine sie nicht, — nähe*\nsucht ich, — die Bühnenkunst. Sie hängen Flitter\nauf Flitter, Bretter bauen sie auf, die sie größen-\nwahnsinnig alis Welt gebärden. Sie suchen die Täu-\nschung, daß ist noch nicht die Kunst. Nun tadle ich\nnicht die, welche wahrhaft eine Wirklichkeit wieder-\nholen, — saber ladhenswert heiß idh' ihr Tun, wenn\nsie mich1 täuisdien wollen, als wäre ich der Spatz\ndes alten Meisters und sollte seine gemalten Kir-\nschen picken. Auch eine Rübe preise ich', wenn\nsie zum Verwechseln gemalt ist, nicht durchaus\nhöher, als die zerfratzte Göttin: es1 gibt viele, höhere\nund niedere Ordnungsweisen in allen Künsten, nicht\neine, nicht die; wer will eine so unbedingt hervor-\nstellen? Wohl aber muß der Künstler seine Kunst\nrecht verstehen, zunächst das Material kennen ler-\nnen, zu Satzungen gelangen, welche die einzelnen\nFähigkeiten oder Bestimmtheiten des Materials in\nanerkannter Weise regelt. Man darf zunächst niciht\nmit dem Ton malen wollen, oder mit dem Stein\nklingen; darf nicht von der Wirklichkeit, sondern\nmuß von dem Material ausgehen. So müßte die\nBühnenkunst zunächst erkennen, daß Täuschung\nnicht möglich ist, und weiter, daß> sie sinnlos ist\nund dem Stolz einer Kunst nicht entspricht. Erst\nspäter alles' andere. Da wächst dann dieser pein-\nliche, entsetzlich kinderhäfte Streit und das Gefasel\nvon einer Kunst, die zur Natur werden soll, —\nals wäre dort oben schon eine Kunst; da gibt man\nsich selbstmörderischem Bemühen hin, und statt\ndie Natur zu hassen und zu lieben, „spiegelt\" miau\nsie. Man lerne erst das Einmaleins, ehe man Kauf-\nmann wird; man mache die Bühnen nicht zu einem\nMuseum. Unnatürlich soll alles sein, das heißt:\nstoffgewachsen, nicht naturgewachsen, denn das ist\nKunst. Die Bühne bleibe Bühne, man finde der\nBühfte ihre Gesetze und ihre Natürlichkeit. Besser\nals die Flitterbühne findet sich die alte zurecht mit\nihren Täfelchen; sie tut aber wie die Rübe und die\nGöttin: hier zu viel, dort zu wenig.\nSchlnss des achten Gesprächs in Nummer 22\n\nZur Tötlichkeit des Sächselns\nVon Mynona\nEin V ogelverkäufer, namens Willi Ohne mann,\nein Mensch ohne alle heroischen Chärakterzüge,\naber mit starkem Geschäftssinn, so daß er längst\nnicht mehr sonderlich auf die Gefühlswirkungen\nseiner Sprech- und Singvögel achtete, sondern in\ndiesen gefiederten Gefangenen nur noch1 bloße Ge-\nschäftsgegenstände sah, war so gewohnheitsmäßig\nstark mit einer Frau aus Sachsen verheiratet, daßi\nes ihm erst wieder auffiel, als er es aufhörte zu.\nsein: Frieda geb. Ritter starb wie ein Weib stirbt,\nwelches sich sehr lange mit Vögeln wie mit Kin-\ndern abgegeben hat. Sie starb, wie wenn sie sidi\nmauserte, mit irgendwelchen Flügeln krankhaft\nzuckte; ihr letztes Röcheln klang wie: piep! Ihr\nGatte kam1 von ihrem Leichenbegängnis um die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.6", "texte": "Abendzeit in sein Geschäftslokal zurück. Er über-\ndeckte die Käfige der Vögel mit Gaze und Tüchern\nund setzte sich vor sein Pult, um1 zu rechnen. Gleich\ndarauf ließ er die Läden herunter und verschloß\ndie Türe. Als er nun mit seiner kleinen Lampe\nin der Hand sein Schlafzimmer aufsüChen wollte,\nkrächzte ein Vogel im sächsischen Tonfall seiner\nverstorbenen Frau: „Wi 11 i waeh: auf! 's} ist\nZeit!\" Willi Ohnemänn fuhr der Schreck so in\ndie Glieder, daßi er die Lampe niedersetzen mußte.\nDer taktlose Papagei hing, ohne Käfig, nur an\neiner Kette befestigt, in einem Ringe. „Willi\nwa — —\" — „Ruhe!\" brüllte Willi ihn an, es\nergriff ihn eine furchtbare Wut; wie denn die\nNatur -zuweilen Zorn mit Tränen, wie Feuer mit\nWasser gern kämpfen läßt. Ob nun hier die\nTränen, also dasl Wasser, siegte? — Willi kettete\nPapchen los und nahm ihn mit in sein Schlafgemach.\nSolche rührenden Züge an starken Geschäftsleuten\nsind recht selten, bedürfen wahrlich der Aufzeich-\nnung. Der nächste Vormittag brachte ein recht\nscheckiges! Aprilwetter, das Sonnenlicht spielte\nKuckuck mit den treibenden Wolken, der Regen\nklatschte bald nieder, bald schien er wie nach oben\ngesprüht in der Luft hängen zu bleiben. Ohne-\nmanns Läden blieb! geschlossen, die Vögel hörte\nman drinnen konzertieren. Ein gewisser Blaffke\nverlangte durchaus Einlaß und pochte dringend\ngegen die Läden! Die Vögel kreischten. Blaffke\nging durch den Flur nach hinten und klingelte\nam1 Privateingang. Ohnemann blieb stumm.\nBlaffke wurde gedankenvoll und ging zur Polizei.\nMan öffnete. Am' Fensterriegel des! Schlafzimmers\nhing Ohnemanns Leiche. Im Bett zur rechten Hand\nregte sich1 etwas mit einer Schlafhaube. Das war\nPapchen, der Frau Ohnemanns (selig) Schlafhaube\num den Kopf gewickelt trug und ihr Hemd anhätte.\nAls Blaffke ihn von diesen ihm nicht anstehenden\nWäschestücken befreit hätte, rief der Papagei mit\neiner Energie, die gar nicht schlecht war: „Willi!\nWach auf! 's ist Zeit!\" Er sächselte so\nnatürlich, daßi alles in den April geführt wurde,\nzwischen Lachen und Weinen.\n\nVon Erfolgen österreichischer\nLiteratur\nJ. A.\nVor etwa yierzehn Jahren schickte ich1 zwei\nGedichte an Auguste Groner, die damals eine\nJugendzeitung, eine Wochenbeilage eines Wiener\nBlattes, redigierte. Sie hkt die Gedichte nicht ver-\nöffentlicht, ernannte Irnich aber zu ihrem Mitarbeiter.\nSo (viele auch1, alles erwachsene Menschen, jh'ri\nSchreiben lesen mußten, keinem war der Wiener\nweibliche Conan Doyl bekannt. Das war vor\nVierzehn Jahren. Heute wird schon ihr, Name in\nOesterreich in jedes1 Kindes Mund sein. Ohne\nZweifel, wird -doch jetzt ihr jüngstes1 Werk, „Mene\ntekel — eine seltsame Geschichte\", in nicht weniger\nals drei fremde Sprachen übersetzt. Und es sind\nschon mehrere ihrer Werke ins! Dänische übertragen\nworden. Aber das spricht wohl nicht nur für deren\nWert, sondern gewiß auch1 für den Bildungsdrang\nder Dänen. Vor vierzig Jahren vermittelte ihnen\nJacobsen eine genaue Kenntnis' Darwins, indem er\ndiesen in ihre Sprache übertrug, heute lesen sie\nschon die Kriminalromane der Auguste Groner.\nWelch eine Ehre für die österreichische\nLiteratur. Und die Hoffnung steigt, daß sie,\ngleich dem österreichischen Kellner und Schneider,\nin aller Welt zu großer Popularität gelangen wird;\nhat doch die amerikanische Schriftstellerin Grace\nIsabel Colbron in einem' jüngst in der Newyorkeii\nZeitschrift „The Bookman\" erschienenen Artikel\n„Der Kriminalroman in Deutschland\" der Groner\nden ersten Platz angewiesen. Mehr noch, die New-\nYorker Verleger Duffield and Cie., angeregt durch!\ndiesen Artikel, haben den Entschluß gefaßt, einen\nBand Gronerscher Kriminalromane unter dem Titel\n„Joe Müller, Detektive\" herauszugeben. Darüber\ngroße Freude im Lager all der guten Deutsch-\nOesterreicher, die in gewissen Produkten der\nschwarzgelben Literatur die nationale Eigenart und\ndas Delikate eines! Rahmstrudels oder eines Wiener\nRostbratens wieder erkennen. Namentlich ein Pro-\nfessor Kopallik, dem! gewiß) keine Zeile der Eschen-\nbach fremd ist, und der voll der Erwartung wäre,\ndaß mit Bartsch1 der österreichischen Literatur eine\nRegeneration werde, wenn sie eine solche notwendig\nhätte, begrüßt in einer Wiener Illustrierten Zeitung\nmit tiefer Genugtuung den amerikanischen Er-\nfolg. Er wünscht jedoch auch, daß' es! in Oester-\nreich zu einer patriotischen Aufgabe werde (ge-\nwohnheitsmäßig spricht er von Aufgaben) die\nausländischen Verleger und berufsmäßigen\nUebersetzer auf die heimatlichen Schriftsteller\naufmerksam zu machen. Diese hinwiider sollen im\nWege der erzählenden Kunst Orientierung ver-\nbreiten, Aufklärung schaffen, Liebe zu ihrem Lande\nwecken. Es soll jmit der Verbreitung der öster-\nreichischen Literatur im Auslande zugleich der so\nverbreiteten betrübenden Unkenntnis über die geo-\ngraphische Lage der Donauimonarchie, wie auch\nder Unterschätzung seiner hohen Kultur der Boden\nabgegraben werden. Der Herr Professor findet\nes beklagenswert, daß Oesterreich in den trans-\natlantischen Staaten vielfach als! eine Provinz;\nDeutschlands oder als entlegener Balkanstaat gilt.\n— Dieser falsche Begriff von der geographi-\nschen Mission der Donaumonarchie bestätigt\naber die Tatsache, daßi ihre Kultur zum\ngrößten Teil ein Zerrbild ist — unver-\nbrauchter germanischer Schwächen und ent-\nmannter orientalischer Kräfte. Davon wird man\nnur wenige Jd k. Professoren überzeugen können.\nGanz gewiß nicht Professor Kopallik, dessen hohe\nMeinung von einer österreichischen Schriftstellerin\nihren Gegenpol in der allerhöchsten Auszeichnung\nfindet, die auch ihrem zwanzigsten Roman zuteil\nwurde, seiner Einreihung in die Familien-Fidei-\nkommißb iblio thek.\nMan mußt gar nicht die Spürnase eines\nDetektives besitzen, um unter den Büchern der zeit-\ngenössischen österreichischen Literatur eins heraus-\nfinden zu können, das man einem Deutschen von\nGeschmack zum Lesen empfehlen kann, man darf\nsogar mit ruhigem Gewissen die Uebersetzung in\ndiverse fremde Sprachen propagieren.\nSo segelt unter der trügenden Vignette „öster-\nreichische Literatur\" die Massenware einer Unter-\nhaltungsschriftstellerin nach Amerika, begleitet von\nden Segenswünschen eines literaturanalphäbeten\nProfessors.\nBerlin und Wien liegen nur so weit auseinander,\ndaß jemand, der in Wien am frühen Morgen in\nseinem Leibblatt den Bericht über eine lumpige\nBerliner Premiere liest, am Abend des: gleichen!\nTages noch rechtzeitig genug nach Berlin kommen\nkann, um ihr auch beiwohnen zu können.\nAber während nahezu ein Jahrzehnt notwendig\nwar, daß yon Wien nach Berlin der Name Karl\nKraus dringe, eines! Mannes, der in einem Heft\nseiner Zeitschrift mehr Geist und Witz ver-\nschwendet, als! die gesamten österreichischen Roda-\ntionsliteraten abzusondern imstande sind, genügte\neine gar nidhlt viel längere Zeit, um den Yankees\nKunde zu bringen yon Joe Müller, Detektive, dem\nPhantom einer Auguste Groner.\n\nDer Fall Nissen\nKarl Vogt\nDie Erwiderungen, mit denen Herr Nissen die\nAnklagen meiner Broschüre zu beantworten glaubt,\nenthalten nichts weiter als1 seine beliebte Methode,\nsystematisch1 den Gegner durch nebensächliche Ein»\nwürfe zu verwirren, von den Hauptpunkten abzu-\nlenken und im übrigen dreist und gottesfürchtig\nabzuleugnen. Ich halte es deshalb überflüssig, midi\nin Polemiken über Einzelheiten einzulassen.\nHingegen: die Infinuation, idh! hätte die Bro-\nschüre auf Bestellung gegen Bezahlung geschrieben,\nerkläre ich für eine raffinierte Verleumdung,\ndie sich Herr Nissen glatt aus den Fingern gesogen'\nhat. Mit seiner bekannten Gewissenlosigkeit und\nLügenhaftigkeit sucht Herr Nisisen wieder einmal\nseinem Gegner die Ehre abzuschneiden, weil er\ndie eigene sonst nicht länger retten kann.\nIch1 habe für meine Broschüre Weder ext*\nHonorar oder etwas ähnliches' erhalten, noch' bin\nich an ihrem buchhändlerischen Erfolg pekuniär\ninteressiert. — Ich denke nun doch, daßi Herr\nNissen sich der gerichtlichen Klarstellung\nnicht länger entziehen klann.\nEinstweilen erklärt Herr Intendanzrat Ledner\nan die Zeitungen:\n„Ich beziehe mich auf die seinerzeit in der Nummer\nIhres Blattes vom 12. Dezember 1905 veröffentlichte\nErklärung des Herrn Direktors Max Reinhardt, in der\nes heisst: . . Die Direktion des „Neuen Theaters\"\nkann Herrn Nissen den Vorwurf der bewussten Unwahr-\nheit nicht ersparen und hat den lebhaften Wunsch,\ndass Herr Nissen ihr Gelegenheit gibt, diesen Vor-\nwurf vor Gericht mit Dokumenten zu erhärten . .\nDiese fünf Jahre zurückliegende Erklärung Reinhardts\ngegen Nissen mache ich heute zu meiner eigenen.\nEmil Ledner.\"\nIch1 unterschreibe mit:\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\n't \"*s>\n' '.V\n_ . ' \"!-.*>/•• , .-V.»1 ■'''\"->&%*»> ■'ft j. •*•\nKOSMIN\nv 4 < ? '<■ -■■ v ■ , , • •\n—*-■ '\ny.y-.\nV\nWenn bos von Hjnen Insider 9ebraud>te CDunbwaffer 5U\n€nde iff, fo empfetyten voir lljnen, an fceffen Stelle rinen\nVerfud) mil Kmmbilii 311 madden. Sie werfcen fh&en,\nfcafe Sie fciefes in gan3 befonfccrem (Dofee befriedtgt, fcenn\nKosmln bat Überaws erfrifd>en&en Woi>lgefdjroa«N,\nkonfervtert fcie 3ai?ne unfc fcraftigt bas 3aJ>»floifcl>.\n§lafd>e CDfc. 1.50, iange ausreid>cnb, CtberaU kaufKcl>\nh < < ■ bA"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100721-01.1.7", "texte": "Auslieferung ffir Österreich-Ungarn A. Muhlhans-Smital Wien IX / Pur den Bachhandel: M. Braunschweig Wien IX / Verantworte für die Schriftleitung in Österreich-Ungarn: Otto Soyka\n\nea| 10 IY°\n3£Rjcin9l0\n1 Au 5 JTEIL U^l&\nHB6EIVIESE\nKONSTLER\nDER\nBERLINER\n•SECERN\nIN \"DER\n6ALERIE\n/WXIMILIAN\n•/nACHT\nBERLIN.W50\nRANKE STr. 1\nw-\n1\n- « «\nA\n«es\nTAPPeRT'\n\nPrivatbeamte und Ange=\nhorige der freien Berufe!\nSorget fiir Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Vertretung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und rechtlichen Interessen der Privat-Beamten gegrHndeten,\ndurch landesherrl. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nDBBTSCIEN PII?iT-BEiHTEH-(EIEID ZD MIGDEBOKG\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Wltwenkasse, Waisen-\nka sse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohlfabrtseinrichtungen\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M.:: Man verl. Prospekt.\n\n*\n5?\nnj\n\\\ns\nyC/ '<$ .\nO/L\n-\n\nHIIMHIHHHnHIfNaSMMaHI\n| DERDEMOKRAT |\nWochenschrift fur freiheitliche !\nS Politik / Kunst und Wissenschaft j\nS Erickeimt jedei Mittwoch S\n■ Nummer 10 Pf. / Quartal Ml ■\nProbcnummern frei d. G. Zepler j\n2 Charlottenburg Bismarckstr. 103 J\n\ns: PROBENUMMERN :s\numsonst u. portofrei diirch die\nQeschaftsstelle „DER STURM\"\n\niliiiiiiiiiiiiiiiiinii!!iiiinii!i!!iiiiniiiiiiii!iiiiiiiiiiiiii\nDieSacftel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\n:: Werbeband ::\n210 Seiten stark\nPreis 50 Pfg.\nm ÜBERALL ERHALTLICH m\niillllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllllll!lll!ll!l!!ll!|j!ll!llllllll!ll!(l\n\nUAtS\n;\nJwioU J<f*\n(J\\*jM£%\n112 < J &fc%Ja'*UAAte•\n\nDie sparsame Hausfrau nungsbeleuchtung! Rechnen Sie\nsich aus, was Sie Im Jahre fur den Bedarf an Gluhkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHarfalin-Gliihkorper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusammen-\ndrucken kfinnen, ohne daß der Korper darunter ieidet. Kartalin-Giuhkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Oasersparnis von\n50 %. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200900 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesenaung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Rg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. und Techn. Nenßieiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72\n\nDer schonste Pnnkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegenliber Pichelswerder solien sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodenaesemcftaft dss ttlcstens, mauerstr. $6-$$\nTelephon I, 7497\n\nBerufen Sie sich\nbitte bei Einkaufen anf die l\"\"!\nAnzeigen dieser Zeitschrift\n\nDAKLBHEN\nreellen Leuten jeden Standes. Aach gegen MSbelbeleihung. 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Anzeigenteil: A, Bots / Veffng Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle and Anzeigen - Annahme: Berlin W. 35 / Drnck v. Hans Walter,! Berlin SWJ3\n\nFritz Gnrlitt I Hofknnsthandlnng I Berlin W\nPotsdamerstrasse 113 Villa II\nSI\n□\nAusstellung von deutschen Meisterwerken:\ngocRIin ° hieibl ° Tffotna 5 Isiebermann ° Tpiibiiei? etc. efc.\n.: □ ■\nWochentags von 10—5 / Sonntags von 12—2 geoffnet\nm\nt\n\nH\na-\na\ntt\np\n£\n±1\nt.\nP\n3\nft\nii\n4-\n&\nttt\nE\nF\naft •■\nT > »\n8$\nSSJ\nr *\nWTuT\nipi* U7\n*S'fj. -5\na# if.\nI\n<vY .\n** '■ >\n6AW*\n'MP\nS®PFERBER6 RIESLING!\n■*O*X4 CFE » A *» T6 H\n•}Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schon\nals solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hdchste Voll-\nkommenheit erlangen muB. —\n•j Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad4 Kupferberg &C°\nHoflieferanten MAINZ Gegriindet 185J\n1 Ueber Bedeatang ><sti99 gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschlufi."}]}