{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_sha256": "d747e8dee25a4afd2cf6faff854fd58935b7d3d7ee9e734e5a76a9685f3c20bd", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/07/28_01/bmtnabg_1910-07-28_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/07/28_01/bmtnabg_1910-07-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "171", "page_fin": "171", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.1", "titre_corps": "Die Heroine Zeichnuogivon Samuel Fridolin", "titre_sommaire": "Die Heroine Zeichnuogivon Samuel Fridolin", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.1", "debut_caractere": 550, "fin_caractere_exclue": 591, "texte": "Die Heroine\nZeichnuogivon Samuel Fridolin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "171", "page_fin": "171", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.2", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.1", "debut_caractere": 593, "fin_caractere_exclue": 979, "texte": "INHALT:\nADOLF LOOS: Damenmode / Asiatisches\nLiebeslied / MYNONA: Der Tod des alten Federhutes /\nALFRED DÖBLIN: Gespräche mit Kalypso über die\nMusik / KARL KRAUS: So schlecht vJie einst / L. L.:\nVon teutscher Art und Kunst / R. K. NEUMANN-LANK-\nWITZ: Das bespuckte Genie / J. 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Ein gräßliches Kapitel Kultur-\ngeschichte! Es erzählt der Menschheit geheime\nLüste. Wenn man in seinen Seiten blättert, erbebt\ndie Seele angesichts der fürchterlichen Verirrungen\nund unerhörten Laster. Man vernimmt das Wim-\nmern mißbrauchter Kinder, das Gekreisch miß-\nhandelter Weiber, den ungeheuren Aufschrei ge-\nfolteter Menschen, das: Geheul derer, die am\nScheiterhaufen starben. Peitschenhiebe klatschen,\nund die Luft bekommt den brenzlichen Geruch ge-\nbratenen Menschenfleisches. La bete humaine . . .\nAber nein; der Mensch ist keine Bestie. Die\nBestie liebt, liebt einfach und wie es die Natur\neingerichtet hat. Der Mensch aber mißhandelt seine\nNatur, und die Natur mißhandelt den Eros in ihm.\nWir sind Bestien, die man in Ställe gesperrt, Bestien,\ndenen die natürliche Nahrung vorenthalten wird,\nBestien, die auf Befehl lieben müssen. Wir sind\nHaustiere.\nWäre der Mensch1 Bestie geblieben, dann wäre\neinmal im Jahre die Liebe in sein Herz gezogen.\nAber die mühsam zurückgehaltene Sinnlichkeit\nmacht uns jederzeit zur Liebe tauglich. Um den\nLenz wurden wir betrogen. Und diese Sinnlich-\nkeit ist nicht einfach, sondern kompliziert, nicht\nnatürlich, sondern widernatürlich.\nDiese unnatürliche Sinnlichkeit kommt in jedem\nJahrhundert, in jedem Jahrzehnt in anderer Weise\nzum Ausbruch'. Sie liegt an der Luft und wirkt\nansteckend. Bald verbreitet sie sich gleich einer\nPest, die man nicht verbergen kann, bald schleicht\nsie durCh1 das! Land, gleich einer geheimen Seuche,\nund die Menschen, die von ihr befallen sind, wissen\nsie voreinander zu verbergen. Bald ziehen die\nFlagellanten durch1 die Welt und die brennenden\nScheiterhaufen werden zum Volksfest, bald zieht\n9\nsich die Lust in die geheimsten Falten der Seele\nzurück. Aber: Marquis de Sade, der Kulminationsi-\npunkt der Sinnlichkeit seiner Zeit, dessen Geist die\ngrandiosesten Martern menschlicher Phantasie er-\nsann, und das1 liebe, blasse MädChen, dessen Herz\nfreier aufatmet, nachdem eä den Floh geknickt hat,\nsie sind eines Stammes.\nDas Edle am Weibe kennt nur eine Sehnsucht:\nsich neben dem großen starken Mann zu behaupten."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9477, "texte": "Diese Sehnsucht kann gegenwärtig nur in Erfül-\nlung gehen, wenn sie die Liebe des Mannes erringt.\nDie Liebe macht ihr den Mann Untertan. Diese\nLiebe ist aber nicht natürlich. Sonst würde sich\nIhm das Weib nackt nähern. Das nackte Weib\nIst aber für den Mann reizlos. Es kann wohl die\nLiebe des Mannes entflammen, nicht aber erhalten.\nMan erzählt, daß die Schamhaftigkeit dem Weib\ndas Feigenblatt aufgenötigt hat. Welcher Irrtum!\nDie Schamhaftigkeit, dieses mühsam durch raffi-\nnierte Kultur konstruierte Gefühl, war dem Ur-\nmenschen fremd. Das Weib bekleidete sich, sie\nwurde für den Mann zum Rätsel, um ihm die Sehn-\nsucht nach seiner Lösung ins Herz zu senken.\nDie Erweckung der Liebe ist die einzige Waffe,\ndie das Weib im Kampf der Geschlechter besitzt.\nDie Liebe aber ist eine Tochter der Begierde. Die\nBegierde, den Wunsch' des Mannes zu erregen, ist\ndes Weibes Hoffnung. Der Mann kann das Weib\ndurch seine Stellung, die er sich in der mensch-\nlichen Gesellschaft errungen hat, beherrschen. Ihn\nbeseelt der Drang nach Vornehmheit, den er auch\nin seiner Kleidung zum Ausdruck bringt. Jeder\nRaseur möchte wie ein Graf aussehen, während der\nGraf sich1 niemals bestreben wird, für einen Raseur\ngehalten zu werden. Und in der Ehe erhält die\nFrau durch den Mann ihre soziale Marke, gleich-\nviel, ob sie Kokotte oder Fürstin gewesen ist.\nIhre Stellung geht vollständig verloren.\nDas Weib ist daher gezwungen, durch ihre\nKleidung an die Sinnlichkeit des Mannes zu appel-\nlieren, unbewußt auf seine krankhafte Erotik, für\ndie man nur die Kultur seiner Zeit verantwortlich\nmachen kann.\nDie Veränderung der Männerkleidung wird so\nbewirkt, daßi die großen Massen in ihrem Drang\nnach Vornehmheit nachstürzen und auf diese Weise\ndie ursprüngliche vornehme Form entwerten. Die\nwirklich Vornehmen — oder besser die, die von\nider Menge für solche gehalten werden — müssen\nsich aber nach einer neuen Form umstehen,, um sich\nzu unterscheiden. Der Wechsfei in der Frauen-\nkleidung hingegen wird nur von dem Wechsel der\nSinnlichkeit diktiert.\nUnd die Sinnlichkeit wechselt stetig. Gewisse\nerotische Abweichungen häufen sich gewöhnlich in\neiner Zeit, um dann anderen Platz zu machen. Die\nVerurteilungen auf Grund der Sittlichkeitspara-\ngraphen des Strafgesetzbuches sind das verläßlichste\nModejournal. Ich! will nicht weit zurückgreifen. Ende\nder jsiebenziger und Anfang der achtziger Jahre\nStrotzte die Literatur jener Richtung, die durch ihre\nrealistischen Aufrichtigkeiten zu wirken suchte, von\nBeschreibungen üppiger Frauenschönheit, Flkge-\nlationsszenen. Ich erinnere nur an Sacher-Masoch,\nCatulle Mendes und Armand Sylvestre. Bald dar-\nauf wurde die volle Ueppigkeit, die reife Weiblich-\nkeit durch die Kleidung\" scharf zum Ausdruck ge-\nbracht. Wer sie nicht besäßi, mußte sie fälschen:\nIe cul de Paris. Nun trat die Reaktion ein. Der\nRuf nach Jugend erscholl. Das112 Weibkind kam in\ndie Mode. Man lechzte nach Unreife. Die Psvche\n•/\ndes Kindes wurde zerpflückt und literarisch aus-\ngebeutet. Peter Altenberg. Die Barrisons tanzten\nlauf der Bühne und in der Seele des Mannes. Da\nverschwand aus der Kleidung der Frau, was weib-\nlich ist, um den Kampf gegen das Kind auf-\nzunehmen. Sie log sich ihre Hüften hinweg, starke\nFormen, einst ihr Stolz, waren ihr unbequem. Der\nKopf nahm durch' Frisur und die großen Aermel\nden Ausdruck des Kindlichen an. Aber auch diese\nZeiten sind vorüber. Man wird mir einwenden,\ndaß sich gerade jetzt die Schwurgerich tsVerhand-\nlungen über den Mißbrauch von Kindern mehren.\nGewiß. Das ist der beste Beweis, daß erotische\nFormen aus den höheren Kreisen verschwinden,\num nun ihre Wanderschaft nach unten anzutreten.\nDenn der großen Masse stehen nicht die Mittel\nzu Gebote, sich aus jener Schwüle hinaus zu retten,\nwie dem Hochstehenden, Mittel, wie Variete und\nPeter Altenberg.\nEin großer, konstanter Zug ging durch dieses\nJahrhundert. Das Werden wiricte stärker als das\nGewordene. Der Frühling wurde erst in diesem\nSäculum zur bevorzugten Jahreszeit. Die Blumen-\nmaler früherer Zeiten haben niemals Knospen ge-\nmalt. Die professionellen Schönheiten am Hofe\nder französischen Könige erreichten ihre vollste\nBlüte erst mit dem vierzigsten Jahre. Aber heute\nhat sich auch für jene, die sich für vollständig\ngesund halten, dieser Zeitpunkt in der Entwicklung\ndes Weibes um zwanzig Jahre nach aufwärts voll-\nzogen. Stets wählte daher die Frau Formen, die\ndas Merkmal der Jugend tragen, die für unsere\nAugen das Merkmal der Jugend bilden. Ein Be-\nweis: Man lege die Photographien aus den letzten\nzwanzig Jahren einer Frau nebeneinander. Und sie\nwird ausrufen: „Wie alt habe ich vor zwanzig Jahren\nausgesehen!\" Und man wird zugeben müssen:\nAuf dem letzten Bilde erscheint sie am jüngsten.\nWie ich schon bemerkt habe, gibt es auch\nParallelströmungen. Die wichtigste, deren Ende\nnoch' gar nicht abzusehen ist, dabei die stärkste,\nweil sie von England ausgeht, ist jene Richtung,\ndie das raffinierte Hellas erfand — die Liebe Piatos.\nDas Weib sei dem Manne nur ein guter Kamerad.\nAuch dieser Strömung wurde Rechnung getragen\nund sie führte zur Schaffung des tailor made\nCostume, des vom Herrenschneider gemachten\nKleides. In jener Gesellschaftsschicht, in der auf\ndie vornehme Abstammung der Frau gesehen wird,\nim Hochadel, kann man eine Emanzipation von\nder herrschenden Damenmode bemerken, indem\nman dort dem männlichen Zug nach Vornehmheit\nhuldigt. Die Leute können sich dann nicht genug\nüber die in der Aristokratie herrschende Einfach-\nheit wundern.\nAus dem Gesagten geht hervor, daß die Füh-\nrung in der Herrenkleidung der Mann inne hat,\nder die höchste soziale Position einnimmt, die\nFührung in der Damenmode aber jene Frau be-\nsitzt, die für die Erweckung der Sinnlichkeit das!\nmeiste Feingefühl1 entwickeln muß, die Kokotte.\nDie Kleidung der Frau unterscheidet sich von\nder des Mannes durch den Rock, der die Beine\nbedeckt. Das war nicht immer so. Nie gab es\nin früheren Zeiten einen solchen Unterschied zwi-\nschen der Kleidung der Frau und des1 Mannes.\nNoch bis zum dreizehnten Jahrhundert tragen beide\nden RoCk. Noch bis zum neunzehnten Jahrhundert\ntragen beide Geschlechter Farben* Spitzen un 3\nStickereien. Vom neunzehnten Jahrhundert an folgt\ndie Kleidung des Mannes dem Gesetz, das ich auf-\ngestellt habe: Evolution der Kultur ist identisch\nmit dem Entfernen des Ornaments aus den Ge-\nbrauchsgegenständen. Die Männerkleidung wird\nfür ewige Zeiten dem Ornamentiertwerden entzogen.\nNicht so die Kleidung der Frau. Noch nie gab es\nzwischen Männer- und Frauenkleidung einen solchen\nkrassen Unterschied als jetzt. Noch nie hat sich der\nMann von dem Ideenkreise der Frau soweit entfernt\nals in unseren Tagen, in der weitabgewandte\nNaturen von einer Emanzipation der Frauen fabeln.\nDie grandiose Entwidmung unserer Kultur in\ndiesem Jahrhundert hat das' Ornament glüddich\nüberwunden. Je tiefer die Kultur steht, desto\nstäricer tritt das Ornament auf. Das Ornament ist\netwas, was überwunden werden mußt. Der Papua\nund der Verbrecher ornamentiert seine Haut. Der\nIndianer bedeckt seine Ruder und sein Boot über\nund über mit Ornamenten. Aber das! Zweirad und\ndie Dampfmaschine sind ornamentfrei. Die fort-\nschreitende Kultur scheidet Objekt für Objekt vom\nOrnamentiertwerden aus.\nMänner, die ihr Verhältnis zu vorhergehenden\nEpochen betonen wollen, kleiden sich heute noch\nin Gold, Samt und Seide: der Hof und der Klerus,\nMänner, denen man eine moderne Errungenschaft,\ndie Selbstbestimmung vorenthalten will, kleidet man\nin Gold, Samt und Seide: Lakaien und Minister.\nUnd der Monarch1 hüllt sich bei besonderen Ge-\nlegenheiten in Hermelin und Purpur, ob es nun\nseinem Geschmack entspricht oder nicht, als erster\nDiener des Staates1. Auch beim Soldaten wird durch\nfarbige und goldstrotzende Uniformen das Gefühl\nder Hörigkeit erhöht.\nDas lange, bis1 zu den Knöcheln reichende Ge-\nwand aber ist das gemeinsame Abzeichen derer, die\nnicht körperlich arbeiten. Als körperliche und er-\nwerbende Tätigkeit noch unvereinbar war mit freier,\nadliger Abkunft, trug der Herr das lange Kleid,\nder Knecht die Hose. So ist es heute noch in\nChina: Mandarin und Kuli. So bekündet bei uns\nder Klerus seine nicht auf Erwerb gerichtete Tätig-\nkeit durch die Soutane. Wohl1 hat der Mann der\nobersten GesellschäftssChichten sich das' Recht auf\nfreie Arbeit erworben, bei festlichen Anlässen trägt\ner aber noch immer ein Kleidungsstück, das bis zu\nden Knien reicht, den Gehrock.\nDer Frau aus diesen Kreisen wurde eine reine\nErwerbstätigkeit Von ihrer Gesellschaft noch nicht\nzugestanden. In jenen Schichten, in denen sie das\nRecht auf Erwerb erlangte, trägt auch sie die Hose.\nMan denke an die Kohlengräberin in den belgischen\nSchächten, an die Sennerin der Alpen, an die\nKrevettenfischerin der Nordsee.\nAuch der Mann mußte für das Recht des1 Hosen-\ntragens kämpfen. Das Reiten, eine Tätigkeit, die\nnur körperliche Ausbildung, aber keinen materiellen\nGewinn erzielt, war die erste Etappe. Dem blü-\nhenden, reitfreudigen Rittertum des dreizehnten\nJahrhunderts haben die Männer die fußfreie Klei-\ndung zu danken. Diese Errungenschaft konnte\nihnen das sechzehnte Jahrhundert, in dem das Reiten\naus der Mode kam, nicht mehr rauben. Die Frau\nhat erst in den letzten fünfzig Jahren das Recht\nder körperlichen Ausbildung erlangt. Ein analoger\nVorgang: Wie im dreizehnten Jahrhundert der\nReiter, wird im zwanzigsten Jahrhundert der Rad-\nfahrerin das Zugeständnis der fußfreien Kleider\nund der Hose gemacht. 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Aber\njetzt genug, sagte er, und legte sich in das, was\ner schälkhaft sein Sterbebett nannte. Der alte Mann\nwollte, wie gesagt, aus übertriebener Ordnungs-\nliebe von hinnen. Es war auch alles) bereits ge-\nregelt. Nur daß der herrliche bedachtsame Greis\neigentlich noch lebte, wenn man es recht bedachte.\nDie Situation begann, leise lächerlich zu werden.\nDer Leichenwagen stand, wenn ich mich so aus-\ndrücken darf, schon vor der Tür. Dienerschaft,\nVerwandte, Freunde, Nachbarn, selbst Haustiere\nwaren festlich aufgeregt. Wirkt doch der Tod\nimmer ein wenig sensationell! Aber Federhüt\nmußte sich und die andern enttäuschen. Er lebte,\nund seine Aerzte weigerten sich höflich, aber ent-\nschieden, ihm den Totenschein auszustellen. In\ndieser grenzenlosen Verlegenheit entschloß sich der\nalte Herr zu einem verzweifelten Schritt: er nahm\nmehrere Schlafpulver auf einmal, röchelte noch eine\nWeile und wurde dann zu seiner satten Befriedi-\ngung für tot gehalten. Später mericte er, daß &\nnur scheintot war, hätte aber kein Interesse daran,\nden drolligen Irrtum, über den er sich innerliöh\nfast tot lachte, aufzuklären, und ließ mit Wahrhaft\nwollüstiger Ueberlegenheit sich wie einen ehrlichen\nLeichnam behandeln. Die Verwandten, Leute von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4211, "texte": "unglaublicher Feinfühligkeit, hatten beschlossen, die\nLeiche verbrennen zu lassen, um recht sicher zu\ngehen. Dieses erfuhr der alte Herr bei Gelegenheit\nseiner Leichenwäsche. „Der Geschmack ist ver-\nschieden\", überlegte er. „Wie sehr würde ich es\nVorziehen, beerdigt zu werden! Aber schließlich\ngeht es mich nichts an.\" Als ein Scheintoter hatte\ner nämlich den Vorteil der echten Toten erlangt,\nsich für sich selber nicht mehr so ängstlich inter-\nessieren zu müssen. Tatsächlich ist diese Ueber-\ninteressiertheit nur ein krampfhaftes Vorurteil der\nLebendigen. Federhut hatte bei Lebzeiten die Be-\nerdigung der Verbrennung stets vorgezogen. Jetzt\nwollte er sich vor Lachen (innerem natürlich!) fast\nausschütten, wenn er dieses Mangels an Gleich-\ngültigkeit gedachte. Jeder allgemein Durchgebildete\nweiß, wie schreckhaft der Uebergang aus dem\nScheintod in den echten ist. Auf diesen Punkt\nrichtete jetzt Federhut sein besonderes Augenmerk.\n„Wenn sie mich in den Bratofen schieben, will\nich1 mit aller Gewalt an etwas Anderes denken.\nProtestieren werde ich nicht: erstlich, weil es nicht\nvornehm wirkt; zweitens, weil ich es nicht kann.\nIch bin also entschuldigt.\" Sein Urenkel, ein über-\ntrieben blonder Gymnasiast, trat an seinen Sarg\nheran, schnupperte, nieste heftig und meinte ver-\nwundert: „ich rieche gar nichts\". „Aha\",'freute\nsich Federhut, „diese Aasgeier lechzen nach dera\nAroma meiner Verwesung? Wirklich, vor einem\nScheintoten bereits blamieren sich alle Lebendigen\n— wie erst vor einem Toten!\" Im selben Moment\nsah er einen richtigen kleinen Aaskäfer auf seiner\nUnken Hand spazieren gehen. „Nanu?\" fragte\nFederhut. „Ist das ein langweiliger alter Kerl\",\nreplizierte der Käfer: „Tote, mein Alter, verpflich-\nten sich stillschweigend, zu verwesen. Es ist rück-\nsichtslos von Ihnen.\" „Aber bitte sehr, liebes Got-\ntesgeschöpf, knuppern Sie, soviel Sie wollen, das\nbischen haut goüt macht den Braten nicht fetter;\nbon appetit!\" So verlebte denn der Greis seine\nletzte Zeit sehr abwechselungsreich, und jeden\nAugenblick ereignete sich irgend Etwas!, das weder\nLebenden noch Toten passieren kann. Endlich war\nder feierliche Augenblick herangekommen, wo er\nverbrannt werden sollte. Zunächst war noch eine\nkleine Eisenbahnfahrt zurückzulegen. Der Bedau-\nernswerte wurde verladen wie ein Gepäckstück. Im\nGefolge der Leidtragenden befand sich Professor\nGonzaga-Müller, der beliebte Anatom, den man\nsozusagen einen Nekrophilen in der Theorie heißen\nkonnte. Dieser Gonzaga hätte den alten Mann\nfür sein Leben gern seziert, fürchtete nur den Vor-\nwurf der Pietätlosigkeit. Ihm kam nun der Ein-\nfall, Pietät mit Wissenschaft auszusöhnen, indem\ner den Vorschlag machte, man möge dem Feder-\nhute doch die Adern öffnen, der Gewissenhaftig-\nkeit wegen, bevor man ihn der Flamme übergab,\nda die Leiche immerhin einen bedenklich frischen\nEindruck machte. Einige Backfische klatschten in\ndie Händchen: „Ach ja! ach ja! Onkel Müller\";\nund jener Gymnasiast hoppste von einem Bein aufs\nandere, so sehr übermannte ihn der Respekt vor\nder Wissenschaft. Müllerchen schloß sich mit\nFederhüt in einem Kabinettchen des Krematoriums\nein, zog sein Messerchen und Pinzettchen und\nöffnete dem Federhute nach allen Regeln der Kunst\ndie linke Pulsader. Federhut zuckte zusammen,\nschnellte auf, erblickte Gonzagerl, den er niemals\ngeliebt hatte. Von überirdischer Wut über dessen\nFreveltat ergriffen, entriß er ihm das Messer und\nstieß es ihm mit aller Gewalt zwischen die Rippen.\nMüller hatte nur noch Zeit, ein tiefes Wort der Ent-\nschuldigung zu stammeln, dann sank er als Leiche\nin sich zusammen. Federhut, ein alter, aber rüstiger\nHerr, versetzte ihm ein paar Fußtritte. Als er sich\näber erinnerte, daß er mit offener Pulsader exi-\nstierte, weinte er bitterlich1 wie ein Kind und starb\nneben Müller. Im Kabinett war eine Stille ent-\nstanden, wie sie nur zwei Tote mit vereinten Kräften\nbewerkstelligen können. —\nAußen hatten sich inzwischen die ungeduldigen\nFamilienangehörigen versammelt. Die Backfisch-\ndien wisperten durchs Schlüsselloch: „Onkelchen\nMüller — Kuckuck! Kuckuck!\" Und der Gym-\nnasiast schrie aus mancherlei Gründen, vielleicht\num sich den Anstrich wissenschaftlicher Kollegialität\nzu geben: Quod erat demonstrandum."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "173", "page_fin": "173", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.6", "titre_corps": "Achtes Gespräch: Indes die Göttin krank liegt / Von den hôheren Tonordnungen : Ueber die Musik", "titre_sommaire": "Achtes Gespräch: Indes die Göttin krank liegt / Von den hôheren Tonordnungen : Ueber die Musik", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.3", "debut_caractere": 4213, "fin_caractere_exclue": 9454, "texte": "Gespräche mit Kalypso\nAchtes Gespräch: Indes die Göttin krank\nliegt / Von den hôheren Tonordnungen\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nDer Alte\nDu begreifst gut und ganz. Ich höhne auch der\nDichtkunst, die sich sättigt im Seelenentwickeln:\nalles nur verstehen heißt alles erniedrigen. Aber\ndies sind uns nur Gleichnisse für die magdhafte\nMusik.\nGanz ungebunden, ideenflüchtig kann selbst\neine so nachfolgend zusammengehaltene Reihe nicht\nheißen, weil ja auch die Wirklichkeit, die wir be-\ngreifen, und welche diese Musik heranzieht, nicht\nwirr ideenflüchtig ist; Gleichheit und Aehnlichkeit\ntritt in der wechselnden Abfolge des Lebens her-\nvor; wichtiges und unwichtiges wird in der Ab-\nfolge, die selbst zusammenhängt, unterschieden; auf\nein Ende, ein Ziel hin bewegt sich die Abfolge —\nwie in der strengsten Musik. So werden die freien\nGebilde, nachfolgend, doch zugleich mehr oder\nweniger in sidi geordnet. Du mußt Dich nicht\nwundern über dies Zusammentreffen und die Ueber-\neinstimmung der Wirklichkeits- und Musikordnung;\nes ist ja derselbe Mensch, um dessen Wirklichkeit\nund Musik es sich1 handelt; es ist darum dieselbe\nOrdnungsweise, die er der Wirklichkeit und Musik\ngibt, ohne daß eine der andern nachahmte. Ord-\nnung auf verschiedenen Gebieten, aber nicht ver-\nschiedene Ordnung. Es erhebt sich sogar eine Ton-\nkunst, welche sich an der Einheit des Geschehens\nvergreift und von hier die Ausbreitung des1 Ge-\nschehens durchdringt, musikalisch das Skelett des\nGeschehens geben will. Sie trennt mit eindringen-\nder Schärfe und mit Tiefe Wichtiges von Unwichti-\ngem in kleinen Musikfolgen und führt mit Klar-\nheit den Zusammenhang durch. Weil diese Musik\ndas Wesentliche erfassen will, will ich sie plato-\nnische Musik gegen die nur beschreibend nach-\nfolgende epische nennen. In kürzeren, wortnahen\nWendungen, Motiven, wird sie die „Idee\" zu formu-\nlieren suchen, oder die Qeeie, oder ein Seelenatom.\nAber kaum und nur mühsam werden audi hier die\nTonfolgen sich neben dem Wirklichkeitsvorgang\nals Musik behaupten, zu ganzer Musik gedeihen\nkönnen. Ueberall, wo zwei und mehr Künste und\nReihen zusammenstoßen, gibt es Leichen und\nBlessuren. Beherrschend muß immer eine Kunst\nhervortreten, — die andere zurückstehen lassen,\nsich unterordnen, nicht aber können sie nebenein-\nander mehr als nur eine kleine Strecke gleichen\nSchritt gehen, denn der Stein findet sich andere\nOrdnungsregeln als das Wort, der Ton andere als\nder Tanz, die Farbe. Und entweder bilden sie in\ndem Gesamtkunstwerk keine Einheit, oder es die-\nnen mehr oder weniger vergewaltigte Künste einer\nherrischen.\nDies muß festhalten, wer die Grenzen der\nKünste nicht verwischen und die Künste damit ver-\nöden will, — und wer Musik geben will. Doch1\nwill ich damit nicht die schöne Halbkunst, Hilfs-\nkunst: Musik schmähen.\nDer Junge\nSo fiel also der Wirklichkeitsplan als Ordnungs-\nregel der großen und ganzen Musik. Es bleibt der\nMusiker und sein Erlebnisplan, und die Eigen-\nsetzung der Töne.\nDer Alte\nWohl. Das Einzelne des Werkes ist vom Plane\naus unberechenbar, unableitbar. Als Plan leitet er\nnur ganz im Großen, festhaltend, richtend. Es\nwirkt der Musiker mit eigentümlichen Seelen-\nzusammenhängen und Erlebnissen, die ihm wider-\nfuhren, die mit ihm fuhren, die er ist, danach wäh-\nlend und wartend, jeweilig wechselnd in den nie-\ndrigsten bis zu den höchsten Ordnungsweisen der\nTöne. Da alles auf Anerkennung ruht, wuchs er\nin den Zusammenhängen der Vorwelt und Um-\nwelt, ein Richter aus ihren Gesetzen, entwickelt\nsich aus ihnen, eigenkräftig soweit, um eignes, so\ngewachsenes zur Anerkennung zu tragen. Die alten,\nuntern und obern Regeln, die anerkannten, die fast\nschon den Schein der Notwendigkeit trugen, zeigt er\nin ihrer Willkür und Frische, in seiner Willkür und\nFrische, rechtfertigt stets von neuem1 die\ndie seine Kunst gebildet toben, — löst die Rätsel,\ndeutet Hyroglyphen. Nicht gar so frei ist er, wie esi\nscheint, aber ihn zeichnet aus, daß er sich lebendig\nin das Nicht-umstoßbare, Vorhandene einfühlen, ein-\nfinden kann, verwandter der Vergangenheit als an-\ndere, älter als sie, uralt. — Auf diesem Boden als*}\nwächst die höchste, sehr unbestimmte Ordnungs-\nweise, wächst der Künstler selbst und welkt, mehrt\nden Reichtum der Erde und der Töne. So ende icH\nin dem Künstler, und so lobe ich den Musiker. Dies!\nist auch der belebende Quell, der die Musik durch-\nrieselt, der Geist, der über den Wassern schwebt\nUnd so preise ich die Musik: von Menschen kommt\nsie, zu Menschen geht sie.\nDer Junge\nDer Wahrheit letzter Schluß : Der Mensch, ein\nKind der iVor- unld Umwelt, in ihrem Namen schöpfe*\nrisch. — Du sagtest gestern, ich sei töricht, wenü\nich an den Tod glaube, ich ein Kind der Welt, die\nLeben und Tat heißt. — Laß die Musik; wir\nsprachen wohl auch zu Ende. Wüßte auch idh sol-\nchen Geist, der über mir schwebt und mich tragen\nkann, mich tragen will! — Mich belebt\nich trage keine Früchte, bin eine taube Blüte, und\nwenn ich welke, wird der Boden nicht reicher.\nO Kalypso, die schlimme Zauberin, Verderberin.\nHilf mir dagegen, daß ich immer denken muß:\nMeer ist kalt; es gibt ein Meer dort drüben, dort\ndraußen.\n(Wirft sich auf den Boden.) Ich bin jung, idi\nhöre nicht die Musik, hat Kalypso's Mund auch1 Von\nihr gesprochen; ich höre nur das Meer."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "173", "page_fin": "174", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.7", "titre_corps": "So schlecht wie einst", "titre_sommaire": "So schlecht wie einst", "signature_source": "Karl Kraus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.3", "debut_caractere": 9498, "fin_caractere_exclue": 12064, "texte": "So schlecht wie einst\nVon Karl Kraus\nWenn die Reinhardt-Gesellschaft Wien wieder\nverläßt, ist die Kritik dümmer geworden, und das\nBurgtheater muß es büßen. Nun hat es ja das\nBurgtheater nicht besser verdient, und wiewohl seine\nZwerge in der Aufmachung des Herrn Reinhardt\nund zumal wenn sie als Gäste nach Wien kämen,\nins Riesenhafte wüchsen, so mag man zugeben,\ndaß; das Burgtheater heute auch unverdienten Tadel\nverdient hat. Denn ein Theater, welches sich von\nPompeji bloß dadurch unterscheidet, daß es keine\nTrümmer hat, und welches ausschließlich auf die\nVersicherung der Fremdenführer angewiesen ist,\nhier sei einmal die Wolter gegangen, hat für Ein-\nheimische die Kasse zu schließen. Im allgemeinen\nMangel an schauspielerischen Persönlichkeiten liegt\ngewiß ein hinreichender Grund, ein\nTheater zu entschuldigen, obschon kein hin-\nreichender Grund, es zu besuchen. Aber Wenn\nes ein Theater gibt, dem auch die NachsliCht ver-\nsagt werden muß., so ist es das Burgtheater,\nund keines hat wie dieses die Verpflichtung,\neinen ehrenvollen Tod einem schmählichen Leben\nvorzuziehen. Traditionslose Bühnen mögen sich von\nunternehmenden Budapestern die Kultur und son-\nstige Surrogate erwirtschaften lassen. Das Burg-\ntheater hätte seinen Namen zu ändern, wenn es seine\nVergangenheit zu überleben beabsichtigt, es hätte\nauf seinem Zettel bloß den berührten Punkt zu\nbelassen, den man infolge einer Anregung der\n„Fackel\" voreilig beseitigt hat, und es1 dürfte dann\ngetrost auch gute Kinematographenvorstellungen\ngeben, die immer noch würdiger wären, als schlechte\nKlassikervorstellungen. Sicherlich, die Noblesse\ndieser Wüste, die es bisher verschmäht hat, sich mit\nmalerischen Ausreden zu verleugnen, ist sympathi-\nscher als jenes zudringliche Fata morgana-Spiel, das\nin jedem Sommer unsere Kamele beglückt. Aber\ndas Theater ist nicht dazu da, Mittelschülern jdie\nLektüre der Klassiker zu ersparen. Wenn der Zeit,\nin der wir leben, schauspielerische Persönlichkeiten\nnicht abzugewinnen sind, so dränge sich ihr das\nBurgtheater nicht auf. Sonst gibt es sich einer\nUngerechtigkeit preis, die einen Theaterdirektor für\nden Lauf der Welt verantwortlich1 macht, und jener\nkritischen Ungezogenheit, die einen toten Adler er-\nmuntert, sich1 an einem lebenden Spatzen ein Bei-\nspiel zu nehmen. Sobald Herr Reinhardt ins! Land\nkommt, sobald seine neuras thenischen Schlierseer\nunsern Theatersommer eröffnen, kann sich die junge\nKritik nicht fassen vor lauter Horizonten. So stelle\niCW mir die erste Unterrichtsstunde vor, wenn die\nsexuelle Aufklärung ein obligater Gegenstand sdn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3188, "texte": "wird. Peinlich ist dabei außer der jugendlichen\nFreude nur, daß sie sich seit so vielen Jahren\nwiederholt, und daß, die Dümmsten in der KlasSe\nam lautesten wiehern. Das ewig neue Erlebnis\nVerführt sie, die Mutter zu beschimpfen, die sie\nnur geboren hat, ohne ihnen zu sagen, wie es da-\nbei zugegangen ist. Welcher von den Herren, die\nheute in Theaterdingen den Mund voller nehmen,\nals es! ihrem Temperament geziemt, hätte ein Recht\nzu leugnen, daß auch er der alten Burgtheaterkunst\nseine ganze kleine Geistigkeit verdankt? Anstatt die\nneue Burgtheaterkunst an der alten zu messen, sagen\nsie, es1 sei dieselbe, und wagen es, dieser Herrn\nReinhardt als Meister zu empfehlen, dessen schau-\nspielerischer Fond ein vierter Galerieschall eines\nLewinsky-Tones ist, und dessen dramaturgisches\nImperium bloß die allgemeine Tüchtigkeit eines Ell-\nbogennaturells bedeutet, die Sich1 ebensogut im\nBankfach und im Feuilleton ausleben könnte. Das\n©tirgtheater aber ist so echtes Theater, daßi es eben\nin einer Epoche, die keine schauspielerischen Na-\nturen hervorbringt, schlechtes Theater sein muß,\nwährend der findige Geist, der keine Vorurteile und\nkeine Erinnerung zu besiegen hat, eine praktikable\nVerbindung von Ballettschule, Opiumkneipe und\nBildergalerie uns für Theater ausgeben kann. Wenn\nnun eine gläubige Kritik das Burgtheater tadeln\nwill, so sollte man dochr verlangen können, daß\nihre Besinnung immerhin zur Erkenntnis1 des Unter-\nschiedes zwischen einst und jetzt reicht, und daß\nsie vor den Wundern der Berliner Gastspiele bloß'\ndas heutige Burgtheater verkleinert. Wie mag es\nuns nun überraschen, daßi wir, auf die hundert-\njährige Wahrheit gefaßt, das Burgtheater sei nicht\nmehr das, was1 es einst war, die Meinung zu hören\nbekommen, es sei trotz dem Berliner Beispiel so\nschlecht wie einst! Einer will einer Burgtheater-\nvorstellung das Schlimmste nachsagen und sagt:\n„Einen Abend lang war es möglich, sich einzu-\nbilden, wir seien noch in den achtziger Jahren, des\nvorigen Säkulums. Diese Vorstellung hätte ebenso\ngut unter Adolf Wilbrandt stattfinden können.\" Es\nwird also gottseidank zugegeben, daßi in der Zeit\nder Wolter, der Meixner, Baumeister und Sonnen-\nthäl, der Gabillons und Hartmanns1, der Mitter-\nwurzer, Krastel und Robert die Sache zur Not\nebenso geglückt wäre. „Was man sah und hörte,\nwar von einer achtbaren Schablone, von einer re-\nspektablen Banalität . . . Da war alles1 von einer\nganz und gar unwichtigen Bravheit.\" Mit einem\n;Wort, ganz so wie damals. „Ich- habe keinen ein-\nzigen Akzent, keine Gebärde, kein Wort mit aus\ndem Theater genommen, davon mein Herz schneller\ngeschlagen hätte, nichts, wodurch ich in meinem\nkünstlerischen Besitzstand glücklicher und reicher\ngeworden wäre.\" Also ganz wie in der Theater-\nzeit, in deren Erinnerung unser Herz schneller\nschlägt und die, wenn Theatereindrücke solches ver-\nmögen, unsern künstlerischen Besitzstand geschaffen\nhat. Bei manchen Leuten, die später Journalisten\nwurden, scheint es' ihr nicht gelungen zu sein. Es\nwar eine arme Zeit, die ein reiches Theater hatte.\nDas Burgtheater schwindelt sich nicht durch die\nZeiten; es kann nicht hochstapeln. Aber es sollte\nauch nicht als Bettler den Verkehr hindern."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "174", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.8", "titre_corps": "Von teutscher Art und Kunst", "titre_sommaire": "Von teutscher Art und Kunst", "signature_source": "L. L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.4", "debut_caractere": 3190, "fin_caractere_exclue": 6843, "texte": "Von teutscher Art und Kunst\nL. L.\nHerr Professor Bartels stellt die Tatsachen auf\nden Kopf, um ihnen bequemer unter die Röcke\nfassen zu können; sonst käme er nämlich' nicht ran.\nUnd dieser Mann hält sich — ich bin wenigstens!\nziemlich fest davon überzeugt — für normal.\nSeine vornehkne Darstellungslart — „denn mit\nschlechten Waffen dürfen wir Deutsche nicht kämp-\nfen\" — ist innerlich verlogen, (äußerlich verlogen,\nganz und gar verlogen.\nEr greift sich aus: der Literaturgeschichte will-\nkürlich eine Anzahl jüdischer Namen heraus! und\nbeschnüffelt sie in der allen Hunden eigentümlichen\nWeise. Hatte nun einer von diesen Juden keinen\nErfolg, so wird das natürlich1 herangezogen als\nbester Beweis für die spezielle und allgemeine\njüdische Inferiorität. War aber Erfolg vorhanden,\nso ist natürlich der Betroffene eben „emporgekom-\nmen, ohne daß sich ihm die Schwierigkeiten in den\nWeg stellten, mit denen wir Deutsche so oft zu\nkämpfen haben\". Er läßt sich' bei so günstiger\nGelegenheit Leute wie Blumenthal, von den Juden\nbekanntlich stets als der wahre deutsche Dichter\ngepriesen, nicht entgehen, und ruft mit Ueberzeu-\ngungstreue: „Daß Blumenthal nicht Dichter, son-\ndern Geschäftsmann ist, wird doch keiner be-\nstreiten\". Und bei dem ungewohnten Gefühl,\netwas Wahres zu sagen, wächst er über sich selbst\nhinaus; klettert sichtlich auf seinen eigenen Kopf.\nNun scheint es aber unter den Juden noch\nimmer nicht genug schlechte Dichter zu geben, um\neinen Bartels'schen Vortrag auszufüllen. Darum\nholt er sich aus dem eigenen Lager Zuwachs.\nLindau, „mit dem die Verjudung unserer Literatur\nbeginnt\", der arme protestantische Pastors-Enkel\nmuß zunächst dran glauben. Zwar wird mit\nschwerem Herzen zugegeben, daß er „allerdings\nkein reiner Jude\"' ist, „aber er hat sich dodh ziem-\nlich rein zum Jüdischen entwickelt\". Audi Spiel-\nhägen, Paul Heyse, Hans Hopfen stellen sich nach\ngenauer Untersuchung und Zählung ihrer Bluts-\ntropfen als infiziert heraus; von Thomas Mann er-\ngibt sich, daß seiner Vorfahren selig Uebertritt\nzum Christentum schon ungefähr hundert Jahre vor\nChristi Geburt erfolgt ist; doch was tuts: „ein\nJude ist er\".\nSolche Spitzfindigkeit ist sicher nicht auf ger-\nmanischem Mist gewachsen, doch „ein Deutscher\nmacht auch aus jüdischen Stoffen etwas\". Kann\nüberhaupt alles, der Deutsche, wenn er nur will:\ndie Juden sind „formal ja ganz groß, aber wenn\nein Deutscher sich aufs Formale legt, kann er es\nauch erreichen\". Mit einem Wort also: „die\njüdische Mitarbeiterschaft ist nicht nötig\". Zumal\ndurch sie ein unruhiger Geist „in uns\" hinein-\nkommt, denn „die Juden sind viel neuerungssüch-\ntiger als wir, sie müssen alle paar Jahre was Neues\nhaben\". Natürlich sind sie „alle radikal\" und neigen\nzu „gewissen politischen Richtungen\", deren Namen\nauszusprechen der Alldeutsche natürlich nicht wagt.\nBedenklicher wird das Verfahren der unzweideu-\ntigen Dreideutigkeit, wenn erklärt wird, daß „unser\ndeutsches Volk durch Verbrechen und Geisteskrank-\nheiten heruntergekommen ist\", und daß „eine Masse\nVolkskrankheiten zunehmen\". Was und wen man\nmit dieser Andeutung meint, läßt man in diskretem\nBogenlampendunkel. Doch' wird die Hoffnung aus-\ngesprochen, daß „wir's schon überwinden werden\";\n„haben wir doch sch . i ähnliche Perioden gehabt,\nwo wir wieder emporgekommen sind, nach dem\n3reißigjährigen Krieg, nach1 1806 usw.\".\n„Ich (Professor Adolf Bartels) predige also ganz\nruhig den Kampf gegen das Judentum in der\nLiteratur\".\nNun, ich schließe mich aus1 vollem Herzen an.\nBerlin, Anfang Heuerts 2023\n(Nach teutonischer Zeitrechnung).\nZum Berliner Vortrag des Herrn Professor Adolf Bartels aus\nWeimar über Judentum und deutsche Literatur"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "174", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.9", "titre_corps": "Das bespuckte Genie", "titre_sommaire": "Das bespuckte Genie", "signature_source": "R. K. Neumann-Lankwitz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.4", "debut_caractere": 6845, "fin_caractere_exclue": 11225, "texte": "Das bespuckte Genie\nR. K. Neumann-Lankwitz\nDas Inquisitionstribunal gehöre der Vergangen-\nheit an, sagte man mir unlängst, als ich auf Ferrer\nzu sprechen kam. Wirklich? Aber ein Psychiater\nhatte ja gesagt, daß die Aerzte die Richter der\nZukunft sein würden. Diese Perspektive ist ent-\nsetzlich! Dann lieber Daumenschrauben und spa-\nnische Stiefel als! die Zwangsjacke in der Isolier-\nzelle, denn das Fangnetz beider ist engmaschig,\nsei es nun aus Paragraphen oder psychiatrischen\nTheorien gesponnen. Damit aber die Gegenwart\nnicht ohne Spuk sei, entdeckte man eines Tages\nin Wien das Unterbewußtsein, das man aus einem\nHirne Hiram Witts wie einen Blinddarm heraus-\nschnitt. Ich dachte erst, eine neue Groteske von\nGustav Meyrink zu lesen, aber nein, Alfred Holz-\nbock sollte recht behalten, daß nämlich nichts roman-\nhafter als das Leben sei. Die Psychoanalyse war\nerfunden — und wem es nicht darauf ankam, für\ndie Sitzung 25 Kronen zu bezahlen, der konnte\nbald entdecken, welchen Reichtum er in seiner Seele\ntrug. Es war keiner, dem der Analytiker nicht\neinen Inzest mit seiner Mutter und Schwester, eine\nhomosexuelle Liebe zu dem Vater und Bruder nach-\nweisen konnte. Aber nicht genug damit. Da die\nUntersuchten sich gegen derartige Peinlichkeiten\nwehrten, welche die Richter der Gegenwart nicht\ndulden durften, so wurden die Richter der Zukunft\nzu Nekrophilen und Nekrophagen — und auf den\nliterarischen Friedhöfen, die in letzter Zeit von Aas-\ngeiern und lichtscheuem Gesindel ausgeraubt wur-\nden, sah man die psychoanalytische Hyäne ihr Un-\nwesen treiben.\nLeonardo da Vinci ist das neueste Opfer.\nHerrn Professor Dr. Sigmund Freud ist es geglückt\n„Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci\"\n(„Schriften zur angewandten Seelenkunde\" Heft 7)\nüber Jahrhunderte hinweg zu entdecken. Freud\nweiß, daß Leonardo ein „homosexuell Fühlender\"\ngewesen ist. Freud weiß aber noch viel mehr!\n„Seine Bilder\", behauptet er, „atmen eine Mystik1,\nin deren Geheimnis einzudringen man nicht wagt;\nman kann es höchstens versuchen, den Anschluß an\ndie früheren Schöpfungen Leonardos herzustellen\",\nEr wagt es nicht, die Bilder zu betasten, weil ihm\nsonst Herr Bode, der seine Kenntnisse beim Ent-\ndecken der Florabüste auf den Kopf kom-\nmen würde. Er wagt es nicht, lieber greift er dem\nLeonardo an die Genitialien. Aber nirgends Steht\nbei ihm, daß die Flora ein Stridhjunge ist oder eine\nLesbierin, oder zum mindesten ein Transvestit.\n„Die Gestalten sind wieder mannweiblich, aber\nnicht mehr im Sinne der Geierphantasie, es1 $ind\nschöne Jünglinge von weiblicher Zartheit mit weibi-\nschen Formen, sie schlagen die Augen nicht nieder,\nsondern blicken geheimnisvoll triumphierend, als\nwüßten sie von einem großen Glückserfolg, von\ndem man schweigen muß:; das bekannte berückende\nLächeln läßt ahnen, daß es ein Liebesgeheimnis ist.\n'Möglich1, daß Leonardo in diesen Gestalten das\nUnglück seines Liebeslebens verleugnet und künst-\nlerisch überwunden hat, indem er die Wunsch-\nerfüllung des von der Mutter betörten Knaben in\nsolch seliger Vereinigung von männlichem und Weib-\nHchem Wesen darstellte.\" Leonardos Mutter muß\nauch dran glauben, und ihr „verzücktes Lächeln\"\nund ihr „sinnbetörendes Auge\" reizen den Meister\nzu dem „ideellen Inzest\". Nur daßi Leonardo beim\nStuhlgang Wollustempfindungen gehabt habe Und\nder Defäkation eines Pferdes nicht ohne Erektionen\nzusehen konnte, bleibt uns erspart, denn beide sind\nGlanznummern des psychoanalytischen Programms.\nProfessor Freud weiß aber auch1, daß: „die\nHauptzüge der organischen Konstitution eines Men-\nschen durch die Vermengung männlicher und weib-\nlicher Anlagen im stofflichen Sinne zu erklären sind;\ndie Körperschönheit wie die Link&händigkeit Leo-\nnardos gestatten hier manche Anlehnung.\"\nEs sei den Psychoanalytikern hier noch einmal\ngesagt: Der Künstler schafft unabhängig von Zeit\nund Raum. Er kann Liebesgedichte schreiben, wenn\ner impotent ist, und Mäßigkeitslieder im Rausch1.\nEr durchbricht die Grenze der Sexualität, die die\nPsychiatrie gebaut hat; es gibt da keine Norm.\nNur wie er es mit der Defäkation hält, weiß' ich\nnicht. Die Analytiker lassen natürlich die Finger\nnicht von dem Stoff. Doch ist es jetzt Zeit, an\neinen Ausspruch von Karl Kraus zu erinnern:\n„Eine gewisse Psychoanalyse ist die Beschäfti-\ngung geiler Rationalisten, die alles1 in der Welt\nauf sexuelle Ursachen zurückführen, mit Ausnahme\nihrer Beschäftigung.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "176", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.10", "titre_corps": "Die Eroberung von Norderney", "titre_sommaire": "Die Eroberung von Norderney", "signature_source": "J. 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Zur Besingung\ndieser neuesten Attraktion wurde Norbert Falk ans\nMeer geschickt.\nSo tief kann die Nordsee nicht sein, daß ein\nJournalist an ihrer Küste standhaft seicht zu bleiben\nnicht fähig wäre, und so viel sie auch lockt und\nspiegelt, er wirft die Sandschaufel fort, taucht die\nFeder tief in den Wellenschaum, bricht die See-\nzungenstummheit und sucht Erholung in mensch-\nlicher Beredsamkeit vom schweigenden Genießen\ndes Ins-Meer-Starrens.\nAber die Windstille des Witzes greift nicht in\ndie schlaffen Gedankensegel, und die Canseriebarke\nbleibt im Dünensande der gewöhnlichsten Reklame\nstecken.\nJa die „Lesehalle der Berliner Morgenpost\"!\nDem Börsenjobber wird sie den Aufenthalt i»\nNorderney dadurch1 genußreicher machen, daß sie\nihn von den letzten Kursen der großen Börsen\ninformiert, unzähligen Liebenden gibt sie süße Ge-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2070, "texte": "tegeftHeit, zärtliche Briefe auf Gratispapier zu schrei-\nben, und der sparsamen Hausfrau ermöglicht sie\nes, auf kostenlosem Briefbogen teuere Wünsche an\nihren fernen Oatten zu richten. Aber sie isft auch\ndie Hauptverkaufsstelle der so schnell beliebt ge-\nwordenen Ullstein - Bücher, Von denen in jedem\nStrandkorb mindestens ein Exemplar sich findet\nFalk muß seine Nasie in jeden Strandkorb gesteckt\nhaben, daß er das sso gut Weiß. Aber kein Korb-\ninsasse hat ihm ein Exemplar der so schnell be-\nliebt gewordenen Ullstein-Bücher an den Kopf\ngewbrfen, aus einem oder dem andern Grund.\nDie Nordsee ist ein zahtnes, geduldiges Wasser.\nSie rächt sich nicht für die Ueberschwemmung ihrer\nKüste mit Ullsteinprodukten, sie schlickt keine Welle,\ndaß sie den Humbug hin wegspüle. —\nEin Waldhornist bläst in Falks gestimmter Seele\ndie Erinnerung an Heine hinauf. Falk und der\nWaldhornist im zigarrenraucherfüllten Lokal sjind\ndie einzigen, die hier — allerdings im Umwege\nüber Schuberts Komposition — des Nordseeliieder-\ndichters gedenken. Der Waldhornist bläst es in die\nwundervolle Nacht, daß das Meer weit hinaus er-\nglänzt. Er wird dafür bezahlt und gibt sich Zu-\nfrieden. Nicht so Falk. Er kann sich an den denk-\nmallosen Dichter nicht erinnern, ohne öchmerzlich\nzu empfinden, daß in Norderney kein Zeichen, kein\nGedenken an ihn mahnt, daß man daselbst nicht\neinmal einen Extradruck des Nordsee-Zyklus haben\nkann. Ja, es wird ihm zur herzbeklemmenden Ge-\nwißheit, daß man da kaum weiß, was das1 ist.\nAber er will es nicht ergründen, sonst käme zu der\nallgemeinen deutschen Heinefrage und zur\nspeziellen Hamburger noch eine Norderneyer. Ihr\nwäre allerdings leicht abzuhelfen. 'Es! wird doch\nin der „Morgenpost-Lesehalle\" einen Winkel für eine\nHeinebüste geben. Sie gehört dahin, denn Heine\nHatte, Wäre es ihm vergönnt gewesen, im Ullstein-\nschen Zeitalter zu leben, seinem Nordseezyklus einen\nVers zugefügt, der diesem vielleicht ähnlich ge-\nwesen wäre:\nMaßlos würde mich bedrücken\nUngestümer Minne Fluch,\nWenn mir Tröstung und Entzücken\nBrächte nicht ein Ullstein-Budh.\n\nJ. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.10.1", "titre_corps": "Menschenköpfe : III / Herwarth Walden", "titre_sommaire": "Menschenköpfe : III / Herwarth Walden", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 69, "texte": "Menschenköpfe / Zeichnungen von Oskar Kokoschka\nIII / Herwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.11", "titre_corps": "Warnung an die Provinzpresse", "titre_sommaire": "Warnung an die Provinzpresse", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.6", "debut_caractere": 2072, "fin_caractere_exclue": 4186, "texte": "Warnung an die Provinzpresse\nDie Herren Redakteure der Provinz pflegen sich\nim allgemeinen nicht um zeitgenössische Literatur\nund Kunst zu bekümmern. Sie begnügen sich, me-\ndianisch das abzudrucken, was ihnen die soge-\nnannten Feuilletonkorrenpöndenzen aus Berlin zu-\nkommen lassen. Der unwissende Leser sei einmal\nüber diesen Betrieb aufgeklart. Da sitzt irgend so\nein Herr, der im Nebenberuf Schwanke schreibt\nund Zeitschriften für Halbgebildete mit Feuilletons\nversorgt, an seinem Schreibtisch, durchschnüffelt\nsämtliche wertvollen Blätter nach Dingen, die sein\nGehirn nicht faßt, schneidet sie aus und versieht\nsie teils mit albernen, teils mit frechen Anmer-\nkungen. Außerdem liefert er noch die rühmlichen\nBerliner Briefe, in denen er dem ahnungslosen\nProvinzpublikum die unglaublichsten Märchen über\nLiteratur, Theater, Musik und Mondänität aufzu-\nbinden versucht. Das ist das Wesen der Feuilleton-\nkorrespondenzen, die den gesamten literarischen\nund künstlerischen Teil der Provinzpresse be-\nherrschen.\nAm wenigsten können sich nun diese Herren\nin der Welt unserer Mitarbeiter zurechtfinden. Wir\nsind nicht gewillt, ihnen an dieser Stelle Aufklärung\nüber das Wesen der Kunst und insbesondere der\nLyrik zuteil werden zu lassen. Aber: Wir wollen\nden Herren einmal gründlich das Handwerk legen.\nUnd zugleich die Redakteure der Provinzpressie\nzwingen, nicht gedankenlos Frechheiten und Torhei-\nten zu verbreiten. Durch einen Teil der Presse geht\nzurzeit wieder einmal ein Gedicfht aus unserer Zeit-\nschrift, vergehen mit idiotischen Ausruf ungszeichen\nund dummen Bemerkungen. Wir geben der Pjtoh\nvinzpresse hierdurch bekannt, daß wir gegen sämt-\nliche Redaktionen, die sich diesen Nachdruck lei-\nsteten, im Auftrage des Verfassers das Strafver-\nfahren wegen Beleidigung angestrengt haben, und\nwarnen hierdurch ausdrücklich den Teil der Blätter,\nder sich noch dieses zweifelhafte Vergnügen leisten\nwill, sich derselben Strafverfolgung auszusetzen1.\nGegen Kritik haben wir nichts einzuwenden, gegen\nRüpelei und Pöbelhaftigkeit sind die Gerichte die\ngeeigneten Instanzen.\nDie Redaktion der Wochenschrift Der Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.12", "titre_corps": "Berichtigung", "titre_sommaire": "Berichtigung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.6", "debut_caractere": 4188, "fin_caractere_exclue": 4413, "texte": "Berichtigung\nIn der Arbeit Von Else Lasker-Schüler: Oskar\nKokoschka heisst der erste Satz des letzten Ab-\nschnitts: Oskar Kokoschka ist eine junge Priestergestalt,\nhimmelnd seine blauerfüllten Augen und zögernd und\nhochmütig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.6", "debut_caractere": 4489, "fin_caractere_exclue": 5012, "texte": "t\n-y\n0\nM\nVLO\n%\ns?\ni\nV*\n%\n&\n!t\n(47\n%r*\n4?\nHohle Zanne sind, wie die mdsteit aus Erfahrung wissen,\neines der unangenehmsten und schmerzhaftesten Uebel,\nunter welchen die Menschheit zu leiden hat. Man hute\nsich daher dringend vor Vernachlassigung der Zahn-\npflege und gebrauche taglich Kosmin Mundwasser,\nwelches den denkbar besten Schutz gegen das Hohlwerden\nder Zahne bietet, gleichzeitig das Zahnfleisch kraftigt\nund den gesamten Mundorganismus erfrisdit. Preis pro\nFlasche, lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich\n1"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.6", "debut_caractere": 5014, "fin_caractere_exclue": 7236, "texte": "99\nKomoll\" gegen\nBrause\"\nBerichtigung\nWir haben die Franz Hartmann Sinalco Aktiengesellschaft nicht zu einem Zeitungskrieg herausgefordert, sondern ihr den offentlichen Vorwiirl des unlauteren\nWettbewerbs gemacht, nachdem sie einer am 3. Juli v. Js. iibernommenen vertraglichen Verpflichtung, in Zukunft keine unwahren Angaben iiber Sinalco zu machen, nicht\nloyal nachgekommen ist.\n. Statt unser sachliches Inserat sachlich zu antworten und unseren Vorwurf zu widerlegen - wozu sie abar nicht imstande ist — hat die Franz Hartmann Sinalco\nAktiengesellschaft nach alter Gewohnheit den Angriff zu einer Reklame auszunutzen versucht, indem sie ein aus dem Jahre 1905 stammendes, veraltetes Gutachten unseres\nMitmhabers Dr. Komoll zitiert.\nDieses Gutachten ist seites des Herrn Dr. Komoll langst widerrufen worden, weil er sich bei seiner Abgabe in einem von Herrn Hartmann hervorgerufenen\nIrrtum iiber die Zusammensetzung des Getrankes befunden hat. Herrn Hartmann ist durch Einschreibebrief vom 15. Tanuar 1907 die weitere Verwendung zu Reklame-\nZweckeu unter Androhung von Gegenmassregeln untersagt worden.\n_. _ die weitere Verwendung dieses Gntachtens ist bereits einmal Klage erhoben worden. Diese, sowie etwa ein Dutzend anderer Klagen gegen Hartmann und\ndie riojiz Hartmann Sinalco Aktiengesellschaft und deren Angestellte usw. wiirde durch den von gegnerischer Seite ange balm ten Vergleich beigelegt\nEs ist diesseits aber sowohl vor wie bei Abschluss des Vergleichs nachdriicklichst seitens unseres Herrn Dr. Komoll betont worden, dass wir aach in Zukunft iede\nuniautere Reklame der Franz Hartmann Sinalco Aktiengesellschaft bekampfen wilrden.\nVon der hervorragenden Qualitat\" des „Smalco\" sollte die Firma besser schweigen. Sinalco ist ein Essenzprodukt, wie die meisten alkoholfreien Getranke : nichts\nweiter. Es ist aktenmassig festgestellt, was es mit der „stolzesten Errungenschft der deutschen Getranks-Industrie\" auf sich hat.\nNach unserem friiheren Aufklarrungs-Inserat .und der vorstehenden Berichtigung wird jeder, der die friihere Bilz-Reklame kennt, uuser Vorgehen gegen die Franz\nHartmann Sinalco Aktiengesellschaft gerechtfetigt finden. \" 6 &\n-Dr. 35. HCMOLL & Co., Fabrics &lkoh.olfr©ier Fr uclitsirup©"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.7", "debut_caractere": 179, "fin_caractere_exclue": 318, "texte": "3£RjLliri9lO\n/\\USSTEIkU\nAB6EWIESE\nKUWSTLER\nDER.\nBERLINER\n•SECERN'\nIN DER\n6ALERIE\n/MAXIMILIAN\n•/nACHT\nBERLIN.WSO\nRANKESTr.I •\nmm\nw-\nTAPPeRT*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.7", "debut_caractere": 320, "fin_caractere_exclue": 375, "texte": "ifujVcl* J CK/i\nAAwwruxxn - (/VuiU«4|\niJafaJ&WUAAk,*\nHi"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.7", "debut_caractere": 377, "fin_caractere_exclue": 726, "texte": "Wer den Inhait dieses Blattes „goutiert\",\ne\n3-\n(T\nCA\n<»\n-112\ns.\nQ-\nP*\n\"-K\no\n3-\nrf.\nS-\n»\n3.\no\nweiss auch, welch hohen Wert die\nMitarbeit des Reklame-Fachmannes\nfiir Industrielle und Kaufleute hat!\nEiner der bekanntesten Reklame-\nAnwalte ist Oms, Berlin -Steglitz*\nVeriangen Sie — unter gleichzeitiger\nEinsendung von Unterlagen —\nFlugblatt ~209\" ====="}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c019", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.7", "debut_caractere": 728, "fin_caractere_exclue": 1126, "texte": "Praia 1 Mark Preii 1 Mark\nM enthol-Malz-Dragees\n■ ■\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungs-\norgane / ermoglicht Schauspielern und Sangern\nsofortigen Gebrauch der erkrankten Organe\n—... ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN ■■■•«■\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Allelnige Fabrikantta\n..Pharmacia\" / Fabrik fur pharmaceutischen Bedarf / Beriin-Halcnsee\nWohlschmeckend Sicker wirkend\n■ ■\n■ B"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.7", "debut_caractere": 1128, "fin_caractere_exclue": 1405, "texte": "Der schonstc Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. 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Naheres die\nBofleitgeseliscftaft des (Uestens, ttlauerstr. $6»ss\nTelephon I, 7497"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c021", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.7", "debut_caractere": 1407, "fin_caractere_exclue": 2108, "texte": "Clntran i*; L| a Sanatorium and Erholangrsheim\nt ID Ken 111 U flic Post Mellenbach bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral-\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsrdume. 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G. 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Eine hsrvorragende Neuerselieiiiuftg ant dem Gebiete der Madchea-\nbildancr ist das Bnch\n„Brauclien wir noch Tocliterpensioriate ?\"\nyon Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer. Preis Mk. ft—\nWicbtigr liir Eltern heranwachsendcr Tochter, P&dagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Dle Knabenpensionate, deren Einrlehtnnf, ihr Inneres\nand stusserrs I»eben.\" Von L. Daniel. Ein Ratgeber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. 1,80.\n8. „l>as TiH'lnterpensionat\" ist die einzlge Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorsteherinnen verfritt. 7. iahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis liir die Praxis. Pro Halbjahr Mk. 5,50.\nDurch samtliche Buchhdig. 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IC HOP HI L<\n■ FT. M. 3,00 FL M. 3,00 ■\n| •uiumiiiiiii nur Deim Fabrikanten: «=**\n5 Otto Teutscher/ Priseur *\n1. Geschaft: 106 a Potsdamerstr., Eing\\ 63 Steglitzerstr.,Tel.Vl,673s ■\n|H 11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Tel. 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Mk. 0- (statt Mk. IS-)\nzu liefern.\nDieser Apparat ist aus dem allerfeinsten Material\nhergestellt, schwer versilbert und wird in elegantem •\nLeder-Etui mit 12 vorziiglichen Schneiden versandt.\nLassen Sie sich diese giinstige .\nGelegenheit nicht entgehen !! •\nBeachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Apparat bietet:\n1. Grosse Ersparnis an Zeit und Geld! ::\n2. Stets sauber rasiert, da Schneiden und Kratzen voll-\nstandig ausgeschlossen!\n3. Kein Warten beim Barbier!\n4. Keine Ansteckungsgefahr, wie Bartflechten usw.!\n5. Auf der Reise, auf See, im Manover usw. unentbehrlich!\n30 mal benntzt, hat sich der Apparat bezahlt gemaeht!\nDie in jeder Beziehung vorziiglichen Messer besitzen einen derartigen durch ein spezielles\nVerfahren hergestellten Hartegrad, dass sie fur den starksten Bart verwendbar sind.\nBestellen Sie sofort, denn diese 5000 Rasier-Apparate werden infolge 112 ihrer noch\nniemals gebotenen Billigkeit bald vergriffen sein.\nSie erhalten diesen tadellosen Rasier-Apparat gegen Nachnalime von 6,30 Mk. portofrei.\nWir richten nur die bescheidene Bitte an Sie, diesen Apparat in Ihrem werten Bekanntenkreise\nzu empfehlen.\nNach Absatz dieser 5000 Apparate kosten diese 15 Mark.\nVersandhaus cbemisehsr uod technischer Neuheiiea Hans Fredrich\n• »\nSW. 68, Kochstrasse ¥8"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-07-28-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-07-28_01#c030", "volume": "bmtnabg_1910-07-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "178", "page_fin": "178", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.8", "debut_caractere": 1717, "fin_caractere_exclue": 2013, "texte": "Landerziehungsheim Schlofl Drebkau N L\n■ Zwei Stunden von Berlin ■\nErziehung unci Unterricht nach modernen Grundsatzen\nAufnahme von Knaben ti. Madchen jederzeit — Grosser Park — Turn- u. 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Peitschenhiebe klatschen,\nund die Luft bekommt den brenzlichen Geruch ge-\nbratenen Menschenfleisches. La bete humaine . . .\nAber nein; der Mensch ist keine Bestie. Die\nBestie liebt, liebt einfach und wie es die Natur\neingerichtet hat. Der Mensch aber mißhandelt seine\nNatur, und die Natur mißhandelt den Eros in ihm.\nWir sind Bestien, die man in Ställe gesperrt, Bestien,\ndenen die natürliche Nahrung vorenthalten wird,\nBestien, die auf Befehl lieben müssen. Wir sind\nHaustiere.\nWäre der Mensch1 Bestie geblieben, dann wäre\neinmal im Jahre die Liebe in sein Herz gezogen.\nAber die mühsam zurückgehaltene Sinnlichkeit\nmacht uns jederzeit zur Liebe tauglich. Um den\nLenz wurden wir betrogen. Und diese Sinnlich-\nkeit ist nicht einfach, sondern kompliziert, nicht\nnatürlich, sondern widernatürlich.\nDiese unnatürliche Sinnlichkeit kommt in jedem\nJahrhundert, in jedem Jahrzehnt in anderer Weise\nzum Ausbruch'. Sie liegt an der Luft und wirkt\nansteckend. Bald verbreitet sie sich gleich einer\nPest, die man nicht verbergen kann, bald schleicht\nsie durCh1 das! Land, gleich einer geheimen Seuche,\nund die Menschen, die von ihr befallen sind, wissen\nsie voreinander zu verbergen. Bald ziehen die\nFlagellanten durch1 die Welt und die brennenden\nScheiterhaufen werden zum Volksfest, bald zieht\n9\nsich die Lust in die geheimsten Falten der Seele\nzurück. Aber: Marquis de Sade, der Kulminationsi-\npunkt der Sinnlichkeit seiner Zeit, dessen Geist die\ngrandiosesten Martern menschlicher Phantasie er-\nsann, und das1 liebe, blasse MädChen, dessen Herz\nfreier aufatmet, nachdem eä den Floh geknickt hat,\nsie sind eines Stammes.\nDas Edle am Weibe kennt nur eine Sehnsucht:\nsich neben dem großen starken Mann zu behaupten."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.2", "texte": "Diese Sehnsucht kann gegenwärtig nur in Erfül-\nlung gehen, wenn sie die Liebe des Mannes erringt.\nDie Liebe macht ihr den Mann Untertan. Diese\nLiebe ist aber nicht natürlich. Sonst würde sich\nIhm das Weib nackt nähern. Das nackte Weib\nIst aber für den Mann reizlos. Es kann wohl die\nLiebe des Mannes entflammen, nicht aber erhalten.\nMan erzählt, daß die Schamhaftigkeit dem Weib\ndas Feigenblatt aufgenötigt hat. Welcher Irrtum!\nDie Schamhaftigkeit, dieses mühsam durch raffi-\nnierte Kultur konstruierte Gefühl, war dem Ur-\nmenschen fremd. Das Weib bekleidete sich, sie\nwurde für den Mann zum Rätsel, um ihm die Sehn-\nsucht nach seiner Lösung ins Herz zu senken.\nDie Erweckung der Liebe ist die einzige Waffe,\ndie das Weib im Kampf der Geschlechter besitzt.\nDie Liebe aber ist eine Tochter der Begierde. Die\nBegierde, den Wunsch' des Mannes zu erregen, ist\ndes Weibes Hoffnung. Der Mann kann das Weib\ndurch seine Stellung, die er sich in der mensch-\nlichen Gesellschaft errungen hat, beherrschen. Ihn\nbeseelt der Drang nach Vornehmheit, den er auch\nin seiner Kleidung zum Ausdruck bringt. Jeder\nRaseur möchte wie ein Graf aussehen, während der\nGraf sich1 niemals bestreben wird, für einen Raseur\ngehalten zu werden. Und in der Ehe erhält die\nFrau durch den Mann ihre soziale Marke, gleich-\nviel, ob sie Kokotte oder Fürstin gewesen ist.\nIhre Stellung geht vollständig verloren.\nDas Weib ist daher gezwungen, durch ihre\nKleidung an die Sinnlichkeit des Mannes zu appel-\nlieren, unbewußt auf seine krankhafte Erotik, für\ndie man nur die Kultur seiner Zeit verantwortlich\nmachen kann.\nDie Veränderung der Männerkleidung wird so\nbewirkt, daßi die großen Massen in ihrem Drang\nnach Vornehmheit nachstürzen und auf diese Weise\ndie ursprüngliche vornehme Form entwerten. Die\nwirklich Vornehmen — oder besser die, die von\nider Menge für solche gehalten werden — müssen\nsich aber nach einer neuen Form umstehen,, um sich\nzu unterscheiden. Der Wechsfei in der Frauen-\nkleidung hingegen wird nur von dem Wechsel der\nSinnlichkeit diktiert.\nUnd die Sinnlichkeit wechselt stetig. Gewisse\nerotische Abweichungen häufen sich gewöhnlich in\neiner Zeit, um dann anderen Platz zu machen. Die\nVerurteilungen auf Grund der Sittlichkeitspara-\ngraphen des Strafgesetzbuches sind das verläßlichste\nModejournal. Ich! will nicht weit zurückgreifen. Ende\nder jsiebenziger und Anfang der achtziger Jahre\nStrotzte die Literatur jener Richtung, die durch ihre\nrealistischen Aufrichtigkeiten zu wirken suchte, von\nBeschreibungen üppiger Frauenschönheit, Flkge-\nlationsszenen. Ich erinnere nur an Sacher-Masoch,\nCatulle Mendes und Armand Sylvestre. Bald dar-\nauf wurde die volle Ueppigkeit, die reife Weiblich-\nkeit durch die Kleidung\" scharf zum Ausdruck ge-\nbracht. Wer sie nicht besäßi, mußte sie fälschen:\nIe cul de Paris. Nun trat die Reaktion ein. Der\nRuf nach Jugend erscholl. Das112 Weibkind kam in\ndie Mode. Man lechzte nach Unreife. Die Psvche\n•/\ndes Kindes wurde zerpflückt und literarisch aus-\ngebeutet. Peter Altenberg. Die Barrisons tanzten\nlauf der Bühne und in der Seele des Mannes. Da\nverschwand aus der Kleidung der Frau, was weib-\nlich ist, um den Kampf gegen das Kind auf-\nzunehmen. Sie log sich ihre Hüften hinweg, starke\nFormen, einst ihr Stolz, waren ihr unbequem. Der\nKopf nahm durch' Frisur und die großen Aermel\nden Ausdruck des Kindlichen an. Aber auch diese\nZeiten sind vorüber. Man wird mir einwenden,\ndaß sich gerade jetzt die Schwurgerich tsVerhand-\nlungen über den Mißbrauch von Kindern mehren.\nGewiß. Das ist der beste Beweis, daß erotische\nFormen aus den höheren Kreisen verschwinden,\num nun ihre Wanderschaft nach unten anzutreten.\nDenn der großen Masse stehen nicht die Mittel\nzu Gebote, sich aus jener Schwüle hinaus zu retten,\nwie dem Hochstehenden, Mittel, wie Variete und\nPeter Altenberg.\nEin großer, konstanter Zug ging durch dieses\nJahrhundert. Das Werden wiricte stärker als das\nGewordene. Der Frühling wurde erst in diesem\nSäculum zur bevorzugten Jahreszeit. Die Blumen-\nmaler früherer Zeiten haben niemals Knospen ge-\nmalt. Die professionellen Schönheiten am Hofe\nder französischen Könige erreichten ihre vollste\nBlüte erst mit dem vierzigsten Jahre. Aber heute\nhat sich auch für jene, die sich für vollständig\ngesund halten, dieser Zeitpunkt in der Entwicklung\ndes Weibes um zwanzig Jahre nach aufwärts voll-\nzogen. Stets wählte daher die Frau Formen, die\ndas Merkmal der Jugend tragen, die für unsere\nAugen das Merkmal der Jugend bilden. Ein Be-\nweis: Man lege die Photographien aus den letzten\nzwanzig Jahren einer Frau nebeneinander. Und sie\nwird ausrufen: „Wie alt habe ich vor zwanzig Jahren\nausgesehen!\" Und man wird zugeben müssen:\nAuf dem letzten Bilde erscheint sie am jüngsten.\nWie ich schon bemerkt habe, gibt es auch\nParallelströmungen. Die wichtigste, deren Ende\nnoch' gar nicht abzusehen ist, dabei die stärkste,\nweil sie von England ausgeht, ist jene Richtung,\ndie das raffinierte Hellas erfand — die Liebe Piatos.\nDas Weib sei dem Manne nur ein guter Kamerad.\nAuch dieser Strömung wurde Rechnung getragen\nund sie führte zur Schaffung des tailor made\nCostume, des vom Herrenschneider gemachten\nKleides. In jener Gesellschaftsschicht, in der auf\ndie vornehme Abstammung der Frau gesehen wird,\nim Hochadel, kann man eine Emanzipation von\nder herrschenden Damenmode bemerken, indem\nman dort dem männlichen Zug nach Vornehmheit\nhuldigt. Die Leute können sich dann nicht genug\nüber die in der Aristokratie herrschende Einfach-\nheit wundern.\nAus dem Gesagten geht hervor, daß die Füh-\nrung in der Herrenkleidung der Mann inne hat,\nder die höchste soziale Position einnimmt, die\nFührung in der Damenmode aber jene Frau be-\nsitzt, die für die Erweckung der Sinnlichkeit das!\nmeiste Feingefühl1 entwickeln muß, die Kokotte.\nDie Kleidung der Frau unterscheidet sich von\nder des Mannes durch den Rock, der die Beine\nbedeckt. Das war nicht immer so. Nie gab es\nin früheren Zeiten einen solchen Unterschied zwi-\nschen der Kleidung der Frau und des1 Mannes.\nNoch bis zum dreizehnten Jahrhundert tragen beide\nden RoCk. Noch bis zum neunzehnten Jahrhundert\ntragen beide Geschlechter Farben* Spitzen un 3\nStickereien. Vom neunzehnten Jahrhundert an folgt\ndie Kleidung des Mannes dem Gesetz, das ich auf-\ngestellt habe: Evolution der Kultur ist identisch\nmit dem Entfernen des Ornaments aus den Ge-\nbrauchsgegenständen. Die Männerkleidung wird\nfür ewige Zeiten dem Ornamentiertwerden entzogen.\nNicht so die Kleidung der Frau. Noch nie gab es\nzwischen Männer- und Frauenkleidung einen solchen\nkrassen Unterschied als jetzt. Noch nie hat sich der\nMann von dem Ideenkreise der Frau soweit entfernt\nals in unseren Tagen, in der weitabgewandte\nNaturen von einer Emanzipation der Frauen fabeln.\nDie grandiose Entwidmung unserer Kultur in\ndiesem Jahrhundert hat das' Ornament glüddich\nüberwunden. Je tiefer die Kultur steht, desto\nstäricer tritt das Ornament auf. Das Ornament ist\netwas, was überwunden werden mußt. Der Papua\nund der Verbrecher ornamentiert seine Haut. Der\nIndianer bedeckt seine Ruder und sein Boot über\nund über mit Ornamenten. Aber das! Zweirad und\ndie Dampfmaschine sind ornamentfrei. Die fort-\nschreitende Kultur scheidet Objekt für Objekt vom\nOrnamentiertwerden aus.\nMänner, die ihr Verhältnis zu vorhergehenden\nEpochen betonen wollen, kleiden sich heute noch\nin Gold, Samt und Seide: der Hof und der Klerus,\nMänner, denen man eine moderne Errungenschaft,\ndie Selbstbestimmung vorenthalten will, kleidet man\nin Gold, Samt und Seide: Lakaien und Minister.\nUnd der Monarch1 hüllt sich bei besonderen Ge-\nlegenheiten in Hermelin und Purpur, ob es nun\nseinem Geschmack entspricht oder nicht, als erster\nDiener des Staates1. Auch beim Soldaten wird durch\nfarbige und goldstrotzende Uniformen das Gefühl\nder Hörigkeit erhöht.\nDas lange, bis1 zu den Knöcheln reichende Ge-\nwand aber ist das gemeinsame Abzeichen derer, die\nnicht körperlich arbeiten. Als körperliche und er-\nwerbende Tätigkeit noch unvereinbar war mit freier,\nadliger Abkunft, trug der Herr das lange Kleid,\nder Knecht die Hose. So ist es heute noch in\nChina: Mandarin und Kuli. So bekündet bei uns\nder Klerus seine nicht auf Erwerb gerichtete Tätig-\nkeit durch die Soutane. Wohl1 hat der Mann der\nobersten GesellschäftssChichten sich das' Recht auf\nfreie Arbeit erworben, bei festlichen Anlässen trägt\ner aber noch immer ein Kleidungsstück, das bis zu\nden Knien reicht, den Gehrock.\nDer Frau aus diesen Kreisen wurde eine reine\nErwerbstätigkeit Von ihrer Gesellschaft noch nicht\nzugestanden. In jenen Schichten, in denen sie das\nRecht auf Erwerb erlangte, trägt auch sie die Hose.\nMan denke an die Kohlengräberin in den belgischen\nSchächten, an die Sennerin der Alpen, an die\nKrevettenfischerin der Nordsee.\nAuch der Mann mußte für das Recht des1 Hosen-\ntragens kämpfen. Das Reiten, eine Tätigkeit, die\nnur körperliche Ausbildung, aber keinen materiellen\nGewinn erzielt, war die erste Etappe. Dem blü-\nhenden, reitfreudigen Rittertum des dreizehnten\nJahrhunderts haben die Männer die fußfreie Klei-\ndung zu danken. Diese Errungenschaft konnte\nihnen das sechzehnte Jahrhundert, in dem das Reiten\naus der Mode kam, nicht mehr rauben. Die Frau\nhat erst in den letzten fünfzig Jahren das Recht\nder körperlichen Ausbildung erlangt. Ein analoger\nVorgang: Wie im dreizehnten Jahrhundert der\nReiter, wird im zwanzigsten Jahrhundert der Rad-\nfahrerin das Zugeständnis der fußfreien Kleider\nund der Hose gemacht. Und damit ist der erste\nSchritt zur gesellschaftlichen Sanktion der Frauen-\narbeit getan.\n\nAsiatisches Liebeslied\naus Nepal\nDeutsch von Hans Bethge\nDrei Dinge birgt dein Mund, o Leila:\nDie köstlichste der Perlenschnüre Nepals\nUnd einen Schluck vom süßen Schiras-Weine\nUnd den Geruch des Moschus von Tibet.\nDer holde Ruch des Moschus ist dein Atem,\nDer Schiras-Wein ist deines Mundes Nässe,\nUnd deine Zähne sind die Perlenschnur.\nO Leila!\nDrei Dinge birgt dein Aug', o Leila:\nDie schwarzen Diamanten Hindostans,\nDie glanzerfüllte Seide von Lahore,\nDes Futschi-Yama wilde Lavaglut.\nDie Lavaglut ist deines Auges Schimmer,\nDie Seide von Lahore seine Milde, •\nDie Diamanten seine tiefe Nacht.\nO Leila!\nDrei Dinge birgt dein Herz, o Leila:\nDie gelben Schlangen Birmans wohnen dort\nUnd alle giftigen Pilze aus Bengalen\nx Und alje giftigen Blumen aus Nepal.\nDie giftigen Blumen, das sind deine Schwüre!\nDie giftigen Pilze, das sind deine Küsse!\nDie Brut der Sdilangen, das ist dein Verrat!\nO Leila!\n\nDer Tod des alten Federhutes\nVon Mynona\nDer alte Federhut hätte sich in einem Anfall\nVon Pedanterie zu sterben in den Kopf gesetzt.\nEr hätte sich das Leben gegen neunzig Jahre mit\nangesehen, ohne die Miene zu verziehen. Aber\njetzt genug, sagte er, und legte sich in das, was\ner schälkhaft sein Sterbebett nannte. Der alte Mann\nwollte, wie gesagt, aus übertriebener Ordnungs-\nliebe von hinnen. Es war auch alles) bereits ge-\nregelt. Nur daß der herrliche bedachtsame Greis\neigentlich noch lebte, wenn man es recht bedachte.\nDie Situation begann, leise lächerlich zu werden.\nDer Leichenwagen stand, wenn ich mich so aus-\ndrücken darf, schon vor der Tür. Dienerschaft,\nVerwandte, Freunde, Nachbarn, selbst Haustiere\nwaren festlich aufgeregt. Wirkt doch der Tod\nimmer ein wenig sensationell! Aber Federhüt\nmußte sich und die andern enttäuschen. Er lebte,\nund seine Aerzte weigerten sich höflich, aber ent-\nschieden, ihm den Totenschein auszustellen. In\ndieser grenzenlosen Verlegenheit entschloß sich der\nalte Herr zu einem verzweifelten Schritt: er nahm\nmehrere Schlafpulver auf einmal, röchelte noch eine\nWeile und wurde dann zu seiner satten Befriedi-\ngung für tot gehalten. Später mericte er, daß &\nnur scheintot war, hätte aber kein Interesse daran,\nden drolligen Irrtum, über den er sich innerliöh\nfast tot lachte, aufzuklären, und ließ mit Wahrhaft\nwollüstiger Ueberlegenheit sich wie einen ehrlichen\nLeichnam behandeln. Die Verwandten, Leute von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.3", "texte": "unglaublicher Feinfühligkeit, hatten beschlossen, die\nLeiche verbrennen zu lassen, um recht sicher zu\ngehen. Dieses erfuhr der alte Herr bei Gelegenheit\nseiner Leichenwäsche. „Der Geschmack ist ver-\nschieden\", überlegte er. „Wie sehr würde ich es\nVorziehen, beerdigt zu werden! Aber schließlich\ngeht es mich nichts an.\" Als ein Scheintoter hatte\ner nämlich den Vorteil der echten Toten erlangt,\nsich für sich selber nicht mehr so ängstlich inter-\nessieren zu müssen. Tatsächlich ist diese Ueber-\ninteressiertheit nur ein krampfhaftes Vorurteil der\nLebendigen. Federhut hatte bei Lebzeiten die Be-\nerdigung der Verbrennung stets vorgezogen. Jetzt\nwollte er sich vor Lachen (innerem natürlich!) fast\nausschütten, wenn er dieses Mangels an Gleich-\ngültigkeit gedachte. Jeder allgemein Durchgebildete\nweiß, wie schreckhaft der Uebergang aus dem\nScheintod in den echten ist. Auf diesen Punkt\nrichtete jetzt Federhut sein besonderes Augenmerk.\n„Wenn sie mich in den Bratofen schieben, will\nich1 mit aller Gewalt an etwas Anderes denken.\nProtestieren werde ich nicht: erstlich, weil es nicht\nvornehm wirkt; zweitens, weil ich es nicht kann.\nIch bin also entschuldigt.\" Sein Urenkel, ein über-\ntrieben blonder Gymnasiast, trat an seinen Sarg\nheran, schnupperte, nieste heftig und meinte ver-\nwundert: „ich rieche gar nichts\". „Aha\",'freute\nsich Federhut, „diese Aasgeier lechzen nach dera\nAroma meiner Verwesung? Wirklich, vor einem\nScheintoten bereits blamieren sich alle Lebendigen\n— wie erst vor einem Toten!\" Im selben Moment\nsah er einen richtigen kleinen Aaskäfer auf seiner\nUnken Hand spazieren gehen. „Nanu?\" fragte\nFederhut. „Ist das ein langweiliger alter Kerl\",\nreplizierte der Käfer: „Tote, mein Alter, verpflich-\nten sich stillschweigend, zu verwesen. Es ist rück-\nsichtslos von Ihnen.\" „Aber bitte sehr, liebes Got-\ntesgeschöpf, knuppern Sie, soviel Sie wollen, das\nbischen haut goüt macht den Braten nicht fetter;\nbon appetit!\" So verlebte denn der Greis seine\nletzte Zeit sehr abwechselungsreich, und jeden\nAugenblick ereignete sich irgend Etwas!, das weder\nLebenden noch Toten passieren kann. Endlich war\nder feierliche Augenblick herangekommen, wo er\nverbrannt werden sollte. Zunächst war noch eine\nkleine Eisenbahnfahrt zurückzulegen. Der Bedau-\nernswerte wurde verladen wie ein Gepäckstück. Im\nGefolge der Leidtragenden befand sich Professor\nGonzaga-Müller, der beliebte Anatom, den man\nsozusagen einen Nekrophilen in der Theorie heißen\nkonnte. Dieser Gonzaga hätte den alten Mann\nfür sein Leben gern seziert, fürchtete nur den Vor-\nwurf der Pietätlosigkeit. Ihm kam nun der Ein-\nfall, Pietät mit Wissenschaft auszusöhnen, indem\ner den Vorschlag machte, man möge dem Feder-\nhute doch die Adern öffnen, der Gewissenhaftig-\nkeit wegen, bevor man ihn der Flamme übergab,\nda die Leiche immerhin einen bedenklich frischen\nEindruck machte. Einige Backfische klatschten in\ndie Händchen: „Ach ja! ach ja! Onkel Müller\";\nund jener Gymnasiast hoppste von einem Bein aufs\nandere, so sehr übermannte ihn der Respekt vor\nder Wissenschaft. Müllerchen schloß sich mit\nFederhüt in einem Kabinettchen des Krematoriums\nein, zog sein Messerchen und Pinzettchen und\nöffnete dem Federhute nach allen Regeln der Kunst\ndie linke Pulsader. Federhut zuckte zusammen,\nschnellte auf, erblickte Gonzagerl, den er niemals\ngeliebt hatte. Von überirdischer Wut über dessen\nFreveltat ergriffen, entriß er ihm das Messer und\nstieß es ihm mit aller Gewalt zwischen die Rippen.\nMüller hatte nur noch Zeit, ein tiefes Wort der Ent-\nschuldigung zu stammeln, dann sank er als Leiche\nin sich zusammen. Federhut, ein alter, aber rüstiger\nHerr, versetzte ihm ein paar Fußtritte. Als er sich\näber erinnerte, daß er mit offener Pulsader exi-\nstierte, weinte er bitterlich1 wie ein Kind und starb\nneben Müller. Im Kabinett war eine Stille ent-\nstanden, wie sie nur zwei Tote mit vereinten Kräften\nbewerkstelligen können. —\nAußen hatten sich inzwischen die ungeduldigen\nFamilienangehörigen versammelt. Die Backfisch-\ndien wisperten durchs Schlüsselloch: „Onkelchen\nMüller — Kuckuck! Kuckuck!\" Und der Gym-\nnasiast schrie aus mancherlei Gründen, vielleicht\num sich den Anstrich wissenschaftlicher Kollegialität\nzu geben: Quod erat demonstrandum.\n\nGespräche mit Kalypso\nAchtes Gespräch: Indes die Göttin krank\nliegt / Von den hôheren Tonordnungen\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nDer Alte\nDu begreifst gut und ganz. Ich höhne auch der\nDichtkunst, die sich sättigt im Seelenentwickeln:\nalles nur verstehen heißt alles erniedrigen. Aber\ndies sind uns nur Gleichnisse für die magdhafte\nMusik.\nGanz ungebunden, ideenflüchtig kann selbst\neine so nachfolgend zusammengehaltene Reihe nicht\nheißen, weil ja auch die Wirklichkeit, die wir be-\ngreifen, und welche diese Musik heranzieht, nicht\nwirr ideenflüchtig ist; Gleichheit und Aehnlichkeit\ntritt in der wechselnden Abfolge des Lebens her-\nvor; wichtiges und unwichtiges wird in der Ab-\nfolge, die selbst zusammenhängt, unterschieden; auf\nein Ende, ein Ziel hin bewegt sich die Abfolge —\nwie in der strengsten Musik. So werden die freien\nGebilde, nachfolgend, doch zugleich mehr oder\nweniger in sidi geordnet. Du mußt Dich nicht\nwundern über dies Zusammentreffen und die Ueber-\neinstimmung der Wirklichkeits- und Musikordnung;\nes ist ja derselbe Mensch, um dessen Wirklichkeit\nund Musik es sich1 handelt; es ist darum dieselbe\nOrdnungsweise, die er der Wirklichkeit und Musik\ngibt, ohne daß eine der andern nachahmte. Ord-\nnung auf verschiedenen Gebieten, aber nicht ver-\nschiedene Ordnung. Es erhebt sich sogar eine Ton-\nkunst, welche sich an der Einheit des Geschehens\nvergreift und von hier die Ausbreitung des1 Ge-\nschehens durchdringt, musikalisch das Skelett des\nGeschehens geben will. Sie trennt mit eindringen-\nder Schärfe und mit Tiefe Wichtiges von Unwichti-\ngem in kleinen Musikfolgen und führt mit Klar-\nheit den Zusammenhang durch. Weil diese Musik\ndas Wesentliche erfassen will, will ich sie plato-\nnische Musik gegen die nur beschreibend nach-\nfolgende epische nennen. In kürzeren, wortnahen\nWendungen, Motiven, wird sie die „Idee\" zu formu-\nlieren suchen, oder die Qeeie, oder ein Seelenatom.\nAber kaum und nur mühsam werden audi hier die\nTonfolgen sich neben dem Wirklichkeitsvorgang\nals Musik behaupten, zu ganzer Musik gedeihen\nkönnen. Ueberall, wo zwei und mehr Künste und\nReihen zusammenstoßen, gibt es Leichen und\nBlessuren. Beherrschend muß immer eine Kunst\nhervortreten, — die andere zurückstehen lassen,\nsich unterordnen, nicht aber können sie nebenein-\nander mehr als nur eine kleine Strecke gleichen\nSchritt gehen, denn der Stein findet sich andere\nOrdnungsregeln als das Wort, der Ton andere als\nder Tanz, die Farbe. Und entweder bilden sie in\ndem Gesamtkunstwerk keine Einheit, oder es die-\nnen mehr oder weniger vergewaltigte Künste einer\nherrischen.\nDies muß festhalten, wer die Grenzen der\nKünste nicht verwischen und die Künste damit ver-\nöden will, — und wer Musik geben will. Doch1\nwill ich damit nicht die schöne Halbkunst, Hilfs-\nkunst: Musik schmähen.\nDer Junge\nSo fiel also der Wirklichkeitsplan als Ordnungs-\nregel der großen und ganzen Musik. Es bleibt der\nMusiker und sein Erlebnisplan, und die Eigen-\nsetzung der Töne.\nDer Alte\nWohl. Das Einzelne des Werkes ist vom Plane\naus unberechenbar, unableitbar. Als Plan leitet er\nnur ganz im Großen, festhaltend, richtend. Es\nwirkt der Musiker mit eigentümlichen Seelen-\nzusammenhängen und Erlebnissen, die ihm wider-\nfuhren, die mit ihm fuhren, die er ist, danach wäh-\nlend und wartend, jeweilig wechselnd in den nie-\ndrigsten bis zu den höchsten Ordnungsweisen der\nTöne. Da alles auf Anerkennung ruht, wuchs er\nin den Zusammenhängen der Vorwelt und Um-\nwelt, ein Richter aus ihren Gesetzen, entwickelt\nsich aus ihnen, eigenkräftig soweit, um eignes, so\ngewachsenes zur Anerkennung zu tragen. Die alten,\nuntern und obern Regeln, die anerkannten, die fast\nschon den Schein der Notwendigkeit trugen, zeigt er\nin ihrer Willkür und Frische, in seiner Willkür und\nFrische, rechtfertigt stets von neuem1 die\ndie seine Kunst gebildet toben, — löst die Rätsel,\ndeutet Hyroglyphen. Nicht gar so frei ist er, wie esi\nscheint, aber ihn zeichnet aus, daß er sich lebendig\nin das Nicht-umstoßbare, Vorhandene einfühlen, ein-\nfinden kann, verwandter der Vergangenheit als an-\ndere, älter als sie, uralt. — Auf diesem Boden als*}\nwächst die höchste, sehr unbestimmte Ordnungs-\nweise, wächst der Künstler selbst und welkt, mehrt\nden Reichtum der Erde und der Töne. So ende icH\nin dem Künstler, und so lobe ich den Musiker. Dies!\nist auch der belebende Quell, der die Musik durch-\nrieselt, der Geist, der über den Wassern schwebt\nUnd so preise ich die Musik: von Menschen kommt\nsie, zu Menschen geht sie.\nDer Junge\nDer Wahrheit letzter Schluß : Der Mensch, ein\nKind der iVor- unld Umwelt, in ihrem Namen schöpfe*\nrisch. — Du sagtest gestern, ich sei töricht, wenü\nich an den Tod glaube, ich ein Kind der Welt, die\nLeben und Tat heißt. — Laß die Musik; wir\nsprachen wohl auch zu Ende. Wüßte auch idh sol-\nchen Geist, der über mir schwebt und mich tragen\nkann, mich tragen will! — Mich belebt\nich trage keine Früchte, bin eine taube Blüte, und\nwenn ich welke, wird der Boden nicht reicher.\nO Kalypso, die schlimme Zauberin, Verderberin.\nHilf mir dagegen, daß ich immer denken muß:\nMeer ist kalt; es gibt ein Meer dort drüben, dort\ndraußen.\n(Wirft sich auf den Boden.) Ich bin jung, idi\nhöre nicht die Musik, hat Kalypso's Mund auch1 Von\nihr gesprochen; ich höre nur das Meer.\n\nFortsetzung\nSchlnss des achten Gesprächs\n\nSo schlecht wie einst\nVon Karl Kraus\nWenn die Reinhardt-Gesellschaft Wien wieder\nverläßt, ist die Kritik dümmer geworden, und das\nBurgtheater muß es büßen. Nun hat es ja das\nBurgtheater nicht besser verdient, und wiewohl seine\nZwerge in der Aufmachung des Herrn Reinhardt\nund zumal wenn sie als Gäste nach Wien kämen,\nins Riesenhafte wüchsen, so mag man zugeben,\ndaß; das Burgtheater heute auch unverdienten Tadel\nverdient hat. Denn ein Theater, welches sich von\nPompeji bloß dadurch unterscheidet, daß es keine\nTrümmer hat, und welches ausschließlich auf die\nVersicherung der Fremdenführer angewiesen ist,\nhier sei einmal die Wolter gegangen, hat für Ein-\nheimische die Kasse zu schließen. Im allgemeinen\nMangel an schauspielerischen Persönlichkeiten liegt\ngewiß ein hinreichender Grund, ein\nTheater zu entschuldigen, obschon kein hin-\nreichender Grund, es zu besuchen. Aber Wenn\nes ein Theater gibt, dem auch die NachsliCht ver-\nsagt werden muß., so ist es das Burgtheater,\nund keines hat wie dieses die Verpflichtung,\neinen ehrenvollen Tod einem schmählichen Leben\nvorzuziehen. Traditionslose Bühnen mögen sich von\nunternehmenden Budapestern die Kultur und son-\nstige Surrogate erwirtschaften lassen. Das Burg-\ntheater hätte seinen Namen zu ändern, wenn es seine\nVergangenheit zu überleben beabsichtigt, es hätte\nauf seinem Zettel bloß den berührten Punkt zu\nbelassen, den man infolge einer Anregung der\n„Fackel\" voreilig beseitigt hat, und es1 dürfte dann\ngetrost auch gute Kinematographenvorstellungen\ngeben, die immer noch würdiger wären, als schlechte\nKlassikervorstellungen. Sicherlich, die Noblesse\ndieser Wüste, die es bisher verschmäht hat, sich mit\nmalerischen Ausreden zu verleugnen, ist sympathi-\nscher als jenes zudringliche Fata morgana-Spiel, das\nin jedem Sommer unsere Kamele beglückt. Aber\ndas Theater ist nicht dazu da, Mittelschülern jdie\nLektüre der Klassiker zu ersparen. Wenn der Zeit,\nin der wir leben, schauspielerische Persönlichkeiten\nnicht abzugewinnen sind, so dränge sich ihr das\nBurgtheater nicht auf. Sonst gibt es sich einer\nUngerechtigkeit preis, die einen Theaterdirektor für\nden Lauf der Welt verantwortlich1 macht, und jener\nkritischen Ungezogenheit, die einen toten Adler er-\nmuntert, sich1 an einem lebenden Spatzen ein Bei-\nspiel zu nehmen. Sobald Herr Reinhardt ins! Land\nkommt, sobald seine neuras thenischen Schlierseer\nunsern Theatersommer eröffnen, kann sich die junge\nKritik nicht fassen vor lauter Horizonten. So stelle\niCW mir die erste Unterrichtsstunde vor, wenn die\nsexuelle Aufklärung ein obligater Gegenstand sdn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.4", "texte": "wird. Peinlich ist dabei außer der jugendlichen\nFreude nur, daß sie sich seit so vielen Jahren\nwiederholt, und daß, die Dümmsten in der KlasSe\nam lautesten wiehern. Das ewig neue Erlebnis\nVerführt sie, die Mutter zu beschimpfen, die sie\nnur geboren hat, ohne ihnen zu sagen, wie es da-\nbei zugegangen ist. Welcher von den Herren, die\nheute in Theaterdingen den Mund voller nehmen,\nals es! ihrem Temperament geziemt, hätte ein Recht\nzu leugnen, daß auch er der alten Burgtheaterkunst\nseine ganze kleine Geistigkeit verdankt? Anstatt die\nneue Burgtheaterkunst an der alten zu messen, sagen\nsie, es1 sei dieselbe, und wagen es, dieser Herrn\nReinhardt als Meister zu empfehlen, dessen schau-\nspielerischer Fond ein vierter Galerieschall eines\nLewinsky-Tones ist, und dessen dramaturgisches\nImperium bloß die allgemeine Tüchtigkeit eines Ell-\nbogennaturells bedeutet, die Sich1 ebensogut im\nBankfach und im Feuilleton ausleben könnte. Das\n©tirgtheater aber ist so echtes Theater, daßi es eben\nin einer Epoche, die keine schauspielerischen Na-\nturen hervorbringt, schlechtes Theater sein muß,\nwährend der findige Geist, der keine Vorurteile und\nkeine Erinnerung zu besiegen hat, eine praktikable\nVerbindung von Ballettschule, Opiumkneipe und\nBildergalerie uns für Theater ausgeben kann. Wenn\nnun eine gläubige Kritik das Burgtheater tadeln\nwill, so sollte man dochr verlangen können, daß\nihre Besinnung immerhin zur Erkenntnis1 des Unter-\nschiedes zwischen einst und jetzt reicht, und daß\nsie vor den Wundern der Berliner Gastspiele bloß'\ndas heutige Burgtheater verkleinert. Wie mag es\nuns nun überraschen, daßi wir, auf die hundert-\njährige Wahrheit gefaßt, das Burgtheater sei nicht\nmehr das, was1 es einst war, die Meinung zu hören\nbekommen, es sei trotz dem Berliner Beispiel so\nschlecht wie einst! Einer will einer Burgtheater-\nvorstellung das Schlimmste nachsagen und sagt:\n„Einen Abend lang war es möglich, sich einzu-\nbilden, wir seien noch in den achtziger Jahren, des\nvorigen Säkulums. Diese Vorstellung hätte ebenso\ngut unter Adolf Wilbrandt stattfinden können.\" Es\nwird also gottseidank zugegeben, daßi in der Zeit\nder Wolter, der Meixner, Baumeister und Sonnen-\nthäl, der Gabillons und Hartmanns1, der Mitter-\nwurzer, Krastel und Robert die Sache zur Not\nebenso geglückt wäre. „Was man sah und hörte,\nwar von einer achtbaren Schablone, von einer re-\nspektablen Banalität . . . Da war alles1 von einer\nganz und gar unwichtigen Bravheit.\" Mit einem\n;Wort, ganz so wie damals. „Ich- habe keinen ein-\nzigen Akzent, keine Gebärde, kein Wort mit aus\ndem Theater genommen, davon mein Herz schneller\ngeschlagen hätte, nichts, wodurch ich in meinem\nkünstlerischen Besitzstand glücklicher und reicher\ngeworden wäre.\" Also ganz wie in der Theater-\nzeit, in deren Erinnerung unser Herz schneller\nschlägt und die, wenn Theatereindrücke solches ver-\nmögen, unsern künstlerischen Besitzstand geschaffen\nhat. Bei manchen Leuten, die später Journalisten\nwurden, scheint es' ihr nicht gelungen zu sein. Es\nwar eine arme Zeit, die ein reiches Theater hatte.\nDas Burgtheater schwindelt sich nicht durch die\nZeiten; es kann nicht hochstapeln. Aber es sollte\nauch nicht als Bettler den Verkehr hindern.\n\nVon teutscher Art und Kunst\nL. L.\nHerr Professor Bartels stellt die Tatsachen auf\nden Kopf, um ihnen bequemer unter die Röcke\nfassen zu können; sonst käme er nämlich' nicht ran.\nUnd dieser Mann hält sich — ich bin wenigstens!\nziemlich fest davon überzeugt — für normal.\nSeine vornehkne Darstellungslart — „denn mit\nschlechten Waffen dürfen wir Deutsche nicht kämp-\nfen\" — ist innerlich verlogen, (äußerlich verlogen,\nganz und gar verlogen.\nEr greift sich aus: der Literaturgeschichte will-\nkürlich eine Anzahl jüdischer Namen heraus! und\nbeschnüffelt sie in der allen Hunden eigentümlichen\nWeise. Hatte nun einer von diesen Juden keinen\nErfolg, so wird das natürlich1 herangezogen als\nbester Beweis für die spezielle und allgemeine\njüdische Inferiorität. War aber Erfolg vorhanden,\nso ist natürlich der Betroffene eben „emporgekom-\nmen, ohne daß sich ihm die Schwierigkeiten in den\nWeg stellten, mit denen wir Deutsche so oft zu\nkämpfen haben\". Er läßt sich' bei so günstiger\nGelegenheit Leute wie Blumenthal, von den Juden\nbekanntlich stets als der wahre deutsche Dichter\ngepriesen, nicht entgehen, und ruft mit Ueberzeu-\ngungstreue: „Daß Blumenthal nicht Dichter, son-\ndern Geschäftsmann ist, wird doch keiner be-\nstreiten\". Und bei dem ungewohnten Gefühl,\netwas Wahres zu sagen, wächst er über sich selbst\nhinaus; klettert sichtlich auf seinen eigenen Kopf.\nNun scheint es aber unter den Juden noch\nimmer nicht genug schlechte Dichter zu geben, um\neinen Bartels'schen Vortrag auszufüllen. Darum\nholt er sich aus dem eigenen Lager Zuwachs.\nLindau, „mit dem die Verjudung unserer Literatur\nbeginnt\", der arme protestantische Pastors-Enkel\nmuß zunächst dran glauben. Zwar wird mit\nschwerem Herzen zugegeben, daß er „allerdings\nkein reiner Jude\"' ist, „aber er hat sich dodh ziem-\nlich rein zum Jüdischen entwickelt\". Audi Spiel-\nhägen, Paul Heyse, Hans Hopfen stellen sich nach\ngenauer Untersuchung und Zählung ihrer Bluts-\ntropfen als infiziert heraus; von Thomas Mann er-\ngibt sich, daß seiner Vorfahren selig Uebertritt\nzum Christentum schon ungefähr hundert Jahre vor\nChristi Geburt erfolgt ist; doch was tuts: „ein\nJude ist er\".\nSolche Spitzfindigkeit ist sicher nicht auf ger-\nmanischem Mist gewachsen, doch „ein Deutscher\nmacht auch aus jüdischen Stoffen etwas\". Kann\nüberhaupt alles, der Deutsche, wenn er nur will:\ndie Juden sind „formal ja ganz groß, aber wenn\nein Deutscher sich aufs Formale legt, kann er es\nauch erreichen\". Mit einem Wort also: „die\njüdische Mitarbeiterschaft ist nicht nötig\". Zumal\ndurch sie ein unruhiger Geist „in uns\" hinein-\nkommt, denn „die Juden sind viel neuerungssüch-\ntiger als wir, sie müssen alle paar Jahre was Neues\nhaben\". Natürlich sind sie „alle radikal\" und neigen\nzu „gewissen politischen Richtungen\", deren Namen\nauszusprechen der Alldeutsche natürlich nicht wagt.\nBedenklicher wird das Verfahren der unzweideu-\ntigen Dreideutigkeit, wenn erklärt wird, daß „unser\ndeutsches Volk durch Verbrechen und Geisteskrank-\nheiten heruntergekommen ist\", und daß „eine Masse\nVolkskrankheiten zunehmen\". Was und wen man\nmit dieser Andeutung meint, läßt man in diskretem\nBogenlampendunkel. Doch' wird die Hoffnung aus-\ngesprochen, daß „wir's schon überwinden werden\";\n„haben wir doch sch . i ähnliche Perioden gehabt,\nwo wir wieder emporgekommen sind, nach dem\n3reißigjährigen Krieg, nach1 1806 usw.\".\n„Ich (Professor Adolf Bartels) predige also ganz\nruhig den Kampf gegen das Judentum in der\nLiteratur\".\nNun, ich schließe mich aus1 vollem Herzen an.\nBerlin, Anfang Heuerts 2023\n(Nach teutonischer Zeitrechnung).\nZum Berliner Vortrag des Herrn Professor Adolf Bartels aus\nWeimar über Judentum und deutsche Literatur\n\nDas bespuckte Genie\nR. K. Neumann-Lankwitz\nDas Inquisitionstribunal gehöre der Vergangen-\nheit an, sagte man mir unlängst, als ich auf Ferrer\nzu sprechen kam. Wirklich? Aber ein Psychiater\nhatte ja gesagt, daß die Aerzte die Richter der\nZukunft sein würden. Diese Perspektive ist ent-\nsetzlich! Dann lieber Daumenschrauben und spa-\nnische Stiefel als! die Zwangsjacke in der Isolier-\nzelle, denn das Fangnetz beider ist engmaschig,\nsei es nun aus Paragraphen oder psychiatrischen\nTheorien gesponnen. Damit aber die Gegenwart\nnicht ohne Spuk sei, entdeckte man eines Tages\nin Wien das Unterbewußtsein, das man aus einem\nHirne Hiram Witts wie einen Blinddarm heraus-\nschnitt. Ich dachte erst, eine neue Groteske von\nGustav Meyrink zu lesen, aber nein, Alfred Holz-\nbock sollte recht behalten, daß nämlich nichts roman-\nhafter als das Leben sei. Die Psychoanalyse war\nerfunden — und wem es nicht darauf ankam, für\ndie Sitzung 25 Kronen zu bezahlen, der konnte\nbald entdecken, welchen Reichtum er in seiner Seele\ntrug. Es war keiner, dem der Analytiker nicht\neinen Inzest mit seiner Mutter und Schwester, eine\nhomosexuelle Liebe zu dem Vater und Bruder nach-\nweisen konnte. Aber nicht genug damit. Da die\nUntersuchten sich gegen derartige Peinlichkeiten\nwehrten, welche die Richter der Gegenwart nicht\ndulden durften, so wurden die Richter der Zukunft\nzu Nekrophilen und Nekrophagen — und auf den\nliterarischen Friedhöfen, die in letzter Zeit von Aas-\ngeiern und lichtscheuem Gesindel ausgeraubt wur-\nden, sah man die psychoanalytische Hyäne ihr Un-\nwesen treiben.\nLeonardo da Vinci ist das neueste Opfer.\nHerrn Professor Dr. Sigmund Freud ist es geglückt\n„Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci\"\n(„Schriften zur angewandten Seelenkunde\" Heft 7)\nüber Jahrhunderte hinweg zu entdecken. Freud\nweiß, daß Leonardo ein „homosexuell Fühlender\"\ngewesen ist. Freud weiß aber noch viel mehr!\n„Seine Bilder\", behauptet er, „atmen eine Mystik1,\nin deren Geheimnis einzudringen man nicht wagt;\nman kann es höchstens versuchen, den Anschluß an\ndie früheren Schöpfungen Leonardos herzustellen\",\nEr wagt es nicht, die Bilder zu betasten, weil ihm\nsonst Herr Bode, der seine Kenntnisse beim Ent-\ndecken der Florabüste auf den Kopf kom-\nmen würde. Er wagt es nicht, lieber greift er dem\nLeonardo an die Genitialien. Aber nirgends Steht\nbei ihm, daß die Flora ein Stridhjunge ist oder eine\nLesbierin, oder zum mindesten ein Transvestit.\n„Die Gestalten sind wieder mannweiblich, aber\nnicht mehr im Sinne der Geierphantasie, es1 $ind\nschöne Jünglinge von weiblicher Zartheit mit weibi-\nschen Formen, sie schlagen die Augen nicht nieder,\nsondern blicken geheimnisvoll triumphierend, als\nwüßten sie von einem großen Glückserfolg, von\ndem man schweigen muß:; das bekannte berückende\nLächeln läßt ahnen, daß es ein Liebesgeheimnis ist.\n'Möglich1, daß Leonardo in diesen Gestalten das\nUnglück seines Liebeslebens verleugnet und künst-\nlerisch überwunden hat, indem er die Wunsch-\nerfüllung des von der Mutter betörten Knaben in\nsolch seliger Vereinigung von männlichem und Weib-\nHchem Wesen darstellte.\" Leonardos Mutter muß\nauch dran glauben, und ihr „verzücktes Lächeln\"\nund ihr „sinnbetörendes Auge\" reizen den Meister\nzu dem „ideellen Inzest\". Nur daßi Leonardo beim\nStuhlgang Wollustempfindungen gehabt habe Und\nder Defäkation eines Pferdes nicht ohne Erektionen\nzusehen konnte, bleibt uns erspart, denn beide sind\nGlanznummern des psychoanalytischen Programms.\nProfessor Freud weiß aber auch1, daß: „die\nHauptzüge der organischen Konstitution eines Men-\nschen durch die Vermengung männlicher und weib-\nlicher Anlagen im stofflichen Sinne zu erklären sind;\ndie Körperschönheit wie die Link&händigkeit Leo-\nnardos gestatten hier manche Anlehnung.\"\nEs sei den Psychoanalytikern hier noch einmal\ngesagt: Der Künstler schafft unabhängig von Zeit\nund Raum. Er kann Liebesgedichte schreiben, wenn\ner impotent ist, und Mäßigkeitslieder im Rausch1.\nEr durchbricht die Grenze der Sexualität, die die\nPsychiatrie gebaut hat; es gibt da keine Norm.\nNur wie er es mit der Defäkation hält, weiß' ich\nnicht. Die Analytiker lassen natürlich die Finger\nnicht von dem Stoff. Doch ist es jetzt Zeit, an\neinen Ausspruch von Karl Kraus zu erinnern:\n„Eine gewisse Psychoanalyse ist die Beschäfti-\ngung geiler Rationalisten, die alles1 in der Welt\nauf sexuelle Ursachen zurückführen, mit Ausnahme\nihrer Beschäftigung.\"\n\nDie Eroberung von Norderney\n\n— und Journale sind unsere Festungen / Heine\nDie Herren der Festung „Morgenpost\" haben\nein Fort in Norderney errichtet. Zur Besingung\ndieser neuesten Attraktion wurde Norbert Falk ans\nMeer geschickt.\nSo tief kann die Nordsee nicht sein, daß ein\nJournalist an ihrer Küste standhaft seicht zu bleiben\nnicht fähig wäre, und so viel sie auch lockt und\nspiegelt, er wirft die Sandschaufel fort, taucht die\nFeder tief in den Wellenschaum, bricht die See-\nzungenstummheit und sucht Erholung in mensch-\nlicher Beredsamkeit vom schweigenden Genießen\ndes Ins-Meer-Starrens.\nAber die Windstille des Witzes greift nicht in\ndie schlaffen Gedankensegel, und die Canseriebarke\nbleibt im Dünensande der gewöhnlichsten Reklame\nstecken.\nJa die „Lesehalle der Berliner Morgenpost\"!\nDem Börsenjobber wird sie den Aufenthalt i»\nNorderney dadurch1 genußreicher machen, daß sie\nihn von den letzten Kursen der großen Börsen\ninformiert, unzähligen Liebenden gibt sie süße Ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.5", "texte": "Menschenköpfe / Zeichnungen von Oskar Kokoschka\nIII / Herwarth Walden"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.6", "texte": "tegeftHeit, zärtliche Briefe auf Gratispapier zu schrei-\nben, und der sparsamen Hausfrau ermöglicht sie\nes, auf kostenlosem Briefbogen teuere Wünsche an\nihren fernen Oatten zu richten. Aber sie isft auch\ndie Hauptverkaufsstelle der so schnell beliebt ge-\nwordenen Ullstein - Bücher, Von denen in jedem\nStrandkorb mindestens ein Exemplar sich findet\nFalk muß seine Nasie in jeden Strandkorb gesteckt\nhaben, daß er das sso gut Weiß. Aber kein Korb-\ninsasse hat ihm ein Exemplar der so schnell be-\nliebt gewordenen Ullstein-Bücher an den Kopf\ngewbrfen, aus einem oder dem andern Grund.\nDie Nordsee ist ein zahtnes, geduldiges Wasser.\nSie rächt sich nicht für die Ueberschwemmung ihrer\nKüste mit Ullsteinprodukten, sie schlickt keine Welle,\ndaß sie den Humbug hin wegspüle. —\nEin Waldhornist bläst in Falks gestimmter Seele\ndie Erinnerung an Heine hinauf. Falk und der\nWaldhornist im zigarrenraucherfüllten Lokal sjind\ndie einzigen, die hier — allerdings im Umwege\nüber Schuberts Komposition — des Nordseeliieder-\ndichters gedenken. Der Waldhornist bläst es in die\nwundervolle Nacht, daß das Meer weit hinaus er-\nglänzt. Er wird dafür bezahlt und gibt sich Zu-\nfrieden. Nicht so Falk. Er kann sich an den denk-\nmallosen Dichter nicht erinnern, ohne öchmerzlich\nzu empfinden, daß in Norderney kein Zeichen, kein\nGedenken an ihn mahnt, daß man daselbst nicht\neinmal einen Extradruck des Nordsee-Zyklus haben\nkann. Ja, es wird ihm zur herzbeklemmenden Ge-\nwißheit, daß man da kaum weiß, was das1 ist.\nAber er will es nicht ergründen, sonst käme zu der\nallgemeinen deutschen Heinefrage und zur\nspeziellen Hamburger noch eine Norderneyer. Ihr\nwäre allerdings leicht abzuhelfen. 'Es! wird doch\nin der „Morgenpost-Lesehalle\" einen Winkel für eine\nHeinebüste geben. Sie gehört dahin, denn Heine\nHatte, Wäre es ihm vergönnt gewesen, im Ullstein-\nschen Zeitalter zu leben, seinem Nordseezyklus einen\nVers zugefügt, der diesem vielleicht ähnlich ge-\nwesen wäre:\nMaßlos würde mich bedrücken\nUngestümer Minne Fluch,\nWenn mir Tröstung und Entzücken\nBrächte nicht ein Ullstein-Budh.\n\nJ. A.\n\nWarnung an die Provinzpresse\nDie Herren Redakteure der Provinz pflegen sich\nim allgemeinen nicht um zeitgenössische Literatur\nund Kunst zu bekümmern. Sie begnügen sich, me-\ndianisch das abzudrucken, was ihnen die soge-\nnannten Feuilletonkorrenpöndenzen aus Berlin zu-\nkommen lassen. Der unwissende Leser sei einmal\nüber diesen Betrieb aufgeklart. Da sitzt irgend so\nein Herr, der im Nebenberuf Schwanke schreibt\nund Zeitschriften für Halbgebildete mit Feuilletons\nversorgt, an seinem Schreibtisch, durchschnüffelt\nsämtliche wertvollen Blätter nach Dingen, die sein\nGehirn nicht faßt, schneidet sie aus und versieht\nsie teils mit albernen, teils mit frechen Anmer-\nkungen. Außerdem liefert er noch die rühmlichen\nBerliner Briefe, in denen er dem ahnungslosen\nProvinzpublikum die unglaublichsten Märchen über\nLiteratur, Theater, Musik und Mondänität aufzu-\nbinden versucht. Das ist das Wesen der Feuilleton-\nkorrespondenzen, die den gesamten literarischen\nund künstlerischen Teil der Provinzpresse be-\nherrschen.\nAm wenigsten können sich nun diese Herren\nin der Welt unserer Mitarbeiter zurechtfinden. Wir\nsind nicht gewillt, ihnen an dieser Stelle Aufklärung\nüber das Wesen der Kunst und insbesondere der\nLyrik zuteil werden zu lassen. Aber: Wir wollen\nden Herren einmal gründlich das Handwerk legen.\nUnd zugleich die Redakteure der Provinzpressie\nzwingen, nicht gedankenlos Frechheiten und Torhei-\nten zu verbreiten. Durch einen Teil der Presse geht\nzurzeit wieder einmal ein Gedicfht aus unserer Zeit-\nschrift, vergehen mit idiotischen Ausruf ungszeichen\nund dummen Bemerkungen. Wir geben der Pjtoh\nvinzpresse hierdurch bekannt, daß wir gegen sämt-\nliche Redaktionen, die sich diesen Nachdruck lei-\nsteten, im Auftrage des Verfassers das Strafver-\nfahren wegen Beleidigung angestrengt haben, und\nwarnen hierdurch ausdrücklich den Teil der Blätter,\nder sich noch dieses zweifelhafte Vergnügen leisten\nwill, sich derselben Strafverfolgung auszusetzen1.\nGegen Kritik haben wir nichts einzuwenden, gegen\nRüpelei und Pöbelhaftigkeit sind die Gerichte die\ngeeigneten Instanzen.\nDie Redaktion der Wochenschrift Der Sturm\n\nBerichtigung\nIn der Arbeit Von Else Lasker-Schüler: Oskar\nKokoschka heisst der erste Satz des letzten Ab-\nschnitts: Oskar Kokoschka ist eine junge Priestergestalt,\nhimmelnd seine blauerfüllten Augen und zögernd und\nhochmütig.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nt\n-y\n0\nM\nVLO\n%\ns?\ni\nV*\n%\n&\n!t\n(47\n%r*\n4?\nHohle Zanne sind, wie die mdsteit aus Erfahrung wissen,\neines der unangenehmsten und schmerzhaftesten Uebel,\nunter welchen die Menschheit zu leiden hat. Man hute\nsich daher dringend vor Vernachlassigung der Zahn-\npflege und gebrauche taglich Kosmin Mundwasser,\nwelches den denkbar besten Schutz gegen das Hohlwerden\nder Zahne bietet, gleichzeitig das Zahnfleisch kraftigt\nund den gesamten Mundorganismus erfrisdit. Preis pro\nFlasche, lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich\n1\n\n99\nKomoll\" gegen\nBrause\"\nBerichtigung\nWir haben die Franz Hartmann Sinalco Aktiengesellschaft nicht zu einem Zeitungskrieg herausgefordert, sondern ihr den offentlichen Vorwiirl des unlauteren\nWettbewerbs gemacht, nachdem sie einer am 3. Juli v. Js. iibernommenen vertraglichen Verpflichtung, in Zukunft keine unwahren Angaben iiber Sinalco zu machen, nicht\nloyal nachgekommen ist.\n. Statt unser sachliches Inserat sachlich zu antworten und unseren Vorwurf zu widerlegen - wozu sie abar nicht imstande ist — hat die Franz Hartmann Sinalco\nAktiengesellschaft nach alter Gewohnheit den Angriff zu einer Reklame auszunutzen versucht, indem sie ein aus dem Jahre 1905 stammendes, veraltetes Gutachten unseres\nMitmhabers Dr. Komoll zitiert.\nDieses Gutachten ist seites des Herrn Dr. Komoll langst widerrufen worden, weil er sich bei seiner Abgabe in einem von Herrn Hartmann hervorgerufenen\nIrrtum iiber die Zusammensetzung des Getrankes befunden hat. Herrn Hartmann ist durch Einschreibebrief vom 15. Tanuar 1907 die weitere Verwendung zu Reklame-\nZweckeu unter Androhung von Gegenmassregeln untersagt worden.\n_. _ die weitere Verwendung dieses Gntachtens ist bereits einmal Klage erhoben worden. Diese, sowie etwa ein Dutzend anderer Klagen gegen Hartmann und\ndie riojiz Hartmann Sinalco Aktiengesellschaft und deren Angestellte usw. wiirde durch den von gegnerischer Seite ange balm ten Vergleich beigelegt\nEs ist diesseits aber sowohl vor wie bei Abschluss des Vergleichs nachdriicklichst seitens unseres Herrn Dr. Komoll betont worden, dass wir aach in Zukunft iede\nuniautere Reklame der Franz Hartmann Sinalco Aktiengesellschaft bekampfen wilrden.\nVon der hervorragenden Qualitat\" des „Smalco\" sollte die Firma besser schweigen. Sinalco ist ein Essenzprodukt, wie die meisten alkoholfreien Getranke : nichts\nweiter. Es ist aktenmassig festgestellt, was es mit der „stolzesten Errungenschft der deutschen Getranks-Industrie\" auf sich hat.\nNach unserem friiheren Aufklarrungs-Inserat .und der vorstehenden Berichtigung wird jeder, der die friihere Bilz-Reklame kennt, uuser Vorgehen gegen die Franz\nHartmann Sinalco Aktiengesellschaft gerechtfetigt finden. \" 6 &\n-Dr. 35. HCMOLL & Co., Fabrics &lkoh.olfr©ier Fr uclitsirup©"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.7", "texte": "Auslieferung fnr Österreich-Ungarn A. Mühlhans-Smital Wien IX / Pur den Buchhandel: M. Braunschweig Wien IX / Verantworte für die Schriftleitung in Österreich-Ungarn: Otto Soyka\n\n3£RjLliri9lO\n/\\USSTEIkU\nAB6EWIESE\nKUWSTLER\nDER.\nBERLINER\n•SECERN'\nIN DER\n6ALERIE\n/MAXIMILIAN\n•/nACHT\nBERLIN.WSO\nRANKESTr.I •\nmm\nw-\nTAPPeRT*\n\nifujVcl* J CK/i\nAAwwruxxn - (/VuiU«4|\niJafaJ&WUAAk,*\nHi\n\nWer den Inhait dieses Blattes „goutiert\",\ne\n3-\n(T\nCA\n<»\n-112\ns.\nQ-\nP*\n\"-K\no\n3-\nrf.\nS-\n»\n3.\no\nweiss auch, welch hohen Wert die\nMitarbeit des Reklame-Fachmannes\nfiir Industrielle und Kaufleute hat!\nEiner der bekanntesten Reklame-\nAnwalte ist Oms, Berlin -Steglitz*\nVeriangen Sie — unter gleichzeitiger\nEinsendung von Unterlagen —\nFlugblatt ~209\" =====\n\nPraia 1 Mark Preii 1 Mark\nM enthol-Malz-Dragees\n■ ■\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungs-\norgane / ermoglicht Schauspielern und Sangern\nsofortigen Gebrauch der erkrankten Organe\n—... ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN ■■■•«■\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Allelnige Fabrikantta\n..Pharmacia\" / Fabrik fur pharmaceutischen Bedarf / Beriin-Halcnsee\nWohlschmeckend Sicker wirkend\n■ ■\n■ B\n\nDer schonstc Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBofleitgeseliscftaft des (Uestens, ttlauerstr. $6»ss\nTelephon I, 7497\n\nClntran i*; L| a Sanatorium and Erholangrsheim\nt ID Ken 111 U flic Post Mellenbach bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral-\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsrdume. Individuelle arztliche Behandlung.\nDie Kfiche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervenschwache, Magen- und Darmleiden, Gicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\n• • •\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Leiter: Or of. ned. W. Hotz\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege persOnlicher\nKultur und gesunder Lebens-\nanschauungen, dient unsere\nMonatsschrift „&esundes\nLeben4', von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. Ab0nn.M.3,60 p.Jahr\nmm\n\nDERDEMOKRAT j\nWochenschrift fur freiheitliche i\nPolitik / Kunst und Wissenschaft !\nErscheint jeden Mittwoch |\nI\n■\nNummer 10 Pf. / Quartal M 1 8\nProbenummern frei d. G. Zepler {\nCharlottenburg Bismarckstr. 103 S\n\n:: PROBENUMMERN ::\numsonst u. portcfrei durch die\nGeschSftsstelle „DER STURM\"\n\nDieSacftel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\n:: Werbeband\n210 Seiten stark\nPreis 50 Pfg.\n1 ÜBERALL ERHALTLICH 1\n\nFORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteranenstrasse 19 >: Telephon Ami 111, 8164\nDETECTIVABTEI LUNG: Ermittelungen, Beobachttmgen,\nHeruuchaffung von MaterUd in Civil- and Str&fsachea\n\nETS Cafe Continental ESS\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAlle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften\n\n1. Eine hsrvorragende Neuerselieiiiuftg ant dem Gebiete der Madchea-\nbildancr ist das Bnch\n„Brauclien wir noch Tocliterpensioriate ?\"\nyon Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer. Preis Mk. ft—\nWicbtigr liir Eltern heranwachsendcr Tochter, P&dagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Dle Knabenpensionate, deren Einrlehtnnf, ihr Inneres\nand stusserrs I»eben.\" Von L. Daniel. Ein Ratgeber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. 1,80.\n8. „l>as TiH'lnterpensionat\" ist die einzlge Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorsteherinnen verfritt. 7. iahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis liir die Praxis. Pro Halbjahr Mk. 5,50.\nDurch samtliche Buchhdig. Oder direkt yom Yerlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10\n\nTHR. IC HOP HI L<\n■ FT. M. 3,00 FL M. 3,00 ■\n| •uiumiiiiiii nur Deim Fabrikanten: «=**\n5 Otto Teutscher/ Priseur *\n1. Geschaft: 106 a Potsdamerstr., Eing\\ 63 Steglitzerstr.,Tel.Vl,673s ■\n|H 11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Tel. AmtCh.,63B7 ®\n■■1116606d0000HH1"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100728-01.1.8", "texte": "Verantwortl. f. d. Anzeigenteil: A. Bots / Verlag Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle und Anzeigen - Annahme: Berlin W. 35 / Druck y« Hans Walter,] Berlin SW.I 3\n\nLesen und staunen!!\nUm unseren Sicherheits-Rasierapparat „Romiletiu, welcher\nalle bis dato auf den Markt gebrachten Rasierapparate ilber-\ntrifft, schnell in alien Kreisen einzufiihren, haben wir uns\nentschlossen\n3 :■\n5000 Stuck zum Selbstkosten-\npreise v. Mk. 0- (statt Mk. IS-)\nzu liefern.\nDieser Apparat ist aus dem allerfeinsten Material\nhergestellt, schwer versilbert und wird in elegantem •\nLeder-Etui mit 12 vorziiglichen Schneiden versandt.\nLassen Sie sich diese giinstige .\nGelegenheit nicht entgehen !! •\nBeachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Apparat bietet:\n1. Grosse Ersparnis an Zeit und Geld! ::\n2. Stets sauber rasiert, da Schneiden und Kratzen voll-\nstandig ausgeschlossen!\n3. Kein Warten beim Barbier!\n4. Keine Ansteckungsgefahr, wie Bartflechten usw.!\n5. 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