{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_sha256": "511953dcc8d4df76f54e783e56bf71aed52453c14fc30c306712f5d24f2fe7f9", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/08/04_01/bmtnabg_1910-08-04_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/08/04_01/bmtnabg_1910-08-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "179", "page_fin": "179", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.1", "titre_corps": "Zeichnung von Samuel Fridolin", "titre_sommaire": "Zeichnung von Samuel Fridolin", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.1", "debut_caractere": 3060, "fin_caractere_exclue": 3089, "texte": "Zeichnung von Samuel Fridolin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "179", "page_fin": "179", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.2", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.1", "debut_caractere": 551, "fin_caractere_exclue": 1003, "texte": "INHALT:\nRUDOLF BLÜMNER: L'amour ä l'alle-\nmande / ADOLF LANTZ: Der Freund / ELSE LASKER-\nSCHÜLER: Versöhnung / PAUL SCHEERBART: Der\nTodesrausch / WERNER PETER LARSEN: Drei Stuu-\nden / HEINRICH PUDOR; Gesicht und Maske / ALFRED\nDÖBLIN: Gespräche mit Kalypso über die Musik /\nR. 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Im Teutonischen\nläßt es sich nicht bloß der unübersetzbaren\ngallischen Zoten wegen nicht wiedergeben, sondern\nvor allem deshalb, weil sich in Deutschland\n(dem X-and der offiziellen Sexualverneinung) an die\nWiedergabe des Textes! Beschlagnahme, Anklage,\nGeUdstrafe, Gefängnis und andere verwerfliche Ein-\nmischungen jder Obrigkeit knüpfen würden. Ich\nbegnüge mich, zu erzählen, daß der Verfasser der\nConference sur Pamour devant Guillaume 11. durch\nden Mund einer Dame die Deutschen wegen ihrer\nhomosexuellen Neigungen verhöhnt und ihnen\neiniges Wesentliche über die normale Geschlechts-\nvereinigung in Erinnerung bringt, das ihm in\nDeutschland in Vergessenheit geraten scheint. Denn\nin Frankreich ist die 'Ansicht von einer aligemeinen\ndeutschen männlichen Homosexualität verbreitet.\nDer französische Homosexuelle macht sich gern\nan die Deutschen heran, klopft ihnen, Verständnis\nerwartend, (auf den ci-devant Rücken und kleidet\nseinen Wunsch in die aussagenden Worte: „Sie\nspreken deutsch?\" Und „faire Famour ä Falle-\nmande\" heißt: sich homosexuell betätigen, „le vice\nallemand\" ist die Homosexualität unter Männern.\nSo weit sind wir.\n\"SoMie, die sich darüber ärgern, mögen siich\nzunächst bei Maximilian Harden bedanken. Nicht,\nweil1 er die Deutschien in einen unverdienten\nschlechten Ruf gebracht, sondern weil er einen\nwirklich bei uns bestehenden Abusus ausposaunt\nhat. Man merke sich in Deutschland, daß der\nProzentsatz der französischen männlichen Homo-\nsexuellen \"dem in Deutschland nicht annähernd\ngleichkommt, daß aber das „deutsche Laster\" bei\nuns sich immer mehr verbreitet. Man merke sich\ndas in Deutsdiland! Es wird wohl eine Ursache\nhaben. Das humanitäre Comite mag in feinem\nSinne ruhig weiter arbeiten, aber nicht vergessen,\ndaß die Wurzfei des Uebels zu treffen ist. In der\nTat: (es affaires de Famour Kont mal en Allemagne."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3301, "texte": "Was hat man in Deutschland davon, daß man\nsexuell normal zur Welt gebracht wurde? Es ist\nbei uns wirklich zum Homosexuellwerden. Dieses\nkinderreichste, aber zur Liebe talentloseste Land\nerkennt offiziell die Existenz der Geschlechter nicht\nan. Alle Kräfte dieses! Landes haben sich vereinigt,\nden natürlichen Grad der erotischen Hemmungen\nzu steigern, bis das gepeinigte Individuum per-\nvertier t. In diesem Lande ist die verfolgte\nPerversität ein Produkt der erotischen Talentlosig-\nkeit.\nDeutschland, Deutschland über alles: Ein Land,\ndessen Gesetzgebung jeden außerehelichen Ge-\nschlechtsverkehr mit dem pfäffisch gemeinen Wort\nUnzucht brandmarkt. Ein Land, dessen oberster\nGerichtshof die im höchsten Sinne sittliche Ehe,\ndie sogenannte wilde Ehe, für unsittlich erklärt. Ein\nLand, das zwar $io wenig wie irgend eines den\nSegen der „Prostitution\" entbehren kann, die\n„Prostituierten\" aber nicht als Wohltäter der\nMenschheit anerkennt, sondern von Haus zu\nHaus jagt. Ein Land, in dem ein Mädchen,\ndas ein Verhältnis! xhat, mit gesellschaftlicher\nVerachtung bestraft, und ein Mädchen, das ein\nKind bekommt, verstoßen wird. Ein Land,\nin dem Kirche und Polizei, Gesetzgeber und\nRichter, ja sogar die Schauspieler, vertreten durch\nihre Genossenschaft und ihr Rechtsschutzbureau,\nmit der Leidenschaft geistiger „Voyeurs*\" und der\nGehässigkeit der Vagina-Neider Jagd auf den außer-\nehelichen Beischlaf machen. Ein Land, dessen\nHoteliers, Portiers, Haus- und Zimmervermieter die\nGeschlechtslosigkeit aller unverheirateten Personen\nanordnen. Ein Land, dessen Männer sich für be-\nrechtigt halten, die Mädchen, mit denen sie sich zu\nBette legen, für geringer als Ihresgleichen zu\nachten. Ein Land, in dem durch jede erdenkliche\nerzieherische und gesellschaftliche Entfremdung\nzwischen Männern und Frauen zur Onanie erzogen\nwird. Ein Land, das durch Gesetze und gesell-\nschaftliche Brutalität seine MädChen so ängstigt,\ndaß neunzig Prozent (hauptsächlich1 in den soge-\nnannten besseren und höheren Kreisen) einer oft\ndurCh1 die Ehe kaum zu beseitigenden Onanie ver-\nfallen sind. Ein Land, in dem jedesi Kind als ver-\ndiente Strafe für sündigen Geschlechtsverkehr willig\nhingenommen und die Abtreibung barbarisch be-\ndroht, verfolgt und bestraft wird. Ein Land, in\nwelchem Eltern, die ihre Tochter oder ihren Sohn\nmit ihrem Verlobten schlafen laslsen, zu Kupplern\nwerden. Ein Land, in dem die Sinnlichkeit der\nFrauen für Hysterie und Geistesgestörtheit erklärt\nwird. Ein Land, das durch die Größe sleiner sexu-\nellen Lügnerei und Heuchelei Mädchen und Frauen\nzu jener erkaltenden Rücksichtslosigkeit und Un-\nliebe nswürdigkeit gegen die Männer zwingt, die von\nder Riesenschar unserer beliebten Familienschrift-\nsteller und Afterpoeten als „zarte Keuschheit\" ge-\nlobt und besungen wird — — — das ist jenes\noffiziell-antierotisChe Deutschland, das im Kinder-\nkriegen an der Spitze der Völker marsdhiert, wo\nes aber doch keine Lust ist, zu lieben. Um die bei\nunserem Volke offenbar mehr als1 irgendwo ge-\nfährdete Sittlichkeit zu schützen, verfolgt man die\naußereheliche Liebe und züchtet, unterstützt von den\ndeutschen Frauen, le Vice allemand, das deutsche\nLaster. Es1 ist wirklich zum homosexuell werden.\nOr, on sie trompe un peu ä Paris. Mais, quand\nmeine, c'est une chose bien triste que Famour en\nAllemagne."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "181", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.4", "titre_corps": "Der Freund", "titre_sommaire": "Der Freund", "signature_source": "Adolf Lantz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.2", "debut_caractere": 3303, "fin_caractere_exclue": 12502, "texte": "Der Freund\nVon Adolf Lantz\nLangsam durchwanderte Amelius die altertüm-\nlichen verschwiegenen Gassen. Als er nun hinaus-\ntrat in den Anblick des nachttrunkenen Platzes1, aus\ndessen Schatten und ungewissen Lichtern die alte\nKirche der Minoriten dumpf und feierlich zum Him-\nmel1 empordunkelte, stand er betroffen, gebändigt\ndurch eine innere Beziehung zu dem, was ihn um-\ngab. Im FlaCkerliCht einer Sekunde erlebte er eine\nErkenntnis, die ihn bezwang. Weit mehr als! je\nauf Gräbern, spürte er hier im tiefsten Wesen den\nInbegriff des Vergleitens. Aus wirkenden Formen\nder Vergangenheit bebte deren Seele; er fühlte,\nwie er sie empfing. Eine Sekunde lang. Dann\nwars vorbei, in ihm verglitten, ein zuckender\nFunken am naditdunklen Horizont, der aufleuch-\ntend verlosch'. Alle Denkkraft ließ nicht zur\nGegen wärt werden, was er gesehen hatte. Ver-\ngangenes tauchte auf alis1 Bild und Zukünftiges,\ndie ganze Regelmäßigkeit der Erscheinungen,\naber alle Gegenwart jener Erkenntnis blieb ent-\nschwunden.\nEine bange Leere, das Gefühl1 einer einzigen\nEinsamkeit überwältigte ihn. Niemand gab es mehr\nin dieser Stadt, der ihm1 nahe War, kein Wesen besaß\ner, von dem ein Teil jener Kräfte auf ihn über-\nströmen konnte, die beruhigen und wärmen, und die\nWucht der Lebensgeißel, einsam zu sein unter Ein-\nsamen, für Stunden und Tage hinwegtäuschen oder\nmildern.\nIrgendwo weit draußen enteilte der Zug, mit\njedem Atom von Zeit ferner und ferner, unerreich-\nbar seiner Stimme, seinen Augen. Der Einzige und\nLetzte, an dem er gehangen, mit dem er gemeinsam\ndie Ereignisse seines Daseins erlebt und genossen\nhatte, der war nun fort. Dies war alles1 aus; nicht\nmehr werden sie zusammen die altertümlichen\nGassen der Stadt nächtlicher Weile durchschlen-\ndern, nicht mehr wird eine sanfte, seltsam be-\nwegte Stimme neue Dinge künden und kluge Worte\nsagen, eine prunkvolle Phantasie tausend Farben in\ndie Welt zaubern, eine tolle, kraftvolle Laune\nFunkengarben entzünden, die Feste des' Lebens zu\nbeleuchten und alles, was jenseits liegt dem regel-\nmäßigen Pulsschlag. In einer anderen Zeit lebt nun\njener, denn er ist zu einem anderen Volk, in einer\nanderen Stadt, zu anderen, grundverschiedenen Mög-\nlichkeiten von Ereignissen. Und das muß; sie am\nmeisten trennen, diese Art der Daseinsführung,\ndie nicht mehr die gleiche sein kann, die sich nicht\nmehr in den gleichen Formen abspielt. Sie Sind tot\nfür einander: das heißt Entferntsein. Was sind\ngeschriebene Worte, wenn die Stimme nicht tönt,\nund aus ihr der Klang und der Rhythmus1 der Seele,\nwenn die Augen nicht alle Abgründe und Tiefen\ndeuten? Nicht für die Gedanken, doch für das\nlebendige Leben, das über jede einzelne Sekunde\nhinwegkommen \"muß, ob mühsam1 und schleppend\noder tanzend und fliegend, war jener von nun\nan tot, und Amelius tot auch jenem.\nDer aber wird es nicht sonderlich fühlen. Die\nneue Umgebung wird Besitz ergreifen Von ihm,\nein Taumel wird ihn erfassen. N.iCht einsam wird\ner sich1 morgen dünken, niemals! einer bangen Leere\nWehrlose Beute sein tagaus, tagein, fort und fort.\nDenn jenem wechselt Lust und Leid, da er die\nKraft hat, sich selbst Fröhlichkeit zu erwecken und\nsie zu verbreiten.\nAmelius aber wird warten.\nEr kam sich plötzlich ohne Zusammenhang vor\nmit der Welt, ohne jede richtige Beziehung zum\nLeben. Eine Leere gähnte in ihm, er wüßte nicht,\nsie bedeutete, er empfand nur, daß sie sich\nauf tat, als der Zug aus der Halle fuhr, und sich\nimmer tiefer in ihn hinabgewühlt Watte, am Wege\ndurch die leeren Gassen. Als wäre jener seine\nLebensfreude gewesen, seine Möglichkeit zu ge-\nnießen, sein körperlicher Anteil am Dasein! Dunkel\nund verhüllt tauchten mit einem Mal die Hinter-\ngründe auf am Bild seiner Freundschaft. Ein Schau-\nder überlief ihn vor dumpfen Erscheinungen, die\ner sah.\nVon der Turmuhr schlug es zwölf. Düster\ndunkelte die alte Kirdhe der Minoriten zum Wolken-\nfinsteren Himmel empor. Müde Ruhe umhüllte\ndichter die verborgenen Wunder versunkener Jahr-\nhunderte. An mächtigen, kunstvollen Portalen,\nihren versteinten Gestalten, vielverschnörkelten Zier-\nraten und Gebilden, den hochgewölbten verschlosse-\nnen Eingängen menschenleerer Paläste, an schla-\nfenden, verträumten Gassen und Giebeln vorbei,\nglitten Erinnerungen. Eine schwelgende Stille, als\nhielten alle Geräusche des! Lebens den Atem an,\ngeheime Zwiesprache zu erlauschen von tiefgründi-\ngen Wassern, in marmornen Brunnen gefangen,\nmit verwittertem Gestein, gebeterfüllten Lüften, ver-\nrosteten Kreuzen und zeitzerfressenen heiligen Zei-\nchen. Das Schweigen erhöhend, umschwebte das\ndunkle Gemäuer ein Rauschen, als suchten ins Un-\nendliche entflohene Orgelakkorde sich wiederzufin-\nden, durch hohe Spitzbogenfenster, Mauerritzen und\nTurmluken ins Innere des1 Doms zu dringen. Die\nLuft trug die Schwere der Stimmung, leichte Schauer\nverströmten in ihr. Aus' unheimlichem Winkelwerk\nverwitterter Steinquadern löste es1 sich ab, ein un-\nförmiger Klumpen, lautlos und langsam, bewegte\nsich auf Amelius1 zu, stand nun nahe vor ihm.\n„Sie kennen mich. — Tobias Bols'. — Sie er\ninnern sich': vorgestern auf dem Ball.\"\nAmelius sieht den kleinen Raum an der Seiki\ndes Saales. Weiche, sammetüberzogene Fauteuilsl\nzierliche, vergoldete Rokokotischchen. Darauf höht\nChampagnergläser. Auf schlankem dreifüßigen Ge.\nstell Eiskübel, die goldenen Hälse der Flaschen\nleuchten. Durch portierenumsäumten, schmalen\nEingang Blick in den lärmenden Saal:\nLichter blenden, Paare gleiten vorüber, der Duft\nfeiner Parfüms; strömt herein. Schwelgende Klänge\nschweben gedämpfter, verstecken sich in den Falten\nder Portiere, ertrinken in Champagnerperlen. Heil]\nweht der Atem des Festes. Ein unendlicher Rhyth-\nmus von Leben und Fröhlichkeit, Spiel und Flam-\nmen, Neigungen und Leidenschaften. Die Seele fließt\nhinüber in den Reigen, schwingt jubelnd mit. Nach\nLust und Verzückung verlangt der Körper. —\nRuhig, ruhig! — Die Augen schließen, sich zurück-\nlehnen! Hinab mit der Seele, hinab mit den Wün-\nschen ! — Amelius kann nidit tanzen. Sein Körper'\nist zu feig, oder zu gelassen und träge.\nGegenüber in der Ecke hockt ein ver-\nwachsener, höckeriger Mensch. Sein Gesicht ist ab-\nstoßend, eine Grimasse ohne Inhalt. Seine Augen\nstieren in das Licht draußen, als wollten sie es\ntrinken. Ein junger Mann eilt herein, erhitzt, ein\nseidenes Taschentuch in der Hand. Schwer hängen\nweiche, dunkle Locken in eine offene Stirn. Schlank\nund kraftvoll ist die Gestalt, der Mund herb, die\nZüge stark und entschieden. Der Krijppel füllt rasch\nund dienstfertig ein Glas und reicht es jenem, der\nes hastig leert, wieder in den Saal stürzt; oft\ngleitet sein Schatten draußen vorbei, verschlungen\nim Tanz mit schönen Frauen.\nJetzt sind sie wieder allein, Amelius und der\nKrüppel. Irgendeine Beobachtung bringt den\ndrüben zum Sprechen. Ein Gespräch entsteht. Sie\nwerden bekannt. — Tobias Bols. — Amelius. —I\nBeide warten. Jeder auf seinen Freund. Von Zeit\nzu Zeit in den Pausen kommt Besuch. Am Arm\nbegehrender Frauen, erhitzt und dem Rausch des\nFestes hingegeben, der Freund des Krüppels. Er\nkommt nur, um Champagner zu kredenzen und\nselbst zu trinken. Eine Flasche nach der andern\nwird leer. — Amelius freut sich beim AnbliCk1 jenes•\nMenschen. Er neidet ihm den Reichtum der Natur,\ndas Sieghafte seines Wesens. Ein körperlicher\nSchmerz erfaßt ihn vor dem Krüppel. Wie ein\nschartiges Messer reißt seine krächzende Stimme\nWunden in die Seele.\nMerkwürdig, wie? — Zwölf Uhr, Minoriten-\nplatz. Unvermutet, das Zusammentreffen. Herr-\nlich hier, wie? Absolutes Mittelalter. Stehe schon\nlange da, länger als Sie. Ebenfalls! Liebhaber dieser\nStimmung. Aber allein. Sie haben mich gestört,\nidi will es nicht leugnen. Peinlich, sehr peinlich.\nWollte warten, bis Sie weiter gehen. Verlor die\nGeduld, trat näher, erkannte Sie sofort. — Es1 ist\nkalt, finden Sie nicht? Zu mindest kühl. Ich friere,\nSie nicht, wie?\"\nKratzend und abstoßend klingt es1, fieberhaft\nund erregt. Amelius spürt ein unheimliches Schau-\ndern. Sein Kopf schmerzt, eine bange Unsicherheit\nbefällt Ihn :\n„Ganz geheimnisvoll ist dieser Platz,\" sagte\ner. „Wie ein Traum, dem Antwort wird.\"\n„Zu Zeiten, Herr, zu Zeiten. — Es kommt\ndarauf an, wie Sie gestimmt s|i,nd. Ich kenne das:\nEinbildung, zitternde Feigheit oder perverse Brunst\nder Phantasie. Da irgendwo in einem Winkel habe\nich1 einmal betrunken gelegen. Eine Entweihung,\nwie? Unsinn! Aber ein widerlicher Zustand für\nandere. Man ist ohne Zusammenhang mit so einem,\nals wärs ein Geisteskranker. Und doch, die leichte\nTrunkenheit ist zu wünsChen. Ein vortreffliches i\nGefühl, sage ich'. Man wächst, man vergißt, man*\ndünkt sich1. Mehr Fähigkeiten wachen auf. Bettlern\nklimpern die letzten Kupfermünzen wie Gold, sie\nwollen vergeuden! Mißgestaltete Körper, klap-\npernde Gerippe wollen sich verschwenden. Man\nmuß sich verschwenden von Zeit zu Zeit, wenn\nman teilhaftig werden will des großen Lebens! Ver-\nstehen Sie ? Bestürmen muß man den Genuß, bis er\nniederschlägt. Bestürmen, nicht bekriechen! Zu-\nsammenbrechen unter Jaudhzen, in die Kniee vor der\nGewalt der Genüsse! Dann hat man gelebt! Haben\nSie gelebt, Herr, wie? Sie haben es nicht! Ich\nfühl' das! Warum schweigen Sie? Beliebt es\nIhnen, über midi zu lächeln? Weil ich verwachsen\nbin, eine mißlungene Kreatur und Ihnen vom Leben"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10476, "texte": "erzähle, wie? Ich kann Sie belehren, es reizt mich,\nSie zu belehren, eben weil Sie glauben, daß mein\nverfluchtes, abscheuliches Skelett, die gelbe, blatter-\nnarbige Haut über der verknöcherten Fratze mich\nverhindert hat, zu genießen, was nur immer\nmenschenmöglich ist.\nGeschwelgt habe ich! In allen Zärtlichkeiten\nder Frauen geschwelgt. Kennen Sie die Lusthäuser\ndieser Stadt? Sie finden sie herrlich, wie? Kata-\nkomben sind sie! Moderdumpfe, finstere Kata-\nkomben, gegen jene voll Pracht und Prunk, durch\ndie ich mich gewälzt habe. Lernen Sie die erst\nkennen! Halten Sie mich nidht für betrunken! Ich\nhabe nichts in mir als zwei Flaschen Sekt. Das\nbringt in Laune, nichts weiter. Aber Sie dauern\nmich in Ihrer Jugend. Ich bedauere Sie Von ganzem\nHerzen. Was suchen Sie um diese Zeit auf der\nStraße? Es ist die Zeit des Genusses. Warum ver-\nschleppen Sie ihre Zeit? Auf dem Balle habe ich\nSie beobachtet. Was Sie für Augen haben! Zum\nTeufel! Gierige, nie gesättigte, mutlose Augen!\nSie sind nicht blind, diese Augen. Sie sehen, daß\ndie Welt in Flammen steht. Sie selbst Wissen es,\ndaß alles herumrast im heißen Brand! Warum be-\nhalten Sie denn Ihre Kleider an, wie —\"\nAmelius steht wie betäubt, wortlos. Als sähe\ner nichts mehr außer dem schwarzen Punkt vor\nsich, aus dem es mit krächzenden, harten Lauten\naufkreischt.\n„Warum sind Sie verstummt? Peitscht Sie die\nWucht meiner Worte, wie? Schreit Ihnen das Leben\nseine Anklage za, weil Sie es erbärmlich ver-\nschleppen? Was ist das für eine Art, sich an einen\nFreund zu hängen und zuzusehen, wie er tanzt,\nin einer Ecke zu sitzen und schluchzend zu lauern?\nWarum gehen Sie auf Feste, wenn Sie nicht tanzen\nkönnen? Andere Orte gibts für solche, dort ist\nSättigung für gleiches Geld, und gleiche Zeit, Sätti-\ngung aller Wünsche. Kaskaden der Lust, die hin-\nabreißen in die Tiefen! Man muß sich verschwen-\nden! Der Wille dazu liegt in uns! Der belügt\nsich, wer sich's leugnet! Wo ist er denn jetzt,\nIhr Freund? Welche Orgien feiert er, von denen Sie\nnichts ahnen? Es geht mich nichts an! Ich habe\nnicht zu fragen, wie? Es ist eine Frechheit, sich\nso zu benehmen! Zum Teufel, ich habe Lust, so\nzu sein! Hindern Sie mich, verbieten Sie, werden\nSie grob! Ich frage doch! Denn es paßt mir.\nNichts wird mich in meiner Rede unterbrechen. Zer-\nknirscht will ich Sie sehen, kläglich überwiesen,\ndas Leben zu schwänzen, Sie, der Sie zu lächeln be-\nlieben über mich! Ist er krank, Ihr Freund? Zu\nBett gegangen, müde von der Arbeit, der Aermste?\nOder gestorben, wie?\"\n„Er ist tot,\" hauchte Amelius1. Es schien ihm,\nals hätte er es1 unhörbar gesagt, ganz leise, als\nhätten sich die Laute über die Lippen gestohlen.\nDem krächzenden Menschen wollte er keine Ant-\nwort geben, loskommen wollte er, fort aus seiner\nNähe, fort von diesem Platz.\n„Wie — tot?\" — ächzte es zu ihm auf. Ein\nstöhnender Laut glitt wie ausl einem zerrissenen In-\nnern. Auch Ihr Freund starb? Zwang mich das zu\nreden? Verzeihen Sie! Ich bereue, Herr! Eine\nteuflische Lust sitzt in mir, Erkenntnisse zu ver-\ndrehen. Nicht alles war vorhin mir Ernst. Nur\nManches. Ich möchte gut machen, was1 ich tat.\nWir stehen anders zu einander, als ich dachte. Lassen\nSie sidi! erklären! Gehen Sie noch nicht fort!\nBleiben Sie! Ein paar Worte. Vielleicht auch mehr.\nIhr Freund ist tot. Ein Gemeinslames verbindet\nuns. Das allein berechtigt, daßi ich zu Ihnen rede,\nmich offenbare — wie keinem sonst: denn auch\nmein Freund ist gestorben.\"\n„Ist er verreist?\" fragte Amelius leise und selt-\nsam berührt. „Ist er in einer anderen Zeit, zu einem\nanderen Volk, in anderen Ländern?\"\n„Nicht so,\" entgegnete es fast keuchend,. „Er\nist gestorben. Schon beginnt der Körper zu ver-\nwesen, der so viel geliebt wurde. Die Leiche sieht\nerbärmlich aus. Verzerrt sind die Züge, die Augen\ngläsern und ohne Inhalt.\"\n„Wer ist tot?\" fragt Amelius! tonlos und sieht\nwieder den kleinen Raum von vorgestern an der\nSeite des Saales. Ein junger Mann eilt herein, er-\nhitzt, ein seidenes Taschentuch in der Hand. Schwer\nhängen weiche, dunkle Locken in eine offene Stirn.\nSchlank und kraftvoll ist die Gestalt, der Mund\nherb, die Züge stark und entschieden. Er trinkt,\neilt wieder in den Glanz des Festes. Oft fliegt\nsein Schatten draußen vorbei, verschlungen im Tanz\nmit schönen Frauen.\n„Mein Freund ist tot,\" krächzt der Krüppel ein-\ndringlich uncl langsam. „Der Ihnen so sehr ge-\nfallen hat, den Sie beneidet haben um die Macht\nseiner Persönlichkeit.\"\n„Wie, der?\" Amelius ist entsetzt, aufgewühlt,\nfassungslos. „Es ist unmöglich ! Der starb\nnicht!\"\n„Doch!\" tönt es mit schneidender Stimme zu-\nrück. „So sicher tot, wie ich vor einer Stunde\ndie letzten Flaschen Champagner getrunken habe\nfür dieses Leben! Denn ich gedenke nicht mehr\nzu trinken, auch nicht mehr auf Feste zu gehen.\nVorbei!\"\n„Woran starb er?\"\n„Er starb sehr plötzlich. Gestern abends, nach\ndem Nachtmahl, in meiner Wohnung. Ich war da-\nbei, ich ganz allein. Ein Kampf weniger Sekunden.\nDann lag er da; starr, in sich verkrümmt, die Augen\nverdreht. Ich ging fort, schloß die Wohnung ab.\nVielleicht wollte ich einen Arzt holen oder die An-\nzeige machen. Ich weiß es nicht mehr.\"\nEin großes Mitleid quoll in Amelius1 auf. Sanft\nund wie tröstend sagte er: „Ich begreife ganz\nIhren Schmerz. Ich beklage Sie tief —\"\n„Gar nichts begreifen Sie!\" schrie jener auf.\n„Sie glauben am Ende, daß ich vorhin wahr sprach,\nmeine Ueberzeugung, meine Erkenntnis des: Lebens!\nDaß ich so erbärmliche Dinge genoß! So werden\nsie nicht errungen, die herrlichen Genüsse dieses\nherrlichen Daseins. Nicht in Bordellen sind sie\nzu haben. Dort ist Betrug, der ärgste Betrug!\nDen Kern des Lebens verhüllt man uns mit selbst-\nbezahltem Betrug! Ehrenbeleidigungen, die nie zu\nsühnen sind: und wir kaufen sie! Vorspiegelung\nder Echtheit, blasse, farblose Visionen einer mög-\nlichen Wirklichkeit mit jäher Ernüchterung und Ver-\nzweiflüng. Die Paradiese des Daseins sind nicht die\nköstlichen Oa'sten in jeder Wüste: nur Fata Morgana,\nin deren Anblick man verdurstet. Mit dem Blut\nmeiner Seele habe ich erkannt. Zerknirscht lag ich\nin meiner Erbärmlichkeit. Ich ahnte die Wunder\ndes Lebens, seine Trunkenheiten und Rasereien,\ndie Verzückungen der Liebe, die Qualen der Eifer-\nsucht, jede Freude, jedes Leid, die großen Aeuße-\nrungen des Daseins. Alles habe ich mir verschafft.\nVersunkenheit in tiefsten Leidenschaften und\nSchwelgen in ihrer Ueberwindung. Was begreifen\nSie davon? Gar nichts! Was' wissen Sie denn?\nHabe ich Ihnen erzählt, habe ich irgend jemandem,\nStümper oder Genie, Dilettant oder Meister, geoffen-\nbart, was jener mir war, der gestern starb? Ahnen\nSie auch nur, was wir gemeinsam geschaut, wie\nwir Schicksale gelenkt, ihren Lauf revolutioniert\nhaben, wir, wahre Napofeone des! Lebens !\nDiese wundervollen Tage und Nächte am Meer\nmit der Fürstin! — Alle Pracht hatte sie ver-\nlassen, alles aufgegeben. Namen und Ehre, Gatten\nund Kinder, nur um uns zu folgen, ihm, den sie\nliebte. Unter tausend Qualen starb' sie: denn sie\nmußte sehen, wie das Meer die Frauen vor seine\nFüße spülte, wie er sie lächelnd nahm und dann\nwieder fallen ließ, zurück in die Flut. Denn wo\nnur Schätze sich boten, griff er zu.\nAlles habe ich miterlebt, mitgenossen. Arm\nwar er, als ich ihn fand, hilflos, ein Verhungernder.\nIch machte ihn reich. So viel er brauchte, erhielt\ner von mir. Nichts forderte ich als! Dank, nur daß\ner erzähle! Alles hat er mir sägen müssen. Wie\nkein Dichter verstand er zu schildern, was er er-\nlebte, was ihn durchwühlte, stachelte, berauschte.\nDie Schauer der Ereignisse fühlte ich am eigenen\nLeib, gepackt, überwältigt, mitgerissen, nicht mehr\nich: ganz er, ganz er!\"\nUnd jenes Höchste, in dem wir geschwelgt\nhaben, jene göttlichen Tage, als seine Leidenschaft\nin gleichem Verlangen entbrannt war zu zweien, die\nsich ihm gaben. Jede voll Angst, ihn zu verlieren,\neine unwissend der andern. Diese herrliche Lust\nVon Hast und Aufregung, Furcht vor Entdeckung,\nVerschwendung der Kräfte bis' zur Erschöpfung.\nWir wurden krank und entflohen der Stadt. Nach\nwenigen Tagen war er gesünder denn zuvor. Ich\nselbst erholte mich langsam. Meine Nerven zuckten\nim Krampf, meine Sinne waren verworren. Alles\ntanzte, Bäume und Berge atmeten schwer. Wie\nfühlte ich, daß ich gelebt hätte, wie sah ich in\ndie Weit, die ich mir tanzen gemacht hätte, wie\nIWar sie mein, diese Welt, wie habe ich sie ge-\nnossen — durch ihn! — Begreifen Sie jetzt? Können\nSie verstehen ? Hineingefressen, hineingesogen habe\nich mich in seine Seele und in seinen Körper, den\nKörper eines Herrn über alle Lüste, eines Herr-\nschers, dem sich das Leben beugt!\"\nAmelius stand entgeistert. Träumte er oder war\nes Wirklichkeit, was er Vernahm? Dann mußte sie\nsich1 greifen lassen, diese Wirklichkeit. Er streckte\nseine Hand aus nach der Gestalt.\nDie aber wich1 zurück, als fließe sie mit den\nSchatten des Platzes zusammen: „Berühren Sie\nmich nicht! Es könnte eine Kraft Von Ihnen über-\nströmen, die meine Entschlüsse störte. Vielleicht\nsind Sie nicht der, für den ich Sie halte, vielleicht\neiner, der selbst zu leben imstande ist, nicht nur\ndurch einen andern, an den er sich verliert. Würde\naber meine Zunge die Worte finden, mich Ihnen zu\noffenbaren, wenn wir nicht tiefinnere Beziehungen\nzu einander hätten? Würden sich sonst diese\nLippen öffnen, Ihnen zu beichten? Denn es ist\neine Beichte. Al's letzten Genuß nehme ich sie hin.\nNoch einmal habe ich gespürt, daß; ich lebte. Ich\nbin wieder ruhig. Ich spreche ganz gelassen, ohne\nErregung, wie ? Ich fühle nichts mehr, es1 ist wieder\nkalt in mir. Als wärs eine fremde Angelegenheit.\nOder eine Selbstverständlichkeit. Mein Vermögen\nhaben wir verbraucht, das letzte verschlang vor-\ngestern das Fest. Ein paar Münzen blieben. Ich\nhabe sie vorhin vertrunken. Vernünftig, wie? Wir\nwären also beide arm, bettelarm, hätten nichts mehr\nzu erwarten. Ich hatte Millionen vorgetäuscht.\nUnerschöpflich mußte er mich wähnen. Vom ersten\nTag an habe ich jedes Bedenken über Geld abge-\nschnitten, den Schein zu wahren. Er ahnte nichts:\nder letzte Rest zerfloß.\nGestern habe ich ihn vergiftet. Esi war ein\nrascher Tod, ein paar Sekunden. Er sank wortlos\nzusammen, im Krampf, ohne Besinnung. Ich allein\nwar dabei. Sicher ein leichter Tod. Ich habe mich1\ndavon überzeugt, daß es ein leichter Tod ist, durch\ndieses Gift zu sterben. Gehen Sie endlich schlafen!\nGute Nacht!\"\nAmelius schrak auf. Ein Frösteln lief über\ndie Haut. Sein Inneres fror. Wie abgestorben\nschien ihm sein Körper.\nLeer lag der Platz und düster. Im Dunkel\nverwitterter Mauern schwand es wie ein Schatten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "181", "page_fin": "181", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.5", "titre_corps": "Versöhnung", "titre_sommaire": "Versöhnung", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.3", "debut_caractere": 10478, "fin_caractere_exclue": 11020, "texte": "Versöhnung\nElse Lasker-Schüler\nEs wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen ...\nWir wollen wachen die Nacht,\nIn den Sprachen beten\nDie wie Harfen eingeschnitten sind.\nWir wollen uns! versöhnen die Nacht —\nSo viel1 Gott strömt über.\nKinder sind unsere Herzen,\nDie möchten ruhen müdesüß.\nUnd unsere Lippen wollen feich1 küssen,\nWas zagst du?\nGrenzt nicht mein Herz an deins —\nImmer färbt dein Blut meine Wangen rot.\nWir wollen uns! versöhnen die Nacht,\nWenn wir uns hbrzen, sterben wir nicht.\nEs wird ein großer Stern in meinen Sdibß fallen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "181", "page_fin": "182", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.6", "titre_corps": "Der Todesrausch : Eine Mückenphantasie", "titre_sommaire": "Der Todesrausch : Eine Mückenphantasie", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.3", "debut_caractere": 11022, "fin_caractere_exclue": 11452, "texte": "Der Todesrausch\nEine Mückenphantasie\nVon Paul Scheerbart\n„Komm an die Lampe!\" schrie stellig die kleine\nZippa. 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Die Senti-\nments et Passions entstehen nicht im Gesicht, aber\nsie sprechen sich hier am vollkommensten aus.\nAlles, was wir fühlen und empfinden, was unser\nBlüt treibt und erhitzt, und den Herzschlag\" be-\nschleunigt, spiegelt sich hier, und wird in den\ntausend und abertausend Zügen des Gesichtes\nwiedergestrahlt. Wir können uns1 beherrschen und\nEmpfindungen verbergen, indem wir unser Gesicht\nin die gewohnte Form und in den gewohnten Aus-\ndruck zwingen. Aber selbst in diesem Fall nimmt\nes eben diesen Ausdruck der niedergezwungenen\nEmpfindung an. Und je nach dem Temperament\nund der Lebhaftigkeit und dem Reichtum des Emp-\nfindens wird das Gesicht zu einem Meer der Emp-\nfindungswellen. Nichts1 ist schneller als das Denken\nund das Empfinden, aber'ihnen der Gesichts-\nausdruck, ah ihr Niederschlag. Besonders bei\nleidenschaftlichen Menschen, die nie die Kunst des\nGesichtskomödienspiel's gelernt haben.\nVornehmlich im Auge spiegelt sich die leiseste\nGefühteerregung wieder. Der Augapfel verändert\nsich nicht, aber der Blick, die Richtung des Blickes,\ndas Feuer und die Strahlungsfähigkeit des Auges,\nvor allem aber die Stellung und die Bewegung der\nLider, von clenen wesentlich der Ausdruck Hes\nAuges abhängt. Durch die Wimpern wird der\nAusdrucksreichtum der Lider ins Unermessene ge-\nsteigert.\nUnd neben dem Auge ist der Mund der ge-\ntreuste Spiegel1 der Gefühle und zugleich das\nwesentlichste Mittel des Empfindungsausdruckes.\nDen Lidern entsprechen die Lippen, dem Augapfel1\ndie Zähne. Sie bleiben sich gleich, aber je nach\nder Empfindung öffnet oder schließt sich der Mund.\nVielleicht sind die Lippen durCh den Bau ihrer\nWeichteile eines noch lebhafteren und reicheren\nAusdruckes fähig, als die Lider. Die Mundwinkel\nhaben eine weit größere Beweglichkeit, als die\näußeren Augenwinkel1, und dadurch' begleiten und\nverstärken sie den Ausdruck des Mundes.\nZwischen Auge und Mund bildet ein weiteres\nwichtiges Ausdrucksmittel der Empfindung die\nNase. 'Den Lidern und den Lippen entsprechen\ndie Nasenflügel, während die Nase selbst in gleicher\nWeise wie Zähne und Augapfel1 unveränderlich\nbleibt. Bei phlegmatischen Naturen Sind allerdings\ndie Nasenflügel fast starr und erwachen nur im\nstärksten Affekt zu Leben. Bei leidenschaftlichen,\nheftigen und feurigen Naturen sind dagegen die\nNasenflügel an dem Ausdruck stark beteiligt und\nvermögen in ähnlicher Weise sich zu öffnen und\nzusammenzuziehen, siCh zu heben und zu krampfen\nwie die Lippen. Das Volk spricht ja auch von\n„fliegenden Nüstern\".\n\"Auch das Kinn trägt wesentlich zum Emp-\nfindungsausdruck bei, aber als Basis desi Gesichtes\nist es in seinen Zügen feststehender und wird in\nseiner Ausdrucksfähigkeit wesentlich durch die\nStellung der Kiefer und [die Linien des Mundesl\nund der Mundwinkel bestimmt. Eher schon ist die\nStirn, die das Gesicht krönt, eines reicheren Aus-\ndruckes fähig. In sich selbst starr, ist sie doch\ndurch' die sie umspannenden Muskeln und die Haut\nbefähigt zur Wiederspiegelung desSen, was in der\n'Seele vor sich geht, weil ihr Ausdruck am wenigsten\nin den Bereich der willkürlichen öder gewaltsamen\nVeränderung und Verfälschung der wahren Emp-\nfindung fällt. Der Ausdruck der Stirn ist zu einem\ngroßen Teil1 unwillkürlich und unabsichtlich; die\nbetreffenden Muskeln stehen in unvollkommenem\nKonnex mit unserem Bewußtseinszentrum — „es\nsteht dir an der Stirn geschrieben\".\nDas Gesicht ist der Spiegel des Affektes. Und\ndas Gesicht, losgelöst von dem Sitz der Vernunft\nund des Denkens:, die Maske. Das Wort Maske\nist sehr bezeichnend ursprünglich mit „Hexe\"\ngleichbedeutend. Die Hexe verkörpert den Affekt,\nlosgelöst von der Vernunft, in gleicher Weise wie\ndie Maske. Will man nun zum Zweck theatralischer\nWirkung eine fremde Person und einen fremden\nAffekt wiedergeben, so bedient man sich der künst-\nlichen Maske. Das1 Altertum kannte eine tragische,\nkomische oder satirische. Die antiken Masken\nwurden im Zusammenhang mit den DionySien, den\nantiken ''Passionsspielen, erfunden und je nach1 den\nVerschiedenen Leidenschaften, die es darzustellen\ngalt, gestaltet. Und weil die Maske den Vom Ver-\nstandesftiäßigen losgelösten Affekt Vortäuscht,\nwurde sie stets zu Karnevalsaufzügen verwendet,\nzuerst in Venedig seit der RenaissanCezeit. Von\nder Ueberlegung losgelöste Affekte sind ebenfalls\nFiguren wie Arl'equin, PagliacCo, Policinelle, Lelio\nund Pierrot.\n~Es ist erklärlich1, daß die Kunst, welche es\nvorzugsweise mit der Darstellung von Emp-\nfindungen zu tun hat, stets! die Darstellung von\nGesichtsinasken in ihr Schaffensgebiet aufnahm.\nEs sei an die antiken Terrakottenmasken, an die\npompejanischen Schreckensmasken, an die römi-\nschen Bronzemasken erinnert. Die Gorgone\nMedusa, die Personifikation des Entsetzens, also\ndes heftigsten Affektes, wurde immer als Maske\ndargestellt.\nIn der neueren Kunst zeichnete der große\nLionardo oft genug Masken als1 Trägerinnen 'des\nAffektes. Auch AndreaS! Schlüters Schlußsteine mit\nMasken sterbender Krieger seien erwähnt.\n\"Die neuste Kunst hat sich erst jüngst wieder\nund zwar vornehmlich im Kunstgewerbe, der Dar-\nstellung von Masken zugewendet. Beliebt ist be-\nsonders' das Gorgonenhaupt. Die Japaner beson-\nders, mit ihrem außerordentlichen Reichtum der\nAffekte, haben die Masken bewußt alS112 Bilder der\nrein für sich bestehenden, von aller Vernunft los-\ngelösten Affekte, der Affekte „an sich\" behandelt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "182", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.9", "titre_corps": "Gespräche mit Kalypso : Ueber die Musik", "titre_sommaire": "Gespräche mit Kalypso : Ueber die Musik", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.4", "debut_caractere": 636, "fin_caractere_exclue": 3614, "texte": "Gespräche mit Kalypso\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nZehntes Gespräeh\nAufatmen der Verzauberten\nDie Luft ist grauschwarz. Vom Meere kommt\nRollen, Donnern und ein unaufhörliches! Tosen.\nMusiker\n(Jammernd, läuft über die Klippen.) Kalypso!\nKalypso! Hilf mir; sie sind hinter mir her. Hilf\nmir, Kalypso! (Steigt tiefer.)\nDie Vogelmenschen\n(In Schären durcheinander.) Sie ist fort. Sie\nist verschwunden aus der Grotte. Die Grotte stürzt\nein. O unser Retter ha ha, wir wollen ihn opfern,\nwollen ihn der Göttin opfern. Er hat sie auf-\ngestachelt. Sie ist unten gewesen. \"Am Grabe des\nOlympyers ist sie gewesen. Ich sah sie den Stein\nabwälzen, ein Qualm. Seine Locken küßte sie, als\ner sich aufrichtete. Oh er! Der Olympier ist wach.\nDas Meer kommt. Schlingt alles ein. Wir klirren\nmit ihnen herunter. (Alle berauscht) Wir dürfen\nsterben.\nDer Alte\n(Mit glühenden Augen, still vor sich hin) Wir\ndürfen sterben.\nLetztes Gespräch\nAbgesan g\n(Offenes Meer; schwarzer Himmel. Die Insel\nist weggefegt.)\nDer Olympier\n(Einen weißen Faltenwurf von den breiten\neckigen Schultern bis zu den Sandalen, in die\nWolken ragend, auf dem Meeresspiegel, gebückt,\nErde im Haar, blutige Stirn, die er oft abwischt,\ngrauweiße zusammengeklebte Locken, schwer\nkeuchend; ein pergamentenes', eingefallenes, uraltes\nGesicht mit erloschenen Blicken.)\nKalypso\n(in ihrem bläuschwarzen Gewände mit weißem\ndurchsichtigen Ueberhang, sieht ängstlich zu ihm\nauf, umschlingt seine Hüften. Sie knirscht die\nZähne aufeinander, als eine Welle den Leichnam des\nMusikers an einer vorragenden Klippe zer-\nschmettert.)\nDer junge Gott\n(kommt Von weitem auf sie zu, riesengroß,\nhager, struppig blond, sicher, stechende Blicke ; ein\nblitzender Kronreif im Haar; sein schwerer, nach-\nschleppender Mantel purpurrot, vorn mit goldenen\nHaltespangen.)\nDer Olympier\nEr konnte mich nicht töten, nur mich Vergessen.\n— Ha, du, du Tiger, du blutiger Räuber, du —\nKnecht, ich — bin — da, — bin immer da —.\n\"Der junge Gott\n(Heiß und bitter) ICh1 hasse, die mich hassen.\nIch meuchle, die mich würgen wollen. (Er schleudert\neinen rauchenden Berg, den er aus: dem Meeres-\nboden ausreißt, gegen die Brust des Olympiers.\nDer, fast zerschmettert und stürzend, taumelt mit\nGebrüll nach vorn, erwürgt mit der linken Hand\nden jungen Gott, während die Rechte dessen Kopf in\nden Nacken bricht; der junge Gott gurgelt noch.\nBeide versinken, während das Meer tosend auf-\nsteigt.)\nKaly p s o\n(Die mit ausgestreckten Armen starr dage-\nstanden hat, richtet sich jäh in dem ungeheuren\nweißen Toben und Zischen auf. Schreit wie ein\nOrkan auf, alsl ihre tauchenden Füße die sinkenden\nGötterleiber berühren. Ihre Züge verzerren sich.\nWährend sie beide Hände gegen die Brust preßt,\nwächst sie zusehends höher und höher auf. Ihr\nganzer Leib zuCkt und krampft sich. Ihr Mund\nstößt aus ein Hoho, höh. — (Sie geht mit dröhnen-\ndem Geschrei und Gelächter über das tanzende\nMeer, wiegt sich in den Hüften, singt tief und lang-\ngeozgen, schlägt sich die Schenkel.)\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "183", "page_fin": "183", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.10", "titre_corps": "Neben der Brüsseler Ausstellung : I", "titre_sommaire": "Neben der Brüsseler Ausstellung : I", "signature_source": "R. Laudon", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6035, "texte": "\"Bei einem natürlichen Haß gegen Musben, Aus-\nstellungen und ähnliche spanische Stiefel mied ich\nin Brüssel nach ein paar flüchtigen Besuchen diesen\nOrt einer ungeheuren Arbeit. Eine Weltausstellung\nhat etwas Peinliches!, Ungesundes, wie Volapük,\nEsperanto; man muß alles anerkennen, aber es hilft\nnichts, es ist sinnlos, völlig überflüssig, Gelehrten-\narbeit. Brasilien ist gewiß im Reich von immenser\nAusdehnung; es \"hat in sich große Wüsteneien und\ngrößeren Wunsch na£h Belebtheit, es ist ein zukunft-\nvolles, (sehr besonderes Land; aber Brüssel gibt\nvon ihm den Eindruck eines riesigen Kaffeesackes.\nMan fällt jn Schwermut, wenn man Argentinien\nsucht und nur Reitstiefel1 findet. Wir haben alle die\nmächtigsten Einflüsse erfahren, von dem Rußland\nTugernjews und des fabelhaft hellsichtigen Dosto-\njewski ; die Revolution ist in frischer Erinnerung; das\nunheimliche Land verhaucht auf der Weltausstellung\nin Pfeifenköpfen und eingelegten Spazierstöcken.\nIch1 schreite ungeduldig nach dem Abteil der Türkei;\nes muß ein ganz phantastisches Glück sein, denk'\nich mir, dort zu leben, jetzt, wo die tiefen Weisheiten\nMohameds von westlichen Zweifeln angefressen\nwerden, wo Asien wehklagend in denselben\nBosporus1 gedrängt wird, in den es bisläng liebevoll\nseine jungen Angreifer versenkt hatte. Wie sonder-\nbare Gedankenmischüngen mögen da entstehen,\nwelche appetitliche Fülle von Paradoxen, west-\nöstlichen Tragikomödien. Es beschwert mich nicht\nmehr, daß ich statt dessen nur Gläsperlen und\nTabak antreffe. Auf der Reise wiegte ich mich\nmanchmal1 in (dem Gedanken: an Vergnügungen,\nSpäßen und Lüsten wird diese Ausstellung ihres-\ngleichen suchen. In dem kecken Brüssel erbaut,\nwird ;sie dem Fremden eine sorgfältige Auswahl\neinheimischer und ausländischer Vergüngungsart\ngeben; in dieser eleganten lebenslustigen Stadt hat\nman es längst erkannt, idaß Industrie und Handel\nwertvoll ist, aber nicht minder wichtig, sich ihrer\nzu bedienen. Was gehen mich die Tänze der\nSenegalneger ,an, idie Sprünge dressierter Affen?\nKein Aufschwung in Handel und Industrie, ohne daß\ndie Menschen bedürftiger, anspruchsvoller, genuß-\nsüchtiger geworden wären ; man zeige mir nun den\nGenuß all dieser Gegenstände, man zeige mir die\nVerwertung dieser Industrien, man belehre mich,\nmache mich begieriger; weise mir den Boden, aus\ndem diese Früchte gewachsen sind, und den Mund,\nder sie essen soll. Es wäre ja ein aberwitziges Miß-\nVerständnis, Maschinen über Maschinen tu produ-\nzieren, das1 Nächste und Fernste zugänglich machen,\nund das Auge erblinden zu lassen, welches dies\nFernste sehen soll. Ich komme mir vor wie unter\nSymbolen und Allegorien, bei denen niemand mehr\ndie Bedeutung weiß. Vor einem einzigen Satz,\nüber den ein Mensch lacht oder erschauert, vor\neinem kleinen Takt Musik, unter dem sich' die Hände\nfalten, wird der Riesenmotor und das Aeroplan zu\neiner Weitschweifigkeit, einer bureaükratischen Be-\nmühung, zur Trophäe eines exotischen Götzen\nVitzlipultzli. Ich werde in Brüssel, so träume ich,\nalles sehen: den Wein, seine Bereitung, seine Auf-\nnahme seine Wirkungen; ich werde viele, mannig-\nfaltige Weine sehen. — Ich sah zwei Lunaparks\nauf einem Terrain, — woran man fdie Welt-\nausstellung erkennt, — bemalte Indianer tanzten\nzahm in einem Buffalo-Bill-Cirkus, das Volk\nkreischte auf einigen Rutschbahnen; für zehn Cen-\ntimes konnte jedermann 3as durchaus kleinste Pferd\nder Welt sehen. Kneipen, Karussel, Jahrmarkt:\nDorf, Dorf, Dorf — — eine „Weltausstellung\"!\nSchweig still mein trotzges Herz! — Aber überall,\nin der Ausstellung, in den Eisenbahnzügen, in den\nStädten scholl das Lob Deutschlands. Wir haben\neine „Ausstellung komplett\" geliefert. Neben den\nprächtig aufragenden Bauten der arideren Staaten\nlagert platt ein breites, vollgefressenes Tier, die\ndeutsche Abteilung, formlos, stumm, mit einem gut-\nmütigen Spott die Nachbarn betrachtend. Niedrige\nHallen; tritt man ein, so weiß man schon die Formel\ndieser Abteilung: sie hat's in sich: gediegen. Auch\nder Deutsche fühlt sich gefesselt; ein Berliner neben\nmir grinste vergnügt mit den Worten: „Uns kann\nkeener.\" Er trug zwei unglaublich klobige Stiefel,\nsogenannte Quadratlatschen, und Wadenhosen; er\nbot das vollendete Bild eines Weltreisenden, dessen\nBekanntschaft bereichert. Die Deutschen, das unter-\nliegt keinem Zweifel, haben mit dieser Ausstellung\nihren Ruf im Ausland großartig vermehrt; und das\nStaunen über ihre Leistungsfähigkeit wird ins\nImmense wachsen. Ich sah einen würde-\nübersättigten Sitzungssaal für Karlsruhe, ein\nmystisches Trauzimmer, goutierte die Finessen un-\nserer Präzisionsmechanik, — Leitz und Zeiß sind\nganz vorbildlich; die belgischen Institute beziehen\naus England nur noch die Stative für die deutschen\nInstrumente, — schwelgte im dem Augentrost von\nWerken der Lithographie. Beim Verlässen der über-\nreichen Pavillons drängte mir der Stolz den\nheroischen Gedanken an die Dinge auf, die ich hier\nnicht sah und nicht sehen konnte: an unsere Musik,\nunsere Philosophie und Medizin; ein patriotisches\nFreudegefühl war unabwendbar und vollkommen. —\nDraußen in den Gärten erwischte ich nach halb-\nstündiger Wanderung einen Platz, wo nur drei\nKapellen zu gleicher Zeit zu hören waren. Uebrigens\nwill ich bei der Gelegenheit nicht eine Beobachtung\nunterschlagen, die ich auch in den Berliner „Zelten\"\nöfter gemacht habe: minderwertige Musikschmarren\nwerden momentan geistreich, wenn sie zu dreien\nbis fünfen gleichzeitig gespielt werden; eine Be-\nobachtung, die, tso interessant sie ist, doch für\nDeutschland etwas Neues bedeutet, da bei uns nur\nRichard Strauß sie beim Anrichten seiner musi-\nkalischen Quetschkartoffeln verwertet. — Eine fabel-\nhaft moderne junge Dame setzte sidh bald neben\nmich; sie trug einen Miniaturfederhut und spielte\nvielversprechend mit ihrem Sonnenschirm; alle Engel\nmeiner Heimat sangen in mir auf, als die Jungfrau\nauf meinen höflichen Gruß entgegnete: „Det\nquatsche Französisch kannste dir schenken; wir\nhaben uns doch ooch sonst janz jut verstanden.\"\n— Ich1 erhob mich mit ihr, völlig hingerissen von\ndeutscher Art."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.5", "debut_caractere": 6615, "fin_caractere_exclue": 6662, "texte": "Neben der Brüsseler Ausstellung\nI\nVon R. 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Nochs immer hält er Herrn Ludwig Fulda\nfür einen Dichter, sogar für einen sympathischen\nund erteilt ihm den ernstgemeinten Rat, nach Frank-\nreich zu ziehen und statt über Moliere und Rostand\nVorträge über den „deutschen Dichter Ludwig\nFulda\" zu halten. Niemals hätte iöh's mir so schwer\nvorgestellt, den Berliner Lokal-Anzeiger darüber\naufzuklaren, daß es in puncto „Dichten\" mit dem\nReimen nicht getan ist. Daß Ludwig der Reimer\neinmal für den Schillerpreis in Vorschlag gebrach t\nwurde, beweist jdoäi genug gegen die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.5", "debut_caractere": 6664, "fin_caractere_exclue": 6676, "texte": "Louis Foulda"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1596, "texte": "dicfiterisclie Begaüurig. Denn gegenüber 'dehn\nJammerstück „Talisman\" werden ja selbst Herrn\nRostands Dramen zu Meisterwerken. Aber der Lokal-\nAnzeiger will, daß Ludwig Fulda, den man ad hö£\nschnell zum „Vortragsmeister\" ernennt (endlich ein\nNachfolger für Strakosch!), durch die Vorlesung\nseiner Stücke deutsche Kultur nach Frankreich\nbringt. Der Lokal-Anzeiger möge sich aber merken,\ndaß man uns in Paris vor allen Dingen im Kitsch\nüberlegen ist. Auch in Frankreich dichten die An-\ngestellten der Bonbonfabriken, auch1 in Paris\nkommen die Rostands in die Akademie Frangaise.\nAber ihre Bonbons schmecken besser als die deut-\nschen. In Frankreich ist man so galant, den Schund\nzu parfümieren. Er riecht wenigstens gut. In\nDeutschland verlangt der Lokal-Anzeiger und die\ngesamte Ii te raturbeh er r Sdhe nde Zeitungsclique, daß\nder üble Geruch Fuldascher ißeimereien für den\nechten Duft der deutschen Poesie gehalten werde.\nBleibt Fulda nichts übrig, als1 in Paris seine\nMoliere-Uebersetzungen vorzulesen. Die Comedie\nkann was lernen. Jules Cläretie wird ihn\nzum Vortragsmeister ernennen, da jeder seiner frisch'\nvom Conservatoire [übernommenen einige hundert\ndeutsche Acteurs; (will sagen: Brummer, Grunzer,\nKnurrer) beschämt. In einer Matinee wird Herr\nLouis Foulda seine gesammelten Moliere-Ueber-\nsetzungen vorlesen, nachdem er zuvor einen Eid ge-\nschworen hat, daß es auch ganz gewiß Möllere ist.\nDann wird ein Dolmetscher die Fuldas'chen Con-\nfitüren ins Französische übersetzen. Und man wird\nin Frankreich staunen, was für ein zuckersüßes,\nsauberes und adrettes Kerlchen dieser Moliere war."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.6", "debut_caractere": 1672, "fin_caractere_exclue": 1678, "texte": "Bimini"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "184", "page_fin": "184", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.12", "titre_corps": "Der Schwindel mit der Kunst", "titre_sommaire": "Der Schwindel mit der Kunst", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.6", "debut_caractere": 1680, "fin_caractere_exclue": 5764, "texte": "Der Schwindel mit der Kunst\nBerlin besitzt ein „Zentralorgan für die Reichs-\nhaupts tadt\". Diesen stolzen und nicht genügend be-\nachteten Untertitel führt der Berliner Lokal-Anzeiger.\nEine annähernd vorbildlich redigierte Zeitung. Ganz\nohne Scherz. Denn die Herren, die sich seine Mit-\narbeiter nennen \"\"dürfen, Tiaben Gotseidank keine\nAnsichten. Der größte Vorzug, den man einer\nZeitung nachsagen kann. Es ist für Politik, Wissen-\nschaft und Kunst interesselos, was irgend ein Mit-\nbürger darüber denkt, auch wenn er Sich in der\nglücklichen Lage \"befindet, seine Gehirntätigkeit\ngegen Honorierung veröffentlichen zu können. Aber\nauch August Scherl1 wird ehrgeizig. Er richtete vor\nnicht Zu länger Zeit eine Rubrik ein, die den sym-\npathischen Titel „Wovon man spricht\" führt, und\nleider Ansichten preisgibt, die zur Volksverdummung\ndas' Ihrige tun. Doch auch hiermit begnügte sich\nder Ehrgeiz des plötzlich meinungslüsternen Ver-\nleger nicht. Er wandte seinen Sinn den bildenden\nKünsten zu. Mit seiner Hilfe glückte es bekanntlich,\ndie äußerst wertvolle Tätigkeit des Herrn von\nTschudi zu unterdrücken. Dieser Sieg spornt ihn\noffenbar zu neuen Untaten an. Und während er\nfrüher sich ider Hilfe eines angeblichen Deutsch-\nAmerikaners1 bediente, der sich1 über die neuen\nKunstzustände in Berlin nicht fassen konnte, schickt\ner jetzt eine schlechte Romanschriftstellerin ins Feld,\ndie die Provinzialen über die Sezession aufklären\nsoll. („Briefe einet ProVinzialin aus Berlin\"). Diese\nDame hat Talent, ich möchte sie der Vossischen\nZeitung als Nachfolgerin des pietsChvergnügten\nHerrn empfehlen. Man muß eine Herkulesarbeit\nverrichten; kaum hat man der Hydra einen Kopf\nabgeschlagen, so wachsen ihr hundert neue. Und\n'die Dame Vom Lokal-Anzeiger kann mit ihrer Kunst-\ndummheit noch ganze Millionen ergiebig versorgen.\nDas Publikum 'bezeichnet gern selbstbewußte\nKünstler als größenwahnsinnig. Was für ein Wort\nbleibt aber für solch ein Dummchen übrig, daß es\nwagt, über Künstler wie Manet zu urteilen. Das\nDummchen behauptet sogar, eine Ueberzeugung zu\nhaben, und fühlt sich verpflichtet, immer mal wieder\ndie Natur und den gesunden Menschenverstand zu\nVerteidigen. Nach1 der neueren Terminologie be-\ndeutet gesunder Menschenverstand die Frechheit,\ngeistige und künstlerische Dinge zu bewerten, die\nmit Hilfe der Fiebel und des kleinen Einmaleins\nnicht aufzufassen sind. Welche Perspektiven er-\nöffnen sich da für diesen sechsten Sinn, dessen Vor-\nhandensein übrigens die Betätigung der natürlichen\nSinne logischerweise und restlos ausschließt. Und\nebenso konsequent beruft sich der Besitzer dieses\n„Verstandes\" stets auf die Natur. Nämlich die\nNatur, wie er sie sieht, unsinnliche Vorstellungen,\nzusammengesetzt aus vagen Gegriffen von Schön-\nheit, Ideal, aufgefaßt mit der Weisheit der Tatsachen\n(der Mensch hat zwei Beine und weiße oder\nschwarze Haut) und der staunenden Welt im Gou-\nVernantenton übermittelt: „Und ich sagte Ihnen,\ndaß ihr vergötterter Manet gar kein Historienbild\nsei, weil1 die ganze Historie darauf erlogen sei,\nvon Anfang bis* zu Ende.\" Da haben wir den\nsechsten Sinn in Klammern hoch zwei. Ueberhaupt:\nder ganze Schwindel1 mit der Kunst ist erstunken und\nerlogen. Diese frechen Hochstapler denken etwas aus\nin Worten, Tönen, Farben und das soll der gebildete\nanständige, ehrliche Mann sich ansehen, anhören\nund sogar Geld dafür ausgeben. Auf, Mitbürger,\nkämpft gegen die Lüge, alias! Phantasie, ins Ge-\nfängnis mit den Betrügern alias Künstlern. Die\nProvinz bietet Euch durch das' 'Dummchen vom\nLokal-Anzeiger die schwesterliche Hand gegen\nBerlin. Gegen die Stadt, mit rüden Einwohnern, die\nsich sogar einen Herrn Manet bieten lassen, der\nfalsche Historien malt! Das 'ist das Ende.\nAugust Scherl hat das seinige getan. Am\n27. Juli 1910. Jetzt muß sich alles, alles total\nwenden. Ein leiser Trost bleibt. Wer durchaus\nnicht vom Kunsthumbug lassen kann, dem empfiehlt\nder Lokal-Anzeiger die große Kunstausstellung. Ein\nDiplomatenstück: wer diesem hinterlistigen Rat\nfolgt, ist definitiv vom Wahne geheilt. Denn Lange-\nweile wirkt selbst bei Paranoia Wunder. 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Wenn die lieb-\nliehen Reiterinnen an all dem Duft vorbeigaloppieren\nwerden, dann ist es! zu spät, ihnen zu sagen, Haß\ndie buntlachende Allee gesprengt wurde mit Schweiß\nund Blut Peitschender und Gepeitschter. Die Pferde\nvornehmer Landauer tanzen, ihre schwarzen Augen\nzünden vor Leuchten. Ich beginne sie mit ihren\ngeplagten wiehernden Brüdern zu beneiden. Die\nkönnen nicht weiter durch den Hügel an Hügel\naufgeworfenen Erdboden; ihre Hufen mußten sich\nselbst den Schmerzensweg bereiten. Da gibt es\nkein Pardon! Auch kein Mitleid der Spaziergänger,\nniemand will was mit den Fuhrleuten zu schaffen\nhaben; in den neumodischen, wogenden Busen \"der\nDamen pocht kein Herz. Sie verhindern sogar ihre\nMänner, sich in Straßenangelegenheiten zu mischen.\nMandhimafl stellen sich Kinder auf zur rechten und\nlinken Seite des Dammes. Für sie ist es eine Unter-\nhaltung, ein wirklicher Kientopp. Heute besah sich\nein Schützmann den unerhörten Vorgang. Aus\neinem Bäckerladen schickte eine Käuferin für die\nPferde alte Semmeln. Ich1 sah über dem Gesicht\ndes uniformierten Mannes eine kräftige Freude\nmarschieren. Und ich bat ihn, ob er nicht\neingreifen wolle. Er erklärte mir, die Fuhrleute\nsind nicht so schlimm, wie ihre Brotgeber. Weigert\nsich einer der Angestellten wegen der nicht ge-\nnügenden Anzahl Pferde an seinem Karren loszu-\nfahren, verliert er seine zwanzig Mark per Woche.\n„Da lauern sdhbn immer genug Brotlose vor der\nTüre.\" Für die zwanzig Mark. — Sie leben, sie\npeitschen, sie fluchen dafür. Ihre Roheit besteht\ndas Examen. „T)ämlich Vieh, windelweich hau ick\ndir, faulet Luder!\" Die Wut rinnt den Unmenschen\nüber die Backen, den entblößten Hals hinab. Die\nRücken der Tiere bluten vor Hieben. Wie sollen\nsie eis anders machen ? verteidigt sie der Schutz-\nmann. Denn es dauern ihm die Treiber ebenso wie\ndie Pferde. Die Treiber, die nur zwlanzig Mark\nverdienen pro Woche und sich slo plagen müssen\nmit dem Vieh. „Es' ist doch mal1 Vieh, es ist doch\nzum Ziehen da!\" Ein paar 'Bürger stimmen ein\nin den bequemen Sang. Röhren sollen gelegt\nwerden zum Ablauf des Wassers. Die Blumen,\ndie bald auf beiden Seiten der Allee wachsen,\nmüssen bewlässert werden. Gibt es denn keine\nMaschinen, die die Erde schließlich aufwiälzen\nkönnen? meint ein sechsjähriger kleiner altkluger\nIngenieur. Er Hält auch eine Maschine im kleinen\naus einem Spielwarengeschäft in der Hand. Die\nMänner toben. Wilde Australneger sind Engel da-\ngegen mit ihrem Schlachtgeschrei. Ich aber fühle\nebenfalls die schwere Schuld, die die Besitzer dieser\nFuhrunternehmen treffen. Vorwurfsvoll schielen\nseine Knechte über die gefräßigen Pferde auf uns :\nSie hätten selbst Hunger. Endlich aber entschließen\nsie sich, nach all den Vergeblichen Peitschenhieben,\ndie Pferde umzuspannen. Zu S'echsen geht es doch\nbesser über die holprige Strecke. „Ich hab das\ngleich1 gedacht\", gesteht der Schutzmann. „Aber\nsagen Sie mal was' zu den Leuten!\" Wenn die\nlieblichen Reiterinnen im Sommer auf ihren Ver-\nwöhnten Schimmeln durch die Allee des Kurfürsten-\ndamms reiten, wird der Geranium zu ihren Seiten\nrot wie die vergossenen Blutstropfen der armen\nPferde blähen. 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Sie vverben finben,\nbafc Sie biefes in gan3 befonberem (Dafce befriebigt, benn\nKosmln f)at iiberaus Wol}lge{d)mach,\nhonjerviert bie unb bas 3al)nfleifd).\nSlafrfje GDk. 1.50, lange ausreirf)enb, überall hauflicf).\nppi"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.7", "debut_caractere": 180, "fin_caractere_exclue": 353, "texte": ".SECESSI°N;\nIN \"DER\n6ALERIE\n/WXIMILIAM\n•/nACHT\nSv:\nw\nw\n%\n§?•\n&\n9>\ne>\n«r\nTEIkU\nHB6EWIESE\nKuNSTLER\nDER\nBERLINER\nwm\n112\nt\n4\nBERLIN .w5O\nKANKE STr\nTAPp£&r>\n«* ' j\nI. 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FORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteranenstrasse 19 Telephon Ami 111, 8164\nDETECTIVABTEILUNO: Ermittelungen, Beobachtungen,\nHeranschaffung von Material In Civil- und Strafsachen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c019", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.7", "debut_caractere": 922, "fin_caractere_exclue": 1181, "texte": "Der schonsK Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. 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Klavier / 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\n| durch den Verlag' DER STURM\n® Halensee / Katharinenstrasse 5 *\nu ■\nB 3\nHBMiaBBIIOI HO ■■■■■■■#■ ■■■■■■*•■ SB\na"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.7", "debut_caractere": 2214, "fin_caractere_exclue": 3008, "texte": "„Der Forsoher\"\nlilustriertes Zentralblatt flir deutsche\nForschung\nHerausgeber: Bund deutscher\nForscher, Hannover, unter hoher\nEhrenprasidentschaft Sr. hoch-\nfiirstl. Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe. Redaktion:\nGeorg August Qrote, Hannover\nJ&hrlich zwOlf staike Hefte mit Bei-\ntrSgen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deulscher\nForscher erhalten den ..Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK 6.—, fOrdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7.20. Jahresabonnement Mk. 5.50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbemimmer gratis und franko\nInserate finden im „Forscher\"\n.*. wirksamste Verbreitung\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\nO Geschaftsstelle: O\nForscher - Verlag Hannover"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.7", "debut_caractere": 3010, "fin_caractere_exclue": 3831, "texte": "Die sparsame Hausfrau nungsbeieuchtung! Rechnen Sie\nsich aus, was Sie im jahre fur den Bedarf an Gliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-Gliihksrper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusammen-\ndrucken kSnnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Hartalin-Gliihkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50%. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Prels p. Stck. 50 Pfg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. uied Techn. Nenfieiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.7", "debut_caractere": 3833, "fin_caractere_exclue": 4498, "texte": "1. Eine hervorrajjende Neuersohelnung aul dem Gebieie der Mildrlu ü-\nbildangr ist das Bach\n„Brauchen wir noch Tochterpengioinne? •\nvon Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer. Preis 51k. £—\nWichtiff fiir Eltern heranwachsender Tochter, Padagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Die Kna-benpeiisioiiate, deren ihr i-nneres\nund ftusseres Ijebess.44 Yon L. Daniel. Ein Ratfieber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. 1,80.\nS. „Da 3 ist die einzige Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorsleherinaen vertritt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis fiir die Praxis. Pro Halbjahr Mk. 2,50.\nDurch samtliche Buehhdlg. Oder direkt vom Yerlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.7", "debut_caractere": 4500, "fin_caractere_exclue": 4542, "texte": "I\nA\ns\n3?\n■V-\nV/\n9J\nrv\nvS1\no\n1\n%\nC,\n■V.\nOz."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c030", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "186", "page_fin": "186", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.8", "debut_caractere": 166, "fin_caractere_exclue": 384, "texte": "Fritz Gnrlitt I Hofkunsthandln&g I Berlin W\nPotsdamerstrasse 113 Villa II\na B\nAusstellung von deutschen ffleisterwerken:\ngocßlin n L&eibl n ° L&iebet?mann ° Ti?iibnet? cfc. etc\n©\n□\nWochentags von 10—5 von 12—2fgeoffnet"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-04-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-04_01#c031", "volume": "bmtnabg_1910-08-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "186", "page_fin": "186", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.8", "debut_caractere": 386, "fin_caractere_exclue": 1184, "texte": "a\n0\nft\np\nD\nJ:\nXI\n1\nt\ni±\ns\n!±t\nt\n'-f-\n-5\nI\nttt\nt:\n112\n4—l\nsS\nM:\nmi e»\nmm\n$$ rst\nr>x\nfC-V V XZr\nlift. w\nS®s§\nI\nw&i\nvi'f\n&\n'. ■■r?:-iSS!5i\n' Li\ncan: troCKE«\n:PPFERBER6 RIESLING!\n%•\n;:\nHOrtIEFERANT6N\nr 1:-\nAW\nU_J-\ni i J\n€]Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schoit\nals solcher unerreicht dasteht, als Sect seine bochste Voll-\nkommenheit erlangen muß. —\n40 Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\n(Riesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad1 Kupferberg &C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundet 185J\n\\ Ueber Bedeutung voii \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten AufschluJS."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: Berlin W 35, Potsdamerstr. 111 / Amt VI 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark j Halbjahresbezug 2,50 Mark/\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 4. AUGUST 1910/ WIEN\nNUMMER 23\n\nINHALT:\nRUDOLF BLÜMNER: L'amour ä l'alle-\nmande / ADOLF LANTZ: Der Freund / ELSE LASKER-\nSCHÜLER: Versöhnung / PAUL SCHEERBART: Der\nTodesrausch / WERNER PETER LARSEN: Drei Stuu-\nden / HEINRICH PUDOR; Gesicht und Maske / ALFRED\nDÖBLIN: Gespräche mit Kalypso über die Musik /\nR. LAUDON: Neben der Brüsseler Weltausstellung /\nBIMINI: Louis Foulda / TRUST: Der Schwindel mit\nder Kunst / ELSE LASKER-SCHÜLER: Am Kurfürsten-\ndamm / KARIKATUR: Gustav Frenssen\n\nL'amour à l'allemande\nVon Rudolf Blümner\nIm Cabaret Aristide Bruant auf Montmartre\nkann man ein Lied von erfrischend witziger Un-\nanständigkeit hören: Conference s'ur Famour par\nJane Granier devant Quillaume 11. Im Teutonischen\nläßt es sich nicht bloß der unübersetzbaren\ngallischen Zoten wegen nicht wiedergeben, sondern\nvor allem deshalb, weil sich in Deutschland\n(dem X-and der offiziellen Sexualverneinung) an die\nWiedergabe des Textes! Beschlagnahme, Anklage,\nGeUdstrafe, Gefängnis und andere verwerfliche Ein-\nmischungen jder Obrigkeit knüpfen würden. Ich\nbegnüge mich, zu erzählen, daß der Verfasser der\nConference sur Pamour devant Guillaume 11. durch\nden Mund einer Dame die Deutschen wegen ihrer\nhomosexuellen Neigungen verhöhnt und ihnen\neiniges Wesentliche über die normale Geschlechts-\nvereinigung in Erinnerung bringt, das ihm in\nDeutschland in Vergessenheit geraten scheint. Denn\nin Frankreich ist die 'Ansicht von einer aligemeinen\ndeutschen männlichen Homosexualität verbreitet.\nDer französische Homosexuelle macht sich gern\nan die Deutschen heran, klopft ihnen, Verständnis\nerwartend, (auf den ci-devant Rücken und kleidet\nseinen Wunsch in die aussagenden Worte: „Sie\nspreken deutsch?\" Und „faire Famour ä Falle-\nmande\" heißt: sich homosexuell betätigen, „le vice\nallemand\" ist die Homosexualität unter Männern.\nSo weit sind wir.\n\"SoMie, die sich darüber ärgern, mögen siich\nzunächst bei Maximilian Harden bedanken. Nicht,\nweil1 er die Deutschien in einen unverdienten\nschlechten Ruf gebracht, sondern weil er einen\nwirklich bei uns bestehenden Abusus ausposaunt\nhat. Man merke sich in Deutschland, daß der\nProzentsatz der französischen männlichen Homo-\nsexuellen \"dem in Deutschland nicht annähernd\ngleichkommt, daß aber das „deutsche Laster\" bei\nuns sich immer mehr verbreitet. Man merke sich\ndas in Deutsdiland! Es wird wohl eine Ursache\nhaben. Das humanitäre Comite mag in feinem\nSinne ruhig weiter arbeiten, aber nicht vergessen,\ndaß die Wurzfei des Uebels zu treffen ist. In der\nTat: (es affaires de Famour Kont mal en Allemagne.\n\nZeichnung von Samuel Fridolin"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.2", "texte": "Was hat man in Deutschland davon, daß man\nsexuell normal zur Welt gebracht wurde? Es ist\nbei uns wirklich zum Homosexuellwerden. Dieses\nkinderreichste, aber zur Liebe talentloseste Land\nerkennt offiziell die Existenz der Geschlechter nicht\nan. Alle Kräfte dieses! Landes haben sich vereinigt,\nden natürlichen Grad der erotischen Hemmungen\nzu steigern, bis das gepeinigte Individuum per-\nvertier t. In diesem Lande ist die verfolgte\nPerversität ein Produkt der erotischen Talentlosig-\nkeit.\nDeutschland, Deutschland über alles: Ein Land,\ndessen Gesetzgebung jeden außerehelichen Ge-\nschlechtsverkehr mit dem pfäffisch gemeinen Wort\nUnzucht brandmarkt. Ein Land, dessen oberster\nGerichtshof die im höchsten Sinne sittliche Ehe,\ndie sogenannte wilde Ehe, für unsittlich erklärt. Ein\nLand, das zwar $io wenig wie irgend eines den\nSegen der „Prostitution\" entbehren kann, die\n„Prostituierten\" aber nicht als Wohltäter der\nMenschheit anerkennt, sondern von Haus zu\nHaus jagt. Ein Land, in dem ein Mädchen,\ndas ein Verhältnis! xhat, mit gesellschaftlicher\nVerachtung bestraft, und ein Mädchen, das ein\nKind bekommt, verstoßen wird. Ein Land,\nin dem Kirche und Polizei, Gesetzgeber und\nRichter, ja sogar die Schauspieler, vertreten durch\nihre Genossenschaft und ihr Rechtsschutzbureau,\nmit der Leidenschaft geistiger „Voyeurs*\" und der\nGehässigkeit der Vagina-Neider Jagd auf den außer-\nehelichen Beischlaf machen. Ein Land, dessen\nHoteliers, Portiers, Haus- und Zimmervermieter die\nGeschlechtslosigkeit aller unverheirateten Personen\nanordnen. Ein Land, dessen Männer sich für be-\nrechtigt halten, die Mädchen, mit denen sie sich zu\nBette legen, für geringer als Ihresgleichen zu\nachten. Ein Land, in dem durch jede erdenkliche\nerzieherische und gesellschaftliche Entfremdung\nzwischen Männern und Frauen zur Onanie erzogen\nwird. Ein Land, das durch Gesetze und gesell-\nschaftliche Brutalität seine MädChen so ängstigt,\ndaß neunzig Prozent (hauptsächlich1 in den soge-\nnannten besseren und höheren Kreisen) einer oft\ndurCh1 die Ehe kaum zu beseitigenden Onanie ver-\nfallen sind. Ein Land, in dem jedesi Kind als ver-\ndiente Strafe für sündigen Geschlechtsverkehr willig\nhingenommen und die Abtreibung barbarisch be-\ndroht, verfolgt und bestraft wird. Ein Land, in\nwelchem Eltern, die ihre Tochter oder ihren Sohn\nmit ihrem Verlobten schlafen laslsen, zu Kupplern\nwerden. Ein Land, in dem die Sinnlichkeit der\nFrauen für Hysterie und Geistesgestörtheit erklärt\nwird. Ein Land, das durch die Größe sleiner sexu-\nellen Lügnerei und Heuchelei Mädchen und Frauen\nzu jener erkaltenden Rücksichtslosigkeit und Un-\nliebe nswürdigkeit gegen die Männer zwingt, die von\nder Riesenschar unserer beliebten Familienschrift-\nsteller und Afterpoeten als „zarte Keuschheit\" ge-\nlobt und besungen wird — — — das ist jenes\noffiziell-antierotisChe Deutschland, das im Kinder-\nkriegen an der Spitze der Völker marsdhiert, wo\nes aber doch keine Lust ist, zu lieben. Um die bei\nunserem Volke offenbar mehr als1 irgendwo ge-\nfährdete Sittlichkeit zu schützen, verfolgt man die\naußereheliche Liebe und züchtet, unterstützt von den\ndeutschen Frauen, le Vice allemand, das deutsche\nLaster. Es1 ist wirklich zum homosexuell werden.\nOr, on sie trompe un peu ä Paris. Mais, quand\nmeine, c'est une chose bien triste que Famour en\nAllemagne.\n\nDer Freund\nVon Adolf Lantz\nLangsam durchwanderte Amelius die altertüm-\nlichen verschwiegenen Gassen. Als er nun hinaus-\ntrat in den Anblick des nachttrunkenen Platzes1, aus\ndessen Schatten und ungewissen Lichtern die alte\nKirche der Minoriten dumpf und feierlich zum Him-\nmel1 empordunkelte, stand er betroffen, gebändigt\ndurch eine innere Beziehung zu dem, was ihn um-\ngab. Im FlaCkerliCht einer Sekunde erlebte er eine\nErkenntnis, die ihn bezwang. Weit mehr als! je\nauf Gräbern, spürte er hier im tiefsten Wesen den\nInbegriff des Vergleitens. Aus wirkenden Formen\nder Vergangenheit bebte deren Seele; er fühlte,\nwie er sie empfing. Eine Sekunde lang. Dann\nwars vorbei, in ihm verglitten, ein zuckender\nFunken am naditdunklen Horizont, der aufleuch-\ntend verlosch'. Alle Denkkraft ließ nicht zur\nGegen wärt werden, was er gesehen hatte. Ver-\ngangenes tauchte auf alis1 Bild und Zukünftiges,\ndie ganze Regelmäßigkeit der Erscheinungen,\naber alle Gegenwart jener Erkenntnis blieb ent-\nschwunden.\nEine bange Leere, das Gefühl1 einer einzigen\nEinsamkeit überwältigte ihn. Niemand gab es mehr\nin dieser Stadt, der ihm1 nahe War, kein Wesen besaß\ner, von dem ein Teil jener Kräfte auf ihn über-\nströmen konnte, die beruhigen und wärmen, und die\nWucht der Lebensgeißel, einsam zu sein unter Ein-\nsamen, für Stunden und Tage hinwegtäuschen oder\nmildern.\nIrgendwo weit draußen enteilte der Zug, mit\njedem Atom von Zeit ferner und ferner, unerreich-\nbar seiner Stimme, seinen Augen. Der Einzige und\nLetzte, an dem er gehangen, mit dem er gemeinsam\ndie Ereignisse seines Daseins erlebt und genossen\nhatte, der war nun fort. Dies war alles1 aus; nicht\nmehr werden sie zusammen die altertümlichen\nGassen der Stadt nächtlicher Weile durchschlen-\ndern, nicht mehr wird eine sanfte, seltsam be-\nwegte Stimme neue Dinge künden und kluge Worte\nsagen, eine prunkvolle Phantasie tausend Farben in\ndie Welt zaubern, eine tolle, kraftvolle Laune\nFunkengarben entzünden, die Feste des' Lebens zu\nbeleuchten und alles, was jenseits liegt dem regel-\nmäßigen Pulsschlag. In einer anderen Zeit lebt nun\njener, denn er ist zu einem anderen Volk, in einer\nanderen Stadt, zu anderen, grundverschiedenen Mög-\nlichkeiten von Ereignissen. Und das muß; sie am\nmeisten trennen, diese Art der Daseinsführung,\ndie nicht mehr die gleiche sein kann, die sich nicht\nmehr in den gleichen Formen abspielt. Sie Sind tot\nfür einander: das heißt Entferntsein. Was sind\ngeschriebene Worte, wenn die Stimme nicht tönt,\nund aus ihr der Klang und der Rhythmus1 der Seele,\nwenn die Augen nicht alle Abgründe und Tiefen\ndeuten? Nicht für die Gedanken, doch für das\nlebendige Leben, das über jede einzelne Sekunde\nhinwegkommen \"muß, ob mühsam1 und schleppend\noder tanzend und fliegend, war jener von nun\nan tot, und Amelius tot auch jenem.\nDer aber wird es nicht sonderlich fühlen. Die\nneue Umgebung wird Besitz ergreifen Von ihm,\nein Taumel wird ihn erfassen. N.iCht einsam wird\ner sich1 morgen dünken, niemals! einer bangen Leere\nWehrlose Beute sein tagaus, tagein, fort und fort.\nDenn jenem wechselt Lust und Leid, da er die\nKraft hat, sich selbst Fröhlichkeit zu erwecken und\nsie zu verbreiten.\nAmelius aber wird warten.\nEr kam sich plötzlich ohne Zusammenhang vor\nmit der Welt, ohne jede richtige Beziehung zum\nLeben. Eine Leere gähnte in ihm, er wüßte nicht,\nsie bedeutete, er empfand nur, daß sie sich\nauf tat, als der Zug aus der Halle fuhr, und sich\nimmer tiefer in ihn hinabgewühlt Watte, am Wege\ndurch die leeren Gassen. Als wäre jener seine\nLebensfreude gewesen, seine Möglichkeit zu ge-\nnießen, sein körperlicher Anteil am Dasein! Dunkel\nund verhüllt tauchten mit einem Mal die Hinter-\ngründe auf am Bild seiner Freundschaft. Ein Schau-\nder überlief ihn vor dumpfen Erscheinungen, die\ner sah.\nVon der Turmuhr schlug es zwölf. Düster\ndunkelte die alte Kirdhe der Minoriten zum Wolken-\nfinsteren Himmel empor. Müde Ruhe umhüllte\ndichter die verborgenen Wunder versunkener Jahr-\nhunderte. An mächtigen, kunstvollen Portalen,\nihren versteinten Gestalten, vielverschnörkelten Zier-\nraten und Gebilden, den hochgewölbten verschlosse-\nnen Eingängen menschenleerer Paläste, an schla-\nfenden, verträumten Gassen und Giebeln vorbei,\nglitten Erinnerungen. Eine schwelgende Stille, als\nhielten alle Geräusche des! Lebens den Atem an,\ngeheime Zwiesprache zu erlauschen von tiefgründi-\ngen Wassern, in marmornen Brunnen gefangen,\nmit verwittertem Gestein, gebeterfüllten Lüften, ver-\nrosteten Kreuzen und zeitzerfressenen heiligen Zei-\nchen. Das Schweigen erhöhend, umschwebte das\ndunkle Gemäuer ein Rauschen, als suchten ins Un-\nendliche entflohene Orgelakkorde sich wiederzufin-\nden, durch hohe Spitzbogenfenster, Mauerritzen und\nTurmluken ins Innere des1 Doms zu dringen. Die\nLuft trug die Schwere der Stimmung, leichte Schauer\nverströmten in ihr. Aus' unheimlichem Winkelwerk\nverwitterter Steinquadern löste es1 sich ab, ein un-\nförmiger Klumpen, lautlos und langsam, bewegte\nsich auf Amelius1 zu, stand nun nahe vor ihm.\n„Sie kennen mich. — Tobias Bols'. — Sie er\ninnern sich': vorgestern auf dem Ball.\"\nAmelius sieht den kleinen Raum an der Seiki\ndes Saales. Weiche, sammetüberzogene Fauteuilsl\nzierliche, vergoldete Rokokotischchen. Darauf höht\nChampagnergläser. Auf schlankem dreifüßigen Ge.\nstell Eiskübel, die goldenen Hälse der Flaschen\nleuchten. Durch portierenumsäumten, schmalen\nEingang Blick in den lärmenden Saal:\nLichter blenden, Paare gleiten vorüber, der Duft\nfeiner Parfüms; strömt herein. Schwelgende Klänge\nschweben gedämpfter, verstecken sich in den Falten\nder Portiere, ertrinken in Champagnerperlen. Heil]\nweht der Atem des Festes. Ein unendlicher Rhyth-\nmus von Leben und Fröhlichkeit, Spiel und Flam-\nmen, Neigungen und Leidenschaften. Die Seele fließt\nhinüber in den Reigen, schwingt jubelnd mit. Nach\nLust und Verzückung verlangt der Körper. —\nRuhig, ruhig! — Die Augen schließen, sich zurück-\nlehnen! Hinab mit der Seele, hinab mit den Wün-\nschen ! — Amelius kann nidit tanzen. Sein Körper'\nist zu feig, oder zu gelassen und träge.\nGegenüber in der Ecke hockt ein ver-\nwachsener, höckeriger Mensch. Sein Gesicht ist ab-\nstoßend, eine Grimasse ohne Inhalt. Seine Augen\nstieren in das Licht draußen, als wollten sie es\ntrinken. Ein junger Mann eilt herein, erhitzt, ein\nseidenes Taschentuch in der Hand. Schwer hängen\nweiche, dunkle Locken in eine offene Stirn. Schlank\nund kraftvoll ist die Gestalt, der Mund herb, die\nZüge stark und entschieden. Der Krijppel füllt rasch\nund dienstfertig ein Glas und reicht es jenem, der\nes hastig leert, wieder in den Saal stürzt; oft\ngleitet sein Schatten draußen vorbei, verschlungen\nim Tanz mit schönen Frauen.\nJetzt sind sie wieder allein, Amelius und der\nKrüppel. Irgendeine Beobachtung bringt den\ndrüben zum Sprechen. Ein Gespräch entsteht. Sie\nwerden bekannt. — Tobias Bols. — Amelius. —I\nBeide warten. Jeder auf seinen Freund. Von Zeit\nzu Zeit in den Pausen kommt Besuch. Am Arm\nbegehrender Frauen, erhitzt und dem Rausch des\nFestes hingegeben, der Freund des Krüppels. Er\nkommt nur, um Champagner zu kredenzen und\nselbst zu trinken. Eine Flasche nach der andern\nwird leer. — Amelius freut sich beim AnbliCk1 jenes•\nMenschen. Er neidet ihm den Reichtum der Natur,\ndas Sieghafte seines Wesens. Ein körperlicher\nSchmerz erfaßt ihn vor dem Krüppel. Wie ein\nschartiges Messer reißt seine krächzende Stimme\nWunden in die Seele.\nMerkwürdig, wie? — Zwölf Uhr, Minoriten-\nplatz. Unvermutet, das Zusammentreffen. Herr-\nlich hier, wie? Absolutes Mittelalter. Stehe schon\nlange da, länger als Sie. Ebenfalls! Liebhaber dieser\nStimmung. Aber allein. Sie haben mich gestört,\nidi will es nicht leugnen. Peinlich, sehr peinlich.\nWollte warten, bis Sie weiter gehen. Verlor die\nGeduld, trat näher, erkannte Sie sofort. — Es1 ist\nkalt, finden Sie nicht? Zu mindest kühl. Ich friere,\nSie nicht, wie?\"\nKratzend und abstoßend klingt es1, fieberhaft\nund erregt. Amelius spürt ein unheimliches Schau-\ndern. Sein Kopf schmerzt, eine bange Unsicherheit\nbefällt Ihn :\n„Ganz geheimnisvoll ist dieser Platz,\" sagte\ner. „Wie ein Traum, dem Antwort wird.\"\n„Zu Zeiten, Herr, zu Zeiten. — Es kommt\ndarauf an, wie Sie gestimmt s|i,nd. Ich kenne das:\nEinbildung, zitternde Feigheit oder perverse Brunst\nder Phantasie. Da irgendwo in einem Winkel habe\nich1 einmal betrunken gelegen. Eine Entweihung,\nwie? Unsinn! Aber ein widerlicher Zustand für\nandere. Man ist ohne Zusammenhang mit so einem,\nals wärs ein Geisteskranker. Und doch, die leichte\nTrunkenheit ist zu wünsChen. Ein vortreffliches i\nGefühl, sage ich'. Man wächst, man vergißt, man*\ndünkt sich1. Mehr Fähigkeiten wachen auf. Bettlern\nklimpern die letzten Kupfermünzen wie Gold, sie\nwollen vergeuden! Mißgestaltete Körper, klap-\npernde Gerippe wollen sich verschwenden. Man\nmuß sich verschwenden von Zeit zu Zeit, wenn\nman teilhaftig werden will des großen Lebens! Ver-\nstehen Sie ? Bestürmen muß man den Genuß, bis er\nniederschlägt. Bestürmen, nicht bekriechen! Zu-\nsammenbrechen unter Jaudhzen, in die Kniee vor der\nGewalt der Genüsse! Dann hat man gelebt! Haben\nSie gelebt, Herr, wie? Sie haben es nicht! Ich\nfühl' das! Warum schweigen Sie? Beliebt es\nIhnen, über midi zu lächeln? Weil ich verwachsen\nbin, eine mißlungene Kreatur und Ihnen vom Leben"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.3", "texte": "erzähle, wie? Ich kann Sie belehren, es reizt mich,\nSie zu belehren, eben weil Sie glauben, daß mein\nverfluchtes, abscheuliches Skelett, die gelbe, blatter-\nnarbige Haut über der verknöcherten Fratze mich\nverhindert hat, zu genießen, was nur immer\nmenschenmöglich ist.\nGeschwelgt habe ich! In allen Zärtlichkeiten\nder Frauen geschwelgt. Kennen Sie die Lusthäuser\ndieser Stadt? Sie finden sie herrlich, wie? Kata-\nkomben sind sie! Moderdumpfe, finstere Kata-\nkomben, gegen jene voll Pracht und Prunk, durch\ndie ich mich gewälzt habe. Lernen Sie die erst\nkennen! Halten Sie mich nidht für betrunken! Ich\nhabe nichts in mir als zwei Flaschen Sekt. Das\nbringt in Laune, nichts weiter. Aber Sie dauern\nmich in Ihrer Jugend. Ich bedauere Sie Von ganzem\nHerzen. Was suchen Sie um diese Zeit auf der\nStraße? Es ist die Zeit des Genusses. Warum ver-\nschleppen Sie ihre Zeit? Auf dem Balle habe ich\nSie beobachtet. Was Sie für Augen haben! Zum\nTeufel! Gierige, nie gesättigte, mutlose Augen!\nSie sind nicht blind, diese Augen. Sie sehen, daß\ndie Welt in Flammen steht. Sie selbst Wissen es,\ndaß alles herumrast im heißen Brand! Warum be-\nhalten Sie denn Ihre Kleider an, wie —\"\nAmelius steht wie betäubt, wortlos. Als sähe\ner nichts mehr außer dem schwarzen Punkt vor\nsich, aus dem es mit krächzenden, harten Lauten\naufkreischt.\n„Warum sind Sie verstummt? Peitscht Sie die\nWucht meiner Worte, wie? Schreit Ihnen das Leben\nseine Anklage za, weil Sie es erbärmlich ver-\nschleppen? Was ist das für eine Art, sich an einen\nFreund zu hängen und zuzusehen, wie er tanzt,\nin einer Ecke zu sitzen und schluchzend zu lauern?\nWarum gehen Sie auf Feste, wenn Sie nicht tanzen\nkönnen? Andere Orte gibts für solche, dort ist\nSättigung für gleiches Geld, und gleiche Zeit, Sätti-\ngung aller Wünsche. Kaskaden der Lust, die hin-\nabreißen in die Tiefen! Man muß sich verschwen-\nden! Der Wille dazu liegt in uns! Der belügt\nsich, wer sich's leugnet! Wo ist er denn jetzt,\nIhr Freund? Welche Orgien feiert er, von denen Sie\nnichts ahnen? Es geht mich nichts an! Ich habe\nnicht zu fragen, wie? Es ist eine Frechheit, sich\nso zu benehmen! Zum Teufel, ich habe Lust, so\nzu sein! Hindern Sie mich, verbieten Sie, werden\nSie grob! Ich frage doch! Denn es paßt mir.\nNichts wird mich in meiner Rede unterbrechen. Zer-\nknirscht will ich Sie sehen, kläglich überwiesen,\ndas Leben zu schwänzen, Sie, der Sie zu lächeln be-\nlieben über mich! Ist er krank, Ihr Freund? Zu\nBett gegangen, müde von der Arbeit, der Aermste?\nOder gestorben, wie?\"\n„Er ist tot,\" hauchte Amelius1. Es schien ihm,\nals hätte er es1 unhörbar gesagt, ganz leise, als\nhätten sich die Laute über die Lippen gestohlen.\nDem krächzenden Menschen wollte er keine Ant-\nwort geben, loskommen wollte er, fort aus seiner\nNähe, fort von diesem Platz.\n„Wie — tot?\" — ächzte es zu ihm auf. Ein\nstöhnender Laut glitt wie ausl einem zerrissenen In-\nnern. Auch Ihr Freund starb? Zwang mich das zu\nreden? Verzeihen Sie! Ich bereue, Herr! Eine\nteuflische Lust sitzt in mir, Erkenntnisse zu ver-\ndrehen. Nicht alles war vorhin mir Ernst. Nur\nManches. Ich möchte gut machen, was1 ich tat.\nWir stehen anders zu einander, als ich dachte. Lassen\nSie sidi! erklären! Gehen Sie noch nicht fort!\nBleiben Sie! Ein paar Worte. Vielleicht auch mehr.\nIhr Freund ist tot. Ein Gemeinslames verbindet\nuns. Das allein berechtigt, daßi ich zu Ihnen rede,\nmich offenbare — wie keinem sonst: denn auch\nmein Freund ist gestorben.\"\n„Ist er verreist?\" fragte Amelius leise und selt-\nsam berührt. „Ist er in einer anderen Zeit, zu einem\nanderen Volk, in anderen Ländern?\"\n„Nicht so,\" entgegnete es fast keuchend,. „Er\nist gestorben. Schon beginnt der Körper zu ver-\nwesen, der so viel geliebt wurde. Die Leiche sieht\nerbärmlich aus. Verzerrt sind die Züge, die Augen\ngläsern und ohne Inhalt.\"\n„Wer ist tot?\" fragt Amelius! tonlos und sieht\nwieder den kleinen Raum von vorgestern an der\nSeite des Saales. Ein junger Mann eilt herein, er-\nhitzt, ein seidenes Taschentuch in der Hand. Schwer\nhängen weiche, dunkle Locken in eine offene Stirn.\nSchlank und kraftvoll ist die Gestalt, der Mund\nherb, die Züge stark und entschieden. Er trinkt,\neilt wieder in den Glanz des Festes. Oft fliegt\nsein Schatten draußen vorbei, verschlungen im Tanz\nmit schönen Frauen.\n„Mein Freund ist tot,\" krächzt der Krüppel ein-\ndringlich uncl langsam. „Der Ihnen so sehr ge-\nfallen hat, den Sie beneidet haben um die Macht\nseiner Persönlichkeit.\"\n„Wie, der?\" Amelius ist entsetzt, aufgewühlt,\nfassungslos. „Es ist unmöglich ! Der starb\nnicht!\"\n„Doch!\" tönt es mit schneidender Stimme zu-\nrück. „So sicher tot, wie ich vor einer Stunde\ndie letzten Flaschen Champagner getrunken habe\nfür dieses Leben! Denn ich gedenke nicht mehr\nzu trinken, auch nicht mehr auf Feste zu gehen.\nVorbei!\"\n„Woran starb er?\"\n„Er starb sehr plötzlich. Gestern abends, nach\ndem Nachtmahl, in meiner Wohnung. Ich war da-\nbei, ich ganz allein. Ein Kampf weniger Sekunden.\nDann lag er da; starr, in sich verkrümmt, die Augen\nverdreht. Ich ging fort, schloß die Wohnung ab.\nVielleicht wollte ich einen Arzt holen oder die An-\nzeige machen. Ich weiß es nicht mehr.\"\nEin großes Mitleid quoll in Amelius1 auf. Sanft\nund wie tröstend sagte er: „Ich begreife ganz\nIhren Schmerz. Ich beklage Sie tief —\"\n„Gar nichts begreifen Sie!\" schrie jener auf.\n„Sie glauben am Ende, daß ich vorhin wahr sprach,\nmeine Ueberzeugung, meine Erkenntnis des: Lebens!\nDaß ich so erbärmliche Dinge genoß! So werden\nsie nicht errungen, die herrlichen Genüsse dieses\nherrlichen Daseins. Nicht in Bordellen sind sie\nzu haben. Dort ist Betrug, der ärgste Betrug!\nDen Kern des Lebens verhüllt man uns mit selbst-\nbezahltem Betrug! Ehrenbeleidigungen, die nie zu\nsühnen sind: und wir kaufen sie! Vorspiegelung\nder Echtheit, blasse, farblose Visionen einer mög-\nlichen Wirklichkeit mit jäher Ernüchterung und Ver-\nzweiflüng. Die Paradiese des Daseins sind nicht die\nköstlichen Oa'sten in jeder Wüste: nur Fata Morgana,\nin deren Anblick man verdurstet. Mit dem Blut\nmeiner Seele habe ich erkannt. Zerknirscht lag ich\nin meiner Erbärmlichkeit. Ich ahnte die Wunder\ndes Lebens, seine Trunkenheiten und Rasereien,\ndie Verzückungen der Liebe, die Qualen der Eifer-\nsucht, jede Freude, jedes Leid, die großen Aeuße-\nrungen des Daseins. Alles habe ich mir verschafft.\nVersunkenheit in tiefsten Leidenschaften und\nSchwelgen in ihrer Ueberwindung. Was begreifen\nSie davon? Gar nichts! Was' wissen Sie denn?\nHabe ich Ihnen erzählt, habe ich irgend jemandem,\nStümper oder Genie, Dilettant oder Meister, geoffen-\nbart, was jener mir war, der gestern starb? Ahnen\nSie auch nur, was wir gemeinsam geschaut, wie\nwir Schicksale gelenkt, ihren Lauf revolutioniert\nhaben, wir, wahre Napofeone des! Lebens !\nDiese wundervollen Tage und Nächte am Meer\nmit der Fürstin! — Alle Pracht hatte sie ver-\nlassen, alles aufgegeben. Namen und Ehre, Gatten\nund Kinder, nur um uns zu folgen, ihm, den sie\nliebte. Unter tausend Qualen starb' sie: denn sie\nmußte sehen, wie das Meer die Frauen vor seine\nFüße spülte, wie er sie lächelnd nahm und dann\nwieder fallen ließ, zurück in die Flut. Denn wo\nnur Schätze sich boten, griff er zu.\nAlles habe ich miterlebt, mitgenossen. Arm\nwar er, als ich ihn fand, hilflos, ein Verhungernder.\nIch machte ihn reich. So viel er brauchte, erhielt\ner von mir. Nichts forderte ich als! Dank, nur daß\ner erzähle! Alles hat er mir sägen müssen. Wie\nkein Dichter verstand er zu schildern, was er er-\nlebte, was ihn durchwühlte, stachelte, berauschte.\nDie Schauer der Ereignisse fühlte ich am eigenen\nLeib, gepackt, überwältigt, mitgerissen, nicht mehr\nich: ganz er, ganz er!\"\nUnd jenes Höchste, in dem wir geschwelgt\nhaben, jene göttlichen Tage, als seine Leidenschaft\nin gleichem Verlangen entbrannt war zu zweien, die\nsich ihm gaben. Jede voll Angst, ihn zu verlieren,\neine unwissend der andern. Diese herrliche Lust\nVon Hast und Aufregung, Furcht vor Entdeckung,\nVerschwendung der Kräfte bis' zur Erschöpfung.\nWir wurden krank und entflohen der Stadt. Nach\nwenigen Tagen war er gesünder denn zuvor. Ich\nselbst erholte mich langsam. Meine Nerven zuckten\nim Krampf, meine Sinne waren verworren. Alles\ntanzte, Bäume und Berge atmeten schwer. Wie\nfühlte ich, daß ich gelebt hätte, wie sah ich in\ndie Weit, die ich mir tanzen gemacht hätte, wie\nIWar sie mein, diese Welt, wie habe ich sie ge-\nnossen — durch ihn! — Begreifen Sie jetzt? Können\nSie verstehen ? Hineingefressen, hineingesogen habe\nich mich in seine Seele und in seinen Körper, den\nKörper eines Herrn über alle Lüste, eines Herr-\nschers, dem sich das Leben beugt!\"\nAmelius stand entgeistert. Träumte er oder war\nes Wirklichkeit, was er Vernahm? Dann mußte sie\nsich1 greifen lassen, diese Wirklichkeit. Er streckte\nseine Hand aus nach der Gestalt.\nDie aber wich1 zurück, als fließe sie mit den\nSchatten des Platzes zusammen: „Berühren Sie\nmich nicht! Es könnte eine Kraft Von Ihnen über-\nströmen, die meine Entschlüsse störte. Vielleicht\nsind Sie nicht der, für den ich Sie halte, vielleicht\neiner, der selbst zu leben imstande ist, nicht nur\ndurch einen andern, an den er sich verliert. Würde\naber meine Zunge die Worte finden, mich Ihnen zu\noffenbaren, wenn wir nicht tiefinnere Beziehungen\nzu einander hätten? Würden sich sonst diese\nLippen öffnen, Ihnen zu beichten? Denn es ist\neine Beichte. Al's letzten Genuß nehme ich sie hin.\nNoch einmal habe ich gespürt, daß; ich lebte. Ich\nbin wieder ruhig. Ich spreche ganz gelassen, ohne\nErregung, wie ? Ich fühle nichts mehr, es1 ist wieder\nkalt in mir. Als wärs eine fremde Angelegenheit.\nOder eine Selbstverständlichkeit. Mein Vermögen\nhaben wir verbraucht, das letzte verschlang vor-\ngestern das Fest. Ein paar Münzen blieben. Ich\nhabe sie vorhin vertrunken. Vernünftig, wie? Wir\nwären also beide arm, bettelarm, hätten nichts mehr\nzu erwarten. Ich hatte Millionen vorgetäuscht.\nUnerschöpflich mußte er mich wähnen. Vom ersten\nTag an habe ich jedes Bedenken über Geld abge-\nschnitten, den Schein zu wahren. Er ahnte nichts:\nder letzte Rest zerfloß.\nGestern habe ich ihn vergiftet. Esi war ein\nrascher Tod, ein paar Sekunden. Er sank wortlos\nzusammen, im Krampf, ohne Besinnung. Ich allein\nwar dabei. Sicher ein leichter Tod. Ich habe mich1\ndavon überzeugt, daß es ein leichter Tod ist, durch\ndieses Gift zu sterben. Gehen Sie endlich schlafen!\nGute Nacht!\"\nAmelius schrak auf. Ein Frösteln lief über\ndie Haut. Sein Inneres fror. Wie abgestorben\nschien ihm sein Körper.\nLeer lag der Platz und düster. Im Dunkel\nverwitterter Mauern schwand es wie ein Schatten.\n\nVersöhnung\nElse Lasker-Schüler\nEs wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen ...\nWir wollen wachen die Nacht,\nIn den Sprachen beten\nDie wie Harfen eingeschnitten sind.\nWir wollen uns! versöhnen die Nacht —\nSo viel1 Gott strömt über.\nKinder sind unsere Herzen,\nDie möchten ruhen müdesüß.\nUnd unsere Lippen wollen feich1 küssen,\nWas zagst du?\nGrenzt nicht mein Herz an deins —\nImmer färbt dein Blut meine Wangen rot.\nWir wollen uns! versöhnen die Nacht,\nWenn wir uns hbrzen, sterben wir nicht.\nEs wird ein großer Stern in meinen Sdibß fallen.\n\nDer Todesrausch\nEine Mückenphantasie\nVon Paul Scheerbart\n„Komm an die Lampe!\" schrie stellig die kleine\nZippa. Ihre Flügel flatterten, und zweihundert\nMücken vernahmen den Ruf und folgten der kleinen\nZippa — selig — ohne Besinnen.\nBei der Lampe, die von einem grünseidenen\nLampenschirm umhüllt war, säß ein alter Mann\nund aß sein Abendbrot.\nDa kam die kleine Zippa mit den zweihundert\nMücken — und der Zippa ward ganz toll zu Mut."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.4", "texte": "„Sterben! Sterben ist doch ä'a&l Süßeste im\nLeben! Sterben wollen wir jetzt! Sterben!\"\nUnd alle Mücken schrieen das der Zippa nach.\nMit seligem Gelächter flogen sie gegen den\nheißen Zylinder, und bald lagen alle zappelnd neben\ndem Abendbrot des alten Mannes.\nDer wollte die Sterbenden schnell töten, damit\nsie nicht so lange zu leiden hätten.\nAber Zippa rief lachend, während sie sich ihre\nVerbrannten Flügel absdheuerte:\n„Laß sein! Wir sterben ja so gern! Das Sterben\nist ja so schön!\"\n\" Und die sämtlichen sterbenden Mücken schrieen\nes wieder der Zippa nach.\nUnd alles lachte — und — starb.\nDer alte Mann aß weiter.\nEr hätte Hunger.\n\nGespräche mit Kalypso\nUeber die Musik\nVon Alfred Döblin\nZehntes Gespräeh\nAufatmen der Verzauberten\nDie Luft ist grauschwarz. Vom Meere kommt\nRollen, Donnern und ein unaufhörliches! Tosen.\nMusiker\n(Jammernd, läuft über die Klippen.) Kalypso!\nKalypso! Hilf mir; sie sind hinter mir her. Hilf\nmir, Kalypso! (Steigt tiefer.)\nDie Vogelmenschen\n(In Schären durcheinander.) Sie ist fort. Sie\nist verschwunden aus der Grotte. Die Grotte stürzt\nein. O unser Retter ha ha, wir wollen ihn opfern,\nwollen ihn der Göttin opfern. Er hat sie auf-\ngestachelt. Sie ist unten gewesen. \"Am Grabe des\nOlympyers ist sie gewesen. Ich sah sie den Stein\nabwälzen, ein Qualm. Seine Locken küßte sie, als\ner sich aufrichtete. Oh er! Der Olympier ist wach.\nDas Meer kommt. Schlingt alles ein. Wir klirren\nmit ihnen herunter. (Alle berauscht) Wir dürfen\nsterben.\nDer Alte\n(Mit glühenden Augen, still vor sich hin) Wir\ndürfen sterben.\nLetztes Gespräch\nAbgesan g\n(Offenes Meer; schwarzer Himmel. Die Insel\nist weggefegt.)\nDer Olympier\n(Einen weißen Faltenwurf von den breiten\neckigen Schultern bis zu den Sandalen, in die\nWolken ragend, auf dem Meeresspiegel, gebückt,\nErde im Haar, blutige Stirn, die er oft abwischt,\ngrauweiße zusammengeklebte Locken, schwer\nkeuchend; ein pergamentenes', eingefallenes, uraltes\nGesicht mit erloschenen Blicken.)\nKalypso\n(in ihrem bläuschwarzen Gewände mit weißem\ndurchsichtigen Ueberhang, sieht ängstlich zu ihm\nauf, umschlingt seine Hüften. Sie knirscht die\nZähne aufeinander, als eine Welle den Leichnam des\nMusikers an einer vorragenden Klippe zer-\nschmettert.)\nDer junge Gott\n(kommt Von weitem auf sie zu, riesengroß,\nhager, struppig blond, sicher, stechende Blicke ; ein\nblitzender Kronreif im Haar; sein schwerer, nach-\nschleppender Mantel purpurrot, vorn mit goldenen\nHaltespangen.)\nDer Olympier\nEr konnte mich nicht töten, nur mich Vergessen.\n— Ha, du, du Tiger, du blutiger Räuber, du —\nKnecht, ich — bin — da, — bin immer da —.\n\"Der junge Gott\n(Heiß und bitter) ICh1 hasse, die mich hassen.\nIch meuchle, die mich würgen wollen. (Er schleudert\neinen rauchenden Berg, den er aus: dem Meeres-\nboden ausreißt, gegen die Brust des Olympiers.\nDer, fast zerschmettert und stürzend, taumelt mit\nGebrüll nach vorn, erwürgt mit der linken Hand\nden jungen Gott, während die Rechte dessen Kopf in\nden Nacken bricht; der junge Gott gurgelt noch.\nBeide versinken, während das Meer tosend auf-\nsteigt.)\nKaly p s o\n(Die mit ausgestreckten Armen starr dage-\nstanden hat, richtet sich jäh in dem ungeheuren\nweißen Toben und Zischen auf. Schreit wie ein\nOrkan auf, alsl ihre tauchenden Füße die sinkenden\nGötterleiber berühren. Ihre Züge verzerren sich.\nWährend sie beide Hände gegen die Brust preßt,\nwächst sie zusehends höher und höher auf. Ihr\nganzer Leib zuCkt und krampft sich. Ihr Mund\nstößt aus ein Hoho, höh. — (Sie geht mit dröhnen-\ndem Geschrei und Gelächter über das tanzende\nMeer, wiegt sich in den Hüften, singt tief und lang-\ngeozgen, schlägt sich die Schenkel.)\nEnde\n\nDrei Stunden\nVon Werner Peter Larsen\n„Ich komme nicht,\" sagte sie um zwei. Eine\nPastors tochter mit glattem Scheitel.\n„Warum nicht?\"\n~,Es ist Sünde ...\"\n„So.\"\nSchweigen. —\n„Das heißt, ich kann ja auch kommen. Aber Sie\ndürfen mich nicht küssen!\"\n„Gut.\"\n„Wirklich nicht?\"\n„Wirklich nicht!\"\n„Dann komme ich.\"\n'Es schlug zwei. Sie hatte Eile und ging. Um\nvier wollte sie kommen.\nUm drei traf ich sie, sie kam Vom Bade. Ich\nwich ihr aus, ich siah sie erröten.\nUm vier kam sie. Setzte sich in die Ecke und\nschwieg. Schlug die Augen nieder. War verlegen.\n„Da ist die Fußbank,\" sagte ich'. „Man sitzt\nbesser so. Eine schöne Erfindung — Fußbänke.\"\n„Ja,\" sagte sie. „Eine schöne Erfindung. Ich\ndanke.\"\n\"Sie hob den Fuß, raffte das Kleid. Sie hatte\nfrische Unterkleider an, frisch wie Schnee.\nUm halb fünf wurde sie müde. Ganz plötzlich.\nSie mußte ein wenig ruhen. Ein ganz wenig nur.\nEs würde doch auch niemand kommen ? Gewiß\nwürde niemand kommen. Wer sollte da kommen?\nnicht?\"\n„Bestimmt nicht.\"\nSo machte sie sich's bequem.\n\"Um fünf\nAber das ist schon Nebensache.\n\nGesicht und Maske\nVon Heinrich Pudor\nDas Gesicht, losgelöst vom Hinterkopf und\nGehirn, stellt den Affekt an sich dar. Die Senti-\nments et Passions entstehen nicht im Gesicht, aber\nsie sprechen sich hier am vollkommensten aus.\nAlles, was wir fühlen und empfinden, was unser\nBlüt treibt und erhitzt, und den Herzschlag\" be-\nschleunigt, spiegelt sich hier, und wird in den\ntausend und abertausend Zügen des Gesichtes\nwiedergestrahlt. Wir können uns1 beherrschen und\nEmpfindungen verbergen, indem wir unser Gesicht\nin die gewohnte Form und in den gewohnten Aus-\ndruck zwingen. Aber selbst in diesem Fall nimmt\nes eben diesen Ausdruck der niedergezwungenen\nEmpfindung an. Und je nach dem Temperament\nund der Lebhaftigkeit und dem Reichtum des Emp-\nfindens wird das Gesicht zu einem Meer der Emp-\nfindungswellen. Nichts1 ist schneller als das Denken\nund das Empfinden, aber'ihnen der Gesichts-\nausdruck, ah ihr Niederschlag. Besonders bei\nleidenschaftlichen Menschen, die nie die Kunst des\nGesichtskomödienspiel's gelernt haben.\nVornehmlich im Auge spiegelt sich die leiseste\nGefühteerregung wieder. Der Augapfel verändert\nsich nicht, aber der Blick, die Richtung des Blickes,\ndas Feuer und die Strahlungsfähigkeit des Auges,\nvor allem aber die Stellung und die Bewegung der\nLider, von clenen wesentlich der Ausdruck Hes\nAuges abhängt. Durch die Wimpern wird der\nAusdrucksreichtum der Lider ins Unermessene ge-\nsteigert.\nUnd neben dem Auge ist der Mund der ge-\ntreuste Spiegel1 der Gefühle und zugleich das\nwesentlichste Mittel des Empfindungsausdruckes.\nDen Lidern entsprechen die Lippen, dem Augapfel1\ndie Zähne. Sie bleiben sich gleich, aber je nach\nder Empfindung öffnet oder schließt sich der Mund.\nVielleicht sind die Lippen durCh den Bau ihrer\nWeichteile eines noch lebhafteren und reicheren\nAusdruckes fähig, als die Lider. Die Mundwinkel\nhaben eine weit größere Beweglichkeit, als die\näußeren Augenwinkel1, und dadurch' begleiten und\nverstärken sie den Ausdruck des Mundes.\nZwischen Auge und Mund bildet ein weiteres\nwichtiges Ausdrucksmittel der Empfindung die\nNase. 'Den Lidern und den Lippen entsprechen\ndie Nasenflügel, während die Nase selbst in gleicher\nWeise wie Zähne und Augapfel1 unveränderlich\nbleibt. Bei phlegmatischen Naturen Sind allerdings\ndie Nasenflügel fast starr und erwachen nur im\nstärksten Affekt zu Leben. Bei leidenschaftlichen,\nheftigen und feurigen Naturen sind dagegen die\nNasenflügel an dem Ausdruck stark beteiligt und\nvermögen in ähnlicher Weise sich zu öffnen und\nzusammenzuziehen, siCh zu heben und zu krampfen\nwie die Lippen. Das Volk spricht ja auch von\n„fliegenden Nüstern\".\n\"Auch das Kinn trägt wesentlich zum Emp-\nfindungsausdruck bei, aber als Basis desi Gesichtes\nist es in seinen Zügen feststehender und wird in\nseiner Ausdrucksfähigkeit wesentlich durch die\nStellung der Kiefer und [die Linien des Mundesl\nund der Mundwinkel bestimmt. Eher schon ist die\nStirn, die das Gesicht krönt, eines reicheren Aus-\ndruckes fähig. In sich selbst starr, ist sie doch\ndurch' die sie umspannenden Muskeln und die Haut\nbefähigt zur Wiederspiegelung desSen, was in der\n'Seele vor sich geht, weil ihr Ausdruck am wenigsten\nin den Bereich der willkürlichen öder gewaltsamen\nVeränderung und Verfälschung der wahren Emp-\nfindung fällt. Der Ausdruck der Stirn ist zu einem\ngroßen Teil1 unwillkürlich und unabsichtlich; die\nbetreffenden Muskeln stehen in unvollkommenem\nKonnex mit unserem Bewußtseinszentrum — „es\nsteht dir an der Stirn geschrieben\".\nDas Gesicht ist der Spiegel des Affektes. Und\ndas Gesicht, losgelöst von dem Sitz der Vernunft\nund des Denkens:, die Maske. Das Wort Maske\nist sehr bezeichnend ursprünglich mit „Hexe\"\ngleichbedeutend. Die Hexe verkörpert den Affekt,\nlosgelöst von der Vernunft, in gleicher Weise wie\ndie Maske. Will man nun zum Zweck theatralischer\nWirkung eine fremde Person und einen fremden\nAffekt wiedergeben, so bedient man sich der künst-\nlichen Maske. Das1 Altertum kannte eine tragische,\nkomische oder satirische. Die antiken Masken\nwurden im Zusammenhang mit den DionySien, den\nantiken ''Passionsspielen, erfunden und je nach1 den\nVerschiedenen Leidenschaften, die es darzustellen\ngalt, gestaltet. Und weil die Maske den Vom Ver-\nstandesftiäßigen losgelösten Affekt Vortäuscht,\nwurde sie stets zu Karnevalsaufzügen verwendet,\nzuerst in Venedig seit der RenaissanCezeit. Von\nder Ueberlegung losgelöste Affekte sind ebenfalls\nFiguren wie Arl'equin, PagliacCo, Policinelle, Lelio\nund Pierrot.\n~Es ist erklärlich1, daß die Kunst, welche es\nvorzugsweise mit der Darstellung von Emp-\nfindungen zu tun hat, stets! die Darstellung von\nGesichtsinasken in ihr Schaffensgebiet aufnahm.\nEs sei an die antiken Terrakottenmasken, an die\npompejanischen Schreckensmasken, an die römi-\nschen Bronzemasken erinnert. Die Gorgone\nMedusa, die Personifikation des Entsetzens, also\ndes heftigsten Affektes, wurde immer als Maske\ndargestellt.\nIn der neueren Kunst zeichnete der große\nLionardo oft genug Masken als1 Trägerinnen 'des\nAffektes. Auch AndreaS! Schlüters Schlußsteine mit\nMasken sterbender Krieger seien erwähnt.\n\"Die neuste Kunst hat sich erst jüngst wieder\nund zwar vornehmlich im Kunstgewerbe, der Dar-\nstellung von Masken zugewendet. Beliebt ist be-\nsonders' das Gorgonenhaupt. Die Japaner beson-\nders, mit ihrem außerordentlichen Reichtum der\nAffekte, haben die Masken bewußt alS112 Bilder der\nrein für sich bestehenden, von aller Vernunft los-\ngelösten Affekte, der Affekte „an sich\" behandelt"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.5", "texte": "\"Bei einem natürlichen Haß gegen Musben, Aus-\nstellungen und ähnliche spanische Stiefel mied ich\nin Brüssel nach ein paar flüchtigen Besuchen diesen\nOrt einer ungeheuren Arbeit. Eine Weltausstellung\nhat etwas Peinliches!, Ungesundes, wie Volapük,\nEsperanto; man muß alles anerkennen, aber es hilft\nnichts, es ist sinnlos, völlig überflüssig, Gelehrten-\narbeit. Brasilien ist gewiß im Reich von immenser\nAusdehnung; es \"hat in sich große Wüsteneien und\ngrößeren Wunsch na£h Belebtheit, es ist ein zukunft-\nvolles, (sehr besonderes Land; aber Brüssel gibt\nvon ihm den Eindruck eines riesigen Kaffeesackes.\nMan fällt jn Schwermut, wenn man Argentinien\nsucht und nur Reitstiefel1 findet. Wir haben alle die\nmächtigsten Einflüsse erfahren, von dem Rußland\nTugernjews und des fabelhaft hellsichtigen Dosto-\njewski ; die Revolution ist in frischer Erinnerung; das\nunheimliche Land verhaucht auf der Weltausstellung\nin Pfeifenköpfen und eingelegten Spazierstöcken.\nIch1 schreite ungeduldig nach dem Abteil der Türkei;\nes muß ein ganz phantastisches Glück sein, denk'\nich mir, dort zu leben, jetzt, wo die tiefen Weisheiten\nMohameds von westlichen Zweifeln angefressen\nwerden, wo Asien wehklagend in denselben\nBosporus1 gedrängt wird, in den es bisläng liebevoll\nseine jungen Angreifer versenkt hatte. Wie sonder-\nbare Gedankenmischüngen mögen da entstehen,\nwelche appetitliche Fülle von Paradoxen, west-\nöstlichen Tragikomödien. Es beschwert mich nicht\nmehr, daß ich statt dessen nur Gläsperlen und\nTabak antreffe. Auf der Reise wiegte ich mich\nmanchmal1 in (dem Gedanken: an Vergnügungen,\nSpäßen und Lüsten wird diese Ausstellung ihres-\ngleichen suchen. In dem kecken Brüssel erbaut,\nwird ;sie dem Fremden eine sorgfältige Auswahl\neinheimischer und ausländischer Vergüngungsart\ngeben; in dieser eleganten lebenslustigen Stadt hat\nman es längst erkannt, idaß Industrie und Handel\nwertvoll ist, aber nicht minder wichtig, sich ihrer\nzu bedienen. Was gehen mich die Tänze der\nSenegalneger ,an, idie Sprünge dressierter Affen?\nKein Aufschwung in Handel und Industrie, ohne daß\ndie Menschen bedürftiger, anspruchsvoller, genuß-\nsüchtiger geworden wären ; man zeige mir nun den\nGenuß all dieser Gegenstände, man zeige mir die\nVerwertung dieser Industrien, man belehre mich,\nmache mich begieriger; weise mir den Boden, aus\ndem diese Früchte gewachsen sind, und den Mund,\nder sie essen soll. Es wäre ja ein aberwitziges Miß-\nVerständnis, Maschinen über Maschinen tu produ-\nzieren, das1 Nächste und Fernste zugänglich machen,\nund das Auge erblinden zu lassen, welches dies\nFernste sehen soll. Ich komme mir vor wie unter\nSymbolen und Allegorien, bei denen niemand mehr\ndie Bedeutung weiß. Vor einem einzigen Satz,\nüber den ein Mensch lacht oder erschauert, vor\neinem kleinen Takt Musik, unter dem sich' die Hände\nfalten, wird der Riesenmotor und das Aeroplan zu\neiner Weitschweifigkeit, einer bureaükratischen Be-\nmühung, zur Trophäe eines exotischen Götzen\nVitzlipultzli. Ich werde in Brüssel, so träume ich,\nalles sehen: den Wein, seine Bereitung, seine Auf-\nnahme seine Wirkungen; ich werde viele, mannig-\nfaltige Weine sehen. — Ich sah zwei Lunaparks\nauf einem Terrain, — woran man fdie Welt-\nausstellung erkennt, — bemalte Indianer tanzten\nzahm in einem Buffalo-Bill-Cirkus, das Volk\nkreischte auf einigen Rutschbahnen; für zehn Cen-\ntimes konnte jedermann 3as durchaus kleinste Pferd\nder Welt sehen. Kneipen, Karussel, Jahrmarkt:\nDorf, Dorf, Dorf — — eine „Weltausstellung\"!\nSchweig still mein trotzges Herz! — Aber überall,\nin der Ausstellung, in den Eisenbahnzügen, in den\nStädten scholl das Lob Deutschlands. Wir haben\neine „Ausstellung komplett\" geliefert. Neben den\nprächtig aufragenden Bauten der arideren Staaten\nlagert platt ein breites, vollgefressenes Tier, die\ndeutsche Abteilung, formlos, stumm, mit einem gut-\nmütigen Spott die Nachbarn betrachtend. Niedrige\nHallen; tritt man ein, so weiß man schon die Formel\ndieser Abteilung: sie hat's in sich: gediegen. Auch\nder Deutsche fühlt sich gefesselt; ein Berliner neben\nmir grinste vergnügt mit den Worten: „Uns kann\nkeener.\" Er trug zwei unglaublich klobige Stiefel,\nsogenannte Quadratlatschen, und Wadenhosen; er\nbot das vollendete Bild eines Weltreisenden, dessen\nBekanntschaft bereichert. Die Deutschen, das unter-\nliegt keinem Zweifel, haben mit dieser Ausstellung\nihren Ruf im Ausland großartig vermehrt; und das\nStaunen über ihre Leistungsfähigkeit wird ins\nImmense wachsen. Ich sah einen würde-\nübersättigten Sitzungssaal für Karlsruhe, ein\nmystisches Trauzimmer, goutierte die Finessen un-\nserer Präzisionsmechanik, — Leitz und Zeiß sind\nganz vorbildlich; die belgischen Institute beziehen\naus England nur noch die Stative für die deutschen\nInstrumente, — schwelgte im dem Augentrost von\nWerken der Lithographie. Beim Verlässen der über-\nreichen Pavillons drängte mir der Stolz den\nheroischen Gedanken an die Dinge auf, die ich hier\nnicht sah und nicht sehen konnte: an unsere Musik,\nunsere Philosophie und Medizin; ein patriotisches\nFreudegefühl war unabwendbar und vollkommen. —\nDraußen in den Gärten erwischte ich nach halb-\nstündiger Wanderung einen Platz, wo nur drei\nKapellen zu gleicher Zeit zu hören waren. Uebrigens\nwill ich bei der Gelegenheit nicht eine Beobachtung\nunterschlagen, die ich auch in den Berliner „Zelten\"\nöfter gemacht habe: minderwertige Musikschmarren\nwerden momentan geistreich, wenn sie zu dreien\nbis fünfen gleichzeitig gespielt werden; eine Be-\nobachtung, die, tso interessant sie ist, doch für\nDeutschland etwas Neues bedeutet, da bei uns nur\nRichard Strauß sie beim Anrichten seiner musi-\nkalischen Quetschkartoffeln verwertet. — Eine fabel-\nhaft moderne junge Dame setzte sidh bald neben\nmich; sie trug einen Miniaturfederhut und spielte\nvielversprechend mit ihrem Sonnenschirm; alle Engel\nmeiner Heimat sangen in mir auf, als die Jungfrau\nauf meinen höflichen Gruß entgegnete: „Det\nquatsche Französisch kannste dir schenken; wir\nhaben uns doch ooch sonst janz jut verstanden.\"\n— Ich1 erhob mich mit ihr, völlig hingerissen von\ndeutscher Art.\n\n•—5»\nDer Berliner Lokal-Anzeiger wilPs nicht be-\ngreifen. Nochs immer hält er Herrn Ludwig Fulda\nfür einen Dichter, sogar für einen sympathischen\nund erteilt ihm den ernstgemeinten Rat, nach Frank-\nreich zu ziehen und statt über Moliere und Rostand\nVorträge über den „deutschen Dichter Ludwig\nFulda\" zu halten. Niemals hätte iöh's mir so schwer\nvorgestellt, den Berliner Lokal-Anzeiger darüber\naufzuklaren, daß es in puncto „Dichten\" mit dem\nReimen nicht getan ist. Daß Ludwig der Reimer\neinmal für den Schillerpreis in Vorschlag gebrach t\nwurde, beweist jdoäi genug gegen die\n\nNeben der Brüsseler Ausstellung\nI\nVon R. Laudon\n\nLouis Foulda\n\nSchlechte Dichter / III / Gustav Frenssen Samuel Fridolin\nVerfasser von Jörn Uhl / Hilligenlei"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.6", "texte": "dicfiterisclie Begaüurig. Denn gegenüber 'dehn\nJammerstück „Talisman\" werden ja selbst Herrn\nRostands Dramen zu Meisterwerken. Aber der Lokal-\nAnzeiger will, daß Ludwig Fulda, den man ad hö£\nschnell zum „Vortragsmeister\" ernennt (endlich ein\nNachfolger für Strakosch!), durch die Vorlesung\nseiner Stücke deutsche Kultur nach Frankreich\nbringt. Der Lokal-Anzeiger möge sich aber merken,\ndaß man uns in Paris vor allen Dingen im Kitsch\nüberlegen ist. Auch in Frankreich dichten die An-\ngestellten der Bonbonfabriken, auch1 in Paris\nkommen die Rostands in die Akademie Frangaise.\nAber ihre Bonbons schmecken besser als die deut-\nschen. In Frankreich ist man so galant, den Schund\nzu parfümieren. Er riecht wenigstens gut. In\nDeutschland verlangt der Lokal-Anzeiger und die\ngesamte Ii te raturbeh er r Sdhe nde Zeitungsclique, daß\nder üble Geruch Fuldascher ißeimereien für den\nechten Duft der deutschen Poesie gehalten werde.\nBleibt Fulda nichts übrig, als1 in Paris seine\nMoliere-Uebersetzungen vorzulesen. Die Comedie\nkann was lernen. Jules Cläretie wird ihn\nzum Vortragsmeister ernennen, da jeder seiner frisch'\nvom Conservatoire [übernommenen einige hundert\ndeutsche Acteurs; (will sagen: Brummer, Grunzer,\nKnurrer) beschämt. In einer Matinee wird Herr\nLouis Foulda seine gesammelten Moliere-Ueber-\nsetzungen vorlesen, nachdem er zuvor einen Eid ge-\nschworen hat, daß es auch ganz gewiß Möllere ist.\nDann wird ein Dolmetscher die Fuldas'chen Con-\nfitüren ins Französische übersetzen. Und man wird\nin Frankreich staunen, was für ein zuckersüßes,\nsauberes und adrettes Kerlchen dieser Moliere war.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nBimini\n\nDer Schwindel mit der Kunst\nBerlin besitzt ein „Zentralorgan für die Reichs-\nhaupts tadt\". Diesen stolzen und nicht genügend be-\nachteten Untertitel führt der Berliner Lokal-Anzeiger.\nEine annähernd vorbildlich redigierte Zeitung. Ganz\nohne Scherz. Denn die Herren, die sich seine Mit-\narbeiter nennen \"\"dürfen, Tiaben Gotseidank keine\nAnsichten. Der größte Vorzug, den man einer\nZeitung nachsagen kann. Es ist für Politik, Wissen-\nschaft und Kunst interesselos, was irgend ein Mit-\nbürger darüber denkt, auch wenn er Sich in der\nglücklichen Lage \"befindet, seine Gehirntätigkeit\ngegen Honorierung veröffentlichen zu können. Aber\nauch August Scherl1 wird ehrgeizig. Er richtete vor\nnicht Zu länger Zeit eine Rubrik ein, die den sym-\npathischen Titel „Wovon man spricht\" führt, und\nleider Ansichten preisgibt, die zur Volksverdummung\ndas' Ihrige tun. Doch auch hiermit begnügte sich\nder Ehrgeiz des plötzlich meinungslüsternen Ver-\nleger nicht. Er wandte seinen Sinn den bildenden\nKünsten zu. Mit seiner Hilfe glückte es bekanntlich,\ndie äußerst wertvolle Tätigkeit des Herrn von\nTschudi zu unterdrücken. Dieser Sieg spornt ihn\noffenbar zu neuen Untaten an. Und während er\nfrüher sich ider Hilfe eines angeblichen Deutsch-\nAmerikaners1 bediente, der sich1 über die neuen\nKunstzustände in Berlin nicht fassen konnte, schickt\ner jetzt eine schlechte Romanschriftstellerin ins Feld,\ndie die Provinzialen über die Sezession aufklären\nsoll. („Briefe einet ProVinzialin aus Berlin\"). Diese\nDame hat Talent, ich möchte sie der Vossischen\nZeitung als Nachfolgerin des pietsChvergnügten\nHerrn empfehlen. Man muß eine Herkulesarbeit\nverrichten; kaum hat man der Hydra einen Kopf\nabgeschlagen, so wachsen ihr hundert neue. Und\n'die Dame Vom Lokal-Anzeiger kann mit ihrer Kunst-\ndummheit noch ganze Millionen ergiebig versorgen.\nDas Publikum 'bezeichnet gern selbstbewußte\nKünstler als größenwahnsinnig. Was für ein Wort\nbleibt aber für solch ein Dummchen übrig, daß es\nwagt, über Künstler wie Manet zu urteilen. Das\nDummchen behauptet sogar, eine Ueberzeugung zu\nhaben, und fühlt sich verpflichtet, immer mal wieder\ndie Natur und den gesunden Menschenverstand zu\nVerteidigen. Nach1 der neueren Terminologie be-\ndeutet gesunder Menschenverstand die Frechheit,\ngeistige und künstlerische Dinge zu bewerten, die\nmit Hilfe der Fiebel und des kleinen Einmaleins\nnicht aufzufassen sind. Welche Perspektiven er-\nöffnen sich da für diesen sechsten Sinn, dessen Vor-\nhandensein übrigens die Betätigung der natürlichen\nSinne logischerweise und restlos ausschließt. Und\nebenso konsequent beruft sich der Besitzer dieses\n„Verstandes\" stets auf die Natur. Nämlich die\nNatur, wie er sie sieht, unsinnliche Vorstellungen,\nzusammengesetzt aus vagen Gegriffen von Schön-\nheit, Ideal, aufgefaßt mit der Weisheit der Tatsachen\n(der Mensch hat zwei Beine und weiße oder\nschwarze Haut) und der staunenden Welt im Gou-\nVernantenton übermittelt: „Und ich sagte Ihnen,\ndaß ihr vergötterter Manet gar kein Historienbild\nsei, weil1 die ganze Historie darauf erlogen sei,\nvon Anfang bis* zu Ende.\" Da haben wir den\nsechsten Sinn in Klammern hoch zwei. Ueberhaupt:\nder ganze Schwindel1 mit der Kunst ist erstunken und\nerlogen. Diese frechen Hochstapler denken etwas aus\nin Worten, Tönen, Farben und das soll der gebildete\nanständige, ehrliche Mann sich ansehen, anhören\nund sogar Geld dafür ausgeben. Auf, Mitbürger,\nkämpft gegen die Lüge, alias! Phantasie, ins Ge-\nfängnis mit den Betrügern alias Künstlern. Die\nProvinz bietet Euch durch das' 'Dummchen vom\nLokal-Anzeiger die schwesterliche Hand gegen\nBerlin. Gegen die Stadt, mit rüden Einwohnern, die\nsich sogar einen Herrn Manet bieten lassen, der\nfalsche Historien malt! Das 'ist das Ende.\nAugust Scherl hat das seinige getan. Am\n27. Juli 1910. Jetzt muß sich alles, alles total\nwenden. Ein leiser Trost bleibt. Wer durchaus\nnicht vom Kunsthumbug lassen kann, dem empfiehlt\nder Lokal-Anzeiger die große Kunstausstellung. Ein\nDiplomatenstück: wer diesem hinterlistigen Rat\nfolgt, ist definitiv vom Wahne geheilt. Denn Lange-\nweile wirkt selbst bei Paranoia Wunder. Trust\n\nAm Kurfürstendamm\nWas mich im vorigen Winter traurig machte\nElse Lasker-Schüler\nBlumen werden bald blühen an beiden Seiten\ndes Reitwegs' am Kurfürstendamm. Wenn die lieb-\nliehen Reiterinnen an all dem Duft vorbeigaloppieren\nwerden, dann ist es! zu spät, ihnen zu sagen, Haß\ndie buntlachende Allee gesprengt wurde mit Schweiß\nund Blut Peitschender und Gepeitschter. Die Pferde\nvornehmer Landauer tanzen, ihre schwarzen Augen\nzünden vor Leuchten. Ich beginne sie mit ihren\ngeplagten wiehernden Brüdern zu beneiden. Die\nkönnen nicht weiter durch den Hügel an Hügel\naufgeworfenen Erdboden; ihre Hufen mußten sich\nselbst den Schmerzensweg bereiten. Da gibt es\nkein Pardon! Auch kein Mitleid der Spaziergänger,\nniemand will was mit den Fuhrleuten zu schaffen\nhaben; in den neumodischen, wogenden Busen \"der\nDamen pocht kein Herz. Sie verhindern sogar ihre\nMänner, sich in Straßenangelegenheiten zu mischen.\nMandhimafl stellen sich Kinder auf zur rechten und\nlinken Seite des Dammes. Für sie ist es eine Unter-\nhaltung, ein wirklicher Kientopp. Heute besah sich\nein Schützmann den unerhörten Vorgang. Aus\neinem Bäckerladen schickte eine Käuferin für die\nPferde alte Semmeln. Ich1 sah über dem Gesicht\ndes uniformierten Mannes eine kräftige Freude\nmarschieren. Und ich bat ihn, ob er nicht\neingreifen wolle. Er erklärte mir, die Fuhrleute\nsind nicht so schlimm, wie ihre Brotgeber. Weigert\nsich einer der Angestellten wegen der nicht ge-\nnügenden Anzahl Pferde an seinem Karren loszu-\nfahren, verliert er seine zwanzig Mark per Woche.\n„Da lauern sdhbn immer genug Brotlose vor der\nTüre.\" Für die zwanzig Mark. — Sie leben, sie\npeitschen, sie fluchen dafür. Ihre Roheit besteht\ndas Examen. „T)ämlich Vieh, windelweich hau ick\ndir, faulet Luder!\" Die Wut rinnt den Unmenschen\nüber die Backen, den entblößten Hals hinab. Die\nRücken der Tiere bluten vor Hieben. Wie sollen\nsie eis anders machen ? verteidigt sie der Schutz-\nmann. Denn es dauern ihm die Treiber ebenso wie\ndie Pferde. Die Treiber, die nur zwlanzig Mark\nverdienen pro Woche und sich slo plagen müssen\nmit dem Vieh. „Es' ist doch mal1 Vieh, es ist doch\nzum Ziehen da!\" Ein paar 'Bürger stimmen ein\nin den bequemen Sang. Röhren sollen gelegt\nwerden zum Ablauf des Wassers. Die Blumen,\ndie bald auf beiden Seiten der Allee wachsen,\nmüssen bewlässert werden. Gibt es denn keine\nMaschinen, die die Erde schließlich aufwiälzen\nkönnen? meint ein sechsjähriger kleiner altkluger\nIngenieur. Er Hält auch eine Maschine im kleinen\naus einem Spielwarengeschäft in der Hand. Die\nMänner toben. Wilde Australneger sind Engel da-\ngegen mit ihrem Schlachtgeschrei. Ich aber fühle\nebenfalls die schwere Schuld, die die Besitzer dieser\nFuhrunternehmen treffen. Vorwurfsvoll schielen\nseine Knechte über die gefräßigen Pferde auf uns :\nSie hätten selbst Hunger. Endlich aber entschließen\nsie sich, nach all den Vergeblichen Peitschenhieben,\ndie Pferde umzuspannen. Zu S'echsen geht es doch\nbesser über die holprige Strecke. „Ich hab das\ngleich1 gedacht\", gesteht der Schutzmann. „Aber\nsagen Sie mal was' zu den Leuten!\" Wenn die\nlieblichen Reiterinnen im Sommer auf ihren Ver-\nwöhnten Schimmeln durch die Allee des Kurfürsten-\ndamms reiten, wird der Geranium zu ihren Seiten\nrot wie die vergossenen Blutstropfen der armen\nPferde blähen. Sie hatten alle traurige Augen urfd\nließen die Köpfe hängen.\n\nV\n%V\nits,?**.'\ni\nAl~lW . ~. - K \"\nn••«-« IAVIvV\n\\ t vY \\\\V%V ■i4-\\Z.\nC * • •••v v *h\n\\ ?■'■:- :Ji\nk Km \\% \\ •\n£ - 'J'':\n- 'v -; - i.,.-vi -X '\n'■v - ~ - ..\nWenn bas von If)nen bister gebraudpte (Dunbwafjer 3U\n£nbe iff, fo empfetyen wir itynen, an beffen Stelle einen\nVerfud) mit Kosmln 311 madden. Sie vverben finben,\nbafc Sie biefes in gan3 befonberem (Dafce befriebigt, benn\nKosmln f)at iiberaus Wol}lge{d)mach,\nhonjerviert bie unb bas 3al)nfleifd).\nSlafrfje GDk. 1.50, lange ausreirf)enb, überall hauflicf).\nppi"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.7", "texte": "Auslieferung fSr Osterreich-Ungarn A. Müfalhans-Smitai Wien IX / Für den Buchhandels M. Braumchweig Wien IX / Verantworte fflr die Schriftleitung in Osterreich-Ungarn: Otto So*ka\n\n.SECESSI°N;\nIN \"DER\n6ALERIE\n/WXIMILIAM\n•/nACHT\nSv:\nw\nw\n%\n§?•\n&\n9>\ne>\n«r\nTEIkU\nHB6EWIESE\nKuNSTLER\nDER\nBERLINER\nwm\n112\nt\n4\nBERLIN .w5O\nKANKE STr\nTAPp£&r>\n«* ' j\nI. I. -. n - -\n\n:: Verlag DER STURM\nUnser Plakat, Kiinstlerlithographie in Drei-\nfarbendruck von OSKAR KOKOSCHKA\nist soeben erschienen. Den Buchhandlern\nund Verkaufern unserer Zeitschrift stehen\nExemplare kostenlos zur Verfiigung. Preis\nfur Plakatfreunde M 1— / Vorzugsdrucke\n(i*>o Stack) M 5— nur direkt durch den Verlag\nDER STURM, Berlin - Halensse - -\n\n! FORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteranenstrasse 19 Telephon Ami 111, 8164\nDETECTIVABTEILUNO: Ermittelungen, Beobachtungen,\nHeranschaffung von Material In Civil- und Strafsachen\n\nDer schonsK Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. NSheres die\nBo<Uw9«s<mcbaf! des mauerstr, $6-$$\nTelephon I, 7497\n\nDER DEMOKRAT j\nWochenschrift fur freiheitliche |\nPolitik / Kunst und Wissenschaft a\n■\nErscheint jeden Mittwoch |\nI\n■\nNummer 10 Pf. / Quartal Ml S\nProbenummern frci d. G. Zepler J\nCharlotteiiburjf Bismarckstr. 103 |\n\n:: PROBENUMMERN ::\numsonst u. portofrei durch die\nGeschaftsstelle „DER STURM\"\n\nijiiiitiiiiiiiiiriiiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii\nDieSacftel\n1 HERAUSQEBER g\n1 Karl Kraus 1\nH H\nI:: Mr. 305/6 :: 1\n~ t |£\nsoeben erschienen M\n— =3:\n= as.\n3 Preis 50 Pfg. f§\n| Aus dem Inhalt:\nSchonebeckmesser ::\nDie Kretensische Frage H\nH M\n1 LIBERALL ERHALTLICH j\nlll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!lltlll!lllllillll!lllll!!l!lllllllllllllllE\n\n(%A\\J7JA\nifujvol* J OIA\nfIAVAWMWXw (f\\uM4U\nHi\n\nVerlag „Der Sturm\"\n% # ■\nWir übernahmen inunsernV erlag\nHerwarth W alden\nDAFNISLIEDER\nFiir Gesang u. Klavier / 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\n| durch den Verlag' DER STURM\n® Halensee / Katharinenstrasse 5 *\nu ■\nB 3\nHBMiaBBIIOI HO ■■■■■■■#■ ■■■■■■*•■ SB\na\n\n„Der Forsoher\"\nlilustriertes Zentralblatt flir deutsche\nForschung\nHerausgeber: Bund deutscher\nForscher, Hannover, unter hoher\nEhrenprasidentschaft Sr. hoch-\nfiirstl. Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe. Redaktion:\nGeorg August Qrote, Hannover\nJ&hrlich zwOlf staike Hefte mit Bei-\ntrSgen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deulscher\nForscher erhalten den ..Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK 6.—, fOrdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7.20. Jahresabonnement Mk. 5.50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbemimmer gratis und franko\nInserate finden im „Forscher\"\n.*. wirksamste Verbreitung\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\nO Geschaftsstelle: O\nForscher - Verlag Hannover\n\nDie sparsame Hausfrau nungsbeieuchtung! Rechnen Sie\nsich aus, was Sie im jahre fur den Bedarf an Gliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHartalin-Gliihksrper D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusammen-\ndrucken kSnnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Hartalin-Gliihkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50%. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Prels p. 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Oder direkt vom Yerlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10\n\nI\nA\ns\n3?\n■V-\nV/\n9J\nrv\nvS1\no\n1\n%\nC,\n■V.\nOz."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100804-01.1.8", "texte": "Verantworte f. d. Anzeigenteil: A. Bots / Verlag Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle und Anzeigen-Annahme: Berlin W. 35 / Druck v. Hani Walter,! Berlin SW.I 3\n\nFritz Gnrlitt I Hofkunsthandln&g I Berlin W\nPotsdamerstrasse 113 Villa II\na B\nAusstellung von deutschen ffleisterwerken:\ngocßlin n L&eibl n ° L&iebet?mann ° Ti?iibnet? cfc. etc\n©\n□\nWochentags von 10—5 von 12—2fgeoffnet\n\na\n0\nft\np\nD\nJ:\nXI\n1\nt\ni±\ns\n!±t\nt\n'-f-\n-5\nI\nttt\nt:\n112\n4—l\nsS\nM:\nmi e»\nmm\n$$ rst\nr>x\nfC-V V XZr\nlift. w\nS®s§\nI\nw&i\nvi'f\n&\n'. ■■r?:-iSS!5i\n' Li\ncan: troCKE«\n:PPFERBER6 RIESLING!\n%•\n;:\nHOrtIEFERANT6N\nr 1:-\nAW\nU_J-\ni i J\n€]Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schoit\nals solcher unerreicht dasteht, als Sect seine bochste Voll-\nkommenheit erlangen muß. —\n40 Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\n(Riesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad1 Kupferberg &C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundet 185J\n\\ Ueber Bedeutung voii \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten AufschluJS."}]}