{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_sha256": "bd9824d8f0f4e17db482614d19bf1ce7735a90ef8ec91da1829a53ebe45ae1ec", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/08/11_01/bmtnabg_1910-08-11_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/08/11_01/bmtnabg_1910-08-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "187", "page_fin": "187", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.1", "debut_caractere": 552, "fin_caractere_exclue": 801, "texte": "INHALT:\nKURT HILLER: Über Kultur / OTTO\nSTOESSL: Ludwig Speidel / DESIDER KOSZTO-\nLANYI: Gedichte / PAUL SCHEERBART: Luftquallen /\nOTTO SOYKA: Sommerfrische / TRUST: Quellen\nreifen / Lebensweisheiten und Weltanschauungen /\nOSKAR KOKOSCHKA: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "187", "page_fin": "188", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.2", "titre_corps": "Über Kultur : I", "titre_sommaire": "Über Kultur : I", "signature_source": "Kurt Hiller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.1", "debut_caractere": 803, "fin_caractere_exclue": 8984, "texte": "Über Kultur\nI\nVon Kurt Hiller\nIm sechsten und letzten Kapitel seiner „Philo-\nsophie des Geldes\" spricht Georg Simmel über den\n„Stil1 des1 Lebens\". Der zweite Abschnitt dieses\nKapitell, handelnd über den Begriff der Kultur und\ndas durch1 die Arbeitsteilung verursachte Aus-\neinandertreten von objektiver und subjektiver Kultur,\nist ein klassisches Stück neuerer deutscher Philo-\nsophie; ein Kleinod von Geistigkeit, in edel-kaltes\nPiatina gleichkam zu fassen und auf Sammet zu\nbetten.\nVon dem, was1 der Künstler des Gedankens hier\ngibt, sei zunächst die Essenz herausgeholt und in\nwenigen Worten aufgefangen:\nWenn wir die Verfeinerungen des1 Lebens, seine\nvergeistigten Formen, die Ergebnisse der inneren\nund äußeren Arbeit an ihm, aIS Kultur bezeichnen,\naIS Kultur jene Steigerung natürlicher Keime und\nTendenzen über das Maß der Entwickelüng, Fülle\nund Differenzierung hinaus, das ihrer bloßen Natur\nerreichbar wtäre, so werden wir sagen können: Im\nVergleich mit der Zeit vor hundert Jahren sind die\nDinge, die unser Leben sachlich erfüllen und um-\ngeben, Geräte, Verkehrstnittel, die Produkte der\n.Wissenschaft, der Technik, der Kunst — unsäglich\nkultiviert, aber die Kultur der Individuen, wenigstens\nin den höheren Ständen, ist keineswegs im selben\nVerhältnis vorgeschritten, ja, vielfach sogar zurück-\ngegangen. Ein irgendwie belangloses, aber doch\näußeret charakteristisches Symptom: der Gesichts-\nkreis1, aus dem die Konversation ihre Gegenstände\nschöpft, hat sich objektiv, durch die vorgeschrittene\nTheorie und Praxis, in diesem Zeitraum erheblich\nerweitert, und doch1 scheint es, als ob die Unter-\nhaltung, die gesellschaftliche wie auch' die intimere\nund briefliche, jetzt viel flacher, uninteressanter und\nweniger ernsthaft wäre, als am Ende des achtzehnten\nJahrhunderts. — Ein anderes, bedenklicheres\nSymptom: Es' operieren selbst die kenntnisreichsten\nund nachdenkendsten Menschen mit einer immer\nwachsenden Zahl von Vorstellungen, Begriffen,\nSätzen, deren genauen Sinn und Inhalt gie nur ganz\nunvollständig kennen; die ungeheure Ausdehnung\ndes objektiv vorliegenden Wissensstoffes gestattet,\nja erzwingt den Gebrauch von Ausdrücken, die\neigentlich wie verschlossene Gefäße von Hand zu\nHand gehen, ohne daß der tatsächlich darin Ver-\ndichtete Gedankengehalt sich für den einzelnen <je-\nbraucher entfaltete. — Alle Kultur der Dinge ist eine\nKultur der Menschen, und in Spradhe und Sitte,\npolitischer Verfassung und Religionslehren, Literatur\nund Technik ist die Arbeit unzähliger Generationen\nniedergelegt, als! gegenständlich gewordener Geist,\nvon dem jeder nimmt, $o viel er will oder kann,\nden als!- Komplex aber kein einzelner ausschöpfen\nkönnte. Diese verdichtete Geistesarbeit der Kultur-\ngemeinschaft verhält sich also zu ihrer Lebendig-\nkeit in den individuellen Geistern wie die weite\nFülle der Möglichkeit zu der Begrenzung der Wirk-\nlichkeit. In einem kleinen Kreise von niedriger\nKultur wird dieses Verhältnis nahezu eines der\nDeckung sein, die objektiven Kulturmöglichkeiten\nwerden die subjektiven Kulturwirklichkeiten nicht\nweit überragen. Eine Steigerung des Kulturniveaus\n— insbesondere wenn es mit einer Vergrößerung des\nKreises gleichzeitig ist — wird uie Diskrepanz beider\nbegünstigen: es war die unvergleichliche Situation\nAthens in seiner Blütezeit, daß es bei all seiner\nKulturhöhe gerade dies zu vermeiden wußte. . . .\nJener schtnerzliche Effekt der Steigerung des\nkulturellen Inhalts1 und Umfangs wird verständlich\ndurch' die Arbeitsteilung, die sich (in der Produktion\nund Konsumtion) vollzieht. Das Wachsen der\nphysisch-psychischen Energien und Geschicklich-\nkeiten, das sich bei einseitiger Tätigkeit einstellt,\npflegt für die einheitliche Gesamtpersönlichkeit\nwenig Nutzen abzuwerfen; es läßt diese sogar\nvielfach verkümmern, indem es1 ihr ein für ihre\nharmonische Gestaltung unentbehrliches Kraft-\nquantum entsaugt. — So ergibt sich das Gemälde\nder Zeit, in welchem der Kulturinhält immer mehr\nobjektiver Geist wird; und die wunderliche Erschei-\nnung wird begreiflicher: daß in dem Maße, in dem\ndiese Objektivation vorschreitet, die kulturelle Stei-\ngerung der Individuen hinter der der Dinge merkbar\nzurückbleibt.\nDies etwa ist der Kern der SimmePschen Aus-\nführungen. Wie es! dem durch und durch unkämpfe-\nrischen, nur-kontemplätiven, allzu apollinischen Tem-\nperament dieses Psychologen entspricht, unterläßt\ner es, jener analysierenden Wirklichkeitsbetrachtung\neine Wert-Erörterung, eine Kritik oder gar ein\nEthos-durchlohtes System sozialer Umgestaltungs-\nideen hinzuzufügen. Man wird daraus1 nidit\nschließen müssen, daß Simmel mit den Zuständen,\ndie er schildert, einverstanden sei; mich deucht eher,\ner beklage sie, dränge aber seine Unzufriedenheit\nzurück, weil es! ihm unangemessen scheint, Sym-\npathien und Abneigungen, Wertgefühle und Wollun-\ngen in wissenschaftliche Explikationen hineinspielen\nzu lassen. Diese Enthaltsamkeit von EthoS und\nPathos bietet freilich einem Gemüte, das wenig von\nEthos und Pathos enthält, geringe Schwierigkeiten,\nund eine in ihrem Mark so unpolemische Persönlich-\nkeit, wie Simmel, hat eS leicht, die Forderung der\nNeutralität und Zurückhaltung nicht nur zu erheben,\nspndern auch zu erfüllen.\nIch weiß nicht, ob tatsächlich Wertung des\nSeienden den Kreisi derjenigen Aufgaben üiber-\nschreitet, die sich die Wissenschaft gesetzt hat —\neine Entscheidung darüber hinge ja auch von dem\nBegriff ab, den man sich von „Wissenschaft\" macht;\nsollten aber wirklich! Wertung und Wissenschaft\nunvereinbare Dinge sein, so wäre damit doch nichts\ngegen die Berechtigung wertender Tätigkeit gesagt;\nhöchstens etwas gegen die quantitative Zulänglich-\nkeit der Wissenschaft! Wird eine Weise des\nDenkens, eine besondere Art von Problemstellung\n„unwissenschaftlich\" genannt, so bedeutet das an\nsich keine Verdammung dieser Art und Weise,\nsondern lediglich1 eine — allerdings negative — Ein-\nrangierung ihrer in das! große Schubfachwerk der\nSeelenfunktionen; es1 wird dadurch sozusagen ihr\nmetaphysischer Ort als außerwissenschaftlich be-\nstimmt. —\nGerade nun, wenn die Wissenschaft irgend eine\nProblematik Von sich' weist, sich also für die Be-\nantwortung dieser Steckenden Fragen für\nmehr als unfähig, für inkompetent erklärt, be-\nsteht die intellektuelle Pflicht, sich solcher Probleme\nanzunehmen; sie frieren, diese armen Verstoßenen,\nund verlangen nach unwissenschaftlicher Wärme,\nLiebe und Begeisterung.\n*\n* * *\nMir scheint das vehemente Auseinanderfallen\nvon vergegenständlichtem Geist und individualer\nKultur zu den widerwärtigsten Mängeln unseres\nZeitalters zu gehören. Was frommen Erhabenheit,\nDifferenzierung und Fülle, wenn kein einziger Ein-\nzelner ihrer teilhaftig werden kann? Sie schaden\nnur; denn sie stiften jene fürchterliche Zerfahrenheit,\ndie dieser Epoche in philosophischer, künstlerischer\nund politischer Beziehung eignet; (eine Zerfahren-\nheit, die darum nicht an Beklägenswürdigkeit ver-\nliert, weil allerhand grenzenloses Neologenvolk, Kos-\nmiker, Werdandioten und Monistenbündler, ridikül\nund bärtig mitjammert).\nSoll man aber darum in die Trompete RousSeaus\nblasen? Zur Einfachheit und zum Landleben, zum\nUrmenschentum zurückrufen? In den Retour-\nnonsen s verfallen ? Ich, bitte, lehne das ab; teils\nweil1 ich die Wiederbelebung solcher Zustände für\nunmöglich halte, teils weil ich mir von ihrer etwaigen\nVerwirklichung eine Erhöhung der irdischen Langen-\nweile verspreche. —\nWie aber, wenn in der Tat kein Individuum\nheute mehr imstande ist, den objektiven Geist seiner\nZeit auszuschöpfen? Dies behauptet doch Simmel.\nAber mir scheint hier eine Art Verwechselung vor-\nzuliegen. Simmel ist, wiewohl er sich theoretisch\nstets bemüht, Tatsächlichkeiten in Beziehungen auf-\nzulösen, praktisch! hier noch! zu seht Diener des\nFaktums geblieben. Freilich läßt sich, ihren In-\nhalten nach, die jeweils objektivierte Kultur einer\nEpoche von einem Einzelnen nicht ausschöpfen;\nwohl aber vermag er das!, was diesen Inhalten ersf\nden Charakter der Kultur verleiht, das Funktionelle\nan ihnen, ihre Art, ihre Form, vollständig in das\neigene Ich aufzunehmen, feiner Persönlichkeit\norganisch! einzufügen und einzuschmelzen.\nNicht das!, was verfeinert ist, sondern die\nVerfeinerungen „auszuschöpfen\" r—das"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2951, "texte": "scheint mir „subjektive Kultur\" zu bedeuten. Aller-\ndings wird dann der Begriff „Kultur\" wesentlich\nenger gefaßt, afe bei Simmel. Unter den Er-\ngebnissen differenzierender und vervollkommender\nMensChenarbeit werden alle die aus der Umfangs-\nlinie dieses Begriffes heraustreten müsisen, die für\ndas' spezifisch-geistige Leben ohne Erheblichkeit\nsind: al&o insbesondere Erhöhungen der Bequem-\nlichkeit und der Sicherheit des1 Verkehrs, Errungen-\nschaften der Technik und der rechtlichen Ordnung;\nall das, was Siege repräsentiert über ungeschlachte\nUrtümlichkeit, Bändigungen von Naturkräften oder\nrohen Menscheninstinkten, kurz: alle die Ver-\nfeinerungen, für die unsere Sprache ja ein be-\nsonderes Wort bereitstehen hat: „Zivilisation\".\nSo bleibt unsl denn „Kultur\", dieser so oft und\narg mißbrauchte Ausdruck, als nichts anderes übrig,\ndenn als die Bezeichnung für einen logisch kaum\nfaßbaren, aber gefühlsmäßig doch recht bestimmten\nVerfeinerungsgrad der Bewegungen und Funktionen\neiner Seele; und zwar möglichst vieler dieser Be-\nwegungen und Funktionen: die ideale Persönlich-\nkeit unter dieser Kultur-Perspektive wird die sein,\nderen Nerven zum Genießen zartester und selt-\nsamster artistischer Sensationen organisiert sind,\nderen Intellekt sich in die tiefsten Tiefen und in die\nspitzesten Spitzen der Problematik dehnt, deren\nLebensführung Voll Adel ist und im Verkehr mit\nanderen oberste Stufen des Taktes, des Esprits und\nder subtilen Anmut erreicht.\nErfüllt sich so die Idee des „kultivierten\"\nMenschen mit der neben dem bloßen Ethos der\nVerfeinerung bestehenden Forderung, daß diese\nVerfeinerung Eigentümlichkeit alles Erlebens und\nBetätigens werde, daß sie in den Charakter ein-\ngehe, sich nicht mehr auf das Denken allein oder\ndiaaf Empfinden allein oder das soziologische Ver-\nhalten allein oder auf sonst ein besonderes Ver-\nmögen erstrecke, sondern universal sei —: so\nverwandelt sich damit die Formel „Kultur\" in eine\nBezeichnung für das1 höchste Lob, das wir, außer\ndem Lobe der schöpferischenl Kraft, einem Menschen\nspenden können.\nEine Lobesformel; und zugleich so etwas wie\nein Programm, ein leitender Stern, eine Idee, ein\nregulatives Prinzip für Erziehung und Selbst-\nerziehung. Und zwar eines', das TS 11 licht identisch\nist mit dem Kulturideal, das vor hundert Jahren in\nden erlauchtesten Gemütern lebte. Jene „Bildung\"\nnämlich, welche die Herder und Goethe, die Schiller\nund Humboldt, die Novialis und Schlegel in ihren\nethischen und psychagogischen Apercus anpriesen\nund Verlangten, ist doch! wohl nichts anderes als die\nVerleinertheit aller individuellen Anlagen; ein rein\nqualitativer Begriff; — daß nun das Wort\n„Bildung\" im Laufe desi Jahrhunderts seinen quali-\ntativen Begriff immer mehr verlor, bis es sich\nschließlich vorbehaltlos einem durchaus quanti-\ntativen attachierte, das ist ein Symptom und ein\nSymbol für den erörterten rückschrittlichen Prozeß,\nden die slubjektive Kultur in diesem Zeitraum\ndurchgemacht hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "188", "page_fin": "190", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.3", "titre_corps": "Ludwig Speidel", "titre_sommaire": "Ludwig Speidel", "signature_source": "Otto Stoessl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.2", "debut_caractere": 2973, "fin_caractere_exclue": 12764, "texte": "Ludwig Speidel\nVon Otto Stoessl\n\nSeine Bedeutung als schöpferischer Geist, als\nBewahrer großer künstlerischer Heimatswerte in\neiner Zeit vielfach zerstörender Triebe, wird ihm\nin der ganzen deutschen Welt, nicht bloß in Wien\nbestätigt und gedankt werden, nachdem jetzt die\nvieten einzelnen Blätter zu einem Ganzen vereinigt\nsind, deren Sammhing er bei Lebzeiten sich1 spröd\nentzogen hat.\n\"Ludwig SpCfelel war und bleibt einer der Schrift-\nsteller Von erstem Range; auf ihn mag insbesondere\ndie Geschichte unserer Sprache als Beispiel hin-\nweisen, wie isjie in der abhandelnden Prosa Körper-\nlichkeit, blühendes Licht und Farbe, Wohlklang und\nZartheit, männliche Führung und anmutigste Bewe-\ngung, kurz alle Reize der Poesie selbst entwickeln\nkönne. In eine unwürdige Tagespresse verirrt, war\nSpeidel Vielleicht der Letzte, der sie zu ertragen,\nja eben dadurch zu erheben wußte und ihr reichlich\nzurückgab, was er ihr verdankte; denn seine Stel-\nlung war Von einer Macht begleitet, die, an seine\nPersönlichkeit gebunden, in Zukunft kaum wieder\neinem unabhängigen Geiste in solchem Umfange zu-\ngestanden werden wird.\nDer Journalist übt ein Metier, der Schriftsteller\nhat einen Beruf. Im Wesen des Schriftstellers liegt\nes, aus seiner Natur und Bildung zu völlig in ihm\nbeschlossenen, nicht wahllos von außen aufge-\nnötigten Fragen ein besonderes Verhältnis zu ge-\nwinnen und darzustellen, wodurch1 er wieder andere\nin seine Lebensrichtung zu führen vermag. Da-\ngegen bestimmt der Journalist gar nichts, sondern\nmacht als willenloser Zeiger des wechselnden Ge-\nschehens nur die Gebärden der Aktion, während\ndie Naturkraft der Ereignistsie sich' auf seine Worte\nüberträgt und sie wie Windmühlenflügel in Be-\nwegung setzt. Für die Zeitung allsj solche ist der\nSchriftsteller nichts als ein eitler Dekor ihres öko-\nnomischen, mechanisch-präzisen Geschäftes, sie\nsucht ihn in seinen \"besten Kräften auszunutzen,\naber zugleich seiner Selbstbestimmung zu entziehen,\nindem sie ihm die Gegenstände seiner Arbeit auf-\nnötigt und ihn zu einer Oberflächenbehandlung\nzwingt, die ihr gemäß ist, aber sein eigenstes Wesen\ngeradezu auflöst. Aus dem Kampf, der Vereinigung,\ndem gegenseitigen Nachgeben, Bedingen und Be-\nharren dieser zwei unversöhnlichen, intimsten\nFeinde: Zeitung und Schriftsteller ist denn auch —\nnamentlich in Wien und durch Speidels besondere\nBegabung — eine Art von eigener Kunstgattung\nund -Übung hei Vorgegangen: das Feuilleton. Der\nGeist, die Auffassung und Technik dieser kostbaren\nGeringfügigkeit — der Unsterblichkeit eines Tages,\nwie Speidel sie nannte — sind in Wien so allge-\nmein geworden, daß man ruhig sagen kann, die\nZeitung habe hier wie so viele andere Güter, auch\ndie Poesie, das Feuilleton hjabe die Literatur ver-\nschlungen. Abgesehen von Speidels Arbeiten, ist\naber an all der gepriesenen Gefallsamkeit nur mehr\nein Schein von Kunst und tieferer Betrachtung;\nin Wahrheit ist der Schriftsteller aus diesem 'Gebiete\nfast ganz hinausgeschoben worden vom Journa-\nlisten. Das schlechte Geld verdrängt das bessere.\nDaß aber diese Form — ausgereifte Improvi-\nsation, durchdachte Augenblicksreagenz — in ihrer\nparadoxen Verlockung für einen Schriftsteller, wie\nder Journalismus selbst, ebensoviel Anziehendes wie\nAbstoßendes haben mag, gerade genug sie zu\nsuChen und wieder ztr verachten, begreift sich gern.\nDie Natur Speidels zumal hatte etwas Impulsives,\nihr schöpferischer Trieb entfaltete sich und welkte\nbald nach dem wirkenden Augenblick. Seine Frucht-\nbarkeit bestand nur vermöge der Fülle der Ein-\ndrücke, die ihm der Tag brachte, und des journa-\nlistischen Zwanges, sich mit ihnen vor dem Publi-\nkum auseinanderzusetzen. Freilich hatte dieser\nformschöpferische Geist, dieser gefühlige Dialek-\ntiker eine solche Ehrfurcht vor dem Unwiderruf-\nlichen des niedergeschriebenen Wortes, daß er\njedesmal den ganzen Widerstand der Sprache\ngegen die Leichtigkeit und Eile ihres täglichen Ge-\nbrauches empfand; aber, indem er ihn besiegte\ndurch eine vertiefte, zögernde, doch in der ent-\nschlossenen Wahl sichere Weise desi Ausdrucks,\ngewann er eben eine bildnerische Dauerhaftigkeit\nüber Anlaß und Moment hinaus und setzte seinen\nBeruf gegen das Metier durch.\nDiese harmonische Plastik der Prosa Ludwigs\nSpeidels, diesC Monumentalität im Kleinen, der weite\nHorizont, der hinter allen den gefaßten und knappen\nGebilden sich öffnet, werden erst jetzt ganz er-\nkannt werden, da seine Schriften aus der trüben\nUmgebung einer fragwürdigen Institution endlich\ndauernd herausgestellt, sich selbst zurückgegeben\nsind. Freilich wird man dann auch die geistigen\nGefühls- und Urteilswidersprüche und die Grenzen\nseiner Eindrucksfähigkeit und Bewegung deutlicher\nerkennen, aber auch zu würdigen wissen, was man\nihm bisher bloß anzuschulden liebte: nur der un-\nheilvolle Mißbrauch, den die Zeitunig in jedem Mei-\nnungsstreite dadurch mit ihrem Urteil treiben darf,\ndaß sie, Richter in eigener Sache, ohne Wider-\nspruch1 mit Außerachtlassung der Gegner spricht\nund immer nur sich' selber hören will, ließ die mäch-\ntige Subjektivität eines selbständigen Geistes als\ngefährliche Willkür erscheinen. Der Schriftsteller,\nder die Zeitung für stich hat, findet eine überlaute\nResonanz, und er entbehrt jeder Gegenrede, durch\ndie sein Für und Wider zum Ganzen in Har-\nmonie gesetzt würde. So konnte etwa in dem toben-\nden Streit um Wagner das Speidelsche Wort von\nder „Affenschande\" der Wagnersehen Popularität\neine mißliche Unsterblichkeit erhalten, oder der\ninnere Widerspruch gegen die neu aufsteigende Welt\nvon Kunstwerken und Lebenshieinungen den An-\nschein eines willkürlichen Preßpabsttums annehmen.\nEben indem Speidel' seine Selbstbestimmung und\nseinen Widerspruch als Grundrecht wahrte, nahm\ner Schaden, weil1 er an die Stelle gefesselt war, die\nüber alles zu entscheiden die Anmaßung und in\nnichts Recht zu behalten das Schicksal hat.\n'Aber selbst dort, wo er der aufgewachsenen\nUebermaCht des Neuen rrut der ganzen Gegen-\ngewichtigkeit seiner Natur sich zu einem von vorn-\nherein aussichtslosen Kampf stellt, bewahrt er die\nvolle Schönheit eines reinen, unverdorbenen Emp-\nfindens und ist gleichsam unverwundbar durch eine\nentzückende Dialektik des Gefühls.\nUnd es war ein ergreifendes SdhauspM — wie\nimmer, wenn ein Mann in der vollen Kraft seiner\nEntschlüsse, durch die höhere Gewalt der Zeit und\nder Menschheit aus seinem Selbst und darüber hin-\naus zu einem Gesiamtgefühl1 geführt wird —, als\ndie Genialität neuer Werke, ihre Natur selbst,\nwas in Speidel Elementarempfinden war, zu sich\nzwang, bis er in der großen bleibenden Einheit der\nKunst wie in einer vorzeitigen Ewigkeit, beruhigt\nund befreit, ohne Zagen und innerlich versöhnt ein-\nging, lange ehe er ätarb.\nSpeidel w'ar ein Schwabe und wahrte die ganze\nkraftvolle .Gesundheit dieses Volksschlages!, dessen\nGabe und Grenze in seinem Werke so gut und\nlauter beschlossen ist, wie in den besten seiner\nLandesgenossen. Was den Dichter ausmacht: die\nganze Hingabe an die Erscheinung, an die dingliche\nKraft und Würze Wortes, bezeichnet auch ihn in\nseiner Wohlbeschaffenheit. In der geistig werten-\nden, dialektisch sich auseinandersetzenden Aeuße-\nrung, in seinem kritischen Bedürfnis, wird er ebenso\ndurch die schwäbische Schule bestimmt, durch die\n„Schule\" freilich in engerem' Sinne, worunter eine\ngermanistisch-philologische, der innersten Anlage\ngemäße Form der Bildung zu verstehen sein möchte,\ndie das dichterische Sprachgefühl1 durch ein horchen-\ndes1 Sprachdenken und ein spürendes Sprach wissen\nvertiefte.\nFür Schwaben ist eine besondere Methode\ngeistiger Zucht typisch, die etwa ganz bewu!3t lind\ndeutlich ausgebildet erscheint im Erziehüngsgange\nder alten „Stiftler\". Diese sollen eigentlich Theo-\nlogen werden, einerlei aus welchem Wollen, Fühlen,\naus welcher kindlichen und elterlichen Lebens-\nstimmung sie herkommlen. Sie lernen zu der an-\ngestammten Derbheit und Frische den Schliff der\nklassischen Tradition, das gesunde Holz wird sozu-\nsagen gehobelt, geglättet, wodurch erst seine schöne\nMaserung, sein Kern hervortritt. Ihre zugreifende\nImpulsivität, mit allen Salben geistlicher und geisti-\nger Dialektik gesalbt, darf sich nun statt zur Ver-\nteidigung der heiligen Güter gerade zum un-\nheiligsten Angriff geschmeidig fühlen. So werden\nsie mündig, schalten mit ihren Notwendigkeiten als\nmit lauter Freiheiten, ihre Sprache, durch welche\ndie Landschaft der heimatlichen Mundart, die Ge-\nfühls- und Denkweise einer wohlerhaltenen Rasse\nschimmert, gewinnt zur angeborenen Kraft eine ge-\nwisse vornehme Haltung, sie blitzt von morgend-\nlicher Schärfe und schwingt gespannt und elastisch\nin lebendiger Latinität; die Rede der Alten wird in\nihrem Deutsch wieder geboren.\nDiese Saiten sind auch112 bei Speidel rein gestimmt\nund klingen mit allem Wohllaut einfacher Harmoni-\nsierung und volkstümlicher Melodik, mit einer an-\nmuTigen Macht und Fülle, die man nicht vermissen\nmöchte, wenn wir auch oft tieferen, verschlunge-\nneren, schwierigeren Stimmen lauschen wollen, und\nwenn auch1 herbere, strengere, geistig mannig-\nfachere, weniger bedingte und dringender bedin-\ngende, weniger abgeschlossene, aber feuriger auf-\nleuchtende, weniger in sich ruhende, als ruhelos\nsüchende und findende Naturen jeder Zeit, also auch\nder unserigen, ihren eigensten Ausdruck gehen. So\nwar Speidel — wie fast alle seine Landsleute in\nder Geschichte unserer Literatur — ein vornehm\nkonservativer, naiv anschaulicher Geist, ein kontem-\nplativer Idylliker, der sich in den unendlichen, er-\nhabenen Bedingheiten \"der Vollendeten, nicht in den\nRevolutionen und Elementartrieben der werden-\nden Welt und Kunst wohl fühlte und das! reinste\nseelische Behagen, den Genuß einer unerschütterten\nGesundheit und Zuversicht des gegebenen Daseins\nmitteilte.\nIm unverwirrten, unmittelbar einleuchtenden\nWalten der Natur und in dem klar ausgewirkten"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6871, "texte": "Bild der klassischen Lebenssicherheit fand er immer\nneuen Anreiz bewundernder, Verklärender, beseligter\nGestaltung. Hier Spiegelte ungetrübte Tiefe seiner\neigenen durchschauenden Betrachtung entgegen,\nantwortete ihm eine lautere, purpurne Unendlich-\nkeit. Das Mannigfaltigste drängte er zu einer un-\nvergeßlichen Einfachheit zusammen und gab der\nMacht der Erscheinungen eine knappe, körperhafte,\nMut- und muskelstarke Wiedergeburt im Wort. So\nkonnte er schauspielerische Erscheinungen in ihrer\nsinnlichen Spontaneität spüren wie den Liebreiz\neiner süßen physischen Berührung und festhalten.\nSo hat er — wie kein Kritiker sonst — das alte\nBurgtheater, selbst ein Stück abgeschlossenen Le-\nbens, gesehen und ganz nachgeschaffen. Mitter-\nwurzer las einmal Märchen Vor und Speidel fing\nden1 Klang, den verwehenden, versunkenen Tonfall\nder Stimme auf, wir hören ihn: „Im Märchen vom\nunsichtbaren Königreiche wird ein Flußtal geschil-\ndert, in das der Mond sdhteint. Wellen und Wald\nrauschen und erzählen seltsame Sachen. Durch' ge-\ndehnte Worte eröffnet uns der Vorleser die Aussicht\nin das lange Tal, er läßt im Worte die Musik der\nLandschaft widerklingen, man sieht hörend die Na-\ntur. Die Beschreibung Schließt mit dem Satze:\n„eS war ein wunderbares Tal.\" Da nimmt sich\nMitterwurzer das Wort „wunderbar\" heraus1. Er\nläßt das schöne Wort musikalisch wirken, er läßt es\nklingen, ohne daß es singt. Aus dem dunkleren „u\"\nbricht das helle „a\" wie ein Tag aus' der Dämme-\nrung. Wir haben nie eine herrlichere Wortmusik\ngehört.\"\nAlk Kritiker trat er einem Theaterstücke wie\neinem leibhaftigen Wesen mit kindlich aufgetanen\nAugen entgegen und mochte es nur verstehen\nund verständlich machen, indem er es von\nGrund aus beschrieb. So erzählt er den\nInhalt, wobei er unversehens aus dem Gefühl\ndas Urteil, aus der Anschauung die Ansicht\nenthülste. Und dies Erzählen, diese dem\nDichter, wie dein Kinde angeborene, ursprüngliche\nFreude am Berichten, am Aufbauen, ist das Blei-\nbende Seiner produktiven Kritik und unser Ent-\nzücken, mögen wir seiner Meinung noch so sehr\nwiderstreben. Von den vielen Stücken, die er \"im\nLaufe der Jahre sah und erzählte, bestehen heute\nfreilich nur wenige, aber gerade die vergessenen\nund verwelkten bekommen durdh seine Erzählung\neinen Hauch Von Existenz. Und dies! ist der währe,\neigentliChte Wert der rezeptiven Produktion — nicht\ndie meist nur relative und augenblickliche Gültig-\nkeit ihres kritischen Urteils —, daß sie die ganze\nLiteratur zur lebendigen und wirkenden Geschichte\nder wachsenden Dichtung Verklärt und in dieser\nein unsterbliches atmendes Ganzes erblickt urfd ge-\nstaltet, Woran nichts tot, stumm, sinn- oder wesen-\nlos bleibt.\nDie volle Höhe, das absolute Gleichmaß von\nInhalt und Form, von subjektivem Anreiz und gegen-\nständlicher Würde haben steine Aufsätze, Wo sie ein\nabgeschlossenes Bild, eine in sich zurückgekehrte\nBewegung, einen Menschen, eine Landsdhaft, ein\nErlebnis durchdringen und allseitig umfassen. Er\nbeschreibt einmal Uhlands ehrwürdige Gestalt:\n„Klein, aber kräftig gebaut, mit einem Rückgrat,\ndas eher brach, als sich bog, sein von rötlich blon-\nden Haaren umkränzter Kopf hatte einen starken\nund strengen Knochenbau, aus112 welchem die zwei\nhellblauen Augen wie zwei Kinder herausgrüßten.\"\nOder er huldigt den ewigen Lehrern unserer\nSp rächte, den treuen' Gebrüdern Gri mm : „Selbs t wenn\nsie sich zur höchsten Vaterlandsliebe aufgeschwun-\ngen, kehren sie gern in ihre Furche zurück, und\nVollenden da, der Lerche gleich, den Lobgesang\neines Liedes, das sie in der Höhe geschmettert haben\n... In Leben und Wissenschaft ist Jakob die\ntrotzigere und bahnbrechende Natur, wo er den\nPflug ansetzt, drückt Jakob ihn tiefer ein, So daß\nder Brodem der Erde hervorbricht und sich die\nSdhollen schwer und langsam, als wollten sie sich\neine Weile besinnen, zu beiden Seiten niederlegen.\nEin Bahnbrecher schaltet Jakob mit Axt und Pflug-\nschar, während Wilhelm mehr eine Gärtnernatur\nist, die auf dem schon gerodeten Erdreiche ihre\nzierlichen Beete anlegt, sie sorgsam wartet und\nstill begießt.\"\nHin wanderhafter und trinkfester Mann — die\nmit ihm verkehrten, wissen von mancher Wirts-\nstube zu erzählten, wo er zechend und sprechend\nder Oberste war — ging er etwa Schuberts1 sagen-\nhaftem Aufenthalt in der Hinterbrühler Höldrichs-\nmühte, wie dem Klange der Müllerlieder stetbst,\nan die Quelle nach1. Oder er las in Mattighofen\naus einer oberösterreidiisehen altertümlichen\nBauerngegend den Geist des Volksgesanges und\nder mittelalterlichen Dichtung aus Tracht und über-\nkommener Sitte, aus der Gestalt der Bauernhäuser,\naus der Inschrift eines Verwitterten Wegkreuzes,\naus dem ursprünglichen Ansehen des Wald- und\nAckerlandes1 als aus einem aufgeschlagenen ewigen\nBilderbuche ab.\nWie er in der schönsten Wiener Landschaft —\nseiner zweiten Heimat — das holdselige Walten\nder grünen, von Licht und Blüte, Duft und Gesang,\ndurchhauchten Stunden lauschend einatmet, hat er\neinmal unVergeßlidh geschildert, un 3 in dieser\nkleinen lieblichen Prosadichtung das eigene Bild —\nein Idyll der höchsten geistigen Klarheit und sinn-\nlichen Liebenswürdigkeit dargestellt.\nsaß er, ein ebenbürtiger Genosse aller deut-\nschten Meister, sdhon bei Lebzeiten recht eigentlich\nbeherzt unid guten Mutes an den Tisdhen der Götter.\nWas er sfchrieb, schien einen Morgenglanz: der Un-\nsterblichkeit auszustrahlen und hatte den rosen-\nschimmernden, unendlichen Grund hesperischer\nTage, die Kraft, Leichtigkeit und Klarheit klassischer\nSicherheit, die Wohlabgewogenheit in sich beruhen-\nden, die Fülle genießenden, um Seiner Selbst willen\nlebenden und sinnenden Denkens!, die Bestimmtheit\neiner Auslage, die in jedem Augenblicke sich selbst\ngemäß, ihre innere Wahrheit wie daS eigene Schick-\nsal herausstellt, den Laut einer Prosa, in Welcher\nder Volle, stete Rhythmus eines gesund schlagenden\nHerzens glteidtelatai an sich selbst Freude hatte. Im\nInhalt dieserlcnappen, in jedem Satze ausgerundeten,\nsp ars am -reichen Gestaltungen liegt ein dauernder\nSchatz ursprünglicher und unsterblicher Stammes-\nart, in ihrer Form ist der Geist, das Herz, alles\nWollen, Wissen und Können unserer Sprache\nlebendig.\nDie erste Ausgabe der Schriften von Ludwig Speidel er-\nschien im Verlag Meyer & Jessen, Berlin.\nSie erweist unliebsam genug, ja prahlerisch den\nGegensatz zwischen den Journalisten Von Metier und\ndem Schriftsteller von Beruf, indem zwei Lobredner\nder ersten Gattung ungebeten die Stimme zum Preise\neines Künstlers erheben, den sie vor der Welt für\nihren Stand reklamieren. Dafür aber lässt der mit\nvorsichtiger Bescheidenheit anonym bleibende Heraus-\ngeber jene erste Verpflichtung sorgfältiger Text-\nbehandlung vermissen, die selbst minderen Werken\nsonst ohneweiters zuteil wird. Abgesehen von der\njournalistisch-fragwürdigen und geschmacklosen Ein-\nteilung und Benennung der zwei ersten, erschienenen\nBände wimmeln sie von Druckfehlern. O. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "189", "page_fin": "189", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.3.1", "titre_corps": "Zeichnung zum Drama: Mörder, Hoffnung der Frauen", "titre_sommaire": "Zeichnung zum Drama: Mörder, Hoffnung der Frauen", "signature_source": "Oskar Kokoschka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 64, "texte": "Oskar Kokoschka\nZeichnung zum Drama: Mörder, Hoffnung der Frauen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "191", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.4", "titre_corps": "Luftquallen : Eine Entdeckergeschichte", "titre_sommaire": "Luftquallen : Eine Entdeckergeschichte", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.4", "debut_caractere": 6873, "fin_caractere_exclue": 12309, "texte": "Luftquallen\nEine Entdeckergeschichte\nVon Paul Scheerbart\nVor acht Tagen befeuchte mich ein Herr, auf\ndessen Visitenkarte der sonderbare Name „Crispin\nDobberkatz\" Stand. Der Herr sagte gleich:\n„Ich habe einen komischen Namen, das ist ein\ngroßem Unglück für mich ; denn man lacht immer,\nwenn ich wasl erzählte. Außerdem bin ich ein ge-\nborener Amerikaner — aus Chicago. Und ah Ame-\nrikaner werde ich1 auch nicht ernst genommen, weil\nman jetzt alle Amerikaner für Schwindler hält —\nCook und Peary haben mir sehr geschadet.\"\n„Wodurch,\" fragte ich da, „kann ich Ihnen\nalso gefällig sein?\"\n„Sie/' erwiderte er, „Werden in jedem Falle\nimmer ernst genommen. Ihnen glaubt man alles.\nSie Haben noch niemals die Unwahrheit gesagt.\"\n„Das weiß ich !\" versetzte ich stolz und bot dem\nHerren eine meiner sehr langen Zigarren an.\nWir rauchten.\nUnd er fuhr fort:\n„Sehen Sie, die Sadhe liegt ntln so: Ich habe\netwas Kolossales entdeckt. Aber — Ich1 war ganz\nallein, wie ich'S entdeckte; nicht ieinmal Eskimos\nhatte ich bei mir — wie Cook und Peary.\"\n„Haben Sie,\" fragte ich1 da ganz ernst, „den\nSüdpol der Erde entdeckt?\"\n„Nein,\" erwiderte er.\nIch1 atmete auf.\n„Das1 freut mich,\" sagte ich leise, „denn wenn\nich diese Entdeckung des Südpols für eine Tatsache\nhätte ausgeben sollen, so wäre mir Zweifelhaft ge-\nwesen, ob mir alle Menschen glauben würden —\ndie meisten Hätten es ja wohl getan — alle aber\nbestimmt nicht.\"\nDer Herr Crispin Pobberkatz kam nun zur\nSachte und sagte hastig — öfters stotternd:\n„Meine Entdeckung ist — darauf können Sie\nsich verlassen — viel großartiger als die Entdeckung\ndes' Nord- und Südpols zusammengenommen. Ich\nhatte iim vorigen Jahre eine kleine Erbschaft ge-\nmacht. Und mit dem — mir zur Verfügung —\nstehenden Oelde — ließ ich mir einen lenkbaren\nLuftballon bauen, an dem — Motor und Propeller —\nunt e r der Gondel arbeiten sollten. Ich wollte nicht\ngeradeaus fliegen — ich wollte nur nach oben\nfliegen. Sie können Sich die Sadie wohl vorstellen:\niCh! wollte hoch oben in der Luft, wenn die Auf-\ntriebskraft des Ballons nachließ, durch einen Motor\nunter der Gondel einfach nadhhelfen, um so hoch\nwie möglich zu kommen. Daß idh dadurch ge-\nwaltige Höhen erreichen mußte, schien mir sehr\nklar zu sein.\"\n„Mir audh !\" bemerkte ich rasteh, „das Experi-\nment wird aber nicht billig gewesen sein Von Ihrem\nVermögen ist sicherlich nicht viel übrig geblieben.\"\n„Sie haben,\" rief er feierlich, „den Nagel auf\nden Kopf getroffen. Nicht ein roter Pfennig ist\nübrig geblieben.\"\n„Trösten Sie sich!\" rief ich lachend, „das geht\nanderen Leuten auch1 So. Wenn Sie nur nicht all-\nzuvielte Schulden bei Ihrem Experiment gemacht\nhaben, dann geht's1 ja noch.\"\n„Leider,\" gab er wehmütig zurück, „habe ich\nauch allzuviele Schulden bei dem Experiment ge-\nmacht\" lii.; ; 1 ' ! M\n„Nun — dann,\" versetzte ich hart, bin ich sehr\nfroh, daß ich nicht Ihr Gläubiger bin. Mit Schuld-\nnern, die nichts besitzen, ist ganz bestimmt nicht\nviel anzufangen. DaS! weiß idh aus Erfahrung. Sie\nkönnen mir's glauben; ich lüge nie — das wissen\nSie ja s'Chon, und ich — weiß das auch.\"\nEr runzelte die Stirn und schwieg ein paar\nSekunden, dann aber fuhr er wieder hastig und\nstotternd in seiner Erzählung fort:\n„Die Mechaniker, die meinen Ballon zusammen-\nbauten, haben mir sehr viel Geld abgenommen.\nUnd schließlich habe ich Ihnen noch alles, was sie\nmachten, dalassen müssen als Pfand. Das ist das\nBitterste für midh; ich bin gar nicht in der Lage,\nweiter zu experimentieren. Ich bin nicht in der Lage\nGeldleuten meinen Höhenluftballon zu zeigen, So\ndaß ich nicht weiß, wie ich eS! anfangen soll, meine\nIdeen durchzusetzen. Es glaubt mir ja niemand.\nWenn jemand meinen Namen hört, fängt er gleich\nanzulachen. Und — daß ich Amerikaner bin, kann\nich doch nicht verschweigen. Das geht doch nidht.\"\n„Warum sollte das nicht gehen?\" sagte ich\nlächelnd. „Sie sprechen ja fließend Deutsch. Außer-\ndem glaube ich gar nicht, daß es Ihnen schadet,\nAmerikaner zu sein. Ihr allerdings etwas komisch\nklingender Name schadet Ihnen auch nichts. In\nDeutschland Schadet er Ihnen ganz bestimmt nicht,\nWir sind hier an das Komische so gewöhnt. Mein\nName klingt doch auch komisch. Und — ein aparter\nName läßt sich doch leichter behalten. Die Namen\nMüller und Schultze sind viel gefährlidher. Indessen\n— ich weiß nicht recht, wie ich Ihnen helfen soll.\nGeldleute, die sich für Höhenluftballons inter-\nessieren, werden wohl zu entdecken sein. Aber —\nid h entdecke niemals Geldleute. Darauf können Sie\nsich verlassen. Ich spreche die Wahrheit.\"\n„Glaubt ja!\" rief Herr Crispin nun ebenfalls\nlachend, „aber Sie Sollen ja auch gar keine Geld-\nleute entdecken. Ich will ja ganz was anderes von\nIhnen.\"\n„Na, dann erklären Sie,\" sagte ich' sehr laut,\n„sich nur deutlicher. Sind Sie denn mit Ihrem\nBallon schön aufgestiegen ?\"\n„Freilich,\" rief er da mit leuchtenden Augen,\n„von diesem Aufstieg will ich Ihnen ja erzählen.\nDaS ist ja das kolosslale Ereignis in meinem ganzen\nLeben. Und daß niemand an das, was ich erlebte,\nglauben will, daß ist ja der einzige Schmerz in\nmeinem ganzen Leben. Und darum bin ich1 ja nur\nzu Ihnen gekommen. Ich wollte Sie bitten, eine\nGeschichte aus dem, was ich Ihnen jetzt mitteilten\nwerde, zu machten.\"\n„Mit Vergnügen,\" Versetzte ich, „ich schreibe\ngern Geschichten. Aber ich schreibe nur wahre\nGeschichten — keine SchwindelgesChidhten. 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Erzählen Sie nur weiter!\nFassen Sie sich nur kurz!\"\nUnd er faßte sich endlich kurz — also:\n,j!ch setzte hoch oben meinen Motor unter\nmeiner Gondel1 in Bewegung, wikelte mich fest in\nmeinen Pelz, stieg mit meiner Gondel höher und\nerreichte mit meinen Händen meinen Luftballon,\nda die Gondel ja schneller hoch stieg, als der\nBallon. Ich hielt nun den Ballon mit zwei leichten\nStöcken, die ich nur zu diesem Zwecke mit-\ngenommen, und stieg nun immer höher — ungefähr\nzwei Stunden hindurch.\"\n„Wieder dieses Ungefähr!\" bemerkte ich un-\nwillig. i\nEr aber sagte gelassen: „Die Zeitbestimmung\nist gänzlich gleichgültig. Denn — sehen Sie! Jetzt\nsah ich das Ungeheuerlichste — ich sah aquamarin-\nfarbige Riesenquallefi.\" • -\nEr schwieg und sah mich äri, und ich wollte nun\neine Beschreibung dieser Quallen haben,\n„Stellen Sie sich,\" erklärte er da lebhaft, „zehn\nMeter breite, fast durchsichtige Seequallen vor —\netwas hellbläulich und etwas hellgrüttlidh — wie\nAüquärnarme sind. Aber sehr hell — fast durch-\nsichtig. Diese Riesenquallen hatten vier Augen,\ndie sie sofort, als sie mich sahen, wie Fornrohre\nvergrößerten. Die FernroHre wurden wohl zwanzig\nMeter hoch. Das Tollste aber bemerkte ich unter\nihrem Leibe — da faltete sich etwas auseinander —\nein Propeller war's — ein natürlich angewachsener\nPropeller mit vier Flügeln. Diese Naturschraube\nsetzte sich in Bewegung und brachte das Tier mit\nkolossaler Geschwindigkeit weiter. Und dann\nkamen sehr bald andere Quallen herbei — noch\ngrößere und auch1 kleinere — und alle die Quallen\nhatten natürliche Motorschrauben unter ihrem Leibe.\nDer Leib konnten siie in eine Kugel verwandeln.\nDie Schraubenflügel machten den Eindruck von\nElfenbein, sie waren nicht größer als der Körper und\nkonnten in diesen so hineingepreßt werden, daß sie\nganz unsichtbar wurden. Nun starrten mich diese\nungeheuerlichen Lebenwesen, von denen viele sehr\nviel größer als mein Ballon waren, unheimlich mit\nihren langen, an den Spitzen scharf smaragdgrün\nfunkelnden Fernrohr-Augen mit großer Neugier an.\nUnd ich starrte die Tiere gleichfalls an und wußte\nnicht, was ich sagen sollte. Ich schlug mit den\nHänden herum und vergaß, daß ich Stöcke in den\nHänden hatte. So kam es, daß ich plötzlich mit dem\nKopf gegen den Ballon stieß und so tief in den\nBallon hineinkam, daß ich die Quallen nidht mehr\nsehen konnte. Ich hielt den Motor an und da konnte\nidch mich nicht gleich Von dem Ballon frei machen»\nKurz und gut: ich s&nk, mit dem Kopf im Ballon,\nin die Tiefe. Und afe idh' den Kopf sdhließtich frei\nbekam, sah'ich die Luftquallen nicht mehr. Und als\nich nach meiner Landung auf der Erde mein Aben-\nteuer erzählte, glaubte man mir nicht; man lachte\nmich einfach aus. Die Mechaniker wollten, ich\ngollte meine Schulden bezahl en; sie pfändeten mir\nGondel, Ballon, Motor, Pelz und alles Uebrige, so\ndaß mir nur so viel übrig blieb, um nach Europa)\nzu Ihnen zu reisen. Ich möchte nochmals mit\nmeinem Höhenluftballon aufsteigen. Wenn Sie eine\nGeschichte über das, was ich Ihnen erzählte,\nschreiben, so werden sicherlich einige Luftschiffer\naufmerksam auf mich werden. Die Luftquallen\nmüssen ja auch von anderen Leuten zu entdecken\nsein. Ich möchte, daß auch andere diese Luft-\nungetüme entdecken. Sie blicken mit ihren Fern-\nrohr-Augen offenbar immerzu in die Sternenwelt\nhinein. Vielleicht ist es möglich, diese Lebewesen\nzu uns hinunterzubringen. Jedenfalls müssen Sie\neine Geschichte darüber schreiben, damit die\nMenschen erfahren, daß ich diese Luftquallen zuerst\nentdeckt habe. Diese Entdeckung ist doch mehr\nwert, als' die Entdeckung des Nord- und Südpols.\"\n„Ist das alles wahr?\" fragte ich nun.\nDa versicherte er mir nochmals, daß alles, was\ner erzählt habe, wahr Sdi.\nUnd da kann ich nun nur so berichten, wie ich's\nmit dem Vorstehenden getan habe.\nIch weiß, daß Herr Dobberkatz ein Ehrenmann\nist, dem ich eine Lüge nicht zutrauen kann.\nWenn Kapitalisten Herrn Dobberkatz unter-\nstützen wollen, bin ich gern bereit, seine Adresse\nanzugeben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.5", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Desider Kosztolányi", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.5", "debut_caractere": 5200, "fin_caractere_exclue": 6572, "texte": "Gedichte\nVon Desider Kosztolányi\n\nDie sechste Stunde\nDie Uhr ist stehn geblieben' und der Zeiger\nBlickt totenstarr die sechste Stunde an.\nUnd immer, immer ist die sechste Stunde . . .\nWas1 du auch tust, der Pendel regt sich nicht;\nUnter des Glases feingesdhliffner Scheibe\nRuht er so wortlos wie ein stiller Toter,\nDen durch des Sarges Fenster du betrachtest.\nEs steht die Uhr. Und die Sekunde flieht,\nDie Tage schwinden, es vergehn die Jahre —\nJahrhunderte, Jahrtausende . . Es steht die Uhr.\nDer Herzschlag all der leichtbeschwingten Zeit\nDurchbebt in Schauern das verhängte Zimmer,\nDoch keine Regung weckt das' tote Schweigen.\nSo grauenhaft sdhwejgt nicht die Mitternacht.\nEs harrt das Rad. Und aus dem morschen Werke,\nDem Kerker reglosen Beharrens weht\nDer ruhige Hauch der Ewigkeit dich an.\nDie Uhr steht still. Es ist die sechste Stunde.\n\nKranke Küsse\nWie fieberkrank ein Kind mit wirren Mienen,\nIn schwüle Pfühle tastend sich verwühlt.\nAm Glas der schweren braunen Medizinen\nDie trockenheißen müden Finger kühlt —\nWehleidig dann, mit widriger Grimasse,\nHalb abgewandt nach einem Löffel greift\nUnd von dem bittern-süßen Nasse\n'Auf die verdorrten Schlaffen Lippen träuft:\nSo glüht in diesen Sommersonnenbränden\nDas' heiße Weh auf meiner Seele Grund, —\nSo lange idh nach deinen lauen Händen\nSo küss ich deinen feuchten, sanften Mund.\nNachdichtungen von Heinrich Horvät"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "191", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.5.1", "titre_corps": "Die sechste Stunde", "titre_sommaire": "Die sechste Stunde", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.5", "debut_caractere": 5234, "fin_caractere_exclue": 6043, "texte": "Die sechste Stunde\nDie Uhr ist stehn geblieben' und der Zeiger\nBlickt totenstarr die sechste Stunde an.\nUnd immer, immer ist die sechste Stunde . . .\nWas1 du auch tust, der Pendel regt sich nicht;\nUnter des Glases feingesdhliffner Scheibe\nRuht er so wortlos wie ein stiller Toter,\nDen durch des Sarges Fenster du betrachtest.\nEs steht die Uhr. 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Fern v*>n den Stätten des ge-\nwohnten Nervenreizes1, von Theatern, Kunstsalons\nund Kaffeehäusern, setzen sie sich hier ganz schutz-\nlos, gemeinsam dem Einfluß der Langeweile aus.\nDas; nennt man Sommerfrische.\nUnter den mannigfachen Kuren, die den moder-\nnen Menscihen Zeit und Nervosität vertreiben helfen,\nigt die durch Langeweite viel m wenig gewürdigt.\nDie Langeweile ist derjenige Vorzug, den der Pro-\nspekt der Kurorte konsequent verschweigt. Wälder,\nSonne, Quellen und Ozon werden verheißen, nirgends\nsteht das Lob der Langeweile, die über dem allen\nschwebt und ihre unausbleibliche Wirkung üben\nwird. Sie wird den Gast vom Moment der Ankunft\nan umhüllen, wird ihn spielend, im Geplätscher\nihres Einerlei, seinen Gewohnheiten und täglichen\nVerpflichtungen entführen, wird ihn wieder auf-\nnahmefähig und bedürftig für Eindrücke und\nMenschen machen. Sie erscheint alsdann als der\ngemeinsame Feind, vor dem sie fliehen; in Wirklich-\nkeit wird sie dadurch zur Schöpferin des sommer-\nlichen Treibens überhaupt. Enger als sonst\nschließen sich die Menschen zusammen, inniger ge-\nstalten sich die Beziehungen, das ganze Leben, das\nsich vor der Dekoration von Wald und See abspielt,\nwird intensiver. Es wird äußerlich zu einer Kette\nvon Schutzmaßregeln; Ausflüge, Reunionen, Feste\nentstehen in der Leere, die durch den Mangel1 der\ngewohnten Zerstreuungen geschaffen ist. Das ge-\nheimnisvolle Rezept für das gesteigerte Leben des\nSommers ist kein anderes, als das auf den B(ällen und\nSoireen des Winters schon erprobte: man fülle\nirgend einen Raum möglichst dicht mit Menschen,\ndie nichts' von einander wollen und nichts mit ein-\nander zu tun haben, und lasse auf die Ahnungs-\nlosen die Langeweile los. Nach einiger Zeit kann\nman die verlobten Paare herausholen. So schwarz\nund wenig ansprechend ist die Erde, aus der mit\nseinem Duft und seinen Farben das Sommerleben\ndringt. Aber seinem Reiz entziehen sich nur wenige;\nvielleicht bloß die Alten, die mit Röntgen-Augen\ndurch Flirt und Tanz hindurch immer das Knochen-\ngerüst einer werdenden Ehe sehen. Ueher sie hat\ndie Zauberin Langeweile keine Gewalt mehr; sie\nunterhalten sich immer und meistens von der\nlegitimen Fortpflanzung des Menschengeschlechts.\nUnmerklich werden die vielen Einzelnen, die\naus der Bahnhofspforte schritten, in besondere\nsoziale Gebilde einbezogen. Da ist die Tischgesell-\nschaft. Hier präsidiert die junge Dame und läßt\ndie minder glücklichen Schwestern im Vorübergehen\neine Anzahl tadellos moderner Sakkos bewundern,\ndie um den Tisch gruppiert sind und die, so scheint\nes, an ihrer Innenseite unablässig von liebenden\nHer7en beklopft werden. Da ist das Bcvpt; hier\nwerden Liebesenergien mit Hilfe zweier Ruder der\nFortbewegung dienstbar gemacht; am Steuer sitzt\ndie junge Dame. Und zwischen Tischen, Booten\nund Promenade spinnen sich zahllose Fäden des\nInteresses hiji und her.\nAllüberall regiert der Klatsch. Toilette, Verhält-\nnisse, Vergangenheit des lieben Nächsten sind an\nder Ordnung des Sommertages. Klatsch ist ein\nsozialer Faktor von größter Bedeutung, er ist der\nNährboden der heranreifenden Bekanntschaft. Er ist\ndas1 Auspuffventil1 für die nicht zustande gekommene\noder für die vorzeitig abgebrochene Beziehung. Im\nKlatsch erwacht das Interesse am anderen, hier\nwächst es heran und hier entladen sidh, fast immer\nschadlos, zahllose Haß- und Liebesgefühle, die aus\nirgend einem Grunde nicht an ihre Adresse gelangen\nkönnen. Klatsch ist ein Regulator der menschlichen\nBeziehungen, ein mit Undank gelohnter Wohltäter\ndes! Verkehrs. Nur er erzeugt jene elektrische\nSpannung zwischen den Personen, die jeden Moment\nbereit ist, sich in Annäherung umzusetzen und\nwelche dann die tötliche Oede einer ersten Be-\nkanntschaft überspringen läßt. Er stellt eine feine,\noft gedankenreiche Verbindung zwischen persönlich\nUnbekannten her; er umhüllt schützend die sozialen\nKeime, bis sie sich zur Verbindung Von Menschen\nentwickelt haben. Mit Unrecht wird die Beschäfti-\ngung mit abwesenden Menschen tiefer gestellt, als\njene mit Tenniisbällen, Pferden, Automobilen oder\nder Literatur! Nichts schützt den Watsch Vor der\nVerurteilung, nicht einmal die Schönheit der Lippen,\nauf denen er am liebsten wohnt. Einzig und allein\nein Ansatz Von Schimmel1, der Moderduft längst\nvergangener Zeit madht ihn gesellschaftsfähig und\ngeachtet. Hätte im Rom Vor zweitausend Jahren ein\nDesperado der Erotik das Köpfchen des Fräulein S.\nverdreht, oder wäre es! eine pompejanische Rasier-\nstube, die ihre liebenswürdige Genossin zu selten\nfrequentiert, das1 wäre ein Klatsdh!, der das Herz\njedes' Gelehrten erfreute; der würde auch keinem\nGymnasium Schande bereiten. (Es ist wohl unnötig\nzu sagen, daß die erwähnten Weiblichkeiten fingiert\nsind und in Wirklichkeit nicht existieren.) Der ge-\nehrte Kfetejdh sfer Wißseftsdhaft, der verpönte oer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2985, "texte": "Hintertreppen, der verspottete der Kaffeegesell-\nschaften, sie alle können sich nicht mit jener Edel-\nzucht der Nachrede vergleichen, die in der\nSommerfrische blüht und wuchert. Im kühlen\nWaldesschatten ist sie entstanden, in ozonreicher\nLuft, hunderte VonMetern über delmMeeresspiegel1 hat\nsie ihre ersten Atemzüge getan, kräftigende Sonnen-\nstrahlen haben sie gereift. Die Sonne wirkt Wunder.\nIst Herr N. noch bei 15 Grad im Schatten ein recht\nwenig interessanter Wilderer im erotischen Revier\ndes Kurortes gewesen, so kann es ihm bei 25 Grad\npaslsieren, daß er zum Defraudanten seelischer Güter\navanciert ist, zu einem, der mit keckem Griffe von\nder Tafel1 des Lebens fremde Genüsse stiehlt; Prinz\nKuckuck der Liebe, schwindelhafter Spekulant, der\nmit seelischen 'Worten Differenz'geschäfte treibt,\nohne je die Deckung zu besitzen, Schädling, der\nzu offener Abwehr herausfordert. Was geschehen\nwürde, wenn die Temperatur noch weiter stiege,\nist gar nicht auszumalen.\nMan geht in die Natur hinaus', um sich intensiver\nmit Menschen zu beschäftigen. Der Glaube an\ndas Tete-a-tete mit einem Berggipfel gehört dem\nMenschengewühll einer Großstadt an, draußen\nspielen Berg und See die Rolle Von arg vernach-\nlässigten dritten. Sie sind auch1 überflüssig zur\nvielbegehrten Erholung; es genügt, daß man sich mit\nMenschen beschäftigt und nicht mit Funktionären,\ndaß man mit Leuten verkehrt und nicht in Kreisen.\nDie Natur bleibe in Ehren. Ihre wohltätigen\nWirkungen sind längst gewürdigt und registriert.\nDas Kind weiß schon von der befreienden Wirkung\nder Berge zu erzählen und mühsam hat der Mittel-\nschüler sich für die deutsche Hausarbeit den Einfluß\nder Natur auf das; Gemüt (des Menschen klargemacht.\nSolche Eindrücke bleiben unvergeßlich! Ueberwälti-\ngend, erhaben, weihevoll, erlösend, begeisternd\nhaben diese mit Gras und Bäumen bewachsenen\nFlächen seit undenklicher Zeit gewirkt. Sie haben\nStimmungen ausgelöst, zu Kunstwerken begeistert,\nUnrecht vergessen lassen und vieles mehr. Wäre\nes nicht endlich an der Zeit, diese verdienten Stützen\nmenschlicher Gefühle in den ehrenvollen Ruhestand\nzu Versetzen? Wäre es nicht ehrlich, zuzugeben,\ndaß ein helles Lachen, ein frohes Leuchten in zwei\nAugen stärkere Gefühlslasten hebt, größere Ge-\nschenke Verleiht, als der Anblick von dreitausend\nMeter hohem Schnee? Djaß man nicht von den\nMenschen in die Natur flieht, sondern zu den\nMenschen? Daß man sich freilich in Wald und\nGebirge leichter zu diesen findet als in den aus-\ngefahrenen Berufs!gel!ejtsen der großen Stadt? Hier\nliegt die verjüngende, die befreiende Macht des\nSommerlebens, sein großer Reiz, und sein nie genug\ngerühmter Wert: daß sich Menschen zu einander\nfinden. Die Natur sieht zu und wir können, da\nes für ihre Anhänger tröstlich sein dürfte, ruhig\nannehmen, daß sie es wohlwollend tut.\nNun gibt es außer Langeweile und Klatsch noch\nmancherlei Schönes in der Sommerfrische. Aber\nes steht durchaus an zweiter Stelle und braucht\ndeshalb nicht besonders erwähnt zu werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "192", "page_fin": "192", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.7", "titre_corps": "Quellen reifen : Lebensweisheiten und Weltanschauungen", "titre_sommaire": "Quellen reifen : Lebensweisheiten und Weltanschauungen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.6", "debut_caractere": 2987, "fin_caractere_exclue": 8093, "texte": "Quellen reifen\nLebensweisheiten und Weltanschauungen\nEin Roman ist erschienen, über den an dieser\nStelle nicht zu sprechen wäre. Er hat mit Kunst\noder Literatur nicht dasi Geringste zu schaffen. Sein\nAutor ist ein Herr Lothar, der leider seinen Wohnsitz\nvon Wien nach' Berlin verlegte, weil es! ihm dort,\ndank der Bemühungen Von Karl1 Kraus, zu heiß unter\nden Füßen wurde. Ich will den Bewohnern des\nKurfürstendamms eine überflüssige Geldausgabe\nersparen, indem ich ihnen den Extrakt dieser Uebel1-\nkeit kondensiert vorsetze. Möge er ihnen den Ge-\nschmack so verderben, daß sie auch von der Lektüre\nder Herren Rudolf Herzog und Georg Engel Ab-\nstand nehmen, die laut Feststellung des Herrn\nLothar auf ihren Salontisthchen zu finden sind.\nHerr Lothar hat das Wort:\nDas kostbarste Gut der Menschheit, die Freude\nam Dasein, gedeiht am besten, Wenn einem das Essen\nschmeckt. Pessimismus ist ja meistens nichts anderes\nals schlechte Verdauung.\n*\nAuch Quellen müssen reifen. Und wenn\nman sie zu früh anbohrt, verschüttet man sie ganz.\n*\nDie Wohltätigkeit legt um einen schönen Frauen-\nkopf einen vortrefflich sitzenden Schein von Güte,\nbringt einen auf unauffällige Weise mit einer ganzen\nMenge Menschen zusammen, die man später einmal\nganz gut brauchen kann und füllt den Tag mit\nBeschäftigung und Aufregung aller Art.\n*\nAuftreten ist leicht, der Abgang ist schwer, das\nmuss man sich gesagt sein lassen, Wenn man auf der\nBühne des mondainen Lebens kein Stümper sein will.\n*\nEs gehört heute zum guten Ton, im Frühjahr eine\nBade- oder Trinkkur zu unternehmen, und die Aerzte,\ndie das wissen, kommen den heimlichen Wünschen\nihrer Patientinnen gern entgegen.\n*\nEs gibt einige wenige Genüsse auf Erden (!) die\nman nicht schildern kann, die man nie vergisst. Zu\ndiesen Genüssen zähllt unbedingt der Marienbader\nMorgenkaffe irgendwo im Walde. Das Gebäck ist ein\nGedicht mit knusprigen Reimen.\n*\nIn aller Frühe, zu einer Zeit, wo in Berlin noch\nalles was zur Welt gehört, im tiefsten Schlafe liegt,\nist man in Marienbad schon mondain.\ni *\nEs ist schicklich, auf dem Metropoltheaterball mit\neiner Dame zu erscheinen, die sehr vertraulich tut,\nweil man als Philister verschrieen wird, wenn einem\ngarnichts nachgesagt werden kann.\n*\nDer Glanz eines Abendessens liegt nicht nur in\nder Speisenfolge, in dem festgefügten den Regeln\nklassischer Menuarchitektur entworfenen Haupt-\nprogramm, sondern in dem Geplänkel scheinbarer\nImprovisation, die es umschwärmen, umranken und\nbegleiten, und die ihm in kürzeren oder längeren\nIntervallen nachklingen.\n*\nWer die stumme Sprache unserer Sitten kennt,\nder kann sich im Salon gar nicht irren, er weiss und\nfindet immer seinen Weg.\n* l\nUnd von unserm Georg Engel weiß Herr LotKar\nfolgende charmante Geschichte zu erzählen:\nIn langer Kolonne stiegen die Herren die Treppe\nhinab. An der Haustür stand Johanna, sehr zierlich\nmit Schürzchen und Häubchen und knixte für jedes\nGeldstück, das sie empfing. Der letzte in der Reihe\nwar Georg Engel. Er griff in die Tasche und entdeckte\nzu seinem Schrecken, dass er keine losen Markstücke\nmehr besass. So machte er denn eine bedauernde\nGeste, und dann nahm er mit raschem Einfall Johanna\num die Taille und gab ihr einen Kuss. Sie lachte\nsehr vergnügt, und auch Engel wischte sich mit dem\nHandrücken sehr befriedigt den Schnurrbart.\nEs geht nichts über die Geistesgegenwart. Man\nfreut sich, daß wenigstens Engel1 einmal sidi be-\nfriedigt und so billig aus der Gesellschaft des Herrn\nLothar fortgekommen ist.\nAber Herr Lothar versteht es auch, einen\nTrousseau zu verlebendigen:\nDie Welle von Spitzenschaum war von blauen\nBändern gehalten. Neben übermütig kichernden\nBattisthemden lag der schwere feierliche Brokat der\nTischtücher. Taschentücher, deren Spitzengerank nur\neinen ganz ganz kleinen Raum für den eigentlichen Zweck\ndes Taschentuchs übrig Hess, hielten Zwiesprache mit\nstolzen prunkvollen Polsterüberzügen. Das ganze\nZimmer war eine Zwingburg der Anmut, eine mysteriöse\nKirche des Charme in Weiss, ein Zauberschloss voll\nmagischer Gedanken, die erröten und erschauern\nmachen, einer Symphonie aller koketten Geheimkünste,\ndie in den Dessous stecken. Ein gefrorner Wunder-\ngarten der Spitzenpoesie.\nEcce poeta!\nWie alle schlechten Dichter und Journalisten\nfühlt sich Herr Lothar Schiller verwandt:\nEr ging in den gelben Salon auf und ab, ruhelos\nhin und her, wie ein Tier im Käfig und sprach ganz laut\nvor sich hin: Mit einemmal war es ihm, als würde es\nfür ihn schon Rettung sein, wenn er jetzt einen\nMenschen fände, dem er sein Schicksal erzählen\nkönnte! .. . Wie war das nur ? Hatte er diese\nScene nicht schon einmal erlebt, oder hatte er sie\ngesehen oder gelesen? Aber wo? Wo? Wo? Alle\nSorgen waren für Minuten vergessen, alles Denken\nausgelöscht, er zermarterte sich das Hirn, um der\nblassen Erinnerung Farbe und Blut zu geben. Plötz-\nlich blitzte es Vor ihm auf! „Jetzt gib mir einen\nMenschen, gute Vorsicht —\" Schenke mir — jetzt\neinen Menschen\". Das war Don Carlos, das war der\nKönig, der seine Täfelchen durchsucht, bis er auf den\nNamen des Marquis Posa stösst.\nSo fordert Marquis1 Lothar sein Jahrhundert in\ndie Schranken. Trust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "192", "page_fin": "192", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.8", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.6", "debut_caractere": 8095, "fin_caractere_exclue": 8467, "texte": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nOTTO SOYKA\nHerr im Spiel / Roman\nVerlag Hans von Weber München\nKARL KRAUS\nDie chinesische Mauer\nVerlag Albert Langen München\nLUDWIG SPEIDEL\nPersönlichkeiten / Biographisch-lite-\nrariscne Essays\nWiener Frauen und anderes Wienerische\nVerlag Meyer & Jessen Berlin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "192", "page_fin": "192", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.6", "debut_caractere": 8543, "fin_caractere_exclue": 9536, "texte": "1\n1\nvMfyM'\n5 p i;\nwmom\nW -v.\n\"■ ;S5\nv ,;r' -r:/.-'r'-fi\n- . -v. -. *; . '.•• i.•>../•;\n;■§&1;\n>-\nm/,\n>\nr\nsssaii\nGesunde Zahne sind ein viel kostbareres Out, als man es im taglichen\nLeben ohnehin schon einschatzt Regelmassige Verdauung, gute Ernahrung,\ninfolgedessen Schaffens- und Lebenskraft, alles das sind Faktoren, die zum\ngrossen Teil von der guten Beschaffenheit der Zahne abhangen. Wenn\nSie daher Ihre Zahne schon und gesund erhalten wollen, so empfehlen\nwir Ihnen dringend, morgens und namentlich auch abends Kosmin zu\nbenutzen, da dieses Mundwasser infolge seiner erwiesenen Wirkung das\nZahnfleisch kraftigt, die durch Speisereste entstehende Faulnisbildung im\nMunde verhindert und dadurch die Zahne konserviert, solange dieses\nnur irgend moglich ist. , Der überaus erfrischende Wohlgeschmack\ndes Kosmin macht den taglichen Gebrauch dieses vorziiglichen\nMundwassers bereits nach kurzer Zeit zum angenehmen Bediirf-\nnis. Preis pro Flasche; lange ausreichend, M. 1,50, überall kauflich."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.7", "debut_caractere": 180, "fin_caractere_exclue": 291, "texte": "■■\n*\n*\nkuwstler\nOER\n1\nE**l\n112\nI\"\nc»\naraj\n\"-XJ\nMi\n*Sta<\n3*\nm\n2=\n-•;-\nOiUflß\n22\n— \"-■\n•j?\nTtomar\nasii2*\nTAPP£&r>"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.7", "debut_caractere": 293, "fin_caractere_exclue": 1389, "texte": "* flßadcmlscbe Rundscbau«\n12. Jahrgang. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Qeorg Liitike\nDie „Akademische Rundschau\" erscheint am 10 ten und 25 ten\neines jeden Monats. Probe-Mummer gratis\nHdherziichtung des Menschen auf biologischer Grundlage\nVon Dr. Franze (Mk. 1,80). Was ist bis jetzt fur eine verniinftige\nEhereform geschehen? Nichts! Und doch ist die Sache fur die\ngesamte Mehrheit ungeheuer \"Wichtig! Was lasst sich in dieser\nBeziehung tun? Dartiber soil uns die Schrift aufklaren. Die Schrift\nist deshalb ebenso wichtig fiir die Eltern wie fiir die heiratsfahigen\nJiinglinge und Jungfrauen. Man lese!\nBelastung respektive Ererbung und Entartung. Von Dr. J. Sadger\n(1,50 Mk.). Die zwei Worte „Belastung und Entartung\" bergen so\nungeheuer viel in sich, dass jedermann sich dariiber unterrichten\nsollte. So viele Krankheiten haben ihren Ursprung in der Belastung\nrespektive Ererbung, und nur dann bekommt man ein klares Bild\nvon der Krankheit und ihrer Behandlung, wenn man sich iiber Art\nWeise der Belastung oder Ererbung klar geworden ist.\nIjofterlagsbucDbaNdluttd Edmund Demttie Eelpzig\n■"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.7", "debut_caractere": 1391, "fin_caractere_exclue": 1695, "texte": "Verlag „Der Sturm\"\n-■\ne\nV\nWir iibernahmen inunsern V erlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiir Gesang u. Klavier / 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlung-en oder direkt\ndurch den Verlag- DER STURM\na Halensee / Katharinenstrasse 5\n■ ■\n«B N\nKaSBBBHBIBBBBBSSBBBBfIB BBBBBBBBBBSsSS\nB\nB\nB"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.7", "debut_caractere": 1697, "fin_caractere_exclue": 1983, "texte": "ijsi iifii ri 111 ii iii iii:!si isiiiii iiii\nDi\n(Kel\n1 HERAUSGEBER gg\n1 Karl Kraus 1\njj :: Mr. 305/6 1\n|j soeben erschienen M\ng Preis 50 Pfg. jg\ng Aus dem Inhalt: S\nU Schonebeckmesser :: H\n§g Die Kretensische Frage §§\nI ÜBERALL ERHALTLICH I\nililll 111 iiIIIIII I I I I I I I I lllillfr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.7", "debut_caractere": 1985, "fin_caractere_exclue": 2652, "texte": "m .\nFinkenmiihle Sanatorium and Krholangsheim\n• • • • •\nBesitzt alle neuzeitlichen Einriehtungen, Zentral\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. Individuelle arztllche Befaandlung.\nDie Kiiche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervenschwache, Magcn- und Darmleiden, Glcht\nund Rheumatisnius, Frauenleiden u. a. m. best-\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Leiter: l>r of. xsied. W. Hotz\nPost Mellcnbach bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. der Pflege persOnlieher\nKultur und gesunder Lebens-\nanschauungen, dient unsere\nMonatsschrift\nvon der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. Ab0nn.M.3,60 p.Jahr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.7", "debut_caractere": 2654, "fin_caractere_exclue": 2892, "texte": "hiwKferfige Kinder\nMflch\nT rinkfertige Einzelportionflaschchen,\ndie nur angewarmt zu werden brauchen.\nJede unhygienische Manipulation im\nHaushalt vermieden. 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Mk. 6- (statt Ik. 15-)\nzu liefern.\nDieser Apparat ist aus dem allerfeinsten Materia!\nhergestellt, schwer versilbert und wird in elegantem\nLeder-Etui mit 12 vorziiglichen Schneiden versandt.\nLassen Sie sich diese giinstige r\nGelegenheit nicht entgehen !! L\n- Beachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Apparat bietet:\n1. Grosse Crsparnis an Zeit und Geld!\n2. Stets sauber rasiert, da Schneiden und Kratzen voll\nstandig ausgeschlossen!\n3. Kein Warten beim Barbier!\n4. Keine Ansteckungsgefahr, wie Bartflechten usw.!\n5. Auf der Reise, auf See> im Manover usw. unentbehrlich!\n30 mal benutzt, hat sicli der Apparat bezahlt gemaclit!\nDie in jeder Beziehung vorziiglichen Messer besitzen einen derartigen durch ein spezielles\nVerfahren hergestellten Hartegrad, dass sie fur den starksten Bart verwendbar sind.\nBestellen Sie sofort, denn diese 5000 Rasier-Apparate werden infolge ihrer noch\nniemals gebotenen Billigkeit bald vergriffen sein.\nSie erhalten diesen tadellosen Rasier-Apparat gegen Nachnalime von 6,30 Mk, portofrei\nWir richten nur die bescheidene Bitte an Sie, diesen Apparat in Ihrem werten Bekanntenkreise\nzu empfehlen.\nNach Absatz dieser 5000 Apparate kosten diese 15 Mark.\nVersandhaus cbemischer und techoischer Neuheiieo Ham Fridri\n:: Berlin SW. 68, Koclistrasse 7'£ ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "194", "page_fin": "194", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.8", "debut_caractere": 165, "fin_caractere_exclue": 397, "texte": "» 'r \" ■\" \" 11\nWAX GIESSWEIN\nKgl. 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Bewahrte Bowlenrezepte der Firma kostenlos. Yolle\nGarantie liir tadellose Besehaffenheit; Nichtgefallendes wird auf\nunsere Kosten zuriickgenommen. Verlaagen Si© kostenlos\nPreislisten. Bestellungen sind zu richten an die\nWeinvertriebsgesellschaft von Malottki\nvorm. Toerjttier & Micliaeiis Xachf. &. m b. SI.\nBERLIN Auguststrasse 60\nFernspr. 111, 8192,15jahr.Geschaftsbestehen. 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Sprache zu besonders billigen Prdsen\nDemnachsterscheint: Katalog XXI/Kunst-\nblatter: Portraits, Stidteansicnten, Berliner\nBlatter, Karrikaturen, Flugbiatter, neuere\nund aitere Qenrebilder, Blatter von\nMenzel, Beardsley, Rods, Stammbucher\nSilhouetten, japanbiatter etc. etc.\nKataloge / gratis und franko /\nbitte direkt zu verlanyen\nAngabe von erbeten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "194", "page_fin": "194", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.8", "debut_caractere": 2381, "fin_caractere_exclue": 2603, "texte": "FORDERUNGEN KAUFT UND ZIEHT EIN\nINCASSOBANK EWALD VON HAEUSSLER\nBERLIN N. 54, Veteraneastrasse 19 Telephon Amt 111, 8164\nDETECTIVABTEILUNO: Ermlttehmgen, Beobachtunfea,\nHeranschaffung von Material in Civil- und Strafsachcn"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "194", "page_fin": "194", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.8", "debut_caractere": 2605, "fin_caractere_exclue": 2732, "texte": "Cafe Continental £££\"?»\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kunstler - Konzert\nAlls bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-11-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-11_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-08-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "194", "page_fin": "194", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.8", "debut_caractere": 2734, "fin_caractere_exclue": 3277, "texte": "Akustik=Sprechmaschinen\nvon der einfachsten bis zur vomehmsten Ausstattung in kulanter und durchaus\ndiskreter onf TailiatilBequeme Zahlweise, geringe Anzahlung,\nWeise : wit* 1 CllAcllllllllJJ Rest in wdchentlichen oder Monatsraten\nO\nProvisionsrdieode und Vertreter fesucht ::\nI i Hohcr Nebenverdienst I I\nfUr Personen jeden Standes durch Vertrieb oder Nachweis von KSufern\nAkustik=Sprechmaschinenwerke Berlin W 66\nMauerstrasse 86—88 :: Fahrstuhl :: Tel.: I, 7497\nSpezialitat: Akustophone. 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AUGUST 1910/ WIEN\nNUMMER 24\n\nINHALT:\nKURT HILLER: Über Kultur / OTTO\nSTOESSL: Ludwig Speidel / DESIDER KOSZTO-\nLANYI: Gedichte / PAUL SCHEERBART: Luftquallen /\nOTTO SOYKA: Sommerfrische / TRUST: Quellen\nreifen / Lebensweisheiten und Weltanschauungen /\nOSKAR KOKOSCHKA: Zeichnung\n\nÜber Kultur\nI\nVon Kurt Hiller\nIm sechsten und letzten Kapitel seiner „Philo-\nsophie des Geldes\" spricht Georg Simmel über den\n„Stil1 des1 Lebens\". Der zweite Abschnitt dieses\nKapitell, handelnd über den Begriff der Kultur und\ndas durch1 die Arbeitsteilung verursachte Aus-\neinandertreten von objektiver und subjektiver Kultur,\nist ein klassisches Stück neuerer deutscher Philo-\nsophie; ein Kleinod von Geistigkeit, in edel-kaltes\nPiatina gleichkam zu fassen und auf Sammet zu\nbetten.\nVon dem, was1 der Künstler des Gedankens hier\ngibt, sei zunächst die Essenz herausgeholt und in\nwenigen Worten aufgefangen:\nWenn wir die Verfeinerungen des1 Lebens, seine\nvergeistigten Formen, die Ergebnisse der inneren\nund äußeren Arbeit an ihm, aIS Kultur bezeichnen,\naIS Kultur jene Steigerung natürlicher Keime und\nTendenzen über das Maß der Entwickelüng, Fülle\nund Differenzierung hinaus, das ihrer bloßen Natur\nerreichbar wtäre, so werden wir sagen können: Im\nVergleich mit der Zeit vor hundert Jahren sind die\nDinge, die unser Leben sachlich erfüllen und um-\ngeben, Geräte, Verkehrstnittel, die Produkte der\n.Wissenschaft, der Technik, der Kunst — unsäglich\nkultiviert, aber die Kultur der Individuen, wenigstens\nin den höheren Ständen, ist keineswegs im selben\nVerhältnis vorgeschritten, ja, vielfach sogar zurück-\ngegangen. Ein irgendwie belangloses, aber doch\näußeret charakteristisches Symptom: der Gesichts-\nkreis1, aus dem die Konversation ihre Gegenstände\nschöpft, hat sich objektiv, durch die vorgeschrittene\nTheorie und Praxis, in diesem Zeitraum erheblich\nerweitert, und doch1 scheint es, als ob die Unter-\nhaltung, die gesellschaftliche wie auch' die intimere\nund briefliche, jetzt viel flacher, uninteressanter und\nweniger ernsthaft wäre, als am Ende des achtzehnten\nJahrhunderts. — Ein anderes, bedenklicheres\nSymptom: Es' operieren selbst die kenntnisreichsten\nund nachdenkendsten Menschen mit einer immer\nwachsenden Zahl von Vorstellungen, Begriffen,\nSätzen, deren genauen Sinn und Inhalt gie nur ganz\nunvollständig kennen; die ungeheure Ausdehnung\ndes objektiv vorliegenden Wissensstoffes gestattet,\nja erzwingt den Gebrauch von Ausdrücken, die\neigentlich wie verschlossene Gefäße von Hand zu\nHand gehen, ohne daß der tatsächlich darin Ver-\ndichtete Gedankengehalt sich für den einzelnen <je-\nbraucher entfaltete. — Alle Kultur der Dinge ist eine\nKultur der Menschen, und in Spradhe und Sitte,\npolitischer Verfassung und Religionslehren, Literatur\nund Technik ist die Arbeit unzähliger Generationen\nniedergelegt, als! gegenständlich gewordener Geist,\nvon dem jeder nimmt, $o viel er will oder kann,\nden als!- Komplex aber kein einzelner ausschöpfen\nkönnte. Diese verdichtete Geistesarbeit der Kultur-\ngemeinschaft verhält sich also zu ihrer Lebendig-\nkeit in den individuellen Geistern wie die weite\nFülle der Möglichkeit zu der Begrenzung der Wirk-\nlichkeit. In einem kleinen Kreise von niedriger\nKultur wird dieses Verhältnis nahezu eines der\nDeckung sein, die objektiven Kulturmöglichkeiten\nwerden die subjektiven Kulturwirklichkeiten nicht\nweit überragen. Eine Steigerung des Kulturniveaus\n— insbesondere wenn es mit einer Vergrößerung des\nKreises gleichzeitig ist — wird uie Diskrepanz beider\nbegünstigen: es war die unvergleichliche Situation\nAthens in seiner Blütezeit, daß es bei all seiner\nKulturhöhe gerade dies zu vermeiden wußte. . . .\nJener schtnerzliche Effekt der Steigerung des\nkulturellen Inhalts1 und Umfangs wird verständlich\ndurch' die Arbeitsteilung, die sich (in der Produktion\nund Konsumtion) vollzieht. Das Wachsen der\nphysisch-psychischen Energien und Geschicklich-\nkeiten, das sich bei einseitiger Tätigkeit einstellt,\npflegt für die einheitliche Gesamtpersönlichkeit\nwenig Nutzen abzuwerfen; es läßt diese sogar\nvielfach verkümmern, indem es1 ihr ein für ihre\nharmonische Gestaltung unentbehrliches Kraft-\nquantum entsaugt. — So ergibt sich das Gemälde\nder Zeit, in welchem der Kulturinhält immer mehr\nobjektiver Geist wird; und die wunderliche Erschei-\nnung wird begreiflicher: daß in dem Maße, in dem\ndiese Objektivation vorschreitet, die kulturelle Stei-\ngerung der Individuen hinter der der Dinge merkbar\nzurückbleibt.\nDies etwa ist der Kern der SimmePschen Aus-\nführungen. Wie es! dem durch und durch unkämpfe-\nrischen, nur-kontemplätiven, allzu apollinischen Tem-\nperament dieses Psychologen entspricht, unterläßt\ner es, jener analysierenden Wirklichkeitsbetrachtung\neine Wert-Erörterung, eine Kritik oder gar ein\nEthos-durchlohtes System sozialer Umgestaltungs-\nideen hinzuzufügen. Man wird daraus1 nidit\nschließen müssen, daß Simmel mit den Zuständen,\ndie er schildert, einverstanden sei; mich deucht eher,\ner beklage sie, dränge aber seine Unzufriedenheit\nzurück, weil es! ihm unangemessen scheint, Sym-\npathien und Abneigungen, Wertgefühle und Wollun-\ngen in wissenschaftliche Explikationen hineinspielen\nzu lassen. Diese Enthaltsamkeit von EthoS und\nPathos bietet freilich einem Gemüte, das wenig von\nEthos und Pathos enthält, geringe Schwierigkeiten,\nund eine in ihrem Mark so unpolemische Persönlich-\nkeit, wie Simmel, hat eS leicht, die Forderung der\nNeutralität und Zurückhaltung nicht nur zu erheben,\nspndern auch zu erfüllen.\nIch weiß nicht, ob tatsächlich Wertung des\nSeienden den Kreisi derjenigen Aufgaben üiber-\nschreitet, die sich die Wissenschaft gesetzt hat —\neine Entscheidung darüber hinge ja auch von dem\nBegriff ab, den man sich von „Wissenschaft\" macht;\nsollten aber wirklich! Wertung und Wissenschaft\nunvereinbare Dinge sein, so wäre damit doch nichts\ngegen die Berechtigung wertender Tätigkeit gesagt;\nhöchstens etwas gegen die quantitative Zulänglich-\nkeit der Wissenschaft! Wird eine Weise des\nDenkens, eine besondere Art von Problemstellung\n„unwissenschaftlich\" genannt, so bedeutet das an\nsich keine Verdammung dieser Art und Weise,\nsondern lediglich1 eine — allerdings negative — Ein-\nrangierung ihrer in das! große Schubfachwerk der\nSeelenfunktionen; es1 wird dadurch sozusagen ihr\nmetaphysischer Ort als außerwissenschaftlich be-\nstimmt. —\nGerade nun, wenn die Wissenschaft irgend eine\nProblematik Von sich' weist, sich also für die Be-\nantwortung dieser Steckenden Fragen für\nmehr als unfähig, für inkompetent erklärt, be-\nsteht die intellektuelle Pflicht, sich solcher Probleme\nanzunehmen; sie frieren, diese armen Verstoßenen,\nund verlangen nach unwissenschaftlicher Wärme,\nLiebe und Begeisterung.\n*\n* * *\nMir scheint das vehemente Auseinanderfallen\nvon vergegenständlichtem Geist und individualer\nKultur zu den widerwärtigsten Mängeln unseres\nZeitalters zu gehören. Was frommen Erhabenheit,\nDifferenzierung und Fülle, wenn kein einziger Ein-\nzelner ihrer teilhaftig werden kann? Sie schaden\nnur; denn sie stiften jene fürchterliche Zerfahrenheit,\ndie dieser Epoche in philosophischer, künstlerischer\nund politischer Beziehung eignet; (eine Zerfahren-\nheit, die darum nicht an Beklägenswürdigkeit ver-\nliert, weil allerhand grenzenloses Neologenvolk, Kos-\nmiker, Werdandioten und Monistenbündler, ridikül\nund bärtig mitjammert).\nSoll man aber darum in die Trompete RousSeaus\nblasen? Zur Einfachheit und zum Landleben, zum\nUrmenschentum zurückrufen? In den Retour-\nnonsen s verfallen ? Ich, bitte, lehne das ab; teils\nweil1 ich die Wiederbelebung solcher Zustände für\nunmöglich halte, teils weil ich mir von ihrer etwaigen\nVerwirklichung eine Erhöhung der irdischen Langen-\nweile verspreche. —\nWie aber, wenn in der Tat kein Individuum\nheute mehr imstande ist, den objektiven Geist seiner\nZeit auszuschöpfen? Dies behauptet doch Simmel.\nAber mir scheint hier eine Art Verwechselung vor-\nzuliegen. Simmel ist, wiewohl er sich theoretisch\nstets bemüht, Tatsächlichkeiten in Beziehungen auf-\nzulösen, praktisch! hier noch! zu seht Diener des\nFaktums geblieben. Freilich läßt sich, ihren In-\nhalten nach, die jeweils objektivierte Kultur einer\nEpoche von einem Einzelnen nicht ausschöpfen;\nwohl aber vermag er das!, was diesen Inhalten ersf\nden Charakter der Kultur verleiht, das Funktionelle\nan ihnen, ihre Art, ihre Form, vollständig in das\neigene Ich aufzunehmen, feiner Persönlichkeit\norganisch! einzufügen und einzuschmelzen.\nNicht das!, was verfeinert ist, sondern die\nVerfeinerungen „auszuschöpfen\" r—das"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.2", "texte": "scheint mir „subjektive Kultur\" zu bedeuten. Aller-\ndings wird dann der Begriff „Kultur\" wesentlich\nenger gefaßt, afe bei Simmel. Unter den Er-\ngebnissen differenzierender und vervollkommender\nMensChenarbeit werden alle die aus der Umfangs-\nlinie dieses Begriffes heraustreten müsisen, die für\ndas' spezifisch-geistige Leben ohne Erheblichkeit\nsind: al&o insbesondere Erhöhungen der Bequem-\nlichkeit und der Sicherheit des1 Verkehrs, Errungen-\nschaften der Technik und der rechtlichen Ordnung;\nall das, was Siege repräsentiert über ungeschlachte\nUrtümlichkeit, Bändigungen von Naturkräften oder\nrohen Menscheninstinkten, kurz: alle die Ver-\nfeinerungen, für die unsere Sprache ja ein be-\nsonderes Wort bereitstehen hat: „Zivilisation\".\nSo bleibt unsl denn „Kultur\", dieser so oft und\narg mißbrauchte Ausdruck, als nichts anderes übrig,\ndenn als die Bezeichnung für einen logisch kaum\nfaßbaren, aber gefühlsmäßig doch recht bestimmten\nVerfeinerungsgrad der Bewegungen und Funktionen\neiner Seele; und zwar möglichst vieler dieser Be-\nwegungen und Funktionen: die ideale Persönlich-\nkeit unter dieser Kultur-Perspektive wird die sein,\nderen Nerven zum Genießen zartester und selt-\nsamster artistischer Sensationen organisiert sind,\nderen Intellekt sich in die tiefsten Tiefen und in die\nspitzesten Spitzen der Problematik dehnt, deren\nLebensführung Voll Adel ist und im Verkehr mit\nanderen oberste Stufen des Taktes, des Esprits und\nder subtilen Anmut erreicht.\nErfüllt sich so die Idee des „kultivierten\"\nMenschen mit der neben dem bloßen Ethos der\nVerfeinerung bestehenden Forderung, daß diese\nVerfeinerung Eigentümlichkeit alles Erlebens und\nBetätigens werde, daß sie in den Charakter ein-\ngehe, sich nicht mehr auf das Denken allein oder\ndiaaf Empfinden allein oder das soziologische Ver-\nhalten allein oder auf sonst ein besonderes Ver-\nmögen erstrecke, sondern universal sei —: so\nverwandelt sich damit die Formel „Kultur\" in eine\nBezeichnung für das1 höchste Lob, das wir, außer\ndem Lobe der schöpferischenl Kraft, einem Menschen\nspenden können.\nEine Lobesformel; und zugleich so etwas wie\nein Programm, ein leitender Stern, eine Idee, ein\nregulatives Prinzip für Erziehung und Selbst-\nerziehung. Und zwar eines', das TS 11 licht identisch\nist mit dem Kulturideal, das vor hundert Jahren in\nden erlauchtesten Gemütern lebte. Jene „Bildung\"\nnämlich, welche die Herder und Goethe, die Schiller\nund Humboldt, die Novialis und Schlegel in ihren\nethischen und psychagogischen Apercus anpriesen\nund Verlangten, ist doch! wohl nichts anderes als die\nVerleinertheit aller individuellen Anlagen; ein rein\nqualitativer Begriff; — daß nun das Wort\n„Bildung\" im Laufe desi Jahrhunderts seinen quali-\ntativen Begriff immer mehr verlor, bis es sich\nschließlich vorbehaltlos einem durchaus quanti-\ntativen attachierte, das ist ein Symptom und ein\nSymbol für den erörterten rückschrittlichen Prozeß,\nden die slubjektive Kultur in diesem Zeitraum\ndurchgemacht hat.\n\nFortsetzung Jfolgt\n\nLudwig Speidel\nVon Otto Stoessl\n\nSeine Bedeutung als schöpferischer Geist, als\nBewahrer großer künstlerischer Heimatswerte in\neiner Zeit vielfach zerstörender Triebe, wird ihm\nin der ganzen deutschen Welt, nicht bloß in Wien\nbestätigt und gedankt werden, nachdem jetzt die\nvieten einzelnen Blätter zu einem Ganzen vereinigt\nsind, deren Sammhing er bei Lebzeiten sich1 spröd\nentzogen hat.\n\"Ludwig SpCfelel war und bleibt einer der Schrift-\nsteller Von erstem Range; auf ihn mag insbesondere\ndie Geschichte unserer Sprache als Beispiel hin-\nweisen, wie isjie in der abhandelnden Prosa Körper-\nlichkeit, blühendes Licht und Farbe, Wohlklang und\nZartheit, männliche Führung und anmutigste Bewe-\ngung, kurz alle Reize der Poesie selbst entwickeln\nkönne. In eine unwürdige Tagespresse verirrt, war\nSpeidel Vielleicht der Letzte, der sie zu ertragen,\nja eben dadurch zu erheben wußte und ihr reichlich\nzurückgab, was er ihr verdankte; denn seine Stel-\nlung war Von einer Macht begleitet, die, an seine\nPersönlichkeit gebunden, in Zukunft kaum wieder\neinem unabhängigen Geiste in solchem Umfange zu-\ngestanden werden wird.\nDer Journalist übt ein Metier, der Schriftsteller\nhat einen Beruf. Im Wesen des Schriftstellers liegt\nes, aus seiner Natur und Bildung zu völlig in ihm\nbeschlossenen, nicht wahllos von außen aufge-\nnötigten Fragen ein besonderes Verhältnis zu ge-\nwinnen und darzustellen, wodurch1 er wieder andere\nin seine Lebensrichtung zu führen vermag. Da-\ngegen bestimmt der Journalist gar nichts, sondern\nmacht als willenloser Zeiger des wechselnden Ge-\nschehens nur die Gebärden der Aktion, während\ndie Naturkraft der Ereignistsie sich' auf seine Worte\nüberträgt und sie wie Windmühlenflügel in Be-\nwegung setzt. Für die Zeitung allsj solche ist der\nSchriftsteller nichts als ein eitler Dekor ihres öko-\nnomischen, mechanisch-präzisen Geschäftes, sie\nsucht ihn in seinen \"besten Kräften auszunutzen,\naber zugleich seiner Selbstbestimmung zu entziehen,\nindem sie ihm die Gegenstände seiner Arbeit auf-\nnötigt und ihn zu einer Oberflächenbehandlung\nzwingt, die ihr gemäß ist, aber sein eigenstes Wesen\ngeradezu auflöst. Aus dem Kampf, der Vereinigung,\ndem gegenseitigen Nachgeben, Bedingen und Be-\nharren dieser zwei unversöhnlichen, intimsten\nFeinde: Zeitung und Schriftsteller ist denn auch —\nnamentlich in Wien und durch Speidels besondere\nBegabung — eine Art von eigener Kunstgattung\nund -Übung hei Vorgegangen: das Feuilleton. Der\nGeist, die Auffassung und Technik dieser kostbaren\nGeringfügigkeit — der Unsterblichkeit eines Tages,\nwie Speidel sie nannte — sind in Wien so allge-\nmein geworden, daß man ruhig sagen kann, die\nZeitung habe hier wie so viele andere Güter, auch\ndie Poesie, das Feuilleton hjabe die Literatur ver-\nschlungen. Abgesehen von Speidels Arbeiten, ist\naber an all der gepriesenen Gefallsamkeit nur mehr\nein Schein von Kunst und tieferer Betrachtung;\nin Wahrheit ist der Schriftsteller aus diesem 'Gebiete\nfast ganz hinausgeschoben worden vom Journa-\nlisten. Das schlechte Geld verdrängt das bessere.\nDaß aber diese Form — ausgereifte Improvi-\nsation, durchdachte Augenblicksreagenz — in ihrer\nparadoxen Verlockung für einen Schriftsteller, wie\nder Journalismus selbst, ebensoviel Anziehendes wie\nAbstoßendes haben mag, gerade genug sie zu\nsuChen und wieder ztr verachten, begreift sich gern.\nDie Natur Speidels zumal hatte etwas Impulsives,\nihr schöpferischer Trieb entfaltete sich und welkte\nbald nach dem wirkenden Augenblick. Seine Frucht-\nbarkeit bestand nur vermöge der Fülle der Ein-\ndrücke, die ihm der Tag brachte, und des journa-\nlistischen Zwanges, sich mit ihnen vor dem Publi-\nkum auseinanderzusetzen. Freilich hatte dieser\nformschöpferische Geist, dieser gefühlige Dialek-\ntiker eine solche Ehrfurcht vor dem Unwiderruf-\nlichen des niedergeschriebenen Wortes, daß er\njedesmal den ganzen Widerstand der Sprache\ngegen die Leichtigkeit und Eile ihres täglichen Ge-\nbrauches empfand; aber, indem er ihn besiegte\ndurch eine vertiefte, zögernde, doch in der ent-\nschlossenen Wahl sichere Weise desi Ausdrucks,\ngewann er eben eine bildnerische Dauerhaftigkeit\nüber Anlaß und Moment hinaus und setzte seinen\nBeruf gegen das Metier durch.\nDiese harmonische Plastik der Prosa Ludwigs\nSpeidels, diesC Monumentalität im Kleinen, der weite\nHorizont, der hinter allen den gefaßten und knappen\nGebilden sich öffnet, werden erst jetzt ganz er-\nkannt werden, da seine Schriften aus der trüben\nUmgebung einer fragwürdigen Institution endlich\ndauernd herausgestellt, sich selbst zurückgegeben\nsind. Freilich wird man dann auch die geistigen\nGefühls- und Urteilswidersprüche und die Grenzen\nseiner Eindrucksfähigkeit und Bewegung deutlicher\nerkennen, aber auch zu würdigen wissen, was man\nihm bisher bloß anzuschulden liebte: nur der un-\nheilvolle Mißbrauch, den die Zeitunig in jedem Mei-\nnungsstreite dadurch mit ihrem Urteil treiben darf,\ndaß sie, Richter in eigener Sache, ohne Wider-\nspruch1 mit Außerachtlassung der Gegner spricht\nund immer nur sich' selber hören will, ließ die mäch-\ntige Subjektivität eines selbständigen Geistes als\ngefährliche Willkür erscheinen. Der Schriftsteller,\nder die Zeitung für stich hat, findet eine überlaute\nResonanz, und er entbehrt jeder Gegenrede, durch\ndie sein Für und Wider zum Ganzen in Har-\nmonie gesetzt würde. So konnte etwa in dem toben-\nden Streit um Wagner das Speidelsche Wort von\nder „Affenschande\" der Wagnersehen Popularität\neine mißliche Unsterblichkeit erhalten, oder der\ninnere Widerspruch gegen die neu aufsteigende Welt\nvon Kunstwerken und Lebenshieinungen den An-\nschein eines willkürlichen Preßpabsttums annehmen.\nEben indem Speidel' seine Selbstbestimmung und\nseinen Widerspruch als Grundrecht wahrte, nahm\ner Schaden, weil1 er an die Stelle gefesselt war, die\nüber alles zu entscheiden die Anmaßung und in\nnichts Recht zu behalten das Schicksal hat.\n'Aber selbst dort, wo er der aufgewachsenen\nUebermaCht des Neuen rrut der ganzen Gegen-\ngewichtigkeit seiner Natur sich zu einem von vorn-\nherein aussichtslosen Kampf stellt, bewahrt er die\nvolle Schönheit eines reinen, unverdorbenen Emp-\nfindens und ist gleichsam unverwundbar durch eine\nentzückende Dialektik des Gefühls.\nUnd es war ein ergreifendes SdhauspM — wie\nimmer, wenn ein Mann in der vollen Kraft seiner\nEntschlüsse, durch die höhere Gewalt der Zeit und\nder Menschheit aus seinem Selbst und darüber hin-\naus zu einem Gesiamtgefühl1 geführt wird —, als\ndie Genialität neuer Werke, ihre Natur selbst,\nwas in Speidel Elementarempfinden war, zu sich\nzwang, bis er in der großen bleibenden Einheit der\nKunst wie in einer vorzeitigen Ewigkeit, beruhigt\nund befreit, ohne Zagen und innerlich versöhnt ein-\nging, lange ehe er ätarb.\nSpeidel w'ar ein Schwabe und wahrte die ganze\nkraftvolle .Gesundheit dieses Volksschlages!, dessen\nGabe und Grenze in seinem Werke so gut und\nlauter beschlossen ist, wie in den besten seiner\nLandesgenossen. Was den Dichter ausmacht: die\nganze Hingabe an die Erscheinung, an die dingliche\nKraft und Würze Wortes, bezeichnet auch ihn in\nseiner Wohlbeschaffenheit. In der geistig werten-\nden, dialektisch sich auseinandersetzenden Aeuße-\nrung, in seinem kritischen Bedürfnis, wird er ebenso\ndurch die schwäbische Schule bestimmt, durch die\n„Schule\" freilich in engerem' Sinne, worunter eine\ngermanistisch-philologische, der innersten Anlage\ngemäße Form der Bildung zu verstehen sein möchte,\ndie das dichterische Sprachgefühl1 durch ein horchen-\ndes1 Sprachdenken und ein spürendes Sprach wissen\nvertiefte.\nFür Schwaben ist eine besondere Methode\ngeistiger Zucht typisch, die etwa ganz bewu!3t lind\ndeutlich ausgebildet erscheint im Erziehüngsgange\nder alten „Stiftler\". Diese sollen eigentlich Theo-\nlogen werden, einerlei aus welchem Wollen, Fühlen,\naus welcher kindlichen und elterlichen Lebens-\nstimmung sie herkommlen. Sie lernen zu der an-\ngestammten Derbheit und Frische den Schliff der\nklassischen Tradition, das gesunde Holz wird sozu-\nsagen gehobelt, geglättet, wodurch erst seine schöne\nMaserung, sein Kern hervortritt. Ihre zugreifende\nImpulsivität, mit allen Salben geistlicher und geisti-\nger Dialektik gesalbt, darf sich nun statt zur Ver-\nteidigung der heiligen Güter gerade zum un-\nheiligsten Angriff geschmeidig fühlen. So werden\nsie mündig, schalten mit ihren Notwendigkeiten als\nmit lauter Freiheiten, ihre Sprache, durch welche\ndie Landschaft der heimatlichen Mundart, die Ge-\nfühls- und Denkweise einer wohlerhaltenen Rasse\nschimmert, gewinnt zur angeborenen Kraft eine ge-\nwisse vornehme Haltung, sie blitzt von morgend-\nlicher Schärfe und schwingt gespannt und elastisch\nin lebendiger Latinität; die Rede der Alten wird in\nihrem Deutsch wieder geboren.\nDiese Saiten sind auch112 bei Speidel rein gestimmt\nund klingen mit allem Wohllaut einfacher Harmoni-\nsierung und volkstümlicher Melodik, mit einer an-\nmuTigen Macht und Fülle, die man nicht vermissen\nmöchte, wenn wir auch oft tieferen, verschlunge-\nneren, schwierigeren Stimmen lauschen wollen, und\nwenn auch1 herbere, strengere, geistig mannig-\nfachere, weniger bedingte und dringender bedin-\ngende, weniger abgeschlossene, aber feuriger auf-\nleuchtende, weniger in sich ruhende, als ruhelos\nsüchende und findende Naturen jeder Zeit, also auch\nder unserigen, ihren eigensten Ausdruck gehen. So\nwar Speidel — wie fast alle seine Landsleute in\nder Geschichte unserer Literatur — ein vornehm\nkonservativer, naiv anschaulicher Geist, ein kontem-\nplativer Idylliker, der sich in den unendlichen, er-\nhabenen Bedingheiten \"der Vollendeten, nicht in den\nRevolutionen und Elementartrieben der werden-\nden Welt und Kunst wohl fühlte und das! reinste\nseelische Behagen, den Genuß einer unerschütterten\nGesundheit und Zuversicht des gegebenen Daseins\nmitteilte.\nIm unverwirrten, unmittelbar einleuchtenden\nWalten der Natur und in dem klar ausgewirkten"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.3", "texte": "Oskar Kokoschka\nZeichnung zum Drama: Mörder, Hoffnung der Frauen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.4", "texte": "Bild der klassischen Lebenssicherheit fand er immer\nneuen Anreiz bewundernder, Verklärender, beseligter\nGestaltung. Hier Spiegelte ungetrübte Tiefe seiner\neigenen durchschauenden Betrachtung entgegen,\nantwortete ihm eine lautere, purpurne Unendlich-\nkeit. Das Mannigfaltigste drängte er zu einer un-\nvergeßlichen Einfachheit zusammen und gab der\nMacht der Erscheinungen eine knappe, körperhafte,\nMut- und muskelstarke Wiedergeburt im Wort. So\nkonnte er schauspielerische Erscheinungen in ihrer\nsinnlichen Spontaneität spüren wie den Liebreiz\neiner süßen physischen Berührung und festhalten.\nSo hat er — wie kein Kritiker sonst — das alte\nBurgtheater, selbst ein Stück abgeschlossenen Le-\nbens, gesehen und ganz nachgeschaffen. Mitter-\nwurzer las einmal Märchen Vor und Speidel fing\nden1 Klang, den verwehenden, versunkenen Tonfall\nder Stimme auf, wir hören ihn: „Im Märchen vom\nunsichtbaren Königreiche wird ein Flußtal geschil-\ndert, in das der Mond sdhteint. Wellen und Wald\nrauschen und erzählen seltsame Sachen. Durch' ge-\ndehnte Worte eröffnet uns der Vorleser die Aussicht\nin das lange Tal, er läßt im Worte die Musik der\nLandschaft widerklingen, man sieht hörend die Na-\ntur. Die Beschreibung Schließt mit dem Satze:\n„eS war ein wunderbares Tal.\" Da nimmt sich\nMitterwurzer das Wort „wunderbar\" heraus1. Er\nläßt das schöne Wort musikalisch wirken, er läßt es\nklingen, ohne daß es singt. Aus dem dunkleren „u\"\nbricht das helle „a\" wie ein Tag aus' der Dämme-\nrung. Wir haben nie eine herrlichere Wortmusik\ngehört.\"\nAlk Kritiker trat er einem Theaterstücke wie\neinem leibhaftigen Wesen mit kindlich aufgetanen\nAugen entgegen und mochte es nur verstehen\nund verständlich machen, indem er es von\nGrund aus beschrieb. So erzählt er den\nInhalt, wobei er unversehens aus dem Gefühl\ndas Urteil, aus der Anschauung die Ansicht\nenthülste. Und dies Erzählen, diese dem\nDichter, wie dein Kinde angeborene, ursprüngliche\nFreude am Berichten, am Aufbauen, ist das Blei-\nbende Seiner produktiven Kritik und unser Ent-\nzücken, mögen wir seiner Meinung noch so sehr\nwiderstreben. Von den vielen Stücken, die er \"im\nLaufe der Jahre sah und erzählte, bestehen heute\nfreilich nur wenige, aber gerade die vergessenen\nund verwelkten bekommen durdh seine Erzählung\neinen Hauch Von Existenz. Und dies! ist der währe,\neigentliChte Wert der rezeptiven Produktion — nicht\ndie meist nur relative und augenblickliche Gültig-\nkeit ihres kritischen Urteils —, daß sie die ganze\nLiteratur zur lebendigen und wirkenden Geschichte\nder wachsenden Dichtung Verklärt und in dieser\nein unsterbliches atmendes Ganzes erblickt urfd ge-\nstaltet, Woran nichts tot, stumm, sinn- oder wesen-\nlos bleibt.\nDie volle Höhe, das absolute Gleichmaß von\nInhalt und Form, von subjektivem Anreiz und gegen-\nständlicher Würde haben steine Aufsätze, Wo sie ein\nabgeschlossenes Bild, eine in sich zurückgekehrte\nBewegung, einen Menschen, eine Landsdhaft, ein\nErlebnis durchdringen und allseitig umfassen. Er\nbeschreibt einmal Uhlands ehrwürdige Gestalt:\n„Klein, aber kräftig gebaut, mit einem Rückgrat,\ndas eher brach, als sich bog, sein von rötlich blon-\nden Haaren umkränzter Kopf hatte einen starken\nund strengen Knochenbau, aus112 welchem die zwei\nhellblauen Augen wie zwei Kinder herausgrüßten.\"\nOder er huldigt den ewigen Lehrern unserer\nSp rächte, den treuen' Gebrüdern Gri mm : „Selbs t wenn\nsie sich zur höchsten Vaterlandsliebe aufgeschwun-\ngen, kehren sie gern in ihre Furche zurück, und\nVollenden da, der Lerche gleich, den Lobgesang\neines Liedes, das sie in der Höhe geschmettert haben\n... In Leben und Wissenschaft ist Jakob die\ntrotzigere und bahnbrechende Natur, wo er den\nPflug ansetzt, drückt Jakob ihn tiefer ein, So daß\nder Brodem der Erde hervorbricht und sich die\nSdhollen schwer und langsam, als wollten sie sich\neine Weile besinnen, zu beiden Seiten niederlegen.\nEin Bahnbrecher schaltet Jakob mit Axt und Pflug-\nschar, während Wilhelm mehr eine Gärtnernatur\nist, die auf dem schon gerodeten Erdreiche ihre\nzierlichen Beete anlegt, sie sorgsam wartet und\nstill begießt.\"\nHin wanderhafter und trinkfester Mann — die\nmit ihm verkehrten, wissen von mancher Wirts-\nstube zu erzählten, wo er zechend und sprechend\nder Oberste war — ging er etwa Schuberts1 sagen-\nhaftem Aufenthalt in der Hinterbrühler Höldrichs-\nmühte, wie dem Klange der Müllerlieder stetbst,\nan die Quelle nach1. Oder er las in Mattighofen\naus einer oberösterreidiisehen altertümlichen\nBauerngegend den Geist des Volksgesanges und\nder mittelalterlichen Dichtung aus Tracht und über-\nkommener Sitte, aus der Gestalt der Bauernhäuser,\naus der Inschrift eines Verwitterten Wegkreuzes,\naus dem ursprünglichen Ansehen des Wald- und\nAckerlandes1 als aus einem aufgeschlagenen ewigen\nBilderbuche ab.\nWie er in der schönsten Wiener Landschaft —\nseiner zweiten Heimat — das holdselige Walten\nder grünen, von Licht und Blüte, Duft und Gesang,\ndurchhauchten Stunden lauschend einatmet, hat er\neinmal unVergeßlidh geschildert, un 3 in dieser\nkleinen lieblichen Prosadichtung das eigene Bild —\nein Idyll der höchsten geistigen Klarheit und sinn-\nlichen Liebenswürdigkeit dargestellt.\nsaß er, ein ebenbürtiger Genosse aller deut-\nschten Meister, sdhon bei Lebzeiten recht eigentlich\nbeherzt unid guten Mutes an den Tisdhen der Götter.\nWas er sfchrieb, schien einen Morgenglanz: der Un-\nsterblichkeit auszustrahlen und hatte den rosen-\nschimmernden, unendlichen Grund hesperischer\nTage, die Kraft, Leichtigkeit und Klarheit klassischer\nSicherheit, die Wohlabgewogenheit in sich beruhen-\nden, die Fülle genießenden, um Seiner Selbst willen\nlebenden und sinnenden Denkens!, die Bestimmtheit\neiner Auslage, die in jedem Augenblicke sich selbst\ngemäß, ihre innere Wahrheit wie daS eigene Schick-\nsal herausstellt, den Laut einer Prosa, in Welcher\nder Volle, stete Rhythmus eines gesund schlagenden\nHerzens glteidtelatai an sich selbst Freude hatte. Im\nInhalt dieserlcnappen, in jedem Satze ausgerundeten,\nsp ars am -reichen Gestaltungen liegt ein dauernder\nSchatz ursprünglicher und unsterblicher Stammes-\nart, in ihrer Form ist der Geist, das Herz, alles\nWollen, Wissen und Können unserer Sprache\nlebendig.\nDie erste Ausgabe der Schriften von Ludwig Speidel er-\nschien im Verlag Meyer & Jessen, Berlin.\nSie erweist unliebsam genug, ja prahlerisch den\nGegensatz zwischen den Journalisten Von Metier und\ndem Schriftsteller von Beruf, indem zwei Lobredner\nder ersten Gattung ungebeten die Stimme zum Preise\neines Künstlers erheben, den sie vor der Welt für\nihren Stand reklamieren. Dafür aber lässt der mit\nvorsichtiger Bescheidenheit anonym bleibende Heraus-\ngeber jene erste Verpflichtung sorgfältiger Text-\nbehandlung vermissen, die selbst minderen Werken\nsonst ohneweiters zuteil wird. Abgesehen von der\njournalistisch-fragwürdigen und geschmacklosen Ein-\nteilung und Benennung der zwei ersten, erschienenen\nBände wimmeln sie von Druckfehlern. O. S.\n\nLuftquallen\nEine Entdeckergeschichte\nVon Paul Scheerbart\nVor acht Tagen befeuchte mich ein Herr, auf\ndessen Visitenkarte der sonderbare Name „Crispin\nDobberkatz\" Stand. Der Herr sagte gleich:\n„Ich habe einen komischen Namen, das ist ein\ngroßem Unglück für mich ; denn man lacht immer,\nwenn ich wasl erzählte. Außerdem bin ich ein ge-\nborener Amerikaner — aus Chicago. Und ah Ame-\nrikaner werde ich1 auch nicht ernst genommen, weil\nman jetzt alle Amerikaner für Schwindler hält —\nCook und Peary haben mir sehr geschadet.\"\n„Wodurch,\" fragte ich da, „kann ich Ihnen\nalso gefällig sein?\"\n„Sie/' erwiderte er, „Werden in jedem Falle\nimmer ernst genommen. Ihnen glaubt man alles.\nSie Haben noch niemals die Unwahrheit gesagt.\"\n„Das weiß ich !\" versetzte ich stolz und bot dem\nHerren eine meiner sehr langen Zigarren an.\nWir rauchten.\nUnd er fuhr fort:\n„Sehen Sie, die Sadhe liegt ntln so: Ich habe\netwas Kolossales entdeckt. Aber — Ich1 war ganz\nallein, wie ich'S entdeckte; nicht ieinmal Eskimos\nhatte ich bei mir — wie Cook und Peary.\"\n„Haben Sie,\" fragte ich1 da ganz ernst, „den\nSüdpol der Erde entdeckt?\"\n„Nein,\" erwiderte er.\nIch1 atmete auf.\n„Das1 freut mich,\" sagte ich leise, „denn wenn\nich diese Entdeckung des Südpols für eine Tatsache\nhätte ausgeben sollen, so wäre mir Zweifelhaft ge-\nwesen, ob mir alle Menschen glauben würden —\ndie meisten Hätten es ja wohl getan — alle aber\nbestimmt nicht.\"\nDer Herr Crispin Pobberkatz kam nun zur\nSachte und sagte hastig — öfters stotternd:\n„Meine Entdeckung ist — darauf können Sie\nsich verlassen — viel großartiger als die Entdeckung\ndes' Nord- und Südpols zusammengenommen. Ich\nhatte iim vorigen Jahre eine kleine Erbschaft ge-\nmacht. Und mit dem — mir zur Verfügung —\nstehenden Oelde — ließ ich mir einen lenkbaren\nLuftballon bauen, an dem — Motor und Propeller —\nunt e r der Gondel arbeiten sollten. Ich wollte nicht\ngeradeaus fliegen — ich wollte nur nach oben\nfliegen. Sie können Sich die Sadie wohl vorstellen:\niCh! wollte hoch oben in der Luft, wenn die Auf-\ntriebskraft des Ballons nachließ, durch einen Motor\nunter der Gondel einfach nadhhelfen, um so hoch\nwie möglich zu kommen. Daß idh dadurch ge-\nwaltige Höhen erreichen mußte, schien mir sehr\nklar zu sein.\"\n„Mir audh !\" bemerkte ich rasteh, „das Experi-\nment wird aber nicht billig gewesen sein Von Ihrem\nVermögen ist sicherlich nicht viel übrig geblieben.\"\n„Sie haben,\" rief er feierlich, „den Nagel auf\nden Kopf getroffen. Nicht ein roter Pfennig ist\nübrig geblieben.\"\n„Trösten Sie sich!\" rief ich lachend, „das geht\nanderen Leuten auch1 So. Wenn Sie nur nicht all-\nzuvielte Schulden bei Ihrem Experiment gemacht\nhaben, dann geht's1 ja noch.\"\n„Leider,\" gab er wehmütig zurück, „habe ich\nauch allzuviele Schulden bei dem Experiment ge-\nmacht\" lii.; ; 1 ' ! M\n„Nun — dann,\" versetzte ich hart, bin ich sehr\nfroh, daß ich nicht Ihr Gläubiger bin. Mit Schuld-\nnern, die nichts besitzen, ist ganz bestimmt nicht\nviel anzufangen. DaS! weiß idh aus Erfahrung. Sie\nkönnen mir's glauben; ich lüge nie — das wissen\nSie ja s'Chon, und ich — weiß das auch.\"\nEr runzelte die Stirn und schwieg ein paar\nSekunden, dann aber fuhr er wieder hastig und\nstotternd in seiner Erzählung fort:\n„Die Mechaniker, die meinen Ballon zusammen-\nbauten, haben mir sehr viel Geld abgenommen.\nUnd schließlich habe ich Ihnen noch alles, was sie\nmachten, dalassen müssen als Pfand. Das ist das\nBitterste für midh; ich bin gar nicht in der Lage,\nweiter zu experimentieren. Ich bin nicht in der Lage\nGeldleuten meinen Höhenluftballon zu zeigen, So\ndaß ich nicht weiß, wie ich eS! anfangen soll, meine\nIdeen durchzusetzen. Es glaubt mir ja niemand.\nWenn jemand meinen Namen hört, fängt er gleich\nanzulachen. Und — daß ich Amerikaner bin, kann\nich doch nicht verschweigen. Das geht doch nidht.\"\n„Warum sollte das nicht gehen?\" sagte ich\nlächelnd. „Sie sprechen ja fließend Deutsch. Außer-\ndem glaube ich gar nicht, daß es Ihnen schadet,\nAmerikaner zu sein. Ihr allerdings etwas komisch\nklingender Name schadet Ihnen auch nichts. In\nDeutschland Schadet er Ihnen ganz bestimmt nicht,\nWir sind hier an das Komische so gewöhnt. Mein\nName klingt doch auch komisch. Und — ein aparter\nName läßt sich doch leichter behalten. Die Namen\nMüller und Schultze sind viel gefährlidher. Indessen\n— ich weiß nicht recht, wie ich Ihnen helfen soll.\nGeldleute, die sich für Höhenluftballons inter-\nessieren, werden wohl zu entdecken sein. Aber —\nid h entdecke niemals Geldleute. Darauf können Sie\nsich verlassen. Ich spreche die Wahrheit.\"\n„Glaubt ja!\" rief Herr Crispin nun ebenfalls\nlachend, „aber Sie Sollen ja auch gar keine Geld-\nleute entdecken. Ich will ja ganz was anderes von\nIhnen.\"\n„Na, dann erklären Sie,\" sagte ich' sehr laut,\n„sich nur deutlicher. Sind Sie denn mit Ihrem\nBallon schön aufgestiegen ?\"\n„Freilich,\" rief er da mit leuchtenden Augen,\n„von diesem Aufstieg will ich Ihnen ja erzählen.\nDaS ist ja das kolosslale Ereignis in meinem ganzen\nLeben. Und daß niemand an das, was ich erlebte,\nglauben will, daß ist ja der einzige Schmerz in\nmeinem ganzen Leben. Und darum bin ich1 ja nur\nzu Ihnen gekommen. Ich wollte Sie bitten, eine\nGeschichte aus dem, was ich Ihnen jetzt mitteilten\nwerde, zu machten.\"\n„Mit Vergnügen,\" Versetzte ich, „ich schreibe\ngern Geschichten. Aber ich schreibe nur wahre\nGeschichten — keine SchwindelgesChidhten. Sie\nmüssen mir fest verspredhen, daß alles, wie Sie mir\nmitteilen, genau den Tatsachen entspricht und Lügen\nnicht enthält.\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.5", "texte": "„Darauf,\" sagte er, „können Sie sich1 fest ver-\nlassen. Idi lüge auch nicht. Deswegen fühle ich\nmich ja so zu Ihnen hingezogen. Wahrheitsfreunde\nfühlen sich immer zueinander hingezogen. Ich ver-\nspreche Ihnen feierlich, nur die lautere Wahrheit\nzu sagen/'\nWir schüttelten uns gerührt die Hände, Dobber-\nkatz traten zwei dicke Tränen in die Augen —\nmir nidit.\nIch wurde nun ungeduldig, und wollte nun\nendlich1 erfahren, was dem Herrn aus Amerika\npassierte, ich sagte das, und er antwortete:\n„Ich will mich kurz fasiseto!\"\n„Davon merke ich noch nichts!\" sagte ich be-\nscheiden.\nEr aber begann zu erzählen — mit leuchtenden\nAugen — folgendermaßen:\n„Ich stieg ganz allein in meinem Ballon auf,\num die Gondel So wenig wie möglich1 zu belasten, und\nso erreichte ich sehr bald eine Höhe von ungefähr\nzehntausend Metern.\"\n„Ungefähr?\" fragte idh.\n„Ja,\" sagte er, „ich1 hatte leider Meßapparate\nnicht mitgenommen — weil ich — ja — weil ich\ngar nicht die Absicht hatte, der Welt durch Er-\nreichung einer besonderen Höhe zu imponieren.\nIch wollte etwas anderes; ich wollte hoch oben\nneue Lebewesen entdecken!\"\nDie letzten Worte sdhrie Herr Crispin, ich aber\nmeinte ganz ruhig:\n„Wenn Ihnen das gelungen ist, so werde ich\nsehr viel darüber schreiben. Erzählen Sie nur weiter!\nFassen Sie sich nur kurz!\"\nUnd er faßte sich endlich kurz — also:\n,j!ch setzte hoch oben meinen Motor unter\nmeiner Gondel1 in Bewegung, wikelte mich fest in\nmeinen Pelz, stieg mit meiner Gondel höher und\nerreichte mit meinen Händen meinen Luftballon,\nda die Gondel ja schneller hoch stieg, als der\nBallon. Ich hielt nun den Ballon mit zwei leichten\nStöcken, die ich nur zu diesem Zwecke mit-\ngenommen, und stieg nun immer höher — ungefähr\nzwei Stunden hindurch.\"\n„Wieder dieses Ungefähr!\" bemerkte ich un-\nwillig. i\nEr aber sagte gelassen: „Die Zeitbestimmung\nist gänzlich gleichgültig. Denn — sehen Sie! Jetzt\nsah ich das Ungeheuerlichste — ich sah aquamarin-\nfarbige Riesenquallefi.\" • -\nEr schwieg und sah mich äri, und ich wollte nun\neine Beschreibung dieser Quallen haben,\n„Stellen Sie sich,\" erklärte er da lebhaft, „zehn\nMeter breite, fast durchsichtige Seequallen vor —\netwas hellbläulich und etwas hellgrüttlidh — wie\nAüquärnarme sind. Aber sehr hell — fast durch-\nsichtig. Diese Riesenquallen hatten vier Augen,\ndie sie sofort, als sie mich sahen, wie Fornrohre\nvergrößerten. Die FernroHre wurden wohl zwanzig\nMeter hoch. Das Tollste aber bemerkte ich unter\nihrem Leibe — da faltete sich etwas auseinander —\nein Propeller war's — ein natürlich angewachsener\nPropeller mit vier Flügeln. Diese Naturschraube\nsetzte sich in Bewegung und brachte das Tier mit\nkolossaler Geschwindigkeit weiter. Und dann\nkamen sehr bald andere Quallen herbei — noch\ngrößere und auch1 kleinere — und alle die Quallen\nhatten natürliche Motorschrauben unter ihrem Leibe.\nDer Leib konnten siie in eine Kugel verwandeln.\nDie Schraubenflügel machten den Eindruck von\nElfenbein, sie waren nicht größer als der Körper und\nkonnten in diesen so hineingepreßt werden, daß sie\nganz unsichtbar wurden. Nun starrten mich diese\nungeheuerlichen Lebenwesen, von denen viele sehr\nviel größer als mein Ballon waren, unheimlich mit\nihren langen, an den Spitzen scharf smaragdgrün\nfunkelnden Fernrohr-Augen mit großer Neugier an.\nUnd ich starrte die Tiere gleichfalls an und wußte\nnicht, was ich sagen sollte. Ich schlug mit den\nHänden herum und vergaß, daß ich Stöcke in den\nHänden hatte. So kam es, daß ich plötzlich mit dem\nKopf gegen den Ballon stieß und so tief in den\nBallon hineinkam, daß ich die Quallen nidht mehr\nsehen konnte. Ich hielt den Motor an und da konnte\nidch mich nicht gleich Von dem Ballon frei machen»\nKurz und gut: ich s&nk, mit dem Kopf im Ballon,\nin die Tiefe. Und afe idh' den Kopf sdhließtich frei\nbekam, sah'ich die Luftquallen nicht mehr. Und als\nich nach meiner Landung auf der Erde mein Aben-\nteuer erzählte, glaubte man mir nicht; man lachte\nmich einfach aus. Die Mechaniker wollten, ich\ngollte meine Schulden bezahl en; sie pfändeten mir\nGondel, Ballon, Motor, Pelz und alles Uebrige, so\ndaß mir nur so viel übrig blieb, um nach Europa)\nzu Ihnen zu reisen. Ich möchte nochmals mit\nmeinem Höhenluftballon aufsteigen. Wenn Sie eine\nGeschichte über das, was ich Ihnen erzählte,\nschreiben, so werden sicherlich einige Luftschiffer\naufmerksam auf mich werden. Die Luftquallen\nmüssen ja auch von anderen Leuten zu entdecken\nsein. Ich möchte, daß auch andere diese Luft-\nungetüme entdecken. Sie blicken mit ihren Fern-\nrohr-Augen offenbar immerzu in die Sternenwelt\nhinein. Vielleicht ist es möglich, diese Lebewesen\nzu uns hinunterzubringen. Jedenfalls müssen Sie\neine Geschichte darüber schreiben, damit die\nMenschen erfahren, daß ich diese Luftquallen zuerst\nentdeckt habe. Diese Entdeckung ist doch mehr\nwert, als' die Entdeckung des Nord- und Südpols.\"\n„Ist das alles wahr?\" fragte ich nun.\nDa versicherte er mir nochmals, daß alles, was\ner erzählt habe, wahr Sdi.\nUnd da kann ich nun nur so berichten, wie ich's\nmit dem Vorstehenden getan habe.\nIch weiß, daß Herr Dobberkatz ein Ehrenmann\nist, dem ich eine Lüge nicht zutrauen kann.\nWenn Kapitalisten Herrn Dobberkatz unter-\nstützen wollen, bin ich gern bereit, seine Adresse\nanzugeben.\n\nGedichte\nVon Desider Kosztolányi\n\nDie sechste Stunde\nDie Uhr ist stehn geblieben' und der Zeiger\nBlickt totenstarr die sechste Stunde an.\nUnd immer, immer ist die sechste Stunde . . .\nWas1 du auch tust, der Pendel regt sich nicht;\nUnter des Glases feingesdhliffner Scheibe\nRuht er so wortlos wie ein stiller Toter,\nDen durch des Sarges Fenster du betrachtest.\nEs steht die Uhr. Und die Sekunde flieht,\nDie Tage schwinden, es vergehn die Jahre —\nJahrhunderte, Jahrtausende . . Es steht die Uhr.\nDer Herzschlag all der leichtbeschwingten Zeit\nDurchbebt in Schauern das verhängte Zimmer,\nDoch keine Regung weckt das' tote Schweigen.\nSo grauenhaft sdhwejgt nicht die Mitternacht.\nEs harrt das Rad. Und aus dem morschen Werke,\nDem Kerker reglosen Beharrens weht\nDer ruhige Hauch der Ewigkeit dich an.\nDie Uhr steht still. Es ist die sechste Stunde.\n\nKranke Küsse\nWie fieberkrank ein Kind mit wirren Mienen,\nIn schwüle Pfühle tastend sich verwühlt.\nAm Glas der schweren braunen Medizinen\nDie trockenheißen müden Finger kühlt —\nWehleidig dann, mit widriger Grimasse,\nHalb abgewandt nach einem Löffel greift\nUnd von dem bittern-süßen Nasse\n'Auf die verdorrten Schlaffen Lippen träuft:\nSo glüht in diesen Sommersonnenbränden\nDas' heiße Weh auf meiner Seele Grund, —\nSo lange idh nach deinen lauen Händen\nSo küss ich deinen feuchten, sanften Mund.\nNachdichtungen von Heinrich Horvät\n\nSommerfrische\nVon Otto Spyka\nDort, wo WäMer, Berge Oder Seen den Vor-\nwand dafür abgeben, entsteht allsommerlich die\nKolbnie der Städter. Fern v*>n den Stätten des ge-\nwohnten Nervenreizes1, von Theatern, Kunstsalons\nund Kaffeehäusern, setzen sie sich hier ganz schutz-\nlos, gemeinsam dem Einfluß der Langeweile aus.\nDas; nennt man Sommerfrische.\nUnter den mannigfachen Kuren, die den moder-\nnen Menscihen Zeit und Nervosität vertreiben helfen,\nigt die durch Langeweite viel m wenig gewürdigt.\nDie Langeweile ist derjenige Vorzug, den der Pro-\nspekt der Kurorte konsequent verschweigt. Wälder,\nSonne, Quellen und Ozon werden verheißen, nirgends\nsteht das Lob der Langeweile, die über dem allen\nschwebt und ihre unausbleibliche Wirkung üben\nwird. Sie wird den Gast vom Moment der Ankunft\nan umhüllen, wird ihn spielend, im Geplätscher\nihres Einerlei, seinen Gewohnheiten und täglichen\nVerpflichtungen entführen, wird ihn wieder auf-\nnahmefähig und bedürftig für Eindrücke und\nMenschen machen. Sie erscheint alsdann als der\ngemeinsame Feind, vor dem sie fliehen; in Wirklich-\nkeit wird sie dadurch zur Schöpferin des sommer-\nlichen Treibens überhaupt. Enger als sonst\nschließen sich die Menschen zusammen, inniger ge-\nstalten sich die Beziehungen, das ganze Leben, das\nsich vor der Dekoration von Wald und See abspielt,\nwird intensiver. Es wird äußerlich zu einer Kette\nvon Schutzmaßregeln; Ausflüge, Reunionen, Feste\nentstehen in der Leere, die durch den Mangel1 der\ngewohnten Zerstreuungen geschaffen ist. Das ge-\nheimnisvolle Rezept für das gesteigerte Leben des\nSommers ist kein anderes, als das auf den B(ällen und\nSoireen des Winters schon erprobte: man fülle\nirgend einen Raum möglichst dicht mit Menschen,\ndie nichts' von einander wollen und nichts mit ein-\nander zu tun haben, und lasse auf die Ahnungs-\nlosen die Langeweile los. Nach einiger Zeit kann\nman die verlobten Paare herausholen. So schwarz\nund wenig ansprechend ist die Erde, aus der mit\nseinem Duft und seinen Farben das Sommerleben\ndringt. Aber seinem Reiz entziehen sich nur wenige;\nvielleicht bloß die Alten, die mit Röntgen-Augen\ndurch Flirt und Tanz hindurch immer das Knochen-\ngerüst einer werdenden Ehe sehen. Ueher sie hat\ndie Zauberin Langeweile keine Gewalt mehr; sie\nunterhalten sich immer und meistens von der\nlegitimen Fortpflanzung des Menschengeschlechts.\nUnmerklich werden die vielen Einzelnen, die\naus der Bahnhofspforte schritten, in besondere\nsoziale Gebilde einbezogen. Da ist die Tischgesell-\nschaft. Hier präsidiert die junge Dame und läßt\ndie minder glücklichen Schwestern im Vorübergehen\neine Anzahl tadellos moderner Sakkos bewundern,\ndie um den Tisch gruppiert sind und die, so scheint\nes, an ihrer Innenseite unablässig von liebenden\nHer7en beklopft werden. Da ist das Bcvpt; hier\nwerden Liebesenergien mit Hilfe zweier Ruder der\nFortbewegung dienstbar gemacht; am Steuer sitzt\ndie junge Dame. Und zwischen Tischen, Booten\nund Promenade spinnen sich zahllose Fäden des\nInteresses hiji und her.\nAllüberall regiert der Klatsch. Toilette, Verhält-\nnisse, Vergangenheit des lieben Nächsten sind an\nder Ordnung des Sommertages. Klatsch ist ein\nsozialer Faktor von größter Bedeutung, er ist der\nNährboden der heranreifenden Bekanntschaft. Er ist\ndas1 Auspuffventil1 für die nicht zustande gekommene\noder für die vorzeitig abgebrochene Beziehung. Im\nKlatsch erwacht das Interesse am anderen, hier\nwächst es heran und hier entladen sidh, fast immer\nschadlos, zahllose Haß- und Liebesgefühle, die aus\nirgend einem Grunde nicht an ihre Adresse gelangen\nkönnen. Klatsch ist ein Regulator der menschlichen\nBeziehungen, ein mit Undank gelohnter Wohltäter\ndes! Verkehrs. Nur er erzeugt jene elektrische\nSpannung zwischen den Personen, die jeden Moment\nbereit ist, sich in Annäherung umzusetzen und\nwelche dann die tötliche Oede einer ersten Be-\nkanntschaft überspringen läßt. Er stellt eine feine,\noft gedankenreiche Verbindung zwischen persönlich\nUnbekannten her; er umhüllt schützend die sozialen\nKeime, bis sie sich zur Verbindung Von Menschen\nentwickelt haben. Mit Unrecht wird die Beschäfti-\ngung mit abwesenden Menschen tiefer gestellt, als\njene mit Tenniisbällen, Pferden, Automobilen oder\nder Literatur! Nichts schützt den Watsch Vor der\nVerurteilung, nicht einmal die Schönheit der Lippen,\nauf denen er am liebsten wohnt. Einzig und allein\nein Ansatz Von Schimmel1, der Moderduft längst\nvergangener Zeit madht ihn gesellschaftsfähig und\ngeachtet. Hätte im Rom Vor zweitausend Jahren ein\nDesperado der Erotik das Köpfchen des Fräulein S.\nverdreht, oder wäre es! eine pompejanische Rasier-\nstube, die ihre liebenswürdige Genossin zu selten\nfrequentiert, das1 wäre ein Klatsdh!, der das Herz\njedes' Gelehrten erfreute; der würde auch keinem\nGymnasium Schande bereiten. (Es ist wohl unnötig\nzu sagen, daß die erwähnten Weiblichkeiten fingiert\nsind und in Wirklichkeit nicht existieren.) Der ge-\nehrte Kfetejdh sfer Wißseftsdhaft, der verpönte oer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.6", "texte": "Hintertreppen, der verspottete der Kaffeegesell-\nschaften, sie alle können sich nicht mit jener Edel-\nzucht der Nachrede vergleichen, die in der\nSommerfrische blüht und wuchert. Im kühlen\nWaldesschatten ist sie entstanden, in ozonreicher\nLuft, hunderte VonMetern über delmMeeresspiegel1 hat\nsie ihre ersten Atemzüge getan, kräftigende Sonnen-\nstrahlen haben sie gereift. Die Sonne wirkt Wunder.\nIst Herr N. noch bei 15 Grad im Schatten ein recht\nwenig interessanter Wilderer im erotischen Revier\ndes Kurortes gewesen, so kann es ihm bei 25 Grad\npaslsieren, daß er zum Defraudanten seelischer Güter\navanciert ist, zu einem, der mit keckem Griffe von\nder Tafel1 des Lebens fremde Genüsse stiehlt; Prinz\nKuckuck der Liebe, schwindelhafter Spekulant, der\nmit seelischen 'Worten Differenz'geschäfte treibt,\nohne je die Deckung zu besitzen, Schädling, der\nzu offener Abwehr herausfordert. Was geschehen\nwürde, wenn die Temperatur noch weiter stiege,\nist gar nicht auszumalen.\nMan geht in die Natur hinaus', um sich intensiver\nmit Menschen zu beschäftigen. Der Glaube an\ndas Tete-a-tete mit einem Berggipfel gehört dem\nMenschengewühll einer Großstadt an, draußen\nspielen Berg und See die Rolle Von arg vernach-\nlässigten dritten. Sie sind auch1 überflüssig zur\nvielbegehrten Erholung; es genügt, daß man sich mit\nMenschen beschäftigt und nicht mit Funktionären,\ndaß man mit Leuten verkehrt und nicht in Kreisen.\nDie Natur bleibe in Ehren. Ihre wohltätigen\nWirkungen sind längst gewürdigt und registriert.\nDas Kind weiß schon von der befreienden Wirkung\nder Berge zu erzählen und mühsam hat der Mittel-\nschüler sich für die deutsche Hausarbeit den Einfluß\nder Natur auf das; Gemüt (des Menschen klargemacht.\nSolche Eindrücke bleiben unvergeßlich! Ueberwälti-\ngend, erhaben, weihevoll, erlösend, begeisternd\nhaben diese mit Gras und Bäumen bewachsenen\nFlächen seit undenklicher Zeit gewirkt. Sie haben\nStimmungen ausgelöst, zu Kunstwerken begeistert,\nUnrecht vergessen lassen und vieles mehr. Wäre\nes nicht endlich an der Zeit, diese verdienten Stützen\nmenschlicher Gefühle in den ehrenvollen Ruhestand\nzu Versetzen? Wäre es nicht ehrlich, zuzugeben,\ndaß ein helles Lachen, ein frohes Leuchten in zwei\nAugen stärkere Gefühlslasten hebt, größere Ge-\nschenke Verleiht, als der Anblick von dreitausend\nMeter hohem Schnee? Djaß man nicht von den\nMenschen in die Natur flieht, sondern zu den\nMenschen? Daß man sich freilich in Wald und\nGebirge leichter zu diesen findet als in den aus-\ngefahrenen Berufs!gel!ejtsen der großen Stadt? Hier\nliegt die verjüngende, die befreiende Macht des\nSommerlebens, sein großer Reiz, und sein nie genug\ngerühmter Wert: daß sich Menschen zu einander\nfinden. Die Natur sieht zu und wir können, da\nes für ihre Anhänger tröstlich sein dürfte, ruhig\nannehmen, daß sie es wohlwollend tut.\nNun gibt es außer Langeweile und Klatsch noch\nmancherlei Schönes in der Sommerfrische. Aber\nes steht durchaus an zweiter Stelle und braucht\ndeshalb nicht besonders erwähnt zu werden.\n\nQuellen reifen\nLebensweisheiten und Weltanschauungen\nEin Roman ist erschienen, über den an dieser\nStelle nicht zu sprechen wäre. Er hat mit Kunst\noder Literatur nicht dasi Geringste zu schaffen. Sein\nAutor ist ein Herr Lothar, der leider seinen Wohnsitz\nvon Wien nach' Berlin verlegte, weil es! ihm dort,\ndank der Bemühungen Von Karl1 Kraus, zu heiß unter\nden Füßen wurde. Ich will den Bewohnern des\nKurfürstendamms eine überflüssige Geldausgabe\nersparen, indem ich ihnen den Extrakt dieser Uebel1-\nkeit kondensiert vorsetze. Möge er ihnen den Ge-\nschmack so verderben, daß sie auch von der Lektüre\nder Herren Rudolf Herzog und Georg Engel Ab-\nstand nehmen, die laut Feststellung des Herrn\nLothar auf ihren Salontisthchen zu finden sind.\nHerr Lothar hat das Wort:\nDas kostbarste Gut der Menschheit, die Freude\nam Dasein, gedeiht am besten, Wenn einem das Essen\nschmeckt. Pessimismus ist ja meistens nichts anderes\nals schlechte Verdauung.\n*\nAuch Quellen müssen reifen. Und wenn\nman sie zu früh anbohrt, verschüttet man sie ganz.\n*\nDie Wohltätigkeit legt um einen schönen Frauen-\nkopf einen vortrefflich sitzenden Schein von Güte,\nbringt einen auf unauffällige Weise mit einer ganzen\nMenge Menschen zusammen, die man später einmal\nganz gut brauchen kann und füllt den Tag mit\nBeschäftigung und Aufregung aller Art.\n*\nAuftreten ist leicht, der Abgang ist schwer, das\nmuss man sich gesagt sein lassen, Wenn man auf der\nBühne des mondainen Lebens kein Stümper sein will.\n*\nEs gehört heute zum guten Ton, im Frühjahr eine\nBade- oder Trinkkur zu unternehmen, und die Aerzte,\ndie das wissen, kommen den heimlichen Wünschen\nihrer Patientinnen gern entgegen.\n*\nEs gibt einige wenige Genüsse auf Erden (!) die\nman nicht schildern kann, die man nie vergisst. Zu\ndiesen Genüssen zähllt unbedingt der Marienbader\nMorgenkaffe irgendwo im Walde. Das Gebäck ist ein\nGedicht mit knusprigen Reimen.\n*\nIn aller Frühe, zu einer Zeit, wo in Berlin noch\nalles was zur Welt gehört, im tiefsten Schlafe liegt,\nist man in Marienbad schon mondain.\ni *\nEs ist schicklich, auf dem Metropoltheaterball mit\neiner Dame zu erscheinen, die sehr vertraulich tut,\nweil man als Philister verschrieen wird, wenn einem\ngarnichts nachgesagt werden kann.\n*\nDer Glanz eines Abendessens liegt nicht nur in\nder Speisenfolge, in dem festgefügten den Regeln\nklassischer Menuarchitektur entworfenen Haupt-\nprogramm, sondern in dem Geplänkel scheinbarer\nImprovisation, die es umschwärmen, umranken und\nbegleiten, und die ihm in kürzeren oder längeren\nIntervallen nachklingen.\n*\nWer die stumme Sprache unserer Sitten kennt,\nder kann sich im Salon gar nicht irren, er weiss und\nfindet immer seinen Weg.\n* l\nUnd von unserm Georg Engel weiß Herr LotKar\nfolgende charmante Geschichte zu erzählen:\nIn langer Kolonne stiegen die Herren die Treppe\nhinab. An der Haustür stand Johanna, sehr zierlich\nmit Schürzchen und Häubchen und knixte für jedes\nGeldstück, das sie empfing. Der letzte in der Reihe\nwar Georg Engel. Er griff in die Tasche und entdeckte\nzu seinem Schrecken, dass er keine losen Markstücke\nmehr besass. So machte er denn eine bedauernde\nGeste, und dann nahm er mit raschem Einfall Johanna\num die Taille und gab ihr einen Kuss. Sie lachte\nsehr vergnügt, und auch Engel wischte sich mit dem\nHandrücken sehr befriedigt den Schnurrbart.\nEs geht nichts über die Geistesgegenwart. Man\nfreut sich, daß wenigstens Engel1 einmal sidi be-\nfriedigt und so billig aus der Gesellschaft des Herrn\nLothar fortgekommen ist.\nAber Herr Lothar versteht es auch, einen\nTrousseau zu verlebendigen:\nDie Welle von Spitzenschaum war von blauen\nBändern gehalten. Neben übermütig kichernden\nBattisthemden lag der schwere feierliche Brokat der\nTischtücher. Taschentücher, deren Spitzengerank nur\neinen ganz ganz kleinen Raum für den eigentlichen Zweck\ndes Taschentuchs übrig Hess, hielten Zwiesprache mit\nstolzen prunkvollen Polsterüberzügen. Das ganze\nZimmer war eine Zwingburg der Anmut, eine mysteriöse\nKirche des Charme in Weiss, ein Zauberschloss voll\nmagischer Gedanken, die erröten und erschauern\nmachen, einer Symphonie aller koketten Geheimkünste,\ndie in den Dessous stecken. Ein gefrorner Wunder-\ngarten der Spitzenpoesie.\nEcce poeta!\nWie alle schlechten Dichter und Journalisten\nfühlt sich Herr Lothar Schiller verwandt:\nEr ging in den gelben Salon auf und ab, ruhelos\nhin und her, wie ein Tier im Käfig und sprach ganz laut\nvor sich hin: Mit einemmal war es ihm, als würde es\nfür ihn schon Rettung sein, wenn er jetzt einen\nMenschen fände, dem er sein Schicksal erzählen\nkönnte! .. . Wie war das nur ? Hatte er diese\nScene nicht schon einmal erlebt, oder hatte er sie\ngesehen oder gelesen? Aber wo? Wo? Wo? Alle\nSorgen waren für Minuten vergessen, alles Denken\nausgelöscht, er zermarterte sich das Hirn, um der\nblassen Erinnerung Farbe und Blut zu geben. Plötz-\nlich blitzte es Vor ihm auf! „Jetzt gib mir einen\nMenschen, gute Vorsicht —\" Schenke mir — jetzt\neinen Menschen\". Das war Don Carlos, das war der\nKönig, der seine Täfelchen durchsucht, bis er auf den\nNamen des Marquis Posa stösst.\nSo fordert Marquis1 Lothar sein Jahrhundert in\ndie Schranken. Trust\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nOTTO SOYKA\nHerr im Spiel / Roman\nVerlag Hans von Weber München\nKARL KRAUS\nDie chinesische Mauer\nVerlag Albert Langen München\nLUDWIG SPEIDEL\nPersönlichkeiten / Biographisch-lite-\nrariscne Essays\nWiener Frauen und anderes Wienerische\nVerlag Meyer & Jessen Berlin\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\n1\n1\nvMfyM'\n5 p i;\nwmom\nW -v.\n\"■ ;S5\nv ,;r' -r:/.-'r'-fi\n- . -v. -. *; . '.•• i.•>../•;\n;■§&1;\n>-\nm/,\n>\nr\nsssaii\nGesunde Zahne sind ein viel kostbareres Out, als man es im taglichen\nLeben ohnehin schon einschatzt Regelmassige Verdauung, gute Ernahrung,\ninfolgedessen Schaffens- und Lebenskraft, alles das sind Faktoren, die zum\ngrossen Teil von der guten Beschaffenheit der Zahne abhangen. Wenn\nSie daher Ihre Zahne schon und gesund erhalten wollen, so empfehlen\nwir Ihnen dringend, morgens und namentlich auch abends Kosmin zu\nbenutzen, da dieses Mundwasser infolge seiner erwiesenen Wirkung das\nZahnfleisch kraftigt, die durch Speisereste entstehende Faulnisbildung im\nMunde verhindert und dadurch die Zahne konserviert, solange dieses\nnur irgend moglich ist. , Der überaus erfrischende Wohlgeschmack\ndes Kosmin macht den taglichen Gebrauch dieses vorziiglichen\nMundwassers bereits nach kurzer Zeit zum angenehmen Bediirf-\nnis. Preis pro Flasche; lange ausreichend, M. 1,50, überall kauflich."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100811-01.1.7", "texte": "Auslieferung für Österreich-Ungarn A. Muhlhans-Smital Wien IX / Für den Buchhandel: M. Braunschweig Wien IX / Verantwortl. für die Schriftleitung in Österreich-Ungarn: Otto Soyka\n\n■■\n*\n*\nkuwstler\nOER\n1\nE**l\n112\nI\"\nc»\naraj\n\"-XJ\nMi\n*Sta<\n3*\nm\n2=\n-•;-\nOiUflß\n22\n— \"-■\n•j?\nTtomar\nasii2*\nTAPP£&r>\n\n* flßadcmlscbe Rundscbau«\n12. Jahrgang. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Qeorg Liitike\nDie „Akademische Rundschau\" erscheint am 10 ten und 25 ten\neines jeden Monats. Probe-Mummer gratis\nHdherziichtung des Menschen auf biologischer Grundlage\nVon Dr. Franze (Mk. 1,80). Was ist bis jetzt fur eine verniinftige\nEhereform geschehen? Nichts! Und doch ist die Sache fur die\ngesamte Mehrheit ungeheuer \"Wichtig! Was lasst sich in dieser\nBeziehung tun? Dartiber soil uns die Schrift aufklaren. Die Schrift\nist deshalb ebenso wichtig fiir die Eltern wie fiir die heiratsfahigen\nJiinglinge und Jungfrauen. Man lese!\nBelastung respektive Ererbung und Entartung. Von Dr. J. Sadger\n(1,50 Mk.). Die zwei Worte „Belastung und Entartung\" bergen so\nungeheuer viel in sich, dass jedermann sich dariiber unterrichten\nsollte. So viele Krankheiten haben ihren Ursprung in der Belastung\nrespektive Ererbung, und nur dann bekommt man ein klares Bild\nvon der Krankheit und ihrer Behandlung, wenn man sich iiber Art\nWeise der Belastung oder Ererbung klar geworden ist.\nIjofterlagsbucDbaNdluttd Edmund Demttie Eelpzig\n■\n\nVerlag „Der Sturm\"\n-■\ne\nV\nWir iibernahmen inunsern V erlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiir Gesang u. Klavier / 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlung-en oder direkt\ndurch den Verlag- DER STURM\na Halensee / Katharinenstrasse 5\n■ ■\n«B N\nKaSBBBHBIBBBBBSSBBBBfIB BBBBBBBBBBSsSS\nB\nB\nB\n\nijsi iifii ri 111 ii iii iii:!si isiiiii iiii\nDi\n(Kel\n1 HERAUSGEBER gg\n1 Karl Kraus 1\njj :: Mr. 305/6 1\n|j soeben erschienen M\ng Preis 50 Pfg. jg\ng Aus dem Inhalt: S\nU Schonebeckmesser :: H\n§g Die Kretensische Frage §§\nI ÜBERALL ERHALTLICH I\nililll 111 iiIIIIII I I I I I I I I lllillfr\n\nm .\nFinkenmiihle Sanatorium and Krholangsheim\n• • • • •\nBesitzt alle neuzeitlichen Einriehtungen, Zentral\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. Individuelle arztllche Befaandlung.\nDie Kiiche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervenschwache, Magcn- und Darmleiden, Glcht\nund Rheumatisnius, Frauenleiden u. a. m. best-\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Leiter: l>r of. xsied. W. 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Bots / Verlag Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle nad Anzeigen■ Annahme: Berlin W. 31 / Druck v. Haas Walter, Berlin SW.I&\n\n» 'r \" ■\" \" 11\nWAX GIESSWEIN\nKgl. Sachs, u. Kgl. Wurttercib. Hofoperns&nger\nBERLIN W. 50, Culmbacherstr. 6\nFernsprecher Via, 18926 Fernsprecher Via, 18926\nERTEILT GESANGUNTERRICHT\nSprechstunde 5—4 Uhr\n*< ii :v.\" :.~rr-ni——11 n 11 id\n\nTansende jSaclibesteUimgen und zahlreiche Anerkennungen aus\n(lem Reiche beweisen, dass unsere Weine gut und preiswert sind!\nWir empfeklen zu Beginn der Bowlonsaison unsere beliebten billigen\nBowlen-Weine als\n>»\n0,70 M.\n0,75\n0,80\n0,75\n0,80\nM\n»\n»»\n1,10\n1,10\n1,25\n»»\nu\n»\n>»\n1908er Wellensteiner (Mosel)\n1908 &r Memicher\n1907 er Ellenzer\n1907 er Elsheimer (Rhein)\n1907er Gaubickelheimer „\nBowlensekfc, Frucht-Champagrier\nmit Steuer\nKaisersekt, ohne Steuer . . .\nLorraine, „ „ ...\nAlle Preis© verstelien eicli mit Flaschen frei Haus in Berlin,\nnach ausserhalb frei zur Bahn, gegen Kasse, Naehnahme oder Vor-\neinsendung. Bewahrte Bowlenrezepte der Firma kostenlos. Yolle\nGarantie liir tadellose Besehaffenheit; Nichtgefallendes wird auf\nunsere Kosten zuriickgenommen. 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