{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_sha256": "8cb36936c8d93cad5544802b5d2a9eaeab6d1a779f3aad5cb2f970b300417aaf", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/08/18_01/bmtnabg_1910-08-18_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/08/18_01/bmtnabg_1910-08-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "195", "page_fin": "195", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.1", "titre_corps": "Schlechte Dichter / IV: Otto Ernst Humoriger Charakter", "titre_sommaire": "Schlechte Dichter / IV: Otto Ernst Humoriger Charakter", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.1", "debut_caractere": 552, "fin_caractere_exclue": 860, "texte": "Samuel Fridolin\nSchlechte Dichter / IV: Otto Ernst\nHumoriger Charakter. Schrieb Komödien im Stil der fliegenden Blätter (Jugend von heute / Flachsmann als\nErzieher) Begann eine Reihe Romane: Asmus Sempers Jugendland; Semper der Jüngling, Die Fortsetzungen\nerscheinen unter dem gemeinsamen Titel: Semper idem."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "195", "page_fin": "195", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.2", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.1", "debut_caractere": 862, "fin_caractere_exclue": 1269, "texte": "INHALT:\nR. LAUDON: Neben der Brüsseler Aus-\nStellung / KURT HILLER: Über Kultur / ELSE LASKER-\nSCHÜLER: Meine Mutter / PAUL SCHEERBART: Der\nblaue Himmel / RUDOLF BLÜMNER: Frank Wedekind\nals Aesthetiker / ALBERT DREYFUS: Gedichte /\nALFRED MOMBERT-HERWARTH WALDEN: Hier ist\nein Gipfel / TRUST: Das Ende / CARL ONNO EISEN-\nBART : Literarische Ausländerei / J. 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Laudon", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.1", "debut_caractere": 1271, "fin_caractere_exclue": 3579, "texte": "Neben der Brüsseler Ausstellung\nVon R. Laudon\nHier Mistet die Ausstellung und wirft mit inter-\nnationaler Wucht ihre Passanten platt auf die Erde,\ndrüben ragen dichte ißaumwipfel, da tänzelt das1\nkokette Brüssel. Nachdem der Laie seine ehrenvolle\nPflicht erfüllt und (die Aufstellung hat über sich1\nergehen lassen, erinnert er sich imit Vergnügen seiner\nguten Laune und verschwindet hohnlachend aus\ndem geMfressenden Terrain. Er schließt sich hoch-\nachtungsvoll ergebenst allen Lobeserhebungen an,\nweMie die Exposition betreffen, sieht sidi nur ge-\nnötigt nach1 Rücksprache mit seinen jugendlichen\nBeinen, diesen freien Lauf zu lassen.\nIch bin wieder außerhalb der Gitter, schwimme\nin Britekel1. Die Stadt ist so schön und sehenswert;\nfast |n jeder Straße so jstihlön und sehenswert. Streifen\nSie durch Berlin, isto vergessen Sie flicht, einen\nBegleiter mitzunehmen; Sie fallen, von der Mono-\ntonie der Häuser eingeschläfert, in tiefe Hypnose.\nIdh sah sälön Fremde in traumartiger Lethargie\ndurch die Linden gehen; wenn ein Schutzmann sie\nam Arme schüttelte, so wachten sie auf, schlugen;\nentsetzt um sich und fuhren mit dem nächsten\nZuge nacli Hause. Nur heftige Lachkrämpfe sorgen\nin Berlin automatisch dafür, daßi der Spaziergänger\naufwacht und garantieren jso eine gewisse Unge-\nfährlichkeit des' Betretens der Straßen; nämlich!\nLachkrämpfe, wenn ein Schild mit Shakespearescher\nBündigkeit ein Arrangement von sieben Bäumen\nalsl Park bezeichnet, oder ein Loch zwischen den\nHäusern als Platz. Sonst studiert der Fremde, wie\nman an allen Ecken sehen kann, unablässig im\nGehen una Sitzen seinen Plan der Stadt; er läuft\nw;e von einer Wespe gestochen aus einer endlbsen\nStraße in die andere, frühstückt am Wedding, diniert\nam Alexanderplatz, soupiert am Zoo, Beschließt den\nTag aut dem: Kreuzberg, (immer die mysteriöse\nFrage auf den Lippen: „Wo liegt Berlin?\" Er\nglaubt ständig in Groß-Rixdorf zu sein. Er weiß\nnicht, der völlig Unkundige, daß Berlin ein ab-\nstrakter Begriff ist, daß Bein nicht optisch und\ngreifbar in den Häusiermassen erscheint, sondern\ndaß es( eingekapselt überall sitzt, wo er Vorbei ge-\nlaufen ist; es hat sich die Häuser wie einen\nschmutzigen Regenmantel übergeworfen, es hält sich\ndie toten Faslsaden wie einen Riesenpiarapluie Vor,\ndamit man es! «dahinter ungestört schustern läßt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7748, "texte": "Es sieht im Durchpassieren aus wie ein Wurf unbe-\nschreiblicher Gebilde, von Gebilden, eins häßlicher\nund gleiChgiltiger als das andere; aber hier baut\nman eben nidht für den Betrachter. Weither Nord-\ndeutsche, insbesondere weither Berliner, sucht sich\ndenn ein Haus aus; in den feineren Viertelb pflegt\nman wohl mit großem Hailoh Innendekoration und\nAußendekoration; aber im tiefsten Herzensgrunde\ngilt das auch hier als Schunk und ist von weit her\nimportiert. Der Berliner Schönheitssinn erschöpft\nsich in primitiver Reinlichkeit, und der einzige an-\nanerkannte Kunstgegenstand ist der Sprengwagen.\nDafür ist typisch die erste Wendung eines Berliners\nin irgend einer alfertümliehen Stadt, — daß sie\ndreckig sei; mit der vorbildlichen Kanalisation be-\nginnt und endet die norddeutsche Kunstbemühung.\nIch1 spreche nicht von dem „Greuel1 der Siegesallee\";\nzwar barbarisch ist sie von A bis Z, aber: das ist\nkein Freund Berlind, der betet, daß die nächste\nErdbebenwelle sich die Siegesallee herunterlangen\nmöge; mit einem einzigen Blick haben Sie hier\nganz Berlin, wie in einem Konzertprogramm, gefaßt:\nder saubere weiße Marmor, der Schutzmann, die\numgitterte Sitzbank, der secbsunddreißigfache Pa-\ntriotisimus, die optische Unmöglichkeit.\nAls ich das unbeschreibliche Straßenbild Brüs-\nsels zum ersten Male in mich aufnahm, die Brücken,\nPlätze, Denkmäler, Avenuen, hätte ich diese Wirk-\nlichkeit nicht für möglich gehalten; es! war zum\nWeinen, — sk> geistreich, frei, verwegen und lieb-\nliches sah ich hier. Ludwig Hoffmann, das Ber-\nliner Genie, stand mir noch grau in grau vor Augen.\nSeine fanatische Schlichtheit, die nichts verraten will,\ndie sich zurückzuhalten scheint, und doch1, wie der\nBetrachter bald merkt, nur wenig zurückzuhalten\nhat; der Mann beleidigt nicht und; niemals1, — (er wagt\nes nicht; es ist sein Genie, daß er nicht und niemals\nauf die Nerven fällt. Er markiert aufdringlich guten\nGeschmack. Aber so wenig roh er ist, so wenig läßt\ner von den himmlischen und stolzen Möglichkeiten\nder Baukunst ahnen. Er macht klüge, gebildete]\nBauten, von rationalistischer Dumm- und Dürftig-\nkeit. Es ist die Kunst, die im! Anzüge ist, sich ein\nLand unterjocht, und erst, wenn es sich gefügt hat,\nihm die hohen Freiheiten jder Phantasie schenkt.\nEine kleine niedliche Lyrik zwitschert hie und da in\nHoffmanns Werken; planvoll angebracht, täuscht\nsie über große Mängell hinweg. Nüchtern, — aber\nwahrhaft die Kunst eines militärischen Landes, hoffe\nniemand, daß es1 bald anders wird; denn diese Kunst\nist die Schattenseite von Deutschlands, Preußens\nMilitarismus, seiner Gewerbe- und Gelehrtenenergie,\nund dieser Militarismus [und diese Energie wägt\nalle Bauten der Nachbarländer auf. Wer morgens\num sechs Uhr durch Berlin die Riesenmassen Ar-\nbeiter in die Fabriken, Werkstätten sich1 wälzen sieht\nund um zehn Uhr fasit lbere Straßen durchwandert,\nglaubt Flammen ausi diesen getünchten Häusern\nschlagen zu sehen, glaubt, daß diese rastlose zähe\nEnergie mit SChrecken und Neid alles überzieht,\nwasl sich einer stolzen Vergangenheit erfreut. Was\nscheren uns da Passantenkritiken ?! —\nFreilich, verschonen wir dies Land mit Kunst,\nfühlen wir Freunde der Kunst uns weiter als Aus-\nländer! Und so wanderte ich mit heimatlichem Ver-\ngnügen durch die Straßen von Brüssell, Antwerpen,\nGent, saß am Strande von Ostende. Ein schöner\neitler Menschenschlag war da zu sehen; besonders\nAntwerpen ließ so leicht den Wohnort Rubens\nerraten: die prallen, saftigen Dirnen, die muskulösen\nMänner. Jedes Dienstmädchen trägt ihren wollenen\nShaw! mit größerer Grazie als' ein Berliner Fräulein\nden seidensten Theatermantel. Man ist hier früh-\nreif; ganz junge Dinger tragen frisierte Köpfe und\nblicken frech ; ein Tag Aufenthalt genügt, um sich zu\nüberzeugen, daß die sexuelle Atmosphäre hier freier\nweht als im guten Preußen. Auch sah ich1 in den Be-\ndürfnisanstalten keine Kreidezeichnungen und In-\nschriften, die mich über die Erotik auf-\nklären könnten. Ein breites' öffentliches Leben war\nzu beobachten, gefüllte Cafes!, gefüllte Straßen; viel\nLärm, viell Bewegung; größere Kommunikation von\nMensch zu Mensch; das politische Tier bellte ver-\nnehmlich. Abends1 sammelten sich in Antwerpen\nMassen auf den freien Plätzen; gute Musikkapellen\nspielten anständige Musik, die schleimige Tonsuppe,\ndie man uns vorsetzt, wird hier nicht goutiert, nur\nin Cafes verurteilt technische Unfähigkeit die Musi-\nkanten zu Wiener Walzern. Aber alles und jedes\nwurde in mir aufgewogen durch die Freude über die\nAnmut und den Geschmack der belgischen Frauen.\nEs erübrigt sich, hier noch einen Rückblick auf\ndie fabelhafte Geschmacklosigkeit der Berlinerin zu\nwerfen; „Geschmacklosigkeit\", das heißt nicht:\n„schlechter Geschmack\", sondern „gar kein Ge-\nschmack\". So wenig Sinn der städtebauende Ber-\nliner für die Optik der Straßen1 hat, so wenig eben\ndie Berlinerin für die Optik ihres Körpers. Besten-\nfalls gehit sie ä la Hoffmann grau in grau; ent-\nsetzlich, wenn sie mehr, über ihre Kraft, will. Vor-\nbildlich müssen hier noch die öffentlichen Damen\nwirken, deren Tracht allmählich das größere Bürger-\npublikum annimmt; auf diesem Umweg kommt\nParis nach Berlin. Man erkennt in Berlin auf einen\nBlick das1 Bürgermädchen: wuschliges Haar,\nplumpes Zeug, schlechtes Schuhwerk, — von den\nsichtbaren Dessous ganz £u schweigen. Hier im\nAusland beschämt eine niedrige Flämin sie alle.\nWas sind die Mädchenhändler aus der Grenadier-\nstraße für schlechte Kaufleute! Aus Berlin expor-\ntieren sie Mädchenware für das Ausland: das ist\ndem Ausland ganz recht und für Berlin nur ange-\nnehm. Aber warum zieht niemand Ausländerinnen,\nFranzösinnen, Däninnen, Belgierinnen zu uns her,\nwarum kommen sie so wenig, so wenig zu uns?\nWas sind die großen Warenhäuser und Modefirmen\ngedankenlos! Alle schönen und großen Kostüme\nfranzösischer und belgischer Damenkonfektion\ntragen auf der Ausstellung das Schildchen: ver-\nkauft an Gerson, Wertheim. Aber vergeblich suchte\nich auf der Straße an den Sdiönen und preiswerten\nDamen ein Schildchen: verkauft nach Berlin. Was\nnützen doch alle Kostüme, meine blinden Herren\nKonfektionäre, wenn niemand da ist, der sie trägt,\nder zeigt, wie man sie trägt, und was sie aus\nder Trägerin machen? Diese Kostüme, das sehen\nSie nicht, sind geboren aus dem Bemühen, die\nGrazie des Frauenkörpers aufs sichtbärste hervor-\ntreten zu läsken und zu steigern: wo aber ist die\nBerliner Grazie, welche diese Kostüme hervortreten\nlasisen könnte? Sinnlos, plump sind all diese wahr-\nhaft herrlichen Kunstwerke, so lange siCh nicht die\ngeborenen Trägerinnen für sie finden lassen, und\nSie werden auch nicht recht dabei reüssieren. Wollen\nSie ein Geschäft machen, so arbeiten Sie mit uns\nmit an der künstlerischen Bildung, arbeiten Sie auf\nIhre Weise! Setzen Sie siCh in Verbindung mit den\nNachfolgern des Herrn Kiwi Eierweiß aus der Gre-\nnadiers traße (G. m. b. H.), lassen Sie hundert\nDämchen ausl Paris und Brüssel in Berlin auf-\ntauchen, treiben Sie sie systematisch durch die be-\nlebten Straßen, die Vergnügungsstätten. Sie werden\neine Erregung bei allen jungen Männern explosions-\nartig sich entwickeln sehen, die lebhafter ablaufen\nwird als bei einer politischen Katastrophe, Sie\nwerden die eifersüchtigen (Blicke der betroffenen\nDamen wie in einem Brennspiegel konzentriert auf\nIhre Importware gerichtet (sehen; man wird auf\nihr Lächeln, ihre Bewegungen und ihre Worte lau-\nschen. Man wird naCh knapp einer Woche auch1 jene\nKostüme massenhaft und en gros kaufen, die Sie,\nmeine blinden, nunmehr erleuchteten Herren Kon-\nfektionäre, mit jenen Kulturträgerinnen zusammen\nin weiser Vorsorge, in hilligen Baumwollstoffen,\naus Paris bezogen haben.\nAber ich sehe, Sie lachen, Sie sind entrüstet.\nSie haben auch Recht: Berlin ist nicht zu helfen.\nMachen Sie bitte die Bude zu!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "197", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.4", "titre_corps": "Über Kultur : II", "titre_sommaire": "Über Kultur : II", "signature_source": "Kurt Hiller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.2", "debut_caractere": 7750, "fin_caractere_exclue": 13084, "texte": "Über Kultur\nII\nVon Kurt Hiller\n„Bildung\", wie wir das Wort gemeinhin heute\nverstehen, ist freilich etwas höchst Oedes! und Un-\nhumanistisches ; es ist ein Unterbegriff von Vie 1 -\nwisserei; so wie Gelehrsamkeit ein Unterbegriff\nvon Vielwisfserei ist. Gelehrsamkeit und Bildung —\nzwei Tugenden, die niCht dem intellektuellen und\nnicht dem ästhetischen Vermögen, sondern dem Ge-\ndächtnis, dem Fleiß und der Ausdauer, zumal der\nSitzausdauer, der Gesäßigkeit, zuzuschreiben sind;\nGelehrsamkeit mehr auf das geordnete Spezial-\nwissen, das Kennerische, die esoterische Mikrologie\ngehend — Bildung mehr auf die Gesamtheit der\nErfahrbarkeiten, das allgemein Menschliche und die\nungeordneten Gegenstände mittelguter Konversation.\nWas! man heute unter einem „gebildeten Men-\nschen versteht, das ist fein Wesen, das sich eine\nerkleckliche Fülle von Kenntnissen, namentlich histo-\ntischen, neuerdings auch naturwissenschaftlich-tech-\nnischen, einverleibt hat (Kenntnissen, die nicht etwa\nsein Beruf erfordert); ein Wesen, das ganze Säcke\nvon Daten und Anekdoten und Tatsachen und Ge-\nschehnissen und Interessantheiten, ganze Wagen-\nladungen von Quisquilien verschluckt hat und nun\nvon Posivitäten förmlich berstet. „Der moderne\nMensch\", sagt Friedrich Nietzsche in seiner zweiten\nUnzeitgemäßen Betrachtung, „schleppt zuletzt eine\nungeheure Menge Von unverdaulichen Wissens-\nsteinen mit sich' herum, die dann bei Gelegenheit\nauch1 ordentlich im Leibe rumpeln, wie es) im Märchen\nheißt. DurCh dieses Rumpeln verrät sich die eigenste\nEigenschaft dieses modernen Menschen: der merk-\nwürdige Gegensatz eines Inneren, dem kein\nAeußeres, eines Aeußeren, dem kein Inneres ent- '\nspricht, ein Gegensatz, den die alten Völker nicht\nkennen. DaS Wissen, das im Uebermaße ohne\nHunger, ja wider das1 Bedürfnis aufgenommen wird,\nwirkt jetzt nicht mehr als umgestaltendes, nach ,\naußen treibendes Motiv und bleibt in einer gewissen '\nchaotischen Innenwelt verborgen, die jener moderne\nMensch mit seltsamem Stolze als die ihm eigen-\ntümliche „Innerlichkeit\" bezeichnet. Man sägt dann\nwohl, daß man den Inhalt habe und daß es' nur an\nder Form fehle; aber bei allem Lebendigen ist dies\nein ganz ungehöriger Gegensatz. Unsere moderne\nBildung ist eben deshalb nichts Lebendiges, weil\nsie ohne jenen Gegensatz sich gar nicht begreifen\nläßt, das heißt: sie ist gar keine wirkliche Bildung',\nsondern nur eine Art Wissen um die Bildung, es\nbleibt in ihr bei dem Bildungslgedanken, bei dem\nBildungs-Gefühl, es wird kein Bildungs-Entschluß\ndaraus. Das dagegen, was wirklich Motiv ist und\nwas ah Tat sichtbar nach außen tritt, bedeutet\ndann oft nicht viel mehr als) eine gleichgültige Kon-\nvention, eine klägliche Nachahmung oder selbst eine\nrohe Fratze. Im Inneren ruht dann wohl die Empfin-\ndung, jener Schlange gleich, die ganze Kaninchen\nverschluckt hat und siChl dann still gefaßt in die\nSonne legt und alle Bewegungen, außer den notwen-\ndigsten, vermeidet. Der innere Prozeß, das ist jetzt\ndie Sache selbst, das ist die eigentliche „Bildung\".\nJeder, der vorübergeht, hat nur den einen Wunsch,\ndaß eine solche Bildung nicht an Unverdaulichkeit\nzu Grunde gehe. Denke man sich zum Beispiel '\neinen Griechen an einer solchen Bildung vorüber-\ngehend, er würde wahrnehmen, daß für die neueren\nMenschen „gebildet\" und „historisch gebildet\" so\nzusammenzugehören scheinen, als ob sie Eins: und\nnur durch die Zahl der Worte verschieden wären.\nSpräche er nun seinen Satz aus: es kann einer\nsehr gebildet und doch historisch1 gar nicht gebildet\nsein, so würde man glauben, gar nicht recht gehört\nzu haben, und den Kopf schütteln. Jenes bekannte\nVölkchen einer nicht zu fernen Vergangenheit, ich\nmeine eben die Griechen, hatte sich in der Periode\nseiner größten Kraft einen unhistorischen Sinn zäh\nbewahrt; müßte ein zeitgemäßer Mensch in jene\nWelt durdi Verzauberung zurückkehren, er würde\nvermutlich die Griechen „siehr ungebildet\" befinden,\nwomit dann freilichl das so peinlich verhüllte Ge-\nheimnis1 der modernen Bildung zu öffentlichem Ge-\nlächter aufgedeckt wäre: denn aus uns haben w;ir\nModernen gar nichts; nur dadurch, daß wir uns mit\nfremden Zeiten, Sitten, Künsten, Philosophieen, Re-\nligionen und Erkenntnissen anfüllen und überfüllen,\nwerden wir zu etwas Beachtungswertem, nämlich\nzu wandelnden EnCyklopädien, als! welche uns viel-\nleicht ein in unsere Zeit verschlagener Alt-Hellene\nansprechen würde. Bei Encyklopädien findet man\naber allen Wert nur in! dem, was; darin steht, im\nInhalte, nicht in dem, was! darauf steht oder was\nEinband und Schale ist; und so ist die ganze\nmoderne Bildung wesentlich1 innerlich: auswendig\nhat der Buchbinder so etwas darauf gedruckt wie |\n„Handbuch innerlicher Bildung für äußerliche Bar- *\nbaren\"...\"\n„Bildung\", nach1 heutigein Wortgebrauch, isl\nnichts anderes als totes, unorganisch zusammen-\ngehäuftes Wissen. Das lügnerische Sprichwort sagt,\ndaß Wissen Macht sei. Niemand hat so einleuchtend\nwie der erhabene Nietzsche — im weiteren Ver-\nlaufe der zweiten Unzeitgemäßen — dargetan, in-\nwiefern Wissen zur Ohnmacht wird; wie ein Geist,\nder nur immer dahin tendiert, Tatsiächlichkeiten in\nsich zu saugen, in seiner Selbstherrlichkeit er-\nschlaffen und der schöpferischen Potenz verlustig\ngehen muß. Wodurch beispielsweise erklärt sich\ndie unglaubliche philosophische Sterilität unserer\nTage? Wahrhaftig nur auisj denn Positivismus"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4793, "texte": "unserer Tage. Wer sich! damit abmüht, die Historie\ndes menschlichen Philosophie-Nachdenkens zu er-\nforschen und zu jedwedem Krimskrams der über-\nlieferten Systeme kritisch! Stellung zu nehmen, ja\nsogar an kein lebendiges Problem der Gegenwart\nüberhaupt heranzutreten wagt, ehe er nicht die\nGenealogie dieses Problems akribisch erkundet —:\nder kann schwerlich selber je zum philosophischen\nNachdenken gelangen.\nIch kenne unter den Götzen, vor denen man\nheutzutage auf den Knieen liegt, keinen, der mit\neiner häßlicheren und blöderen Physiognomie ge-\nsegnet wäre, afe der Götze der Tatsache. Und kein\nDünkel unter den vielen Dünkeln erscheint mir so\nwiderwärtig wie der Dünkel des1 Wissens. Freilich\nist er die einzige Zuflucht für die, welche nichts\nkönnen. Aber aller Status! ist tot, und alle Dy-\nnamis lebt; Inhalte haben hier keinen Belang, Form\nnur gibt Werte. Darum hat jene Erlebnisform, die\nwir „Kultur\" heißen, mit der Vielheit von Gedächt-\nnisinhalten, die wir unter „Bildung\" verstehen, nichts\nzu schaffen. Ein Lyceumsbackfisch zum Exempel\nmag über die Renaissance geschichtlich viel besser\nBescheid wissen als irgend ein Zigeuner aus dem\nQuartier latin — und trotzdem (oder vielleicht ge-\nrade darum) nicht annähernd so viel Auge und\nNerv haben wie jener für eine süße Herbheit Botti-\nceliis, tizianeske Farbensymphonieen oder die rem-\nbrandtische Lösung eines Lichtproblems. Das Ly-\nceumsgirl kennt Namen und Daten und Zusammen-\nhänge (hat aber die Sehart des Kalbes und die;\nEmpfindsamkeit des Pachyderms); der Zigeuner\nweiß von den Daten und Dingen nichts, feiert jedoch\noptische Orgien. Das Girl« ist gebildet, der Zigeuner\nist kultiviert...\nNach dieser Klarlegung des Subjektiven und\ndes! Qualitativen in unserem Begriff von Kultur\nwird es geboten sein, noch einmall bei dem zu ver-\nhaiYJ.i, was wir anfangs mit einer gewissen Selbst-\nverständlichkeit als ein Merkmal seiner vorausgesetzt\nhatten: bei der Universalität. Da - Kultur,\nihrer Idee nach, die Tendenz aufweist, das Indivi-\nduum in seiner Totalität zu durchdringen, so erhält\nalles Spezialistentum, weniger das des Berufs als\ndas der Seele, das Stigma der Kulturfeindlichkeit.\nHier gilt es nein zu sagen zu der hochmütigen Be-\nschränktheit, mit der ästhetisch gerichtete Tempe-\nramente auf intellektuelle Problematik herabblicken,\nund Begriffsklöppler auf das Artistische und die\nFrissons der Gefühle. Es ist freilich verkehrt, Ge-\nschmackssachen auf die (Folterbank wissenschaft-\nlicher Syllogistik zu schnallen, und freilich lächerlich,\nunter dem Gesichtspunkt „schön-häßlidh\" lösen zu\nwollen, was unter dem Gesichtspunkt „wahr-falsch\"\ngelöst zu werden heischt —: aber für uns zusammen-\ngesetztere Gemüter sind nun einmal1 die Erschei-\nnungen des Daseins nie damit erschöpft, daß sie\nuns beeindruckten, — nie damit erledigt, daß wir\nsie kritisch-analytisch bezwangen. Auch Angelegen-\nheiten des ästhetischen Bezirks werden uns zum\nSubstrat der Geistigkeit, und Angelegenheiten des\nintellektuellen zum Gegenstand tiefster Freude und\nbohrenden Schmerzes. Kunst und Erkenntnis, Er-\nlebnis und Problem, Gefühl und Gedanke umfassen,\ndurchsetzen und zerschmel'zen einander mit einer\nso ruhelosen Intensität, mit solchem Chemis-\nmus, daß die sogenannte „klassizistische\" For-\nderung, wie sie besonders deutlich Herr Leonard\nNelson (im zweiten Bande der Fries'schen Schule)\nerhoben hat, nämlich beide Funktionen streng ge-\ntrennt auszubilden, in friedlicher Nebenordnung,\nohne „Uebergriffe\" der einen in das Gebiet der\nanderen, ah ein Zwang erscheint, der für die Päda-\ngogik vielleicht des1 guten Grundes nicht ganz ent-\nbehrt, der für das Schrifttum aber sicherlich1 ohne\nLegitimation und Verderblich ist; ein Zwang von\nstark reaktionärer Tönung, insofern er ein Stadium\npsychisch-anthropologischer Entwicklung zurück-\nschrauben, einen Zustand der Kompliziertheit und\nVerfeinerung in einen Zustand der Einfachheit und\nRobustität verwandeln, Armut für Reichtum ein-\nsetzen will.\nFür den nur-wissenschaftlichen und für den\nnichts-als-impressionistischen Menschen ist diese\nSonderung zwar nötig: wer lediglich1 \"die Wahrheit\nsucht, hat das Gefühll auszuschalten, und wen es um\ndes Himmels willen naCh' nichts anderem als nach\nHauchen der Stimmung gelüstet, der hat den Ver-\nstand zu verbannen; allein der Mensch dieser neuen,\nfabelhaften Tage ist ein Mischling, ein Gebilde aus\nAllerlei, ein „zwischen den Rassen\". Auf-\ngewachisen unter den (jeweils imponderabilen, aber\ninsgesamt enormen) Einwirkungen des in sich un-\nendlich zergliederten, ohne Konzinnität flimmernden\nobjektivierten Geistes von Vorzeit und Gegenwart,\nist seine Seele in keinem Augenblick nur nach\neinem Pofe gerichtet; die Gesichtspunkte ver-\nmengen sich in ihm: seine Problematik wird\nihm gefühlsbetont, und sein Gefühlsmäßiges intel-\nlektuell zersetzt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "197", "page_fin": "197", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.5", "titre_corps": "Meine Mutter", "titre_sommaire": "Meine Mutter", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.3", "debut_caractere": 4810, "fin_caractere_exclue": 5291, "texte": "Meine Mutter\nElse Lasker-Schüler\nWar sie der große Engel,\nDer neben mir ging?\nOder liegt meine Mutter begraben\nUnter dem Himmel von Rauch —\nNie blüht es blau über ihrem Tode.\nWenn meine Augen doch hell schienen\nUnd ihr Licht brächten.\nWäre mein Lächeln nicht versunken im Antlitz,\nIch würde es über ihr Grab hängen.\nAber ich weiß einen Stern,\nAuf dem immer Tag ist;\nDen will ich über ihre Erde tragen.\nIch werde jetzt immer ganz allein sein\nWie der große Engel,\nDer neben mir ging."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "197", "page_fin": "198", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.6", "titre_corps": "Der blaue Himmel : Eine Garten-Novelle", "titre_sommaire": "Der blaue Himmel : Eine Garten-Novelle", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.3", "debut_caractere": 5293, "fin_caractere_exclue": 11334, "texte": "Der blaue Himmel\nEine Garten-Novelle\nVon Paul Scheerbart\nFrau Albertine von der Marwitz war sechs-\nundneunzig Jahre alt und Sehr reich.\nUnd sie saß in ihrem alten Park auf einer alten\nGartenbank, und neben der alten Dame saß Dr.\nGroddeck, der erst dreiundzwanzig Jahre alt und\nsehr arm war.\nDer Himmel1 war so blau wie ein dunkler Saphir,\nund in dem Ententeich vor der alten Gartenbank\nschwammen sehr viele kleine Enten herum. Es war\nsehr , warm, obgleich es noch sehr früh war.\nFrau Albertine lächelte immerzu, und Dr. Grod-\ndeck sprach mit einem so wilden Eifer, daß er ganz\nrot im Gesicht wurde:\n„Sie können mir glauben, gnädige Frau, Stern-\nwarten kosten sehr viel1 Geld. Das kann nicht von\neinzelnen aufgetrieben werden. Das ganze Volk,\n— das ganze große Publikum müßte für die Sache\ninteressiert werden. Und das kann nur durch\nBücher, Zeitungen, Broschüren und Ausstellungen\ngeschehen. Denken Sie nur, gnädige Frau, wie\nviele Millionen für den Grafen Zeppelin aufgebracht\nwurden. Was für den Grafen Zeppelin getan wurde,\ndas kann aucih' für die Sternwarte getan werden. Der\n„praktische\" Wert der Luftschiffe ist doch auch\nnur ein minimaler. Darüber muß man sich1 doch klar\nsein. Daß die Sternwarten absolut keinen prak-\ntischen Wert haben, kann man noch nicht einmal1\nzugeben. Die Durchforschung unsrer Erdatmo-\nsphäre — unsres großen blauen Himmels, ist doch\nauch von einer gewissen Bedeutung. Wenn auch\ndie Sternwarten etwas' mehr kosten als die Luft-\nschiffe — das schadet doch nidits. Dafür hält\nauch eine Sternwarte länger vor als ein Luftschiff.\nDas; müssen Sie doch zugeben, nicht wahr, gnädige\nFrau?\"\nDr. Groddeck hielt exisdiöpft inne.\nUnd Frau Albertine lächelte immer noch und\nsagte dann Mse:\n„Und Sie, Herr Doktor, wollen Direktor in einer\ndieser Sternwarten werden?\"\n„Freitich,\" erwiderte dieser, „wozu hätte ich\nsonst Astronomie studiert? Es ist durchaus not-\nwendig, daß ich eine Stellung mit größerem Gehalt\nbekomme. Das Assistentendasein ist zwar sehr\nehrenvoll, aber doch nicht sehr einträglich\"\n„Ja,\" fragte nun Frau Albertine, „wie denken\nSie sich nun die sogenannte Propaganda im großen\nPublikum ? Bleiben Sie nicht bei Andeutungen\nstehen; werden Sie so ausführlich wie möglich!\"\nFrau Albertine lächelte nicht mehr, sie erblaßte\nein wenig und stützte sich Vorsichtig auf die Seiten-\nlehne der Gartenbank. Ein paar ganz kleine junge\nEnten schwammen ans Ufer.\nDer Herr Doktor wußte sehr wohl1, worauf er\nhinaus wollte, und er war daher sehr gerne bereit,\ngleich sein ganzes Herz auszuschütten.\n„Mit der etwas langweiligen, astronomischen\nRechnerei,\" sagte er hastig, „werden wir natürlich\nnicht das! Publikum ködern. Hier müssen ganz\nandere Seiten aufgespannt werden. Man muß dem\nPublikum den blauen Himmel mit blauen Wundern\nanfüllen, daß es neugierig, sehnsuchtsvoll und wohl-\nwollend gestimmt wird.\"\nFrau Albertine lächelte wieder und sagte:\n„ Die trocknen Wissenschaftler verstehen das\naber doch1 nicht so recht. Ihr Ton ist so selten\nhinreißend. Die Geschichten vom Mars sind schon\nein wenig veraltet. Der blaue Himmel ist zwar sehr\ngroß und leuchtend. Aber ich fürchte doch, daß\ner allen Menschen zu fern erscheinen wird — zu\nweit abgelegen. Auch ist er nicht sehr beweglich.\nDie Luftschiffahrt durfte .gleichzeitig auf ein sport-\nliches Interesse rechnen, und das — fehlt den\nAstronomen. Ich fürchte, die werden nicht die ge-\nnügende Intensität besitzen, um ein größeres\nPublikum mitzureißen.\"\n„Ganz recht, •gnädige Frau!\" sagte Dr. Grod-\ndeck schmunzelnd, „ganz so dachte ich auch. Und\ndeswegen müssen wir uns nach einer Unterstützung\numsehen — die müssen wir finden — und wir\nwerden sie finden.\"\n„Wo denn?\" fragte Frau Albertine etwas1 müde.\n„In der Literatur und Kunst!\" versetzte trocken\nHerr Dr. Groddeck.\nFrau Albertine von der Marwitz sah ihn ver-\nstand nisltos an, und er fuhr fort — wieder sehr\nhastig:\n„Gnädige Frau, ich verstehe Ihr Staunen. So\nohne weiteres geht das natürlich nicht. Literatur\nund Kunst müssen natürlich in ganz besonderer\nWeise zunächst angeregt werden. Aber Sie werden\ndoch zugeben, gnädige frau, daß der Mars sehr\nviele — sogenannte Romane — hervorgebracht hat.\nNicht nur Flammarion, Wells und Laßwitz haben über\nden Mars geschrieben — auch hundert andere. Da\nkann man doch noch auf mehr hoffen. Ich bin der\nfesten Ueberzeugung, wenn man nach anderen\nRichtungen hin Anregungen gäbe, könnten wir sehr\nbald eine umfangreiche Literatur haben, die eigent-\nlich' nur den Astronomen nützen würde.\"\nFrau Albertine schloß die Augen und fragte\ntonlos:\n„Wie denken Sie sich diese Anregungen nach\nanderen Richtungen hin?\"\nDa verließen vier kleine Enten das Wasser und\nnäherten sich der alten Gartenbank. Dr. Groddeck\nwarf ihnen ein paar Semmelkrumen zu und fuhr\ndann fort:\n„Außer dem Mars gibt es doch noch recht viele\nandere Wunder ;im blauen Himmel. Ich' will gar\nnicht vom Orionnebell und vom Andromedanebel\nreden. Wir können ruhig in unserem Sonnensystem\nbleiben. Die Atmosphäre über der Erdoberfläche\nist mindestens hundert deutsche Meilen hodh. Man\nhat in einer Höhe von hundert Meilen elektrisch\nleuchtende Wolken entdeckt — und in derselben\nHöhe leuchteten Sternschnuppen auf und ver-\nschwanden wieder da oben. Hundert Meilen über\nder Oberfläche unseres Sternes! Welch ein Riesen-\nraum dieser Oberfläche gegenüber! Das muß den\nRomanschriftstellern klar gemacht werden, damit\nsie in diesem Riesenraume fürderhin ihre Ge-\nschichten sich entwickeln lassen. Dieser Luftraum\nist wahrscheinlich nicht so still wie ein Friedhofe\nDer blaue Himmel wird tagtäglich von zehn\nMillionen Meteoren durchsaust. Es können auch\nViel mehr sein. Und wir dürfen uns diese Meteore\nnicht afe simple Stoffklumpen denken. Was von\nihnen zu uns! herunterfällt, ist so minimal, daß\nman daraus1 keinen Schluß auf das Ganze der\nMeteorkörper ziehen darf. Hierüber muß ge-\nschrieben werden — auch von den Zeitungen —\nimmerzu.\"\n„Was1 denn ?\" fragte Frau Albertine, indem sie\ndie Augen aufschlug und die Vier kleinen Enten\nwieder in den Teich hineintappen sah.\nJetzt lächelte Dr. Groddeck, und er sprach\nfeierlich:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2708, "texte": "„Meteorgeistergesdhichten! Ich glaube nämlich,\ndaß diese Sternschnuppen, die wir da oben im blauen\nHimmell sehen, veritable Lebewesen sind, die unter\nUmständen noch viell klüger und besser organisiert\nsein könnten als die Menschen. Mit der Phantasie!\nkann man ja diese Meteorgeister so köstlich ausge-\nstalten — die Maler können sie malen — mit langen,\nelektrisch leuchtenden Gliedmassen. Und man kann\nvon diesen Meteorgeistern Geschichten erzählten, die\nviell interessanter sein könnten, als die Geschichten\nvon den Menschen auf der Erdoberfläche. Es muß\ndoch ein viel freieres Leben sein, so ganz frei im\nWeltenraume herum sausen z(u können, (ohne an, einen\nRiesenstern angebunden zu sein wie unsereins!\"\n„Ist das Ihr Ernst?\" fragte Frau Albertine\nlebhaft.\n„Aber freilich1!\" versletzte Dr. Groddeck, „wenn\nich nur wüßte, wie ich die Künstler und Dichter in\ndieses neue Stoffgebiet hineinlocken könnte. Dann\nhätten wir gewonnenes! Spiel.. Da würden bald\nalle Menschen für die neuen Sternwarten begeistert\nwerden. Bedenken Sie nur: es ist ja gar nicht\nso phantastisch, wenn ich behaupte, daß die Meteore\nganz vernünftige Ungeheuer sind — Riesen-\nschlangen — mit eisernen Panzern. Vielleicht sind\ndiese Ungeheuer auch bewohnt von kleineren Lebe-\nwesen wie die Erde. Ob das nun wirklidh1 so ist,\nwie ich glauben möchte, kann ja der Astronom\nauf den neuen Sternwarten mit den besseren Te-\nleskopen sehr leidht untersuchen. Das würde ja\ngrade den Bau der neuen Sternwarten stehr\nwünschenswert erscheinen lassen. O, gnädige Frau,\nwenn Sie wüßten, wie notwendig der Bau von\nSternwarten ist. ...\"\nFrau Albertine sagte rasch:\n„Hm! dann muß man eben ein Preis-\nausischreiben arrangieren — und dadurch die\nKünstler und Dichter in entsprechender Weise an-\nregen. Machten Sie den Entwurf für das1 Preis-\nausschreiben, — ich werde das Geld stiften, und\nes soll nicht wenig sein.\"\nSie erhob sich, und Dr. Groddeck sank auf ein\nKnie und küßte den Saum ihreö Kleides.\nFrau Albertine lächelte wieder.\nAber Dr. Groddeck lächelte nicht, er hatte\nTränen in den Augen und dankte Frau Albertine in\nso begeisterten Worten, daß die alte Dame ganz\nverlegen wurde.\nDie beiden frühstückten darauf zusammen im\ngroßen Speisesaal des Schlosses, und dabei entwarf\nDr. Groddeck gleich den Wortlaut für das Preis-\nausschreiben. Er ging nach dem Frühstück auf sein\nZimmer, um alles genau zu stilisieren.\nAls er zum Diner wieder in den Speisesaal trat,\nwurde iton erzählt, daß Frau Albertine sich zu\nBett gelegt habe.\nUnd zwei Minuten später war sie eine Leidie.-\nDr. Groddeck blickte starr in den blauen\nHimmel, und die Hand des Astronomen ballte sich\nzur Faust zusammen.\nIm Testament der alten Dame stand vom Preis-\nausschreiben keine Silbe."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "198", "page_fin": "199", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.7", "titre_corps": "Frank Wedekind als Asthetiker : Kritik seines Glossariums ,Schauspielkunst'", "titre_sommaire": "Frank Wedekind als Asthetiker : Kritik seines Glossariums ,Schauspielkunst'", "signature_source": "Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.4", "debut_caractere": 2710, "fin_caractere_exclue": 3488, "texte": "Frank Wedekind als Asthetiker\nKritik seines Glossariums\n,Schauspielkunst'\nBlümner\nNur das große Ansehen, das .Wedekind bei den\nErkenntnisfähigen als Dichter genießt, rechtfertigt\ndie detaillierte Ablehnung seiner Broschüre, die\nvon wenigen witzigen Ideen abgesehen, stilistisch\nund kritisch-ästhetisch werttos ist.\nSoweit sie nicht gänzlich zu ignorieren sind,\nfolge ich seinen Kapiteln.\nI\nMaximilian Harden\nWedekind apostrophiert ihn: „Ihrer regsten An-\nteilnahme waren alle, die seit zehn Jahren in\nDeutschland auf eigenen Wegen gingen, sicher/'\n_ Ich stelle fest, daß sidi durch' Abdruck ihter\nGedichte die folgenden „Lyriker\" Hardensf regster\nAnteilnahme erfreuten:\nn a ri alus> e*n Prager Arzt, dem jenes schöne\nGedicht mit dem jüdischen: Refrain „jeden Früh\"\ngelungen ist."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.5", "debut_caractere": 921, "fin_caractere_exclue": 5564, "texte": "Herr Suse und Herr Sello, zwei Verteidiger in\nStrafsachen des Herrn Harden.\nSolche Irrtümer sind die Folgen oberflächlicher\nLektüre. Noch vor wenigen Jahren hatte Wedekind\nlaut eigenem Geständnis1 niemals eine Zeile von\nHarden gelCsen. Offenbar hat er inzwischen das\nVersäumte nachgeholt, begreiflicher Weise aber für\ndas Studium von zehn Jahrgängen „Zukunft\" nicht\ndie genügende Muße gefunden.\nUebergang\nZum ersten Male erklingt das große Leitmotiv\nder Broschüre: die selige\nweise. Aber das Thema ist wenig originell. Inte-\nressant wäre nur zu wissen, weiche Dramatiker und\nSchauspieler Wedekind mit dem Schimpfwort Natu-\nralismus abtun will. Hier und da wird auf Ibsen\ngestichelt, später wird er wieder zu den ganz Großen\naddiert. Auf Hauptmann zu tippen, getraut man\nsich nicht. Eher auf Hartl'eben oder Sudermann.\nVielleicht aber ist das Glossarium „Schauspiel-\nkunst\" eine Schlüsselschrift mit dem apokryphen\nUntertitel: „Los! von Max Dreyer!\"\nLeichter ists, hinter die naturalistischen Schau-\nspieler zu kommen. Die paar, die es gegeben hat,\nsind schnell genannt: Rittner, Sauer, Reicher, Bas-\nsermann, Reinhardt, Lehmann, Eysoldt. Die Eysoldt\nerklärt Wedekind zwar später für ein Genie, zu-\nnächst aber schreibt er: „Diese Schauspieler sind für\nuns nicht mehr zu gebrauchen, die heutige Dramatik\nbehandelt ernstere Probleme.\" Was denn? Wie\ndenn? Ernstere? Ernstere alk wer? Ich'hoffe, ern-\nstere ah Hauptmann oder Ibsen. Denn ich habe\nnie gehört, daß Sauer der größte Dreyer-Spieler\nsei. Und wer sind nach! Wedekind die modernen\nProblem-Dramatiker? Wilhelm von Scholz und1\nHerbert Eulenberg, die Langeweile und Trocken-\nbrödelei in fünffüßige Jamben und altertümelnde\nRedensarten bringen.\nIbsen\nVon dem einzigen Dramatiker der Weltliteratur\nsagt Wedekind, er habe keine neue Dramatik ge-\nschaffen. Gegen Ejlert Lövbörg und Ulrik Brendel\nwerden die Schillersehen und Eulenbergschen Schwa-\ndroneure ausgespielt, gegen Hedda Gabler und Re-\nbekka West die Amalien, Louisen und Theklas.\nWenn Sentimentalitäten und rhetorisches GesChwätz\nhinreichen, um dramatisches Interesse zu erwecken,\ndann hat Wedekind Redht. In der zerebralen Entwick-\nlung aber sind die nordischen Frauen den deutschen\nüberlegen und die Erotik sitzt im Hirn, nicht in den\nGenitalien. In einer Hedda oder Rebekka isteckt mehr\nLeidenschaft und Tatkraft, als in sämtlichen Gänsen\nund Puten von Sdhffletisf Gnaden. Um von Eulenberg\nzu schweigen.\nIm Kampf\nErneutes Schimpfen auf den erledigten Natura-\nlismus. Wenn man nur sicher wüßte, wer gemeint\nist. Wirklich Dreyer? Auch Suderm'ann käme in\nFrage, oder Fulda. Aber schließlich dichten die alle\nnoch wacker drauf l'os1, und zwar genau so schlecht,\nwie damals, als der Naturalismus noch nicht ab-\ngesagt war. Auch ist es nicht ganz lbgisch, jeden\nDramatiker der Unnatur einen Naturalisten zu\nnennen, blbß um auf den Naturalisfrius schimpfen\nzu können.\nBerlin\nWedekind schreibt: „Nachdem nun diese\nbeiden künstlerischen Erlebnisse Berliner\nKinder waren und nur durch verständlich\nsind \"\nVerrrdammt, verrrdammt!\nVom Elend und Sterben der deutschen\nSchauspie 1 k u n s t\nNochmals wird für Schiller, insbesondere für\ndie Braut von Messina eine Lanze gebrochen. Total1\nzerbrochen, eine aus! morsdhem Hofe. Seit den\nSchillerjubelfeiern haben Aesthetiker und Dramatiker\nsich1 daran gewöhnt, dreimal' täglidh1 den Dichter\ndes Wahren, Guten und Schönen hochleben zu\nlassen. Das reinigt in den Augen der Feuilleton-\nReaktionäre von dem Verdacht der Neuerungskucht\nund des Naturalismus und erweckt Sympathie beim\nPöbel1, der sich1 seinen' Thekla-Konstrukteur nicht\nrauben lläßt. Aber wenn man beim Pöbel Von jeher\nals „Naturalist\" gegolten hat, dann hilft dagegen\nkeine Schillerbegeisterung. Und wenn Wedekind\nglaubt, die Unfähigkeit der Schauspieler, Wede-\nkind zu spiefen, hänge mit ihrer Verachtung Sdhil-\nlensi zusammen, so ist er erbärmlich orientiert. Sie\nstehen wie e i n Schiller auf seiner Seite und können\nsich' kaum fassen vor Begeisterung für den Mann,\ndessen „Schwung\" und Unmenschlichkeit ihrem\n„Temperament\" sk> seht zusagt. Denn an dem\n„Temperament\", dessen überraschend neue For-\nderurig Wedekind an den Künstler stellt, fehlt es\nihnen nicht. Nur verwechseln sie genau wie Wede-\nkind Temperament und Talent. Auf das bloße\ntalentlose Temperament fallen Direktoren und Kri-\ntiker immer herein. Das sind die bekannten jungen\nTalente, die sich gar schrecklich aufregen, schreien,\nkeuchen und ganz entsetzlich schwitzen. Nach fünf\nJahren allgemeines Erstaunen, daß aus dem „großen\nTalent\" nichts geworden ist. Inzwischen hat man\nein Dutzend Künstler zu Grunde gehen lassen, weil\nman ihr „Temperament\" nicht keuchen hörte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "198", "page_fin": "199", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.8", "titre_corps": "Hier ist ein Gipfel : Dichtung: von Alfred Hombert Musik von Herwarth Waiden", "titre_sommaire": "Hier ist ein Gipfel : Dichtung: von Alfred Hombert Musik von Herwarth Waiden", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.4", "debut_caractere": 3490, "fin_caractere_exclue": 3851, "texte": "Hier ist ein Gipfel\nDichtung: von Alfred Hombert\nMusik von Herwarth Waiden\nHier ist ein Gipfel.\nHier wurzelt nebenJDir eine so fremde Blume,\nplötzlich, und so fremd und anders,\ndass Du blass erschrocken lächelst.\nSuche nicht länger!\nJeder Gedanke, den Du jetzt noch schaust,\nist ein Irrgeist.\nHier ist der Gipfel, suche keinen andern.\nAus dem Zyklus: Der Denker"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "199", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.9", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Albert Dreyfus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.5", "debut_caractere": 15, "fin_caractere_exclue": 919, "texte": "Gedichte\nVon Albert Dreyfus\n\nMainacht\nDu Stolze,\nDu Wehrende, Weichende,\nin dieser Mainacht\nmüßtest du meine Lippen suchen.\nDie brennenden Rufe\nvon atemlösen Wassern her,\ndie Düfte der mondtollen Wiesen\nsind wie Herolde der Minne.\nDu müßtest gehorchen, dich auftun,\nwie der Wald, wie die Nacht.\nDu ließest meinen Händen dein Gewand\nin dieser Mainacht,\nwie die Blumen dem Wind\nihre Knospenhüllen.\nDu ließest dich schälen aus Dunkelheiten,\ndaß sie entlang dir glitten,\nzu deinen Füßen sich kauerten,\nunterwürfig wie Hunde.\nIm Geäste der Nacht\nsäh ich dich schimmern\nwie eine weiße weiße Blüte.\n112 i ; :■ ' 112 ~ •—rtrt\n;!\\ i I ;\nDeine Arme wären entbreitet\nwie Blütenblätter,\nund du würdest verwelken vor Schwermut\nin dieser Mainacht,\nwenn ich nicht deine Brüste berührte,\ndich' küßte auf deines Leibes\nzitternde Narbe.\nDu Stolze,\ndu Wehrende, Weichende,\nin dieser Mainacht\nmüßtest du meine Lippen suchen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.5", "debut_caractere": 5566, "fin_caractere_exclue": 6148, "texte": "Atelier\nDer Wind wirft Regen an die großen Scheiben\nwie Pfeile bald und bald wie Klagelaute;\nvom Ofen rot schwingt Wärme, und die Lampe\nstreut goldne Strahlen aus der seidnen Hülle.\nVom Licht umsponnen sitzest du und schaust\nund rührst mit keinem Ton und keinem Wunsch an\ndie Stille dieses Raumes und schenkst dich ganz\ndoch mir und schenkst dich so, als hätte sich\nvon draußen in der Welt die Schönheit aus'\ndem Lärm des Leides, dem die Scheiben wehren,\nzu dir geflüchtet.\nWallfahrten / ein Gedichtband von Albjert DrJeyfttV'J\nerscheint im Herbst dieses Jahres bei Oesterheld & Co."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "199", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.10", "titre_corps": "Das Ende", "titre_sommaire": "Das Ende", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.5", "debut_caractere": 6150, "fin_caractere_exclue": 7028, "texte": "Das Ende\nNach dem Deutsch-Amerikaner und der Pro-\nvinzialin ergreift der „Fachmann\" im „Berliner Lo-\nkalanzeiger\" das! Wort. Schlichte Erinnerungen an\nLenbach. Herr Professor Paul1 Meyerheim feiert\nihn und sich und gibt es der verfluchten Moderne\ntüchtig. Am erfreulichsten jedoch bleibt, daß man\nendlich einmal erfährt, was diese drei Herrschaften\nvon der Malerei fordern und erwarten. Meyerheim,\ndieser verdünnte Oberländer, rühmt das Photo-\ngraphisdh-NaLurwahre einer Böcklinschdn\nLandschaft. Aho auf eine Linsenwahrheit kommt es\nhinaus Und so erklären sidh höchst einfach die\nretoudhierten Gesichter und Landschaften der vielen\nbiederen Künstler. Ich atme auf. Endlich ein An-\nhaltspunkt für die Kritik. Das vollendete Auto-\nmobil1 überfährt das! letzte Pferd und das sdhwarze\nTuch des perfekten Apparates für farbige Pho-\ntographie dient dem fetzten Maler als1 Grabeshülle."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1001, "texte": "Und der „Lokalanzeiger\" findet seine Ruhe wieder.\nDie Natur läßt sich eben nicht mit Oelfarbe be-\nhandeln. Schade um die Leinwand, die züchtige\nHausfrau kann sie besser verwerten. Wie werden\nspätere, glücklichere Jahrhunderte über die komi-\nschen Versuche der Phantasten lächeln, die da\nglaubten, zum Beispiel die Sonne mit chemischen\nMitteln wiedergeben zu können! Daß so etwas ver-\nsucht wurde, wird Paul1 Meyerheim kommenden\nKunsthistorikern klassisch bezeugen (a. a. O. 7. Aug.\n1910):\nDen alten Meistern hatte Lennach bald abgelernt,\ndass die Wiedergabe des Sonnenlichts auf dem Bilde\neigentlich ein vergebliches Bemühen sei, da sich auf\nder Palette doch nur weisse Oelfarbe und kein wirk-\nliches Licht befindet.\nUebrigens gab es 1910 schon elektrischesi Licht.\nUnd wie wenig Verstand gehörte schließlich dazu,\nstatt der Oelfarbe sich wenigstens eines Oellämp-\nchens1 zu bedienen! Wo Meyerheim das seine schon\nso schön feuchten ließ! Aber die sogenannten Maler\nsind mit Blindheit gesdhlagen.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.11", "titre_corps": "Literarische Ausländerei?", "titre_sommaire": "Literarische Ausländerei?", "signature_source": "Carl Onno-Eisenbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.6", "debut_caractere": 1003, "fin_caractere_exclue": 4608, "texte": "Literarische Ausländerei?\nCarl Onno-Eisenbart.\nDem Deutschen haftet der Ruf der „Aus-\nländerei\" an, und esi darf wohl mit Recht töricht\ngeheißen werden, wenn er „französischen\" Sekt und\n„englische\" Krawatten gegenüber einheimischen Er-\nzeugnissen dieser Art den Vorzug gibt, da Deutsch-\nlands1 eigene Industrie der ausländischen mindestens\nebenbürtig ist. Man soll jedoch diese Verhältnisse\nnicht auf das rein geistige Gebiet übertragen. Beim\nkünstlerischen Schaffen steht der wirtschaftliche\nFaktor in zweiter Reihe, so aufrichtig man auch der\nArbeit praktischen Nutzen wünschen mag. Künst-\nlerisches Wirken ist selbstlos, und einer Kunst, die\nbewußt nach Brot geht, fehlt gewöhnlich' die Größe\njener Schöpfungen, die innerer Notwendigkeit ihre\nEntstehung verdanken. Beethoven litt zum Beispiel\nschwer darunter, daß ihn die Not zwang, neben\nseiner Tätigkeit als Künstler „noch ein halber\nHandelsmann sein zu müssen.\" „Es sollte ein\nTempel errichtet werden,\" sagt er einmal, „in dem\nder Künstler seine Werke niederlegen und sich dafür\nausi einem offenen Geldschatz das Notwendige zum\nLebensunterhalt nehmen könnte.\" Das war schon\ndamals eine Utopie, und ihre Zitierung wirkt unter\nden heutigen Wirtschaftsverhältnissen grotesk, aber\nsie zeigt in knapper Deutlichkeit die ehrliche Ueber-\nzeugung eines unserer Größten, daß der Künstler\nsich mit seiner Kunst nur um ihrer selbst willen be-\nschäftigen soll. Und dieser Selbstzweck macht die\nKunst universal. An sich ist sie eine freie, über\nalle nationale Verschiedenheiten thronende Erschei-\nnung, und man kann daher von einer „französischen\"\noder „deutschen\" Kunst nur insofern sprechen, als\nman damit den völkischen Boden, sowie die\nspezifisch nationalen Eigentümlichkeiten und\nFormen bezeichnen will, die das Kunstwerk auf\ndiesem Boden annehmen mußte. Das Kunstprodukt\nselbst jedoch' ist trotz des nationalen Charakters\nEigentum der gesamten Menschheit, und es kommt\neben nur darauf an, wie weit die Befähigung der\nverschiedenen Völker reicht, das Wesen eines nicht\nnationalen Kunstwerkes in ganzer Tiefe zu erfassen.\nEs ist nidht zu leugnen, daß im verflossenen\nJahrzehnt die Auslandsliteratur in Deutschland eine\nliebevolle Pflege gefunden hat. Der Grund ist aber\nnicht in einer literarischen „Unsitte\" zu suchen,\nsondern darin, daß wir die fremde Literatur als wirk-\nliche Kunst empfanden. Vielleicht hat der Mangel\nan weltumspannenden Geistern im eigenen Lande\nmitgewirkt und es1 wäre doppelt beschämend, wollten\nwir nationale Kleinigkeitskrämerei treiben und den\nbedeutenden literarischen Werten, die zum Beispiel\naus dem Norden den Weg zu uns finden, den Einlaß\nverwehren. Wer zweifelt heute in Deutschland noch\nan der Bedeutung einer Lagerllöf, eines! Bang, eines\nHamsun, von den ganz Großen des Nordens gar\nnicht zu reden ?\nEs ist nidht wahr, daß deutsche Schaffende durch\ndie Pflege der Auslandsliteratur zurückstehen.\nWenn heute ein wirklicher Dichter aufsteht, wird es\nihm — falls er nicht gerade Lyriker ist — trotz\ndes „Auslandsrummels\" an Anerkennung nicht\nfehlen, und die Möglichkeit, echter Kunst einen\nWeg zu bahnen, ist heute größer denn je. Das\n„Verkanntwerden\" und „Nichtverstandensein\"\npassiert nur den Durchschnittsl'iteraten oder ganz\ngroßen, ihrer Zeit vorauseilenden Genies. Diese\ntragen ihren Schmerz gewöhnlich still erhaben, jene\naber ziehen in den Kampf gegen die Kritik, seufzen\nüber das Fehlen von „Protektion\" und „Presse-\nverbindungen\" oder madhen vielleicht auch „lite-\nrarische Unsitten\" für ihren Nichterfolg verantwort-\nlich, während sie den nächstliegenden Grund, ihren\nMangel an Selbsterkenntnis, außer acht lassen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.12", "titre_corps": "Das Fremdenbuch auf dem Anninger", "titre_sommaire": "Das Fremdenbuch auf dem Anninger", "signature_source": "J. 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Neben bekannten Namen der Kunst\nund Wissenschaft haben anonyme Poeten manches\nauf dem Anninger niedergeschrieben, das aus der\ngewöhnlichen Fremdenbuchliteratur herausragt.\"\nDu besteigst den Anninger ohne jedes Be-\ndenken, nur um der schönen Fernsicht willen, die\nman von seiner Spitze genießt, und um einige\nStunden über den Niederungen österreichischer\nHochkultur zu wandeln. Aber sei erst oben und\nsuche Schutz im Haus der Mödlinger Naturfreunde.\nDas aufliegende Fremdenbuch, man kann sich seiner\nGewalt nicht entziehn, man muß es durchblättern,\nwird dir schon beweisen, daß du nur dem Nachhall\nder Schmerzen und Stürme der Residenz nachge-\nstiegen bist, wie man eben in Oesterreich allem,\ndem Dümmsten aber mit der unbewußtesten Be-\nharrlichkeit nachsteigt. Man kann sich in Oester-\nreich nirgends vor Oesterreich retten, und könnte\ndas am Anninger auch dann ;nicht, wenn er die\nHöhe des Mount Everest hätte. Es gibt kein Schutz-\nhaus, wo du vor poetischen, fröhlichen und politi-\nschen Reminiszenzen sicher bist, überall lauert la-\nwinenartig ein ewiger Nachhall der flüchtigsten Leib-\nschmerzen und der beständigsten Theaterstürme der\nResidenz auf dich. Doch unter den Kulturfremden,\ndie in dem Buch am Anninger eine Heimat für\nihre Höhengedanken fanden, sind tatsächlich\nmehrere bekannte Namen vertreten:\nStella Hohenfels', die Naive des Burgtheaters,\nverzeichnet ihren Besuch mit den schlichten Worten:\n„Nach zweistündiger Reise hierher gelängt.\" Für\neine Matrone eine jsehr respektable Leistung.\nFrau Professor ißergmejster gedenkt des Bill-\nrothschen Wortes: „Einen schöneren Herbsttag sah\nich1 nie.\"\nDer Fremdenbuchliteraturforscher wühlt hier\nein sehr naheliegendes Analogen hinauf, aber er\nbemerkt das nicht in der tiefernsten Stimmung, in\ndie ihn ein lateinisches Sprüchlein Demuths ver-\nsetzt. „Dum spiro, spero!\" (So länge idh atme,\nhoffe ich).\nAus der ernsten Stimmung reißt den nachdenk-\nlichen Schmock ein Vers', den Hermann und Anna\nBahr in das Buch hineingedichtet haben.\n„In Regen, Sturm und Donnerwetter,\nHurra! Da wird es immer netter,\nUnd ist des Wanderers Ziel erreicht,\nDann wird die Kehle ausgegleicht. —\"\nUnd ein anonymer Poet, der als Deutschmeister\nwährend der Annexion Bosniens bei der Wacht\nan der Drina eine Verletzung davongetragen hat und\nlängere Zeit auf dem Bauch! im Krankenhaus liegen\nmußte, dichtet gelegentlich Seines ersten Ausflugs\nnach seiner Genesung:\n„Drum sagt schon der Goethe, der alte Drahrer,\nZu an befreundeten Rodelfahrer:\nNix auf der Welt ist so schwer zu tragen,\nAls all Weil z'liagen auf Bauch und Magen.\"\nDie s e r alte Dr a h rer — der Bah r.\nEin „touristisches Kraftsprüchl'ein\" schließt die\nflüchtige Revue ab.\n„Die schönste Tour ist,\nWenn ein Tourist,\nDer auf der Tour ist,\nIn einer Tour isst.\"\nOesterreich braucht zwar keine Fremdenbuch-\nliteratur, da es aber nun einmal eine hat, mag\nes! froh sein, eine Presse zu besitzen, die kunstver-\nständig genug ist, sie richtig werten und schätzen\nzu können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.6", "debut_caractere": 8187, "fin_caractere_exclue": 8743, "texte": "i\n<s*|\nVO\nJ\nI\nm\nI\nVP'\nymai\n9 1\nWarnung!\nHohle Zahne sind, wie die meisten aus Erfahrung wissen,\neines der unangenehmsten und schmerzhaftesten Uebel,\nunter welchen die Menschheit zu leiden hat. Man hiite\nsich daher dringend vor Vernachlassigung der Zahn-\npflege und gebrauche taglich Kosmin Mundwasser,\nwelches den denkbar besten Schutz gegen das Hohlwerden\nder Zahne bietet, gleichzeitig das Zahnfleisch kraftigt\nund den gesamten Mundorganismus erfrischt. Preis pro\nFlasche, lange ausreichend, Mark 1,50, iiberall kauflich\n©\nP\n&\nat\nxr»\nC\n&\nVft\nT\nA\n«\n13\nK\n'"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "debut_caractere": 179, "fin_caractere_exclue": 303, "texte": "«•\n[ABGEIVIESEi\nKUWSTLEI\nDER.\nBERLINER\nON\nIN DER\n6ALERIE\n/WXIMIUAN J\n•mcHT'\nBERLINWSO\nRANKE STr. 1 •\nINTRIir\n•» * t\nTAPPeRT'"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c019", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "debut_caractere": 305, "fin_caractere_exclue": 560, "texte": "jffagenleiden\nVerdauungs- and Stnhlbe-\nschwerden, Hamorrhoiden.\nIch teile jedem gerne kostenlos mit,\nwie zahlreiche Patienten, die oft\nfahrelang mit aolchen Leiden be-\nnaftet waren, day on befreit wurden.\nKrankenschwester Marie\nWiesbaden Nicolasstrafie 6,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "debut_caractere": 562, "fin_caractere_exclue": 1243, "texte": "Sanatorium and Krholunffgheim\n1 Hi i\\ Cll 111 lIIIIC Post Mellenbach bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral-\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. 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Vielfache Versuche an Kliniken, Krankenhausern etc.\nhaben Vorstehendes zur Genttge erhartet.\nDie\nJZackhausmilch ist d!°seBfe;. T %sfer ee6tn^\nan bekommlime oauglingsnahrung.\n: : Die Herren Aerzte werden gcbeten, Proben und Literatur zu verlangen von folgenden : :\n================== JZaekhaus - Milchansfatfen =================\nAachen-Burtscbeid: Stadt. Milchanstalt. — Assenheim b. Friedberg: L. Reif. — Berlin NWJagowstr. 20: Dr. Cy-\nbulsky. — Briton (Mahren): Centralmolkerei. — Breslau, Moritzstr. 48: Nutricia. — Cassel, ob. Carlstr. 3|4:\nA. Miiller. Milchkuranstalt. — Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: R. Gumprecht. — Dresden: Nutricia, Grunaer-\nstr. 12. — Drulingen i. E. (bei Strassburg): Gutsmolkerei Kempf — Elberfeld, Dorotheenstr. 32: H. A. Sauer. —\nFrankfurt a. M-, Ginnheimer Landstrasse 74: F. Gottschalk. — Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Halle a, S.,\nDessauerstr. 5: Nutricia. — Hamburg, Giintherstr. 618: G. Hildebrandt. — Hannover-Linden, Deisterstr. 31;\nDr. Friedel Nachf. — Heilbronn, Herbststr. 26: Ferd Matx. — Karlsruhe, Gerwigstr. 31: Nutricia. — Kaisers*\nlautern: Emil Andr6, Dampfmolkerei. — Koln a. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schtirmann, Nachf. — Krefeld,\nInratherstr. 191: H. BOgelmann. — Leipzig: Nutricia, Kronprinzenstr. 52. — Magdeburg: Magdeburger Molkerei. —\nOlmiitz (Mahren): W. Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbiittel bei Berne (Bremen-\nOldenburg): Stedinger Molkerei. — Stettin,. Hohenzollernstr. 50: Nutricia. — Stuttgart, Lerchenstr. 24a: Nutricia.\n— Teplitz-Srhonau (BChmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwlnkel: Nutricia, Otto Volkmann. — Wiesbaden,\nBleichstr. 26: Wiesbadener Molkerei. - Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c022", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "debut_caractere": 4224, "fin_caractere_exclue": 4496, "texte": "„Der Sturm\"\nWir übernahmen inunsernV erlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiir Gesangu. Klavier / 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlung-en oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\na Halcnsee / Katharinenstrasse 5\nB\n3\ntsaBftaBaBBsasaBBSRBsaaBBBSBaBsaBBB"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c023", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "debut_caractere": 4498, "fin_caractere_exclue": 4747, "texte": "Illi 111111 lllillS!!lil!(l!ll!lllli\nDieSatftel\nM HERAUSQEBER\ng Karl Kraus\n1:: Mr. 305/6 ::\njj soeben erschienen\nJ Preis 50 Pfg.\n5 Aus dem Inhalt:\ng Schftnebeckmesser ::\nDie Kretensische Frage\n1 OBERALL ERHALTLICH\ntIIII lIIIM 111l 11111 111 111 Mill"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c024", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "debut_caractere": 4749, "fin_caractere_exclue": 4771, "texte": "mo|(2\nIm*\nliu/LcU Jo/>"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "debut_caractere": 4773, "fin_caractere_exclue": 5368, "texte": ":: Kurhaus und Erholungsheim ::\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit vom Alexanderplatz)\nHauptgebaude mit Zentralheizung und elektrischem Licht, grosse,\nhelle Zimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadratmeter\ngrosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum, Lauben, grosser\nTeich usw. Das ganze Jahr geoffnet Den Besuchern Berlins\nals herrlicher Aufenthaltsort empfohlen. Fern von dem LSrm und\ndem Staub der Stadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch\nstiindlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschtire\n:: „Leben\" kommen vom Besitzer und Leiter Emil Peters ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "debut_caractere": 5370, "fin_caractere_exclue": 5724, "texte": "MODERNE HAARARBEITEN\nfinden Sie in jeder Preislage im Spezial - Haargeschaft Von\nOtto Teutscher und Prisenr\nI. Geschaft: Berlin 106 a Potsdamerstr., Eing. 63 Steglitzerstr., Tel. VI, 6735\n11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Telephon Amt Charl., 6387\nElegante Shampooing Champooing mit Frisur 1,50 Mark\nund Frisier-Salons .\\ — Manicure 1,50 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "debut_caractere": 5726, "fin_caractere_exclue": 6356, "texte": "Privatbeamte und Ange-\nhorige der freien Berufe!\nSorget fiir Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Vertretung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und rechtlichen Interessen der Privat-Beamten gegrundeten,\ndurch landesherri. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nIEITSCIEI FllfiT-lEiHTEI-VEIEIH II HiCIEBIIC\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waiien-\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohlfahrtseinrichtungen\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M.:: Man verl. 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Hofoperns&nger\nBERLIN W. 50, Culmbacherstr. 6\nFerrtsprecher Via, 18926 Fernsprecher Via, 18926\nERTEILT GESANGUNTERRICHT\nSprechstunde 5—4 Uhr\n■■ '* \"ir"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-18-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-18_01#c029", "volume": "bmtnabg_1910-08-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "202", "page_fin": "202", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.8", "debut_caractere": 384, "fin_caractere_exclue": 1203, "texte": "Die sparsame Hausfrau !fugnU™eucnhZr! aßei™„wsu\nsich tut, was Sie im Jahre fur den Bedarf an Gluhkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nHa rtalin-Gliih korper D. R. P. 203467\nDiese Kftrper besltzen den Vorteil, dafi Sie dieselhen wie ein Tuch zusammen-\ndrficken kinnen, ohne daß der Ksrper darunter leidet. Hartalin-Glfihkdrper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50*/o. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Ffir die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie esmit einer Probesendung von\n3 Stck., Praia p. Stck. M Pig. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVarsandhaus Cham, und Tachn. 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Patentanmeldung In\nalien Candern. IRasslge Freise. Ktine Flad)zal)lungen.\nSdjnelle Vcrwertung von Pattnten oftne jeglicften Vorstljuss.\nwelches 112. Beteiligung an d. Ausbeutung von Pa-\ntenten interess., bitten wir um ihre Adresse, um\nkostenlos. unverbindl. 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HARNISCH & Co., Berlin W 57\nlUllillllll\n3 2\nlUllillllll\n„Spielend\" lernt man Sprachen durch\nDr* Rebajoli's Autodidakt\nA. Italienisch, elegant gebunden Mk. 10\nB. Franzosisch, elegant gebunden Mk. 10\n„Ein monumentales WerK, das jedem, der es ernst nimmt mit\ndem Lernen einer Sprache, den Stoff zu intensiver Durchdringung\nund zur volligen Beherrschung des Sprachschatzes in an'\nsprechender Form und in methodischem Fortschritt bietet.\"\nSelbstunterrichtS'Methode mit Htilfe des Grammophons.\nfeder Lehrer, jede Lehrerin, Jedermann muss Dr. Rebajoli's Autodidakt\ngebrauchen um leicht und grtindlich Fremdsprachcn zu lernen.\nDie darin enthaltenen 33 fremdsprachlichen Gesprache sindauf 33doppe1-\nleitigc >tOdeon\"-ScfaaHplatten von uniibertroffener Ftille und Kiarheit der\nStimme durch den Autor iibertragen worden.\nWiedergabe der Attssprache in hocbster Vollendung. Vorfuhrung anf\nWunsch beim Aat or oder im Verlag. Einzelne Unterrichtsbriefe 50 Pf.,\nPlatte dazn M3. Preis der 33 Platten mit Lehrbuch 112 AutodidaHt4 nur ft 160\nZur Wiedergabe der Gesprache eignet sich jedes, auch das kleinste\nGrammophon; jedoch hat der Verlag hierzu eine trichterlose\nSprechmaschine konstruierenlassen, die sich durch besonders deutliche\nWiedergabe auszeichnet. 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AUGUST 1910/ WIEN\nNUMMER 25\n\nSamuel Fridolin\nSchlechte Dichter / IV: Otto Ernst\nHumoriger Charakter. Schrieb Komödien im Stil der fliegenden Blätter (Jugend von heute / Flachsmann als\nErzieher) Begann eine Reihe Romane: Asmus Sempers Jugendland; Semper der Jüngling, Die Fortsetzungen\nerscheinen unter dem gemeinsamen Titel: Semper idem.\n\nINHALT:\nR. LAUDON: Neben der Brüsseler Aus-\nStellung / KURT HILLER: Über Kultur / ELSE LASKER-\nSCHÜLER: Meine Mutter / PAUL SCHEERBART: Der\nblaue Himmel / RUDOLF BLÜMNER: Frank Wedekind\nals Aesthetiker / ALBERT DREYFUS: Gedichte /\nALFRED MOMBERT-HERWARTH WALDEN: Hier ist\nein Gipfel / TRUST: Das Ende / CARL ONNO EISEN-\nBART : Literarische Ausländerei / J. A.: Das Fremden-\nbuch auf dem Anninger / Karikatur\n\nNeben der Brüsseler Ausstellung\nVon R. Laudon\nHier Mistet die Ausstellung und wirft mit inter-\nnationaler Wucht ihre Passanten platt auf die Erde,\ndrüben ragen dichte ißaumwipfel, da tänzelt das1\nkokette Brüssel. Nachdem der Laie seine ehrenvolle\nPflicht erfüllt und (die Aufstellung hat über sich1\nergehen lassen, erinnert er sich imit Vergnügen seiner\nguten Laune und verschwindet hohnlachend aus\ndem geMfressenden Terrain. Er schließt sich hoch-\nachtungsvoll ergebenst allen Lobeserhebungen an,\nweMie die Exposition betreffen, sieht sidi nur ge-\nnötigt nach1 Rücksprache mit seinen jugendlichen\nBeinen, diesen freien Lauf zu lassen.\nIch bin wieder außerhalb der Gitter, schwimme\nin Britekel1. Die Stadt ist so schön und sehenswert;\nfast |n jeder Straße so jstihlön und sehenswert. Streifen\nSie durch Berlin, isto vergessen Sie flicht, einen\nBegleiter mitzunehmen; Sie fallen, von der Mono-\ntonie der Häuser eingeschläfert, in tiefe Hypnose.\nIdh sah sälön Fremde in traumartiger Lethargie\ndurch die Linden gehen; wenn ein Schutzmann sie\nam Arme schüttelte, so wachten sie auf, schlugen;\nentsetzt um sich und fuhren mit dem nächsten\nZuge nacli Hause. Nur heftige Lachkrämpfe sorgen\nin Berlin automatisch dafür, daßi der Spaziergänger\naufwacht und garantieren jso eine gewisse Unge-\nfährlichkeit des' Betretens der Straßen; nämlich!\nLachkrämpfe, wenn ein Schild mit Shakespearescher\nBündigkeit ein Arrangement von sieben Bäumen\nalsl Park bezeichnet, oder ein Loch zwischen den\nHäusern als Platz. Sonst studiert der Fremde, wie\nman an allen Ecken sehen kann, unablässig im\nGehen una Sitzen seinen Plan der Stadt; er läuft\nw;e von einer Wespe gestochen aus einer endlbsen\nStraße in die andere, frühstückt am Wedding, diniert\nam Alexanderplatz, soupiert am Zoo, Beschließt den\nTag aut dem: Kreuzberg, (immer die mysteriöse\nFrage auf den Lippen: „Wo liegt Berlin?\" Er\nglaubt ständig in Groß-Rixdorf zu sein. Er weiß\nnicht, der völlig Unkundige, daß Berlin ein ab-\nstrakter Begriff ist, daß Bein nicht optisch und\ngreifbar in den Häusiermassen erscheint, sondern\ndaß es( eingekapselt überall sitzt, wo er Vorbei ge-\nlaufen ist; es hat sich die Häuser wie einen\nschmutzigen Regenmantel übergeworfen, es hält sich\ndie toten Faslsaden wie einen Riesenpiarapluie Vor,\ndamit man es! «dahinter ungestört schustern läßt."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.2", "texte": "Es sieht im Durchpassieren aus wie ein Wurf unbe-\nschreiblicher Gebilde, von Gebilden, eins häßlicher\nund gleiChgiltiger als das andere; aber hier baut\nman eben nidht für den Betrachter. Weither Nord-\ndeutsche, insbesondere weither Berliner, sucht sich\ndenn ein Haus aus; in den feineren Viertelb pflegt\nman wohl mit großem Hailoh Innendekoration und\nAußendekoration; aber im tiefsten Herzensgrunde\ngilt das auch hier als Schunk und ist von weit her\nimportiert. Der Berliner Schönheitssinn erschöpft\nsich in primitiver Reinlichkeit, und der einzige an-\nanerkannte Kunstgegenstand ist der Sprengwagen.\nDafür ist typisch die erste Wendung eines Berliners\nin irgend einer alfertümliehen Stadt, — daß sie\ndreckig sei; mit der vorbildlichen Kanalisation be-\nginnt und endet die norddeutsche Kunstbemühung.\nIch1 spreche nicht von dem „Greuel1 der Siegesallee\";\nzwar barbarisch ist sie von A bis Z, aber: das ist\nkein Freund Berlind, der betet, daß die nächste\nErdbebenwelle sich die Siegesallee herunterlangen\nmöge; mit einem einzigen Blick haben Sie hier\nganz Berlin, wie in einem Konzertprogramm, gefaßt:\nder saubere weiße Marmor, der Schutzmann, die\numgitterte Sitzbank, der secbsunddreißigfache Pa-\ntriotisimus, die optische Unmöglichkeit.\nAls ich das unbeschreibliche Straßenbild Brüs-\nsels zum ersten Male in mich aufnahm, die Brücken,\nPlätze, Denkmäler, Avenuen, hätte ich diese Wirk-\nlichkeit nicht für möglich gehalten; es! war zum\nWeinen, — sk> geistreich, frei, verwegen und lieb-\nliches sah ich hier. Ludwig Hoffmann, das Ber-\nliner Genie, stand mir noch grau in grau vor Augen.\nSeine fanatische Schlichtheit, die nichts verraten will,\ndie sich zurückzuhalten scheint, und doch1, wie der\nBetrachter bald merkt, nur wenig zurückzuhalten\nhat; der Mann beleidigt nicht und; niemals1, — (er wagt\nes nicht; es ist sein Genie, daß er nicht und niemals\nauf die Nerven fällt. Er markiert aufdringlich guten\nGeschmack. Aber so wenig roh er ist, so wenig läßt\ner von den himmlischen und stolzen Möglichkeiten\nder Baukunst ahnen. Er macht klüge, gebildete]\nBauten, von rationalistischer Dumm- und Dürftig-\nkeit. Es ist die Kunst, die im! Anzüge ist, sich ein\nLand unterjocht, und erst, wenn es sich gefügt hat,\nihm die hohen Freiheiten jder Phantasie schenkt.\nEine kleine niedliche Lyrik zwitschert hie und da in\nHoffmanns Werken; planvoll angebracht, täuscht\nsie über große Mängell hinweg. Nüchtern, — aber\nwahrhaft die Kunst eines militärischen Landes, hoffe\nniemand, daß es1 bald anders wird; denn diese Kunst\nist die Schattenseite von Deutschlands, Preußens\nMilitarismus, seiner Gewerbe- und Gelehrtenenergie,\nund dieser Militarismus [und diese Energie wägt\nalle Bauten der Nachbarländer auf. Wer morgens\num sechs Uhr durch Berlin die Riesenmassen Ar-\nbeiter in die Fabriken, Werkstätten sich1 wälzen sieht\nund um zehn Uhr fasit lbere Straßen durchwandert,\nglaubt Flammen ausi diesen getünchten Häusern\nschlagen zu sehen, glaubt, daß diese rastlose zähe\nEnergie mit SChrecken und Neid alles überzieht,\nwasl sich einer stolzen Vergangenheit erfreut. Was\nscheren uns da Passantenkritiken ?! —\nFreilich, verschonen wir dies Land mit Kunst,\nfühlen wir Freunde der Kunst uns weiter als Aus-\nländer! Und so wanderte ich mit heimatlichem Ver-\ngnügen durch die Straßen von Brüssell, Antwerpen,\nGent, saß am Strande von Ostende. Ein schöner\neitler Menschenschlag war da zu sehen; besonders\nAntwerpen ließ so leicht den Wohnort Rubens\nerraten: die prallen, saftigen Dirnen, die muskulösen\nMänner. Jedes Dienstmädchen trägt ihren wollenen\nShaw! mit größerer Grazie als' ein Berliner Fräulein\nden seidensten Theatermantel. Man ist hier früh-\nreif; ganz junge Dinger tragen frisierte Köpfe und\nblicken frech ; ein Tag Aufenthalt genügt, um sich zu\nüberzeugen, daß die sexuelle Atmosphäre hier freier\nweht als im guten Preußen. Auch sah ich1 in den Be-\ndürfnisanstalten keine Kreidezeichnungen und In-\nschriften, die mich über die Erotik auf-\nklären könnten. Ein breites' öffentliches Leben war\nzu beobachten, gefüllte Cafes!, gefüllte Straßen; viel\nLärm, viell Bewegung; größere Kommunikation von\nMensch zu Mensch; das politische Tier bellte ver-\nnehmlich. Abends1 sammelten sich in Antwerpen\nMassen auf den freien Plätzen; gute Musikkapellen\nspielten anständige Musik, die schleimige Tonsuppe,\ndie man uns vorsetzt, wird hier nicht goutiert, nur\nin Cafes verurteilt technische Unfähigkeit die Musi-\nkanten zu Wiener Walzern. Aber alles und jedes\nwurde in mir aufgewogen durch die Freude über die\nAnmut und den Geschmack der belgischen Frauen.\nEs erübrigt sich, hier noch einen Rückblick auf\ndie fabelhafte Geschmacklosigkeit der Berlinerin zu\nwerfen; „Geschmacklosigkeit\", das heißt nicht:\n„schlechter Geschmack\", sondern „gar kein Ge-\nschmack\". So wenig Sinn der städtebauende Ber-\nliner für die Optik der Straßen1 hat, so wenig eben\ndie Berlinerin für die Optik ihres Körpers. Besten-\nfalls gehit sie ä la Hoffmann grau in grau; ent-\nsetzlich, wenn sie mehr, über ihre Kraft, will. Vor-\nbildlich müssen hier noch die öffentlichen Damen\nwirken, deren Tracht allmählich das größere Bürger-\npublikum annimmt; auf diesem Umweg kommt\nParis nach Berlin. Man erkennt in Berlin auf einen\nBlick das1 Bürgermädchen: wuschliges Haar,\nplumpes Zeug, schlechtes Schuhwerk, — von den\nsichtbaren Dessous ganz £u schweigen. Hier im\nAusland beschämt eine niedrige Flämin sie alle.\nWas sind die Mädchenhändler aus der Grenadier-\nstraße für schlechte Kaufleute! Aus Berlin expor-\ntieren sie Mädchenware für das Ausland: das ist\ndem Ausland ganz recht und für Berlin nur ange-\nnehm. Aber warum zieht niemand Ausländerinnen,\nFranzösinnen, Däninnen, Belgierinnen zu uns her,\nwarum kommen sie so wenig, so wenig zu uns?\nWas sind die großen Warenhäuser und Modefirmen\ngedankenlos! Alle schönen und großen Kostüme\nfranzösischer und belgischer Damenkonfektion\ntragen auf der Ausstellung das Schildchen: ver-\nkauft an Gerson, Wertheim. Aber vergeblich suchte\nich auf der Straße an den Sdiönen und preiswerten\nDamen ein Schildchen: verkauft nach Berlin. Was\nnützen doch alle Kostüme, meine blinden Herren\nKonfektionäre, wenn niemand da ist, der sie trägt,\nder zeigt, wie man sie trägt, und was sie aus\nder Trägerin machen? Diese Kostüme, das sehen\nSie nicht, sind geboren aus dem Bemühen, die\nGrazie des Frauenkörpers aufs sichtbärste hervor-\ntreten zu läsken und zu steigern: wo aber ist die\nBerliner Grazie, welche diese Kostüme hervortreten\nlasisen könnte? Sinnlos, plump sind all diese wahr-\nhaft herrlichen Kunstwerke, so lange siCh nicht die\ngeborenen Trägerinnen für sie finden lassen, und\nSie werden auch nicht recht dabei reüssieren. Wollen\nSie ein Geschäft machen, so arbeiten Sie mit uns\nmit an der künstlerischen Bildung, arbeiten Sie auf\nIhre Weise! Setzen Sie siCh in Verbindung mit den\nNachfolgern des Herrn Kiwi Eierweiß aus der Gre-\nnadiers traße (G. m. b. H.), lassen Sie hundert\nDämchen ausl Paris und Brüssel in Berlin auf-\ntauchen, treiben Sie sie systematisch durch die be-\nlebten Straßen, die Vergnügungsstätten. Sie werden\neine Erregung bei allen jungen Männern explosions-\nartig sich entwickeln sehen, die lebhafter ablaufen\nwird als bei einer politischen Katastrophe, Sie\nwerden die eifersüchtigen (Blicke der betroffenen\nDamen wie in einem Brennspiegel konzentriert auf\nIhre Importware gerichtet (sehen; man wird auf\nihr Lächeln, ihre Bewegungen und ihre Worte lau-\nschen. Man wird naCh knapp einer Woche auch1 jene\nKostüme massenhaft und en gros kaufen, die Sie,\nmeine blinden, nunmehr erleuchteten Herren Kon-\nfektionäre, mit jenen Kulturträgerinnen zusammen\nin weiser Vorsorge, in hilligen Baumwollstoffen,\naus Paris bezogen haben.\nAber ich sehe, Sie lachen, Sie sind entrüstet.\nSie haben auch Recht: Berlin ist nicht zu helfen.\nMachen Sie bitte die Bude zu!\n\nÜber Kultur\nII\nVon Kurt Hiller\n„Bildung\", wie wir das Wort gemeinhin heute\nverstehen, ist freilich etwas höchst Oedes! und Un-\nhumanistisches ; es ist ein Unterbegriff von Vie 1 -\nwisserei; so wie Gelehrsamkeit ein Unterbegriff\nvon Vielwisfserei ist. Gelehrsamkeit und Bildung —\nzwei Tugenden, die niCht dem intellektuellen und\nnicht dem ästhetischen Vermögen, sondern dem Ge-\ndächtnis, dem Fleiß und der Ausdauer, zumal der\nSitzausdauer, der Gesäßigkeit, zuzuschreiben sind;\nGelehrsamkeit mehr auf das geordnete Spezial-\nwissen, das Kennerische, die esoterische Mikrologie\ngehend — Bildung mehr auf die Gesamtheit der\nErfahrbarkeiten, das allgemein Menschliche und die\nungeordneten Gegenstände mittelguter Konversation.\nWas! man heute unter einem „gebildeten Men-\nschen versteht, das ist fein Wesen, das sich eine\nerkleckliche Fülle von Kenntnissen, namentlich histo-\ntischen, neuerdings auch naturwissenschaftlich-tech-\nnischen, einverleibt hat (Kenntnissen, die nicht etwa\nsein Beruf erfordert); ein Wesen, das ganze Säcke\nvon Daten und Anekdoten und Tatsachen und Ge-\nschehnissen und Interessantheiten, ganze Wagen-\nladungen von Quisquilien verschluckt hat und nun\nvon Posivitäten förmlich berstet. „Der moderne\nMensch\", sagt Friedrich Nietzsche in seiner zweiten\nUnzeitgemäßen Betrachtung, „schleppt zuletzt eine\nungeheure Menge Von unverdaulichen Wissens-\nsteinen mit sich' herum, die dann bei Gelegenheit\nauch1 ordentlich im Leibe rumpeln, wie es) im Märchen\nheißt. DurCh dieses Rumpeln verrät sich die eigenste\nEigenschaft dieses modernen Menschen: der merk-\nwürdige Gegensatz eines Inneren, dem kein\nAeußeres, eines Aeußeren, dem kein Inneres ent- '\nspricht, ein Gegensatz, den die alten Völker nicht\nkennen. DaS Wissen, das im Uebermaße ohne\nHunger, ja wider das1 Bedürfnis aufgenommen wird,\nwirkt jetzt nicht mehr als umgestaltendes, nach ,\naußen treibendes Motiv und bleibt in einer gewissen '\nchaotischen Innenwelt verborgen, die jener moderne\nMensch mit seltsamem Stolze als die ihm eigen-\ntümliche „Innerlichkeit\" bezeichnet. Man sägt dann\nwohl, daß man den Inhalt habe und daß es' nur an\nder Form fehle; aber bei allem Lebendigen ist dies\nein ganz ungehöriger Gegensatz. Unsere moderne\nBildung ist eben deshalb nichts Lebendiges, weil\nsie ohne jenen Gegensatz sich gar nicht begreifen\nläßt, das heißt: sie ist gar keine wirkliche Bildung',\nsondern nur eine Art Wissen um die Bildung, es\nbleibt in ihr bei dem Bildungslgedanken, bei dem\nBildungs-Gefühl, es wird kein Bildungs-Entschluß\ndaraus. Das dagegen, was wirklich Motiv ist und\nwas ah Tat sichtbar nach außen tritt, bedeutet\ndann oft nicht viel mehr als) eine gleichgültige Kon-\nvention, eine klägliche Nachahmung oder selbst eine\nrohe Fratze. Im Inneren ruht dann wohl die Empfin-\ndung, jener Schlange gleich, die ganze Kaninchen\nverschluckt hat und siChl dann still gefaßt in die\nSonne legt und alle Bewegungen, außer den notwen-\ndigsten, vermeidet. Der innere Prozeß, das ist jetzt\ndie Sache selbst, das ist die eigentliche „Bildung\".\nJeder, der vorübergeht, hat nur den einen Wunsch,\ndaß eine solche Bildung nicht an Unverdaulichkeit\nzu Grunde gehe. Denke man sich zum Beispiel '\neinen Griechen an einer solchen Bildung vorüber-\ngehend, er würde wahrnehmen, daß für die neueren\nMenschen „gebildet\" und „historisch gebildet\" so\nzusammenzugehören scheinen, als ob sie Eins: und\nnur durch die Zahl der Worte verschieden wären.\nSpräche er nun seinen Satz aus: es kann einer\nsehr gebildet und doch historisch1 gar nicht gebildet\nsein, so würde man glauben, gar nicht recht gehört\nzu haben, und den Kopf schütteln. Jenes bekannte\nVölkchen einer nicht zu fernen Vergangenheit, ich\nmeine eben die Griechen, hatte sich in der Periode\nseiner größten Kraft einen unhistorischen Sinn zäh\nbewahrt; müßte ein zeitgemäßer Mensch in jene\nWelt durdi Verzauberung zurückkehren, er würde\nvermutlich die Griechen „siehr ungebildet\" befinden,\nwomit dann freilichl das so peinlich verhüllte Ge-\nheimnis1 der modernen Bildung zu öffentlichem Ge-\nlächter aufgedeckt wäre: denn aus uns haben w;ir\nModernen gar nichts; nur dadurch, daß wir uns mit\nfremden Zeiten, Sitten, Künsten, Philosophieen, Re-\nligionen und Erkenntnissen anfüllen und überfüllen,\nwerden wir zu etwas Beachtungswertem, nämlich\nzu wandelnden EnCyklopädien, als! welche uns viel-\nleicht ein in unsere Zeit verschlagener Alt-Hellene\nansprechen würde. Bei Encyklopädien findet man\naber allen Wert nur in! dem, was; darin steht, im\nInhalte, nicht in dem, was! darauf steht oder was\nEinband und Schale ist; und so ist die ganze\nmoderne Bildung wesentlich1 innerlich: auswendig\nhat der Buchbinder so etwas darauf gedruckt wie |\n„Handbuch innerlicher Bildung für äußerliche Bar- *\nbaren\"...\"\n„Bildung\", nach1 heutigein Wortgebrauch, isl\nnichts anderes als totes, unorganisch zusammen-\ngehäuftes Wissen. Das lügnerische Sprichwort sagt,\ndaß Wissen Macht sei. Niemand hat so einleuchtend\nwie der erhabene Nietzsche — im weiteren Ver-\nlaufe der zweiten Unzeitgemäßen — dargetan, in-\nwiefern Wissen zur Ohnmacht wird; wie ein Geist,\nder nur immer dahin tendiert, Tatsiächlichkeiten in\nsich zu saugen, in seiner Selbstherrlichkeit er-\nschlaffen und der schöpferischen Potenz verlustig\ngehen muß. Wodurch beispielsweise erklärt sich\ndie unglaubliche philosophische Sterilität unserer\nTage? Wahrhaftig nur auisj denn Positivismus"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.3", "texte": "unserer Tage. Wer sich! damit abmüht, die Historie\ndes menschlichen Philosophie-Nachdenkens zu er-\nforschen und zu jedwedem Krimskrams der über-\nlieferten Systeme kritisch! Stellung zu nehmen, ja\nsogar an kein lebendiges Problem der Gegenwart\nüberhaupt heranzutreten wagt, ehe er nicht die\nGenealogie dieses Problems akribisch erkundet —:\nder kann schwerlich selber je zum philosophischen\nNachdenken gelangen.\nIch kenne unter den Götzen, vor denen man\nheutzutage auf den Knieen liegt, keinen, der mit\neiner häßlicheren und blöderen Physiognomie ge-\nsegnet wäre, afe der Götze der Tatsache. Und kein\nDünkel unter den vielen Dünkeln erscheint mir so\nwiderwärtig wie der Dünkel des1 Wissens. Freilich\nist er die einzige Zuflucht für die, welche nichts\nkönnen. Aber aller Status! ist tot, und alle Dy-\nnamis lebt; Inhalte haben hier keinen Belang, Form\nnur gibt Werte. Darum hat jene Erlebnisform, die\nwir „Kultur\" heißen, mit der Vielheit von Gedächt-\nnisinhalten, die wir unter „Bildung\" verstehen, nichts\nzu schaffen. Ein Lyceumsbackfisch zum Exempel\nmag über die Renaissance geschichtlich viel besser\nBescheid wissen als irgend ein Zigeuner aus dem\nQuartier latin — und trotzdem (oder vielleicht ge-\nrade darum) nicht annähernd so viel Auge und\nNerv haben wie jener für eine süße Herbheit Botti-\nceliis, tizianeske Farbensymphonieen oder die rem-\nbrandtische Lösung eines Lichtproblems. Das Ly-\nceumsgirl kennt Namen und Daten und Zusammen-\nhänge (hat aber die Sehart des Kalbes und die;\nEmpfindsamkeit des Pachyderms); der Zigeuner\nweiß von den Daten und Dingen nichts, feiert jedoch\noptische Orgien. Das Girl« ist gebildet, der Zigeuner\nist kultiviert...\nNach dieser Klarlegung des Subjektiven und\ndes! Qualitativen in unserem Begriff von Kultur\nwird es geboten sein, noch einmall bei dem zu ver-\nhaiYJ.i, was wir anfangs mit einer gewissen Selbst-\nverständlichkeit als ein Merkmal seiner vorausgesetzt\nhatten: bei der Universalität. Da - Kultur,\nihrer Idee nach, die Tendenz aufweist, das Indivi-\nduum in seiner Totalität zu durchdringen, so erhält\nalles Spezialistentum, weniger das des Berufs als\ndas der Seele, das Stigma der Kulturfeindlichkeit.\nHier gilt es nein zu sagen zu der hochmütigen Be-\nschränktheit, mit der ästhetisch gerichtete Tempe-\nramente auf intellektuelle Problematik herabblicken,\nund Begriffsklöppler auf das Artistische und die\nFrissons der Gefühle. Es ist freilich verkehrt, Ge-\nschmackssachen auf die (Folterbank wissenschaft-\nlicher Syllogistik zu schnallen, und freilich lächerlich,\nunter dem Gesichtspunkt „schön-häßlidh\" lösen zu\nwollen, was unter dem Gesichtspunkt „wahr-falsch\"\ngelöst zu werden heischt —: aber für uns zusammen-\ngesetztere Gemüter sind nun einmal1 die Erschei-\nnungen des Daseins nie damit erschöpft, daß sie\nuns beeindruckten, — nie damit erledigt, daß wir\nsie kritisch-analytisch bezwangen. Auch Angelegen-\nheiten des ästhetischen Bezirks werden uns zum\nSubstrat der Geistigkeit, und Angelegenheiten des\nintellektuellen zum Gegenstand tiefster Freude und\nbohrenden Schmerzes. Kunst und Erkenntnis, Er-\nlebnis und Problem, Gefühl und Gedanke umfassen,\ndurchsetzen und zerschmel'zen einander mit einer\nso ruhelosen Intensität, mit solchem Chemis-\nmus, daß die sogenannte „klassizistische\" For-\nderung, wie sie besonders deutlich Herr Leonard\nNelson (im zweiten Bande der Fries'schen Schule)\nerhoben hat, nämlich beide Funktionen streng ge-\ntrennt auszubilden, in friedlicher Nebenordnung,\nohne „Uebergriffe\" der einen in das Gebiet der\nanderen, ah ein Zwang erscheint, der für die Päda-\ngogik vielleicht des1 guten Grundes nicht ganz ent-\nbehrt, der für das Schrifttum aber sicherlich1 ohne\nLegitimation und Verderblich ist; ein Zwang von\nstark reaktionärer Tönung, insofern er ein Stadium\npsychisch-anthropologischer Entwicklung zurück-\nschrauben, einen Zustand der Kompliziertheit und\nVerfeinerung in einen Zustand der Einfachheit und\nRobustität verwandeln, Armut für Reichtum ein-\nsetzen will.\nFür den nur-wissenschaftlichen und für den\nnichts-als-impressionistischen Menschen ist diese\nSonderung zwar nötig: wer lediglich1 \"die Wahrheit\nsucht, hat das Gefühll auszuschalten, und wen es um\ndes Himmels willen naCh' nichts anderem als nach\nHauchen der Stimmung gelüstet, der hat den Ver-\nstand zu verbannen; allein der Mensch dieser neuen,\nfabelhaften Tage ist ein Mischling, ein Gebilde aus\nAllerlei, ein „zwischen den Rassen\". Auf-\ngewachisen unter den (jeweils imponderabilen, aber\ninsgesamt enormen) Einwirkungen des in sich un-\nendlich zergliederten, ohne Konzinnität flimmernden\nobjektivierten Geistes von Vorzeit und Gegenwart,\nist seine Seele in keinem Augenblick nur nach\neinem Pofe gerichtet; die Gesichtspunkte ver-\nmengen sich in ihm: seine Problematik wird\nihm gefühlsbetont, und sein Gefühlsmäßiges intel-\nlektuell zersetzt.\n\nSchluss folgt\n\nMeine Mutter\nElse Lasker-Schüler\nWar sie der große Engel,\nDer neben mir ging?\nOder liegt meine Mutter begraben\nUnter dem Himmel von Rauch —\nNie blüht es blau über ihrem Tode.\nWenn meine Augen doch hell schienen\nUnd ihr Licht brächten.\nWäre mein Lächeln nicht versunken im Antlitz,\nIch würde es über ihr Grab hängen.\nAber ich weiß einen Stern,\nAuf dem immer Tag ist;\nDen will ich über ihre Erde tragen.\nIch werde jetzt immer ganz allein sein\nWie der große Engel,\nDer neben mir ging.\n\nDer blaue Himmel\nEine Garten-Novelle\nVon Paul Scheerbart\nFrau Albertine von der Marwitz war sechs-\nundneunzig Jahre alt und Sehr reich.\nUnd sie saß in ihrem alten Park auf einer alten\nGartenbank, und neben der alten Dame saß Dr.\nGroddeck, der erst dreiundzwanzig Jahre alt und\nsehr arm war.\nDer Himmel1 war so blau wie ein dunkler Saphir,\nund in dem Ententeich vor der alten Gartenbank\nschwammen sehr viele kleine Enten herum. Es war\nsehr , warm, obgleich es noch sehr früh war.\nFrau Albertine lächelte immerzu, und Dr. Grod-\ndeck sprach mit einem so wilden Eifer, daß er ganz\nrot im Gesicht wurde:\n„Sie können mir glauben, gnädige Frau, Stern-\nwarten kosten sehr viel1 Geld. Das kann nicht von\neinzelnen aufgetrieben werden. Das ganze Volk,\n— das ganze große Publikum müßte für die Sache\ninteressiert werden. Und das kann nur durch\nBücher, Zeitungen, Broschüren und Ausstellungen\ngeschehen. Denken Sie nur, gnädige Frau, wie\nviele Millionen für den Grafen Zeppelin aufgebracht\nwurden. Was für den Grafen Zeppelin getan wurde,\ndas kann aucih' für die Sternwarte getan werden. Der\n„praktische\" Wert der Luftschiffe ist doch auch\nnur ein minimaler. Darüber muß man sich1 doch klar\nsein. Daß die Sternwarten absolut keinen prak-\ntischen Wert haben, kann man noch nicht einmal1\nzugeben. Die Durchforschung unsrer Erdatmo-\nsphäre — unsres großen blauen Himmels, ist doch\nauch von einer gewissen Bedeutung. Wenn auch\ndie Sternwarten etwas' mehr kosten als die Luft-\nschiffe — das schadet doch nidits. Dafür hält\nauch eine Sternwarte länger vor als ein Luftschiff.\nDas; müssen Sie doch zugeben, nicht wahr, gnädige\nFrau?\"\nDr. Groddeck hielt exisdiöpft inne.\nUnd Frau Albertine lächelte immer noch und\nsagte dann Mse:\n„Und Sie, Herr Doktor, wollen Direktor in einer\ndieser Sternwarten werden?\"\n„Freitich,\" erwiderte dieser, „wozu hätte ich\nsonst Astronomie studiert? Es ist durchaus not-\nwendig, daß ich eine Stellung mit größerem Gehalt\nbekomme. Das Assistentendasein ist zwar sehr\nehrenvoll, aber doch nicht sehr einträglich\"\n„Ja,\" fragte nun Frau Albertine, „wie denken\nSie sich nun die sogenannte Propaganda im großen\nPublikum ? Bleiben Sie nicht bei Andeutungen\nstehen; werden Sie so ausführlich wie möglich!\"\nFrau Albertine lächelte nicht mehr, sie erblaßte\nein wenig und stützte sich Vorsichtig auf die Seiten-\nlehne der Gartenbank. Ein paar ganz kleine junge\nEnten schwammen ans Ufer.\nDer Herr Doktor wußte sehr wohl1, worauf er\nhinaus wollte, und er war daher sehr gerne bereit,\ngleich sein ganzes Herz auszuschütten.\n„Mit der etwas langweiligen, astronomischen\nRechnerei,\" sagte er hastig, „werden wir natürlich\nnicht das! Publikum ködern. Hier müssen ganz\nandere Seiten aufgespannt werden. Man muß dem\nPublikum den blauen Himmel mit blauen Wundern\nanfüllen, daß es neugierig, sehnsuchtsvoll und wohl-\nwollend gestimmt wird.\"\nFrau Albertine lächelte wieder und sagte:\n„ Die trocknen Wissenschaftler verstehen das\naber doch1 nicht so recht. Ihr Ton ist so selten\nhinreißend. Die Geschichten vom Mars sind schon\nein wenig veraltet. Der blaue Himmel ist zwar sehr\ngroß und leuchtend. Aber ich fürchte doch, daß\ner allen Menschen zu fern erscheinen wird — zu\nweit abgelegen. Auch ist er nicht sehr beweglich.\nDie Luftschiffahrt durfte .gleichzeitig auf ein sport-\nliches Interesse rechnen, und das — fehlt den\nAstronomen. Ich fürchte, die werden nicht die ge-\nnügende Intensität besitzen, um ein größeres\nPublikum mitzureißen.\"\n„Ganz recht, •gnädige Frau!\" sagte Dr. Grod-\ndeck schmunzelnd, „ganz so dachte ich auch. Und\ndeswegen müssen wir uns nach einer Unterstützung\numsehen — die müssen wir finden — und wir\nwerden sie finden.\"\n„Wo denn?\" fragte Frau Albertine etwas1 müde.\n„In der Literatur und Kunst!\" versetzte trocken\nHerr Dr. Groddeck.\nFrau Albertine von der Marwitz sah ihn ver-\nstand nisltos an, und er fuhr fort — wieder sehr\nhastig:\n„Gnädige Frau, ich verstehe Ihr Staunen. So\nohne weiteres geht das natürlich nicht. Literatur\nund Kunst müssen natürlich in ganz besonderer\nWeise zunächst angeregt werden. Aber Sie werden\ndoch zugeben, gnädige frau, daß der Mars sehr\nviele — sogenannte Romane — hervorgebracht hat.\nNicht nur Flammarion, Wells und Laßwitz haben über\nden Mars geschrieben — auch hundert andere. Da\nkann man doch noch auf mehr hoffen. Ich bin der\nfesten Ueberzeugung, wenn man nach anderen\nRichtungen hin Anregungen gäbe, könnten wir sehr\nbald eine umfangreiche Literatur haben, die eigent-\nlich' nur den Astronomen nützen würde.\"\nFrau Albertine schloß die Augen und fragte\ntonlos:\n„Wie denken Sie sich diese Anregungen nach\nanderen Richtungen hin?\"\nDa verließen vier kleine Enten das Wasser und\nnäherten sich der alten Gartenbank. Dr. Groddeck\nwarf ihnen ein paar Semmelkrumen zu und fuhr\ndann fort:\n„Außer dem Mars gibt es doch noch recht viele\nandere Wunder ;im blauen Himmel. Ich' will gar\nnicht vom Orionnebell und vom Andromedanebel\nreden. Wir können ruhig in unserem Sonnensystem\nbleiben. Die Atmosphäre über der Erdoberfläche\nist mindestens hundert deutsche Meilen hodh. Man\nhat in einer Höhe von hundert Meilen elektrisch\nleuchtende Wolken entdeckt — und in derselben\nHöhe leuchteten Sternschnuppen auf und ver-\nschwanden wieder da oben. Hundert Meilen über\nder Oberfläche unseres Sternes! Welch ein Riesen-\nraum dieser Oberfläche gegenüber! Das muß den\nRomanschriftstellern klar gemacht werden, damit\nsie in diesem Riesenraume fürderhin ihre Ge-\nschichten sich entwickeln lassen. Dieser Luftraum\nist wahrscheinlich nicht so still wie ein Friedhofe\nDer blaue Himmel wird tagtäglich von zehn\nMillionen Meteoren durchsaust. Es können auch\nViel mehr sein. Und wir dürfen uns diese Meteore\nnicht afe simple Stoffklumpen denken. Was von\nihnen zu uns! herunterfällt, ist so minimal, daß\nman daraus1 keinen Schluß auf das Ganze der\nMeteorkörper ziehen darf. Hierüber muß ge-\nschrieben werden — auch von den Zeitungen —\nimmerzu.\"\n„Was1 denn ?\" fragte Frau Albertine, indem sie\ndie Augen aufschlug und die Vier kleinen Enten\nwieder in den Teich hineintappen sah.\nJetzt lächelte Dr. Groddeck, und er sprach\nfeierlich:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.4", "texte": "„Meteorgeistergesdhichten! Ich glaube nämlich,\ndaß diese Sternschnuppen, die wir da oben im blauen\nHimmell sehen, veritable Lebewesen sind, die unter\nUmständen noch viell klüger und besser organisiert\nsein könnten als die Menschen. Mit der Phantasie!\nkann man ja diese Meteorgeister so köstlich ausge-\nstalten — die Maler können sie malen — mit langen,\nelektrisch leuchtenden Gliedmassen. Und man kann\nvon diesen Meteorgeistern Geschichten erzählten, die\nviell interessanter sein könnten, als die Geschichten\nvon den Menschen auf der Erdoberfläche. Es muß\ndoch ein viel freieres Leben sein, so ganz frei im\nWeltenraume herum sausen z(u können, (ohne an, einen\nRiesenstern angebunden zu sein wie unsereins!\"\n„Ist das Ihr Ernst?\" fragte Frau Albertine\nlebhaft.\n„Aber freilich1!\" versletzte Dr. Groddeck, „wenn\nich nur wüßte, wie ich die Künstler und Dichter in\ndieses neue Stoffgebiet hineinlocken könnte. Dann\nhätten wir gewonnenes! Spiel.. Da würden bald\nalle Menschen für die neuen Sternwarten begeistert\nwerden. Bedenken Sie nur: es ist ja gar nicht\nso phantastisch, wenn ich behaupte, daß die Meteore\nganz vernünftige Ungeheuer sind — Riesen-\nschlangen — mit eisernen Panzern. Vielleicht sind\ndiese Ungeheuer auch bewohnt von kleineren Lebe-\nwesen wie die Erde. Ob das nun wirklidh1 so ist,\nwie ich glauben möchte, kann ja der Astronom\nauf den neuen Sternwarten mit den besseren Te-\nleskopen sehr leidht untersuchen. Das würde ja\ngrade den Bau der neuen Sternwarten stehr\nwünschenswert erscheinen lassen. O, gnädige Frau,\nwenn Sie wüßten, wie notwendig der Bau von\nSternwarten ist. ...\"\nFrau Albertine sagte rasch:\n„Hm! dann muß man eben ein Preis-\nausischreiben arrangieren — und dadurch die\nKünstler und Dichter in entsprechender Weise an-\nregen. Machten Sie den Entwurf für das1 Preis-\nausschreiben, — ich werde das Geld stiften, und\nes soll nicht wenig sein.\"\nSie erhob sich, und Dr. Groddeck sank auf ein\nKnie und küßte den Saum ihreö Kleides.\nFrau Albertine lächelte wieder.\nAber Dr. Groddeck lächelte nicht, er hatte\nTränen in den Augen und dankte Frau Albertine in\nso begeisterten Worten, daß die alte Dame ganz\nverlegen wurde.\nDie beiden frühstückten darauf zusammen im\ngroßen Speisesaal des Schlosses, und dabei entwarf\nDr. Groddeck gleich den Wortlaut für das Preis-\nausschreiben. Er ging nach dem Frühstück auf sein\nZimmer, um alles genau zu stilisieren.\nAls er zum Diner wieder in den Speisesaal trat,\nwurde iton erzählt, daß Frau Albertine sich zu\nBett gelegt habe.\nUnd zwei Minuten später war sie eine Leidie.-\nDr. Groddeck blickte starr in den blauen\nHimmel, und die Hand des Astronomen ballte sich\nzur Faust zusammen.\nIm Testament der alten Dame stand vom Preis-\nausschreiben keine Silbe.\n\nFrank Wedekind als Asthetiker\nKritik seines Glossariums\n,Schauspielkunst'\nBlümner\nNur das große Ansehen, das .Wedekind bei den\nErkenntnisfähigen als Dichter genießt, rechtfertigt\ndie detaillierte Ablehnung seiner Broschüre, die\nvon wenigen witzigen Ideen abgesehen, stilistisch\nund kritisch-ästhetisch werttos ist.\nSoweit sie nicht gänzlich zu ignorieren sind,\nfolge ich seinen Kapiteln.\nI\nMaximilian Harden\nWedekind apostrophiert ihn: „Ihrer regsten An-\nteilnahme waren alle, die seit zehn Jahren in\nDeutschland auf eigenen Wegen gingen, sicher/'\n_ Ich stelle fest, daß sidi durch' Abdruck ihter\nGedichte die folgenden „Lyriker\" Hardensf regster\nAnteilnahme erfreuten:\nn a ri alus> e*n Prager Arzt, dem jenes schöne\nGedicht mit dem jüdischen: Refrain „jeden Früh\"\ngelungen ist.\n\nHier ist ein Gipfel\nDichtung: von Alfred Hombert\nMusik von Herwarth Waiden\nHier ist ein Gipfel.\nHier wurzelt nebenJDir eine so fremde Blume,\nplötzlich, und so fremd und anders,\ndass Du blass erschrocken lächelst.\nSuche nicht länger!\nJeder Gedanke, den Du jetzt noch schaust,\nist ein Irrgeist.\nHier ist der Gipfel, suche keinen andern.\nAus dem Zyklus: Der Denker"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.5", "texte": "Schluss folgt\n\nGedichte\nVon Albert Dreyfus\n\nMainacht\nDu Stolze,\nDu Wehrende, Weichende,\nin dieser Mainacht\nmüßtest du meine Lippen suchen.\nDie brennenden Rufe\nvon atemlösen Wassern her,\ndie Düfte der mondtollen Wiesen\nsind wie Herolde der Minne.\nDu müßtest gehorchen, dich auftun,\nwie der Wald, wie die Nacht.\nDu ließest meinen Händen dein Gewand\nin dieser Mainacht,\nwie die Blumen dem Wind\nihre Knospenhüllen.\nDu ließest dich schälen aus Dunkelheiten,\ndaß sie entlang dir glitten,\nzu deinen Füßen sich kauerten,\nunterwürfig wie Hunde.\nIm Geäste der Nacht\nsäh ich dich schimmern\nwie eine weiße weiße Blüte.\n112 i ; :■ ' 112 ~ •—rtrt\n;!\\ i I ;\nDeine Arme wären entbreitet\nwie Blütenblätter,\nund du würdest verwelken vor Schwermut\nin dieser Mainacht,\nwenn ich nicht deine Brüste berührte,\ndich' küßte auf deines Leibes\nzitternde Narbe.\nDu Stolze,\ndu Wehrende, Weichende,\nin dieser Mainacht\nmüßtest du meine Lippen suchen.\n\nHerr Suse und Herr Sello, zwei Verteidiger in\nStrafsachen des Herrn Harden.\nSolche Irrtümer sind die Folgen oberflächlicher\nLektüre. Noch vor wenigen Jahren hatte Wedekind\nlaut eigenem Geständnis1 niemals eine Zeile von\nHarden gelCsen. Offenbar hat er inzwischen das\nVersäumte nachgeholt, begreiflicher Weise aber für\ndas Studium von zehn Jahrgängen „Zukunft\" nicht\ndie genügende Muße gefunden.\nUebergang\nZum ersten Male erklingt das große Leitmotiv\nder Broschüre: die selige\nweise. Aber das Thema ist wenig originell. Inte-\nressant wäre nur zu wissen, weiche Dramatiker und\nSchauspieler Wedekind mit dem Schimpfwort Natu-\nralismus abtun will. Hier und da wird auf Ibsen\ngestichelt, später wird er wieder zu den ganz Großen\naddiert. Auf Hauptmann zu tippen, getraut man\nsich nicht. Eher auf Hartl'eben oder Sudermann.\nVielleicht aber ist das Glossarium „Schauspiel-\nkunst\" eine Schlüsselschrift mit dem apokryphen\nUntertitel: „Los! von Max Dreyer!\"\nLeichter ists, hinter die naturalistischen Schau-\nspieler zu kommen. Die paar, die es gegeben hat,\nsind schnell genannt: Rittner, Sauer, Reicher, Bas-\nsermann, Reinhardt, Lehmann, Eysoldt. Die Eysoldt\nerklärt Wedekind zwar später für ein Genie, zu-\nnächst aber schreibt er: „Diese Schauspieler sind für\nuns nicht mehr zu gebrauchen, die heutige Dramatik\nbehandelt ernstere Probleme.\" Was denn? Wie\ndenn? Ernstere? Ernstere alk wer? Ich'hoffe, ern-\nstere ah Hauptmann oder Ibsen. Denn ich habe\nnie gehört, daß Sauer der größte Dreyer-Spieler\nsei. Und wer sind nach! Wedekind die modernen\nProblem-Dramatiker? Wilhelm von Scholz und1\nHerbert Eulenberg, die Langeweile und Trocken-\nbrödelei in fünffüßige Jamben und altertümelnde\nRedensarten bringen.\nIbsen\nVon dem einzigen Dramatiker der Weltliteratur\nsagt Wedekind, er habe keine neue Dramatik ge-\nschaffen. Gegen Ejlert Lövbörg und Ulrik Brendel\nwerden die Schillersehen und Eulenbergschen Schwa-\ndroneure ausgespielt, gegen Hedda Gabler und Re-\nbekka West die Amalien, Louisen und Theklas.\nWenn Sentimentalitäten und rhetorisches GesChwätz\nhinreichen, um dramatisches Interesse zu erwecken,\ndann hat Wedekind Redht. In der zerebralen Entwick-\nlung aber sind die nordischen Frauen den deutschen\nüberlegen und die Erotik sitzt im Hirn, nicht in den\nGenitalien. In einer Hedda oder Rebekka isteckt mehr\nLeidenschaft und Tatkraft, als in sämtlichen Gänsen\nund Puten von Sdhffletisf Gnaden. Um von Eulenberg\nzu schweigen.\nIm Kampf\nErneutes Schimpfen auf den erledigten Natura-\nlismus. Wenn man nur sicher wüßte, wer gemeint\nist. Wirklich Dreyer? Auch Suderm'ann käme in\nFrage, oder Fulda. Aber schließlich dichten die alle\nnoch wacker drauf l'os1, und zwar genau so schlecht,\nwie damals, als der Naturalismus noch nicht ab-\ngesagt war. Auch ist es nicht ganz lbgisch, jeden\nDramatiker der Unnatur einen Naturalisten zu\nnennen, blbß um auf den Naturalisfrius schimpfen\nzu können.\nBerlin\nWedekind schreibt: „Nachdem nun diese\nbeiden künstlerischen Erlebnisse Berliner\nKinder waren und nur durch verständlich\nsind \"\nVerrrdammt, verrrdammt!\nVom Elend und Sterben der deutschen\nSchauspie 1 k u n s t\nNochmals wird für Schiller, insbesondere für\ndie Braut von Messina eine Lanze gebrochen. Total1\nzerbrochen, eine aus! morsdhem Hofe. Seit den\nSchillerjubelfeiern haben Aesthetiker und Dramatiker\nsich1 daran gewöhnt, dreimal' täglidh1 den Dichter\ndes Wahren, Guten und Schönen hochleben zu\nlassen. Das reinigt in den Augen der Feuilleton-\nReaktionäre von dem Verdacht der Neuerungskucht\nund des Naturalismus und erweckt Sympathie beim\nPöbel1, der sich1 seinen' Thekla-Konstrukteur nicht\nrauben lläßt. Aber wenn man beim Pöbel Von jeher\nals „Naturalist\" gegolten hat, dann hilft dagegen\nkeine Schillerbegeisterung. Und wenn Wedekind\nglaubt, die Unfähigkeit der Schauspieler, Wede-\nkind zu spiefen, hänge mit ihrer Verachtung Sdhil-\nlensi zusammen, so ist er erbärmlich orientiert. Sie\nstehen wie e i n Schiller auf seiner Seite und können\nsich' kaum fassen vor Begeisterung für den Mann,\ndessen „Schwung\" und Unmenschlichkeit ihrem\n„Temperament\" sk> seht zusagt. Denn an dem\n„Temperament\", dessen überraschend neue For-\nderurig Wedekind an den Künstler stellt, fehlt es\nihnen nicht. Nur verwechseln sie genau wie Wede-\nkind Temperament und Talent. Auf das bloße\ntalentlose Temperament fallen Direktoren und Kri-\ntiker immer herein. Das sind die bekannten jungen\nTalente, die sich gar schrecklich aufregen, schreien,\nkeuchen und ganz entsetzlich schwitzen. Nach fünf\nJahren allgemeines Erstaunen, daß aus dem „großen\nTalent\" nichts geworden ist. Inzwischen hat man\nein Dutzend Künstler zu Grunde gehen lassen, weil\nman ihr „Temperament\" nicht keuchen hörte.\n\nAtelier\nDer Wind wirft Regen an die großen Scheiben\nwie Pfeile bald und bald wie Klagelaute;\nvom Ofen rot schwingt Wärme, und die Lampe\nstreut goldne Strahlen aus der seidnen Hülle.\nVom Licht umsponnen sitzest du und schaust\nund rührst mit keinem Ton und keinem Wunsch an\ndie Stille dieses Raumes und schenkst dich ganz\ndoch mir und schenkst dich so, als hätte sich\nvon draußen in der Welt die Schönheit aus'\ndem Lärm des Leides, dem die Scheiben wehren,\nzu dir geflüchtet.\nWallfahrten / ein Gedichtband von Albjert DrJeyfttV'J\nerscheint im Herbst dieses Jahres bei Oesterheld & Co.\n\nDas Ende\nNach dem Deutsch-Amerikaner und der Pro-\nvinzialin ergreift der „Fachmann\" im „Berliner Lo-\nkalanzeiger\" das! Wort. Schlichte Erinnerungen an\nLenbach. Herr Professor Paul1 Meyerheim feiert\nihn und sich und gibt es der verfluchten Moderne\ntüchtig. Am erfreulichsten jedoch bleibt, daß man\nendlich einmal erfährt, was diese drei Herrschaften\nvon der Malerei fordern und erwarten. Meyerheim,\ndieser verdünnte Oberländer, rühmt das Photo-\ngraphisdh-NaLurwahre einer Böcklinschdn\nLandschaft. Aho auf eine Linsenwahrheit kommt es\nhinaus Und so erklären sidh höchst einfach die\nretoudhierten Gesichter und Landschaften der vielen\nbiederen Künstler. Ich atme auf. Endlich ein An-\nhaltspunkt für die Kritik. Das vollendete Auto-\nmobil1 überfährt das! letzte Pferd und das sdhwarze\nTuch des perfekten Apparates für farbige Pho-\ntographie dient dem fetzten Maler als1 Grabeshülle."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.6", "texte": "Und der „Lokalanzeiger\" findet seine Ruhe wieder.\nDie Natur läßt sich eben nicht mit Oelfarbe be-\nhandeln. Schade um die Leinwand, die züchtige\nHausfrau kann sie besser verwerten. Wie werden\nspätere, glücklichere Jahrhunderte über die komi-\nschen Versuche der Phantasten lächeln, die da\nglaubten, zum Beispiel die Sonne mit chemischen\nMitteln wiedergeben zu können! Daß so etwas ver-\nsucht wurde, wird Paul1 Meyerheim kommenden\nKunsthistorikern klassisch bezeugen (a. a. O. 7. Aug.\n1910):\nDen alten Meistern hatte Lennach bald abgelernt,\ndass die Wiedergabe des Sonnenlichts auf dem Bilde\neigentlich ein vergebliches Bemühen sei, da sich auf\nder Palette doch nur weisse Oelfarbe und kein wirk-\nliches Licht befindet.\nUebrigens gab es 1910 schon elektrischesi Licht.\nUnd wie wenig Verstand gehörte schließlich dazu,\nstatt der Oelfarbe sich wenigstens eines Oellämp-\nchens1 zu bedienen! Wo Meyerheim das seine schon\nso schön feuchten ließ! Aber die sogenannten Maler\nsind mit Blindheit gesdhlagen.\nTrust\n\nLiterarische Ausländerei?\nCarl Onno-Eisenbart.\nDem Deutschen haftet der Ruf der „Aus-\nländerei\" an, und esi darf wohl mit Recht töricht\ngeheißen werden, wenn er „französischen\" Sekt und\n„englische\" Krawatten gegenüber einheimischen Er-\nzeugnissen dieser Art den Vorzug gibt, da Deutsch-\nlands1 eigene Industrie der ausländischen mindestens\nebenbürtig ist. Man soll jedoch diese Verhältnisse\nnicht auf das rein geistige Gebiet übertragen. Beim\nkünstlerischen Schaffen steht der wirtschaftliche\nFaktor in zweiter Reihe, so aufrichtig man auch der\nArbeit praktischen Nutzen wünschen mag. Künst-\nlerisches Wirken ist selbstlos, und einer Kunst, die\nbewußt nach Brot geht, fehlt gewöhnlich' die Größe\njener Schöpfungen, die innerer Notwendigkeit ihre\nEntstehung verdanken. Beethoven litt zum Beispiel\nschwer darunter, daß ihn die Not zwang, neben\nseiner Tätigkeit als Künstler „noch ein halber\nHandelsmann sein zu müssen.\" „Es sollte ein\nTempel errichtet werden,\" sagt er einmal, „in dem\nder Künstler seine Werke niederlegen und sich dafür\nausi einem offenen Geldschatz das Notwendige zum\nLebensunterhalt nehmen könnte.\" Das war schon\ndamals eine Utopie, und ihre Zitierung wirkt unter\nden heutigen Wirtschaftsverhältnissen grotesk, aber\nsie zeigt in knapper Deutlichkeit die ehrliche Ueber-\nzeugung eines unserer Größten, daß der Künstler\nsich mit seiner Kunst nur um ihrer selbst willen be-\nschäftigen soll. Und dieser Selbstzweck macht die\nKunst universal. An sich ist sie eine freie, über\nalle nationale Verschiedenheiten thronende Erschei-\nnung, und man kann daher von einer „französischen\"\noder „deutschen\" Kunst nur insofern sprechen, als\nman damit den völkischen Boden, sowie die\nspezifisch nationalen Eigentümlichkeiten und\nFormen bezeichnen will, die das Kunstwerk auf\ndiesem Boden annehmen mußte. Das Kunstprodukt\nselbst jedoch' ist trotz des nationalen Charakters\nEigentum der gesamten Menschheit, und es kommt\neben nur darauf an, wie weit die Befähigung der\nverschiedenen Völker reicht, das Wesen eines nicht\nnationalen Kunstwerkes in ganzer Tiefe zu erfassen.\nEs ist nidht zu leugnen, daß im verflossenen\nJahrzehnt die Auslandsliteratur in Deutschland eine\nliebevolle Pflege gefunden hat. Der Grund ist aber\nnicht in einer literarischen „Unsitte\" zu suchen,\nsondern darin, daß wir die fremde Literatur als wirk-\nliche Kunst empfanden. Vielleicht hat der Mangel\nan weltumspannenden Geistern im eigenen Lande\nmitgewirkt und es1 wäre doppelt beschämend, wollten\nwir nationale Kleinigkeitskrämerei treiben und den\nbedeutenden literarischen Werten, die zum Beispiel\naus dem Norden den Weg zu uns finden, den Einlaß\nverwehren. Wer zweifelt heute in Deutschland noch\nan der Bedeutung einer Lagerllöf, eines! Bang, eines\nHamsun, von den ganz Großen des Nordens gar\nnicht zu reden ?\nEs ist nidht wahr, daß deutsche Schaffende durch\ndie Pflege der Auslandsliteratur zurückstehen.\nWenn heute ein wirklicher Dichter aufsteht, wird es\nihm — falls er nicht gerade Lyriker ist — trotz\ndes „Auslandsrummels\" an Anerkennung nicht\nfehlen, und die Möglichkeit, echter Kunst einen\nWeg zu bahnen, ist heute größer denn je. Das\n„Verkanntwerden\" und „Nichtverstandensein\"\npassiert nur den Durchschnittsl'iteraten oder ganz\ngroßen, ihrer Zeit vorauseilenden Genies. Diese\ntragen ihren Schmerz gewöhnlich still erhaben, jene\naber ziehen in den Kampf gegen die Kritik, seufzen\nüber das Fehlen von „Protektion\" und „Presse-\nverbindungen\" oder madhen vielleicht auch „lite-\nrarische Unsitten\" für ihren Nichterfolg verantwort-\nlich, während sie den nächstliegenden Grund, ihren\nMangel an Selbsterkenntnis, außer acht lassen.\n\nDas Fremdenbuch auf dem\nAnninger\nJ. A.\nEin eifriger Fremdenbuchleser hat den Anninger\nbestiegen, und er berichtet jdarüber in der Neuen\nFreien Presse: „Wer den freundlichen Berg vor den\nToren Wiens besteigt, an der stark gepölzten\n„breiten Föhre\" und an ider „krausten Linde\" vorbei,\ndas Schutzhaus der Naturfreunde in Mödl'ing be-\nsucht, findet beim Durchblättern des Fremden-\nbuches, das im Schutzhaus aufliegt, poetische,\nfröhliche und audi politische Reminiszenzen, gleich-\nsam den Nachhall aus den Stürmen und Schtnerzen\nder Residenz. Neben bekannten Namen der Kunst\nund Wissenschaft haben anonyme Poeten manches\nauf dem Anninger niedergeschrieben, das aus der\ngewöhnlichen Fremdenbuchliteratur herausragt.\"\nDu besteigst den Anninger ohne jedes Be-\ndenken, nur um der schönen Fernsicht willen, die\nman von seiner Spitze genießt, und um einige\nStunden über den Niederungen österreichischer\nHochkultur zu wandeln. Aber sei erst oben und\nsuche Schutz im Haus der Mödlinger Naturfreunde.\nDas aufliegende Fremdenbuch, man kann sich seiner\nGewalt nicht entziehn, man muß es durchblättern,\nwird dir schon beweisen, daß du nur dem Nachhall\nder Schmerzen und Stürme der Residenz nachge-\nstiegen bist, wie man eben in Oesterreich allem,\ndem Dümmsten aber mit der unbewußtesten Be-\nharrlichkeit nachsteigt. Man kann sich in Oester-\nreich nirgends vor Oesterreich retten, und könnte\ndas am Anninger auch dann ;nicht, wenn er die\nHöhe des Mount Everest hätte. Es gibt kein Schutz-\nhaus, wo du vor poetischen, fröhlichen und politi-\nschen Reminiszenzen sicher bist, überall lauert la-\nwinenartig ein ewiger Nachhall der flüchtigsten Leib-\nschmerzen und der beständigsten Theaterstürme der\nResidenz auf dich. Doch unter den Kulturfremden,\ndie in dem Buch am Anninger eine Heimat für\nihre Höhengedanken fanden, sind tatsächlich\nmehrere bekannte Namen vertreten:\nStella Hohenfels', die Naive des Burgtheaters,\nverzeichnet ihren Besuch mit den schlichten Worten:\n„Nach zweistündiger Reise hierher gelängt.\" Für\neine Matrone eine jsehr respektable Leistung.\nFrau Professor ißergmejster gedenkt des Bill-\nrothschen Wortes: „Einen schöneren Herbsttag sah\nich1 nie.\"\nDer Fremdenbuchliteraturforscher wühlt hier\nein sehr naheliegendes Analogen hinauf, aber er\nbemerkt das nicht in der tiefernsten Stimmung, in\ndie ihn ein lateinisches Sprüchlein Demuths ver-\nsetzt. „Dum spiro, spero!\" (So länge idh atme,\nhoffe ich).\nAus der ernsten Stimmung reißt den nachdenk-\nlichen Schmock ein Vers', den Hermann und Anna\nBahr in das Buch hineingedichtet haben.\n„In Regen, Sturm und Donnerwetter,\nHurra! Da wird es immer netter,\nUnd ist des Wanderers Ziel erreicht,\nDann wird die Kehle ausgegleicht. —\"\nUnd ein anonymer Poet, der als Deutschmeister\nwährend der Annexion Bosniens bei der Wacht\nan der Drina eine Verletzung davongetragen hat und\nlängere Zeit auf dem Bauch! im Krankenhaus liegen\nmußte, dichtet gelegentlich Seines ersten Ausflugs\nnach seiner Genesung:\n„Drum sagt schon der Goethe, der alte Drahrer,\nZu an befreundeten Rodelfahrer:\nNix auf der Welt ist so schwer zu tragen,\nAls all Weil z'liagen auf Bauch und Magen.\"\nDie s e r alte Dr a h rer — der Bah r.\nEin „touristisches Kraftsprüchl'ein\" schließt die\nflüchtige Revue ab.\n„Die schönste Tour ist,\nWenn ein Tourist,\nDer auf der Tour ist,\nIn einer Tour isst.\"\nOesterreich braucht zwar keine Fremdenbuch-\nliteratur, da es aber nun einmal eine hat, mag\nes! froh sein, eine Presse zu besitzen, die kunstver-\nständig genug ist, sie richtig werten und schätzen\nzu können.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDENI BERLIN-HALENSEE\n\ni\n<s*|\nVO\nJ\nI\nm\nI\nVP'\nymai\n9 1\nWarnung!\nHohle Zahne sind, wie die meisten aus Erfahrung wissen,\neines der unangenehmsten und schmerzhaftesten Uebel,\nunter welchen die Menschheit zu leiden hat. Man hiite\nsich daher dringend vor Vernachlassigung der Zahn-\npflege und gebrauche taglich Kosmin Mundwasser,\nwelches den denkbar besten Schutz gegen das Hohlwerden\nder Zahne bietet, gleichzeitig das Zahnfleisch kraftigt\nund den gesamten Mundorganismus erfrischt. Preis pro\nFlasche, lange ausreichend, Mark 1,50, iiberall kauflich\n©\nP\n&\nat\nxr»\nC\n&\nVft\nT\nA\n«\n13\nK\n'"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100818-01.1.7", "texte": "Auslieferung für Österreich-Ungarn A. Muhihans-Smital Wien IX / Pur den Buchhandel: M. Braunschweig Wien (X / Verantworte für die Schriftleitung in Österreich-Ungarn: Otto Soyka\n\n«•\n[ABGEIVIESEi\nKUWSTLEI\nDER.\nBERLINER\nON\nIN DER\n6ALERIE\n/WXIMIUAN J\n•mcHT'\nBERLINWSO\nRANKE STr. 1 •\nINTRIir\n•» * t\nTAPPeRT'\n\njffagenleiden\nVerdauungs- and Stnhlbe-\nschwerden, Hamorrhoiden.\nIch teile jedem gerne kostenlos mit,\nwie zahlreiche Patienten, die oft\nfahrelang mit aolchen Leiden be-\nnaftet waren, day on befreit wurden.\nKrankenschwester Marie\nWiesbaden Nicolasstrafie 6,\n\nSanatorium and Krholunffgheim\n1 Hi i\\ Cll 111 lIIIIC Post Mellenbach bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral-\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. Individuelle arztliche Befaandlung\nDie Kfiche stcht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervenschwache, Magen- und Darmleiden, Qicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Leiter: I>r of. med. W, Hotz\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege persOnlicher\nKultur und gesunder Labens-\nanschauungen, dient unsere\nMonatsschrift nG«RaudeB\nLoben\", von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. Abonn. M. 3,60 p. Jahr\n\n</a\ns\n®==;\nm\nma\nKinder\nferfi\ns»\ne\nZur Bekampfung der\nKinders terblieljlfeit\nEine der Hauptursachen der tibergrossen Sterbllchkeit im ersten Ltbens-\njahre liegt in der Mangelhaftigkeit einer angi me ser.en Ernahrung der\nSauglinge. — Unter den vielen Ersatzmitteln der Mutterbrust hat in letzter\nZeit eines immer mehr und mehr infolge seiner hervorragenden Eigen-\nschaften die Aufmerksamkeit der Aerzte und Laien auf sich gezogen und\nbehauptet heute den ersten Rang unter denjenigen Sauglings Nahrmitteln,\nwelche aus frischer Kuhmilch hergestellt werden: die Baokhausmiloh.\nDie Baokhausmiloh entspricht in physiologischer und hygienischer Hin\nsicht dem Vorbild, wie es uns die Frauenmilch darbietet und ermOg-\nlicht, wie diese, eine regelma.sh.ige, von ausseren StOrungen unabhangige\nEntwickelung des gesunden Kindes. — Dann aber stellt sie im Falle von\nMagen- und Darmkrankheiten des Sauglings ein Diatetikum von ent-\nschiedener Heilkraft dar, welches die Behandlung mit Medikamenten\nwesentlich untersttitzt, ja manchmal ganz entbehrlich macht. — Sie bildet,\nals das ausschliessliche Nahrungsmittel wahrend der ersten 9—lo Monate,\nein durch kein anderes Praparat mit gleicher Sicherheit zu ersetzendes\ngegen die so ungemein verderblichen und haufigen\nBrechdurehfaile. Vielfache Versuche an Kliniken, Krankenhausern etc.\nhaben Vorstehendes zur Genttge erhartet.\nDie\nJZackhausmilch ist d!°seBfe;. T %sfer ee6tn^\nan bekommlime oauglingsnahrung.\n: : Die Herren Aerzte werden gcbeten, Proben und Literatur zu verlangen von folgenden : :\n================== JZaekhaus - Milchansfatfen =================\nAachen-Burtscbeid: Stadt. Milchanstalt. — Assenheim b. Friedberg: L. Reif. — Berlin NWJagowstr. 20: Dr. Cy-\nbulsky. — Briton (Mahren): Centralmolkerei. — Breslau, Moritzstr. 48: Nutricia. — Cassel, ob. Carlstr. 3|4:\nA. Miiller. Milchkuranstalt. — Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: R. Gumprecht. — Dresden: Nutricia, Grunaer-\nstr. 12. — Drulingen i. E. (bei Strassburg): Gutsmolkerei Kempf — Elberfeld, Dorotheenstr. 32: H. A. Sauer. —\nFrankfurt a. M-, Ginnheimer Landstrasse 74: F. Gottschalk. — Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Halle a, S.,\nDessauerstr. 5: Nutricia. — Hamburg, Giintherstr. 618: G. Hildebrandt. — Hannover-Linden, Deisterstr. 31;\nDr. Friedel Nachf. — Heilbronn, Herbststr. 26: Ferd Matx. — Karlsruhe, Gerwigstr. 31: Nutricia. — Kaisers*\nlautern: Emil Andr6, Dampfmolkerei. — Koln a. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schtirmann, Nachf. — Krefeld,\nInratherstr. 191: H. BOgelmann. — Leipzig: Nutricia, Kronprinzenstr. 52. — Magdeburg: Magdeburger Molkerei. —\nOlmiitz (Mahren): W. Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbiittel bei Berne (Bremen-\nOldenburg): Stedinger Molkerei. — Stettin,. Hohenzollernstr. 50: Nutricia. — Stuttgart, Lerchenstr. 24a: Nutricia.\n— Teplitz-Srhonau (BChmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwlnkel: Nutricia, Otto Volkmann. — Wiesbaden,\nBleichstr. 26: Wiesbadener Molkerei. - Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl.\n\n„Der Sturm\"\nWir übernahmen inunsernV erlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiir Gesangu. 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