{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_sha256": "7b851063268d7802a9e9a610143e9a4c0defc6687eafd343d1165482b609a4ef", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/08/25_01/bmtnabg_1910-08-25_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/08/25_01/bmtnabg_1910-08-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "203", "page_fin": "203", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.1", "titre_corps": "Himmlische und irdische Liebe Zeichnung von Oskar Kokoschka", "titre_sommaire": "Himmlische und irdische Liebe Zeichnung von Oskar Kokoschka", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.1", "debut_caractere": 550, "fin_caractere_exclue": 609, "texte": "Himmlische und irdische Liebe\nZeichnung von Oskar Kokoschka"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "203", "page_fin": "203", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.2", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.1", "debut_caractere": 611, "fin_caractere_exclue": 1011, "texte": "INHALT:\nKURT HILLER: Über Kultur / ARNOLD\nOPPEL: Weg im Vorfrühling / ALBERT EHRENSTEIN :\nDer Fluch des Magiers Anateiresidtidas / RUDOLF\nBLÜMNER: Frank Wedekind als Aesthetiker / HER-\nWARTH WALDEN: Simson und Delila / OSKAR KO-\nKOSCHKA: Wintergarten / K. 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Jedenfalls widerlegt man\njene komplexe Art neumenschlichen Erlebens und\nGestaltens nicht damit, daß man sie „romantisch\"\nschilt. Und wenn es heute eine Dichtkunst gibt,\nwelche das Erlebnismäßige und den Gefühlston in-\ntellektischer Problematik zum Gehalt hat, eine Dicht-\nkunst, geschaffen von solchen und für solche, die\nweder ihre Seele aushängen, wenn sie nachdenken,\nnoch den Relevanzen ihres} geistigen Selbst den\nEintritt in die Reviere des Erlebnisses verwehren —:\nso möge man dies ah eine wundervolle Errungen-\nschaft begrüßen, ah einq göttliche Gabe letzter\nVerfeinerungen, als das glitzernde Zeichen einer ge-\nsteigerten Kultur.\nPedanten dös Systems und Fanatiker der Schach-\ntelung haben für dergleichen natürlich keine Finger-\nspitzen; so wenig, wie sie etwa ein Organ für den\nDenkstil Nietzsches haben. Gründlichkeit und Aus-\nschöpfung einer Sache ist ihnen nichts anderes als\nwiderspruchslose Einordnung ihrer in ein logisches\nSchema; Probleme betrachten sie dann als gelöst,\nwenn es ihnen gelungen ist, sie einzuweben in das\nNetz ihrer öden Terminologie, deren einziger Vorzug\neine gewisse formale Vollständigkeit ist; und\nScharfsinn (meinen sie, wenn sie Von Tiefe\nreden. Ihr Denken, das1 niemals die bewegenden\nInhalte, sondern stets bloß die starren und kate-\ngoralisch-leeren Fortmen der geistigen Existenz zu\nGegenständen hat, aber anmaßend genug ist, sich\n„Philosophie\" zu nennen, spielt sich in der Ober-\nschicht ihres Bewußtseins ab, ohne Verbindung mit\ndem Zentrum und Mark der selbstbewußten Leben-\ndigkeit, mit der Seefe, der Persönlichkeit, dem\n.Willen; spielt sich! ab', fremd unserer gebenedeiten\nPanheit, als das lebenslose Surren einesi selbsttätigen\nApparates — mechanisch und nicht organisch. —\nSind dies alles Kriterien der Unrichtigkeit jenes\nDenkens ? Keineswegs. Aber es sind Kriterien seines\nspärlichen Belanges!\nUnd nun die andere Seite des! Daseins dieser Re-\nflektionsbölde, lpgischen Sägemühlen und\nschaftlichem\" Philosophaster: das (auch bei ihnen\nunvermeidliche) Gefühlsleben, ihre Relation zu allen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9598, "texte": "Geschenken des Lebens, zu Menschen, Natur, 'Ge-\nstaltungen der Kunst: da lächelt uns dann ernsthaft\nund wässrig die moralisch nuancierte Schlichtheit\ndes Landpfarrers, die herzige Ahnungslbsigkeit\ndes Gänselieschens, die sentimentale Begrenztheit\ndes Ladenschwengels und die impertinente Unduld-\nsamkeit des Börsianers aus ihren bebrillten Ange-\nsichtern entgegen. Das sind dann die Herrschaften,\ndenen, trotz jahrzehntelanger Beschäftigung mit den\nSchriften der Denkheroen, die anthropologischen\nTypen des Forschungsreisenden oder des sozial-\npolitischen Agitators oder des treuen Beamten —\nGipfel der Menschheit bedeuten, denen ein Bier-\nscherz Fritz Reuters, ein Kapitel yom Camenzin-\ndischen Seichpeter, der Vollzählig ausgestirnte Nacht-\nhimmel oder ein mäßig gemaltes! Stück Odenwald mit\nKühen — Gipfel des| Geistes und der Schönheit sind;\nHerrschaften, die, in unbewußt-richtiger Erkenntnis\nlästhtetischer Zurückgeblieihenheit und Plebeität, fort-\nwährend nach Einfachheit und Volkskunst schreien;\naber vor alles Neue, das tiefer, zarter und verwickelter\nist, mit spöttischter Ueberlegenheit, dem bekannten\nMienenspiel des Unverstandes, hintreten und onkel-\nh;aft-feixend es „maniriert\", „pervers\", „überspannt\"\noder „dekadent\" nennen. Diese Schär — um ein\nWort aus dem „Willen zur Macht\" heranzuziehen —\n„sie nimmt die Partei der Idioten und spricht einen\nFluch gegen den Geist aus\". Das nennt sie dann\n„wissenschaftlich\" und „gesund\".\nEs1 ist der extreme Flügel des Intellektualismus,\nder sich in seiner Taktik gegen das Erlesene eng\nberührt mit der äußersten NiChtintellektualität, mit\nden Bäurischen und den Bourgeois. Trotz der Stil-\nreinheit, die ihm die raffiniert-einseitige Ausbildung\ndes Verstandesmechanismus verschafft, ist er von\n„Kultur\" so unermeßlich weit entfernt, durch un-\nüberbrückbare Klüfte von ihr getrennt — dieser\nGeist der deutschen Professorenphilosiophie, diese\nunbeSCelte Phalanx der Nur-Begrifflichen, die\nkalten Dämonen der Erkenntnis! (mit Nietzsche zu\nreden) oder, etwas1 weniger feierlich: die Hotten-\ntotte.nder reinen Vernunft.\nAber ebenso kulturfeindlich ist die Gegengat-\ntung: der deutsche „Dandy\"; dessen Prototyp Herr\nRichard Schaukai in seinem Andreas von Balthess er\ngeschaffen hat; der indes auch die idealen Land-\nschaften des Herrn G. Ouckama Knoop bevölkert\nund sich selbst bei viel feineren Geistern, wie etwa\nbei Herrn Oskar A. H. Schmitz, einiger Beliebtheit\nerfreut.\nAllerdings1 war es längst notwendig, Protest\neinzulegen gegen die Gleichgültigkeit, mit der man\nin unserem Vaterlände die Formen behandelte,\ngegen die GesChmacksverwilderung, die im Auf-\ntreten und in den Kundgebungen deutscher Intel-\nlektueller einriß und d;iese dem ständigen Spott\ndes eleganteren Westeuropa aussetzte; gewiß mußte\neiner hypertrophischen Cerebralkultur einmal der\nSpiegel vorgehälten werden, damit sie sehe1, wie ab-\nstoßend ihre Gesichtszüge und wie lachhaft ihre\nGeberden steien: aber wenn dergleichen Bestre-\nbungen dahin tendieren, zu Gunsten einer Exteri-\nkultur die Cerebrale zu beseitigen, so wird man\nSein Veto einlegen müssen. Herr von Balthesser\nsteckt die „kultivierten\" Menschen in den Moquier-\nrahmen der Gänsefüßchen, und alles, was sie in\nAnspruch nimmt, sie aufregt, das, in dessen Besitz:\nsie sich erhaben fühlten, das ist ihm so gleiche\ngültig wie lein unappetitliches! halbgeleertes Bier-\nglas. Die wahre Kultur, predigt er, liegt in der\nKorrektheit von Kleidung, Gestus und Benehmen;\ndas Gespräch erzogener Menschen meidet jegliche\nAuseinandersetzungen. Nur kein Hervorkehren von\nIndividualität; nur kein psychologisches Gezappel;\nnur kein Brüsten mit Wesentlichkeiten! Gute Gesell-\nschaft ist ohne Meinung, Urteile in der Causerie\nsind ein Zeichen schltechter Erziehung, und zu den\nAufdringlichsten gehört ein Mensch, der sich recht-\nfertigt. Was ist für Herrn Von Balthesser das Ekel-\nhafteste, was er auf der Welt kennt? „Der Schön-\ngeist... der im Coenakel gefeierte Schriftsteller, der\nden Weltmann spielt und auf Schritt und Tritt\nNuancen fallen läßt wie Knallerbsen\" — eine für-\nwahr diabolische Karikatur des Typs, den wir Un-\nheilige lächelnd (als1 heilig Verehren: Lord Henry\nWottons.\nDiese sozusagen m'orphlo logische Wer-\ntung der Persönlichkeit, dieser Grundsatz, das Heer\nder Menschten nicht unter dem Gesichtspunkt ihrer\nintellektuellen und musischen Valeurs, sondern unter\ndem Gesichtspunkt ihres somatischen Stils einzu-\nteilen, diese Ethik des geordneten Scheitels, des\nmonistischen Oberhemdes und der Ungeistigkeit,\ndie unter den geschmackvoll angezogenen, sport-\nliebenden und sensitiven, aber unbedeutenden jungen\nLeuten neuester Salons so zahlreiche Anhänger zählt\n— sie irrt sich eigentlich in ihrer Nomenklatur; denn\nmit dem „Dandysmus\" der klassischen Pariser De-\nCadence und OsCar Wildes hat sie gar nichts gemein!\nNicht nur, weil ihr völlig der ironische Timbre\nfehlt, sondern hauptsächlich' aus diesem Grunde:\nder klassische Dandysmus geht auf bestimmte neue\nFormung der Geistigkeiten, der deutsche auf Ab-\nschaffung der Geistigkeiten ; der klassische spricht\ndas Tiefe in einem gewissen heiteren Tonfall aus,\nder deutsche spricht es gar nicht aus; und wenn\nHugo Von Hofmannsthal klagend feststellt, es fehle\nbei uns den repräsentativen Dingen an Geist und; den\ngeistigen an Relief, so übersieht der deutsche Dandy\ndie erste Hälfte dieses Satzes und mißversteht die\nzweite; denn er sorgt zwar fanatisch für Relief,\naber verleiht es1 nicht den geistigen Dingen... Das\nist die Bormel dieses Unterschiedes: Der klas-\nsische Dandy protestiert mit G r a z i e\ngegen den intellektuellen Ernst, der\ndeutsche Dandy protestiert mit Ernst\ngegen d i e i n t e 11 e k t u e 11 e Grazie. Und was\nnoch obendrein den deutschen als läppisch er-\nscheinen läßt: er protestiert gegen das Protestieren,\ner macht Opposition gegen den Typus des Oppo-\nnenten, er verachtet voll Begeisterung den Enthu-\nsiasmus. So werden das Balthessertum und die\nihm verwandten Richtungen in Leben und Litteratur\nzu Beispielen dessen, was man eine Real-Unlogik\nnennen kann: indem sie ihre Theoreme ausspre-\nchen, handeln sie ihren Theoremen zuwider.\nKultur nach unserem Begriff also bedeutet nicht:\nbloße Verfeinerung einer einzelnen Funktion; auch\nnicht: eine Addierung von zufälligen Verfeinerungen\nverschiedener Vermögen; eher schon: eine Verfei-\nnerung des Unsagbaren, das zwischen ihnen fließt;\neine synthetische Verfeinerung der Ge-\nsamtheit eines geistigen Daseins. Dem kultivierten\nMenschen weist seine Kultur überall a priori den\nOrt an, von dem aus1 er die Gegebenheiten des so-\nzialen Lebens, der Philosophie, der Kunst betrachte;\nganz instinktiv, ohne daß seine Kriterien ihm immer\nbewußt werden, fühlt er überall heraus, wo etwas\ngesteigert, verfeinert und neuen Wesens ist. Und\nfalls er selber schafft, so wird jedwedes, das er aus\nsich herausstellt, das CaChet des höher differen-\nzierten Geistes tragen (wenigstens für ein kenne-\nrisches Auge); alles, mag es nun ein Liebesbrief\noder ein Fachaufsatz sein.\nDiese Eigenschaft der synthetischen Verfeine-\nrung, „Kultur\", h|at mit besonderen, für sich be-\nstellenden Fähigkeiten, „Talenten\", sehr wenig zu\ntun. Man kann völlig talentlos1 sein und doch' Kultur\nhaben, so wie man Völlig kulturlos sein und\ndennoch Talente besitzen kann. Mehr ähnelt dann\nschon Kultur dem Genialen; als einem Fluidum,\ndas die Gesamtpersönlichkeit durchdringt in allen\nihren Aeußerungen; als1 einer Sache, die man nicht\nwegzudenken vermag, ohne zugleich den ganzen\nMenschten wegzudenken. Freilich ist das Genie schöp-\nferisch und junterscheidet sich darin fundamental\nvom Nur-Kultivierten; allein, was man so häufig\nvom Genius gesagt hat, daß er die Besonderheiten,\nIdeen und Begehrungen seines Zeitalters in seiner\nSeele zusammenraffe und in seinem Einzel-lCh' ver-\nkörpere, daß der Geist seiner Epoche sich in ihm\nkondensiert habe und aus ihm nun wirke —: das\ngilt gerade auCh' vom Kulturmenschen.\nSo überbrückt diester durch sein einfaches Da-\nsein jenen bösen Abgrund, Von dem Simmel spricht ;\nund was weder dem Gebildeten, noch dem Begriffs-\nschmied, noch dem geistfeindlichen Aestheten ge-\nlungen ist und je gelingen kann, das gelingt dem\nKultivierten, dem Wesen der synthetischen Ver-\nfeinerung.\nSofern aber dieste Eigenschaft dem, der sie hat,\nbewußt wird und er alles! daran setzt, sie zu be-\nwahren, zu pflegen und zu steigern, sie auch, wo\nes nottut, in ihrem Werte zu rechtfertigen — verliert\ndas Ideal, das hier entwickelt Wurde, all jenes Pas-\nsivistische, das ihm Zunächst wohl anhaftet und,\ndas1 es ethisch gestimmten Naturen vielleicht anti-\npathisch oder verdächtig macht. Dies Passivistische\nverschwindet; denn was bisher nur Qualität ge-\nWesen, transformiert sich alsdann in Gesinnung.\nEin starkes Willenselement mischt sich bei, und die\nWerte, die man meint, wenn man von „Charakter\"\nredet, erhalten Gelegenheit, sich zu realisieren. Und\ndies in der Tat ist es, was ich' an einem Menschen,\nwenn nicht am höchsten schätze, so doch am lo-\nderndsten liebe: die kulturelle Gesinnung.\nIch hoffe, man darf heute endlich wieder un-\ngestraft und unbeladht das Wort „Ideal\" ausspre-\nchen. Den Bemerkungen wohnte als1 Leitmotiv inne\ndas1 Ideal der Persönlichkeit, wie es mir vorschwebt.\nIdeale lassen sich durch Vernunftgründe niemals le-\ngitimieren ; ihr oberstes Kriter bleibt stets ein Wille.\nUnd wenn viel Glück zusammentrifft, dann findet\nsolcher Wille Gefährten. Gefährte aber ist in diesen\nheiklen und schwer faßbaren Dingen, in diesen\nzwischenrassigen Wundersamkeiten, die jenseits des\nAlltags1 und jenseits der Wissenschaft ihre irisie-\nrenden Flügel entfalten, sChon der Verstehende."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "204", "page_fin": "204", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.4", "titre_corps": "Weg im Vorfrühling", "titre_sommaire": "Weg im Vorfrühling", "signature_source": "Arnold Oppel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.2", "debut_caractere": 9600, "fin_caractere_exclue": 10054, "texte": "Weg im Vorfrühling\nVon Arnold Oppel\nDaß mir aus Wald und weitem Seegelände\nVorfrühlinghaft milde Verheißung blüht,\nkann ich nicht missen. Und so neue Spende\nbeschwert mit Fülle meine leeren Hände:\nGeburtenbang strömt reiner mein Geblüt.\nWie meine Sinnen erdenwärts1 siCh neigen,\nfühl ich mit Wald und Wolke mich vertauscht;\nund meines eignen Daseins Fluten steigen,\nwenn mir zu Häupten in den hellen Zweigen\nder Frühlingswind wie hohe Brandung rauscht..."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "204", "page_fin": "205", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.5", "titre_corps": "Der Fluch des Magiers Anateiresiotidas", "titre_sommaire": "Der Fluch des Magiers Anateiresiotidas", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.2", "debut_caractere": 10056, "fin_caractere_exclue": 12319, "texte": "Der Fluch des Magiers\nAnateiresiotidas\nVon Albert Ehrenstein\nIn einer alten Handschrift, an Hundert Jahrej\nvergilbter als die Stormsehen zu sein pflegen, habe;\nich folgende wahre GesChichte gefunden, welche\nnicht uneben in ein neueres! Deutsch gekreidet zu\nhaben meine einzige Hoffnung ist, wenn nicht der\nTrost meines Greisenalters.\nEs war einmall eine Königstochter, Jezaide ge-\nheißen, aus dem uralten Geschlecht der Sirvermor.\nUeber ihre Familie war, wie Sonst nur in Märchen\ngebräuchlich, ein Fluch verhängt, dessen Größe;\ngroß war. O geiziger König Zizipe der Siebenund-\nsiebenz,igste, warum hast du, als einst zur Taufe\ndeines Erstgeborenen dreizehn glüdkwünschende\nZauberer erschienen waren, und der Hofjuwelier,\neingedenk trauriger Erfahrungen und Abzüge, er-\nklärte, die goldenen Stiefelzieher nur mehr dutzend-\nweise abgeben zu können, warum hast du damals\ndie verhängnisvollen Worte gesprochen: „Ach was,\nder eine wird sich halt so gefretten.\" Ja, er be-\ngnügte sich diesmall mit einem silbernen Stiefel-\nknecht, der große Magier Anateiresiotidas, in-\ngrimmig zwar, und so gewaltige Sprüche in seinen\nBart brummend, daß der Vor SdNreCk jeden Moment\ndie Farbe wechselte. Mit einem violetten Bart er-\nschien er bei der königlichen Tarockpartie, zu der\ner geladen war, und alle anderen Zauberer wußten,\nwieviel1 Uhr es geschlagen hatte. Nur der König be-\nmerkte die Anzeichen fürchterlich aufziehenden Ge-\nwitters nicht, derart war er mit der Mondjagd be-\nschäftigt. Er bot ihm in der Hitze des Gefechts\nweder die Teilnahme, noch einen Stuhl an, viel-\nleicht um sich nicht noch einen Hexenmeister zum\nFeinde zu machen. Und So mußte Anateiresiotidas\nkiebitzen, stehend kiebitzen. Auch dies hätte der\nZauberer vielleicht noch ruhig hingenommen, aber\nihm offerierte Zigarren trugen zwar die Leibbinden\nimportiertester Havanna, waren jedoch mörderische\nSchusterkuba. Diesmall hatte wiederum Hoftrafikant\nMotschker die Upman nicht in minimalten Quanti-\ntäten zum Engrospreise liefern wollen und der könig-\nlichte Geizhals aus diesem Verhalten dieselben Kon-\nsequenzen gezogen. Nur daß ein anständiger Hexen-\nmeister in punkto Zigarren keinen Spaß Versteht.\nMit einem Griff Hatte der Beleidigte seine Sprech-\nwerkzeuge auf den Tisch1 geltegt und sich entfernt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10413, "texte": "J£ein besserer Zauberer hat so viel Zeit und Geduld,\nseine eigenen Reden anzuhören. Und jetzt kam der\nFluch: „Von nun an werden alle Kinder aus1 dem\nHause Sirvermoor, je nadh! dem Geschlecht, mit dem1\nDinge oder Wesen, das ihrem Vater oder ihrer\nMutter am liebsten ist, zur Welt kommen. Bis einst\nein Jurist erscheint, dessen Namen dieselben Buch-\nstaben wie „Sirvermor\" besitzt, und nicht genug an\ndem: ohne das geringste Plagiat ein Buch [über\nRechtsphilosophie schreibt!\"\n„Wer gibt?\" fragte guter Laune der Königy\ndessen geheimer Gram es längst war, daß justa-\nment auf seinem Stamm kein vornehmer Erbfluchi\ntag. Und ehe noch die Sprechwerkzeuge des Ana-\nteiresiotidas aus dem Spielzimmer ihrem Inhaber1\nnachgeflogen waren, gab es! bereits ein Solovalatn\npagatul'timo, wie er in solcher Schönheit ohnstreitig,\nnoch nie dagewesen war. Das hatten die anderen\nZauberer getan, um den König zu trösten.\nDenn eines! Trostes bedurfte Haus Sirvermor.\nDa doch1 gemeinhin »die Männer «die Frauen am!\nliebsten haben und umgekehrt — wenn wenigstens,\njenem Fluche nach, Hermaphroditen zur Welt ge-\nkommen wären! Die Dynastie hätte zwar zum\nlängsten bestanden, aber Skandal, durch Jahr-\nhunderte fortgesetzter Skandal wäre vermieden:\nworden. Nein, deutlich getrennt von dem jeweiligen\nKinde und für sich bestehend, stieg das dem Vater\noder der Mutter geliebteste Ding oder Wesen ans\nTageslicht.\nWo soll ich anfangen, wo soll ich enden! Mit\ndir, Dofgoruki, dem sein Weib außer einem Nach-\nfolger eine ewig volle Kognakflasche gebar ? Solches)\nwäre lustig anzuhören, aber wem geraten nicht\nunwillkürlich die Tränen in die Augen, wenn er\nvon dir vernimmt, SeeheM Aquavit? Wohl wurde\ndir deinem Wunsch gemäß ein Ueberdreadnought\ngeschenkt, aber starb nicht dein Weib daran, ohne\ndaß ein anderes! sich' hätte finden lassen, todesj-\nverachtend genug, bald oder später ein ähnliches\nEnde nehmen zu wollen? Trotzdem dein Reich\ngrößer war, als selbst das des Sultans von Babylon ?\nStarbst nicht bald hernadh du selbst infolgedessen\nan Leibschneiden und Weltschmerzen, die ein räu-\ndiger Journalist prosaischer: „Langeweile\" zu nennen\nsich1 unterfing, bloß weil keiner deiner ungeschickten\nIngenieure im stände war, Weibautomaten zu fabri-\nzieren. Allerdings1 gelang nicht lange darauf deinem\nLeiberfinder Heureka die Herstellung jenes Instru-\nmentes, dem wir alle unser Leben verdanken, die\nHerstellung des Fernzeugers. Doch waren damit die,\nLeiden dieser Tantaliden abgeschlossen ? Panji-\nmatna, unter dessen glorreidher Regierung Apabauru\nund Tenteriki an Sirvermor kamen, geriet eben wegen\ndieser für den Ackerbau seines Landes äußerst wich-\ntigen Guanoplätzen in Streit mit dem Oberkaiser\nAdikran von Alazir und den Zentralkönigen von\nLygien. Als gar zu dieser an sich1 übermächtigen!\nLiga Araumenes der Große von Paphlagonien seine\nsieggewohnten Truppen stoßen ließ, und die Kunde;\nschrecklicher Gefahren in Sirvermor sich wie Po-\nsaunenschall und Tubaklang ergoß, was konnte da\nder verzweifelte LandesVater anderes tun, als sein\nWeib eines mit den erforderlichen Kanonen und\nVorräten ausgerüsteten Heeres von soviel Millionen\nMann genesen zu lassen. Sogar Rabelais schüttelte\ndarüber sein weises Haupt und gab den heirats-\nfähigen Königstöchtern der Erde den Rat, bevor\nsie sich mit Prinzen von Sirvermor in Verbindungen\neinließen, den Herren einen Eid abzunehmen, laut\ndem diese in Zukunft von derart gattinnenmörde-\nrischen Liebhabereien abzusehen hätten. Und als\neinem Herrscher, der wie es scheint, sich selbst am\nmeisten liebte, die Gemahlin einen Doppelgänger ge-\ntragen hatte, worauf bemeldeter Monarch elendig\nin Wahnsinn verfiel, unwissend, wen er am meisten\nliebe und welcher der bei|den eigentlich er sei; ein\nandermal ein in sich verzücktes Liebespaar ein Dop-\npelgänger-Liebespaar hervorrief, was unendlichen\nJammer und blutige Bürgerkriege erregte — da,\nvon Grauen überwältigt, bildeten die Fürstinnen den\nihnen anempfohlenen Trust. Das wird ihnen nie-\nmand verargen, der esr sich' ins Gedächtnis zurück-\nruft, daß neben dem jeweils! Regierenden in Sirver-\nmor auch eine Menge Prinzen existierten. Und wie\nbald zarte Prinzessinnen es müde werden, Ballett-\nratten, Vollblutrennpferde, Küchenchefs, Aebtis-\nsinnen und Jagdhunde in die Welt zu setzen, das\nläßt sich' denken. Waren nun zwar die Prinzes-\nsinnen vor einem durch1 die Neigungen ihrer Ge-\nsponsen bewirkten frühen Tode sicher, so hätten\nnach' dem Vertrag ihre Gebietiger den Leidenskelch\nbis: zur Neige zu leeren. Wenn dies nicht früher der\nFall gewesen war, lag das an dem: die Gemahl-\ninnen derer von Sirvermor blieben den Männern\nmerkwürdigerweise immer genau eine Sothisperiodei\nlang treu, dann waren sie wieder untreu. Und der!\ngesetzmäßige Umschwung trat zufällig erst jetzt;\nein, also daß jenes von einem hochweisen und vor-\nsichtigen Rate erlassene Verbot, betreffend Ehen\nzwischen den Operntänzerinnen männl'icherseits und\netwa zu erwartenden Stierkämpfern weiblicherseits:\ndieses sogleich nach dem Fluche angeschlagene! Ver-\nbot fand dergestalt gar keine Gelegenheit in Kraft'\nund Wirkung zu treten.\nVorerst war keine Veränderung bemerkbar. Auf\ndem Throne saß gerade Frau Ordilschnut, die Ur-\ngroßmutter Jezaidens1 und Schwester der berühm-\nteren Ordilgund von Undulur, ein Mägdlein annoch,\nso unschuldig, daß sie außer einem Töchterlein\nnamens Bamalip nur einer Puppe das Leberi\nschenkte, worüber sich der ganze Hof vor Lachen\nfast ausschütten wollte. Das zweitemal — ich will\nnicht, fügen — kam s|ie mit einem Mops und Zwil-\nlingen nieder, die jenem Töchterchen Bamalip aus\nder Massen ähnlich sahen. Man nannte sie daher\nauch Barbara und Fres'apo, und alle drei spielten,\nwie man weiß, in der sirvermorschen Geschichte\nnachmalen eine außerordentliche Rolle. Ihr Gatte\nwar ein in der Räudherkammer der Zeit früh grau\nund faltig gewordener Flerr in den kalten Vier-\nzigern, den slie nicht Heben konnte und der durchaus\nund eigensinnig noch1 selbst etwas für die Thron-\nfolge tun wollte. Als' er die junge Königin in Armen\nhielt, klammerte sich die Bedauernswerte, schau-\ndernd wie vor dem Tode, in der Angst an das!\nwenige Liebe, das sie, besaß, an ihr Töchterchenj\nBamalip und etwann nodh! einen kleinen Mops, der\nsie in ihrer Einsamkeit zerstreut hatte. Als Aspra-\nmont die Zeichen der Kälte seiner Lebensgefährtin\nsah, die Kinder, deren Mutter sozusagen auch Ba-\nmalip war, schlug er ob dieser Blutschande die\nHände über dem Kopfe zusammen, ja, er hätte Ordil-\nschnut verstoßen, wenn nicht eine fetzte Ueber-\nlegung für sie, die dodhl noch ein Kind war, ge-\nsprochen hätte. Und so zog er denn in den Krieg\nwider die Orilanen, Menschen, denen der Bart auf\nder Nase entkeimt, und die sehr sonderbare Speise-\ngesetze haben — gebratene Eidechsen essen sie\nunter keinen Umständen, Sauerkraut mit Leberwurst\nhingegen ist ihnen erwünsdht.\nNach Beendigung der über diesfe Leute ver-\nhängten Züchtigung, auf dem Rückwege, geriet As-\npramont — wenn die sirvermorischen Annalen nicht\ntrügen — mit den Sultanen Von Marabu und Taliii\nin einen Kampf um die Weltherrschaft, und diel\nHeimkehr verzögerte sich dadurch. Inmitten des\ngewaltigen Schlachtenlärmes hatte man es wenig\nbeachtet, daß die Königin glücklich von einem Eu-\nnuchen entbunden wurde. Dies hätte eine Warnung\nsein sollen, war es aber nicht. Wie denn in geheim-\nnisvoll alten Büchern zu lesen ist: Leute, denen\ndas Schicksal bevorsteht, vom Blitze getroffen zu\nwerden, haben kurze Zeit vorher so stumpfe Sinne,\ndaß sie den Donnerschlag, ja einen noch stärkeren\nHall nicht vernehmen, während andererseits selbst\nvernunftlose Wesen, wenn das Wetterleuchten na-\nhender Gefahren am Himmel1 aufzuckt, ahnend die\nVorzeichen der Götter beherzigen und das tiefste\nStillschweigen zu bewahren pflegen, was nachste-\nhende, sehr bekannte Tatsadhe beweisen mag. Wenn\nnämlich die Gänse der Hitze wegen den Orient ver-\nlassen haben, und auf ihrem Zuge nach dem Abend-\nlande zu Gebirgen gekommen wo es Adler\nin Menge gibt, nehmen sie aus Furcht vor diesen\nmächtigen Vögeln Steinchen in den Schnabel, da-\nmit ihnen selbst der dringendste Notfall keinen\nLaut zu entlocken vermöge; so sie aber das Gebirge\nin beschleunigtem Fluge hinter sich haben, lassen\nsie die Steinchen fallen und setzen ihre Wanderung\nnun in Sicherheit lärmend fort. Nicht alsto Ordil-\nschnut. Sie ergab sich einem ungezügelten Lebens-\nwandel; eine Liebelei mit dem Prinzen Karfiol von\nder Mondscheinküste blieb nicht die einzige, die\n\"Leute vom Hofstaat wagten keine Vorstellungen zu\nmachen, die Königin alfe die Höherstehende be-\ntrachtend, weil1 nicht sie durch einen Eid zur Ent-\nsagung verurteilt war, sondern der Gatte.\nDie kurze Pause eines mittlerweile eingetretenen\nWaffenstillstandes benützend, um an das abermalige\nerfreuliche Wochenbett der geliebten Gemahlin zu\neilen, welche Ueberraschungen wurden da dem\nguten, alten Aspramont zu teil. Reitknechte, Tenore,\nSchwergewichtsathleten, Chauffeure, französische\nSprachlehrer! Und so oft der besorgte Gatte: „Halt\nein\" oder strenger: „Jetzt aber Schluß\" rufen wollte,\nkam noch irgend ein Kaminfeger, Leutnant, Fleisch-\nhacker oder Kammerdiener zum Vorschein, bis er\ndie Hand, die schwertesschwere, wider die Pflicht-\nvergessene erhob und zustieß. Fiel aber dann selbst\nim Duell mit dem Leutnant...\nEs wird niemanden Wunder nehmen, wenn,\ndurch so entsetzlidhe Ereignisse in höchstem Grade\nbeunruhigt, geradezu außer Atem infolge wieder-\nholt eintretender ähnlicher Vorfälle, die immerhin\nnicht so drastisch, weil sie auf die Hervorbringung\neines einzelnen Jünglings beschränkt blieben, doch\nnicht ohne einige Mitwirkung höchstgeborener Prin-\nzessinnen von statten gingen, ich sage, es wird nie-\nmanden Wunder nehmen, wenn eine löbliche Prie-\nsterschaft von Sirvermor da sich ins Mittel zu legen\nbeschloß. Waren doch an diesen Begebenheiten\nWeltgesetze zuschanden geworden, vor allem jenes,\neine, gefaßt in das weiseste Wahrwort, welches je\nüber die Lippen eines Lateiners kam : Pater Semper\nincertus.\nAußerdem waren die Privilegien der Gottes-\ndiener durdh die bei den Gesandtschaften tätigen\nAusländer lädiert worden, deren mangels Einhei-\nmischer, Ordischnut sich zur Befriedigung ihrer\nLüste bedient hatte. Sirvermor nämlich gehört zu\nden Ländern, wo, den Satzungen der Religion ent-\nsprechend, die Prinzen des königlichen Hauses aus-\ngenommen, die Epheben sich kastrieren, und die\nFortpflanzung auf eine wunderbare Weise durch die\nPriester der Göttin Kibla bewerkstelligt wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "205", "page_fin": "206", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.6", "titre_corps": "Frank Wedekind als Ästhetiker : Kritik seines Glossariums ,Schauspielkunst'", "titre_sommaire": "Frank Wedekind als Ästhetiker : Kritik seines Glossariums ,Schauspielkunst'", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.3", "debut_caractere": 10438, "fin_caractere_exclue": 12650, "texte": "Frank Wedekind als Ästhetiker\nKritik seines Glossariums\n,Schauspielkunst'\nVon Rudolf Blümner\nHerbert Eulenberg\nFür „Leidenschaft\", Drama Von Herbert Eulen-\nberg, wird eine (morsdh'e) Lanze gebrochen. Das\nStück ist noch überall, wie ich mir schmeichle,\nsogar unter meiner Regie, durchgefallen und Eulen-\nbergs übrige Dramen haben, trotz Hardens „regster\nAnteilnahme\" und jahrelangem Geschrei der Eulen-\nberg-Entdecker, das gleiche Geschick erduldet, was\nnatürlich an sich weder für noch gegen die Qualität\nder Dramen sprechen würde. Eulenberg war stets\nder Typus des Epigonen und Eklektikers. Er be-\ngnügt sich nicht, historische Dramen zu schreiben,\nsondern datiert auch' seine eigene Autorschaft um\nfünfzig oder sechzig Jahre zurück. Und was bei ihm\nnichts als Niederschlag der Lektüre aller deutschen\nDramatiker ist, das halten die urteilslosen Eulen-\nbergschreier für Originalität und wenn es bei Eulen-\nberg von angelesenen geschmacklosen und unsinni-\ngen Bildern wimmelt, jauchzen sie über die herrliche\npoetische Sprache. Freilich immer nur bis zur Auf-\nführung, die es selbst den Kritiklosesten klar macht,\ndaß diese „ewige Hoffnung\" hoffnungslos ist. Nur\ndie Theaterdirektoren kommen noch immer nicht zur\nRaison. Sie wissen längst, daß mit Eulenberg nichts;\nzu verdienen ist, halten es aber für eine Ehrenpflidht,\nsich von Zeit zu Zeit einen Durchfall seiner Dramen\nzu leisten.\nAlbert Steinrück\nNeue Lanze, diesmal1 für einen Schauspieler,\nAlbert Steinrück. Der hat es Wedekind ganz be-\nsonders als Gabriel Borkmann und Baumeister\nSolness angetan. Also doch Ibsen. Aber vorher\nmeinte Wedekind, Ibsien zu spielen, sei eine Bagatelle.\nNun, ich kenne kein halbes Dutzend Sdhau-\nspieler, die Ibsen spielen können. Und Steinrück\nstammt aus der Zeit des Naturalismus. Durch\nSchillerspielerei wäre er eben nicht der gute Schau-\nspieler geworden.\nDie U n 112 e h 1 b a r e n\nNeues Schimpfen auf Naturalismus und Presse.\nWedekind scheint nie Berliner Zeitungen zu lesen.\nSonst wüßte er, daß die Herren von der Tages-\npresse noch immer glauben, wir leben in der Zeit\ndes krassen Naturalismus'. Sonst wüßte er, daß\ndie Journalisten und er ein ästhetisches Herz und\neine kritische Seele sind. Genau wie er, schimpfen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5339, "texte": "sie auf den Naturalismus, genau wie er, nennen\nsie nie einen Namen; genau wie er, verwechseln\nsie Naturalismus und Realismus. Und nur darin\ngehen feie auseinander, daß sie Wedekind für den\nKrassesten aller Naturalisten halten,\nD i l'e ta n tism us\nWedekind appelliert an die Standesehre der\ndeutschen Schauspieler, es ihm in der Darstellung\nseiner Rollen zuvorzutun.\n1. Die Standesehre der Schauspieler\nEs gibt keinen Stand der deutschen Schau-\nspieler. Zwar kann kein Schuster oder Arzt be-\nstreiten, daß sein stümpernder Kollege dem Schuster-\noder Aerztestand angehört. Denn zum Schuster wird\nman nicht erst durch die verblüffende Haltbarkeit\nder Stiefelsöhlen oder zum Arzt durch den Nach-\nweisl einer richtigen Diagnose oder gar einer Hei-\nlung. Aber so wenig jeder, der sein Leben der Be-\nschmierung von Leinewand und der Lieferung für'die\nGroße Berliner Kunstausstellung widmet, zu den\nMatern zählt, so wenig Jemand, dadurch, daß er\nStatuen für den Tiergarten zurechthämmert, zum\nBildhauer wird, ebensowenig ist es das Kriterium\neines Schauspielers, daß man an irgend einem\nTheater als „Schauspieler\" engagiert ist. Die über-\nwiegende Mehrheit der sb Beschäftigten steht dem\nGeiste der Kunst fern. Oder kennt wohl Wede-\nkind einen Stand der deutschen Dramatiker? Wird\nman zum deutschen Dramatiker, wenn man Stücke\nschreibt? Wer tut das nicht?\nSollte aber Wedekind an die Ehre jener appel-\nlieren, die sieht durch die künstlerische Qualität\nihrer Leistungen verbünden fühlen dürften, dann\nruft er ein Forum an, dem anzugehören er Selbst\nfür sich in Anspruch nimmt. Ein Regierungsrat,\nder in seinen Mußestunden erstklassige Schuhe her-\nstellt, darf bestreiten5, daßi er ein Schuster sei, und\nalle Schuster der Welt bei ihrer Schusterehre auf-\nfordern, bessere Schuhe 2XI erzeugen. Aber ein Dra-\nmatiker, der $e.it zehn Jahren Theater spielt und be-\nhauptet, er stelle die Rollen seiner Stücke besser\ndar als irgend ein anderer, prätendiert damit, ein\nSchauspieler zu sein und darf die anderen nicht bei\nder StandeSehre zu einem Wettkampf heraus-\nfordern. Denn selbst wenn es sich unwidersprochen\nfeststellen ließe, daß Wedekind der beste Darsteller\nseiner Rollen ist, so würde sein Sieg den anderen\nzur Ehre gereichen.\n2. Wedekind als' Schauspieler\nBegreiflicherweise war Wedekind bisher nicht\nzu überzeugen, daß er ein schlechter Darsteller,,\ninsbesondere seiner eigenen Stücke sei. Man hätte\nerkennen und ihm beweisen müssen, daß er über-\nhaupt kein Schauspieler ist. Was er auf der Bühne\ntreibt, ist nichts als ein „Zu Gehör bringen\" der\nRolle. Er teilt dem Publikum den Text mit. Weniger\nmonoton und langweilig als! andere Dichter, wenrf sie\nihre Werke vorlesen, sondern deutlich (unter beson-\nderer Berücksichtigung des Konsonanten r) und ein-\ndringlich. Vom Standpunkte der Schauspielkunst\naus1 ist aber damit noch! nichts getan. Man führt\nkein Stück auf, damit esl das Publikum kennen lernt.\nDazu dient die Lektüre. Das! Theater kann gar keine\nGedanken vermitteln, sondern nur Klänge und Be-\nwegungen. Wie ich' nun allerdings weiß, wünscht\nWedekind gar nicht, daß Seine Rollen schauspie-\nlerisch dargestellt werden. Er gehört zu jener Rich-\ntung von Dramatikern, die den Schauspieler zu\neinem temperamentvollen „Priester am Worte des\nDichters\", wie der kindische Ausdruck lautet,\ninachen wollen. Als1 Kunstwerk ist so etwasi aber\nundenkbar und das1 Interesse an einer solchen Text-\nwiedergabe kann nie künstlerischer Art sein. Bleibt\nes' also leidlich1 interessant, Herrn Wedekind als\nTemperament und in einem absonderlichen (auf\nReste schweizerischen Idioms zurückführbaren) Ton-\nfall sprechen zu hören, so reicht das nicht aus, einen\nkünstlerischen Genuß zu gewähren oder das An-\nsinnen zu rechtfertigen, Wedekind in der Mitteilung\ndes! Textes zu überbieten. Darin bleibt er unüber-\ntroffen, mag es' auch! mit Schauspielkunst nichts\nzu tun haben. Dafür kann aber der Schauspielerl\nmehr: auf Grund der Rolle etwas Neues gestalten.\nDenn die Dichtung ist für den Schauspieler nicht\nmehr Kunstwerk, sondern Rohstoff. Auf diesen\nStandpunkt freilich kann sich kein Dichter seinen\nWerken gegenüber stellen. Er sieht, befangen in der\nZeugungs-Idee, nie das vollendete Werk und weiß\nwenig von der Unendlichkeit der Darstellungsmög-\nlichkeiten. So glaubt er, seine Idee sei schauspiele-\nrisch' projizierbar und verlangt, daß der Schau-\nspieler hörbar und sichtbar mache, was der Drama-\ntiker vielleicht gewollt hat, was' aber im Drama gar\nnicht zu finden ist.\nDarum kann der Dramatiker seine eigenen\nStücke nicht spielen, sondern höchstens seine Ideen\ninterpretieren.\nEtcetera\nWas Wedekinds Broschüre noch enthält, bringt\nnichts Neues. Daß seine Stücke in den meisten\nStädten schlecht gespielt werden, mag man ihm\nglauben. Nur ist das nicht ihr spezielles Schicksal,\nsondern eine allgemeine Erscheinung. Vor allen\nDingen müßte Wedekind die Erfahrung gemacht\nhaben, daß der Schauspieler und Regisseur Wede-\nkind noch nichts für den Dichter Wedekind geleistet\nhat. Er ist selbst schuld, wenn die» mangelnde Plastik\nseiner Clown-Interpretationen keinen Begriff Von\nder Gestaltungsmöglichkeit seiner Werke gibt. Wer\nwie ich den Dramatiker Wedekind verehrt, muß;\nversuchen, seinen Einfluß auf Darstellung und Ins-\nzenierung zu eliminieren.\n* *\n*\nJene Herausforderung aber, ihn in der Darstel-\nlung seiner Rollen zu übertreffen, nehme ich an."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "206", "page_fin": "206", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.7", "titre_corps": "Simson und Delila", "titre_sommaire": "Simson und Delila", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.4", "debut_caractere": 5341, "fin_caractere_exclue": 12202, "texte": "Simson und Delila\nHerwarth Walden\nIch billige das Bestreben der Schauspieler, ihre\nKunst als eine selbständige zu empfinden. Sie\nwollen nicht nur „Diener des! Dichters\" sein. Um\ns'o weniger, als sie echter Dichtung fast ohne Aus-\nnahme yerständnislbs gegenüberstehen, wol aber\nfühlen, daß sie mehr bedeuten, als das übliche\nWortgesCh'meiß. Man kann sich und andere nicht\nmit Fliegenflügeln erheben. Ist das Theater aber\neine Kunst für sich, sind Schauspieler Künstler,\ndann müssen ihre Leistungen auch als schöpferische,\nund nur als' solche, gewertet werden.\nSofort scheidet alles aus, was sonst dem The-\nater als widhtig gilt: die schöne Figur, die edle\nGestalt, das sonore Organ. Das Fachspielen ist\nerledigt. Die Menschheit wird nicht mehr in zehn\nbis zwanzig Abteilungen eingeteilt, in Heldenväter\nund Heldenmütter, in Bonvivants, Naive, komische\nMütter und jugendliche Liebhaber. Was! selbst die\nTheatererfahrung hätte längst erkennen lassen\nmüssen. Die Kunst ist die Todfeindin der soge-\nnannten „Wahrheit des! Lebens\". Nidht das per-\nsönliche Erlebnis spielt die Rolle, sondern die künst-\nlerische Persönlichkeit. Mußte etwa Hedwig Wangel\nerst fünfzig Jahre alt werden, um in das „ältere\nFach\" überzugehen? Blieb nicht Ida Orloff die\nechte Hilde Wangel, trotzdem Sie Mutter wurde?\nZerstörte das Alter den Hamlet des Josef Kainz?\nDie Frauenschaft der Agnes Sorma ihr Rautende-\nfein? Ist die Rhbdope der Tilla Durieux nicht eben-\nsb glaubhaft, wie ihr Bordeilmäddhen in dem\nDrama „Gott der Rache\"? Hängt die Komik an\ndem dünnen oder dicken Bauch1 desl Darstellers?\nOder die Liebe an den Locken? Oder dasl Helden-\ntum an den Waden? Muß Leidenschaft durchaus\nbrüllen und Schwermut seufzen und Entsagung\nlispeln ?\nSolche Scherze wirken auf der Marionetten-\nbühne künStlerich glaubhaft, weil sie den Pol einer\nGefühlslinie sinnlich wahrnehmbar festhalten. Und\nwirken aus dem gleichen Grund grotesk: Fließendes\nwird verkörpert.\nWill der Schauspieler als Künstler gelten, so\ngiebt eS! nur eine Voraussetzung für seine Tätigkeit:\ndie künstlerische Persönlichkeit. Das heißt: die\nSdhaffensfähigkeit aus dem eigenen Ich1. Er darf\nnidht photographieren wollen, also Gesehenes\nfixieren, auch wenn er es noch so talentvoll macht.\nSidii verstellen ist keine Kunst. Unpersönliches in-\nteressiert nicht. Der Künstler ist aktiv, er kann\nSidh! nicht vom Objekt beherrschen, vergrößern oder\nVerkleinern lassen. Er erfüllt das Objekt, das durdh\nihn Sich zum Subjekt gestaltet. So erklärt sich\nnatürlich die Verschiedene „Auffassung\" derselben\nRolle durch1 gleich starke Künstler-Schauspieler.\nDiese Ansicht bestätigt mir die Uraufführung\ndes fälschlich Tragikomödie genannten Werkes von\nSven Lange „Simsbn und Deläla\" im Deutschen\nTheater zu Berlin. Persönlichkeiten: Lucie Höf-\nlich, Jakob Tjedtke, Rudolf Blümner;\nTalent: Paul Biensfeldt; talentlos: Josef Klein und\nHarry Liedtke. Diese drei Möglichkeiten des Schau-\nspielers. Denn Talentlosigkeit hindert nidht am\nTheaterspielen, sie ist dem begabten Regisseur so-\ngar sehr willkommen, die andern beiden Kategorieen\nempfindet er hinderlich. (Welcher gute Dirigent\nwürde §ein Orchester mit Solisten besetzen!) Man\nmuß SiCh1 dieses Drama wegen Lüde Höflich an-\nsehen. Sie ist eine Künstlerin, denn sie sfpfelt nur\nsidh'; sie besitzt den Reichtum einer Persönlichkeit.\nUnd sie ist eine Meisterin der Beschränkung, was\nSagt: sie kann organisch gestalten. Ausi ihrer Fülle\ndas1 w,ähien, was dem Zweck des einen Kunst-\nwerks dient. Man betrachte die Zeichnungen Von\nOskar Kokoschka. Jede betont eine Linie, öbwol er\ntausende kennt. (Wagt es ein Schwacher, ein Talent,\nso entsteht ein kunstgewerbliches Ornament.) Lucie\nHöflich betont in jeder Zeichnung eine Linie. Die\nKargheit der Fülle. Grade in dieser Rolle einer\nSchauspielerin zeigt sich ihr Künstlertum. Sie ist\ndas Weib. Sie Verstellt sich! nicht als „Schau-\nspielerin\", sie hebt nur diese Linie im Typus Weib\nhervor, die Instinkte und Gefühle, die am stärksten\nin die Erscheinungswelt treten. Sie! kann aber\nnidht vergessen, daß in jedem Menschen alle vor-\nhanden sind, weil sie eberi eine küjnstlerisdhe Per-\nsönlichkeit, weil sie eben Lucie Höflich ist.\nEin einheitliches! Kunstwerk schuf auch Jakob\nTiedtke als! Th'eaterdirektor. Einige Kritiker schrie-\nben, Sb ein Theaterdirektor wäre unwahrsdheinlich.\nJa, meine Herren, aber Tiedtke war esl nicht. Schließ-\nlich kann doch auch ein Theaterdirektor nicht an-\ndauernd hüren oder Geschäfte machen. Er wird\nsich1 dodh gelegentlich eventuell ein Gefühlchen\nleisten dürfen. Und abgesehen von der kühnen Idee\ndeS Dichters : Tiedtke glaube ich diesen1 Menschen.\nES ist doch1 nicht ausgeschlossen, daß jemand aus\nInteresse am Theater Direktor wird. Was Tiedtke\nmit der nun sdhbn des öfteren erwähnten einen\nLinie betonte. Man giebt diesem Könner leider nur\n„Episoden\" zu spielen. Er weiß sich zu bescheiden.\nUnd eine gute Sdh'warz-Weiß-Zeichnung ist kein\ngeringeres Kunstwerk als ein Oelgemälde, und mehr,\nals ein schlechtes.\nRudolf Blümner kämpft mit der Schwindsucht\nseiner Rollen, ein kräftiger Körper gegen die Blut-\nlosigkeit der eingesetzten Lungen. Er weiß sich1\nnicht zu bescheiden. Eine künstlerische Persönlich-\nkeit, die sich im Drang zur Offenbarung seiner\nFülle verzehrt. Und die Einheit verzerrt. Er spielt\neinen Regis'seur. Auf zehn Worte hundert NuanCen.\nEin) Auskostenwollen der gegebenen Momente. Und\njede Nuance Seines Ichs ist stark genug, diese eine\nbewußte Linie zu zeichnen. Ohne Material geht es\nnicht in der Kunst. Blümner in solchen Rollen wirkt\nauf mich' wie ein Maler, der alle Farben und keine\nLeinwand besitzt. Ich' wünsche Ihnen, lieber Freund,\nendlich die Rolle, die Ihrer künstlerischen Kraft\nZukommt.\nBiensfeldt ist nur ein Talent. Er täuscht Fülle\ndurch Buntheit Vor. In jeder Szene ein anderer,\nweil er niemand ist. Alles sehr talentvoll gemacht,\naber nicht gestaltet. Er ißt zum Beispiel mit der\nBehaglichkeit des' Großkaufmanns, dessen Gegner\ner darzustellen hat. Trotzdem nach dem Willen des\nDichters1 seine Eßlust äußerster Unruhe entspringt.\nBiensfeldt hat aber mal gesehen, wie jemand ko-\nmisch ist. Das kopiert er, man1 lacht und sein Erfolg\nist da. Wenn zwei essen, ist es aber nicht dasselbe.\nDie phbtographische Wirkung versagt selten. Und\nTalente werden schneller herausgefunden, als Per-\nsönlichkeiten.\nDie Talentlosen werden am Theater so ver-\nwertet, daß ihr Manko (meistens auch hoch ein\nkörperliches) als Eigenschaft gilt. Karl Kraus prägte\nfür diese ;Herrsdh!aften das sChöne Wort: Defekt-\nschauspieler. Ein guter Regisseur kann mit ihnen die\nschönsten Effekte erzielen, wenn er ihnen die rich-\ntigen Plätze anweist. Im Vorliegenden Fall spricht\nHerr Klein trocken, wie er ist. Als ob nicht Phi-\nlisteriüm auch1 gestaltet, Nüchternheit dargestellt\nwerden muß. Wie Dummheit. Dasl kann Herr\nLiedtke nie begreifen.\nRegie: Emil Geyer.\nUeber das' Drama in der nächsten Nummer."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "207", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.8", "titre_corps": "Wintergarten", "titre_sommaire": "Wintergarten", "signature_source": "Oskar Kokoschka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 933, "texte": "Wintergarten\nOskar Kokoschka\n\nArchie A. Goodale\nCinquevalli, der Jongleur\nEr soll nicht täglich harte Eisenkugeln mit dem\nKopfe fangen, weil es auch uns wehtut. Aber dieser\nSeehund, fast japanischer Nervendompteur, hat das\nGefühl der Schwere verloren und kehrt sich trostlos\nvon unserm Entsetzen ab und fängt harte Kugeln.\nThe eagle and the girl\nDas arme kleine girl (dieses unschuldigste Wort\nhabe ich für das Kind erfunden) wird von einem\ngrossen weissen Adler in die Luft getragen und keiner\nvon den zehntausend hinaufglotzenden Gentlemen\nzittert und weint wie ich, obwohl es ganz finster ist.\nSie singt glockenhell.\nThe 12 Sunshine girls\nEin ermattender, linder Schnürlregen von süssen\nweichen Aermchen und Beinen. Zwölf keusche\nMädschenhosen flattern im Wind. Der englische\nWohllaut der lispelnden twelve Sunshine girls ist ein\nzwölfstimmiger Dankgesang für die Erhaltung der\nJungfrauen. Ich war der einzige, der es heraushörte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "207", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.8.1", "titre_corps": "Gymnastische Evolutionen im Riesenreifen", "titre_sommaire": "Gymnastische Evolutionen im Riesenreifen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.5", "debut_caractere": 935, "fin_caractere_exclue": 975, "texte": "Gymnastische Evolutionen im Riesenreifen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "207", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.9", "titre_corps": "Lyrik-Abende", "titre_sommaire": "Lyrik-Abende", "signature_source": "K. 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Armin Wasser-\nmann hat fast keine Technik, er verschluckt halb-\nbetonte Silben, gelegentlich bayert er noch, er gerät,\nwo sein Pathos schreit, ins Krächzen —: aber er\nweiß, was ein Gedicht ist, was ein flamingöider As-\nsoziationentanz der Lasker-Schüler, was ein feuer-\nflüssiges Brausen Nietzsches, was eine heilig-dröh-\nnende Nachthymne des Stefan George ist. Er zer-\nhackt nicht die Gestaltungen in Verständlichkeiten\nund Effekte, er gibt Rhythrnengebilde, gleich-\nmäßig Schwebendes, Einheiten, Bei geschlossenen\nAugen geschah mir, daßi drei, vier geliebte Schöp-\nfungen, „Weltgeheimnis\", „Der Herr der Insel\",\nWunder des1 „Algabal\", täglich; stumm gelesen ge-\nbetet — groß und fürstlich zu Klang wurden...\nHartaue als Vorleser sind virtuos und kitsehen;\nWassermann ist der Vollendung sehr fern, kredenzt\naber Kunst. Er kultiviere sich1; er ist eine Hoffnung.\n(Fräulein Hilde Laßwitz, ein blondesi Kind, mohn-\nrot eingemullt, lieb, auf den Brettern gewiß eine ent-\nzückende Naive, las ohne viel Ahnung Verse von\nRilke und Dehmel.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "207", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.10", "titre_corps": "In der Morgenfrühe", "titre_sommaire": "In der Morgenfrühe", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.5", "debut_caractere": 2654, "fin_caractere_exclue": 4692, "texte": "In der Morgenfrühe\nVon Else Lasker-Schüler\nIch' gehe an Mandelbäumen vorbei, aber die\nblühen in den Gärten fremder Häuser und die\nFenster sind noch geschlossen hinter Spitzenge-\nweben. Ich bin unendlich müde, gewohnheitsmäßig\nbewegen sich meine Füße vorwärts, Maschinen sind\nes und sie müßten eigentlich1 unverhüllt in blauen\nSandalen gehen, denn sie sind von goldzagem\nWandel, wie die Sonne, die aufstieg. Ich1 kenne\ndie Menschen nicht, die mir begegnen, ich weiche\nihrem Dünkel aus und ich brauchte nur meinen\ngrauen Mantel abzulegen, um König zu sein. Ich1 bin\nunendlich müde, ich glaube, ich bin im tiefsten\nLeben erkrankt, aber die Vorübergehenden merken\nes nicht, sie heben auf, was lärmend auf den Straßen\nliegt, aber siie hören nicht das schmerzliche Murmeln,\ndas tätliche Verrauschen einer Seele. Da liegt ein\nNachtfalter vor mir — er stirbt — wie dürftig seine\nFlügel sind, ein Lumpenhändler war es, ein Va-\ngabund, der sich nachts auf den Straßen herumtrieb\nund am Feuerrausch der Lampen endete. Er stirbt\n— ich trete ihn tot. Ich denke an ihn — wenn es[\nfür ihn doch einen Himmel1, einen blauen Strand\ngäbe — er würde dort ein schöner Schmetterling\nsein. Ich bin unendlich müde — wenn ich nun auch\neines Morgens so daliege, wie der graubraune\nStrolch — welcher Fuß würde mich zertreten.\nEs kommen Männer an mir vorbei in weißen Sport-\nschuhen und Frauen schreiten hastig über den\nDamm. Ich mag diesb Frauen nicht im Ornat,\nderbgewordene Philisterinnen sind sie — was wissen\nsie von der Knabenzeit. Aber das kfeine Mädchen\nmit der Bubenbluse, es! wird midi' übermütig zer-\ntreten im Scherzwort, im Frühlingslachen. Ich bin\nunendlich müde und es! beginnt der rücksichtslose\nTag. Der Mann aus! Glas mit der Vollstreckungs-\nmappe unterm Arm wartet vor der Haustür auf\nmich', heute klebt er die Siegel. Ich muß ihn zart\nam Henkel fassen — so ganz vorsichtig, liebevoll,\ndaß er nur keinen Sprung bekommt. Draußen an\ndem fremden Hause blühen die Mandelbäume: der\nFalter ist tot, ich1 vergaß ihn vom Weg in einen der\nGärten zu werfen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "208", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.11", "titre_corps": "Eine Predigt : Geliebteste!", "titre_sommaire": "Eine Predigt : Geliebteste!", "signature_source": "C. O. —E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.5", "debut_caractere": 4694, "fin_caractere_exclue": 6665, "texte": "Eine Predigt\nGeliebteste!\n\nIch will zu Euch sprechen heute von der Herr-\nlichkeit und der( Größe des1 Priesters, ihr Jung-\nfrauen. Meiner Betrachtung will ich das Wort des\nhochehrwürdigen Fürstbischofs Katscht h a l 1 e r\nvon Salzburg zu Grunde legen, wie es in dessen\nHirtenbrief vom Jahre 1905 alblo lautet:\nWo ist im Himmel eine solche Macht, wie die\ndes katholischen Priesters? Bei der Mutter Gottes?\nEinmal hat Maria das göttliche Kind zur Welt\ngebracht! Und sehet, der Priester tut dies nicht ein«\nmal, sondern hundert- und tausendmal, so\noft er zelebriert. Geliebteste, habt ihr jemals bedacht,\nwelche Gewalt hiermit den Priestern, und wieder nur\nden katholischen Priestern, gegeben wird? Ihnen hat\nJesus Christus das Recht über seine heilige Menschheit\nübertragen, ihnen gleichsam Gewalt über seinen Leib\ngegeben Christus, der eingeborene Sohn Gottes\ndes Vaters, durch den Himmel und Erde geschaffen\nsind, der das ganze Weltall trägt, ist dem katho-\nlischen Priester hierin zu Willen. —\nAmen.\nO, Geliebte, Christus selbst hat dem katho-\nlischen Priester Gewalt gegeben über seinen gött-\nlichen Leib, über sein Fleisch und Blut; solltei:\nnicht da auch ihr ihm mit Freuden alles geben, was\nihr seid und was ihr habt? Ich will euch warnen\nin Liebe, ihr Jungfrauen, auf daß ihr nicht in un-\nrechtes Tun verfallet gegen die Vertreter des Herrn\nauf Erden, auf daß ihr nicht gestrafet werdet, wie\ndas Dienstmädchen von Kalbermoor und wie die\nKöchin von Ganacker. Wenn euch je das1 höhe\nGlück zu teil werden sollte, als Köchin die geweihte\nSchwelle eines Pfarrhauses überschreiten zu dürfen,\no so seid eingedenk des Wortes: Was1 ihr dem\nPriester getan, das habt ihr Gott getan! Trachtet\ndanach, eures hochwürdigen Gebieters Leib mit\njedem Tage aufs neue mit gut und kräftig Essen\nund Trinken zu versorgen. O Geliebte, der Lohn\nwird nicht ausbleiben. Ueber ein Kleines wird der\nGebieter an euer Kämmerlein klopfen und sprechen:\n„Steh auf von deinem einsamen, harten Lager,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2429, "texte": "Jungfrau Pelagia, und folge mir!\" — Geliebteste,\ndann seid nicht stehet auf, gießet Oel auf\neure Lampe und folget ihm. Er wird euch in sein\ntrauliches Schlafgemach geleiten und euch zum\nDank für eure Fürsorge, die ihr ihm angedeihen\nließet, die Erlaubnis geben, sein weiches, warmes\nBett mit ihm zu teilen. Und muß es nicht köstlich\nfür euch sein, dem ungestümen Drängen seiner\nDankbarkeit willig nachzugeben und ihm freudig\neuer Blümchen zum Opfer zu bringen — denn\nwas ihr ihm das habt ihr Gott getan —?\nUnd wenn ihr aber über ein Kleines eines Knäbleins\ngenesen solltet und ihr entdecktet an ihm das gleiche\nMuttermal1, wie es der geweihte Vater an verschwie-\ngener Stelle trägt, o sägt, muß euch das nicht mit\neitel Jubel und Glück erfüllen? — Und Geliebte,,\nwenn dann der Herr Pfarrer Spricht: „Gehe von mir,\nledige Pelagia,\" solltet ihr dann nicht gehorsam\nsein, wo ihr durch ihn so reich beschenkt wurdet?\nO, dann gehet hin in Frieden und verschließt das\neuch widerfahrene Glück tief im Herzen und be-\nhaltet es für euch. So ihr es aber ausplaudert/\nwerdet ihr jäh aus1 euerem Paradiese vertrieben\nwerden und Gott der Herr wird euch schon hier\nauf Erden mit sechs bis zehn Monaten Gefängnis\nstrafen, sintemalen ihr euch des Vertrauens und der\nLiebe, die der hochwürdige Herr um euer selbst\nv illen verschwendete, unwürdig zeigtet.\nUnd nun Vernehmt zum Schluß, was der hoch-\nehrwürdige Herr Fürstbischof Katschthäler in seinem\nHirtenbrief vom Jahre 1905 weiter über den Priester\nsagt und was ferner in einem „Schutzengelbrief\"\nvon 1908 darüber geschrieben steht:\nUnd wenn ihr an einem Priester etwas\nwirklich Tadelnswertes findet, was sollt ihr\ntun ? Wie die Feinde unserer heiligen Kirche es\nmachen ? Es ausposaunen, vergrössern, generalisieren ?\nGeliebteste, bleiben anch nicht im unheiligen Priester\ndiese Gewalten? Ihr wisst es alle, Gott hat es in\nseiner Weisheit und Güte so eingerichtet, dass auch\ndann die heiligen Sakramente gültig sind, wenn das\nLeben des Priesters kein heiliges ist.\nFluch solchen Lippen, die eine heimliche Sünde\ndes Priesters ans Licht ziehen oder auch ein schweres\nAergernis desselben anderen mitteilen! — Hingegen\nsorgt gut für sein leibliches Wohl, seid\npünktlich im Zahlen der Gebühren und Lasten! Was\nihr ihm vorenthaltet, das verweigert ihr Gott selbst,\n[ dessen Stellvertreter er ja ist.\nO, Geliebte, tuet also und gedenket der war-\nnenden Exempel von Kalbermoor und Ganacker!\n\nC. O.—E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "208", "page_fin": "208", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.12", "titre_corps": "Dem deutsche Schriftstellers", "titre_sommaire": "Dem deutsche Schriftstellers", "signature_source": "Die Redaktion", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.6", "debut_caractere": 2431, "fin_caractere_exclue": 3924, "texte": "Dem deutsche Schriftstellers\nDie Redaktion\nDie folgenden, durchaus ernstgemeinten Buch-\nbesprechungen entnehmen wir der Zeitschrift „Die\nFeder\", Halbmonatsschrift für die deutschen\nSchriftsteller und Journalisten.\nWir fussen uns\nDr. Bergmann, Lebenskraft—Heilkraft. Berlin,\nPriber u. Lammers. — Der Verfasser fußt seine Rat-\nschläge auf der Ansicht, daß durch die Lebenskraft\njeder seine Krankheit selbst heilen kann, daß es\nein untrügliches Mittel zur Erkennung der Krank-\nheiten gebe und daß die Homöopathie diesen Stand-\npunkt allein Vertrete.\nMan spricht mit\nA. F. Seligniann, Kunst und Künstler. Gesam-\nmelte Aufsätze. Carl Konegen, Wien. 4.50 M. —\nWer dies Buch auch nur flüchtig durchgelesen hat,\nkann schon über moderne Kunst, zu deren Ver-\nständnis auch die Vorläufer herangezogen werden,\nmitsprechen.\nKeinen gedankenlosen Unsinn\nOskar Wilde, Weisheiten. Globusverlag, Berlin.\n— Eine von den zwei oder drei modernen Apho-\nrismensammlungen, die durchweg gute Aussprüche\nund keinen gedankenlosen Unsinn enthalten.\nNutzen\nGrazians1 Handorakel1. Deutsch von Arthur Scho-\npenhauer. Alfred Kröner, Leipzig. Taschenausgabe\nIM. — Wenn auch1 manche dieser Lehren veraltet\nsind, so bilden sie dennoch! einen Schatz, aus dem\nman mit Nutzen schöpfen kann. Trust\nDie Kritiken sind bis auf die Ueberschriften geistiges\nEigentum des Verfassers und stehen im redaktionellen\nTeil der erwähnten Zeitschrift Wir bitten den Autor\num Namensnennung, damit Wir ihm das Nachdrucks-\nhonorar überweisen können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "208", "page_fin": "208", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.13", "titre_corps": "Erlebnisse", "titre_sommaire": "Erlebnisse", "signature_source": "Minimax", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.6", "debut_caractere": 3926, "fin_caractere_exclue": 7520, "texte": "Erlebnisse\nMinimax\nTanagra\nDie Tageskritikaster stoßen ins Horn, und der\nBesuch des Lunaparks, eben noch Monopol1 des\nVorstädters und Radauproleten, wird mit einem\nSchlage oder zwei Strichen geheiligte Pflicht des1\nKunstfreundes. Ich winke ab; dies ist der dritte\nStrich'; mag wieder zu sich kommen. Nach-\ndem man sich auf der Riesenrutschbahn nicht hin-\nreichend vergnügt hat, betrete man das' Tanagra-\ntheater und rutsche weiter. Das Lokall hat mit Kunst\nso viel zu tun, wie der kleine Jakobsohn. Eine\nPantomime Von derart erstaunlicher Fadheit wird\nvorgeführt, daß man nur den Wunisch hat, sie Herrn\nJ. Pappe rlä-Bab als Gipfel der Dramatik vorzu-\nführen. Durch einen optischen Trick erscheinen die\nAkteure der Pantomime auf einer Miniaturbühne in\nZentimetergröße und empfehlen Herrn J. Papperla-\nBab angelegentlich, siich einer gleichen Behandlung\nzu unterziehen. Ich begrüße Tanagra in diesem\nHinblick; möge es 'vorbildlich wirken und alle Dinge\nauf ihr richtiges Maß reduzieren. Zum Beispiel auch\ndie neuen Häuser am Kurfürstendamm, die sich\nals Buchschmuck vorzüglich ausmachen werden.\nOder die aufgeblasene „Neue Rundschau\", die man\nkläglich! am Wege weinen sehen wird, als lahmes\nLiteratur-Dozentchen, das! allmonatlich Bildung für\n2,50 Mark verzapfen muß. Eine geistreiche Er-\nfindung, dieses Tanagraprinzip. Am letzten Sonn-\nabend aber sagte ich wehmütig zu mir: „Um die\nKunst ist es etwas eigenes: sofern sie nicht l'ang-\nweil't, ist sie lächerlich ; und sofern sie nicht lächerlich\nist, macht sie krank. Höre ich Musik von Richard\nStrauß, so bekomme ich eine Mittelohrentzündung,\ngeh!e idh zu Herrn Reinhardt ins1 Theater, so schlafe\nich ein und komme um meine Nachtruhe; und\nhier werde ich mir eine Bindehautentzündung zu-\nziehen.\" Idi wußte mir keinen Rat. Da idh keine\nZeitungskritik bei mir hatte, um mich durch Lachen\nzu erleichtern, setzte ich mich in den Wackeltopf.\nVon der Lebensverlängerung\nDen wahren Kunstgenuß kennt nur der, der\nkein Theater besucht. Zu meinen größten Freuden\ngehört die abendliche Lektüre der Litfaßsäulen. Ich\nlese alles, von den streng sachlichen Mitteilungen\nder Königlüdifen Oper bis zu dem im Leben\nBerlins\", dem herrlichen Uniontheater und grand\nKientopp, nach' meiner festen Ueberzeugung neben\ndem Kaiser Friedrich - Museum und dem Zirkus\nBusch das bedeutendste Kunstinstitut Berlins. Mit\nVergnügen überfliege ich die Anzeigen der Ball-\nlokale mit oder ohne Weinzwang und überschlage\nrasch an Hand meiner Logarithmentafel,, wieviel Go-\nnokokken und Spirodhäten dort meiner beutegierig\nwarten. Endlich um 3/48 Uhr wähle ich mir vor-\nsichtigerweise einen Pllatz vor dem Theater. Ich\nbetrachte mit Wollust die Herrschaften, die in Auto-\nmobilen vorfahren, weiche eiligen Kommis aus, reiße\nentzückt die Türen auf Vor keuchenden Zuspät-\nkommenden. Billige Plätze bekommen sie nicht\nund sehen werden sie von den teuren wahrscheinlich\ndas linke untere Drittel der Bühne mit Einschluß\ndes1 Souffleurkastens. Ich ziehe meine Uhr: Jetzt\nist es yS; um elf Uhr ist es aus. Ich bin jetzt\nso weit. Das heißt: idh habe plus fünfzehn Mark\nfür einen Sitz. Idh1 zahlle nie unter 15 Mark für\neinen PMz, wenn ich nicht ins Theater gehe. Drei\nStunden meines' unsterblichen Lebens sind ge-\nwonnen. Der große Teppich-Rüden, der ermäßigte\nBillets verkauft, ist nichts gegen mich. Ich gehe\nwieder auf die Straße. Ich werde meine Gedanken\npropagieren: völlig gratis! Freibillets zum Nidht-\nbesuch sämtlicher Theater zu verschenken. Gründen\nwir einen Bund : „Zur Beseitigung der Feuersgefahr\nin den Theatern\". „Schon wieder drei Stunden\nge re 11 ettet, ge rette t te t!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "208", "page_fin": "208", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.14", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.6", "debut_caractere": 7522, "fin_caractere_exclue": 7869, "texte": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in ketnem Fall statt\nALFRED MOMBERT\nAeon der Weltgesufchte\nVerlag Schuster und Loeffler Berlin\nJOHN BECKFORD\nVathek/Roman <\nVerlag Julius Zeitler Leipzig\nCHARLES BAUDELAIRE\nBriefe 1841—1856 / Deutsch von Auguste\nFörster\nVerlag J. C. C. Bruns / Minden i. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "208", "page_fin": "208", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.6", "debut_caractere": 7945, "fin_caractere_exclue": 8327, "texte": "VVenn bas von Itynen bister gebraudpte (Dunbwafier 311\n€nbe ift, fo empfetyen wir tynen, an beffen Stelle einen\nVerjud) mit Kosntln 3U madden. Sie werben finben,\nbafe sie biefes in gan3 befonberem (Dafce befriebigt, benn\nKosmln fat überaus erfrifrf)enben Wol)lgefd)mack,\nUonjerviert bie 3al?ne unb kraftigt bas 3al)nflei{d).\n§lajdje CDk. 1.50, lange ausreidjenb, überall fcauflicl)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.7", "debut_caractere": 179, "fin_caractere_exclue": 312, "texte": "HB6EWIESE!\nKDWSTLEI\nOER\nBERLINER\n°M-\nIN DER\nGALERIE\n/WIMILIAIM\n•/HACHT\nBERLIN.WSO\nPANKE STr. 1 •\n• ~ •\n• «a\nw-\nINTRITf\ni\nHi\nTAPP£fZr>"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.7", "debut_caractere": 314, "fin_caractere_exclue": 1851, "texte": "Lesen und staunen!!\nUm unseren Sicherheits-Rasierapparat ,,Romiletiu, welcher\nalle bis dato auf den Markt gebrachten Rasierapparate ilber-\ntrifft, schnell in alien Kreisen einzufuhren, haben wir uns\npn 1 OS^PTl\n5000 Stuck zum Setbstkosten-\npreise v. Mk. 6- (statt Mk. 15-)\nzu liefern.\nDieser Apparat ist aus dem allerfelnsten Material\nhergestellt, gchwer versilbert und wird in elegantem\nLeder-Etui mit 12 vorziiglichen Schneiden versandt.\nLassen Sie sich diese gUnstige\nGelegenheit nicht entgehen !!\ni\nBeachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Apparat bietet:\n1. Grosse Ersparnis an Zeit und Geld! ::\n2. Stets sauber rasiert, da Schneiden und Kratzen voll-\nstandig ausgeschlossen!\n3. Kein Warten beim Barbier!\n4. Keine Ansteckungsgefahr, wie Bartflechten usw.!\n5. Auf der Reise, auf See, im ManSver usw. unentbehrlich!\n30 mal benutzt, hat sich der Apparat bezahlt gemaclit!\nDie in jeder Beziehung vorziiglichen Messer besitzen einen derartigen durch ein spezielles\nVerfahren hergestellten Hartegrad, dass sie fur den stMrksten Bart verwendbar sind.\nBestellen Sie sofort, denn diese 5000 Rasier-Apparate werden infolge ihrer noch\nniemals gebotenen Billigkeit bald vergriffen sein.\nSie erhalten diesen tadellosen Rasier-Apparat gegen Nachnalime von 6,30 Mk. portofrei.\nWir richten nur die bescheidene Bitte an Sie, diesen Apparat in Ihrem werten Bekanntenkreise\nzu empfehlen.\nNach Absatz dieser 5000 Apparate kosten diese 15 Mark.\nVersandhaus cbemischer uad techaischer Neuheitea Hans Fredrick\nBerlin SW. 68, Kochstrasse \"3'Z"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.7", "debut_caractere": 1853, "fin_caractere_exclue": 2094, "texte": "mm\nr\\.\nVerlag „Der Sturm\"\nWirubernahmen inunsernVerlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesangu. Klavicr / 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlung'en oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee / Katharinenstrasse 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c021", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.7", "debut_caractere": 2096, "fin_caractere_exclue": 2326, "texte": "■•■ai«aaainaM«iMiiaaaa9iNM\nDER DEMOKRAT j\nWochenschrift fur freiheitliche !\nPolitik / Kunst und WUsenschaft a\nEr.Aelnt jeden Mlttwoch ]\nNummer 10 Pf. / Quartal Mil\nProbenummern frei d. 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Eine hervorragende Neusrsoheinung an! dem Gebiete der Miidclnii-\nbildungr ist das Baeh\n„Braucliea wir noch Tochterpensiomite ?'•\nvon Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer. Preis Mk. S—\nWlchtig fur Eltem beranwachsender Tochter, Padagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Dle KnabejipenMionate, deren Sinrlchtußf, ibr lnneree\nand Jtusseres Ijeben.\" Von L. Daniel. Ein Ratgeber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. I,B©.\n3. „Das Tik-hterpensionat\" ist die einzige Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorsteherinnen vertritt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis fiir die Praxis. Pro Halbjahr Mk. fc,SO.\nDurch sSmtliche Buchhdlg. Oder direkt vom Yerlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.7", "debut_caractere": 3326, "fin_caractere_exclue": 3332, "texte": "\\\nS— »"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "209", "page_fin": "209", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.7", "debut_caractere": 3334, "fin_caractere_exclue": 3406, "texte": "Berufen Sie sich\nbltte bet Eink&ufen an! die\nAnzeigen dieser Zeitschrift"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "210", "page_fin": "210", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.8", "debut_caractere": 168, "fin_caractere_exclue": 405, "texte": "Fritz Gnrlitt I Hofknnsthandlima Berlin w\nPotsdamerstrasse 113 Villa II\n□\nAusstellung von dentschen Meisterwerken:\ngocklin ° I&eibl n Tfyotna ° Iaiebertnanti ° Ttuibtiet? efc. etc.\nS)\n□\nIE\nWochentags von 10—5 / Sonntags von 12—22geoffnet"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-08-25-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-08-25_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-08-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "210", "page_fin": "210", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.8", "debut_caractere": 407, "fin_caractere_exclue": 1182, "texte": ":=K\nfffl\nn\ntt\nft\nP\nP\nt,\n£\n±1\n=3\n1\nti-\nll\n4-\nE\nIE\ns\nttt\n\\\n5\nM-\nQv>\ntCW.\n!*>\nAyl\n*3\ni-Vvi\na>v\nEft\n1\n2\n!?•/\n»«\nv?.\"\nffl\nraeCK**\n6ARI\nP\nPUPFERBERG RIESLING!\nJoustf- i\n*o*ll**l ha w»w\ni.. i\n«] Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welchef schorl\n\\ als solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hdchste Voll*\n»\nkommenheit erlangen mu6. — •\n<flj Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad' Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundet 18W\n1 Ueber Bedeutung voft \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschlufi."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: Berlin W35, Potsdamerstr. 111 / AmtVl 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark ; Halbjahresbezug 2,50 Mark/\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 25. AUGUST 1910/ WIEN\nNUMMER 26\n\nHimmlische und irdische Liebe\nZeichnung von Oskar Kokoschka\n\nINHALT:\nKURT HILLER: Über Kultur / ARNOLD\nOPPEL: Weg im Vorfrühling / ALBERT EHRENSTEIN :\nDer Fluch des Magiers Anateiresidtidas / RUDOLF\nBLÜMNER: Frank Wedekind als Aesthetiker / HER-\nWARTH WALDEN: Simson und Delila / OSKAR KO-\nKOSCHKA: Wintergarten / K. H.: Lyrikabende /\nELSE LASKER-SCHÜLER: In der Morgenfrühe /\nC. O. E.: Eine Predigt / TRUST: Dem deutsche Schrift-\nstellers / MINIMAX: Erlebnisse\n\nÜber Kultur\nIII\nVon Kurt Hiller\nIch überlege mir, ob es( angängig ist, psychische\nFakta zu „widerfegen\"... Jedenfalls widerlegt man\njene komplexe Art neumenschlichen Erlebens und\nGestaltens nicht damit, daß man sie „romantisch\"\nschilt. Und wenn es heute eine Dichtkunst gibt,\nwelche das Erlebnismäßige und den Gefühlston in-\ntellektischer Problematik zum Gehalt hat, eine Dicht-\nkunst, geschaffen von solchen und für solche, die\nweder ihre Seele aushängen, wenn sie nachdenken,\nnoch den Relevanzen ihres} geistigen Selbst den\nEintritt in die Reviere des Erlebnisses verwehren —:\nso möge man dies ah eine wundervolle Errungen-\nschaft begrüßen, ah einq göttliche Gabe letzter\nVerfeinerungen, als das glitzernde Zeichen einer ge-\nsteigerten Kultur.\nPedanten dös Systems und Fanatiker der Schach-\ntelung haben für dergleichen natürlich keine Finger-\nspitzen; so wenig, wie sie etwa ein Organ für den\nDenkstil Nietzsches haben. Gründlichkeit und Aus-\nschöpfung einer Sache ist ihnen nichts anderes als\nwiderspruchslose Einordnung ihrer in ein logisches\nSchema; Probleme betrachten sie dann als gelöst,\nwenn es ihnen gelungen ist, sie einzuweben in das\nNetz ihrer öden Terminologie, deren einziger Vorzug\neine gewisse formale Vollständigkeit ist; und\nScharfsinn (meinen sie, wenn sie Von Tiefe\nreden. Ihr Denken, das1 niemals die bewegenden\nInhalte, sondern stets bloß die starren und kate-\ngoralisch-leeren Fortmen der geistigen Existenz zu\nGegenständen hat, aber anmaßend genug ist, sich\n„Philosophie\" zu nennen, spielt sich in der Ober-\nschicht ihres Bewußtseins ab, ohne Verbindung mit\ndem Zentrum und Mark der selbstbewußten Leben-\ndigkeit, mit der Seefe, der Persönlichkeit, dem\n.Willen; spielt sich! ab', fremd unserer gebenedeiten\nPanheit, als das lebenslose Surren einesi selbsttätigen\nApparates — mechanisch und nicht organisch. —\nSind dies alles Kriterien der Unrichtigkeit jenes\nDenkens ? Keineswegs. Aber es sind Kriterien seines\nspärlichen Belanges!\nUnd nun die andere Seite des! Daseins dieser Re-\nflektionsbölde, lpgischen Sägemühlen und\nschaftlichem\" Philosophaster: das (auch bei ihnen\nunvermeidliche) Gefühlsleben, ihre Relation zu allen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.2", "texte": "Geschenken des Lebens, zu Menschen, Natur, 'Ge-\nstaltungen der Kunst: da lächelt uns dann ernsthaft\nund wässrig die moralisch nuancierte Schlichtheit\ndes Landpfarrers, die herzige Ahnungslbsigkeit\ndes Gänselieschens, die sentimentale Begrenztheit\ndes Ladenschwengels und die impertinente Unduld-\nsamkeit des Börsianers aus ihren bebrillten Ange-\nsichtern entgegen. Das sind dann die Herrschaften,\ndenen, trotz jahrzehntelanger Beschäftigung mit den\nSchriften der Denkheroen, die anthropologischen\nTypen des Forschungsreisenden oder des sozial-\npolitischen Agitators oder des treuen Beamten —\nGipfel der Menschheit bedeuten, denen ein Bier-\nscherz Fritz Reuters, ein Kapitel yom Camenzin-\ndischen Seichpeter, der Vollzählig ausgestirnte Nacht-\nhimmel oder ein mäßig gemaltes! Stück Odenwald mit\nKühen — Gipfel des| Geistes und der Schönheit sind;\nHerrschaften, die, in unbewußt-richtiger Erkenntnis\nlästhtetischer Zurückgeblieihenheit und Plebeität, fort-\nwährend nach Einfachheit und Volkskunst schreien;\naber vor alles Neue, das tiefer, zarter und verwickelter\nist, mit spöttischter Ueberlegenheit, dem bekannten\nMienenspiel des Unverstandes, hintreten und onkel-\nh;aft-feixend es „maniriert\", „pervers\", „überspannt\"\noder „dekadent\" nennen. Diese Schär — um ein\nWort aus dem „Willen zur Macht\" heranzuziehen —\n„sie nimmt die Partei der Idioten und spricht einen\nFluch gegen den Geist aus\". Das nennt sie dann\n„wissenschaftlich\" und „gesund\".\nEs1 ist der extreme Flügel des Intellektualismus,\nder sich in seiner Taktik gegen das Erlesene eng\nberührt mit der äußersten NiChtintellektualität, mit\nden Bäurischen und den Bourgeois. Trotz der Stil-\nreinheit, die ihm die raffiniert-einseitige Ausbildung\ndes Verstandesmechanismus verschafft, ist er von\n„Kultur\" so unermeßlich weit entfernt, durch un-\nüberbrückbare Klüfte von ihr getrennt — dieser\nGeist der deutschen Professorenphilosiophie, diese\nunbeSCelte Phalanx der Nur-Begrifflichen, die\nkalten Dämonen der Erkenntnis! (mit Nietzsche zu\nreden) oder, etwas1 weniger feierlich: die Hotten-\ntotte.nder reinen Vernunft.\nAber ebenso kulturfeindlich ist die Gegengat-\ntung: der deutsche „Dandy\"; dessen Prototyp Herr\nRichard Schaukai in seinem Andreas von Balthess er\ngeschaffen hat; der indes auch die idealen Land-\nschaften des Herrn G. Ouckama Knoop bevölkert\nund sich selbst bei viel feineren Geistern, wie etwa\nbei Herrn Oskar A. H. Schmitz, einiger Beliebtheit\nerfreut.\nAllerdings1 war es längst notwendig, Protest\neinzulegen gegen die Gleichgültigkeit, mit der man\nin unserem Vaterlände die Formen behandelte,\ngegen die GesChmacksverwilderung, die im Auf-\ntreten und in den Kundgebungen deutscher Intel-\nlektueller einriß und d;iese dem ständigen Spott\ndes eleganteren Westeuropa aussetzte; gewiß mußte\neiner hypertrophischen Cerebralkultur einmal der\nSpiegel vorgehälten werden, damit sie sehe1, wie ab-\nstoßend ihre Gesichtszüge und wie lachhaft ihre\nGeberden steien: aber wenn dergleichen Bestre-\nbungen dahin tendieren, zu Gunsten einer Exteri-\nkultur die Cerebrale zu beseitigen, so wird man\nSein Veto einlegen müssen. Herr von Balthesser\nsteckt die „kultivierten\" Menschen in den Moquier-\nrahmen der Gänsefüßchen, und alles, was sie in\nAnspruch nimmt, sie aufregt, das, in dessen Besitz:\nsie sich erhaben fühlten, das ist ihm so gleiche\ngültig wie lein unappetitliches! halbgeleertes Bier-\nglas. Die wahre Kultur, predigt er, liegt in der\nKorrektheit von Kleidung, Gestus und Benehmen;\ndas Gespräch erzogener Menschen meidet jegliche\nAuseinandersetzungen. Nur kein Hervorkehren von\nIndividualität; nur kein psychologisches Gezappel;\nnur kein Brüsten mit Wesentlichkeiten! Gute Gesell-\nschaft ist ohne Meinung, Urteile in der Causerie\nsind ein Zeichen schltechter Erziehung, und zu den\nAufdringlichsten gehört ein Mensch, der sich recht-\nfertigt. Was ist für Herrn Von Balthesser das Ekel-\nhafteste, was er auf der Welt kennt? „Der Schön-\ngeist... der im Coenakel gefeierte Schriftsteller, der\nden Weltmann spielt und auf Schritt und Tritt\nNuancen fallen läßt wie Knallerbsen\" — eine für-\nwahr diabolische Karikatur des Typs, den wir Un-\nheilige lächelnd (als1 heilig Verehren: Lord Henry\nWottons.\nDiese sozusagen m'orphlo logische Wer-\ntung der Persönlichkeit, dieser Grundsatz, das Heer\nder Menschten nicht unter dem Gesichtspunkt ihrer\nintellektuellen und musischen Valeurs, sondern unter\ndem Gesichtspunkt ihres somatischen Stils einzu-\nteilen, diese Ethik des geordneten Scheitels, des\nmonistischen Oberhemdes und der Ungeistigkeit,\ndie unter den geschmackvoll angezogenen, sport-\nliebenden und sensitiven, aber unbedeutenden jungen\nLeuten neuester Salons so zahlreiche Anhänger zählt\n— sie irrt sich eigentlich in ihrer Nomenklatur; denn\nmit dem „Dandysmus\" der klassischen Pariser De-\nCadence und OsCar Wildes hat sie gar nichts gemein!\nNicht nur, weil ihr völlig der ironische Timbre\nfehlt, sondern hauptsächlich' aus diesem Grunde:\nder klassische Dandysmus geht auf bestimmte neue\nFormung der Geistigkeiten, der deutsche auf Ab-\nschaffung der Geistigkeiten ; der klassische spricht\ndas Tiefe in einem gewissen heiteren Tonfall aus,\nder deutsche spricht es gar nicht aus; und wenn\nHugo Von Hofmannsthal klagend feststellt, es fehle\nbei uns den repräsentativen Dingen an Geist und; den\ngeistigen an Relief, so übersieht der deutsche Dandy\ndie erste Hälfte dieses Satzes und mißversteht die\nzweite; denn er sorgt zwar fanatisch für Relief,\naber verleiht es1 nicht den geistigen Dingen... Das\nist die Bormel dieses Unterschiedes: Der klas-\nsische Dandy protestiert mit G r a z i e\ngegen den intellektuellen Ernst, der\ndeutsche Dandy protestiert mit Ernst\ngegen d i e i n t e 11 e k t u e 11 e Grazie. Und was\nnoch obendrein den deutschen als läppisch er-\nscheinen läßt: er protestiert gegen das Protestieren,\ner macht Opposition gegen den Typus des Oppo-\nnenten, er verachtet voll Begeisterung den Enthu-\nsiasmus. So werden das Balthessertum und die\nihm verwandten Richtungen in Leben und Litteratur\nzu Beispielen dessen, was man eine Real-Unlogik\nnennen kann: indem sie ihre Theoreme ausspre-\nchen, handeln sie ihren Theoremen zuwider.\nKultur nach unserem Begriff also bedeutet nicht:\nbloße Verfeinerung einer einzelnen Funktion; auch\nnicht: eine Addierung von zufälligen Verfeinerungen\nverschiedener Vermögen; eher schon: eine Verfei-\nnerung des Unsagbaren, das zwischen ihnen fließt;\neine synthetische Verfeinerung der Ge-\nsamtheit eines geistigen Daseins. Dem kultivierten\nMenschen weist seine Kultur überall a priori den\nOrt an, von dem aus1 er die Gegebenheiten des so-\nzialen Lebens, der Philosophie, der Kunst betrachte;\nganz instinktiv, ohne daß seine Kriterien ihm immer\nbewußt werden, fühlt er überall heraus, wo etwas\ngesteigert, verfeinert und neuen Wesens ist. Und\nfalls er selber schafft, so wird jedwedes, das er aus\nsich herausstellt, das CaChet des höher differen-\nzierten Geistes tragen (wenigstens für ein kenne-\nrisches Auge); alles, mag es nun ein Liebesbrief\noder ein Fachaufsatz sein.\nDiese Eigenschaft der synthetischen Verfeine-\nrung, „Kultur\", h|at mit besonderen, für sich be-\nstellenden Fähigkeiten, „Talenten\", sehr wenig zu\ntun. Man kann völlig talentlos1 sein und doch' Kultur\nhaben, so wie man Völlig kulturlos sein und\ndennoch Talente besitzen kann. Mehr ähnelt dann\nschon Kultur dem Genialen; als einem Fluidum,\ndas die Gesamtpersönlichkeit durchdringt in allen\nihren Aeußerungen; als1 einer Sache, die man nicht\nwegzudenken vermag, ohne zugleich den ganzen\nMenschten wegzudenken. Freilich ist das Genie schöp-\nferisch und junterscheidet sich darin fundamental\nvom Nur-Kultivierten; allein, was man so häufig\nvom Genius gesagt hat, daß er die Besonderheiten,\nIdeen und Begehrungen seines Zeitalters in seiner\nSeele zusammenraffe und in seinem Einzel-lCh' ver-\nkörpere, daß der Geist seiner Epoche sich in ihm\nkondensiert habe und aus ihm nun wirke —: das\ngilt gerade auCh' vom Kulturmenschen.\nSo überbrückt diester durch sein einfaches Da-\nsein jenen bösen Abgrund, Von dem Simmel spricht ;\nund was weder dem Gebildeten, noch dem Begriffs-\nschmied, noch dem geistfeindlichen Aestheten ge-\nlungen ist und je gelingen kann, das gelingt dem\nKultivierten, dem Wesen der synthetischen Ver-\nfeinerung.\nSofern aber dieste Eigenschaft dem, der sie hat,\nbewußt wird und er alles! daran setzt, sie zu be-\nwahren, zu pflegen und zu steigern, sie auch, wo\nes nottut, in ihrem Werte zu rechtfertigen — verliert\ndas Ideal, das hier entwickelt Wurde, all jenes Pas-\nsivistische, das ihm Zunächst wohl anhaftet und,\ndas1 es ethisch gestimmten Naturen vielleicht anti-\npathisch oder verdächtig macht. Dies Passivistische\nverschwindet; denn was bisher nur Qualität ge-\nWesen, transformiert sich alsdann in Gesinnung.\nEin starkes Willenselement mischt sich bei, und die\nWerte, die man meint, wenn man von „Charakter\"\nredet, erhalten Gelegenheit, sich zu realisieren. Und\ndies in der Tat ist es, was ich' an einem Menschen,\nwenn nicht am höchsten schätze, so doch am lo-\nderndsten liebe: die kulturelle Gesinnung.\nIch hoffe, man darf heute endlich wieder un-\ngestraft und unbeladht das Wort „Ideal\" ausspre-\nchen. Den Bemerkungen wohnte als1 Leitmotiv inne\ndas1 Ideal der Persönlichkeit, wie es mir vorschwebt.\nIdeale lassen sich durch Vernunftgründe niemals le-\ngitimieren ; ihr oberstes Kriter bleibt stets ein Wille.\nUnd wenn viel Glück zusammentrifft, dann findet\nsolcher Wille Gefährten. Gefährte aber ist in diesen\nheiklen und schwer faßbaren Dingen, in diesen\nzwischenrassigen Wundersamkeiten, die jenseits des\nAlltags1 und jenseits der Wissenschaft ihre irisie-\nrenden Flügel entfalten, sChon der Verstehende.\n\nWeg im Vorfrühling\nVon Arnold Oppel\nDaß mir aus Wald und weitem Seegelände\nVorfrühlinghaft milde Verheißung blüht,\nkann ich nicht missen. Und so neue Spende\nbeschwert mit Fülle meine leeren Hände:\nGeburtenbang strömt reiner mein Geblüt.\nWie meine Sinnen erdenwärts1 siCh neigen,\nfühl ich mit Wald und Wolke mich vertauscht;\nund meines eignen Daseins Fluten steigen,\nwenn mir zu Häupten in den hellen Zweigen\nder Frühlingswind wie hohe Brandung rauscht...\n\nDer Fluch des Magiers\nAnateiresiotidas\nVon Albert Ehrenstein\nIn einer alten Handschrift, an Hundert Jahrej\nvergilbter als die Stormsehen zu sein pflegen, habe;\nich folgende wahre GesChichte gefunden, welche\nnicht uneben in ein neueres! Deutsch gekreidet zu\nhaben meine einzige Hoffnung ist, wenn nicht der\nTrost meines Greisenalters.\nEs war einmall eine Königstochter, Jezaide ge-\nheißen, aus dem uralten Geschlecht der Sirvermor.\nUeber ihre Familie war, wie Sonst nur in Märchen\ngebräuchlich, ein Fluch verhängt, dessen Größe;\ngroß war. O geiziger König Zizipe der Siebenund-\nsiebenz,igste, warum hast du, als einst zur Taufe\ndeines Erstgeborenen dreizehn glüdkwünschende\nZauberer erschienen waren, und der Hofjuwelier,\neingedenk trauriger Erfahrungen und Abzüge, er-\nklärte, die goldenen Stiefelzieher nur mehr dutzend-\nweise abgeben zu können, warum hast du damals\ndie verhängnisvollen Worte gesprochen: „Ach was,\nder eine wird sich halt so gefretten.\" Ja, er be-\ngnügte sich diesmall mit einem silbernen Stiefel-\nknecht, der große Magier Anateiresiotidas, in-\ngrimmig zwar, und so gewaltige Sprüche in seinen\nBart brummend, daß der Vor SdNreCk jeden Moment\ndie Farbe wechselte. Mit einem violetten Bart er-\nschien er bei der königlichen Tarockpartie, zu der\ner geladen war, und alle anderen Zauberer wußten,\nwieviel1 Uhr es geschlagen hatte. Nur der König be-\nmerkte die Anzeichen fürchterlich aufziehenden Ge-\nwitters nicht, derart war er mit der Mondjagd be-\nschäftigt. Er bot ihm in der Hitze des Gefechts\nweder die Teilnahme, noch einen Stuhl an, viel-\nleicht um sich nicht noch einen Hexenmeister zum\nFeinde zu machen. Und So mußte Anateiresiotidas\nkiebitzen, stehend kiebitzen. Auch dies hätte der\nZauberer vielleicht noch ruhig hingenommen, aber\nihm offerierte Zigarren trugen zwar die Leibbinden\nimportiertester Havanna, waren jedoch mörderische\nSchusterkuba. Diesmall hatte wiederum Hoftrafikant\nMotschker die Upman nicht in minimalten Quanti-\ntäten zum Engrospreise liefern wollen und der könig-\nlichte Geizhals aus diesem Verhalten dieselben Kon-\nsequenzen gezogen. Nur daß ein anständiger Hexen-\nmeister in punkto Zigarren keinen Spaß Versteht.\nMit einem Griff Hatte der Beleidigte seine Sprech-\nwerkzeuge auf den Tisch1 geltegt und sich entfernt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.3", "texte": "J£ein besserer Zauberer hat so viel Zeit und Geduld,\nseine eigenen Reden anzuhören. Und jetzt kam der\nFluch: „Von nun an werden alle Kinder aus1 dem\nHause Sirvermoor, je nadh! dem Geschlecht, mit dem1\nDinge oder Wesen, das ihrem Vater oder ihrer\nMutter am liebsten ist, zur Welt kommen. Bis einst\nein Jurist erscheint, dessen Namen dieselben Buch-\nstaben wie „Sirvermor\" besitzt, und nicht genug an\ndem: ohne das geringste Plagiat ein Buch [über\nRechtsphilosophie schreibt!\"\n„Wer gibt?\" fragte guter Laune der Königy\ndessen geheimer Gram es längst war, daß justa-\nment auf seinem Stamm kein vornehmer Erbfluchi\ntag. Und ehe noch die Sprechwerkzeuge des Ana-\nteiresiotidas aus dem Spielzimmer ihrem Inhaber1\nnachgeflogen waren, gab es! bereits ein Solovalatn\npagatul'timo, wie er in solcher Schönheit ohnstreitig,\nnoch nie dagewesen war. Das hatten die anderen\nZauberer getan, um den König zu trösten.\nDenn eines! Trostes bedurfte Haus Sirvermor.\nDa doch1 gemeinhin »die Männer «die Frauen am!\nliebsten haben und umgekehrt — wenn wenigstens,\njenem Fluche nach, Hermaphroditen zur Welt ge-\nkommen wären! Die Dynastie hätte zwar zum\nlängsten bestanden, aber Skandal, durch Jahr-\nhunderte fortgesetzter Skandal wäre vermieden:\nworden. Nein, deutlich getrennt von dem jeweiligen\nKinde und für sich bestehend, stieg das dem Vater\noder der Mutter geliebteste Ding oder Wesen ans\nTageslicht.\nWo soll ich anfangen, wo soll ich enden! Mit\ndir, Dofgoruki, dem sein Weib außer einem Nach-\nfolger eine ewig volle Kognakflasche gebar ? Solches)\nwäre lustig anzuhören, aber wem geraten nicht\nunwillkürlich die Tränen in die Augen, wenn er\nvon dir vernimmt, SeeheM Aquavit? Wohl wurde\ndir deinem Wunsch gemäß ein Ueberdreadnought\ngeschenkt, aber starb nicht dein Weib daran, ohne\ndaß ein anderes! sich' hätte finden lassen, todesj-\nverachtend genug, bald oder später ein ähnliches\nEnde nehmen zu wollen? Trotzdem dein Reich\ngrößer war, als selbst das des Sultans von Babylon ?\nStarbst nicht bald hernadh du selbst infolgedessen\nan Leibschneiden und Weltschmerzen, die ein räu-\ndiger Journalist prosaischer: „Langeweile\" zu nennen\nsich1 unterfing, bloß weil keiner deiner ungeschickten\nIngenieure im stände war, Weibautomaten zu fabri-\nzieren. Allerdings1 gelang nicht lange darauf deinem\nLeiberfinder Heureka die Herstellung jenes Instru-\nmentes, dem wir alle unser Leben verdanken, die\nHerstellung des Fernzeugers. Doch waren damit die,\nLeiden dieser Tantaliden abgeschlossen ? Panji-\nmatna, unter dessen glorreidher Regierung Apabauru\nund Tenteriki an Sirvermor kamen, geriet eben wegen\ndieser für den Ackerbau seines Landes äußerst wich-\ntigen Guanoplätzen in Streit mit dem Oberkaiser\nAdikran von Alazir und den Zentralkönigen von\nLygien. Als gar zu dieser an sich1 übermächtigen!\nLiga Araumenes der Große von Paphlagonien seine\nsieggewohnten Truppen stoßen ließ, und die Kunde;\nschrecklicher Gefahren in Sirvermor sich wie Po-\nsaunenschall und Tubaklang ergoß, was konnte da\nder verzweifelte LandesVater anderes tun, als sein\nWeib eines mit den erforderlichen Kanonen und\nVorräten ausgerüsteten Heeres von soviel Millionen\nMann genesen zu lassen. Sogar Rabelais schüttelte\ndarüber sein weises Haupt und gab den heirats-\nfähigen Königstöchtern der Erde den Rat, bevor\nsie sich mit Prinzen von Sirvermor in Verbindungen\neinließen, den Herren einen Eid abzunehmen, laut\ndem diese in Zukunft von derart gattinnenmörde-\nrischen Liebhabereien abzusehen hätten. Und als\neinem Herrscher, der wie es scheint, sich selbst am\nmeisten liebte, die Gemahlin einen Doppelgänger ge-\ntragen hatte, worauf bemeldeter Monarch elendig\nin Wahnsinn verfiel, unwissend, wen er am meisten\nliebe und welcher der bei|den eigentlich er sei; ein\nandermal ein in sich verzücktes Liebespaar ein Dop-\npelgänger-Liebespaar hervorrief, was unendlichen\nJammer und blutige Bürgerkriege erregte — da,\nvon Grauen überwältigt, bildeten die Fürstinnen den\nihnen anempfohlenen Trust. Das wird ihnen nie-\nmand verargen, der esr sich' ins Gedächtnis zurück-\nruft, daß neben dem jeweils! Regierenden in Sirver-\nmor auch eine Menge Prinzen existierten. Und wie\nbald zarte Prinzessinnen es müde werden, Ballett-\nratten, Vollblutrennpferde, Küchenchefs, Aebtis-\nsinnen und Jagdhunde in die Welt zu setzen, das\nläßt sich' denken. Waren nun zwar die Prinzes-\nsinnen vor einem durch1 die Neigungen ihrer Ge-\nsponsen bewirkten frühen Tode sicher, so hätten\nnach' dem Vertrag ihre Gebietiger den Leidenskelch\nbis: zur Neige zu leeren. Wenn dies nicht früher der\nFall gewesen war, lag das an dem: die Gemahl-\ninnen derer von Sirvermor blieben den Männern\nmerkwürdigerweise immer genau eine Sothisperiodei\nlang treu, dann waren sie wieder untreu. Und der!\ngesetzmäßige Umschwung trat zufällig erst jetzt;\nein, also daß jenes von einem hochweisen und vor-\nsichtigen Rate erlassene Verbot, betreffend Ehen\nzwischen den Operntänzerinnen männl'icherseits und\netwa zu erwartenden Stierkämpfern weiblicherseits:\ndieses sogleich nach dem Fluche angeschlagene! Ver-\nbot fand dergestalt gar keine Gelegenheit in Kraft'\nund Wirkung zu treten.\nVorerst war keine Veränderung bemerkbar. Auf\ndem Throne saß gerade Frau Ordilschnut, die Ur-\ngroßmutter Jezaidens1 und Schwester der berühm-\nteren Ordilgund von Undulur, ein Mägdlein annoch,\nso unschuldig, daß sie außer einem Töchterlein\nnamens Bamalip nur einer Puppe das Leberi\nschenkte, worüber sich der ganze Hof vor Lachen\nfast ausschütten wollte. Das zweitemal — ich will\nnicht, fügen — kam s|ie mit einem Mops und Zwil-\nlingen nieder, die jenem Töchterchen Bamalip aus\nder Massen ähnlich sahen. Man nannte sie daher\nauch Barbara und Fres'apo, und alle drei spielten,\nwie man weiß, in der sirvermorschen Geschichte\nnachmalen eine außerordentliche Rolle. Ihr Gatte\nwar ein in der Räudherkammer der Zeit früh grau\nund faltig gewordener Flerr in den kalten Vier-\nzigern, den slie nicht Heben konnte und der durchaus\nund eigensinnig noch1 selbst etwas für die Thron-\nfolge tun wollte. Als' er die junge Königin in Armen\nhielt, klammerte sich die Bedauernswerte, schau-\ndernd wie vor dem Tode, in der Angst an das!\nwenige Liebe, das sie, besaß, an ihr Töchterchenj\nBamalip und etwann nodh! einen kleinen Mops, der\nsie in ihrer Einsamkeit zerstreut hatte. Als Aspra-\nmont die Zeichen der Kälte seiner Lebensgefährtin\nsah, die Kinder, deren Mutter sozusagen auch Ba-\nmalip war, schlug er ob dieser Blutschande die\nHände über dem Kopfe zusammen, ja, er hätte Ordil-\nschnut verstoßen, wenn nicht eine fetzte Ueber-\nlegung für sie, die dodhl noch ein Kind war, ge-\nsprochen hätte. Und so zog er denn in den Krieg\nwider die Orilanen, Menschen, denen der Bart auf\nder Nase entkeimt, und die sehr sonderbare Speise-\ngesetze haben — gebratene Eidechsen essen sie\nunter keinen Umständen, Sauerkraut mit Leberwurst\nhingegen ist ihnen erwünsdht.\nNach Beendigung der über diesfe Leute ver-\nhängten Züchtigung, auf dem Rückwege, geriet As-\npramont — wenn die sirvermorischen Annalen nicht\ntrügen — mit den Sultanen Von Marabu und Taliii\nin einen Kampf um die Weltherrschaft, und diel\nHeimkehr verzögerte sich dadurch. Inmitten des\ngewaltigen Schlachtenlärmes hatte man es wenig\nbeachtet, daß die Königin glücklich von einem Eu-\nnuchen entbunden wurde. Dies hätte eine Warnung\nsein sollen, war es aber nicht. Wie denn in geheim-\nnisvoll alten Büchern zu lesen ist: Leute, denen\ndas Schicksal bevorsteht, vom Blitze getroffen zu\nwerden, haben kurze Zeit vorher so stumpfe Sinne,\ndaß sie den Donnerschlag, ja einen noch stärkeren\nHall nicht vernehmen, während andererseits selbst\nvernunftlose Wesen, wenn das Wetterleuchten na-\nhender Gefahren am Himmel1 aufzuckt, ahnend die\nVorzeichen der Götter beherzigen und das tiefste\nStillschweigen zu bewahren pflegen, was nachste-\nhende, sehr bekannte Tatsadhe beweisen mag. Wenn\nnämlich die Gänse der Hitze wegen den Orient ver-\nlassen haben, und auf ihrem Zuge nach dem Abend-\nlande zu Gebirgen gekommen wo es Adler\nin Menge gibt, nehmen sie aus Furcht vor diesen\nmächtigen Vögeln Steinchen in den Schnabel, da-\nmit ihnen selbst der dringendste Notfall keinen\nLaut zu entlocken vermöge; so sie aber das Gebirge\nin beschleunigtem Fluge hinter sich haben, lassen\nsie die Steinchen fallen und setzen ihre Wanderung\nnun in Sicherheit lärmend fort. Nicht alsto Ordil-\nschnut. Sie ergab sich einem ungezügelten Lebens-\nwandel; eine Liebelei mit dem Prinzen Karfiol von\nder Mondscheinküste blieb nicht die einzige, die\n\"Leute vom Hofstaat wagten keine Vorstellungen zu\nmachen, die Königin alfe die Höherstehende be-\ntrachtend, weil1 nicht sie durch einen Eid zur Ent-\nsagung verurteilt war, sondern der Gatte.\nDie kurze Pause eines mittlerweile eingetretenen\nWaffenstillstandes benützend, um an das abermalige\nerfreuliche Wochenbett der geliebten Gemahlin zu\neilen, welche Ueberraschungen wurden da dem\nguten, alten Aspramont zu teil. Reitknechte, Tenore,\nSchwergewichtsathleten, Chauffeure, französische\nSprachlehrer! Und so oft der besorgte Gatte: „Halt\nein\" oder strenger: „Jetzt aber Schluß\" rufen wollte,\nkam noch irgend ein Kaminfeger, Leutnant, Fleisch-\nhacker oder Kammerdiener zum Vorschein, bis er\ndie Hand, die schwertesschwere, wider die Pflicht-\nvergessene erhob und zustieß. Fiel aber dann selbst\nim Duell mit dem Leutnant...\nEs wird niemanden Wunder nehmen, wenn,\ndurch so entsetzlidhe Ereignisse in höchstem Grade\nbeunruhigt, geradezu außer Atem infolge wieder-\nholt eintretender ähnlicher Vorfälle, die immerhin\nnicht so drastisch, weil sie auf die Hervorbringung\neines einzelnen Jünglings beschränkt blieben, doch\nnicht ohne einige Mitwirkung höchstgeborener Prin-\nzessinnen von statten gingen, ich sage, es wird nie-\nmanden Wunder nehmen, wenn eine löbliche Prie-\nsterschaft von Sirvermor da sich ins Mittel zu legen\nbeschloß. Waren doch an diesen Begebenheiten\nWeltgesetze zuschanden geworden, vor allem jenes,\neine, gefaßt in das weiseste Wahrwort, welches je\nüber die Lippen eines Lateiners kam : Pater Semper\nincertus.\nAußerdem waren die Privilegien der Gottes-\ndiener durdh die bei den Gesandtschaften tätigen\nAusländer lädiert worden, deren mangels Einhei-\nmischer, Ordischnut sich zur Befriedigung ihrer\nLüste bedient hatte. Sirvermor nämlich gehört zu\nden Ländern, wo, den Satzungen der Religion ent-\nsprechend, die Prinzen des königlichen Hauses aus-\ngenommen, die Epheben sich kastrieren, und die\nFortpflanzung auf eine wunderbare Weise durch die\nPriester der Göttin Kibla bewerkstelligt wird.\n\nSchluss folgt\nSchiass\n\nFrank Wedekind als Ästhetiker\nKritik seines Glossariums\n,Schauspielkunst'\nVon Rudolf Blümner\nHerbert Eulenberg\nFür „Leidenschaft\", Drama Von Herbert Eulen-\nberg, wird eine (morsdh'e) Lanze gebrochen. Das\nStück ist noch überall, wie ich mir schmeichle,\nsogar unter meiner Regie, durchgefallen und Eulen-\nbergs übrige Dramen haben, trotz Hardens „regster\nAnteilnahme\" und jahrelangem Geschrei der Eulen-\nberg-Entdecker, das gleiche Geschick erduldet, was\nnatürlich an sich weder für noch gegen die Qualität\nder Dramen sprechen würde. Eulenberg war stets\nder Typus des Epigonen und Eklektikers. Er be-\ngnügt sich nicht, historische Dramen zu schreiben,\nsondern datiert auch' seine eigene Autorschaft um\nfünfzig oder sechzig Jahre zurück. Und was bei ihm\nnichts als Niederschlag der Lektüre aller deutschen\nDramatiker ist, das halten die urteilslosen Eulen-\nbergschreier für Originalität und wenn es bei Eulen-\nberg von angelesenen geschmacklosen und unsinni-\ngen Bildern wimmelt, jauchzen sie über die herrliche\npoetische Sprache. Freilich immer nur bis zur Auf-\nführung, die es selbst den Kritiklosesten klar macht,\ndaß diese „ewige Hoffnung\" hoffnungslos ist. Nur\ndie Theaterdirektoren kommen noch immer nicht zur\nRaison. Sie wissen längst, daß mit Eulenberg nichts;\nzu verdienen ist, halten es aber für eine Ehrenpflidht,\nsich von Zeit zu Zeit einen Durchfall seiner Dramen\nzu leisten.\nAlbert Steinrück\nNeue Lanze, diesmal1 für einen Schauspieler,\nAlbert Steinrück. Der hat es Wedekind ganz be-\nsonders als Gabriel Borkmann und Baumeister\nSolness angetan. Also doch Ibsen. Aber vorher\nmeinte Wedekind, Ibsien zu spielen, sei eine Bagatelle.\nNun, ich kenne kein halbes Dutzend Sdhau-\nspieler, die Ibsen spielen können. Und Steinrück\nstammt aus der Zeit des Naturalismus. Durch\nSchillerspielerei wäre er eben nicht der gute Schau-\nspieler geworden.\nDie U n 112 e h 1 b a r e n\nNeues Schimpfen auf Naturalismus und Presse.\nWedekind scheint nie Berliner Zeitungen zu lesen.\nSonst wüßte er, daß die Herren von der Tages-\npresse noch immer glauben, wir leben in der Zeit\ndes krassen Naturalismus'. Sonst wüßte er, daß\ndie Journalisten und er ein ästhetisches Herz und\neine kritische Seele sind. Genau wie er, schimpfen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.4", "texte": "sie auf den Naturalismus, genau wie er, nennen\nsie nie einen Namen; genau wie er, verwechseln\nsie Naturalismus und Realismus. Und nur darin\ngehen feie auseinander, daß sie Wedekind für den\nKrassesten aller Naturalisten halten,\nD i l'e ta n tism us\nWedekind appelliert an die Standesehre der\ndeutschen Schauspieler, es ihm in der Darstellung\nseiner Rollen zuvorzutun.\n1. Die Standesehre der Schauspieler\nEs gibt keinen Stand der deutschen Schau-\nspieler. Zwar kann kein Schuster oder Arzt be-\nstreiten, daß sein stümpernder Kollege dem Schuster-\noder Aerztestand angehört. Denn zum Schuster wird\nman nicht erst durch die verblüffende Haltbarkeit\nder Stiefelsöhlen oder zum Arzt durch den Nach-\nweisl einer richtigen Diagnose oder gar einer Hei-\nlung. Aber so wenig jeder, der sein Leben der Be-\nschmierung von Leinewand und der Lieferung für'die\nGroße Berliner Kunstausstellung widmet, zu den\nMatern zählt, so wenig Jemand, dadurch, daß er\nStatuen für den Tiergarten zurechthämmert, zum\nBildhauer wird, ebensowenig ist es das Kriterium\neines Schauspielers, daß man an irgend einem\nTheater als „Schauspieler\" engagiert ist. Die über-\nwiegende Mehrheit der sb Beschäftigten steht dem\nGeiste der Kunst fern. Oder kennt wohl Wede-\nkind einen Stand der deutschen Dramatiker? Wird\nman zum deutschen Dramatiker, wenn man Stücke\nschreibt? Wer tut das nicht?\nSollte aber Wedekind an die Ehre jener appel-\nlieren, die sieht durch die künstlerische Qualität\nihrer Leistungen verbünden fühlen dürften, dann\nruft er ein Forum an, dem anzugehören er Selbst\nfür sich in Anspruch nimmt. Ein Regierungsrat,\nder in seinen Mußestunden erstklassige Schuhe her-\nstellt, darf bestreiten5, daßi er ein Schuster sei, und\nalle Schuster der Welt bei ihrer Schusterehre auf-\nfordern, bessere Schuhe 2XI erzeugen. Aber ein Dra-\nmatiker, der $e.it zehn Jahren Theater spielt und be-\nhauptet, er stelle die Rollen seiner Stücke besser\ndar als irgend ein anderer, prätendiert damit, ein\nSchauspieler zu sein und darf die anderen nicht bei\nder StandeSehre zu einem Wettkampf heraus-\nfordern. Denn selbst wenn es sich unwidersprochen\nfeststellen ließe, daß Wedekind der beste Darsteller\nseiner Rollen ist, so würde sein Sieg den anderen\nzur Ehre gereichen.\n2. Wedekind als' Schauspieler\nBegreiflicherweise war Wedekind bisher nicht\nzu überzeugen, daß er ein schlechter Darsteller,,\ninsbesondere seiner eigenen Stücke sei. Man hätte\nerkennen und ihm beweisen müssen, daß er über-\nhaupt kein Schauspieler ist. Was er auf der Bühne\ntreibt, ist nichts als ein „Zu Gehör bringen\" der\nRolle. Er teilt dem Publikum den Text mit. Weniger\nmonoton und langweilig als! andere Dichter, wenrf sie\nihre Werke vorlesen, sondern deutlich (unter beson-\nderer Berücksichtigung des Konsonanten r) und ein-\ndringlich. Vom Standpunkte der Schauspielkunst\naus1 ist aber damit noch! nichts getan. Man führt\nkein Stück auf, damit esl das Publikum kennen lernt.\nDazu dient die Lektüre. Das! Theater kann gar keine\nGedanken vermitteln, sondern nur Klänge und Be-\nwegungen. Wie ich' nun allerdings weiß, wünscht\nWedekind gar nicht, daß Seine Rollen schauspie-\nlerisch dargestellt werden. Er gehört zu jener Rich-\ntung von Dramatikern, die den Schauspieler zu\neinem temperamentvollen „Priester am Worte des\nDichters\", wie der kindische Ausdruck lautet,\ninachen wollen. Als1 Kunstwerk ist so etwasi aber\nundenkbar und das1 Interesse an einer solchen Text-\nwiedergabe kann nie künstlerischer Art sein. Bleibt\nes' also leidlich1 interessant, Herrn Wedekind als\nTemperament und in einem absonderlichen (auf\nReste schweizerischen Idioms zurückführbaren) Ton-\nfall sprechen zu hören, so reicht das nicht aus, einen\nkünstlerischen Genuß zu gewähren oder das An-\nsinnen zu rechtfertigen, Wedekind in der Mitteilung\ndes! Textes zu überbieten. Darin bleibt er unüber-\ntroffen, mag es' auch! mit Schauspielkunst nichts\nzu tun haben. Dafür kann aber der Schauspielerl\nmehr: auf Grund der Rolle etwas Neues gestalten.\nDenn die Dichtung ist für den Schauspieler nicht\nmehr Kunstwerk, sondern Rohstoff. Auf diesen\nStandpunkt freilich kann sich kein Dichter seinen\nWerken gegenüber stellen. Er sieht, befangen in der\nZeugungs-Idee, nie das vollendete Werk und weiß\nwenig von der Unendlichkeit der Darstellungsmög-\nlichkeiten. So glaubt er, seine Idee sei schauspiele-\nrisch' projizierbar und verlangt, daß der Schau-\nspieler hörbar und sichtbar mache, was der Drama-\ntiker vielleicht gewollt hat, was' aber im Drama gar\nnicht zu finden ist.\nDarum kann der Dramatiker seine eigenen\nStücke nicht spielen, sondern höchstens seine Ideen\ninterpretieren.\nEtcetera\nWas Wedekinds Broschüre noch enthält, bringt\nnichts Neues. Daß seine Stücke in den meisten\nStädten schlecht gespielt werden, mag man ihm\nglauben. Nur ist das nicht ihr spezielles Schicksal,\nsondern eine allgemeine Erscheinung. Vor allen\nDingen müßte Wedekind die Erfahrung gemacht\nhaben, daß der Schauspieler und Regisseur Wede-\nkind noch nichts für den Dichter Wedekind geleistet\nhat. Er ist selbst schuld, wenn die» mangelnde Plastik\nseiner Clown-Interpretationen keinen Begriff Von\nder Gestaltungsmöglichkeit seiner Werke gibt. Wer\nwie ich den Dramatiker Wedekind verehrt, muß;\nversuchen, seinen Einfluß auf Darstellung und Ins-\nzenierung zu eliminieren.\n* *\n*\nJene Herausforderung aber, ihn in der Darstel-\nlung seiner Rollen zu übertreffen, nehme ich an.\n\nSimson und Delila\nHerwarth Walden\nIch billige das Bestreben der Schauspieler, ihre\nKunst als eine selbständige zu empfinden. Sie\nwollen nicht nur „Diener des! Dichters\" sein. Um\ns'o weniger, als sie echter Dichtung fast ohne Aus-\nnahme yerständnislbs gegenüberstehen, wol aber\nfühlen, daß sie mehr bedeuten, als das übliche\nWortgesCh'meiß. Man kann sich und andere nicht\nmit Fliegenflügeln erheben. Ist das Theater aber\neine Kunst für sich, sind Schauspieler Künstler,\ndann müssen ihre Leistungen auch als schöpferische,\nund nur als' solche, gewertet werden.\nSofort scheidet alles aus, was sonst dem The-\nater als widhtig gilt: die schöne Figur, die edle\nGestalt, das sonore Organ. Das Fachspielen ist\nerledigt. Die Menschheit wird nicht mehr in zehn\nbis zwanzig Abteilungen eingeteilt, in Heldenväter\nund Heldenmütter, in Bonvivants, Naive, komische\nMütter und jugendliche Liebhaber. Was! selbst die\nTheatererfahrung hätte längst erkennen lassen\nmüssen. Die Kunst ist die Todfeindin der soge-\nnannten „Wahrheit des! Lebens\". Nidht das per-\nsönliche Erlebnis spielt die Rolle, sondern die künst-\nlerische Persönlichkeit. Mußte etwa Hedwig Wangel\nerst fünfzig Jahre alt werden, um in das „ältere\nFach\" überzugehen? Blieb nicht Ida Orloff die\nechte Hilde Wangel, trotzdem Sie Mutter wurde?\nZerstörte das Alter den Hamlet des Josef Kainz?\nDie Frauenschaft der Agnes Sorma ihr Rautende-\nfein? Ist die Rhbdope der Tilla Durieux nicht eben-\nsb glaubhaft, wie ihr Bordeilmäddhen in dem\nDrama „Gott der Rache\"? Hängt die Komik an\ndem dünnen oder dicken Bauch1 desl Darstellers?\nOder die Liebe an den Locken? Oder dasl Helden-\ntum an den Waden? Muß Leidenschaft durchaus\nbrüllen und Schwermut seufzen und Entsagung\nlispeln ?\nSolche Scherze wirken auf der Marionetten-\nbühne künStlerich glaubhaft, weil sie den Pol einer\nGefühlslinie sinnlich wahrnehmbar festhalten. Und\nwirken aus dem gleichen Grund grotesk: Fließendes\nwird verkörpert.\nWill der Schauspieler als Künstler gelten, so\ngiebt eS! nur eine Voraussetzung für seine Tätigkeit:\ndie künstlerische Persönlichkeit. Das heißt: die\nSdhaffensfähigkeit aus dem eigenen Ich1. Er darf\nnidht photographieren wollen, also Gesehenes\nfixieren, auch wenn er es noch so talentvoll macht.\nSidii verstellen ist keine Kunst. Unpersönliches in-\nteressiert nicht. Der Künstler ist aktiv, er kann\nSidh! nicht vom Objekt beherrschen, vergrößern oder\nVerkleinern lassen. Er erfüllt das Objekt, das durdh\nihn Sich zum Subjekt gestaltet. So erklärt sich\nnatürlich die Verschiedene „Auffassung\" derselben\nRolle durch1 gleich starke Künstler-Schauspieler.\nDiese Ansicht bestätigt mir die Uraufführung\ndes fälschlich Tragikomödie genannten Werkes von\nSven Lange „Simsbn und Deläla\" im Deutschen\nTheater zu Berlin. Persönlichkeiten: Lucie Höf-\nlich, Jakob Tjedtke, Rudolf Blümner;\nTalent: Paul Biensfeldt; talentlos: Josef Klein und\nHarry Liedtke. Diese drei Möglichkeiten des Schau-\nspielers. Denn Talentlosigkeit hindert nidht am\nTheaterspielen, sie ist dem begabten Regisseur so-\ngar sehr willkommen, die andern beiden Kategorieen\nempfindet er hinderlich. (Welcher gute Dirigent\nwürde §ein Orchester mit Solisten besetzen!) Man\nmuß SiCh1 dieses Drama wegen Lüde Höflich an-\nsehen. Sie ist eine Künstlerin, denn sie sfpfelt nur\nsidh'; sie besitzt den Reichtum einer Persönlichkeit.\nUnd sie ist eine Meisterin der Beschränkung, was\nSagt: sie kann organisch gestalten. Ausi ihrer Fülle\ndas1 w,ähien, was dem Zweck des einen Kunst-\nwerks dient. Man betrachte die Zeichnungen Von\nOskar Kokoschka. Jede betont eine Linie, öbwol er\ntausende kennt. (Wagt es ein Schwacher, ein Talent,\nso entsteht ein kunstgewerbliches Ornament.) Lucie\nHöflich betont in jeder Zeichnung eine Linie. Die\nKargheit der Fülle. Grade in dieser Rolle einer\nSchauspielerin zeigt sich ihr Künstlertum. Sie ist\ndas Weib. Sie Verstellt sich! nicht als „Schau-\nspielerin\", sie hebt nur diese Linie im Typus Weib\nhervor, die Instinkte und Gefühle, die am stärksten\nin die Erscheinungswelt treten. Sie! kann aber\nnidht vergessen, daß in jedem Menschen alle vor-\nhanden sind, weil sie eberi eine küjnstlerisdhe Per-\nsönlichkeit, weil sie eben Lucie Höflich ist.\nEin einheitliches! Kunstwerk schuf auch Jakob\nTiedtke als! Th'eaterdirektor. Einige Kritiker schrie-\nben, Sb ein Theaterdirektor wäre unwahrsdheinlich.\nJa, meine Herren, aber Tiedtke war esl nicht. Schließ-\nlich kann doch auch ein Theaterdirektor nicht an-\ndauernd hüren oder Geschäfte machen. Er wird\nsich1 dodh gelegentlich eventuell ein Gefühlchen\nleisten dürfen. Und abgesehen von der kühnen Idee\ndeS Dichters : Tiedtke glaube ich diesen1 Menschen.\nES ist doch1 nicht ausgeschlossen, daß jemand aus\nInteresse am Theater Direktor wird. Was Tiedtke\nmit der nun sdhbn des öfteren erwähnten einen\nLinie betonte. Man giebt diesem Könner leider nur\n„Episoden\" zu spielen. Er weiß sich zu bescheiden.\nUnd eine gute Sdh'warz-Weiß-Zeichnung ist kein\ngeringeres Kunstwerk als ein Oelgemälde, und mehr,\nals ein schlechtes.\nRudolf Blümner kämpft mit der Schwindsucht\nseiner Rollen, ein kräftiger Körper gegen die Blut-\nlosigkeit der eingesetzten Lungen. Er weiß sich1\nnicht zu bescheiden. Eine künstlerische Persönlich-\nkeit, die sich im Drang zur Offenbarung seiner\nFülle verzehrt. Und die Einheit verzerrt. Er spielt\neinen Regis'seur. Auf zehn Worte hundert NuanCen.\nEin) Auskostenwollen der gegebenen Momente. Und\njede Nuance Seines Ichs ist stark genug, diese eine\nbewußte Linie zu zeichnen. Ohne Material geht es\nnicht in der Kunst. Blümner in solchen Rollen wirkt\nauf mich' wie ein Maler, der alle Farben und keine\nLeinwand besitzt. Ich' wünsche Ihnen, lieber Freund,\nendlich die Rolle, die Ihrer künstlerischen Kraft\nZukommt.\nBiensfeldt ist nur ein Talent. Er täuscht Fülle\ndurch Buntheit Vor. In jeder Szene ein anderer,\nweil er niemand ist. Alles sehr talentvoll gemacht,\naber nicht gestaltet. Er ißt zum Beispiel mit der\nBehaglichkeit des' Großkaufmanns, dessen Gegner\ner darzustellen hat. Trotzdem nach dem Willen des\nDichters1 seine Eßlust äußerster Unruhe entspringt.\nBiensfeldt hat aber mal gesehen, wie jemand ko-\nmisch ist. Das kopiert er, man1 lacht und sein Erfolg\nist da. Wenn zwei essen, ist es aber nicht dasselbe.\nDie phbtographische Wirkung versagt selten. Und\nTalente werden schneller herausgefunden, als Per-\nsönlichkeiten.\nDie Talentlosen werden am Theater so ver-\nwertet, daß ihr Manko (meistens auch hoch ein\nkörperliches) als Eigenschaft gilt. Karl Kraus prägte\nfür diese ;Herrsdh!aften das sChöne Wort: Defekt-\nschauspieler. Ein guter Regisseur kann mit ihnen die\nschönsten Effekte erzielen, wenn er ihnen die rich-\ntigen Plätze anweist. Im Vorliegenden Fall spricht\nHerr Klein trocken, wie er ist. Als ob nicht Phi-\nlisteriüm auch1 gestaltet, Nüchternheit dargestellt\nwerden muß. Wie Dummheit. Dasl kann Herr\nLiedtke nie begreifen.\nRegie: Emil Geyer.\nUeber das' Drama in der nächsten Nummer."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.5", "texte": "Wintergarten\nOskar Kokoschka\n\nArchie A. Goodale\nCinquevalli, der Jongleur\nEr soll nicht täglich harte Eisenkugeln mit dem\nKopfe fangen, weil es auch uns wehtut. Aber dieser\nSeehund, fast japanischer Nervendompteur, hat das\nGefühl der Schwere verloren und kehrt sich trostlos\nvon unserm Entsetzen ab und fängt harte Kugeln.\nThe eagle and the girl\nDas arme kleine girl (dieses unschuldigste Wort\nhabe ich für das Kind erfunden) wird von einem\ngrossen weissen Adler in die Luft getragen und keiner\nvon den zehntausend hinaufglotzenden Gentlemen\nzittert und weint wie ich, obwohl es ganz finster ist.\nSie singt glockenhell.\nThe 12 Sunshine girls\nEin ermattender, linder Schnürlregen von süssen\nweichen Aermchen und Beinen. Zwölf keusche\nMädschenhosen flattern im Wind. Der englische\nWohllaut der lispelnden twelve Sunshine girls ist ein\nzwölfstimmiger Dankgesang für die Erhaltung der\nJungfrauen. Ich war der einzige, der es heraushörte.\n\nGymnastische Evolutionen im Riesenreifen\n\nLyrik-Abende\nK. H.\nVor einer Anzahl Wochen gastierte bei den\nBerliner Freistudenten (sympathischen jungen Her-\nren) der Episodier Reinhardts, Herr Hartau. Er,\nlas neuere deutsche Lyrik, untermischt mit sanftem\nBörsengeklingel eines unberufenen Felix Josky. Dies\nwar allenfalls verzeihlich; unverzeihlich war, daß\ner Hofmannsthals „Vorfrühling\" als ein Mime hin-\nlegte, zarte Worte durch1 dicke dramatische Nüancen\nzerklüftete, daß er gräßlich gebärdenzuckte,\nschwitzend.\nDienstag, bei Cassirer, empfand ich: endlich\nnun ist ein Mensch da, der unserm Ohr die großen\nDichter vermitteln kann, der Worte wunderhohe\nFüger in diesen schönen Tagen. Armin Wasser-\nmann hat fast keine Technik, er verschluckt halb-\nbetonte Silben, gelegentlich bayert er noch, er gerät,\nwo sein Pathos schreit, ins Krächzen —: aber er\nweiß, was ein Gedicht ist, was ein flamingöider As-\nsoziationentanz der Lasker-Schüler, was ein feuer-\nflüssiges Brausen Nietzsches, was eine heilig-dröh-\nnende Nachthymne des Stefan George ist. Er zer-\nhackt nicht die Gestaltungen in Verständlichkeiten\nund Effekte, er gibt Rhythrnengebilde, gleich-\nmäßig Schwebendes, Einheiten, Bei geschlossenen\nAugen geschah mir, daßi drei, vier geliebte Schöp-\nfungen, „Weltgeheimnis\", „Der Herr der Insel\",\nWunder des1 „Algabal\", täglich; stumm gelesen ge-\nbetet — groß und fürstlich zu Klang wurden...\nHartaue als Vorleser sind virtuos und kitsehen;\nWassermann ist der Vollendung sehr fern, kredenzt\naber Kunst. Er kultiviere sich1; er ist eine Hoffnung.\n(Fräulein Hilde Laßwitz, ein blondesi Kind, mohn-\nrot eingemullt, lieb, auf den Brettern gewiß eine ent-\nzückende Naive, las ohne viel Ahnung Verse von\nRilke und Dehmel.)\n\nIn der Morgenfrühe\nVon Else Lasker-Schüler\nIch' gehe an Mandelbäumen vorbei, aber die\nblühen in den Gärten fremder Häuser und die\nFenster sind noch geschlossen hinter Spitzenge-\nweben. Ich bin unendlich müde, gewohnheitsmäßig\nbewegen sich meine Füße vorwärts, Maschinen sind\nes und sie müßten eigentlich1 unverhüllt in blauen\nSandalen gehen, denn sie sind von goldzagem\nWandel, wie die Sonne, die aufstieg. Ich1 kenne\ndie Menschen nicht, die mir begegnen, ich weiche\nihrem Dünkel aus und ich brauchte nur meinen\ngrauen Mantel abzulegen, um König zu sein. Ich1 bin\nunendlich müde, ich glaube, ich bin im tiefsten\nLeben erkrankt, aber die Vorübergehenden merken\nes nicht, sie heben auf, was lärmend auf den Straßen\nliegt, aber siie hören nicht das schmerzliche Murmeln,\ndas tätliche Verrauschen einer Seele. Da liegt ein\nNachtfalter vor mir — er stirbt — wie dürftig seine\nFlügel sind, ein Lumpenhändler war es, ein Va-\ngabund, der sich nachts auf den Straßen herumtrieb\nund am Feuerrausch der Lampen endete. Er stirbt\n— ich trete ihn tot. Ich denke an ihn — wenn es[\nfür ihn doch einen Himmel1, einen blauen Strand\ngäbe — er würde dort ein schöner Schmetterling\nsein. Ich bin unendlich müde — wenn ich nun auch\neines Morgens so daliege, wie der graubraune\nStrolch — welcher Fuß würde mich zertreten.\nEs kommen Männer an mir vorbei in weißen Sport-\nschuhen und Frauen schreiten hastig über den\nDamm. Ich mag diesb Frauen nicht im Ornat,\nderbgewordene Philisterinnen sind sie — was wissen\nsie von der Knabenzeit. Aber das kfeine Mädchen\nmit der Bubenbluse, es! wird midi' übermütig zer-\ntreten im Scherzwort, im Frühlingslachen. Ich bin\nunendlich müde und es! beginnt der rücksichtslose\nTag. Der Mann aus! Glas mit der Vollstreckungs-\nmappe unterm Arm wartet vor der Haustür auf\nmich', heute klebt er die Siegel. Ich muß ihn zart\nam Henkel fassen — so ganz vorsichtig, liebevoll,\ndaß er nur keinen Sprung bekommt. Draußen an\ndem fremden Hause blühen die Mandelbäume: der\nFalter ist tot, ich1 vergaß ihn vom Weg in einen der\nGärten zu werfen.\n\nEine Predigt\nGeliebteste!\n\nIch will zu Euch sprechen heute von der Herr-\nlichkeit und der( Größe des1 Priesters, ihr Jung-\nfrauen. Meiner Betrachtung will ich das Wort des\nhochehrwürdigen Fürstbischofs Katscht h a l 1 e r\nvon Salzburg zu Grunde legen, wie es in dessen\nHirtenbrief vom Jahre 1905 alblo lautet:\nWo ist im Himmel eine solche Macht, wie die\ndes katholischen Priesters? Bei der Mutter Gottes?\nEinmal hat Maria das göttliche Kind zur Welt\ngebracht! Und sehet, der Priester tut dies nicht ein«\nmal, sondern hundert- und tausendmal, so\noft er zelebriert. Geliebteste, habt ihr jemals bedacht,\nwelche Gewalt hiermit den Priestern, und wieder nur\nden katholischen Priestern, gegeben wird? Ihnen hat\nJesus Christus das Recht über seine heilige Menschheit\nübertragen, ihnen gleichsam Gewalt über seinen Leib\ngegeben Christus, der eingeborene Sohn Gottes\ndes Vaters, durch den Himmel und Erde geschaffen\nsind, der das ganze Weltall trägt, ist dem katho-\nlischen Priester hierin zu Willen. —\nAmen.\nO, Geliebte, Christus selbst hat dem katho-\nlischen Priester Gewalt gegeben über seinen gött-\nlichen Leib, über sein Fleisch und Blut; solltei:\nnicht da auch ihr ihm mit Freuden alles geben, was\nihr seid und was ihr habt? Ich will euch warnen\nin Liebe, ihr Jungfrauen, auf daß ihr nicht in un-\nrechtes Tun verfallet gegen die Vertreter des Herrn\nauf Erden, auf daß ihr nicht gestrafet werdet, wie\ndas Dienstmädchen von Kalbermoor und wie die\nKöchin von Ganacker. Wenn euch je das1 höhe\nGlück zu teil werden sollte, als Köchin die geweihte\nSchwelle eines Pfarrhauses überschreiten zu dürfen,\no so seid eingedenk des Wortes: Was1 ihr dem\nPriester getan, das habt ihr Gott getan! Trachtet\ndanach, eures hochwürdigen Gebieters Leib mit\njedem Tage aufs neue mit gut und kräftig Essen\nund Trinken zu versorgen. O Geliebte, der Lohn\nwird nicht ausbleiben. Ueber ein Kleines wird der\nGebieter an euer Kämmerlein klopfen und sprechen:\n„Steh auf von deinem einsamen, harten Lager,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.6", "texte": "Jungfrau Pelagia, und folge mir!\" — Geliebteste,\ndann seid nicht stehet auf, gießet Oel auf\neure Lampe und folget ihm. Er wird euch in sein\ntrauliches Schlafgemach geleiten und euch zum\nDank für eure Fürsorge, die ihr ihm angedeihen\nließet, die Erlaubnis geben, sein weiches, warmes\nBett mit ihm zu teilen. Und muß es nicht köstlich\nfür euch sein, dem ungestümen Drängen seiner\nDankbarkeit willig nachzugeben und ihm freudig\neuer Blümchen zum Opfer zu bringen — denn\nwas ihr ihm das habt ihr Gott getan —?\nUnd wenn ihr aber über ein Kleines eines Knäbleins\ngenesen solltet und ihr entdecktet an ihm das gleiche\nMuttermal1, wie es der geweihte Vater an verschwie-\ngener Stelle trägt, o sägt, muß euch das nicht mit\neitel Jubel und Glück erfüllen? — Und Geliebte,,\nwenn dann der Herr Pfarrer Spricht: „Gehe von mir,\nledige Pelagia,\" solltet ihr dann nicht gehorsam\nsein, wo ihr durch ihn so reich beschenkt wurdet?\nO, dann gehet hin in Frieden und verschließt das\neuch widerfahrene Glück tief im Herzen und be-\nhaltet es für euch. So ihr es aber ausplaudert/\nwerdet ihr jäh aus1 euerem Paradiese vertrieben\nwerden und Gott der Herr wird euch schon hier\nauf Erden mit sechs bis zehn Monaten Gefängnis\nstrafen, sintemalen ihr euch des Vertrauens und der\nLiebe, die der hochwürdige Herr um euer selbst\nv illen verschwendete, unwürdig zeigtet.\nUnd nun Vernehmt zum Schluß, was der hoch-\nehrwürdige Herr Fürstbischof Katschthäler in seinem\nHirtenbrief vom Jahre 1905 weiter über den Priester\nsagt und was ferner in einem „Schutzengelbrief\"\nvon 1908 darüber geschrieben steht:\nUnd wenn ihr an einem Priester etwas\nwirklich Tadelnswertes findet, was sollt ihr\ntun ? Wie die Feinde unserer heiligen Kirche es\nmachen ? Es ausposaunen, vergrössern, generalisieren ?\nGeliebteste, bleiben anch nicht im unheiligen Priester\ndiese Gewalten? Ihr wisst es alle, Gott hat es in\nseiner Weisheit und Güte so eingerichtet, dass auch\ndann die heiligen Sakramente gültig sind, wenn das\nLeben des Priesters kein heiliges ist.\nFluch solchen Lippen, die eine heimliche Sünde\ndes Priesters ans Licht ziehen oder auch ein schweres\nAergernis desselben anderen mitteilen! — Hingegen\nsorgt gut für sein leibliches Wohl, seid\npünktlich im Zahlen der Gebühren und Lasten! Was\nihr ihm vorenthaltet, das verweigert ihr Gott selbst,\n[ dessen Stellvertreter er ja ist.\nO, Geliebte, tuet also und gedenket der war-\nnenden Exempel von Kalbermoor und Ganacker!\n\nC. O.—E.\n\nDem deutsche Schriftstellers\nDie Redaktion\nDie folgenden, durchaus ernstgemeinten Buch-\nbesprechungen entnehmen wir der Zeitschrift „Die\nFeder\", Halbmonatsschrift für die deutschen\nSchriftsteller und Journalisten.\nWir fussen uns\nDr. Bergmann, Lebenskraft—Heilkraft. Berlin,\nPriber u. Lammers. — Der Verfasser fußt seine Rat-\nschläge auf der Ansicht, daß durch die Lebenskraft\njeder seine Krankheit selbst heilen kann, daß es\nein untrügliches Mittel zur Erkennung der Krank-\nheiten gebe und daß die Homöopathie diesen Stand-\npunkt allein Vertrete.\nMan spricht mit\nA. F. Seligniann, Kunst und Künstler. Gesam-\nmelte Aufsätze. Carl Konegen, Wien. 4.50 M. —\nWer dies Buch auch nur flüchtig durchgelesen hat,\nkann schon über moderne Kunst, zu deren Ver-\nständnis auch die Vorläufer herangezogen werden,\nmitsprechen.\nKeinen gedankenlosen Unsinn\nOskar Wilde, Weisheiten. Globusverlag, Berlin.\n— Eine von den zwei oder drei modernen Apho-\nrismensammlungen, die durchweg gute Aussprüche\nund keinen gedankenlosen Unsinn enthalten.\nNutzen\nGrazians1 Handorakel1. Deutsch von Arthur Scho-\npenhauer. Alfred Kröner, Leipzig. Taschenausgabe\nIM. — Wenn auch1 manche dieser Lehren veraltet\nsind, so bilden sie dennoch! einen Schatz, aus dem\nman mit Nutzen schöpfen kann. Trust\nDie Kritiken sind bis auf die Ueberschriften geistiges\nEigentum des Verfassers und stehen im redaktionellen\nTeil der erwähnten Zeitschrift Wir bitten den Autor\num Namensnennung, damit Wir ihm das Nachdrucks-\nhonorar überweisen können.\n\nErlebnisse\nMinimax\nTanagra\nDie Tageskritikaster stoßen ins Horn, und der\nBesuch des Lunaparks, eben noch Monopol1 des\nVorstädters und Radauproleten, wird mit einem\nSchlage oder zwei Strichen geheiligte Pflicht des1\nKunstfreundes. Ich winke ab; dies ist der dritte\nStrich'; mag wieder zu sich kommen. Nach-\ndem man sich auf der Riesenrutschbahn nicht hin-\nreichend vergnügt hat, betrete man das' Tanagra-\ntheater und rutsche weiter. Das Lokall hat mit Kunst\nso viel zu tun, wie der kleine Jakobsohn. Eine\nPantomime Von derart erstaunlicher Fadheit wird\nvorgeführt, daß man nur den Wunisch hat, sie Herrn\nJ. Pappe rlä-Bab als Gipfel der Dramatik vorzu-\nführen. Durch einen optischen Trick erscheinen die\nAkteure der Pantomime auf einer Miniaturbühne in\nZentimetergröße und empfehlen Herrn J. Papperla-\nBab angelegentlich, siich einer gleichen Behandlung\nzu unterziehen. Ich begrüße Tanagra in diesem\nHinblick; möge es 'vorbildlich wirken und alle Dinge\nauf ihr richtiges Maß reduzieren. Zum Beispiel auch\ndie neuen Häuser am Kurfürstendamm, die sich\nals Buchschmuck vorzüglich ausmachen werden.\nOder die aufgeblasene „Neue Rundschau\", die man\nkläglich! am Wege weinen sehen wird, als lahmes\nLiteratur-Dozentchen, das! allmonatlich Bildung für\n2,50 Mark verzapfen muß. Eine geistreiche Er-\nfindung, dieses Tanagraprinzip. Am letzten Sonn-\nabend aber sagte ich wehmütig zu mir: „Um die\nKunst ist es etwas eigenes: sofern sie nicht l'ang-\nweil't, ist sie lächerlich ; und sofern sie nicht lächerlich\nist, macht sie krank. Höre ich Musik von Richard\nStrauß, so bekomme ich eine Mittelohrentzündung,\ngeh!e idh zu Herrn Reinhardt ins1 Theater, so schlafe\nich ein und komme um meine Nachtruhe; und\nhier werde ich mir eine Bindehautentzündung zu-\nziehen.\" Idi wußte mir keinen Rat. Da idh keine\nZeitungskritik bei mir hatte, um mich durch Lachen\nzu erleichtern, setzte ich mich in den Wackeltopf.\nVon der Lebensverlängerung\nDen wahren Kunstgenuß kennt nur der, der\nkein Theater besucht. Zu meinen größten Freuden\ngehört die abendliche Lektüre der Litfaßsäulen. Ich\nlese alles, von den streng sachlichen Mitteilungen\nder Königlüdifen Oper bis zu dem im Leben\nBerlins\", dem herrlichen Uniontheater und grand\nKientopp, nach' meiner festen Ueberzeugung neben\ndem Kaiser Friedrich - Museum und dem Zirkus\nBusch das bedeutendste Kunstinstitut Berlins. Mit\nVergnügen überfliege ich die Anzeigen der Ball-\nlokale mit oder ohne Weinzwang und überschlage\nrasch an Hand meiner Logarithmentafel,, wieviel Go-\nnokokken und Spirodhäten dort meiner beutegierig\nwarten. Endlich um 3/48 Uhr wähle ich mir vor-\nsichtigerweise einen Pllatz vor dem Theater. Ich\nbetrachte mit Wollust die Herrschaften, die in Auto-\nmobilen vorfahren, weiche eiligen Kommis aus, reiße\nentzückt die Türen auf Vor keuchenden Zuspät-\nkommenden. Billige Plätze bekommen sie nicht\nund sehen werden sie von den teuren wahrscheinlich\ndas linke untere Drittel der Bühne mit Einschluß\ndes1 Souffleurkastens. Ich ziehe meine Uhr: Jetzt\nist es yS; um elf Uhr ist es aus. Ich bin jetzt\nso weit. Das heißt: idh habe plus fünfzehn Mark\nfür einen Sitz. Idh1 zahlle nie unter 15 Mark für\neinen PMz, wenn ich nicht ins Theater gehe. Drei\nStunden meines' unsterblichen Lebens sind ge-\nwonnen. Der große Teppich-Rüden, der ermäßigte\nBillets verkauft, ist nichts gegen mich. Ich gehe\nwieder auf die Straße. Ich werde meine Gedanken\npropagieren: völlig gratis! Freibillets zum Nidht-\nbesuch sämtlicher Theater zu verschenken. Gründen\nwir einen Bund : „Zur Beseitigung der Feuersgefahr\nin den Theatern\". „Schon wieder drei Stunden\nge re 11 ettet, ge rette t te t!\"\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in ketnem Fall statt\nALFRED MOMBERT\nAeon der Weltgesufchte\nVerlag Schuster und Loeffler Berlin\nJOHN BECKFORD\nVathek/Roman <\nVerlag Julius Zeitler Leipzig\nCHARLES BAUDELAIRE\nBriefe 1841—1856 / Deutsch von Auguste\nFörster\nVerlag J. C. C. Bruns / Minden i. W.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nVVenn bas von Itynen bister gebraudpte (Dunbwafier 311\n€nbe ift, fo empfetyen wir tynen, an beffen Stelle einen\nVerjud) mit Kosntln 3U madden. Sie werben finben,\nbafe sie biefes in gan3 befonberem (Dafce befriebigt, benn\nKosmln fat überaus erfrifrf)enben Wol)lgefd)mack,\nUonjerviert bie 3al?ne unb kraftigt bas 3al)nflei{d).\n§lajdje CDk. 1.50, lange ausreidjenb, überall fcauflicl)."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.7", "texte": "Auslieferung far Österreich-Ungarn A. MQhlhans-Smital Wien IX / Pür den Buchhandel: M. Brannschwelg Wien IX / Verantworte fBr die Schriftleitnng in Österreich-Ungarn: Otto Soyka\n\nHB6EWIESE!\nKDWSTLEI\nOER\nBERLINER\n°M-\nIN DER\nGALERIE\n/WIMILIAIM\n•/HACHT\nBERLIN.WSO\nPANKE STr. 1 •\n• ~ •\n• «a\nw-\nINTRITf\ni\nHi\nTAPP£fZr>\n\nLesen und staunen!!\nUm unseren Sicherheits-Rasierapparat ,,Romiletiu, welcher\nalle bis dato auf den Markt gebrachten Rasierapparate ilber-\ntrifft, schnell in alien Kreisen einzufuhren, haben wir uns\npn 1 OS^PTl\n5000 Stuck zum Setbstkosten-\npreise v. 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Auf der Reise, auf See, im ManSver usw. unentbehrlich!\n30 mal benutzt, hat sich der Apparat bezahlt gemaclit!\nDie in jeder Beziehung vorziiglichen Messer besitzen einen derartigen durch ein spezielles\nVerfahren hergestellten Hartegrad, dass sie fur den stMrksten Bart verwendbar sind.\nBestellen Sie sofort, denn diese 5000 Rasier-Apparate werden infolge ihrer noch\nniemals gebotenen Billigkeit bald vergriffen sein.\nSie erhalten diesen tadellosen Rasier-Apparat gegen Nachnalime von 6,30 Mk. portofrei.\nWir richten nur die bescheidene Bitte an Sie, diesen Apparat in Ihrem werten Bekanntenkreise\nzu empfehlen.\nNach Absatz dieser 5000 Apparate kosten diese 15 Mark.\nVersandhaus cbemischer uad techaischer Neuheitea Hans Fredrick\nBerlin SW. 68, Kochstrasse \"3'Z\n\nmm\nr\\.\nVerlag „Der Sturm\"\nWirubernahmen inunsernVerlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesangu. 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S—\nWlchtig fur Eltem beranwachsender Tochter, Padagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Dle KnabejipenMionate, deren Sinrlchtußf, ibr lnneree\nand Jtusseres Ijeben.\" Von L. Daniel. Ein Ratgeber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. I,B©.\n3. „Das Tik-hterpensionat\" ist die einzige Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorsteherinnen vertritt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis fiir die Praxis. Pro Halbjahr Mk. fc,SO.\nDurch sSmtliche Buchhdlg. Oder direkt vom Yerlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10\n\n\\\nS— »\n\nBerufen Sie sich\nbltte bet Eink&ufen an! die\nAnzeigen dieser Zeitschrift"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100825-01.1.8", "texte": "Yerantwortl. f. d. Anzeigenteil: A. Bot« / Verlag Der Sturm Berlin Halengee Geschäftsstelle and Anzeigen - Annahme: Berlin W. 31 / Druck ▼. Ha» Walter,! Berlin SW.I 3\n\nFritz Gnrlitt I Hofknnsthandlima Berlin w\nPotsdamerstrasse 113 Villa II\n□\nAusstellung von dentschen Meisterwerken:\ngocklin ° I&eibl n Tfyotna ° Iaiebertnanti ° Ttuibtiet? efc. etc.\nS)\n□\nIE\nWochentags von 10—5 / Sonntags von 12—22geoffnet\n\n:=K\nfffl\nn\ntt\nft\nP\nP\nt,\n£\n±1\n=3\n1\nti-\nll\n4-\nE\nIE\ns\nttt\n\\\n5\nM-\nQv>\ntCW.\n!*>\nAyl\n*3\ni-Vvi\na>v\nEft\n1\n2\n!?•/\n»«\nv?.\"\nffl\nraeCK**\n6ARI\nP\nPUPFERBERG RIESLING!\nJoustf- i\n*o*ll**l ha w»w\ni.. i\n«] Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welchef schorl\n\\ als solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hdchste Voll*\n»\nkommenheit erlangen mu6. — •\n<flj Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad' Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundet 18W\n1 Ueber Bedeutung voft \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschlufi."}]}