{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_sha256": "08fa131e5b9318364699ca4016e09ab5a07fdd4fa2a1d4c333786044e062de9e", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/09/01_01/bmtnabg_1910-09-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/09/01_01/bmtnabg_1910-09-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "211", "page_fin": "211", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.1", "titre_corps": "Die Dämonische Samuel Fridolin", "titre_sommaire": "Die Dämonische Samuel Fridolin", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.1", "debut_caractere": 564, "fin_caractere_exclue": 594, "texte": "Die Dämonische Samuel Fridolin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "211", "page_fin": "211", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.2", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.1", "debut_caractere": 596, "fin_caractere_exclue": 1065, "texte": "INHALT:\nRICHARD DEHMEL: Nationale Kultur-\npolitik / ALBERT EHRENSTEIN: Der Fluch des Magiers\nAnateiresiotidas / WALTER HEYMANN: Teures Haupt /\nPAUL SCHEERBART: Der Revolutionär / ELSE\nLASKER - SCHÜLER : Elberfeld im dreihundertjährigen\nJubiläumsschmuck / PAUL ZECH: Sommerabend im\nPark / HANS MAYER: Die Bildungsphilister / ADOLF\nLOOS: Tristan in Wien / J. 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Man\nbraucht nur Namen wie Perikl'es und die Medici,\nAugustus und Louis XIV, William Ceciil und Fried-\nrich den Großen zu nennen, und wir erinnern uns an\nEpochen planvollster Zusammenfassung der pro-\nduktiven Einzelkräfte um der organischen Volks-\nbildung willen, auf kleineren wie größeren wie\nganz großen Staatsgebieten. Und nicht bloß per-\nsönliche Oberhäupter, aueh regierende Körper-\nschaften haben solche Politik getrieben; Beweis die\nRepublik Venedig, die Niederlande, die Hansestädte.\nAllerdings waren diese Körperschaften noch durch-\nweg Aristokratien und beherrschten nur kleine\nVolksgebilde; auch die sogenannten Demokratien\nder altgriechischen Stadtgemeinden hatten tatsäch-\nlich patrizischen oder sonstwie oligarchischen Zu-\nschnitt. Es fehlt daher an historischen Analogien\nzu den Herrschaftsformen der Gegenwart, die in\nden großen Staaten Europas! aus alten aristokrati*\nsehen und neuen demokratischen Machtzluständen\nunklar gemischt sind. Das aber ist ausschlag-\ngebend für die Entscheidung der Frage, ob\nsich heute die Kristallisation der nationalen\nKul'turtendenzen erfolgreich beschleunigen läßt\noder nicht. Denn erstens muß die Nation schon,\nreif sein für solche höchst raffinierte Politik, sonst\ntut der naive Volksgeist nicht mit oder wird in\nGrund und Boden verdorben; und zweitens ist\nPolitik nur erfolgreich! durch eine starke Machthaber-\nschaft, wie immer geartet diese sei. An sich ist frei-\nlich die Unklarheit der Machtverhältnisse kein\nGrund, daß es! nicht Zeit zur Klärung sein könnte;\nkein Mensch weiß im Voraus, wie reif ein Volk\nist. Also braucht man sich bloß nodi den Kopf\nzu zerbrechen, ob die verschiedenen mächtigen\nLeute, die sich' heute als Volksvertreter fühlen,\nhinlänglich einig darüber sind, woraufhin kultiviert\nwerden sjoll.\nKulturpolitik irgendweldier Art wird ja allent-\nhalben genug getrieben, in Deutschland eher zu viel"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5221, "texte": "als zu wenig. Potentaten, Finanzbärone, Minister,\nParlamente, Parteien und Kongresse, Demagogen\nbeiderlei Geschlechts, Universitäts-Professoren,\nVolksschullehrer, Literatenkliquen und Zeitungs-\nredaktionen, alle schwingen das Wort „Kultur\" im\nMunde und greifen sogar in die Tasche dafür, teils\nin die eigene, teils! in fremde, und natürlich immer\nfür „wahre\" Kultur. Aber mit welcher Sorte wahrer\nKultur man das ganze Volk zu beglücken gedenkt,\ndavon ist wohlweislich nie die Rede; sie könnte\ndoch gar zu deicht unwahr tönen. Trotzdem ist einzig\ndies der Rede wert. Nationale Kultur bleibt ja leere\nPhrase, wenn sie nicht ein humanes Programm be-\ndeutet: bestimmte Veredlungswerte der Menschheit,\ndie das Volk selbstbewußt in sich1 ausbilden soll.\nAllgemeine Bildung ist nur ein Ziel für hochbe-\ngabte Persönlichkeiten; im Durchschnitt des Volkes\nläuft sie leider auf allgemeine Verbildung hinaus.\nGar eine schöngeistige Bildungspflege ist fürs ge-\nsamte Volk ein Unding, war stets nur gewissen\nbevorrechteten Gesellschaftsklassen wirklich erreich-\nbar, deren leibliche Wirtschaftsbedürfnisse von an-\nderen Klassen besorgt wurden. Alle organische Kul-\nturpolitik muß zunächst natürlich darauf bedacht\nsein, besonders leistungsfähige Berufsstände zu\nbegünstigen, an die sich1 die übrigen angliedern kön-\nnen, je nach den hauptsächlichen Volksanlagen und\nden zeitlichen wie örtlichen Entwicklungsbedingun-\ngen. Selbst in den kleinsten Gemeinwesen hat die\nKultur nie von Anfang an harmonische Tendenz\nhabt, war überall um spezifische Interessengruppen\nkonsolidiert: agrarische oder kommerzielle, militäri-\nsche oder juridische, religiöse oder philosophische,\nje nachdem die Oberschicht mehr sensuell oder mehr\nintellektuell begabt war, mehr energisch oder mehr\nspekulativ. Für all das lassen sich reinliche Bei-\nspiele bei räumlich! beschränkten Kulturen finden,\nvon dem spartanischen Kriegerstaat bis hin zum\nFriedensreich1 der Inka, von den indischen Weisheits-\nfürstentümern bis zu den Minnehöfen der Provence.\nHeute aber, in unseren großen Staaten mit ihren\nvielerlei Machthabergruppen, wo herrscht da wahre\nEinmütigkeit über solche Meistbegünstigung ? Wie\nkann eine Harmonie der Interessen entstehen, wenn\nfast jeder Stand nur die Politik verfolgt, sich1 mög-\nlichst „notleidend\" zu stellen! In Deutschland wird\nman sich höchstens Vielleicht auf das Zugeständnis\neinigen: wir scheinen eine industrielle Kultur ziem-\nlich hohen Ranges' zu schaffen. Aber die Folgerung\nlautet dann meistens: folglich braucht sie nicht\nmehr begünstigt zu werden. Und gewisse Idealisten\nzetern sofort: das ist ja „bloß materielle\" Kultur,\nist alSo „überhaupt keine\", ist „nichts als\" Zivili-\nsation. Nun, iCh bin selber ein Idealist, allerdings!\nkeiner mit fixen Ideen, und eine Grenze zwischen\njenen beiden Begriffen läßt sich meines Erachtens\ndurchaus nicht fixieren. Eine Industrie von mate-\nriellem Höchstwert ist notwendigerweise zugleich\nideell oder zum mindesten intellektuell, nämlich an-\ngewandte Naturwissenschaft; da ist alSo schon ein\nPunkt aufgedeckt, wo Zivilisation in Kultur über-\ngeht. Die Industrie ist ferner genötigt, sich wegen\nihrer technischen Qualitäten ästhetische Werte an-\nzuzüchten; und die teilen sich dann natürlich dem\nVolk mit, das! ihre Produkte herstellen, vertreiben\nund verbrauchen hilft. Und daß durch ein gründ-\nliches Industriesystem auch allerlei sonstige Diszi-\nplin, ökonomische, juristische, hygienische, morali-\nsche, in der Volksmasse ausgebildet wird, ist ohne\nweiteres selbstverständlich; Bernard Shaw hat dar-\nüber im letzten Akt seiner Komödie „Major Bar-\nbara\" sehr räsonabel phantasiert.\nBleibt somit lediglich auszuprobieren, ob in der\nTat unsere Industrie — in Arbeitgebern wie Arbeit-\nnehmern — schon so starke Kulturpotenzen um-\nspannt, daß sie die übrigen Machthabergruppen von\nihrem Vorzugsrecht überzeugt, zum Beispiel die\nHerren Agrarier und den nicht minder herrlichen\nKlerus. Sobald die geistig bedeutendsten Macht-\ngruppen eine dauernde Hebung ihrer Wohlfahrt,\nsei es direkt oder indirekt, von einer materiellen\nTendenz erwarten, schlägt diese bereits ins Ideelle\num, in eine sozialpolitische Sympathie aller Stände,\ndie sich1 bis zu religiöser Ekstase und poetischem\nEnthusiasmus steigern kann; siehe die Zeit der\nKreuzzüge, die aus agrarischen Interessen empor-\nkam. Dergleichen geht meist viel rascher vor sich,\nals die fixen Idealisten glauben; aber ehe es wieder\nmöglich wird, müssen freilich erst die führenden\nGeister der einzelnen Berufskreise mehr Fühlung\nmiteinander erlangen, als zur Zeit bei uns vorhanden\nist, mehr Achtsamkeit und mehr Verständnis für die\ngegenseitigen Ergänzungswerte. Inzwischen hat\njederman im Volk, erst recht aber jeder leitende\nMann, das Eine zu tun, das immer nottut: seine ver-\ndammte Pflicht und Schuldigkeit. Bildung predigen\nkann der nichtsnutzigste Nörgler; gute Lehren sind\ngut, gute Vorbilder besser. Im eigenen Beruf et-\nwas Tüchtiges feisten und fremde Tüchtigkeit an-\nerkennen, das ist schließlich die beste Kulturpolitik,\nKurz: möglichst wenig davon reden im allgemeinen,\nmöglichst viel im besonderen dazu tun! In diesem\nSinne könnte die Großmacht „Presse\" aufs beson-\nderste vorbildlich wirken; notabene, wenn sie endlich\nwollte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "212", "page_fin": "214", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.4", "titre_corps": "Der Fluch des Magiers Anateiresiotidas", "titre_sommaire": "Der Fluch des Magiers Anateiresiotidas", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.2", "debut_caractere": 5223, "fin_caractere_exclue": 5283, "texte": "Der Fluch des Magiers\nAnateiresiotidas\nVon Albert Ehrenstein"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.2", "debut_caractere": 5294, "fin_caractere_exclue": 13130, "texte": "Begünstigt ward das Vorhaben der Ge-\nschädigten, in ihren heiligsten Rechten Geschädig-\nten, durch die übereinstimmenden Erklärungen der\nMohnkipfelbeschwörer. Es nahe die Zeit, da das\nallerhöchste Herrscherhaus von dem Fluche be-\nfreit sein werde — dies gaben sie vor in den\nSternen und Wurstabschnitzeln gelesen zu haben.\nWie jedoch den Prinzessinnen kälteres Blut bei-\nbringen, ein Gefühlsniveau, auf dem den an das\nbeste Mannsfutter gewöhnten Damen sogar Ju-\nristen annehmlich schienen? Auf die erste Nachricht\nvon so entsetzlicher Zumutung ging wie ein ver-\nhaltener Wutschrei ein gewaltiges Rauschen des\nZornes durch1 die Kleider der Betroffenen, ja sie\nhätten mit einem Fächerschfag der Entrüstung ihre\nZimmer verlassen, wenn nur jemand darinnen ge-\nwesen wäre. Ihnen Juristen antragen, Leute, deren\nkühn in die Brillen geschwungenen Schnurrbarte\nkeineswegs für ihre vornehmlichen Glatzen ent-\nschädigen konnten, helltönende Glatzen, die sich\nnicht einmal durch das berühmte Haarwuchsmittel\n„Kapital\" aufforsten ließen! Alles bäumte sich' in\nihnen auf. Juristen! Welcher feinere Prinz stu-\ndiert Jus, und wenn, wo steht es geschrieben, daß\nso ein Ausnahmsprinz eines johne Plagiat durch-\ngeführten rechtsphilbsophischen Aufsatzes fähig\nist? Juristen heiraten! Menschen, die um der\nschnöden Leibesnotdurft willen Jahrzehnte lang\nSchweißgeruch ansammeln, denen man es ewig an-\nriecht, daß sie einst oft ein Paar Frankfurter mit\nKrenn für ein opulentes' Mittagmahl gelten ließen\n. . . Die Prinzessinnen fielen in Ohiimacht. Jede in\nihrem Zimmer. AIS sie wieder zu sich kamen, war\nihr Wille gebrochen . . . Zehn Roßhähne wurden\nden Göttern der Unterwelt: geopfert, dann faßte der\nErzeuger den Beschlüß, die Liebesneigungen der\nweiblichen Angehörigen des Königshauses durch\nHypnose abzutöten. Und so geschah es, nachdem\nerst das Zustimmungstetegramm vom Delphischen\nOrakel eingetroffen war. Wohl gab es! noch geraume\nZeit harmlose Rückfälle, den Schwimmhäuten man-\ncher Menschen vergleichbare atavistische Hervor-\nbringungen von unschuldigem Spielzeug verscholle-\nner Generationen, als: Tennisrackets, Diabolos,\nTrompeten, Automobilbrillen. Doch! schwand dies\nmit den Jahren, und jener Wackere hätte Gift dar-\nauf nehmen mögen, daß die Prinzessinnen dieser\nFamilie ebensowenig Liebe oder tiefere Neigungen\nempfänden, wie die irgend eines ahderen Hauses.\nAlle Welt schickte nun die Kinder auf die Gym-\nnasien. Denn war früher eine Königstochter vom\nDrachen zu befreien, Tapferkeit und weitvoraus-\nblickende Klugheit, ein andermal für eine derartige\nErwerbung rätsellösend-einfältige Schlauheit von-\nnöten gewesen, dem an unsere Epoche heranreichen-\nden aufgeklärten Zeitalter war es entschieden ge-\nmäßer, die Hand einer Fürstin an die durch! den\nBesitz eines eigentümlichen Namens verschärfte Ab-\nfassung eines rechtsphifoisöjphischen Essays zu\nknüpfen.\nWelch ein Wetteifer unter den Juristen sowohl\ndes Königreiches Sirvermor äIS auch der anderen\nLänder! Sogar der arme Herrscher von Suminoye,\ndem sein Herzogtum abgebrannt wir, ließ seine\nSöhne Jus studieren bis sie schwarz wurden. Bald\njedoch' schwoll der Fleiß ab: die Aemter hatten\nalle Bittschriften um Namensänderung abschlägig\nbeschieden und auch die mannigfaltigen Versuche,\ndurch Beifügung des! mütterlichen Namens oder\ndurch Adoption zum Ziele zu gelangen, sie waren,\nnachdem eine Saigon lang Leute namens Sir oder\nSirver hoch im Preise gestanden, durch Edikte ver-\neitelt worden, deren genauen Wortlaut jedermann\nkennen lernen kann, wofern er sich nur in einer\nBibliothek die betreffenden Nummern des sirver-\nmorischen Amtsblattes verschafft. Nicht ein Weich-\nherziger wie ich, ein anderer möge den Jammer\nder enttäuschten Eltern beschreiben, die vergebens\nihre Sprößlinge auf die Prinzessin hatten studieren\nlassen. Was mich anbelangt, so muß ich hier inne-\nhalten und einige ihrem gerechten Kummer ge-\nweihte Zähren weinen . . .\nAndererseits gingen entartete Untertanen in\nihrem Groll zuweit; sie waren es, die zuerst Real-\nschulen erfanden und gründeten, um möglichst viele\nJünglinge der Dynastie erlösenden Beschäftigung;\nmit den Rechtswissenschaften abspenstig zu machen.\nSo groß ist die Schlechtigkeit der Menschen!\nVon da ab redete man nur wenig von unserer\nAngelegenheit, Artikel höchstens in den Familien-\nblättern, angefüllt mit königstreuer Mathematiker-\nBerechnungen über die Wahrscheinlichkeit einer\nvölligen Aufhebung des! Fluches, erinnerten die Bür-\nger ab und px an jene unliebsamen Ereignisse.\nUnd damit wären wir bis! zu jener Zeit hinaufge-\nschritten, in der die eigentliche Geschichte sich ab-\nspielt. Erbprinzessin Jezaide Sirvermor lustwandelte\nim königlichen Garten. Ist doch der Frühling an-\ngekommen, auf seinen Schultern und Flügeln die\nSchären der Singvögel tragend. Ja, sie singen im\nköniglichen Garten die kleinen Nachtigallen, das\nheißt mit allerhöchster Erlaubnis und soweit sie\nkeinen Schnupfen haben. Aber nicht der Nachti-\ngallen Gesänge oder NiChtgesange lauscht ihre könig-\nliche Hoheit, Falte auf Falte schneidet sich in ihre\nAlabasterstirn, siehe: wie in tiefem Sinnen hebt sie\neine Hand empor, mit dem Rücken nach oben, und\nspricht zu ihrer Obersthofmeisterin: „Mir scheint,\nwill regnen.\" Und in dieser Haltung wollen wir\nsie verlassen.\nUm diese Zeit lebte in der Stadt Vienna ein\nedler Jüngling namensl Srimoverr, Baron Aeneas\nSrimoverr. Er brachte die üblichen Jahre in einem\ngeistlichen Gymnasium zu und widmete sie — wie\nbillig — einem zweifachen Studium. Auf der Bank\nlagen vor seiner Nase ausgebreitet lateinische Klas-\nsiker, unter dem Pult aber entzückte seine Sinne die\nLektüre klassischer Franzosen. Nachdem er seine\nebenso verschiedenartigen als eindringlichen Stu-\ndien durch das! Auftreten noch einiger Freiherren\nnamens Srimoverr und eine sogenannte Schluß-\nprüfung beendet hätte, beehrte er die juridische\nFakultät mit seinem Besuch, nicht so sehr, weil\nihn die Süssigkeit der Wissenschaft anzog, nein, eine\ndurch das: Bildnis Jezaidens geschmückte Zeitungs-\nannonce hätte ihn mit den Bedingungen vertraut\ngemacht, unter denen ein Königtum von den Di-\nmensionen des Reiches Sirvermor zu erringen war.\nUnd seine Liebe erlahmte nicht angesichts der\nSchrecklichkeit seiner Aufgabe. Zwar: es ist richtig,\nwenn der berühmte lygische Geschichtsschreiber\nMoses Maria Archivstaub behauptet, Aeneas habe\nsich selbst hinlänglich für seinen bewundernswürdi-\ngen Fleiß belohnt. Er benützte nämlich nicht nur\ndie reichhaltige Bibliothek seines Oheims, des Pri-\nvatdozenten für Rechtsphilbsophie Bartholomäus Sri-\nmoverr, sbndern auch dessen Gemahlin teilte von\njeher mit demselben Eifer das Lager des jugend-\nlichen Neffen, wie die Annehmlichkeiten, die Stel-\nlung und Güter des! gelehrten Gatten mit sich\nbrachten. Dieser Umstand aber sollte Aeneens Ver-\nhängnis werden. Der Tag, da er mit dem voll-\nendeten Werke sich1 zu seiner Tante begab, Ab-\nschied von ihr zu nehmen, der Tag ward sein Todes-\ntag. Tief, tief waren die beiden versunken, er in\ndas Vorlesen seiner Schrift, sie in ein enthusiasti-\nsches Lauschen, und die Doppelschritte des! nahen-\nden Gatten wurden erst gehört, als es zu spät war.\nKein zweckdienlicher Kasten im Zimmer, und schon\nschwang sich Aeneas, das kostbare Pergament in\nder Hand haltend, statt den Ehemann so ins Jen-\nseits zu stürzen, in unbegreiflicher Verwechslung\nselbst auf das Fensterbrett und sprang zum letzten-\nmal hinab in den Teich, dessen Wellen manchen\nUeberraschten geborgen haben mochten. Ach, dies-\nmal dürften die Mühen der Lektüre zu gewaltig\ngewesen sein. Des kühnen Tauchers Herz brach\ndarüber. Wild aufrauschten die Wasser, und indem\ner den Zwicker aufsetzte, sprach der Privatdozent\ndie geflügelten Worte: „Traun! ich habe doch\ndiesem Fischhändler gesagt, ich will nur echt Ibsen-\nsChe Karauschen. Und was hat der geschickt? Sind\ndas Ibsensche Karauschen? Mutwillige Fische, die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6611, "texte": "sich hoch über das Wasser schnellen. Die müssen\nvon ganz wem anderen sein! Was meinst du dazu,\nRosa? Diesen Fall muß ich untersuchen. Magst\ndu mich begleiten?\" Sprach's und befestigte an\nder Angel1 eine künstliche Fliege. j\nIch würde gewiß nichts von dem Froschkönig\nerzählen, wenn es nicht für den Gang dieser Ge-\nschichte so unumgänglich notwendig wäre. Er saß\nganz harmlos im Teiche unter seinem Sonnenschirm\n— denn gerade, daß die Frösche keinen solchen\nbrauchen, ist das Feine daran, und darum hatte\nder Froschkönig einen und memorierte unter ihm\nseine Thronrede:\n„Wir Quakorax, König der Frösche, Blatt-\nläuse, Malariamücken und so weiter;\nkraft uralt angestammtem Recht beriefen\nhöchst wir alle Vasallen, die sei es\nzu Lande, sei's zu Wasser unser sind,\nauf diesen hohen Reichstag. Hört, hört! wir selbst\nund Ihre Majestät, die Königin\nQuagJaja, um sämtlichen Untertanen\nkund zu tun2 wie sie zu ehren wir\ngedenken, keinem unsrer Völker nah\nzu treten, keinem unsrer Achtung mehr\nnoch minder zu erweisen als dem andern:\nja! auf einem hälbüberschwemrnten Hügel,\nmit einem trocknen, einem hassen Fuße,\nstaatsrechtlich, nicht bloß so zu sagen! über\ndem Berg im übrigen auf astbefest-\nigtem Schaukelthrone unsl bewegend\"\nhier blieb der arme Quakorax vielleicht s'Chon zum\nzehnten Male stecken, diesmal, weil der Tote zu ihm\nherabgl'itt. Quakorax dankte den Göttern, daß sie\nihm für den Fall, als! er bei der Thronrede wirklich\nins: Stottern geraten sollte, eine solche Entschuldi-\ngung vor Quagl'ajen darboten. Kein Zweifel: der\njunge Mann, gewiß ein Kollege, hatte den un-\nerträglichen Leiden, die auch ihm eine Thronrede\nverursachte, durch Selbstmord ein Ende bereitet.\nKaum daß Quakorax sich und den Aermsten schick-\nlich beweint hatte, machte er sich an den Genuß\nder vermeintlichen Thronrede, die dem Toten aus'\nder klammen Hand zu winden, ihm vermittels' eines\nZaubers gelungen war, der so gewaltig ist, daß ich\nihn hier nicht näher schildern kann. Durch seine\nLektüre an den Rand der Verblödung gebracht,\ngriff er, mit seinem Lose zufriedener, nach dem\neigenen Manuskript. Da trieb vor seinen Augen\neine verlockende Fliege auf und nieder. Nach\nhartem Kampfe mit der Pflicht beschloß er in\nseinem Herzen, die Fliege nicht zu verschmähen,\nschon um nicht die Götter zu beleidigen, die ihm\nden leckeren Bissen wohl zur Belohnung seines aus-\ndauernden Fleißes; gesendet hatten. Es empfiehlt\nsich1, den Geboten der Unsterblichen mit beschleu-\nnigter Geschwindigkeit zu gehorchen, und so schoß\ndenn auch der gute fromme Quakorax also gleich\nohne etwas loszulassen, auf sein Opfer zu, verfing\nsich, ward ans Ufer geworfen und hauchte zappelnd\nseine Seele aus, welche geziemend zum Hades ent-\neilte. „Froschschenkel sind auch gut\", meinte Bar-\ntholomäus, „die den Göttern gebührenden Einge-\nweide misse ich mit Vergnügen.\" Dann bemerkte\ner, was er sonst erbeutet löste unverzüglich\nein Billet nach Sirvermor und ein zweites1, eine Um-\nsteigkarte in die Zukunft. Denn in dieser geht\nder folgende Teil unserer Erzählung vor sich.\nWährend der Fahrt, indem sowohl der Privatdozent\nin ihm eine Beschäftigung verlangte, als auch die\nSorgen des seligen Quakorax merkwürdigerweise\nauf ihn übergingen, begann Bartholomäus1 die\nThronrede auswendig zu lernen, und selbst als er\nder hold errötenden Jezaide den wenn auch un-\nzureichenden Sonnenschirm anbot, rezitierte der\nZerstreute noch immer sein „Wir Quakorax, König\nder Frösche \" Diese Phrasen, für unverfälschte\nWahrheit genommen, verfehlten nicht, einen guten\nEindruck zu machen; zudem: daß Srimoverr die\nErbin des Reiches so ziemlich vor den Unbilden\nder Witterung geschützt hatte, erschien den\nPriestern, die pf lichtigst darüber die Lage der Sterne\nund Butterbrotpapiere beobachtet hatten, ein dem\nLande heilweissagendes Omen und Symbol. Und\ndies' ist in unserer Geschichte, glaube ich, das1\neinzig Unglaubliche, das man nicht glauben kann:\neine alsbald angestellte Prüfung des reehtsphilosio-\nphischen Schriftchens ergab untadelige Resultate,\nkein einziges Plagiat! Worauf ohne weiteres wider\nBartholomäus die Vermählung eingeleitet wurde.\nFür den Verstand von Leuten, die in diesen\nanspruchslosen Seiten eine tiefsinnige Allegorie er-\nblicken wollen, etwa in Jezaide die Tochter eines\nHofrates! oder Sektionschefs zu sehen vermeinen, die\neinem simplen Dozenten zum Throne, id est zu\neiner •ordentlichen Professur verhalf, auch die an-\nderen, wahrlich nicht wenig verschlungenen Be-\ngebenheiten auf kraß realistische Weise ausdeuten\nmöchten — für den Verstand dieser Sorte von\nLeuten übernimmt der Verfasser keine wie immer\ngeartete Garantie, wenn sie nicht solch ruinösen\nVersuchen entsagen. Genannten Individuen aber\ntrotzdem gebührend entgegenzutreten, gesteht der\nAutor offen und ehrlich, daß der Zweck seiner\nscheinbar nichts weniger als tugendhaften Historie:\nsoweit ein solcher überhaupt vorhanden, ein hoch-\nmoralischer ist und hofft damit einer aufmerksamen\nLeserin nichts neues zu sagen. Er hält dafür, nach-\nträglich genug vor jenem verderblichen Geist ge-\nwarnt zu haben, der Zizipes sonst makellose Herr-\nschergestalt verunzierte. Wolle doch ein jeglicher\nseinem guten Rat gehorsamen und zur Taufe von\nErstlingen erscheinenden dreizehnten Zauberern\nkeine silbernen Stiefelknechte und beileibe keine\nschlechten Zigarren anbieten, noch auf künstliche\nFliegen mit zu übereiltem Zuschnappen bereitem\nRachen antworten. Denen, so mir nachfolgen wollen,\nsteht nicht bloß das Himmelreich offen, sondern\nihnen und nur ihnen wird mitgeteilt, wie sich\ndas Schicksal derer von Sirvermor-Srimoverr des\nweiteren gestaltete. Es läßt sich nicht leugnen, der\nProzentsatz an kleinen Mohren und Chinesen, den\ndie Prinzessinnen dieses Hauses auch nach jener\nSühnhochzeit herbeiführen halfen, er war und blieb\nein größerer, als er in den übrigen Königsfamilien\nUsus ist. Doch1 wer wird der Bösewicht sein, zu\nfordern, eine künstliche, zauberische Einrichtung,\ndurch die Länge der Zeit geradezu zur natürlichen\nAnlage geworden, möge wie mit einem Glocken-\nschlage zu bestehen aufhören?\nWas die speziellen Schicksale Jezaidens und\nih'resi Gatten anlangt, so beteuern manche Skribenten,\nbeklagte Mohren und Chinesen, in dem unzureichen-\nden Sonnenschirm bereits zart angedeutet, seien\ndurch die Unterschiebung der Preisschrift verschul-\ndet, und sei dieser Frevel nur darum nicht post-\nwendend ansi Tageslicht gekommen, weil Jezaide\nkeine Kinder hatte, was weniger der abgetöteten\nLiebe alsi dem gelehrten Charakter ihres Gatten zu-\nzuschreiben sei. Sonstige Erlebnisse des Ehepaares ?\nZur Beruhigung: und wenn sie nicht geboren sind,\nso sind sie auch heute nicht gestorben!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "213", "page_fin": "213", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.4.1", "titre_corps": "Menschenköpfe : IV / Paul Scheerbart", "titre_sommaire": "Menschenköpfe : IV / Paul Scheerbart", "signature_source": "Oskar Kokoschka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 68, "texte": "Menschenköpfe / Zeichnungen von Oskar Kokoschka\nIV / Paul Scheerbart"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "214", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.5", "titre_corps": "Teures Haupt", "titre_sommaire": "Teures Haupt", "signature_source": "Walther Heymann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.4", "debut_caractere": 6613, "fin_caractere_exclue": 7729, "texte": "Teures Haupt\nVon Walther Heymann\nDu lächeltest. Die Träne sah ich doch,\nBist Du betrübt? Du schweigst, geschlossner Augen.\nSo leidest Du? Seit wann? Im Wachen hast Du\nwieder so vieler Fremder Mut bewegt!\nWo gehn die nun — bleibst Du allein?\nRückst Du auch noch im Ruhm den vollen Arm,\nvertiefend mit den Brauen;\ndie Lippe spottet stillen Atemwehns,\nvoller, gestützter Wange, schwerer Lider.\nWach nicht mehr, Du geduldge Stirn!\nWo Kraft ist, da ist Schwere auch. So tief\nkannst Du nicht seufzen, als Dein Leid Dich gut\nund Einsamkeit Dich stark macht. Menschenarbeit\ndrückt, liebe Frau. Sehnsucht wird dann ein Flaum\nvon Müdigkeit, Mühe madht lieb.\nRollt um uns Arbeit rings dahin — Dein] Haar\nkaum zitterte, lährenreif, Feldstaub im Wind,\nnicht schwer noch leicht. — Ich weck den Willen\nnicht.\nTreibt durch den Schlaf Dein Blut, gehütet seis!\n— Nun siehst Du auf — groß, still\nUnd als wir rasch hinaufgestiegen sind\nzur Straßenbrücke, die von Arbeit bebt,\nwo sich das Eisen wälzt, Dampf schlingt, und wo\nso scharf\nund grell Metall durch Stimmen kreischt, da hörst\nund blickst\nDu vielem Fremden stumm vertraut vorbei."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "214", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.6", "titre_corps": "Der Revolutionär", "titre_sommaire": "Der Revolutionär", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.4", "debut_caractere": 7731, "fin_caractere_exclue": 9879, "texte": "Der Revolutionär\nVon Paul Scheerbart\nDer Gemeindelehrer Lehmann war ein Men-\nschenfreund; er beklagte täglich — beinahe stünd-\nlich — das große Unglück, das durch den Krieg\nin die Welt kam.\nUnd Lehmann beschloß, alle Gemeindelehrer zu\nGegnern des Krieges zu machen; in einem Rund-\nschreiben, das er für sein eigenes Geld drucken ließ,\nbat er alle seine Kollegen inständigst, der ihnen\nanvertrauten Jugend selbst von den Kriegstaten der\neigenen Nation fürderhin nicht mehr mit Begeiste-\nrung, sondern nur noch mit dem Ausdrucke herz-\nlichen Bedauerns zu erzählen.\nDieses Rundschreiben kam den Vorgesetzten\ndes' Menschenfreundes zu Gesicht, und es entstand\nim Volkssehulratsgebäude eine peinliche Stille; die\nLeiter der Vol!ks!schulangelegenheiten befürchteten\nsämtlich, daß derartig revolutionäre Rundschreiben\nauch in den Kreisen, die der Regierung nahe stehen,\ngelesen werden könnten.\nUnd man beschloß im Volksschulratsgebäude,\ngleich ganz energisch vorzugehen.\nUnd der Gemeindelehrer Lehmann ward Seines\nAmtes entsetzt, und Pensionsgelder wurden ihm\nnicht ausgezahlt.\nLehmann war Schwächlich gebaut und fand\nkeine andere Stellung ; es ging ihm immer schlechter,\nund seine Frau wurde täglich — beinahe stündlich\n— immer erregter.\nUnd Lehmanns Frau stürzte sich eines Nachts\nzum Fenster hinaus und blieb tot auf der Straße\nliegen.\nLehmann ging wie ein Träumender mit glasigen\nAugen umher und konnte gar nicht mehr ordentlich\ndenken.\nAuf einem großen Platze der Großstadt, mitten\nunter unsäglich1 vielen geschäftig dahineilenden\nMenschen, fing Lehmann, der Menschenfreund,\nplötzlich ganz furchtbar laut an zu lachen.\n„Nein!\" rief er dann immer noch lachend, „es\nkommt doch eigentlich auf ein Menschenleben mehr\noder weniger nicht an. Der Krieg ist eine ganz\nvortreffliche Einrichtung.\"\nUnd er ging lächelnd in die Destillation, die\ndicht neben dem Hause lag, in dem sich seine\nWohnung befand — und in der Destillation lächelte\ner immerfort, daß es den Gästen des Lokals un-\nangenehm auffiel.\nAls die Leiche seiner Frau vorbeigetragen\nwurde, lächelte er immer noch.\nDer Wirt der Destillation forderte den Men-\nschenfreund auf, das Lokal zu verlassen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "215", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.7", "titre_corps": "Elberfeld im dreihundertjährigen Jubiläumsschmuck", "titre_sommaire": "Elberfeld im dreihundertjährigen Jubiläumsschmuck", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.4", "debut_caractere": 9881, "fin_caractere_exclue": 11332, "texte": "Elberfeld im dreihundertjährigen\nJubiläumsschmuck\nVon Else Lasker-Schüler\n„Lottes1 doot, Lott es doot, Liesken leegt om\nSterwen, dat es! god, dat es god, gäwt et wat tu\nerwen!\" Ich1 bin verliebt in meine buntgeschmückte\nJubiläums'stadt; das rosenblühende Willkomm gilt\nmir, denn ich' bin ihr Kind, die flatternden Fahneq\nauf den Dächern, aus den Fenstern winken mir zu,\nlänge Rotschwarzweißarme, die mich umfangen\nwollen, Ich1 soll überall hereinkommen. Ich bin\nin Elberfeld an der Wupper in der Stadt der Schiefer-\ndächer. Hohe Ziegelschornsteine steigen, rote\nSchlangen herrisch zur Höhe, ihr Hauch vergiftet\ndie Luft. Den Atem mußten wir einhalten, kamen\nwir an den chemischen Fabriken vorbei, allerlei\nschärfe Arzeneien und Farbstoffe färben die Wasser,\neine Sauce für den Teufel. Aber nach Newiges! zu,\nwo die Maschinen ruhen, wie frische Drillingsbäche\nfließt die Wupper zwischen Wiesen und Wald-\nalleen. Aber ich bin verliebt in meine zahnbröckelnde\nStadt, wo brüchige Treppen so hoch aufsteigen,\nunvermutet in einen sjüßeui Garten, oder geheimnis-\nvoll in ein dunkleres Viertel der Stadt. Ich! mag\ndie neuen Bauten nicht — wer aber war die Urpatri-\nzierin des1 Rokokohauses aus der Friederizianischen\nZeit? Es lebt noch einbalsamiert zwischen jüngst\nzur Welt gekommenen Fabrikanten- und Doktor-\nhäuslern. Denn jeder etwas wohlhabende Bürger\nder Stadt besitzt ein Wohnhaus, worüber er Herr\nist. Portliersleute gibt es in Elberfeld nicht, frech-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5366, "texte": "gewordne Sklaven, die nach Belieben ein- und her-\naus lassen. Selbst viele Arbeiter leben im Eigentum\nihrer Mütter. Gequacksalbert hat die Alte an der\ngrünen Pumpe, noch heute heilt sie Krampfadern\nund Beingeschwüre. Und das berühmte Geheim-\nmittel1 gegen die Cholera hat der sterbende Groß-\nvater Willig dem Vater ins Ohr gelallt und der hat\nes wieder dem Sohn anvertraut und nun weiß es\nder Enkel, der wahrscheinlich seiner gesprächigen\nMutter wegen taubstumm ziur Welt kam. Und über-\nhaupt so seltsame Dinge gingen in der Stadt vor;\n— immer träumte ich davon auf dem Schulweg über\ndie Au. Manchmall lief ich durch graue, lose Schleier,\nNebel1 war überall; hinter mir kamen schauerliche\nMänner mit einem Auge oder loser Nacktheit; auch\nan Ziethens Häuschen mußte ich vorbei, der seine\nFrau erschlagen haben sollte, „ewwer en doller\nGesell wors gewäsen\". Oft ließ ich' vor Angst die\nBücher fallen oder der Ranzen hing mir nur noch\nhalb auf der Schulter. Nun grünt nicht mehr die von\nZäunen umgrenzte Au; Tore Verschließen Häuser;\nkein Schulkind kann mehr auf dem Wege zur Schule\nüäumen, jedes Fenster zur Rechten und zur Linken\nweckt es auf. Lebt der greise Direktor Schornstein\nnoch, der nicht wie die roten Schornsteine rauchte,\naber vor Zorn sb oft fauchte? Ich bin verliebt in!\nmeine Stadt und bin stolz auf seine Schwebebahn,\nein Eisengewinde, ein stahlharter Drachen, wendet\nund legt er sich mit vielen Bahnhofköpfen und\nsprühenden Augen über den schwarzgefärbten\nFluß. Immer fliegt mit Tausendgetöse das\nBahnschiff durch die Lüfte über das Wasser auf\nschweren Ringfüßen durch Elberfeld, weiter über\nBarmen zurück nach Sonnborn-Rittershausen am\nZoologischen Garten vorbei. Mein Vater mußte\nan den Sonntagen mit mir dorthin gehen, der be-\nmerkte nicht den Sekundaner mit der bunten Mütze.\nAuf dem Hügel im Tannenwäldchen am Bärenkäfig\nversprachen wir uns zu heiraten. — Ich muß an alles\ndenken und stehe plötzlich wie hingehext vor meinem\nElternhaus; unser langer Turm hat midi gestern\nschon ankommen sehen; ich fall ihm um den Hals\nwahrhaftig. Leute am Fenster des Hauses bemerken,\ndaß ich weine — sie laden mich ein auf meine\nBitte, einzutreten. Schwermütig erkenne ich die\nvielen Zimmer und Flure wieder. Auf einmal bin\nich ja das kleine Mädchen, das immer rote »Kleider\nträgt. Fremd fühlte ich mich in den hellen Kleidern\nunter den andern Kindern, aber ich liebte die Stadt,\nweil ich sie vom Schoß meiner Mutter aus sah.\nVon jeder Höhe der viel!en Hügel schwrebt noch ihr\nstolzer Blick wie ein Adler; und meines Vaters\nlustige Streiche stürmen eben um die Ecke der\nStadt. „Wat wollt Öhr van rneCk, eck sie jo sing\nDoochter.\" Das rettet mich vor der schon erhobenen\nFaust eines besoffenen Herumtreibers. Das ver-\nwilderte Jahrmarktgesindel rings um midi schwenkt\nmeine Kindheit immer wieder Von neuem wie in einer\nvielseitigen Luftschaukel auf und nieder. Das Ge-\nklingel der Karussellmusik, begleitet von Flüchen\nrauher Mäuler und Kreischen frivoler Weibsbilder\nist zärtlich meinem Ohr. Denn ich bin verliebt in\ndie Stadt der Messen und Karussells. Mein Begleiter\nversucht mich zu überreden, mit ihm den Riesen-\njahrmarktpl'atz zu verlassen. Aber ich muß noch\neinige Male Karussel fahren. „Lott es doot, Lott\nes doot', ich fahr für mein Leben gern; gerade die\naltmodischen Holztiere sind am fröhlichsten und\ndrehlichsten. Mein Leopard springt auf Raub.\nZwischen Aujust und Aujuste die Bewußte, hinter\nCaal! und Caaroline Alma, Luischen, Amanda. Gar\nnicht stolz bin ich — sie beginnen mich zu lieben.\nIch bin verliebt in meine Stadt, manchmal schrei\nich ganz laut auf, das! überzeugt das rohe,\nGesindel1. Den Härrn Schüler haben viele gekannt,\ner hat sie umsonst wohnen l'assen in seinen Häusern-\n— Wir gehen durch das1 Tor ins Elberfeld vor\n„dreihundert\" Jahren. Mina singt gerade im Tingel-\ntangel ihre Liebeslieder. In rosanen Atlaspantoffeln\nstecken ihre Kl'umpfüße, ein knappes Röckchen be-\ndeckt ihren Allerweltsleib. Diese Undame charak-\nterisiert das Chantant einer ganzen Zeit. Ich ent-\ngehe ihrem Spotte nicht, aber ich weiß ihr Achtung\neinzuflößen. Ist ihr Hals etwa nicht wie Milch?\nUnd zuguterl'etzt erkundige ich mich angelegentlich,\nwo man genau solche Pantoffeln bekommt in der\nStadt, wie die ihren sind. „Die sinn ut Engeland\nbei Paris.\" — Nun hinein ins Köllner Hälnneskein!\nGewaltsam zerre ich! den Dichter zwischen die\nClowns ins Innere des Brettertheaters. „Sie werden\nnoch gestochen werden wie Ihr Vater einmal1.\"\nDurch geine Uhr ging; die Spitze des Metzgermessers,\nAm anderen Morgen führten die jammernden Eltern\nden heulenden Sohn vor das1 fieberknarrende Bett\nmeines Vaters. Er wußte, daß sie kommen würden\nund drei Gläser und eine Flasche Rotwein standen\nzum Empfang auf dem Nachttisch. Aber er ächzte\nvor ScMnerz, namentlich, als1 die fette Metzgers-\nmutter begann, dat et dar wackere Här Schüfer ver-\nzeehen mödd Ich bin verhebt in meine Stadt,\naber schon muß ich Abschied nehmen wie von\neinem alten, düsteren Bilderbuch mit lauter Sagen.\nNiemand hat mich wiedererkannt, auch in Weiden-\nhof der Wirt nicht, der immer einen ganz kleinen'\nKellner für mich herbeischaffen mußte am Festtag,\nwenn wir dort Forellen aßen. Und die Einkehr in\ntneine Heimat habe ich einem Dichter in Elberfeld1 zu\nverdanken, der kam dorthin lange nach mir. Paul\nZechs' feine künstlerische Gedichte duften morsch\nund grün nach' der Seele des' Wuppertals."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "215", "page_fin": "215", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.8", "titre_corps": "Sommerabend im Park", "titre_sommaire": "Sommerabend im Park", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.5", "debut_caractere": 5368, "fin_caractere_exclue": 5992, "texte": "Sommerabend im Park\nPaul Zech\nNun geht der Wind wie ein vergnügter Junge\nDurch das vertiefte ruhende Rondell\nUnd horcht, und wirft bälfd stock;end und bald schnell\nDas schlanke Gras empor in schönem Schwünge.\nUnd Fackelglut steigt breit von den Altanen,\nWogt und verschwistert sich in vagem Sinn\nMit Ruß und Rauch und wird zur Tänzerin.\nUnd Frauen, die verlliebte Feste planen,\nKreisen die dunklen Gänge ein und wallen\nMit praller Brust, als müßten sie gerührt\nDer wachen Kühle in 'die Arme fallen. —\nUnd immer weher winken Bank und Lauben;\nBis durch die tropfenden Akazientrauben\nMit blöder Wucht der gelbe Vollmond friert."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "215", "page_fin": "216", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.9", "titre_corps": "Die Bildungsphilister", "titre_sommaire": "Die Bildungsphilister", "signature_source": "Hans Mayer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.5", "debut_caractere": 5994, "fin_caractere_exclue": 12507, "texte": "Die Bildungsphilister\n\nDie Kampfmittell der Masfee sind raffinierter,\ntätlicher, entscheidender als alle subtilen Gifte der\nIntellektuellen, die unfruchtbar und wirkungslos vor\nihrem breiten Gesäß zerfallen. Zart ausgestanzte\nBegriffe, mit einer wundervollen Explosivkraft be-\ngabt, werden mit einer plumpen Geste unter Wasser\ngesetzt: sie werden populär. Keusch muß die Seele\nsich selbst verzehren: was sichtbar wird, gleitet\nan zahllosen Händen zwischen die rastlosen Kiefer\nder öffentlichen Kulturvertreter. Das ist eine mora-\nlische Erwägung, aber ihr entquellen die geringen\nVersuche zur Abwehr: die Versuche, Distanzen ein-\nzuschalten, Cliquen zu bilden, hieroglyphenhafte und\nhochmütige Geheimst rächen einzuführen. Doch\ndiesem bunten Feuerwerk kreist eine ungeschändete!\nSehnsucht zu gründe.\nAls Friedrich Nietzsche die leicht geölte Be-\nkennerstirn David Friedrich Strauss mit der zarten\nGloriole des „Bildungsphilisters\" umwand, war noch\nrauchende Schwefelsäure in diesem Begriff, die ihren\nGegenstand behutsam zu einem farblosen Pulver\nzerfraß. Und wie der Kritiker, der Prosaist Strauß\nsich der Geschichte auch darbieten wird: immer\nwird die geschwungene Geste seiner leicht tremo-\nlierenden Männlichkeit ein koketter Zipfel der ge-\nspitzten Nachtmütze rhytmisCh begleiten.\nNun ist der Begriff des Bildungsphilistersi ein\nKonversationsmittel1 geworden. Seine Schwefelsäure\nist ihm durch allzu zudringliche Benachbarungen\nentzogen. Aber sollen wir es nicht bedauern? Der\nTypus hat sich in vierzig Jahren nur noch reiner\nherausgestellt — wer erkennt in dieser Beschrei-\nbung nicht den Habitus1 jener Voteerzieher, dies\nihrer barbarischen Seele durch allzu nachdrückli-\nchen Lebensernst eine grelle Folie geben? „Er\nnimmt um sich herum lauter gleiche Bedürfnisse\nund Ansichten wahr; wohin er tritt, umfängt ihn\nauch sofort das Band einer stillschweigenden Kon-\nvention über viele Dinge, besonders in Betreff der\nReligions- und Kunstangelegenheiten: diese impo-\nnierende Gleichartigkeit, dieses nicht befohlene und\ndoch sofort losbrechende tutti unisono Verführt ihn\nzu dem Glauben, daß hier Kultur walten möge,\nAber die systematische und zur Herrschaft ge-\nbrachte Philiisterei ist deshalb, weil sie System hat,\nnoch1 nicht Kultur und nicht einmal schlechte Kultur,\nsondern immer nur das Gegenstück derselben, näm-\nlich dauerhaft begründete Barbarei\". Nietzsche, der\nUnzeitgemäßen Betrachtungen letztes Stück. So\nreckt sich vor ihm selbst sein Bild gigantisch aus:\ner findet sich herrschend in allem und die Instinkte\nseines schwachen Kopfes als! die Bedürfnisse des\nParterres, das die Peripherie seines Horizontes um-\nschreibt. Das ist sein Bild: ehrfurchtslos und voll\nAberglauben an die Historie, vorurteilsfrei und durch\nunreife Dogmen geknechtet, allem benachbart ohne\njemandem nahe zu sein, alles verstehend und alles\nunsäglich verdünnend, was sein polypenhafter Geist\nin seine Kreise zieht. Der Hel'otentrost des ehrlichen\nWollens sei ,ihhi ohne weiteres gegönnt — gerade\ndies, seinen präzeptorischen Eifer und seine stee-\nlische Wurzellosigkeit betonend, wird es zur Pflicht,\ndie Syntax des kritischen Verkehrs durch die Reini-\ngung des Wortes Bildungsphilister zu bereichern.\nEs gilt, die Aktualität des Begriffs an Erschei-\nnungen, die unsere Zeit uns darbietet, aufzuzeigen.\nDie Auswahl hat also nadh dem Prinzip der Natur-\nwissenschaft zu geschehen: sie vollzieht sich nicht\ndurch die Frage nach dem privaten Wert s'ondern\nder deutlichen Ausprägung der die Art charakte-\nrisierenden Merkmale. Nur unter dieser Voraus-\nsetzung wird die Beschäftigung mit den einzelnen\nBeispielen begreiflich werden. Aber es muß gestattet\nsein, den Aerger in einer gewissen munteren Belebt-\nheit zum Ausdruck zu bringen.\n...Der „Tag\" ist eine Zeitung, die mich infolge\nder Mitarbeit Alfred Kerrsi zu seinen Abonnenten\nzählt. Dieser Zustand wird mir durch 95 % der\nMitarbeiter unsäglich erschwert. Es ist eine gelinde\nRache, wenn ich einen von ihnen mit einer höf-\nlichen Verbeugung zu mir auf die Bühne bitte.\nDer Hauptpastor des „Tag\", meine Herren, ist\nArthur Brausewetter, der dünnsten, leersten und\ngesalbtesten Köpfe einer. Er verbindet die auf-\nrechte Fortschrittslust demokratischer Verbands-\nvorstände mit dem überflüssigen Verständnis alles\nmenschlichen, das eben noch in peinlich-humanen\nDramen langsam verlischt. Es ist unglaublich, was\nder Brausewetter alles versteht und verzeiht — es ist\nunglaublich, wer und was' sich alles von ihm ent-\nschuldigen lassen muß. Die Zeit der „Zarathustra-\nPredigten\" ist doch1 Gott sei Dank vorbei — warum\nserviert uns dieser Herr jene provinziellen Halb-\nheiten, die einem Viertelskopf kaum noch eine spär-\nliche Originalität anwehen? Oft haben wir, meine\nFreunde, dieses laue Geschwätz unter Lachen und\nAerger vergessen: aber was er eben im „Tag\" ser-\nviert, dieses Gemisch aus Oel, Honig und VasCline,\nund noch dazu mit dem wohlmeinend ausgestreck-\nten Zeigefinger in den Schlund gestoßen, wer erträgt\ndas1 noch ?\nAl!so: „Die Tragik des Philosophen\". Von\nArthur Brausewetter.\n„Die Erkenntnis ist nicht nur Lust- sie ist auch\nSchmerzgefühl, sie vermehrt im gleichen Maasse das\nLeben wie den Tod. Will sie in den letzten Grund\nalles Seins eindringen und dasUnerforschliche erforschen,\nso gräbt sie sich sehend das Grab. Wer Gott schaut\nstirbt.\"\nEin schleppend getragener Talar, der eine breite\nWelle lilafarbener Tinte hinter sich her zieht (aber\nder Saum ist schwermütiges Violett). Wer hat je\ngeglaubt, daß das' wahr sein könnte! Nunmehr kann\nkeine Frage sein, was der Wille zum Leben — auch\nein schmelzender Lyrismus der brausewetterschen\nTheologie — sich wählen muß. Natürlich: die Phi-\nlosophie gräbt sich sehend ihr Grab, wenn sie in den\nletzten Grund des' Seins eindringen will. Herrrrr! Als\nSie, den ich bei Gott alte1 einen würdigen Mann in der\nbehäbigsten Rundung der Jahre vermute, noch das\nAlphabet erlernten, dessen Sie sich jetzt zu so\nschändlichen Zwecken bedienen, wagte man solche\nWeisheiten nicht mehr auszusprechen: aus Furcht\nvon einem philosophischen Kalendermacher des Pla-\ngiats überführt zu werden. In seelisch ausgetrock-\nneten Zeiten suchte tnan die Substanz von Versen\nso festzustellen, daß man ihren „Inhalt\" in Prosa\nausdrückte. Dampfen Sie ihre windgeschwellte\nPhrase ein, und wenn Sie dem Präparat nicht schau-\ndernd gegenüberstehen, gänzlich ergriffen ob sol-\ncher Banalität — ich bitte mir die Vollendung des\nSatzes ersparen zu dürfen. Schmerz und Lust des\nEreknnens — von welcher armseligen Wiese pflückt\nman nur solche Blümchen ?"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2516, "texte": "Aber Ihr erhabener Begriff von Philosophie,\nkann es billiger nicht machen.\n„Gott schauen ist das Ziel der Philosophen, sofern\nihm sein Amt ein königliches ist und nicht Klein-\nkrämerei in allen möglichen Spezialitäten.\"\nWenn anders diese Worte einen Gedanken aus-\ndrücken sollen: wird die Philosophie zu einem\nrunden, metaphysischen Problem beschnitten und\nalle Untersuchungen, die nicht unmittelbar das Ver-\nhältnis zu Gott analysieren, werden als „Kleinkrä-\nmerei in allen möglichen Spezialitäten\" rubriziert.\nUnd die armseligen Spezialitäten belächelnd, ruft\nArthur Brausewetter seinen königlichen Geist und\nschwebt mit steigern Ruck aufwärts zur Höhe: nur\ngelassenen Mundes aus den gerafften Rockschößen\ndiesen Satz noch fallen lassend:\n„Eine Philosophie Von Eigenart bleibt stets eine\nKundgebung ersten Ranges und schliesst in sich das\nwissenschaftliche und künstlerische Gebiet zusammen.\"\nDie vonendete Unbestreitbarkeit seiner Meinun-\ngen erregt mich nicht minder wie ihr ehrwürdiges,\nAlter. (Kleine Entgleisungen wie die obenbenannte\nsind weit weniger interessant.) Diese brutale Rück-\nsichtslosigkeit, Selbstverständliches mit einer Geste\nhinzuschleudern, als sei aus dem dumpfen Kreis\nder Träume eine neue Heils'wahrheit gehoben —\ndiese Energie der Lungenverschwendung entwaffnet\nmich eigentlich. Wer eis| sich bei dieser; Gott sei Dank\nwieder auftauchenden Temperatur zutraut, eine ge-\nwisse Beschleunigung seines Blutumlaufs aufs Spiel\nzu setzen, lese den Aufsatz selbst zii Ende. Mir bleibt\nnur noch übrig, ein paar Worte allgemeinerer Natur\nhinzuzufügen.\nEin Journalartikel muß nicht um jeden Preis!\ndie Welt revolutionieren wollen. Neue Wahrheiten\nsind zum Kaffee nicht einmal erwünscht. Ich würde\nnie eine Zeitung anrühren, wenn so ernsthafte Dinge\ndrohen. Wenn aber ein Kopf absolut unfähig ist,\nlängst Allgemeingut gewordenen Gedanken irgend\neine persönliche Form zu geben, sie irgendwie\nzum Thema in eine unerwartete Beziehung zusietzen:\nso soll er seine Verallgemeinerungen für erbau-\nliche Tischreden aufsparen und sie ängstlich dem\nDruck entziehen. Dann ist mir schon einei anspruchs-\nlose sachliche Darstellung des Inhalts sympatischer\nafe diese orphischen Töne, in die eine alte Blech-\nflöte widerlich hineiaquietscht. Und alles überstrahlt\nvon dem aufdringlichen Gefühl einer persönlichen\nBedeutsamkeit, daß man schreckensvoll sich das\nWagnis überlegt, den/ Koloß Vorsichtig mit einer?\ndünnen Nadel' zu berühren: aus Furcht in über-\nstürzenden Wasserströmen gänzlich zu ersaufen.\n\nHans Mayer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.10", "titre_corps": "Tristan in Wien", "titre_sommaire": "Tristan in Wien", "signature_source": "Adolf Loos", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.6", "debut_caractere": 2518, "fin_caractere_exclue": 4659, "texte": "Tristan in Wien\nAdolf Loos\nTristan wurde neu ausgestattet. Professor Roller\nmit den Arbeiten betraut. Der Vorhang ging auf.\nAber ich hörte nicht die Stimme desi jungen See-\nmanns. Meine Augen waren zu sehr beschäftigt.\nWas ist denn das für ein Schiff? Schief durch-\nschnitten. Längsschnitt oder Querschnitt? DieMil1-\ndenburg ist gut bei Stimme. Querschnitt oder\nLängsschnitt? Na, wir werdens ja gleich sehen.\nDer Vorhang wird bald aufgehen. Luft, Luft.\nEndlich. Es ist der Querschnitt! Gott sei\nDank! Länger hätte ich's' nicht mehr aus-\ngehalten. Aber was ist denn das? Tristan\nsegelt und steuert zugleich. Das hat Roller sidher\nam Attersee gesehen. Befehlen ließ dem Eigen-\nholde! Oder am Gmundner See. Gmunden. Dort\nist Altenberg. Ob er wohl bald nadh Wien kommt?\nWie lenk' ich sicher den Kahn? Das ist ja Schme-\ndes. Warum nicht Winkelmann? Winkelmaun\nwird sich ärgern. Aber schließlich, was geht's mich\nan. Hei, unser Held Tristan Brangäne\nzieht den Vorhang wieder zu. Sie hat ein hübsches\nKostüm an. Das würde meiner Frau sicher gut\nstehen. Bei einem Künstlerfest oder so was. Wie\nlenkt er sicher den Kahn . . . Das hat die Milden-\nburg von der Klaus-Fränkel aus Prag. Jetzt kommt\nbald der Liebestrank. Wo er wohl steht? Zu viele\nKassetten stehen hier herum. Gut arrangiert. Der\nTeppich ist von der Prag-Rudniker. Habe ich auch\nschon verwendet. Für Vorzimmer. Die vielen Pol-\nster machen sich auch gut, Sandor Jaray kann's\nnicht besser machen. Ich sah ihm in die Augen.\nDer wird sich ärgern, daß ihm Roller die Idee\nvorwegggenommen hat: „Damenboudoir im nor-\nmannischen Stil!\" Aber welche Kassette enthält den\nLiebestrank? Aha, also die! Hab' mir's gleich ge-\ndacht. Aber wozu ist denn die andere da? . . .\nAm Schlüsse des Aktes wurde meine Neugier\nbefriedigt. Die Frauen gingen auf die bewußte\nKassette 10ß, öffneten sie — die Krone!! Sehr\ngut. Darauf w,äre ich nicht gekommen.\nDer Vorhang fiel. Man applaudierte. Und plötz-\nlich fuhr ich auf. Also so, so hast dta den Tristan\nangehört. Ich begann mich zu schämen.\nIch lief hinaus. Nein, so darf man nidht im\nTristan sitzen. Ich! ging nach Hause.\nMan hatte mir etwas Heiliges genommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.11", "titre_corps": "Wolfgang Erich und Wolfgang Amade", "titre_sommaire": "Wolfgang Erich und Wolfgang Amade", "signature_source": "J. 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Wozu aber der' Von einem\nsterblichen Musikreferenten angefochtene Genius\neines Unsterblichen nicht lebendig genug war, dazu\nleuchtete der tote Glanzpunkt des' Festes hin;\nein Rout beim Erzherzog Eugen. Gelegentlich eines'\nlängeren Gespräches mit Karpath zeigte sich der\n„überaus kunstsinnige und populäre Prinz aus dem\nkaiserlichen Hause\" als ein ausgezeichneter Kenner\nder gesamten Wagnerliteratur, also auch der\nBriefe Wagners an eine Schneiderin, die bekannt-\nlich Karpath herausgegeben hat. — Doch auch*\neinem improvisierten Konzert, weil1 er nicht genug\noffiziellen beiwohnen mußte, konnte der Erzherzog\nnicht entraten. Ein Besuch, den er einer Dame\nim Hotel Oesterreichischer Hof abstattete, sollte\nihm zum Verhängnis werden. Im Vestibül des Ho-\ntels1 wurde er auf den Mtisikreferenten der Neuen\nFreien Presse aufmerksam gemacht. Der erwartete\n.mit seinem Söhnchen Erich Wolfgang eine illustre\nGesellschaft, welcher er vorspielen sollte. Der Erz-\nherzog, der von dem Knaben s' d hon v i e I g e hört\nh a 11 e, wünö'Chte nun dringen d, dem Konzerte\nbeizuwohnen. Die Gesellschaft, in der sich wie\nüberall „vor allem\" der Franzose Paul Dukas be-\nfand, begab sich in den Musiksalon, aber der Kleiine\nkonnte da nicht spielen, weil das Klavier schlecht\nwar. Zum Glück wohnte das! Ehepaar Beschetitpky\nim Hotel, und dieses stellte Wolfgang Erich1 einen\nherrlichen Bösendorfer zur Verfügung. Nur dem\nKonzert beiwohnen wollten die beiden nicht. Sie\nversuchten, sich diskret zurückzuziehn, aber der\nErzherzog nötigte siie zu bleiben. Dann erst ließ\ner sich von dem kleinen Korngold eine ganze Reihe\nvon Musikstücken vorspielen. Er äußerte seinem\nVater gegenüber, daß er überaus erstaunt sei —\nund sich freue, daß Oesterreich wieder ein Talent\nhervorgebracht habe.\nMozart muß sich damit begnügen, ein Kind\nSalzburgs genannt zu werden, aber der kleine Korn-\ngold ist ein Talent, das Oesterreich hervorgebracht\nhat. Wenn ihn nur nicht am Ende Ungarn für sich\nreklamiert.\nUnd Paul Dukas, genannt der französische\nRichard Strauß, war ganz entzückt von den Vor-\nträgen des1 Knaben, er nannte ihn, dem erzherzog-\nlichen ein königliches1 zur Seite stellend, ein großes\nWunder.\nWeil wir nicht schon an einem deutschen\nRichard Strauß genug haben, wird uns1 noch ein\nfranzösischer in Aussicht gestellt.\nWem aber das! 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Allen, die Wert auf schone und gesunde Zahne legen, sei\ndaher Kosmin zu taglichen Mundspiilungen bestens empfohlen. Ein Versuch fiihrt erfah-\nrungsgemass zu dauerndem Oebrauche. 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Individuelie arztliche Behandlung.\nDie Kflche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervenschwache, Magen- und Darmleiden, Gicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Letter: Dr of. med, W. Hotz\nSanatorium\nPost Mellenbach_ bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege persCnlicher\nKultur und gesunder Lebeng-\nansehauungen, dient untere\nMonatsscbrift nGeßonde«\nLebenu, von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. Abonn. M. 3,60 p. 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Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe. Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJ&hrlich zwOlf starke Hefte mit Bei-\ntrSgen berlihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deulscher\nForscher erhalten den Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, fOrdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7.20. Jahresabonnement Mk. 5.50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbenummer gratis and franko\nInserate finden im „Forscherw\n.*. wirksamste Verbreitung .*.\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\nO Geschaftsstelle: O\nForscher - Verlag , Hannover"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c021", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "217", "page_fin": "217", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.7", "debut_caractere": 2456, "fin_caractere_exclue": 2820, "texte": "illllllllllllllllll!lll!ll!!llll!!llll!!llll!il!!ll!ll!lllll!lllll!llllllllll!!llll!!l!llli|l\nDieSacftel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\n:: Mr. 305/6 ::\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\nn\nnn\nM\nAus dem Inhalt:\nSchftnebeckmesser :: M\nDie Kretensische Frage B\n'■ a\nÜBERALL ERHALTLICH I\nl)tllll!llllllllllllllillllll!lllllllllllllllllll!!l!lllil!!llllllll!ll!l![|!lllll!lll!l(il"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c022", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "217", "page_fin": "217", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.7", "debut_caractere": 2822, "fin_caractere_exclue": 4130, "texte": ".\".\"f'En™ Friedr. Mester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lelirer, Akademiker Oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung). Orilndliche\nEinfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationales\nStudium aer Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fiir ein mehr-\njlhriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfflhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Bflro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur .\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. 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November\nPlakatkunst :: Graphik :: Eintritt\njederzeit :: Naheres Prospekte\nHANS BALUSCHEK\nMaler\n:: Schulatelier fiir Damen ::\nBERLIN W., Lutzow-Strasse 82\nAtelierhaus, linker Aufgang\nProspekte Brief-Adresse:\nSchoneberg - Berlin, Vorberg - Strasse 15"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-01-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-01_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-09-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "218", "page_fin": "218", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.8", "debut_caractere": 1707, "fin_caractere_exclue": 1821, "texte": "MALSCHULE\nSystem L.v. 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SEPTEMBER 1910/ WIEN\nNUMMER 27\n\nDie Dämonische Samuel Fridolin\n\nINHALT:\nRICHARD DEHMEL: Nationale Kultur-\npolitik / ALBERT EHRENSTEIN: Der Fluch des Magiers\nAnateiresiotidas / WALTER HEYMANN: Teures Haupt /\nPAUL SCHEERBART: Der Revolutionär / ELSE\nLASKER - SCHÜLER : Elberfeld im dreihundertjährigen\nJubiläumsschmuck / PAUL ZECH: Sommerabend im\nPark / HANS MAYER: Die Bildungsphilister / ADOLF\nLOOS: Tristan in Wien / J. A.: Wolfgang Erich und\nWolfgang Amade / OSKAR KOKOSCHKA: Menschen-\nköpfe IV: Paul Scheerbart / Zeichnung\n• ' ■■■\n\nNationale Kulturpolitik\nEin Gutachten von Richard Dehmel\nDie Möglichkeit einer Kulturpolitik wird wohl\nniemand in Abrede stellen; die Geschichte der\nVölker und Staaten zeigt, daß Kulturpolitik zu allen\nZeiten und in allen Ländern getrieben wurde. Man\nbraucht nur Namen wie Perikl'es und die Medici,\nAugustus und Louis XIV, William Ceciil und Fried-\nrich den Großen zu nennen, und wir erinnern uns an\nEpochen planvollster Zusammenfassung der pro-\nduktiven Einzelkräfte um der organischen Volks-\nbildung willen, auf kleineren wie größeren wie\nganz großen Staatsgebieten. Und nicht bloß per-\nsönliche Oberhäupter, aueh regierende Körper-\nschaften haben solche Politik getrieben; Beweis die\nRepublik Venedig, die Niederlande, die Hansestädte.\nAllerdings waren diese Körperschaften noch durch-\nweg Aristokratien und beherrschten nur kleine\nVolksgebilde; auch die sogenannten Demokratien\nder altgriechischen Stadtgemeinden hatten tatsäch-\nlich patrizischen oder sonstwie oligarchischen Zu-\nschnitt. Es fehlt daher an historischen Analogien\nzu den Herrschaftsformen der Gegenwart, die in\nden großen Staaten Europas! aus alten aristokrati*\nsehen und neuen demokratischen Machtzluständen\nunklar gemischt sind. Das aber ist ausschlag-\ngebend für die Entscheidung der Frage, ob\nsich heute die Kristallisation der nationalen\nKul'turtendenzen erfolgreich beschleunigen läßt\noder nicht. Denn erstens muß die Nation schon,\nreif sein für solche höchst raffinierte Politik, sonst\ntut der naive Volksgeist nicht mit oder wird in\nGrund und Boden verdorben; und zweitens ist\nPolitik nur erfolgreich! durch eine starke Machthaber-\nschaft, wie immer geartet diese sei. An sich ist frei-\nlich die Unklarheit der Machtverhältnisse kein\nGrund, daß es! nicht Zeit zur Klärung sein könnte;\nkein Mensch weiß im Voraus, wie reif ein Volk\nist. Also braucht man sich bloß nodi den Kopf\nzu zerbrechen, ob die verschiedenen mächtigen\nLeute, die sich' heute als Volksvertreter fühlen,\nhinlänglich einig darüber sind, woraufhin kultiviert\nwerden sjoll.\nKulturpolitik irgendweldier Art wird ja allent-\nhalben genug getrieben, in Deutschland eher zu viel"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.2", "texte": "als zu wenig. Potentaten, Finanzbärone, Minister,\nParlamente, Parteien und Kongresse, Demagogen\nbeiderlei Geschlechts, Universitäts-Professoren,\nVolksschullehrer, Literatenkliquen und Zeitungs-\nredaktionen, alle schwingen das Wort „Kultur\" im\nMunde und greifen sogar in die Tasche dafür, teils\nin die eigene, teils! in fremde, und natürlich immer\nfür „wahre\" Kultur. Aber mit welcher Sorte wahrer\nKultur man das ganze Volk zu beglücken gedenkt,\ndavon ist wohlweislich nie die Rede; sie könnte\ndoch gar zu deicht unwahr tönen. Trotzdem ist einzig\ndies der Rede wert. Nationale Kultur bleibt ja leere\nPhrase, wenn sie nicht ein humanes Programm be-\ndeutet: bestimmte Veredlungswerte der Menschheit,\ndie das Volk selbstbewußt in sich1 ausbilden soll.\nAllgemeine Bildung ist nur ein Ziel für hochbe-\ngabte Persönlichkeiten; im Durchschnitt des Volkes\nläuft sie leider auf allgemeine Verbildung hinaus.\nGar eine schöngeistige Bildungspflege ist fürs ge-\nsamte Volk ein Unding, war stets nur gewissen\nbevorrechteten Gesellschaftsklassen wirklich erreich-\nbar, deren leibliche Wirtschaftsbedürfnisse von an-\nderen Klassen besorgt wurden. Alle organische Kul-\nturpolitik muß zunächst natürlich darauf bedacht\nsein, besonders leistungsfähige Berufsstände zu\nbegünstigen, an die sich1 die übrigen angliedern kön-\nnen, je nach den hauptsächlichen Volksanlagen und\nden zeitlichen wie örtlichen Entwicklungsbedingun-\ngen. Selbst in den kleinsten Gemeinwesen hat die\nKultur nie von Anfang an harmonische Tendenz\nhabt, war überall um spezifische Interessengruppen\nkonsolidiert: agrarische oder kommerzielle, militäri-\nsche oder juridische, religiöse oder philosophische,\nje nachdem die Oberschicht mehr sensuell oder mehr\nintellektuell begabt war, mehr energisch oder mehr\nspekulativ. Für all das lassen sich reinliche Bei-\nspiele bei räumlich! beschränkten Kulturen finden,\nvon dem spartanischen Kriegerstaat bis hin zum\nFriedensreich1 der Inka, von den indischen Weisheits-\nfürstentümern bis zu den Minnehöfen der Provence.\nHeute aber, in unseren großen Staaten mit ihren\nvielerlei Machthabergruppen, wo herrscht da wahre\nEinmütigkeit über solche Meistbegünstigung ? Wie\nkann eine Harmonie der Interessen entstehen, wenn\nfast jeder Stand nur die Politik verfolgt, sich1 mög-\nlichst „notleidend\" zu stellen! In Deutschland wird\nman sich höchstens Vielleicht auf das Zugeständnis\neinigen: wir scheinen eine industrielle Kultur ziem-\nlich hohen Ranges' zu schaffen. Aber die Folgerung\nlautet dann meistens: folglich braucht sie nicht\nmehr begünstigt zu werden. Und gewisse Idealisten\nzetern sofort: das ist ja „bloß materielle\" Kultur,\nist alSo „überhaupt keine\", ist „nichts als\" Zivili-\nsation. Nun, iCh bin selber ein Idealist, allerdings!\nkeiner mit fixen Ideen, und eine Grenze zwischen\njenen beiden Begriffen läßt sich meines Erachtens\ndurchaus nicht fixieren. Eine Industrie von mate-\nriellem Höchstwert ist notwendigerweise zugleich\nideell oder zum mindesten intellektuell, nämlich an-\ngewandte Naturwissenschaft; da ist alSo schon ein\nPunkt aufgedeckt, wo Zivilisation in Kultur über-\ngeht. Die Industrie ist ferner genötigt, sich wegen\nihrer technischen Qualitäten ästhetische Werte an-\nzuzüchten; und die teilen sich dann natürlich dem\nVolk mit, das! ihre Produkte herstellen, vertreiben\nund verbrauchen hilft. Und daß durch ein gründ-\nliches Industriesystem auch allerlei sonstige Diszi-\nplin, ökonomische, juristische, hygienische, morali-\nsche, in der Volksmasse ausgebildet wird, ist ohne\nweiteres selbstverständlich; Bernard Shaw hat dar-\nüber im letzten Akt seiner Komödie „Major Bar-\nbara\" sehr räsonabel phantasiert.\nBleibt somit lediglich auszuprobieren, ob in der\nTat unsere Industrie — in Arbeitgebern wie Arbeit-\nnehmern — schon so starke Kulturpotenzen um-\nspannt, daß sie die übrigen Machthabergruppen von\nihrem Vorzugsrecht überzeugt, zum Beispiel die\nHerren Agrarier und den nicht minder herrlichen\nKlerus. Sobald die geistig bedeutendsten Macht-\ngruppen eine dauernde Hebung ihrer Wohlfahrt,\nsei es direkt oder indirekt, von einer materiellen\nTendenz erwarten, schlägt diese bereits ins Ideelle\num, in eine sozialpolitische Sympathie aller Stände,\ndie sich1 bis zu religiöser Ekstase und poetischem\nEnthusiasmus steigern kann; siehe die Zeit der\nKreuzzüge, die aus agrarischen Interessen empor-\nkam. Dergleichen geht meist viel rascher vor sich,\nals die fixen Idealisten glauben; aber ehe es wieder\nmöglich wird, müssen freilich erst die führenden\nGeister der einzelnen Berufskreise mehr Fühlung\nmiteinander erlangen, als zur Zeit bei uns vorhanden\nist, mehr Achtsamkeit und mehr Verständnis für die\ngegenseitigen Ergänzungswerte. Inzwischen hat\njederman im Volk, erst recht aber jeder leitende\nMann, das Eine zu tun, das immer nottut: seine ver-\ndammte Pflicht und Schuldigkeit. Bildung predigen\nkann der nichtsnutzigste Nörgler; gute Lehren sind\ngut, gute Vorbilder besser. Im eigenen Beruf et-\nwas Tüchtiges feisten und fremde Tüchtigkeit an-\nerkennen, das ist schließlich die beste Kulturpolitik,\nKurz: möglichst wenig davon reden im allgemeinen,\nmöglichst viel im besonderen dazu tun! In diesem\nSinne könnte die Großmacht „Presse\" aufs beson-\nderste vorbildlich wirken; notabene, wenn sie endlich\nwollte.\n\nDer Fluch des Magiers\nAnateiresiotidas\nVon Albert Ehrenstein\n\nScfclUM\n\nBegünstigt ward das Vorhaben der Ge-\nschädigten, in ihren heiligsten Rechten Geschädig-\nten, durch die übereinstimmenden Erklärungen der\nMohnkipfelbeschwörer. Es nahe die Zeit, da das\nallerhöchste Herrscherhaus von dem Fluche be-\nfreit sein werde — dies gaben sie vor in den\nSternen und Wurstabschnitzeln gelesen zu haben.\nWie jedoch den Prinzessinnen kälteres Blut bei-\nbringen, ein Gefühlsniveau, auf dem den an das\nbeste Mannsfutter gewöhnten Damen sogar Ju-\nristen annehmlich schienen? Auf die erste Nachricht\nvon so entsetzlicher Zumutung ging wie ein ver-\nhaltener Wutschrei ein gewaltiges Rauschen des\nZornes durch1 die Kleider der Betroffenen, ja sie\nhätten mit einem Fächerschfag der Entrüstung ihre\nZimmer verlassen, wenn nur jemand darinnen ge-\nwesen wäre. Ihnen Juristen antragen, Leute, deren\nkühn in die Brillen geschwungenen Schnurrbarte\nkeineswegs für ihre vornehmlichen Glatzen ent-\nschädigen konnten, helltönende Glatzen, die sich\nnicht einmal durch das berühmte Haarwuchsmittel\n„Kapital\" aufforsten ließen! Alles bäumte sich' in\nihnen auf. Juristen! Welcher feinere Prinz stu-\ndiert Jus, und wenn, wo steht es geschrieben, daß\nso ein Ausnahmsprinz eines johne Plagiat durch-\ngeführten rechtsphilbsophischen Aufsatzes fähig\nist? Juristen heiraten! Menschen, die um der\nschnöden Leibesnotdurft willen Jahrzehnte lang\nSchweißgeruch ansammeln, denen man es ewig an-\nriecht, daß sie einst oft ein Paar Frankfurter mit\nKrenn für ein opulentes' Mittagmahl gelten ließen\n. . . Die Prinzessinnen fielen in Ohiimacht. Jede in\nihrem Zimmer. AIS sie wieder zu sich kamen, war\nihr Wille gebrochen . . . Zehn Roßhähne wurden\nden Göttern der Unterwelt: geopfert, dann faßte der\nErzeuger den Beschlüß, die Liebesneigungen der\nweiblichen Angehörigen des Königshauses durch\nHypnose abzutöten. Und so geschah es, nachdem\nerst das Zustimmungstetegramm vom Delphischen\nOrakel eingetroffen war. Wohl gab es! noch geraume\nZeit harmlose Rückfälle, den Schwimmhäuten man-\ncher Menschen vergleichbare atavistische Hervor-\nbringungen von unschuldigem Spielzeug verscholle-\nner Generationen, als: Tennisrackets, Diabolos,\nTrompeten, Automobilbrillen. Doch! schwand dies\nmit den Jahren, und jener Wackere hätte Gift dar-\nauf nehmen mögen, daß die Prinzessinnen dieser\nFamilie ebensowenig Liebe oder tiefere Neigungen\nempfänden, wie die irgend eines ahderen Hauses.\nAlle Welt schickte nun die Kinder auf die Gym-\nnasien. Denn war früher eine Königstochter vom\nDrachen zu befreien, Tapferkeit und weitvoraus-\nblickende Klugheit, ein andermal für eine derartige\nErwerbung rätsellösend-einfältige Schlauheit von-\nnöten gewesen, dem an unsere Epoche heranreichen-\nden aufgeklärten Zeitalter war es entschieden ge-\nmäßer, die Hand einer Fürstin an die durch! den\nBesitz eines eigentümlichen Namens verschärfte Ab-\nfassung eines rechtsphifoisöjphischen Essays zu\nknüpfen.\nWelch ein Wetteifer unter den Juristen sowohl\ndes Königreiches Sirvermor äIS auch der anderen\nLänder! Sogar der arme Herrscher von Suminoye,\ndem sein Herzogtum abgebrannt wir, ließ seine\nSöhne Jus studieren bis sie schwarz wurden. Bald\njedoch' schwoll der Fleiß ab: die Aemter hatten\nalle Bittschriften um Namensänderung abschlägig\nbeschieden und auch die mannigfaltigen Versuche,\ndurch Beifügung des! mütterlichen Namens oder\ndurch Adoption zum Ziele zu gelangen, sie waren,\nnachdem eine Saigon lang Leute namens Sir oder\nSirver hoch im Preise gestanden, durch Edikte ver-\neitelt worden, deren genauen Wortlaut jedermann\nkennen lernen kann, wofern er sich nur in einer\nBibliothek die betreffenden Nummern des sirver-\nmorischen Amtsblattes verschafft. Nicht ein Weich-\nherziger wie ich, ein anderer möge den Jammer\nder enttäuschten Eltern beschreiben, die vergebens\nihre Sprößlinge auf die Prinzessin hatten studieren\nlassen. Was mich anbelangt, so muß ich hier inne-\nhalten und einige ihrem gerechten Kummer ge-\nweihte Zähren weinen . . .\nAndererseits gingen entartete Untertanen in\nihrem Groll zuweit; sie waren es, die zuerst Real-\nschulen erfanden und gründeten, um möglichst viele\nJünglinge der Dynastie erlösenden Beschäftigung;\nmit den Rechtswissenschaften abspenstig zu machen.\nSo groß ist die Schlechtigkeit der Menschen!\nVon da ab redete man nur wenig von unserer\nAngelegenheit, Artikel höchstens in den Familien-\nblättern, angefüllt mit königstreuer Mathematiker-\nBerechnungen über die Wahrscheinlichkeit einer\nvölligen Aufhebung des! Fluches, erinnerten die Bür-\nger ab und px an jene unliebsamen Ereignisse.\nUnd damit wären wir bis! zu jener Zeit hinaufge-\nschritten, in der die eigentliche Geschichte sich ab-\nspielt. Erbprinzessin Jezaide Sirvermor lustwandelte\nim königlichen Garten. Ist doch der Frühling an-\ngekommen, auf seinen Schultern und Flügeln die\nSchären der Singvögel tragend. Ja, sie singen im\nköniglichen Garten die kleinen Nachtigallen, das\nheißt mit allerhöchster Erlaubnis und soweit sie\nkeinen Schnupfen haben. Aber nicht der Nachti-\ngallen Gesänge oder NiChtgesange lauscht ihre könig-\nliche Hoheit, Falte auf Falte schneidet sich in ihre\nAlabasterstirn, siehe: wie in tiefem Sinnen hebt sie\neine Hand empor, mit dem Rücken nach oben, und\nspricht zu ihrer Obersthofmeisterin: „Mir scheint,\nwill regnen.\" Und in dieser Haltung wollen wir\nsie verlassen.\nUm diese Zeit lebte in der Stadt Vienna ein\nedler Jüngling namensl Srimoverr, Baron Aeneas\nSrimoverr. Er brachte die üblichen Jahre in einem\ngeistlichen Gymnasium zu und widmete sie — wie\nbillig — einem zweifachen Studium. Auf der Bank\nlagen vor seiner Nase ausgebreitet lateinische Klas-\nsiker, unter dem Pult aber entzückte seine Sinne die\nLektüre klassischer Franzosen. Nachdem er seine\nebenso verschiedenartigen als eindringlichen Stu-\ndien durch das! Auftreten noch einiger Freiherren\nnamens Srimoverr und eine sogenannte Schluß-\nprüfung beendet hätte, beehrte er die juridische\nFakultät mit seinem Besuch, nicht so sehr, weil\nihn die Süssigkeit der Wissenschaft anzog, nein, eine\ndurch das: Bildnis Jezaidens geschmückte Zeitungs-\nannonce hätte ihn mit den Bedingungen vertraut\ngemacht, unter denen ein Königtum von den Di-\nmensionen des Reiches Sirvermor zu erringen war.\nUnd seine Liebe erlahmte nicht angesichts der\nSchrecklichkeit seiner Aufgabe. Zwar: es ist richtig,\nwenn der berühmte lygische Geschichtsschreiber\nMoses Maria Archivstaub behauptet, Aeneas habe\nsich selbst hinlänglich für seinen bewundernswürdi-\ngen Fleiß belohnt. Er benützte nämlich nicht nur\ndie reichhaltige Bibliothek seines Oheims, des Pri-\nvatdozenten für Rechtsphilbsophie Bartholomäus Sri-\nmoverr, sbndern auch dessen Gemahlin teilte von\njeher mit demselben Eifer das Lager des jugend-\nlichen Neffen, wie die Annehmlichkeiten, die Stel-\nlung und Güter des! gelehrten Gatten mit sich\nbrachten. Dieser Umstand aber sollte Aeneens Ver-\nhängnis werden. Der Tag, da er mit dem voll-\nendeten Werke sich1 zu seiner Tante begab, Ab-\nschied von ihr zu nehmen, der Tag ward sein Todes-\ntag. Tief, tief waren die beiden versunken, er in\ndas Vorlesen seiner Schrift, sie in ein enthusiasti-\nsches Lauschen, und die Doppelschritte des! nahen-\nden Gatten wurden erst gehört, als es zu spät war.\nKein zweckdienlicher Kasten im Zimmer, und schon\nschwang sich Aeneas, das kostbare Pergament in\nder Hand haltend, statt den Ehemann so ins Jen-\nseits zu stürzen, in unbegreiflicher Verwechslung\nselbst auf das Fensterbrett und sprang zum letzten-\nmal hinab in den Teich, dessen Wellen manchen\nUeberraschten geborgen haben mochten. Ach, dies-\nmal dürften die Mühen der Lektüre zu gewaltig\ngewesen sein. Des kühnen Tauchers Herz brach\ndarüber. Wild aufrauschten die Wasser, und indem\ner den Zwicker aufsetzte, sprach der Privatdozent\ndie geflügelten Worte: „Traun! ich habe doch\ndiesem Fischhändler gesagt, ich will nur echt Ibsen-\nsChe Karauschen. Und was hat der geschickt? Sind\ndas Ibsensche Karauschen? Mutwillige Fische, die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.3", "texte": "Menschenköpfe / Zeichnungen von Oskar Kokoschka\nIV / Paul Scheerbart"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.4", "texte": "sich hoch über das Wasser schnellen. Die müssen\nvon ganz wem anderen sein! Was meinst du dazu,\nRosa? Diesen Fall muß ich untersuchen. Magst\ndu mich begleiten?\" Sprach's und befestigte an\nder Angel1 eine künstliche Fliege. j\nIch würde gewiß nichts von dem Froschkönig\nerzählen, wenn es nicht für den Gang dieser Ge-\nschichte so unumgänglich notwendig wäre. Er saß\nganz harmlos im Teiche unter seinem Sonnenschirm\n— denn gerade, daß die Frösche keinen solchen\nbrauchen, ist das Feine daran, und darum hatte\nder Froschkönig einen und memorierte unter ihm\nseine Thronrede:\n„Wir Quakorax, König der Frösche, Blatt-\nläuse, Malariamücken und so weiter;\nkraft uralt angestammtem Recht beriefen\nhöchst wir alle Vasallen, die sei es\nzu Lande, sei's zu Wasser unser sind,\nauf diesen hohen Reichstag. Hört, hört! wir selbst\nund Ihre Majestät, die Königin\nQuagJaja, um sämtlichen Untertanen\nkund zu tun2 wie sie zu ehren wir\ngedenken, keinem unsrer Völker nah\nzu treten, keinem unsrer Achtung mehr\nnoch minder zu erweisen als dem andern:\nja! auf einem hälbüberschwemrnten Hügel,\nmit einem trocknen, einem hassen Fuße,\nstaatsrechtlich, nicht bloß so zu sagen! über\ndem Berg im übrigen auf astbefest-\nigtem Schaukelthrone unsl bewegend\"\nhier blieb der arme Quakorax vielleicht s'Chon zum\nzehnten Male stecken, diesmal, weil der Tote zu ihm\nherabgl'itt. Quakorax dankte den Göttern, daß sie\nihm für den Fall, als! er bei der Thronrede wirklich\nins: Stottern geraten sollte, eine solche Entschuldi-\ngung vor Quagl'ajen darboten. Kein Zweifel: der\njunge Mann, gewiß ein Kollege, hatte den un-\nerträglichen Leiden, die auch ihm eine Thronrede\nverursachte, durch Selbstmord ein Ende bereitet.\nKaum daß Quakorax sich und den Aermsten schick-\nlich beweint hatte, machte er sich an den Genuß\nder vermeintlichen Thronrede, die dem Toten aus'\nder klammen Hand zu winden, ihm vermittels' eines\nZaubers gelungen war, der so gewaltig ist, daß ich\nihn hier nicht näher schildern kann. Durch seine\nLektüre an den Rand der Verblödung gebracht,\ngriff er, mit seinem Lose zufriedener, nach dem\neigenen Manuskript. Da trieb vor seinen Augen\neine verlockende Fliege auf und nieder. Nach\nhartem Kampfe mit der Pflicht beschloß er in\nseinem Herzen, die Fliege nicht zu verschmähen,\nschon um nicht die Götter zu beleidigen, die ihm\nden leckeren Bissen wohl zur Belohnung seines aus-\ndauernden Fleißes; gesendet hatten. Es empfiehlt\nsich1, den Geboten der Unsterblichen mit beschleu-\nnigter Geschwindigkeit zu gehorchen, und so schoß\ndenn auch der gute fromme Quakorax also gleich\nohne etwas loszulassen, auf sein Opfer zu, verfing\nsich, ward ans Ufer geworfen und hauchte zappelnd\nseine Seele aus, welche geziemend zum Hades ent-\neilte. „Froschschenkel sind auch gut\", meinte Bar-\ntholomäus, „die den Göttern gebührenden Einge-\nweide misse ich mit Vergnügen.\" Dann bemerkte\ner, was er sonst erbeutet löste unverzüglich\nein Billet nach Sirvermor und ein zweites1, eine Um-\nsteigkarte in die Zukunft. Denn in dieser geht\nder folgende Teil unserer Erzählung vor sich.\nWährend der Fahrt, indem sowohl der Privatdozent\nin ihm eine Beschäftigung verlangte, als auch die\nSorgen des seligen Quakorax merkwürdigerweise\nauf ihn übergingen, begann Bartholomäus1 die\nThronrede auswendig zu lernen, und selbst als er\nder hold errötenden Jezaide den wenn auch un-\nzureichenden Sonnenschirm anbot, rezitierte der\nZerstreute noch immer sein „Wir Quakorax, König\nder Frösche \" Diese Phrasen, für unverfälschte\nWahrheit genommen, verfehlten nicht, einen guten\nEindruck zu machen; zudem: daß Srimoverr die\nErbin des Reiches so ziemlich vor den Unbilden\nder Witterung geschützt hatte, erschien den\nPriestern, die pf lichtigst darüber die Lage der Sterne\nund Butterbrotpapiere beobachtet hatten, ein dem\nLande heilweissagendes Omen und Symbol. Und\ndies' ist in unserer Geschichte, glaube ich, das1\neinzig Unglaubliche, das man nicht glauben kann:\neine alsbald angestellte Prüfung des reehtsphilosio-\nphischen Schriftchens ergab untadelige Resultate,\nkein einziges Plagiat! Worauf ohne weiteres wider\nBartholomäus die Vermählung eingeleitet wurde.\nFür den Verstand von Leuten, die in diesen\nanspruchslosen Seiten eine tiefsinnige Allegorie er-\nblicken wollen, etwa in Jezaide die Tochter eines\nHofrates! oder Sektionschefs zu sehen vermeinen, die\neinem simplen Dozenten zum Throne, id est zu\neiner •ordentlichen Professur verhalf, auch die an-\nderen, wahrlich nicht wenig verschlungenen Be-\ngebenheiten auf kraß realistische Weise ausdeuten\nmöchten — für den Verstand dieser Sorte von\nLeuten übernimmt der Verfasser keine wie immer\ngeartete Garantie, wenn sie nicht solch ruinösen\nVersuchen entsagen. Genannten Individuen aber\ntrotzdem gebührend entgegenzutreten, gesteht der\nAutor offen und ehrlich, daß der Zweck seiner\nscheinbar nichts weniger als tugendhaften Historie:\nsoweit ein solcher überhaupt vorhanden, ein hoch-\nmoralischer ist und hofft damit einer aufmerksamen\nLeserin nichts neues zu sagen. Er hält dafür, nach-\nträglich genug vor jenem verderblichen Geist ge-\nwarnt zu haben, der Zizipes sonst makellose Herr-\nschergestalt verunzierte. Wolle doch ein jeglicher\nseinem guten Rat gehorsamen und zur Taufe von\nErstlingen erscheinenden dreizehnten Zauberern\nkeine silbernen Stiefelknechte und beileibe keine\nschlechten Zigarren anbieten, noch auf künstliche\nFliegen mit zu übereiltem Zuschnappen bereitem\nRachen antworten. Denen, so mir nachfolgen wollen,\nsteht nicht bloß das Himmelreich offen, sondern\nihnen und nur ihnen wird mitgeteilt, wie sich\ndas Schicksal derer von Sirvermor-Srimoverr des\nweiteren gestaltete. Es läßt sich nicht leugnen, der\nProzentsatz an kleinen Mohren und Chinesen, den\ndie Prinzessinnen dieses Hauses auch nach jener\nSühnhochzeit herbeiführen halfen, er war und blieb\nein größerer, als er in den übrigen Königsfamilien\nUsus ist. Doch1 wer wird der Bösewicht sein, zu\nfordern, eine künstliche, zauberische Einrichtung,\ndurch die Länge der Zeit geradezu zur natürlichen\nAnlage geworden, möge wie mit einem Glocken-\nschlage zu bestehen aufhören?\nWas die speziellen Schicksale Jezaidens und\nih'resi Gatten anlangt, so beteuern manche Skribenten,\nbeklagte Mohren und Chinesen, in dem unzureichen-\nden Sonnenschirm bereits zart angedeutet, seien\ndurch die Unterschiebung der Preisschrift verschul-\ndet, und sei dieser Frevel nur darum nicht post-\nwendend ansi Tageslicht gekommen, weil Jezaide\nkeine Kinder hatte, was weniger der abgetöteten\nLiebe alsi dem gelehrten Charakter ihres Gatten zu-\nzuschreiben sei. Sonstige Erlebnisse des Ehepaares ?\nZur Beruhigung: und wenn sie nicht geboren sind,\nso sind sie auch heute nicht gestorben!\n\nTeures Haupt\nVon Walther Heymann\nDu lächeltest. Die Träne sah ich doch,\nBist Du betrübt? Du schweigst, geschlossner Augen.\nSo leidest Du? Seit wann? Im Wachen hast Du\nwieder so vieler Fremder Mut bewegt!\nWo gehn die nun — bleibst Du allein?\nRückst Du auch noch im Ruhm den vollen Arm,\nvertiefend mit den Brauen;\ndie Lippe spottet stillen Atemwehns,\nvoller, gestützter Wange, schwerer Lider.\nWach nicht mehr, Du geduldge Stirn!\nWo Kraft ist, da ist Schwere auch. So tief\nkannst Du nicht seufzen, als Dein Leid Dich gut\nund Einsamkeit Dich stark macht. Menschenarbeit\ndrückt, liebe Frau. Sehnsucht wird dann ein Flaum\nvon Müdigkeit, Mühe madht lieb.\nRollt um uns Arbeit rings dahin — Dein] Haar\nkaum zitterte, lährenreif, Feldstaub im Wind,\nnicht schwer noch leicht. — Ich weck den Willen\nnicht.\nTreibt durch den Schlaf Dein Blut, gehütet seis!\n— Nun siehst Du auf — groß, still\nUnd als wir rasch hinaufgestiegen sind\nzur Straßenbrücke, die von Arbeit bebt,\nwo sich das Eisen wälzt, Dampf schlingt, und wo\nso scharf\nund grell Metall durch Stimmen kreischt, da hörst\nund blickst\nDu vielem Fremden stumm vertraut vorbei.\n\nDer Revolutionär\nVon Paul Scheerbart\nDer Gemeindelehrer Lehmann war ein Men-\nschenfreund; er beklagte täglich — beinahe stünd-\nlich — das große Unglück, das durch den Krieg\nin die Welt kam.\nUnd Lehmann beschloß, alle Gemeindelehrer zu\nGegnern des Krieges zu machen; in einem Rund-\nschreiben, das er für sein eigenes Geld drucken ließ,\nbat er alle seine Kollegen inständigst, der ihnen\nanvertrauten Jugend selbst von den Kriegstaten der\neigenen Nation fürderhin nicht mehr mit Begeiste-\nrung, sondern nur noch mit dem Ausdrucke herz-\nlichen Bedauerns zu erzählen.\nDieses Rundschreiben kam den Vorgesetzten\ndes' Menschenfreundes zu Gesicht, und es entstand\nim Volkssehulratsgebäude eine peinliche Stille; die\nLeiter der Vol!ks!schulangelegenheiten befürchteten\nsämtlich, daß derartig revolutionäre Rundschreiben\nauch in den Kreisen, die der Regierung nahe stehen,\ngelesen werden könnten.\nUnd man beschloß im Volksschulratsgebäude,\ngleich ganz energisch vorzugehen.\nUnd der Gemeindelehrer Lehmann ward Seines\nAmtes entsetzt, und Pensionsgelder wurden ihm\nnicht ausgezahlt.\nLehmann war Schwächlich gebaut und fand\nkeine andere Stellung ; es ging ihm immer schlechter,\nund seine Frau wurde täglich — beinahe stündlich\n— immer erregter.\nUnd Lehmanns Frau stürzte sich eines Nachts\nzum Fenster hinaus und blieb tot auf der Straße\nliegen.\nLehmann ging wie ein Träumender mit glasigen\nAugen umher und konnte gar nicht mehr ordentlich\ndenken.\nAuf einem großen Platze der Großstadt, mitten\nunter unsäglich1 vielen geschäftig dahineilenden\nMenschen, fing Lehmann, der Menschenfreund,\nplötzlich ganz furchtbar laut an zu lachen.\n„Nein!\" rief er dann immer noch lachend, „es\nkommt doch eigentlich auf ein Menschenleben mehr\noder weniger nicht an. Der Krieg ist eine ganz\nvortreffliche Einrichtung.\"\nUnd er ging lächelnd in die Destillation, die\ndicht neben dem Hause lag, in dem sich seine\nWohnung befand — und in der Destillation lächelte\ner immerfort, daß es den Gästen des Lokals un-\nangenehm auffiel.\nAls die Leiche seiner Frau vorbeigetragen\nwurde, lächelte er immer noch.\nDer Wirt der Destillation forderte den Men-\nschenfreund auf, das Lokal zu verlassen.\n\nElberfeld im dreihundertjährigen\nJubiläumsschmuck\nVon Else Lasker-Schüler\n„Lottes1 doot, Lott es doot, Liesken leegt om\nSterwen, dat es! god, dat es god, gäwt et wat tu\nerwen!\" Ich1 bin verliebt in meine buntgeschmückte\nJubiläums'stadt; das rosenblühende Willkomm gilt\nmir, denn ich' bin ihr Kind, die flatternden Fahneq\nauf den Dächern, aus den Fenstern winken mir zu,\nlänge Rotschwarzweißarme, die mich umfangen\nwollen, Ich1 soll überall hereinkommen. Ich bin\nin Elberfeld an der Wupper in der Stadt der Schiefer-\ndächer. Hohe Ziegelschornsteine steigen, rote\nSchlangen herrisch zur Höhe, ihr Hauch vergiftet\ndie Luft. Den Atem mußten wir einhalten, kamen\nwir an den chemischen Fabriken vorbei, allerlei\nschärfe Arzeneien und Farbstoffe färben die Wasser,\neine Sauce für den Teufel. Aber nach Newiges! zu,\nwo die Maschinen ruhen, wie frische Drillingsbäche\nfließt die Wupper zwischen Wiesen und Wald-\nalleen. Aber ich bin verliebt in meine zahnbröckelnde\nStadt, wo brüchige Treppen so hoch aufsteigen,\nunvermutet in einen sjüßeui Garten, oder geheimnis-\nvoll in ein dunkleres Viertel der Stadt. Ich! mag\ndie neuen Bauten nicht — wer aber war die Urpatri-\nzierin des1 Rokokohauses aus der Friederizianischen\nZeit? Es lebt noch einbalsamiert zwischen jüngst\nzur Welt gekommenen Fabrikanten- und Doktor-\nhäuslern. Denn jeder etwas wohlhabende Bürger\nder Stadt besitzt ein Wohnhaus, worüber er Herr\nist. Portliersleute gibt es in Elberfeld nicht, frech-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.5", "texte": "gewordne Sklaven, die nach Belieben ein- und her-\naus lassen. Selbst viele Arbeiter leben im Eigentum\nihrer Mütter. Gequacksalbert hat die Alte an der\ngrünen Pumpe, noch heute heilt sie Krampfadern\nund Beingeschwüre. Und das berühmte Geheim-\nmittel1 gegen die Cholera hat der sterbende Groß-\nvater Willig dem Vater ins Ohr gelallt und der hat\nes wieder dem Sohn anvertraut und nun weiß es\nder Enkel, der wahrscheinlich seiner gesprächigen\nMutter wegen taubstumm ziur Welt kam. Und über-\nhaupt so seltsame Dinge gingen in der Stadt vor;\n— immer träumte ich davon auf dem Schulweg über\ndie Au. Manchmall lief ich durch graue, lose Schleier,\nNebel1 war überall; hinter mir kamen schauerliche\nMänner mit einem Auge oder loser Nacktheit; auch\nan Ziethens Häuschen mußte ich vorbei, der seine\nFrau erschlagen haben sollte, „ewwer en doller\nGesell wors gewäsen\". Oft ließ ich' vor Angst die\nBücher fallen oder der Ranzen hing mir nur noch\nhalb auf der Schulter. Nun grünt nicht mehr die von\nZäunen umgrenzte Au; Tore Verschließen Häuser;\nkein Schulkind kann mehr auf dem Wege zur Schule\nüäumen, jedes Fenster zur Rechten und zur Linken\nweckt es auf. Lebt der greise Direktor Schornstein\nnoch, der nicht wie die roten Schornsteine rauchte,\naber vor Zorn sb oft fauchte? Ich bin verliebt in!\nmeine Stadt und bin stolz auf seine Schwebebahn,\nein Eisengewinde, ein stahlharter Drachen, wendet\nund legt er sich mit vielen Bahnhofköpfen und\nsprühenden Augen über den schwarzgefärbten\nFluß. Immer fliegt mit Tausendgetöse das\nBahnschiff durch die Lüfte über das Wasser auf\nschweren Ringfüßen durch Elberfeld, weiter über\nBarmen zurück nach Sonnborn-Rittershausen am\nZoologischen Garten vorbei. Mein Vater mußte\nan den Sonntagen mit mir dorthin gehen, der be-\nmerkte nicht den Sekundaner mit der bunten Mütze.\nAuf dem Hügel im Tannenwäldchen am Bärenkäfig\nversprachen wir uns zu heiraten. — Ich muß an alles\ndenken und stehe plötzlich wie hingehext vor meinem\nElternhaus; unser langer Turm hat midi gestern\nschon ankommen sehen; ich fall ihm um den Hals\nwahrhaftig. Leute am Fenster des Hauses bemerken,\ndaß ich weine — sie laden mich ein auf meine\nBitte, einzutreten. Schwermütig erkenne ich die\nvielen Zimmer und Flure wieder. Auf einmal bin\nich ja das kleine Mädchen, das immer rote »Kleider\nträgt. Fremd fühlte ich mich in den hellen Kleidern\nunter den andern Kindern, aber ich liebte die Stadt,\nweil ich sie vom Schoß meiner Mutter aus sah.\nVon jeder Höhe der viel!en Hügel schwrebt noch ihr\nstolzer Blick wie ein Adler; und meines Vaters\nlustige Streiche stürmen eben um die Ecke der\nStadt. „Wat wollt Öhr van rneCk, eck sie jo sing\nDoochter.\" Das rettet mich vor der schon erhobenen\nFaust eines besoffenen Herumtreibers. Das ver-\nwilderte Jahrmarktgesindel rings um midi schwenkt\nmeine Kindheit immer wieder Von neuem wie in einer\nvielseitigen Luftschaukel auf und nieder. Das Ge-\nklingel der Karussellmusik, begleitet von Flüchen\nrauher Mäuler und Kreischen frivoler Weibsbilder\nist zärtlich meinem Ohr. Denn ich bin verliebt in\ndie Stadt der Messen und Karussells. Mein Begleiter\nversucht mich zu überreden, mit ihm den Riesen-\njahrmarktpl'atz zu verlassen. Aber ich muß noch\neinige Male Karussel fahren. „Lott es doot, Lott\nes doot', ich fahr für mein Leben gern; gerade die\naltmodischen Holztiere sind am fröhlichsten und\ndrehlichsten. Mein Leopard springt auf Raub.\nZwischen Aujust und Aujuste die Bewußte, hinter\nCaal! und Caaroline Alma, Luischen, Amanda. Gar\nnicht stolz bin ich — sie beginnen mich zu lieben.\nIch bin verliebt in meine Stadt, manchmal schrei\nich ganz laut auf, das! überzeugt das rohe,\nGesindel1. Den Härrn Schüler haben viele gekannt,\ner hat sie umsonst wohnen l'assen in seinen Häusern-\n— Wir gehen durch das1 Tor ins Elberfeld vor\n„dreihundert\" Jahren. Mina singt gerade im Tingel-\ntangel ihre Liebeslieder. In rosanen Atlaspantoffeln\nstecken ihre Kl'umpfüße, ein knappes Röckchen be-\ndeckt ihren Allerweltsleib. Diese Undame charak-\nterisiert das Chantant einer ganzen Zeit. Ich ent-\ngehe ihrem Spotte nicht, aber ich weiß ihr Achtung\neinzuflößen. Ist ihr Hals etwa nicht wie Milch?\nUnd zuguterl'etzt erkundige ich mich angelegentlich,\nwo man genau solche Pantoffeln bekommt in der\nStadt, wie die ihren sind. „Die sinn ut Engeland\nbei Paris.\" — Nun hinein ins Köllner Hälnneskein!\nGewaltsam zerre ich! den Dichter zwischen die\nClowns ins Innere des Brettertheaters. „Sie werden\nnoch gestochen werden wie Ihr Vater einmal1.\"\nDurch geine Uhr ging; die Spitze des Metzgermessers,\nAm anderen Morgen führten die jammernden Eltern\nden heulenden Sohn vor das1 fieberknarrende Bett\nmeines Vaters. Er wußte, daß sie kommen würden\nund drei Gläser und eine Flasche Rotwein standen\nzum Empfang auf dem Nachttisch. Aber er ächzte\nvor ScMnerz, namentlich, als1 die fette Metzgers-\nmutter begann, dat et dar wackere Här Schüfer ver-\nzeehen mödd Ich bin verhebt in meine Stadt,\naber schon muß ich Abschied nehmen wie von\neinem alten, düsteren Bilderbuch mit lauter Sagen.\nNiemand hat mich wiedererkannt, auch in Weiden-\nhof der Wirt nicht, der immer einen ganz kleinen'\nKellner für mich herbeischaffen mußte am Festtag,\nwenn wir dort Forellen aßen. Und die Einkehr in\ntneine Heimat habe ich einem Dichter in Elberfeld1 zu\nverdanken, der kam dorthin lange nach mir. Paul\nZechs' feine künstlerische Gedichte duften morsch\nund grün nach' der Seele des' Wuppertals.\n\nSommerabend im Park\nPaul Zech\nNun geht der Wind wie ein vergnügter Junge\nDurch das vertiefte ruhende Rondell\nUnd horcht, und wirft bälfd stock;end und bald schnell\nDas schlanke Gras empor in schönem Schwünge.\nUnd Fackelglut steigt breit von den Altanen,\nWogt und verschwistert sich in vagem Sinn\nMit Ruß und Rauch und wird zur Tänzerin.\nUnd Frauen, die verlliebte Feste planen,\nKreisen die dunklen Gänge ein und wallen\nMit praller Brust, als müßten sie gerührt\nDer wachen Kühle in 'die Arme fallen. —\nUnd immer weher winken Bank und Lauben;\nBis durch die tropfenden Akazientrauben\nMit blöder Wucht der gelbe Vollmond friert.\n\nDie Bildungsphilister\n\nDie Kampfmittell der Masfee sind raffinierter,\ntätlicher, entscheidender als alle subtilen Gifte der\nIntellektuellen, die unfruchtbar und wirkungslos vor\nihrem breiten Gesäß zerfallen. Zart ausgestanzte\nBegriffe, mit einer wundervollen Explosivkraft be-\ngabt, werden mit einer plumpen Geste unter Wasser\ngesetzt: sie werden populär. Keusch muß die Seele\nsich selbst verzehren: was sichtbar wird, gleitet\nan zahllosen Händen zwischen die rastlosen Kiefer\nder öffentlichen Kulturvertreter. Das ist eine mora-\nlische Erwägung, aber ihr entquellen die geringen\nVersuche zur Abwehr: die Versuche, Distanzen ein-\nzuschalten, Cliquen zu bilden, hieroglyphenhafte und\nhochmütige Geheimst rächen einzuführen. Doch\ndiesem bunten Feuerwerk kreist eine ungeschändete!\nSehnsucht zu gründe.\nAls Friedrich Nietzsche die leicht geölte Be-\nkennerstirn David Friedrich Strauss mit der zarten\nGloriole des „Bildungsphilisters\" umwand, war noch\nrauchende Schwefelsäure in diesem Begriff, die ihren\nGegenstand behutsam zu einem farblosen Pulver\nzerfraß. Und wie der Kritiker, der Prosaist Strauß\nsich der Geschichte auch darbieten wird: immer\nwird die geschwungene Geste seiner leicht tremo-\nlierenden Männlichkeit ein koketter Zipfel der ge-\nspitzten Nachtmütze rhytmisCh begleiten.\nNun ist der Begriff des Bildungsphilistersi ein\nKonversationsmittel1 geworden. Seine Schwefelsäure\nist ihm durch allzu zudringliche Benachbarungen\nentzogen. Aber sollen wir es nicht bedauern? Der\nTypus hat sich in vierzig Jahren nur noch reiner\nherausgestellt — wer erkennt in dieser Beschrei-\nbung nicht den Habitus1 jener Voteerzieher, dies\nihrer barbarischen Seele durch allzu nachdrückli-\nchen Lebensernst eine grelle Folie geben? „Er\nnimmt um sich herum lauter gleiche Bedürfnisse\nund Ansichten wahr; wohin er tritt, umfängt ihn\nauch sofort das Band einer stillschweigenden Kon-\nvention über viele Dinge, besonders in Betreff der\nReligions- und Kunstangelegenheiten: diese impo-\nnierende Gleichartigkeit, dieses nicht befohlene und\ndoch sofort losbrechende tutti unisono Verführt ihn\nzu dem Glauben, daß hier Kultur walten möge,\nAber die systematische und zur Herrschaft ge-\nbrachte Philiisterei ist deshalb, weil sie System hat,\nnoch1 nicht Kultur und nicht einmal schlechte Kultur,\nsondern immer nur das Gegenstück derselben, näm-\nlich dauerhaft begründete Barbarei\". Nietzsche, der\nUnzeitgemäßen Betrachtungen letztes Stück. So\nreckt sich vor ihm selbst sein Bild gigantisch aus:\ner findet sich herrschend in allem und die Instinkte\nseines schwachen Kopfes als! die Bedürfnisse des\nParterres, das die Peripherie seines Horizontes um-\nschreibt. Das ist sein Bild: ehrfurchtslos und voll\nAberglauben an die Historie, vorurteilsfrei und durch\nunreife Dogmen geknechtet, allem benachbart ohne\njemandem nahe zu sein, alles verstehend und alles\nunsäglich verdünnend, was sein polypenhafter Geist\nin seine Kreise zieht. Der Hel'otentrost des ehrlichen\nWollens sei ,ihhi ohne weiteres gegönnt — gerade\ndies, seinen präzeptorischen Eifer und seine stee-\nlische Wurzellosigkeit betonend, wird es zur Pflicht,\ndie Syntax des kritischen Verkehrs durch die Reini-\ngung des Wortes Bildungsphilister zu bereichern.\nEs gilt, die Aktualität des Begriffs an Erschei-\nnungen, die unsere Zeit uns darbietet, aufzuzeigen.\nDie Auswahl hat also nadh dem Prinzip der Natur-\nwissenschaft zu geschehen: sie vollzieht sich nicht\ndurch die Frage nach dem privaten Wert s'ondern\nder deutlichen Ausprägung der die Art charakte-\nrisierenden Merkmale. Nur unter dieser Voraus-\nsetzung wird die Beschäftigung mit den einzelnen\nBeispielen begreiflich werden. Aber es muß gestattet\nsein, den Aerger in einer gewissen munteren Belebt-\nheit zum Ausdruck zu bringen.\n...Der „Tag\" ist eine Zeitung, die mich infolge\nder Mitarbeit Alfred Kerrsi zu seinen Abonnenten\nzählt. Dieser Zustand wird mir durch 95 % der\nMitarbeiter unsäglich erschwert. Es ist eine gelinde\nRache, wenn ich einen von ihnen mit einer höf-\nlichen Verbeugung zu mir auf die Bühne bitte.\nDer Hauptpastor des „Tag\", meine Herren, ist\nArthur Brausewetter, der dünnsten, leersten und\ngesalbtesten Köpfe einer. Er verbindet die auf-\nrechte Fortschrittslust demokratischer Verbands-\nvorstände mit dem überflüssigen Verständnis alles\nmenschlichen, das eben noch in peinlich-humanen\nDramen langsam verlischt. Es ist unglaublich, was\nder Brausewetter alles versteht und verzeiht — es ist\nunglaublich, wer und was' sich alles von ihm ent-\nschuldigen lassen muß. Die Zeit der „Zarathustra-\nPredigten\" ist doch1 Gott sei Dank vorbei — warum\nserviert uns dieser Herr jene provinziellen Halb-\nheiten, die einem Viertelskopf kaum noch eine spär-\nliche Originalität anwehen? Oft haben wir, meine\nFreunde, dieses laue Geschwätz unter Lachen und\nAerger vergessen: aber was er eben im „Tag\" ser-\nviert, dieses Gemisch aus Oel, Honig und VasCline,\nund noch dazu mit dem wohlmeinend ausgestreck-\nten Zeigefinger in den Schlund gestoßen, wer erträgt\ndas1 noch ?\nAl!so: „Die Tragik des Philosophen\". Von\nArthur Brausewetter.\n„Die Erkenntnis ist nicht nur Lust- sie ist auch\nSchmerzgefühl, sie vermehrt im gleichen Maasse das\nLeben wie den Tod. Will sie in den letzten Grund\nalles Seins eindringen und dasUnerforschliche erforschen,\nso gräbt sie sich sehend das Grab. Wer Gott schaut\nstirbt.\"\nEin schleppend getragener Talar, der eine breite\nWelle lilafarbener Tinte hinter sich her zieht (aber\nder Saum ist schwermütiges Violett). Wer hat je\ngeglaubt, daß das' wahr sein könnte! Nunmehr kann\nkeine Frage sein, was der Wille zum Leben — auch\nein schmelzender Lyrismus der brausewetterschen\nTheologie — sich wählen muß. Natürlich: die Phi-\nlosophie gräbt sich sehend ihr Grab, wenn sie in den\nletzten Grund des' Seins eindringen will. Herrrrr! Als\nSie, den ich bei Gott alte1 einen würdigen Mann in der\nbehäbigsten Rundung der Jahre vermute, noch das\nAlphabet erlernten, dessen Sie sich jetzt zu so\nschändlichen Zwecken bedienen, wagte man solche\nWeisheiten nicht mehr auszusprechen: aus Furcht\nvon einem philosophischen Kalendermacher des Pla-\ngiats überführt zu werden. In seelisch ausgetrock-\nneten Zeiten suchte tnan die Substanz von Versen\nso festzustellen, daß man ihren „Inhalt\" in Prosa\nausdrückte. Dampfen Sie ihre windgeschwellte\nPhrase ein, und wenn Sie dem Präparat nicht schau-\ndernd gegenüberstehen, gänzlich ergriffen ob sol-\ncher Banalität — ich bitte mir die Vollendung des\nSatzes ersparen zu dürfen. Schmerz und Lust des\nEreknnens — von welcher armseligen Wiese pflückt\nman nur solche Blümchen ?"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.6", "texte": "Aber Ihr erhabener Begriff von Philosophie,\nkann es billiger nicht machen.\n„Gott schauen ist das Ziel der Philosophen, sofern\nihm sein Amt ein königliches ist und nicht Klein-\nkrämerei in allen möglichen Spezialitäten.\"\nWenn anders diese Worte einen Gedanken aus-\ndrücken sollen: wird die Philosophie zu einem\nrunden, metaphysischen Problem beschnitten und\nalle Untersuchungen, die nicht unmittelbar das Ver-\nhältnis zu Gott analysieren, werden als „Kleinkrä-\nmerei in allen möglichen Spezialitäten\" rubriziert.\nUnd die armseligen Spezialitäten belächelnd, ruft\nArthur Brausewetter seinen königlichen Geist und\nschwebt mit steigern Ruck aufwärts zur Höhe: nur\ngelassenen Mundes aus den gerafften Rockschößen\ndiesen Satz noch fallen lassend:\n„Eine Philosophie Von Eigenart bleibt stets eine\nKundgebung ersten Ranges und schliesst in sich das\nwissenschaftliche und künstlerische Gebiet zusammen.\"\nDie vonendete Unbestreitbarkeit seiner Meinun-\ngen erregt mich nicht minder wie ihr ehrwürdiges,\nAlter. (Kleine Entgleisungen wie die obenbenannte\nsind weit weniger interessant.) Diese brutale Rück-\nsichtslosigkeit, Selbstverständliches mit einer Geste\nhinzuschleudern, als sei aus dem dumpfen Kreis\nder Träume eine neue Heils'wahrheit gehoben —\ndiese Energie der Lungenverschwendung entwaffnet\nmich eigentlich. Wer eis| sich bei dieser; Gott sei Dank\nwieder auftauchenden Temperatur zutraut, eine ge-\nwisse Beschleunigung seines Blutumlaufs aufs Spiel\nzu setzen, lese den Aufsatz selbst zii Ende. Mir bleibt\nnur noch übrig, ein paar Worte allgemeinerer Natur\nhinzuzufügen.\nEin Journalartikel muß nicht um jeden Preis!\ndie Welt revolutionieren wollen. Neue Wahrheiten\nsind zum Kaffee nicht einmal erwünscht. Ich würde\nnie eine Zeitung anrühren, wenn so ernsthafte Dinge\ndrohen. Wenn aber ein Kopf absolut unfähig ist,\nlängst Allgemeingut gewordenen Gedanken irgend\neine persönliche Form zu geben, sie irgendwie\nzum Thema in eine unerwartete Beziehung zusietzen:\nso soll er seine Verallgemeinerungen für erbau-\nliche Tischreden aufsparen und sie ängstlich dem\nDruck entziehen. Dann ist mir schon einei anspruchs-\nlose sachliche Darstellung des Inhalts sympatischer\nafe diese orphischen Töne, in die eine alte Blech-\nflöte widerlich hineiaquietscht. Und alles überstrahlt\nvon dem aufdringlichen Gefühl einer persönlichen\nBedeutsamkeit, daß man schreckensvoll sich das\nWagnis überlegt, den/ Koloß Vorsichtig mit einer?\ndünnen Nadel' zu berühren: aus Furcht in über-\nstürzenden Wasserströmen gänzlich zu ersaufen.\n\nHans Mayer\n\nTristan in Wien\nAdolf Loos\nTristan wurde neu ausgestattet. Professor Roller\nmit den Arbeiten betraut. Der Vorhang ging auf.\nAber ich hörte nicht die Stimme desi jungen See-\nmanns. Meine Augen waren zu sehr beschäftigt.\nWas ist denn das für ein Schiff? Schief durch-\nschnitten. Längsschnitt oder Querschnitt? DieMil1-\ndenburg ist gut bei Stimme. Querschnitt oder\nLängsschnitt? Na, wir werdens ja gleich sehen.\nDer Vorhang wird bald aufgehen. Luft, Luft.\nEndlich. Es ist der Querschnitt! Gott sei\nDank! Länger hätte ich's' nicht mehr aus-\ngehalten. Aber was ist denn das? Tristan\nsegelt und steuert zugleich. Das hat Roller sidher\nam Attersee gesehen. Befehlen ließ dem Eigen-\nholde! Oder am Gmundner See. Gmunden. Dort\nist Altenberg. Ob er wohl bald nadh Wien kommt?\nWie lenk' ich sicher den Kahn? Das ist ja Schme-\ndes. Warum nicht Winkelmann? Winkelmaun\nwird sich ärgern. Aber schließlich, was geht's mich\nan. Hei, unser Held Tristan Brangäne\nzieht den Vorhang wieder zu. Sie hat ein hübsches\nKostüm an. Das würde meiner Frau sicher gut\nstehen. Bei einem Künstlerfest oder so was. Wie\nlenkt er sicher den Kahn . . . Das hat die Milden-\nburg von der Klaus-Fränkel aus Prag. Jetzt kommt\nbald der Liebestrank. Wo er wohl steht? Zu viele\nKassetten stehen hier herum. Gut arrangiert. Der\nTeppich ist von der Prag-Rudniker. Habe ich auch\nschon verwendet. Für Vorzimmer. Die vielen Pol-\nster machen sich auch gut, Sandor Jaray kann's\nnicht besser machen. Ich sah ihm in die Augen.\nDer wird sich ärgern, daß ihm Roller die Idee\nvorwegggenommen hat: „Damenboudoir im nor-\nmannischen Stil!\" Aber welche Kassette enthält den\nLiebestrank? Aha, also die! Hab' mir's gleich ge-\ndacht. Aber wozu ist denn die andere da? . . .\nAm Schlüsse des Aktes wurde meine Neugier\nbefriedigt. Die Frauen gingen auf die bewußte\nKassette 10ß, öffneten sie — die Krone!! Sehr\ngut. Darauf w,äre ich nicht gekommen.\nDer Vorhang fiel. Man applaudierte. Und plötz-\nlich fuhr ich auf. Also so, so hast dta den Tristan\nangehört. Ich begann mich zu schämen.\nIch lief hinaus. Nein, so darf man nidht im\nTristan sitzen. Ich! ging nach Hause.\nMan hatte mir etwas Heiliges genommen.\n\nWolfgang Erich und\nWolfgang Amade\nJ. A.\n„Ein Musikfest von solch überlebens-\ngroßer Bedeutung wie das diesjährige hat in\nSalzburg noch niemals stattgefunden.\" Wenn das\nLudwig Karpath im Feuilleton sagt, so wird die Be-\nstätigung dafür unter den Tagesberichten zu finden\nsein. Hier gibt sich das Echo für den Ausruf aus.\nDie überlebensgroße Ausdehnung des Musik-\nfestes kann man nicht in dem begrenzten Rahmen\nder öffentlichen Darbietungen suchen, weil doch\ngerade „die heiße Liebe zu dem Glück spendenden\nGenius des Unsterblichen uns das kritische Schwert\nin die Hand nötigt.\" Uns'! Wozu aber der' Von einem\nsterblichen Musikreferenten angefochtene Genius\neines Unsterblichen nicht lebendig genug war, dazu\nleuchtete der tote Glanzpunkt des' Festes hin;\nein Rout beim Erzherzog Eugen. Gelegentlich eines'\nlängeren Gespräches mit Karpath zeigte sich der\n„überaus kunstsinnige und populäre Prinz aus dem\nkaiserlichen Hause\" als ein ausgezeichneter Kenner\nder gesamten Wagnerliteratur, also auch der\nBriefe Wagners an eine Schneiderin, die bekannt-\nlich Karpath herausgegeben hat. — Doch auch*\neinem improvisierten Konzert, weil1 er nicht genug\noffiziellen beiwohnen mußte, konnte der Erzherzog\nnicht entraten. Ein Besuch, den er einer Dame\nim Hotel Oesterreichischer Hof abstattete, sollte\nihm zum Verhängnis werden. Im Vestibül des Ho-\ntels1 wurde er auf den Mtisikreferenten der Neuen\nFreien Presse aufmerksam gemacht. Der erwartete\n.mit seinem Söhnchen Erich Wolfgang eine illustre\nGesellschaft, welcher er vorspielen sollte. Der Erz-\nherzog, der von dem Knaben s' d hon v i e I g e hört\nh a 11 e, wünö'Chte nun dringen d, dem Konzerte\nbeizuwohnen. Die Gesellschaft, in der sich wie\nüberall „vor allem\" der Franzose Paul Dukas be-\nfand, begab sich in den Musiksalon, aber der Kleiine\nkonnte da nicht spielen, weil das Klavier schlecht\nwar. Zum Glück wohnte das! Ehepaar Beschetitpky\nim Hotel, und dieses stellte Wolfgang Erich1 einen\nherrlichen Bösendorfer zur Verfügung. Nur dem\nKonzert beiwohnen wollten die beiden nicht. Sie\nversuchten, sich diskret zurückzuziehn, aber der\nErzherzog nötigte siie zu bleiben. Dann erst ließ\ner sich von dem kleinen Korngold eine ganze Reihe\nvon Musikstücken vorspielen. Er äußerte seinem\nVater gegenüber, daß er überaus erstaunt sei —\nund sich freue, daß Oesterreich wieder ein Talent\nhervorgebracht habe.\nMozart muß sich damit begnügen, ein Kind\nSalzburgs genannt zu werden, aber der kleine Korn-\ngold ist ein Talent, das Oesterreich hervorgebracht\nhat. Wenn ihn nur nicht am Ende Ungarn für sich\nreklamiert.\nUnd Paul Dukas, genannt der französische\nRichard Strauß, war ganz entzückt von den Vor-\nträgen des1 Knaben, er nannte ihn, dem erzherzog-\nlichen ein königliches1 zur Seite stellend, ein großes\nWunder.\nWeil wir nicht schon an einem deutschen\nRichard Strauß genug haben, wird uns1 noch ein\nfranzösischer in Aussicht gestellt.\nWem aber das! Genie Wolfgang Amades in\ndem Talent Wolfgang Erichs' seine Auferstehung\nnicht erleben sollte, so wird das gewiß nicht ver-\nwunderlicher sein, als jdie Möglichkeit, daß ein\nfranzösischer Richard Strauß aus Galizien stammen\nkann.\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nO. EINBECK\nDie Somali / Originalsteinzeichnungen\nVerlag Maximilian Macht Berlin\nALFRED DÖBLIN\nLydia und Mäxchen\nVerlag Josef Singer Strassburg i. E.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nm\n11\n#~v\n♦A^V\nw*\n.•>\nft\nIOTTOJSTOn^rim^\n• W«'l •\nttf*\n18\n\"i\nnJ\n(L\n11>\n«/\n//</\n,■ -r\nIM\n?\na\nA\n01\n«<u\n*\nfftwfey\nrrrmvfvm\nw*u\nDie hervorragende Wirkung des Kosram auf\nZahne und Zahnfieisch und sein ungewohnlich erfrischender\nWohlgeschmack machen dieses Mundwasser schoa nach kurzem Ge-\nbrauche unentbehrlich. Allen, die Wert auf schone und gesunde Zahne legen, sei\ndaher Kosmin zu taglichen Mundspiilungen bestens empfohlen. Ein Versuch fiihrt erfah-\nrungsgemass zu dauerndem Oebrauche. Preis pro Flasche lange ausreichend, Mark 1.50, überall k&uflich.\nM\nJESS\n4\nh\n%\nVI\n.1,\n*"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.7", "texte": "Auslieferung ffir Österreich-Ungarn A. MBhlhans-Smltal Wien IX / Für den Buchhandel: M. Brannschwelg Wien IX / Verantworte für die Schriftleitung in Osterreich-Ungarn: Otto Soyka\n\n3£RjCl(ri9lo\nHBGEIVIESE\nKUNSTLER\nOER\nBERLINER\n.SECESSION-\nIN DER\n6ALERIE\n/WIMILIAIM\n•AACH T\nBERLIN.WSO\nTWNKE STR. 1 *\nSSESSSSSBBBBHCSBBB^SSa\niNTRITr\n[ T _,LJiL\nTAPPeRT*\n\nDer schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der HaVel, gegeniiber PichelsWerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengcseiiscbftft des UksKHs, fttaumtr. *6-$$\nTelephon I, 7497\n\nPinkenmuhle\n• • • •\nBesitzt alle neuzeitlichen Einriehtungen, Zentral- R\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. Individuelie arztliche Behandlung.\nDie Kflche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervenschwache, Magen- und Darmleiden, Gicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Letter: Dr of. med, W. Hotz\nSanatorium\nPost Mellenbach_ bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege persCnlicher\nKultur und gesunder Lebeng-\nansehauungen, dient untere\nMonatsscbrift nGeßonde«\nLebenu, von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. Abonn. M. 3,60 p. Jahr\n\nJulius Rosenthal Filiate\nGescSiaftsbiicher und Kontorbedarf G. m. b. H,\nBERL IN W BEHRENSTRASSE 50\nECKE CHARLOTTENSTR.\n•• ••\nGESCHAFTSBUCHER - FABRIK\nBuchdruckerei Papier- und Schreibwaren\nSPEZIALITAET:\nSehreib und Manuskriptpapiere\n\nsr.m Cafe Continental £T7n ,\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAlle bedeutenden Zeitungen tmd Zeitschriften\n\n„Der Forscher\"\nIllustriertes Zentralblatt flir deutsche\nForschung\nHerausgeber: Bund deutscher\nForscher, Hannover, unter hoher\nEhrenprasidentschaft Sr. hoch-\nflirstl. Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe. Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJ&hrlich zwOlf starke Hefte mit Bei-\ntrSgen berlihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deulscher\nForscher erhalten den Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, fOrdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7.20. Jahresabonnement Mk. 5.50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbenummer gratis and franko\nInserate finden im „Forscherw\n.*. wirksamste Verbreitung .*.\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\nO Geschaftsstelle: O\nForscher - Verlag , Hannover\n\nillllllllllllllllll!lll!ll!!llll!!llll!!llll!il!!ll!ll!lllll!lllll!llllllllll!!llll!!l!llli|l\nDieSacftel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\n:: Mr. 305/6 ::\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\nn\nnn\nM\nAus dem Inhalt:\nSchftnebeckmesser :: M\nDie Kretensische Frage B\n'■ a\nÜBERALL ERHALTLICH I\nl)tllll!llllllllllllllillllll!lllllllllllllllllll!!l!lllil!!llllllll!ll!l![|!lllll!lll!l(il\n\n.\".\"f'En™ Friedr. Mester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lelirer, Akademiker Oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung). Orilndliche\nEinfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationales\nStudium aer Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fiir ein mehr-\njlhriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfflhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Bflro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur .\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5\n\nMuseum Folkwang\nHagen i. W.\nGemalde-Husstellung\nvon\nOskar Kokoschka\nIHH\n\nDie Kindermilch nach Prof. Dr. Backhaus kommt der Muttermilch am nachsten.\nK\nMilch\nackhaus-Milch\nrrauen\nIch\nh\nu\nm\nPi\nmi inn Mil raiiwi 11\nTrockensubstanzen von je 1 Backhaus-Milch und Frauenmilch*\nt; --. 2. Fett| Eiweiss/ —7 5. Salze/"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100901-01.1.8", "texte": "Yerantwortl. f. d. Anzeigenteil: A. Bots / Verlag Der Sturm Berlin Halenzee QeschSftsitelle and Anzeigen • Annahme: Berlin W. 35 / Drnck y, Hans Walter, Berlin SW.I 3\n\nWer den Inhalt dieses Blattes „goutiert\",\nz\n8-\nCL\nc\n*\nI\nto\nc\n3-\no\n•\n$\nrt\nIM •\n<n\n-t\nCL\nw\nr+\n1\n&\nA\ns-\n££.\n¥\n<\no\na.\no\n$\n1^\n/ jit,','\n• 4 •>.\"\n—•' rF -\nvS*'%SrP\n4^-V\n> *33£f«.\n» Cv-v.\ni;> .\n•V\n:W3^:v- ■\nweiss auch, welch ho hen Wert die\nMitarbeit des Reklame-Fachmarines\nfur Industrielle und Kaufleute hat!\nEiner der bekanntesten Reklame-\nAnwalte ist Oms, Berlin-Steglirz.\nVerlangen Sie — unter gleichzeitiger\nEinsendung von Unterlagen —\n===== Flugblatt ~209\" =—==\n\n11\nDC\n31 IE\n3C\n/AAX GIESSWEIN\nKgl. Si.chs. u. Kgl. \"Wurttemb. Hofoperns&nger\nBERLIN W. 50, Culmbacherstr. 6\nFernsprecher Via, 18926 Fernsprecher Via, 18926\nERTEILT GESANGUNTERRICHT\nSprechstunde 5—4 Uhr\nir\n3L\nX\n31 IE\n3d\n3C\n\nMALSCHULEN\n■F\nStudien-Atelier\nBerlin W. 30, Habsburgerstr. 11\nAkt-Kopf-Kostum :: Zeichnen ::\nMalen :: Modellieren Stilleben\n:: Komposltion :: Abendakt ::\nAb Juli Akt, Landschaft an der See\nProspekt durch MoritzMelzer\nMalschule\nMuller=Schoenefeld\nAtelier Charlottenburg 111\nSchillerstr. 3\nVormittag-: Portrat u. Kostiim-\nmodell\nAbend: Dauerakt\nAtelier Berlin W / Liitzowstr. 82\nVormittag: Akt\nNachmittagf: Portrat\nAbend: Skizzieriibungen nach\ndem Akt\n(2 Stunden 50 Pfg.)\nAnfragen nach Schillerstr. 3\nBerlin W. 35 / Potsdamerstr. 121 a\nAtelier\nClara Elisabeth Fischer\n:: MALEN :: ZEICHNEN ::\nNeu seit l. November\nPlakatkunst :: Graphik :: Eintritt\njederzeit :: Naheres Prospekte\nHANS BALUSCHEK\nMaler\n:: Schulatelier fiir Damen ::\nBERLIN W., Lutzow-Strasse 82\nAtelierhaus, linker Aufgang\nProspekte Brief-Adresse:\nSchoneberg - Berlin, Vorberg - Strasse 15\n\nMALSCHULE\nSystem L.v. Kunowski\nAKT/ KOPF / STILLEBEN\nHeinrich Richter\nEisenacherstrasse 103\nSprechstunden 12—1 Uhr\n\nSchule fur graphische Kunst\nb a ■\nPotsdamer Strasse\nPrivatstrasse 121G\n\n:: Permanente Gemalde-::\nAustellung erster Meister\nBilderrahmen-Fabrik\nSpezialitSt im Zusammen-\nstellen und Abtonen der\nRahmen :: Lieferant der\n:: grossten Kiinstler ::\nHUMBERT CYBULSKI\nEingetragene Handelsfirma\nBerlin W., Joachimsthalerstr. 12\nBahnhof Zoologischer Garten\n\nMALUTENSILIEN\n==i i=\nMai- und Zeichenbcdarf\nW. & J. AMLER\nCharSottenburg\nSTEINPLATZ 2\nTelephon 1839 Telephon 1839\nLEOPOLD HESS\nSPEZIALOESCHAFT\nfur Kunstmaterialien\nBERLIN W 35 gsJEg\n\nDER DEMOKRAT j\nWochenschrift fur freiheitlichc\nPolitik / Kunst und Wissenschaft\nEr»eheint jeden Mittwoch\n8\n■\nNummer 10 Pf. / Quartal Ml\"\nProbenummern frei d. G. Zepler g\nCharlottenbur; Bismarckstr. 103 \"\naiiiiiuiaaMiaiamiM assaoaaaS\n\nDIE TAT\nWEQE ZU PREIEM\nMENSCHENTUM\nrV\nVIERTELjAHRL.M.2 HEFT M.0,80\nEINE MONATSSCHRIFT\nHERAUSOEOEBEN VON\nERNST HORNEFFER\nVERL. DIE TAT G.m.b.H., LEIPZIG\n\nVeriag DER STURM\n• •\n• 9\nm •\nUnser Plakat, KUnstlerlithographie in Drei-\nfarbendruck von OSKAR KOKOSCHKA\nist soeben erschienen. Den Buchhandlern\nund VerkSufern unserer Zeitschrift stehen\nExemplare kostenlos zur Verfiigung. 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