{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_sha256": "c91fd4d755597ba0cb423d5b757cd8ca80b09c3f2f8501da754e9e443dccd38d", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/09/08_01/bmtnabg_1910-09-08_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/09/08_01/bmtnabg_1910-09-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "219", "page_fin": "219", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.1", "debut_caractere": 602, "fin_caractere_exclue": 864, "texte": "INHALT:\nAUGUST STRINDBERG: Schlafwandler / ALFRED DÖBLIN: Die Ermordung einer Butterblume / JULES LAFORGUE: Gedichte / THADDÄUS RITTNER: Rätsel\nTagebuch eines Märchenkönigs / ALFRED LICHTENSTEIN: Mieze Meier / TRUST: Lokales / MAX FRÖHLICH: Der Pudel / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "219", "page_fin": "219", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.2", "titre_corps": "Schattenspiel Samuel Fridolin", "titre_sommaire": "Schattenspiel Samuel Fridolin", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.1", "debut_caractere": 866, "fin_caractere_exclue": 895, "texte": "Schattenspiel Samuel Fridolin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "219", "page_fin": "220", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.3", "titre_corps": "Schlafwandler", "titre_sommaire": "Schlafwandler", "signature_source": "August Strindberg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.1", "debut_caractere": 897, "fin_caractere_exclue": 2123, "texte": "Schlafwandler\nVon August Strindberg\nEs gibt Menschen, die ihr ganzes Leben im\nSchlaf gehen; weckt man sie, werden sie böse,\ndrehen sich um und schlafen wieder ein. Sie leben\nwie Pfl'anzen und schlafen wie Pflanzen.\nUm einen Versuch zu machen, will ich das\nWort lügen gegen dichten austauschen; vielleicht\nist die Gleichung auf diese schönere Art leichter\nzu lösen. (\nSie haben sich eine Art Weltanschauung ge-\ndichtet, wie sie eine Libelle haben könnte ; in Sonne\nund Luft schwebend, aber in einem Sumpf geboren,\nfliegen sie stoßweise dahin, bleiben niemals sitzen,\nhalten aber zuweilen still, während sich die Flügel\nbewegen; vielleicht back gebraßt, da der Flug nicht\nvorwärts kommt; dann rücken sie wieder vor, halten\nwieder still. Sie suchen beständig etwas, das ist\njedoch nicht Raub, vielleicht ein Vergnügen, eine\nKleinigkeit, nichts. Unbeständig, ohne ein fernes\nZiel, zufrieden nur, wenn die Sonne scheint; kommt\naber eine Wolke und sprüht Regen, Verbergen sie\nsich und hocken unter Blättern; die Lebenslust ist\nfort, alles wird dunkel, und wenn die Sonne unter-\ngeht, sterben sie.\nSie stellen keine anderen Forderungen ans\nLeben alk Speise und Trank und Vergnügen, denn\n„morgen werden wir sterben\". Schuld können sie"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8493, "texte": "nicht empfinden, denn alles! Moralische ist ihnen\ngleichgültig wie die Fliege. Sie verstehen nicht,\nwenn sie Unrecht tun, lind immer schieben sie die\nSchuld auf einen anderen. Sie dichten sich einen\nCharakter an, der hell und freundlich erscheinen\nsoll: aber im Innersten sind sie schwermütig; das\nzeigt sich, wenn sie allein sind, dann denken sie\nimmer an Selbstmord.\nZuweilen, wenn es! ihnen sehr gut geht, ge-\nbrauchen sie das Wort: der gute Gott; geht es\nihnen schlecht, werden sie böse und glauben an\nbösC Mächte, verstehen aber nicht Hilfe bei dem\nguten Gott zu stehen.\nAlles', was sie wünschen, (dichten sie' in Wirklich-\nkeit um; alles', was sie wollen, wird Wahrheit,\nalles! Unbequeme, Unangenehme ist unwahr. Sie\nkönnen sich eine ganze Lebensgeschichte andich-\nten; daß sie Von Karl dem Großen oder August\nvon Sachsen abstammen. Ich kenne eine Finnlän-\nderin, die sich einbildete, sie sei Russin. Schließ-\nlich stammte sie von Mathias Corvinus, der polnisch\ngewesen sein soll. Ich kann nicht sagen, daß sie\nlog, denn sie glaubte daran, hielt es für wahr,\nobgleich sie es erdichtet hatte.\nEine solche Dichterin über eine Tatsache auf-\nklären, ist unmöglich, falls diese Tatsache im Ge-\nringsten unangenehm ist. Ihr eine richtige An-\nsicht über einen Tatbestand beibringein, ist ebenso\nunmöglich, falls nicht Leidenschaft oder Interesse\nzufällig dieselbe Richtung einschlagen.\nWenn einer von ihrem Hof kreis; einen Buben-\nstreich begangen hat, so leugnen sie zuerst die\nTatsache: „Es ist unmöglich!\" Wenn es keine Hilfe\nmehr gibt, verteidigt sie ihn: „Er ist im Grunde ein\nguter Mensch, und ihr seid nicht ein bißchen\nbesiser!\" Es endet damit, daß wir alle Schurken\nsind und dort sitzen müßten, wo er sitzt.\nSie ist dreißig Jahre alt, hat ein Kind, aber\nsie dichtet sich jung, spricht von ihrer Jugend;\noft ist sie allerdings geplündert vom Mann, der\nnichts zu plündern fand, als sie yierundz\\vanzig\nzählte. i\nSie kann sogar noch jungfräulich sein, obgleich\nsie ein Kind bekommen hat; ja sie weiß nicht,\nwie das Kind entstanden ist . . .\nSie vergißt eine begangene Tatsache, die\nreichsbekannt ist; aber d|ie hat sie ausgestrichen,\ndie hat nie existiert, die ist ganz einfach. Lüge\noder weniger als Lüge.\nSie beschäftigt sich immer mit den Schicksalen\nder Menschen; schlagen die Gekränkten aber zu-\nrück, so beklagt sie sich über deren Bosheit und\nRachgier. Sie selber kann nicht dahinter kommen,\ndaß sie unrecht getan hat.\nEinmal weckte er sie, indem er das rechte Wort\nfür ihren Charakter und ihr Betragen benutzte. Da\nerwachte sie, flog aus dem Zimmer wie ein wilder\nVogel, ging davon. Er ließ s|ie gehen.\nSie dachte, er werde ihr nachkommen; das tat\ner aber nicht. Da kam sie selber, aber nicht wie\neine Flehende, sondern wie eine Königin um die\nHuldigung entgegenzunehmen. Die Huldigung blieb\naus1. Da Verlor sie den Verstand zwei Tage lang.\nEr erbarmte sich ihrer. Aber sie konnte nur\nwieder aufgerichtet werden, wenn er sich! ihr reuevoll\nwieder näherte. Es| war ein großes Opfer, aber\ner brachte es um des Kindes willen. Da bekam\nsie „ihren Verstand wieder\" und verzieh ihm, nach-\ndem sie die Bedingungen diktiert hatte: Er sollte\nnett sein; das heißt: sie gewähren lassen, wie sie\nwollte; und er sbllte nicht harte Worte gebrauchen.\nHarte Worte fürchtete Sie am meisten; denn die\nweckten sie. Die wirkten wie Dynamit auf ihr ver-\nsteinertes Herz und Gefühl. Und was sie „den Ver-\nstand verlieren\" nannte, war gleichbedeutend mit:\nden Verstand wiederbekommen, zum Bewußtsein\nerwachen, sich im Spiegel sehen, sich selber er-\nkennen.\nIhr Ich glich einem Ballon aus1 Seide, der beim\ngeringsten Riß zu Boden fallen konnte. Daher ihre\nFurcht vor Ecken und Spitzen.\nSie liebte das| Feiine. Das bedeutete: laß mich\ngewähren; widersprich mir nicht, sonst zerstörst\ndu mein Netz aus! Spinngewebe, mit dem ich dich\ngefangen halte.\nDann schlief sie wieder ein, begann ihre Vor-\nstellungen von ihrer Jungfräulichkeit, der geplün-\nderten Jugend, der Geberin, die ihm alles! gegeben\nhatte (wo nichts! zu geben war); der Gläubigerin,\nder eingesperrten Sklavin (die frei ging und kam);\ndem unterdrückten Weib, das keine eigene Meinung\nhaben durfte, dein er die Lebensfreude geraubt\nhätte.\nJedes fünfte Jahr weckte er sie mit einer Dyna-\nmitpatrone. Dann aber schlief sie wieder ein. Und\ndann begann sie wieder aus demselben Sprachvorrat\nzu fabulieren. Dreißig Jahre dichtete sie ihren\nCharakter, ihre Lebensgeschichte, ihre Ansichten,\nihren Geschmack, ihre Religion. Sie war fünfzig\ngeworden, hatte Hauer im Mund, Muskeln und Fett\nim Ueberfluß, grauesl, aber gefärbtes Haar, das\nnach Talg roch. Sie war alt und wußte es nicht.\nSieh meine Zähne, sagte sie, ich habe noch\nalle. (Aber einer war künstlich, mindestens einer.)\nSie ging mit bloßen Armen auf die Hochzeit\nihrer Tochter und machte selber den jungen Herren\nden Hof. Zeigte ihr schönes Haar, das jetzt weiß\nwar unter dem Schönheitsmittel.\nBald darauf ötarb der Mann; ermoiidet;k&nn man\nsagen. Sie fiel zusammen und ward ein altes Weib.\nEsl war des Mannes „Lebensprana\", von dem sie\ngelebt hatte, ohne es zu wissen; und es war, als\nnehme er, der im Grabe lag, siein Eigentum zurück,\num die Auflösung aufzuhalten.\nJetzt ist sie fünfundfünfzig, kokettiert aber noch\nimmer (zeigt Zähne und Haar). Sie ist noch nicht\nerwacht, und scheint nicht eher erwachen zu können,\nals im Tod.\nZuweilen, wenn sie traurig ist, besucht sie mich\nzur Mittagszeit, bleibt eine Stunde und lügt mir vor;\nsie dichtet, hatte ich zu sagen versprochen.\nSie redete meistens über die Undankbarkeit der\nWelt gegen sie, die einem schlechten! Mann eine gute\nGattin gewesen sei, eine vortreffliche Mutter, wohl-\ngesinnt, aufopfernd, besonders gegen den, der „ihre\nJugend\" geplündert hatte. Balzac hat den Typus in\n„L'art d'etre martyre (Petites! miseres de l'a vie Cori-\njugale)\" geschildert, trotzdem er nicht verheiratet\nwar.\nWas ist das für ein menschenähnlichesi Wesen,\nvon dem der Mann nach einem Zusammenleben von\ndreißig Jahren sagen konnte: „Da ist nicht ein\nmenschlicher Zug zu finden!\" Sie zeigt Teilnahme,\num etwas! zu gewinnen; weint sie, will sie ein\nKleid oder einen Ring haben; lacht sie, so benutzt\nsie die Gelegenheit, die Zähne zu zeigen; ist sie\nwirklich einmal zugänglich für eine tatsächliche Aus-\nkunft, ist es aus Falschheit und Schöntuerei. Sie\nversöhnt sich nur, wenn man Besuch erwartet; sie\nliebt ihre Kinder nur, weil sie die Aussicht auf ein\nheiteres' Alter hat, in dem sie nicht allein zu sein\nbraucht; vom Manne wollte sie sich nicht scheiden\nlassen, weil sie eine (Wohnung haben mußte, in\nder sie empfangen konnte. Und sie hätte ihn längst\ngemordet, wenn sie nicht befürchten mußte, die\nPension zu verlieren.\nNichts war bei ihr ganz wirklich. Ihre Er-\ngebenheit glidh Ergebenheit, ihre Freude erinnerte\nan Freude, war aber böse; ihre Trauer besaß ent-\nfernte Aehnlichkeit mit Schmerz1. Es waren nur\nGleichnisse.\nSie begriff nie, was' er meinte, sondern faßte\nes auf ihre verkehrte Art, nach ihrem Interesse.\nIch verstand nie, was sie sagte; denn sie muß eine\nAntiphrase benutzt, das Gegenteil von dem gesagt\nhaben, was! sie dachte. Sie gebrauchte niemals die\nklären einfachen Worte ja und nein; sie wich ihnen\naus wie einer Falle; denn sie glich dem Tier eines\nJagdgrundes1, das überall Fallen sieht. Sie selber\naber knüpfte Sehlingen mit Worten. Sie verwandelte\neinen freien Vorschlag in ein festes Versprechen,\nsie stahl1 Blicke als Beifall, verwandelte ein Nicken\nin eine Verpflichtung; bot ihre Dienste an, um\nspäter die Rechnung senden z:u dürfen.\nDer Mann sagte einmal: Wenn mich, ihren\nGatten, nach dreißig Jahren jemand fragt, mit wem\nich verheiratet gewesen bin, kann ich nur antworten:\ndasi weiß ich nicht! Ich habe dieses Weib nie\ngekannt! Wenn ich manchmal nachts erwachte,\nmußte ich nachdenken, wen ich neben mir habe.\nWenn sie schlief, existierte sie nicht! Aber ich war\nan sie gebunden; sie wuchs auf mir, nahm ihr\n„Prana\" aus mir. Ich muß ihr einige Eingeweide von\nmir gegeben haben; wenn s;ie fortging, schmerzte\nes!, ich konnte nicht atmen oder verdauen, ehe sie\nnicht mit meinen Eingeweiden zurückkam. Sie ge-\nbrauchte einen Spiegel, aber nur für das1 Aeußere;\nund wenn ich zuweilen den anderen Spiegel vor\nihr Innerstes hielt, entsetzte sie sich; ihr Gesicht\nbekam Krämpfe, wie der Fuchs', wenn der Jäger\nihn überrascht. Sie verdrehte die Augen, verwandelte\nihre Züge, daß sich eine ganze Reihe Gesichter\nnacheinander zeigten; und statt ihrer Blicke sah\nich die eines Dämonen oder eines Tieres.\nDeutsch von Emil Schering"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "220", "page_fin": "221", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.4", "titre_corps": "Die Ermordung einer Butterblume", "titre_sommaire": "Die Ermordung einer Butterblume", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.2", "debut_caractere": 8510, "fin_caractere_exclue": 12134, "texte": "Die Ermordung einer\nButterblume\nVon Alfred Döblin\nDer schwarzgekleidete Herr hatte erst seine\nSchritte gezählt, einsl, zwei, drei, bis hundert\nund rückwärtsl, als er den breiten Fichtenweg nach\nSt. Ottilien hinanstieg, und siCh bei jeder Bewegung\nmit den Hüften stark nach rechts und links ge-\nwiegt, so d,aß er manchmall taumelte ; dann vergaß\ner es.\nDie hellbraunen Augen, die freundlich1 hervor-\nquollen, starrten auf den Erdboden, der unter den\nFüßen fortzog, und die Arme sChlCnkerten an den\nSchultern, daß die weißen Manschetten halb1 über\ndie Hände fielCn. Wenn ein gelbrotes! Abendlicht\nzwischen den Stämmen die Augen zum Zwinkern\nbrachte, zuckte der Kopf, machten die Hände ent-\nrüstete hastige Abwehrbewegungen. Das dünne Spa-\nzierstöckchen wippte jn der Rechten über Gräser\nund Blumen am Wegrand und vergnügte sich mit\nden Blüten. .\nEs blieb, als der Herr immer ruhig und acht-\nlos! seines Weges zog, an dem spärlichen Unkraut\nhängen. Da hielt der ernste Herr nicht inne,\nsondern ruckte, weiter schlendernd, nur leicht am\nGriff, schaute sich dann am Arm festgehalten ver-\nletzt um, riß erst vergebens, dann erfolgreich mit\nbeiden Fäusten das Stöckchen los und trat atemlos\nmit zwei raschen Blicken auf den Stock und den\nRasen zurück, so daß die Goldkette auf der\nschwarzen Weste hochsprang.\nAußer sich stand der Dicke einen Augenblick\nda. Der steife Hut saß ihm im Nadken. Er fixierte\ndie verwachsenen Blumen, um dann mit erhobenem\nStock auf sie zu stürzen und blutroten Gesichts\nauf das stumme Gewächs loszuschlagen. Die Hiebe\nsausten rechts und links. Ueber den Weg flogen\nStiele und Blätter.\nDie Luft laut von sich blasend, mit blitzenden\nAugen ging der Herr weiter. Die Bäume schritten\nrasch an ihm vorbei; der Herr achtete auf nichts.\nEr hatte eine aufgestellte Nase und ein plattes bart-\nloses Gesicht, ein ältliches Kindergesicht mit süßem\nMündchen.\nBei einer scharfen Biegung des Weges nach\noben galt est aufmachten. Als er ruhiger marschierte\nund sich mit der Hand gereizt den Schweiß: von der\nNase wischte, tastete er, daß sein Gesicht sich ganz\nverzerrt hatte, daß seine Brust heftig keuchte. Er\nersChrak bei dem Gedanken, daß ihn jemand sehen\nkönnte, etwa von seinen Geschäftsifreunden odef eine\nDame, Er strich sein Gesicht und überzeugte sich\nmit einer verstohlenen Handbewegung, daß es\nglatt war.\nEr ging ruhig. Warum keuchte er? Er lächelte\nverschämt. Vor die Blumen war er gesprungen und\nhatte mit dem Spazierstöckchen gemetzelt, ja mit\njenen heftigen aber wohlgezielten Handbewegungen\ngeschlagen, mit denen er seine Lehrlinge zu ohr-\nfeigen gewohnt war, wenn sie nicht gewandt genug\ndie Fliegen im Kontor fingen und nach der Größe\nsortiert ihm Vorzeigten.\nHäufig schüttelte der ernste Mann den Kopf\nüber das sonderbare Vorkommnis. „Man wird\nnervös in der Stadt. Die Stadt macht mich nervös,\"\nwiegte sich nachdenklich in den Hüften, nahm den\nsteifen englischen Hut und fächelte die Tannenluft\nauf Sieinen Schopf.\nNach kurzer Zeit war er wieder dabei, seine\nSchritte zu zählen, einsl, zwei, drei. Fuß trat vor\nFuß, die Arme sChlenkerten an den Schultern. Plötz-\nlich sah Herr Michael Fischer, während sein Blick\nleer über den Wegrand strich, wie eine untersetzte\nGestalt, er selbst, von dem Rasen zurücktrat, auf die\nBlumen stürzte und einer Butterblume den Kopf\nglatt abschlug. Greifbar geschah vor ihm, was\nsich vorhin begeben hatte an dem dunklen Weg.\nDiese Blume dort glich den anderen auf ein Haar.\nDiese eine lockte seinen Blick, seine Hand, seinen\nStock. Sein Arm hob sich, das Stöckchen sauste,\nwupp, flog der Kopf ab. Der Kopf überstürzte\nsich in der Luft, verschwand im Gras. Wild schlug"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 12127, "texte": "das Herz des Kaufmanns. Plump sank jetzt der\ngelöste Pflanzenkopf und wühlte sich in das Gras.\nTiefer, immer tiefer, durch die Grasdecke hindurch,\nden Boden hinein. Jetzt fing er an zu sausen, in\ndas Erdinnere, daß keine Hände ihn mehr halten\nkonnten. — Und von oben, aus dem Körperstumpf,\ntropfte es, quoll aus dem Halse weißes Blut, nach\nin das Loch, erst wenig, wie einem Gelähmten, dem\nder Speichel aus dem Mundwinkel läuft, dann in\ndickem Strom, rann schleimig, mit gelbem Schäum\nauf Herrn Michael Zu, der vergeblich zu entfliehen\nsuchte, nach rechts hüpfte, nach links hüpfte, der\ndrüber wegspringen wollte, gegen dessen Füße es\nschon anbrandete.\nMechanisch setzte Herr Michael den Hut auf\nden Sthweißbedeckten Kopf, preßte die Hände mit\ndem Stöckchen gegen die Brust. „Was ist ge-\nschehen?\" fragte er nach einer Weile. „Ich bin\nnicht berauscht. Der Kopf darf nicht fallen, er\nmuß liegen bleiben, er muß im Gras liegen bleiben.\nIch bin überzeugt, daß er jetzt ruhig im Gras1 liegt.\nUnd das Blut . Ich erinnere mich dieser Blume\nnicht, ich bin jnir absolut nichts bewußt.\"\nEr staunte, verstört, mißtrauisch gegen sich\nselbst. In ihm starrte alles auf die wilde Erregung,\nsann entsetzt über die Blume, den gesunkenen Kopf,\nden blutenden Stiel. Er s'prang noch immer über\nden schleimigen Fluß. Wenn ihn jemand sähe, von\nseinen Geschäftsfreunden oder eine Dame.\nIn die Brust warf sich Herr Michel Fischer,\numklammerte den Stock mit der Rechten. Er blickte\nauf seinen Rock und stärkte sich an seiner Haltung.\nDie eigenwilligen Gedanken wollte er schon unter-\nkriegen: Selbstbeherrschung. Diesem Mangel an\nGehorsam würde er, der Chef, energisch steuern.\nMan muß diesem Volk bestimmt entgegentreten:\n„Was steht zu Diensten? In meiner Firma ist solch\nBenehmen nidit üblich. Hausdiener, raus mit dem\nKerl.\" Dabei fuchtelte er stehen bleibend mit dem\nStöckchen in der Luft herum. Eine kühle, ab-\nlehnende Miene hatte Herr Fischer aufgesetzt; nun\nwollte er einmal sehen. Seine Ueberlegenheit ging\nsogar soweit, daß er oben auf der breiten Fahrstraße\nseine Furchtsamkeit bespöttelte. Wie würde es sich\nkomisch machen, wenn an allen Anschlagsäulen\nFreiburgs am nächsten Morgen ein rotes Plakat\nhinge: „Mord begangen an einer erwachsenen\nButterblume, auf dem Wege vom Immenthal nach\nSt. Ottilien, zwischen 7 und 9 Uhr abends. Des\nMordes verdächtig\" et cetera. So spöttelte der\nschlaffe Herr in Schwarz und freute sich über die\nkühle Abendluft. Da unten werden die Kinder-\nmädchen, die Pärchen finden, was von seiner Hand\ngeschehen war. Geschrei wird es geben und ent-\nsetztes Nachhauselaufen. An ihn würden die\nKriminalbeamten denken, an den Mörder, der sdilau\nins Fäustchen lachte. Herr Michael erschauerte' wüst\nüber seine eigene Tollkühnheit, er hätte sich nie\nfür So (Verworfen gehalten. Da unten lag aber\nsichtbar für die ganze Stadt ein Beweis seiner\nraschen Energie.\nDer Rumpf ragt starr in die Luft, weißes Blut\nsickert aus dem Hals.\nHerr Michael streckte leicht abwehrend die\nHände vor.\ngerinnt oben ganz dick und klebrig, so daß\ndie Ameisen hängen bleiben.\nHerr Michael strich sich die Schläfen und blies\nlaut die Luft von sich.\nUnd daneben im Rasen fault der Kopf. Er\nwird zerquetscht, aufgelöst Vom Regen, verwest.\nEin gelber, stinkender Matsch wird aus ihm, grün-\nlich, gelblich schillernd, schleimartig wie Er-\nbrochenes1. Das hebt sich lebendig, rinnt auf ihn\nzu, gerade auf Herrn Michael zu, will ihn ersäufen,\nStrömt klatschend gegen seinen Leib an, spritzt an\nseine Nase. Er springt, hüpft nur noch auf den\nZehen.\nDer feinfühlige Herr fuhr zusammen. Einen\nscheußlichen Geschmack fühlte er im Munde. Er\nkonnte nicht Schlucken vor Ekel, spie unaufhörlich.\nHäufig stolperte er, hüpfte unruhig, mit blaubleichen\nLippen weiter.\n„Ich weigere mich, ich weigere mich auf das1\nentschiedenste, mit Ihrer Firma irgend welche Be-\nziehung anzuknüpfen.\"\nDaö Taschentuch drückte er an die Nase. Der\nKopf mußte fort, der Stiel zugedeckt werden, ein-\ngestampft, Verscharrt. Der Wald roch1 nach der\nPflanzenleiche. ;Der Geruch ging nebeln Herrn\nMichael! Einher, wurde (immer intensiver, Eine\nandere Blume mußte an jene Stelle gepflanzt werden,\neine wohlriechende, ein Nelkengarten. Der Kadaver\nmitten im Walde mußte 1 fort. Fort.\nIm Augenblick, als Herr Fischer stehen bleiben\nwollte, fuhr es! ihm durch den Kopf, daß es ja\nlächerlich war, umzukehren, mehr als lächerlich'. Was\nging ihn die Butterblume an? Bittere Wut lohte\nin ihm bei dem Gedanken, daß er fast überrumpelt\nwar. Er hatte sich nicht zusammengenommen, biß\nsich in den Zeigefinger: „Paß auf, du, ich sag\ndirs, paß auf, Lump verfluchter.\" Zugleich warf\nSich hinterrücks Angst riesengroß über ihn.\nDer finstere Dicke sah scheu um sich, griff in\nseine Hosentasche, zog ein kleines Taschenmesser\nheraus und klappte es auf.\nInzwischen gingen seine Füße weiter. Die Füße\nbegannen ihn zu grimmen. Audi sie wollten sich\nzum Herrn aufwerfen; ihn empörte ihr eigenwilliges\nVorwärtsdrängen. Diese Pferdchen wollte er bald\nkirren. Sie Sollten jes! spüren. Ein scharfer Stich\nin die Flanken würde sie schon zähmen. Sie trugen\nihn immer weiter fort. Es sah fast aus, als ob er\nvon der Mordstelle fortliefe. Das sollte niemand\nglauben. Ein Rausdien von Vögeln, ein fernes\nWimmern lag in der Luft und kam von unten\nherauf. „Halt, Halt!\" schrie er den Füßen zu.\nDa stieß er das Messer in einen Baum.\nMit beiden Armen umsdhlang er den Stamm und\nrieb die Wangen an der Borke. Seine Hände\nfingerten in der Luft, alte ob sie etwas kneteten:\n„Nach Kanossa gehen wir nicht.\" Mit angestrengt\ngerunzelter Stirn studierte der totblasse Herr die,\nRisSe des Baumes, duckte den Rücken, als1 ob von\nhinten etwas! über ihn wegspringen sollte. Die\nTelegraphenverbindung zwischen sich und der Stelle\nhörte er immer wieder klirren, trotzdem er\nmit Fußstößen die Drähte verwirren und zudrücken\nwollte. Er suchte es sich zu verbergen, daß seine\nWut sdion gellähmt war, daß in ihm eine sachte\nLüsternheit aufzuckte, eine Lüsternheit nachzugeben.\nGanz hinten lüsterte ihn nach der Blume und der\nMordstelle.\nHerr Michael wippte Versuchend mit den\nKnieeen, schnupperte in die Luft, horchte nach allen\nSeiten, flüsterte .ängstlich: „Nur einscharren will\nich den Kopf, weiter nichts. Dann ist alles gut.\nRasch, bitte, bitte.\" Er schloß unglücklich die\nAugen, drehte sich wie Versehentlich auf den Hacken\num. Dann schlenderte er, als wäre nichts geschehen,\ngerade aus abwärts, im gleichgültigen Spazier-\ngängerschritt, mit leisem Pfeifen, in das er einen\nsorglosen Ton legte und streichelte, während er\nbefreit aufatmete, die Baumstämme am Wege. Da-\nbei lächelte er, und sein Mäulchen wurde rund wie\nein Loch. Laut sang er ein Lied, das ihm plötzlich\neinfiel: „Häschen in der Grube saß und schlief.\"\nDas frühere Tänzeln, Wiegen der Hüfte, Arm-\nschlenkern machte er nach. Das Stöckchen hätte er\nschuldbewußt hoch in den Aermel hinaufgeschbben.\nManchmal schlich er bei der Biegung des Weges\nrasch zurück, ob ihn jemand beobachtete.\nViellleicht lebte sie überhaupt noch; ja, woher\nwußte er denn, daß sie schon tot war? Ihm huschte\ndurch den Kopf, daß er die Verletzte wieder heilen\nkönnte, wenn er sie mit Hölzchen stützte und etwa\nrings! herum um Kopf und Stiel einen Klebeverband\nanlegte. Er fing an schneller zu gehen, seine\nHaltung zu vergessen, zu rennen. Mit einmal zitterte\n.er vor Erwartung. Und stürzte lang an einer\nBiegung hin gegen einen abgeholzten Stamm, schlug\nsich Brust und Kinn, so daß er laut ächzte. Als\ner sich aufraffte, vergaß er den Hut im Gras;\njäas zerbrochene Stöckchen zerriß ihin den Aermel\nVon innen; er foierkte (nichts1. Hohb, man wollte\nihn aufhalten, ihn siollte nichts aufhalten; er würde\nsie schon finden. Er kletterte wieder zurück. Wo\nwar die Stelle? Er mußte die Stelle finden. Wenn\ner die Blume nur rufen könnte. Aber wie hieß\nsie denn? Er wußte nicht einmal1, wie sie hieß.\nEllen? Sie hieß vielleicht Ellen, gewiß Ellen. Er\nflüsterte ins Gras, bückte sich, um die Blumen mit\nder Hand anzustoßen.\n„Ist Ellen hier? wo liegt Ellen? Ihr, nun?\nSie ist verwundet, am Kopf, etwas unterhalb des\nKopfes1. Ihr wißt es vielleicht noch nicht. Ich will\nihr helfen; ich bin Arzt, Samariter. Nun, wo liegt\nsie? Ihr könnte es mir ruhig anvertrauen, sag\nich euch.\"\nAber wie sollte er, die er zerbrochen hätte,\nerkennen? Vielleicht faßte er Bie gerade mit der\nHand, vielleicht seufzte sie dicht netien ihm den\nfetzten Atemzug ausL\nDas! durfte nicht sein.\nEr brüllte: „Gebt sie heraus. Macht mich nicht\nunglücklich, Ihr Hunde. Ich bin Samariter. Ver-\nsteht Ihr kein Deutsdi?\"\nGanz legte er sich auf die Erde, suchte, wühlte\nschließlich blind im Gras, zerknäulte und zerkratzte\ndie Blumen, während sein Mund offen stand und\nseine Augen gradaus flackerten. Er dumpfte lange\nvor sich hin.\n„Herausgeben. Es müssen Bedingungen ge-\ngestellt werden. Präliminarien. Der Arzt hat ein\nRecht auf den Kranken. Gesetze müssen einge-\nbracht werden.\"\nDie Bäume standen tiefschwarz in der grauen\nLuft am Wege und überall herum. Esl war auch zu\nspät; der Kopf gewiß schon Vertrocknet. Ihn ent-\nsetzte der endgültige Todesgejdanke und schüttelte\nihm die Schultern.\nDie schwarze runde Gestalt stand aus) dem Grase\nauf und torkelte am Wegrand entlang abwärts1.\nSie war tot. Von seiner Hand.\nEr seufzte und rieb sich sinnend die Stirn.\nMan würde über ihn herfallen, von allem Seiten.\nMan sollte nur, ihn kümmerte nichts mehr. Ihm\nwar alles gleichgültig. Sie würden ihm den Kopf\nabschlagen, die Ohren abreißen, die Hände in\nglühende Kohlen legen. Er konnte nichts' mehr tun.\nEr wußte, es würde ihnen allen einen Spaß machen,\ndoch er würde keinen Laut von sich geben, um die\ngemeinen Henkersknechte zu ergötzen. Sie hätten\nkein Recht, ihn zu strafen; waren selbst verworfen.\nJa, er hatte die Blume getötet, und das! ging isie\ngarnichts an, und das war sein gutes Recht,\nworan er festhielte gegen sie alle. Es war seilt\nRecht, Blumen zu töten, und er fühlte sich nicht Ver-\npflichtet, das näher zu begründen. Soviel Blumen\nwie er wolle, könnte er umbringen, im Umkreiste\nvon tausend Meilen, nach Norden, Süden, Westen,\nOsten, wenn sie auch darüber grinsten. Und wenn\nsie weiter so lachten, würde er ihnen an die Kehle\nspringen.\nStehen blieb er; seine Blicke gifteten in das\nschwere Dunkel der Fichten. Seine Lippen waren\nprall mit Blut gefüllt. Dann hastete er weiter.\nEr mußte wohl hier im Wald kondolieren, den\nSchwestern der Toten. Er wies darauf hin, daß\ndas Unglück geschehen sei, fast ohne sein Zutun,\nerinnerte an die traurige Erschöpfung, in der er\naufgestiegen war. Und an die Hitze. Im Grunde\nseien ihm allerdings alle Butterblumen gleichgültig.\nVerzweifelt zuckte er wieder mit den Schultern:\n„Was werden sie noch mit mir machen?\" Er strich\nsich mit den schmutzigen Fingern die Wangen; er\nfand sich nicht mehr zurecht.\nWas sollte das alles; um Gotteswillen, was\nsuchte er hier!\nAuf dem kürzesten Wege wollte er davon-\nschleichen, querabwärts durch die Bäume, sich ein-\nmal ganz klar und ruhig besinnen. Ganz langsam,\nPunkt für Punkt.\nUm nicht auf dem glatten Boden auszugleiten,\ntastet er sich Von Baum zu Baum. Die Blume,\ndachte er hinterlistig, konnte ja auf dem Wege\nstehen bleiben, wo sie stand. Es gibt genug solch\ntoten Unkrauts in der Welt.\nEntsetzen packt ihn aber, als er sieht, wie aus\neinem Stamme, den er berührt, ein runder bl'aßheller\nHarztropfen tritt; der Baum weint. Im Dunkeln auf\neinen Pfad flüchtend, merkt er bald, daß sich der\nWeg sonderbar verengt, als ob der Wald ihn in ieiine\nFalle locken wolle. Die Bäume treten zum Gericht\nzusammen.\nEr muß hinausl\nWieder rennt er hart gegen eine! niedrige Tanne;\ndie S'c'hllägt mit aufgehobenen Händen auf ihin nieder.\nDa bricht er Sich mit Gewalt Bahn, während ihm\ndaS Blut stromweise über das Gesicht fließt. Er\nSpeit, schilägt um sich, stößt laut schreiend mit\nden Füßen gegen die Bäume, rutscht sitzend und\nkollernd abwärts1, läuft schließlich Hals über Kopf\nden letzten Abhang am Rand des Waldes herunter,\nden Dorf lichtem zu, den zerfetzten Gehrock über\nden Kopf geschlagen, während hinter ihm der Berg\ndrohsam rauscht, die Fäuste schüttelt und überall\nein Bersten und Brechen Von Bäumein sich' hören\nläßt, die ihm nachlaufen und schimpfen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "222", "page_fin": "222", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.5", "titre_corps": "Jules Laforgue / Gedichte", "titre_sommaire": "Jules Laforgue / Gedichte", "signature_source": "Deutsch von Max Brod", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4955, "texte": "Jules Laforgue / Gedichte\nDeutsch von Max Brod\n\nSolo des Mondes\nIch rauche, ausgestreckt im Wagen,\nUnd lasse mich zum Himmel tragen.\nEs rüttelt sich des Leibes elendes Gestell,\nUnd meine Seele,\nDie Beek tanzt wie Ariel;\nO schöne Seele ohne Hehle, ohne Fehle,\nO Straßen, Höhen, Nebel, BergreVier,\n0 meine Seele! wiederholen wir.\nWir liebten uns: so wundersam,\nWir schieden ohne wie und wann,\nEin arger Spleen hielt mich im Bann,\nEin Spfeen, der mir in allem kam. Gut.\nIhr Auge sagte: „Kommst Du mit?\"\nOh, warum willst Du nicht Verstehn?\"\nDoch keiner trat den ersten Schritt,\nUnd jeder ließ den andern gehn.\n1:\\!; ,r : 1\nWo mag sie heute sein ?\nVielleicht Siitzt sie allein . . .\nWo mag sie heute sein?\nOh, mindestens sei klug, laß Dich beschwören,\nschone Dich!\nV • *\n: • !\nIhr Waldungen den Weg entlang im Schauer,\nShaw! der Melancholie, und jede Seele auf der Lauer,\nOh, Sicherlich.\nMein Leben ist beneidenswert!\nWie magisth dieser Wagen fährt!\n1 : i i ;\nDer Mond geht auf,\nO träumender Straßenlauf! ...\nVorbei die Mühlen, die Spinnerei,\nVorbei die Meilensteine,\nUnd rosige Abendwölklein wie aus der Konditorei,\nUnd die Mondensichel, die feine, erscheine.\nO träumende Straße, ohne Musik . . .\nIn diesen Fichtenwäldern, wo immer\nSchon iseit Erschaffung der Welt\nDie Nacht sich hält,\nWas gibts da nette und tiefe Zimmer,\nOh, um Entführungen zu arrangieren!\nUnd ich bevölkre feie und gewahre\nEinen hübschen Haufen Liebespaare,\nDie drinnen ungesetzlich gestikulieren.\nrr~;-! ; ; 1 ' ■' \\ > ' 1\nj ) ] i • J ■\nIch seh sie nicht mehr. Vorbei und schnell\nUnd ich liege zum Himmel das Angesicht\nGewendet und ich bin Ariel.\nE& dreht sich der Weg. Man erwartet mich nicht,\nMein Leben ist leer\nUnd die Hotelzimmer mein einziger Verkehr.\nrn [\"' r | 112 :. ■ ' ■ i • '\n! I I ' I I ! I\nDer Mond geht auf,\nO träumender Straßenlauf,\nEnd loste Bahn.\nDie Poststation,\nDa trinkt man Milch und zündet schon\nDie Laternen an,\nUnd es treibt der PostiHon\nIm Zirpen der Grillen\nUnter den stillen\nJulisternen die Pferde an.\n■'1 ; :\nDu Mond in Strahlenpracht,\nBengalische Beleuchtung einer Hochzeitsnacht,\nDu heilst meine Wunde . . .\nOh, die Schatten der Pappeln die Straße entlang,\nUnd der Badi gibt acht,\nGibt acht auf deinen eigenen Gesang\nUnd der Lethestrom überschwemmt die Runde.\nDu Mond im Strahlenspiel,\nBist stärker als mein Stil.\nOh! Diese Nacht den Weg entlang;\nIhr Sterne fern und nah\nIhr macht mir bang\nIhr seid ja alle, alle da!\nOh! Dieser Stunde rascher Gang . . .\nGab es einen Elixier,\nIch stähle ihre Seele für den Winter mir.\nWie kalt es wird!\nOh, wenn zur selben Stunde,\nGleichfalls zu heilen ihre Wunde,\nDen kalten Wald entlang sie irrt\nIn dieses Mondes Hochzeitsmessen! . . .\n(Sie liebt es, spät umherzugehn!)\nUnd sie hat ihr Halstuch vergessen,\nDann ach! Mit Rücksicht auf die Schönheit dieser\nStunde\nIst es um sie geschehn!\nOh! Schone Dich, laß Dich beschwören,\nUnd diesen Husten will ich nicht mehr hören.\nAch! war ich Dir zu Füßen gefallen!\nAch! hättest Du mich ohnmächtig geküßt!\nIch wäre ein Gatte, ein Muster vor allen,\nSo wie das Frou-Frou deiner Röcke Muster aller\nFrou-Frous ist.\n\nFestabende\nIch bin die Gondel, die zu spät\nErscheint, da das Fest zu Ende geht.\nDasi ist so meine Laune, Kind,\nWeil jetzt die schönen Abende sind.\nNun lieg idi am Deich. Und die Leute sind dumm,\nTanzen herum und tanzen davon\nUnd niemand begrüßt den verlornen Sohn . . .\nUnd Bänder und Licht und Fiedelgebrumm!\nIhr flatternden Fraun, s'o ist es wohl!\nUnd s'o ist es redht. Ich bleibe im Boot\nFür Möven und Sturm und bleibe bedroht\nr\nVon allen Gefahren von Pol zu Pol!\n— Am Brückenbogen warte ich still . . .\nDoch niemand kommt; und die Pracht erlischt;\nUnd ich fluche der Nacht und dem Ruhm und der\nt , j Macht\nUnd dem Herzen, das Acht und Verachtung will!\ni\n\nBeklagung des Foetus eines Poeten\nEs gilt, — voran, voran!\nKlebrige Nacht der Wurzeln zu zerfetzen,\nQuer durch Mama, durchs Albumin zu setzen,\nVoran zum Licht, zu all den seidnen Schätzen\nDer Sonnenbahn!\n— Jeder sein Teil, jetzt ist die Zeit an mir, zu\nprahlen\nUnd aus dem Kefche meinen neuen Typ zu strahlen!\nVoran!\nGerettet aus den Schleimhaut-Steppen, schmeichelnd\nZur Sonne auf! trunken Von Goldmilch, speichelnd\nIm Schlafe an die Wolken, die mir streichelnd\nUnd weise nahn!\n— O Traum, es wird ja doch nur ein gefopptes\nLeben\nUnter den Fraun mit meiner Wiindhaudisleete geben!\nVoran!\nIn Gottes Hand mit tausend blauen Blicken\nUnd auf der Molkenmilch der guten Wolken,\nIm Land des! Männerweines zu erstidken!\nKein Wahn!\nDa da, idi löse mich, voran .\n— Die Stirn gen Osten nehme ich die Kommunion\nUnd in Gestalt der unbewußten Küsse schon!\nVoran!\nErtönet, Salven! Sidcre, feste Sonne!\nAde, Aquarium, in Brütewonne,\nFermente meiner Puppe! Nun wohlan!\nDoch hier ists kalt. Voran!\nAh!\nMama . . .\n— Nun sjäugen Sie, mit aller Liebe die Sie haben,\nMadame, und möglichst lange diesen armen1 Knaben.\nAus dem Bnch: Jules Laforgue: Pierrot der Spassvogel\n(Deutsch von Franz Blei und Max Brod) Verlag Axel Juncker\nBerlin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "222", "page_fin": "222", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.5.1", "titre_corps": "Solo des Mondes", "titre_sommaire": "Solo des Mondes", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.4", "debut_caractere": 48, "fin_caractere_exclue": 3082, "texte": "Solo des Mondes\nIch rauche, ausgestreckt im Wagen,\nUnd lasse mich zum Himmel tragen.\nEs rüttelt sich des Leibes elendes Gestell,\nUnd meine Seele,\nDie Beek tanzt wie Ariel;\nO schöne Seele ohne Hehle, ohne Fehle,\nO Straßen, Höhen, Nebel, BergreVier,\n0 meine Seele! wiederholen wir.\nWir liebten uns: so wundersam,\nWir schieden ohne wie und wann,\nEin arger Spleen hielt mich im Bann,\nEin Spfeen, der mir in allem kam. 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Vorbei und schnell\nUnd ich liege zum Himmel das Angesicht\nGewendet und ich bin Ariel.\nE& dreht sich der Weg. Man erwartet mich nicht,\nMein Leben ist leer\nUnd die Hotelzimmer mein einziger Verkehr.\nrn [\"' r | 112 :. ■ ' ■ i • '\n! I I ' I I ! I\nDer Mond geht auf,\nO träumender Straßenlauf,\nEnd loste Bahn.\nDie Poststation,\nDa trinkt man Milch und zündet schon\nDie Laternen an,\nUnd es treibt der PostiHon\nIm Zirpen der Grillen\nUnter den stillen\nJulisternen die Pferde an.\n■'1 ; :\nDu Mond in Strahlenpracht,\nBengalische Beleuchtung einer Hochzeitsnacht,\nDu heilst meine Wunde . . .\nOh, die Schatten der Pappeln die Straße entlang,\nUnd der Badi gibt acht,\nGibt acht auf deinen eigenen Gesang\nUnd der Lethestrom überschwemmt die Runde.\nDu Mond im Strahlenspiel,\nBist stärker als mein Stil.\nOh! Diese Nacht den Weg entlang;\nIhr Sterne fern und nah\nIhr macht mir bang\nIhr seid ja alle, alle da!\nOh! 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Ich gestehe offen, daß ich etwas\nanderes sein möchte, als ich bin. Ich langweile mich.\nUnd dabei frage ich mich, wohin das führen soll.\nDenn wenn meine Tochter ebenso schlau und er-\nfinderisch bleibt, so bekommt sie nie einen Mann.\nAußerdem ist es klar, daß wir etwas zu viel Jüng-\nlinge umbringen und daß uns daraus mit der Zeit\nUnannehmlichkeiten erwachsen können. Es sterben\ndurchschnittlich acht Männer täglich, und davon\nentfällt die Hälfte auf ächte Königssöhne.\nAber mit meiner einzigen Prinzessin ist ein-\nfach nicht zu reden. 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Du, Papa, weißt es natürlich/\n„Natürlich ...\" antworte ich, wiewohl ich\nnichts weiß.\n„Dann: Wais! ist das für ein Rabe, der eine Stadt\nim Schnabel trägt? Du, Papa, Verstehst es . . .\"\n„Ich verstehe,\" sage ich und blicke zu Boden.\n„Endlich: Waö ist das für ein Lied, das nie-\nmand hört? Du, Papa ...\"\nNein, ich weiß es! nicht. Aber wer bürgt mir\ndafür, daß sie selbst es weiß?\n3.\nHeute war es merkwürdig schwül in meinem\nPalast, und in meinem Garten dufteten die Rosen\nwie unsichtbare Gespenster. Ein Sturm lauerte in\nder Luft, und ich wußte, es ist der Tag, an dem\nmeine Tochter schweigt und keine Rätsel aufgibt\nund weiß und müde in ihren Gemächern Sitzt. . . .\nDie Luft ist still. Nur manchmal regt sie sich\nschwer und träge, wie bfeierne Leiber der Krokodile\nim Fluß meines' Gartens.\nFünf Jünglinge sind gekommen, und sie warten\nängstlich auf morgen. Und morgen bedeutet Tod.\nDenn meine Tochter hat keine Vernunft.\n„Geh,\" sage ich zur schwarzen Sklavin, „geh\nund frage heimlich die jungen Männer, ob1 sie es\nnicht vorziehen, gleidh und ohne Räts!el zu sterbein.\"\n. . . Aber sie zogen es nicht V|or.\nDie Blumen duften süß in meinem Garten, wie\ndie Träume meiner einzigen Tochter, die Jüng-\nlingen Rätsel aufgibt.\n4.\nSeit einigen Stunden sind die Jünglinge tot.\nWo andern spielen die Prinzessinneil Guitarre öder\nsingen oder lassen ihre Sklavinnen singen oder\nSpielen.\nAber meine Tochter. . . . Seit einiger Zeit ist\nsie auch träge, selbst in ihrer einzigen Unterhaltung.\nHeute sitzt sie wieder untätig in ihrem Ge-\nmach, und wieder ergehen sich im Schatten der\nPaknen Jünglinge, die auf morgen warten.\nEis) sind ihrer zwei, und sie gehen zusammen,\nwie Freunde oder Brüder, weil sie das' gleiche\nSchicksal aneinander bindet. Der eine ist wie ein\nBettler, Hunger und Liebe blicken ihm aus den\nSchwarzen Augen, und der andere ist reicher ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3518, "texte": "kleidet und Schaut heiter und blau in die Welt,\nobwohl1 auch er sidher nicht Von Königen abstammt.\nIch gestehe, daß ich aus Lange weife und Viel-\nleicht aus! mitleidiger Sympathie mit den beiden\nein wenig plauderte.\nIch tat, alls wäre ich mein Großvater, und fragte\nsie nach Neuigkeiten aus und bewirtete sie mit\nFrüchten und Wein.\nUnd ich dachte mir, nichts wäre gewisser, als\nder Tod, mit dem sich morgen der Schwarzäugige\nvermählt.\n5.\nEin großer Festtag ist gekommen.\nDer reicher Gekleidete, der so heiter und blau\nin die Welt schaut, hat alle Rätsel meiner Tochter\ngelöst.\nEin großer Festtag, an dem zum letzten Male\nBlutgeruch meinen Garten erfüllt.\nDen letzten — er war wie ein Bettler, und\nHunger und Liebe brannten in steinen schwarzem\nAugen — tötete meine Tochter sdlbst.\nUnd keiner meiner Bogenschützen hätte besser\nin das Herz seines Herzens getroffen. Wie ein\ngoldener Vogel blitzte der Pfeil in der Sonne. Und\nam Ende |des! jgoMenen {Fajdens schrie (es rubinrot auf.\n... So war der Absc'hied meiner Tochter von\nihrer keuschen Jugend.\n„Ach, dieser war von allen der dümmste,\" —\nseufzte sie mit sehnsüchtigem Lächeln — „und er\nhatte so merkwürdige Augen . . .\"\nMir s'chien es umgekehrt, der Sieger wäre viel\ndümmer. Aber da er Sieger ist, so kann man das\nWort nicht (brechen! und jmußj ihm die einzige Tochter\nund die Hälfte des Palastes und des Parkes und\nspäter einmal das ganze Reich geben.\nUnd so nahm ich denn die liebe Hand meiner\nTochter und die fremde Hand des künftigen Königs\nund drückte beide und hub an zu reden:\nEin großer Festtag ist gekommen. . . .\n6.\nMeine Tochter sitzt In ihrem Gemach.\n„So habe ich, großer König, einen Teil1 der\nseltsamen Abenteuer meines Lebens dir erzählt,\"\nspricht der künftige Gemahll meiner Tochter, „näm-\nlich bis dorthin, wo ich nach der Tötung der\nSchlange mit den dreihundert Köpfen Beherrscher\nder Al'abasterstadt wurde. . . .\"\n„Ja, ja . . .\" murmelte ich gedankenlos (und\nschaue auf ihn wie ein soeben Erwachter: Ich\nsehe, daß seine Gestalt passabel ist. Und ich frage.\n„Sagt mir, welcher Eltern Kind öeid ihr, welchen\nStandes und aus welchem Reiche ?\"\nVerwundert blidkte er mich an:\n„Da werde ich wohl1 noch einmal den An-\nfang meiner siebenundzwanzig Abenteuer erzählen\nmüssen. Nun denn: Es lebte in Bagdad eine arme\nWittwe, Mutter Von fünf Söhnen, deren jüngster\nidh bin. Einest Abends ging Harun-all Raschid ..\n„Genug,\" unterbreche ich ihn, „nun weiß ich\ngenug von euren siebenundzwanzig Abenteuern, von\ndenen mich nur das! achtundzwanzigste und letzte\n— meine Tochter — interessiert. Und dieses Aben-\nteuer muß wirklich das: letzte bleiben.\"\nEr lächelte freundlich1.\n„O selbstredend, natürlich. . . . Jetzt wo ich\ndoch alles besitze, was mir Zauberinnen an der\nWiege geweissagt haben . . . den Palast und die\nvielen Sklaven. . . . Uebrigens1, werden mir diese\nSklaven gehorchen ?\"\n„Idh Schenke sie dir, also werden sie dir ge-\nhorchen \".\n. . . „Und Gold und Edelsteine und das König-\nreich, wird dasl wirklich' mein?\"\n„Idh verspreche es dir, also wird es dein.\"\n. . . „Und Rostee und Kamele und die Prin-\nzessin . . . richtig, die Prinzessin . . . wird sie\nmidi auch Heben?\"\nDa kam meine Tochter.\n„Frage Sie selbst,\" sagte ich.\n„Ob ich didh Hieben werde . . .?\" sprach\ndie Prinzessin, ohne ihn anzuschauen. „O, du hast\nja die Rätsel1 gelöst \"\nUnd dann ffeterte sie mit sehnsüchtigem\nLädhein:\n„. . . Und der andere, den ich töten mußte . . .\nder andere war von allen Tausend der dümmste ...\nUnd Augen hatte er . . .\"\nSie Seufzte:\n„So merkwürdige Augen, , ."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1271, "texte": "7.\nIch liebe nicht allzu sehr die Hergelaufenen\nund Goldfinder. Ich liebe nicht allzu sehr die ge-\nscheiten Jünglinge, die achtundzwanzig Abenteuer\nglücklich bestehen und nun alles besitzen, was ihnen\nZauberinnen geweissagt haben.\n. . . ich muß meinem Schwiegersohn einen\nzweiten Palast bauen, irgendwo am Ende der Welt.\nDenn erst dann werde ich das Leben in Ruhe ge-\nnießen, wenn ihn meine Augen nicht sehen.\nSeit er der Mann meiner einzigen Tochter ist,\nvergeht kein Tag, an dein er mich nicht mit Klagen\nund Beschwerden langweilt.\n„Warum spricht die Prinzessin immer von ihm,\nimmer von dem anderen ?\"\n„Von wem ?\" frage ich, als1 ob ich's nicht\nwüßte.\n„Von dem Mens'chen, der zugleich mit mir\nhierher kam und die Rätsel1 nicht löste und sterben\nmußte. Von früh bis1 Abend spricht sie von ihm.\"\n„Schön,\" isage ich zerstreut.\nAber er Schreit:\n„Sie liebt den anderen, den sie ins Herz ge-\ntroffen hat . . . Aber sie muß mich lieben, sie\nmuß. . . . Ich habe das1 Recht, ich habe die Rätsel1\ngelöst . . .\"\n„Ja, ja . . . du hast alle Rätsel gelöst.\"\nIch Schüttelte mich vor Lachen.\n„Alle Rätsel bis1 auf eines ... ha, ha . . .\nBis auf ... sie selbst. . . .\"\nEs bleibt mir wirklich nichts übrig, als dem\nMenschen einen zweiten Palast zu bauen, irgendwo\nam Ende der Welt. . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "223", "page_fin": "223", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.6.1", "titre_corps": "Der Pudel Max Pröhlich", "titre_sommaire": "Der Pudel Max Pröhlich", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.5", "debut_caractere": 3520, "fin_caractere_exclue": 3542, "texte": "Der Pudel Max Pröhlich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "224", "page_fin": "224", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.7", "titre_corps": "Mieze Maier", "titre_sommaire": "Mieze Maier", "signature_source": "Alfred Lichtenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.6", "debut_caractere": 1273, "fin_caractere_exclue": 4476, "texte": "Mieze Maier\nVon Alfred Lichtenstein\nIch besuche noch das Gymnasium, doch inter-\nessiere ich mich mehr für Theater und Literatur.\nIch lese Wedekind, Rilke, Scharf und andere. Auch\nGoethe, Schiller und George mag ich nicht.\nMeine Freundin heißt Mieze Maier. Sie be-\nwohnt mit ihrer Gesellschafterin in der Johann Ge-\norg-Straße eine elegante Vierzimmerwohnung, denn\nihr Vater, Markus' Maier, hat ihr viel' Geld hinter-\nlassen. Ihre Mutter ist vor zehn Jahren den Folgen\neiner Un te r leibsoperation erlegen. Ihre Mutter soll\nschön gewesen sein.\nMieze Mai er ist erst kürzlich sechzehn Jahre alt\ngeworden. Ihr Geburtstag wurde sehr gefeiert. Viele\nhübisdhe und lasterhafte Mädchen und eine Anzahl\njunger Männer waren geladen. Man war slehr frivol.\nMan flüsterte einander ins' Ohr, daß Mieze jetzt\nsechzehn Jahre alt sei. Dabei lächelte man . . .\nMieze Maier ist schön. Auch klug. Auch talen-\ntiert. Sehr kokett. Raffiniert anmutig. Zeitweise\nunglücklich. Versteht es, viele Männer krank z:u\nmadhen, daß sie Trauer in den Augen tragein, wenn\nsie wadh sind, und ein Lächeln um die Lippen\nhaben, wenn sie schlafen. Und die Hände sind\ndicht an dem Körper . . .\nStets hat sie ihre Favoriten gehabt. Die sind\nwie Puppen, mit denen S|ie spielt, bis sie ihrer eines\nTages überdrüssig wird und sjie ach tlosl beiseite wirft.\nIch kenne isieben. Sechs Wochen hat keiner in\nihrer Gunst überdauert. Ich bin der Achte.\nIch weiß — auch meine Tage sind gezählt. Auch\nich werde grausam abgetan werden von diesem\nsechzehnjährige Ding — halb Kind nodh. Wenn idh\ndaran denke, schäme ich mich schon jetzt und gräme\nmich. Und doch —\nWir haben uns! nicht gesagt, daß wir uns lieb\nhaben, sind aber sehr zärtlich zueinander. Dies\nkam so:\nWir trafen uns einmal. Das war Zufall. Der\nTag war grau vor Müdigkeit. Dämmerung lag über\nden Dingen. Von wenigen Häusern fiel1 gelbes und\nrotes Licht.\nWir gingen zusammen. Ihre Augen hielten\nGlanz. Manchmal deckte sie die halben Lider dar-\nüber. Und sie fing die Blidke von Männern in ihre\nAugen. Dias; muß eine feine Wollust sein.\nWir sprachen nicht, nur einmal sagte sie, daß\nich rote Lippen habe. Und einmall s&gte ich, daß\nsie oberflächlich sei, denn ich wollte sie ärgern.\nAm nächsten Tage trafen wir uns wieder. Das\nwar kein Zufall. Wir gingen über Wiesen. Sie legte\ndie Hand auf meine Schulter und war gut zu mir.\nDa dachte ich an den Fußtritt, den ich einmall von\nihr erhalten werde.\n. . . Ich hatte ihr gestern wehe getan, weil ich\nsie oberflächlidh nannte. Denn in ihrer Stimme\nklang etwas wie Weinen, als sie sagte:\nIch bin wirklich nicht sb oberflächlich, wie Sie\nglauben, Olaf. Ich habe zweimal unglücklich ge-\nliebt und einmal glücklich entbunden.\nMir Schien, als ob die Hand auf meiner Schulter\nschwerer würde , . .\nWir schritten langsam. Wir sahen keine Men-\nschen. Wind kam über die Wiesen. Am Himmel\nwaren überall Wolken, die drohten Regen.\nSie Sslah mich an. Ihr Blick war nackt und sagte\nvon Leidenschaft.\nDas war zu niedlich, wie ich sie da plötzlich\npackte und tnit mir ins1 Gras warf und schon deshalb\nim Rausdh ihr zuflüsterte Du, meine — Und wie sie\nschluchzte: Olaf — — —\nSeither schreibe ich in der Schule schlechte\nArbeiten. 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Ich wartete auf\nirgend ein Ereignis1. Natürlich nidht mehr, als ich\nSah, daß dieser peinliefe Herr Rudolf Lothar sich\nwieder einmal' mit einer Bearbeitung an sein deut-\nsches Publikum wandte. Nichts ist vor dem Herrn\nLothar sicher. Er besitzt einen unglaublichen In-\nstinkt für Kitsdh. Aus Frankreich. Aus Spanien.\nUnd den übrigen Ländern und Erdteilen. Und alles\nwird von ihm zu einer Sprache verarbeitet, in der\ne r nur Spricht, nidht denkt, und die man nicht\nversteht. Also: Das Hebbeltheater heißt jetzt Mo-\ndernes Theater, und ich bin überzeugt, daß dort\nnächstens Fulda, Philippi und Sudermann gespielt\nwerden, und die Kollegen vom Berliner Lokalan-\nzeiger und Verwandten Fachblättern wieder den „Na-\nturalismus\" und die Moderne bekämpfen müssen.\nDoch darüber können wir uns später auseinander-\nsetzen. Wenn das Unglück wieder da ist. Zunächst\ngenügt „Die Wespe\" alfe Ersatz. Verkitschter Ibsen\nmit einem Schuß Dumas! ohne Esprit und einigen\nTropfen Sardou ohne Technik. Aber stonst sehr\nsympathisch. Rührung, Grazie, Humor. Gespielt\nwurde gräßlich. Wenn man schon lauter talentlose\nSchauspieler engagiert, muß man sich wenigstens\neinen Regislseur leisten. Dann geht es auch so.\nPersönlichkeiten sind an dem Theater überhaupt\nnicht vorhanden, das! einzige Talent heißt Erich\nSchönfelder; ein Fräulein Paula Silten sei als un-\nerlaubt dilettantisch gebrandmarkt. Adele Hartwig\ngastierte. Das tut sie immer. Das Stück spielt auf\ndem Schloß der Trelart bei Tours. Zeit: Gegen-\nwart. Das Programm hat zwar keine hygienischen\nInserate, aber dafür herrlichen Buchschmuck. „Ju-\ngendstil\", vastehste. Der neue Direktor soll über\nZweihundert Jahre alt sein. 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Fischer Berlin\nSAMUEL LUBLINSKI\nLiteratur und Oesellschaft im neunzehnten\nJahrhundert / Vier Bände\nVerlag Siegfried Cronbach Berlin J\nALFRED MOMBERT\nDer Glühende\nDer Denker\nDie Blüte des Chaos\nVerlag J. C. C. Bruns / Minden i. W«\nOSKAR KOKOSCHKA\nDie Traumtragenden\nMit zehn Künstlersteindrucken des Verfassers\nWiener Werkstätte 1908\nSTEFAN GEORGE\nDer siebente Ring\nVerlag Georg Bondy Berlin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "224", "page_fin": "224", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.10", "titre_corps": "Spielplan der Berliner Theater", "titre_sommaire": "Spielplan der Berliner Theater", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.6", "debut_caractere": 7070, "fin_caractere_exclue": 9075, "texte": "Spielplan der Berliner Theater\nSeptember Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montag Berliner Theater Modernes Theater\n.... - ' — Allabendlich: Gastspiel Hansi Niese: Sonnabend: Die Wespe. Donners-\nDeutsches Theater Judith Ampbitryon I Faust Amphitryon I Faust Das Musikantenmädel. tag Freitagnnd Sonntag: Der\nNeues Theater '\nKammerspiele Die Letzten Simson und Der gute König Die Letzten Der gute König Freitag bis nächsten Sonntag: Die Neues Operettentheater\nDelila Dagobert Dagobert goldene Ritterzeit. Allabendlich: Der Graf von Luxem-\nLessingtheater Das Konzert Jan^ris Einsame Einsame Die versunkene Kleines Theater\nder Narr Menschen Menschen Glocke Donnerstag: Nur ein Traum. Frei- Residenztheater\nHoffmanns Der Arzt Arztwid Will tag. Luxuszug. Sonnabend. Die prejtag bis Sonntag: Noblesse oblige.\nKomische Oper nonmanns Zigeunerliebe .\"V „ rf Zigeunerliebe verflixten Frauenzimmer. Erster 5 _\nErzählungen s wider Willen N. Hoffm.Erzäh- 8 Klasse. Sonntag nachm.: Ein Vnlk„fl„M,\n— idealer Gatte voiKSoper.\nNeues königliches Siegfried Don Tuan Misrnon Die Meistersing. Fidelio ! (Gastspiel des Neuen Schauspielh.)\nOperntheater g uon Juan Mignon VQn Nürnber„ *iaeuo rnl x x Donnerstag und nächsten Sonntag:\n— Theater des Westens Alt-Heidelberg. Mittwoch, Frei-\nKönigliches Rirharrl TTT Die Welt i, d. Moliere u. die Moliere und die Götz von Allabendlich: Die geschiedene Frau. tag, Sonnabend: Der Flieger.\nSchauspielhaus ' m. s. langweilt Seinen.TartüfTe. Seinen. Tartüffe Berlichingen\nLustspielhaus Trianontheater\nSchiller-Theat. O. Die Liebe Goldene Die Welt in d. Die Welt i. d Wallensteins L. Allabendlich sowie Sonntag nach- Allabendlich sowie Sonntag nachm.:\nwacht Herzen m. s. langweiltm. s. langweilt Piccolommi mittag: Das Leutnantsmündel. Pariser Witwen.\nSchiller-Theater Bresters Die Liebe Robert und Robert u. Bertr. Die Liebe Metropoltheater. Thaliatheater\nCharlottenburg Millionen wacht Bertram Nm.: Egmont wacht Allabendl.: Hallo! Die grosse Reyue. Allabendlich ;J|Polnische Wirtschalt,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "225", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.7", "debut_caractere": 182, "fin_caractere_exclue": 317, "texte": "mm\nIHB6EIVIESE!\nKUKSTLER.\nOER\nBERLINER\nJfl TSER\nGALE RIE\n/VWMiLIAM\n•AACHT\nBER.LIN.WSO\nRANKE STa. i\n9\nINTRUST\n>a\n\" ■■' T\"~ —»\n■\ntappfrt*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "225", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.7", "debut_caractere": 319, "fin_caractere_exclue": 1845, "texte": "Lesen und stauaeaa!!\nUm unseren Sicherheits-Rasierapparat welcher\nalle bis dato auf den Markt gebracliten Rasierapparate iiber-\ntrifft, schnell in alien Kreisen einzufiihren, haben wir uns\n5000 Stuck zum Selbstkosten-\npreise v. Mk. 6- (statt Mk. 15-)\nzu liefern.\nDieser Apparat ist aus dem allerfeinsten Material\nhergestellt, schwer versilbert und wird in eiegantem\nLeder-Etui mit 12 vorziiglichen Schneiden versandt.\n-j Lassen Sie sich diese giinstige\nJ Gelegenheit nicht entgehen !!\n= Beachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Apparat bietet:\n1. Grosse Ersparnis an Zeit und Geld! ::\n2. Stets sauber rasiert, da Schneiden und Kratzen voll-\nstandig ausgeschlossen!\n3. Kein Warten beim Barbier!\n4. Keine Ansteckungsgefahr, wie Bartflechten usw.!\n5. Auf der Reise, auf See, im Manover usw. unentbehrlich!\n30 mal benntzt, hat sich der Apparat hezahlt gemacht!\nDie in jeder Beziehung vorziiglichen Messer besitzen einen derartigen durch ein spezielles\nVerfahren hergestellten Hartegrad, dass sie fiir den stMrksten Bart verwendbar sind.\nBestellen Sie sofort, denn diese 5000 Rasier-Apparate werden infolge ihrer noch\nniemals gebotenen Billigkeit bald vergriffen sein.\nSie erhalten diesen tadellosen Rasier-Apparat gegen Nachnahme von 6,30 Mk. portofrei-\nWir richten nur die bescheidene Bitte an Sie, diesen Apparat in Ihrem werten Bekanntenkreise\nzu empfehlen.\nNach Absatz dieser 5000 Apparate kosten diese 15 Mark.\nVersandhaus chemischer uad techoischer Neuheiteo Hans Fredrich\n:: Berlin; SW. 68, K#clistiasse ¥2 ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "225", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.7", "debut_caractere": 1847, "fin_caractere_exclue": 2787, "texte": "Dampf-Fabrik fur Puder, Sohminken u. Kosmetika\nL. Leichner\nLieferant der Koniglichen Theater Berlin\nBERLIN SW., Schiitzenstrasse Nr. 31\nDie besten Gesichtspuder sind:\nLeichner\nLeichner\nLeichner\nLeichnsr\nLeichner\nLeichner\nLeichner\ns Fettpuder\ns Hermelinpuder\ns Aspasiapuder\ns Tagesschminken\ns Kaiserrot, Biumenrot\ns Rouge de Theatre\ns Rouge Aspasia\nLeichner's Fettschminken fiir die Biihue\nFerner sind im taglichen Gebrauch der Kiinstler und Kiinsilerinnen:\nGoldcream, Abschminke, Abschminkpapier, Augenbrauen=\nund Lippenschminke, Puderquasten, Hasenpfoten, fliissige\nSchminken, Eau de lys, Haarpuder, Zahnpasta, Leichner=\nAlbum, Polisseur zur Nagelpflege. Neu: Leichner's Hand=\nschuhpuder, feinste trockene Parfiimierung und zur\nKorperpflege.\nErste Preise anf alien beschickten WeitaussteJlungen, zuletztWien 190\nGoldene Staatsmedaille; St. Louis U.S.A.: Grand prix; Paris 190\nVice-Prasident der Jury international; Mailand 1906: Grcnd prix"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c019", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "225", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.7", "debut_caractere": 2789, "fin_caractere_exclue": 3473, "texte": "1. Eine hervorragende Neuersohelnung ant dem Gebiete der Mlidtlw-is\n„Braucheit wir noch TSchterpeiisionate?'\nvon Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer. Preis Mk. ft—\nWichtig: fur Eltern heranwachsender Tochter, Padagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Die Reabenpensioiiate, deren Einriehtang, ihr tnuert's\nand ausseres Leben.\" Yon L. Daniel. Ein Ratgeber filr Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. 1,80..\n3. „I>aß Tocliterpensionat\" sst die einziffe Zeitschrift, die die Id-\nterressen der Vorsteherinnen verfritt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis fur die Praxis. Pro Halbjahr Mk. &,50.\nDarch samtliche Buchlidlg. 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Jahrgang. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Qeorg Liitike\nDie „Akademische Rundschau\" erscheint am 10 ten und 25 ten\neines jeden Monats. Probe-Nummer gratis\nHSherziichtung des Menschen auf biologischer Grundlage\nVon Dr. Franze (Mk. 1,80). Was ist bis jetzt fiir eine vernilnftige\nEhereform geschehen? Nichts! Und doch ist die Sache fiir die\ngesamte Mehrheit ungeheuer wichtig! Was lasst sich in dieser\nBeziehung tun? DarOber soil uns die Schrift aufklaren. Die Schrift\nist deshalb ebenso wichtig ftir die Eltern wie fiir die heiratsfahigen\nJlinglinge und Jungfrauen. Man lese!\nBelastung respektive Ererbung und Entartung. von Dr. j. Sadger\n(1,50 Mk.). Die zwei Worte „Belastung und Entartung\" bergen\" so\nungeheuer viel in sich, dass jedermann sich dariiber unterrichten\nsollte. 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IllllliWlll I IMMWaM—BWWWIUMM ■■ ——I IkJUMMMUMII I lllilllll WlPfilHTnFßaBKsa>aaw"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-08-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-08_01#c022", "volume": "bmtnabg_1910-09-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "226", "page_fin": "226", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.8", "debut_caractere": 167, "fin_caractere_exclue": 414, "texte": "Verlag „Der Sturm\"\nXy—l\nWir übernahraen inunsernV erlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiir Gesang u. 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(\nSie haben sich eine Art Weltanschauung ge-\ndichtet, wie sie eine Libelle haben könnte ; in Sonne\nund Luft schwebend, aber in einem Sumpf geboren,\nfliegen sie stoßweise dahin, bleiben niemals sitzen,\nhalten aber zuweilen still, während sich die Flügel\nbewegen; vielleicht back gebraßt, da der Flug nicht\nvorwärts kommt; dann rücken sie wieder vor, halten\nwieder still. Sie suchen beständig etwas, das ist\njedoch nicht Raub, vielleicht ein Vergnügen, eine\nKleinigkeit, nichts. Unbeständig, ohne ein fernes\nZiel, zufrieden nur, wenn die Sonne scheint; kommt\naber eine Wolke und sprüht Regen, Verbergen sie\nsich und hocken unter Blättern; die Lebenslust ist\nfort, alles wird dunkel, und wenn die Sonne unter-\ngeht, sterben sie.\nSie stellen keine anderen Forderungen ans\nLeben alk Speise und Trank und Vergnügen, denn\n„morgen werden wir sterben\". Schuld können sie"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.2", "texte": "nicht empfinden, denn alles! Moralische ist ihnen\ngleichgültig wie die Fliege. Sie verstehen nicht,\nwenn sie Unrecht tun, lind immer schieben sie die\nSchuld auf einen anderen. Sie dichten sich einen\nCharakter an, der hell und freundlich erscheinen\nsoll: aber im Innersten sind sie schwermütig; das\nzeigt sich, wenn sie allein sind, dann denken sie\nimmer an Selbstmord.\nZuweilen, wenn es! ihnen sehr gut geht, ge-\nbrauchen sie das Wort: der gute Gott; geht es\nihnen schlecht, werden sie böse und glauben an\nbösC Mächte, verstehen aber nicht Hilfe bei dem\nguten Gott zu stehen.\nAlles', was sie wünschen, (dichten sie' in Wirklich-\nkeit um; alles', was sie wollen, wird Wahrheit,\nalles! Unbequeme, Unangenehme ist unwahr. Sie\nkönnen sich eine ganze Lebensgeschichte andich-\nten; daß sie Von Karl dem Großen oder August\nvon Sachsen abstammen. Ich kenne eine Finnlän-\nderin, die sich einbildete, sie sei Russin. Schließ-\nlich stammte sie von Mathias Corvinus, der polnisch\ngewesen sein soll. Ich kann nicht sagen, daß sie\nlog, denn sie glaubte daran, hielt es für wahr,\nobgleich sie es erdichtet hatte.\nEine solche Dichterin über eine Tatsache auf-\nklären, ist unmöglich, falls diese Tatsache im Ge-\nringsten unangenehm ist. Ihr eine richtige An-\nsicht über einen Tatbestand beibringein, ist ebenso\nunmöglich, falls nicht Leidenschaft oder Interesse\nzufällig dieselbe Richtung einschlagen.\nWenn einer von ihrem Hof kreis; einen Buben-\nstreich begangen hat, so leugnen sie zuerst die\nTatsache: „Es ist unmöglich!\" Wenn es keine Hilfe\nmehr gibt, verteidigt sie ihn: „Er ist im Grunde ein\nguter Mensch, und ihr seid nicht ein bißchen\nbesiser!\" Es endet damit, daß wir alle Schurken\nsind und dort sitzen müßten, wo er sitzt.\nSie ist dreißig Jahre alt, hat ein Kind, aber\nsie dichtet sich jung, spricht von ihrer Jugend;\noft ist sie allerdings geplündert vom Mann, der\nnichts zu plündern fand, als sie yierundz\\vanzig\nzählte. i\nSie kann sogar noch jungfräulich sein, obgleich\nsie ein Kind bekommen hat; ja sie weiß nicht,\nwie das Kind entstanden ist . . .\nSie vergißt eine begangene Tatsache, die\nreichsbekannt ist; aber d|ie hat sie ausgestrichen,\ndie hat nie existiert, die ist ganz einfach. Lüge\noder weniger als Lüge.\nSie beschäftigt sich immer mit den Schicksalen\nder Menschen; schlagen die Gekränkten aber zu-\nrück, so beklagt sie sich über deren Bosheit und\nRachgier. Sie selber kann nicht dahinter kommen,\ndaß sie unrecht getan hat.\nEinmal weckte er sie, indem er das rechte Wort\nfür ihren Charakter und ihr Betragen benutzte. Da\nerwachte sie, flog aus dem Zimmer wie ein wilder\nVogel, ging davon. Er ließ s|ie gehen.\nSie dachte, er werde ihr nachkommen; das tat\ner aber nicht. Da kam sie selber, aber nicht wie\neine Flehende, sondern wie eine Königin um die\nHuldigung entgegenzunehmen. Die Huldigung blieb\naus1. Da Verlor sie den Verstand zwei Tage lang.\nEr erbarmte sich ihrer. Aber sie konnte nur\nwieder aufgerichtet werden, wenn er sich! ihr reuevoll\nwieder näherte. Es| war ein großes Opfer, aber\ner brachte es um des Kindes willen. Da bekam\nsie „ihren Verstand wieder\" und verzieh ihm, nach-\ndem sie die Bedingungen diktiert hatte: Er sollte\nnett sein; das heißt: sie gewähren lassen, wie sie\nwollte; und er sbllte nicht harte Worte gebrauchen.\nHarte Worte fürchtete Sie am meisten; denn die\nweckten sie. Die wirkten wie Dynamit auf ihr ver-\nsteinertes Herz und Gefühl. Und was sie „den Ver-\nstand verlieren\" nannte, war gleichbedeutend mit:\nden Verstand wiederbekommen, zum Bewußtsein\nerwachen, sich im Spiegel sehen, sich selber er-\nkennen.\nIhr Ich glich einem Ballon aus1 Seide, der beim\ngeringsten Riß zu Boden fallen konnte. Daher ihre\nFurcht vor Ecken und Spitzen.\nSie liebte das| Feiine. Das bedeutete: laß mich\ngewähren; widersprich mir nicht, sonst zerstörst\ndu mein Netz aus! Spinngewebe, mit dem ich dich\ngefangen halte.\nDann schlief sie wieder ein, begann ihre Vor-\nstellungen von ihrer Jungfräulichkeit, der geplün-\nderten Jugend, der Geberin, die ihm alles! gegeben\nhatte (wo nichts! zu geben war); der Gläubigerin,\nder eingesperrten Sklavin (die frei ging und kam);\ndem unterdrückten Weib, das keine eigene Meinung\nhaben durfte, dein er die Lebensfreude geraubt\nhätte.\nJedes fünfte Jahr weckte er sie mit einer Dyna-\nmitpatrone. Dann aber schlief sie wieder ein. Und\ndann begann sie wieder aus demselben Sprachvorrat\nzu fabulieren. Dreißig Jahre dichtete sie ihren\nCharakter, ihre Lebensgeschichte, ihre Ansichten,\nihren Geschmack, ihre Religion. Sie war fünfzig\ngeworden, hatte Hauer im Mund, Muskeln und Fett\nim Ueberfluß, grauesl, aber gefärbtes Haar, das\nnach Talg roch. Sie war alt und wußte es nicht.\nSieh meine Zähne, sagte sie, ich habe noch\nalle. (Aber einer war künstlich, mindestens einer.)\nSie ging mit bloßen Armen auf die Hochzeit\nihrer Tochter und machte selber den jungen Herren\nden Hof. Zeigte ihr schönes Haar, das jetzt weiß\nwar unter dem Schönheitsmittel.\nBald darauf ötarb der Mann; ermoiidet;k&nn man\nsagen. Sie fiel zusammen und ward ein altes Weib.\nEsl war des Mannes „Lebensprana\", von dem sie\ngelebt hatte, ohne es zu wissen; und es war, als\nnehme er, der im Grabe lag, siein Eigentum zurück,\num die Auflösung aufzuhalten.\nJetzt ist sie fünfundfünfzig, kokettiert aber noch\nimmer (zeigt Zähne und Haar). Sie ist noch nicht\nerwacht, und scheint nicht eher erwachen zu können,\nals im Tod.\nZuweilen, wenn sie traurig ist, besucht sie mich\nzur Mittagszeit, bleibt eine Stunde und lügt mir vor;\nsie dichtet, hatte ich zu sagen versprochen.\nSie redete meistens über die Undankbarkeit der\nWelt gegen sie, die einem schlechten! Mann eine gute\nGattin gewesen sei, eine vortreffliche Mutter, wohl-\ngesinnt, aufopfernd, besonders gegen den, der „ihre\nJugend\" geplündert hatte. Balzac hat den Typus in\n„L'art d'etre martyre (Petites! miseres de l'a vie Cori-\njugale)\" geschildert, trotzdem er nicht verheiratet\nwar.\nWas ist das für ein menschenähnlichesi Wesen,\nvon dem der Mann nach einem Zusammenleben von\ndreißig Jahren sagen konnte: „Da ist nicht ein\nmenschlicher Zug zu finden!\" Sie zeigt Teilnahme,\num etwas! zu gewinnen; weint sie, will sie ein\nKleid oder einen Ring haben; lacht sie, so benutzt\nsie die Gelegenheit, die Zähne zu zeigen; ist sie\nwirklich einmal zugänglich für eine tatsächliche Aus-\nkunft, ist es aus Falschheit und Schöntuerei. Sie\nversöhnt sich nur, wenn man Besuch erwartet; sie\nliebt ihre Kinder nur, weil sie die Aussicht auf ein\nheiteres' Alter hat, in dem sie nicht allein zu sein\nbraucht; vom Manne wollte sie sich nicht scheiden\nlassen, weil sie eine (Wohnung haben mußte, in\nder sie empfangen konnte. Und sie hätte ihn längst\ngemordet, wenn sie nicht befürchten mußte, die\nPension zu verlieren.\nNichts war bei ihr ganz wirklich. Ihre Er-\ngebenheit glidh Ergebenheit, ihre Freude erinnerte\nan Freude, war aber böse; ihre Trauer besaß ent-\nfernte Aehnlichkeit mit Schmerz1. Es waren nur\nGleichnisse.\nSie begriff nie, was' er meinte, sondern faßte\nes auf ihre verkehrte Art, nach ihrem Interesse.\nIch verstand nie, was sie sagte; denn sie muß eine\nAntiphrase benutzt, das Gegenteil von dem gesagt\nhaben, was! sie dachte. Sie gebrauchte niemals die\nklären einfachen Worte ja und nein; sie wich ihnen\naus wie einer Falle; denn sie glich dem Tier eines\nJagdgrundes1, das überall Fallen sieht. Sie selber\naber knüpfte Sehlingen mit Worten. Sie verwandelte\neinen freien Vorschlag in ein festes Versprechen,\nsie stahl1 Blicke als Beifall, verwandelte ein Nicken\nin eine Verpflichtung; bot ihre Dienste an, um\nspäter die Rechnung senden z:u dürfen.\nDer Mann sagte einmal: Wenn mich, ihren\nGatten, nach dreißig Jahren jemand fragt, mit wem\nich verheiratet gewesen bin, kann ich nur antworten:\ndasi weiß ich nicht! Ich habe dieses Weib nie\ngekannt! Wenn ich manchmal nachts erwachte,\nmußte ich nachdenken, wen ich neben mir habe.\nWenn sie schlief, existierte sie nicht! Aber ich war\nan sie gebunden; sie wuchs auf mir, nahm ihr\n„Prana\" aus mir. Ich muß ihr einige Eingeweide von\nmir gegeben haben; wenn s;ie fortging, schmerzte\nes!, ich konnte nicht atmen oder verdauen, ehe sie\nnicht mit meinen Eingeweiden zurückkam. Sie ge-\nbrauchte einen Spiegel, aber nur für das1 Aeußere;\nund wenn ich zuweilen den anderen Spiegel vor\nihr Innerstes hielt, entsetzte sie sich; ihr Gesicht\nbekam Krämpfe, wie der Fuchs', wenn der Jäger\nihn überrascht. Sie verdrehte die Augen, verwandelte\nihre Züge, daß sich eine ganze Reihe Gesichter\nnacheinander zeigten; und statt ihrer Blicke sah\nich die eines Dämonen oder eines Tieres.\nDeutsch von Emil Schering\n\nSchluss folgt\n\nDie Ermordung einer\nButterblume\nVon Alfred Döblin\nDer schwarzgekleidete Herr hatte erst seine\nSchritte gezählt, einsl, zwei, drei, bis hundert\nund rückwärtsl, als er den breiten Fichtenweg nach\nSt. Ottilien hinanstieg, und siCh bei jeder Bewegung\nmit den Hüften stark nach rechts und links ge-\nwiegt, so d,aß er manchmall taumelte ; dann vergaß\ner es.\nDie hellbraunen Augen, die freundlich1 hervor-\nquollen, starrten auf den Erdboden, der unter den\nFüßen fortzog, und die Arme sChlCnkerten an den\nSchultern, daß die weißen Manschetten halb1 über\ndie Hände fielCn. Wenn ein gelbrotes! Abendlicht\nzwischen den Stämmen die Augen zum Zwinkern\nbrachte, zuckte der Kopf, machten die Hände ent-\nrüstete hastige Abwehrbewegungen. Das dünne Spa-\nzierstöckchen wippte jn der Rechten über Gräser\nund Blumen am Wegrand und vergnügte sich mit\nden Blüten. .\nEs blieb, als der Herr immer ruhig und acht-\nlos! seines Weges zog, an dem spärlichen Unkraut\nhängen. Da hielt der ernste Herr nicht inne,\nsondern ruckte, weiter schlendernd, nur leicht am\nGriff, schaute sich dann am Arm festgehalten ver-\nletzt um, riß erst vergebens, dann erfolgreich mit\nbeiden Fäusten das Stöckchen los und trat atemlos\nmit zwei raschen Blicken auf den Stock und den\nRasen zurück, so daß die Goldkette auf der\nschwarzen Weste hochsprang.\nAußer sich stand der Dicke einen Augenblick\nda. Der steife Hut saß ihm im Nadken. Er fixierte\ndie verwachsenen Blumen, um dann mit erhobenem\nStock auf sie zu stürzen und blutroten Gesichts\nauf das stumme Gewächs loszuschlagen. Die Hiebe\nsausten rechts und links. Ueber den Weg flogen\nStiele und Blätter.\nDie Luft laut von sich blasend, mit blitzenden\nAugen ging der Herr weiter. Die Bäume schritten\nrasch an ihm vorbei; der Herr achtete auf nichts.\nEr hatte eine aufgestellte Nase und ein plattes bart-\nloses Gesicht, ein ältliches Kindergesicht mit süßem\nMündchen.\nBei einer scharfen Biegung des Weges nach\noben galt est aufmachten. Als er ruhiger marschierte\nund sich mit der Hand gereizt den Schweiß: von der\nNase wischte, tastete er, daß sein Gesicht sich ganz\nverzerrt hatte, daß seine Brust heftig keuchte. Er\nersChrak bei dem Gedanken, daß ihn jemand sehen\nkönnte, etwa von seinen Geschäftsifreunden odef eine\nDame, Er strich sein Gesicht und überzeugte sich\nmit einer verstohlenen Handbewegung, daß es\nglatt war.\nEr ging ruhig. Warum keuchte er? Er lächelte\nverschämt. Vor die Blumen war er gesprungen und\nhatte mit dem Spazierstöckchen gemetzelt, ja mit\njenen heftigen aber wohlgezielten Handbewegungen\ngeschlagen, mit denen er seine Lehrlinge zu ohr-\nfeigen gewohnt war, wenn sie nicht gewandt genug\ndie Fliegen im Kontor fingen und nach der Größe\nsortiert ihm Vorzeigten.\nHäufig schüttelte der ernste Mann den Kopf\nüber das sonderbare Vorkommnis. „Man wird\nnervös in der Stadt. Die Stadt macht mich nervös,\"\nwiegte sich nachdenklich in den Hüften, nahm den\nsteifen englischen Hut und fächelte die Tannenluft\nauf Sieinen Schopf.\nNach kurzer Zeit war er wieder dabei, seine\nSchritte zu zählen, einsl, zwei, drei. Fuß trat vor\nFuß, die Arme sChlenkerten an den Schultern. Plötz-\nlich sah Herr Michael Fischer, während sein Blick\nleer über den Wegrand strich, wie eine untersetzte\nGestalt, er selbst, von dem Rasen zurücktrat, auf die\nBlumen stürzte und einer Butterblume den Kopf\nglatt abschlug. Greifbar geschah vor ihm, was\nsich vorhin begeben hatte an dem dunklen Weg.\nDiese Blume dort glich den anderen auf ein Haar.\nDiese eine lockte seinen Blick, seine Hand, seinen\nStock. Sein Arm hob sich, das Stöckchen sauste,\nwupp, flog der Kopf ab. Der Kopf überstürzte\nsich in der Luft, verschwand im Gras. Wild schlug"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.3", "texte": "das Herz des Kaufmanns. Plump sank jetzt der\ngelöste Pflanzenkopf und wühlte sich in das Gras.\nTiefer, immer tiefer, durch die Grasdecke hindurch,\nden Boden hinein. Jetzt fing er an zu sausen, in\ndas Erdinnere, daß keine Hände ihn mehr halten\nkonnten. — Und von oben, aus dem Körperstumpf,\ntropfte es, quoll aus dem Halse weißes Blut, nach\nin das Loch, erst wenig, wie einem Gelähmten, dem\nder Speichel aus dem Mundwinkel läuft, dann in\ndickem Strom, rann schleimig, mit gelbem Schäum\nauf Herrn Michael Zu, der vergeblich zu entfliehen\nsuchte, nach rechts hüpfte, nach links hüpfte, der\ndrüber wegspringen wollte, gegen dessen Füße es\nschon anbrandete.\nMechanisch setzte Herr Michael den Hut auf\nden Sthweißbedeckten Kopf, preßte die Hände mit\ndem Stöckchen gegen die Brust. „Was ist ge-\nschehen?\" fragte er nach einer Weile. „Ich bin\nnicht berauscht. Der Kopf darf nicht fallen, er\nmuß liegen bleiben, er muß im Gras liegen bleiben.\nIch bin überzeugt, daß er jetzt ruhig im Gras1 liegt.\nUnd das Blut . Ich erinnere mich dieser Blume\nnicht, ich bin jnir absolut nichts bewußt.\"\nEr staunte, verstört, mißtrauisch gegen sich\nselbst. In ihm starrte alles auf die wilde Erregung,\nsann entsetzt über die Blume, den gesunkenen Kopf,\nden blutenden Stiel. Er s'prang noch immer über\nden schleimigen Fluß. Wenn ihn jemand sähe, von\nseinen Geschäftsfreunden oder eine Dame.\nIn die Brust warf sich Herr Michel Fischer,\numklammerte den Stock mit der Rechten. Er blickte\nauf seinen Rock und stärkte sich an seiner Haltung.\nDie eigenwilligen Gedanken wollte er schon unter-\nkriegen: Selbstbeherrschung. Diesem Mangel an\nGehorsam würde er, der Chef, energisch steuern.\nMan muß diesem Volk bestimmt entgegentreten:\n„Was steht zu Diensten? In meiner Firma ist solch\nBenehmen nidit üblich. Hausdiener, raus mit dem\nKerl.\" Dabei fuchtelte er stehen bleibend mit dem\nStöckchen in der Luft herum. Eine kühle, ab-\nlehnende Miene hatte Herr Fischer aufgesetzt; nun\nwollte er einmal sehen. Seine Ueberlegenheit ging\nsogar soweit, daß er oben auf der breiten Fahrstraße\nseine Furchtsamkeit bespöttelte. Wie würde es sich\nkomisch machen, wenn an allen Anschlagsäulen\nFreiburgs am nächsten Morgen ein rotes Plakat\nhinge: „Mord begangen an einer erwachsenen\nButterblume, auf dem Wege vom Immenthal nach\nSt. Ottilien, zwischen 7 und 9 Uhr abends. Des\nMordes verdächtig\" et cetera. So spöttelte der\nschlaffe Herr in Schwarz und freute sich über die\nkühle Abendluft. Da unten werden die Kinder-\nmädchen, die Pärchen finden, was von seiner Hand\ngeschehen war. Geschrei wird es geben und ent-\nsetztes Nachhauselaufen. An ihn würden die\nKriminalbeamten denken, an den Mörder, der sdilau\nins Fäustchen lachte. Herr Michael erschauerte' wüst\nüber seine eigene Tollkühnheit, er hätte sich nie\nfür So (Verworfen gehalten. Da unten lag aber\nsichtbar für die ganze Stadt ein Beweis seiner\nraschen Energie.\nDer Rumpf ragt starr in die Luft, weißes Blut\nsickert aus dem Hals.\nHerr Michael streckte leicht abwehrend die\nHände vor.\ngerinnt oben ganz dick und klebrig, so daß\ndie Ameisen hängen bleiben.\nHerr Michael strich sich die Schläfen und blies\nlaut die Luft von sich.\nUnd daneben im Rasen fault der Kopf. Er\nwird zerquetscht, aufgelöst Vom Regen, verwest.\nEin gelber, stinkender Matsch wird aus ihm, grün-\nlich, gelblich schillernd, schleimartig wie Er-\nbrochenes1. Das hebt sich lebendig, rinnt auf ihn\nzu, gerade auf Herrn Michael zu, will ihn ersäufen,\nStrömt klatschend gegen seinen Leib an, spritzt an\nseine Nase. Er springt, hüpft nur noch auf den\nZehen.\nDer feinfühlige Herr fuhr zusammen. Einen\nscheußlichen Geschmack fühlte er im Munde. Er\nkonnte nicht Schlucken vor Ekel, spie unaufhörlich.\nHäufig stolperte er, hüpfte unruhig, mit blaubleichen\nLippen weiter.\n„Ich weigere mich, ich weigere mich auf das1\nentschiedenste, mit Ihrer Firma irgend welche Be-\nziehung anzuknüpfen.\"\nDaö Taschentuch drückte er an die Nase. Der\nKopf mußte fort, der Stiel zugedeckt werden, ein-\ngestampft, Verscharrt. Der Wald roch1 nach der\nPflanzenleiche. ;Der Geruch ging nebeln Herrn\nMichael! Einher, wurde (immer intensiver, Eine\nandere Blume mußte an jene Stelle gepflanzt werden,\neine wohlriechende, ein Nelkengarten. Der Kadaver\nmitten im Walde mußte 1 fort. Fort.\nIm Augenblick, als Herr Fischer stehen bleiben\nwollte, fuhr es! ihm durch den Kopf, daß es ja\nlächerlich war, umzukehren, mehr als lächerlich'. Was\nging ihn die Butterblume an? Bittere Wut lohte\nin ihm bei dem Gedanken, daß er fast überrumpelt\nwar. Er hatte sich nicht zusammengenommen, biß\nsich in den Zeigefinger: „Paß auf, du, ich sag\ndirs, paß auf, Lump verfluchter.\" Zugleich warf\nSich hinterrücks Angst riesengroß über ihn.\nDer finstere Dicke sah scheu um sich, griff in\nseine Hosentasche, zog ein kleines Taschenmesser\nheraus und klappte es auf.\nInzwischen gingen seine Füße weiter. Die Füße\nbegannen ihn zu grimmen. Audi sie wollten sich\nzum Herrn aufwerfen; ihn empörte ihr eigenwilliges\nVorwärtsdrängen. Diese Pferdchen wollte er bald\nkirren. Sie Sollten jes! spüren. Ein scharfer Stich\nin die Flanken würde sie schon zähmen. Sie trugen\nihn immer weiter fort. Es sah fast aus, als ob er\nvon der Mordstelle fortliefe. Das sollte niemand\nglauben. Ein Rausdien von Vögeln, ein fernes\nWimmern lag in der Luft und kam von unten\nherauf. „Halt, Halt!\" schrie er den Füßen zu.\nDa stieß er das Messer in einen Baum.\nMit beiden Armen umsdhlang er den Stamm und\nrieb die Wangen an der Borke. Seine Hände\nfingerten in der Luft, alte ob sie etwas kneteten:\n„Nach Kanossa gehen wir nicht.\" Mit angestrengt\ngerunzelter Stirn studierte der totblasse Herr die,\nRisSe des Baumes, duckte den Rücken, als1 ob von\nhinten etwas! über ihn wegspringen sollte. Die\nTelegraphenverbindung zwischen sich und der Stelle\nhörte er immer wieder klirren, trotzdem er\nmit Fußstößen die Drähte verwirren und zudrücken\nwollte. Er suchte es sich zu verbergen, daß seine\nWut sdion gellähmt war, daß in ihm eine sachte\nLüsternheit aufzuckte, eine Lüsternheit nachzugeben.\nGanz hinten lüsterte ihn nach der Blume und der\nMordstelle.\nHerr Michael wippte Versuchend mit den\nKnieeen, schnupperte in die Luft, horchte nach allen\nSeiten, flüsterte .ängstlich: „Nur einscharren will\nich den Kopf, weiter nichts. Dann ist alles gut.\nRasch, bitte, bitte.\" Er schloß unglücklich die\nAugen, drehte sich wie Versehentlich auf den Hacken\num. Dann schlenderte er, als wäre nichts geschehen,\ngerade aus abwärts, im gleichgültigen Spazier-\ngängerschritt, mit leisem Pfeifen, in das er einen\nsorglosen Ton legte und streichelte, während er\nbefreit aufatmete, die Baumstämme am Wege. Da-\nbei lächelte er, und sein Mäulchen wurde rund wie\nein Loch. Laut sang er ein Lied, das ihm plötzlich\neinfiel: „Häschen in der Grube saß und schlief.\"\nDas frühere Tänzeln, Wiegen der Hüfte, Arm-\nschlenkern machte er nach. Das Stöckchen hätte er\nschuldbewußt hoch in den Aermel hinaufgeschbben.\nManchmal schlich er bei der Biegung des Weges\nrasch zurück, ob ihn jemand beobachtete.\nViellleicht lebte sie überhaupt noch; ja, woher\nwußte er denn, daß sie schon tot war? Ihm huschte\ndurch den Kopf, daß er die Verletzte wieder heilen\nkönnte, wenn er sie mit Hölzchen stützte und etwa\nrings! herum um Kopf und Stiel einen Klebeverband\nanlegte. Er fing an schneller zu gehen, seine\nHaltung zu vergessen, zu rennen. Mit einmal zitterte\n.er vor Erwartung. Und stürzte lang an einer\nBiegung hin gegen einen abgeholzten Stamm, schlug\nsich Brust und Kinn, so daß er laut ächzte. Als\ner sich aufraffte, vergaß er den Hut im Gras;\njäas zerbrochene Stöckchen zerriß ihin den Aermel\nVon innen; er foierkte (nichts1. Hohb, man wollte\nihn aufhalten, ihn siollte nichts aufhalten; er würde\nsie schon finden. Er kletterte wieder zurück. Wo\nwar die Stelle? Er mußte die Stelle finden. Wenn\ner die Blume nur rufen könnte. Aber wie hieß\nsie denn? Er wußte nicht einmal1, wie sie hieß.\nEllen? Sie hieß vielleicht Ellen, gewiß Ellen. Er\nflüsterte ins Gras, bückte sich, um die Blumen mit\nder Hand anzustoßen.\n„Ist Ellen hier? wo liegt Ellen? Ihr, nun?\nSie ist verwundet, am Kopf, etwas unterhalb des\nKopfes1. Ihr wißt es vielleicht noch nicht. Ich will\nihr helfen; ich bin Arzt, Samariter. Nun, wo liegt\nsie? Ihr könnte es mir ruhig anvertrauen, sag\nich euch.\"\nAber wie sollte er, die er zerbrochen hätte,\nerkennen? Vielleicht faßte er Bie gerade mit der\nHand, vielleicht seufzte sie dicht netien ihm den\nfetzten Atemzug ausL\nDas! durfte nicht sein.\nEr brüllte: „Gebt sie heraus. Macht mich nicht\nunglücklich, Ihr Hunde. Ich bin Samariter. Ver-\nsteht Ihr kein Deutsdi?\"\nGanz legte er sich auf die Erde, suchte, wühlte\nschließlich blind im Gras, zerknäulte und zerkratzte\ndie Blumen, während sein Mund offen stand und\nseine Augen gradaus flackerten. Er dumpfte lange\nvor sich hin.\n„Herausgeben. Es müssen Bedingungen ge-\ngestellt werden. Präliminarien. Der Arzt hat ein\nRecht auf den Kranken. Gesetze müssen einge-\nbracht werden.\"\nDie Bäume standen tiefschwarz in der grauen\nLuft am Wege und überall herum. Esl war auch zu\nspät; der Kopf gewiß schon Vertrocknet. Ihn ent-\nsetzte der endgültige Todesgejdanke und schüttelte\nihm die Schultern.\nDie schwarze runde Gestalt stand aus) dem Grase\nauf und torkelte am Wegrand entlang abwärts1.\nSie war tot. Von seiner Hand.\nEr seufzte und rieb sich sinnend die Stirn.\nMan würde über ihn herfallen, von allem Seiten.\nMan sollte nur, ihn kümmerte nichts mehr. Ihm\nwar alles gleichgültig. Sie würden ihm den Kopf\nabschlagen, die Ohren abreißen, die Hände in\nglühende Kohlen legen. Er konnte nichts' mehr tun.\nEr wußte, es würde ihnen allen einen Spaß machen,\ndoch er würde keinen Laut von sich geben, um die\ngemeinen Henkersknechte zu ergötzen. Sie hätten\nkein Recht, ihn zu strafen; waren selbst verworfen.\nJa, er hatte die Blume getötet, und das! ging isie\ngarnichts an, und das war sein gutes Recht,\nworan er festhielte gegen sie alle. Es war seilt\nRecht, Blumen zu töten, und er fühlte sich nicht Ver-\npflichtet, das näher zu begründen. Soviel Blumen\nwie er wolle, könnte er umbringen, im Umkreiste\nvon tausend Meilen, nach Norden, Süden, Westen,\nOsten, wenn sie auch darüber grinsten. Und wenn\nsie weiter so lachten, würde er ihnen an die Kehle\nspringen.\nStehen blieb er; seine Blicke gifteten in das\nschwere Dunkel der Fichten. Seine Lippen waren\nprall mit Blut gefüllt. Dann hastete er weiter.\nEr mußte wohl hier im Wald kondolieren, den\nSchwestern der Toten. Er wies darauf hin, daß\ndas Unglück geschehen sei, fast ohne sein Zutun,\nerinnerte an die traurige Erschöpfung, in der er\naufgestiegen war. Und an die Hitze. Im Grunde\nseien ihm allerdings alle Butterblumen gleichgültig.\nVerzweifelt zuckte er wieder mit den Schultern:\n„Was werden sie noch mit mir machen?\" Er strich\nsich mit den schmutzigen Fingern die Wangen; er\nfand sich nicht mehr zurecht.\nWas sollte das alles; um Gotteswillen, was\nsuchte er hier!\nAuf dem kürzesten Wege wollte er davon-\nschleichen, querabwärts durch die Bäume, sich ein-\nmal ganz klar und ruhig besinnen. Ganz langsam,\nPunkt für Punkt.\nUm nicht auf dem glatten Boden auszugleiten,\ntastet er sich Von Baum zu Baum. Die Blume,\ndachte er hinterlistig, konnte ja auf dem Wege\nstehen bleiben, wo sie stand. Es gibt genug solch\ntoten Unkrauts in der Welt.\nEntsetzen packt ihn aber, als er sieht, wie aus\neinem Stamme, den er berührt, ein runder bl'aßheller\nHarztropfen tritt; der Baum weint. Im Dunkeln auf\neinen Pfad flüchtend, merkt er bald, daß sich der\nWeg sonderbar verengt, als ob der Wald ihn in ieiine\nFalle locken wolle. Die Bäume treten zum Gericht\nzusammen.\nEr muß hinausl\nWieder rennt er hart gegen eine! niedrige Tanne;\ndie S'c'hllägt mit aufgehobenen Händen auf ihin nieder.\nDa bricht er Sich mit Gewalt Bahn, während ihm\ndaS Blut stromweise über das Gesicht fließt. Er\nSpeit, schilägt um sich, stößt laut schreiend mit\nden Füßen gegen die Bäume, rutscht sitzend und\nkollernd abwärts1, läuft schließlich Hals über Kopf\nden letzten Abhang am Rand des Waldes herunter,\nden Dorf lichtem zu, den zerfetzten Gehrock über\nden Kopf geschlagen, während hinter ihm der Berg\ndrohsam rauscht, die Fäuste schüttelt und überall\nein Bersten und Brechen Von Bäumein sich' hören\nläßt, die ihm nachlaufen und schimpfen.\n\nSchluss folgt"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.4", "texte": "Jules Laforgue / Gedichte\nDeutsch von Max Brod\n\nSolo des Mondes\nIch rauche, ausgestreckt im Wagen,\nUnd lasse mich zum Himmel tragen.\nEs rüttelt sich des Leibes elendes Gestell,\nUnd meine Seele,\nDie Beek tanzt wie Ariel;\nO schöne Seele ohne Hehle, ohne Fehle,\nO Straßen, Höhen, Nebel, BergreVier,\n0 meine Seele! wiederholen wir.\nWir liebten uns: so wundersam,\nWir schieden ohne wie und wann,\nEin arger Spleen hielt mich im Bann,\nEin Spfeen, der mir in allem kam. Gut.\nIhr Auge sagte: „Kommst Du mit?\"\nOh, warum willst Du nicht Verstehn?\"\nDoch keiner trat den ersten Schritt,\nUnd jeder ließ den andern gehn.\n1:\\!; ,r : 1\nWo mag sie heute sein ?\nVielleicht Siitzt sie allein . . .\nWo mag sie heute sein?\nOh, mindestens sei klug, laß Dich beschwören,\nschone Dich!\nV • *\n: • !\nIhr Waldungen den Weg entlang im Schauer,\nShaw! der Melancholie, und jede Seele auf der Lauer,\nOh, Sicherlich.\nMein Leben ist beneidenswert!\nWie magisth dieser Wagen fährt!\n1 : i i ;\nDer Mond geht auf,\nO träumender Straßenlauf! ...\nVorbei die Mühlen, die Spinnerei,\nVorbei die Meilensteine,\nUnd rosige Abendwölklein wie aus der Konditorei,\nUnd die Mondensichel, die feine, erscheine.\nO träumende Straße, ohne Musik . . .\nIn diesen Fichtenwäldern, wo immer\nSchon iseit Erschaffung der Welt\nDie Nacht sich hält,\nWas gibts da nette und tiefe Zimmer,\nOh, um Entführungen zu arrangieren!\nUnd ich bevölkre feie und gewahre\nEinen hübschen Haufen Liebespaare,\nDie drinnen ungesetzlich gestikulieren.\nrr~;-! ; ; 1 ' ■' \\ > ' 1\nj ) ] i • J ■\nIch seh sie nicht mehr. Vorbei und schnell\nUnd ich liege zum Himmel das Angesicht\nGewendet und ich bin Ariel.\nE& dreht sich der Weg. Man erwartet mich nicht,\nMein Leben ist leer\nUnd die Hotelzimmer mein einziger Verkehr.\nrn [\"' r | 112 :. ■ ' ■ i • '\n! I I ' I I ! I\nDer Mond geht auf,\nO träumender Straßenlauf,\nEnd loste Bahn.\nDie Poststation,\nDa trinkt man Milch und zündet schon\nDie Laternen an,\nUnd es treibt der PostiHon\nIm Zirpen der Grillen\nUnter den stillen\nJulisternen die Pferde an.\n■'1 ; :\nDu Mond in Strahlenpracht,\nBengalische Beleuchtung einer Hochzeitsnacht,\nDu heilst meine Wunde . . .\nOh, die Schatten der Pappeln die Straße entlang,\nUnd der Badi gibt acht,\nGibt acht auf deinen eigenen Gesang\nUnd der Lethestrom überschwemmt die Runde.\nDu Mond im Strahlenspiel,\nBist stärker als mein Stil.\nOh! Diese Nacht den Weg entlang;\nIhr Sterne fern und nah\nIhr macht mir bang\nIhr seid ja alle, alle da!\nOh! Dieser Stunde rascher Gang . . .\nGab es einen Elixier,\nIch stähle ihre Seele für den Winter mir.\nWie kalt es wird!\nOh, wenn zur selben Stunde,\nGleichfalls zu heilen ihre Wunde,\nDen kalten Wald entlang sie irrt\nIn dieses Mondes Hochzeitsmessen! . . .\n(Sie liebt es, spät umherzugehn!)\nUnd sie hat ihr Halstuch vergessen,\nDann ach! Mit Rücksicht auf die Schönheit dieser\nStunde\nIst es um sie geschehn!\nOh! Schone Dich, laß Dich beschwören,\nUnd diesen Husten will ich nicht mehr hören.\nAch! war ich Dir zu Füßen gefallen!\nAch! hättest Du mich ohnmächtig geküßt!\nIch wäre ein Gatte, ein Muster vor allen,\nSo wie das Frou-Frou deiner Röcke Muster aller\nFrou-Frous ist.\n\nFestabende\nIch bin die Gondel, die zu spät\nErscheint, da das Fest zu Ende geht.\nDasi ist so meine Laune, Kind,\nWeil jetzt die schönen Abende sind.\nNun lieg idi am Deich. Und die Leute sind dumm,\nTanzen herum und tanzen davon\nUnd niemand begrüßt den verlornen Sohn . . .\nUnd Bänder und Licht und Fiedelgebrumm!\nIhr flatternden Fraun, s'o ist es wohl!\nUnd s'o ist es redht. Ich bleibe im Boot\nFür Möven und Sturm und bleibe bedroht\nr\nVon allen Gefahren von Pol zu Pol!\n— Am Brückenbogen warte ich still . . .\nDoch niemand kommt; und die Pracht erlischt;\nUnd ich fluche der Nacht und dem Ruhm und der\nt , j Macht\nUnd dem Herzen, das Acht und Verachtung will!\ni\n\nBeklagung des Foetus eines Poeten\nEs gilt, — voran, voran!\nKlebrige Nacht der Wurzeln zu zerfetzen,\nQuer durch Mama, durchs Albumin zu setzen,\nVoran zum Licht, zu all den seidnen Schätzen\nDer Sonnenbahn!\n— Jeder sein Teil, jetzt ist die Zeit an mir, zu\nprahlen\nUnd aus dem Kefche meinen neuen Typ zu strahlen!\nVoran!\nGerettet aus den Schleimhaut-Steppen, schmeichelnd\nZur Sonne auf! trunken Von Goldmilch, speichelnd\nIm Schlafe an die Wolken, die mir streichelnd\nUnd weise nahn!\n— O Traum, es wird ja doch nur ein gefopptes\nLeben\nUnter den Fraun mit meiner Wiindhaudisleete geben!\nVoran!\nIn Gottes Hand mit tausend blauen Blicken\nUnd auf der Molkenmilch der guten Wolken,\nIm Land des! Männerweines zu erstidken!\nKein Wahn!\nDa da, idi löse mich, voran .\n— Die Stirn gen Osten nehme ich die Kommunion\nUnd in Gestalt der unbewußten Küsse schon!\nVoran!\nErtönet, Salven! Sidcre, feste Sonne!\nAde, Aquarium, in Brütewonne,\nFermente meiner Puppe! Nun wohlan!\nDoch hier ists kalt. Voran!\nAh!\nMama . . .\n— Nun sjäugen Sie, mit aller Liebe die Sie haben,\nMadame, und möglichst lange diesen armen1 Knaben.\nAus dem Bnch: Jules Laforgue: Pierrot der Spassvogel\n(Deutsch von Franz Blei und Max Brod) Verlag Axel Juncker\nBerlin\n\nRätsel\nTagebuch eines Märchenkönigs\nVon Thaddäus Rittner\n\n1.\nDie berühmte Schönheit meiner einzigen Toch-\nter, die den Jünglingen Rätsel aufgibt, füllt mir das\nLeben nicht aus. Ich gestehe offen, daß ich etwas\nanderes sein möchte, als ich bin. Ich langweile mich.\nUnd dabei frage ich mich, wohin das führen soll.\nDenn wenn meine Tochter ebenso schlau und er-\nfinderisch bleibt, so bekommt sie nie einen Mann.\nAußerdem ist es klar, daß wir etwas zu viel Jüng-\nlinge umbringen und daß uns daraus mit der Zeit\nUnannehmlichkeiten erwachsen können. Es sterben\ndurchschnittlich acht Männer täglich, und davon\nentfällt die Hälfte auf ächte Königssöhne.\nAber mit meiner einzigen Prinzessin ist ein-\nfach nicht zu reden. Denn als! ich ihr vor einem\nJahr Vorschlug, endlich; einem anständigen Menschen\naus guter Familie ein etwas leichteres Rätsel auf-\nzugeben, lachte Sie so unheimlich, daß ich mich\nseither hüte, dergleichen von ihr zu verlangen.\nIch möchte etwas anderes sein, als ich bin.\n2.\nGestern wurde ein magerer Schreiber wilden\nTieren Vorgeworfen, und zwei blühende Köinigs-\nsöhne verbrannte man auf dem Scheiterhäufen.\nNach der Hinrichtung der Jünglinge kam meine\nTochter in den Park herunter. Noch leuchteten\nihre Augen Von den roten Farben, die siie getrunken\nhatten. Die Sache scheint ihr wirklich Spaß zu\nmachen. Es1 gibt verschiedene Arten, Jugend und\nLeben zu genießen; unangenehm, daß die ihre so\nviel Leichen und Umstände erfordert.\n„Hat man wieder deine Rätsel nicht gelöst?\"\nfrage ich, um etwas' zu fragen.\n„Nein,\" Sägt sie lächelnd und errötet jung-\nfräulich.\n„Und was hatten sie zu erraten?\"\n„Zuerst: Was ist das für ein Kamm, mit dem\nsich der Tod kämmt? Du, Papa, weißt es natürlich/\n„Natürlich ...\" antworte ich, wiewohl ich\nnichts weiß.\n„Dann: Wais! ist das für ein Rabe, der eine Stadt\nim Schnabel trägt? Du, Papa, Verstehst es . . .\"\n„Ich verstehe,\" sage ich und blicke zu Boden.\n„Endlich: Waö ist das für ein Lied, das nie-\nmand hört? Du, Papa ...\"\nNein, ich weiß es! nicht. Aber wer bürgt mir\ndafür, daß sie selbst es weiß?\n3.\nHeute war es merkwürdig schwül in meinem\nPalast, und in meinem Garten dufteten die Rosen\nwie unsichtbare Gespenster. Ein Sturm lauerte in\nder Luft, und ich wußte, es ist der Tag, an dem\nmeine Tochter schweigt und keine Rätsel aufgibt\nund weiß und müde in ihren Gemächern Sitzt. . . .\nDie Luft ist still. Nur manchmal regt sie sich\nschwer und träge, wie bfeierne Leiber der Krokodile\nim Fluß meines' Gartens.\nFünf Jünglinge sind gekommen, und sie warten\nängstlich auf morgen. Und morgen bedeutet Tod.\nDenn meine Tochter hat keine Vernunft.\n„Geh,\" sage ich zur schwarzen Sklavin, „geh\nund frage heimlich die jungen Männer, ob1 sie es\nnicht vorziehen, gleidh und ohne Räts!el zu sterbein.\"\n. . . Aber sie zogen es nicht V|or.\nDie Blumen duften süß in meinem Garten, wie\ndie Träume meiner einzigen Tochter, die Jüng-\nlingen Rätsel aufgibt.\n4.\nSeit einigen Stunden sind die Jünglinge tot.\nWo andern spielen die Prinzessinneil Guitarre öder\nsingen oder lassen ihre Sklavinnen singen oder\nSpielen.\nAber meine Tochter. . . . Seit einiger Zeit ist\nsie auch träge, selbst in ihrer einzigen Unterhaltung.\nHeute sitzt sie wieder untätig in ihrem Ge-\nmach, und wieder ergehen sich im Schatten der\nPaknen Jünglinge, die auf morgen warten.\nEis) sind ihrer zwei, und sie gehen zusammen,\nwie Freunde oder Brüder, weil sie das' gleiche\nSchicksal aneinander bindet. Der eine ist wie ein\nBettler, Hunger und Liebe blicken ihm aus den\nSchwarzen Augen, und der andere ist reicher ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.5", "texte": "kleidet und Schaut heiter und blau in die Welt,\nobwohl1 auch er sidher nicht Von Königen abstammt.\nIch gestehe, daß ich aus Lange weife und Viel-\nleicht aus! mitleidiger Sympathie mit den beiden\nein wenig plauderte.\nIch tat, alls wäre ich mein Großvater, und fragte\nsie nach Neuigkeiten aus und bewirtete sie mit\nFrüchten und Wein.\nUnd ich dachte mir, nichts wäre gewisser, als\nder Tod, mit dem sich morgen der Schwarzäugige\nvermählt.\n5.\nEin großer Festtag ist gekommen.\nDer reicher Gekleidete, der so heiter und blau\nin die Welt schaut, hat alle Rätsel meiner Tochter\ngelöst.\nEin großer Festtag, an dem zum letzten Male\nBlutgeruch meinen Garten erfüllt.\nDen letzten — er war wie ein Bettler, und\nHunger und Liebe brannten in steinen schwarzem\nAugen — tötete meine Tochter sdlbst.\nUnd keiner meiner Bogenschützen hätte besser\nin das Herz seines Herzens getroffen. Wie ein\ngoldener Vogel blitzte der Pfeil in der Sonne. Und\nam Ende |des! jgoMenen {Fajdens schrie (es rubinrot auf.\n... So war der Absc'hied meiner Tochter von\nihrer keuschen Jugend.\n„Ach, dieser war von allen der dümmste,\" —\nseufzte sie mit sehnsüchtigem Lächeln — „und er\nhatte so merkwürdige Augen . . .\"\nMir s'chien es umgekehrt, der Sieger wäre viel\ndümmer. Aber da er Sieger ist, so kann man das\nWort nicht (brechen! und jmußj ihm die einzige Tochter\nund die Hälfte des Palastes und des Parkes und\nspäter einmal das ganze Reich geben.\nUnd so nahm ich denn die liebe Hand meiner\nTochter und die fremde Hand des künftigen Königs\nund drückte beide und hub an zu reden:\nEin großer Festtag ist gekommen. . . .\n6.\nMeine Tochter sitzt In ihrem Gemach.\n„So habe ich, großer König, einen Teil1 der\nseltsamen Abenteuer meines Lebens dir erzählt,\"\nspricht der künftige Gemahll meiner Tochter, „näm-\nlich bis dorthin, wo ich nach der Tötung der\nSchlange mit den dreihundert Köpfen Beherrscher\nder Al'abasterstadt wurde. . . .\"\n„Ja, ja . . .\" murmelte ich gedankenlos (und\nschaue auf ihn wie ein soeben Erwachter: Ich\nsehe, daß seine Gestalt passabel ist. Und ich frage.\n„Sagt mir, welcher Eltern Kind öeid ihr, welchen\nStandes und aus welchem Reiche ?\"\nVerwundert blidkte er mich an:\n„Da werde ich wohl1 noch einmal den An-\nfang meiner siebenundzwanzig Abenteuer erzählen\nmüssen. Nun denn: Es lebte in Bagdad eine arme\nWittwe, Mutter Von fünf Söhnen, deren jüngster\nidh bin. Einest Abends ging Harun-all Raschid ..\n„Genug,\" unterbreche ich ihn, „nun weiß ich\ngenug von euren siebenundzwanzig Abenteuern, von\ndenen mich nur das! achtundzwanzigste und letzte\n— meine Tochter — interessiert. Und dieses Aben-\nteuer muß wirklich das: letzte bleiben.\"\nEr lächelte freundlich1.\n„O selbstredend, natürlich. . . . Jetzt wo ich\ndoch alles besitze, was mir Zauberinnen an der\nWiege geweissagt haben . . . den Palast und die\nvielen Sklaven. . . . Uebrigens1, werden mir diese\nSklaven gehorchen ?\"\n„Idh Schenke sie dir, also werden sie dir ge-\nhorchen \".\n. . . „Und Gold und Edelsteine und das König-\nreich, wird dasl wirklich' mein?\"\n„Idh verspreche es dir, also wird es dein.\"\n. . . „Und Rostee und Kamele und die Prin-\nzessin . . . richtig, die Prinzessin . . . wird sie\nmidi auch Heben?\"\nDa kam meine Tochter.\n„Frage Sie selbst,\" sagte ich.\n„Ob ich didh Hieben werde . . .?\" sprach\ndie Prinzessin, ohne ihn anzuschauen. „O, du hast\nja die Rätsel1 gelöst \"\nUnd dann ffeterte sie mit sehnsüchtigem\nLädhein:\n„. . . Und der andere, den ich töten mußte . . .\nder andere war von allen Tausend der dümmste ...\nUnd Augen hatte er . . .\"\nSie Seufzte:\n„So merkwürdige Augen, , .\n\nDer Pudel Max Pröhlich"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.6", "texte": "7.\nIch liebe nicht allzu sehr die Hergelaufenen\nund Goldfinder. Ich liebe nicht allzu sehr die ge-\nscheiten Jünglinge, die achtundzwanzig Abenteuer\nglücklich bestehen und nun alles besitzen, was ihnen\nZauberinnen geweissagt haben.\n. . . ich muß meinem Schwiegersohn einen\nzweiten Palast bauen, irgendwo am Ende der Welt.\nDenn erst dann werde ich das Leben in Ruhe ge-\nnießen, wenn ihn meine Augen nicht sehen.\nSeit er der Mann meiner einzigen Tochter ist,\nvergeht kein Tag, an dein er mich nicht mit Klagen\nund Beschwerden langweilt.\n„Warum spricht die Prinzessin immer von ihm,\nimmer von dem anderen ?\"\n„Von wem ?\" frage ich, als1 ob ich's nicht\nwüßte.\n„Von dem Mens'chen, der zugleich mit mir\nhierher kam und die Rätsel1 nicht löste und sterben\nmußte. Von früh bis1 Abend spricht sie von ihm.\"\n„Schön,\" isage ich zerstreut.\nAber er Schreit:\n„Sie liebt den anderen, den sie ins Herz ge-\ntroffen hat . . . Aber sie muß mich lieben, sie\nmuß. . . . Ich habe das1 Recht, ich habe die Rätsel1\ngelöst . . .\"\n„Ja, ja . . . du hast alle Rätsel gelöst.\"\nIch Schüttelte mich vor Lachen.\n„Alle Rätsel bis1 auf eines ... ha, ha . . .\nBis auf ... sie selbst. . . .\"\nEs bleibt mir wirklich nichts übrig, als dem\nMenschen einen zweiten Palast zu bauen, irgendwo\nam Ende der Welt. . . .\n\nMieze Maier\nVon Alfred Lichtenstein\nIch besuche noch das Gymnasium, doch inter-\nessiere ich mich mehr für Theater und Literatur.\nIch lese Wedekind, Rilke, Scharf und andere. Auch\nGoethe, Schiller und George mag ich nicht.\nMeine Freundin heißt Mieze Maier. Sie be-\nwohnt mit ihrer Gesellschafterin in der Johann Ge-\norg-Straße eine elegante Vierzimmerwohnung, denn\nihr Vater, Markus' Maier, hat ihr viel' Geld hinter-\nlassen. Ihre Mutter ist vor zehn Jahren den Folgen\neiner Un te r leibsoperation erlegen. Ihre Mutter soll\nschön gewesen sein.\nMieze Mai er ist erst kürzlich sechzehn Jahre alt\ngeworden. Ihr Geburtstag wurde sehr gefeiert. Viele\nhübisdhe und lasterhafte Mädchen und eine Anzahl\njunger Männer waren geladen. Man war slehr frivol.\nMan flüsterte einander ins' Ohr, daß Mieze jetzt\nsechzehn Jahre alt sei. Dabei lächelte man . . .\nMieze Maier ist schön. Auch klug. Auch talen-\ntiert. Sehr kokett. Raffiniert anmutig. Zeitweise\nunglücklich. Versteht es, viele Männer krank z:u\nmadhen, daß sie Trauer in den Augen tragein, wenn\nsie wadh sind, und ein Lächeln um die Lippen\nhaben, wenn sie schlafen. Und die Hände sind\ndicht an dem Körper . . .\nStets hat sie ihre Favoriten gehabt. Die sind\nwie Puppen, mit denen S|ie spielt, bis sie ihrer eines\nTages überdrüssig wird und sjie ach tlosl beiseite wirft.\nIch kenne isieben. Sechs Wochen hat keiner in\nihrer Gunst überdauert. Ich bin der Achte.\nIch weiß — auch meine Tage sind gezählt. Auch\nich werde grausam abgetan werden von diesem\nsechzehnjährige Ding — halb Kind nodh. Wenn idh\ndaran denke, schäme ich mich schon jetzt und gräme\nmich. Und doch —\nWir haben uns! nicht gesagt, daß wir uns lieb\nhaben, sind aber sehr zärtlich zueinander. Dies\nkam so:\nWir trafen uns einmal. Das war Zufall. Der\nTag war grau vor Müdigkeit. Dämmerung lag über\nden Dingen. Von wenigen Häusern fiel1 gelbes und\nrotes Licht.\nWir gingen zusammen. Ihre Augen hielten\nGlanz. Manchmal deckte sie die halben Lider dar-\nüber. Und sie fing die Blidke von Männern in ihre\nAugen. Dias; muß eine feine Wollust sein.\nWir sprachen nicht, nur einmal sagte sie, daß\nich rote Lippen habe. Und einmall s&gte ich, daß\nsie oberflächlich sei, denn ich wollte sie ärgern.\nAm nächsten Tage trafen wir uns wieder. Das\nwar kein Zufall. Wir gingen über Wiesen. Sie legte\ndie Hand auf meine Schulter und war gut zu mir.\nDa dachte ich an den Fußtritt, den ich einmall von\nihr erhalten werde.\n. . . Ich hatte ihr gestern wehe getan, weil ich\nsie oberflächlidh nannte. Denn in ihrer Stimme\nklang etwas wie Weinen, als sie sagte:\nIch bin wirklich nicht sb oberflächlich, wie Sie\nglauben, Olaf. Ich habe zweimal unglücklich ge-\nliebt und einmal glücklich entbunden.\nMir Schien, als ob die Hand auf meiner Schulter\nschwerer würde , . .\nWir schritten langsam. Wir sahen keine Men-\nschen. Wind kam über die Wiesen. Am Himmel\nwaren überall Wolken, die drohten Regen.\nSie Sslah mich an. Ihr Blick war nackt und sagte\nvon Leidenschaft.\nDas war zu niedlich, wie ich sie da plötzlich\npackte und tnit mir ins1 Gras warf und schon deshalb\nim Rausdh ihr zuflüsterte Du, meine — Und wie sie\nschluchzte: Olaf — — —\nSeither schreibe ich in der Schule schlechte\nArbeiten. Ich werde wohl1 nicht versietzt werden.\n\nLokales\nIch Verbinde mit dem Namen William Wauer\ngewis'se künstlerische Hoffnungen. Ich wartete auf\nirgend ein Ereignis1. Natürlich nidht mehr, als ich\nSah, daß dieser peinliefe Herr Rudolf Lothar sich\nwieder einmal' mit einer Bearbeitung an sein deut-\nsches Publikum wandte. Nichts ist vor dem Herrn\nLothar sicher. Er besitzt einen unglaublichen In-\nstinkt für Kitsdh. Aus Frankreich. Aus Spanien.\nUnd den übrigen Ländern und Erdteilen. Und alles\nwird von ihm zu einer Sprache verarbeitet, in der\ne r nur Spricht, nidht denkt, und die man nicht\nversteht. Also: Das Hebbeltheater heißt jetzt Mo-\ndernes Theater, und ich bin überzeugt, daß dort\nnächstens Fulda, Philippi und Sudermann gespielt\nwerden, und die Kollegen vom Berliner Lokalan-\nzeiger und Verwandten Fachblättern wieder den „Na-\nturalismus\" und die Moderne bekämpfen müssen.\nDoch darüber können wir uns später auseinander-\nsetzen. Wenn das Unglück wieder da ist. Zunächst\ngenügt „Die Wespe\" alfe Ersatz. Verkitschter Ibsen\nmit einem Schuß Dumas! ohne Esprit und einigen\nTropfen Sardou ohne Technik. Aber stonst sehr\nsympathisch. Rührung, Grazie, Humor. Gespielt\nwurde gräßlich. Wenn man schon lauter talentlose\nSchauspieler engagiert, muß man sich wenigstens\neinen Regislseur leisten. Dann geht es auch so.\nPersönlichkeiten sind an dem Theater überhaupt\nnicht vorhanden, das! einzige Talent heißt Erich\nSchönfelder; ein Fräulein Paula Silten sei als un-\nerlaubt dilettantisch gebrandmarkt. Adele Hartwig\ngastierte. Das tut sie immer. Das Stück spielt auf\ndem Schloß der Trelart bei Tours. Zeit: Gegen-\nwart. Das Programm hat zwar keine hygienischen\nInserate, aber dafür herrlichen Buchschmuck. „Ju-\ngendstil\", vastehste. Der neue Direktor soll über\nZweihundert Jahre alt sein. Bis William Wauer in\nErscheinung tritt, wollen wir das Theater sich selbst\nüberlassen. , Trust\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nPAUL SCHEERBART\nIch liebe dich! / Ein Eisenbahnroman mit\nSechsundsechzig Intermezzos\nVerlag Schuster & Loeffler Berlin\nRICHARD DEHMEL\nZwei Menschen / Roman in Rommanzen\nVerlag S. Fischer Berlin\nSAMUEL LUBLINSKI\nLiteratur und Oesellschaft im neunzehnten\nJahrhundert / Vier Bände\nVerlag Siegfried Cronbach Berlin J\nALFRED MOMBERT\nDer Glühende\nDer Denker\nDie Blüte des Chaos\nVerlag J. C. C. Bruns / Minden i. W«\nOSKAR KOKOSCHKA\nDie Traumtragenden\nMit zehn Künstlersteindrucken des Verfassers\nWiener Werkstätte 1908\nSTEFAN GEORGE\nDer siebente Ring\nVerlag Georg Bondy Berlin\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nSpielplan der Berliner Theater\nSeptember Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montag Berliner Theater Modernes Theater\n.... - ' — Allabendlich: Gastspiel Hansi Niese: Sonnabend: Die Wespe. Donners-\nDeutsches Theater Judith Ampbitryon I Faust Amphitryon I Faust Das Musikantenmädel. tag Freitagnnd Sonntag: Der\nNeues Theater '\nKammerspiele Die Letzten Simson und Der gute König Die Letzten Der gute König Freitag bis nächsten Sonntag: Die Neues Operettentheater\nDelila Dagobert Dagobert goldene Ritterzeit. Allabendlich: Der Graf von Luxem-\nLessingtheater Das Konzert Jan^ris Einsame Einsame Die versunkene Kleines Theater\nder Narr Menschen Menschen Glocke Donnerstag: Nur ein Traum. Frei- Residenztheater\nHoffmanns Der Arzt Arztwid Will tag. Luxuszug. Sonnabend. Die prejtag bis Sonntag: Noblesse oblige.\nKomische Oper nonmanns Zigeunerliebe .\"V „ rf Zigeunerliebe verflixten Frauenzimmer. Erster 5 _\nErzählungen s wider Willen N. Hoffm.Erzäh- 8 Klasse. Sonntag nachm.: Ein Vnlk„fl„M,\n— idealer Gatte voiKSoper.\nNeues königliches Siegfried Don Tuan Misrnon Die Meistersing. Fidelio ! (Gastspiel des Neuen Schauspielh.)\nOperntheater g uon Juan Mignon VQn Nürnber„ *iaeuo rnl x x Donnerstag und nächsten Sonntag:\n— Theater des Westens Alt-Heidelberg. Mittwoch, Frei-\nKönigliches Rirharrl TTT Die Welt i, d. Moliere u. die Moliere und die Götz von Allabendlich: Die geschiedene Frau. tag, Sonnabend: Der Flieger.\nSchauspielhaus ' m. s. langweilt Seinen.TartüfTe. Seinen. Tartüffe Berlichingen\nLustspielhaus Trianontheater\nSchiller-Theat. O. Die Liebe Goldene Die Welt in d. Die Welt i. d Wallensteins L. Allabendlich sowie Sonntag nach- Allabendlich sowie Sonntag nachm.:\nwacht Herzen m. s. langweiltm. s. langweilt Piccolommi mittag: Das Leutnantsmündel. Pariser Witwen.\nSchiller-Theater Bresters Die Liebe Robert und Robert u. Bertr. Die Liebe Metropoltheater. Thaliatheater\nCharlottenburg Millionen wacht Bertram Nm.: Egmont wacht Allabendl.: Hallo! Die grosse Reyue. Allabendlich ;J|Polnische Wirtschalt,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.7", "texte": "Aaslieferang ffir Österreich-Ungarn A. Muhlhans-Smital Wien IX / Ffir den Bachhandel: M. Braunschweig Wien IX / Verantwortl. für die Schriftleitung in Österreich-Ungarn: Otto Soyka\n\nmm\nIHB6EIVIESE!\nKUKSTLER.\nOER\nBERLINER\nJfl TSER\nGALE RIE\n/VWMiLIAM\n•AACHT\nBER.LIN.WSO\nRANKE STa. i\n9\nINTRUST\n>a\n\" ■■' T\"~ —»\n■\ntappfrt*\n\nLesen und stauaeaa!!\nUm unseren Sicherheits-Rasierapparat welcher\nalle bis dato auf den Markt gebracliten Rasierapparate iiber-\ntrifft, schnell in alien Kreisen einzufiihren, haben wir uns\n5000 Stuck zum Selbstkosten-\npreise v. Mk. 6- (statt Mk. 15-)\nzu liefern.\nDieser Apparat ist aus dem allerfeinsten Material\nhergestellt, schwer versilbert und wird in eiegantem\nLeder-Etui mit 12 vorziiglichen Schneiden versandt.\n-j Lassen Sie sich diese giinstige\nJ Gelegenheit nicht entgehen !!\n= Beachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Apparat bietet:\n1. Grosse Ersparnis an Zeit und Geld! ::\n2. Stets sauber rasiert, da Schneiden und Kratzen voll-\nstandig ausgeschlossen!\n3. Kein Warten beim Barbier!\n4. 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Eine hervorragende Neuersohelnung ant dem Gebiete der Mlidtlw-is\n„Braucheit wir noch TSchterpeiisionate?'\nvon Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer. Preis Mk. ft—\nWichtig: fur Eltern heranwachsender Tochter, Padagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Die Reabenpensioiiate, deren Einriehtang, ihr tnuert's\nand ausseres Leben.\" Yon L. Daniel. Ein Ratgeber filr Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. 1,80..\n3. „I>aß Tocliterpensionat\" sst die einziffe Zeitschrift, die die Id-\nterressen der Vorsteherinnen verfritt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis fur die Praxis. Pro Halbjahr Mk. &,50.\nDarch samtliche Buchlidlg. Oder direkt vom Yerlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10\nist das Bach\nV\n\n* Jlkadcnische Rmtdscban *\n12. Jahrgang. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Qeorg Liitike\nDie „Akademische Rundschau\" erscheint am 10 ten und 25 ten\neines jeden Monats. Probe-Nummer gratis\nHSherziichtung des Menschen auf biologischer Grundlage\nVon Dr. Franze (Mk. 1,80). Was ist bis jetzt fiir eine vernilnftige\nEhereform geschehen? Nichts! Und doch ist die Sache fiir die\ngesamte Mehrheit ungeheuer wichtig! Was lasst sich in dieser\nBeziehung tun? DarOber soil uns die Schrift aufklaren. Die Schrift\nist deshalb ebenso wichtig ftir die Eltern wie fiir die heiratsfahigen\nJlinglinge und Jungfrauen. Man lese!\nBelastung respektive Ererbung und Entartung. von Dr. j. Sadger\n(1,50 Mk.). Die zwei Worte „Belastung und Entartung\" bergen\" so\nungeheuer viel in sich, dass jedermann sich dariiber unterrichten\nsollte. So viele Krankheiten haben ihren Ursprung in der Belastung\nrespektive Ererbung, und nur dann bekommt man ein klares Bild\nvon der Krankheit und ihrer Behandlung, wenn man sich iiber Art\nWeise der Belastung oder Ererbung klar geworden ist.\nfioroerlagsbucbbatidiuita Ednmnd Oemttie Ceipgig\n\nsssaaßsasa\nsZTn, Cafe Continental £2TE\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts?\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAll© bedeutenden und Zeitschrifteis\nfHIII !■!!■ Mill ■! IllllliWlll I IMMWaM—BWWWIUMM ■■ ——I IkJUMMMUMII I lllilllll WlPfilHTnFßaBKsa>aaw"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100908-01.1.8", "texte": "Verantworte f. d. Anzeigenteil: A. Bot» / Verlag Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle and Anzeigen - Annahme: Berlin W. 35 / Druck v. Haut Walter, Berlin SW.I 3\n\nVerlag „Der Sturm\"\nXy—l\nWir übernahraen inunsernV erlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiir Gesang u. Klavier / 52 Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee / Katharinenstrasse 5\na\na\n\nMuseum polKwang\n== Hagen i. W.\nGemalde - ftusstellung\nvon\nOskar Kokoschka\n\nli liili'llJ JI I 1^:11:1 lij liii'illilllltllllilllil.llll::!;!!!:.!^\nDieSacftel\nHERAUSGEBER g\nKarl Kraus ||\n:: Mr. 305/6 :: j\nsoeben erschienen J\nPreis 50 Pfg. jg\nAus dem Inhalt: §]\nSchonebeckmesser :: S\nDie Kretensische Frage g\nÜBERALL ERHALTLICH I\n\"111 IN II!! II! 11111111 i 11111111 ll\n\n5 DER DEMOKRAT j\nWochenschrift fiir freiheitliche\n5 Politik / Kunst und Wissenschaft\n6\n:\n■\nErscheint jeden MSttwoch\n| I\n5 Nummcr 10 Pf. / Quartal M 1 8\ng Probenummern frei d. G. Zepler 1\nS Charlottenbury Bismarckstr. 103 B\ni\n\ni\n111l iil I I 1:1 I I I:I II II ILI I I1:I II! I II II I 1:1 I I lilll.lll I;! I I 1.1 111 I I li:l li riljljilrllii-llltliif l ll'lilllllirill'liiri llil l'l lllM hhl liliJ\n112 riiz Gurlllt Ifiofkunstlwndlimg\nPois<tommtrasse 113 Uilla II Berlin Kl Potsdammtrasse m Uilia II\nI I\nAussteilung von\ndeutschen Meisterwerken:\nBocklin - Leibl * Thoma * Liebermann • Trubner etc.\nWochentags von 10—5 I Sonntags von 12—2 geoffnet\nMHMMISNMMMnHHMraMHNMNKMttISMMIMMMCMSKMMNMMMMMMI\n\nReichersch e Hochschule\nfiip dramatisGhe Kunst\nHI 11. Jahrgang\nPj |CHRRLOTTENB(JR<S\n<3rolman-strasse 27\n\nSeien Sie iiberzeugt. Es\ngibt keinen und es kann\nkeinen Malzkaffee geben,\nder besser ist wie Bamf,\n\n•,VM\nW'\nH^e\n0t <w\n&i4 pM\n£V.«.\n.>V,.:tt\n2\nSfl\n:=»\n)\nOANt rROOKC\"\niI*WHRB£RB RIESLING;\n•} Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welchef schoil\nals solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hochste Voll*\nkommenheit erlangen muß. —\ntf Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nv. #.\nV -\n*\nChr. Ad1 Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegriindet 1850\n[ Ueber Bedeutung fdft \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschlufi.\n\"OfIIIFENSK'SN"}]}