{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_sha256": "0853807a21997a38ba79fc18df9998d891f846a7761d230eb61f35c4936b7f39", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/09/22_01/bmtnabg_1910-09-22_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/09/22_01/bmtnabg_1910-09-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "235", "page_fin": "235", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.1", "debut_caractere": 555, "fin_caractere_exclue": 792, "texte": "INHALT:\n: R. LAUDON: Ehrlich-Hata 606 / RICHARD DEHMEL: Das Rätsel des Schönen / ROBERT SCHEU: Das Duell / THADDÄUS RITTNER: Und Pippa tanzt /\nELSE LASKER-SCHÜLER: Marie Böhm / J. 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Umschreibungen finden sich jn Fülle:\n„Kulturtat\", „Sieg Öer deutschen Wissenschaft\";\nzu deutsch: „Sensation, Sensation!\" Es ist ganz\ndas Niveau des anatomischen Kabinetts auf jÜen\nJahrmärkten. Kinder, haltet doch endlich dasl Maul.\nEjs klingt schon scheußlich, wenn Reklame-\nhelden ihr betrügerisches Handwerk üben, indem\nsie mit „606\" beginnen und mit einem Haarwuchs-\nmittel fortfahren; Straßeindirnen Berlins! können Sie\nbelehren, daß durch Einführung von Aminogruppen\ndie ArsaniMure erst intensive Heilwirkung erlange.\nMan rede |nicht darüber, daß die Medizin katho-\nlisch en .Mainieren (über das Maß hinaus huldige,\nund sich ein unnahbares Mysterium iund Priestertum\nzurecht mache; man werfe ihr nicht eine chinesische\nMauer vor. Wenn anders Vertrauen und Hoffnungs-\nglläubigkeit für den Kranken lebenswichtige Dinge\nbedeuten, !so (brandmarke man vielmehr die van-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4634, "texte": "da tischen Einbruchsmanieren und verhüte, daß Un-\nkundige in jdepti rettungslblsen Wirrwarr medizini-\nscher Journale, Bedenken und Erwartungen gestürzt\nwerden. Rülpsten Sie nicht so erheblich, sverehrter\nLeser! Sie stehen miCht an, mit Ueberlegenheit ein-\nzuwenden: „Von wegen und so. Die Zeiten sind\nvorüber. Die Aerzte können mir ja sonst was vor-\nreden.\" Wasi Sie kapieren, teurer Leser, süße\nLeserin, weiß ich schon Engst. Was verstehen Sie\nvon Arsen? ICh erzähle Ihnen eine Geschichte wie\neitel Schlagsahne und Sie lesen unentwegt Brat-\nwurst. Idh (weiß, daß Sie, die ich „teurer Leser\nund siüße Leserin\" zu nennen mich gemüßigt fühle,\ntrotz aller Dinge, die idh Ihnen vorhalten könnte,\ndoch stets dieselbe und Ihrer Meinung blieben,\nwelche gar keine ist. Ich kann Ihnen das hellste\nreinste Quellwasser [übergießen, und Sie sind mit\nangeborenem Schmalz eingefettet, und alles! fließt\nvon Ihnen ab. Esl fällt keinem ein, Sie zu belehren,\nnicht einmal' den Zeitungen — denen es' auch schwer\nwerden sollte —, sondern man sagt Ihnen: „Hier\nist Bildung\", und gibt Ihnen Kientopp. Sie merken\nden Unterschied gar nicht. Verzeihen Sie, daß ich\nso grob wurde, aber Sie beliebten zu rülpsen. Da-\ngegen habe jCh vomieret, denn ich bin an Ihnen\nsehr satt, (mein Herr, teurer Leser, süße Dame,\nHerrin und Gärungserregerin meines Magens. —\nIn der Tat, bei aller Schätzung des! herauf-\nkommenden liberal-roten Regiments! und in Er-\nwartung, den Zukunftsjakobinern zu verfallen, muß\nman die entschiedenste Skepsis gegen Volksbeleh-\nrung und jenen Aufkläricht äußern, der jetzt fuß-\nhoch auf den Straßen liegt. Wasi die linken Parteien\nGutes! leisten in der Zurückdrängung eines über-\nlebten ;Kastenregiments, (machen sie wett in der\nZüchtung einer erbärmlichen gottlosen Mittelmäßig-\nkeit Von Mensch. Man schaue tin diesen Zeiten\ndes Empordrängens. auf die abenteuerliche geistige\nSterilität iin Deutschland; man überblicke das Re-\nsultat der Massenbelehrung, überblicke den Durch-\nschnitt unserer belletristischen Literatur, fliege durch\ndie Zeitschriften, ,und vornehmlich, sehe unsere\nTheaterezttel durch; — denn ein ernsthaft gemeinter\nTheaterbesuch bedeutet für mich versuchten Selbst-\nmord, kann idh keinem zumuten; ein Theatergenuß\nist so unwahrscheinlich wie das große Los. Wo ist\nein Fortschritt? Welch Blödsinn und Schwachsinn\nwird produziert, und noch sdhllimlmer, konsumiert!\nDies in idein gehobenen Gesellschaftskreisen; die\nmittleren und (niedrigen, das1 Gros der Bourgeois\nund Proletarier, strebt naCh denselben Idealen, und\nbegnügt slidh (vorläufig, aus! Mangel an Geld, mit\nabgestandener Klassizität. Besserer Jahrmarkt, Sen-\nsation, Kientopp, der Rest Staub. Im geistigen reli-\ngiösen Leben herrscht die fadeste rationalistische;\nAufgeklärtheit und fordert dasi Gelächter eines jeden\nheraus, der Religiosität kennt. Es wäre ganz! ent-\nsetzlich, iwenn (diese Armseligkeit von Gefühl in\nder Tat den Namen „WeltChriSteintum\" verdiente.\nUnd ejsi wäre zu bedauern, wenn sie, die moder-\nnistische, nicht die Nasenstüber und Zurechtweisun-\ngen erführe, 'die man ihr isfoi tausendfach gönnt.\nMachtsl nur kein Geschrei mit „Beschränkung der\nGeistesfreiheit, Gewissenszwang\"; bei EuCh kommt\nGeist immer auf Redenhalten und BüChersChreiben\nhinaus; Euch ischadet der Maulkorb gar nichts.\nUnd die, die Freiheit gebrauchen und ohne sie\nnicht leben können, haben Euch den Teufel anzu-\ngehen; die kennt Ihr nidht, die pfeifen auf Euch,\nund haben isjidh auch zu allen Zeiten, trotz\nEnzykliken und trotz Euch, genau sio viel Freiheit\nund noch zwei Meter mehr genommen als! sie\nbrauchten. Luther hat aber Euch die Mittelpersbn\nabgenommen, Ihr braucht nicht mehr im Himmel\nzu antichambrieren, Ihr sieiid sehr dicht dran. Das\nfehlte Euch noch, daß Ihr jetzt von der Presse, dem\nzweiten Luther, in das! Geheimzimmer der Wissen-\nschaft und Medizin geführt werdet. Gott ist all-\ngiütig ,und hat slidh Eure Zudringlichkeit gefallen\nlassen. Die Wissenschaften sind besser und mensch-\nlicher gegen Euch geschützt, teures profanuin\nvulgus! Kommt Ihr heran, so gehts Eudh schlecht,\nund es! regnet sehr wenig gute Gewitter. Eure\nFreiheit iin die Gosse! Bleibt mir zu Hause faiit\nEurem Hata 606, und wenn esi tausendsechs wäre,\nso hülfe es mir doch nichts, ich ginge zu meinem\nArzt und fragte ihn. Verdamimte Profanierung der\nWissenschaft, verdammte Großzucht des Halb-\nwissens, der Pfuscherei, der Hypochondrie. Ver-\nbildung statt Bildung. Geht vielmehr hin, haltet\nEuer ungewaschenes Mundwerk, verstopft Eure\nOhren mit Pech, kniet nieder, betet an, betet an!\nSchweigt andachtsvoll! Werde wieder zu dem Kind,\ndas du bist, so will idh dich lieben, süßer Mob!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "236", "page_fin": "237", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.4", "titre_corps": "Das Rätsel des Schönen", "titre_sommaire": "Das Rätsel des Schönen", "signature_source": "Kritischer Streifzug von Richard Dehmel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.2", "debut_caractere": 4636, "fin_caractere_exclue": 12895, "texte": "Das Rätsel des Schönen\nKritischer Streifzug von Richard Dehmel\n„Das Rätsel des Schönen\" ist bekanntlich immer\nnoch inicht gelöst, und einem armen Mann [wie\nHamlet macht eis! darum wirklich Freifde, daß die\nGelehrten sich noch immer die Köpfe darüber zer-\nbrechen. Diesmal freute ich mich ganz besonders,\ndenn das Opus, das mir unter jenem rätselvollen\nObertitel eine „Studie über die Prinzipien der\nAesthetik\" Verhieß, war nicht zu dick, und neben\ndem Verfassernamen — er tut hier nichts zur SaChe\n— stand die Bemerkung: Dodtor Philosopjhlae,\nAssistent am physikalisChen Institut der Universi-\ntät. Da gab eis! also hoffentlich etwas „Exaktes\".\nMeine Hoffnung wuchs! durdh die Vorrede.\nZwar schwor sich der Herr Doktor auf die Systeme\nvon Kant und Spencer ein, und fühlte sich ge-\ndrungen, audh sonst noch „Viel Bekanntes\" vorzu-\ntragen, aus! Aristoteles, Lessing, Schiller, Fechner,\nHelmholtz und sio weiter. Aber es ist ja stets! Er-\nfreulich, gute Bekannte zu begrüßen, und obendrein\nverhieß der Herr Verfasser dodh sehr viel Eigenes,\nzum Beispiel eine „tiefgehende Unterscheidung\" im\nBereich der Assoziationen, eine „neue Einteilung\nder Künste\" und ein „Fündamentalgesetz\" über\ndie Verbindung mehrerer Künste zu einer Gesamt-\nwirkung. Und dasi alles nur zu dem Zweck: „die\nKünstler, Kritiker und Kunstliebhaber zu weiterem,\neigenem Nachdenken anzuregen, glCiCh'gültig, pb\nin zustimmendem oder widersprechendem Sinne.\"\nWirklich höchst erfreulich.\nDas BuCh regte mich in der Tat zu eigenem\nNachdenken an — über seine Einleitung. Sie ist\ngeradezu mustergültig für die Kunstgelahrtheit\nunserer Zeit, und vielleicht sogar aller Zeiten.\nDa wird zunächst der metaphysischen Speku-\nlation heimgeleuChtet, mit ihren „allumfassenden\nTheorien\", ihren „weitgreifenden Hypothesien\". Die\nseien nur „dogmatisch formuliert, ohne das Be-\nwußtsein ihrer WillkürliChkeit;\" sehr richtig! Ein\nHauptkennzeichen ihrer Methode, insbesondere auch\nin Dingen der Aesjthetik, Sei die „unberechtigte Tren-\nnung von zusammengehörenden Begriffen und Er-\nscheinungen;\" abermals sehr richtig! Schelling,\nHegel, VisCher werden kaltgestellt; sehr tüchtig!\nSelbst Goethe wird als Metaphysiker entlarvt; aber-\nmals' sehr tüchtig! Nur Schopenhauer wird um-\ngangen; sehr vorsichtig!\nJene AeSthetiker alten Schlages hätten in dem\nWahn gelebt, ein Kunstwerk könne, ja müsse ge-\nsondert von seiner Wirkung auf den Genießenden\nbetrachtet und erforscht werden; die Kunst sei in\nund an sich selbst (vollkommen, wie die Natur,\ndie Wirkung nach außen sei nur etwas Zufälliges.\nGanz anders die (Verzeihung, deutscher Leser, das\nWort ist niCht Von mir) „positivistische\" Wissen-\nschaft. Sie weiß, daß eine Betrachtung gesondert\nVom Betrachter unmöglich ist, und daß wir über\nein natürliches Ding, also auch über ein Kunstwerk,\nim Grunde Stets nur aussagen können, wie es: auf\nund in unsi wirkt, nicht was es an und für sich ist.\nDemnach sei auch die Erforschung des „Schönen\"\n— das Wort ist stammverwandt mit „schauen\" —\nohne Voraussetzung eines Zuschauers unbewußte\nSelbsttäuschung.\nUnd nun überfällt unsl der positivistische Herr\nDoktor frnit folgenden Sätzen: „Unter dem! Zuschauer\nist zu verstehen ein Du rch schnittsmensch, be-\ngabt m,it normalen Geisteskräften und der einer\nbestimmten EpoChe eigentümlichen Bildung; es\ngibt viele solche, und an sie wen de t sich\nder Künstler (sie!) mit seinen Schöpfungen. Die\nfür ein Kunstwerk Charakteristische Wirkung auf\ndiesen Normalzuschauer tritt mit Notwendig-\nkeit ein; sie ist bei all e n Zuschauern die\ngleich e.\" Ich habe nichts! am Wortlaut geändert;\nnur die Sperrungen sind von mir.\nHand aufs' Herz, Herr Doktor, Philosoph und\nPhysiker: ist dieser Ihr Normalzusehauer nicht\n„dogmatisch formuliert\"? Ist er gar vielleicht ein\nAbkömmling der Schopenhauers'chen Einbildung\nvom genialen NormalmensChen? Bloß: Schopen-\nhauer hatte das' „Bewußtsein ihrer Willkürlich keit\"\nund das' scheinen Sie nicht zu haben.\nOder sollten Sie sich wirklich unter Ihrem\nDurchschnittsmenschen, da Sie doch behaupten, daß\nes „viele solche\" gibt, den großen Haufen der so-\ngenannten Gebildeten mit ihrem sogenannten ge-\nsunden Menschenverstand vorstellen? Glauben Sie\ntatsächlich, daß es einen Menschen mit „normalen\nGeisteskräften\" gibt, der die ganze „seiner Epoche\neigentümliche\" Bildung besäße, sie überhaupt sich\nanzueignen vermöchte? Nein, Herr Doktor, sol-\nchen Durchschnittsmenschen hat es nie gegeben,\nsolChe Geisteskräfte waren stets sehr unnormal.\nOder stellen Sie sich etwa unter der eigentüm-\nlichen Bildung einer bestimmten Epoche ganz etwas\nanderes vor als :ich? Etwa gar die jämmerliche\nZweifünftelbildung, die dem NormalzusChauer un-\nserer ,EpoChe eigentümlich ist? Und an diese\n„Vielen\" — Vielzuvielen, slagt Nietzsche — wende\nsich der Künstler tnit seinen Schöpfungen?? Sie\nscheinen nette Begriffe vom Künstler zu haben.\nAber idh will christlich sein; vielleicht hat sich\nder „tiefgehende\" Herr nur oberflächlich aus-\ngedrückt. Vielleicht hat er nur sagen wollen, auf\ndiese Vielen Normalzuschauer wirke der Künstler\nmit seinem Werk, und die Art dieser Wirkung\nkennzeichne das Werk, weil — so meint der Herr\nDoktor weiter — die dem Kunstwerk eigentüm-\nliche Wirkung bei „allen\" NormalzusChauern „mit\nNotwendigkeit die gleiche\" sei. Meinen Sie das\npositiv, Herr Positivist? Nun, dann frejlidh müssen\nSie den Künstler, der sich mit seiner Schöpfung\nnidht an die Vielen wendet, obwohl er eine Wirkung\n(naCh dem Gesetz der Krafterhaltung) auf die ganze\nWelt ausübt, für einen kompletten Narren halten.\nSolange Sie aber einem sloldhen Künstler nicht min-\ndestens zwei ganz bestimmte MensChen zu präsen-\ntieren vermögen, auf die ein ganz; bestimmtes\nKunstwerk ganz bestimmt gleichartig wirkt: so-\nlange wird er Ihren Normalzuschauer bestenfalls\nfür eine jener „weitgreifenden Hypothesien\" halten,\ndie Sie den Metaphysikern aufs Konto setzen.\nSie müssen nun nicht etwa glauben, ich hätte\nselber metaphysische Absichten. Die habe ich\nunter Umständen freilich, aber nicht in Sachen der\nWissenschaft; die Methaphysik ist Sache des reli-\ngiösen Erkennens und mehr noch vielleicht des\npoetischen Denkens. Ich bin durchaus mit Ihnen\neinverstanden, daß im Sinne der Wissenschaft keine\nNaturkraft, alslo auch keine menschliche Schaffens-\nkraft, andersi ah aus ihren Wirkungen erkennbar\nist. Sie sollten daraus nur die richtigen Schlüsse\nziehen.\nAlso mit dem Normalzuschauer ist es nichts;\ner kommt nicht vor in der Natur. Jedwedes Kunst-\nwerk wirkt, wie jede Naturerscheinung, jedes\nmenschliche Erzeugnis, auf jeden Einzelnen ver-\nschieden, je nach dessen Sinnlichkeit, Gemüts- und\nGeistesbildung, ja sogar nach seiner augenblick-\nlichen Stimmung, seiner örtlichen Umgebung, sei-\nnem wirtschaftlichen Zustand und so weiter. Dies\nisit nidht bloß — wie der Herr Doktor uns später\neinreden will — „zum Teil\" der Fall, sondern in\njeder Beziehung, auch was die sogenannte Bild-\nlichkeit (Anschaulichkeit) des Kunstwerks betrifft.\nDenn auCh diese ist nicht „unabhängig von dem ge-\nnießenden Subjekt\", sb wenig wie es „Bewegungen\nvon AetherteilChen\" gibt, „wenn jedes' empfindende\nAuge fortgedacht wird\" (oh, oh, Herr Philosoph) —\nsondern ein Kunstwerk ist nur insoweit anschaulich,\nah es unmittelbar die Sinne reizt; Sinne aber ohne\nein „Subjekt\" und Subjekte ohne „slubjektive Sinn-\nlichkeit\" sind nur für den Metaphysiker denkbar.\nWenn jedes empfindende Auge weggedacht wird,\ndann gibt es höchstens noch allerlei Kraftstoff, oder\neigentlich bloß noch die Weltmasse x; und ob die\nbewegt oder unbewegt, teilbar oder unteilbar,\nätherisch oder fäkalisch ist, dafür fehlt dann eben\njede Empfindung.\nDaß es „anerkannte\" Kunstwerke gibt, ändert\ndaran nicht das1 geringste. Denn auch' diese wirken,\nselbst auf anerkannte „Kenner\", höchst verschieden;\nund mancher Kenner hält manch anerkanntes! Kunst-\nwerk überhaupt nicht für ein solches, sondern fjür\nein Machwerk. Und wie kommt die Anerkennung\nzustande? Nicht dadurch, daß ein großer Haufe\nvon NormalzusChauern eine Wirkung bejubelt, die\nbei allen sofort die gleiche ist; solche Wirkungen\npflegt nur die Afterkunst zu erzielen. Sondern ein\nsehr kleines Häuflein, teils von außerordentlich\ngebildeten, teils von ungewöhnlich veranlagten\nLeuten, nämlich Leuten, die ein anerworbenes Ver-\nständnis oder angeborenen Geschmack für Kunst"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8322, "texte": "besitzen, Leute von sehr unnormaler, eigenartiger\nEmpfänglichkeit: diese suchen sich selbst und an-\ndere über die empfangene, sehr verschiedenartige\nWirkung durch Meinungsaustausch aufzuklären, und\nso übertragen sie allmählich,meistens sehr allmäh-\nlich, die Wirkung auch auf alle die vielen viel nor-\nmaleren Menschenkinder, die vorläufig leider noch\nsehr wenig eigenen Kunstsinn im Leibe haben.\nAber auch an dieses kleine Häuflein „wendet\nsich\" der Künstler nicht mit seiner Schöpfung;\ner wendet sich an alle — alle ohne Ausinahme! —\nan den „Zulukaffer\", dem der tiefgehende Herr\ndie Empfänglichkeit für Beethoven etwas! weit-\ngehend abspricht, so gut wie an den Uebermen-\nsChen, der da kommen soll. Gemeinhin nennt\nman das1: er wendet sich an die Menschheit. Die\naber wird zu jeder Zeit in jedem Volk nur durch\ndie oft zitierten „Besten seiner Zeit\" vertreten, und\nderen gibfei bekanntlich niemals „viele\"; für den\nAllerbesten aber hält der Künstler mit Verlaub sich\nselber, weil eben er es ist, der aus den Besten das\nBeste, auch das bestialisch Beste, schöpferisch zu-\nsammenfaßt. Und weil1 der Allerbeste ihm gerade\ngut genug iist, sich an ihn zu wenden, so wendet sich\nder Künstler — an sich selbst, an alle und an\nkeinen. Sein Werk zwar wirkt auf al'le (verschie-\ndentlich natürlich, auf die meisten scheinbar gar\nnicht, das! heißt nur mittelbar und unbewußt) —\naber der Zuschauer, auf den er seine Wirkungen\nberechnet, ist keiner alte er selber: der Mensch\nin ihm, der Mitmensch wie der Uebermensch, Tier\nso gut iwiei Gott. Da sind wir schon mitten im\nMetaphysischen drin, im mystischen Einklang von\nIch /und AH.\nUnd dieser Zuschauer, dieser einzige „Normal-\nzuschauer\", den es für den Künstler gibt, dieses\nunnormal1 normale Exemplar der Gattung „Mens'cih\"\n— denn nidhtS wird Norm, Herr Doktor, was nicht\nanfangs gegen eine Norm war — womit nun nicht\ngesagt sein soll, daß alles Abnorme Norm zu wer-\nden vermag —: alSo dieser Selbstzuschauer ist der\nKünstler nicht bloß, wie Sie meinen, bei der „Kon-\nzeption\", sondern während seiner ganzen Schaf-\nfens'arbeit, vom ersten unwillkürlichen Anstoß an,\nder ihm das! Urbild seiner Schöpfung über die\nBewußtseinsschwelle hebt, bis zum letzten über-\nlegten Kunstgriff, mit dem er den Eindruck dieses\nUrbildes! möglichst vollkommen auszudrücken sucht.\nJa, noch darüber hinaus bleibt er sein einziger\nNormAlzusChauer, denn nur Er kann wirklich er-\nmessen, in welchem Grade sein Werk vollendet\nist, das heißt die Wirkung des Urbildes von sich\ngibt; nur ihim ist diese Wirkung ja bekannt.\nNun wird der Herr Doktor der Philosophie\nmich wohl für einen rohen „Subjektivisten\" erklären,\nam Ende gar für einen „Nietzscheaner\", der keine\nAhnung von dem Unterschiede zwischen „univer-\nsalen\" und „partikularen\", geschweige zwischen\n„apodiktischen\" und „assertorischen\" Urteilen habe.\nAber nur Geduld, wir werden uns! auch ohne philo-\nsophischen Jargon verständigen! Ich liebe nämlich\ndie Fremdwörter nicht, die aus! der „klassischen\nEpoche\" stammen; es stecken mir zu viel „überlebte\nBegriffe\" dahinter, zu viel „allumfassende Theorie\",\nzu viel „unberechtigte Trennung zusammengehören-\nder Erscheinungen\". Eine Wahrheit läßt sich für\nDeutsche auf gut Deutsch am Verständlichsten\nsagen, und was mir „subjektiv\" ein Unsinn scheint,\nkann 'mir (auch „objektiv\" nicht imponieren; das\nsind mir sehr zusammengehörige Begriffe.\nGenau so unberechtigt wie deren Trennung\nscheint mir aber auch die Mischung unzlusammen-\ngehöriger Begriffe, die in den Fremdwörtern der\ndeutschen Schriftgelehrten seit alters gang und gäbe\nist. Da wird ein solches Wort, zum Beispiel\nNorm, zuerst in einer sehr normalen, das heißt\ngewöhnlichen Bedeutung gebraucht, und ehe man\nsichs Versieht, ist ihm auf einmal eine normative,\ndas! heißt gesetzliche Bedeutung untergeschoben.\nDas ist aber keine Wissenschaft, Herr Physiker:\ndas1 ist Schulmeisterei! schlimmere als! sie sich je\nein Metaphysiker erlaubt hat; denn der macht seine\nKunstgebote doch' nur von seiner allerhöchsteigenen\nWeisheit abhängig, Sie aber (selbstverständlicH\ngleichfalls! bloß in — unbewußter Selbsttäuschung)\nvon der Weisheit des Bildungspöbels.\nBetrachten wir einmal recht gründlich Ihren\neigenen Satz, Herr Doktor: „ein jedes! Kunstwerk\nhat, auch wenn es von seinem Schöpfer noch kei-\nnem anderen Menschen mitgeteilt ist, schon einmal\ndie es' charakterisierende (zu deutsch: ihm eigen-\ntümliChe) Wirkung ausigeübt; nämlich auf den\nKünstler selbst!\" Damit bin ich, wie Sie sahen,\nvöllig einverstanden. Ich gebe Ihnen auch noch\nweiter zu, daß diese Wirkung im Künstler „mit\nwahrscheinlich viel stärkeren Gefühlen als bei dem\nnachempfindenden Zuschauer\" vor sich geht. Auf\nden „ähnlichen Gedankenverlauf\" im Künstler und\nim Zuschauer kommt es zunächst noch gar nicht\nan; Gedanken macht man sich bekanntlich erst auf\nGrund von Vorstellungen infolge von Empfin-\ndungen. Und wie gesagt: nicht bloß „wahrschein-\nlich\", sbndern ganz unzweifelhaft, und nicht bloß\nwährend, sondern auch noch nach der Schaffens-\narbeit wird der ganze Ablauf von Empfindungen,\nVorstellungen und daraus sich ergebenden Ge-\ndanken, die ein bestimmtes Kunstwerk erzeugt\nhaben und dessen eigentümliche Wirkung aus-\nmachen, in keinem so vollkommen wieder auftreten\nwie im Erzeuger s'elbst. In jedem anderen wird\nsich die Wirkung, je nach seiner sinnlichen Und\ngeistigen Beschaffenheit, nur teilweise oder in\nverändertem Verhältnis' der Bestandteile wieder-\nholen. Würden sidh1 sonst wohl die Gelehrten\nnoch immer über „Hamlet\" in den Haaren liegen?\nWill also jemand die Frage „Was ist schön\"\nbeantworten, und glaubt er, daß die sChöne Wir-\nkung gleichbedeutend mit der Kunstwirkung sei,\nso muß die Antwort allererst die Tatsache berück-\nsichtigen, daß ein bestimmtes Kunstwerk niemals\n„mit Notwendigkeit\" als' solches wirkt, sondern nur\nauf jeden Einzelnen in anderer Weise eigentüm-\nlich, in seiner vollen Eigentümlichkeit nur auf den\nSchöpfer desl Werkes.\nNun aber hält der Einzelne nur s'olche mensch-\nlichen Erzeugnisse für wirkliche und echte Kunst,\ndie gerade ihm den Eindrudk einer durchaus1 ein-\nzigen, unnachahmlich eigentümlichen Vollkommen-\nheit beibringen; „dasl\" Kunstwerk und „die\" Kunst\nsind ja bekanntlich nur Begriffsgötzen. Genauer\nmüßte ich sagen: Erzeugnisse, deren Form mir\ndiesen Eindruck jzr Vollkommenheit bexbxuigt.\nDasl ist aber selbstverständlich, da bekanntlich kein\nNaturgebilde, also auch kein menschliches Erzeug-\nnis, anders als aus seiner Form begreifbar ist;\nwenigstens nicht für „Positivisten\".\nWill also jemand etwas Wahres über d i e Wir-\nkung aussagen, die ein (nicht „das\") Kunstwerk\nerst als Kunstwerk b e zeichnet („Charakterisiert\"),\ndais heißt, die unter Umständen einem bestimmten\nMenschen ein bestimmtes Menschenwerk als! ganz\nbesonders formvollkommen erscheinen läßt, so hat\ner zu untersuchen: Erstens: unter was für Be-\ndingungen, zweitens1: durch was für Reize, drit-\ntnes': aus was für Empfindungen setzt jener Ein-\ndruck der Vollkommenheit sich zusammen? Und\nselbst wenn jemandem gelingen sollte, hierfür eine\nFormel von allgemeiner Gültigkeit zu finden, hat\ner sich immer noch bewußt zu bleiben, daß damit\nnur erst ein Bestandteil der ganzen, einem Kunst-\nwerk eigentümlichen, es| Voll kel n n zeichnenden\n(~Charakterijsierenden'') Wirkung (ja, ja, die Fremd-\nwörter) erklärt ist.\nUm eö kurz zu Wiederhofen: die Art- und Wert-\nbegriffe „das1 Kunstwerk\" und „die Kunst\" macht\njeder Einzelne siCh langsam erst zurecht aus den\nKunstwerken, «die ihm nach seiner Vorstellungs- und\nUrteilskraft den Eindruck einer unnachahmlich\neigentümlichen Vollkommenheit gejmaCht haben. Ob\ndieser Eindruck sich mit dem1 der „Schönheit\" deckt,\nob er ihn als Bestandteil enthält, ob Schönheit\nüberhaupt ein unentbehrlicher Bestandteil all und\njeder Kunstwirkung ist, darüber wissen wir vorerst\nnoch nichts. Wir wissen nur: „vollkommen\" ist uns\nalles, was nichts zu wünschen übrig läßt! und\n„eigentümlich\" alles, was dem Durchschnitt nicht\nentspricht! und „unnachahmlich\" alles, was un-\nergründlich Ischeint wie die Natur.\nWas aber diese „Natur\" wohl ist, von der die\nEinen Sagen, die Kunst sei ihre Nachahmung, die\nAndern, ihre Umgestaltung — darauf kann ich nur\nmit einem Dichterwort antworten, obwohl es heute,\nwo ich es! schreibe, noch nicht zu den „anerkannten\"\nWorten zählt:\nNatur, Natur! o leerer Schall,\no seelenvollster Widerhall! —"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "237", "page_fin": "238", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.5", "titre_corps": "Das Duell", "titre_sommaire": "Das Duell", "signature_source": "Robert Scheu", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.3", "debut_caractere": 8324, "fin_caractere_exclue": 12539, "texte": "Das Duell\nVon Robert Scheu\nJedes Zeitalter hat eine zweifache Arbeit zu\nleisten: die Sitte fortzubilden, als deren Quelle die\nLebenserfordernisse der Stände, das gesamte je-\nweilige Wislsen und das Vorbild machtvoller Persön-\nlichkeiten zu betrachten sind. Einblick in die Werk-\nstätte der Sittenbildung gewährt die schöne Literatur,\nvor allem das! Theater. Die zweite Aufgabe, die\nsich Staaten- und Enderweise aufteilt, besteht in der\nbeständigen Ver g l e ich un g der Sitte mit\nder Rechtsordnung. Diese nicht ruhen zu\nlassen, ist Aufgabe der Wissenschaft; sie in ihren\nlebendigen Konsequenzen zu verfolgen, Sache der\nGesetzgebung, in erster Linie der Parlamente.\nDie beiden Aufgaben: Sittenbildung und\nRechtsbildung streng getrennt zu halten, die Grenz-\nlinie jeweils zu erraten, erfordert hohen Takt,\nGeistesklarheit, Wachsamkeit und ein hellseherisches\nEindringen in das! Bewußtsein der Zeitgenossen.\nJede Generation hat nicht nur den Beruf, sondern\nauch die Pflicht zur Gesetzgebung. Sie muß sich\nperiodisch die Frage vorlegen, ob die Sitte über-\nhaupt feststeht, deren Ausdruck das Gesetz sein\nwollte ; ferner ob die Sitte des Gesetzes weiterhin be-\ndarf. Sie hat streng zwischen diesen beiden Mächten\nzu scheiden und darf sich nicht beruhigen, einen\nKonflikt festzustellen, sondern muß einen Schluß\nziehen, ein Endurteil1 fällen. Dazu gehört Auf-\nrichtigkeit gegen sich selbst und Mut zur Wahrheit.\nKonflikte zwischen Sitte und Gesetz sind unver-\nmeidlich, weil das1 Flüssige mit dem Starren nicht\ndauernd übereinstimmen kann; wo sie aber per-\nmanent sind, dort gibt es nur eine Schlußfolgerung,\nnämlich, daß das Gesetz im Unrecht ist. Ganz ein-\nfach aus dem Grunde, weil es das Künstliche ist.\nMan präjudiziert sich daher durchaus nicht,\nwenn man wegen des1 Konflikts zwischen Duell-\nzwang und Duellverbot bekennt, daß die Rechts-\nordnung eine Niederlage erlitten hat. Hier liegt\neine Probezeit vor, die nicht weniger als1 ein halbes\nJahrtausend umfaßt. Denn schon Montaigne kon-\nstatiert den Widerstreit zwischen staatlicher und\nritterlicher Auffassung und stellt alle Argumente\nso erschöpfend dar, daß heute nichts hinzuzufügen\nbleibt. Es ist daher gewiß nicht voreilig, wenn man\ndie Materie für spruchreif erklärt Und rundweg\nfordert, daß die Gesetze, die das Duell unter Strafe\nstellen, aufgehoben werden.\nDer Fehler in der Behandlung dieses Gegen-\nstandes lag bisher darin, daß man die Frage des\nGesetzkonfliktes nicht genügend von der eigenen\nGesinnung isolierte, daß man das Formelle vom\nMateriellen zu trennen nicht den Mut besaß. Erst\nwenn diese Voraussetzung erfüllt ist, kann das\nProblem unbefangen in Angriff genommen werden.\nEs ist von solcher Kompliziertheit, daß es sich nur\nschrittweise zerlegen läßt. Man knan sich hier nur\ndurch einen Vergleich aus! der physikalischen\nWissenschaft verständlich machen.\nEs gibt in der Technik zweierlei Erfindungen.\nDie eine sozusagen die elegante Klasse ist dadurch\nausgezeichnet, daß ein einziger Gedanke, eine In-\nspiration, ein Genieblitz, die ganze Aufgabe gelöst\nhat, daß Geist und Körper der Erfindung eins sind.\nSie entspringen dem Haupt ihres Schöpfers wie\ndie Minerva, mit Schild und Speer, ausgewachsen\nund reif, in einer glücklichen Stunde. Die zweite\nKlasse ist anders geartet. Es sind Erfindungen,\nderen Urheber kaum genannt werden können, weil\nerst die aufgespeicherte Arbeit Vieler die Voraus-\nsetzungen geschaffen hat, die im Wege unzähliger\nAnnäherungen zum Ziele führten. Eine Erfindung\nder zweiten Art ist beispielsweise das! moderne Zwei-\nrad, eine Kollektiv- und Annäherungserfindung, die\naus' einer Kette von Verbesserungen besteht und in\nden verschiedensten Techniken schrittweise ihre Vor-\naussetzung erlebte.\nDas! Problem des Ehrenschutzes gehört nun\noffenbar zu jenen, welche in eine Summe von Teil-\naufgaben zerfallen. Teilaufgaben, die einander viel-\nleicht sogar widersprechen und selbst nur Annähe-\nrungslösungen vertragen. Man darf daher nicht,\nwie es gewöhnlich geschieht, die Antwort mit Ge-\nwalt erzwingen wollen, etwa, indem man seinen\npersönlichen Geschmack ausspielt, oder ein all-\ngemeines Prinzip mit größerer oder geringerer\nLeidenschaft in die Wagschale schleudert. Man\nhat vielmehr die ganze Konstellation zu er-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9819, "texte": "forschen und die Verschiedenen Kräfte nachzu-\nweisen, die sich gegenseitig stützen oder reiben.\nDie Gleichung hat mehrere Unbekannte. Zu-\nnächst ist die soziale von der psychologischen\nAntagonie loszulösen. Auf der einen Seite handelt\nes sich um einen Kampf zweier ständisdhen Auf-\nfassungen, nämlich der ritterlichen und zivilen Per-\nsönlichkeit; auf der anderen Seite um den Kampf\nder Individualpersönlichkeit mit der Rechtsstaats-\nordnung. Diese beiden Antagonien decken sich1\nnicht, sie kreuzen sich nur mit einem kleinen Teil\nihres Umfanges. Kriegerische Wertung und indi-\nvidualistische Rache — das sind die beiden Stützen\ndes1 Duells in der heutigen Gesellschaft; sie stammen\naus zwei entgegengesetzten Welten, aber sie kom-\nbinieren und durchdringen sich allerdings gern.\nDas Duell als militärische Einrichtung beruht\nauf der Hochwertung des' kriegerischen Spieles und\nist auch historisch aus dem scherzhaften Turnier her-\nvorgegangen. Es ist ganz natürlich1, daß der Offizier\nden Kampf um die Ehre in seiner Berufsform aus-\nträgt. Der Offizier, slofern er mit seinem Beruf\nnicht zerfallen ist, muß den persönlichen, physischen\nKampf für den selbstverständlichen Ausdruck der\nPersönlichkeit halten, da die Anerkennung einer an-\nderen Waffe den Grundtrieb seines Berufes negiert.\nNicht, weil seine Ehre eine empfindlichere ist,\nsondern weil infolge der Spezialität seiner Ehre der\nDegen wesentlich zum Ausdruck seiner Persönlich-\nkeit gehört, ist der Offizier an das Duell gebunden.\nMüssen ja auch kriegführende Staaten den Begriff\nder Waffenehre krampfhaft steigern, weil sie ein-\nmal an die Waffen appelliert haben und ein Wider-\nspruch darin läge, das Werkzeug der ultima ratio\nnicht zu glorifizieren. Ganz getrennt von diesen\nmarschieren jene Duellverehrer, welche an diesem\nInstitut hängen, um sich dem amtlichen Richter zu\nentziehen. Für sie ist das Duell ein Mittel, den In-\nstinkten freien Lauf zu lassen, und sie vor den Ein-\ngriffen einer kaltblütigen Zivilisation zu schützen.\nAber wie verschieden sind wieder die Gründe, aus\ndenen das Duell gefordert und aus denen es ver-\nfolgt wird.\nWas bekämpft der Staat im Duell? Man ist\ndarüber einig, daß das geschützte Rechtsgut nicht\ndas Leben, sondern die Sittlichkeit sei. Es ist das\nSpiel ums Leben, dasi von den Duellgegnern ver-\ndammt wird. Ist dies aber auch der währe Be-\nstimmungsgrund für die staatliche Gesetzgebung, so-\nweit sie sich im Strafgesetz offenbart? Mißtrauen ist\nhier am Platz. Der Instinkt unserers Strafgesetzes\nist hier ein anderer. Ihn zu erraten, geben die Be-\nstimmungen über die Notwehr genügend Anhalts-\npunkte. Der Staat entwaffnet die Bürger.\nWenn er dann als! Militärstaat mit sich1 selbst in\nWiderspruch gerät, so offenbart sich darin nur seine\nhöhere Konsequenz. Weit entfernt davon, sich\nselbst ins Gesicht zu schlagen, führt er nur seinen\nleitenden Gedanken aus, eben den Gedanken der\nungleichen Bewaffnung der Stände, des un-\ngleichen Selbstgefühls, das zu erziehen er sidh vor-\ngenommen hat. Nicht um Sittlichkeit und Unsittlidh-\nkeit handelt es sich, sondern um das Vorrecht der\nSelbstbestimmung, um das Vorrecht der Waffe, um\ndie Entwindung des1 Degens. Wenn dies praktisch'\nals Konflikt zwischen dem 'Strafgesetz und der\nmilitärischen Vorschrift in Erscheinung tritt, so\nnimmt es' eben der Staat in den Kauf, da die Form\ndes! Konfliktes die einzige ist, in der die Ungleichheit\naufrechterhalten werden kann. Besitzt man doch\ndas glückliche Korrektiv der Begnadigung, durch\ndie dem Zwiespältigen Zustand das Gefährliche ge-\nnommen wM. Der Widerspruch ist demnach nur\nein scheinbarer, eine Maske!\nAlso auch aus diesem rein politischen Gesichts-\npunkt ergibt sich die Forderung, die das Duell be-\nstrafenden Gesetze aufzuheben. Es erweist sich\nneuerdings, daß das Duell prinzipiell freigegeben\nwerden muß, soll es effektiv bekämpft werden.\nDer Militärstaat betreibt eine ganz besonders!\ngeschickte Politik, indem er individualistische Argu-\nmente für Zwecke ausspielen läßt, welche der Macht-\npolitik angehören. Daß aber rein individualistische\nGründe bestehen, die ganz anders abzuleiten sind,\nmacht das1 Problem so schwierig.\nDie induvidualistische Idee des Duells besteht\ndarin, daß man für gewisse Handlungen und\nAeußerungen mit seiner ganzen Existenz einsteht\nund seine Persönlichkeit verwettet, um dadurdh allen\nAeußerungen seines Lebens ein höheres Gewicht zu\nsichern. Durch die zum Grundsatz erhobene Un-\nverzeihlichkejit all seiner Worte und Taten hebt\nder Duellpflichtige das' Niveau seines ganzen Lebens,\nweil1, nun alles1 belangreich, inhaltschwer relevant\nwird und jede Lebensäußerung über den Bereich des\nAugenblicks und ider Laune hinausgreift. Es ist\neine enorm gesteigerte Pietät, die in einer solchen\nVerantwortlichkeit zum Ausdruck kommt, eine\nPietät, die etwas' Erhabenes hat, aber unmodern ist,\nin einer Zeit, wo das! Individuum wieder auf seine\n„tausend Seelen\" stolz ist. Nicht die Genugtuung,\ndie einer schuldet, sondern die Wichtigkeit, die\ner sich selbst beilegt, ist der leitende Gedanke.\nDarum ist es ein Vorrecht, also Recht und nicht\nPflicht.\nDer Beweis' des Mutes durch das Duell ist nicht\neinmal etwas Sekundäres. Es gehört schon viel\nFeigheit dazu, um auf diesen Gesichtspunkt über-\nhaupt zu verfallen. Mut wird vorausgesetzt. Die\nEhrlosigkeit des Duellverweigerns liegt nicht in der\nFeigheit, sondern in der Gleichgültigkeit gegen\neigene Gesinnungen, die als' zu unwürdig erscheinen,\num mit dem Degen verteidigt zu werden. Liegt\nja auch im Vorwurf der Lüge nach ritterlicher Auf-\nfassung das BeMdige|nde nicht etwa in der im-\nputierten Verletzung einer religiösen Wahrheits-\npflicht, sondern einzig und allein in der darin ein-\ngeschlossenen Zumutung der Abhängigkeit, also in\ndem Angriff auf unsere Souveränität. In der\nDiplomatie beispielsweise, wo dieser Verdacht nicht\nmitspielt, ist die Lüge eine anerkannte Tugend.\nUm die Komplikation voll zu machen, tritt in\ndieses Wirrsal noch' bin unbewußtes Motiv ein,\nnämlich die Sehnsucht nach! einem Korrektiv\nsiegestrunkener sozialer Uebermacht. Wir leben in\neinem Zeitalter fortschreitender politischer Freiheit,\naber gleichzeitig sich verdichtender sozialer Ab-\nhängigkeiten. Durch die Notwendigkeit, sein Leben\nirgendwie alfe Karriere zu konstruieren, gerät der\nmoderne Mensch1 in ein unübersehbares Netz von\nRücksichten und Zwangsanstalten, die jeden seiner\nSchritte zur Resultante von lauter Notwendigkeiten\nmachen. Immer bedenklicher verstärkt sich das\nGewicht wirtschaftlicher Rücksichten, immer voll-\nkommener setzen sich' Verstellung, Unterdrückung\nder natürlichen Affekte durch. Der Druck der viel-\nseitigen Abhängigkeit ist so stark angewachsen, daß\nselbst die Redhtsdurchsetzung illusorisch' wird. Der\nformale Anspruch, beruhe er nun auf dem Straf-\noder Zivilrecht, wird vernachlässigt; denn die Aus-\nübung und Durchsetzung der Rechte steht nur dem-\njenigen zu, dessen Macht von vornherein größer\nist. Wo bereits das Uebergewicht feststeht, dort\nkann es1 durch Verträge gesteigert werden; dagegen\nsind Verträge für die wirtschaftlich Schwachen ohne\nWert. In diesem entsetzlichen Druck des schweigen-\nden Duldens! liegt der Grund unserer Nervosität.\nDas Abreagieren verschwindet aus der Oekonomie\nunseres Gemüts.\nDa ist dann die Aussicht und Möglichkeit eines\nDuells immerhin eine Beruhigung für den entnervten\nStaatsbürger. Soweit es sich1 um die landesüblichen\nEhrenbeleidigungen handelt, kann durch' eine nach-\ndrückliche Strafverfolgung eine Auflösung der Span-\nnung t>is! zu einem gewissen Grade erzielt werden\nund in&ofern ist der Kalkül richtig, daß durch eine\nReform der betreffenden Gesetze eine Verminderung\nder Duelle herbeigeführt werden kann. Bei sonsti-\ngen Eingriffen in die Persönlichkeit — wie; beispiels-\nweise in die Sexualsphäre —- kann jdie noch so\nenergische Intervention eines Dritten keine wahre\nGenugtuung schlaffen. Daher kommt es, daß gerade\ndie unritterlichste Zeit an diesem Erbstück mit einer\ngewissen Zähigkeit festhält. Das Duell ist hier ein\npsychologisches Hilfsmittel, in dem Sinn, wie man\ngesagt hat, der Gedanke an den Selbstmord sei\nein Trost, mit dem man über manche böse Nacht\nhinwegkomme.\nIndern wir zu unserem Gleichnis zurückkehren,\nwiederholen wir die Meinung, daß die Lösung dieses\nProblems nur durch einen konzentrischen An-\ngriff von mehreren Seiten herbeigeführt werden\nkann: Zur Klärung und Demaskierung ist Vor allem\nder Konflikt zwischen Oesetz und Gesellschaft auf-\nzuheben und das! Duell prinzipiell freizugeben.\nDurch' diesen Schachzug, der der Aristokratie schein-\nbar entgegenkommt, wird es in Wahrheit seinen\naristokratisch-militärischen Charakter einbüßen und\nauf seine individualistischen Motive zurücksinken.\nDurch eine strengere Verfolgung der vulgären\nEhrenbeleidigung kann das Gemüt zimlich entlastet\nwerden, bei tieferen Eingriffen in die Persönlichkeit,\nwie beispielsweise beim Ehebruch, wird man die\nEntscheidung den Betroffenen überlassen müssen,\nund es1 inzwischen der philosophischen Erleuchtung\nüberantworten, neue Konventionen und Grund-\nanschauungen vorzubereiten. Eine verfeinerte ge-\nsellschaftliche Kritik, gesteigerter Gerechtigkeitssinn\nund Rückkehr zum natürlichen Empfinden werden\ngleichfalls die Spannung entlasten. Aber die her-\nvorragendste Aufgabe fällt einer höheren Sozial-\npolitik zu, welche neue Gegengewichte schafft und\ndie Nerven entlastet. Man denke an jene herrliche\nStelle der Orestie, wo endlich dem Schlachten ein\nZiel1 gesetzt, die Blutrache entthront und der Areopag\nvon der Göttin Athene gegründet wird. Wie von\nFirnenlicht Übergossen strahlt die Szene und ein er-\nhabener Schauder verkündet das beginnende Regi-\nment der Menschlichkeit. . . . Heute gilt es, einen\nneuen Areopag zu gründen, der den Stacheldraht\neiner überspitzten Ordnung zerschneidet, die Rechte\ndes Gemütes zum Siege führt und eine höhere Frei-\nheit erfindet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "239", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.6", "titre_corps": "Und Pippa tanzt", "titre_sommaire": "Und Pippa tanzt", "signature_source": "Thaddäus Rittner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.4", "debut_caractere": 9821, "fin_caractere_exclue": 12822, "texte": "Und Pippa tanzt\nVon Thaddäus Rittner\nPippa tanzt. Aber die Maßgebenden sind nicht\nzufrieden. Nämlidh: la grande foule und die kleinen\nRezensenten. Sie wird nicht nur ignoriert. Sie wird\ngehaßt.\nWas hassen la grande foule und die kleinen\nRezensenten ? Die Ironie. Die ganze künstlerische\nPhysiognomie Pippas ist ironisch. Dasi ist meine\nEmpfindung. Ungewollte Ironie. Das! heißt: Eine\nEigenschaft der Dichtung, nicht des Dichters. Wie\ndenn überhaupt dasi Gewollte das Schlechteste an\ndiesem und an jedeml Drama ist. Pippas Schönheit\nist ironisdh. Alles Frühere von Hauptmann wai\nbitterer Titerarischer Ernst. Darum war alles Frühere\nso beliebt. Darum erhielt Hauptmann so schöne\nGrillparzer- und andere Preise. Für Pippa bekommt\ner gar nidhts. Sie ist der Pferdefuß. Eine kom-\npromittierende Geschichte. Kurz gesagt: Eine Dich-\ntung.\nPippa hat ihre eigene Luft. Ein Königreich\ndes öÜases ,in Schlesien. Die Leute sind in der\nGlashütte beschäftigt oder leben von ihr mittelbar.\nAber nicht yie Arbeit gibt der Dichtung den Grund-\nton (wie in den „Webern\"), Standern das Material\nder Arbeit. Dasi ist das CharakteristisChe. Aus dem\nGegensatz zwischen der häßlichen Arbeit und dem\nschönen ergibt sich! das Leitmotiv des\nGanzen. Das! Glas stammt aus Venedig, wie Pippa,\ndie Tochter (des! Glastechnikers Tagliazlzoni. Und\ndieses „Venedig\" — mehr eine Sehnsucht als eine\nStadt — gibt deml Drama einen zweiten Hintergrund.\nDen rein poetischen nebeln dem! Ort der Handlung.\nRauhe Bauernhände erzeugen zarte Blumen-\nwunder aus! Gllas. Ahnungslos. Hungrige Bauern-\naugen verschlingen (die tanzende Pippa und leiden\nan ihr, aber sie sehen sie nicht. Sie tanzt vor ihnen,\naber nicht für sie.\nPippa ist die echteste weibllidhe Schöpfung des\nfrüheren Literaten. Traurig echt in ihrem Schicksal1.\nSie ist „die Schönheit auf Erden\". Sie ist das\nWeib. Jedenfalls ist sie dazu da, mißverstanden\nzu werden. Vor Männern zu tanzen, die slie aus\nBewunderung zerreißen oder — heiraten möchten.\nZwei (symbolische Tänze aml Anfang und am\nEnde. Dasi erstemal! im Wirtshaus — eine „Pro-\nduktion\". Und zum Schluß in der Hütte Wanns —\neine höchst eigene sexuelle Angelegenheit. Zwei\nBilder von einer imposanten Perspektive.\nIm Wirtshaus. Unter den zuschauenden Bären\nist auch ider „Glashüttendirektor\". Ein gewöhn-\nlicher Mensch. Aber doch unter den Bären ein\nWeltmann. Seine (Galanterie hat eigene feine Nu-\nancen. Zuerst er, das1 „verlauste\"\nMädel1 ssoll tanzen. Aber Pippa ersdheint, und er\nbehandelt sie zart — wie Glas. Der Herr Direktor\n„liebt\". Hat fstogar Von Pippa Träume. Er sagt\nihr, daß jsie aus dem Glasofen stamme. So richtig\nträumt er von Pippa. * Er siagt ihr: „Wenn die\nWeißglut aus! dem Ofen! bricht, sehe ich dich oft\nganz salamanderhaft in dein glühenden Lüften mit\nhervorzittern.\" Da läßt sich plötzlich ein grotesker\nRiese vernehmen, ein früherer Glasbläser, „der alte\nHuhn\". „Vo dar hloa iidh o schunn Träume ge-\nhott. ...\" Das ist unheimlich. Jenseits von lite-\nrarisch und szenisch. Aus dem Schlesischen ins"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7612, "texte": "WedekindSche übersetzt: „Ferdinand (ein Diener\nim letzten (Akt des! Erdgeist). Man ist doch nur\nein Menisch \"\nPippa tanzt mit dem1 „alten Huhn\".\nMan sehe, was aus dem Literaten Hauptmann\ngeworden ist. Die putzigen „Spezialkorresponden-\nten\", die damals! den Berliner Durchfall Pippas in\ndie Welt telegraphierten, ließen den ersten Akt\nnodh gelten. Nach1 meineml Gefühl mit Unrecht.\nDenn dieser Akt ist auch von einem Dichter. Er\nspielt „in (der Schenke des alten Wende in Rot-\nwasSergrund\", ist (aber kein Akt aus Fuhrmann\nHenschel. Und die „handelnden Personen\" reden\nzwar scheinbar (das gewöhnliche Schlesisch, aber\njedes ihrer [Worte hat einen gewissen Unterton,\nder ihre Zugehörigkeit zu einer unendlichen Welt\nverrät. Symbolische Fäden verbinden sie mit dem\npoetischen Hintergrund, und nicht nur gesprochene\nAlltäglichkeit |mit dem „Ort der Handlung\".\nDaher das! prächtige Kolorit des sdheinbär „re-\nalistischen\" Dialogs: ein Wedekindscher Dialog —\nvon Hauptmann.\nPippa tanzt mit Huhn, den sie haßt und fürchtet,\nvor Männern, {die sie verachtet und fürchtet. Bis\nauf einen. DiesCr Eine ist ein „wandernder Hand-\nwerksbursche\". Der junge Michael Hellriegel, der\nin die Welt zieht, um „etwas! ganz Besonderes\" zu\nerlernen und zu erleben. Spuckt Blut. Aber hat\ndie Jugend und den Märcheinglauben. AlSto iein\nKönig. — Und nun weiß man, daß Pippa für ihn\ntanzt. Für den Dichter tanzt die Schönheit auf\nErden.\nVorläufig wird aber diese Schönheit von einem\nstärkeren entführt. Der alte Huhn benutzt einen\ngünstigen Augenblick, stürzt sich wie ein Raubtier\nauf Pippa und trägt sie davon, hinauf in die Berge,\nin seine Hütte.\nUnd nun, in einer luftigeren, „wildromantischen\nUmgebung\" (wo die Wirklichkeit und das1 Ver-\nständnis des kleinein Rezensenten aufhören) die Fort-\nSetzung der Tragikomödie Vom irdischen Spieß-\nrutenlaufen jder Schönheit.\nDer verrückte Poet Michael kommt von un-\ngefähr in (die Höhle deisl Riesen. Das Raubtier\nist in dem Moment „nicht zu Hause\". Wohl aber\nseine Beute. Ein kostbares tete ä tete mit Pippa.\nEine der (schönsten Szenen. Quasi Liebesszene, aber\nso, wie man im Märdhen liebt. Er — wie Peer\nGynt — Lügner und Poet, Kind und Prahler. Glaubt\nam liebsten an diejenigen Dinge, die es nicht gibt\n— und ist jeder Heldentat fähig, wenn sie unsinnig\nist. Und sie eine Perle in der Galerie der deut-\nschen „Naiven\". Aber zwischen ihr und einem\nGretchen liegt ein Abgrund oder — Lulu von Wede-\nkind. Auf die Nachricht von der Ermordung ihres\nVaters, der sie prügelte und überhaupt molto c'attivo\nwar, fällt sie nicht in Ohnmacht, sondern ihrem\nMichael lachend um den Halsl „Ach, so hab' ich\nja niemand mehr in der Welt! Niemand als! dich!\"\nUnd der Poet beschließt natürlich sofort, das arme\nMädchen bis! ans Ende der Welt zu tragen.\nWenn sie auf dieser Reise nach Venedig über\nBerge und Gletscher nicht zugrunde gehen, so ver-\ndanken sie es einer mythisdhen Persönlichkeit, dem\ngreisen Wann, der in einer Baude auf dem Kamm\ndes |Gebirges (wohnt, die Welt liebt und von der\nVogelperspektive sieht. Er lockt die beiden in sein\nHaufe' (und rettet sie so vor dem Tode. Wer ist\nWann? Sicher nicht der Herrgott (wie die scharf-\nsinnigsten Rezensenten (meinen). Mir genügt es,\ndaß er hoch1 oben wohnt und (wie der Dichter\ndes Glasmärchens Pippa) die Welt Von der Vogel-\nperspektive sieht. Vielleicht ist es keine „Persön-\nlichkeit\", sondern — ein Standpunkt.\nWann nimmt Jugend und Schönheit zu sich auf\nund bewirtet (sie wie königliche Gäste. Und die\nbeiden (danken ihm inicht, sondern begegnen ihm\nmit Trotz und Stolz, wie esl der Jugend geziemt.\nDafür spielt er mit ihnen wie mit Kindern. Er\nlacht über den Poeten, der „auf praktische Weise\"\nnadh Venedig reisen will. . . . „Nein, so kommst\ndu wahrscheinlich niemals hin. Aber . . .\" und\ner zeigt ihm daisl kleine Modell einer venezianischen\nGondel; ... „wenn du mit diesem Schifflein reisest,\nmit dem schon die ersten Pfahlbauern in die La-\ngunen (hinausfuhren, (und aus dem, wie aus einer\nschwimmenden RäucherschälC phantastischer Rauch,\nder Künstlertraum Venedig quoll ... so kannst\ndu mit einemmal alles! erblicken, wonadh deine Seele\nstrebt . . .\" Ja, das ist unsinnig genug, und Mi-\nchael ist einverstanden. Er nimmt das Spielzeug\nin die Hand, und Wann versetzt ihn in einen hyp-\nnotischen jSdhlaf, — mittels einer Zauberformel, die\ner Pippa nachsprechen läßt und ihren Finger um\nden Rand eines! venezianischen Glases herumführt.\nDaisi Glas erschauert und erklingt unter der Be-\nrührung Pippas1, die Töne werden immer stärker,\nund auf den Wellen dieser Musik reist Michael\nim Traum nach „Venedig\": Er „erblickt alles1, wo-\nnach seine schmachtende SeelC strebt\".\nEr reist also — allein. Dies kleine Detail ist\nwichtig. Dies1 tragische Detail, daß die „Schön-\nheit auf Erden\" nur für einen ist, für den Dichter,\nund auch für diesen einen — nicht ist. Nur darum\nmadht der alte Ironiker sein seltsames Experiment\nmit der Gondel. Ausl purem Vergnügen an einem\nschönen [Beweis. An dem Beweis, daß Michael\nseine Pippa in der Seele hat — und erblinden\nkönnte — und Pippa doch hätte. Die Rolle Pippas,\nder „irdischen Schönheit\", beschränkt sich darauf,\ndaß sie in der Seele des Poeten Michael jene Klänge\nhervorruft, die ihn in das Wunderland der Phantasie\ntragen. Aber slonst ist Pippa für Michael — nicht.\nSie tanzt wohl1 für ihn. Aber nicht mit ihm. Sie\ntanzt (mit demjenigen, den sie haßt. In diesem\nStück und — immer. Sie tanzt mit dem brutalen\nHuhn. Und zu diesem Tanz treibt sie der starke,\newige Instinkt, der alles Lebendige in die Arme\ndes) Todes treibt.\nDieser zweite und letzte Tanz, der Todestanz\nder Schönheit (mit der Kraft, bildet den Schluß\ndes Dramas. Der Riese schleicht sich in die Hütte\nWanns! ein und versteckt sich hinter dem Ofen.\nMan weiß es zuerst nicht (zur großen Freude der\n„Spezialkorrespondenten\", die ihn für ein Symbol\ndes' 'Allwissenden halten) und entdeckt den Ein-\ndringling erst nachts', als Michael und Pippa\nschlafen. Ein kurzes, fast stummesi Ringen der Weis-\nheit mit der Kraft, und esl siegt die Weisheit. Huhn\nsinkt — aber lebt nodh. Und mit dem Rest seines\nbrutalen Lebens! tötet er später Pippa, die sich in\nAbwesenheit [Wanns und mit dem1 Einverständnis\nMichaeli von ihm zum Tanze verleiten läßt.\nDieser Tanz ist das schönste Finale, das ich\nkenne. Erinnert mich an das! herrliche Ende Lulus\nin der „BüCh'se der Pandora\". Der „alte Huhn\"\nspielt hier jdie Rolle des! Jack the ripper. Es ist\nwie ein riesiges, lustig brennendes Opferfeuer, zu\nEhren desi mors imperator. Drei Glieder des Tanzes:\ndie „Einladung\", das! Flehen des totkranken Raub-\ntieres!, schwere, prächtige Urworte, heiße Lavastücke,\ndann das' „Mitleid\" des Mädchens für den Ster-\nbenden und die göttliche Naivität des! Poeten Mi-\nchael, der Pippa zuredet zu tanzen; schließlich das\ngroße „Feuer\", der Tanz. . . . Während des! Tanzes\nzerbricht das! Weinglas, das Huhn in der Hand halt,\nund . . . Pippa Stirbt. Dann stürzt der Riese.\nEin retrospektives Symbol — könnte man sagen\n— ist die nun wirklich eintretende Blindheit Hell-\nriegels!. Er weiß nichts vom Tode seiner „Ge-\nliebten\" ; sb wie — er früher nichts von ihrem Leben\nwußte. Er ist glücklich, er hat Pippa in sich. —\nDas1 Glasmärdhen vom irdischen Spießruten-\nlaufen der Schönheit erlitt das! gleiche Schicksal,\nwie die Schönheit selbst. Und das ist die äußere\nIronie des Hauptmannschen Dramas. Es Vereinigten\nsich alle Spezialbarbaren, die in Kritik machen,\ndenn es handelt sich' um den Angriff auf einen\ngemeinsamen Feind — den Dichter. Sie vereinigten\nsiCh alle, um ihn und das Werk, das „Niemand\nverstehen kann\", mit ihrem Hasse zu krönen. Und\nPippa tanzt. . . . AVe poeta!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "239", "page_fin": "239", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.7", "titre_corps": "Marie Böhm", "titre_sommaire": "Marie Böhm", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.5", "debut_caractere": 9612, "fin_caractere_exclue": 12225, "texte": "Marie Böhm\nElse Lasker-Schüler\nEcke Französische und Charlottenstraße lachen\naus einem der Glaskästen schöne, weiße Zähne,\nzwischen frischen Lippen in Mädchengesichtern.\nManche von den jungen Schauspielerinnen offen-\nbaren ihre ureigene Begabung, denn ihre Perlmutter-\nhecken sind gar nicht erschaffen, am Abend hinter\nzuckenden Lippen Versteckt zu schimmern. Ueber\ndem Atelier Von Marie Böhm scheint auch der\nHimmel zu heiter; die wundervolle Photographin\nkann nicht genug Vorhänge über die Sonne ziehen,\ndie maCht immerfort ein freundliches! Gesicht. Marie\nBöhm ist die Eigentümerin des kunstphotographi-\nsChen Ateliers Becker und Maass. Man kann sich\nohne Gefahr vor Entstellung vor ihren Apparat\nbegeben. M,arie Böhm weiß im richtigen Augen-\nblick den Blick Vom Auge zu nehmen. „Der\nnichtssagendste, ausdrucksloseste Mensch hat einen\nAugenblick, den muß man eben festhalten.\" Ihre\nlieben, blauen Augen strahlen, als sie das antwortet.\nIch verstecke mich unter einem Tisch hinter langen\nLaubgewächsen, um aus meiner Froschperspektive\neinige Aufnahmen zu beobachten. Daß das nicht\nangehe, meint Fräulein Böhm — schon naht das\nBrautpaar, ich rufe ihr aus1 meiner Lage zerstreut'\nzu, sie soll sagen — im Fall — ich bin Arzt und\ninteressiere mich für neuartige Operationen. Diese\nIdeenverwirrung stammt von meinem Vater her, er\nverwechselte immer das Zahnziehen mit dem Photo-\ngraphierenlasSen. Beides hat so was mit dem\nHerausholen ,zu tun — und — „der eine Augen-\nblick\". Marie Böhm aber hat keine Zange in\nder Hand. Bräutigamundbrautumschlangen sitzen\ndie beiden auf der Bank und drehen ihr den\nRücken zu; ihre Gesüdhter blicken sich auf einmal\nnach etwas! um. Ob sie mich quaken hören! —\n„Danke!\" Zweite Aufnahme. — Für die Photo-\ngraphien imüßte es auch eine Welt geben aus ge-\ndiegenem Silberoxyd im Krinolin. Das! Album ist\naus der Mode gekommen, darin s'ich das photo-\ngraphierte OnkeltantengeSChlecht zum Aufblättern\nbefand; es stirbt nicht aus. In Schalen liegen all\ndie Pietäten, Frauen, die sich audh schon Löckchen\ndrehten, Nun sind unsere Kleidersäcke zugebunden,\nAuf den slpiätverwandten Bildern Stehen die Röcke\nweit in Runden. Ihre Augen aufgetan in\nTodesangst den Augenblick zu greifen, heute\nhasCht ihn die Photographie wie einen Schmetter-\nling vom zwanglosen Sichgehenlassen. Und ge-\nrade (meine liebe Marie Böhm ist eine so große\nPhotographin — sie photographiert auch ohne\nApparat gerade mitten in der Sonne mit geschlosse-\nnen Augen, wie der Maler malt ohne Pinsel im\nSpazierengehen, im Anblick, im Nachsinnen. 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Er „er-\nlebte in dem Zeitalter der drahtlosen Telegraphie,\nder Sezession und Bernhard Shaws\" ein Epos.\nKein Name all der Großen der Geschichte, die\neinmal1 auf montenegrinischem Boden standen, von\nCäsar bis zu Amaläsuntha, „des großen Theodorichs\nunseliger Tochter', ist jdem Dichter fremd, aber\ner kennt keine stolzere Straße als die, welche nach\nCettinje führt. Sie ist in gewissem1 Sinne eine Via\ntriumphalis, „a u 112 i'lfr ziehtdie Kultur diese\nunwirtlichen Höhen empor\",\nVoß fährt an Bastionen vorüber. Der Doppel-\nadler hält (scharfe Wacht, die Cettinjer, die mit\nVoß im Auto sitzen, haben einen Adlerblick, und\nbald schweben sie alle hoCh über der Tiefe, als\nhätten sie „in brausendem Fluge Adlerschwingen\nemporgeführt\". Plötzlich wird Voß von einem Mit-\nreisenden angerufen.\n„Was ist?\"\n„Montenegro!\"\nEs! handelt sich nur um die Passierung der\nGrenze. Doch der Montenegriner erzählte nun auf\nheimatlichem Boden Richard Voß von den weisen\nGesetzen, die Peter der Zweite ihnen gab. „Du\ndarfst nicht stehlen. Stiehlst Du dreimal, so steht\nTodesstrafe darauf.\"\nVoß fand die Gesetze Voll Ueberzeugung „weise\nwie König Salomo\", und auf seine Frage: „Habt\nihr in Montenegro noch die Blutrache\", antwortete\nder edle Reisegefährte: „Herr, jenes Gebot steht\nim Herzen unseres Volkes geschrieben. Ein solches\nlöscht kein Gesetz aus.\" Die Gesetze sind — nach\nRichard Voß — weise wie König Salbmo, aber jder\n\nRichard Voss in Montenegro"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1632, "texte": "Montenegriner handelt nun einmal nadh einem Her-\nzensgebot.\nVoßens Traum von einem homerischen König-\nreich bleibt, selbst als Voß lange nach einem Laden\nsuchen muß, in dem Ansichtskarten zu haben sind.\nEs' gereicht ihm zum Trost, daß „Von Ansichtskarten\nja auch Homer nichts zu singen weiß.\"\nAber ein Grand Hotel gibt es in Cettinje. „Der\nWirt, ein kriegerischer, waffentragender Mann,\nspricht zu dem Fremdling von seinem Fürsten\nund Herrn, ganz Feuer und Flamme dabei werdend.\nEin Dichter ist unser Fürst, qin| Sänger seine® Volkes.\nKommen Sie in unser Theater, wenn unseres Fürsten\nNikita, „Königin Vom Balkan\", aufgeführt wird.\nDann werden Sie selbst hören. Oh, Sie werden\nschon sehen! Bleiben Sie bei uns, Herr; oder kom-\nmen Sie wieder!\"\nVoß wollte nicht bleiben, und er will auch nicht\nwiederkommen. Er beeilt Sich, nach Cattaro zu-\nrückzufahren, „wie im Wolkenflug, sturmumheult\nund von Nebelnacht umdunkelt ging eS pfeilschnell\ndurch schwarzes Gewölk hinunter\", er erkannte\nnicht einmal den Abgrund, in den er hinabstürzen\nkonnte.\nVon neuem in die Welt aller Wirklichkeiten zu-\nrückgekehrt (soll heißen: in Cattaro wieder glück-\nlich angelangt), hört er, daß Montenegro Königreich\nwerden soll. In Montenegro wußte noch kein\nHammel davon? Voß nennt die Botschaft seltsam,\naber für ihn war Montenegro sdhbn lange ein König-\nreich.\nDem Fürsten Nikita erzählte der Grand Hotel-\nwirt, eine waffentragende, kriegerische Gestalt, von\ndem seltsamen Besuch eines träumenden Reichs-\ndeutschen in Cettinje.\n„Wie hieß der Edle?\"\n„Richard Voß.\"\n,Aha!\"\n„Er Soll ein Dichter sein.\"\n„Für mich war er das schon lange\", bestätigte\nder Fürst."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.6", "debut_caractere": 1708, "fin_caractere_exclue": 1713, "texte": "J. 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Das Stück ist so sdhliecht,\ndaß es1 gleichfalls von Rudolf Lothar sein könnte.\nMan behauptet aber, daß es ein anderer Autor Ver-\nfaßt hat. Jedenfalls! war es widerlich. Die trau-\nrigen Schauspieler dieses Institutes benahmen sich\noffenbar dank der Regie Williarn Wauers etwas\ngebildeter. ,Herr Alwin Neuß, der bekannte fade\nVirtuose, Vervollständigte glücklich das „Ensemble\",\ndafel nur ein Talent aufwies : Herrn Hermann Pfanz.\nIch möchte endlich nächstens wissen, was William\nWauer kann.\nIm Residenz-Theater unterhielt man sich. Werte\nwurden Gottseidank ausgeschaltet und das Leben\ndurdh Richard Alexander verkörpert. Lieber\nein wahnsinniger [Blödsinn als einen blödsinnigen\nWahnsinn. Alexander wirkt durch Tonfall und\nGestik. Ich halte ihn für einen Humoristen. Leider\nbieten 'seine Rotten nie Gelegenheit, festzustellen,\nob er gestalten kann. Man glaubt es fast.\nUebrigens: Ich fürchte, daß man die herrlichen\nTitelzeidhnungen nie ordentlich ansieht, mit denen\ndie Herren Direktoren ihre Programme schmücken\nlassen, und die jetzt bei dem erhöhten Preis ein\ndoppeltes Interesse gewinnen. Ich will diese be-\nscheidenen Schöpfungen von Künstl'erhand endlich\nauö [dem Theaterdunkel1 ans Tageslicht ziehen, damit\nman weiß, wie eng unsere Bühnen mit der Kunst\nzusammenhängen. Hier zunächst einmal1 eins. Es\nhat den Vorzug, verständlich zu sein. Und der\nHerr Baurat, der sich mit rührender Geduld den\nSturm kauft und nach dem Erscheinen jeder\nNummer telefonisch Aufklärung über den „Inhalt\"\nder Zeichnungen Von Oskar Kokoschka verlangt,\nwird endliidh einmal auf seine Kosten kommen.\nSonst empfehle ich ihm noch, ins MetropoL\ntheater zu gehen. Die neue Revue ist ''das letzte\nan Geschmack- und Talentlosigkeit. Welches In-\nteresse hat 'die gesamte Tagespresse, über diesen\nSchmarren spaltenlange, jubelnde Berichte zu brin-\ngen ? Man liest Von dem „verbürgten, sensationellen\nErfolg\", trotzdem wiederholt *so gar erheblich ge-\nzischt wurde. (Von mir.) Der Text wird gepriesen.\nMit demselben Recht könnte man jede Nummer\nder „Fliegenden Blätter\" glänzend besfprechen. Der\n„Häusdichter\" lebt nur von den dümmsten Wort-\nwitzen. NiCht einmal zur Situationskomik reicht es.\nIn früheren Jahren hatte er wenigstens noch (den\nMut zur Banalität, sein Geistreichein ist unerträg-\nlich. Der Hausmusiker besitzt die Frechheit, ohne\nweiteres Wagnersehe Motive zu den angeblich paro-\ndistischen Zwecken des Hausdichtersi spielen zu\nlaslsen. Was sogar das „elegante\" Premierenpubli-\nkum Stutzig machte. Die gesamte übrige Musik\nkann an tötlidher Langeweile nicht mehr unter-\nboten werden. Oedester, stümperhafter Dilettantis-\nmus. So etwas wagt man als „Lebensfreude\" aus-\nzubieten. Und dazu die vielgerühmte „Ausstattung\"\nfür zweihundert „Mille\". Barudhträume mit Asdhin-\ngerphantasie. Die Direktion hält offenbar das Teuer-\nbezahlte für das1 beste. Ich glaube, daß kein anderes\nBerliner Theater den Herren Baruch diesle übel-\ni\nbemalte Leinwand abnehmen würde. Wenn esl noch\nherzhafter (Kitsch wäre. Aber die Fiirma läßt ihre\n„Phantasie\" los und ihren Parvenugeschmack. Prin-\nzip : möglichst Viel falsches Gold und Glühbirnen.\nUnd es gibt tatsächlich englisch angezogene Men-\nsichen, (denen (das imponiert. Die wirklich guten\nRoben (sie sind nicht von Baruch) wirken peinlich,\nweil man merkt, daß sie den Damen zur leih weisen\nBenutzung überlassen sind. Eigentum der Direktion.\nWo treibt sie nur diese Schunkelmädehen auf. Man\nwäre schon Von Wachsfigurenschönheit begeistert.\nAuch gegen Gemeinheit wäre nichts! einzuwenden.\nAber das Gewöhnliche empört. Die mäßigste\nenglisdhe Truppe Wäre dagegen ein adliges Damen-\ninstitut. Bei solchem Menschenmaterial bleibt nichts\nweiter übrig, als die Revuen in die alte Türkei zu\nverlegen und seidene Trikotbeine mit verschleierten\nGewichtem zur Schau zu stellen.\nDie Solisten. Der Ruf Kettners ist ein Rätsel.\nDer Herr kann gar nichts. Thielscher ein Defekt-\nschauspieler. (Ich erwähnte dieses gute Wort Von\nKarl Krauel schon einmal.) Seine Komik: der Kör-\nper, wie ihn ein Gott im Zorn erschuf. Und nun\ndas erstaunlichste: drei Künstler sind an dieser\nBühne: Fri t z i Massary, Madge Le ss in g,\nJosef Giampi e t r o. Ueber die Massary läßt\nsich nichts besseres sagen, als was ein Freund vor\neinem Jahr über sie schrieb: „Wie ein Wunder\nflößt sich aus diesem Chor gleichgültiger Glieder\ndie Maisisary, die ich Sie durchaus zu den fröh-\nlichen Göttinnen zu zählen bitte, die unser Dasein\nmit Heiterkeit erfüllen. Wie beherrscht sie den\nungeheuren leeren Raum der Bühne. Sie tritt auf,\neine heitere Geberde, sie ist in vollkommener Be-\nwegung, (sie erobert die Bühne, sie beugt Bich,\nkokettiert {mit ihrem Röckchen, wirft ein paar be-\nlanglose Verse' hin: unsere lärmvoll irritierten Nerven\nberuhigen sich unter sanftem Streicheln, ganz leichte\nReize 'durchfließen unsier Blut. Sie tanzt, sie schwebt\nfast, ihre großen Kurven berühren kaum die Bühne,\nbezaubert empfinden wir die subtilste Aufhebung\nder Schwerkraft. Triviale Kouplets entlarven sich\nals! Träume holdester Grazie. Was sie berührt, be-\nseelt sich durch ihr Temperament.\" Madge Lessing\nentzückt durch die Grazie ihres Körpers und ihres\nTanzes. Sie reinigt die Atmosphäre mit ihrer Kind-\nhaftigkeit. Man möchte auf diese gekräuselten Korn-\nmisi niederfahren, die das liebe Gesdhöpf auf Ver-\nanlassung -der Direktion zu umwedeln haben und\ndie gute Luft mit ihrem Warenhäuslparfüm ver-\npesten. Die Massary schwebt, die Lessing fliegt.\n(Ohne Apparate.) Und Giampietro steht fest auf\ndem Boden, ein Könner und Gestalter.\nDas Publikum. Wenn man nicht die Entschuldi-\ngung der „Pres'se\" hätte, wäre das Geständnis des\n„Dageweslenseins\" peinlich. Diese satten und\nplatten /Menschen bilden also die „Creme\" (oder\nwerden Von der Direktion dafür gehalten). Diese\nHerrsdhaften wagen über Kunst zu urteilen und\nerschauern vor Ehrfurcht beim Anblick eines leben-\nden Bildes mit Scheinwerferbeleuchtung. Diese\nguten Bürger lachen taktlos! über seltene und große\nMensdhen, und geraten in Verzückung, wenn ein\nFriseur irgend eine Seichtheit über Gott und die\nWelt hinausschmettert. Diese Hüter der Familie,\ndiesie „Mütter\" werden geil, (sie nennen es „frei\"),\nwenn toan ihnen ordinäre Zoten in die Ohren brüllt.\nUnd diese Spießer halten sich für die große Welt,\nweil sie der Baruchiade beiwohnen durften.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "240", "page_fin": "240", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.10", "titre_corps": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater", "titre_sommaire": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.6", "debut_caractere": 8081, "fin_caractere_exclue": 10015, "texte": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater\nCpntpmhpr Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montag Theater mit gleichbleibendem\nocpicuiuci 20 21 22 23 24 25 26! Spielplan:\nDeutsches Theater p t Premiere Die Die Die a nmin+r™« Berliner Theater Gastspiel Hansi Niese:\nSchumannstrasse 13 a |D. Romantischen! Zähmung | omantisc^en | Romantischen | Romantischen | p y Chariottenstr. 93 Das Musikantenmädel\nKammerspiele Der gute König rQWQ„ Frühlings- Premiere tw Simson Kleines Theater Die verflixten Frauen-\nSchumannstrasse 14 Dagobert erwachen Das Kloster 4 und Delila Unter den Linden 44 zimmer / Erster Klasse\n*\nLessingtheater Einsame ftom , , Einsame y. FAriri , Einsame Einsame Neues Theater P'ie £°^ne\nFriedrich Karlufer l Menschen smeisholm Menschen Menschen Menschen Hedda Gabler Schiffbauerdamm4a|s Ritterszeit. Sonnabend u.\nSonntag: Das Alter.\n- ~ — ~\nKomische Oper Der Arzt wider Der Arzt wider Der Arzt wider Hoffmanns T„„_„ Der Arzt wider Der Arzt wider Residenztheater K. q ...\nFriedrichstr. Io4|io4a Willen Willen Willen Erzählungen 1080 Willen Willen. Blumenstr. 9a omige\nSÜSS- G\"«to'r*\" «««*•>» T»\"1»™«' »-« ssä, pM* \"• T»e«\"j\nKönigsplatz 7 von Sevilla\nNeues Der Tartüff. Der Tartüff. Der Tartüff. w kommst Wann kommst Neues\nSchauspielhaus Der Herr von Der Herr von Der Herr von Raffles D wieder? j)u wieder? Unbestimmt Operettentheater Der Graf von Luxemburg\nNollendorfstrasse 11 jl2 Pourceaugnac Pourceaugnac ' Schiffbauerdamm 25\nModernes Theater n. w a Der Wert Der Wert tv w Die beste der Tt u + Theater des\nKöniggrätzerstr. 57[ 58 Die Wespe des Lebens des Lebens Die Wespe Die beste der der Frauen Unbestimmt Westens Die schönste Frau\n___ _ _ rrauen Kantstrasse 12\nKönigliches . , Die Raben- Moliere und die m.i, nlm m Moliere und die Die Moliere und die Metropoltheater tt i. itt- i u x,(\nKranke steinerin Seinen / Tartüffe Seinen/ Tartüffe Journalisten Seinen/Tartüffe Behrenstrasse 55|56 ur leben noch,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.7", "debut_caractere": 177, "fin_caractere_exclue": 354, "texte": "ileue Secession\nGraphische Russfellung\n1910\n1. 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Vielfache Versuche an Kliniken, Krankenhausern etc.\nhaben Vorstehendes zur Genlige erhartet.\nBesfe, vom ersfen Cebensfage\nZJIB cSSaCKIIQUSmUCn atl teftommlicHe Sdugtingsnahrung.\n: : Die Herren Aerzte werden gebeten, Proben und Literatur zu verlangen von folgenden : :\n======== &ackhaus - 3/tilchansfatfen =========\nAachen-Burtscheid: Stadt. Milchanstalt. — Assenheim b. Friedberg: L. Reif. — Berlin NW-, Jagowstr. 20: Dr. Cy-\nbulskv — Briinn (Mahren): Centralmolkerei. — Breslau, Moritzstr. 48: Nutricia. — Cassel, ob. Carlstr. 3|4:\nA MUller Milchkuranstalt. — Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: R. Gumprecht. — Dresden: Nutricia, Grunaer-\nstr 12 — Drulingen i E (bei Strassburg): Gutsmolkerei Kempf — Elberfeld, Dorotheenstr. 32: H. A. Sauer. —\nFrankfurt a M. Ginnheimer Landstrasse 74: F. Gottschalk. — Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Ilalle a. S.112\nDessanerstr 5- Nutricia. — Hamburg, Gtintherstr. 618: G. Hildebrandt. — Hannover-Linden, Deisterstr. 31;\nDr !Friedel Nachf.- Heilbronn; Herbststr. 26: Ferd. kaix. - Karlsruhe, Gerwigstr. 31: Nutricia. - Kaisers-\nlautern * Emil Andr6, Dampfmolkerei. — Koln a. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schiirmann, Nachf. — Krefeld,\nInratherstr. 191: H. BOgelmann. _ Leipzig: Nutricia, Kronprinzenstr 52. - Magdeburg: Magdeburger Molkerei. -\nnirniiU (Mahren) • W Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbuttel bei Berne (Bremen-\nOldenburg): Stedinger Molkerei. - Stettin, Hohenzollernstr. 50: Nutricia. - Stuttgart, Lerchenstr. 24a: Nutricia.\n— Teolitr-Schonau (Bohmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwinkel: Nutricia, Otto Volkmann. — Wiesbaden,\nBleichstr. 26: Wiesbadener Molkerei. — Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.7", "debut_caractere": 3339, "fin_caractere_exclue": 3463, "texte": "™ Cafe Continental ~\njeden Abend von 9—4 Uhr Nachtss\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAUe bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.7", "debut_caractere": 3465, "fin_caractere_exclue": 3556, "texte": "ReiGhersche Hoehschule\nfur dramatische Kunst\n11. iahrgang\nCHRRLOTTENBURG\nGrolman-Strasse 27"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.7", "debut_caractere": 3558, "fin_caractere_exclue": 4497, "texte": "Dampf-Fabrik fur Puder, Schminken u. Kosmelika\nL. Lelchner\nLieferant der Koniglichen Theater Berlin\nBERLIN SW., Schutzenstrasse Nr. 31\nDie besten Gesichtspuder sind:\nLeichner's Fettpuder\nLeichner's Hermelinpuder\nLeichner's Aspasiapuder\nLeichner's Tagesschminken\nLeichner's Kaiserrot, Blumenrot\nLeichner's Rouge de Theatre\nLeichner's Rouge Aspasia\nLeichner's Fettschminkeo fur die Biihne\nFerner sind im tagllchen Qebrauch der Kiinstler und Kiinstlerinnen:\nQoldcream, Abschminke, Abschminkpapier, Augenbrauen-\nund Lippenschminke, Puderquasten, Hasenpfoten, fliissige\nSchminken, Eau de lys, Haarpuder, Zahnpasta, Leichner-\nAlbum, Polisseur zur Nagelpflege. Neu: Leichner's Hand*\nschuhpuder, feinste trockene Parfiimierung und zur\nKorperpflege.\nErste Preise auf alien beschickten Weltausstellungen, zuletzt Wien 190\nGoldene Staatsmedaille; St. Louis U.S.A.: Grand prix; Paris 190\nVice-Prasident der Jury international; Mailand 1906: Grand prix"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.7", "debut_caractere": 4499, "fin_caractere_exclue": 5066, "texte": "■ Kaui*sfoicf{creme ■\n„Chl©ro\" bleicht Gesicht und Hande in kurzer Zeit rem weiss.\nWirksam erprobtes unschadliches Mittel gegen unschone Hautfarbe,\nSommersprossen, Leberflecke, gelbe Flecke. Mit ausfiihrllcher\nAnweisung 1 Mk, bei Einsendung von 1,20 Mk. franko. Man\nverlange echt „Chloro\"!! Laboratorium „Leo\", Dresden-A. 3.\nErhaltlich in den Apotheken, Drogerien und Parfumerien.\nHanptdepots: LOwenapotheke, Dresden; Engelapotheke, Leipzig;\nStorchenapotheke, Miinchen; LSwenapotheke, Honnover; Domapotheke, KQln;\nLOwenapotheke, Dortmund; Naschmarktapotheke, Breslau."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c019", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.7", "debut_caractere": 5068, "fin_caractere_exclue": 5312, "texte": "Dr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrera.d.Schauspielschule d. 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SS.ch.s. u. Kgl. \"Wurttemb. Hofopernsanger\nBERLIN W. 50, Culmbacherstr. 6\nFernsprecher Via, 18926 Fernsprecher Via, 18926\nERTEILT GESANGUNTERRICHT\nSprechstunde 5—4 Uhr\nii » » » \" \" r=na"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c021", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "242", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.8", "debut_caractere": 168, "fin_caractere_exclue": 386, "texte": "Beinen Telnt\nerzeugt und Bommersproisen\nentfernt acfanell, sicher, blllig\nMalillor - flommersprossen - fjreme\nper Dose IM. 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Porto.\nSchoene & Co., Fabrik medizinischer\nApparate, Frankfurt a. M. S. 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Medaillen Paris 1900,\nHamburg 1901, Berlin 1903, in 6 bis 8\nWochen bis 30Pfund Zunahme, garantiert\nunschadl. Ssreng reell — kein Schwindel,\nViele Dankschreiben. Karton mit Ge-\nbrauchsanweisung 2 Mk. Postanw. Oder\nNachn. exkl. Porto. Hygitnisches Institut\nIK Franz Strieer & Co.\nBerlin 22, Konigratzer Strasse 66"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c024", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "242", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.8", "debut_caractere": 996, "fin_caractere_exclue": 1240, "texte": "Btruhmt u. weitbekannt\nsind unsere\nIa Damenbinden\n5 Dtz. franko M. 4 —\n12 Dtz. (Postpaket)franko M.8.50\nTausende treuer Kundinnen im\nIn- und Ausland.\nSCOPP & JOSEPH, Apotheker\nBERLIN W. 20, Potsdanierstr 122 c\nFabrik: Kurfursten-Straße 146-147."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "242", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.8", "debut_caractere": 1242, "fin_caractere_exclue": 1392, "texte": "waren und sanitare flrtikel aller Art\nzur Kranken- u. Gesundheitspflege\nReelle und prompte Bedienung\nsanitatshaus ftygiea G. m. b. 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Queenstr.9o-91\nHeiratslustige Damen\nerringen ungeahnt schnell die Zuneigung\nur.d Liebe eines Mannes, sobald sie das\n.Schwarze Buch der Koketterie, die ge-\nheimnisvolle Kunst geliebt zu werden\"\nlesen. Bald werden Sie glttckliche\nGattin sein. Preis m. Porto nur 80 Pf.,\na. i. Briefm. Versandhs. „Lebensgliick\",\nDresden 16-97"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "242", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.8", "debut_caractere": 1934, "fin_caractere_exclue": 2065, "texte": "8=\nGesichtsumformungen\ndurch Paraffin-Injektion. 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Oebrauch\ngleichmassig samt Wurzel spur. u. tchmerzlos\nalle Oesichts- u. Korper-Haare. Nur d. dieses\nWasser erzielt man dauernderen Erfolg als d.\nElektrolyse u. and. Prap. Wirkl. unschdl. gar.\n(kein Schwindel). Preis 10 M. gegen Nachn.\ndurch B. M. 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Un-\nscMdlich u. wohlschmeckend. 6—lOPfund\nGewichtsabnah.nach l.Paket. Pr. Mk.2.—\n3 Pakete Mk. 5,—. Hygienisches Institut\nyHermes\" Miinchen 25, Baaderstrasse 8.\nFrau Dir. H, in S. schreibt: Dieser Tee\nist das einzige Mittel, das mir endlich ge-\nholfen hat, nachdem alle anderen Mittel\n========== wertlos waren. ====="}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c031", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "242", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.8", "debut_caractere": 2807, "fin_caractere_exclue": 3114, "texte": "I fritz GurllttHwlkunslhandlung\n3g\n| Potsdam crstrasse 11$ Uilla 11 Berlin 01 Potsdainerstrasse 11$ Uilla il\n3S\nAusstellung von I=l\ndeutschen Meisterwerken:\nBOcklin * Leibl * Thoma * Liebermann -Trfibner etc,\nm\nWochentags von 10—5 I Sonntags von 12—2 geoffnet\na,\nIHIIIIIIIIIIIU\nlllilllllllllllllllllllMlllll"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c032", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "242", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.8", "debut_caractere": 3116, "fin_caractere_exclue": 3157, "texte": "MTTD A TTT\nIYI U JLVXjL X X JL Manchester"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-09-22-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-09-22_01#c033", "volume": "bmtnabg_1910-09-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "242", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.8", "debut_caractere": 3159, "fin_caractere_exclue": 3879, "texte": "a\nit\nti\nfffl\nV\n£\n3\ntl\nt\n&\n112,\nti-\nts\n-3\n4-\n8\na*\nE\nF\nT\nr\n»\\r:\niV,fl\nto\nvt\n&\nh!'.\n£\nrflOCl^C,,\nOMt\nPUPFERBER6 RIESLINGj\n■\nCF£ HANTK^\n€|Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schon\n\\ als solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hochste Voll-\nkommenheit erlangen muß. —\ntt Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nX -\nChr. Ad4 Kupferberg ft C°\nHoflieferanten MAINZ Gegriind«t 185J\n| Ueber Bedeutung von \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschlufi."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: Berlin W 35, Potsdamerstr. 111 / Amt VI 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark ) Halbjahresbezug 2,50 Mark/\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 22. SEPTEMBER 1910/ WIEN\nNUMMER 30\n\nINHALT:\n: R. LAUDON: Ehrlich-Hata 606 / RICHARD DEHMEL: Das Rätsel des Schönen / ROBERT SCHEU: Das Duell / THADDÄUS RITTNER: Und Pippa tanzt /\nELSE LASKER-SCHÜLER: Marie Böhm / J. A.: Richard Voss in Montenegro / TRUST: Theater und Kunst\n\nEhrlich-Hata 606\nVon R. Laudon\nKurpf usbherprozessen können Zeitungen nie ge-\nnug Spalten widmen, Details! aus Irrenanstalten,\nblumig und verquatscht wie etwa Heyermans Be-\nrichten für das B. T., figurieren unter den Journal1-\nspannungen ersten Ranges. Jetzt verschwand der\nLehmpasltor Felke, Ehrlidh-Hata ist eingezogen.\nSchweigt andachtsvoll! Man raubt Berichte aus medi-\nzinischen Fachschriften, ehe sie noch dort veröffent-\nlicht (sind, main interviewt Aerzte, wie sonst Mi-\nnister und Publikumsautoren, man reißt die Türen\nder (Klinik ein) und Krankenhjäulsler auf, — lind schauert\nvergnügt. Umschreibungen finden sich jn Fülle:\n„Kulturtat\", „Sieg Öer deutschen Wissenschaft\";\nzu deutsch: „Sensation, Sensation!\" Es ist ganz\ndas Niveau des anatomischen Kabinetts auf jÜen\nJahrmärkten. Kinder, haltet doch endlich dasl Maul.\nEjs klingt schon scheußlich, wenn Reklame-\nhelden ihr betrügerisches Handwerk üben, indem\nsie mit „606\" beginnen und mit einem Haarwuchs-\nmittel fortfahren; Straßeindirnen Berlins! können Sie\nbelehren, daß durch Einführung von Aminogruppen\ndie ArsaniMure erst intensive Heilwirkung erlange.\nMan rede |nicht darüber, daß die Medizin katho-\nlisch en .Mainieren (über das Maß hinaus huldige,\nund sich ein unnahbares Mysterium iund Priestertum\nzurecht mache; man werfe ihr nicht eine chinesische\nMauer vor. Wenn anders Vertrauen und Hoffnungs-\nglläubigkeit für den Kranken lebenswichtige Dinge\nbedeuten, !so (brandmarke man vielmehr die van-\n\nOskar Kokoschka:\nSchlangenzeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.2", "texte": "da tischen Einbruchsmanieren und verhüte, daß Un-\nkundige in jdepti rettungslblsen Wirrwarr medizini-\nscher Journale, Bedenken und Erwartungen gestürzt\nwerden. Rülpsten Sie nicht so erheblich, sverehrter\nLeser! Sie stehen miCht an, mit Ueberlegenheit ein-\nzuwenden: „Von wegen und so. Die Zeiten sind\nvorüber. Die Aerzte können mir ja sonst was vor-\nreden.\" Wasi Sie kapieren, teurer Leser, süße\nLeserin, weiß ich schon Engst. Was verstehen Sie\nvon Arsen? ICh erzähle Ihnen eine Geschichte wie\neitel Schlagsahne und Sie lesen unentwegt Brat-\nwurst. Idh (weiß, daß Sie, die ich „teurer Leser\nund siüße Leserin\" zu nennen mich gemüßigt fühle,\ntrotz aller Dinge, die idh Ihnen vorhalten könnte,\ndoch stets dieselbe und Ihrer Meinung blieben,\nwelche gar keine ist. Ich kann Ihnen das hellste\nreinste Quellwasser [übergießen, und Sie sind mit\nangeborenem Schmalz eingefettet, und alles! fließt\nvon Ihnen ab. Esl fällt keinem ein, Sie zu belehren,\nnicht einmal' den Zeitungen — denen es' auch schwer\nwerden sollte —, sondern man sagt Ihnen: „Hier\nist Bildung\", und gibt Ihnen Kientopp. Sie merken\nden Unterschied gar nicht. Verzeihen Sie, daß ich\nso grob wurde, aber Sie beliebten zu rülpsen. Da-\ngegen habe jCh vomieret, denn ich bin an Ihnen\nsehr satt, (mein Herr, teurer Leser, süße Dame,\nHerrin und Gärungserregerin meines Magens. —\nIn der Tat, bei aller Schätzung des! herauf-\nkommenden liberal-roten Regiments! und in Er-\nwartung, den Zukunftsjakobinern zu verfallen, muß\nman die entschiedenste Skepsis gegen Volksbeleh-\nrung und jenen Aufkläricht äußern, der jetzt fuß-\nhoch auf den Straßen liegt. Wasi die linken Parteien\nGutes! leisten in der Zurückdrängung eines über-\nlebten ;Kastenregiments, (machen sie wett in der\nZüchtung einer erbärmlichen gottlosen Mittelmäßig-\nkeit Von Mensch. Man schaue tin diesen Zeiten\ndes Empordrängens. auf die abenteuerliche geistige\nSterilität iin Deutschland; man überblicke das Re-\nsultat der Massenbelehrung, überblicke den Durch-\nschnitt unserer belletristischen Literatur, fliege durch\ndie Zeitschriften, ,und vornehmlich, sehe unsere\nTheaterezttel durch; — denn ein ernsthaft gemeinter\nTheaterbesuch bedeutet für mich versuchten Selbst-\nmord, kann idh keinem zumuten; ein Theatergenuß\nist so unwahrscheinlich wie das große Los. Wo ist\nein Fortschritt? Welch Blödsinn und Schwachsinn\nwird produziert, und noch sdhllimlmer, konsumiert!\nDies in idein gehobenen Gesellschaftskreisen; die\nmittleren und (niedrigen, das1 Gros der Bourgeois\nund Proletarier, strebt naCh denselben Idealen, und\nbegnügt slidh (vorläufig, aus! Mangel an Geld, mit\nabgestandener Klassizität. Besserer Jahrmarkt, Sen-\nsation, Kientopp, der Rest Staub. Im geistigen reli-\ngiösen Leben herrscht die fadeste rationalistische;\nAufgeklärtheit und fordert dasi Gelächter eines jeden\nheraus, der Religiosität kennt. Es wäre ganz! ent-\nsetzlich, iwenn (diese Armseligkeit von Gefühl in\nder Tat den Namen „WeltChriSteintum\" verdiente.\nUnd ejsi wäre zu bedauern, wenn sie, die moder-\nnistische, nicht die Nasenstüber und Zurechtweisun-\ngen erführe, 'die man ihr isfoi tausendfach gönnt.\nMachtsl nur kein Geschrei mit „Beschränkung der\nGeistesfreiheit, Gewissenszwang\"; bei EuCh kommt\nGeist immer auf Redenhalten und BüChersChreiben\nhinaus; Euch ischadet der Maulkorb gar nichts.\nUnd die, die Freiheit gebrauchen und ohne sie\nnicht leben können, haben Euch den Teufel anzu-\ngehen; die kennt Ihr nidht, die pfeifen auf Euch,\nund haben isjidh auch zu allen Zeiten, trotz\nEnzykliken und trotz Euch, genau sio viel Freiheit\nund noch zwei Meter mehr genommen als! sie\nbrauchten. Luther hat aber Euch die Mittelpersbn\nabgenommen, Ihr braucht nicht mehr im Himmel\nzu antichambrieren, Ihr sieiid sehr dicht dran. Das\nfehlte Euch noch, daß Ihr jetzt von der Presse, dem\nzweiten Luther, in das! Geheimzimmer der Wissen-\nschaft und Medizin geführt werdet. Gott ist all-\ngiütig ,und hat slidh Eure Zudringlichkeit gefallen\nlassen. Die Wissenschaften sind besser und mensch-\nlicher gegen Euch geschützt, teures profanuin\nvulgus! Kommt Ihr heran, so gehts Eudh schlecht,\nund es! regnet sehr wenig gute Gewitter. Eure\nFreiheit iin die Gosse! Bleibt mir zu Hause faiit\nEurem Hata 606, und wenn esi tausendsechs wäre,\nso hülfe es mir doch nichts, ich ginge zu meinem\nArzt und fragte ihn. Verdamimte Profanierung der\nWissenschaft, verdammte Großzucht des Halb-\nwissens, der Pfuscherei, der Hypochondrie. Ver-\nbildung statt Bildung. Geht vielmehr hin, haltet\nEuer ungewaschenes Mundwerk, verstopft Eure\nOhren mit Pech, kniet nieder, betet an, betet an!\nSchweigt andachtsvoll! Werde wieder zu dem Kind,\ndas du bist, so will idh dich lieben, süßer Mob!\n\nDas Rätsel des Schönen\nKritischer Streifzug von Richard Dehmel\n„Das Rätsel des Schönen\" ist bekanntlich immer\nnoch inicht gelöst, und einem armen Mann [wie\nHamlet macht eis! darum wirklich Freifde, daß die\nGelehrten sich noch immer die Köpfe darüber zer-\nbrechen. Diesmal freute ich mich ganz besonders,\ndenn das Opus, das mir unter jenem rätselvollen\nObertitel eine „Studie über die Prinzipien der\nAesthetik\" Verhieß, war nicht zu dick, und neben\ndem Verfassernamen — er tut hier nichts zur SaChe\n— stand die Bemerkung: Dodtor Philosopjhlae,\nAssistent am physikalisChen Institut der Universi-\ntät. Da gab eis! also hoffentlich etwas „Exaktes\".\nMeine Hoffnung wuchs! durdh die Vorrede.\nZwar schwor sich der Herr Doktor auf die Systeme\nvon Kant und Spencer ein, und fühlte sich ge-\ndrungen, audh sonst noch „Viel Bekanntes\" vorzu-\ntragen, aus! Aristoteles, Lessing, Schiller, Fechner,\nHelmholtz und sio weiter. Aber es ist ja stets! Er-\nfreulich, gute Bekannte zu begrüßen, und obendrein\nverhieß der Herr Verfasser dodh sehr viel Eigenes,\nzum Beispiel eine „tiefgehende Unterscheidung\" im\nBereich der Assoziationen, eine „neue Einteilung\nder Künste\" und ein „Fündamentalgesetz\" über\ndie Verbindung mehrerer Künste zu einer Gesamt-\nwirkung. Und dasi alles nur zu dem Zweck: „die\nKünstler, Kritiker und Kunstliebhaber zu weiterem,\neigenem Nachdenken anzuregen, glCiCh'gültig, pb\nin zustimmendem oder widersprechendem Sinne.\"\nWirklich höchst erfreulich.\nDas BuCh regte mich in der Tat zu eigenem\nNachdenken an — über seine Einleitung. Sie ist\ngeradezu mustergültig für die Kunstgelahrtheit\nunserer Zeit, und vielleicht sogar aller Zeiten.\nDa wird zunächst der metaphysischen Speku-\nlation heimgeleuChtet, mit ihren „allumfassenden\nTheorien\", ihren „weitgreifenden Hypothesien\". Die\nseien nur „dogmatisch formuliert, ohne das Be-\nwußtsein ihrer WillkürliChkeit;\" sehr richtig! Ein\nHauptkennzeichen ihrer Methode, insbesondere auch\nin Dingen der Aesjthetik, Sei die „unberechtigte Tren-\nnung von zusammengehörenden Begriffen und Er-\nscheinungen;\" abermals sehr richtig! Schelling,\nHegel, VisCher werden kaltgestellt; sehr tüchtig!\nSelbst Goethe wird als Metaphysiker entlarvt; aber-\nmals' sehr tüchtig! Nur Schopenhauer wird um-\ngangen; sehr vorsichtig!\nJene AeSthetiker alten Schlages hätten in dem\nWahn gelebt, ein Kunstwerk könne, ja müsse ge-\nsondert von seiner Wirkung auf den Genießenden\nbetrachtet und erforscht werden; die Kunst sei in\nund an sich selbst (vollkommen, wie die Natur,\ndie Wirkung nach außen sei nur etwas Zufälliges.\nGanz anders die (Verzeihung, deutscher Leser, das\nWort ist niCht Von mir) „positivistische\" Wissen-\nschaft. Sie weiß, daß eine Betrachtung gesondert\nVom Betrachter unmöglich ist, und daß wir über\nein natürliches Ding, also auch über ein Kunstwerk,\nim Grunde Stets nur aussagen können, wie es: auf\nund in unsi wirkt, nicht was es an und für sich ist.\nDemnach sei auch die Erforschung des „Schönen\"\n— das Wort ist stammverwandt mit „schauen\" —\nohne Voraussetzung eines Zuschauers unbewußte\nSelbsttäuschung.\nUnd nun überfällt unsl der positivistische Herr\nDoktor frnit folgenden Sätzen: „Unter dem! Zuschauer\nist zu verstehen ein Du rch schnittsmensch, be-\ngabt m,it normalen Geisteskräften und der einer\nbestimmten EpoChe eigentümlichen Bildung; es\ngibt viele solche, und an sie wen de t sich\nder Künstler (sie!) mit seinen Schöpfungen. Die\nfür ein Kunstwerk Charakteristische Wirkung auf\ndiesen Normalzuschauer tritt mit Notwendig-\nkeit ein; sie ist bei all e n Zuschauern die\ngleich e.\" Ich habe nichts! am Wortlaut geändert;\nnur die Sperrungen sind von mir.\nHand aufs' Herz, Herr Doktor, Philosoph und\nPhysiker: ist dieser Ihr Normalzusehauer nicht\n„dogmatisch formuliert\"? Ist er gar vielleicht ein\nAbkömmling der Schopenhauers'chen Einbildung\nvom genialen NormalmensChen? Bloß: Schopen-\nhauer hatte das' „Bewußtsein ihrer Willkürlich keit\"\nund das' scheinen Sie nicht zu haben.\nOder sollten Sie sich wirklich unter Ihrem\nDurchschnittsmenschen, da Sie doch behaupten, daß\nes „viele solche\" gibt, den großen Haufen der so-\ngenannten Gebildeten mit ihrem sogenannten ge-\nsunden Menschenverstand vorstellen? Glauben Sie\ntatsächlich, daß es einen Menschen mit „normalen\nGeisteskräften\" gibt, der die ganze „seiner Epoche\neigentümliche\" Bildung besäße, sie überhaupt sich\nanzueignen vermöchte? Nein, Herr Doktor, sol-\nchen Durchschnittsmenschen hat es nie gegeben,\nsolChe Geisteskräfte waren stets sehr unnormal.\nOder stellen Sie sich etwa unter der eigentüm-\nlichen Bildung einer bestimmten Epoche ganz etwas\nanderes vor als :ich? Etwa gar die jämmerliche\nZweifünftelbildung, die dem NormalzusChauer un-\nserer ,EpoChe eigentümlich ist? Und an diese\n„Vielen\" — Vielzuvielen, slagt Nietzsche — wende\nsich der Künstler tnit seinen Schöpfungen?? Sie\nscheinen nette Begriffe vom Künstler zu haben.\nAber idh will christlich sein; vielleicht hat sich\nder „tiefgehende\" Herr nur oberflächlich aus-\ngedrückt. Vielleicht hat er nur sagen wollen, auf\ndiese Vielen Normalzuschauer wirke der Künstler\nmit seinem Werk, und die Art dieser Wirkung\nkennzeichne das Werk, weil — so meint der Herr\nDoktor weiter — die dem Kunstwerk eigentüm-\nliche Wirkung bei „allen\" NormalzusChauern „mit\nNotwendigkeit die gleiche\" sei. Meinen Sie das\npositiv, Herr Positivist? Nun, dann frejlidh müssen\nSie den Künstler, der sich mit seiner Schöpfung\nnidht an die Vielen wendet, obwohl er eine Wirkung\n(naCh dem Gesetz der Krafterhaltung) auf die ganze\nWelt ausübt, für einen kompletten Narren halten.\nSolange Sie aber einem sloldhen Künstler nicht min-\ndestens zwei ganz bestimmte MensChen zu präsen-\ntieren vermögen, auf die ein ganz; bestimmtes\nKunstwerk ganz bestimmt gleichartig wirkt: so-\nlange wird er Ihren Normalzuschauer bestenfalls\nfür eine jener „weitgreifenden Hypothesien\" halten,\ndie Sie den Metaphysikern aufs Konto setzen.\nSie müssen nun nicht etwa glauben, ich hätte\nselber metaphysische Absichten. Die habe ich\nunter Umständen freilich, aber nicht in Sachen der\nWissenschaft; die Methaphysik ist Sache des reli-\ngiösen Erkennens und mehr noch vielleicht des\npoetischen Denkens. Ich bin durchaus mit Ihnen\neinverstanden, daß im Sinne der Wissenschaft keine\nNaturkraft, alslo auch keine menschliche Schaffens-\nkraft, andersi ah aus ihren Wirkungen erkennbar\nist. Sie sollten daraus nur die richtigen Schlüsse\nziehen.\nAlso mit dem Normalzuschauer ist es nichts;\ner kommt nicht vor in der Natur. Jedwedes Kunst-\nwerk wirkt, wie jede Naturerscheinung, jedes\nmenschliche Erzeugnis, auf jeden Einzelnen ver-\nschieden, je nach dessen Sinnlichkeit, Gemüts- und\nGeistesbildung, ja sogar nach seiner augenblick-\nlichen Stimmung, seiner örtlichen Umgebung, sei-\nnem wirtschaftlichen Zustand und so weiter. Dies\nisit nidht bloß — wie der Herr Doktor uns später\neinreden will — „zum Teil\" der Fall, sondern in\njeder Beziehung, auch was die sogenannte Bild-\nlichkeit (Anschaulichkeit) des Kunstwerks betrifft.\nDenn auCh diese ist nicht „unabhängig von dem ge-\nnießenden Subjekt\", sb wenig wie es „Bewegungen\nvon AetherteilChen\" gibt, „wenn jedes' empfindende\nAuge fortgedacht wird\" (oh, oh, Herr Philosoph) —\nsondern ein Kunstwerk ist nur insoweit anschaulich,\nah es unmittelbar die Sinne reizt; Sinne aber ohne\nein „Subjekt\" und Subjekte ohne „slubjektive Sinn-\nlichkeit\" sind nur für den Metaphysiker denkbar.\nWenn jedes empfindende Auge weggedacht wird,\ndann gibt es höchstens noch allerlei Kraftstoff, oder\neigentlich bloß noch die Weltmasse x; und ob die\nbewegt oder unbewegt, teilbar oder unteilbar,\nätherisch oder fäkalisch ist, dafür fehlt dann eben\njede Empfindung.\nDaß es „anerkannte\" Kunstwerke gibt, ändert\ndaran nicht das1 geringste. Denn auch' diese wirken,\nselbst auf anerkannte „Kenner\", höchst verschieden;\nund mancher Kenner hält manch anerkanntes! Kunst-\nwerk überhaupt nicht für ein solches, sondern fjür\nein Machwerk. Und wie kommt die Anerkennung\nzustande? Nicht dadurch, daß ein großer Haufe\nvon NormalzusChauern eine Wirkung bejubelt, die\nbei allen sofort die gleiche ist; solche Wirkungen\npflegt nur die Afterkunst zu erzielen. Sondern ein\nsehr kleines Häuflein, teils von außerordentlich\ngebildeten, teils von ungewöhnlich veranlagten\nLeuten, nämlich Leuten, die ein anerworbenes Ver-\nständnis oder angeborenen Geschmack für Kunst"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.3", "texte": "besitzen, Leute von sehr unnormaler, eigenartiger\nEmpfänglichkeit: diese suchen sich selbst und an-\ndere über die empfangene, sehr verschiedenartige\nWirkung durch Meinungsaustausch aufzuklären, und\nso übertragen sie allmählich,meistens sehr allmäh-\nlich, die Wirkung auch auf alle die vielen viel nor-\nmaleren Menschenkinder, die vorläufig leider noch\nsehr wenig eigenen Kunstsinn im Leibe haben.\nAber auch an dieses kleine Häuflein „wendet\nsich\" der Künstler nicht mit seiner Schöpfung;\ner wendet sich an alle — alle ohne Ausinahme! —\nan den „Zulukaffer\", dem der tiefgehende Herr\ndie Empfänglichkeit für Beethoven etwas! weit-\ngehend abspricht, so gut wie an den Uebermen-\nsChen, der da kommen soll. Gemeinhin nennt\nman das1: er wendet sich an die Menschheit. Die\naber wird zu jeder Zeit in jedem Volk nur durch\ndie oft zitierten „Besten seiner Zeit\" vertreten, und\nderen gibfei bekanntlich niemals „viele\"; für den\nAllerbesten aber hält der Künstler mit Verlaub sich\nselber, weil eben er es ist, der aus den Besten das\nBeste, auch das bestialisch Beste, schöpferisch zu-\nsammenfaßt. Und weil1 der Allerbeste ihm gerade\ngut genug iist, sich an ihn zu wenden, so wendet sich\nder Künstler — an sich selbst, an alle und an\nkeinen. Sein Werk zwar wirkt auf al'le (verschie-\ndentlich natürlich, auf die meisten scheinbar gar\nnicht, das! heißt nur mittelbar und unbewußt) —\naber der Zuschauer, auf den er seine Wirkungen\nberechnet, ist keiner alte er selber: der Mensch\nin ihm, der Mitmensch wie der Uebermensch, Tier\nso gut iwiei Gott. Da sind wir schon mitten im\nMetaphysischen drin, im mystischen Einklang von\nIch /und AH.\nUnd dieser Zuschauer, dieser einzige „Normal-\nzuschauer\", den es für den Künstler gibt, dieses\nunnormal1 normale Exemplar der Gattung „Mens'cih\"\n— denn nidhtS wird Norm, Herr Doktor, was nicht\nanfangs gegen eine Norm war — womit nun nicht\ngesagt sein soll, daß alles Abnorme Norm zu wer-\nden vermag —: alSo dieser Selbstzuschauer ist der\nKünstler nicht bloß, wie Sie meinen, bei der „Kon-\nzeption\", sondern während seiner ganzen Schaf-\nfens'arbeit, vom ersten unwillkürlichen Anstoß an,\nder ihm das! Urbild seiner Schöpfung über die\nBewußtseinsschwelle hebt, bis zum letzten über-\nlegten Kunstgriff, mit dem er den Eindruck dieses\nUrbildes! möglichst vollkommen auszudrücken sucht.\nJa, noch darüber hinaus bleibt er sein einziger\nNormAlzusChauer, denn nur Er kann wirklich er-\nmessen, in welchem Grade sein Werk vollendet\nist, das heißt die Wirkung des Urbildes von sich\ngibt; nur ihim ist diese Wirkung ja bekannt.\nNun wird der Herr Doktor der Philosophie\nmich wohl für einen rohen „Subjektivisten\" erklären,\nam Ende gar für einen „Nietzscheaner\", der keine\nAhnung von dem Unterschiede zwischen „univer-\nsalen\" und „partikularen\", geschweige zwischen\n„apodiktischen\" und „assertorischen\" Urteilen habe.\nAber nur Geduld, wir werden uns! auch ohne philo-\nsophischen Jargon verständigen! Ich liebe nämlich\ndie Fremdwörter nicht, die aus! der „klassischen\nEpoche\" stammen; es stecken mir zu viel „überlebte\nBegriffe\" dahinter, zu viel „allumfassende Theorie\",\nzu viel „unberechtigte Trennung zusammengehören-\nder Erscheinungen\". Eine Wahrheit läßt sich für\nDeutsche auf gut Deutsch am Verständlichsten\nsagen, und was mir „subjektiv\" ein Unsinn scheint,\nkann 'mir (auch „objektiv\" nicht imponieren; das\nsind mir sehr zusammengehörige Begriffe.\nGenau so unberechtigt wie deren Trennung\nscheint mir aber auch die Mischung unzlusammen-\ngehöriger Begriffe, die in den Fremdwörtern der\ndeutschen Schriftgelehrten seit alters gang und gäbe\nist. Da wird ein solches Wort, zum Beispiel\nNorm, zuerst in einer sehr normalen, das heißt\ngewöhnlichen Bedeutung gebraucht, und ehe man\nsichs Versieht, ist ihm auf einmal eine normative,\ndas! heißt gesetzliche Bedeutung untergeschoben.\nDas ist aber keine Wissenschaft, Herr Physiker:\ndas1 ist Schulmeisterei! schlimmere als! sie sich je\nein Metaphysiker erlaubt hat; denn der macht seine\nKunstgebote doch' nur von seiner allerhöchsteigenen\nWeisheit abhängig, Sie aber (selbstverständlicH\ngleichfalls! bloß in — unbewußter Selbsttäuschung)\nvon der Weisheit des Bildungspöbels.\nBetrachten wir einmal recht gründlich Ihren\neigenen Satz, Herr Doktor: „ein jedes! Kunstwerk\nhat, auch wenn es von seinem Schöpfer noch kei-\nnem anderen Menschen mitgeteilt ist, schon einmal\ndie es' charakterisierende (zu deutsch: ihm eigen-\ntümliChe) Wirkung ausigeübt; nämlich auf den\nKünstler selbst!\" Damit bin ich, wie Sie sahen,\nvöllig einverstanden. Ich gebe Ihnen auch noch\nweiter zu, daß diese Wirkung im Künstler „mit\nwahrscheinlich viel stärkeren Gefühlen als bei dem\nnachempfindenden Zuschauer\" vor sich geht. Auf\nden „ähnlichen Gedankenverlauf\" im Künstler und\nim Zuschauer kommt es zunächst noch gar nicht\nan; Gedanken macht man sich bekanntlich erst auf\nGrund von Vorstellungen infolge von Empfin-\ndungen. Und wie gesagt: nicht bloß „wahrschein-\nlich\", sbndern ganz unzweifelhaft, und nicht bloß\nwährend, sondern auch noch nach der Schaffens-\narbeit wird der ganze Ablauf von Empfindungen,\nVorstellungen und daraus sich ergebenden Ge-\ndanken, die ein bestimmtes Kunstwerk erzeugt\nhaben und dessen eigentümliche Wirkung aus-\nmachen, in keinem so vollkommen wieder auftreten\nwie im Erzeuger s'elbst. In jedem anderen wird\nsich die Wirkung, je nach seiner sinnlichen Und\ngeistigen Beschaffenheit, nur teilweise oder in\nverändertem Verhältnis' der Bestandteile wieder-\nholen. Würden sidh1 sonst wohl die Gelehrten\nnoch immer über „Hamlet\" in den Haaren liegen?\nWill also jemand die Frage „Was ist schön\"\nbeantworten, und glaubt er, daß die sChöne Wir-\nkung gleichbedeutend mit der Kunstwirkung sei,\nso muß die Antwort allererst die Tatsache berück-\nsichtigen, daß ein bestimmtes Kunstwerk niemals\n„mit Notwendigkeit\" als' solches wirkt, sondern nur\nauf jeden Einzelnen in anderer Weise eigentüm-\nlich, in seiner vollen Eigentümlichkeit nur auf den\nSchöpfer desl Werkes.\nNun aber hält der Einzelne nur s'olche mensch-\nlichen Erzeugnisse für wirkliche und echte Kunst,\ndie gerade ihm den Eindrudk einer durchaus1 ein-\nzigen, unnachahmlich eigentümlichen Vollkommen-\nheit beibringen; „dasl\" Kunstwerk und „die\" Kunst\nsind ja bekanntlich nur Begriffsgötzen. Genauer\nmüßte ich sagen: Erzeugnisse, deren Form mir\ndiesen Eindruck jzr Vollkommenheit bexbxuigt.\nDasl ist aber selbstverständlich, da bekanntlich kein\nNaturgebilde, also auch kein menschliches Erzeug-\nnis, anders als aus seiner Form begreifbar ist;\nwenigstens nicht für „Positivisten\".\nWill also jemand etwas Wahres über d i e Wir-\nkung aussagen, die ein (nicht „das\") Kunstwerk\nerst als Kunstwerk b e zeichnet („Charakterisiert\"),\ndais heißt, die unter Umständen einem bestimmten\nMenschen ein bestimmtes Menschenwerk als! ganz\nbesonders formvollkommen erscheinen läßt, so hat\ner zu untersuchen: Erstens: unter was für Be-\ndingungen, zweitens1: durch was für Reize, drit-\ntnes': aus was für Empfindungen setzt jener Ein-\ndruck der Vollkommenheit sich zusammen? Und\nselbst wenn jemandem gelingen sollte, hierfür eine\nFormel von allgemeiner Gültigkeit zu finden, hat\ner sich immer noch bewußt zu bleiben, daß damit\nnur erst ein Bestandteil der ganzen, einem Kunst-\nwerk eigentümlichen, es| Voll kel n n zeichnenden\n(~Charakterijsierenden'') Wirkung (ja, ja, die Fremd-\nwörter) erklärt ist.\nUm eö kurz zu Wiederhofen: die Art- und Wert-\nbegriffe „das1 Kunstwerk\" und „die Kunst\" macht\njeder Einzelne siCh langsam erst zurecht aus den\nKunstwerken, «die ihm nach seiner Vorstellungs- und\nUrteilskraft den Eindruck einer unnachahmlich\neigentümlichen Vollkommenheit gejmaCht haben. Ob\ndieser Eindruck sich mit dem1 der „Schönheit\" deckt,\nob er ihn als Bestandteil enthält, ob Schönheit\nüberhaupt ein unentbehrlicher Bestandteil all und\njeder Kunstwirkung ist, darüber wissen wir vorerst\nnoch nichts. Wir wissen nur: „vollkommen\" ist uns\nalles, was nichts zu wünschen übrig läßt! und\n„eigentümlich\" alles, was dem Durchschnitt nicht\nentspricht! und „unnachahmlich\" alles, was un-\nergründlich Ischeint wie die Natur.\nWas aber diese „Natur\" wohl ist, von der die\nEinen Sagen, die Kunst sei ihre Nachahmung, die\nAndern, ihre Umgestaltung — darauf kann ich nur\nmit einem Dichterwort antworten, obwohl es heute,\nwo ich es! schreibe, noch nicht zu den „anerkannten\"\nWorten zählt:\nNatur, Natur! o leerer Schall,\no seelenvollster Widerhall! —\n\nDas Duell\nVon Robert Scheu\nJedes Zeitalter hat eine zweifache Arbeit zu\nleisten: die Sitte fortzubilden, als deren Quelle die\nLebenserfordernisse der Stände, das gesamte je-\nweilige Wislsen und das Vorbild machtvoller Persön-\nlichkeiten zu betrachten sind. Einblick in die Werk-\nstätte der Sittenbildung gewährt die schöne Literatur,\nvor allem das! Theater. Die zweite Aufgabe, die\nsich Staaten- und Enderweise aufteilt, besteht in der\nbeständigen Ver g l e ich un g der Sitte mit\nder Rechtsordnung. Diese nicht ruhen zu\nlassen, ist Aufgabe der Wissenschaft; sie in ihren\nlebendigen Konsequenzen zu verfolgen, Sache der\nGesetzgebung, in erster Linie der Parlamente.\nDie beiden Aufgaben: Sittenbildung und\nRechtsbildung streng getrennt zu halten, die Grenz-\nlinie jeweils zu erraten, erfordert hohen Takt,\nGeistesklarheit, Wachsamkeit und ein hellseherisches\nEindringen in das! Bewußtsein der Zeitgenossen.\nJede Generation hat nicht nur den Beruf, sondern\nauch die Pflicht zur Gesetzgebung. Sie muß sich\nperiodisch die Frage vorlegen, ob die Sitte über-\nhaupt feststeht, deren Ausdruck das Gesetz sein\nwollte ; ferner ob die Sitte des Gesetzes weiterhin be-\ndarf. Sie hat streng zwischen diesen beiden Mächten\nzu scheiden und darf sich nicht beruhigen, einen\nKonflikt festzustellen, sondern muß einen Schluß\nziehen, ein Endurteil1 fällen. Dazu gehört Auf-\nrichtigkeit gegen sich selbst und Mut zur Wahrheit.\nKonflikte zwischen Sitte und Gesetz sind unver-\nmeidlich, weil das1 Flüssige mit dem Starren nicht\ndauernd übereinstimmen kann; wo sie aber per-\nmanent sind, dort gibt es nur eine Schlußfolgerung,\nnämlich, daß das Gesetz im Unrecht ist. Ganz ein-\nfach aus dem Grunde, weil es das Künstliche ist.\nMan präjudiziert sich daher durchaus nicht,\nwenn man wegen des1 Konflikts zwischen Duell-\nzwang und Duellverbot bekennt, daß die Rechts-\nordnung eine Niederlage erlitten hat. Hier liegt\neine Probezeit vor, die nicht weniger als1 ein halbes\nJahrtausend umfaßt. Denn schon Montaigne kon-\nstatiert den Widerstreit zwischen staatlicher und\nritterlicher Auffassung und stellt alle Argumente\nso erschöpfend dar, daß heute nichts hinzuzufügen\nbleibt. Es ist daher gewiß nicht voreilig, wenn man\ndie Materie für spruchreif erklärt Und rundweg\nfordert, daß die Gesetze, die das Duell unter Strafe\nstellen, aufgehoben werden.\nDer Fehler in der Behandlung dieses Gegen-\nstandes lag bisher darin, daß man die Frage des\nGesetzkonfliktes nicht genügend von der eigenen\nGesinnung isolierte, daß man das Formelle vom\nMateriellen zu trennen nicht den Mut besaß. Erst\nwenn diese Voraussetzung erfüllt ist, kann das\nProblem unbefangen in Angriff genommen werden.\nEs ist von solcher Kompliziertheit, daß es sich nur\nschrittweise zerlegen läßt. Man knan sich hier nur\ndurch einen Vergleich aus! der physikalischen\nWissenschaft verständlich machen.\nEs gibt in der Technik zweierlei Erfindungen.\nDie eine sozusagen die elegante Klasse ist dadurch\nausgezeichnet, daß ein einziger Gedanke, eine In-\nspiration, ein Genieblitz, die ganze Aufgabe gelöst\nhat, daß Geist und Körper der Erfindung eins sind.\nSie entspringen dem Haupt ihres Schöpfers wie\ndie Minerva, mit Schild und Speer, ausgewachsen\nund reif, in einer glücklichen Stunde. Die zweite\nKlasse ist anders geartet. Es sind Erfindungen,\nderen Urheber kaum genannt werden können, weil\nerst die aufgespeicherte Arbeit Vieler die Voraus-\nsetzungen geschaffen hat, die im Wege unzähliger\nAnnäherungen zum Ziele führten. Eine Erfindung\nder zweiten Art ist beispielsweise das! moderne Zwei-\nrad, eine Kollektiv- und Annäherungserfindung, die\naus' einer Kette von Verbesserungen besteht und in\nden verschiedensten Techniken schrittweise ihre Vor-\naussetzung erlebte.\nDas! Problem des Ehrenschutzes gehört nun\noffenbar zu jenen, welche in eine Summe von Teil-\naufgaben zerfallen. Teilaufgaben, die einander viel-\nleicht sogar widersprechen und selbst nur Annähe-\nrungslösungen vertragen. Man darf daher nicht,\nwie es gewöhnlich geschieht, die Antwort mit Ge-\nwalt erzwingen wollen, etwa, indem man seinen\npersönlichen Geschmack ausspielt, oder ein all-\ngemeines Prinzip mit größerer oder geringerer\nLeidenschaft in die Wagschale schleudert. Man\nhat vielmehr die ganze Konstellation zu er-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.4", "texte": "forschen und die Verschiedenen Kräfte nachzu-\nweisen, die sich gegenseitig stützen oder reiben.\nDie Gleichung hat mehrere Unbekannte. Zu-\nnächst ist die soziale von der psychologischen\nAntagonie loszulösen. Auf der einen Seite handelt\nes sich um einen Kampf zweier ständisdhen Auf-\nfassungen, nämlich der ritterlichen und zivilen Per-\nsönlichkeit; auf der anderen Seite um den Kampf\nder Individualpersönlichkeit mit der Rechtsstaats-\nordnung. Diese beiden Antagonien decken sich1\nnicht, sie kreuzen sich nur mit einem kleinen Teil\nihres Umfanges. Kriegerische Wertung und indi-\nvidualistische Rache — das sind die beiden Stützen\ndes1 Duells in der heutigen Gesellschaft; sie stammen\naus zwei entgegengesetzten Welten, aber sie kom-\nbinieren und durchdringen sich allerdings gern.\nDas Duell als militärische Einrichtung beruht\nauf der Hochwertung des' kriegerischen Spieles und\nist auch historisch aus dem scherzhaften Turnier her-\nvorgegangen. Es ist ganz natürlich1, daß der Offizier\nden Kampf um die Ehre in seiner Berufsform aus-\nträgt. Der Offizier, slofern er mit seinem Beruf\nnicht zerfallen ist, muß den persönlichen, physischen\nKampf für den selbstverständlichen Ausdruck der\nPersönlichkeit halten, da die Anerkennung einer an-\nderen Waffe den Grundtrieb seines Berufes negiert.\nNicht, weil seine Ehre eine empfindlichere ist,\nsondern weil infolge der Spezialität seiner Ehre der\nDegen wesentlich zum Ausdruck seiner Persönlich-\nkeit gehört, ist der Offizier an das Duell gebunden.\nMüssen ja auch kriegführende Staaten den Begriff\nder Waffenehre krampfhaft steigern, weil sie ein-\nmal an die Waffen appelliert haben und ein Wider-\nspruch darin läge, das Werkzeug der ultima ratio\nnicht zu glorifizieren. Ganz getrennt von diesen\nmarschieren jene Duellverehrer, welche an diesem\nInstitut hängen, um sich dem amtlichen Richter zu\nentziehen. Für sie ist das Duell ein Mittel, den In-\nstinkten freien Lauf zu lassen, und sie vor den Ein-\ngriffen einer kaltblütigen Zivilisation zu schützen.\nAber wie verschieden sind wieder die Gründe, aus\ndenen das Duell gefordert und aus denen es ver-\nfolgt wird.\nWas bekämpft der Staat im Duell? Man ist\ndarüber einig, daß das geschützte Rechtsgut nicht\ndas Leben, sondern die Sittlichkeit sei. Es ist das\nSpiel ums Leben, dasi von den Duellgegnern ver-\ndammt wird. Ist dies aber auch der währe Be-\nstimmungsgrund für die staatliche Gesetzgebung, so-\nweit sie sich im Strafgesetz offenbart? Mißtrauen ist\nhier am Platz. Der Instinkt unserers Strafgesetzes\nist hier ein anderer. Ihn zu erraten, geben die Be-\nstimmungen über die Notwehr genügend Anhalts-\npunkte. Der Staat entwaffnet die Bürger.\nWenn er dann als! Militärstaat mit sich1 selbst in\nWiderspruch gerät, so offenbart sich darin nur seine\nhöhere Konsequenz. Weit entfernt davon, sich\nselbst ins Gesicht zu schlagen, führt er nur seinen\nleitenden Gedanken aus, eben den Gedanken der\nungleichen Bewaffnung der Stände, des un-\ngleichen Selbstgefühls, das zu erziehen er sidh vor-\ngenommen hat. Nicht um Sittlichkeit und Unsittlidh-\nkeit handelt es sich, sondern um das Vorrecht der\nSelbstbestimmung, um das Vorrecht der Waffe, um\ndie Entwindung des1 Degens. Wenn dies praktisch'\nals Konflikt zwischen dem 'Strafgesetz und der\nmilitärischen Vorschrift in Erscheinung tritt, so\nnimmt es' eben der Staat in den Kauf, da die Form\ndes! Konfliktes die einzige ist, in der die Ungleichheit\naufrechterhalten werden kann. Besitzt man doch\ndas glückliche Korrektiv der Begnadigung, durch\ndie dem Zwiespältigen Zustand das Gefährliche ge-\nnommen wM. Der Widerspruch ist demnach nur\nein scheinbarer, eine Maske!\nAlso auch aus diesem rein politischen Gesichts-\npunkt ergibt sich die Forderung, die das Duell be-\nstrafenden Gesetze aufzuheben. Es erweist sich\nneuerdings, daß das Duell prinzipiell freigegeben\nwerden muß, soll es effektiv bekämpft werden.\nDer Militärstaat betreibt eine ganz besonders!\ngeschickte Politik, indem er individualistische Argu-\nmente für Zwecke ausspielen läßt, welche der Macht-\npolitik angehören. Daß aber rein individualistische\nGründe bestehen, die ganz anders abzuleiten sind,\nmacht das1 Problem so schwierig.\nDie induvidualistische Idee des Duells besteht\ndarin, daß man für gewisse Handlungen und\nAeußerungen mit seiner ganzen Existenz einsteht\nund seine Persönlichkeit verwettet, um dadurdh allen\nAeußerungen seines Lebens ein höheres Gewicht zu\nsichern. Durch die zum Grundsatz erhobene Un-\nverzeihlichkejit all seiner Worte und Taten hebt\nder Duellpflichtige das' Niveau seines ganzen Lebens,\nweil1, nun alles1 belangreich, inhaltschwer relevant\nwird und jede Lebensäußerung über den Bereich des\nAugenblicks und ider Laune hinausgreift. Es ist\neine enorm gesteigerte Pietät, die in einer solchen\nVerantwortlichkeit zum Ausdruck kommt, eine\nPietät, die etwas' Erhabenes hat, aber unmodern ist,\nin einer Zeit, wo das! Individuum wieder auf seine\n„tausend Seelen\" stolz ist. Nicht die Genugtuung,\ndie einer schuldet, sondern die Wichtigkeit, die\ner sich selbst beilegt, ist der leitende Gedanke.\nDarum ist es ein Vorrecht, also Recht und nicht\nPflicht.\nDer Beweis' des Mutes durch das Duell ist nicht\neinmal etwas Sekundäres. Es gehört schon viel\nFeigheit dazu, um auf diesen Gesichtspunkt über-\nhaupt zu verfallen. Mut wird vorausgesetzt. Die\nEhrlosigkeit des Duellverweigerns liegt nicht in der\nFeigheit, sondern in der Gleichgültigkeit gegen\neigene Gesinnungen, die als' zu unwürdig erscheinen,\num mit dem Degen verteidigt zu werden. Liegt\nja auch im Vorwurf der Lüge nach ritterlicher Auf-\nfassung das BeMdige|nde nicht etwa in der im-\nputierten Verletzung einer religiösen Wahrheits-\npflicht, sondern einzig und allein in der darin ein-\ngeschlossenen Zumutung der Abhängigkeit, also in\ndem Angriff auf unsere Souveränität. In der\nDiplomatie beispielsweise, wo dieser Verdacht nicht\nmitspielt, ist die Lüge eine anerkannte Tugend.\nUm die Komplikation voll zu machen, tritt in\ndieses Wirrsal noch' bin unbewußtes Motiv ein,\nnämlich die Sehnsucht nach! einem Korrektiv\nsiegestrunkener sozialer Uebermacht. Wir leben in\neinem Zeitalter fortschreitender politischer Freiheit,\naber gleichzeitig sich verdichtender sozialer Ab-\nhängigkeiten. Durch die Notwendigkeit, sein Leben\nirgendwie alfe Karriere zu konstruieren, gerät der\nmoderne Mensch1 in ein unübersehbares Netz von\nRücksichten und Zwangsanstalten, die jeden seiner\nSchritte zur Resultante von lauter Notwendigkeiten\nmachen. Immer bedenklicher verstärkt sich das\nGewicht wirtschaftlicher Rücksichten, immer voll-\nkommener setzen sich' Verstellung, Unterdrückung\nder natürlichen Affekte durch. Der Druck der viel-\nseitigen Abhängigkeit ist so stark angewachsen, daß\nselbst die Redhtsdurchsetzung illusorisch' wird. Der\nformale Anspruch, beruhe er nun auf dem Straf-\noder Zivilrecht, wird vernachlässigt; denn die Aus-\nübung und Durchsetzung der Rechte steht nur dem-\njenigen zu, dessen Macht von vornherein größer\nist. Wo bereits das Uebergewicht feststeht, dort\nkann es1 durch Verträge gesteigert werden; dagegen\nsind Verträge für die wirtschaftlich Schwachen ohne\nWert. In diesem entsetzlichen Druck des schweigen-\nden Duldens! liegt der Grund unserer Nervosität.\nDas Abreagieren verschwindet aus der Oekonomie\nunseres Gemüts.\nDa ist dann die Aussicht und Möglichkeit eines\nDuells immerhin eine Beruhigung für den entnervten\nStaatsbürger. Soweit es sich1 um die landesüblichen\nEhrenbeleidigungen handelt, kann durch' eine nach-\ndrückliche Strafverfolgung eine Auflösung der Span-\nnung t>is! zu einem gewissen Grade erzielt werden\nund in&ofern ist der Kalkül richtig, daß durch eine\nReform der betreffenden Gesetze eine Verminderung\nder Duelle herbeigeführt werden kann. Bei sonsti-\ngen Eingriffen in die Persönlichkeit — wie; beispiels-\nweise in die Sexualsphäre —- kann jdie noch so\nenergische Intervention eines Dritten keine wahre\nGenugtuung schlaffen. Daher kommt es, daß gerade\ndie unritterlichste Zeit an diesem Erbstück mit einer\ngewissen Zähigkeit festhält. Das Duell ist hier ein\npsychologisches Hilfsmittel, in dem Sinn, wie man\ngesagt hat, der Gedanke an den Selbstmord sei\nein Trost, mit dem man über manche böse Nacht\nhinwegkomme.\nIndern wir zu unserem Gleichnis zurückkehren,\nwiederholen wir die Meinung, daß die Lösung dieses\nProblems nur durch einen konzentrischen An-\ngriff von mehreren Seiten herbeigeführt werden\nkann: Zur Klärung und Demaskierung ist Vor allem\nder Konflikt zwischen Oesetz und Gesellschaft auf-\nzuheben und das! Duell prinzipiell freizugeben.\nDurch' diesen Schachzug, der der Aristokratie schein-\nbar entgegenkommt, wird es in Wahrheit seinen\naristokratisch-militärischen Charakter einbüßen und\nauf seine individualistischen Motive zurücksinken.\nDurch eine strengere Verfolgung der vulgären\nEhrenbeleidigung kann das Gemüt zimlich entlastet\nwerden, bei tieferen Eingriffen in die Persönlichkeit,\nwie beispielsweise beim Ehebruch, wird man die\nEntscheidung den Betroffenen überlassen müssen,\nund es1 inzwischen der philosophischen Erleuchtung\nüberantworten, neue Konventionen und Grund-\nanschauungen vorzubereiten. Eine verfeinerte ge-\nsellschaftliche Kritik, gesteigerter Gerechtigkeitssinn\nund Rückkehr zum natürlichen Empfinden werden\ngleichfalls die Spannung entlasten. Aber die her-\nvorragendste Aufgabe fällt einer höheren Sozial-\npolitik zu, welche neue Gegengewichte schafft und\ndie Nerven entlastet. Man denke an jene herrliche\nStelle der Orestie, wo endlich dem Schlachten ein\nZiel1 gesetzt, die Blutrache entthront und der Areopag\nvon der Göttin Athene gegründet wird. Wie von\nFirnenlicht Übergossen strahlt die Szene und ein er-\nhabener Schauder verkündet das beginnende Regi-\nment der Menschlichkeit. . . . Heute gilt es, einen\nneuen Areopag zu gründen, der den Stacheldraht\neiner überspitzten Ordnung zerschneidet, die Rechte\ndes Gemütes zum Siege führt und eine höhere Frei-\nheit erfindet.\n\nUnd Pippa tanzt\nVon Thaddäus Rittner\nPippa tanzt. Aber die Maßgebenden sind nicht\nzufrieden. Nämlidh: la grande foule und die kleinen\nRezensenten. Sie wird nicht nur ignoriert. Sie wird\ngehaßt.\nWas hassen la grande foule und die kleinen\nRezensenten ? Die Ironie. Die ganze künstlerische\nPhysiognomie Pippas ist ironisch. Dasi ist meine\nEmpfindung. Ungewollte Ironie. Das! heißt: Eine\nEigenschaft der Dichtung, nicht des Dichters. Wie\ndenn überhaupt dasi Gewollte das Schlechteste an\ndiesem und an jedeml Drama ist. Pippas Schönheit\nist ironisdh. Alles Frühere von Hauptmann wai\nbitterer Titerarischer Ernst. Darum war alles Frühere\nso beliebt. Darum erhielt Hauptmann so schöne\nGrillparzer- und andere Preise. Für Pippa bekommt\ner gar nidhts. Sie ist der Pferdefuß. Eine kom-\npromittierende Geschichte. Kurz gesagt: Eine Dich-\ntung.\nPippa hat ihre eigene Luft. Ein Königreich\ndes öÜases ,in Schlesien. Die Leute sind in der\nGlashütte beschäftigt oder leben von ihr mittelbar.\nAber nicht yie Arbeit gibt der Dichtung den Grund-\nton (wie in den „Webern\"), Standern das Material\nder Arbeit. Dasi ist das CharakteristisChe. Aus dem\nGegensatz zwischen der häßlichen Arbeit und dem\nschönen ergibt sich! das Leitmotiv des\nGanzen. Das! Glas stammt aus Venedig, wie Pippa,\ndie Tochter (des! Glastechnikers Tagliazlzoni. Und\ndieses „Venedig\" — mehr eine Sehnsucht als eine\nStadt — gibt deml Drama einen zweiten Hintergrund.\nDen rein poetischen nebeln dem! Ort der Handlung.\nRauhe Bauernhände erzeugen zarte Blumen-\nwunder aus! Gllas. Ahnungslos. Hungrige Bauern-\naugen verschlingen (die tanzende Pippa und leiden\nan ihr, aber sie sehen sie nicht. Sie tanzt vor ihnen,\naber nicht für sie.\nPippa ist die echteste weibllidhe Schöpfung des\nfrüheren Literaten. Traurig echt in ihrem Schicksal1.\nSie ist „die Schönheit auf Erden\". Sie ist das\nWeib. Jedenfalls ist sie dazu da, mißverstanden\nzu werden. Vor Männern zu tanzen, die slie aus\nBewunderung zerreißen oder — heiraten möchten.\nZwei (symbolische Tänze aml Anfang und am\nEnde. Dasi erstemal! im Wirtshaus — eine „Pro-\nduktion\". Und zum Schluß in der Hütte Wanns —\neine höchst eigene sexuelle Angelegenheit. Zwei\nBilder von einer imposanten Perspektive.\nIm Wirtshaus. Unter den zuschauenden Bären\nist auch ider „Glashüttendirektor\". Ein gewöhn-\nlicher Mensch. Aber doch unter den Bären ein\nWeltmann. Seine (Galanterie hat eigene feine Nu-\nancen. Zuerst er, das1 „verlauste\"\nMädel1 ssoll tanzen. Aber Pippa ersdheint, und er\nbehandelt sie zart — wie Glas. Der Herr Direktor\n„liebt\". Hat fstogar Von Pippa Träume. Er sagt\nihr, daß jsie aus dem Glasofen stamme. So richtig\nträumt er von Pippa. * Er siagt ihr: „Wenn die\nWeißglut aus! dem Ofen! bricht, sehe ich dich oft\nganz salamanderhaft in dein glühenden Lüften mit\nhervorzittern.\" Da läßt sich plötzlich ein grotesker\nRiese vernehmen, ein früherer Glasbläser, „der alte\nHuhn\". „Vo dar hloa iidh o schunn Träume ge-\nhott. ...\" Das ist unheimlich. Jenseits von lite-\nrarisch und szenisch. Aus dem Schlesischen ins"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.5", "texte": "WedekindSche übersetzt: „Ferdinand (ein Diener\nim letzten (Akt des! Erdgeist). Man ist doch nur\nein Menisch \"\nPippa tanzt mit dem1 „alten Huhn\".\nMan sehe, was aus dem Literaten Hauptmann\ngeworden ist. Die putzigen „Spezialkorresponden-\nten\", die damals! den Berliner Durchfall Pippas in\ndie Welt telegraphierten, ließen den ersten Akt\nnodh gelten. Nach1 meineml Gefühl mit Unrecht.\nDenn dieser Akt ist auch von einem Dichter. Er\nspielt „in (der Schenke des alten Wende in Rot-\nwasSergrund\", ist (aber kein Akt aus Fuhrmann\nHenschel. Und die „handelnden Personen\" reden\nzwar scheinbar (das gewöhnliche Schlesisch, aber\njedes ihrer [Worte hat einen gewissen Unterton,\nder ihre Zugehörigkeit zu einer unendlichen Welt\nverrät. Symbolische Fäden verbinden sie mit dem\npoetischen Hintergrund, und nicht nur gesprochene\nAlltäglichkeit |mit dem „Ort der Handlung\".\nDaher das! prächtige Kolorit des sdheinbär „re-\nalistischen\" Dialogs: ein Wedekindscher Dialog —\nvon Hauptmann.\nPippa tanzt mit Huhn, den sie haßt und fürchtet,\nvor Männern, {die sie verachtet und fürchtet. Bis\nauf einen. DiesCr Eine ist ein „wandernder Hand-\nwerksbursche\". Der junge Michael Hellriegel, der\nin die Welt zieht, um „etwas! ganz Besonderes\" zu\nerlernen und zu erleben. Spuckt Blut. Aber hat\ndie Jugend und den Märcheinglauben. AlSto iein\nKönig. — Und nun weiß man, daß Pippa für ihn\ntanzt. Für den Dichter tanzt die Schönheit auf\nErden.\nVorläufig wird aber diese Schönheit von einem\nstärkeren entführt. Der alte Huhn benutzt einen\ngünstigen Augenblick, stürzt sich wie ein Raubtier\nauf Pippa und trägt sie davon, hinauf in die Berge,\nin seine Hütte.\nUnd nun, in einer luftigeren, „wildromantischen\nUmgebung\" (wo die Wirklichkeit und das1 Ver-\nständnis des kleinein Rezensenten aufhören) die Fort-\nSetzung der Tragikomödie Vom irdischen Spieß-\nrutenlaufen jder Schönheit.\nDer verrückte Poet Michael kommt von un-\ngefähr in (die Höhle deisl Riesen. Das Raubtier\nist in dem Moment „nicht zu Hause\". Wohl aber\nseine Beute. Ein kostbares tete ä tete mit Pippa.\nEine der (schönsten Szenen. Quasi Liebesszene, aber\nso, wie man im Märdhen liebt. Er — wie Peer\nGynt — Lügner und Poet, Kind und Prahler. Glaubt\nam liebsten an diejenigen Dinge, die es nicht gibt\n— und ist jeder Heldentat fähig, wenn sie unsinnig\nist. Und sie eine Perle in der Galerie der deut-\nschen „Naiven\". Aber zwischen ihr und einem\nGretchen liegt ein Abgrund oder — Lulu von Wede-\nkind. Auf die Nachricht von der Ermordung ihres\nVaters, der sie prügelte und überhaupt molto c'attivo\nwar, fällt sie nicht in Ohnmacht, sondern ihrem\nMichael lachend um den Halsl „Ach, so hab' ich\nja niemand mehr in der Welt! Niemand als! dich!\"\nUnd der Poet beschließt natürlich sofort, das arme\nMädchen bis! ans Ende der Welt zu tragen.\nWenn sie auf dieser Reise nach Venedig über\nBerge und Gletscher nicht zugrunde gehen, so ver-\ndanken sie es einer mythisdhen Persönlichkeit, dem\ngreisen Wann, der in einer Baude auf dem Kamm\ndes |Gebirges (wohnt, die Welt liebt und von der\nVogelperspektive sieht. Er lockt die beiden in sein\nHaufe' (und rettet sie so vor dem Tode. Wer ist\nWann? Sicher nicht der Herrgott (wie die scharf-\nsinnigsten Rezensenten (meinen). Mir genügt es,\ndaß er hoch1 oben wohnt und (wie der Dichter\ndes Glasmärchens Pippa) die Welt Von der Vogel-\nperspektive sieht. Vielleicht ist es keine „Persön-\nlichkeit\", sondern — ein Standpunkt.\nWann nimmt Jugend und Schönheit zu sich auf\nund bewirtet (sie wie königliche Gäste. Und die\nbeiden (danken ihm inicht, sondern begegnen ihm\nmit Trotz und Stolz, wie esl der Jugend geziemt.\nDafür spielt er mit ihnen wie mit Kindern. Er\nlacht über den Poeten, der „auf praktische Weise\"\nnadh Venedig reisen will. . . . „Nein, so kommst\ndu wahrscheinlich niemals hin. Aber . . .\" und\ner zeigt ihm daisl kleine Modell einer venezianischen\nGondel; ... „wenn du mit diesem Schifflein reisest,\nmit dem schon die ersten Pfahlbauern in die La-\ngunen (hinausfuhren, (und aus dem, wie aus einer\nschwimmenden RäucherschälC phantastischer Rauch,\nder Künstlertraum Venedig quoll ... so kannst\ndu mit einemmal alles! erblicken, wonadh deine Seele\nstrebt . . .\" Ja, das ist unsinnig genug, und Mi-\nchael ist einverstanden. Er nimmt das Spielzeug\nin die Hand, und Wann versetzt ihn in einen hyp-\nnotischen jSdhlaf, — mittels einer Zauberformel, die\ner Pippa nachsprechen läßt und ihren Finger um\nden Rand eines! venezianischen Glases herumführt.\nDaisi Glas erschauert und erklingt unter der Be-\nrührung Pippas1, die Töne werden immer stärker,\nund auf den Wellen dieser Musik reist Michael\nim Traum nach „Venedig\": Er „erblickt alles1, wo-\nnach seine schmachtende SeelC strebt\".\nEr reist also — allein. Dies kleine Detail ist\nwichtig. Dies1 tragische Detail, daß die „Schön-\nheit auf Erden\" nur für einen ist, für den Dichter,\nund auch für diesen einen — nicht ist. Nur darum\nmadht der alte Ironiker sein seltsames Experiment\nmit der Gondel. Ausl purem Vergnügen an einem\nschönen [Beweis. An dem Beweis, daß Michael\nseine Pippa in der Seele hat — und erblinden\nkönnte — und Pippa doch hätte. Die Rolle Pippas,\nder „irdischen Schönheit\", beschränkt sich darauf,\ndaß sie in der Seele des Poeten Michael jene Klänge\nhervorruft, die ihn in das Wunderland der Phantasie\ntragen. Aber slonst ist Pippa für Michael — nicht.\nSie tanzt wohl1 für ihn. Aber nicht mit ihm. Sie\ntanzt (mit demjenigen, den sie haßt. In diesem\nStück und — immer. Sie tanzt mit dem brutalen\nHuhn. Und zu diesem Tanz treibt sie der starke,\newige Instinkt, der alles Lebendige in die Arme\ndes) Todes treibt.\nDieser zweite und letzte Tanz, der Todestanz\nder Schönheit (mit der Kraft, bildet den Schluß\ndes Dramas. Der Riese schleicht sich in die Hütte\nWanns! ein und versteckt sich hinter dem Ofen.\nMan weiß es zuerst nicht (zur großen Freude der\n„Spezialkorrespondenten\", die ihn für ein Symbol\ndes' 'Allwissenden halten) und entdeckt den Ein-\ndringling erst nachts', als Michael und Pippa\nschlafen. Ein kurzes, fast stummesi Ringen der Weis-\nheit mit der Kraft, und esl siegt die Weisheit. Huhn\nsinkt — aber lebt nodh. Und mit dem Rest seines\nbrutalen Lebens! tötet er später Pippa, die sich in\nAbwesenheit [Wanns und mit dem1 Einverständnis\nMichaeli von ihm zum Tanze verleiten läßt.\nDieser Tanz ist das schönste Finale, das ich\nkenne. Erinnert mich an das! herrliche Ende Lulus\nin der „BüCh'se der Pandora\". Der „alte Huhn\"\nspielt hier jdie Rolle des! Jack the ripper. Es ist\nwie ein riesiges, lustig brennendes Opferfeuer, zu\nEhren desi mors imperator. Drei Glieder des Tanzes:\ndie „Einladung\", das! Flehen des totkranken Raub-\ntieres!, schwere, prächtige Urworte, heiße Lavastücke,\ndann das' „Mitleid\" des Mädchens für den Ster-\nbenden und die göttliche Naivität des! Poeten Mi-\nchael, der Pippa zuredet zu tanzen; schließlich das\ngroße „Feuer\", der Tanz. . . . Während des! Tanzes\nzerbricht das! Weinglas, das Huhn in der Hand halt,\nund . . . Pippa Stirbt. Dann stürzt der Riese.\nEin retrospektives Symbol — könnte man sagen\n— ist die nun wirklich eintretende Blindheit Hell-\nriegels!. Er weiß nichts vom Tode seiner „Ge-\nliebten\" ; sb wie — er früher nichts von ihrem Leben\nwußte. Er ist glücklich, er hat Pippa in sich. —\nDas1 Glasmärdhen vom irdischen Spießruten-\nlaufen der Schönheit erlitt das! gleiche Schicksal,\nwie die Schönheit selbst. Und das ist die äußere\nIronie des Hauptmannschen Dramas. Es Vereinigten\nsich alle Spezialbarbaren, die in Kritik machen,\ndenn es handelt sich' um den Angriff auf einen\ngemeinsamen Feind — den Dichter. Sie vereinigten\nsiCh alle, um ihn und das Werk, das „Niemand\nverstehen kann\", mit ihrem Hasse zu krönen. Und\nPippa tanzt. . . . AVe poeta!\n\nIm Augustheft der Deutschen Rundschau gibt\nRichard Voß in einer Reihe von Ergebnissen den\n„mächtigen\" Eindruck wieder, den Montenegro bei\nrascher Durchfahrt auf seine empfängliche Seele\ngemacht hat. Er drängt die Reihe von Erlebnissen\nzwar nur in einem Artikel zusammen, aber der ist\ndafür auch tötend langweilig. Als! Voß von Korfu\nnordwärts fuhr, geriet er im Frühjahr 1910 in „ein\nhomerisches Königreich\".\n„Nun kam ich, nun s'ah ich.\"\nUnd es siegte die poetische Phantasie über\ndie Nüchternheit geographischer Bezeichnungen,\nund Voß erlebte einen Gelsang Homers. Er „er-\nlebte in dem Zeitalter der drahtlosen Telegraphie,\nder Sezession und Bernhard Shaws\" ein Epos.\nKein Name all der Großen der Geschichte, die\neinmal1 auf montenegrinischem Boden standen, von\nCäsar bis zu Amaläsuntha, „des großen Theodorichs\nunseliger Tochter', ist jdem Dichter fremd, aber\ner kennt keine stolzere Straße als die, welche nach\nCettinje führt. Sie ist in gewissem1 Sinne eine Via\ntriumphalis, „a u 112 i'lfr ziehtdie Kultur diese\nunwirtlichen Höhen empor\",\nVoß fährt an Bastionen vorüber. Der Doppel-\nadler hält (scharfe Wacht, die Cettinjer, die mit\nVoß im Auto sitzen, haben einen Adlerblick, und\nbald schweben sie alle hoCh über der Tiefe, als\nhätten sie „in brausendem Fluge Adlerschwingen\nemporgeführt\". Plötzlich wird Voß von einem Mit-\nreisenden angerufen.\n„Was ist?\"\n„Montenegro!\"\nEs! handelt sich nur um die Passierung der\nGrenze. Doch der Montenegriner erzählte nun auf\nheimatlichem Boden Richard Voß von den weisen\nGesetzen, die Peter der Zweite ihnen gab. „Du\ndarfst nicht stehlen. Stiehlst Du dreimal, so steht\nTodesstrafe darauf.\"\nVoß fand die Gesetze Voll Ueberzeugung „weise\nwie König Salomo\", und auf seine Frage: „Habt\nihr in Montenegro noch die Blutrache\", antwortete\nder edle Reisegefährte: „Herr, jenes Gebot steht\nim Herzen unseres Volkes geschrieben. Ein solches\nlöscht kein Gesetz aus.\" Die Gesetze sind — nach\nRichard Voß — weise wie König Salbmo, aber jder\n\nRichard Voss in Montenegro\n\nMarie Böhm\nElse Lasker-Schüler\nEcke Französische und Charlottenstraße lachen\naus einem der Glaskästen schöne, weiße Zähne,\nzwischen frischen Lippen in Mädchengesichtern.\nManche von den jungen Schauspielerinnen offen-\nbaren ihre ureigene Begabung, denn ihre Perlmutter-\nhecken sind gar nicht erschaffen, am Abend hinter\nzuckenden Lippen Versteckt zu schimmern. Ueber\ndem Atelier Von Marie Böhm scheint auch der\nHimmel zu heiter; die wundervolle Photographin\nkann nicht genug Vorhänge über die Sonne ziehen,\ndie maCht immerfort ein freundliches! Gesicht. Marie\nBöhm ist die Eigentümerin des kunstphotographi-\nsChen Ateliers Becker und Maass. Man kann sich\nohne Gefahr vor Entstellung vor ihren Apparat\nbegeben. M,arie Böhm weiß im richtigen Augen-\nblick den Blick Vom Auge zu nehmen. „Der\nnichtssagendste, ausdrucksloseste Mensch hat einen\nAugenblick, den muß man eben festhalten.\" Ihre\nlieben, blauen Augen strahlen, als sie das antwortet.\nIch verstecke mich unter einem Tisch hinter langen\nLaubgewächsen, um aus meiner Froschperspektive\neinige Aufnahmen zu beobachten. Daß das nicht\nangehe, meint Fräulein Böhm — schon naht das\nBrautpaar, ich rufe ihr aus1 meiner Lage zerstreut'\nzu, sie soll sagen — im Fall — ich bin Arzt und\ninteressiere mich für neuartige Operationen. Diese\nIdeenverwirrung stammt von meinem Vater her, er\nverwechselte immer das Zahnziehen mit dem Photo-\ngraphierenlasSen. Beides hat so was mit dem\nHerausholen ,zu tun — und — „der eine Augen-\nblick\". Marie Böhm aber hat keine Zange in\nder Hand. Bräutigamundbrautumschlangen sitzen\ndie beiden auf der Bank und drehen ihr den\nRücken zu; ihre Gesüdhter blicken sich auf einmal\nnach etwas! um. Ob sie mich quaken hören! —\n„Danke!\" Zweite Aufnahme. — Für die Photo-\ngraphien imüßte es auch eine Welt geben aus ge-\ndiegenem Silberoxyd im Krinolin. Das! Album ist\naus der Mode gekommen, darin s'ich das photo-\ngraphierte OnkeltantengeSChlecht zum Aufblättern\nbefand; es stirbt nicht aus. In Schalen liegen all\ndie Pietäten, Frauen, die sich audh schon Löckchen\ndrehten, Nun sind unsere Kleidersäcke zugebunden,\nAuf den slpiätverwandten Bildern Stehen die Röcke\nweit in Runden. Ihre Augen aufgetan in\nTodesangst den Augenblick zu greifen, heute\nhasCht ihn die Photographie wie einen Schmetter-\nling vom zwanglosen Sichgehenlassen. Und ge-\nrade (meine liebe Marie Böhm ist eine so große\nPhotographin — sie photographiert auch ohne\nApparat gerade mitten in der Sonne mit geschlosse-\nnen Augen, wie der Maler malt ohne Pinsel im\nSpazierengehen, im Anblick, im Nachsinnen. Wenn\nich ihr gegenüber sitze, wartet sie auf die Falte\nzwischen tmeinen Brauen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.6", "texte": "Montenegriner handelt nun einmal nadh einem Her-\nzensgebot.\nVoßens Traum von einem homerischen König-\nreich bleibt, selbst als Voß lange nach einem Laden\nsuchen muß, in dem Ansichtskarten zu haben sind.\nEs' gereicht ihm zum Trost, daß „Von Ansichtskarten\nja auch Homer nichts zu singen weiß.\"\nAber ein Grand Hotel gibt es in Cettinje. „Der\nWirt, ein kriegerischer, waffentragender Mann,\nspricht zu dem Fremdling von seinem Fürsten\nund Herrn, ganz Feuer und Flamme dabei werdend.\nEin Dichter ist unser Fürst, qin| Sänger seine® Volkes.\nKommen Sie in unser Theater, wenn unseres Fürsten\nNikita, „Königin Vom Balkan\", aufgeführt wird.\nDann werden Sie selbst hören. Oh, Sie werden\nschon sehen! Bleiben Sie bei uns, Herr; oder kom-\nmen Sie wieder!\"\nVoß wollte nicht bleiben, und er will auch nicht\nwiederkommen. Er beeilt Sich, nach Cattaro zu-\nrückzufahren, „wie im Wolkenflug, sturmumheult\nund von Nebelnacht umdunkelt ging eS pfeilschnell\ndurch schwarzes Gewölk hinunter\", er erkannte\nnicht einmal den Abgrund, in den er hinabstürzen\nkonnte.\nVon neuem in die Welt aller Wirklichkeiten zu-\nrückgekehrt (soll heißen: in Cattaro wieder glück-\nlich angelangt), hört er, daß Montenegro Königreich\nwerden soll. In Montenegro wußte noch kein\nHammel davon? Voß nennt die Botschaft seltsam,\naber für ihn war Montenegro sdhbn lange ein König-\nreich.\nDem Fürsten Nikita erzählte der Grand Hotel-\nwirt, eine waffentragende, kriegerische Gestalt, von\ndem seltsamen Besuch eines träumenden Reichs-\ndeutschen in Cettinje.\n„Wie hieß der Edle?\"\n„Richard Voß.\"\n,Aha!\"\n„Er Soll ein Dichter sein.\"\n„Für mich war er das schon lange\", bestätigte\nder Fürst.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nJ. A.\n\nTheater und Kunst\nIm Modernen Theater unterhielt man sich über\nden „Wert des Lebens\". Das Stück ist so sdhliecht,\ndaß es1 gleichfalls von Rudolf Lothar sein könnte.\nMan behauptet aber, daß es ein anderer Autor Ver-\nfaßt hat. Jedenfalls! war es widerlich. Die trau-\nrigen Schauspieler dieses Institutes benahmen sich\noffenbar dank der Regie Williarn Wauers etwas\ngebildeter. ,Herr Alwin Neuß, der bekannte fade\nVirtuose, Vervollständigte glücklich das „Ensemble\",\ndafel nur ein Talent aufwies : Herrn Hermann Pfanz.\nIch möchte endlich nächstens wissen, was William\nWauer kann.\nIm Residenz-Theater unterhielt man sich. Werte\nwurden Gottseidank ausgeschaltet und das Leben\ndurdh Richard Alexander verkörpert. Lieber\nein wahnsinniger [Blödsinn als einen blödsinnigen\nWahnsinn. Alexander wirkt durch Tonfall und\nGestik. Ich halte ihn für einen Humoristen. Leider\nbieten 'seine Rotten nie Gelegenheit, festzustellen,\nob er gestalten kann. Man glaubt es fast.\nUebrigens: Ich fürchte, daß man die herrlichen\nTitelzeidhnungen nie ordentlich ansieht, mit denen\ndie Herren Direktoren ihre Programme schmücken\nlassen, und die jetzt bei dem erhöhten Preis ein\ndoppeltes Interesse gewinnen. Ich will diese be-\nscheidenen Schöpfungen von Künstl'erhand endlich\nauö [dem Theaterdunkel1 ans Tageslicht ziehen, damit\nman weiß, wie eng unsere Bühnen mit der Kunst\nzusammenhängen. Hier zunächst einmal1 eins. Es\nhat den Vorzug, verständlich zu sein. Und der\nHerr Baurat, der sich mit rührender Geduld den\nSturm kauft und nach dem Erscheinen jeder\nNummer telefonisch Aufklärung über den „Inhalt\"\nder Zeichnungen Von Oskar Kokoschka verlangt,\nwird endliidh einmal auf seine Kosten kommen.\nSonst empfehle ich ihm noch, ins MetropoL\ntheater zu gehen. Die neue Revue ist ''das letzte\nan Geschmack- und Talentlosigkeit. Welches In-\nteresse hat 'die gesamte Tagespresse, über diesen\nSchmarren spaltenlange, jubelnde Berichte zu brin-\ngen ? Man liest Von dem „verbürgten, sensationellen\nErfolg\", trotzdem wiederholt *so gar erheblich ge-\nzischt wurde. (Von mir.) Der Text wird gepriesen.\nMit demselben Recht könnte man jede Nummer\nder „Fliegenden Blätter\" glänzend besfprechen. Der\n„Häusdichter\" lebt nur von den dümmsten Wort-\nwitzen. NiCht einmal zur Situationskomik reicht es.\nIn früheren Jahren hatte er wenigstens noch (den\nMut zur Banalität, sein Geistreichein ist unerträg-\nlich. Der Hausmusiker besitzt die Frechheit, ohne\nweiteres Wagnersehe Motive zu den angeblich paro-\ndistischen Zwecken des Hausdichtersi spielen zu\nlaslsen. Was sogar das „elegante\" Premierenpubli-\nkum Stutzig machte. Die gesamte übrige Musik\nkann an tötlidher Langeweile nicht mehr unter-\nboten werden. Oedester, stümperhafter Dilettantis-\nmus. So etwas wagt man als „Lebensfreude\" aus-\nzubieten. Und dazu die vielgerühmte „Ausstattung\"\nfür zweihundert „Mille\". Barudhträume mit Asdhin-\ngerphantasie. Die Direktion hält offenbar das Teuer-\nbezahlte für das1 beste. Ich glaube, daß kein anderes\nBerliner Theater den Herren Baruch diesle übel-\ni\nbemalte Leinwand abnehmen würde. Wenn esl noch\nherzhafter (Kitsch wäre. Aber die Fiirma läßt ihre\n„Phantasie\" los und ihren Parvenugeschmack. Prin-\nzip : möglichst Viel falsches Gold und Glühbirnen.\nUnd es gibt tatsächlich englisch angezogene Men-\nsichen, (denen (das imponiert. Die wirklich guten\nRoben (sie sind nicht von Baruch) wirken peinlich,\nweil man merkt, daß sie den Damen zur leih weisen\nBenutzung überlassen sind. Eigentum der Direktion.\nWo treibt sie nur diese Schunkelmädehen auf. Man\nwäre schon Von Wachsfigurenschönheit begeistert.\nAuch gegen Gemeinheit wäre nichts! einzuwenden.\nAber das Gewöhnliche empört. Die mäßigste\nenglisdhe Truppe Wäre dagegen ein adliges Damen-\ninstitut. Bei solchem Menschenmaterial bleibt nichts\nweiter übrig, als die Revuen in die alte Türkei zu\nverlegen und seidene Trikotbeine mit verschleierten\nGewichtem zur Schau zu stellen.\nDie Solisten. Der Ruf Kettners ist ein Rätsel.\nDer Herr kann gar nichts. Thielscher ein Defekt-\nschauspieler. (Ich erwähnte dieses gute Wort Von\nKarl Krauel schon einmal.) Seine Komik: der Kör-\nper, wie ihn ein Gott im Zorn erschuf. Und nun\ndas erstaunlichste: drei Künstler sind an dieser\nBühne: Fri t z i Massary, Madge Le ss in g,\nJosef Giampi e t r o. Ueber die Massary läßt\nsich nichts besseres sagen, als was ein Freund vor\neinem Jahr über sie schrieb: „Wie ein Wunder\nflößt sich aus diesem Chor gleichgültiger Glieder\ndie Maisisary, die ich Sie durchaus zu den fröh-\nlichen Göttinnen zu zählen bitte, die unser Dasein\nmit Heiterkeit erfüllen. Wie beherrscht sie den\nungeheuren leeren Raum der Bühne. Sie tritt auf,\neine heitere Geberde, sie ist in vollkommener Be-\nwegung, (sie erobert die Bühne, sie beugt Bich,\nkokettiert {mit ihrem Röckchen, wirft ein paar be-\nlanglose Verse' hin: unsere lärmvoll irritierten Nerven\nberuhigen sich unter sanftem Streicheln, ganz leichte\nReize 'durchfließen unsier Blut. Sie tanzt, sie schwebt\nfast, ihre großen Kurven berühren kaum die Bühne,\nbezaubert empfinden wir die subtilste Aufhebung\nder Schwerkraft. Triviale Kouplets entlarven sich\nals! Träume holdester Grazie. Was sie berührt, be-\nseelt sich durch ihr Temperament.\" Madge Lessing\nentzückt durch die Grazie ihres Körpers und ihres\nTanzes. Sie reinigt die Atmosphäre mit ihrer Kind-\nhaftigkeit. Man möchte auf diese gekräuselten Korn-\nmisi niederfahren, die das liebe Gesdhöpf auf Ver-\nanlassung -der Direktion zu umwedeln haben und\ndie gute Luft mit ihrem Warenhäuslparfüm ver-\npesten. Die Massary schwebt, die Lessing fliegt.\n(Ohne Apparate.) Und Giampietro steht fest auf\ndem Boden, ein Könner und Gestalter.\nDas Publikum. Wenn man nicht die Entschuldi-\ngung der „Pres'se\" hätte, wäre das Geständnis des\n„Dageweslenseins\" peinlich. Diese satten und\nplatten /Menschen bilden also die „Creme\" (oder\nwerden Von der Direktion dafür gehalten). Diese\nHerrsdhaften wagen über Kunst zu urteilen und\nerschauern vor Ehrfurcht beim Anblick eines leben-\nden Bildes mit Scheinwerferbeleuchtung. Diese\nguten Bürger lachen taktlos! über seltene und große\nMensdhen, und geraten in Verzückung, wenn ein\nFriseur irgend eine Seichtheit über Gott und die\nWelt hinausschmettert. Diese Hüter der Familie,\ndiesie „Mütter\" werden geil, (sie nennen es „frei\"),\nwenn toan ihnen ordinäre Zoten in die Ohren brüllt.\nUnd diese Spießer halten sich für die große Welt,\nweil sie der Baruchiade beiwohnen durften.\nTrust\n\nWochen-Spielplan der Berliner Theater\nCpntpmhpr Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montag Theater mit gleichbleibendem\nocpicuiuci 20 21 22 23 24 25 26! Spielplan:\nDeutsches Theater p t Premiere Die Die Die a nmin+r™« Berliner Theater Gastspiel Hansi Niese:\nSchumannstrasse 13 a |D. Romantischen! Zähmung | omantisc^en | Romantischen | Romantischen | p y Chariottenstr. 93 Das Musikantenmädel\nKammerspiele Der gute König rQWQ„ Frühlings- Premiere tw Simson Kleines Theater Die verflixten Frauen-\nSchumannstrasse 14 Dagobert erwachen Das Kloster 4 und Delila Unter den Linden 44 zimmer / Erster Klasse\n*\nLessingtheater Einsame ftom , , Einsame y. FAriri , Einsame Einsame Neues Theater P'ie £°^ne\nFriedrich Karlufer l Menschen smeisholm Menschen Menschen Menschen Hedda Gabler Schiffbauerdamm4a|s Ritterszeit. Sonnabend u.\nSonntag: Das Alter.\n- ~ — ~\nKomische Oper Der Arzt wider Der Arzt wider Der Arzt wider Hoffmanns T„„_„ Der Arzt wider Der Arzt wider Residenztheater K. q ...\nFriedrichstr. Io4|io4a Willen Willen Willen Erzählungen 1080 Willen Willen. Blumenstr. 9a omige\nSÜSS- G\"«to'r*\" «««*•>» T»\"1»™«' »-« ssä, pM* \"• T»e«\"j\nKönigsplatz 7 von Sevilla\nNeues Der Tartüff. Der Tartüff. Der Tartüff. w kommst Wann kommst Neues\nSchauspielhaus Der Herr von Der Herr von Der Herr von Raffles D wieder? j)u wieder? Unbestimmt Operettentheater Der Graf von Luxemburg\nNollendorfstrasse 11 jl2 Pourceaugnac Pourceaugnac ' Schiffbauerdamm 25\nModernes Theater n. w a Der Wert Der Wert tv w Die beste der Tt u + Theater des\nKöniggrätzerstr. 57[ 58 Die Wespe des Lebens des Lebens Die Wespe Die beste der der Frauen Unbestimmt Westens Die schönste Frau\n___ _ _ rrauen Kantstrasse 12\nKönigliches . , Die Raben- Moliere und die m.i, nlm m Moliere und die Die Moliere und die Metropoltheater tt i. itt- i u x,(\nKranke steinerin Seinen / Tartüffe Seinen/ Tartüffe Journalisten Seinen/Tartüffe Behrenstrasse 55|56 ur leben noch,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.7", "texte": "Auslieferung fßr Ost mich-Ungarn A. Mühlhans-Smital Wien IX / FBr den Buchhandel: M. Braunschwelg Wien IX / Verantworte fßr die Schrittleitung in Osterrelch-Ungarn: Otto Soyka\n\nileue Secession\nGraphische Russfellung\n1910\n1. Oftfober bis 1. December\nin 9er\nOalerle Mlaximilian ITlachf\nBerlin ID., Ranftesfrasse 1\nan 9er Kaiser IDilhelm 6ed3chtnis - Hirdie\n\nM\n3JW»d\nKinder\nrtKferfi\nilenioe i\\ir\nMflch\nZur Bekampfung der\nKinders terbliefifjeit\nEine der Hauptursachen der tibergrossen Sterblichkeit im ersten Ltbens-\njahre liegt in der Mangelhaftigkeit einer angtme-seren Ernahrung der\nSauglinge. — Unter den vielen Ersatzmitteln der Mutterbrust hat in letzter\nZeit eines immer mehr und mehr infolge seiner hervorragenden Eigen-\nschaften die Aufmerksamkeit der Aerzte und Laien auf sich gezogen und\nbehauptet heute den ersten Rang unter denjenigen S&uglings Nahrmitteln,\nwelche aus frischer Kuhmilch hergestellt werden: die Baokhausmiloh.\nDie Baokhausmiloh entspricht in physiologischer und hygienischer Hin\nsicht dem Vorbild, wie es uns die Frauenmilch darbietet und ermOg-\nlicht, wie diese, eine regelmassige, von ausseren StOrungen unabhangige\nEntwickelung des gesunden Kindes. — Dann aber stellt sie im Falle von\nMagen- und Das mkrankheiten des Sauglings ein Diatetikum von ent-\nschiedener Heilkraft dar, welches die Behandlung mit Medikamenten\nwesentlich untersttitzt, ja manchmal ganz entbehrlich macht. — Sie bildet,\nals das ausschliessliche Nahrungsmittel wahrend der ersten 9—lo Monate,\nein durch kein anderes Praparat mit gleicher Sicherheit zu ersetzendes\nVorbeugungsmittel gegen die so ungemein verderblichen und haufigen\nBrechdurehfaile. Vielfache Versuche an Kliniken, Krankenhausern etc.\nhaben Vorstehendes zur Genlige erhartet.\nBesfe, vom ersfen Cebensfage\nZJIB cSSaCKIIQUSmUCn atl teftommlicHe Sdugtingsnahrung.\n: : Die Herren Aerzte werden gebeten, Proben und Literatur zu verlangen von folgenden : :\n======== &ackhaus - 3/tilchansfatfen =========\nAachen-Burtscheid: Stadt. Milchanstalt. — Assenheim b. Friedberg: L. Reif. — Berlin NW-, Jagowstr. 20: Dr. Cy-\nbulskv — Briinn (Mahren): Centralmolkerei. — Breslau, Moritzstr. 48: Nutricia. — Cassel, ob. Carlstr. 3|4:\nA MUller Milchkuranstalt. — Chemnitz, Reichenhainerstr. 191: R. Gumprecht. — Dresden: Nutricia, Grunaer-\nstr 12 — Drulingen i E (bei Strassburg): Gutsmolkerei Kempf — Elberfeld, Dorotheenstr. 32: H. A. Sauer. —\nFrankfurt a M. Ginnheimer Landstrasse 74: F. Gottschalk. — Fulda: Molkereigenossenschaft, Fulda. — Ilalle a. S.112\nDessanerstr 5- Nutricia. — Hamburg, Gtintherstr. 618: G. Hildebrandt. — Hannover-Linden, Deisterstr. 31;\nDr !Friedel Nachf.- Heilbronn; Herbststr. 26: Ferd. kaix. - Karlsruhe, Gerwigstr. 31: Nutricia. - Kaisers-\nlautern * Emil Andr6, Dampfmolkerei. — Koln a. Rh., Hansaring 81: Hupertz & Schiirmann, Nachf. — Krefeld,\nInratherstr. 191: H. BOgelmann. _ Leipzig: Nutricia, Kronprinzenstr 52. - Magdeburg: Magdeburger Molkerei. -\nnirniiU (Mahren) • W Spitzer. — Prag (Nusle): Actien-Dampfmolkerei Nutricia. — Ranzenbuttel bei Berne (Bremen-\nOldenburg): Stedinger Molkerei. - Stettin, Hohenzollernstr. 50: Nutricia. - Stuttgart, Lerchenstr. 24a: Nutricia.\n— Teolitr-Schonau (Bohmen): Molkerei Hille & Dittrich. — Vohwinkel: Nutricia, Otto Volkmann. — Wiesbaden,\nBleichstr. 26: Wiesbadener Molkerei. — Wien: Gutsverwaltung Rothneusiedl.\n\n™ Cafe Continental ~\njeden Abend von 9—4 Uhr Nachtss\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAUe bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften\n\nReiGhersche Hoehschule\nfur dramatische Kunst\n11. iahrgang\nCHRRLOTTENBURG\nGrolman-Strasse 27\n\nDampf-Fabrik fur Puder, Schminken u. Kosmelika\nL. Lelchner\nLieferant der Koniglichen Theater Berlin\nBERLIN SW., Schutzenstrasse Nr. 31\nDie besten Gesichtspuder sind:\nLeichner's Fettpuder\nLeichner's Hermelinpuder\nLeichner's Aspasiapuder\nLeichner's Tagesschminken\nLeichner's Kaiserrot, Blumenrot\nLeichner's Rouge de Theatre\nLeichner's Rouge Aspasia\nLeichner's Fettschminkeo fur die Biihne\nFerner sind im tagllchen Qebrauch der Kiinstler und Kiinstlerinnen:\nQoldcream, Abschminke, Abschminkpapier, Augenbrauen-\nund Lippenschminke, Puderquasten, Hasenpfoten, fliissige\nSchminken, Eau de lys, Haarpuder, Zahnpasta, Leichner-\nAlbum, Polisseur zur Nagelpflege. Neu: Leichner's Hand*\nschuhpuder, feinste trockene Parfiimierung und zur\nKorperpflege.\nErste Preise auf alien beschickten Weltausstellungen, zuletzt Wien 190\nGoldene Staatsmedaille; St. Louis U.S.A.: Grand prix; Paris 190\nVice-Prasident der Jury international; Mailand 1906: Grand prix\n\n■ Kaui*sfoicf{creme ■\n„Chl©ro\" bleicht Gesicht und Hande in kurzer Zeit rem weiss.\nWirksam erprobtes unschadliches Mittel gegen unschone Hautfarbe,\nSommersprossen, Leberflecke, gelbe Flecke. Mit ausfiihrllcher\nAnweisung 1 Mk, bei Einsendung von 1,20 Mk. franko. Man\nverlange echt „Chloro\"!! Laboratorium „Leo\", Dresden-A. 3.\nErhaltlich in den Apotheken, Drogerien und Parfumerien.\nHanptdepots: LOwenapotheke, Dresden; Engelapotheke, Leipzig;\nStorchenapotheke, Miinchen; LSwenapotheke, Honnover; Domapotheke, KQln;\nLOwenapotheke, Dortmund; Naschmarktapotheke, Breslau.\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrera.d.Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nBERLIN W 35\nLiitzowstr. 98, II\nTelefon: AmtVl, 1796\nSprechstunde: 5—6 Uhr\n\nII II II—I' \"\"»■ ■'\n/AAX GIESSWEIN\nKgl. SS.ch.s. u. Kgl. \"Wurttemb. Hofopernsanger\nBERLIN W. 50, Culmbacherstr. 6\nFernsprecher Via, 18926 Fernsprecher Via, 18926\nERTEILT GESANGUNTERRICHT\nSprechstunde 5—4 Uhr\nii » » » \" \" r=na"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19100922-01.1.8", "texte": "Verantwortl. f. d, Anzeigenteil: A. Bot» / Verlag Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle and Anzeigen - Annahme: Berlin W. 35 / Druck y. Hans Walter, Berlin SW.I 3\n\nBeinen Telnt\nerzeugt und Bommersproisen\nentfernt acfanell, sicher, blllig\nMalillor - flommersprossen - fjreme\nper Dose IM. Wo nicht in Drogerien\nund Parfiimerien erhSltlich, durch\nHaiiflor-Company, Doberan (3), Mcklbg.\n\nElektrisiere\ndich selbst!\nBelehrendes Bucli gegen 10 Pfg. 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H, in S. schreibt: Dieser Tee\nist das einzige Mittel, das mir endlich ge-\nholfen hat, nachdem alle anderen Mittel\n========== wertlos waren. =====\n\nI fritz GurllttHwlkunslhandlung\n3g\n| Potsdam crstrasse 11$ Uilla 11 Berlin 01 Potsdainerstrasse 11$ Uilla il\n3S\nAusstellung von I=l\ndeutschen Meisterwerken:\nBOcklin * Leibl * Thoma * Liebermann -Trfibner etc,\nm\nWochentags von 10—5 I Sonntags von 12—2 geoffnet\na,\nIHIIIIIIIIIIIU\nlllilllllllllllllllllllMlllll\n\nMTTD A TTT\nIYI U JLVXjL X X JL Manchester\n\na\nit\nti\nfffl\nV\n£\n3\ntl\nt\n&\n112,\nti-\nts\n-3\n4-\n8\na*\nE\nF\nT\nr\n»\\r:\niV,fl\nto\nvt\n&\nh!'.\n£\nrflOCl^C,,\nOMt\nPUPFERBER6 RIESLINGj\n■\nCF£ HANTK^\n€|Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schon\n\\ als solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hochste Voll-\nkommenheit erlangen muß. —\ntt Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nX -\nChr. Ad4 Kupferberg ft C°\nHoflieferanten MAINZ Gegriind«t 185J\n| Ueber Bedeutung von \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschlufi."}]}